Holm Reuver II – Fotografische Auswertung transparenter Zahnpräparate

von Holm Reuver

Bevor die einzelnen topografischen Merkmalen von Wurzelkanalsystemen näher beleuchtet werden, soll noch ein wenig auf die fotografische Auswertung transparenter Zahnpräparate eingegangen werden.

Ein paar Ausrüstungsgegenstände haben sich bei mir sehr bewährt und ich möchte keines davon missen oder austauschen. Als Kamera verwende ich die Systemkamera Canon RP mit dem Canon-Objektiv MP-E 65 mm, das mit dem Adapter EF-EOS R an der Canon RP gut funktioniert. Ein tolles Feature des Objektivs ist die Rotationsmöglichkeit der Kamera trotz Montage am Stativ. Dadurch kann jeder Wurzelkanal blitzschnell achsengerecht im Bild ausgerichtet werden. Für reibungsloses Arbeiten benötigt man ferner ein Stativ, das nicht nur stabil ist sondern auch mit einer höhenverstellbaren Mittelsäule ausgerüstet ist. Zur genauen Fokussierung ist ein guter Monitor erforderlich, der das Kamerabild in ausreichend großem Format widergibt. Nur so können winzige Strukturen sicher scharf gestellt werden. Die Kamera wird dazu über die EOS-Utility-App mit einem Computer verbunden und per Maus über die App bedient (Tether-Shooting).

Die Schichten von Objekten, die mit Makrofotografie scharf dargestellt werden können, sind wesentlich kleiner als die Dicke transparenter Präparate. Daran ändert auch eine sehr kleine Blende nichts. Um ein transparentes Zahnpräparat als ganzes Volumen scharf abzubilden, werden deshalb viele Einzelbilder gemacht, die als Serie in zu- bzw. abnehmender Entfernung aufgenommen und später mit einem Programm zu dem Ergebnisbild verrechnet werden. In diesem sind dann alle Details der aufgenommenen Serie scharf abgebildet.

Das von der Serie erfasste Volumen soll alle Strukturen von Interesse beinhalten. Alle anderen Anteile des transparenten Präparats, die vor oder hinter dem Volumen der Bildserie liegen, sollen möglichst ausgeschlossen werden, damit unwichtige Details das Ergebnisbild nicht stören. Mit diesem Ziel werden das vorderste und das hinterste Bild einer Serie festgelegt. Mit der Anzahl der Einzelbilder muss sichergestellt sein, dass alle Details des aufgenommenen Volumens in einem der Einzelbilder scharf abgebildet sind. Wenn die Einzelbilder mit weit offener Blende aufgenommen werden, verschwimmen unwichtige Bildinhalte noch stärker in Unschärfe und die interessanten Details treten stärker hervor.

Mit dieser Technik lassen sich beliebig dicke oder dünne Schichten virtuell und zerstörungsfrei aus den Präparaten herausschneiden. Die Erfassung der gesamten Tiefe eines Zahnpräparats als Volumen reicht jedoch nicht aus, um Zähne und Wurzelkanalsysteme räumlich zu verstehen. Dazu müssen andere, ergänzende Perspektiven herangezogen werden. Die Fotografie transparente Präparate aus beliebigen Richtungen soll zu späterer Gelegenheit separat erklärt werden.

Videos von rotierenden Präparaten machen die visuelle Erfassung der räumlichen Zusammenhänge noch wesentlich einfacher. Sie sind oftmals unverzichtbar, wenn Einzelbilder nicht sicher interpretierbar sind. Erkauft wird das mit einer geringeren Auflösung, Tiefenschärfe und Brillanz. Diese Nachteile können mit einer Micro-four-third-Kamera, einem 30 mm Makroobjektiv und Blende 22 in Grenzen halten. Bewährt hat sich die Olymmpus OM-D E-M1 Mark II.

Ein Video war bereits in Teil 1 über transparente Zahnpräparate zu sehen. Die hier zu sehenden Folien geben einen Einblick in die Möglichkeiten der Bildauswertung mit Fotos. Zu sehen ist ein Zahn 26, der 15 Jahre zuvor wurzelkanalbehandelt worden war.

Abb. 2.1: Die mesiobukkale Wurzel eines Zahns 26 in der Ansicht von palatinal. Von dem visuell erfassbaren Volumen ist jeweils nur ein Gebiet von Interesse fokussiert, hier das apikale Ende des mb1-Gleitpfads.

Abb. 2.2: Im Fokus ist der Hauptanteil eines mesiozentralen Kanalsystems.

Abb. 2.3: Im Fokus ist die von der Wurzelkanalbehandlung nicht erfasste mb2-Endstrecke.

Abb. 2.4: Im Fokus ist das apikale Ende einer Via falsa, die von mb2 ausgeht. Es besteht hier keine Verbindung mit dem Parodont.

Abb. 2.5: Ansicht von mesial: Es wird deutlich, wie tief das Volumen ist, wie viele Strukturen von Interesse darin enthalten sind und wie sie zueinander in Beziehung stehen. Fazit: Untersuchungstechniken, mit denen sich nur plane Ebenen auswerten lassen, sind nicht geeignet zur Untersuchung räumlicher Zusammenhänge.

Abb. 2.6: Fotos derselben Situation mit zwei unterschiedlichen Lichtführungen, die zur fotografischen Standardauswertung gehören und jeweils etwas andere Strukturen besser erkennen lassen: das mesiozentrale Kanalsystem im linken Bild und das Obturationsmaterial im rechten. Links Dunkelfeld, rechts Durchleuchtung des Präparats mit gebündeltem (kollimiertem) Licht, bei dem die Lichtstrahlen weitgehend parallel zueinander verlaufen und mit dem zusätzlich Strukturen durch Lichtbrechung sichtbar gemacht werden. Für beide Aufnahmen wird eine Grundbeleuchtung von rechts und links angeordnet, um opake Strukturen wie Obturationsmaterial sichtbar zu machen. Zur Verbesserung des räumlichen Eindrucks wird die Intensität der seitlichen Lampen unterschieldich eingestellt.
Durch Farbpigmente (hier grün) lässt sich zeigen, welche Anteile der Wurzelkanalsysteme Verbindung zum Parodont hatten.

Abb. 2.7: Eine starke Vergrößerung ist möglich und nützlich. Am Beispiel der apikalen Endstrecken von mb1 sind unterschiedliche Ergebnisse zu sehen: Am Ende des erweiterten Gleitpfads hat sich Sealer (AH Plus) gestaut. Dagegen ist in zwei apikale Ramifikationen unterschiedlich viel Sealer eingeflossen, wodurch Mischzonen aus Sealer und unbekanntem Material entstanden sind aber keine dichte Füllung. Welche Substanzen neben AH Plus in den Mischzonen vorliegen, kann mit transparenten Präparaten nicht beantwortet werden. Der blaue Pfeil deutet auf das Foramen der einen Ramifikation, über das Farbpigmente in die offenen apikalen Endstrecken eingedrungen sind.

Abb. 2.8: Durch eine andere Perspektive ist die räumliche Anordnung der einzelnen Strukturen besser interpretierbar.

Abb. 2.9: Eine starke Vergrößerung ist auch für die Beurteilung des mesiozentralen Kanalsystems wichtig, hervorgehoben mit Linien in gelb, weiß und grün. Es ist irregulär, kleinlumig und besitzt zwei eigene Ausgänge. Blauer Pfeil: Ein weiterer Anteil des mesiozentralen Kanalsystems enthält dunkle Substanz und entspringt ebenfalls dem Isthmusbereich. Unten im Bild: Dunkle Massen im Isthmusbereich, vermutlich nekrotische Gewebereste mit zersetzten Blutanteilen. Zwei weiße Pfeile im linken Bild zeigen auf einen Kanal, der von der gegenüberliegenden Wurzeloberfläche ausgeht und blind im Dentin endet.

Unser Mann in… Madrid

12 Jahre Madrid

von Alexander Knobel

Wie die Zeit vergeht. Am 01.03.2010, also vor etwas mehr als 12 Jahren, habe ich meine „Clinica Dental“ in Madrid eröffnet.
Heute kann ich über meine Naivität nur noch den Kopf schütteln.

Mein Name ist Dr. Alexander Knobel und ich habe mein Examen 2000 an der Uniklinik in Heidelberg abgeschlossen.
Anschließend habe ich 10 Jahre als Assistenzarzt, angestellter Zahnarzt und final als Partner in einer Gemeinschaftspraxis im Rhein-Neckar Kreis gearbeitet.

Dazu und wie ich überhaupt auf die damals verrückte Idee kam, nach Spanien auszuwandern und in Madrid eine Praxis zu gründen, hatte ich bereits in mehreren Beiträgen (hier und hier und hier und hier) auf WURZELSPITZE veröffentlicht.
Kurz zusammengefasst: Meine Frau ist gebürtige Madrilenin und wollte aus familiären Gründen wieder zurück und ich sah hier meine Chance für angestrebte 2 Jahre etwas Auslandserfahrung zu sammeln.
12 Jahre später muss ich gestehen, dass mein Masterplan nicht ganz aufgegangen ist.

Dabei kann und werde ich mich nicht beschweren, will aber auch ehrlich sein.

Neben einer geschätzten Wochen-Arbeitszeit von 60-80h in den ersten 5 Jahren (auch am Wochenende war ich in der Praxis präsent), die alles andere als fürstlich bezahlt wurden, hatte ich auch enorm viel Glück und eine große spanische Familie, die es mir erlaubte das Experiment finanziell unabhängig anzugehen.
Inzwischen bin ich hier gut bekannt und meine Praxis knobel.dental läuft.
Ich bin als Referent für das CEREC System und als KOL für Sprintray unterwegs und habe zusätzlich das Vergnügen, neben in Madrid gestrandeten Soldaten, Expats aus der ganzen Welt, Politikern und Journalisten auch den ein oder anderen Superstar zu betreuen. Auch die Wertschätzung im spanischen Kollegenkreis hilft sehr über hin und wieder vorhandenes Heimweh hinweg.

Dennoch ist auch nach 12 Jahren jeder Monat ein kleiner Drahtseilakt.

Zahnmedizin wird hier zu 100% aus eigener Tasche bezahlt und ist kein Bestandteil des sozialen Gesundheitssystems. Umso schwerer ist es daher die Patienten zur Prophylaxe und notwendigen zahnmedizinischen Behandlungen zu bewegen.
Daneben gibt es an jeder Ecke Zahnarztketten nach dem McDonald Prinzip und die großen privaten Zusatzversicherung haben ihre eigenen Praxen.
Es werden in Madrid jedes Jahr ca. 500 junge arbeitswillige Zahnmediziner auf den Markt gespült und hierbei habe ich noch nicht einmal die Masse an südamerikanischen Zahnärzten erwähnt, die im gelobten Land Spanien ihr Glück versuchen.
Preisdumping („what you pay is what you get“) und dentaler FastFood bestimmen die zahnärztliche Landschaft.
Eine sehr gute Zusammenfassung wurde vom Kollegen hier bereits veröffentlicht:
https://ocndo.home.blog/2021/02/19/69-prozent-teil-2-forca-barca/

Dennoch sollte man die spanische Zahnmedizin nicht unterschätzen. Wer gerne Zeit auf internationalen Kongressen verbringt, wird feststellen, dass namenhafte Top Referenten aus Spanien kommen. Was hier abgeliefert wird hat Champions League Niveau. Da muss man sich schon anstrengen, um mitspielen zu dürfen. 5% top und der Rest maximal ausreichend (laut Aussage spanischer Referenten).

Spannend ist, dass die Zahnmedizin hier rasend schnell in das digitale Zeitalter eilt.
Lag der Anteil intraoraler Scanner 2019 noch bei 3-4%, liegen wir 2022 bei über 20%. Erstaunlich, gerade weil die Umsätze einer Zahnarztpraxis kaum vergleichbar mit einer deutschen Praxis sind und hier die Kosten solcher Systeme schmerzhaft weh tun.

Und je verrückter die bürokratischen Hürden und Zwänge in Deutschland werden, umso mehr erreichen mich in jüngster Zeit immer wieder Anfragen von Kollegen, die unbedingt in Spanien ihre Praxis eröffnen möchten, da hier alles so viel besser ist.
Und da muss ich leider enttäuschen. Hier ist relativ wenig besser, wenn es um den Beruf des Zahnarztes geht.
Korrekt ist sicherlich, dass man es sich schön einrichten kann und der bürokratische Aufwand überschaubar ist.
Nur sollte man sich nicht der Illusion hingeben, dass hier irgend jemand auf einen wartet.
Der Markt ist mehr als gesättigt. Wer nicht bei McDonald, Vitaldent, Unidental etc. enden möchte, sollte sich diesen Schritt genau überlegen. Ohne spanisch Kenntnisse und einer großen spanischen Familie im Rücken wird die Luft dünn.

Ganz interessant ist auch hier eine neue Studie spanischer Wissenschaftler aus dem Jahr 2019 zum Burn-out-Syndrom. Dabei leiden 9,8% der spanischen Zahnärzte unter starkem Burn-out.
(https://doi.org/10.1016/j.jdent.2022.104143)
Wichtig zu wissen ist dabei, dass diese Studie vor der Covid Pandemie und dem rigorosem Lockdown in Spanien erstellt wurde, welche mit Sicherheit zu einem weiteren Anstieg geführt hat.
War bis vor der Krise das so hoch gepriesene QM Management in Deutschland hier noch ein komplettes Fremdwort, so werden auch wir hier nun komplett zugbombardiert. Alles noch überschaubar … aber dafür ungebremst.

Genau wie die Zahnarztketten und die fehlende Wertschätzung unseres Berufes in Deutschland ankommen, so werden wir nicht von der Bürokratie verschont. Das mag an der Küste noch entspannter zugehen. In Madrid sind Kontrolle, ob auch wirklich jeder Spiegel eingeschweisst und validiert ist, nun der Alltag.
Am Schluss die immer wieder gestellte Frage, ob ich den Schritt bereue und es wieder machen würde.
Die Antwort darauf fällt mir extrem leicht.
Ich bereue nichts und bin mehr als dankbar wie alles gelaufen ist.
Durch harte Arbeit und auch viel Glück konnte ich hier meinen Platz finden. Aber ich würde es nicht wieder tun. Mit der gleichen Energie und dem Aufwand wäre sicherlich noch viel größeres in Deutschland möglich gewesen.
Einzig auf die Anzahl der Sonnenstunde könnte ich definitiv nicht mehr verzichten.
Sonne ist zum Lebenselixier geworden und läßt einen dann doch über vieles hinwegsehen.

Wann ist ein Instrument ein gutes Instrument (2)

von Nils Widera

Anwenderbericht Procodile Q

Seit September diesen Jahres ist die neueste Entwicklung von Komet käuflich zu erwerben. Eine Weiterentwicklung der bekannten Procodile durch eine thermische Behandlung hin zur Procodile Q.
Und tatsächlich ist das nicht alter Wein in neuen Schläuchen, sondern für mich die bisher beste Feile die Komet auf die Beine gestellt hat.
Ganz allgemein handelt es sich um eine Reziprok-linksläufig arbeitende Feile. Das Spektrum der angebotenen Instrumente reicht von 20 bis 50. Der Taper wird mit der Zunahme des Spitzendurchmessers kleiner. 20, 25 und 30 weisen einen 6er Taper auf, 35 und 40 einen 5er und schlussendlich 45 und 50 dann nur noch 4 Prozent.
Ich hatte die Möglichkeit, die Instrumente bereits sechs Monate vor Verkaufsstart regelmäßig einzusetzen und die 06/20 und 06/25 haben sich mittlerweile in mein Standardaufbereitungskonzept „gearbeitet“.

Nun wissen alle, die viel und gerne Endo machen, dass es die eine Feile für alles wie von der Industrie immer wieder versprochen und propagiert nicht gibt. Aber mein Fazit ist, das mit den oben genannten zwei Vertreterinnen sehr viel möglich ist.

Wo liegen nun aus meiner Sicht die Vorteile?
Eine sehr gelungene Balance zwischen „Weichheit „und Wiederstand. Will sagen, Vorbiegen ist gut möglich aber auch laterales Ausbürsten im Zug der Aufbereitung bleibt weiterhin sehr gut machbar.

Ich habe apikal in vielen Fällen bis ISO 12 mit einer Handfeile vorgearbeitet und dann direkt die 06/20 Procodile Q auf Arbeitslänge gebracht. Angewendet im E-Connect-S von Eighteeth (ein Testbericht zum diesem Motor folgt demnächst hier bei WURZELSPITZE ) unter direkter Endometriekontrolle im immer flüssigkeitsgefüllten Kanalsystem kam es so gut wie nie zu Problemen bei Erreichen des endometrischen Apex. Der kabellose Motor ist komplett individuell einzustellen und ich habe als Werte 200 ccw 50 cw bei 300 Umdrehungen und 1 Ncm als Belastungsgrenze gewählt. Wer auf einen kabellosen Antrieb umstellen möchte, dem sei der E-Connect S zum Testen sehr ans Herz gelegt. In den letzten 8 Monaten hat er alle anderen Antriebe (Morita TriAuto ZX2, Schlumbohm, VDW Gold) in unserer Praxis aufs Abstellgleis befördert.
Die weitere apikale Ausformung kann dann so gehandhabt werden, wie es jeder möchte. Wie bereits erwähnt, lässt das System alles bis 50 zu. Aber die für mich wichtigste und leistungsstärkste Feile ist die 20iger. Super frakturresistent, sehr flexibel auf den ersten 3-4 Millimetern, großer Spanraum. Und hier gefällt mir der 6er Konus eben besser als die apikal höheren Werte bei Reciproc oder WaveOne Gold.
Wie stark sich die Feile einschraubt, lässt sich über vollkommen drucklose oder eben leicht kraftvolle Aufbereitung sehr gut steuern.

Zwei aktuelle Fälle, gelöst mit oben erwähnter Sequenz und aufbereitet in mb1, mb2 und d bis 25, palatinal bis 35 habe ich mit angehängt. Als Sealer kam hier CeraSeal zum Einsatz.

Also her mit den Fragen oder Testberichten eurerseits! Ich bin gespannt auf eure Einschätzungen.

Ein nicht ganz alltäglicher Fall, den ich euch vorstellen möchte…

von Nils Widera

Ein nicht ganz alltäglicher Fall, den ich euch vorstellen möchte.
Die Patientin wurde zu mir überwiesen zur endodontischen Therapie an den Zähnen 36 und 37.
Wobei Zahn 37 vor etwa 4 Monaten primär behandelt wurde und es dabei zur im OPG deutlich sichtbaren Fraktur eines Instrumentes im distalen Kanalsystem kam. Das positive: Der Kollege hat die Patientin darüber aufgeklärt und als einzigen möglichen Lösungsansatz ein chirurgisches Vorgehen vorgeschlagen, wobei er eher zur Extraktion als zur WSR und retrograden Entfernung riet.
Die Patientin wechselte daraufhin die Praxis. Tatsächlich plagten Sie ob des langen Fragmentes mal mehr, mal weniger starke Schmerzen. Das gab Sie zumindest anamnestisch an.
In der Folge wurde Sie zu mir überwiesen.
Die klinische Untersuchung zeigte feste und gepflegte Zähne. Zahn 37 war aufbissempfindlich.
Daran hatte auch ein bereits erfolgtes außer Kontakt nehmen nichts geändert. Radiologisch sind zwei Probleme für mich deutlich ersichtlich: 1. Die Nähe des Fragmentes zum Nervkanal und 2. Die geringe Länge des im Kanal verbliebenen Fragmentanteils. Ich habe zur besseren Beurteilung ein DVT angefertigt und einige Screenshots mit angehängt.

OPG mit sichtbarem Fragment 37 distales WKS


Ich habe mich nach Auswertung des DVTs und nach der Frage der möglichen Vorgehensweise hin- und hergerissen gefühlt, ob es möglich ist die Fragmententfernung orthograd durchzuführen?
Was hättet Ihr gemacht?
Meine Idee war folgende: Warum nicht den Weg einer internen „orthograden WSR“ einschlagen? Ich habe also mit Hilfe eines Endo Tracers gelb und einer U-File rot im EndoChuck den Zugang zum Fragmentkopf geschaffen. Das Fragment war dann recht gut zu sehen und die Beleuchtung mittels zweier LED des Flexion Twin war hier sehr hilfreich. Da ich leider, trotz Ha-Wi ́s super Fotolehrgang, ein fotografisches Nichttalent bin, bitte ich die Qualität der teilweise nicht ganz einfachen Aufnahmen zu entschuldigen.
Nach ca. 45 Minuten war der Fragmentkopf unter für diese Verhältnisse maximaler Substanzschonung sichtbar – das Fragment saß superfest eingeschraubt im Apex. Alles so gut wie möglich auf Bild 1 dargestellt.

Um das Fragment jetzt sicher entfernen zu können, kam nach meinem Dafürhalten nur die Schlaufentechnik in Frage. Aber da der Fragmentkopf, wie das DVT bereits vermuten ließ, bündig in der apikalen Konstriktion gefangen war, stellte sich ein Umschlingen zu diesem Zeitpunkt als unmöglich dar. Unter Anwendung des EndoChucks und mehrerer U-Files habe ich dann die komplette apikale Konstriktion um das Fragment entfernt und dabei peinlich darauf geachtet die Schwingungsrichtung immer von Fragment weg gegen das Dentin / Zement zu richten. Auf diesem Weg wurde dann wie auf Bild 2 zu sehen ist (hoffentlich) ein circumferenter Graben um das Fragment gelegt.

Teil drei der Fragmententfernung bestand dann aus dem Anschlingen des Fragmentes, dem vorsichtigen verjüngen der Schlaufe und der Entfernung. Es kam ein 0,09er Draht in einer 0,3er Kanüle mit dem FragRemover zum Einsatz. Und Tatsächlich gelang das Entfernen mit dem ersten Zugversuch im dritten Bild zu sehen.

Die weitere Behandlung und WF erfolgten dann in einer zweiten Sitzung. Distal kam MTA zum Einsatz – und ja, ich hätte sehr gerne weniger periapikal gesehen.
Die Patientin war mittlerweile zur Kontrolle 4 Wochen Post OP und vollkommen beschwerdefrei. Und der 6er ist auch fertig.

Chronologie des Scheiterns

von Oliver Schäfer

Vor Pfingsten hatte ich Post von der apoBank. IT-Umstellung, Aktivierungscode, neue App – alles angekündigt um das Banking in Zukunft besser, komfortabler und sicherer zu machen. 1 Woche später bin ich noch immer aus meinen eigenen Konten ausgesperrt und die Bank unfähig mir zu helfen. Aber der Reihe nach:
Die apoBank stellt auf ein photoTAN genanntes Verfahren um, bei dem die TANs via Handy App generiert werden, indem man einen farbigen QR-Code scannt. Um das Verfahren zu nutzen, muss man die runtergeladene App auf dem Handy mit dem eigenen Online-Banking Account verknüpfen.
Am Dienstag nach Pfingsten lud ich die neue App, scannte brav den Aktivierungscode aus dem Brief, gab die TAN ein. Kurze Zeit später stürzte die App ab und öffnete wieder, als wäre nichts gewesen. Okay dann versuche ich die Prozedur eben nochmal. Dumm nur, dass im System der Bank mein Telefon ab diesem Zeitpunkt bereits als „verknüpft“ gilt. Alle Versuche sich ab jetzt online anzumelden, erfordern eine photoTAN, die ich leider aufgrund der noch nicht verknüpften App nicht erzeugen kann. Neu verknüpfen geht auch nicht mehr, weil man sich dafür anmelden muss. Naja, wird halb so wild denke ich und beschließe meinen Bankberatern eine Mail zu schicken.
1 Tag später, keine Reaktion. Okay, dann rufe ich eben die Hotline an. O-Ton „Der Teilnehmer ist derzeit nicht erreichbar“, über Stunden. Also weiter warten. Am Nachmittag erhalte ich einen Rückruf in der Praxis. Meiner Mitarbeiterin an der Rezeption wird lapidar erklärt, ich solle die App einfach neu installieren. Ich schreibe eine höfliche Mail zurück, danke für die Info (wie ich bereits vermutet hatte war sie inhaltlich unnütz) und bringe zum Ausdruck, dass ich nicht wünsche, dass meine „Bankprobleme“ an mir vorbei mit meinen Mitarbeitern besprochen werden und ich gern per Mail kontaktiert würde.
1 Tag später keine weitere Reaktion seitens der Filiale, ich komme bei der Hotline durch und erkläre der Mitarbeiterin mein Problem. Ihre Lösung ist mir den Aktivierungsbrief erneut zuzusenden. Ich rolle innerlich mit den Augen, aber was solls. Ich erfahre am selben Abend, dass sich meine Bankberaterin vermutlich bis Mitte Juli krankgemeldet hat. Aber mein Anliegen wird von Ihrem Kollegen bearbeitet. 1 Tag später ruft eben jener Kollege erneut in der Praxis an und bespricht sich mit meiner Rezeption – inhaltlich nicht zielführend. Jetzt platzt mir der Kragen, neue Mail diesmal betont unfreundlich und mit der entsprechenden Datenschutzbeschwerde an den Vorgesetzten versehen. Keine 2h später ruft der gleiche Sachbearbeiter wieder in der Praxis an, versucht den Hals aus der Schlinge zu ziehen, als das nicht klappt, erklärt er mir, das er sich jetzt O-Ton „erst um seine 68 anderen Kunden kümmern wird“. Ich schreibe eine neue Mail in der ich mit Kontoschließung drohe und bekomme noch am gleichen Abend eine Antwort vom Filialleiter. Er entschuldigt sich, nach 4 Tagen der erste, was mich zumindest ein wenig versöhnlich stimmt.
Am kommenden Morgen vereinbaren wir ein Telefonat mit einem neuen Berater. Selbes Spiel, alle Infos (mittlerweile von mir mit Screenshots aufbereitet) werden weitergegeben, dann ist Wochenende. Am Montag Mittag dann noch immer keine Rückmeldung von niemandem. Neue Mail, die Antwort verblüfft ein wenig – ich soll es einfach weiter probieren und mich melden, wenn es klappt. Ich schreibe den Filialleiter an und frage, ob man wenigstens Überweisungen schriftlich anweisen kann. Will mein Geld mittlerweile nur noch „in Sicherheit“ zu einem anderen Institut bringen. Ich bekomme schnell Antwort, wir telefonieren, er schickt mir einen eingescannten Überweisungsträger, den ich bitte unterschrieben in die Filiale faxen soll. Inhaltlich fragt er mich, ob mein Problem an einem fehlenden Aktivierungscode liegt.

Kanülenverlängerung

von Mario Schulze

Bei postendodontischen Aufbaufüllungen besteht der Wunsch, das Füllmaterial lufteinschlussfrei auch in die Wurzelkanaleingänge einzubringen. Die von den einzelnen Herstellern angebotenen Mischkanülen sind dafür entweder zu kurz oder/ und zu dick. Die in der Abbildung dargestellte Eigenproduktion löst dieses Problem.

Die Spitze einer grünen Capillary Tip (Ultradent) wird für die bei uns verwendete Mischkanüle vom CoreX- Flow (Dentsply) ca. 8mm eingekürzt und mit Klemmpassung in die Mischkanüle geschoben. Die Friktion reicht, um beim Applizieren des Komposits stabil zu bleiben.

Trauma, MTA und Extrusion

von Oliver Schäfer

Freitag Abend, die Praxiswoche liegt hinter mir, als plötzlich das Handy klingelt. Die 14-jährige Cousine meiner Frau ist mit dem Roller gestürzt, 1 Zahn ist abgebrochen, es blutet – mehr Infos habe ich nicht als ich etwa 30min später in der Praxis ankomme. Kurz bevor die junge Patientin eintrifft, „wünsche“ ich mir eine unkomplizierte Kronenfraktur mit aufgeschürfter Lippe. Doch schon der extraorale Befund mit massiver Weichteilschwellung lässt einen anderen Verlauf vermuten. Intraoral:

  • Massive Lazeration der Wangeninnenseite ca. 0,5cm tief, klaffend
  • 21 nach bukkal luxiert und leicht verlängert, Lockerungsgrad II, Blutung aus PA Spalt
  • 32 horizontale Kronenfraktur mit Eröffnung der Pulpa. Frakturlinie von bukkal 3mm supragingival schräg nach lingual deutlich subgingival
  • Fragment 32 vorhanden, Blutung der lingualen Gingiva
Zustand 21 nach Trauma 
Zustand 32 nach Trauma 
Mein Vorgehen der Reihe nach:
  • Tetanus Impfschutz geprüft
  • Röntgen- und Fotodokumentation – keine Muße, erstmal Weichteilblutung stoppen
  • Anästhesie, Wunde der Wange genäht
  • Röntgen muss noch warten, wir näheren uns der magischen 1h Grenze für die vitale Pulpa
  • Fragment einprobiert, Blutung und Schwellung macht ein sauberes Wiederankleben unter Koffersam unmöglich, also weiter ohne beides
  • Partielle Pulpotomie ca. 0,5 mm um evtl. infizierte Anteile abzutragen und MTA besser applizieren zu können
  • Angulus MTA appliziert und mit Flow Composite abgedeckt
  • Röntgen 32 und 21, keine Anhaltspunkte für Frakturen – „Glück“ gehabt
  • 21 mittels TTS geschient
  • Alles dokumentiert und Patientin für den kommenden Tag wieder einbestellt
Um es an dieser Stelle vorweg zu nehmen 21 und 32 weisen 1 Jahr nach dem Trauma (noch) keine Komplikationen auf, sind vital, nicht klopf- oder druckempfindlich, mit physiologischen Sondierungstiefen. 
Zustand 21, 30 Monate PostOp
Zustand 32, 30 Monate PostOp
Spannend war die Versorgung von 32. Ich entschied mich gegen die Fragmentbefestigung, da mir ein weit subgingival und unter kaum trockenhaltbaren Bedingungen befestigtes Bruchstück wenig erstrebenswert vorkam und zugleich meine PA Chirurgischen Fähigkeiten ausbaufähig sind. Da damit auch die Kronenverlängerung ausschied, blieb noch die KFO. Leider gab es in diesem Fall keinen via Multiband zu korrigierenden Engstand im UK. Also Magnetextrusion!? Ich bestellte Neodym Magnete 2x1mm und klebte einen mit Composite auf den Stumpf von 32. Das Gegenstück wurde in eine Aufbissschiene einpolymerisiert und die Patientin so in die Sommerferien geschickt. Wöchentlich erfolgte die Kontrolle und das Versetzen des Magneten in der Schiene um je 1mm.
Vom Zahntechniker hatte ich dafür Platzhalter drucken lassen, um die Magnete möglichst achsgerecht im Abstand von 1mm zueinander platzieren zu können. Eine Kunststoffpinzette aus dem Bastelbedarf war für die Handhabung unabdingbar. Nach 3 Wochen kam die vormals subgingivale „Präpgrenze“ isogingival zu liegen und es konnte für eine e.Max Krone abgeformt werden. Inzidiert habe ich dabei lediglich einmal nach 2 Wochen.
Bleibt wie bei jedem Trauma die Hoffnung, dass alles gut wird (bleibt).

„Endo für Vegetarier“

von Jens Emmelmann

Die Patientin hat sich in unserer Praxis für eine Drittmeinung betreffs ihres Zahnes 41 vorgestellt. WSR sowie Entfernung und Implantation mit GBR wurden ihr bereits angeboten. Die Implantation war für sie prinzipiell eine Option, als Vegetarierin schreckte sie aber das bovine Knochenersatzmaterial ab.

Anamnese und Diagnostik wiesen uns auf eine Endo-Paro-Läsion primär endodontalen Ursprungs hin. Die Füllung war wenige Monate alt und es gab Hinweise auf kurzeitige pulpitische Beschwerden. Der Zahn zeigte einen leicht erhöhten Lockerungsgrad war aber ansonsten derzeit beschwerdefrei. Die Patientin war nach Parotherapie im regelmässigen Recall.

Nach Beratung und Aufklärung wollte die Patientin mit Hinblick auf ihre Ablehnung des „Kuhknochens“ dem Zahn zumindest eine Chance geben.

Die endodontische Behandlung der zwei Kanalanteile verlief unproblematisch und bereits das postoperative Röntgenbild lies uns hoffen…

Mikroskop, Kamera und Fernsteuerung

von Oliver Schäfer

Ein häufig unterschätzter Vorteil des Mikroskopes ist die Möglichkeit dem Patienten das „Innere“ seines Zahnes zeigen zu können. Die Möglichkeit eine Wurzelbehandlung „live“ mitzuverfolgen und sich die kleinsten Details selbst anzuschauen, schätzen viele unserer Patienten sehr. Um es mit den Worten eines Patienten von heute zu sagen: „Schön mal zu sehen, was da eigentlich rumgewerkelt wird“.

Von einer Firma wie Zeiss sollte man erwarten, dass die in unserem OPMI pico eingebaute HD-Kamera in puncto Bildqualität dabei keine Wünsche offen lässt. Leider ist das Gegenteil der Fall. Zum einen ist das Sichtfeld im Okular des Behandlers größer als der Bildausschnitt der Kamera. Zum anderen ist die Tiefenschärfe derart unterschiedlich, dass das was via Varioskop „scharf“ gestellt ist, im Kamerabild leider verschwommen wirkt. Also Hände weg von der Einbaulösung und geschickt nachrüsten.

Einem Tipp von Georg Benjamin sei Dank, wechselten wir auf den CJ Kameraadapter mit einem Sony Alpha 6000 Body am Strahlenteiler des Okulars. Schärfe und Bildausschnitt passten sofort, ohne jegliche Einstellungen. Einige wenige Kameraeinstellungen später, waren auch Belichtung und Farbgebung sehr nah am Original. Danke an dieser Stelle an Herrn Ermerling von HanChaDent, der alle Einstellungen (auswendig!) übers Telefon durchsagen konnte.

SONY Alpha 6000 via CJ Adapter am ZEISS OPMI pico

Das vom Kamerabody kommende microHDMI Kabel konnten wir problemlos selbst durch den Arm des Mikroskopes verlegen, wobei lediglich 2 Blenden kurz abgenommen werden mussten. Die Firma TetherTools bietet mit CaseRelay eine verlängerbare Stromversorgung an, die ebenfalls durch den Arm bis zur nächsten verfügbaren Steckdose (bei uns unter der Decke) gezogen werden kann.

Die Kabelführung gelingt „innen“ im Mikroskoparm. Statt in die Zeiss Kamera, wird das Bild einfach via HDMI-HDMI Kupplung weitergeleitet

Um nicht eine weitere Fernbedienung zur Auslösung des Bodys im Sprechzimmer rumliegen zu haben, nutzen wir einen Adapter der Firma IRTrans. Diese kleine Kiste wird (wahlweise per USB oder Netzwerk) an den PC (oder in unserem Fall Mac) angeschlossen und kann im Stile einer Universalfernbedienung IR Codes lernen. Das schöne daran ist, dass sich so im Stile eines Smarthome Szenen programmieren lassen. Mit einem Klick können alle benötigten (Fernseh-)Monitore eingeschaltet, der richtige HDMI Eingang ausgewählt und nach Ende der Behandlung auch wieder ausgeschaltet werden. Ebenso konnten wir die Fernbedienung des Kamerabodys einlernen und können jetzt über den Rechner Schnappschüsse auslösen.

MAGEWELL Capture HDMI Plus: Eingang für HDMI-Signal vom Mikroskop auf der rechten Seite, Ausgang via USB3 auf der linken Seite im Bild. Zusätzlich ist eine Art HDMI Doppler verbaut, um das Eingangssignal bspw. zu einem Monitor durchschleifen zu können.

IR Trans Funksender zur Fernbedienung über den PC. Beide Kisten sind klein genug, um hinter der Möbelzeile zu verschwinden.

Der eigentliche Funksender ist so platziert, dass er die Monitor und die Kamera „sehen“ kann. In der Wand läuft das entsprechende Kabel zur IR-Trans Box unter die Hinterkopfzeile.


Um das HDMI-Signal der Kamera für eine weitere Verarbeitung im Rechner verfügbar zu machen, landeten wir nach einigen Misserfolgen beim Adapter von Magewell (Capture HDMI Plus). Diese unscheinbare Box „konvertiert“ HDMI zu USB 3 und unterstützt Auflösungen bis 4K. Das robuste Metallgehäuse ist klein und lässt sich in jeder Hinterkopfzeile verstecken. Weitere Treiber oder Software sind nicht nötig. Abstürze wie bei den Blackmagic Produkten sind bei uns noch nie vorgekommen. Für den Rechner scheint es schlicht als wäre eine zusätzliche Webcam angeschlossen. In Verbindung mit einem Mac und der Facetime App, wären so sogar Videokonferenzen/Webinars/Konsile mit Mikroskopbild denkbar.

Standbild aus dem HDMI-Stream links versus Standbild mit der Sony Kamera rechts


So kann Digitalisierung im Gesundheitswesen doch noch Spaß machen. Bitte nicht Jens Spahn verraten.

Grundrechtsaushöhlung – Ein Sündenfall.

Ein Gastbeitrag von Thomas Weber

In Deutschland wird als „Recht auf informationelle Selbstbestimmung“ der Anspruch des Einzelnen verstanden, grundsätzlich selbst „über die Preisgabe und Verwendung seiner personenbezogenen Daten zu bestimmen“. Das Recht auf informationelle Selbstbestimmung ist zwar im Grundgesetz nicht explizit als solches benannt, wurde aber vom Bundesverfassungsgericht  aus dem allgemeinen Persönlichkeitsrecht (Art. 2 Abs. 1 GG i.V.m. Art. 1 Abs. 1 GG) entwickelt und versteht sich als deren besondere Ausprägung. Es ist also ein Grundrecht, kein Gnadenrecht.

An erster Stelle unserer Verfassung stehen Wert und Würde der Person. Ihrem Schutz dient – neben speziellen anderen Freiheitsverbürgungen, die in den Artikeln 1 – 20 des GG behandelt werden – das in Art. 2 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 GG gewährleistete allgemeine Persönlichkeitsrecht, das gerade auch im Blick auf moderne Entwicklungen und die mit ihnen verbundenen neuen Gefährdungen der Persönlichkeit Bedeutung gewinnt. Es umfasst auch die aus dem Gedanken der Selbstbestimmung folgende Befugnis des Einzelnen, grundsätzlich selbst zu entscheiden, wann und innerhalb welcher Grenzen persönliche Lebenssachverhalte offenbart werden.

Der Jurist Carlos A. Gebauer hat das für Gesundheitsdaten so formuliert:

„In meinem Weltbild geht es niemanden etwas an, unter welchen Krankheiten ich leide – es sei denn, ich sage es ihm. Dass Informationen über Körper- und Geisteszustände eines Menschen ein wie auch immer geartetes „Allgemeingut“ sein könnten, auf das andere als der Betroffene ohne oder gar gegen seinen Willen digitalen Zugriff haben, halte ich für eine rechtsethische Entgleisung. Gerade Zeiten der informationstechnisch jederzeit mindestens potentiellen Ubiquität von persönlichen Informationen (vulgo: Berichten über Intimes und Privates) erfordern, den Geheimnisschutz und den Vertrauensschutz zwischen Patienten und Ärzten nach allen Möglichkeiten zu intensivieren. Wer „der Allgemeinheit“ ein Recht zuweisen möchte, ungebeten Körperdaten anderer zu erheben und über das damit gewonnene Wissen zu herrschen, der verletzt m.E. den heiligsten Grundsatz, den die verfassungsrechtliche Juristerei zu hüten hat: Das Verbot, ein Individuum zum Objekt des Willens anderer zu machen. Die Menschenwürde hat unantastbar zu sein.“

Beitrag Carlos A. Gebauer, 29.07.2019, aend.de, https://www.aend.de/forum/topic/100612#924303

Nach Ansicht des Europäischen Parlaments leitet sich das Recht auf informationelle Selbstbestimmung zudem aus Art. 8 Abs.1 der Europäischen Menschrechts-konvention ab:  

Jede Person hat das Recht auf Achtung ihres Privat– und Familienlebens, ihrer Wohnung und ihrer Korrespondenz.

Vorgestern hat der Deutsche Bundestag nun beschlossen, dem SGB V einen neuen Paragraphen 303b einzufügen: 

„§ 303b   Datenzusammenführung und -übermittlung

(1) Für die in § 303e Absatz 2 genannten Zwecke übermitteln die Krankenkassen an den Spitzenverband Bund der Krankenkassen als Datensammelstelle für jeden Versicherten jeweils in Verbindung mit dem unveränderlichen Teil der einheitlichen Krankenversichertennummer des Versicherten nach § 290 oder einer anderen krankenkassenübergreifend eindeutigen Identifikationsnummer des Versicherten (Versichertenkennzeichen)

1. Angaben zu Alter, Geschlecht und Wohnort,

2. Angaben zum Versicherungsverhältnis,

3. die Kosten- und Leistungsdaten nach den §§ 295, 295a, 300, 301, 301a und 302,

4. Angaben zum Vitalstatus und zum Sterbedatum und

5. Angaben zu den abrechnenden Leistungserbringern.

Das Nähere zur technischen Ausgestaltung der Datenübermittlung nach Satz 1 regelt der Spitzenverband Bund der Krankenkassen spätestens bis zum 31. Dezember 2021.

(2) Der Spitzenverband Bund der Krankenkassen führt die Daten nach Absatz 1 zusammen, prüft die Daten auf Vollständigkeit, Plausibilität und Konsistenz und klärt Auffälligkeiten jeweils mit der die Daten liefernden Stelle.

(3) Der Spitzenverband Bund der Krankenkassen übermittelt

1. an das Forschungsdatenzentrum nach § 303d die Daten nach Absatz 1 ohne das Versichertenkennzeichen, wobei jeder einem Versichertenkennzeichen zuzuordnende Einzeldatensatz mit einer Arbeitsnummer gekennzeichnet wird,

2. an die Vertrauensstelle nach § 303c eine Liste mit den Versichertenkennzeichen einschließlich der Arbeitsnummern, die zu den nach Nummer 1 übermittelten Einzeldatensätzen für das jeweilige Versichertenkennzeichen gehören.

Die Angaben zu den Leistungserbringern sind vor der Übermittlung an das Forschungsdatenzentrum zu pseudonymisieren. Das Nähere zur technischen Ausgestaltung der Datenübermittlung nach Satz 1 vereinbart der Spitzenverband Bund der Krankenkassen mit den nach § 303a Absatz 1 Satz 2 bestimmten Stellen spätestens bis zum 31. Dezember 2021.

(4) Der Spitzenverband Bund der Krankenkassen kann eine Arbeitsgemeinschaft nach § 219 mit der Durchführung der Aufgaben nach den Absätzen 1 bis 3 beauftragen.“

Quelle: Bundestags-Drucksache 19/13438 https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/3_Downloads/Gesetze_und_Verordnungen/GuV/D/DVG_Bundestag.pdf

Eine Einwilligungsverpflichtung oder ein Widerspruchsrecht des Patienten zu dieser Datenübermittlung ist nicht vorgesehen. 

Immerhin haben Proteste der Datenschützer, vieler Ärzte und Ti-Gegner in den letzten Tagen noch erreicht, dass bereits die Krankenkassen ein versichertenbezogenes Lieferpseudonym zu verwenden haben, das eine kassenübergreifende eindeutige Identifikation des Versicherten ermöglicht. Die Vertrauensstelle, die gesetzlich dem Sozialgeheimnis unterliegt, überführt dieses Lieferpseudonym in ein periodenübergreifendes einheitliches Pseudonym.

Allerdings ist erwiesen, dass eine Pseudonymisierung oder Anonymisierung von Daten relativ leicht rückgängig zu machen ist, und erst im Juli hatte die SZ darüber berichtet. (https://www.sueddeutsche.de/digital/anonyme-daten-studie-1.4542458 und dazu:  https://www.nature.com/articles/s41467-019-10933-3).

Somit wird dieses Gesetz zu einer massiven Einschränkung des Grundrechts auf informationelle Selbstbestimmung, zu einer „rechtsethischen Entgleisung“. 

Der frühere Amtsarzt und ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete Dr. Wolfgang Wodarg, Mitglied des Vorstandes von Transparency International Deutschland e.V, schreibt dazu in einem offenen Brief an den Bundespräsidenten: 

Angesichts der bisherigen streng an der Verfassung ausgerichteten Praxis im Datenschutzrecht ist diese Gesetzgebung ein Staatstreich.“ 

Der sehr lesenswerte Brief findet sich im Ganzen hier: https://www.wodarg.com/

Wie immer man selbst dieses Gesetz beurteilen mag, es folgt der von Jens Spahn seit Jahren öffentlich vertretenen Maxime: „Datenschutz ist was für Gesunde.“

De facto haben wir also hier gläserne Patienten und zugleich gläserne „Leistungserbringer“. Und genau das scheint der Zweck dieser Bestimmung.

Dieser Eindruck wird durch zahlreiche Statements von Politikern bestätigt. So findet der Unionspolitiker und Jurist Tino Sorge, MdB, Mitglied im Ausschuss für Gesundheit (Berichterstattung Digitalisierung und Gesundheitswirtschaft der CDU/CSU-Bundestagsfraktion):

„Wir müssen nicht nur die Daten schützen, sondern die Patienten. Aktuell droht das Totschlag-Argument des Datenschutzes die elektronische Patientenakte mit all ihren Vorteilen auszubremsen. ……… Daten können hier Leben retten. Datenschutz nicht.“ 

Und so scheint Niccolò Machiavelli wieder Einzug in die deutsche Politik zu finden: „Lo scopo santifica i mezzi – Der Zweck heiligt die Mittel“.  

Das stimmt mich traurig und zugleich wütend. Vor 30 Jahren fiel die Mauer, auch sie ein Ergebnis der „Zweck-heiligt-Mittel“-Denke. Daran mag man ermessen, wie groß der politische Sündenfall im DVG im Prinzip ist. 


„Lieber Thomas, Datenschützer schützen keine Daten, sondern Menschen. Nicht aufgeben, es lohnt sich.“ schrieb mir Katharina Nocun als Widmung in ihr im letzten Jahr erschienenen Buch: „Die Daten, die ich rief –  Wie wir unsere Freiheit an Großkonzerne verkaufen“. Ein lesenswertes Buch übrigens. 

Und das stimmt. Denn Herr Sorge und Herr Spahn irren: Datenschutz ist auch was für Kranke. Geleakte oder gehackte Gesundheitsdaten können Lebensplanungen über den Haufen werfen, Berufsausbildungen verhindern, Karrieren vernichten, Versicherungen und Kredite unmöglich machen, Menschen stigmatisieren, diskriminieren und in die Verzweiflung treiben.

