Monitörchen

von Oscar von Stetten

2006 auf einer Tagung der SSE in Bern ist das Konzept eines Monitors direkt am DM zur Mitbeobachtung und/oder Fokuskontrolle in mein Bewusstsein getreten. Es war ein Gerät der Fa. Leica, welches mit einem damals revolutionären 7“-TFT-Monitor am Arm, direkt vor dem Behandler hängend, auf der Ausstellung gezeigt wurde. Leider war es damals nicht eindeutig zu eruieren, wo man denn diese Lösung bekommt und ob man diese an Fremdfabrikate adaptieren kann. Und, das ist mir in Erinnerung geblieben, die Qualität war unterirdisch…….

Ich nutze zur Fokuskontrolle/Mitbeobachtung grosse LCD-Panels, dieses Vorgehen hat Vorteile, sicher aber auch Nachteile. Einen kleinen Monitor ans DM zu basteln, mit dieser Idee konnte ich mich bisher nicht anfreunden. Zu gross waren die Einschränkungen der Auflösung, Bildqualität, Skalierung, des Preises. Zudem Full-HD der Standard wird, was Video angeht. Ob 2k, 4k sich jemals in unserem Bereich durchsetzen werden, sei mal dahingestellt. Aber „normales“ Full-HD wird uns zumindest in den nächsten 10 Jahren begleiten. Aber welchen Monitor nimmt man dafür? Einen professionellen Monitor von Marshall für knappe 2,2k€? Na ja, viel Geld. Sehr viel Geld. Versuche mit Autozubehör-Monitoren waren ernüchternd. So ernüchternd, dass ich nicht gewillt war, Löcher in mein ProErgo zu bohren oder Halterungen fertigen zu lassen. Warum Löcher? Damit ich die immer noch nötige Kabellage gut führen kann. Beim Hersteller des Mikroskopes gibt es jetzt wahrscheinlich den einen oder anderen asthmatischen Anfall  ;-)

Als ich mit dem Kollegen Bijan Vahedi nach einer IDS-Festlichkeit noch hungrig über den Kölner Bahnhof schlich, sahen wir zwei Studenten der Medienwissenschaft die Anzeigetafel des Bahnhofs filmen. Auf der Kamera: ein 7“ Monitor mit HDMI-Verbindung! Schnell kam man ins Gespräch und der Monitor der Firma Lilliput 668GL-70NP/H/Y gefiel uns auf Anhieb. Batteriebetrieb ist möglich, HDMI-Eingang und Komponenteneingang. Leider sagten die Studis, dass der Monitor schwierig zu besorgen wäre, in der Bucht um die 350€ kostet und kaum zu kriegen ist.

Zufällig sah ich auf einem Flyer der Firma enjoyyourcamera.de exakt diesen Monitor. Zum Preis von 199.-€. Die Bestellung war schnell aufgegeben und zwei Tage später lag das Gerät vor mir. Der erste Eindruck: Klasse! Sauber verarbeitet, Fernbedienung liegt bei. Ein normaler HDMI-Stecker und kein Mini-HDMI. Das Gewicht: um die 500g.

Akku eingelegt, 2h laden lassen und dann mal Spasseshalber meine 3CCD-Kamera am DM angeschlossen, per Komponentensignal. Super Bild, sehr gute Skalierung, gute Helligkeits/Kontrastwerte.  Full-HD-Bild: genau das gleiche. Die Batterie hält gerade die  5 Stunde durch, mal sehen, wie lange es noch geht. Gut ist, dass der Akku einfach zu wechseln ist. Der Bildschirm verfügt über eine Powersaving-Funktion. Wenn kein Signal anliegt, schaltet er ab. Eines der sehr guten Features: er hat eine Mirror/Flip-Funktion. Wenn man eine Consumer-Cam ohne optische Teile am DM betreibt, dann gibt es ein Problem mit der Orientierung. Dieser Monitor kann diese Fehlorientierung ausgleichen und ein seitenrichtiges Bild anzeigen. Für die Assistenz natürlich von immensem Vorteil zur Mitbeobachtung. Der Monitor besitzt zudem ein Stativgewinde, so dass man ihn ohne Probleme auf einen Schwanenhals setzen kann.

Fazit: nettes Teil zum netten Preis. Schwanenhälse gibt es in vielen Längen, so dass das Konzept auch für Nicht-ProErgo-Nutzer interessant wird, da man den Monitor nicht zwangsläufig am Mikroskopkopf befestigen muss und so die Mechanik des Armes nicht über Gebühr strapaziert.

In einigen Wochen kann ich sicher mehr über die Praxistauglichkeit berichten.

Einen kleinen Ausruf in Richtung der Industrie kann ich mir dennoch nicht verkneifen: es wäre toll, zumindest die Option einer Befestigung solcher Monitorlösungen zu haben. Löcher mit Blenden, gerne auch freigegebene Tragsysteme, wenn die Preise realistisch bleiben (zur Orientierung: Schwanenhals kostet um die 40€). In der ZHK braucht man keine 17“-Monitore o.ä., es reichen kleine. Da wird mit Riesenaufwand an Optiken und allem gearbeitet aber kleine, pragmatische Lösungen sucht man dennoch vergeblich. Bleibt nur zu hoffen, dass mit steigenden Verkaufszahlen auch der Druck wächst, im Kleinen innovativ zu werden.

Aus eins mach zwei

von Guido Vorwerk

Das Anpassen bzw. Kürzen eines Glasfaserstiftes für einen adhäsiven postendodontischen Aufbau stellt einen gewissen „Balanceakt“ dar.

Selbst in einer Klemmpinzette gehalten tendiert der Stift zum Ausweichen bzw. Verrutschen. Wenn dann noch der dem Vorbohrer angepasste schmale Anteil nur etwa die Hälfte der Stiftlänge ausmacht, schien es mir, obwohl ich kein Schwabe bin, immer wieder verschwenderisch, dass der restliche Teil häufig in eine nicht erkennbare Richtung davonflog.

Könnte er doch, insbesondere in mehrwurzeligen Zähnen in einen weiteren Kanaleingang als stabilisierender, retentiver Füllkörper eingesetzt werden. Auch als Platzhalter zwischen zwei notwendigen Sitzungen an bis an das Gingivaniveau reduzierten Frontzähnen können solche Stücke verwandt werden.

Es hat lange gedauert und vieler Anfragen bedurft, bis ich über Mitarbeiter der Firma Jadent eine Möglichkeit gefunden habe, mit Hilfe der Firma Laschal meine Idee umzusetzen, den Stift sicher gehalten trennen zu können. Auf den angehängten Folien ist ein Fall dargestellt, in dem der Halter eingesetzt worden ist.

Update zum Zumax-Mikroskop

von Günther Stöckl

 

nach den Erfahrungsberichten mit Zumax hier die aktuellen Neuerungen.

  • das LED mit dem 6-fach-Wechsler ist nun seit fast 2 Monaten im Einsatz. Es ist nicht so hell wie das 150W Xenon, aber deutlich heller als das 150 W Halogen.
    Größter Vorteil: Lautlos.
    Beim Laserfilter kommt es durch den individuellen Weissabgleich zu keinen Farbstichen mehr.
  • Mit dem Target-Okular kann der richtige Bildausschnitt fotografiert werden, ohne über den externen Monitor gehen zu müssen.
  • Adapter für Sony NEX und HD-Camcorder funktionieren gut.

PhraseExpress (für Windows (Mac)): Textbausteine einfach

von Michael Logies

(Für Mac-User vorweg: PhraseExpress läuft nur unter Windows, kann aber Textbausteine aus dem TextExpander des Mac übernehmen.)