Und deshalb sind Ärzte Datenschützer:  Sie schützen die Gesundheitsdaten ihrer Patienten seit mindestens 2500 Jahren – und sie sollten jetzt nicht damit aufhören.

Stropko-Irrigator an KaVo-Einheit

von Dr. Oliver Schäfer

Bereits mehrfach wurde auf Wurzelspitze über den Stropko Irrigator berichtet. Dieser ist ein Adapter für Luft-/Wasserspritzen, der über ein Luer Lock Gewinde verfügt, um Needle Tips zu befestigen. Dies ermöglicht ein gezieltes Trocknen (oder „Fluten“) von kleinsten Hohlräumen. Was zunächst nach einer Spielerei für Spezialisten klingt, macht sich nach kurzem Einsatz neben der Endo auch in anderen Gebieten unseres Fachs unheimlich nützlich. Wie oft haben wir bisher -mehr oder weniger erfolgreich- versucht, Impregum Abformungen vollständig zu trocknen…

Der Stropko ist ursprünglich ein US-Produkt, welches in Deutschland über ADSystems vertrieben wird. Um den Adapter verwenden zu können, muss die an der Einheit vorhandene Luft-/Wasserspritze den in Amerika üblichen Quick-Disconnect Anschluss besitzen. Da unseren geliebten KaVo 3F-Multifunktionsspritzen solch ein Anschluss fehlt, war schnell klar, das wir auch in eine neue Spritze investieren mussten. Nur in welche? Die als „Zubehör“ von ADSystems angebotene Spritze passte nicht ohne größere Umbauarbeiten an unsere Einheiten und einen Technikereinsatz vor Ort versuchten wir -aus Sparsamkeit- zu vermeiden.

Glücklicherweise stießen wir auf die deutsche Firma Medtronic Dental, die sich auf Motoren- und Spritzenschläuche sowie entsprechendes Zubehör spezialisiert hat. Zum Lieferprogramm gehört auch eine Multifunktionsspritze mit Quick-Disconnect, die (und das ist das eigentlich Tolle) einen zu KaVo oder Sirona passenden Anschluss aufweist.

Die Spritze ist fest mit dem Schlauch verbunden und aus einem Polymer hergestellt, was sie wirklich angenehm leicht macht. Nachteile des „Plastiks“ bei der Desinfektion konnten wir bisher nicht feststellen. Die Spritze besitzt die Quick-Disconnect Aufnahme, welche neben dem Stropko Irrigator auch für übliche Einmalansätze passt. Angenehmer Nebeneffekt, unsere neuen Ansätze (Air-Water Spritzenansätze Spectrum über M2 Dental) sind günstiger als die bisher verwendeten Pro-Tips und gewährleisten dennoch eine zuverlässige Medientrennung. Was den Anschluss an die Behandlungseinheit angeht,  unterscheidet sich diese von der Farbe einmal abgesehen, optisch nicht vom Original und lässt sich problemlos auf das entsprechende Gewinde der Einheit drehen. Die Belegung der Tasten ist wählbar, entweder wie in Europa üblich Luft links – Wasser rechts, oder wie in den USA üblich vice versa. Ob die Dichtungsringe ähnlich schnell verschleißen, wie bei den Pro-Tips können wir noch nicht einschätzen, jedenfalls hatten wir bei unserer „alten“ Spritzen in letzter Zeit gefühlt häufiger mit diesem Problem zu tun.

Wie so oft steckte der Teufel jedoch im Detail. Dem „Beipackzettel“ des Stropko Adapters war zu entnehmen, dass der Betriebs-Luftdruck vor Benutzung reduziert werden musste. Damit soll (laut Hersteller) die Gefahr von Embolien vermieden werden. Ob dies tatsächlich nötig ist oder nicht, lässt sicher Raum für längere Diskussionen. Wir wollten jedenfalls kein Risiko eingehen. Daher bestellten wir ebenfalls bei Medtronic einen Durchflussregler, der ähnlich wie ein Licht-Dimmer, die Luftmenge am Auslass des Spritze reguliert. In unserem „normalen“ Behandlungsalltag ist dieser immer ganz offen, vor Endos reduzieren wir bewusst, insbesondere wenn der Stropko direkt im Kanal einsetzt werden soll. Die Montage des Reglers muss an einer geeigneten Stelle der Einheit erfolgen. Dazu trennt man den Luft-führende Schlauch auf und steckt ein Ende auf den Eingang, das andere auf den Ausgang des Reglers. Das wenn überhaupt „Kniffeligste“ daran ist, den richtigen Schlauch zu identifizieren. Wir haben einfach KaVo eine Mail mit Foto geschickt und binnen weniger Stunden eine leicht verständliche Antwort mit Anleitung erhalten.

Die fertig montierte Spritze inkl. Stropko Irrigator sitzt problemlos im Köcher der alten Spritze. Bei der Bestellung mussten wir unsere bisher genutzte Spritzenart angeben, damit die neue Griffhülse vom Durchmesser passt.

Der Durchflussregler wird über eine Mutter mit dem Gehäuse der Einheit verbunden, oben zu erkennen sind die Messingnippel für den Luftein- und Ausgang.

Die Nippel können vom Hersteller im Durchmesser je nach Bedarf variiert werden. Die „Montage“ ist dann wirklich leicht.

 

Kabelsicherung am Dentalmikroskop

von Dr. Andreas Habash

 

In vielen Praxen wird heute schon routiniert und täglich mit dem Dentalmikroskop gearbeitet. Oft werden die Behandlungsfälle auch mit digitalen Kameras dokumentiert, die an den Mikroskopen angeschlossen sind. Hier gibt es Kabelverbindungen direkt mit der Kamera z.B. zu einem externen Monitor im Behandlungszimmer.

Aber auch andere Szenarien sind denkbar wie zum Beispiel die Fotografie von zahntechnischen Arbeiten. Für diese Art der Produktfotografie kann man z.B. die Kamera auch direkt per Kabel mit einem Computer verbinden und fernsteuern.
Mit Hilfe eines HDMI Kabels direkt an der Kamera erfolgt die Übertragung auf einen Monitor. Um die Funktionen fernzusteuern ist meist ein USB Kabel passend zum Anschluss notwendig. Dies wird beim Kamerakauf vom Hersteller mitgeliefert.

Der Monitor, der mit dem Dentalmikroskop verbunden ist, dient oft als Mitbetrachtermonitor für das Praxisteam oder auch für Schulungen. Oft wird er auch verwendet um damit besser vor dem Auslösen der Kamera fokussieren zu können.

Leider kommt es gelegentlich vor, dass die Steckverbindung in der Kamera mechanisch, durch hohe Kräfte auf die Steckverbindung, überlastet wird und dadurch ausbrechen kann. Eine Kamerareparatur ist dann entsprechend aufwändig und unter Umständen auch kostspielig. In bestimmten Fällen muss die komplette Kamera ersetzt werden, weil die Reparatur der Wert der Kamera übersteigen würde.

In unserer Praxis haben wir deshalb im Laufe der Zeit einige Dinge versucht die Krafteinflüsse auf die Steckverbindung zu reduzieren.
In der folgenden Bilderserie sehen Sie die Lösungen, die wir täglich in der Praxis verwenden.

  1. Hersteller-Lösung für die Sony Alpha 7S Serie
  2. Lockport der Firma Lockcircle (lockcircle.com)
  3. Jerk-Stopper der Firma Schafflhuber (dental-systemhaus.de)

Schlechte Nachricht: Der Dental Trauma Guide ist nicht mehr kostenlos.

von Lothar Pröbster

Schlechte Nachricht: Der Dental Trauma Guide ist nicht mehr kostenlos.

Seit dem ersten Februar 2017 ist der Dental Trauma Guide (https://dentaltraumaguide.org) nicht mehr frei und kostenlos zugänglich. Für den Zugang zum illustrierten Trauma Guide muß man Mitglied („certified DTG member“) werden und eine Jahresgebühr von 25 US-Dollar entrichten. Kostenlos zugänglich sind nur noch die Richtlinien aus dem Jahre 2012 (http://www.iadt-dentaltrauma.org).

Auf der einen Seite ist es verständlich, dass dieser exzellente Service Kosten verursacht, die irgendwoher gedeckt werden müssen. Auf der anderen Seite werden diejenigen, die in normaler Praxis nur sehr selten mit Traumata konfrontiert sind, verständlicherweise nicht Mitglied beim DTG werden. Dies wird leider dann dazu führen, daß Traumata gegebenfalls nicht fachgerecht behandelt werden, weil der Zugriff auf den Dental Trauma Guide fehlt.

Alternativ kann auf die Dental Trauma App (2,99 Euro im Apple Store) zurückgegriffen werden.

Neupatientin mit Sammlung seltener Befunde

von Larn Beckof

Eine junge Frau von ursprünglich afrikanischer Herkunft , 28 J., kam
letzte Woche ohne Beschwerden zur Erstvorstellung. Es waren noch nie
Röntgenaufnahmen angefertigt worden. Vor 2 Jahren bestanden nach
Angaben der Patientin rechts oben Zahnfleischprobleme, die sich ohne
Behandlung zurückbildeten.

Beim ersten Blick in den Mund zeigten sich zwei sehr ähnliche aber doch
verschiedene ungewöhnliche Befunde, beim nachfolgenden Röntgen ein weiterer.

  1. Höckerähnliche Struktur vestibulär im Interdentalraum unmittelbar an
    und zwischen 15 und 16, bei forciertem Eindrängen eines Instrumentes
    minimal beweglich.

  2. Höckerähnliche Struktur vestibulär im Interdentalraum 17/18
    unmittelbar an 17 (cp und vital) bei forciertem Eindrängen eines
    Instrumentes (zwischen der Struktur und 18) unbeweglich.

  3. Im Knochen zwischen 34 und 35 Verschattung (6 mm Durchmesser) mit
    einer Röntgendichte wie Zahnsubstanz. Basal umgebend Verdacht auf
    zystische Aufhellung ca 2 cm, Kieferkamm und Schleimhaut o.B., keine Exostosen.

Frage: Welche Diagnosen würden Sie für die Befunde 1, 2, 3 stellen?
Welche weitere Diagnostik und welche Therapie würden Sie vorschlagen? –
Wie gesagt, ältere Aufnahmen liegen nicht vor.


Unsere Auflösung nach Stand der Dinge:

  1. Milchzahnrest, Extraktion

  2. Schmelzperle, Entfernung durch Abtrennen (Restauration der cp)

  3. Verdacht auf Zementom, Abklärung durch DVT

Das Optrasculpt Pad – Instrument zur Composite- Ausformung

von Gregor Sonin

Komposite in der Zahnheilkunde gibt es schon seit einer gefühlten Ewigkeit, und sind aus dem klinischen Alltag nicht mehr wegzudenken. Leider gibt es aber auch seit einer gefühlten Ewigkeiten bei den Anwendern Schwierigkeiten bei der Verarbeitung, besonders bei den hochviskösen Kompositen. Unterschiedliche Füllstoffe und Monomerzusammensetzungen sollen das Kompositmaterial mal fester, mal weicher, mal weniger klebrig usw. machen, und der Markt bietet aktuell eine unüberschaubare Fülle an Produkten an. Grundsätzlich suchen alle Zahnärzte das perfekte Material für alle Situationen im Mund, gepaart mit geringstem Schrumpfungs/ Spannungs – und Verarbeitungsstress: das Material soll sich zum einem bewegen und perfekt adaptieren lassen, andererseits jedoch still stehen bleiben wenn man es will. Gleichzeitig soll es sich farblich perfekt an die Zahnhartsubstanz anpassen, ohne ein unnötiges Inventar mit einer Vielzahl verschiedener Farben in der Praxis vorhalten zu müssen.

Und wo hier gerade das passende Schlagwort fiel: unnötiges Inventar.

Wir alle haben in unseren Praxen eine Ecke mit dem „Schrein des Vergessens“, wo sich Geräte oder Produkte auftürmen, von denen man gerne vergessen würde, dass man jemals Geld dafür ausgegeben hat. Viele Errungenschaften sehen in der Produktbroschüre oder am Messestand so eindrucksvoll aus, dass man sich eine Optimierung im Praxisalltag damit erhofft, nach dem Kauf wird man aber sehr oft  von der klinischen Praxis eingeholt und das Produkt erfüllt nicht die in es gesetzten Erwartungen und verstaubt ungenutzt in der Schublade.

Umso erfreulicher ist es, wenn ein simples Produkt gleich in mehrerer Hinsicht positiv auffällt. So geschehen gleich mit zwei Neuerungen auf dem Markt, dem Optrasculpt Pad (http://www.ivoclarvivadent.de/de-de/handinstrumente/optrasculpt-pad) von Ivoclar Vivadent und den Sof-Lex Polierräder von 3m Espe (http://oralcare.3m-campaign.com/soflex/home/).

Das Optrasculpt Pad Instrument vereint mehrere Funktionen: es hat an einem Ende einen normalen flachen Spatel und am anderen Ende eine Öse wo ein in zwei Größen verfügbares und an Kompositen nicht klebendes Schaumstoffpad mit Kunststoffverstärkung eingeklickt wird. Zusätzlich sind an den Seiten des Instrumentengriffes Winkellinien und ein Lineal zur Verbesserung der Orientierung angebracht. Diese sollen bei komplizierten Neugestaltungen behilflich sein, wo umfangreiche Veränderungen die normalerweise genutzen Referenzpunkte unbrauchbar machen, so zum Beispiel bei Zahnverbreiterungen oder Verlängerungen der gesamten Oberkieferfront.

Was das Optrasculpt Pad aber für den klassischen Praxisalltag so brauchbar macht, ist wirklich dieses Schaumstoffkissen. Ich habe ein paar Fotos einer kleinen Testreihe gemacht um zu verdeutlichen was das Kissen so besonders macht.

Auf einer Glasplatte habe ich eine Reihe von gebräuchlichen Kompositen mit insgesamt vier verschiedenen Intrumenten bearbeitet um zu zeigen wie sich die einzelnen Komposite verhalten. Ich habe bewußt zwei „ältere“ Komposite mit in die Auflistung genommen, das Estelite Sigma von Tokoyama Dental aus dem Jahre 2007 und das Filtek Z250 von 3m Espe von 1999. Diese älteren und bewährten Komposite sind für ihre „selbstnivelierenden, selbstglättenden Eigenschaften“ bekannt, und das Estelite Sigma unter anderem für eine hervorragende Glanzretention. Der Füllkörperanteil wurde  bei neueren Kompositentwicklungen immer mehr erhöht, um noch bessere Produkteigentschaften wie erhöhte Druckfestigkeit oder reduzierte Schrumpfkraftspannung zu erreichen, was aber auf Kosten des Handhabung ging. Venus Diamond von Heraeus Kulzer ist eines dieser Hochleistungskomposite, aber viele Anwender erlebten das Problem von kleinen Porositäten die sich bei der Politur durch das Einpressen von Polierschleifteilchen unschön präsentierten. Heraeus reagierte auf die Anwenderbemerkungen mit einer Reduzierung der Viskosität und brachte es als Venus Pearl heraus, opferte dafür aber ein paar gute Eigenschaften. Der neuste Schrei im Dentalmarkt sind aktuell stopfbare Bulkfill-Komposite, die eine nochmal deutlich reduzierte Schrumpfkraftspannung vorweisen sollen, die aber vom Handling erneut Hindernisse aufwerfen: sie sind relativ weich, manchmal leicht klebrig und zeigen sehr wenig Selbstglättung.

Deswegen habe ich die oben genannten Vertreter mit in die Testreihe aufgenommen, um einen gewissen Überblick zu ermöglichen. Zum Testaufbau: ich habe 6 Komposite (Reihe 1.Estelite Sigma Quick, Reihe 2. Venus Pearl, 3. Venus Diamond, 4. Filtek Supreme XTE, 5. Filtek Bulk Fill SZ, 6. Filtek Z250) in vier Spalten eingeteilt, und von links beginnend mit einem Heidemannspatel, einer Sonde, dem Kerr Compothixo und dem Optrasculpt Pad geformt. Was auffällt ist die deutlich sichtbare Selbstglättung bei Estelite (1) und Filtek Z250 (6), und die bereits erwähnten Porositäten bei Venus Diamond (3) die auch in abgeschwächter Form beim Pearl sichtbar sind, die kurioserweise bei beiden am stärksten bei der schallaktivierten Modellation mit dem Compothixo auftrat. Das Filtek Bulkfill SZ zeigte gar keine Selbstglättung und keinerlei Fließverhalten bei der Modelation, die Eindrücke der Sonde in der zweiten Spalte sind selbst nach langer Wartezeit unverändert.

Was dieser Versuchsaufbau zeigen soll?
Das sich Anwender nicht wundern sollten, wenn sie jahrelang z.B. mit Estelite Sigma Quick und dem Konzept von Jason Smithson nur mit Sonde und Applikator (http://www.dentistrytoday.com/restorative/6718-qthe-simplified-conceptq-predictable-posterior-composites ) gearbeitet haben, plötzlich nicht mehr so unbeschwert arbeiten können.

Womit wir wieder bei dem Kissen vom Optrasculpt sind: in der letzten rechten Spalte der Versuchsreihe mit dem Optrasculpt Pad Instrument sieht man nämlich, dass alle Komposite eigentlich gleich aussehen. Dem Kissen ist es egal welches Komposit benutzt wurde, es liefert immer ein homogene, gleichmäßige Oberfläche, was besonders bei Frontzahnrestaurationen ungemein von Vorteil ist.

In einem weiteren Beitrag werde ich ein paar Beispiele zeigen, bei denen das Optrascupt Pad – Instrument zum Einsatz kam und  das dessen Einsatz  nicht nur auf Glattflächen im Oberkieferfrontzahnbereich beschränkt bleiben muss. Und auch die bereits erwähnten Sof-Lex Polierräder von 3m Espe werden ihren Einsatz haben.

 

Shit happens (3) – Reloaded

Nachdem in der vergangenen Woche die Bilder zu diesem Fall nur für die bei WordPress angemeldeten Nutzer zu sehen war, heute der zweite Versuch.

Bei dem Fall, über den ich heute berichte, lief zwischenzeitlich einiges nicht so wie ich es mir vorgestellt hatte. Der Patient gab Beschwerden regio 47 an. Der Zahn war mit einer Krone als Brückenfeiler versorgt. Klinisch zeigte sich eine erhöhte vertikale und horizontale Perkussionsempfindlichkeit bei normaler Sondierungstiefe.

R1

Bild1

Nach Trepanation konnten zwei mesiale und ein sehr ovaler, distaler Kanal dargestellt werden. Zusätzlich zeigte sich zwischen dem distalen und dem mesio-bukkalen Kanal ein Isthmus in Form eines C-Shape.

Bild2

Bild3

Nach Entfernung des Obturationsmaterials wurde der Isthmus mittels Ultraschall (Endosonorfeilen) sukzessive entfernt.

Bild4

Bild5

Anschließend erfolgte eine medizinische Zwischeneinlage mit Ca(OH)2 und der adhäsive Verschluss mit Komposit. Beim zweiten Termin wollte ich den mesialen Isthmus aufbereiten und die Wurzelfüllung durchführen. Für die Entfernung des mesialen Dentinüberhangs nahm ich bis zu diesem Fall meistens die EndoGuides von SS White (in diesem Fall EG 1).

Bild7

Dabei kam es zur Fraktur des EG 1. Das Bruchstück wurde dann unter dem OPMI mittels Absaugung entfernt und eine Masterpointaufnahme angefertigt. Ich traute meinen Augen nicht was ich da sah!

R3

Der EG war zweimal zerbrochen, eins hatte ich entfernt und das andere war unbemerkt in den distalen Kanal gelangt und wurde dann durch meinen Masterpoint über den Apex geschoben…Mist. Nach ca. 30min Eisatz von Endosonorfeile und Micro-Debrider konnte ich das Bruchstück entfernen.

Bild6

Zur Sicherheit wurde ein Rö-Kontrollbild angefertigt.

R4

Anschließend erfolgte die Wurzelfüllung des distalen Kanals mit MTA und Kollagenwiderlager.

Bild8

Mesial und auch der Isthmusbereich wurden mit Guttapercha und AH26 gefüllt.

Bild9

R6

Ab jetzt schaue ich bei jeder Fraktur noch genauerer hin ob alles entfernt ist…denn das Instrument kann auch mehrmals frakturieren.

Shit Happens (3)

Bei dem Fall, über den ich heute berichte, lief zwischenzeitlich einiges nicht so wie ich es mir vorgestellt hatte. Der Patient gab Beschwerden regio 47 an. Der Zahn war mit einer Krone als Brückenfeiler versorgt. Klinisch zeigte sich eine erhöhte vertikale und horizontale Perkussionsempfindlichkeit bei normaler Sondierungstiefe.

 

präoperatives Röntgenbild

Nach Trepanation konnten zwei mesiale und ein sehr ovaler, distaler Kanal dargestellt werden. Zusätzlich zeigte sich zwischen dem distalen und dem mesio-bukkalen Kanal ein Isthmus in Form eines C-Shape.

Nach Entfernung des Obturationsmaterials wurde der Isthmus mittels Ultraschall (Endosonorfeilen) sukzessive entfernt.

Anschließend erfolgte eine medizinische Zwischeneinlage mit Ca(OH)2 und der adhäsive Verschluss mit Komposit. Beim zweiten Termin wollte ich den mesialen Isthmus aufbereiten und die Wurzelfüllung durchführen. Für die Entfernung des mesialen Dentinüberhangs nahm ich bis zu diesem Fall meistens die EndoGuides von SS White (in diesem Fall EG 1).

Dabei kam es zur Fraktur des EG 1. Das Bruchstück wurde dann unter dem OPMI mittels Absaugung entfernt und eine Masterpointaufnahme angefertigt. Ich traute meinen Augen nicht was ich da sah!

Der EG war zweimal zerbrochen, eins hatte ich entfernt und das andere war unbemerkt in den distalen Kanal gelangt und wurde dann durch meinen Masterpoint über den Apex geschoben…Mist. Nach ca. 30min Eisatz von Endosonorfeile und Micro-Debrider konnte ich das Bruchstück entfernen.

Zur Sicherheit wurde ein Rö-Kontrollbild angefertigt.

Anschließend erfolgte die Wurzelfüllung des distalen Kanals mit MTA und Kollagenwiederlager.

Mesial und auch der Isthmusbereich wurden mit Guttapercha und AH26 gefüllt.

Ab jetzt schaue ich bei jeder Fraktur noch genauerer hin ob alles entfernt ist…denn das Instrument kann auch mehrmals frakturieren.

Referenzpunkt leicht gemacht – Teil 2

von Sebastian Philip

Heute Patientenbilder zum hier veröffentlichten Beitrag.

 

reproduzierbare Referenzpunkte leicht gemacht

von Dr. Sebastian Philipp

In diesem Artikel möchte ich beschreiben, wie ich mir bei der elektronischen Längenmessung reproduzierbare Referenzpunkte erstelle.

Zuerst lege ich mir eine neue Referenzebene fest, die ich nach Belieben darstellen kann. Ich stemple diese Referenzebene auf den Zahn, entferne Sie wieder und kann sie bei einem nächsten Termin wieder aufstempeln. Wie ich dabei vorgehe möchte ich euch anhand eines Modells zeigen.

Ich brauche dafür Block-Out Resin von Ultradent, einen Okklupapierhalter und ein Stück starrer Tiefziehfolie (in diesem Fall habe ich 1,5mm Stärke) welche ich mir keilförmig zurechtgeschnitten habe.

An dem zu behandelnden Zahn lege ich 3 Höckerspitzen oder markante Punkte fest (im Sinne eines Dreibeinprinzips) und trage dort Block-Out Resin auf. Diese 3 Punkte definieren meine neue Referenzebene.

Anschließend lege ich meine Tiefziehfolie auf alle 3 Punkte auf und härte das Block-Out Resin durch die Folie aus. Die Keilform der Folie erlaubt es mir, mich auf die individuell benötigte Breite anzupassen. Dabei achte ich, dass die Folie auf allen Punkten aufliegt, was ich auf der Gegenseite gut erkennen kann. Zum besseren Lösen der Folie nach dem Aushärten kann man die Folie auch vorher ganz leicht mit Turbinen-Öl einreiben.

Im Anschluss präpariere ich die Ebene nach Bedarf und habe mir so einen exakten Referenzpunkt geschaffen.

Im Prämolarenbereich nehme ich mir einen „externen“ Referenzpunkt eines Nachbarzahns. In diesem Fall die MB Höckerspitze des Molaren.

Ist mir meine Ebene noch zu klein dargestellt wiederhole ich diesen Schritt einfach, trage nochmals Block-Out Resin auf und vergrößere die „Teller“.

Im Anschluss kürze ich mir wieder meine Ebene auf den Bereich den ich benötige. Das Block-Out Resin hat die notwendige Härte, dass man es gut präparieren kann.

Diesen Schritt mache ich vor dem Kofferdam legen, nachdem ich meine Zugangskavität präpariert habe. Andernfalls stört mich die Kofferdamklammer beim „stempeln“.

Hier kann es schon auch mal passieren, dass ich einen „Teller“ verliere. Wenn die Anatomie zu wenig Retention liefert, extendiere ich die Teller etwas in mesio-distaler Richtung.

Am Ende der Behandlung wird das Block-Out Resin entfernt und durch die Dokumentation der Ebenen-Referenzpunkte ist es beim nächsten Termin wieder darstellbar.

Für Bilder bitte auf den link klicken.

Referenz3

 

Vierunddreißigdreiundneunzig.

 von Thomas Weber

Anno 1989 kam ich als wissenschaftlicher Assistent zu Professor Klaiber an die Uni Würzburg. Inspiriert von Artikeln von Leo Miserendino interessierte ich mich damals für Endoinstrumente, ihre Querschnitte, ihre Spitzengeometrie, und wo und wie sie was bewirken und warum. Klar, dass ich dazu dann in den Assistentenbesprechungen referieren und schließlich auch in der Endo-Ausbildung mitwirken musste.
Und damit übernahm ich auch manche Rettungsversuche verunglückter Kursendos.
Und damit bekam ich auch das Masseran-Kit unserer Abteilung in meine Box, das – bis dahin nahezu ungebraucht – im Schrank der Abteilung gehütet wurde. Wer kennt es noch?

Meine ersten abgebrochenen Feilen aus dem Studentenkurs entfernte ich tatsächlich mit dieser Werkzeugkiste, die schon damals fast 20 Jahre alt war,  mit ihren Riesentrepanbohrern und Greifklemmen…. und das ohne Mikroskop oder Lupenbrille und ohne Ultraschall.

Natürlich: damals gab es keine vollrotierenden NiTi-Feilen, deren frakturierte Spitze im apikalen Drittel hinter einer Kurve saß. Aber es gab abgebrochene Hedströmfeilen, Kerr-Feilen und auch Metallstifte zuhauf und es war war schon ein Wunder, dass es überhaupt funktionierte, solche Dinge aus einem Kanal zu entfernen, obwohl natürlich viele Zähne mit extremer Schwächung ihrer Wurzel zurückblieben. Und mancher Zahn landete letztlich doch in der Chirurgie.

Heute gibt es Mikroskop, Ultraschallpräparation, perfektonierte Tube-Techniken oder den FragRemover. Und richtige Endo-Spezialisten mit breiter Aus- und Weiterbildung.

Eines brauchte man aber damals wie heute für die Entfernung frakturierter Instrumente: meist sehr viel Zeit und noch mehr Geduld.
Zeit, die ich als Assistent an der Uni hatte. Quasi unbegrenzt. Zeit, die heute in der Praxis eine Menge Geld kostet.

Nun, was darf sie denn dann kosten: die Entfernung eines frakturierten Instruments aus dem Wurzelkanal?

Die GOZ kennt eine solche Gebührenziffer gar nicht.

Offensichtlich bricht einem richtigen, standespolitisch in einer Körperschaft aktiven und bei GOZ-Beratungen beteiligtem Zahnarzt doch im Kanal nichts ab. Da ist vielleicht höchstens der Zahn nicht erhaltungsfähig und kommt raus.

Die PKV sieht das aber tatsächlich – und beachtenswerterweise – anders:
„Der PKV-Verband hat sich mit dem 8. Beschluss des Beratungsforums für Gebührenordnungsfragen zu dem Thema positioniert:
Die Entfernung frakturierter Wurzelkanalinstrumente aus dem Wurzelkanalsystem stellt eine selbstständige Leistung dar und wird gemäß § 6 Abs. 1 GOZ analog berechnet. Aus
grundsätzlichen Erwägungen empfiehlt die BZÄK keine konkrete Analoggebühr. Der PKV-Verband hält als Analoggebühr die GOZ-Nr. 2300 (Entfernung eines Wurzelstiftes) für angemessen.“

Wer jemals ein tief im Kanal frakturiertes Wurzelkanalinstrument entfernt hat, wird die “akzeptierte” Analogberechnung der PKV allerdings lachhaft finden: 34,93 € sei dafür „angemessen“?

Da kriegt man ja für einmal simples Zahnsteinentfernen beim Vollbezahnten zum Durchschnittssatz durch die Prophylaxehelferin mehr!

Meine Konsequenz: ich entferne keine Fragmente aus Wurzelkanälen mehr – als Analogleistung.
Wenn überhaupt, dann nur nach „freier Vereinbarung“.
Da kann die PKV erstatten oder auch nicht: mir ist das egal.
Warum die BZÄK meint in “Beratungsforen” mit Beihilfe und PKV gemeinsame Sache in der GOZ-Auslegung machen zu müssen, werde ich niemals verstehen.

Eine unzureichende Gebührenordnung wird durch noch unzureichendere Kommentierungen nicht besser.

Und die GOZ ist völlig unzureichend. Das zeigt überraschenderweise genau dieser Kommentar des PKV-Verbandes.

Und das ist dann doch wohl der eigentliche Skandal.

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Zum Nachlesen: https://www.pkv.de/w/files/goz-kommentierungfaq/gebuehrenteil.pdf

Calciumhydroxid – Überpressung (1)

von Donald Becker

Zweimal Zahn 36.
Zweimal deutliche apikale Aufhellungen.
Zweimal für meine Verhältnisse weit überdurchschnittliche Überpressungen von Calciumhydroxid.

Ich habe kein Problem damit, wenn sich, insbesondere bei größeren und ausgeprägten apikalen Läsionen eine Überpressung von Calciumhydroxid ergibt. Aber in den beiden Fällen, die ich heute und nächste Woche vorstellen möchte, hätte es nicht ganz so viel sein müssen, hätte ich es vorbestimmen können.

Fall 1 habe ich im Jahr 2013 hier und hier zur Diskussion und Abstimmung gestellt.
Ob über den weiteren Verlauf der Behandlung berichtet wurde, weiss ich nicht mehr. Ich habe  gesucht, aber nichts im Archiv gefunden diesbezüglich. Das muss aber nichts heißen, bei 2000 Beiträgen kann auch mal etwas übersehen werden.

Nachfolgend daher (eventuell als Wiederholung) der Verlauf der Behandlung und die Ergebnisse der Nachkontrollen.

Hier zunächst einige Folien zum Behandlungsverlauf:

Als medikamentöse Einlage wurde in diesem Fall Calciumhydroxid (Metapex, Meta Biomed) verwendet. Es wird mit einer Kunststoffkanüle appliziert. An der mesialen Wurzel kam es in diesem Fall zu einer deutlichen Überpressung. Metapex weist gegenüber dem früher von mir verwendeten „Ultracal XS“ Calicumhydroxid- Präparat der Firma Ultradent eine deutlich pastösere Konsistenz auf. In bestimmten Konstellationen kann es wie in diesem Fall zu einem höheren Maß an Überpressungen kommen im Vergleich zu Ultracal XS.

Aber auch bei größeren Überpressungen wie im vorliegenden Fall kommt es fast immer zu einer raschen und vollständigen Resorption des Calciumhydroxides, die naturgemäß mit einer gewünschten knöchernen Konsolidierung einhergeht.

Zur Verdeutlichung der schnellen Resorption des Calciumhydroxids habe ich die nachfolgenden Röntgenbildern nach dem Aufnahmedatum sortiert. Bemerkenswert sind vor allem die rasche Resorption innerhalb von weniger als 3 Monaten zwischen Bild 2 und 3, aber auch die Veränderung innerhalb einer Woche zwischen Bild 3 und 4.

Fall 2 folgt dann nächste Woche.

 

 

Papierspitzenständer

von Christian Friedrichs

Ewig flogen bei uns auf dem Tray die Papierspitzen herum. Unterschiedliche Größen lagen beim Behandlungsbeginn ordentlich nebeneinander und hoffentlich mit der Spitze in die richtige Richtung. Alles wunderbar bis zum ersten Wackler mit dem Tray, bis zum ersten versehentlichen Ablegen eines Instrumentes auf den Spitzen oder der Kontamination mit irgendetwas. Organisatorisch und hygienisch empfanden wir das als sehr unbefriedigend.

Sterile Papierspitzen sind sehr teuer und einmal geöffnete Packung muss verworfen werden. Das Problem des Anreichens oder der Entnahme bleibt bestehen.

Wir haben uns vom Schlosser einen Papierspitzenständer drehen lassen, der uns diese Probleme gelöst hat. (Abb. 1-3)

In den massiven Metallständer sind vier Bohrungen eingebracht, die vier Größen (nicht genormter) Papierspitzen aufnehmen können. Die Tiefe der Bohrungen ist so gewählt, dass die Entnahme der Papierspitzen mit einer Pinzette immer in der gleichen Länge und im rechten Winkel möglich ist, ohne dass eine die Sterilität der Spitze kompromittierende Korrektur der Haltung erfolgen muss (Abb. 4,5). Der Ständer steht immer in der gleichen Ausrichtung auf dem Tray, so dass keine Überlegung zum Auffinden der gesuchten Spitze notwendig ist.

Im inneren Bereich finden sich 6 weitere Bohrungen, die zur Aufnahme der Guttapercha-Masterpoints nach dem Anpassen dienen. Die Dreierreihen stehen jeweils für mesial und distal, so dass sowohl für den Oberkiefer als auch für den Unterkiefer fast alle Konfigurationen abzubilden sind. (Abb. 1,6 – hier z.B. für  OK-Molaren) Auch die Guttapoints fliegen also nicht mehr irgendwo auf dem Tray herum, sondern sind sicher und geordnet und bleiben unkontaminiert.

Der Platzbedarf auf dem Tray ist durch den Ständer minimiert, die Vorbereitung und die Behandlungsabläufe lassen sich standardisierter und damit sicherer, schneller und hygienischer gestalten. Der Ständer steht – weil er aus massivem Alu besteht – relativ sicher, so dass er auch den meisten meiner grobmotorischen Bewegungen widersteht. ;-)

Der Deckel hat eine innere Auflage, so dass er nicht auf die Papierspitzen drückt.

Sowohl der Ständer als auch der Deckel sind mit weiteren Bohrungen versehen (Abb. 7), so dass eine gute Dampfdurchlüftung während der Sterilisation möglich ist. Der Ständer wird komplett eingeschweißt und sterilisiert (Abb. 8).

Mit einem Preis von mehr als einhundert Euro sind die in kleiner Stückzahl handgefertigten Ständer recht teuer, sie haben sich bei uns allerdings im Alltag mehr als bezahlt gemacht.

Alles Gute von der Förde
Christian

Abb. 1: Vollbestückter Papierspitzenständer
Abb. 2: Ständer mit Deckel
Abb. 3: Ein Teil unserer Ständer
Abb. 4: Entnahme 1
Branchen flach auf den Ständer auflegen, Spitze entnehmen.
– Gute Abstützung
– sichere Entnahme
– rechter Winkel zw. Branchen und Spitze
Abb. 5: Entnahme 2
Die standardisierte Entnahme führt zu einer schnelleren und gleichmäßigeren
Übergabe der Papierspitze in die Hand des Behandlers.
Abb. 6: Mögliche Positionierung von Masterpoints in den inneren Bohrungen, hier am
Beispiel eines Ok-Molaren.
Abb. 7: Durchleuchtung am „Apex“ der Bohrungen. Querbohrungen für die
Dampfsterilisation.
Abb. 8: Der eingeschweißte Ständer

Leica M320, das Zweite

von Wieland Kärger

Irgendwann im Jahre 2009 oder 2010 habe ich mich dazu entschieden, die Endo nicht nur zu einem beliebten Teil meiner zahnärztlichen Tätigkeit anzusehen, sondern ihr intensivere Aufmerksamkeit zu schenken. Inzwischen füllen die Wurzelkanäle meinen Arbeitstag quasi komplett aus. Schnell reichte damals die Lupenbrille nicht mehr aus und ein Mikroskop musste her. Aus verschiedenen Gründen entschied ich mich für das Leica M320, was im Juni 2011 in der Praxis Einzug hielt.

Seitdem habe ich über 1700 Wurzelkanalbehandlungen konsequent mit diesem Mikroskop durchgeführt. Bei geschätzter durchschnittlicher Behandlungsdauer von 2,5 h pro Zahn, sind das 4250 h „arbeitendes Mikroskop“ oder 177 Tage ununterbrochen Mikroskop „an“. Reparatur oder Wartungskosten bisher genau Null €. Damalige Investition: unter 20 T€.

Nun ging es an die Einrichtung eines zweiten Endozimmers mit der zentralen Frage: was für ein Mikroskop. Ja, ich habe mich wieder für das Leica entschieden. Mit einigen mehr oder weniger guten bzw. nützlichen Neuerungen oder Veränderungen. Ja, und ich habe es getan, ohne mir zur Probe mal ein PROergo o.ä. hinstellen zu lassen. Vielleicht ein Fehler? Ich war mit dem Leica bisher zufrieden (bis auf die Fotos – dazu gleich), eventuell aber nur aus Mangel am Vergleich. Denn was man auf der Messe oder auf einer Tagung durch ein Ausstellungsstück anschauen kann, ist recht weit von der Realität im Patientenmund entfernt, da sind sich sicher alle einig. Großes Manko am Leica ist die Kameratechnik. Fest eingebaut, nicht austauschbar oder „pimpbar“, ein K.-o.-Kriterium für alle Fotofreaks. Da ich keine Vorträge halte und meine Bilder auf großen Leinwänden präsentieren muss, ist die Qualität für mich akzeptabel. Jemand, der mit einem Bildbearbeitungsprogramm versiert umgehen kann, ist sicher in der Lage, durch das Darüberjagen diverser Filter noch einiges herauszukitzeln. Ich beschränke mich lediglich auf das Ränderbeschneiden und einen automatischen Optmierungsfilter. Unschlagbar ist aus meiner Sicht jedoch der Vorteil, dass man einfach ein HDMI-Kabel zwischen Mikroskop und Mitbetrachtungsmonitor hängt (ggf. noch einen Splitter) und fertig. Keine Einstellung des Bildausschnittes nötig, keine zusätzliche Kamera, kein Adapter, kein zusätzliches Kabel. Das zweite Ausschlusskriterium für viele Kollegen ist das Licht. LED bringt sicher nicht so viel wie Xenon, vor allem im apikalen Kanaldrittel. Hier knipst bei Xenon doch noch mal jemand das Licht da unten an, wo es bei LED bei großer Vergrößerung recht finster bleibt. Jeder Xenonnutzer weiß jedoch, dass eine Xenonlampe irgendwann kaputt geht und dann recht teuer ersetzt werden muss. Und Xenon nimmt im Laufe der Zeit an Intensität ab, was man als Nutzer schlecht oder spät bemerkt, wenn nicht regelmäßige Messungen durchgeführt werden.

Ich war gespannt, ob das neue Mikroskop, das vor 3 Wochen installiert wurde, die Kanäle heller ausleuchtet als das alte.

Das konnte ich, zumindest rein subjektiv, nicht feststellen.
Was ist sonst neu? Das „MultiFoc Objektiv“. Es ermöglicht einen größeren Focusbereich, der über einen Drehknopf am Objektiv zu justieren ist (so wie bei Zeiss). Bei ca. 8-facher Vergrößerung beträgt der Focusbereich 10 cm. Das alte Objektiv bietet bei gleicher Vergrößerung lediglich 1,5 cm Focusbereich, ließ sich aber durch leichtgängiges Drehen am gesamten Objektiv mit lediglich einem Finger der linken oder rechten Hand sehr komfortabel bedienen. Das geht jetzt nicht mehr. Ich brauche mindestens zwei Finger und der Drehknopf liegt auf der Seite der meist bevorzugten Hand oder mittig, wo man mit beiden Händen ungünstig hin kommt. Neu, zumindest für mich, ist ist der 0-180° Binokulartubus, der es ermöglicht die Okulare im Verhältnis zum Mikroskopkörper/Objektiv in transversaler Achse um 180° zu rotieren. Bisher hatte ich 45° und habe eigentlich nichts vermisst.

Weiterhin gibt es jetzt den sog. „ErgoOptic Dent“ zur geraden Ausrichtung der Okulare bei schrägem Betrachtunswinkel (bei Zeiss: MORA Interface). Für diejenigen, die z.B. UK-Molaren aus 9- bis 11-Uhr-Position behandeln essentiell. Ich behandle 100% der Kanäle von 12-Uhr-Position, daher nutze ich das nur bei UK-Molaren, die nach lingual gekippt sind. Schulter, Rücken und Nacken danken es.

Fazit
Für mich ein schönes Gerät mit unschlagbarem Vorteil im Preis-Leistungs-Verhältnis.

Hygiene- Tastatur – Vergleich: MediBoard / CleanBoard / Mini-CleanBoard (Keywi)

von Torsten Hatzky
Tastatur-1Als kürzlich eine Teil-Erneuerung unserer EDV notwendig wurde, sollten die neuen Tastaturen auf jeden Fall hygienefähig sein. Bislang hatte ich aus Platzgründen in den Behandlungszimmern 12“ Notebooks, und die Hygiene habe ich bisher nur durch Disziplin eingehalten: Vor der Behandlung alle erforderlichen Info`s für den nächsten Patienten einsehen, dann erst Handschuhe an. Nach der Behandlung: Handschuhe aus und die erforderlichen Eingaben machen. Das geht schon, aber ich möchte mich nicht dafür verbürgen, dass meine Mitarbeiterinnen dies auch in jedem Fall so gemacht haben – besonders wenn ich es nicht sehen konnte ….. und wenn es mal hektisch wurde, habe ich mich auch manchmal dabei ertappt, dass ich den Weg der korrekten Vorgehensweise versehentlich verlassen hatte.

Bei meiner Recherche fand ich diesen Bericht. Beim Durchstöbern des Webshops vom Hersteller Hoffmann u. Krippner konnte ich feststellen, das es inzwischen zusätzlich zum bekannten MediBoard 2.0 zwei weitere und vor allem kleinere Tastaturen gab. Da HaWi das MediBoard in seinem Langzeitbericht sehr gelobt hatte habe ich, davon ausgehend, dass diese sich nur bezüglich der Grösse unterscheiden, gleich zwei der neuen MiniCleanBoards bestellt.

Sie wurden schnell geliefert, und wir haben sie umgehend in Betrieb genommen. Alle waren spontan vom schönen Design und der „Desinfektions- Erinnerungs-Funktion“ begeistert: Man kann die Tastatur über eine Tastenkombination ganz einfach funktionslos schalten. So können bei der Wisch-Desinfektion keine versehentlichen Eingeben gemacht werden. Danach wird sie mit derselben Kombination wieder aktiviert. Eine kleine LED schaltet von Rot auf Grün und im Hintergrund beginnt eine Zeituhr abzulaufen. Nach 180 Minuten schaltet die LED von Grün auf Gelb und zeigt , dass man doch mal wieder desinfizieren könnte. Macht man dies nicht, erfolgt nach 360 Minuten der Wechsel zu Rot, was anzeigen soll, dass man nun unbedingt desinfizieren muss, auch wenn in der Zwischenzeit überhaupt nicht dran geschrieben wurde. Einen Wechsel des Patienten kann die Tastatur natürlich nicht registrieren. Man kann aber als selbstverständlich voraussetzten, dass in Zusammenhang mit der Aufbereitung des Behandlungsplatzes die Tastatur auch gereinigt wird.

Soweit erst mal ein sehr erfreulicher Eindruck. Nach den ersten Eigaben kam aber leider die grosse Ernüchterung: Das Schreiben macht auf dieser Tastatur keine Freunde. Auch nach mehreren Tagen wurde dies nicht besser. Die Tasten lassen sich nur schwer erfühlen, da sie sich kaum vom Untergrund abheben. Folge: Man spürt nicht wo man ist, und driftet allzu oft irgendwo hin ab. Ausserdem ist der Kontakt unter den Tasten zu klein, so dass man auch deswegen allzu oft daneben trifft. Flüssiges Schreiben ist selbst für eine unserer Mitarbeiterinnen, die fließend 10-Finger-blind zu schreiben gewohnt ist, nicht möglich. Man muss immer ganz genau hinschauen, wo man hindrücken will, damit man wirklich trifft. Und dann ist auch noch der Anschlagdruck gewöhnungsbedürftig und gleichzeitig die Rückmeldung des erfolgten Tips recht unpräzise. Folge: Ich habe noch nie so viele und vor allem ungewöhnliche Tipfehler gemacht. So kam es oft dazu, dass das gleiche Zeichen zweimal getippt war, nachdem es beim ersten Anschlag nicht geklappt hatte. Dies konnten meine Mitarbeiterinnen ebenfalls bestätigen und es wurde der Wunsch geäussert, die Tastaturen zurückzugeben.

Nach Rückfrage bei der Schweizer Niederlassung des Herstellers hatte man zunächst einmal wenig Verständnis für unser Problem und ich bekam die Info, dass die Tastatur ja eigentlich nur für kurze Eingaben gedacht sei und nicht für längere Texte. Das wurde aber im Web-Shop nirgendwo zur Sprache gebracht. Jedoch bot man an, uns zwei andere Tastaturen für weitere Versuche zuzuschicken.

So hatte ich Gelegenheit, sowohl das etwas grössere CleanBoard und im Vergleich dazu auch das MediBoard zu testen. Das Foto zeigt alle drei Tastaturen im Grössenvergleich. Gleich vorab: Das etwas grössere CleanBoard hat die selbe praktische Erinnerungsfunktion, schreibt sich aber kaum besser als das MiniCleanBoard. Für kurze Eingaben ist es aber okay. Ich habe mir aber in letzter Zeit immer mehr angewöhnt, aus forensischen Gründen sehr ausführlich zu dokumentieren. So kommen doch recht schnell längere Texte zusammen, die noch dazu in kürzester Zeit geschrieben werden müssen.