Mit 25 Jahren DOS- bzw. Windows-Erfahrung kommt mir in den letzten Jahren nur noch selten ein Programm unter, das ich innovativ finde. Aber manchmal gibt`s noch Überraschungen, so hier in der Liste der häufigsten Downloads im Jahr 2010 der Computerzeitschrift c`t. Ich war schon länger auf der Suche nach einem, mit Blick auf meine Mitarbeiterinnen, zumindest in der Benutzung einfachen Programm für Textbausteine, um meine Praxissoftware Consys-Dent zu ergänzen. Consys-Dent macht vieles gut, aber das Rezeptmodul war/ist unbefriedigend, weil es das Kassenrezept, wie das Papieroriginal, für 3 Medikamente zu je 2 Zeilen logisch unterteilt, so daß das Ausfüllen von mehr als 2 Zeilen auf einen Schlag nicht möglich ist. Für fixe Medikamentenkombinationen oder mehrzeilige Einnahmehinweise
sind zwei Zeilen aber zu wenig. Bei der manuellen Eingabe muß man dann mit der Maus oder der Tab-Taste von Medikamentenfeld zu Medikamentenfeld springen.

Phraseexpress (kommerziell verwendbare Standardversion für 49,95 €) als einfaches, elegantes und mächtiges Programm für Textbausteine kann neben dem Text problemlos auch Steuerzeichen einfügen, also hier die Tab-Taste, so daß ich jetzt meine gesamte Medikamentenliste nebst Einnahmehinweisen nach PhraseExpress verlegt habe. Ausgangspunkt ist das Traysymbol des Programmes, das nach einem rechten Mausklick ein Auswahlmenü entfaltet (siehe Screenshots des Herstellers). Das Auswahlmenü zeigt die Namen der Textbausteine und, so man das wünscht, den Text des Bausteines in frei einstellbarer Vorschaulänge in einer gelben Sprechblase. Die Textbausteine selbst können davon unabhängig beliebig lang sein, auch Textbausteine für MS Word, also mit Formatierungen, sind möglich, letzteres aber nur in der Professional-Version für 99,95 €. Das Menü kann man automatisiert nach verschiedenen Kriterien sortieren lassen, das spart die manuelle Sortierung beim oder nach dem Schreiben.

Neben dem Auswahlmenü lassen sich Textbausteine auch automatisiert und programmbezogen einfügen. Nur wenn ich also in der Karteikarte von Consys-Dent „d2e“ eingebe, wird das Kürzel ohne weiteres Zutun durch „Herculite XRV D2 Enamel“ ersetzt.

Die für Privatanwender kostenlose Einzelplatzversion von Phraseexpress 8.0.127, die ich zur Zeit noch nutze, ist nicht netzwerkfähig, was bedeutet, daß nicht ein und die gleiche Textbausteindatei des Programms (*.pxp, enthält alle Bausteine) für alle Nutzer im lokalen Netz voll, d. h. schreibend wie lesend, nutzbar ist. Oder vielleicht wäre sie es nur lesend doch, ich habe das nicht getestet: Da ich Phraseexpress im Mehrbenutzerbetrieb auf einem Terminalserver nutze, kann ich sagen, daß das auch mit dieser Version eingeschränkt funktioniert. Eingeschränkt bedeutet, daß beim Erstellen der Textbausteine nur ein Benutzer angemeldet sein sollte. Ein nur lesender Zugriff kann dann aber später auch von weiteren Nutzern erfolgen, sofern alle Nutzer auf die Datei Zugriff haben. Bei mir (Windows XP) liegt sie unter G:\Dokumente und Einstellungen\All Users\Dokumente\PhraseExpress. Die Dateirechte sind so gesetzt, daß außer mir in die Datei niemand schreiben kann, die anderen Benutzer nur lesen können, um unerwünschte Änderungen zu verhindern. Die PXP-Datei läßt sich auch problemlos als Kopie auf weiteren Rechnern im Netz einsetzen, nur muß man sich dann eben manuell um die Synchronisation dieser Kopien kümmern. Das mag je nach Anwendungszweck reichen oder auch nicht -wenn nicht, wäre die Netzwerkversion des Programmes zu empfehlen.

Wer ein mächtiges und nach kurzer Einarbeitungszeit in der Bedienung recht einfaches Programm für Textbausteine sucht, wird kaum etwas Besseres als PhraseExpress finden.

Erfahrungen mit dem Zumax

von Günther Stöckl

Wie kam ich vor mehr als zwei Jahren dazu ein in Deutschlandvöllig unbekanntes Mikroskop zu importieren?

2004 hatte ich das Endo-Curri der Endoplus gemacht, da mein Chef kein Interesse hatte Patienten hochwertige Endodontie anzubieten musste ich mir damals alles mit meinem bescheidenen Assi-Gehalt besorgen. Mein erstes Mikroskop war dann damals ein relativ neues Low-budget Mikroskop (Optomic). Nach anfänglichen Schwierigkeiten in der Handhabung mit dem Mikroskop kam ich immer mehr in die Endo rein und so reichte mir schon bald mein Optomic nicht mehr. Ich verlängerte meinen Assi Vertrag für den Kauf eines Denta 300.

Im März 08 wollte ich dann meine eigene Praxis eröffnen und ich wollte in jedem Behandlungszimmer vernünftig mit Mikroskop arbeiten können. Damals nahm ich erstmal direkt mit Zumax Kontakt auf. Auf Grund von Importhindernissen hätte ich das Mikroskop nur über den Umweg Russland-Polen bekommen können, dies war mir zu heikel und ich legte mir ein Seiler Revelation zu.

Nachdem alles in geordneten Bahnen lief und das dritte Zimmer zum Ausbau stand war ich wieder auf der Suche nach einem Mikroskop und wandte mich erneut an Zumax, dieses Mal bestanden keine große Hindernisse im Import und ich kaufte auf gut Glück das Mikroskop.

Nach 4 Wochen stand es schließlich in meiner Praxis.

Was kann man erwarten:

In meinen Augen besticht dieses Mikroskop mit einem ausgezeichneten Preis-Leistungsverhältnis.

Man kann und darf dieses Mikroskop nicht mit den High-End Modellen anderer Hersteller vergleichen (das wäre durch den Preis auch nicht gerechtfertigt), aber mit einem Pico oder Denta 300 nimmt es das ZUMAX allemal auf.
Ich finde es hat eine gute Optik. Die modulare Aufbauweise bietet für  spätere Aufrüstungen gute Voraussetzungen. Ich hatte Zumax empfohlen die Standardvariate nur mit 180° inclinable binoculars anzubieten, leider ist dies bei ADS nocht nicht so angekommen. Entscheidend für eine gute Positionierbarkeit sind der binocular extender und der binocular rotation ring beide Teile zusammen bilden das MORA-Interface nach (ähnlich ist es auch beim Seiler) gelöst. Als Lichtquellen gibt es Xenon, Metallhalid, Halogen und LED.

Mein 1. Zumax hat noch Halogen, das Mikroskop in LED Version ist grade im Schiff zu mir unterwegs. Über die Lichtleistung kann ich daher nix sagen, da mein Möller mit einer 150W Xenonlösung und mein Seiler mit ner 300W Xenonlösung ausgestattet ist. Für die Dokumetation ist ein Beam-Splitter verfügbar mit Adaptern für Photo- und Videolösung. Ähnlich dem Pico ist eine integrierte Videolösung verfügbar, ich habe Zumax allerdings aus Qualitätsgründen davon abgeraten dies auf dem deutschen Markt zu vermarkten.

Sehr zu empfehlen ist auch die optionale Doppel Irisblende.
Ein Target-Objektiv hängt ebenfalls momentan als Prototyp an meinem Zumax, mit ihm soll die Notwendigkeit der Fokussierung und Bildausschnittauswahl auf einem externen Monitor verringert werden.
Ebenfalls sind wir gerade dabei den Laserfilter (für Diode, Er:YAG und Co2) etwas zu verbessern, hatte Zumax vor 3 Monaten nur eine Vorsatzlinse, gibt es nun einen integrierten Filter in einer Höheneinheit. Ob es hierbei zu Farbveränderungen im Normalbetrieb und bei der Dokumentation kommt, kann ich momentan noch nicht sagen, da der Prototyp erst seit Samstag an meinem Zumax hängt. Ich möchte aber die Entwicklung eher in Richtung der GLOBAL-Lösung sehen, bei der man verschiedene Filter einsetzen aber eben auch aus dem optischen Weg nehmen kann.