Ich kann mir aber vorstellen, dass andere Kollegen dies anders handhaben und mit den CleanBoard Tastaturen hinreichend klar kommen. Sinnreich ist vielleicht auch die Anwendung am Rechner eines digitalen Röntgen-Systems, wo nur schnell die entsprechende Patientendatei geöffnet werden muss und sonst kaum andere Eingaben notwendig sind. Vom Preis her sind sie auf jeden Fall sehr attraktiv: Nur wenig mehr als die Hälfte des Preises, der für das grosse MediBoard zu zahlen ist.

Ganz anders war dann der Eindruck beim MediBoard. Hier konnten wir alle nach nur kurzer Eingewöhnungszeit fliessend längere Texte eingeben, ohne durch technische Unzulänglichkeiten bedingte Fehler. Ich selbst schreibe inzwischen überaus gern damit. Die Tasten haben offensichtlich einen aufwendigeren technischen Aufbau, was sich leider im deutlich höheren Preis niederschlägt. Die Desinfektions-Erinnerungs-Funktion bietet diese Tastatur nicht und man kann sie nicht durch Tastendruck funktionslos schalten. Weiterhin negativ: Sie nehmen leider viel Platz weg und die als Track-Pad gestaltete Maus-Funktion funktioniert mit Latex-Handschuhen nur arg widerwillig. Hier wäre noch Verbesserungspotential.

Da die anderen, zum Teil auch hier vorgestellten Optionen mir nicht so gut gefallen haben, war dann doch schnell entschieden: Das MediBoard wollen wir haben!

Nach erneuter Kontaktaufnahme mit der Herstellervertretung und deutlichem Hinweis auf die unzureichende Beschreibung im Web-Shop, erklärte man sich schliesslich doch bereit, gegen eine Bearbeitungsgebühr von 10% (für die erforderliche Neuverpackung), die bereits gelieferten Mini-CleanBoards zurückzunehmen, wenn ich dafür 2 MediBoard bestelle.

Diese haben wir nun schon mehr als 2 Wochen im Einsatz und sind bislang sehr zufrieden damit.

Disclaimer:
Es besteht beim Autor kein Interessenskonflikt in Form von eigenen finanziellen Interessen oder finanziellen Interessen Dritter, die von einer positiven Berichterstattung profitieren oder eine negative Darstellung behindern.

Orthograde Entfernung eines retrograden Silberstiftes mit dem Fragremover

von Basel Merci Neuwer

Ein während der endodontischen Behandlung des Zahnes 21 angefertigtes DVT zeigte als Zufallsbefund eine große apikale Aufhellung an Zahn 11 mit konsekutivem Therapiebedarf.

Zahn 11 mit  Status post resectionem zeigte im Röntgenbild einem massiven, konfektionierten Metall- und einem Silberstift für den retrograden Verschluss.

Bruchfläche des Goldstiftes

Bruchfläche des Goldstiftes

Nach Abwägung der Chancen und Risiken wurde die Indikation zum Zahnerhalt durch orthograde Revision gestellt.

Die Entfernung des aus einer Goldlegierung bestehenden Stiftes gestaltete sich schwierig. Das relativ weiche Material absorbierte vermutlich einen Großteil der Ultraschallschwingungen. Die Zementfuge ließ sich auf diese Weise nicht aufbrechen. Dafür zeigte der Stift Wirkung in dem er im mittleren Drittel brach.

Für eine erfolgreiche Entfernung musste der Stift nun bis ins untere Drittel freipräpariert werden.

Schlinge über freigelegtem Silberstift

Schlinge über freigelegtem Silberstift

Nachfolgend wurde der retrograde Silberstift im koronalen Anteil mit Ultraschall freigelegt. Auf eine vollständige Freistellung wurde verzichtet, da zu befürchten stand, dass der gelockerte Stift in den Periapikalbereich entschwindet.

Mit der Drahtschlinge des Fragremovers konnte der Silberstift im freigelegten Anteil sicher gefasst, durch Rüttelbewegungen gelockert und letztendlich entfernt werden.

Aus meiner Sicht hätte keine andere Technik so vorhersagbar und schnell die orthograde Entfernung des Silberstiftes leisten können. Nach abgeschlossener Desinfektion wurde der Neoapex  auf ca. 3 mm Länge mit MTA verschlossen. Auf die Guttapercha-Trennschicht folgte ein adhäsiver Aufbau mit GF-Stift, Befestigungs-Composite und Composite-Flow.

Ich hoffe, dass die DVT-Nachkontrolle in 12 Monaten den Zahn 11 in situ mit Heilungstendenz zeigt und der Patientin eine weitere chirurgische Intervention erspart bleibt.

 

 

WARNUNG – gefälschte VDW Mtwo-Instrumente auf dem Markt

von Winfried Zeppenfeld

Wir haben kürzlich entdeckt, dass wir von einem großen deutschen Dentaldepot (Name des Depot wird nicht genannt, weder hier, noch auf private Anfrage) gefälschte Mtwo-Iinstrumente geliefert bekommen haben.

Die bei uns entdeckten Plagiate waren Instrumente mit 25 mm Länge, Größen 10/04, 25/06, 30/05 und
35/04.

 

Originalspitze ISO 25 unten und Plagiat oben: die Spitze des Plagiats ist viel zu dick und spatenförmig

Originalspitze ISO 25 unten und Plagiat oben: die Spitze des Plagiats ist viel zu dick und spatenförmig

Die breite Spitze des Plagiats 25/06 hat viel zu viel Biss, frisst sich leicht fest und hat dadurch eine erhöhte Gefahr von Instrumentenfrakturen und Stufenbildungen.

Die breite Spitze des Plagiats 25/06 hat viel zu viel Biss, frisst sich leicht fest und hat dadurch eine erhöhte Gefahr von Instrumentenfrakturen und Stufenbildungen.

Die Durchmesser stimmen nicht! Im Bild steckt ein Original 10/04 rechts in dem Loch ISO 20 der Maillefer-Messlehre. Das Plagiat steckt links in dem Loch ISO 25. Trotzdem lässt sich das Original weiter hineinschieben als das Plagiat. Der Durchmesser des Plagiats ist also mehr als 5/100 mm zu dick.

Die Durchmesser stimmen nicht! Im Bild steckt ein Original 10/04 rechts in dem Loch ISO 20 der Maillefer-Messlehre. Das Plagiat steckt links in dem Loch ISO 25. Trotzdem lässt sich das Original weiter hineinschieben als das Plagiat. Der Durchmesser des Plagiats ist also mehr als 5/100 mm zu dick.

falsche und verkleckerte Farbe und falsche Stopper bei 35/04

falsche und verkleckerte Farbe und falsche Stopper bei 35/04

Die Stopper sind nicht auf beiden Seiten scharfkantig sondern auf einer Seite etwas abgerundet und haben keine so glatte Oberfläche wie die Originale. Die Schleiftiefe bei den Fälschungen ist deutlich geringer und die Spanräume entsprechend auch.

Die Stopper sind nicht auf beiden Seiten scharfkantig sondern auf einer Seite
etwas abgerundet und haben keine so glatte Oberfläche wie die Originale. Die Schleiftiefe bei den Fälschungen ist deutlich geringer und die Spanräume entsprechend auch.

Aera Bestellkompass – Erfahrungen eines langjährigen Anwenders

von Thomas Seitner

Da HaWi gerade seine ersten Erfahrungen mit der Wawibox vorgestellt hat, möchte ich zum Vergleichen meine Erfahrungen aus 15 Jahren Aera Bestellkompass Verwaltung berichten. Für einen Kommentar war das zuviel, daher dieser Artikel.

Es gibt inzwischen einige Materialverwaltungsprogramme auf dem Markt. Die meisten – vor allem die, die von den Depots geführt werden, sind reine Bestellverwaltungsprogramme.

Das Depot möchte es dem Kunden bequem machen seine Bestellungen aufzugeben. Dies geht meistens mit virtuellen Ablagekörben, aus denen dann entsprechend bestellte Artikel nach Namensangabe in einer Suchliste vorgeschlagen werden. Andere Depots arbeiten mit Barcodescanner, die die aufgebrachten Strichcodes lesen können. Henry Schein labelt Dios zum eigenen Programm (DocMA) um.

Die einfacheren Scanner lesen sogenannten 1D Code: Strichcode. Teurere Scanner können auch den kleineren, viereckigen Datamatrix Code (sieht ähnlich dem bekannten QR Code aus) erkennen – sofern die Software diese Codierung unterstützt!

Der Preis – Vergleich mit anderen Depots entfällt bei diesen Programmen.

Soweit mir bekannt ist, gibt es noch kein Material – Verwaltungssystem mit Scanner, das in der Lage ist, alle auf der Packung aufgedruckten Daten zu identifizieren. Deshalb geht Aera (und auch die Wawibox) den Weg, für jeden Artikel einen eigenen Verwaltungsbarcode (Strichcode) zu drucken, der dann auf den Artikel geklebt werden muss.

Wünschenswert wäre eine Einigung der Industrie, damit alle Artikel direkt mit Übertragung der Chargennummer gelesen werden könnten.

Die notwendigen Angaben: Produktname (mit Hersteller), Chargennummer (damit auch Festlegen des Verfalldatums), Zuordnung zur Bestellung (von welchem Depot) und Lagerort wird in Aera bei der Lieferung der Ware Artikel für Artikel ergänzt oder übernommen.

Im Unterschied zu den Depot – Materialverwaltungsprogrammen, vergleicht Aera (so wie auch die Wawibox) die Preise verschiedener Lieferanten (Depots). Ob dies wirklich tagesaktuell geschieht (wie von Aera beworben) und alle Angebote, die per Flyer in die Praxis kommen einbezogen sind, haben wir noch nie geprüft. Wenn es jemanden explizit Interessiert, können wir das gerne machen.

Aera verlangt für das Einpflegen der Daten sowohl vom Kunden (Zahnarzt) als auch vom Hersteller oder Lieferant eine Gebühr. Die Gebühr für die ZA Praxis liegt bei ca. 22,50.- Euro + MwSt. im Monat. Im Vergleich zu den Softwarewartungsgebühren anderer Hersteller erscheint das preisgünstig. Es gibt auch eine Erweiterung für das Dentallabor und deren Produkte.

Kleingeräte sind auch gelistet. Hier haben wir kürzlich beim Preisvergleich mit unserem Stammdepot einen Preisunterschied von gut 100% (!) ausgemacht. Bei einem zuverlässigem deutschen Depot betrug der Preis für ein Foliensiegelgerät 280.- Euro während unser Stammdepot 460.- Euro haben wollte! Das Gerät stand zwei Tage später bei uns im Steri und war immer noch 100.- Euro billiger als die Reparatur des alten Gerätes!

Normalerweise sind die Artikel mit Beschreibung, Sicherheitsdatenblättern und Preisen der verschiedenen Lieferanten in der Datenbank auf Knopfdruck aufrufbar.

Wie in anderern Bereichen der Wirtschaft verlangt auch Aera eine Gebühr für die „Einlistung“ der Waren in den Aera Bestelkompass. Wie hoch die „Aufnahme“ – Gebühr der Hersteller ist, ist mir nicht bekannt. Bei der online Bestellung über Aera werden dem Depot Anteile vom Bestellwert berechnet.

Dies führt zu den von HaWi beschriebenen „Leerstellen“ in der Datenbank.

Aktuelles Beispiel bei mir: die neuen Astra EV Implantate des Herstellers Dentsply Implants (früher Friadent) werden nicht gelistet. Die schon länger laufenden Ankylos Implantate der gleichen Firma sind noch im Warenkatalog enthalten. Ist dem Hersteller dieser Vertriebsweg für die Zukunft zu teuer? Laut Aera Werbung sind 300 Lieferanten (Depots und Direktvertreiber) gelistet.

Da wir Aera auch als Materialverwaltungsprogramm für die am Patienten eingebrachten Materialien verwenden (MPG Dokumentation), ist es für uns wichtig, das wirklich alle in der Praxis verwendeten Materialien im System vorhanden sind.

Man kann in Aera sowohl Artikel, als auch Lieferanten selbst aufnehmen und dabei jeweils eigene Rabatte und Lieferkonditionen (z.B. Portofrei) hinterlegen, die den Preisvergleich mit dem persönlichen Standard -Depot und Angeboten anderer Depots einfacher machen. Aera bricht automatisch den Gesamtpackungspreis auf die einzelne Gebindegröße zum leichteren Preisvergleich herunter.

Bei einem Endo Feilen System oder einem Implantatsystem mit diversen Längen und Durchmessern, Abutments, Heilungskappen und Verschlussschrauben, Bohrern etc. in verschiedenen Größen ist die manuelle Aufnahme aller Artikel eine sportliche Aufgabe bei der schnell 300-500 Artikel zusammenkommen! Da die Produkthersteller keine eigene Materialverwaltung anbieten, sollten sie sich überlegen, ob eine korrekt und professionell gewartete Materialdatenbank bei den Herstellern wie Aera oder Wawibox nicht auch ein Wettbewerbsvorteil sein kann. Den Aufwand des „Befüllens“ einer Datenbank sollte man auch bei „ungefüllten“ Materialverwaltungen bedenken.

Freundlicherweise ist Aera als Service – Dienstleister bereit, Produkte für uns aufzunehmen, allerdings ohne Preisaktualisierungsdienst. – als sogenannte persönlich aufgenommene Artikel.

Ein persönlich aufgenommener Artikel bedeutet aber auch: eine Praxis-Mitarbeiterin darf dann sowohl im Praxisverwaltungsprogramm Evident (oder Solutio etc.) als auch im Materialverwaltungsprogramm Aera die Preise aktuell halten. Das funktioniert in der täglichen Praxis leider nicht immer so zuverlässig und kostet im Vernachlässigungsfall viel Geld.

Wie groß die Lücken im direkten Vergleich zwischen Wawibox und Aera sind könnte man durch Eingabe des in der Wawibox fehlenden Produktes unter Bestellkompass.de sehen. Ist der Artikel dort gelistet, wird er auch gepflegt. Die Firma hinter Aera gibt es seit 1993.

Aera läuft auf dem eignen Praxisserver, also auch wenn das Internet einmal streikt. Soweit mir bekannt ist läuft das System nur unter Windows.

Bei allen Bestellsystemen muss kritisch hinterfragt werden, wie viele Daten der Praxis bei einem Online Bestellvorgang übertragen werden. Die früher vorhandenen CD – Updates wurden von Aera mangels Nachfrage eingestellt. Der Datenbestand kann mehrmals im Monat über das Internet aktualisiert werden. Bei Aera kann die Bestellung auch ohne Online Verbindung direkt auf Papier ausgedruckt und dann an das Depot gefaxt werden.

So mache ich es, da ich dann bei jeder Bestellung sehe, ob die Materialien und Mengen noch dem entsprechen, was ich in Zukunft in der Praxis verwenden möchte. Gerade neue, unerfahrene ZMF´s machen hier leicht Fehler. Teuer gekauftest, aber nicht (mehr) verwendetes Material vergammelt dann bis zum Ablauf der Haltbarkeit im Keller. Vor allem nach besuchten Fortbildungskursen sollten die Bestellhelfer/innen auf der Hut sein :-) .

Zusätzlich ist in unserem QM beschrieben, in welche Klassen Materialien einzugruppieren sind (schneller oder langsamer Umlauf, billig oder teuer, schnell ablaufend etc..) und ob Materialien großzügig oder eher knapp zu bevorraten sind.

Per Unterschrift vom Chef wird die Bestellung bestätigt und von der Mitarbeiterin dann gefaxt oder über die Online Funktion gesendet. In meiner Praxis ist es den Mitarbeitern verboten (außer in absoluten Ausnahmen) telefonisch zu bestellen. Bei Falsch – Lieferungen, ist dann der Beleg, wer Schuld ist, nicht mehr zu erbringen. Bei Medikamenten wie z.B. Emdogain, die nicht rückgabefähig sind, schlagen solche Fehler schnell mit 500.- Euro pro Packung zu buche!

Ein nettes Feature sind die Lieferantenbewertungen. Hier sind wie bei Amazon und Co. die Depots mit Sternen versehen, aus denen man erkennen kann, ob der Lieferant in der Vergangenheit gehalten hat, was er versprochen hat.

Wir hatten in der Anfangseuphorie bei einem der billigsten Depots bestellt – allerdings hatten wir dann oft nur Teil- oder nicht gelieferte Waren, die auf der bereits zugestellten Rechnung aber bereits komplett berechnet wurden. Die Nachlieferungen wiederum kamen selten an. Wir waren offensichtlich nicht die Einzigen und das Depot ist nach der Einführung der Bewertung schnell aus dem Katalog verschwunden. Ein gutes Beispiel wie die „Macht“ der Kunden wirken kann. Da auch wir als Praxen uns täglich der „Bewertung“ durch Patienten stellen müssen, ist es logisch, das wir auch unsere Lieferanten bewerten.

Über die „Eifersucht“ des Stammdepots beim Materialfremdeinkaufen hatte ich an andere Stelle bereits geschrieben. Wir haben eine Zeit lang unser Depot damit „geärgert“, indem wir die Bestellungen mit den Preisen des zuverlässig liefernden, günstigsten Depots gesendet hatten. Bei jeder Rechnung konnten wir dann sofort die Differenz zu dem möglichen, günstigeren Einkauf sehen und am Jahresende Nachverhandlungen führen. Der Wert eines zuverlässigen und schnellen technischen Service sollte dabei fairerweise berücksichtigt werden.

In den Beschreibungen zu den Produkten kann man persönliche Informationen oder auch einen xbeliebigen Link platzieren. Leider können nur sehr kleine Bilder eingefügt werden, hier empfinde ich das Aera System als stark verbesserungswürdig. Gut ist, das auf Mausklick auch das jeweilige Sicherheitsdatenblatt des Produktes angezeigt wird.

Eine Funktion, die wir nie verwenden, ist die Preisanfragefunktion an verschiedene Depots. Der Vorgang geht einfach und schnell, Ist aber eher für die absoluten Sparfüchse gedacht.

Die Wareneingangskontrolle geht mit dem Erfassen der Bestellung auf Vollständigkeit – (sind wirklich alle Packungen, die auf dem Lieferschein/Rechnung stehen, geliefert worden?), dem Eintragen der Chargennummer, dem zugehörigem Haltbarkeitsdatum, dem Einbuchen in das jeweilige Standardlager sowie dem anschließendem Ausdrucken des Barcodestreifens – relativ zügig, wäre aber noch deutlich zu steigern, wenn man auf das Drucken des Barcodes verzichten könnte.

Die Lagerverwaltung (mit Barcodepaket) funktioniert bei uns nur mäßig gut. Die bei uns durch unser QM geregelte, regelmäßige Inventur läuft je nach Mitarbeiter(in) schnell oder gar nicht ab, was auf einen höheres Maß an Fehlbedienungsmöglichkeit im Programm und eine hohe Schulungsnotwendigkeit der Mitarbeiter schließen lässt. Die Summen der in der EDV aufgezeichneten und der tatsächlichen vorhandenen Menge stimmte in den letzten 15 Jahren selbst bei den zuverlässigsten Mitarbeitern nie. Das Problem sind die immer wieder fehlenden oder falschen (EDV-) Entnahmen der Waren. Hier ist eine offensichtlichere Sicherung gegen Fehlbedienung notwendig.

Genial gut funktioniert dagegen die Sterilgut- und Materialverwaltung in den Zimmern. In jedem Behandlungszimmer ist ein kleiner, preiswerter (ca. 150.- Euro), akkubetriebener Opticon Barcodescanner vorhanden mit dem die Mitarbeiter über unsere Zweitlagerliste alles vom Tray bis zur Composit – Carpule chargenbezogen dem Patienten zuordnen. Wenn das „Piep – Konzert einmal nicht ertönt, weis ich- das irgendetwas nicht stimmt. Der Vorgang dauert inzwischen nicht einmal mehr eine Minute- und überträgt die Daten sowohl in Aera, als auch über eine VDDS – Schnittstelle in das Praxisverwaltungsprogramm Evident. Dort wird der erzeugte Datensatz dann auch noch über die Windows Zwischenablage im Klartext in die elektronische Karteikarte eingetragen. Die Daten beschreiben sowohl die verwendeten Materialien als auch auf die verwendeten Instrumente mit den codierten Metadaten zu Sterilisation und Freigabe.

Gerade diese Funktion des Einbringens der Information in den Karteikartentext hat sich für die Abrechnung und alle Anfragen (Patientenrechtegesetz!) sehr bewährt. Sowohl das Dentinbonding als auch das Desinfektionsmittel für die Hände werden erfasst!

In Aera integriert ist auch eine kostenlose Sterilgutverwaltung, die zusammen z.B. mit einem Dios MP Steridat (Einmalkosten ca. 290.- Euro) ohne weitere Monatskosten unsere Steris und den Thermodesinfektor protokolliert und mit der Freigabe durch die ZMF´s im Netzlaufwerk speichert. Der für ältere Sterilisatoren Geräte meist notwendige serielle Com Server, der die Daten vom Sterilisator ohne USB Stick Gefummel direkt ins Netzwerk schickt, ist als 4-Port Version mit 230.- Euro bezahlbar. Für ältere Thermodesinfektoren, noch ohne Datenschnittstelle gibt es von Dios einen Datenlogger Puck. Im Aera werden die Trays und Instrumente dann dem jeweiligen Sterivorgang zugeordnet – damit ist die komplette patientenbezogene Rückverfolgbarkeit gegeben.

Durch kleinere und flexiblere Instrumentencontainersystem, mit feststehenden Barcodeetiketten ließe sich viel Zeit und Kosten sparen. Aera beherrscht neben dynamischen auch feststehende Etikettennummern für Trays. Etikettenhersteller wie Hama liefern mehrfachverwendbare, preiswerte hitzebeständige, sterilisierbare Etiketten.

Über die Aufnahme eigener Artikel mit eigenem Lieferanten haben wir auch alle unsere Geräte in der Praxis, bis hin zur Kaffeemaschine „inventarisiert“. Was fehlt, ist die direkte Anzeige aller Gerätedaten mit allen Wartungs – und sonstigen Betriebsinformation, am besten auch noch der Bedienungsanleitung, wenn man den erstellten Geräte – Barcode z.B. mit einem IPAD scannt.

Was mir auch fehlt, ist die einfache Zuordnung der Rechnungen und Wartungsleistungen zu den einzelnen Geräten. Solche Rechnungen lassen sich in Aera nicht praktikabel zuordnen oder einscannen. Wartungsintervalle lassen sich über die Definition zu „Verfallsdatum“ einpflegen

Ein großes Plus einer EDV gestützten Materialverwaltung ist die Einkaufs- und Verbrauchsstatistik. Damit lässt sich leicht mögliches Einkaufs – Sparpontential ermitteln. Wenn ich in die Verbrauchs – Gruppen gehe, sehe ich schnell ob es sich lohnt den Handschuhen oder Watterollen Aufmerksamkeit zu spenden. Auch kann ich für eine Bilanz auf Knopfdruck sehen, wie der Wert meines Warenlagers gegen Ende des Jahres ist. Schade ist, dass man Artikel nicht nach selbst gewählten Inhalts – Gruppen sortieren kann, wie z.B. die Gesamtmenge aller Endo Instrumente,

Die Aera Servicequalität war bis jetzt relativ gut. Allerdings habe ich mich auch bei Problemen recht frühzeitig selbst eingeschaltet und mit dem jeweiligen Abteilungschef bei Aera eine gute Lösung aushandeln können.

Den Dymo Drucker kann ich in der Kombination mit Sterilgutverwaltung nicht empfehlen, die Etiketten sind schlicht zu teuer. Wir waren mit diesem Drucker zum Schluss auf über 200.- Euro Kosten für Band und Etiketten pro MONAT! Mit dem in der Anschaffung teureren Zebra Drucker fallen Kosten von um die 100.- Euro bei höherer Zuverlässigkeit an. Allerdings ist die Treiberinstallation recht hakelig. Hier lohnt es sich hochzurechnen, wie viele Etiketten täglich gebraucht werden. Der Verbrauchsmehrpreis summiert sich sehr schnell gegenüber dem einmalig höheren Anschaffungspreis. Der Drucker muss zum Programm passen (wg. Etikettengrößeeinstellung). Die Etiketten müssen Lagerstabil (z.B. nicht aus Papier) sein.

Fazit: für mich ist das Programm zum angebotenen Preis eine Empfehlung wert, wenn auch einige Dinge einer deutlichen Verbesserung bedürfen. Gut ist die einfache Preis-Vergleichbarkeit der Anbieter. Die Einfachheit des Bestellvorganges ist in meinen Augen noch zu kompliziert da es zu viele Optionen gibt und die Standardartikel nicht bevorzugt vorgeschlagen werden. Auch eine deutlichere Warnung bei nicht korrektem „first in first out“ Verhalten wäre wichtig. Die Verwaltung der Geräte ist stark verbesserungsfähig. Das Sterilgutmodul ist kostenlos dabei und leistet dafür sehr gute Dienste. Aber auch hier wären ein paar ergonomische Verbesserungen für einen schnelleren Workflow im Steri hilfreich. Dies geht allerdings nur zusammen mit den Herstellern der Instrumente und den entsprechenden Trays – sowie den Steri und Thermodesinfektor Hersteller. Hier fehlt in meinen Augen deutlich der Druck der Kollegen, damit es Lösungen wie kleine und preiswerte Trays sowie einen einfachen Edv-gestützten Ablauf für den Überhand nehmenden Bereich des Sterilgutmanagements gibt, der uns das ARBEITEN am Patient wieder einfacher macht.

Von daher bin ich froh, dass zumindest im Bereich der Materialverwaltung Konkurrenz auf den Markt gekommen ist.

Disclaimer
Es besteht beim Autor kein Interessenskonflikt in Form von eigenen finanziellen Interessen oder finanziellen Interessen Dritter, die von einer positiven Berichterstattung profitieren oder eine negative Darstellung behindern. Alle genannten Produkte wurden regulär über den Fachhandel erworben.

Schweizer Methode ?

von Christoph Mahlke

Der junge Patient hatte vor Jahren (Sept. 2008) einen Fahrradunfall mit Luxierung des Zahnes 11. Er wurde in einem niedersächsischen Klinikum notfallmäßig geschient. Tage später abszedierte der Zahn und wurde notfallmäßig in einer Praxis für MKG inzidiert (Okt. 2008). Fistelungen fielen dort auch 2009 und 2011 auf, wurden aber nicht behandelt.

Der Patient erschien bei uns leider nur sporadisch zu Routinekontrollen.
Seit wann die Behandlung in einer spez. Kinderzahnarztpraxis (s.u.) weitergeführt wurde ist daher auch unklar.

Bei der nun erfolgten Routineuntersuchung in unserer Praxis ergab sich folgender Befund:

Zahn 11 – Die Perkussionsempfindlichkeit des Zahnes war nicht schmerzhaft, wohl aber unterschiedlich zum Nachbarzahn, der Lockerungsgrad II, die Vitalität war negativ und es bestand eine (kleine) Karies approximal distal, sowie eine insuff. verschlossene Trep.-Öffnung palatinal.
Der Zahn war um 2 mm elongiert, gelblich verfärbt und leicht nach vestibulär gekippt.
Die Taschentiefen waren leicht erhöht.
Die Umschlagfalte war o.p.B..

Das alio loco angefertigte (Kontroll-)Röntgenbild (ca. einen Monat alt aus Kinderzahnarztpraxis) ließ auf eine apikale Osteolyse schließen.

Laut Mutter des heute 14 Jahre alten Patienten soll nun demnächst eine kombiniert prothetisch– kieferorthopädische Therapie stattfinden, da die kausale Therapie laut spezialisierter Kinderzahnarztpraxis abgeschlossen wäre und der Zahn „so unschön lang und gelb“ aussähe. Außerdem sei die Vorbehandlung jetzt abgeschlossen. Zitat: „Im Knochen ist alles ausgeheilt“.

Die Therapie wurde von der Mutter als „Schweizer Methode“ bezeichnet, welche mir nicht geläufig ist.

Meine Frage gilt nun der Langzeitprognose des Zahnes und der empfohlenen Therapie.
Die Möglichkeit eine DVT zu erstellen besteht in unserer Praxis, was ich der Mutter nahe legen werde, falls weiter Befunde für die Therapieentscheidung eingeholt werden müssten.

Was sehen Sie im Röntgenbild bzw. würde Ihnen dies zur Diagnosefindung bzw. Therapieentscheidung ausreichen?
Wenn nein, warum?

Wie würden Sie entscheiden?
[Poll (Vorschlag):] oder offene Frage für die Kommentarfunktion

  • Endodontische Therapie
  • Weitere Abklärung (DVT) notwendig
  • Extraktion und prothetische Lösung (Implantat/Brückenversorgung)
  • Zahnerhalt bis Volljährigkeit, danach prothetische Therapie
  • Alternativer Therapievorschlag

Kleines Update:

Die Kinderzahnarzt-Praxis rief mich heute an und erklärte das die bisherige Therapie („Schweizer Methode“) eine Revaskularisierung zum Ziel hatte, dies aber wohl nicht erfolgreich war. Auch wurde die Prognose in Anbetracht der anstehenden KFO-Therapie dort als eher schlecht eingeschätzt. Letztendlich wurde ich auch heute informiert, dass der Zahn nicht wie gedacht (lt. Arztbrief unvollständig) luxiert, sondern für 2 Stunden eine trockene Avulsion bis zur (unvollständigen) Replantation vorlag.

Blech mit Keil dran

 von Harald Vögele

Was mich als Behandler mit am meisten nervt, sind angeschliffene, gesunde Nachbarzähne.

Kollateralschäden?
Vielleicht. Muss das sein? Sicher nicht. Und schon gar nicht in der Häufigkeit.

Ich schreibe meinen Artikel in Anlehnung an Ha-Wi’s Artikel auf Wurzelspitze vom 29. Januar 2009. Die Interguard-Matrizen, über die Ha-Wi in diesem Beitrag geschrieben hat, gibt es seit mindestens 2007/2008. Was mich an den Interguard Matrizen etwas gestört hat, war deren Dicke und die komplizierte Sicherung nach deren Platzierung.

Meine Lieblingsmatrizen zu dem Zweck sind die FenderWedges von directa aus Schweden. 0,08mm dünne Metallplättchen, auf einem Interdentalkeil aus Plastik befestigt.

Die Keile gibt es in vier verschiedenen Dicken, die Metallplättchen darüber sind gleich.
Sie sind einfach zu positionieren und durch den Plastikkeil, der unterhalb des Kontaktpunktes liegt, stören sie nicht beim Präparieren.

Sechs kleinere und größere Helferlein, ohne die ich nicht mehr arbeiten möchte.

von Lothar Pröbster

Heutzutage heißen ja Dinge, ohne die man nicht mehr auskommt, oder nicht mehr auszukommen glaubt, „must haves“, und genau solche möchte ich heute einmal beschreiben. Für den einen oder anderen sind das wahrscheinlich olle Kamellen, aber bei meinen Kursen erlebe ich immer wieder, dass manches noch nicht jedem bekannt ist.
All diese Dinge habe ich nicht selbst erfunden, sondern auch von anderen kennengelernt, weswegen ich die Autoren der Wurzelspitze aufrufe, ihr Erfahrungsschatzkästlein zu öffnen und ihre „must haves“ preiszugeben.

Oszillierende Diamantinstrumente:
Bei praktisch jeder approximalen Kavitätenpräparation, egal ob Keramik oder Komposit verwende ich die KaVo-Spitzen Nr. 51 und 52 nach B. Hugo. Diese beiden Spitzen sind mir die liebsten, weil sie so vielfältig einsetzbar sind, denn durch die oszillerende Arbeitsweise kann jede Oberfläche, die erreichbar ist, bearbeitet werden. Für Vollkronenpräparationen verwende ich das Massironi-Instrument von Komet (Komet SF 979), für Schulterpräparationen gibt es leider nichts Ideales, die Instrumente nach O. Ahlers sind verwendbar (Komet SFD7, SFM7). Für seitlich-approximale Minizugänge sind die halbkugelingen KaVo-Spitzen Nr. 30 bis 33 sehr schön (ähnliche gibt es auch von Komet).(Abbildungen OszDia1-3)

12d Skalpell:
Das 12d-Skalpell benützte ich fast immer, wenn ich mit Komposit arbeite, bei Kompositrestaurationen, Keramikinlays und Keramikteilkronen: Überschüsse und Randleisten lassen sich weg- und zurechtschnitzen, ohne daß Zahnhartsubstanz beschädigt wird und ohne daß Riefen und Rillen entstehen.(Abbildungen Skalpell12d-1, Skalpell12d-2)

Universalkurette „Syntette LM 215-216M XSi“:
Ich liebe gerade dieses Modell von LM-Dental aus Finnland, weil die Arbeitsenden so schön klein sind wie bei einer after-five, ich aber mit einem einzigen Instrument praktisch alle Flächen bei allen Zähnen erreiche. Ich will parodontologisch, nicht instrumentologisch tätig sein und nur zwei Arbeitsenden anstelle von 14, wie bei den Gracey-Kuretten, aufschleifen zu müssen, ist ein Segen.(Abbildungen Kurette1, Kurette2)

Ceri-Saw:
Die Ceri-Saw von Den-Mat habe ich vor vielen, vielen Jahren, noch zu meiner Klinikzeit aus Amerika mitgebracht und, als sie noch nicht in Deutschland erhältlich war (wird mittlerweile von American Dental Systems vertrieben), gehütet wie meinen Augapfel, weil damit der ausgehärtete Kompositrest im Approximalraum von Keramikinlays ausgespielt hat (das Herumgefutschle mit Zahnseide habe ich nie leiden können). Aber Vorsicht, der Kompositrest gibt beim Durchsägen manchmal schlagartig nach und wenn kein Kofferdam gelegt ist, kann man dann die bis auf den Knochen gespaltene Papille mit 8/0-Faden nähen.(Abbildungen CeriSaw-1, CeriSaw-2)

Gripit:
Gripit (Vertrieb: Hager-Werken) habe ich schon 1984 bei meinem ersten Chef als „Almore Crown and Bridge Remover“ kennengelernt. Es macht einfach Spaß, manchmal drei oder vier provisorisch befestigte Kronen in einem Arbeitsgang herauszunehmen. (Abbildungen Gripit-1, Gripit-2)
VarioSurg Piezochirurgie-Gerät:
Ein echter „Stress-Breaker“ , der wahrscheinlich das Herzinfarkt-Risiko signifikant senkt, ist das Piezo-Chirurgiegerät, weil kaum noch eine abgebrochene Wurzelspitze zur Aufklappung mit lateraler Osteotomie führt. Das Heranpräparieren an die Sinusmembran beim Sinuslift dauert zwar länger, aber die Perforationsgefahr ist viel kleiner, was wiederum enorm blutdrucksenkend wirkt. Es ist in der normalen zahnärztlichen Praxis möglicherweise rein betriebswirtschaftlich kritisch zu sehen, aber unter dem oben genannten Präventionsaspekt durchaus lohnend. (Abbildung PiezoSurg)

Röntgenbefund

von Ostidald Wucker

Der junge Mann stellte sich in unserer Praxis mit der Frage vor: Ist an meinem Frontzahn alles ok?
Der Zahn 11 zeigte eine leicht gelbliche Verfärbung. Die Sondierungstiefen waren unter 3mm. Der Lockerungsgrad war 0. Eine Sensibilität auf Kälte war nicht erkennbar.

Der Patient gab an, daß der Zahn in der Jugendzeit kieferorthopädische behandelt wurde und das ein zusätzlicher Zapfenzahn vorher entfernt wurde. Wir fertigten einen Zahnfilm und ein DVT an.

Zahnfilm 11

DVT Screenshot 11

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Was würden Sie dem Patienten raten, bzw. unternehmen?

Guerini V. – A History of Dentistry

von Marc Semper

Literaturrecherche ist bekanntermassen eine Beschäftigung, die man nicht immer als Quell der Freude bezeichnen mag. Manchmal aber erweist sich das, was man gefunden, keinesfalls aber gesucht hat, als eben solcher.

Zumindest mir erging es so, als ich auf dieses Buch gestossen bin: Guerini V. A History of Dentistry. Philadelphia and New York: Lea & Febiger; 1909. 402 p, Available from: https://archive.org/details/ahistorydentist00guergoog.

Eine, wie ich finde, faszinierende Aufarbeitung der Geschichte der Zahnmedizin vom Papyrus Ebers bis zum Ende des 18. Jahrhunderts. Vincenzo Guerini Guerini’s Werk ist hierzulande wohl weniger bekannt als Geist-Jacobi’s „Geschichte der Zahnheilkunde“, Lemerle’s „Notice sur l’Histoire de l’Art Dentaire“.

Oder das Gesamtwerk des Karl Sudhoff, der ihm einige sehr wertvolle Exponate zu verdanken hatte und dessen Medizinhistorische Sammlung in Leipzig (Link http://www.universitaetssammlungen.de/sammlung/161) durchaus einen Besuch wert ist.

Viel Vergnügen bei der Lektüre.

Dental Cal – die Einfachheit der Fortbildungsplanung

von Dr. Andreas Habash

Vor einiger Zeit hatte ich ein Telefongespräch mit Kollegen Werling.
Dabei ging es um ein neues Projekt welches er gerade mit einem professionellen Programmierer-Team entwickelte.
Als er mir sagte, dass dies ein „weltweiter Dentalkalender“ werden wird war ich erst etwas skeptisch?
Wie soll das gehen? Wie kommen die Inhalte da rein? Und, was interessieren mich die Fortbildungskurse in Indien oder Thailand?
Aber, wenn man sich im www umschaut mit Facebook und Twitter, etc dann ist die Idee gar nicht mehr so verrückt.
Das fängt ja schon damit an, das ich nicht weiß welche Fortbildungen es in Österreich oder der Schweiz gibt?
Dabei wäre eine Fortbildung in Zürich oder auf Mallorca von meinem Wohnort aus besser und schneller zu erreichen, als eine in Hamburg!

Nach dem 2 stündigen Telefonat war ich bereits Feuer und Flamme.
Warum
Ganz einfach
Ich hatte zufällig versucht ein paar Tage vorher einen Fortbildungskurs zu einem bestimmten zahnmedizinischen Thema für mich zu finden – und war – gescheitert.
Sobald es sich um endodontische Fortbildungen handelt ist das für mich einfach weil ich Referenten, Themen etc. gut kenne und sehr schnell die richtigen Worte in die Suchmaschine eintippe.
In meinem Fall ging es um ein anderes Spezialgebiet in dem ich nicht so bewandert bin und so gestaltete sich die Suche über die Suchmaschinenmaske etwas schwierig.
Also – Thema eingeben – dann Zeitraum einschränken – dann die ganzen Ergebnisse über alte Veranstaltungen und Berichte ignorieren – dann auf der 4 Seite der Ergebnisse einen ähnlichen Kurs finden – mit diesen Infos wieder die Suche verfeinern und dann … versuchte ich noch nach einer Veranstaltung in meiner Nähe zu diesem Thema zu suchen … fast unmöglich

Deshalb finde ich das neue Konzept genial.
Ein Fortbildungskalender für den kompletten Dentalbereich und das sogar international
Account anlegen
Fortbildungsprofil als User ausfüllen! (Dadurch erhält man immer spezielle Newsletter nach den eigenen Fortbildungspräferenzen!)
Kurse suchen
Erinnerungen bekommen
Alle Daten auf einer Seite
Verwaltung von eigenen Fortbildungspunkten
Einstellen eigener Kurse

Der Gedanke von „Social- Media“ wird dabei auf Dental-Cal „aktiv“ gelebt: Jeder Zahnarzt, Zahntechniker, Zahnarzthelferin kann dort, ohne grüßen Aufwand und kostenlos, eigene Fortbildungen einstellen. Auch Unternehmen, Fortbildungsgesellschaften, etc. können dort kostenlos ihre Kurse einstellen. Für die Zukunft, habe ich mitbekommen, sind interessante Erweiterungen der Seite geplant. Die Einbindung von Webinaren, e-learning-CMS, und Foren, in welchen man Antworten zu allen dentalen Fragen finden kann, sind nur einige der Projekte, die gerade erarbeitet werden. Solch eine Seite „lebt“ natürlich auch von den Usern. deshalb habe ich dort auch einen Kurs eingestellt! Es wäre super, wenn auch andere die Fortbildungen und Kurse anbieten dort kostenlos ihre Angebote einstellen würden!

Ich hoffe das Projekt hat einen guten Start.

Hier geht es auf die Seite
dental-cal.com

dental-cal screenshot

„Erste Hilfe“ – Hilfe

von Haya Hadidi

ErsteHilfe-1-2Kürzlich gab es hier einen Beitrag zum Thema Erste Hilfe in der Zahnarztpraxis. Da ich beruflich mit dem Thema ebenfalls befasst bin, möchte ich auf Erklärvideos hinweisen, die ebenfalls auf kurze und prägnante, aber anschauliche Art und Weise sich dem Thema widmen.
Zunächst die Simpleshow-Clips des DRK, die Pressemitteilung dazu hier: http://www.drk.de/news/meldung/7633-erste-hilfe-jetzt-auch-im-web-20.html

Und hier der aus vier Einzel-Clips bestehende Online-Auffrischungskurs: http://www.drk.de/angebote/erste-hilfe-und-rettung/erste-hilfe-online/erklaervideo.html

Schließlich noch ein sehenswerter Clip zum Thema AED: https://www.youtube.com/watch?v=pKPiB1CSaWo

Eine Bezugsliste für AEDs, von der Berufsgenossenschaft veröffentlicht: http://www.dguv.de/medien/fb-erstehilfe/de/pdf/bezugsquellen_aed.pdf

Zur Infektionsgefahr für Ersthelfer: http://www.dguv.de/medien/fb-erstehilfe/de/pdf/infektion_eh.pdf

Außerdem noch ein Hinweis auf die Besonderheit der Erste-Hilfe-Ausbildung bei Personen mit medizinischer Qualifikation, inklusive Hinweis auf die Kostenübernahme der Fortbildung durch die BG: https://www.bgw-online.de/DE/Leistungen-Beitrag/Praevention/Erste-Hilfe/Erste-Hilfe_node.html

Und schließlich noch einen ganz aktuellen Hinweis auf geänderte Regelungen der Ersten-Hilfe-Ausbildung ab 01.04.2015: http://www.drk.de/pressemeldungen/meldung/8394-ab-1-april-neue-regeln-fuer-die-erste-hilfe-ausbildung.html

Kollagen und MTA

von Riebastian Sedel

Bereits im August 2014 wurden mir der Patient und die Zähne 46 und 47 zur Revision überwiesen.

Zahn 46 zeigt eine ausgedehnte apikale Läsion, mesial imponiert dass frakturierte und über den Apex geschobene Wurzelkanalinstrument, distal liegt periapikal in der knöchernen Lyse ein metallischer Fremdkörper.

Zahn 47 weist eine unvollständige Wurzelfüllung auf, deren mäßiger Desinfektionsgrad mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Grund für die apikale Parodontitis ist.

Ausgangsbild

Beide Zähne wurden jeweils in gleicher Sitzung behandelt, im Abstand von 10 Tagen konnten beide also in insgesamt 2 Sitzungen behandelt werden.

Ich entschied mich vor der Behandlung bewusst gegen ein DVT, da ich die Lage des periapikal liegenden Fremdmaterials erst klinisch einschätzen wollte.

Im Zahn 46 waren mesial klinisch 2 Fragmente erkennen, das transforaminal steckende Fragment konnte mit einer Kanäle verklebt und so herausdrehend entfernt werden.

Das kleine, distal liegende Fragment erschien nach ausgiebiger CHX-Spülung und Anwendung von Endosonore-Feilen, ultraschall- und schallaktiviertem Spülen, so dass es angesaugt und entfernt werden konnte.

Fragmente intrakanalär Fragmente

Zur Obturatio kam in allen Kanalsystemen MTA zum Einsatz, periapikal wurde Kollagen mit mäßigem Druck eingebracht, um einerseits ein Widerlager für die Wurzelfüllung zu ermöglichen, andererseits soll die Kollagen-Packung ein Einbluten, die Gefäßeinsprossung und somit den Umbau zu Knochen ermöglichen.

Die Röntgenkontrolle nach 6 Monaten zeigt apikal bereits gut verknöchernde Strukturen, eine weitere Heilung ist zu erwarten.

Bilder: WF + WF 6 Monate + WF letzte Folie (Galerie)

elements free

von Oscar von Stetten
Sybron_KL-1Es war schon länger im Gespräch – die kabellose Obturations-„Einheit“ von Sybron. Anfang des Jahres 2014 gab es auch eine offizielle Ankündigung für uns Opinion Leader. Mitte des Jahres würde es die ersten Testgeräte geben. Es wurde November. Normal. Kleinigkeiten, die erst auffallen, wenn die Geräte ausserhalb des Entwicklungslabors in Gebrauch sind.
Ich war sehr froh das zu hören, denn kabellos ist für mich gleichbedeutend mit „ergonomisch“. Deswegen bin ich froh, sowenig wie nur möglich kabelgebundene Geräte handhaben zu müssen.

Dann kam es. Der Look: stylish. Ein bisschen Apple-like. Weiss, hochglänzend. Wie sich der Kunststoff nach Jahren der Desinfektion und des Gebrauchs aussehen wird, kann man nicht sagen.

Angeschaltet, die Akkus waren zumindest für einen kleinen Test noch ausreichend geladen. Die Displays sind gut ablesbar, die Einstellung denkbar einfach. Tipp: der Heatcarrier erreicht die Temperatur SEHR schnell. Man sollte nicht, wie ich, den Finger dranhalten, aber das ist eine andere Geschichte. Und er hat den alten Aktivierungsring vom originalen System B bekommen. Der auch noch stylish blau leuchtet. Ein kleiner Nachteil ist die hohe Empfindlichkeit des Ringes. Aber nur am Anfang, man gewöhnt sich schnell daran. Wenn man von der kabelgebunden Obturation Unit kommt, ist das wirklich eine Umstellung, da der Aktivierungsknopf der Elements Obturation doch stärker und vor allem genauer gedrückt werden muss. Man gewöhnt sich im täglichen Arbeitsablauf doch recht schnell dran. Neueinsteiger werden keine Probleme damit haben.

Die Extrudereinheit kommt klein und gut ausbalanciert daher. Die üblichen Kartuschen von SybronEndo passen ohne Probleme und werden auch gut fixiert. Das Display ist auch hervorragend ablesbar und die Einstellung einfach. Es wird eine Ladestation mitgeliefert, in die die Geräte nach Gebrauch zum Laden eingestellt werden. Die Heizleistung ist auch in Ordnung, bedenkt man dass das Gerät, so gross wie ein kabelloses Endohandstück, eine Kartusche GP auf 220° heizen muss. Zum Aktivieren des Extruders ist ein Knopf vorhanden, kein Ring. Damit muss das Gerät zwingend korrekt an den Behandler übergeben werden und zusätzlich muss die Kartusche korrekt einleget worden sein, d.h. die Spitze sollte schon mal Richtung des Zahne zeigen. Die Kartuschenspitze ist zwar drehbar, dreht man jedoch zu viel, fällt die Kartusche einfach aus dem Gerät oder aber rutscht aus den Sicherungen und wird vom Kolben herausgedrückt. Auch das ist Übung und wenn man die Elements Obstration gewöhnt ist, bedeutet das keine Umstellung.

Beide Geräte haben auch eine akustische Signalisierung, die allerdings wie ein erkältetes Tamagochi klingt und am Anfang zu viel Gelächter geführt hat. Man kann es ja auch einfach stumm schalten….

So weit, so gut. Die erste WF stand an und nach anfänglichen oben erwähnten Problemchen klappte es sehr gut. Doch dann: die Batteriewarnung leuchtete am Extruder. Nach einer Molaren-WF. Die Akkus lassen sich zwar einfach austauschen, es sind keine Hindernisse wie bei anderen Geräten eingebaut, aber das kam dann doch überraschend. Akkus benötigen mehrere Ladezyklen, um die volle Kapazität zu erreichen. Nach einer Wochen Nutzung hielt unser Extruder dann 3 volle GP-Kartuschen durch, das reicht für eine Weile. Und seien wir ehrlich, 3 Kartuschen sind eine Menge Guttapercha, die man wohl nur selten in einer Sitzung hintereinander braucht.

Es gibt noch ein System auf dem Markt welches vergleichbar wäre, die Alpha und Beta von B&L. Der Heatcarrier ist sicher miteinander vergleichbar, denn ein Gerät welches eine Metallarbeitsspitze auf Temperatur bringt ist kein Hexenwerk. Bei der Pistole ist die Vergleichbarkeit schwierig. Beides hat seine Vorteile und auch Nachteile. Ich persönlich komme mit den Pistolen nicht zurecht. meine Handhaltung dafür ist einfach nicht ergonomisch genug und ich hatte Probleme im Seitenzahnbereich die Pistole halbwegs vernünftig in den Zahn zu führen. Dosierten Druck anschliessen zu applizieren war dann noch eine andere Geschichte. Vielleicht bin ich auch zu sehr die Elements Obstration Unit gewöhnt, aber ich empfinde es als ungemein angenehm, nur einen Knopf drücken zu müssen anstatt aktiv dosiert Kraft auszuüben und den Applikator präzise in einen Kanal zu halten. Für mich DER grösste Vorteil.

Ein Nachteil des maschinellen Extruders, der immer gerne angeführt wird: ich kann immer nur Guttapercha benutzen. Und dann auch nur von einem Hersteller. Spielt für mich in meiner Umgebung keine Rolle, da ich ausser Guttapercha kein anderes WF-Material verwende. Bei Sybron bekomme ich die Mischungen light body, heavy body und regular body. Das reicht mir. Der höhere Preis der Kartuschen? Dafür habe ich keinen Ärger und gleichbleibende Konsistenz. Jetzt wieder. Aber das ist ein anderes Thema.

Bei dem B&L-Gerät sollen sich in letzter Zeit zudem vermehrt Risse in der Plastikverschalung gebildet haben, das hört man zumindest von Kollegen. Nach 6 Monaten. Und Austausch brachte wohl auch keine deutliche Verbesserung. Kein Gerät ist perfekt, das ist keine Frage! Für welches man sich entscheidet ist Geschmacks- und Workflowsache.

Fazit bisher: Ich mag es, meine Assistenz hat sich dem Sybronverteter in den Weg gelegt als er das Muster abgeholt hat weil sie so begeistert war vom den Gerät und der Erleichterung des Handlings bei der WF.

Werde ich es mir holen? Ja, sehr wahrscheinlich. Alleine schon, um meiner Assistenz die Erleichterung zu gönnen.

2D vs. Extraktion

von Sebastian Riedel

In der Regel dauert ein Termin zur endodontischen Beratung in unserer Praxis 30 Minuten:

Es werden die relevanten klinische Befunde erhoben, Röntgenaufnahmen angefertigt, die  für eine erfolgreiche endodontische Therapie notwendigen Massnahmen erläutert und abschliessend die Risiken der geplanten Therapie sowie mögliche Behandlungs-alternativen ausführlich besprochen.

Als sich dieser Patient vor zwei Tagen wegen Beschwerden in Region 26/27 vorstellte, ging es schneller.

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Laut Patientenaussage wurde 26 im Jahr 2001 resiziert, etwa zur gleichen Zeit, wurde an Zahn 27 eine Wurzelbehandlung durchgeführt. Seitdem schmerzt es im linken Oberkiefer immer wieder, vor allem nach der professionellen Zahnreinigung hat der Patient eine Woche andauernde, meist heftige Schmerzen. Seit 2001.

Klinisch konnte bukkal an 27 mit der PA-Sonde bis zum Apex sondiert werden, der Zahn war deutlich beweglich. Zur Beurteilung der Periapikalregionvon 26 und 27 wurde ein zweidimensionales Röntgenbild angefertigt.

Der Befund war so eindeutig, dass ich in meiner Erläuterung keinen Zweifel daran ließ, dass es keinerlei zahnerhaltende Maßnahmen gäbe; ich schlug die Extraktion vor.

Gestern konnte ich den Zahn entfernen, und eine Überraschung kam damit zum Vorschein: Schmerzen nach der Prophylaxe sind bei dem Befund nachvollziehbar, man erkennt sehr gut die durch die Bearbeitung der Wurzeloberfläche entstandene Mulde bukkal. Die Via falsa in dieser Ausprägung war im zweidimensionalen Bild überhaupt nicht zu vermuten !

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Meine Ankündigung, der Patient werde mit großer Wahrscheinlichkeit nach Entfernung des Zahnes eine gesundheitliche Entlastung erfahren, war dann auch für ihn nachvollziehbar. Ein Gespräch mit dem seit Jahren behandelndem Kollegen bahnt sich an…

Neue höchstrichterliche Entscheidung zum Thema Ärztebewertungen im Internet

von Haya Hadidi

Im Folgenden der Hinweis auf zwei BGH-Urteile zu dem betreffenden Thema:
BGH-Urteil vom 23.09.2014 (Az: VI ZR 358/13):
Als Arzt hat man generell keinen Anspruch auf Löschung seiner Daten aus einem Ärztebewertungsportal. Dies begründet sich mit dem überwiegenden Interesse der Öffentlichkeit an Informationen über ärztliche Leistungen. Dagegen stehe das Recht des Arztes auf informationelle Selbstbestimmung zurück.
Werden allerdings unwahre Tatsachen behauptet oder der Arzt beleidigt, so hat er einen Anspruch auf Löschung gegenüber dem Portalbetreiber.
Im entschiedenen Fall hatte ein Arzt einen Portalbetreiber auf Löschung der ihn betreffenden Daten geklagt. Aufgeführt waren in einem Profil sein akademischer Grad, sein Name, seine Fachrichtung und die Anschrift seiner Praxis. Internetnutzer können kostenlos auf diese Informationen zugreifen. Zur Abgabe einer Bewertung ist die vorherige Registrierung mit einer E-Mailadresse notwendig.
Der Arzt ist in allen Instanzen erfolglos geblieben. Der Portalbetreiber sei nach § 29 Abs. 1 BDSG zur Erhebung, Speicherung und Nutzung sowie nach § 29 Abs. 2 BDSG zur Übermittlung der Daten des Arztes an die Portalnutzer berechtigt.
Der BGH würdigt zwar, dass ein Arzt durch seine Aufnahme in ein Bewertungsportal belastet wird, da durch abgegebene negative Bewertungen die Arztwahl entsprechend beeinflusst werden und wirtschaftliche Nachteile die Folge sein könnten. Der BGH erwähnt auch das Missbrauchspotential eines solchen Portals. Letztlich sieht er jedoch das Portal als schützenwerte Informationsquelle für Patienten und die Öffentlichkeit an, insbesondere vor dem Hintergrund der freien Arztwahl, so dass dies das individuelle Schutzinteresse des Arztes überwog.
Die gespeicherten Profildaten berühren den Arzt außerdem nur in seiner sogenannten Sozialsphäre, also in einem Bereich, in dem der Mensch ohnehin schon mit anderen interagiert und daher weniger geschützt ist.
BGH-Urteil vom 01.07.2014 (Az VI ZR 345/13)
Als Arzt hat man keinen Anspruch auf Auskunft über Anmeldedaten gegen den Betreiber eines Internetportals.
Geklagt hatte ein Arzt gegen ein Arztinformationsportal, welches mehrfach unwahre Tatsachenbehauptungen (Patientenakten würden in Wäschekörben gelagert, Terminvereinbarungen würden unverhältnismäßig lange benötigen), die ein anonymer Nutzer hinterlegt hatte, veröffentlicht hatte. Zwar konnte der Arzt jeweils die Löschung dieser Bewertungen erlangen, allerdings wurde ihm die Auskunft der hinterlegten Nutzerdaten seitens des Portalbetreibers verweigert. Zu Recht, wie sich herausstellte: Denn der BGH stellte fest, dass einer Herausgabe der Daten § 12 Absatz 2 TMG entgegensteht. Es fehlt damit an einer datenschutzrechtlichen Ermächtigungsgrundlage des Portalbetreibers, der sich somit erfolgreich gegen die Herausgabe wehren konnte.

Fazit:
Es lohnt sich als Mediziner sicherlich, die eigenen Bewertungen in den diversen Bewertungsportalen engmaschig zu überwachen. Im Falle unwahrer Tatsachenbehauptungen und Beleidigungen sollte unverzüglich eine Löschung veranlasst werden. Diesen Anspruch macht man gegenüber dem jeweiligen Betreiber geltend. Auf Herausgabe der Nutzerdaten kann man den Portalbetreiber nicht verklagen, was das Vorgehen gegen die einzelne Falschbehauptung umso wichtiger macht.

Der neueste Schrei zu mehr Investitionslaune – Abkündigung des Ersatzteilservices

von Martin Kelbel

Üblicherweise lief das unter der Hand.
Der Depotvertreter teilt dem geschätzten Zahnarzt kurz vor der Fachdental beim Hinausgehen mit: „Ach übrigens, die Ersatzteilversorgung für Ihr Röntgengerät, Ihre Einheit (die Liste ist beliebig erweiterbar) wird Ende des Jahres eingestellt. Ab dann können wir Ihr Gerät nicht mehr warten. Eine notwendige Reparatur kann dann eventuell mehrere Wochen dauern. Ach ja, wie wärs denn, wenn Sie uns auf der Messe besuchen, da haben wir attraktive Neukaufangebote.“
Jeder Kollege, der seine Praxis seit über 10 Jahren führt, kennt dieses Spiel. Ich habe es zuerst beim ehemals Siemens OP10 erlebt. Mir flatterte sogar ein Schreiben in die Praxis, in dem die Ersatzteilversorgung von Sirona offiziell abgekündigt wurde. Nach dem Abbau des Geräts entdeckte ich unter dem Fuß des Geräts einen Aufkleber: Instrumentarium/ Finnland. Dort sind die Ersatzteile angeblich heute noch zu bekommen – wenn man es denn rechtzeitig erfahren hätte.

Aktuell sind die Sirona M1-Einheiten vom Hersteller zum Verschrotten freigegeben. Aber es regte sich ein klitzekleiner Widerstand. Der DAZ veröffentlichte eine Pressemeldung  zur Einstellung der Ersatzteilversorgung dieser extrem weit verbreiteten Einheit. Im letzten Jahr hatte KaVo den Ersatzteilservice der 1042 eingestellt und auch über eine Rückkaufaktion versucht, der Groll der 1042-Besitzer etwas zu besänftigen.

Verräterisch sind Passagen aus der Presseerklärung von Sirona, die auf die DAZ-veröffentlichung folgte, warum sie im Gegensatz zu Kfz-Herstellern, die Ersatzteilversorgung einstellen: „Die regelmäßige Erneuerung von Dentalgeräten nach einer gewissen Laufzeit ist zwar rechtlich nicht verpflichtend, aber dennoch im Sinne des Patientenkomforts.“ Ich musste zweimal lesen, um überhaupt eine Vorstellung davon zu bekommen, was das bedeuten könnte. Es geht munter weiter in der Sironapresseerklärung: „Für eine zahnärztliche Praxis ist die Investition in neue Dentalgeräte vor allem auch wirtschaftlich sinnvoll.“ Hier muss sich endgültig ein Schreibfehler eingeschlichen haben. Streiche zahnärztliche Praxis – setze Dentalgerätehersteller, dann wird der Satz verständlich und in sich schlüssig. Viele Geräte sind ob der jährlichen GOZ-Punktwertanpassungen mittlerweile für die Kollegenschaft so teuer, dass sie nicht mehr mit dem Verkaufspreis, sondern nur noch mit monatlichen Leasing- oder Finanzierungsraten beworben werden.

Ich habe das Gefühl Sirona hat die Presseerklärung im Archiv gefunden.
Im Jahre 1990 hätte ich alle Aussagen unterschrieben. 25 Jahre vorher hatte die Mehrzahl der Kollegen noch mit Doriotgestänge am sitzenden Patienten gebohrt. Welchen Fortschritt aber ein Behandlungsstuhl 2014 gegenüber einem Exemplar von 1990 haben soll, bleibt mir verborgen. Die neueste KaVo-Einheit kann endlich wieder das, was die alte 1042 auch schon konnte und zwischenzeitlich verloren gegangen oder weggespart worden war. Allerdings sind die Verkleidungen nicht mehr in pulverbeschichtetem robustem Blech, sondern in Kunststoff; Lager nicht mehr in Rotguß sondern aus Blech gestanzt. Die Zusatzausstattungen angefangen bei der Multimediaeinheit, über Endo und Chirurgiemodule sind einem solchen Innovationszyklus unterworfen, dass sie nicht mit der versprochenen Lebensdauer der Einheit korrelieren. PC-Monitore z.B. sind spätestens nach 5 Jahren überholt, nur der Austausch in einem Behandlungsstuhl kostet ein Vielfaches des reinen Monitorpreises.

Kfz-Premiumhersteller wie Mercedes gewähren Youngtimerbesitzern auf Ersatzteile einen Rabatt von 10 bis 25% und werben mit Kunden, die ihre Produkte über Jahrzehnte pflegen und fahren. Selbsternannte Premiumhersteller im Dentalbereich zwingen Kunden zum Neukauf durch Einstellung des Ersatzteilservices.

Ob das langfristig die richtige Unternehmensstrategie ist, darf man bezweifeln.

 

Hygienetastatur ohne Kompromisse

von Frank Lobeck

Nach langjähriger Suche haben wir sie endlich gefunden – die ideale hygienefähige, mit üblichen Desinfektionsmitteln wischdesinfizierbare Tastatur mit dennoch „normalem“ Schreibgefühl. Es ist die „medigenic“-Tastatur von esterline, z.B. hier erhältlich. Es handelt sich dabei wohl um eine relativ normale PC-Tastatur, die von einer dünnen, darüber gespannten Silikonhaut dicht umhüllt ist. Die Oberfläche ist völlig glatt (die Tasten sind nur „pseudo-dreidimensional“ aufgedruckt), es gibt also keine Rillen oder Nischen, in denen sich Schmutz, Staub, Bakterien oder Desinfektionsmittel ablagern könnten. Eine eigene Taste schaltet die Tastatur ab und nach Wischdesinfektion wieder ein (Leuchtdiode), nach einer Minute geschieht das automatisch. Die Schreibgeschwindigkeit ist genauso hoch wie bei einer nicht hygienefähigen Tastatur. Dazu gehört eine nach dem gleichen Prinzip (sehr leichtgängig und verlässlich) funktionierende Maus (normale Maus in dünner, glatter Silikonhülle – nicht abschaltbar, jedoch „in der Luft“ ohne Klickwirkung abwischbar). So chic wie eine Glastastatur ist die medigenic nicht, ansonsten aber wohl die perfekte Lösung für den (zahn-)medizinischen Bereich. Der Preis liegt für die „Essential“-Version bei etwa 200 Euro, für die Compliance-Version mit Tastaturbeleuchtung und Hygienesensoren und –Alarm bei etwa 300 Euro. Unseres Erachtens ist damit das „Dogma“„dass die verbesserte Hygienefähigkeit mit einer Verringerung der Schreibergonomie und Schreibeffizienz einhergeht.“ das unsere eigenen Erfahrungen bisher stets bestätigt haben (z.B. die mit dickem, dem Tastenprofil folgenden Silikon ummantelten Produkte von Man & Machine), nicht mehr gültig.

LED-Licht beeinflußt die Kariesdiagnostik mit Diagnodent

von Lothar Pröbster

Kürzlich kam eine unserer Prophylaxeassistentinnen mit dem Ansinnen, bei einer Patientin eine erweiterte Fissurenversiegelung durchzuführen, da der Diagnodent-Wert bei 37 lag, obwohl klinisch keinerlei Verfärbung vorlag.

Beim Nachmessen fiel mir auf, dass das Diagnodent-Gerät (erste Gerätegeneration) bereits Werte über 20 anzeigte, obwohl noch kein Zahnkontakt bestand. Der erste Gedanke war, Sonde verunreinigt. Nach Reinigung lag die Anzeige bei 0, beim Einführen in die Mundhöhle wurden wieder Werte zwischen 20 und 30 angezeigt, was ich dann in Verbindung mit der LED-OP-Leuchte (Faro Alya) brachte, was sich dann durch Weg- und Wiedereinschwenken bestätigte. Weitere Experimente ergaben folgendes: Je nach Abstand und Richtung der Diagnodent-Sonde zur LED-OP-Leuchte werden Werte bis 99 erreicht, gleiches – Werte bis 99 – gilt für die LED-Leuchte der Lupenbrille (Orascoptic) unabhängig davon ob der Gelbfilter eingeschwenkt ist oder nicht. Die Sonde in die Nachmittagssonne gehalten ergab einen Wert von 9, während bei einer Halogenlampen-OP-Leuchte auch bei nur 1 cm Abstand vom Leuchtenglas ein Wert von 1 angezeigt wurde.

Fazit:
LED-Licht verfälscht die Laserfluoreszenz-Kariesdiagnostik mit Diagnodent und erhöht erheblich die Diagnodent-Werte. LED-Licht darf während der Messung nicht auf die Diagnodent-Sonde fallen.

Unsere Altvorderen haben schon alles gewusst…

von Lothar Pröbster

In meinem Bücherschrank fand ich eine Arbeit aus dem Jahre 1949 von Bruno Weigele mit dem Titel „Chlorgas-Therapie chronischer, geschlossener und fistelnder Infektionsherde“. Da denkt man sich erst, „mein Gott, was haben die früher alles für Sachen gemacht!“, aber beim Lesen stellt sich heraus, die Schilderung der Problematik der Wurzelkanalbehandlung könnte auch 2014 geschrieben worden sein. Ein ähnliches Aha-Erlebnis hatte ich schon einmal, als ich im Rahmen meiner Beschäftigung mit Vollkeramik Arbeiten von Schneider aus dem Jahre 1908 oder Conod aus dem Jahre 1937 gelesen habe, da war (mit Ausnahme der Adhäsivtechnik) auch schon alles Wesentliche beschrieben. Man kann vor den Erkenntnissen unserer Vorfahren nur den Hut ziehen, und offenbar haben sich die Verhältnisse bis heute kaum geändert:

 

Ein deutscher Zahnarzt in Madrid (Teil 4)

von Alexander Knobel

Fortsetzung: Ein deutscher Zahnarzt in Madrid (Teil 4)

Bereits Ende April bin ich gebeten worden erneut ein kleines Update meiner Erfahrungen im Ausland und speziell über meine neue Heimat Madrid zu schreiben und selten ist es mir so schwer gefallen wie im Moment.

Seit Wochen versuche ich nun etwas vernünftiges aufs digitale Papier zu bringen und es quält mich. Es quält mich weil ich einfach ausgebrannt bin, kaum Zeit finde und überhaupt nicht weiß, an welcher Stelle ich anfangen soll zu berichten.

Ich denke, dass ich inzwischen behaupten kann, dass mein Strategie aufgegangen ist und das Projekt „Deutsche Zahnarztpraxis im Herzen Spaniens“ definitiv aufgegangen ist.

Moderne Zahnheilkunde und nicht 08/15 Abfertigung. Nichts anderes, wie es wohl auch von den Lesern des Wurzelspitzen-Blog gelebt wird.

Zahnmedizinische Standards (QM von der Praxishygiene bis zum Eingliedern von Keramikinlays), High-End Dentistry (Mikroskop, DVT, CAD/CAM, T-Scan…), Fortbildungen, Freundlichkeit und permanente Präsenz in der Praxis haben zum Ziel geführt.

Aber sollte man nun auf die Idee kommen in einem fremden Land Fuß zu fassen, sollte man niemals außer Acht lassen, dass 100% nicht reichen. 100% bringen alle Anderen. Um sich also aus der Masse als Neuankömmling hervorzuheben muss es deutlich mehr sein.

Ich verbringe ca. 70h+ pro Woche in der Praxis und dann kommt noch das Wochenende mit Plänen, Auswertungen, Medical Reports … Papierkram dazu. Viel Freizeit bleibt da nicht!

Erfolg habe ich … aber der Preis ist doch sehr hoch. Besonders für meine Familie die mich leider viel zu selten zu Gesicht bekommt. Das war in Deutschland definitiv anders!

Der ewige Kampf, das „andere System“, andere Wertvorstellungen und Arbeitsweisen zu verstehen ist nicht immer einfach und extrem kräftezerrend. Ein komplett anders funktionierendes Gesundheitssystem, die Krise, ein brutaler Konkurrenzkampf, Praxisketten (Lowbudget und von Versicherungen), die wie Heuschrecken aus dem Boden schießen und die Preise ins bodenlose drücken, ….

Jeder dieser Punkte wäre im Einzelnen bereits mehr als abendfüllend und sicherlich auch für die meisten Leser uninteressante Kost. Aber damit muss man sich nun einmal auseinandersetzen, wenn man den Gedanken einer beruflichen Auswanderung in sich trägt.

Alle Versuche eine zahnärztliche Assistenz einzustellen sind bisher kläglich gescheitert.

Die universitäre Ausbildung junger Zahnmediziner ist extrem the­o­rie­las­tig und das selbstständige Arbeiten aufgrund fehlender bzw. minimalster praktischer Ausbildung fällt den Meisten direkt nach dem Studium dann auch extrem schwer.

Viele flüchten sich daher auch erst einmal in die postgraduierte Ausbildung (sofern sie es sich leisten können) und machen einen Master, welcher im Anschluss der Ausbildung für viel Geld direkt von den Universitäten angeboten wird. Dadurch ist der Markt von Spezialisten überflutet, die ihr Handwerk anschließend auch verstehen, allerdings auch nur einen Mikrokosmos der Zahnmedizin abdecken. Hier sieht man dann sehr schön, inwiefern sich eine reine Spezialisierung der Zahnmediziner auswirkt. Keiner hat mehr eine Ahnung vom Ganzen und der Patient wird herumgereicht.

Auf keine Fall jetzt aber falsch verstehen. Es gibt ganz tolle und extrem talentierte Zahnmediziner in Spanien, die ihr Handwerk meisterlich verstehen. Auch den Sinn einer Spezialisierung möchte ich nicht in Frage stellen.

Nur sollte die Aufgabe einer Universität wohl eher in der allgemeinen Ausbildung und dem praktischen Heranführen an den täglichen Bedarf eines jungen Zahnmediziners liegen.

Die schlechtesten Arbeiten, die ich bisher gesehen hatte waren übrigens deutscher Herkunft. Da wurden z.B. schlecht gemachte GIZ Füllungen als „Spezial Inlays“ verkauft und teuer berechnet.

Nicht alles was glänzt ist nun einmal ist Gold.

Arbeiten im Ausland hat absolut nichts mit dem Erlebten im letzten Urlaub zu tun. Auch nicht, wenn die Kollegen dort einen relaxten Eindruck beim Bier an der Bar hinterlassen hatten.

Eines ist sicher: Kein Mensch hat hier auf mich gewartet bzw. nach mir geschrien. Es ging vor mir und wird auch ohne mich gehen.

Mein Fazit:

Mein Konzept ist aufgegangen. Und in naher Zukunft stehen auch noch einige gravierende Veränderungen an, welche mir endlich das erhoffte Maß an mehr Lebensqualität bringen sollen.

Nur hartes und zielorientiertes Arbeiten, ein hohes Maß an Opferbereitschaft und etwas Glück kann zum Erfolg führen. Der Standort macht dann nur noch eine kleineren Prozentsatz des Erfolges aus.

Garantien gibt es aber auch dann keine.

 

Gerichtsurteil Behandlungsfehler

von Haya Hadidi

Hallo allerseits,
anbei möchte ich Sie auf ein aktuelles Urteil zum Thema Behandlungsfehler eines Zahnarztes hinweisen (Erscheinungsdatum 08.07.2014).

Das Urteil finden Sie in der Langfassung hier zum Nachlesen: http://www.justiz.nrw.de/nrwe/olgs/hamm/j2014/26_U_14_13_Urteil_20140606.html

Für den Praktiker ist es sicher nicht immer leicht selbst einzuschätzen, ob die vorgenommene Behandlung einer gerichtlichen Überprüfung nach dem „lege-artis“-Maßstab standhalten würde. Umso aufschlussreicher sicherlich die Beschäftigung mit aktuell gerichtlich entschiedenen Fällen zu dieser Thematik.
Im vorliegenden Fall ist der Behandler unterlegen und muss nun seiner ehemaligen Patientin Schmerzensgeld und Schadensersatz zahlen und darf auch keine Nachbesserung versuchen.

Was war passiert?
Die 37jährige Patientin hatte sich aufgrund von Zahn- und Kopfschmerzen zum Zahnarzt begeben. Dieser verordnete zunächst eine Protrusionsschiene, um die Fehlstellung des Kiefers zu korrigieren. Sodann begann er außerdem die Behandlung der Zähne im Oberkiefer, indem er Amalgamfüllungen entfernte und die Zähne für den Einsatz eines langzeitprovisorischen Zahnersatzes vorbereitete. Dieses Provisorium gliederte er nach etwa 3,5 Monaten nach Beginn der Schienenbehandlung ein. In der Folge verstärkten sich die schmerzhaften Beschwerden der Patientin wieder, nachdem sie nach Beginn der Schienenbehandlung und vor Eingliederung zunächst nachgelassen hatten. Die Patientin begab sich daher in stationäre Behandlung, bei der eine Knochenentzündung im Oberkiefer festgestellt wurde. Nach Entfernen der Provisorien verringerten sich die Beschwerden, ließen jedoch nicht ganz nach.

Wo liegt der grobe Behandlungsfehler?
Der Zahnarzt hätte die prothetische provisorische Versorgung noch nicht vornehmen dürfen, da die begonnene Schienentherapie die Position des Unterkiefers noch nicht ausreichend gesichert hatte. Das Gericht macht sich hier die Ausführung des zahnmedizinischen Sachverständigen zu eigen, da„ die Verschiebung der Kieferposition auch aufgrund der muskulären Beteiligung ein dynamischer Prozess ist, bei dem auch entsprechend den Leitlinien eine gesicherte und so verbleibende Endposition erst erreicht ist, wenn der Patient ein halbes Jahr beschwerdefrei mit dieser durch die Schienentherapie erreichten Position gelebt hat.“
Die Patientin hatte aber nie die Beschwerdefreiheit erreicht.
Das Gericht sieht „das Vorgehen des Beklagten bei juristischer Bewertung als groben Behandlungsfehler [an], also um einen eindeutigen Verstoß gegen bewährte ärztliche Behandlungsregeln oder gesicherte medizinische Erkenntnisse, der aus objektiver ärztlicher Sicht nicht mehr verständlich erscheint, weil er einem Arzt schlechterdings nicht unterlaufen darf (vgl. etwa BGH NJW 2001, S.2795 [2796]). Dabei hat der Senat insbesondere berücksichtigt, dass die zu fordernde Zeit der Beschwerdefreiheit so deutlich unterschritten worden ist, dass sich das Scheitern der Bemühungen aus Sicht des Senates geradezu aufdrängte. Auch die medizinische Sachverständige Dr. Q hat das Vorgehen in Ihrem schriftlichen Gutachten als medizinisch unverständlich und Verstoß gegen bewährte medizinische Erkenntnisse bezeichnet und bei der mündlichen Anhörung bildlich als Verstoß gegen das „Dickgedruckte“ angesehen.“
Der Zahnarzt haftet daher für die bei der Patientin eingetretenen Schäden einschließlich ihrer Folgewirkungen, weil er den Gegenbeweis mangelnder Kausalität nicht führen konnte.

Praxistest Pico vs. ProErgo

von Stephan Gäbler

Eines der großen Themen in der Endodontie war um die Jahrtausendwende die (breitere) Einführung der Dentalmikroskope. Diese Frage ist inzwischen sicher eindeutig geklärt und zumindest im Bereich der spezialisierten Kollegen wird niemand mehr ohne Dentalmikroskop arbeiten wollen.

Seither ist die Entwicklung der Mikroskope fortgeschritten. Halogen als Lichtquelle hat ausgedient. LED’s sind als neue Option hinzugekommen. Xenon ist eine weit verbreitete Lichtquelle.

Obwohl es von vielen Firmen zahlreiche neue Angebote gibt, haben sich bisher 2 Mikroskope der Firma Zeiss über die ganzen Jahre am Markt behaupten können. Das Pico und das ProErgo. Beide verkörpern nahezu gegensätzliche Philosophien. Einmal gibt es das Pico „puristisch“ mit Festbrennweite und Fünfach-Vergrößerungswechsler. Andererseits steht das ProErgo zur Verfügung, welches durch Motorzoom, variable Brennweite und Magnetbremsen punktet.

Ich selber arbeite seit 2000 in meiner Praxis mit Pico’s. Ich war mit den Mikroskopen zufrieden, schätzte die leichte Handhabung. Vor einiger Zeit habe ich die Nikon CoolPix-Kameras durch Sony’s Nex5-Modelle ersetzt. Insgesamt komme ich mit dem „einfachen“ Pico besser zurecht, als mit dem Modell mit Mora-Interface.

Nun ergab es sich durch einen massiven Wasserschaden in meiner Praxis, daß ich für 4 Monate gezwungen war, in anderen Praxen zu arbeiten. Das war zum einen die Praxis von Holger Dennhardt in Landshut, zum anderen die Praxis vom Michael Arnold in Dresden, dem ich für die Möglichkeit an der Stelle sehr danken will.
Beide Praxen sind mit Pro-Ergos ausgerüstet. Mein Behandlungsspektrum umfasste, wie „daheim“ überwiegend endodontische Prozeduren.
Damit hatte ich wohl so ziemlich einzigartig, die Möglichkeit, beide Mikroskop-Philosophien im laufenden Betrieb über einen längeren Zeitraum zu testen und damit zu vergleichen.

Hier also nun ein erster, zugegebener Maßen, sehr subjektiver, Bericht über meine Eindrücke bei der Umstellung von Pico auf ProErgo:

Die Umstellung lief, nach erster Einführung in die Bedienelemente an den Handgriffen und dem Umstand, daß die ProErgo’s erst „hochfahren“ werden müssen, problemlos. Michael Arnold hat einen zusätzlichen Vergrößerungswechsler unter dem Objektiv eingebaut. Das vergrößert die Bauhöhe um einige Zentimeter, die bei meiner Körpergröße dazu führte, daß ich teilweise „nach oben“ in das Okular schauen musste, statt „nach unten“. An das notwendige Auslösen der Magnetbremsen gewöhnte ich mich schnell. Auch das „Klacken“ der Magnete war nach einer Weile kein Problem mehr. Als Vorteil kann ich die Magnetbremse trotzdem nicht erkennen, da ich „mein“ Pico auch mal mit Nase oder Handrücken in die richtige Position bringen konnte.
Vorteilhaft fand ich das Zoomen per Knopfdruck und das motorische Verändern der Brennweite. Beide Funktionen setzte ich anfangs fast garnicht ein und verwendete sie erst mit zunehmender Zeit regelmäßig. Beim Zoomen kann man das Objekt des Interesses im Gegensatz zum Objektivwechsler kontinuierlich im Blick behalten, was einen leichten Vorteil ergibt. Jedoch ist das Vergrößerungs-Spektrum beim Pico wohl leicht größer, zusätzlich verbraucht die Optik auf Grund der größeren Zahl von Linsen wohl etwas mehr Helligkeit. Beides sollte zum Zoomen in Abwägung gebracht werden. Ehrlicher Weise muß ich sagen, daß ich während der 4 Monate keinen Fall hatte, in dem Vergrößerung und Licht an ihre Grenzen kamen, ich kenne aber solche Fälle.
Die Brennweitenänderung führe ich am Pico in der Regel durch Kniedruck in die Rückenlehne des Patientenstuhls durch. Das hat den Vorteil der handfreien Bedienung, führt aber meist zu einer Verschiebung des sichtbaren Ausschnitts. gegen eine Feinregulierung am Objektiv habe ich mich wegen Vergrößerung der Bauhöhe entschieden. Nachdem ich anfangs, meiner Gewohnheit entsprechend, mit der Rückenlehne gearbeitet habe, verwendete ich zunehmend die Knöpfe am Handgriff. Leider erfordert das immer, eine Hand aus dem Arbeitsbereich zu nehmen. Hier habe ich, wie auch bei den anderen Bedienelementen eine alternative Steuerungsmöglichkeit mit Fuß oder z. B. Sprache, vermißt.
Während meine eigenen Mikroskope an Centro-Säulen montiert sind, waren die ProErgo’s deckenmontiert oder auf Rollstativen befestigt. Ich habe keine gravierenden Handlingsunterschiede feststellen können.

Insgesamt geht meine Vergleichseinschätzung nach dem Wechsel zum ProErgo hin unentschieden aus:
Die Vorteile im Handling werden durch zwangsläufige Nachteile fast ausgeglichen. Dem steht eine hohe Preisdifferenz gegenüber.

Mein Fazit
Wenn Geld kein Entscheidungsfaktor ist, der macht mit einem ProErgo nix falsch. Alle anderen sollten die Vorteile gegen den Preisnachteil wichten. Ich könnte mir einzig die Notwendigkeit schwerer Anbauten am Strahlenteiler oder am Objektiv als KO-Kriterien für’s Pico vorstellen.

Ab heute Mittag werde ich wieder zu meinen Pico’s zurück wechseln, ich bin gespannt, ob ich nun, nach der Erfahrung mit den ProErgo’s eine andere Sicht auf die Pico’s haben werde.

Ich werde – zu gegebener Zeit – weiter berichten.

 

 

Was nun…was tun…? Saving hopeless (?) teeth?? Teil I

von Elwood Blues

Befundung Zahn 16:
Vipr. negativ, Perk. leicht positiv, Taschentiefe an 8 Messstellen: max. 2-3mm, vestibulär starker Attachmentverlust mit freiliegender Wurzeloberfläche. Lockerungsgrad 0, Brücke ca. 20 Jahre alt, Kronenränder kariesfrei, Brücke intakt.

Exponiertes Wurzelkanalsystem über mittleres bis unteres Wurzeldrittel der mb-Wurzel.
001IOC 002IOC 003IOCpal 1366-X-20140124-105531-XSVT+IJCAXK-3 1366-X-20140124-105531-XSVT+IJCAXK-3a
Mehrere Zähne mit ähnlichem Attachmentverlust vestibulär in allen Quadranten, aber ohne exponiertes Kanalsystem, teilweise mit Zahnhalsfüllungen versorgt.
Die Frage der Patientin war einfach: „Was können Sie gegen den Pickel tun?“ und „Muss der Zahn entfernt werden?“
Genau diese Frage möchte ich an die geneigte Leserschaft weitergeben und bin sehr gespannt auf die Behandlungsansätze und Kommentare zu diesem Fall.
Wie würden Sie vorgehen, bzw. was wäre Ihre Therapieempfehlung an die Patientin?

Eine fehlerhafte Aufklärung und ihre kostspieligen Folgen

von Haya Hadidi

Ich möchte die geneigte Leserschaft auf das folgende aktuelle Urteil hinweisen. Das OLG Hamm hat entschieden, dass ein Zahnarzt wegen fehlerhafter Aufklärung seiner Patientin 6.000 EUR Schmerzensgeld zahlen muss (Az. 26 U 54/13).

  1. Der Sachverhalt

2007 empfahl der Zahnarzt der 1942 geborenen Klägerin eine prothetische Neuversorgung und gliederte sodann neue Brücken und Veneers im Unter- und im Oberkiefer ein. Die Behandlung wurde 2009 durch die Klägerin beendet, welche daraufhin Schadensersatz verlangte. Sie verwies auf Beschwerden bei der Nahrungsaufnahme und klagte über überempfindliche Zähne. Außerdem meinte sie, die neue Versorgung weise ungenügende Zahnkontakte zwischen Ober- und Unterkiefer auf, es hätten Einzelkronen und keine verblockten Brücken geplant werden müssen. Sie sei über die mögliche Versorgung mit Einzelkronen nicht aufgeklärt worden.

Das LG Bochum hatte der Klägerin ein Schmerzensgeld i.H.v. 6.000 Euro zugesprochen.

Das OLG Hamm hat nach Anhörung eines zahnmedizinischen Sachverständigen die erstinstanzliche Entscheidung bestätigt.

2. Die Entscheidungsgründe

Das Gericht stellt keinen Behandlungsfehler fest, weil nicht auszuschließen sei, dass die mit der Versorgung des Beklagten geschaffene Bisssituation zunächst fachgerecht gewesen sei und sich erst nachträglich verändert habe. Der Zahnarzt muss aber ein Schmerzensgeld zahlen, weil seine Behandlung mangels wirksamer Einwilligung der Klägerin rechtswidrig gewesen sei. Er hätte die Klägerin über die für den Oberkiefer bestehende alternative Behandlungsmöglichkeit einer Versorgung mit Einzelkronen aufklären müssen. Diese sei medizinisch gleichermaßen indiziert und üblich gewesen und habe gegenüber der ausgeführte Verblockung wesentlich unterschiedliche Risiken und Erfolgschancen aufgewiesen, so dass die Patientin auch eine echte Wahlmöglichkeit gehabt habe. Einzelkronen hätten Vorteile gegenüber einer Verblockung, weil sie ästhetisch ansprechender und besser zu reinigen seien. Dass er seiner Aufklärungspflicht genügt habe, habe der Zahnarzt aber nicht beweisen können.

Auf dieser Grundlage sei jedem praktisch tätigen Zahnarzt eine kritische Prüfung der Aufklärungsabläufe und insbesondere auch der –dokumentation empfohlen, um im Zweifel eine die Rechtswidrigkeit der Behandlung ausschließende Aufklärung über Behandlungsalternativen nachweisen zu können.

May the (Light-) source be with you!

von Jürgen Wettlauffer

Es gibt bei der Anwendung des Mikroskops in der Zahnmedizin, besonders in der Endodontie immer  Dinge von denen man nicht genug haben kann. Zum Beispiel Licht. Und das am Besten ohne hohe Kosten, Wärme, Lärm des Lüfters und möglichst farbentreu.

Bei Festbrennweiten ist der Lichtverlust deutlich geringer als bei den Vario Objektiven. Grund ist die Optik (mehr Linsenflächen beim VarioFocus). Aber auf die deutlich bessere Ergonomie die durch diese Objektive möglich wird (variabler Arbeitsabstand) möchte niemand verzichten. Leider ist die menschliche Sinnesempfindung der Helligkeit etwa dem Logarithmus des Reizes proportional – sie folgt wie viele andere neurologische Prozesse dem Weber-Fechner-Gesetz.  

Dies bedeute in der Praxis, das eine Verdopplung der Lichtintensität geringer wahrgenommen wird.

Zusätzlich sorgt noch ein größerer (aber ergonomischer) Arbeitsabstand  zusätzlich zu Lichtverlust (im Quadrat zum Abstand!).

Aus den oben genannten Gründen müssen wir bis heute mit Lichtverlust leben.

Jetzt bringt eine neue Lichtquelle, (entspricht ca. 300 W –Xenon Beleuchtung) mehr Licht in das  Dunkel des Kanals.

Laut Herstellerangaben hat diese brandneue Technologie viele Vorteile:

Vorteile gegenüber Xenon

-Über 20-fach längere Lebensdauer (ca. 20.000 Std.)

-Kein Anteil von UV- und IR-Licht im Spektrum des generierten Lichts

-Rund 50 % weniger Energieverbrauch gegenüber konventionellen Xenon-Entladungslampen

Vorteile  gegenüber den weißen, konventionellen LED-Lösungen

-Deutlich mehr Licht (bis zu über vier mal so hell)

-Erforderliche Lichtleistungen auch ohne     Übersteuerung der verbauten     Komponenten möglich – Einfache Kühlung und geringere Geräuschentwicklung  -Keine Änderung der Farbtemperatur des Lichts über weite Dimm Bereiche                                                           -Kaum Änderung der Farbtemperatur des Lichts über die Lebensdauer.

Ich hatte am letzten Wochenende die Chance eine absolut neue und innovative Lichtquelle zu testen. Carsten Jung von CJ Consultation kam bei mir in der Praxis zur Teststellung vorbei und ich packte sofort mein Luxmeter aus. Dann haben wir das „gute Stück“ an meinem Kaps und Zeiss Pico Mikroskop angeschlossen.

Gleich vorweg: Diese Lichtquelle ist heller als es mein Luxmeter messen kann!. Ich kann bis max. 400.000 Lux messen. (Dies bedeutet, dass alle Werte über 400.000 Lux geschätzt sind.)

WLKH-WL2KH WLZX-WL1Die deutlich schlechteren Helligkeitswerte  des Zeiss Pico im Vergleich zum Kaps erklären sich durch die Größe der ausgeleuchteten Fläche. Kaps leuchtet einen ca 4.5 cm Durchmesser Kreis aus und Zeiss einen 8 cm Kreis. (siehe Fotos) Die Verteilung des vorhandenen Lichtes auf eine größere Fläche geht zu Lasten der Leuchtintensität.

Hier die von mir gemessenen Lichtwerte (Lux, lx)

KAPS f/250 KAPS, Vario 200mm AA KAPS, Vario 350mm AA PICO f/250 PICO, Vario 200mm AA PICO, Vario 350mm AA
XENON 200.000 lx 130.000 lx 60.000 lx 80.000 lx
Laser LED über 400.000 lx 400.000 lx 135.000 lx 180.000 lx 200.000 lx 70.000
LED, konv. 70.000 lx 60.000 lx 25.000 lx

Kaps Opmi: f/250, sowie Zeiss Pico f/250 : Festbrennweite vom Hersteller

Kaps Xenon sowie Zeiss Xenon: Xenon vom Hersteller

Variofocus  200 – 350 mm Arbeitsabstand (AA) an Kaps / Zeiss :

Variofocus :                            CJ Consultation

Laser LED Lichtquelle :      CJ Consultation

LED „konventionell“   :        LED Nachrüstsatz für Zeiss Pico:  CJ Consultation

Resümee
Sobald ich diese Lampe erwerben kann werde ich dies tun. Sie hat wesentlich mehr Licht, weniger Abwärme und daher deutlich weniger Lärm des Lüfters sowie wesentlich geringere Betriebskosten im Vergleich zu meiner Xenon Beleuchtung.

Disclaimer: Der hier veröffentliche Beitrag gibt ausschließlich die persönliche Einschätzung/Meinung des Gastautors wieder. WURZELSPITZE hat keine Möglichkeit, die Richtigkeit/Neutralität der Aussagen des Beitrags zu verifizieren.

Video – Rettung hoffnungsloser Zähne

von Stefan Klinge

Stefan Klinge hat hier bei WURZELSPITZE schon des öfteren Gastbeiträge veröffentlicht.
Nachfolgend diesmal eine 2 fache Premiere.
Zum einen wurde ein Video extra für diesen Blog erstellt, zum anderen – im Hinblick auf unsere zahlreichen internationalen Leser – gibt es eine eigen produzierte englischsprachige Version des Videos, die hier zu finden ist.

Der Autor schreibt hierzu einleitend: „Die Rettung hoffnungsloser Zähne ist immer eine Herausforderung, welche sicher nicht standardmäßig durchgeführt werden kann. Gelingt dies aber, ist es ein Gewinn für den Patienten oder die Patientin, da ein Implantat vermieden werden kann.“

Video – Saving hopeless teeth

by Stefan Klinge

„Saving hopeless teeth is always a challenge, and not always does it work as well as you will see in this short video presentation.
But if it works, it is a great benefit for the patient, because an unnecessary dental implant can be avoided.“

Kaps Fototubus für Sony NEX

von Oscar von Stetten

Seit Jahren bin ich ein grosser Fan des Kaps-Fototubus.
Bei korrekter Justage hat er ein ausgezeichnetes Preis/Leistungsverhältnis und gute Qualität zu bieten.

Nun kam Anfang des Jahres eine aktualisierte Ausgabe von Kaps auf den Markt.
Warum aktualisiert?

Ganz einfach: er wurde auf die Nex-Reihe von Sony, die sich zu Recht grosser Beliebtheit erfreut, berechnet. Die Brennweite muss ein wenig gestiegen sein, denn er ist ein wenig länger als der alte Tubus.

Von aussen sieht man ansonsten nicht viel an Änderung.

Nex dranschrauben und loslegen.
Performance? Ausgezeichnet.
Der Tubus kann vom Zahnarzt selber justiert werden, wenn der Bedarf da ist, andererseits kann er von einem Servicetechniker auch direkt am OPMI justiert werden. Warum das so sein kann? Weil überall mit Toleranzen gearbeitet wird. Und bereits 100µ schon mal über Wohl oder Wehe entscheiden.

Wer über die LiveView-Funktion fokussiert und Fotos macht wird das nicht zwangsläufig brauchen, derjenige der Fotos macht ohne Fokussierhilfe über einen Monitor wird sich über eine einfache Justage freuen.

Ein besonderes Highlight der Neuauflage: Ich konnte Kaps davon überzeugen, auch für Zeiss-Mikroskope ein fixes Zeiss-Attachement zu verwenden. Die alten Tuben bekam zur Grössenanpassung einen Überwurfring mitgeliefert, der über Madenschrauben befestigt wird. Diese Lösung war fehlerbehaftet, so konnte durch ungleichmässiges Anziehen der Madenschrauben die optische Ebene durch Verkanten schon mal schräg gestellt werden. Die mechanische Stabilität war auch nicht zu 100% gegeben.…. Vergangenheit ;-)

Ansonsten hatte ich bisher keinen Fotoadpater am DM, der Belichtungszeiten von bis zu 1/1600 bei ISO400 erreicht. Zwar mit Xenon 180, aber der Adapter hat definitiv Reserven.

Probleme? Ja. Bei höchster Vergrösserung mit maximaler Lichtleistung am DM hat der Tubus eine merkliche Streulichtproblematik. Sieht man das? Ja. Lösung? Ganz einfach, nicht bei höchster Vergrösserung fotografieren. Die einfachste Variante. Macht man sowieso nicht.

Vorteil gegenüber anderen NEX-fähigen Lösungen: Justierbarkeit und vor allem die T2-Adapter können getauscht werden. Wenn man also bereits eine andere APS-C-Kamera sein eigen nennt kann man sich von Kaps den T2-Adapter tauschen lassen und seine Kamera weiterverwenden.

Fazit

Wer vor einer Neuanschaffung oder Aufrüstung steht sollte sich diesen Adapter mal genauer anschauen. Die Bilder sind out-of-the-cam ohne weitere Nachbearbeitung. Ich bin zufrieden.

Recording von Zeiss

von Oscar von Stetten 

Auf der IDS 2013 konnte man auf dem Zeiss-Stand eine ins Pico integrierte Recordingeinheit sehen. Explizit als „Technologiemuster“ ausgewiesen wurde die Einheit nun vor ca. 8 Wochen in unser Pico eingebaut. Im Zusammenspiel mit der für das Pico erhältlichen integrierten Full-HD-Kamera eine sehr nette Ergänzung.

Die Eckdaten lesen sich gut:

Streaming (live) ins Netz

Speicherung auf USB-Stick

Speicherung auf ein beliebiges Netzwerkverzeichnis

Capture Film / Bild

Wir sind gegenüber Videokameras und deren Fähigkeiten, Fotos zu machen, sehr skeptisch eingestellt. Das haben wir auch gegenüber Zeiss in der Vergangenheit häufig kommuniziert. Die Kamera sind wir schon gewohnt, das gelieferte Livebild ist in Ordnung, vergisst man nicht die Tatsache, dass wir es „nur“ mit einer 1-CCD-Kamera zu tun haben. Dafür ohne Kabelsalat und Adapterdrucheinander.

Bisher war das capturen von Filmen oder Bildern mit einer externen Verkabelung und einem externen Gerät, wie dem z.B. von uns stets und immer noch empfohlenen BlackmagicDesign Pro.h264-Recorder, verbunden. Der Workflow ist jedoch, abgesehen von einer guten Integration in z.B. Fotostation von Carsten Schafflhuber, etwas holprig. Man hatte Filme auf einem Speichermedium, die erst eingelesen, beschnitten und bearbeitet werden mussten. Oft nahm man alles auf, obwohl nur bestimmte Teilabschnitte der Therapie von Interesse waren. Stills (Photos) aus einem Film zu extrahieren ist nach wie vor ähnlich umständlich.

Uns störte die externe Verkabelung immer mehr, scheint ein Alterseffekt zu sein ;-) zudem war ein zusätzliches Gewicht am Pico für die Stabilität der Mechanik nicht von Vorteil. Wir haben ein Pico Mora, unser Dokumentationsausgang ist ein 80:20. Für die meisten Standalone / SLR Kameras viel zu wenig Licht, auch mit Xenon. Natürlich könnte mit der Nex-Serie von Sony ein adäquater Ersatz vorhanden sein, unsere Erfahrungen zeigen allerdings, dass es dafür den richtigen Fotoadapter braucht. Aber das ist ein ganz anderes Thema. Den Bereich der High-ISO-Fotografie am Mikroskop wollen wir auch nicht näher betrachten, darum geht es hier nicht.

Die Installation der Einheit in unser vorhandenes Gerät wurde von einem Servicetechniker der Fa. Zeiss vorgenommen und dauerte ca. 2 Kaffees und 3 Stunden. Warum ein Techniker? Weil die Kamera als Nachrüsteinheit nach dem Einbau noch justiert werden muss. Da die Recordingeinheit ihren grössten Vorteil, die Netzwerkanbindung, erst mit einem eingerichteten und vorbereitetem Netzwerk ausspielen kann, gibt es VOR Installation einen kurzen Fragebogen mit den wichtigsten Punkten wie z.B. IP-Adresse, Netzwerkverzeichnis etc. Hat man diese Daten vorab, wird die komplette Einheit vom Techniker Nutzungsfertig hinterlassen. Wir haben allerdings knapp 4 Tage für die Einrichtung gebraucht, weil

a.) der Fragebogen bei uns nicht vor Installation ankam

b.) unser Elektriker beim Verlegen der Netzwerkleitungen und dem Messprotokoll wohl nicht soooo sauber gearbeitet haben

c.) unser SBS irgendwo gezickt hat und das sehr mühsam herauszufinden war

ALLE aufgelaufenen Fehler waren jedoch nie auf die Recordingeinheit zu schieben, die hat stets funktioniert. Unser Dank an Zeiss für die schnelle und unkomplizierte Hilfe bei der Durchsicht der Fehlerprotokolle an dieser Stelle…. wir mussten nicht einmal mit Veröffentlichung drohen ;-)

Dennoch, es war eine schöne Chance, mal wieder wie früher, mit einem Netzwerktester durch die Praxis zu krauchen und Kabel durchzumessen.

Der Techniker war wieder weg und wir überlegten jetzt, wie das denn jetzt mit den Bildern und Videos geht. Noch komplizierte, umständliche Workflows und Insellösungen gewohnt hat es uns ein wenig verstört dass die Recordingeinheit mittels der mitgelieferten Fernbedienung einfach das macht, was sie machen soll. Bilder und Filme. Fertig. Nichts mehr dazu zu sagen. Es funktioniert einfach. Man kann die Qualität der Filme einstellen, man kann wählen in welchem Format die Fotos abgespeichert werden, das wars. Die üblichen Parameter wie Helligkeit, Kontrast und Farbsättigung gehen auch noch. Vollkommen unspektakulär……

Na ja, es gibt auch Pferdefüsse….. die Kamera ist auch über einen integrierten Webserver  steuerbar. Um diese Möglichkeit zu nutzen, benötigt man zumindest unter Windows, den allerneuesten Internet Explorer….. Mac´s gehen gleich ;-) Dafür können Mac´s die Filme nicht ohne weiteres abspielen, das hat etwas mit den leidigen Codecs zu tun, aber es gibt Workarounds. Wer sich den VLC installiert, hat gar keine Probleme mehr, zur Not kann man mit diesem Programm auch die Videos recodieren, aber auch das ist ein anderes Thema….

Die Positionen der IR-Sensoren für die Fernbedienung am Gerät sind (so wurde mir versichert) in langen Testreihen eruiert worden. Wir sind zwar nicht sicher, wer das getestet hat und wie die Positionen zustande kamen, am Anfang ist es etwas fummelig bis man weiss, wohin die FB gerichtet werden muss. Allerdings ist das kein großes Problem, es gibt bei Amazon ein kleines Kästchen, einen sogenannten IR-Verlängerer mit Batteriebetrieb (z.B. http://www.amazon.de/gp/product/B00492TI9O/ref=oh_details_o01_s00_i00?ie=UTF8&psc=1). Zentral gesetzt erleichtert dieses Teil die Aufnahme enorm. Warum man das braucht kann ich abschliessend nicht beurteilen. Das Capturen und Filmaufnehmen startet wirklich SOFORT nachdem man den entsprechenden Knopf gedrückt hat, dabei läuft das Livebild ungestört weiter, nach  Abschluss einer Aufnahme kann eine erneute Aufnahme erst nach ca. 4 Sekunden gestartet werden. Hilfreich wäre es, die erneute Aufnahmebereitschaft mit zwei Piepsern wieder akustisch anzuzeigen. Die Einheit ist upgradefähig, wenn es eine neue Firmware gibt, kann man diese per USB-Stick aufspielen.

Zeiss liefert die Kamera zusätzlich mit einer Smart-Recording Funktion aus. Dabei werden ständig die letzten 30 Sekunden gespeichert, damit man auch das aufzeichnen kann was in der Vergangenheit geschehen ist. In unserem täglichen Praxisablauf habe ich dafür bisher so was von keine Verwendung gefunden. Wobei Reaktionen von Kollegen recht positiv waren. Am besten vorführen lassen ;-)

Beispielbilder findet man angehängt. Natürlich erreicht ein Full-HD-Frame nicht die Qualität einer dSLR oder einer Mirror-Less. Man schaut 2.1MP gegenüber 16MP an. Wo liegen denn jetzt die wirklichen Vorteile aus unserer Sicht?

1.) plug´n´play. Einstecken, los geht´s. Keine komplizierten Anleitungen, keine Programmorgien Es funktioniert auf Anhieb

2.) vollkommen transparent

3.) einfacherer Workflow

4.) angenehme Kabelführung, kein zusätzliches Gewicht am Pico-Kopf

5.) ziemlich lange gleich bleibende Rausch- und Schwarzwerte, das liegt jedoch an der Kamera

6.) Nur zwei Knöpfe auf der FB nötig, die Recordingeinheit ist auch in der Lage, die gespeicherten Bilder/Filme wiederzugeben und auch zu navigieren.

Es ist also keine separate Abspielstation von Nöten, nicht einmal ein PC. Die komplette Patienten- und Ordnerverwaltung kann über die Box abgewickelt werden. Ob es eine Möglichkeit der Tastaturanbindung gibt, damit man den Patientennamen und Nummer nicht fummelig über eine FB eingeben muss, kann ich nicht sagen. Das Webinterface ist dafür ehrlich angenehmer…..

Richtig Spass macht das Ganze mit einer Bildverwaltungssoftware, bei uns Reveal. Über die Browsersteuerung kann ich direkt aus der Reveal heraus ein Foto aufnehmen oder den Film aufzeichnen, dieser wird direkt Patientenbezogen in Reveal importiert und kann dort weiter bearbeitet werden. Das schöne: ich kann, während der Film im Reveal läuft, mit einer Taste ein Frame capturen. Ich brauche also nicht zwangsläufig eine separate Videosoftware…. aber es reicht mir ein Programm. Die Edit-Funktion ist natürlich nur rudimentär, aber für unseren Bedarf reicht es völlig aus. Wenn wir Filme für Fortbildungen brauchen, werden die in gewohnter Weise woanders bearbeitet…

Fazit:

Für die tägliche Dokumentationsroutine völlig ausreichend. Das schöne ist, mit der Kamera kann man auch in hohen Vergrösserungsstufen ohne grössere Probleme Bilder machen, die noch verwertbar sind. Das geht mit anderen Lösungen nicht ohne weiteres.

Bilder mit dem Mikroskop aufzunehmen funktioniert inzwischen recht reproduzierbar und zuverlässig. Das ist weniger eine Frage der Technik. Die Bequemlichkeit und ein simpler Workflow ist IMHO vielmehr eine Frage der Bildverwaltungssoftware. Wenn alles einfach läuft, wird man auch standarisiert dokumentieren können ohne schlechte Laune zu bekommen.

Wer als Einsteiger den Einarbeitungsaufwand und die zusätzlichen Investitionen scheut (und die damit verbundenen Arbeit), macht damit sicher nichts verkehrt. Für diejenigen, die auf 10x5m Leinwänden präsentieren, könnte es nicht reichen. Wobei ich die Bilder letztens mal auf eine 5x5m Leinwand geworfen hatte und so schlecht sahen die dann auch nicht mehr aus ;-)

Vergleicht man die Qualität der gelieferten Bilder mit dem, was weltweit so dokumentiert  und veröffentlicht wird, liegt man mit dieser Lösung in den oberen 30%, ohne den ganzen Aufwand treiben zu müssen, den man mit externen Lösungen hat…. Aber: ob es reicht oder nicht, muss jeder für sich selber entscheiden. Es bleibt zu hoffen, dass man im Laufe der Zeit durch Firmware-Updates mehr rausholt, ich denke da an z.B. HDR, Cross-polarization-Aufnahmen etc. Aber das sind nur Hirngespinste, Möglichkeiten bietet die Einheit zumindest.

Bleibt zum Schluss nur die Frage, warum gibt es denn für das ProErgo nicht auch………….

Spiele! Oder was wir von einem Fischmarkt lernen können…

von Haya Hadidi

Fisch-1Im Rahmen einer Führungsfortbildung wurde die sogenannte Fish-Philosophy vorgestellt. Im Folgenden eine kurze Zusammenfassung der wesentlichen Punkte, die im beruflichen Alltag von Teams hilfreich genutzt werden kann und der geneigten Leserschaft dienlich sein mögen. Hintergrundgeschichte ist, dass der „Erfinder“ dieser Idee, John Christensen, beim Besuch eines Fischmarkts in Seattle beobachtete, dass, obwohl die Arbeit auf diesem Markt körperlich enorm anstrengend und von Monotonie geprägt war und außerdem in großer Kälte stattfand, die Stimmung unter den Beschäftigten sehr gut war. Es wurde viel gelacht, Kunden wurden in Späße und Scherze miteinbezogen, jedem Kunden wurde die volle Aufmerksamkeit der Fischverkäufer zuteil. Die Fish-Philosophy basiert daher auf vier Regeln:

  • Wähle Deine Einstellung!
    Diese Aufforderung beinhaltet, dass jede/r grundsätzlich selbst entscheiden kann, ob er seine aktuelle (Arbeits-)Situation positiv oder negativ bewertet. „Love it, leave it or change it!“ beschreibt die Grundidee hiervon recht treffend.
  • Sei präsent!
    Man kann mehrere Dinge gleichzeitig tun, aber nur einem Menschen zu einer Zeit seine volle Aufmerksamkeit schenken. Die Beachtung dieses Grundsatzes vermeidet halbherziges Handeln und führt zu mehr Wertschätzung gegenüber den Mitmenschen.
  • Bereite anderen eine Freude!
    Durch das bewusste gegenseitige „Beschenken“ schlicht durch freundliche Gesten, aber auch aktive Hilfsangebote wird eine positive Grundstimmung im Team erzeugt.
  • Spiele!
    Werden Aufgaben spielerisch-kreativ betrachtet, können sie schneller und einfacher erledigt werden, Problemlösungen fallen leichter. Enthusiasmus und Leidenschaft beflügeln auch monotone Abläufe neu.

Wer sich mit diesem Management-Konzept näher beschäftigen möchte, dem sei die Beschäftigung mit der entsprechenden Literatur empfohlen, die seitens des Charthouse-Verlags vertrieben wird. Bei meiner Internetrecherche habe ich auch zahlreiche Coaching- und Trainingsangebote zu diesem Thema gefunden, die ggf. ebenfalls in Anspruch genommen werden können. Ich habe in meinem eigenen beruflichen Umfeld positive Erfahrungen mit Team-Coachings gesammelt.

Strahlemann & Söhne

von Sebastian Manns

Mit Hingabe habe ich diesen Beitrag (http://wurzelspitze.blog/2013/07/09/amalgam-reparatur/) und vor allem die Kommentare dazu gelesen. Das ich Amalgam reparieren müsste, kommt extrem selten vor, allerdings ist mein wichtigstes Instrument für jeden Reparaturfall zweifelsohne der Dento-Prep Microblaster (mit 50µm Aluminiumoxidpulver) zum Anstrahlen der Oberflächen. Seit Jahren ist das Gerät quasi im Dauereinsatz (vor allem bei konventioneller dentinadh. Füllungstherapie oder vor dem adhäsiven Zementieren) und hat sich meines Erachtens sehr bewährt.
Der Dento-Prep-Microblaster ist ein Mikro-Pulverstrahlgerät der Fa. Ronvig, das ganz unkompliziert an die Turbinenkupplung angeschlossen wird, voll sterilisierbar und innerhalb von 20 Sekunden einsatzbereit ist: Schublade auf, Gerät raus, Pulverbehälter füllen, an Turbinenkupplung aufstecken (Wasser ausschalten!), los geht´s. Ich verwende ausschließlich 50 µm Aluminiumoxid-Pulver. Optional gibt es zum Gerät auch eine Abstrahlbox, um damit extraoral zu arbeiten, diese wie ich glaube sogar mit Absaugung. Wie gut das funktioniert kann ich nicht sagen, da ich ein separates Sandstrahlgerät laborseitig habe.

Im Prinzip macht man mit dem Dento-Prep das Gleiche intraoral, wass der Zahntechniker schon jahrelang mit seinen Werkstücken tut, er strahlt sie an bzw. ab, um sie zu reinigen, die Oberfläche zu vergrößern und eine Art mikroretentive Fläche zu schaffen. Es lassen sich mit dem Gerät wohl auch kleine initiale kariöse Läsionen „präparieren“, diese Technik kommt bei mir jedoch nicht zur Anwendung.
Es geht mir beim Anstrahlen primär um saubere und mikroaufgerauhte Oberflächen mit entsprechender Oberflächenvergrösserung. Absoluter Dento-Prep-Spitzenreiter sind in meiner Praxis die dentinadhäsiven Zahnhalsfüllungen (vor allem bei gleichzeitiger Kariesfreiheit des Defektes). Wer kennt das nicht – Patienten, die nach langer Odysee mit Fluoridierungsmassnahmen und Lasereinsatz wegen „empfindlicher Zahnhälse“ ganz erstaunt sind, dass man doch etwas gegen die Hypersensibilität tun kann.

Prinzipiell sind 2 Wege denkbar, wenn Fluoridierungsmassnahmen, Versiegelungen, Laser… nicht den gewünschten Erfolg gebracht haben: Parodontalchirurgie (z.B. mit freiem Bindegewebstransplantat) oder die (minimalinvasive) dentinadhäsive Füllungstherapie.

Variante 1 stand für mich in meiner Praxis nicht zur Debatte, da ich die langfristige Erfolgswahrscheinlichkeit sehr gering einstufte, da der Patient starker Raucher ist.
Also Variante 2 mit Dento-Prep:

Zum Vorgehen: Bild1Bild 1: Ausgangssituation Zahn 34 (kariesfrei!)mit Klasse V und Hypersensibilität zur Farbnahme (für den hier vielzitierten transparenten Kunststoff / Quixfil sah ich noch keine Notwendigkeit, dies bedingt natürlich den Schritt der Farbnahme und des Schichtens mit unterschiedlichen Dentin- und Schmelzmassen, ich werde Quixfil aber evtl. demnächst auch einmal testen) Bild2

Bild2: Angestrahlte Oberfläche des kariesfreien Defektes an 34 (ohne rotierendes Arbeiten), man sieht schön die etwas matte Oberfläche. Bei Zahnhalsfüllungen lege ich nicht jedesmal Kofferdam, da ich diesen häufig bei der Behandlung nach apikal ziehen musste mit daraufhin unausweichlichem und unkontrollierbaren Speichelzutritt. Nach einer gewissen Erfahrungsphase legte ich einen Retraktionsfaden, um die Sulkusflüssigkeit ohne Kofferdam eindämmen zu können, aber auch diese Technik verlies ich wieder zu Gunsten der intraligamentären Anästhesie (wie auch in diesem Fall). Durch die ILA benötige ich in den meisten Fällen keinen Retraktionsfaden mehr, da die vasokonstrikt. Zusätze der Anästhesie die Sulkusflüssigkeit für die Dauer der Behandlung im Zaum halten. Im Anschluss wird der dentinadhäsive Verbund vorbereitet (ätzen,primen,bonden, Lichtpoly.), danach 1. Schicht mit Flowmasse (Dentinfarbe), später mit Schmelzmassen, ganz analog zur sonstigen Füllungstherapie. Bild3
Bild3: Zustand direkt nach dem Schichten

Bild4: Bild4Es folgt die Ausarbeitung mittels Arkansas und Silikon-/Bürstchen-/Kelchpoliersequnz. Ein weiteres Instrument möchte ich nicht vorenthalten, den EVA- (oder auch bekannt als Prep-Control-)Kopf. Dieser macht mit der eingespannten einseitig belegten diamantierten „Feile“ (hier: Proxoshape) leichte Hubbewegungen und sorgt somit für eine atraumatische Ausarbeitung und (in reduzierter „extrafeiner“ Korngröße) Politur der Grenzfläche Füllung-Wurzeldentin subgingival.

Bild5

Bild5: Fertige Füllung (mit leichtem „Polierschaden“ an der distalen Papille), leichter Farbunterschied zwischen Füllungs- und Zahnfarbe auf dem Bild zu sehen (und auch hier erst entdeckt), im Patientenmund unauffällig. Ich gebe für den Dento-Prep und auch den Prep-Control-Kopf eine uneingeschränkte Kaufempfehlung. Weitere Infos findet man in einschlägigen Suchmaschinen. Fazit: „… und er hat nicht mal gebohrt!!!…“

Fern Gesteuert

von Thomas Seitner

Die Remotedesktop- Verbindung: Sperriges Wort für ein hilfreiches Tool

Einige kennen das Problem: -das neue DVT ist installiert, alles läuft zügig auf dem Aufnahme-Computer im Röntgenraum. Aus wirtschaftlichen oder technischen Gründen (zu alter und zu langsamer PC, falsches Betriebssystem etc.) wird im Behandlungszimmer (oder Beratungszimmer, Büro) aber kein Viewer dafür installiert. Irgendwie wäre es aber doch schön, bei dem einem oder anderen kniffligen Fall „live“ durch die Kanäle „fahren“ zu können und nicht nur mit den angefertigten Screenshots arbeiten zu müssen. Hierfür gibt es eine einfache und kostengünstige Möglichkeit: die sogenannte „Remotedesktop Verbindung“. Es handelt sich um eine „Fernsteuerung“ mit 1:1 Bildübertragung des gesteuerten Rechners. Dadurch dass nur die Bildschirmgrafik, aber keine Daten übertragen werden, lässt sich z.B. selbst der 3D Viewer des Röntgenprogrammes sogar per WLan ohne merkbare Verzögerung bedienen. In den meisten Windows Varianten (Prof. Versionen) ab Win XP findet sich das nötige Programm unter dem „Zubehör“ bereits auf der Festplatte. Aber auch bei anderen Betriebssystemen wie Apple, iOS, Android etc. sind die Vorrausetzungen gegeben. Die Einrichtung ist in der Regel schnell geschehen: das Remoteprogramm starten, die IP Adresse des zu steuernden Computers eingeben und los geht es. Eventuell muss der zu steuernde PC noch für den Remotezugriff freigeben werden. Eine Anleitung findet sich unten. Eine Möglichkeit die IP Adresse unter Windows heraus zu finden ist die Eingabe von: „cmd“ im „Ausführen“ Menü. Danach „ipconfig“ und die Adresse kann abgelesen werden. Eine Verknüpfung der Remote Applikation kann zur schnelleren Bedienung mit aussagekräftigem Namen auf dem Desktop in der gewünschten Voreinstellung gespeichert werden. Ein Nachteil sei nicht verschwiegen: während der Bildschirm im Behandlungszimmer sichtbar ist, ist er am Röntgen PC gesperrt. Allerdings lässt sich diese Sperre am ferngesteuerten PC nach Sicherheitsabfrage sofort wieder aufheben.

Links:

http://windows.microsoft.com/de-de/windows-vista/remote-desktop-connection-frequently-asked-questions

http://windows.microsoft.com/de-de/windows/connect-using-remote-desktop-connection#connect-using-remote-desktop-connection=windows-vista

Teilrevision Zahn 46 – Wie würden Sie entscheiden?

von Kelban Frock

Frage:

Bei dem Patienten (39 J.) war im Jahr 2008 umfangreicher festsitzender Zahnersatz, vor allem im Oberkiefer geplant. Der im Röntgenbild gezeigte damalige Zustand des 46 bestand seit mehreren Jahren unverändert und praktisch beschwerdefrei (geringe apikale Druckdolenz, sporadisch minimale Ruhebeschwerden). Der Zahn war klinisch fest, kariesfrei und marginal parodontal unauffällig.

Welche Therapie hätten Sie durchgeführt – und warum?

Revision der mesialen Wurzelkanäle ?
Revision aller Wurzelkanäle ?
Hemisektion ?
Entfernung der mesialen Wurzel ?
Extraktion ?
Oder irgend etwas Anderes ?

Auflösung:
Es wurde bei uns zunächst eine Teilrevision nur der beiden mesialen Wurzelkanäle durchgeführt. Nach mehrfacher Spülung und medikamentöser Einlage trat keine Beschwerdefreiheit ein. Nach Absprache mit dem Patienten erfolgte eine Überweisung zum Oralchirurgen zwecks Hemisektion und Entfernung der mesialen Wurzel. Dort wurden auf Wunsch des Patienten jedoch nach erneuter Aufbereitung, Spülung und medikamentöser Einlage und nachfolgender Beschwerdefreiheit mesial Wurzelkanalfüllungen und Wurzelspitzenresektion durchgeführt. Anschließend wurde – wieder in unserer Praxis – der Zahn mit einem Glasfaserstift und einer Aufbaufüllung versorgt. Nach Begutachtung und Befürwortung der prothetischen Planung erfolgte die Überkronung. Die Röntgenkontrolle nach einem Jahr zeigt eine weitgehende Ausheilung und knöcherne Durchbauung der früheren Knochenkavität. Der Patient befindet sich weiterhin in unserer Kontroll-Behandlung, demnächst soll eine Langzeit-Röntgen-Kontrolle des (beschwerdefreien) 46 erfolgen.

Anschlussfrage:
Unter welchen Voraussetzungen führen Sie eine Teilrevision durch?

Wem gehört das Patientenfoto ?

von Haya Hadidi

Hallo allerseits,

aus der Zahnmed-Emailliste von Michael Logies erreichte mich eine Frage zum Urheberrecht, die ich im Folgenden gerne juristisch abstrakt beantworten möchte. Selbstverständlich gibt die Antwort nur meine persönliche Meinung wieder – letztinstanzliche Urteile zu diesem Thema habe ich bei meiner Recherche nicht gefunden.

Der Fall
Ein angestellter Zahnarzt hat im Rahmen seiner Tätigkeit Fotos von Patientenzähnen gefertigt, die in die Patientenakte aufgenommen wurden. Diese Patienten hat er ausschließlich für den Praxisinhaber während der Zeit seiner Anstellung in der Praxis behandelt. Das Arbeitsverhältnis wurde beendet.

Die Fragestellung
1. Darf der Zahnarzt die Fotos mitnehmen?
2. Kann er die Löschung der Fotos aus der Patientenakte verlangen?

Abwandlungsfrage: Ändert sich etwas, wenn die Fotos zu Lernzwecken und für Fallbesprechungen angefertigt werden, ausschließlich aus Eigeninitiative des angestellten Zahnarztes, d.h. nicht im Auftrag des Praxisinhabers zur Dokumentation von Behandlungen?

Lösung des Ausgangsfalls
Ja, der angestellte Zahnarzt darf die Fotos  mitnehmen bzw. behalten. Er ist Urheber der Fotos, § 7 in Verbindung mit § 72 UrhG. Als solcher hat er grundsätzlich alle Rechte an den Fotos, die ihm als Urheber zustehen, s. §§ 11 ff. UrhG. Aufgrund der Tatsache, dass er die Fotos im Rahmen seiner angestellten Tätigkeit erstellt hat, steht dem Praxisinhaber als Arbeitgeber jedoch das Nutzungsrecht als Teil der Patientenakte zu, auch ohne schriftliche Vereinbarung, dies folgt aus § 43 UrhG (so die h.M., vgl. LG Köln Urteil v. 20.12.2006, Az. 28 O 468/06 = MMR 2007, 465 f. – Bewerbungsfotos im Internet, m. w. Nachw.). Veröffentlichen in Zeitschriften oder anderweitig z.B. für Falldarstellungen im Internet verwenden darf er sie ohne Genehmigung des Urhebers aber nicht, gemäß der sogenannten Zweckübertragungslehre. Diese fußt auf dem Rechtsgedanken des § 31 Absatz 5 UrhG, wonach sich Art und Umfang eines übertragenen Nutzungsrechts nach dem Vertragszweck richten. Da die Fotos der Dokumentation der Krankengeschichte der Patienten dienen, die der fotografierende Zahnarzt im Rahmen seines Arbeitsvertrags mit dem Praxisinhaber behandelt hat, steht das entsprechende Nutzungsrecht dem Praxisinhaber auch zu. Nutzungen außerhalb der Patientenakte sind davon aber nicht umfasst und müssten im Arbeitsvertrag gesondert übertragen werden. Nein, eine Löschung darf er nicht verlangen. Aufgrund des Nutzungsrechts darf der angestellte Zahnarzt die Löschung der Dateien aus den Patientenakten nicht verlangen.

Lösung der Abwandlungsfrage
Ja, der angestellte Zahnarzt darf die Löschung aus der Akte verlangen, soweit es keinen nachvollziehbaren Bezug zum betrieblichen und vertraglichen Zweck gibt. Wenn also die Fotos z.B. zufällig und ohne medizinischen Hintergrund der Akte zwar beigefügt wurden, ohne dass man diese Tätigkeit als Pflicht aus dem Arbeitsvertrag einstufen könnte, erlangt der Praxisinhaber auch kein Nutzungsrecht. Dies wiederum bedeutet, dass der Urheber auch die Löschung der Fotos verlangen kann. Eine Aufnahme in die Patientenakte ist jedoch grundsätzlich ein Indiz für den Bezug zum Arbeitsverhältnis, so dass man nur auf der sicheren Seite ist, wenn diese nicht erfolgt ist, die Speicherung z.B. separat und ohne Bezug zum Patienten erfolgte.

Anmerkung
Die Rechte des Patienten sind nicht betroffen, soweit eine Individualisierung durch die Fotos ausgeschlossen ist. Dies ist bei Zahnfotos üblicherweise der Fall, so dass das Recht am eigenen Bild des Patienten hier nicht betroffen ist.

Durchblick

von Banessa Taminns

Seit etwas mehr als 1 Jahr beschloss ich einige Euro zu investieren und arbeite seitdem mit meinem Zeiss OPMI.

Fazit seit einem Jahr: noch keine Sekunde bereut.

Schlüsselerlebnis war sicherlich eine der ersten Endos mit OPMI die ich ohne so sicherlich hätte nicht lösen können; für mich also gleich ein „Volltreffer“.

Der Patient (Mitte 40, unauffällige allgem. Anamnese) stellte sich Mitte letzten Jahres mit starker Schmerzsymptomatik an 15 in der Praxis vor (Perk +++, Vipr -, LG 0, TT 2-3mm zirkulär, Vestibulum verstrichen/Schwellung, Aufbissbeschwerden – seit 4 Tagen stetig zunehmend, Krone alio loco angefertigt ca. 4-5 Jahre alt).

Nach Trepanation wenig Pusabfluss, nach Inzision deutlicher Pusabfluss.

Aus Zeitgründen Einlage aus Ledermix und pV IRM.

8 Tage später habe ich dann das OPMI angeworfen und bin auf Kanalsuche gegangen (was auf Grund der bis zu diesem Zeitpunkt geringer Erfahrung mit dem OPMI unverhältnismäßig lange gedauert, sich aber gelohnt hat). Der vermeintlich zentral liegende Kanal befand sich allerdings etwas nach palatinal versetzt, so dass ich auch bukkal auf die Suche gehen musste und dort einen weiteren Kanal aufspüren konnte. Soweit sicherlich auch ohne OPMI machbar (und schneller wäre ich damals auch noch gewesen ;-)).

Dann allerdings konnte ich in ca. 10mm Tiefe eine weitere Abzweigung sehen, die mir primär beim sondieren und erweitern der Kanaleingänge nicht aufgefallen ist, ein 2. bukkaler Kanal, der mir mit einiger Wahrscheinlichkeit ohne OPMI verborgen geblieben wäre.

Nach Anlegen des Kofferdams Kanaleingangsdarstellung und –erweiterung mit GatesGlidden unter kontinuierlichem NaOCl-Einsatz wurden alle 3 Kanäle nach Elektrometrie mit ProFile aufbereitet und mit Claxyleinlage (Ultracal) + pV IRM für 3 Wochen versorgt.

Der Patient war nach dieser Zeit beschwerdefrei, die Kanäle wurden unter Kofferdam mit ProFile nachbearbeitet, bis Taper 06. Wechselspülung (US-aktiviert) NaOCl, Zitronensäure und CHX – als Abschlussspülung unmittelbar vor dem Trocknen der Kanäle Spülung mit Alkohol.

Füllung warm vertikal nach Schilder mit GP und AH-Plus (etwas Sealeraustritt apikal), dentinadhäsiver Kanaleingangsverschluss und dentinadhäsiver Verschluss der Trepanationsöffnung.

Lange Rede – Kurzer Sinn:

Vielleicht kann ich mit dem Beitrag einige Kollegen bestärken, die sich mit dem nicht ganz günstigen OPMI-Kauf-Gedanken herumplagen.

Mittlerweile frage ich mich manchmal, wie ich früher ohne behandeln konnte, was nicht heißen soll, dass die Behandlung ohne OPMI schlechter oder unmöglich wäre, aber rein subjektiv fühle ich mich heute ohne Vergrößerung ein wenig blind, es fehlt mir einfach im Vergleich zur Lupenbrille der „Durchblick“. Und ich bin immer wieder fasziniert welche Welten sich mir mit „Durchblick“ erschliessen.

Wahrscheinlich bin ich heute mit OPMI genauso „schnell“ (besser: routiniert) wie ich es vor über 1 Jahr ohne OPMI war, allerdings ist die „Sicherheit genau zu sehen was man tut“ drastisch gestiegen.

Fazit für mich: ich will´s nicht mehr missen.

Wurzelresorption mal anders

von Xudaranel Herk

Die Patientin wurde von ihrer Zahnärztin mit Bitte um Wurzelbehandlung von Zahn 46 überwiesen. Eine prothetische Neuversorgung war geplant, ein in diesem Zusammenhang im Vorfeld angefertigtes Röntgenbild zeigte eine unklare Veränderung im Bereich der Zahnwurzel von 46. Der Vorbehandler hatte den Zahn bereits trepaniert, allerdings konnten die Kanaleingänge nicht dargestellt werden. Der Zahn war mit einer provisorischen Krone versorgt und zeigte keine Sensibilität auf Kältespray, keine Druckempfindlichkeit im Vestibulum und keine Perkussionsempfindlichkeit. Die Sondierungstiefen waren nicht erhöht, Karies war nicht vorhanden. Im Röntgenbild war eine ovale, nicht randdichte Aufhellung sichtbar, die sich auf Höhe des mittleren Wurzelanteils von der mesialen Wurzel bis hin zur mesialen Wand der distalen Wurzel erstreckte. Es wurde zunächst vermutet, dass es sich hierbei um eine Resorption handeln könnte. Im Rahmen der anamnestischen Befragung erzählte die Patientin auf entsprechende Nachfrage, dass bei ihr vor einigen Jahren an Zahn 36 eine Wurzelspitzenresektion durchgeführt wurde. Der Chirurg hatte damals laut Aussagen der Patientin zunächst die Seiten verwechselt und in Regio 46 mit der WSR begonnen. Er versicherte aber der Patientin, den Fehler noch rechtzeitig bemerkt zu haben, ohne dass ein Schaden entstanden sei. Um das Ausmaß der Resorption besser ermitteln zu können, wurde ein DVT von Zahn 46 angefertigt. Auf diesem DVT bestätigte sich der Verdacht, dass die Auflösung der Wurzel iatrogene Ursachen hat. Auf dem DVT erkennt man, dass die mesiale Wurzel fast vollständig und die distale Wurzel bis auf die hintere (distale) Kanalwand durchtrennt sind. Diagnose: iatrogen bedingte Pulpanekrose mit chronischer apikaler Parodontitis Es wurde eingeplant, die Kanäle bis auf Höhe der begonnenen Resektion aufzubereiten und später mit MTA zu füllen. Sollten zu einem späteren Zeitpunkt Entzündungen an den apikalen Anteilen der durchtrennten Wurzeln auftreten, könnte eine Wurzelspitzenresektion durchgeführt werden. Am darauffolgenden Termin wurde der Zugang präpariert. Das Pulpencavum stellte sich stark verkalkt dar. Nach Entfernung der verkalkten Anteile stellten sich 3 Kanaleingänge dar. Die koronalen Kanalanteile wurden erweitert. Die Arbeitslänge wurde elektrometrisch bestimmt. Ein Röntgenbild mit Instrumenten auf AL wurde angefertigt. Die 3 Kanäle wurden mit Lightspeed-Instrumenten (LS 1 bis Aufbereitungsgröße 100) bis zur Resektionsstelle aufbereitet und zunächst mit Kalziumhydroxid gefüllt. Der Zahn wurde provisorisch mit Cavit verschlossen. In der nächsten Sitzung wurden die Kanäle mit MTA gefüllt und der Zahn mit einer adhäsiven Füllung verschlossen. Die Patientin ist beschwerdefrei.

Endo- Paro – Läsion

von Mesantiab Sanns

Die Patientin stellte sich wegen einer Fistel Regio 14 bei uns vor, die Taschentiefenmessung von 8mm mesial an Zahn 15 ließ schnell auf eine parodontale Beteiligung schließen. Zahn 15 ist seit einigen Jahren der distale Brückenpfeiler zu Zahn 13.
Die Ausgangsaufnahme wurde mit eingebrachter Iso15 Guttaperchaspitze, die sich ohne Widerstand fast komplett in den Fistelgang hat einbringen lassen, gemacht.
Nach der Röntgenaufnahme wurde ein 2. Kanalsystem vermutet, welches den Ausgang nach mesial in Richtung Regio 14 haben könnte, da dort die größte röntgenologische Aufhellung zu sehen ist.
Der palatinale Kanal wurde initial mit ProFile, final mit WaveOne revidiert. Nach Ausdehnung der Zugangskavität Richtung bukkal wurde tatsächlich ein zweites Kanalsystem gefunden und analog zum pal. Kanal aufbereitet. Interessanterweise lag hier eine deutliche Stufenbildung mit Instrumentenfragment im unteren Kanaldrittel vor, welches auf der Ausgangsaufnahme nicht zu erkennen war (evtl. überlagert durch in Fistelgang eingebrachte Guttaperchaspitze???). Die nur ca. 1,5mm lange Instrumentenspitze ließ sich erst nach ca. 30 Minuten mittels Ultraschall entfernen, was einen zeitlichen Mehraufwand für die Behandlung bedeutete, da ich Fragment und Stufe nicht erwartet hatte.
Nach elektrometrischer Messung (buc:16,5mm, pal:19mm) wurde Calciumhydroxid eingebracht und provisorisch Verschlossen, im Anschluss die PAR-Behandlung an 15 durchgeführt.
Nach 3 Wochen war kein Fistelmaul mehr zu entdecken, nach erneuter Messung und Ausformung der beiden Kanäle wurde mit NaOCl, Zitronensäure und CHX aktiviert gespült und thermoplastisch verschlossen. Gut zu sehen ist die abgefüllte Stufe des bukkalen Kanals, ein kleiner Seitenkanal wurde zusätzlich ausgepresst. Anschließend adhäsiver Verschluss und orthoradiale und exzentrische Röntgenaufnahme.
Obgleich der eher eingeschränkten Prognose des Zahnes wegen der großen Knochendefekte und Fistelbildung wagten wir den Versuch zur Erhaltung des Zahnes und somit der Brückenversorgung. Die Patientin ist beschwerdefrei und wird sich in 4-5 Monaten zur Kontrollaufnahme wieder in der Praxis einfinden, wir werden sehen was uns das Röntgenbild zeigt.


Abschließend hätte uns im Vorfeld evtl. eine weitere Ausgangsaufnahme ohne eingebrachte Guttaperchaspitze helfen können Stufe und/oder Fragment zu entdecken und somit eine bessere zeitliche Planung erlaubt.

Für Anregungen, Diskussionen und Kritik bin ich immer zu haben.

Viele Grüße aus dem Taunus,

Mesantiab Sanns

Folgen fehlerhaften Arztverhaltens im Umgang mit Patienten – eine kurze Betrachtung

von Haya Hadidi
Inspiriert von der Lektüre einer aktuellen Entscheidung des Verwaltungsgerichts Gießen (Az. 21 K 5554/10 (nicht rechtskräftig)) möchte ich die Aufmerksamkeit der werten Leserschaft auf einen Aspekt des ärztlichen Berufsalltags lenken, über den vermutlich meistens eher selten reflektiert wird.

In besagtem Urteil ging es darum, dass ein Arzt mehrfach durch Beschwerden von Patientinnen bei der Berufskammer aufgefallen war, die besagten, dass er sich ihnen gegenüber sexuell übergriffig verhalten habe. Das VG verhängte schließlich auf Antrag der Landesärztekammer einen Verweis und eine Geldbuße in Höhe von 5.000 EUR.

Woran knüpft dieser Verweis? Es handelt sich ja hierbei um Verstöße gegen das besondere Berufsrecht des Arztes und damit nicht etwa um allgemeine Regelungen, die alles und jeden betreffen, wie z.B. das Strafrecht des Strafgesetzbuchs (StGB), das bürgerliche Recht, kodifiziert im bürgerlichen Gesetzbuch (BGB), die Straßenverkehrsordnung (StVO) usw.. Es geht eben um spezielle Regeln, die ausschließlich eine bestimmte Berufsgruppe betreffen.

Spezielle Berufsregeln gibt es natürlich ebenfalls zahlreiche, aber solche, die gewisse strenge Umgangsregeln vorsehen, gibt es in dieser ausgeprägten Form in nahezu keinen anderen Berufen. Meistens beziehen sich Berufsregeln nämlich auf bestimmte formale Anforderungen (Nachweise), die erfüllt werden müssen, wie etwa bestimmte Wartefristen, Ausbildungsregeln, Weiterbildungsvorschriften usw..

Im vorliegenden Urteil hatte die Patientin übrigens den Strafantrag zurückgezogen, da ihr der reuige Arzt Schadensersatz und Schmerzensgeld gezahlt hatte – sonst hätte es für ihn durchaus auch einen Nachhall im allgemeinen Strafrecht geben können.

Der Verweis des Gerichts knüpfte vorliegend an einen Verstoß gegen § 22 hessisches Heilberufsgesetz (HessHeilBerG) in Verbindung mit Kap. C Nr. 1 Spiegelstrich 1 und 3 Berufsordnung (BerO).

Dieser besagt folgendes:

„Die Kammerangehörigen sind verpflichtet, ihren Beruf gewissenhaft auszuüben und dem ihnen im Zusammenhang mit dem Beruf entgegengebrachten Vertrauen zu entsprechen.“

Die Berufsordnung besagt zum Umgang mit Patienten:

„Nr. 1 Umgang mit Patienten

Eine korrekte ärztliche Berufsausübung verlangt, dass der Arzt beim Umgang mit Patienten

− ihre Würde und ihr Selbstbestimmungsrecht respektiert,

− ihre Privatsphäre achtet,

− sexuelle Kontakte weder aufnimmt, noch duldet,

− über die beabsichtigte Diagnostik und Therapie, gegebenenfalls über ihre Alternativen und über seine Beurteilung des Gesundheitszustandes in für den Patienten verständlicher und angemessener Weise informiert und insbesondere auch das Recht, empfohlene Untersuchungs- und Behandlungsmaßnahmen abzulehnen, respektiert,

− Rücksicht auf die Situation des Patienten nimmt,

− auch bei Meinungsverschiedenheiten sachlich und korrekt bleibt,

− den Mitteilungen des Patienten gebührende Aufmerksamkeit entgegenbringt und einer Patientenkritik sachlich begegnet.“

Während man manches aus diesem Katalog als stets selbstverständlich gegeben „abtun“ mag (insbesondere möglicherweise den Hinweis auf die Durchführung bzw. Duldung sexueller Kontakte, um den es in diesem Fall ging), so stellen sicherlich andere Punkte durchaus Herausforderungen im stressigen Berufsalltag dar, besonders auch bei Zahnärzten, die täglich meistens eine große Zahl von Patienten behandeln (müssen).

Grundsätzlich kann aber jeder Verstoß gegen Berufsrecht durch das berufsgerichtliche Verfahren geahndet werden. Zu den Sanktionsmöglichkeiten gehört (z.B. nach § 50 hessHeilBerG):

„1. Warnung,

2. Verweis,

3. zeitweilige Entziehung des Wahlrechts,

4. Geldbuße bis zu fünfzigtausend Euro (hunderttausend Deutsche Mark),

5. Feststellung, dass eine Berufsangehörige oder ein Berufsangehöriger im Sinne des § 2 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 bis 5 unwürdig ist, den Beruf auszuüben.“

Daneben kann natürlich noch „ganz normal“ auf dem Strafrechts- und Zivilrechtsweg vorgegangen werden. Naturgemäß gelangen meistens nur erhebliche Fälle vor das Berufsgericht, dennoch ist es nach wie vor beachtenswert, mit welchem durchaus als streng zu beurteilenden Moralkodex der Beruf des Arztes belegt ist. Gerechtfertigt wird dies mit dem besonderen Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient, aber auch mit dem Vertrauen, das die Öffentlichkeit dem Berufsstand zuschreibt.

Geschichten aus der Unterwelt (1): Calciumcarbonat ist scheinbar so schwer wie Amalgam

 

von Lothar Pröbster

 

Bei unserem Praxisumzug vor vier Jahren entschieden wir uns für eine Naß-Absauganlage mit zentraler Amalgamabscheidung (Cattani Turbo Smart), um dem Dauerärger (Reinigungsaufwand, ständig irgendein Defekt) mit den allgemein üblichen, in die Behandlungseinheiten eingebauten Abscheidern zu entgehen. Das bereitete zunächst große Freude, da das Gerät völlig servicefrei lief. Im Laufe der Zeit ergab sich auch, daß  der Sammelbehälter erst nach anderthalb Jahren voll war, so präzise war die Abscheidung.

Im Hinblick auf die Abscheidung erlebten wir vergangenen Sommer aber eine Überraschung: Keine vier Wochen nach dem Wechsel des Sammelbehälters war der neue schon voll! Er war gefüllt mit weißem Pulver! Wir hatten zeitgleich vom üblichen Natriumbicarbonatpulver auf Flash Pearl von NSK umgestellt, weil es geschmacksneutraler ist (und weil bei der Neuanschaffung zweier ProphyMate-Handstücke jede Menge Pulver mitgeliefert wurde). Es besteht aus Calciumcarbonat und offenbar ist dessen spezifisches Gewicht so hoch, dass es von Abscheiderzentrifuge als schwer eingestuft und deswegen gesammelt wird. Dieses an sich angenehme und klinisch gut zu verwendende Zahnreinigungspulver scheint also nicht für alle Abscheidersysteme praxistauglich zu sein. Ich würde denjenigen, die einen Sedimentationsabscheider betreiben, empfehlen, mal in selbigen hineinzusehen, ob sich dort ein nur mit Hammer und Meissel entfernbares Sediment bildet.

 

TwistedFile Adaptive

 von Oscar von Stetten

Reziproke Arbeitsbewegung ist in aller Munde. Einfacher, schneller, sicherer. Das ist sicher richtig, doch jede Münze hat zwei Seiten. Über eventuelle Nachteile wie apikale Debrisextrusion und eine mögliche Schädigung des Zahnes durch Lastinduzierte Micro-Cracks wird noch zu wenig diskutiert. Die Zeit wird es zeigen, ob wir durch die reziproke Arbeitsweise gewinnen. Mir persönlich sind die erhältlichen Feilen bislang zu steif und zu mächtig. Natürlich kann man jede Feile reziprok betreiben, den passenden Motor vorausgesetzt. Bisher sah ich keine Veranlassung dazu, unsere Aufbereitungsystematik hat sich bewährt. Vor allem die TwistedFiles spielen initial eine grosse Rolle. Ich mag die Feilen gerne, sehr schnittfreudig, sehr flexibel vor allem in den hohen Grössen. Unser Arbeitspferd ist die TF 08/25, dennoch auch mit viel Erfahrung bleibt häufig ein mulmiges Gefühl übrig, vor allem bei komplizierten Anatomien.

SybronEndo wird nun eine Weiterentwicklung der TwistedFile zur IDS präsentieren, die TwistedFileAdaptive (TFA). Die TF wurde nicht viel verändert, der Schnittkantenwinkel wurde angepasst, das Besondere ist jedoch die Arbeitsbewegung: 370° rechts, 50° links. Damit versucht man, der Debrisakkumulation und Extrusion  vorzubeugen. Ob dem so ist, müssen Studien zeigen. Die Ergebnisse, die mir bisher bekannt sind zeigen leichte Hinweise auf die Überlegenheit der TFA anderen Systemen gegenüber, zumindest in dieser Beziehung. Was die Micro-Cracks angeht, so laufen Untersuchungen darüber, es wird spannend. Das System wird als Komplettsystem aufgestellt, es gibt also zur Feile passendes Obturationsmaterial wie einen GP-Träger, GP-Stift und Papierspitzen. Wenn man es denn möchte.

So weit, so gut.

Yeah, noch ein System. Und Yeah, noch ein Motor.

Aber: der Motor ist in seiner Arbeitsweise FREI programmierbar. Damit kann man jede Feile nach seinem Gusto reziprok programmieren. Ein Vorteil, mir stehen damit alle Systeme zur Verfügung. Und: der Kopf ist klein. Sehr klein, so klein wie der meiner Lieblingsmotoren, der NSK Endomate TC2. Ein weiteres Plus: man kann die herkömmlichen TF´s ebenfalls im Reziprok-Modus laufen lassen, was nach einer gewissen Einarbeitungszeit (wie bei allen Systemen) auch Spass macht.

Der grösste Vorteil ist in meinen Augen jedoch die kleinste verfügbare Grösse in 04/20 der TFA. In Zusammenarbeit mit der SAF könnten sich gute Synergien ergeben.

Fazit: nach knapp 60 Kanälen mit TFA kann ich nur die Empfehlung aussprechen, auf der IDS mal am SybronEndo-Stand vorbei zu schauen und sich selber ein Bild zu machen. Für diejenigen, die an eine Anschaffung eines reziproken Systems denken könnte sich der Motor als nützlich erweisen, ist er doch universeller einsetzbar als die Systemlösungen der zwei Grossen.

TFA_2.001 TFA-2

Der Obsoleszenz ein Schnippchen geschlagen

von Lothar Pröbster

Der Ausfall kündigte sich schon vor einiger Zeit an: Unser Orthopantomograph OP 100, Baujahr 1997, gab immer mal wieder seltsam schabende Geräusche von sich, blieb manchmal stehen, konnte aber durch „Anschieben“ wieder dazu veranlasst werden, die gewünschte Aufnahme zu erzeugen. Zum strahlenschützerischen Glück blieb er immer vor dem Auslösen des Strahlers stehen, so dass kein Patient unzulässig bestrahlt wurde und keine unsinnigen Teilbelichtungen erfolgten. Im Gehäuse fand ich schwarzen Staub, konnte dessen Quelle aber nicht herausfinden. Vor Weihnachten war es dann soweit, vollständiger Stillstand, der Antrieb schien sich festgefahren zu haben, wie ein Auto im Schneehaufen. Bein Abnehmen des Gehäuses fand ich diesmal größere schwarze Partikel, seltsam glänzend, wie Kohle, worauf ich mir erst mal keinen Reim machen konnte. Nach weiterem Studium fand ich heraus, dass an der Stelle, an der das Antriebsrad des Umläufers festsaß, der Belag des feststehenden großen Reibrades defekt war, und das Antriebsrad tatsächlich wie in einem Schlagloch durchdrehte.
Die Ernüchterung war groß, als das herkömmliche Dentaldepot mitteilte, für Geräte dieses Baujahres gäbe es keine Ersatzteile mehr, man könne aber den kompletten Antriebssatz (der auch wesentlich verbessert wäre, sic!) des Folgemodelles einbauen. Kosten des Satzes: 2112 Euro, plus Arbeitskosten, plus Märchensteuer, macht mal grade eben 2868 Euro, was mir verständlicherweise keine große Freude bereitet hat.
Über Google und das Suchwort „Reibrad“ (wie ich auf diesen technischen Fachtermius gekommen, kann ich nicht sagen, denn er war genau der richtige) stieß ich recht schnell (der siebte Eintrag bei Google) auf die Firma Willbrandt KG in Hamburg (www.willbrandt.de), einer Spezialfirma für Reibräder und Gummitechnik. Per e-mail nahm ich Kontakt auf und nach kurzer Schilderung des Problems, wurde mir zugesichert, man wolle gerne prüfen, ob eine Neubeschichtung des Rades möglich wäre. Nun haben wir glücklicherweise ein unkonventionelles 1-Mann-Dentaldepot in Wiesbaden, das mir das Rad ausbaute, so daß ich es nach Hamburg senden konnte. Nach kurzer Zeit kam die Nachricht, ein Aufvulkanisieren eines neuen Gummibelages wäre möglich. Kosten: 200 Euro plus MwSt plus Versand = 245 Euro. Dazu noch die Arbeitskosten für den Aus- und Wiedereinbau: 353 Euro, macht zusammen 598 Euro. 2270 Euro gespart, Google und Fa. Willbrandt sei Dank!!! Das OP 100 läuft wieder einwandfrei, wir mußten zwar vier Wochen ohne OPTG auskommen, was sich aber am Jahresanfang ganz gut organisieren ließ.
BIldlegende: Das Reibrad nach der Neubeschichtung sah aus wie ein Neuteil, perfekt!

 

Reibrad

Lightbox DIY

von Stefan Klinge

Manchmal möchte man eine schöne prothetische Arbeit, einen Zahn mit besonderer Anatomie oder vielleicht auch nur ein Gipsmodell
fotografisch dokumentieren. Schon stellt sich die Frage: “ Wie fotografiere ich das?“

Professionelle Fotografen benutzen sehr gerne hierfür eine sogenannte „Lightbox“ also einen Lichtkasten oder auch bekannt unter Fotozelt. Der Vorteil eines solchen Fotozeltes ist die (fast) perfekte und schattenfreie Ausleuchtung des Objektes  Meist mit einen weißen Hintergrund, auf dem sich das Produkt ( in unserem Fall also ein dentales Motiv) schön abhebt.
Diese professionellen Lightboxen kann man nun teuer kaufen oder sich einfach und schnell selbst basteln.

Hierzu benötigt man:

einen quadratischen Karton mittlerer Größe,
einen weißen Fotokarton A3,
ein wenig Klebeband,
etwas transparenten Stoff zb. weißes Backpapier oder dünne Schaumfolie ( Verpackungsmaterial ),
zwei oder drei Schreibtischlampen
und Leuchtmittel E27 5200 – 5500 Kelvin.

( z.b. http://www.amazon.de/Grundig-B%C3%BCrolampe-Schreibtischlampe-Tischlampe-Leselampe/dp/B006932QLI/ref=sr_1_1?s=officeproduct&ie=UTF8&qid=1360356603&sr=1-1 )

und Leichtmittel mit 5500 Kelvin zb. hier

http://www.pearl.de/a-NC1952-1123.shtml?vid=917&gclid=CLPItNjLp7UCFcfwzAod31wAZg

In den Karton schneidet nun man drei Fenster hinein – oben, rechts und links. Der Boden des Kartons und eine Seite bleiben unberührt, diese bilden Wand und Boden unserer Lightbox. Nun schneiden wir den weißen Fotokarton so zu, dass er sich über den Boden zur Wand hin einziehen läßt. Es ist dabei darauf zu achten, dass sich keine Falten oder Ecken bilden, diese werfen sonst später Schatten. Der Fotokarton wird dann nach oben zum oberen Ende der Kartonwand gezogen und dort mit ein wenig Tesa angeklebt. So kann er später nicht verutschen. Der weiße Fotokarton soll vom Kartonboden zur Wand hin eine leichte Hohlkehle bilden – also eine runde Ecke .
Die Fenster bedeckt man nun mit weißem Backpapier oder einer Schaumfolie und klebt diese wieder mit Tesa fest. Vor diese Fenster ( bzw. über das obere Fenster ) werden später die Lichtquellen aufgestellt. Die Beklebung dient als Diffusor, und spendet ein sehr weiches Licht und damit weniger Schatten.

Und das war es auch schon. Zeitaufwand 10 min. Kosten: ca. 9€ + Schreibtischlampen + Leuchtmittel. Das sollte sich also deutlich unter 80€ bewegen.

In meinem Beispiel habe ich auf das Verkleben der Fenster verzichtet, da ich schon über Softboxen verfüge, die eh schon ein weiches Licht spenden. Diese bekommt man recht günstig bei Ebay.
Leider hatte ich zuhause kein Zahnmodell zur Verfügung. Also musste ein Apfel herhalten, der nach dem „Fotoshooting“ auch ordnungsgemäß verspeist wurde.
Viel Spass beim Nachbau.

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polar_eyes – Farbbestimmung für Fortgeschrittene

von Andreas Habash

In der zahnärztlichen Praxis hat inzwischen die dentale Fotografie einen festen Platz.

Wir nutzen die Fotografie für die unterschiedlichsten Zwecke, besonders auch zur Kommunikation mit dem zahntechnischen Labor.

Seit langer Zeit war ich auf der Suche nach Möglichkeiten, dem Zahntechniker bestmögliche Informationen zur Verfügung zu stellen.
Dank Internet und verschiedenen Kontakten in der „Dentalen-Foto-Scene“ habe ich vor fast einem Jahr die „polar-eyes“ entdeckt.

Es gab aber noch keine Händler in Deutschland.

Seit Anfang diesen Jahres sind die polar-eyes nun lieferbar (http://www.finest-dental.de/polar_eyes-new.html) und auch in unserer Praxis haben sie bereits Ihren festen Platz gefunden.

polar-eyes

  • ist ein Aufsatz der vor Objektiv und Blitz angebracht wird
  • besteht aus einem speziellen Karbon-Material
  • wird einfach auf dem Blitzgerät mit Minimagneten befestigt
  • eliminiert Reflexionen
  • zeigt Tranzparenz
  • erleichtert die Farbbestimmung
  • erleichtert die Darstellung von Zahnstrukturen z.B. dem Schneidekantenaufbau
  • zeigt auch Beläge und Entkalkungen
  • ist einfach anzuwenden

In der ästhetischen Zahnmedizin ist die korrekte Farbbestimmung eine nicht zu unterschätzende Herausforderung.

Dies liegt vor allem an den Reflexen und Spiegelungen, die im Behandlungszimmer auf der Zahnoberfläche entstehen, z.B. durch die Beleuchtung des Zimmers, die OP-Lampe, dem Blitzlicht bei der Fotografie.

Hinzu kommt, dass das Auge diese Lichterscheinungen nicht auf die eigentliche Farbinformation reduzieren kann.

Ein trainierter Behandler kann das mit Erfahrung und Wissen ausgleichen, steht aber vor dem Problem, dass er die Information an die Zahntechniker weitergeben muss.

Eine Möglichkeit ist sicher der „Zahntechniker vor Ort“ im Behandlungszimmer.

Leider besteht diese Möglichkeit nicht immer.

Daher werden immer öfter digitale Bilder zur Kommunikation verwendet.
Aber der Vorgang bleibt fehlerbehaftet.

Um die Farbbestimmung und Informationsgewinnung zu vereinfachen hat Dr. Panaghiotis Bazos, ein griechischer Zahnarzt den polar-eyes Filter entwickelt, der auf Canon Nikon Metz und Sigma Blitzgeräten für die Makrofotografie befestigt werden kann.

Durch Kreuz-Polarisation werden alle Lichtreflexe aus der Aufnahme gefiltert und es bleibt nur die Farb- und Strukturinformationen übrig.

Wie immer sagt ein Bild mehr als tausend Worte, daher hier Bilder zur Erläuterung.

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Als Zahnarzt in der Schweiz – ein Vierjahres- Rückblick (3)

von Torsten Hatzky

Vier Jahre ist es nun her, dass wir Deutschland verlassen haben, um nach mehr als 20 Jahren zahnärztlicher Tätigkeit in Südwest-Deutschland noch mal einen neuen Anfang in der Schweiz zu versuchen. Nachdem die Gründe für unsere Entscheidung und unsere ersten Erfahrungen hier und hier ausführlich dargelegt wurden, möchte ich nun ein weiteres Fazit und eine Beschreibung des gegenwärtigen Status Quo wiedergeben:

An den Umzug erinnern wir uns noch genau – Chaos und Stress pur! In der damaligen Wohnung haben wir mehr als 17 Jahre gewohnt. Die Praxisräume hatten wir seit 15 Jahren. Mit der Zeit sammelt sich einiges an. Ein Zeitraum von 4 Monaten war sehr knapp bemessen um alles, was nicht mehr gebraucht wurde, auszumisten. Dank professioneller Hilfe durch ein Umzugsunternehmen mit Auslandserfahrung hat letztlich alles gut geklappt.

Aber es gibt noch andere Erinnerungen. Da ist zum Beispiel das Gefühl freudiger Erwartung, gepaart mit einer gehörigen Portion Spannung: Was wird uns erwarten? Wie lang wird es brauchen, bis die neue Praxis läuft? Würden wir den Schritt bereuen? Aber es war keine lähmende Spannung, sondern sondern ein gutes Gefühl, eines, das angespornt und Energie gebracht hat. Die Psychologen nennen es „Flow“.

Wie sieht das heute aus? Die Spannung ist inzwischen weg. Routine ist in den Alltag eingekehrt. Es gibt kaum noch Überraschungen. Allerdings erlebt man ja, wenn man aus Deutschland kommt, nicht den grossen Kulturschock in der Schweiz.

An den Dialekt haben wir uns inzwischen sehr gut gewöhnt. Da „Schwizerdütsch“ aber keine einheitliche Sprache ist, gibt es mit Menschen aus etwas weiter entfernten Regionen schon machmal Verständigungsprobleme. Da geht es aber den Einheimischen auch nicht unbedingt besser als uns. Diese Sprache selbst richtig zu sprechen werden wir wohl nicht lernen. Unsere Tochter (23) hat damit etwas weniger Probleme. Für viele Schweizer ist es relativ anstrengend, Hochdeutsch (hier sagt man Schriftdütsch) zu reden. Sie sind sehr dankbar, wenn man ihnen gleich am Anfang einräumt, Dialekt zu sprechen. Ich sage dann einfach, dass ich mich daran gewöhnen wolle und schon nachfragen werde, wenn ich wirklich mal etwas nicht verstanden habe. So ist die erste Hürde schnell überwunden und unserer Gegenüber zeigt fast immer ein freundliches Lächeln. Auch ausserhalb der Praxis wächst die Anzahl der Kontakte. Dafür muss man natürlich selbst etwas tun. Die Schweizer feiern gern. Wenn man dann, besonders in Vereinen oder anderen Gruppen bereit ist, etwas zur Vorbereitung beizutragen, hier sagt man „sich einzubringen“, wird man sofort überaus herzlich aufgenommen.

Wir haben übrigens niemals irgendwelche Antipathien oder gar Feindseligkeiten wahrgenommen. Leider gibt es hier jedoch eine im ganz rechten Spektrum angesiedelte, populistische Partei, die diese Probleme gern herbeiredet und schürt, um bei einfachen und politisch ungebildeten Menschen daraus politisches Kapital (= Wählerstimmen) zu schlagen. Und so soll es vereinzelt schon zu Aggressionen oder Sachbeschädigungen gegenüber Deutschen gekommen sein. Auch können wir das, was HaWi  in diesem Beitrag geschrieben hat, überhaupt nicht nachvollziehen. Sicherlich wird ein Schweizer Fussballfan, wenn er sich ein Duell zwischen Deutschland und einer kleineren oder schwächeren Fussball-Nation anschaut, nicht für Deutschland Partei ergreifen. Das liegt wahrscheinlich nicht in irgendwelchen Feindseligkeiten begründet, sondern eher in einer Art „Solidarität“ der „Kleinen“, vielleicht aber auch an der Arroganz einiger deutscher Fussballstars. Insgesamt nämlich nehmen die Schweizer viel mehr am deutschen „Fussball-Leben“ teil, als umgekehrt. Über die deutsche Bundesliga wird im Schweizer Fernsehen regelmässig berichtet. Auch in den allgemeinen Nachrichten nimmt die Berichterstattung über die deutsche Politik fast täglich breiten Raum ein. Peinlich für uns Deutsche: Umgekehrt wird in den deutschen Medien nur sehr selten über die Schweiz informiert. Völlig überrascht hat mich aber dies: Ein etwa 10 jähriger Schweizer Schulbub, der bei uns eine kieferorthopädische Behandlung bekommt, wollte seine neue Zahnspange in den Farben schwarz/ gelb mit dem Logo von BVB Dortmund haben.

So fühlen wir uns hier richtig wohl und würden vieles vermissen, wenn wir wieder nach Deutschland zurück müssten. Umgekehrt vermissen wir erstaunlich wenig. Eigentlich bleiben da nur die besseren Einkaufsmöglichkeiten und die meist niedrigeren Preise. Aber dank Internet-Handel ist das eigentlich auch kein Problem, wenn man gelernt hat, die Zollvorschriften zu beachten. Am meisten würde uns in Deutschland die hohe Qualität sowie die grössere Vielfalt, vor allem an hochwertigen Nahrungsmitteln, fehlen. Da wir schon immer gutes Essen mochten und sehr viel selbst kochen, wissen wir das natürlich mehr zu schätzen als manch einer, der andere Vorlieben hat. In diesem Punkt sind wir uns mit vielen anderen deutschen Einwanderern einig und akzeptieren gern die höheren Preise.

Zu den Preisen sei aber noch etwas gesagt: Wir hatten es an unserem früheren Wohnort in Südwestdeutschland (Nähe Karlsruhe) mit einem extrem hohen Preisniveau zu tun und empfanden die Unterschiede zur Schweiz nicht so krass wie zum Beispiel unsere Verwandten in Nordhessen. Wenn man weiter in den Osten (neue Bundesländer) schaut, wird das noch extremer. So ist das auch zu erklären, dass die schleichende Abwertung des zahnärztlichen Honorars in Deutschland uns eher getroffen hat als Kollegen in anderen Regionen.

Eines gleicht die hohen Preise jedoch wieder aus: Die niedrigen Steuern! Laut Bund der Steuerzahler war der „Steuerzahlergedenktag“ 2012 in Deutschland am 8. Juli. (für höhere Einkommen liegt er noch deutlich später im Jahr). Hier ist der Tag, bis zu dem man den finanziellen Teil seiner staatsbürgerlichen Pflicht geleistet hat, zwischen Ende Januar und der zweiten Februarhälfte, je nach Einkommen und Wohnort. Das merkt man schon sehr deutlich in der Geldbörse und es hat wesentlich dazu beigetragen, das die letzte Wirtschaftskrise aufgrund des florierenden Binnenmarktes kaum Schäden gesetzt hat.

Was uns nicht so gut gefällt, ist das „Klima“ im Strassenverkehr. Während das allgemeine Leben hier erheblich „relaxter“ ist, scheint sich das schlagartig zu ändern, wenn der Schweizer hinterm Steuer sitzt: Man wird hier wesentlich mehr als in anderen Ländern durch sehr dichtes Auffahren und massives Lichthupen bedrängt. Vermutlich liegt das an dem sehr niedrigen Tempolimit. Bei Tempo 80/120 kann man eine Verspätung schlechter aufholen. Zum Ausgleich wird erheblich häufiger kontrolliert. Verstösse werden mit vergleichsweise drastischen Strafen belegt: Schon 1 km/h zu viel nach Abzug der Gerätetoleranz (3-5%) kostet CHF 40.-. Ab 16 km/h Überschreitung innerorts bzw. 21km/h ausserorts gibt es ein Gerichtsverfahren und den sofortigen Entzug der Fahrerlaubnis. So habe ich in den ersten Wochen in der Schweiz gleich mehrere Zahlungsbefehle erhalten und musste einmal von einem auf den anderen Tag auf eine Prophylaxe-Assistentin verzichten. Sie hatte beim Überholen eines Traktors innerorts kurzzeitig um 16km/h überschritten und musste auf der Stelle den Führerschein abgeben. Da es keine brauchbaren Nahverkehrsverbindungen gab, konnte sie nicht mehr zur Arbeit kommen. Ich selbst fahre jetzt entweder sicherheitshalber etwas zu langsam (was dann wieder die Drängelei anderer provoziert) oder ich sehe quasi im 5 Sekundentakt auf den Tacho. Das erhöht den Stress beim Fahren und könnte auch ein Grund für das gereizte Verkehrsklima sein.

Vorsicht ist in dem Zusammenhang auch beim Umgang mit der Polizei geboten. Es gibt erheblich mehr Verkehrskontrollen! So wurden wir einmal auf einer Fahrstrecke von 40km gleich drei mal kontrolliert. Ausserordentlich unerfreulich war dabei oft das Auftreten der Polizisten. Von Deutschland habe ist das immer als professionell, korrekt, aber in aller Regel sehr freundlich in der Erinnerung. Hier war war der Tonfall mit wenigen Ausnahmen extrem streng und manchmal erhielt ich die Anweisungen zum Zeigen der Papiere in harschem, militärischem Befehlston. Wohl bemerkt: Bei normalen Verkehrskontrollen ohne irgendein Fehlverhalten meinerseits. Das hat natürlich Folgen: Während die deutsche Polizei allgemein ein sehr hohes Ansehen geniest, hat die hiesige Polizei ein stark angeschlagenes Image: Viele Schweizer mögen ihre Polizei nicht.

Sehr positiv: Die Schweizer Bahn. Sauber und pünktlich – einfach genial. So versuche ich viel mehr als früher, meine Ziele mit der Bahn zu erreichen. Und da bin ich nicht der Einzige. Im Gegenteil: Die Bahn ist oft bis zum Limit und manchmal deutlich darüber hinaus ausgelastet. Aber auch dann: Es funktioniert!

Zuletzt noch ein paar Worte zur Entwicklung unserer Praxis: Die ist alles in allem sehr erfreulich. Aber eine so gute Erfolgsbilanz, wie sie in diesem Beitrag von einem deutschen Zahnarzt in Spanien beschrieben wird, kann ich nicht vorweisen. Während der ersten drei Jahre war es finanziell oft sehr eng und wir mussten uns sehr einschränken. Seit etwa einem Jahr hat sich dies so nach und nach entspannt. Es kommen immer mehr Patienten auf Empfehlung und was mich besonders freut: Es kommen jetzt viel mehr solche, die Wert auf eine anspruchsvollere Versorgung legen. So konnten wir inzwischen einige notwendige Anschaffungen tätigen und es besteht die berechtigte Aussicht, das wir in diesem Jahr endlich mal wieder in Urlaub fahren können.

Fazit: Wir haben die Entscheidung zum Auswandern nicht bereut und haben keinerlei Heimweh. Wir konnten unser Leben um viele interessante Erfahrungen und Facetten bereichern. Auch unsere Tochter, die anfangs sehr unter Heimweh gelitten hat, kann sich derzeit eine Rückkehr nach Deutschland kaum noch vorstellen. Und es hat letztlich riesig viel Spass gemacht, noch einmal eine neue Praxis aufzubauen, die ich wahrscheinlich dann in einigen Jahren zu einem guten Preis verkaufen kann, sofern die allgemeinen Rahmenbedingungen so bleiben. Das gelingt wohl in Deutschland derzeit nur wenigen Zahnärzten.

Eine Endovac Alternative !?

von Stefan Klinge

Das Endovac System von SybronEndo war Teil verschiedener Untersuchungen in diversen Journals. Die wirksame Reinigung im apikalen Drittel, im Vergleich zur alleinigen Nadelspülung, wurde dem System bestätigt.
Der komplizierte Aufbau und der relativ hohe Preis haben mich bisher davon abgehalten, dieses System anzuschaffen. Mit relativ einfachen und preisgünstigen Mitteln habe ich versucht, ein dem Grundprinzip vergleichbares Hilfsmittel nachzubauen.
Was man dazu benötigt zeige ich in diesem Video. Dieser Nachbau mag weniger effektiv als das Original sein, doch als Alternative zur simplen Nadelspülung dient es allemal.

Jung – VarioFocus Objektiv – im ersten Test – „Pimp your scope“

von Andreas Habash

Vor ca. 2 Wochen wurde mir angeboten kurzfristig eine Neuentwicklung aus dem Hause cjconsultation zu testen.
Ich konnte eine Woche mit dem neuen VarioFocus Objektiv arbeiten.
Das VarioFokus Objektiv hat einen variablen Arbeitsabstand von 215 – 285 mm.
Die ganze Zoomkonstruktion ist in einem, nicht einmal 3cm hohem, Gehäuse untergebracht.
Etwas skeptisch war ich natürlich schon, aber die Optik hat mit überzeugt.
Auch der beiliegende Spritzschutz ist sauber verarbeitet und passt perfekt.
Die Daten für das VarioFocus Objektiv werden von Herrn Jung wie folgt angegeben.
Gesamtvergrößerung: 2,75-26,5 fach / (Tubus f=170mm / Okulare = WF 12,5x)
In der Planung ist das VarioFokus für alle Dentalmikroskope und Operationsmikroskope der verschiedenen Hersteller.
Somit kann man herstellerunabhängig „aufrüsten“.
Vorgestern musste ich das VarioFokus Objektiv „leider“ an einen Händler weitersenden, der es für seinen Messestand im Rahmen des „2. Endodontie-Symposium Sachsen“ angefordert hatte.
Warum „leider“, ganz einfach, weil ich mich beim Test in den paar Tagen so an das neue Objektiv gewohnt hatte, dass ich seit der Rücksendung wiederholt in Leere gegriffen habe. Der Einstellknopf … war weg.
Mit dem Objektiv war es nämlich möglich in den Zahn weiter hineinzuzoomen.
Zusätzlich war es einfacher möglich für die Fotodokumentation den Schärfebereich perfekt einzustellen. Hier war die Leichtgängigkeit des Einstellknopfes eine große Hilfe.
Nach der Teststellung habe ich sofort bestellt – obwohl der Preis noch nicht feststeht.

Hier noch ein paar erklärende Bilder:

Wasserdesinfektion

von Lothar Pröbster

Ich beginne meinen Beitrag mit einem Zitat aus der Zusammenfassung einer Publikation von Caroline L. Pankhurst, N. W. Johnson und  R. G. Woods :  Microbial contamination of dental unit waterlines: the scientific argument. International Dental Journal

 Volume 48, Issue 4, pages 359–368, August 1998.

„The quality of dental unit water is of considerable importance since patients and dental staff are regularly exposed to water and aerosols generated from the dental unit. The unique feature of dental chair water lines is the capacity for rapid development of a biofilm on the dental water supply lines combined with the generation of potentially contaminated aerosols. The biofilm, which is derived from bacteria in the incoming water and is intrinsically resistant to most biocides, then becomes the primary reservoir for continued contamination of the system. Dental water may become heavily contaminated with opportunistic respiratory pathogens such as Legionella and Mycobacterium spp. The significance of such exposure to patients and the dental team is discussed. There is at the present time, no evidence of a widespread public health problem from exposure to dental unit water. Nevertheless, the goal of infection control is to minimise the risk from exposure to potential pathogens and to create a safe working environment in which to treat patients.“

Damit ist die Notwendigkeit der Wasserhygiene in der Zahnarztpraxis hinreichend wissenschaftlich beschrieben. In der Empfehlung der RKI-Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention „Infektionsprävention in der Zahnheilkunde – Anforderungen an die Hygiene“ werden eine Kontrolle der mikrobiellen Belastung der wasserführenden Leitungen und geeignete Maßnahmen zur Reduktion der mikrobiellen Belastung auf unter 100 koloniebildende Einheiten (KBE) je ml generell und unter 1 KBE/ml für Legionellen empfohlen. Berichte von Praxisbegehungen durch Gesundheitämter oder Regierungspräsidien zeigen regelmäßig, dass Wasserproben an den Behandlungseinheiten genommen werden. Wenn das Infektionsrisiko für unsere Patienten offenbar und glücklicherweise sehr gering ist, besteht also ein gewisses Risiko, dass bei zu hoher Keimbelastung der Praxisbetrieb amtlich eingeschränkt werden könnte. Allerdings, in Lancet (2012; 379:684) wird über den tödlichen Verlauf einer Legionelleninfektion, berichtet, die auf eine kontaminierte Dentaleinheit zurückgeführt wurde.

Vor diesem Hintergrund möchte ich unsere praktischen Erfahrungen mit der Wasserhygiene schildern. Ich schicke voraus, dass wir keine Behandlungseinheiten mit eingebauten Desinfektionsaggregaten haben. Diese lösen das Problem der Biofilmbildung in den zuführenden Leitungen zum Behandlungsstuhl nicht, dann auch dort ist die Durchflussmenge minimal. Zum anderen sind die  – meist auf Wasserstoffperoxid basierenden – Präparate nicht billig, und trotz stabilisierender Zusätze in ihrer Lagerstabilität zumindest diskutabel.

Wir hatten zunächst versucht, über ein ausgiebiges Spülprotokoll vor und nach den Behandlungszeiten die KBE/ml  auf ein akzeptables Niveau zu bringen. Dies gelang nicht, insbesondere nach Urlauben stellten wir eine Bildung grünlicher Substanz (evtl. Algen?) fest, die dann zur Verstopfung von Kupplungen führte.

Der nächste Schritt war die Teilnahme an einem Pilotprojekt eines im Lebensmittelbereich tätigen Herstellers von Wasserdesinfektionsanlagen, der im Dentalsektor tätig werden wollte. Hier wurde mit einer Dosiereinheit Natriumhypochloritlösung zentral zugespeist. Es ergab sich eine deutliche Reduktion der KBE/ml, allerdings sehr schwankend im Beobachtungsverlauf. Eine regelmäßige Erfüllung der RKI-Empfehlung konnte nicht erreicht werden. Problem von NaOCl-Lösungen ist, dass sie nicht lagerstabil sind, insbesondere bei Raumtemperatur und Temperaturen darüber. Daran scheiterte dieses Projekt. Nachdem die Dosiereinheit noch installiert war, erfolgten Versuche mit NaOCl und H2O2 aus der Apotheke, ohne Erfolg im Hinblick auf die KBE, aber mit der Nebenwirkung, dass Kupferfeinfilter in den Behandlungseinheiten oxidierten und verstopften und in einer zeit- und kostenintensiven Fehlersuche als Ursache für den plötzlichen Wassermangel an den Mikromotoren gefunden werden mussten.

Nach weiterer Recherche stieß ich auf Trustwater aus Irland, die K+P GmbH und Bluesafety aus Münster und deren Verfahren zur Wasserdesinfektion und richtig viel ordentliche wissenschaftliche Literatur dazu. Beim Trustwater/Bluesafety-Verfahren wird vor Ort das desinfizierende Reagens, hypochlorige Säure, HOCl in einem elektrochemischen Reaktor hergestellt und der Wasserversorgung mit einer Präzisiondosieranlage zentral zugespeist. Wesentlich für den Erfolg ist ein auf die Praxisverhältnisse abgestimmtes Spülprotokoll vor Behandlungsbeginn, das sicherstellt, dass in allen Leitungen ein ausreichender Fluss stattgefunden hat und damit frisches, mit HOCl dotiertes Wasser läuft. Das HOCl läßt sich nur mit Indikatoren nachweisen, es tritt kein Chlorgeruch auf, die Abbauprodukte sind H2O und NaCl, so dass das Verfahren auch der Trinkwasserverordnung kompatibel ist. Die Anlage läuft vollautomatisch, wird einmal jährlich gewartet und hat keine Materialkosten, da das HOCl aus Wasser (was aus der Leitung kommt) und Salz (NaCl, was de facto nicht kostet) synthetisiert wird. Der große Vorteil ist die zentrale Zuspeisung und die automatische Herstellung des Desinfiziens. Da praktisch keine Betriebskosten anfallen, kann ohne weiteres die Gesamtwasserversorgung der Praxis (Waschbecken, Toiletten, Waschmaschine) behandelt werden; dies ist sogar günstig, da dadurch immer frisches Reagens vorliegt. Nebenbei wird auch im Laufe der Zeit der vorhandene Biofilm in den Leitungen abgebaut.

Unsere mikrobiellen Untersuchungswerte lagen nach der ersten Lernphase zwischen 0 und 8 ( 8 mal 0 bei 12 Zapfstellen) seitdem mit einer bisher einmaligen Ausnahme an einer Zapfstelle unter 10 KBE/ml, mehrheitlich bei 0 KBE/ml. Legionellen sind noch nie aufgetreten.

Der Wermutstropfen kommt zum Schluß, eine solche Anlage kostet ca. 20000 Euro, bietet dafür eine hohe Sicherheit bei minimalem Aufwand. In Relation zu einer eventuellen Praxisschließung meiner Meinung nach ein vertretbarer Aufwand, zumal über ein Leasingmodell die Kosten laufend abgeschrieben werden können. Zum Schluß noch eine Gedankenspielerei, ob man wohl das HOCl – Konzentrat als Wurzelkanalspülung abzapfen könnte?…

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Bildlegende

Unsere Wasserdesinfektionsanlage: Von oben links nach rechts im Uhrzeigersinn: Wasserzuleitung mit Magnetventil, Dosiereinrichtung, Gerät mit elektrochemischem Reaktor, Salz-Tank, Konzentrat-Tank, „Bypass“ mit Zuspeise-Vorrichtung

Stufen und Stift

von Ostidald Wucker

Der erste Fall im Jahr 2013 war ein unterer Eckzahn.

In der Regel sind dies problemlos zu behandelnde Zähne. Der Stift in diesem 33 stellt eine lösbare Herausforderung dar und konnte mit Ultraschall, wie schon mehrfach im Blog beschrieben, entfernt werden.

Den weiteren Verlauf des Kanalsystems zu finden stellte sich schwieriger als erwartet dar. Zunächst iomponierte die Größe der Stufe des Stiftes, welche nach Entfernung aller Zementreste zum Vorschein kam. Lingual zur „Stiftstufe“ wurde nach Entfernung der alten Wurzelfüllung eine weitere Stufe/ Blockierung dargestellt. Der weiter Wurzelkanalverlauf war nicht erkennbar. Lingual der zweiten Stufe waren dezente Sealerreste in der mikroskopischen Vergrößerung erkennbar. Nach Entfernung mit Ultraschall konnte mit einer Profile 15.04 der Wurzelkanal verfolgt werden. Die Aufbereitung gelang mit Mtwo Instrumenten.

Häufig sind (eingepresste) Sealer- oder Guttaperchareste ein Hinweis auf eine besondere Anatomie oder geben Auskunft an welcher Stelle nach dem Kanalverlauf gesucht werden sollte.

Die metallenen Schleier in den Röntgenaufnahmen mit Kofferdam wurden durch den Goldstaub der Kronen- und Stiftversorgung verursacht.

Stift.001-001Stift.002-001Stift.003-001Stift.004-001

Zahnschmerzen und Schnabeltier

von Frank Sanner

In der Weihnachtszeit und zwischen den Jahren habe ich mir  Zeit genommen, einer Frage nachzugehen, die mich schon lange beschäftigt hat. Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass atypische Odontalgien oder neuropathische Schmerzen an den Zähnen häufig an einer schmerzhaften Empfindlichkeit des Zahnfleischsaumes zum Beispiel nach Berührung mit der Parodontalsonde zu erkennen sind. Die Häufigkeit von Zähnen mit nicht- dentogenen Schmerzen liegt zB bei wurzelbehandelten Zähnen mit persistierenden Schmerzen (> 6 Monate) so um die 50% (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/20728716) und dieses Zeichen ist – wie gesagt – sehr zuverlässig. Interessant ist dabei auch, dass die starke Empfindlichkeit häufig nur den distalen oder den mesialen Anteil der Zahnfleischfurche betrifft und selten mesial und distal gleichzeitig vorhanden ist.

Was ich also in den Weihnachtsferien herausfinden wollte, ist: Wie wird der Parodontalspalt überhaupt innerviert?

Wie häufig, bin ich dabei erst einmal auf Umwege gekommen. Natürlich beginnt man bei der „Embryognese“ (Vorklinik – Ohje!) und stellt fest, dass es dabei inzwischen neue Aspekte zu verzeichnen gibt. Faharani (1) hat nämlich herausgefunden, dass die Odontoblasten-Schicht viele Merkmale von Sinnesorganen hat. Es gibt hier drei Glia-zell ähnliche Zellsorten, wie sie ähnlich im Gehirn und in anderen Sinnesorganen vorkommen. Man findet auch eine „Blut-Dentin-Schranke“, ähnlich der „Blut-Hirnschranke“. In der Tat ähnelt der Bauplan der Pulpa, dem der Netzhaut und dem des Corti-Organs im Ohr. Herr Faharani kommt auch zu der Vermutung, dass die Zähne ursprünglich einmal aus „sinnesorganartigen“ Elektro-Rezeptoren im Maul von Fischen hervorgegangen sein könnten, die sekundär mit einer Dentin+Schmelzschicht umgeben wurden und dann als Zähne funktionierten. Die Schnabeltiere – immerhin Säugetiere- hätten auch Elektrorezeptoren im Mund bzw. Schnabel. Gut- interessant – bringt einen aber mit dem Schmerzproblem nicht weiter.
Die Nervenfasern, die in die Pulpa ziehen, geben periapikal kleine Äste ab, die im Par-Spalt bis zur Zahnfleischfurche und zur Interdentalpapille ziehen. So steht es in den Büchern (zB. Rateitschak). Falls dieser Nerv erkrankt, oder die mit diesem Nerv verbundenen Hirnareale, können zB „atypische“ Zahnschmerzen entstehen, die dann auch in der Zahnfleischfurche gereizt und ausgelöst werden können. Die Pulpa ist ja nach Wurzelbehandlung meistens weg und die Äste im Par-Spalt die einzigen, die übrig geblieben sind.

Wenn man aber hier nachliest und die Frage klären will, was mit den Zahnnerven nach einer WB passiert (Atrophie, Regeneration und Umleitung in den PAR Spalt?) findet sich fast keine Literatur dazu.

Also bleibt festzuhalten:

1. Die Zahnfleischfurche und deren Schmerzempfindlichkeit ist ein wichtiges Symptom für atypische Odontalgien.

2. Es gibt Hinweise darauf, das die Nervenversorgung von Zahn und PAR-Spalt „very special“ ist.

3. Was mit den Zahnnerven nach einer Wurzelbehandlung und damit deren Amputation genau passiert, ist ziemlich unklar

4. Die Weihnachtsferien sind zu kurz, um dem richtig auf den Grund zu gehen.

Literatur

1. Blueprint of an Ancestral Neurosensory Organ
Revealed in Glial Networks in Human Dental Pulp
Ramin M. Farahani, Mary Simonian, and Neil Hunter
The Journal of Comparative Neurology | Research in Systems Neuroscience 519:3306–3326 (2011)

Kofferdamgeschichten (3)

von Jacqueline Franzke 

Während meines Studiums an der P. J. Safarik-Universität in Kosice/Slowakei war Kofferdam auf dem Lehrplan nicht vorgesehen. Ich erfuhr davon nicht mal in der Theorie, wobei ich rückblickend sagen kann: das Studium war qualitativ, vor allem in praktischer Hinsicht sehr gut.

Meine Mitbewohnerin im Internat war aus Schwerin und mit einem pensionierten Privatzahnarzt (Privatzahnärzte waren selten in der DDR) über Ihre Schwiegereltern befreundet. Eines Tages brachte sie von einem Heimurlaub eine Klammerzange und eine handvoll Klammern mit als Geschenk des alten Zahnarztes für mich mit, mit seinen Worten: Dieses Instrumentarium sei äußerst wichtig und ich würde es in meinem Berufsleben unbedingt brauchen. Er hätte es schon von seinem Vater.

In alten Lehrbüchern las ich darüber. Aber ich glaubte, dass in Zeiten von Absauganlagen das Ganze doch vielleicht etwas überholt wäre. Aber vergessen konnte ich die Worte nie.

Meine Erfahrungen an der DDR-Poliklinik waren ähnlich, wie die von Olaf Löffler, es gab ein Set pro Abteilung irgendwo im Schrank. Das wurde hervorgeholt, wenn winzigste Keramik-Zahnhalsinlays mit Harvard eingesetzt wurden.

Dann kam die Wende und ich hatte ein Baby und konnte geradeso noch meine Vorbereitungszeit von 2 Jahren zusammenkratzen. Ich hatte nur die Wahl zwischen der Niederlassung und einem Berufswechsel, denn eine Anstellung war nicht zu haben.

Also war ich 1992 mit 27 Jahren in der Niederlassung ohne Patientenstamm. Von nichts eine Ahnung würde ich heute sagen, aber dass die Endodontie zum Fundament einer qualitativ hohen Zahnmedizin gehörte, war mir damals schon klar. Und ich erinnerte mich an die Worte des alten Zahnarztes und zur Erstaustattung der Praxis gehörte deshalb ein Kofferdam-Set von Ivory.

Ich hatte den festen Willen ab sofort Kofferdam bei jeder Endo und sonstigen Gelegenheit einzusetzen und meine 2 Mitarbeiter waren die ersten „Opfer“. Unter Anleitung des Büchleins von Ivory haben wir Kofferdam „gelernt“. Später haben wir zusammen noch einen Kurs zum Thema besucht und meine Mitarbeiter freuten sich, dass sie es viel besser machten, als die anwesenden Zahnärzte.

Gerade habe ich einer neuen Mitarbeiterin, die schon 30 Berufsjahre in der Assistenz hat, diese „neue Technik“ beigebracht. Sie ist begeistert.

Vor der Endo ist nach der Endo: Aufbaumaterialien

von Stefan Verch

Ein suffizienter präendodontischer Aufbau ist die Voraussetzung für eine effektive Wurzelkanalbehandlung. Er erleichtert das Kofferdamanlegen und den zwischenzeitlichen adhäsiven Verschluss genauso wie den postendodontischen Aufbau. Dieser kann i.d.R. direkt in den präendodontischen Aufbau adhäsiv eingefügt werden. Bei uns dient dieser postendodontische Aufbau dann als Langzeitprovisorium, bis nach 6 Monaten ein Recall Röntgenbild der Wurzel angefertigt wird und die Überkronung nach Ausheilung erfolgen kann.
Zähne, die einen präendodontischen Aufbau benötigen sind meist bis zur Gingiva stark zerstört wie Zähne, deren Zahnersatzkrone entfernt werden mußte. Letztere benötigen in einem Phasenkonzept oft eine Langzeit provisorische Versorgung, wenn Heilungen usw. abgewartet werden müssen.
Hier kann man natürlich Langzeitprovisorien labortechnisch herstellen lassen – dies ist jedoch aufwendig und teuer.
Einfacher ist eine direkte Modellation, ähnlich dem präendodontischen Aufbau sehr zerstörter Zähne.
Wir benutzen dafür das neue Aufbaumaterial „Core“, das von Heraeus Kulzer in der Reihe Venus Pearl vermarktet wird. Es ist hellgrün – bietet also farblichen Kontrast, um später Zahnsubstanz von Aufbaumaterial zu unterscheiden. Es hat eine sehr gute Konsistenz: Man kann es zu einer kleinen Wurst rollen , die man dann als Manschette um die cervikalen Anteile des Zahnes legt. Dann „dengelt“ man mit einer Kugel oder feinem Heidemann die Wurst von okklusal an den Kavitätenrand und versäubert die Übergänge mit dem Heidemann (STOMA Instrument 7013.21, sehr fein). Fertig ist die Manschette, die nun mit einer normalen Matrize umspannt werden kann. Der restliche Aufbau kann mit dem Material der eigenen Vorliebe trichterförmig für die Endo oder kompakt als Kronenlangzeitprovisorium aufgefüllt werden.
Mit einem steifen Heidemann kann man man die Approximalräume beim Ausarbeiten separiert halten, um mit einer feinen Soflexscheibe optimale Konturierungen vorzunehmen.
Ist ein Matrizenanlegen an den Stumpf auch ohne Manschette Vorlegen möglich, dann nehmen wir zur farblichen cervikalen Markierung das gefüllte Flow Komposit STAIN BLUE Enamel plus HO von Micerium, das gegenüber durchgefärbten Corematerialien eine zartere Markierung erlaubt, die bei einer späteren Präparation einer Vollkeramikkrone (EMAX z.B.) wegggeschliffen und nicht farblich durchscheinen wird.

2. DGET Jahrestagung 2012 in Leipzig

von Stefan Klinge

Vom 1.- 3. November fand die zweite Jahrestagung der DGET in Leipzig statt. Eine erfolgreiche Veranstaltung. Denn nicht nur hochkarätige Vortragende, sondern auch eine schier nicht enden wollende Zahl an Teilnehmern bescherten nicht nur fachlich, sondern auch menschlich einen regen Austausch. Die Tagung begann am Donnerstag nachmittag mit sieben Workshops, die sich neben verschiedenen Feilensystemen auch mit dem Einsatz des DVT in der Endodontie beschäftigten. Berichten kann ich von dem Kurs über WaveOne, der von Dr. Josef Diemer gehalten wurde. Mal abgesehen von der professionellen Abhandlung des Themas, vermittelt Dr. Diemer das Gefühl als ob er jeden Teilnehmer schon jahrelang kennen würde. Insgesamt ein hervorragender Kurs, der mein Behandlungskonzept mit Protaper / Profile und Pathfiles bestätigte. Das Single File Konzept des WaveOne Systems wurde von Dr. Diemer mit dem Einmalgebrauch der Feilen erklärt, welche als Teil einer hybriden Aufbereitungstechnik zu sehen sind. Dieser erste Kongresstag klang mit der Mitgliederversammlung aus, in der unter anderem über die Arbeit der DGET im Zusammenhang mit der neuen GOZ 2012 berichtet wurde. Hervorgehoben wurde dabei die Arbeit der GOZ AG, bei deren Mitgliedern sich der der Vorstand bei dieser Gelegenheit bedankte. Am Freitag beeindruckte mich der Vortrag über Milchzahnendodontie und Endo nach Trauma im bleibenden Gebiss von Dr. Hubertus van Waes / Zürich. Insbesondere wurde die Rolle des CaOH2 als Stimulation einer Hartgewebsbrücke kritisch hinterfragt und MTA im Vergleich als bessere Alternative empfohlen. Und dies nicht nur bei VitA oder kleinfächiger Eröffnung der Pulpa, sondern insbesondere bei der Behandlung des nicht abgeschlossenen Wurzelwachstums als Folge eines Traumas. Da es aber bei MTA immer wieder zu Zahnverfärbungen käme, wurde eine Alternative dazu entwickelt, die allerdings bis jetzt nicht röntgenopak war. Dies soll sich nun ändern, da eine neue, röntgensichtbare Variante des MED-PZ ( Medizinischer Portlandzement ) in Kürze über eine in der Schweiz ansässige Firma erhältlich sein soll. Es folgte der Vortrag von Prof. Dr. Löst / Tübingen über das Phänomen der Längsfrakturen bei endodontisch behandelten Zähnen. Eine allgemeingültige Aussage über die Ursache einer VRF läßt sich nach heutigem Wissensstand nicht formulieren. Sicher sei allerdings, dass eine vertikale Wurzelfraktur in den wenigsten Fällen bei vitalen Zähnen und bei avitalen Zähnen ohne endodontische Versorgung auftrete. Prof. Dr. Thomas von Arx / Bern brillierte mit einem fesselnden Vortrag über apikale Chirurgie. Mit eindrucksvollen Fallbeispielen konnte er vermitteln, dass eine chirurgische Intervention oftmals durch eine gründliche, präoperative Diagnostik vermeidbar sei. Hierzu zählten nicht nur das DVT sondern in erster Linie auch simple klinische, wie auch radiologische Untersuchungen, wie eine Taschentiefenmessung oder eine exzentrische Zahnfilmaufnahme. Nicht zuletzt sollte man die eigene Diagnose immer nochmals kritisch hinterfragen. Der Vormittag des Samstags wurde komplett vom Vortrag von Prof. Dr. Ove Peters / San Francisco eingenommen. Zum einen ist aus seiner Sicht nicht geklärt, weshalb eine endodontische Therapie gelingt oder misslingt. Denn nichts Wesentliches habe sich seit ca. hundert Jahren geändert, was er mit einem Film über eine endodontische Behandlung aus dem Jahre 1917 untermauerte. Zum anderen liege die Zukunft der Endodontie weniger in der Entwicklung neuer technischer Instrumentarien, als vielmehr im Verständnis komplexer, biologischer Zusammenhänge, wie er am Beispiel der Revaskularisierung verdeutlichte. Dr. Frank Paqué konnte nachfolgend in seinem Vortrag über anatomische Strukturen erneut beeindrucken. Seine Visualisierung des endodontischen Systems mittels MikroCT, läßt staunen und zweifeln zugleich. Insofern unterstützt sein exzellenter Vortrag die Ausführungen seines Vorredners, mehr auf die Biotechnik als auf neue Feilentechnik zu setzen. Der Nachmittag wurde dann durch Dr. Johannes Mente / Heidelberg und Thomas Clauder / Hamburg in einem gemeinsamen Vortrag bestritten. Mit schier unendlichen, aber packenden Fallbeispielen konnten beide Redner ausführlich die Einsatzgebiete von MTA ( Mineral Trioxide Aggregate ) in der Endodontie darlegen. Obwohl auf MTA schon mehrfach in den vorangegangenen Vorträgen eingegangen wurde, konnten beide das Auditorium bis zum offiziellen Ende der Tagung am späten Nachmittag begeistern. Insgesamt zeichnete sich diese Tagung nicht nur durch eine gelungene Auswahl an Vortragenden und Themen aus, sondern auch durch eine fast familiäre Atmosphäre. Ob in den Pausen, abends an der Bar oder zum abendlichen Event in Auerbachs Keller, es fand immer ein reger Austausch statt – ob nun auf fachlicher oder privater Ebene. Ein ganz besonderer Dank gilt den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hinter den Kulissen, die mit beispielhaftem Einsatz für einen reibungslosen Ablauf der Tagung sorgten. Im nachfolgenden Video habe ich versucht, zumindest ein paar wenige Impressionen festzuhalten.

ESMD-Kongress in Berlin – ein Kurzbericht

von Bernard Bengs

Praxisbedingt konnte ich leider erst ab Freitag Nachmittag, also ab der zweiten Hälfte am diesjährigen ESMD-Kongress teilnehmen. Gerade rechtzeitig zur Live-Demo:

Parallel wurden zwei Behandler gezeigt, Behnam Shakibaie demonstrierte einen Sinuslift am Schweinekiefer-Präparat, während Jörg Schröder im Nachbarraum an einer Patientin eine orthograde Revision an einem bereits resezierten Unterkiefer-Molaren durchführte. Beide Behandlungen konnten im Auditorium in 3D mitverfolgt werden.

Leider kamen durch hektisches Schalten zwischen den Behandlern interessante Details oft zu kurz, man kann auch durchaus den Sinn einer „Live-Op.“ am Schweinekiefer hinterfragen. Ein Vortrag mit kommentierter Video-Einspielung zum Sinus-Lift wäre wohl weniger aufwändig, dafür ergiebiger gewesen und hätte der „echten“ Live-Behandlung der Revision mehr Raum gegeben.

Beeindruckend waren die Präsentationen von Jason Smithson (direkte Composite-Restaurationen) und Paul Gerloczy (Kronen- und Veneerpräparationen), beide zeigten, welch enorme Präzision das Mikroskop in der restaurativen Zahnheilkunde ermöglicht. Das gilt in gleichem Maße für Rino Burkhardt (Parodontologie/Implantologie), dessen Vortrag die Möglichkeiten und Grenzen der Rezessionsdeckung auslotete.

Und der Rest? Leider einige  „Verkaufsvorträge“ zum Thema Cerec oder Laser etc. und viel Enttäuschendes, z.B. ein weit hinter den legendären Präsentationen seines Vaters zurückbleibender, staubtrockener Ergonomie-Vortrag von Richard Hilger.

Hätte Oscar von Stetten nicht zum Schluß noch eine knackige Präsentation zur Dokumentation mit dem OPM gehalten, das Fazit würde recht dürftig ausfallen.

Angesichts der kernigen Kongressgebühren und der sehr dürftigen Teilnehmerzahl muß man nach dieser Veranstaltung  trotz einiger hervorragender Referenten das Konzept seitens der ESMD möglicherweise noch einmal ein wenig nachjustieren, wenn man mehr Erfolg haben will.

Denn sie wissen nicht, was sie tun!

von Harald Vögele

Vorweg möchte ich sagen, dass ich dem Gründer dieses Blogs und der kleinen eifrigen Gruppe um Ha-Wi Herrmann sehr dankbar bin für das, was sie tun. Ihr Wissen und Ihre Erfahrungen mit uns zu teilen und uns an Ihren Einblicken im Bereich Endodontie und auch darüber hinaus partizipieren zu lassen. Und das fast täglich und immer kostenlos. Selbstlosigkeit ist in dieser Zeit und in diesem Land weiß Gott keine Selbstverständlichkeit.

Nun, ich lerne sehr viel hier auf dieser Website. Meist geht es dabei um behandlerische Finessen, Techniken, Hilfsmitteln, oft im Rahmen von Falldemonstrationen. Vieles davon kommt mir in meinem täglichen Behandlungsablauf zugute.

Was könnte ich zu diesem Blog beitragen?

In möchte keinen weiteren Fall vorstellen, sondern heute an etwas erinnern, was ich im Leben eines (Zahn-) Arztes für sehr wichtig halte, nämlich: Unsere Patienten zu motivieren, zu inspirieren, das Wesentliche im Auge zu behalten. Was könnte das sein? Bestimmt das nicht jeder selbst, individuell für sich? Vermutlich nicht.

Das Wesentliche, auf das ich mich beziehe, ist: Die Verantwortung gegenüber sich selbst!

Mit anderen Worten: Für seine Handlungen die Verantwortung zu übernehmen. Bedeutet: Sich bewusst Gutes zu tun und sich über die Wirkungen und Folgen zu freuen und im gegenteiligen Fall die Konsequenzen zu tragen, ohne die Schuld bei jemand anderen zu suchen. Bewusst sich so zu verhalten, dass es dem wichtigsten Gut, der eigenen Gesundheit, nutzt. Dazu gehört, dass man wissen muss, worauf es im Leben ankommt.

Wenn ich einen Freund von mir zitiere, der den Ruf hat, ein Fitnesspapst in Deutschland zu sein, dann besteht das Leben aus genau drei Säulen, nämlich: Bewegung – Ernährung – Denken! Das war’s. Mehr gibt’s nicht. Ersetzen Sie das Denken von mir aus durch Religion, Meditation, oder Spiritualität, völlig wurscht. Wichtig sollte uns (Zahn-) Ärzten die erste und v.a. die zweite Säule sein: Die Ernährung!

Wieviele Patienten gehen zum Arzt und werden über die richtige Ernährung konkret beraten? Wenige! Und dabei meine ich nicht den allseits beliebten Ärztesatz: „Sie müssen sich halt gesund ernähren! Vollkorn und so.!“

Und wieviele Patienten gehen zum Zahnarzt und werden über eine richtige Ernährung beraten? Genau, noch viel weniger!

Ich meine, wir beschäftigen uns mit der aufwendigen und oftmals filigranen Restauration von ernährungsbedingten Zahndefekten, damit die Leute wieder schmerzfrei essen können! Wir schauen dabei sogar durchs Mikroskop und sagen dem Patienten, dass das wichtig ist! Ist Ernährungsberatung beim Zahnarzt wichtig? Ich meine, sie ist essentiell im Bereich der Kariesprävention! Wer, wenn nicht der Zahnarzt muss wissen, was die richtige Ernährung ist?

Und damit meine ich gerade nicht die Empfehlung der DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung), deren mittlerweile verstorbener Sprecher, Volker Pudel, vor Jahren zugeben musste, dass die Empfehlungen der DGE der letzten 50 Jahre leider völlig versagt haben. Ich meine nicht das, was wir in der Schule lernen durften, nein, ich meine eine genetisch richtige Ernährung. Also eine Ernährung, die unserem genetischen Bauplan entspricht.

Ich betrachte die Zahnmedizin an sich als eine absolute Luxusmedizin. Das heisst, es ist eine Medizin, die man bei richtiger Lebensweise und Ernährung eigentlich nicht braucht. Zumindest nicht kurativ, denn sie ist massgeblich von zwei Dingen abhängig: Der Ernährung und der Mundhygiene! Aus! Fertig! Das ist alles ! Und die richtige Ernährung obliegt einem selbst. Genau wie die richtige, regelmäßige Mundhygiene.

D. h., wenn man weiss, was es bedeutet, sich genetisch korrekt zu ernähren.

HIER KOMMT DAS RÖNTGENBILD INS SPIEL !!!

Viele Menschen wissen das nicht. Darunter auch viele Ärzte und Zahnärzte. Darunter auch die Patientin mit dem hier gezeigten Röntgenbild, die zur Endo Zahn 27 an mich überwiesen wurde. Ein Blick und man erkennt: Es gibt viel zu tun in diesem Mund. Karies ist ein Hauptproblem, das die momentane Lebensqualität der Patientin erheblich beeinträchtigt. Das Traurige daran: Die Patientin ist Gymnasiallehrerin für Religion und Sport! Eine Höllenkombination, wenn Sie mich fragen. :-) Bei der Erstvorstellung sitzt sie mir gegenüber. Sportlich, aber mit etwas trübem Blick. Und eben mit durchlöchertem Gebiss, das sie natürlich zurückführt auf den schrecklichen Zahnarzt aus ihrer Kindeheit und die schlechten Zähne ihrer Mutter! Natürlich! Wie die meisten mit durchlöchertem Gebiss!

An der Hochschule hat sie im Fach Religion einen Sinn entwickelt für Begriffe, wie Barmherzigkeit und Mitgefühl. Einen Sinn für das regelmäßige Gebet, die regelmäßige Meditation, einen Sinn für Spiritualität (eine der drei wichtigen Säulen im Leben).

Im Fach Sport hat sie gelernt, dass regelmäßige, tägliche Bewegung wichtig ist (immerhin, die zweite wichtige Säule im Leben), um gesund zu bleiben/zu werden.

Aber wie ernährt sie sich?

Seit 17 Jahren, quasi seit Ende ihres Studiums, ist sie überzeugte Vegetarierin. Kein Fisch, kein Fleisch, kein Soja („.weil das Zeug iss ja genetisch manipuliert!“), nur Obst, Gemüse und (jetzt kommt’s) v.a. viele viele Kohlenhydrate!! Weil die braucht der Körper ja, als Energielieferant. Also Brot, Nudeln, Kartoffeln, ab und zu Süßkram, eben alles, wo kein Tier dafür sterben musste! Aus Mitgefühl mit dem Tier, sagt sie.

Einverstanden.

Mit meiner Frage: „Aus was besteht der Muskel?“ hat sie nicht gerechnet. Nicht beim Zahnarzt. Ich frage weiter: „Woraus beziehen Sie Ihr essentielles Vitamin B12, Ihr Eisen und Ihre Aminosäuren, v.a. Ihr Phenylalanin?“ Ihr Blick wird immer fragender! Ich frage weiter: „Wieviele Kohlenhydrate braucht der Körper wirklich? Was ist die Gluconeogenese, was sind Proteine und v.a. wo in Ihrem Garten steht der Nudelbaum???“

Ich blicke in ein leeres Gesicht und formuliere die Frage anders: „Was ist das wichtigste Gebot in der Bibel?“ Dann kommt eine Antwort, nämlich: „Liebe deinen Nächsten, wie dich selbst!“ Das weiss sie. Und dann kommt die Frage nach ihrer Selbstliebe, die sie wieder nicht ganz zu verstehen scheint.

Am Ende frage ich ganz einfach: „Wie kommen die Löcher in die Zähne? Nennen Sie mir bitte die einzigen zwei Gründe dafür!“ Sie sagt sofort: „Zu viel Zucker und schlecht putzen!“ Richtig ! Das weiss jeder. Absolut jeder! Ich frage: „Was davon machen Sie?“ Sie besteht darauf, bei der Mundhygiene keine Fehler zu machen. „Demnach kann es nur was sein?? Ersetzen wir Zucker durch Kohlenhydrate, also alles, was an Teigwaren am Zahn kleben bleibt und Plaque hinterlässt und wir sind des Rätsels Lösung einen großen Schritt näher!“

Sie beginnt zu lächeln. Sie versteht, was ich sagen möchte, nämlich: Das Einzige, was in der Ernährung NICHT essentiell ist, sind Kohlenhydrate. V.a. leere Kohlenhydrate, d.h. nicht die aus Obst und Gemüse, sondern die aus Brot, Nudeln, Knödeln, Reis, Gebäck, ja, auch Vollkorn, usw.

Wir vergessen die alleinige Notwendigkeit von Eiweiss, Vitaminen und den richtigen Fetten. Wir wissen nicht, wieviel wir davon brauchen und kein Arzt verrät es uns, weil er es wahrscheinlich selbst nicht besser weiss. Nur eine Handvoll Ärzte kann mit dem Begriff eines orthomolekularen Blutbildes etwas anfangen.

All die provokanten Fragen oben stelle ich meinen Patienten normalerweise nicht, v.a. nicht den überwiesenen, ausser wenn ich davon ausgehen kann, dass sie es besser wissen müssten/sollten/könnten. Dies setze ich bei Lehrern voraus.

Aber ich empfinde es als eine Notwendigkeit, bei einem Zahnarztbesuch im Rahmen der Routineuntersuchung eine genetisch korrekte Ernährung anzusprechen und eventuell im Rahmen einer professionellen Zahnreinigung diese Thematik zu vertiefen. Ich biete dies seit zwei Jahren an und bin erstaunt, wie gut es von den Patienten angenommen wird. Ich kann und möchte jeden Zahnarzt dazu ermuntern, sich im Sinne seiner Patienten intensiv mit diesem Thema auseinander zu sezten. Das Internet ist eine ausgezeichnete Quelle dafür.

 

Frakturierte Instrumente entfernen – noch ein Werkzeug

Von Winfried Zeppenfeld

Frakturierte Instrumente sind immer ein Ärgernis (vor allem, wenn man sie selbst abgebrochen hat), in jedem Fall aber eine endodontische sportliche Herausforderung . Dieses frakturierte Instrument (etwa 5 mm einer MTwo 04/10) ließ sich leicht darstellen und mit Ultraschall lockern. Schon kurz nach der Freilegung bewegte es sich etwa 0,5 mm auf und ab. Unglücklicherweise war die mesiolinguale Wurzel dieses 46 ausgesprochen stark gekrümmt und das gelockerte Instrument ließ sich nicht aus dem Kanal entfernen, weil es immer wieder an die Außenseite der Kurvatur dieses stark gekrümmten Kanals stieß und sich dadurch seiner Entfernung widersetzte. Straight line access hätte einen subcrestalen Zugang erfordert und war deshalb keine sinnvolle Option. Ich habe versucht, das Instrument um die Ecke zu bugsieren und mit der Schlingentechnik nach Michael Arnold herauszuziehen – leider vergeblich. Mein Versuch mit einem ultrafeinen Draht von Nils Widera war ebenso frustran.

Ein Versuch, das Instrument in eine Kanüle anzukleben und so herauszuziehen scheiterte ebenfalls, weil zwischen der Kanüle und dem Instrument ein so großer Winkel war, dass das die Kanüle sich nicht über das Instrument schieben ließ. Irgendwie hatte ich den Eindruck, dass mir eine Hand fehlte: ich hätte eine Hand gebraucht, um den Spiegel zu halten, eine weitere, um die Schlaufe über das Instrument zu bugsieren und eine dritte, um die Drahtschlaufe beim Herausziehen in Position zu halten.
Als nächsten Versuch habe ich eine Sonofeile von Acteon an der Spitze zu einem „U“ gebogen, dieses U hinter die Instrumentenspitze gemogelt und dann Ultraschall aktiviert. Eine Zehntelsekunde später war das Instrument durch die Vibration draußen, nachdem ich vorher 45 min vergeblich herum getrickst hatte.
Wahrscheinlich würde statt des „U“ auch reichen, die Spitze rechtwinkelig umzubiegen, so dass sie gerade hinter das frakturierte Instrument gedreht werden kann.

Gelockertes frakturiertes Instrument, das gegen die Außenseite der Kurvatur stößt und sich dadurch nicht entfernen lässt

 

 

 

 

An der Spitze zum „U“ gebogen Sonofeile mit dem entfernten Instrument

Besuch in Minsk

von Thomas Oehme

Bericht über einen Kofferdam Kurs im 3. Studienjahr

Meine Dolmetscherin Natalia und ich haben einen kurzweiligen Flug von Berlin nach Minsk hinter uns gebracht und stecken nun neugierig unsere Nasen in den Hörsaal Nr. 1.

Доктор Латышева, какие коффердам-кламеры нужно взять для моляров?
( Dr. Latyshev, welche Klamern sind für Molaren?)

Die kurze Anweisung erfolgt postwendend von der Dozentin Frau Dr. Latysheva und der fragende Student wird kurz darauf den Arbeitsschritt selbst unter der Assistenz seiner Betreuerin am Modell trainieren.

Die Studenten sind ganz bei der Sache, so dass Sie den Besuch von zwei Gästen gleich gar nicht wahrnehmen und wir können interessiert dem „bunten Treiben“ zum Kurs Kofferdam der Studenten des 3. Studienjahres, beobachten.

In Weißrussland (11,5 Mio Einwohner) gibt es eine zahnmedizinische Hochschule in der Hauptstadt Minsk (www.bsmu.by). Diese ist Ausbildungsort für etwa 800 Zahnmedizinstudenten (je Studienjahr 160).

Die praktische Ausbildung erfahren sie in einem Hochhaus im Zentrum der Stadt, wo sich in jeder Etage mehrere Behandlungszimmer und Lehrkabinette befinden. 1996 erfolgte eine Umstrukturierung nach den Empfehlungen der WHO. Ganz besonders in letzten 10 Jahren hat sich auch die materielle und technische Ausstattung deutlich verbessert.

An den 9 zahnmedizinischen Lehrstühlen sind 9 habilitierte Doktoren und 108 promovierte Fachleute tätig.

In der Zwischenzeit istFrau Dr. Latyshevazu  der Gruppe von Julie, Igor und Tanja gekommen und wieder soll sie Fragen zur Anwendung von Kofferdam beantworten.

Die Dozentin zeigt auch hier ihr strukturiertes Vorgehen mit praktischen Demonstrationen. Danach werden auch die Studenten dieser Arbeitsgruppe ihr gemeinsames Arbeitsziel umsetzen und sich dabei gegenseitig unterstützen.

Nach dem Besuch verschiedener zahnmedizinischer Hochschulstandorte europaweit hat

Dr. Latysheva für ihr Department speziell für den Fachbereich Endodontie Lernprogramme mit definierten Lernzielen für Studenten entwickelt.

Sie und Frau Ass. Professor Lyudmila Kazeko, die Leiterin des Departments, berichten uns von den Fragen, die sie sich immer wieder selbst stellen.
1. Über welche Kompetenzen sollten die Studenten verfügen?
2. Welche Lernziele wollen wir auf der Wissensebene und Handlungsebene dabei erreichen?

Wir ( Dipl.-Philologin Natalia Bakman, Dozentin TU Chemnitz und Torsten Oehme, Zahnarzt ) bedanken uns nur für die Einladung und, dass wir diese zielstrebige und offene Lernatmosphäre kennen lernen konnten. Es waren angenehme Tage.

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Zum gegenwärtigen Stand der elektronischen Gesundheitskarte (eGK)

von Haya Hadidi

Verehrte Leserschaft der WURZELSPITZE, im Folgenden möchte ich Ihnen in loser Reihenfolge Themen aus der Schnittmenge von IT und Rechtswissenschaften näher bringen.
Durch eine persönlich motivierte intensivere Beschäftigung mit der Zahnmedizin entdeckte ich die WURZELSPITZE und bin sofort ein Fan dieses Projekts geworden. Ich möchte es daher durch meinen juristisch-technischen Input unterstützen, da ich mir vorstellen kann und durch Gespräche mit Zahnärzten auch weiß, dass selbige in ihrem beruflichen Alltag in diesem Bereich des Öfteren Interessen/Fragen haben. Falls Sie, werte Leserinnen und Leser, also auch juristische bzw. juristisch-technische Fragestellungen haben, von denen Sie sich vorstellen können, dass Sie auch für das übrige Publikum von Interesse sind, dann zögern Sie bitte nicht, mir eine E-Mail (haya_at_hadidi.eu) mit einem Vorschlag für einen weiteren Beitrag zu schreiben. Natürlich können Sie mir auch gerne schreiben, wenn Sie Fragen zu meinen Beiträgen haben. Die Beiträge ersetzen keine Rechtsberatung im Einzelfall. Im Rahmen der Beiträge behandele ich ausschließlich abstrakte Fragestellungen. Die im folgenden dargestellten Informationen und Meinungen sind rein privater Natur und repräsentieren keinesfalls eine offizielle Meinung der Bundesnetzagentur für Post, Telekommunikation, Elektrizität und Gas.

Mein erstes Thema ist der eGK gewidmet und bietet einen Überblick über die aktuellen Aspekte der Einführung dieser flächendeckenden IT-Sicherheits-Infrastruktur.

Was macht die eGK aus?
Die eGK enthält – im Gegensatz zur KVK (Krankenversichertenkarte), auf der sich ein Speicherchip befindet – einen Prozessorchip für die Versichertendaten. Die Einführung und Entwicklung der eGK hat nun sechs Jahre gedauert und hat schätzungsweise Kosten in Höhe zwischen 500 Mio. und 1,4 Mrd. Euro verschlungen (s.http://www.gesundheitskarte.net/).
Und nun?
Vorerst ändert sich jedoch nicht viel für Arzt und Patient, da das ursprünglich hochambitionierte Projekt zunächst nur in einer Basisversion realisiert wurde. Die eGK trägt also neuerdings ein Foto des Patienten und soll so Missbrauch verhindern.
Geplant sind in den nächsten Jahren, laut Auskunft des Bundesgesundheitsministeriums, Zusatzfunktionen wie etwa die Editierung von Stammdaten durch Arzt und Patient (sog. Versichertenstammdatenmanagement, VSDM), die sichere Kommunikation zwischen Ärzten und die Einführung einer elektronischen Patientenakte (s. http://www.bmg.bund.de/krankenversicherung/elektronische-gesundheitskarte/fragen-und-antworten-einfuehrung-egk.html)
Mit dem VSDM wird technisch dann auch die gesetzliche Vorgabe des § 291 Abs. 2b SGB V umgesetzt. Hiernach sind die an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmende Ärzte, Zahnärzte und Einrichtungen verpflichtet, die vorgelegte eGK bei der erstmaligen Inanspruchnahme von Leistungen im Quartal auf Gültigkeit und Aktualität der Versichertendaten zu prüfen.
Liegen geänderte Patientenstammdaten bei einem Kostenträger vor, z. B. weil der Versicherte umgezogen ist, so sollen diese Informationen künftig auf der Karte aktualisiert werden können.

Was bringt’s dem Patienten?
Im Rahmen der ConHIT, der Berliner Messe für Health-IT, wurden im April bereits erste Anwendungen vorgestellt, mit denen der Bürger zukünftig seine eGK auch selbstständig sinnvoll nutzen können soll (s. http://www.heise.de/newsticker/meldung/Gesundheitskarte-Der-muendige-Buerger-kommt-an-seine-Daten-1558092.html).
Er soll z.B. in der Lage sein, an entsprechenden Terminals, sogenannten Wartezimmer-Kiosken, die eigenen Stammdaten auszulesen und zukünftig auch zu aktualisieren. Diese Terminals warten derzeit noch auf die Freigabe durch die Gematik GmbH, die aber dieses Jahr noch erfolgen soll. Weiterhin soll es auch Softwarelösungen geben, die es dem Nutzer ermöglichen, online von zu Hause aus mittels seiner eGK mit der Krankenkasse zu kommunizieren. Erste Entwicklungen hierzu gibt es z.B. vom Fraunhofer Institut Fokus in Zusammenarbeit mit der TK. …und den Ärzten?
Besonders interessant wäre es sicherlich, endlich eine sichere Möglichkeit der Online-Kommunikation zwischen Arzt und Patient sowie zwischen Arzt und Arzt einzuführen, die beispielsweise auch den Austausch sensibler Daten, wie etwa digitaler Röntgenbilder, erlaubt. Eine Anwendungssoftware in diesem Zusammenhang wurde beispielsweise im März auf der Cebit vorgestellt: Die SignaturApp mittels der zukünftig auch qualifizierte elektronische Signaturen (QES) erzeugt werden können, die rechtlich der handgeschriebenen Unterschrift gleichstehen (s.http://www.heise.de/newsticker/meldung/Signieren-mit-eGK-eAT-und-nPA-1466244.html). Derzeit gibt es jedoch, bis auf die Existenz der Software und Testsysteme, noch keine praktische Umsetzung dieser Idee auf dem Markt, da es bisher an verfügbaren Realisierungen der theoretischen Möglichkeiten im Unternehmensumfeld mangelt.

Was macht eigentlich der elektronische Zahnärzteausweis in diesem Zusammenhang?
Im Hinblick auf den elektronischen Zahnärzteausweis, mit welchem ebenfalls eine QES ermöglicht werden soll, um beispielsweise auch elektronische Kassenabrechnungen durchzuführen, gibt es seit Ende 2011 nichts Neues (s. http://www.bzaek.de/nc/berufsstand/zahnaerztliche-berufsausuebung/telematik.html?sword_list%5B0%5D=egk).

Wie weit ist die Verbreitung der eGK?
Sie schreitet unter den gesetzlich Versicherten enorm voran: heise berichtet, dass bis Ende 2012 sogar die gesetzlich festgelegte Zielvorgabe der Ausstattung von 70 % der Versicherten überschritten werden wird.

Wie stehen die Ärzte inzwischen zu dem Projekt? Was machen die Gegner? Selbstverständlich ruhen auch die Kritiker des Projekts nicht: Der Ärztetag hatte ja 2010 bekanntlich beschlossen, dass die eGK gescheitert sei (s. http://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/gesundheitskarte/article/814270/aerztetag-beschliesst-e-card-gescheitert.html): „Der gigantomanische Anspruch, durch eine flächendeckende Elektronifizierung der Patientenversorgung unter Führung der Krankenkassen sowohl transparente Patienten wie auch transparente Ärzte herzustellen, widerspricht elementaren ärztlichen Grundwerten“. Ebenso ist auch das Aktionsbündnis „Stoppt die eGK“ weiter aktiv und forderte vor der CeBIT 2012 das Ende des Projekts (s. http://www.heise.de/newsticker/meldung/eGK-Aktionsbuendnis-warnt-vor-Risiken-und-Nebenwirkungen-1543860.html). Auch z.B. die Piratenpartei lehnt das weitere Rollout ab (s. http://wiki.piratenpartei.de/AG_Elektronische_Gesundheitskarte ). Vertreter vermittelnder Standpunkte befürchten – meines Erachtens zu Recht – dass sich die Ärzte durch eine einseitige Blockadehaltung von der konstruktiven Diskussion selbst ausschließen (http://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/gesundheitskarte/article/814539/standpunkt-e-card-weg-online-konsens.html).
Inzwischen gibt es in der Ärzteschaft durchaus die Erkenntnis, dass die telemedizinische Versorgung von Patienten aus dem Praxisalltag nicht mehr wegzudenken sei (s. http://www.bundesaerztekammer.de/page.asp?his=3.71.8899.9873.9877).

Wie ist die Situation bei den ablehnenden Patienten?
Auch auf Seiten der Patienten gibt es nach wie vor hartnäckige Verweigerer: Am 28. Juni diesen Jahres wurde am Sozialgericht Düsseldorf der Fall eines Mannes verhandelt, der sich weigert, die eGK zu benutzen. Er führt hierfür vor allem Datenschutzbedenken ins Feld und wird von der freien Ärzteschaft unterstützt ( s. http://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/gesundheitskarte/article/815528/sozialgericht-duesseldorf-verhandelt-e-card.html).
Zwischenzeitlich ist das Urteil ergangen (Az. S 9 KR 111/09): Der Kläger hat verloren und kann sich daher nicht erfolgreich gegen die Verwendung der eGK wehren. In der mündlichen Urteilsbegründung stellte das Gericht dar, dass es gesetzlich keine Befreiungsmöglichkeit von der eGK gibt. Außerdem ist die Verwendungspflicht auch nicht verfassungswidrig. Das grundgesetzlich geschützte Recht auf informationelle Selbstbestimmung sei im Ergebnis nicht beeinträchtigt. Schließlich bestimme der Versicherte selbst über die zusätzlichen Informationen, die auf der Karte künftig gespeichert werden können. Die Basispflichtangaben unterscheiden sich demgegenüber nicht von den Angaben, die auf der bisherigen KVK enthalten seien.
Hinsichtlich der künftigen Zusatzdaten traf das Gericht keine Entscheidung darüber, ob die datenschutzrechtlichen Bedenken des Klägers tragfähig seien, da es nicht Aufgabe des Gerichts ist, eine umfassende Rechtmäßigkeitsprüfung vorzunehmen, sondern es ausschließlich um die Entscheidung der konkreten Klage gehe (s. auch http://www.justiz.nrw.de/JM/Presse/presse_weitere/PresseLSG/28_06_2012/index.php). Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Gibt es noch weitere Entwicklungen?
Auf Seiten der Verwaltung und der Politik gibt es ebenfalls neue Vorstöße: So soll ab 2017 die Information über den Organspende-Status auf der eGK verfügbar sein (s. http://www.heise.de/newsticker/meldung/Organspende-Status-soll-ab-2017-auf-die-Gesundheitskarte-1585039.html). Dies wird allerdings ausschließlich die zweite Generation der eGK betreffen, die in diesem Zeitraum wegen Ablaufs der verwendeten Kryptoalgorithmen, eingeführt werden soll. Die Information zur Organspendebereitschaft soll durch den Arzt und/oder den Patienten (z.B. mittels der Wartezimmerkioske) editierbar sein.

Und außerhalb Deutschlands?
Während in Deutschland also weitere nutzbringende Anwendungen der eGK weiterhin noch Zukunftsmusik sind, ist man im Ausland schon weiter: So werden in Frankreich bereits medizinische Daten unterschiedlichen Ursprungs miteinander in einer einrichtungsübergreifenden elektronischen Patientenakte (EPA) verknüpft und zentral gespeichert. Dabei hat der Patient die Entscheidungsfreiheit darüber, welche Daten gespeichert werden, wodurch eine hohe Akzeptanz erreicht wird (s. http://www.gesundheitskarte.net).

Zur verbesserungswürdigen Situation im deutschen Gesundheitswesen gab es kürzlich eine Studie der Unternehmensberatung Accenture, die dem deutschen System zwar ein großes Potential bescheinigt, aber aufgrund der deutschen traditionellen Nicht-Kommunikation insgesamt ein schlechtes Zeugnis ausstellt ( s. http://www.presseportal.de/pm/39565/2241576/accenture-studie-zum-gesundheitswesen-durch-die-nicht-kommunikation-elektronisch-erfasster-daten).

Fazit?
Insgesamt kann man also festhalten, dass sich in Deutschland extrem schwer getan wird mit der Einführung einer derartigen neuen flächendeckenden Technologie. Es bleibt abzuwarten, ob die schrittweise Einführung erfolgreich ist oder ob dies die Gegenwehr nur später auf den Plan ruft. Hauptgrund für die Schwierigkeiten ist sicherlich das in Deutschland traditionell stark ausgeprägte Datenschutzbedürfnis, welches existiert, solange es nicht um Facebook und die Nutzung von Smartphones geht – aber das ist ein anderes Thema. ;-)

Fortsetzung folgt…

Was Sie sich immer schon gewünscht hatten … Bestellung mit AERA

von Frank Lobeck


Wie bestellen Sie den Bedarf für Ihre Praxis?

Meist auf einem der beiden folgenden Wege:
• Der freundliche Stammberater von IHREM Dentaldepot kommt turnusmäßig vorbei, praktischerweise hat er eine Liste der von Ihnen regelmäßig bestellten Produkte bei sich, er weiß Ihre übliche Verbrauchsmenge bis zum nächsten Besuch, weist Sie auf Staffelrabatte, Neuigkeiten und vergessenen Zusatzbedarf hin. Es geht schnell, einfach und bequem, einen oder zwei Tage später erhalten Sie eine Lieferung, am Monatsende eine Sammelrechnung mit Ihrem persönlichen, großzügigen Sonderrabatt auf die Listenpreise.
• Eine Helferin taucht für ein bis zwei Tage in ein Meer von Katalogen, Internetrecherchen, Verpackungen, Bestellnotizen etc. ab. Preise, Mengen, Konditionen, Zuverlässigkeit werden so gut wie möglich geprüft, schließlich eine oder mehrere Bestellungen per Telefon, Mail, Fax oder online aufgegeben.
Seit mehr als 10 Jahren gibt es eine dritte Methode.
Wenn Sie sie kennen gelernt haben, werden Sie keine der beiden anfangs genannten jemals mehr in Betracht ziehen. Wollen Sie heutzutage einen Flachbildschirm, eine Urlaubsreise oder ein Möbelstück erwerben, geben Sie es gewohnheitsmäßig bei einem Preisvergleichsportal im Internet ein. Für „Materialien des täglichen privaten Gebrauchs“, etwa Lebensmittel oder Kleidung, funktioniert das weniger gut, es gibt niemanden, der die aktuellen Preise in eine entsprechende Online-Liste eingeben würde, dafür sind diese „Materialien“ einfach zu preiswert. Außerdem gibt es Discounter, die eigentlich jedes angebotene Produkt zu einem sehr ähnlichen Preis wie andere Discounter und zu einem deutlich geringeren Preis anbieten, als „Nicht-Discounter“. Dieses „Problem“ der grundsätzlich zu preiswerten Produkte tritt allerdings im Dentalbereich bekanntermaßen grundsätzlich nicht auf.

Jetzt stellen Sie sich vor, es gäbe eine Software für (fast) ALLE zahnärztlichen und zahntechnischen Verbrauchsmaterialien, Instrumente, Geräte, Ersatzteile … Sie könnten von allen führenden und weniger führenden Allround-Depots, Dental-Handelsverbünden, Versendern undkleinen Depots alle Angebote an einer Stelle ansehen. Sie könnten ein Produktnamen eingeben (ich gebe zu, die Suchfunktion ist nicht so luxuriös, wie bei Google, leider gibt es hier keine „fuzzy logic“ mit „meinten Sie?“) und seinen Preis bei all diesen Anbietern (manchmal nur wenige, bei gängigen Produkten oft bis zu 50 verschiedene) vergleichen. Sie erhielten eine Auflistung nach Stückpreis geordnet, könnten Verpackungen und Staffelungen ablesen, Sonderangebote erkennen, eigene Rabatte eingeben, Versandkonditionen abfragen, einen Warenkorb anlegen…
Wäre das nicht schön?
Tatsächlich gibt es das. Der(kostenlose) AERA-Onlineauftritt bietet diese Möglichkeiten, das (kostenpflichtige) Programm AERA noch viele weitere bis hin zum Materialwirtschafts-System, deren Darstellung den Rahmen hier sprengen würde.
Hier soll es zunächst um den entscheidenden Aspekt gehen, den Preisvergleich. Betrachtet man die Flut der Werbeprospekte von Dentalhändlern, die ständig in die Praxis flattern, wird eines schnell klar: Zahnärzte sind geil auf Rabatte. Da gibt es Osterrabatt und WM-Rabatt, Mengenrabatt, Rollkoffer und Kosmetikgutscheine, Dekogeschirr und Handtaschen – bis hin zum I-Pad und Quad bei entsprechender Bestellsumme.
Zentrale Funktion von AERA ist deshalb eben der Preisvergleich. Diverse Produktkataloge, aber auch Sonderangebote werden entweder von den Anbietern selbst zugeliefert, oder von AERA aus gedruckten Firmenkatalogen eingepflegt. AERA selbst gibt die Zahl der Angebote mit einer Million an, die Zahl der Lieferanten mit 300.
http://www.aera-online.de/Asps/Film.asp?gFilm=AO_Neueinsteiger (4 Minuten)
Sie werden es kaum glauben:
Jedes Material, jedes Instrument, jedes Gerät können Sie zu sehr unterschiedlichen Preisen erwerben. Unterschiede von 100 % sind häufig, auch der Faktor 3 ist gar nicht so selten.
Was aber nützt Ihnen der tolle „persönliche“ Rabatt von 40 % auf einen Preis, der leider beim Doppelten der Preise im günstigen Anbieterdrittel liegt?
Auch nach Jahren intensiver Nutzung ist es immer wieder eine „Erleuchtung“, wenn man feststellt, dass beispielsweise der Set mit dem Spezial-Matrizenspanner für die vorbombierten Bänder mit dem „Kunststofftönnchen“ für 110 € erstanden werden kann – oder aber auch für 220 €. Eine Tube Abformmaterial für 15 € oder für 25 €, ein Karton mit 3000 Falthandtüchern für 17 € oder für 35 € und so weiter, etc. pp. Das Schönste ist dabei, dass man – ganz nebenbei – oft auch noch entdeckt, dass es neben dem preiswerten hochpreisigen Produkt – etwa kabellosen Polymerisationslampen verschiedener Firmen von 700 Euro bis 1200 Euro – an dem Sie bereits durch den Preisvergleich mehrere Hundert Euro sparen können, auch noch Niedrigpreis-Geräte gibt – für 200 Euro! Ja, und die sind teilweise ganz genauso gut (wir haben zwei verschiedene inzwischen seit 2 Jahren im Einsatz), wie die ganz teuren.
Wir hatten nach schlechten Erfahrungen mit einem „Marken“-Gerät von einem deutschen Hersteller (zweiteiliges Kunststoffgehäuse quoll an der Naht durch die Wisch-Desinfektion irreparabel auf) und teilweise guten Erfahrungen mit einem anderen „Markenprodukt“ (nahtlose Metallhülse, hier jedoch Probleme mit mehrfach defektem und teuer zu ersetzendem Akku) uns für ein „Billig“produkt mit ebenfalls nahtloser Metallhülse entschieden. Es ist praktisch baugleich (ja, mit Softstart, Pulsmodus, einstellbarer Dauer, Tonsignal, LED-Display, Ladegerät, schickes Design …) zum zweitgenannten Gerät, für seinen Anschaffungspreis von um die 200 Euro bekommen Sie bei der anderen Firma aber gerade mal anderthalb Ersatzakkus.
Für diese Preisunterschiede muss ein Zahnarzt teilweise schon ein Weilchen bohren, und bei fünfstelligen Bestellsummen im Jahr kommen da schon ein paar tausend Euro Ersparnisse zusammen.
Warum ich Ihnen das erzähle? Weil ich hoffe, dass die steigende, geballte Kaufkraft der wachsenden Zahl preisbewusster Zahnärzte (bis jetzt vielleicht ein Viertel?) die „Mondpreise“ gewisser Depots bald der Vergangenheit angehören lassen.
Der Schlusssatz gebührt AERA selbst: „Lieber zu AERA, als zu teuer“.

Erzeugung eines Ferruleeffektes durch Extrusion eines Frontzahnes postendodontisch

von Chevan Sterf

Am 15.5.2010 stellte ich einen Fall eines Frontzahnes 21 vor, der mit einem sehr langen Metallstift postendodontisch versorgt worden war und nach bakterieller Kontamination eine apikale Läsion mit Fistelung ausbildete.
Damals gelang es, den Stift zu entfernen und im Rö Recall eine biologische Ausheilung der Fistel und des Defektes nachzuweisen.
Knapp 1 Jahr später entschloss sich die Patientin, meinen Empfehlungen zu folgen und etwas für die Stabilität der künstlichen klinischen Krone zu tun.
Der Zahn war bis subgingival zerstört; der präendodontische Kompositaufbau in Kronenform endete somit fast auf Knochenniveau. Stabilität und Hygienefähigkeit waren sehr schlecht.
Um eine Krone mit dem Abstand der notwendigen biologischen Breite des marginalen Zahnhalteapparates zum Knochen und um eine Fassung des Zahnes apikal des Aufbaus um 1-2 mm zu realisieren ( Ferruleeffekt), mußte ein Eingriff in dieser Zone geplant werden.
Eine klinische Kronenverlängerung kam aufgrund der Frontästhetik und der Stumpfrestlänge nicht in Betracht. Somit wurde eine kieferorthopädische Extrusion durchgeführt: Die Zähne 23 – 12 wurden mit Bracketts beklebt und dadurch gezielte Kräfte zur Extrusion von 21 ermöglicht. Binnen drei Wochen wurden die zervikalen Gingivafasern regelmäßig alle 3-4 Tage durchtrennt, um so eine gezielte isolierte Extrusion nur des Zahnes und nicht samt des Knochens zu ermöglichen.
Nach einer Retentionsphase von 3 Monaten wurden Langzeitprovisorien für die Zähne 12-22 umgesetzt, um alte insuffiziente Kronen und die Zahnfleischästhetik zu optimieren. Die Kronen 12,11 und 22 waren stark subgingival extendiert ohne anatomische Präparation und wiesen abstehende, traumatische Ränder.

Der Zahn 21 bot nach der Extrusion ideale Präparationsbedingungen: 2mm Stumpffassung waren ohne Gingivatraumatisierung präparierbar!

Nutzung von Teflonband bei der Herstellung eines direkten Brückenprovisoriums

von Maik Göbbels

Es gibt Situationen, bei denen ein Patient im Anschluss an die Extraktion eines Zahnes im Frontzahngebiet einen herausnehmbaren Interimsersatz bis zur definitiven Versorgung nicht wünscht. Alternativ ist in diesem Fall das Beschleifen der Nachbarzähne und nach Extraktion die sofortige Versorgung mittels direktem Brückenprovisorium möglich. Bei dessen Herstellung ist es problematisch, wenn frische Extraktionsalveolen mit dualhärtendem Kunststoff in Verbindung treten. Gleichzeitig bietet das Koagulum nicht ausreichend Widerstand und es kommt mitunter zu Auspressungen von Kunststoff in die Alveole.

Um dem entgegen zu wirken bietet sich hier die Verwendung von Teflonband an. Nach Beschleifen der Nachbarzähne und Extraktion des betreffenden Zahnes muss zunächst die Ausbildung des Koagulums abgewartet werden. Zur Beschleunigung der Bildung und für eine festere Konsistenz kann man ein Gelatineschwämmchen (Gelastypt) in die Alveole einlegen. Anschließend wird die umgebene Gingiva mit einem Tupfer getrocknet. Jetzt lässt sich ein Stück Teflonband problemlos über der Alveole platzieren und mittels Kugelstopfer zur Aufnahme eines Pontics ausformen (Bild 1). Das Band schützt die Extraktionswunde bei der Herstellung des direkten Provisoriums (Bild 2). Nach Eingliederung und Entfernung der Zementüberschüsse kann es leicht unter der provisorischen Brücke herausgezogen werden (Bild 3).

Getinge K5 – Erfahrungsbericht nach 2 Jahren

von Frank Lobeck

Nach mehr als 10 Jahren, die wir in unserer kleinen Praxis mit insgesamt drei Statim-Kassettenautoklaven von SciCan (2×2000 und 1×5000 in wechselnden Kombinationen) ausgekommen waren (wir hatten bereits von 1994 an alle Übertragungsinstrumente nach jeder Behandlung sterilisiert), musste zum Jahreswechsel 2009/2010 endgültig ein B-Autoklav angeschafft werden.

Durch viele „Horrormeldungen“ über teure, wartungsintensive und störungsanfällige Modelle bekannter inländischer Hersteller sensibilisiert, hatte ich mich schon mehrere Jahre im Vorfeld über Alternativen informiert und war bald auf die seit Jahrzehnten einschlägig erfahrene große schwedische Firma Getinge mit ihren Modellen K3, K5 und K7 gestoßen. Überzeugend wirkten bereits die Garantiedauern von 2 Jahren auf das Gerät, 5 Jahren auf die Vakuumpumpe und je 10 Jahren auf Heizelemente und Kammer. Sie zeugen davon, dass der Hersteller selbst offenbar sehr von seinem eigenen Produkt überzeugt sein kann.

Mich reizten das schlichte Design, die robuste Ausführung in Metall und die clevere Konstruktion mit quaderförmiger Kammer und innenliegender Schiebetür. So wird eine optimale Ausnutzung des Raumes erreicht, sowohl im Gerät, wo sich die gesamte Kammer mit Tabletts füllen lässt, als auch in unserem kleinen schmalen Zentralraum. Die Kammertür bleibt stets auf die Gerätedimension beschränkt (steht nicht im Weg), man kann nicht dagegen laufen, sich daran nicht stoßen oder verbrennen, sie kann nicht abgerissen oder abgesprengt werden.

Nach zwei Jahren im Einsatz lässt sich sagen, wir haben unsere Kaufentscheidung noch an keinem Tag bereut. Wir haben uns nicht für den gerade ausreichend großen und preiswerteren K3 entschieden, sondern für den etwas großzügiger dimensionierten K5 (5 Tabletts). Es werden bei uns stets verpackte (zunehmend mehr) und unverpackte Instrumente (immer weniger) sterilisiert, dabei erfolgt eine Chargenkontrolle mit TST-Loadcheck (Kunststoff-Helix) von Browne/Steris.

Das Gerät läuft mehrmals täglich einwandfrei (bisher ca. 1500 Zyklen). Defekte, Ausfälle, Reparaturen gab es keine. Nur der USB-Stick des Data-Loggers, mit dem wir die Prozessdaten in einen separaten PC übertragen (Sego-Soft-Programm) musste einmal ausgetauscht werden (was aber ggf. auf einen unsererseits erzeugten Formatierungsfehler zurückzuführen war).

Ja, die Folientastatur ist etwas träge, ansonsten haben wir aber nur solche Nachteile festgestellt, die alle anderen B-Autoklaven auch mitbringen:

· Hohe Anschaffungskosten (mit Datenaufzeichnung netto ca. 6000 Teuronen)
· Hohe Geräuschentwicklung (über 50 dB)
· Starke (aber trockene) Wärmeentwicklung, im Winter wird keine Heizung im Zentralraum benötigt, im Hochsommer …
· Lange Aufheizzeit (ca. 30 Minuten)
· Teure Jahreswartung (500 €)

Wir verwenden selbst hergestelltes destilliertes Wasser, das wir nach einfachem Ablassen (unten) ebenso einfach nachgießen (oben). Es lässt sich aber auch ein Wasseraufbereitungsgerät von Getinge unmittelbar zwischen Trinkwasserleitung und Autoklaven anschließen (etwas Platz vorausgesetzt).

Folgende Vorteile sind zu verzeichnen:

· Absolute Zuverlässigkeit, kein zwingender Bedarf für Doppelanschaffung
· Genügend Platz für Instrumente
· Einfache Bedienung
· Durchdachte, „aufgeräumte“ Konstruktion außen wie innen
· Sinnvoller Türmechanismus (siehe oben)
· Vertretbare Laufzeit (25 Minuten) für B-Programm, das „Schnellprogramm“ wurde bisher von uns nicht benötigt
· Sehr gute Trocknung

Insgesamt sehen wir keinen Grund, einen anderen Autoklaven jetzt oder in Zukunft auch nur in Erwägung zu ziehen, können also die bisherigen Ausführungen von Herrn Kaaden vom 22.2.2012 und Herrn Habash vollinhaltlich bestätigen.

EndoxPlus – der heiße Draht neu aufgelegt

von Stefan Verch

Neben den herkömmlichen bewährten Desinfektions- und Gewebeauflösungsmethoden für die Wurzelkanalbehandlung kamen in letzter Zeit diverse neue Methoden auf dem Markt, um die folgenden Unzulänglichkeiten der bewährten Methoden zu ergänzen – oder gar zu ersetzen:

  • Gewebeauflösung und Desinfektion in Nischen bei ovalen Kanälen und Isthmen
  • Vor allem im apikalen Bereich und schwer zugänglichen, nicht einsehbaren Bereichen nach Krümmungen
  • Gewebeauflösung und Desinfektion in „schwarzen“ hoch kontaminerten Kanalwandbereichen
  • Wirkung bis in die Tiefe der Dentinwand/ Tubuli hinein
  • Entfernung von Gewebe, das durch Perforationen in das Kanallumen hinein wuchert
  • Kanaltrocknung
  • Smear Layer Auflösung

Zu nennen sind die SAF Methode, Laser und Endox: letztere Methode bedient sich hochfrequenter Stromimpulse (100 – 140 ms)ähnlich den Gingivektomie Schneidegeräten, die Gewebe und Bakterien durch Hitze karbonisieren kann.

Endox wurde in den 90er Jahren von Vittorio Sacchi entwickelt und von Orangedental vertrieben.

Die Firma ENOS Swiss hat nun die Lizenzen und Patente dieses Systems rechtlich zugesprochen und bestätigt bekommen und vertreibt die Neuauflage des Systems unter dem Namen EndoxPlus.

Details sind auf der Homepage http://www.enosswiss.com abrufbar.

Das alte Endoxgerät darf und wird nicht mehr vertrieben werden; mit dem neuen EndoxPlus Gerät steht ein weiter entwickeltes, komfortableres Gerät zur Verfügung.

Es zeichnet sich aus durch:

  • um bis zu dreifach höhere Leistung gegenüber dem alten Endox Gerät
  • bessere Feinjustierungen der Impulsstärke ( Länge des Impulses, Stärke des Impulses und Ableitfähigkeit)
  • Akku Antrieb, der sicher eine Komplikation unkontrollierter 220 V Spannung des alten Gerätes im Komplikationsfall für den Körper ausschließt
  • einer angenehmeren Gerätegröße und Oberfläche

Das Gerät ist als Zusatz zu den herkömmlichen Methoden einzusetzen.

Aufgrund seiner Wärmeimpulssetzung ist es in der Lage, Gewebe und Bakterien zu zerstören und zu karbonisieren. Initial eingesetzt bei der pulpitischen Wurzelkanalbehandlung ist es in der Lage, Flare ups wirkungsvoller als herkömmliche Methoden zu minimieren.

Die bestehende Literatur bescheinigt dem alten Endox Gerät in diesen Bereichen gute Werte bei klinisch geringen Schädigungen des Dentins und des Parodonts.

Trotzdem wollte ich diese Werte nicht automatisch auf das neue Gerät übertragen sehen: ein neues Gerät ist ein Gerät, das getestet werden muß. Deswegen habe ich für die Firma eine Studie gemacht, um zunächst die Bakteriendesinfektionswirkung zu testen. Wie im Prüfprotokoll auf der Website http://www.enosswiss.com nachlesbar, habe ich dazu Zähne aufbereitet, sterilisieren lassen und dann nach Beimpfung mit EndoxPlus behandelt und vom renommierten Institut ecoscope mikrobiologisch auswerten lassen.

Das Ergebnis ist vielversprechend: die vermutete Hitzewirkung kann Bakterien gegenüber einer unbehandelten, beimpften Gruppe um bis zu 99,9 % reduzieren.

Schwachstellen dieses In – vitro – Versuches ist die möglichst genaue Imitierung klinischer Ableitungsverhältnisse, die jedoch im Versuchsaufbau durch die Leitfähigkeit von Agarmedium gewährleistet war.

Gerade in den oben genannten zusätzlichen  Indikationen  – und zwar in allen genannten – ist das Gerät für mich daher eine sinnvolle Ergänzung meines Protokolls.

Geplant sind weitere In – vitro – Versuche, die dann auch die Potenz der Gewebeauflösung bis in die Tiefe der Kanalwand und die geringe Gewebeschädigung der Hartsubstanzen und des Parodonts untersuchen sollen.

Erklärung: Zwischen dem Autor und der Fa. Enos bestehen keine wirtschaftlichen Beziehungen. Die Fa. Enos hat die mikrobiologische Auswertung und die Reisekosten des Autors zur Versuchsdurchführung am Bodensee finanziert. Die Versuchsdurchführung wurde vom Autor ohne Honorar durchgeführt.

Sony NEX 7 am Dentalmikroskop

von Jürgen Wettlauffer

Mein erster Eindruck ist, dass mit der Nex 7 deutlich bessere Bilder zu erzielen sind als mit meiner Lumix GH1. Ich denke die Lumix ist veraltet und entspricht nicht mehr dem aktuellen Stand der Technik. Ich glaube allerdings auch, dass das kleinere Modell (Sony Nex 5N) die gleichen Ergebnisse am Mikroskop erzielt.

Mein Adapter (Hanchadent) und mein Kaps- Mikroskop sind gleich geblieben. Ich bin sicher, dass die aktuellen Kameras an den neuen HD-Kamera-Adaptern das Maximum an Bildqualität herausholen.
Neben den bekannten Schwierigkeiten gute Fotos mit „Consumer-Cameras“ an Mikroskopen zu erzielen ist der „Flaschenhals“ heute die Optik der meisten Mikroskope. Diese wurden in den 80er gerechnet, als es noch keine Digitaltechnik in der Fotografie gab. Das gleiche Problem tritt mit den alten Kamera Objektiven aus „Analog-Tagen“auf. Die Qualität dieser „Analog“-Objektive reicht für die Digitalkameras nicht aus. Ausnahme sind die Objektive von Leica. Die alten „Gläser“ von Leica waren schon immer viel besser als der analoge Film auflösen kann. Daher sind diese Optiken noch heute an den Digitalkameras exzellent.
Jetzt wird es Zeit, dass Mikroskophersteller mal anständige Optiken liefern, die mit den Kameras mithalten. Ich bin gespannt was die Zukunft uns bringt.

Bye, bye OOO – Hello JOE ?

von Marc Semper

Zum 1. Januar 2012 wurde die Endodontie-Sektion des Triple O eingestellt [1]. Eine kurze Ära geht zu Ende, die zum einen für hervorragende Literatur stand, wie auch mit großen Namen verbunden war. Diese Sektion wurde im Jahre 1995 in die Zeitschrift aufgenommen und wichtiger Bestandteil dieses Journals. Hervorzuheben ist die Arbeit von Dr. Larz Spångberg, der von 2000 bis 2011 als Section Editor fungierte.

Warum hat man sich zu diesem Schritt entschlossen?
Das Journal of Endodontics [JOE] unter der Leitung von Dr. Kenneth Hargreaves gehört mittlerweile auch zur „Elsevier-Familie“. Zu den Top-5-Zeitschriften für Zahnmedizin – in Bezug auf die Impact-Faktor [2] – gehörend, soll nun das JOE als die Standard-Publikation für die endodontische Spezialität dienen. Die Fokussierung des Triple O wird auf den Bereichen Chirurgie, Medizin, Pathologie und Radiologie liegen. Grundsätzlich ist diese Entscheidung der Herausgeber im Sinne der Konzentration auf ein Journal sicher sinnstiftend. Wichtig bleiben wird das Triple O für diejenigen Endodontologen, die sich intensiver mit den radiologischen Untersuchungsverfahren befassen und natürlich seiner Literaturdatenbank wegen. Wichtig wäre es aber auch gewesen, die Leser im Vorfeld über diese sicher nicht spontane Verlagsentscheidung in Kenntnis zu setzen. OOOOE kostet in 2012 auch ohne E $ 327.

[1] M W Lingen, Looking back as we move forward, Editorial, OOO, 113 (1)

[2] The Journal of Endodontics is ranked 3rd out of 74 journals in the Dentistry, Oral Surgery & Medicine category on the 2010 Journal Citation Reports®, published by Thomson Reuters, and has an Impact Factor of 3.291. http://www.jendodon.com/aims

Wenn ich ein Schreiner wär….

von Thomas Weber

Seit einigen Tagen gilt sie, die neue GOZ. Verlage und Kammern überschlagen sich mit neuen Kommentaren und Kursen. Was geht wie? Welche Ziffer wann und wie oft? Und in den deutschen Zahnarztpraxen rauchen die Köpfe bei der Einstellung der Praxis-EDV, es glühen die Hotlines bei den Softwarefirmen und auf etlichen E-Mail-Listen ist die Berechenbarkeit und die mögliche Erstattungsfähigkeit spezieller Leistungen seit Tagen das Top-Thema.

Der Alltag hat uns wieder. Wiedereinmal versucht der Zahnarzt, der ja praktisch veranlagt ist, aus den Steinen, die man ihm in den Weg legt, etwas zu bauen, was ihm ein irgendwie hinreichendes Auskommen sichert. Denn auch eine schlechte, völlig unzureichende Gebührenordnungsvorgabe des Staates ist offenbar besser als gar keine.

Dabei bleibt uns doch ein Königsweg offen: die „freie Vereinbarung“ nach § 2 der GOZ:

Durch Vereinbarung  zwischen Zahnarzt und Zahlungspflichtigem kann eine von dieser  Verordnung abweichende  Gebührenhöhe festgelegt werden.

Gut, im Notfall darf man seine Hilfe nicht von einer solchen Vereinbarung abhängig machen. Und auch diese Vereinbarung unterliegt einer Form, die im Absatz 2 des Paragraphen 2 geregelt ist. Ansonsten scheint die Kalkulation offen. Das ist doch was. Keine Begründungspflicht für unseren kalkulierten Preise.  Etwas was Erstaunen und Zweifel hervorruft, aber nur ,weil wir Zahnärzte schon solange dieses Joch mit uns herumtragen, dass wir es als selbstverständlich, vielleicht sogar unverzichtbar empfinden.

Aber ist  etwa ein deutscher Schreiner verpflichtet zu begründen, warum die von ihm
angebotene Tür soviel kostet, wie sie kostet? 

Nein, er wird vielleicht im Angebotsgespräch auf die Qualität des von ihm verwendeten Holzes hinweisen, auf die besonders haltbaren aus deutscher Fertigung Beschläge, die er mit anbietet. Auf seine langjährige Erfahrung in der Herstellung von Türen. Auf seine neue, lasergesteuerte Spezialsäge, die nahezu vibrationsfrei und materialschonend den perfekten Zuschnitt gewährleistet. Auf seine Zuverlässigkeit, seine Termintreue und seinen Entsorgungsservice. Er wird garantieren, dass seine Tür passt, anders als vielleicht die aus dem Baumarkt.
   
Und: natürlich wird er sich bei der Berechnung seiner Gewinnspanne auch nach der Ortsüblichkeit richten.

Aber er wird niemals eine Tür anbieten zu einem Preis, der seine Kosten nicht deckt.
 
Auf seiner Rechnung wird erscheinen:  „für Lieferung und Einbau einer Tür x Euro“,

und kein Konvolut von Leistungspositionen wie zum Beispiel: Anpassen der Bodenfreiheit, je laufendem Zentimeter, Anbringen von Türbeschlägen, je Türseite, oder: Einhängen einer Tür bis 25 kg, je Scharnier, Überprüfung und ggf Nachfetten der Scharniergängigkeit oder Nachpolitur einer vorhandene Zarge. Es gibt eben keine amtliche Gebührenordung für Schreiner, die ihm verbietet zum Beispiel das Schleifen einer Tür zusätzlich zur Lackierung zu berechnen, weil ja das Schleifen notwendiger Handwerksschritt für die Lackierung sei, die 
Lackierung sozusagen als Zielleistung das Schleifen natürlich beinhalte.

Auf seiner Rechnung wird aber immer erscheinen: die benötigte Zeit für seine Leistungen, die Stunden seiner Mitarbeiter und Angestellten, die bei der Herstellung und dem Einbau der Tür angefallen sind. Bei meinem Schreiner ist es jedenfalls so. 

Auf seiner Rechnung wird neben den teuren Beschlägen und Scharnieren  auch die Position „Kleinteile und Verbrauchsmaterial, pauschal“, erscheinen, weil es eben keine Schreinergebührenordnung gibt, die ihm vorschreibt, dass er den Leim, sein Schleifpapier, seine Schrauben und sein Abklebematerial als typisches „Werkstattsverbrauchmaterial“ gar nicht berechnen darf.

Und es gibt keine Schreinergebührenordnung, weil es keine freie Holzverarbeitungsfürsorge und keine private Schreinerkostenversicherung gibt. 

Und trotzdem kann ein Schreiner so überleben. Ein guter Schreiner kann sogar gut überleben.Und es gibt Schreiner, die in der Insolvenz landen. 

Bei den Zahnärzten gibt es die latente Furcht, dass es ohne Gebührenordnungen gar nicht ginge. Es ginge sehr viel besser, aber das ist in einem Land wie Deutschland einfach nicht denkbar.

Wie aber soll ein Patient jemals den Unterschied zwischen Berechnungsfähigkeit und Erstattungsfähigkeit verstehen, wenn schon im Vorfeld die Erstattungsfähigkeit die Berechnungsfähigkeit schlägt?

Ich bin nicht der Zuschussbeschaffer meiner Patienten. Ich bin nur ihr Zahnarzt. Und ich bin keinem Patienten böse, wenn er zu einem anderen Zahnarzt geht, der ihm günstigere Angebote macht.

Aber ich bin kein Schreiner. Und ich praktiziere in Deutschland, in der Freiberuflichkeit als Zahnarzt schon lange nicht mehr berufliche Freiheit bedeutet. Deutschland wäre nicht Deutschland, wenn der in einem Paragraphen eröffnete Spalt zur beruflichen Freiheit, nicht in einem anderen wieder zugeschlagen würde:

Die herbe, ernüchternde Realität ereilt uns im Absatz 3 des Paragraphen 10, der die Fälligkeit der Vergütung und Rechnungslegung der GOZ beinhaltet.

Überschreitet die berechnete Gebühr nach Absatz 2 Nr. 2 das 2,3fache des Gebührensatzes, ist dies  auf die einzelne Leistung bezogen für den Zahlungspflichtigen verständlich und nachvollziehbar schriftlich zu begründen. Auf Verlangen ist die Begründung näher zu erläutern.

Soweit im Falle einer abweichenden Vereinbarung nach § 2 auch ohne die getroffene Vereinbarung ein Überschreiten der in Satz 1 genannten Steigerungssätze gerechtfertigt gewesen wäre, ist das Überschreiten auf Verlangen des Zahlungspflichtigen zu begründen; die Sätze 1 und 2 gelten entsprechend. Die Bezeichnung der Leistung nach Absatz 2 Nr. 2 kann entfallen, wenn der Rechnung eine Zusammenstellung  beigefügt ist, der die Bezeichnung für die abgerechnete Leistungsnummer entnommen werden kann. Bei Auslagen nach Absatz 2 Nr.5 ist der Beleg oder ein sonstiger Nachweis beizufügen. Wurden zahntechnische Leistungen in Auftrag gegeben, ist eine den Erfordernissen des Absatzes 2 Nr. 5 entsprechende Rechnung des Dentallabors beizufügen; insoweit genügt es, in der Rechnung des Zahnarztes den Gesamtbetrag für diese Leistungen anzugeben. Leistungen, die auf Verlangen erbracht worden sind (§ 1 Abs. 2 Satz 2 und § 2 Abs. 3), sind als solche zu bezeichnen.

Und so wird die „freie Vereinbarung“ doch noch zur „Begründungsfalle“, der Traum vom Honorarfreiheit zum bürokratischen Monstrum.

Da lachen PKV und Kostenerstatter.

Und die berufliche Freiheit verliert wieder einmal.

Der Traum von der Freiheit des Schreiners ist ausgeträumt.

Frontzahntrauma – Wurzelkanalbehandlung: Ja oder Nein ?

von Stefan Verch

Befund:
Junge, 10,5 Jahre alt:
FZ Trauma 1,5 Jahre zuvor: schwere Intrusion, so daß 21 völlig und 11 fast unter Gingiva verschwunden
Rotation 11,21 um 90 Grad
21 und 11 tiefe Kronenfraktur ohne Pulpenexposition

Therapie bis heute:
Spontandurchbruch 11
Danach Freilegung (Laser) 21 und Brackettklebung an 21 und 11 und kieferorthopädische Extrusion
21 und 11 stehen derotiert und nahezu harmonisch im Zahnbogen
11 EPT positiv – 21 EPT negativ
Keinerlei klinische Beschwerden ( Fistel/Schnerzen usw.)

Keine unterschiedliche Colorierungen 21,11

Rö-Befund:
PAR- Spalt scheinbar durchgehend
Keine Anzeichen für Resorptionen
Dezente Dentin Verengung des Orificiums 21
Normale Wurzellängen

Therapiemöglichkeiten:
• WKB 21 , weil nach 1,5 Jahren die Vitalität nicht wiedergekommen sein kann bei einer derartig heftigen Intrusion
• 21 ist Sensibiltitäts negativ; die Vitalität ist aufgrund der verschiedenen Indizien(keine Verfärbung, keine klinischen Problem, Dentinneubildung Orificiumbereich, keine Resorptionen) wohl positiv: es ist von einer natürlichen Revaskularisierung auszugehen: daher Recall Röntgen jährlich und zuwarten.

Durchgeführte Therapie:
Die immer noch bestehenden Kronenfrakturen sollen zeitnah mit Komposit rekonstruiert werden; 21 hat mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Vitalität, die durch Revaskularisierung nach der schweren Intrusion durch das weite Foramen apicale wiederhergestellt wurde.

Frontzahntrauma : WKB oder nicht WKB?!

von Stefan Verch

Patientin, 41 Jahre alt, Fahrradunfall:

Befund ein Tag post OP nach Erstversorgung im Krankenhaus:
11,21 stark gelockert – semirigide Schienung 13-23 für 14 Tage
22 tiefe Kronenfraktur ohne Pulpenexposition
23, 32 leichte Kronenfraktur
EPT: 11,22,23,32 positiv 21 nicht positiv
Weichteilwunde Oberlippe versorgt, keine Alveolarknochenfraktur
OPG unauffällig

Diagnose
Aufgrund der Schilderung der Patientin, daß die Zähne nur gelockert seien, war ein Tag post Unfall von einem Sensibilitätsverlust 21 auszugehen und einer Subluxation 11-22 sowie Kontussion 32 und 23
Therapie
Flow Kompositabdeckung 22 und 23 , Glättung 32 inzisal – Wiedereinbestellung 1 Woche später

Befund 1 Woche post Unfall
EPT 11,21,22 eindeutig negativ 11,21,22 beginnende, deutlich sichtbare Discoloration cervikal 23 unauffällig 32 stark kälte- und wärmeempfindlich ohne nachziehenden Schmerz Röntgen Einzelbild: Aufhellungen 11,21,22 Starker Vorkontakt 11,21 – Patientin erinnert sich nun auch, daß die Zähne „noch länger“ waren nach dem Unfall und daß die vollständige Reposition den Ärzten nicht geglückt sei.

Diagnose
11,21,22 erlitten nicht eine Subluxation, sondern eine Extrusion
Aufhellungen entzündlichen Ursprungs oder Ausdruck der Extrusionsbewegung
Sensibilität negativ: Nervale Versorgung unterbrochen
32 weiter sehr kälte- und wärmeempfindlich ohne nachziehenden Schmerz, Inzisalkante mit minimal freiliegendem Dentin

Therapiemöglichkeiten
• 11,21,22 keine Therapie: Vitalität könnte noch bestehen – engmaschiges Recall (Rö/EPT/klinisch); 32 Kompositaufbau Schneidekante und abwarten, weil es sich um eine reversible Pulpitits handelt; Vorkontakte 11,21 einschleifen
• 11,21,22 WKB, weil die Aufhellungen auf eine irreversible Ruptur des Gefäßnervbündels hinweisen oder gar bereits entzündlichen Ursprungs sind; und weil die beginnende Discoloration die Nekrose der Pulpa oder ein schweres irreversibles Hämatom anzeigen; 32 Kompositaufbau Schneidekante und abwarten, weil es sich um eine reversible Pulpitits handelt. Vorkontakte 11,21 einschleifen
• 21 WKB, weil dieser Zahn schon einen Tag post Unfall Sensibilitäts negativ war – 11,22 zuwarten; 32 Kompositaufbau Schneidekante und abwarten, weil es sich um eine reversible Pulpitits handelt. Vorkontakte 11,21 einschleifen
• 11,21,22 WKB, weil die Aufhellungen auf eine irreversible Ruptur des Gefäßnervbündels hinweisen oder gar bereits entzündlichen Ursprungs sind; und weil die beginnende Discoloration die Nekrose der Pulpa oder ein schweres irreversibles Hämatom anzeigen; 32 Kompositaufbau Schneidekante und WKB, weil es sich um eine irreversible Pulpitits handelt. Vorkontakte 11,21 einschleifen

Durchgeführte Therapie
Es wurde eine WKB 11,21,22 durchgeführt, weil sich binnen 1 Woche deutliche Zeichen einer Nekrose ergaben: während der Therapiezeigte sich an Zahn 21 eine blutleere Pulpa, die lediglich apikal dunkelrote, Pfropf ähnliche Blutanteile zeigte; 11 und 22 zeigten eine Pulpa, die dunkelrote, Pfropf ähnliche Blutanteile aufwies. 32 wurde zunächst nur mit einem Kompositaufbau versehen, weil die Chance einer Ausheilung der Pulpa gesehen wurde. 11,21 wurden eingeschliffen.

Ein Vorrats-Silo für Wurzelkanal-Spüllösungen – Coltene CanalPro Syringe Station

 von Andreas Habash

Wie bereits berichtet verwenden wir den Syringe Warmer nun routinemäßig in der Praxis. Ein weiteres Zusatzgerät, das vor Allem die zahnmedizinischen Assistentinnen begeistert hat, ist die CanalPro Syringe Station.
Endlich ist es möglich LuerLock Spritzen sauber zu befüllen. In der Syringe Station ist ein Plastik Behälter, der mit entsprechenden Spüllösungen befüllt werden kann. Es können aber auch fertig gefüllte Flaschen direkt bei Coltene bestellt werden. Hier gibt es NaOCL „Extra“, eine Variante mit einer Oberflächenmodifikation, NaOCL in 3% und 6% und EDTA in 17%. Diese Flaschen stecken dann kopfüber im Gerät.

An einem LuerLock Anschluss kann dann die entsprechende farbmarkierte Spritze befüllt werden. Hier besteht die Möglichkeit der Farbkodierung, entsprechend der Spritzenfarbe mit bunten Silikonringen. Wer also verschiedene Flüssigkeiten im Kanal anwendet kann mittels Farbkodierung bis zu fünf verschiedene Spülflüssigkeiten unterscheiden. Der LuerLock Anschluss schließt nach der „Befüllung der Spritze“ sauber und tropft auch nicht nach. Eine Diode zeigt einen leeren Behälter an.

Die CanalPro Syringe Station kann auch platzsparend mittels Dübel und Schrauben an der Wand befestigt werden.

Anbei Fotos:

„The heat is on“ – NaOCL Erwärmung Reloaded

von Andreas Habash

Immer wieder haben wir in der Praxis die Erwärmung von NaOCl und Composite in Angriff genommen (Kinderflaschenwärmer etc.) und mehrfach wegen verschiedenen Gründen (meist im Handling) wieder „verworfen“.

Seit einigen Wochen tut ein neues Gerät seinen Dienst, das uns jetzt den Komfort bietet, den wir gesucht hatten.

Der Coltene CanalProo Syringe Warmer erhitzt seit einiger Zeit unsere NaOCl Spritzen und erwärmt Composite Carpulen. In den USA wird das Gerät bereits länger von einer amerikanischen Firma angeboten. Die Lieferung in Deutschland erfolgt ausschließlich über Coltene.

Der Wärmer bietet Platz für bis zu 4 Luer Lock Spritzen der Größe 10ml und noch zusätzlich 2 Composite Carpulen.

Die Erwärmung erfolgt auf ca. 50° Celsius und wird im Gerät elektronisch geregelt, ist aber nicht weiter beeinflussbar.

Zwischen Geräteelektronik und Wärmeaufsatz sorgt eine Sammelschale aus Kunststoff dafür, dass versehentlich austretende Flüssigkeit aus den Spülspritzen gesammelt wird.

Die Determinanten des Erfolgs

von Steven Koppel

Es gibt viele Studien über die Dichtigkeit von Wurzelfülltechniken, es gibt Studien über die Korrelation zwischen Mißerfolg und koronalem Leackage.

Was ist jedoch verantwortlich für die biologische Heilung?

Die ausreichende Elimination der Infektionsquelle, so daß der Körper im Idealfall ein restitutio ad integrum schaffen kann.

Die erfolgreiche Desinfektion des Wurzelkanalsystems ist dabei die entscheidende Determinante, Wurzelfüllung und koronaler Verschluß eher die Verhinderer einer Reinfektion.

Auch wenn von Vertretern thermoplastischer Wurzelfülltechniken diesem Behandlungsteilschritt eine vorentscheidende Bedeutung beigemessen wird, im vorliegenden Fall fällt es nicht leicht, an die herausragende Bedeutung von Wurzelfüllungen im Hinblick auf den Behandlungserfolg zu glauben.

2010 wurde von mir  eine nekrotische Pulpa an Zahn 15 mit Parodontitis apicalis chronica entfernt; Es folgte die Wurzelkanalaufbereitung unter intermittiernder NaOCl – Spülung.

Der Zahn wurde mit einer Hypochlorit- CaOH2- Einlage versehen – und zeigte sich samt seiner Besitzerin erst ein Jahr später wieder dem Behandler. Die Besitzerin hatte keine Probleme und ließ daher andere, dazwischenliegende Termine verstreichen – sie dachte, daß der Zahn fertig behandelt sei.

Der Zahn war mit einer adhäsiven Aufbaufüllung versehen und mit Cavit und einer adhäsiven Füllung verschlossen. All dies unversehrt bei der Wiedervorstellung.

Ein Jahr später konnte nun die Wurzelkanalfüllung endlich erfolgen: auf der Röntgenkontrastaufnahme zeigte sich eine fast vollständige biologische Heilung gegenüber den Ausgangsbildern.

Welches war nun die entscheidende Determinante dieses Heilungsprozesses? Aufbaufüllung und Deckfüllung sicher nicht – und auch die medikamentöse Einlage dürfte ihre desinfizierende Wirkung bereits verloren haben und weit von einem dichten Verschluß entfernt sein, wie man ihn von  thermoplastischen Füllungen her kennt.

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Kofferdam – Absaugung

von Michal Dudek

Wenn mit Kofferdam gearbeitet wird, ist es notwendig, Kühlwasser, Desinfektionslösung oder andere Flüssigkeiten, dies sich oberhalb des Kofferdams ansammeln, abzusaugen. Im Falle, daß ohne Assistenz gearbeitet wird, nutzen wir folgenden Trick: Von einem handelsüblichen Speichelsauger schneiden wir die Plastikkappe und ca. 1 cm des Saugerkunststoffes ab.
Dabei belassen wir den sich im Speichelsauger befindlichen Metalldraht und biegen ihn mit einer Zange zu einem Häkchen (Bild 1).
Besagten Haken fädeln wir von der lingualen Seite her ins dort gelegene Klammerzangenloch der Kofferdam – Klammer (Bild 2 und 3).
Im Fall, dass wir den Kofferdam – Rahmen oberhalb des Kofferdam – Gummis benutzen, legen wir den Sauger zwischen dem Kofferdam-Gummi und dem Rahmen hindurch.
Liegt der Kofferdam- Rahmen unter dem Kofferdam – Gummi, so legen wir Zellstofftupfer zwischen Rahmen und der Haut des Patienten.

Beide Vorgehensweisen dienen jeweils dazu, den Druck des Saugers auf den Rahmen abzumindern.

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2D vs 3D – Zahnfilm contra DVT

von Christian Diegritz

Ganz in der (noch jungen) Tradition von Donald Becker und Co. sowie Dr. Barnett im Roots Forum möchte ich auf Wurzelspitze meinen 2D vs. 3D Fall präsentieren:

Überweisung meines Paro Kollegen: Patientin 66 Jahre, lange Historie einer chronischen marginalen PA, jetzt Zufallsbefund Fistel an Zahn 16. Bitte Abklärung, ob endodontische Genese.

Der intraoraler Befund lautete wie folgt:

  • Fistel buccal 16
  • Perkussion horizontal: –
  • Perkussion vertikal: –
  • ViPr: –
  • EPT: >80 (Referenzzahn 15: EPT: 36)

Befund Zahnfilm mit Guttapercha im „Sinus Tract“: Verdacht einer Paro Endo Läsion, PAI Score 5

Diagnose: CAP

Behandlungsplan: Trepanation, Aufbereitung, Langzeit Med für 1-2 Monate mit anschließender WF.

Jedoch ERSTAUNTE mich die DVT Aufnahme (Kodak 9300 small FOV OK Seitenzahn rechts) dann doch und ließ mich an meiner Behandlungsplanung zweifeln!
Ist die Extraktion für die Patientin nicht vielleicht doch die bessere Therapie?
Ich entschied mich, der Wurzelkanalbehandlung den Vorzug zu geben. Warum?

Bin ich zu gutgläubig in meine endodontischen Fähigkeiten? Glaube ich zu sehr an die „Selbstheilungskräfte“ der Patientin? Vielleicht.

Ich hoffe, dass ich mit der WKB für Knochenverhältnisse sorgen kann, die es mir in 1 bis 2 Jahren ermöglichen, alle prothetischen Versorgungen OHNE Einschränkungen durchführen zu können.

Ich werde auf jeden Fall berichten.

DVT – Das Verdruss-Teil oder Der vielseitige Tausendsassa?

von Oscar von Stetten

Dass das DVT ohne Zweifel einen Quantensprung in der ZHK darstellt ist nicht von der Hand zu weisen. Es ermöglicht eine allgemein verfeinerte Diagnostik und vor allem Visualisierung, falls nötig. Gerade in der Implantologie/Chirurgie/Paro super, prä-chirurgisch sich auf eventuelle Schwierigkeiten vorbereiten zu können. Keine Frage. Seien wir ehrlich, wir Zahnärzte sind stark visuell orientiert. Den Benefit in einer Patientenkommunikation sei hier noch gar nicht erwähnt. In einigen Fällen hilft sogar erst das DVT, zu einer Diagnose und daraus folgend, zu einer Therapie  zu gelangen.

Nichtsdestotrotz: ist ein Scan bei jedem Patienten ohne wenn und aber notwendig? Da uns die Erfahrungen fehlen, kann ich sogar den Drang des Behandlers nachvollziehen, jeden Patienten einem Scan zu unterziehen, denn nur dadurch steigt die persönliche Wissenbasis und die Einschätzungsfähigkeit der Bilddaten. Das Phänomen ist von unseren 2D-Bildern bekannt, seine eigenen kann man am besten lesen, denn man weiss, was sich wie darstellt. Ein Lernprozess. Ehrlich, mich würde es jedesmal in den Fingern jucken……

Jedoch: inwiefern beeinflusst das DVT unsere Handlungsweise. Seit langem ist bekannt, dass die Grösse einer Läsion sich im 2D-Bild nur unzureichend darstellt. Hat es uns in irgend einer Weise von der Therapie einer apikalen Parodontitis abgehalten? Wird es erneut zu einem Exodontismus kommen, weil „die apikale Aufhellung ist ja doch noch vorhanden“? Wobei wir nicht einmal gesichert wissen, was sich da apikal überhaupt darstellt. Nair et. al. haben uns histologisch ja schon ein wenig den Weg gewiesen. Was ist denn die Konsequenz aus all diesen Studien, inwiefern sollte sich unser Behandlungsprotokoll anpassen, ändern, ergänzen? Müsste man sich nicht Gedanken über die Erfolgskriterien machen, die den neuen bildlichen Darstellungen entsprichen? Darüber wird nicht gesprochen…. obwohl exakt diese Punkte meiner Meinung genauso viel Beachtung und Diskussions-bedarf finden sollten, wie die technischen Parameter der DVT´s und die faszinierenden Bilder.

Was mich zu einem weiteren Punkt bringt: die geliebte Industrie. Technische Parameter sind so eine Sache…. Die bunten, 4-Farb-Hochglanz-Drucksachen für die Bewerbung der Geräte sehen auf den ersten Blick toll aus. Da werden strahlende ;-) Behandler gezeigt, die mit zufriedenen Patienten die DVT-Aufnahmen durchgehen. Liest man sich die technischen Parameter durch, dann springt stets der Wert des isometrischen Voxels ins Auge. 76µ, wir haben den Kleinsten!! (absolut konträr zu dem sonst verbreiteten Verhalten ;-) ). Okay. die anderen haben ein 125µ grosses Voxel, aber die anderen sind ja vieeel schlechter, denn die haben ja nur ein 200µ grosses….. Was genau soll ich denn mit solchen Angaben anfangen? Fragen wir doch mal den lieben Vertreter, ob die dargestellten Voxel bereits das Nyquist-Phänomen eingerechnet haben oder nicht. Ist das tatsächlich die native Auflösung des DVT´s oder ist es eine Interpolation der Grauwerte über Sub-Pixeling-Verfahren? Wenn man jemanden ärgern will, dann sind dies die richtigen Totschlagfragen ;-), das Verständnis dafür hilft jedoch enorm dabei zu verstehen, warum man nicht wirklich eine VRF mittels DVT diagnostizieren kann, wenn diese nicht bereits eine gewisse Grösse zeigt. Eigentlich sollte die Technik für uns als Endanwender vollkommen transparent sein.

Dann bekommt man eine DVD mit Beispielscans überreicht. Ich bin immer wieder erstaunt, wie wenig die Beispielbilder mit realen Patientenaufnahmen zu tun haben. Und wie frustig manchmal die Fehlersuche sein kann. Und noch frustiger, wenn exakt an dem Ort, an dem die für mich interessante Struktur liegt eine Auslöschung oder Überstrahlung zu finden ist, was auf den Beispiel-DVT´s nie der Fall zu sein scheint.

Bildverarbeitung eines DVT´s IST definitiv Rocket-Science ;-)

Ist es nicht eher so, dass wir doch stellenweise nicht wissen, wie wir mit den befundeten Pathologien umgehen sollen? Um eine solide Datenbasis dafür zu schaffen, wird es noch sehr viel Zeit brauchen, das ist richtig. Und, da sind wir uns sicher alle einig, wenn man eine Diskussion schnell beenden möchte, taucht stets die Frage nach der Evidenz auf. Oder dem Patientenbenefit. Solche Reibereien werden immer wieder auftauchen und exakt diese Reibereien sind es, die die Sache nach vorne bringen können. Das ist nichts schlimmes oder verwerfliches.  Von solchen Sachen lerne ich persönlich immer gerne und viel, ich muss nicht jeden Fehler selber machen.

Aber wer nun glaubt, das DVT ist das Allheilmittel für alle Problematiken, der irrt in meinen Augen. Es ist ein zusätzliches Diagnostikum, ein Tool. Und solange der Wurzelkanalverlauf nicht auf Knopfdruck automatisch freigestellt werden kann (oder Pixel eines bestimmten Grauwertes nicht in der Opazitität geändert werden können), solange wird man immer noch ein gerüttelt Mass an 3D-Vorstellungs-vermögen brauchen. Die Software müsste mehr auf endodontische Vorlieben angepasst werden (z.B.: ein Implantat macht erstaunlich wenig Strahlenartefakt, eine dichte WF leidlich schon). Eines sei noch gesagt: das DVT wird in der Zukunft sehr viele Fragen aufwerfen, auf die wir keine oder nur sehr wenige Antworten haben. Ich bin mir sicher, dass uns viele Erkenntnisse nicht wirklich gut schmecken werden. Der Einfluss ist schon messbar, auch wenn es schwierig wäre. Z.b. Fragmententfernung: wie viel Zeit ohne DVT, wie viel Zeit mit DVT. Letztendlich ist DIE Messung der Outcome. Dummerweise ist der Outcome von einem ganzen Strauss Faktoren abhängig, so dass man sicher nicht alleine auf einen Einfluss des DVT´s schliessen könnte. Also: der Einfluss wird so schnell nicht messbar sein. Aber es kann eine persönlich gefühlte Einschätzung geben, inwiefern dieses Gerät das eigene Handeln beeinflusst und vielleicht auch verändert hat. Mit Evidenz hat das nichts zu tun, aber daran sind wir in der ZHK doch schon seit langem gewohnt.

Fakt ist: das DVT ist schon da, es wird immer mehr Akzeptanz finden und in nicht all zu ferner Zeit sich breitbasig etabliert haben. Doch nun sind tatsächlich die Universitäten gefragt, welche die Geräte ja meist nicht nur für eine einzige Abteilung nutzen, sondern für mehrere. Welche Datenbasis existiert hier wohl? Mir persönlich ist eine Fakultät in Deutschland bekannt, die seit mindestens 2002 ein DVT betreibt. Was da wohl für Schätzchen schlummern.

Irgendwie erinnert mich das Ganze an die Verbreitung des Mikroskopes.

LED am Mikroskop (ZEISS Pico am Stativ S 100) Update Retrofit Adapter

von Andreas Habash

Vor ein paar Wochen ist der PICO Retrofit Adapter der Firma CJConsultation bei uns in der Praxis eingetroffen – wie hier bereits berichtet.

Inzwischen arbeiten wir nur noch mit dieser LED Beleuchtung.

Der Einschub ersetzt den Halogeneinschub im Stativ S 100.
Daher erscheint für Aufrüster bzw. Umsteiger nur ein Vergleich
Halogen – LED sinnvoll.

Unterschiede ergeben sich „gefühlt“ vor allem in der Lichtfarbe und der Lichtleistung.
So konnte mit Halogen mit dem Voltcraft LX-1108 Lux-Meter ein Wert von 65.200 LUX ermittelt werden. Der gleiche Versuchsaufbau mit dem Retrofit Adapter ergab 138.600 LUX.

Um den Vergleich etwas genauer aufzuzeigen wurden verschiedene Testbilder angefertigt.
Hierbei wurden die Parameter identisch belassen und nur für die Aufnahmen die Lichtquelle gewechselt.

Hier die Vergleichsbilder:

Neuer Zeiss Tubus (1) – Fortgeschrittenes optisches Origami

von Oscar von Stetten

Auf der IDS wurde am Zeiss-Stand ein neuer Tubus vorgestellt. Er kann sowohl stark gefaltet als auch in alle Lagen gedreht werden. Zudem bietet er den Vorteil, mittels einer einfachen Handbewegung die effektive Vergrösserung um 50% zu erhöhen. Für die ProErgo-Nutzer kann das schon ein Vorteil sein, denn man muss nicht auf das Rein- oder Raus-Zoomen warten, sondern kann von der Übersichts- in die Arbeitsvergrösserung schnell und einfach wechseln. Ebenso könnten die Pico-Nutzer von diesem Tubus profitieren. Haptisch ist das Ding top, aber was anderes erwarte ich von einer Firma mit Premium-Anspruch auch nicht.

Auf dem Messestand erschien mir der neue dem alten optisch leicht überlegen (heller). Allerdings war das nur ein erster Eindruck. Ein genaues Bild kann man sich sicher nur in der täglichen Arbeit machen. Freundlich auf dem Stand gefragt, war Zeiss gerne zu einer Leihstellung bereit.

Seit ca. 4 Wochen arbeiten wir nun mit dem Falttubus. Wichtig: man sollte die Winkeloptik mitordern, ansonsten kann es sehr eng werden, hat man einen Dokumentationsaufbau am DM. Der Drehteller ist inzwischen die gesamte Zeit über entriegelt, so dass ich vor allem in der allgemeinen ZHK (Prothetik, Kons) das Mikroskop schnell schräg stellen kann, und dennoch gerade davor sitze. Natürlich ist es umständlicher als das Pico-Mora, kann aber diesen gewissen Makel beim ProErgo sehr gut kompensieren. Die Optik ist tatsächlich gefühlt etwas besser (das Ausmessen der optischen Qualität erfordert eine Menge know-how und seeeeeehr teueres Equipment), ich vertraue dahingehend den Aussagen von Zeiss (und wurde bis dato nicht enttäuscht). Der grosse Faltbereich und der damit erreichbare Distanzausgleich zwischen Mikroskopkörper und mir ist inzwischen auch schon zur Gewohnheit geworden. Am Anfang ist es ein wenig gewöhnungsbedürftig, nun mag ich es (fast) nicht mehr missen. Auch die „ein-Hebel-schnell-50%-mehr-Vergrösserung“ ist inzwischen vermehrt im Gebrauch, wobei ich in der Endodontie den Tubus fast immer in der höheren Vergrösserung betreibe. Warum? Weil ich mehr sehe ;-)

In der allgemeinen ZHK ist das schnelle Hoch-Runter auf jeden Fall sehr angenehm,   in der Präparation ist man sehr schnell in der Lage, aus der Übersicht in die Arbeitsvergrösserung gehen.

Fazit
Gut!

Wie, nichts zu meckern?
Nö, zumindest nichts wichtiges. Alles in allem ein sauberes Stück Ingenieurskunst.

In meinen Augen ist der Tubus eine sinnvolle Anschaffung beim Neukauf. Für die Nachrüstung schwanke ich noch ein wenig, dafür müssten die Konditionen super sein.

Teil 2 folgt morgen.

LED am Mikroskop (z.B. ZEISS Pico am Stativ S 100)

von Andreas Habash

Bisher war die Standardbeleuchtung an den meisten Dentalmikroskopen Halogen oder Xenon, wobei eine Umrüstung nicht immer ganz einfach war.

Umso mehr fand ich die Idee interessant einfach die Halogenbeleuchtung gegen eine LED Beleuchtung „auszutauschen“.

Zufällig habe ich auf eine Lösung gefunden, die nun seit drei Tagen im Praxiseinsatz ist.
Es handelt sich um den „Opmi Pico Retrofit Einsatz“ der Firma CJConsultation.
Dieser Einsatz ersetzt in den ZEISS Stativen der S100 Reihe einfach die Halogenbeleuchtung
Die Umrüstung von Halogen auf LED ist also in wenigen Schritten möglich und dauert nur Minuten.

Die Leistung der LED ist stufenlos regelbar.

Anbei einige Bilder zum Retrofit Einsatz.
Der erste Eindruck ist sehr positiv.

In unserer Praxis musste die LED aber gleich gegen 100W Xenon antreten.
Im Vergleich zu unsere externen 100W Xenon Beleuchtung machen sich folgende Punkte jetzt schon sehr deutlich bemerkbar:
geringere Hitzeentwicklung
geringere Lautstärke des eingebauten Lüfters
mehr „Lichtausbeute“ als aus der 100W Xenonlampe

Link zum Adapter: http://www.cjconsultation.de/29.html