Die Adaptation für die CENTRO-Säule ist ebenso in der Endphase der Produktentwicklung.
Für mich bestand die Anforderung für mein Mikroskop immer in einer vernünftigen Optik und einem vernünftigen Handling. Die Annehmlichkeiten eines motorischen Zooms oder dergl. sind mir den Aufpreis bei diesen Modellen nicht wert. Ich kann lieber in allen meinen Zimmern mit Mikroskop arbeiten als nur in einem (was so bei dem Preis eines Pro Ergo oder dergl. durch meinen finanziellen Rahmen wäre).

Als weiterer Punkt ist eine sehr gute Zusammenarbeit mit Zumax zu nennen, innerhalb relativ kurzer Zeit werden meine Änderungswünsche umgesetzt und die Prototypen zum Test verschickt.


Wurzelstiftbefestigung mit Rely X

von Stefan Klinge

Die Applikation von adhäsiven Befestigungsmaterialien in den Wurzelkanal ist nicht immer einfach. Nicht nur das Arbeitsschritte peinlich genau befolgt werden müssen, auch das blasenfreie Einbringen selbst unter dem Dentalmikroskop bereitet häufig Schwierigkeiten. So sind zumindest meine Erfahrungen. Eine große Erleichterung sind die Verlängerungsaufsätze für Rely X Unicem Applicap.

Hier eine kleiner Bericht als kombinierte Power Point / Video Präsentation.

 

Cohens Pathways of the Pulp, 10th Edition – Online

von Marc Semper

Die aktuelle Ausgabe von Pathways of the Pulp, tagesaktuell bei Amazon für € 112,35 zu haben und wieder herausgegeben von Cohen und Hargreaves, wartet zeitgemäß mit einer Onlinepräsentation auf, die ich bemerkenswert finde. Hier hat jemand erkannt, daß Wissen im steten Fluss ist und es nicht reicht, in regelmäßigen Abständen ein neues Buch herauszugeben.

Über die Webseite http://www.expertconsult.com kann sich der Käufer des Buchs nach Registrierung mittels eines Activation Code für Pathways of the Pulp freischalten lassen.

Welche besonderen Anwendungen kann man hervorheben?

– Regelmäßige Updates des Buchtextes

– Sehr gute Suchfunktion

– Excellente Einarbeitung des gesamten Literaturverzeichnisses im Sinne von hyperlinks und Anbindung an Medline

– Fallstudien – eher etwas für den Lernenden aber nicht nur

Darüber hinaus sind fünf teilweise sehr interessante Kapitel nur online verfügbar:

– Umgang mit Angstpatienten

– Rechtliche Aspekte

– Digitale Technologien

– DVT

– Praxis Management

Hier gibt es die Möglichkeit einer Vorschau oder auch eines Testzuganges.

„Mehr Licht“…

von Stefan Klinge

…..sollen die letzten Worte Goethes auf dem Sterbebett gewesen sein. Im Gegensatz zu ihm konnte ich mir diesen Wunsch vor zwei Wochen erfüllen und habe die LED Lichtquelle für das Global G6 angeschafft.

Seit gut einem Jahr arbeite ich nun mit dem Mikroskop und der Novalux Standartlichtquelle –  einer Metal-Halid Lampe. Ich kam soweit  gut damit zurecht, hospitierte dann bei Jörg Schröder und war beeindruckt über die Helligkeit einer Xenonbeleuchtung.
Xenon kam für mich aus verschiedenen Gründen nicht in Frage, ein  Flüssigkeits – Lichtleiter hätte  aufgrund der Kabellänge keinen entscheidenden Vorteil zum Fiberglas – Kabel gehabt.

Der Austausch der Lichtquellen war denkbar einfach und in wenigen Minuten erledigt. Da das Gehäuse direkt angeschlossen wird, entfällt der Lichtleiter. Schon beim ersten Probelauf gab es den „AHA – Effekt“ .

In Verbindung mit normalen Rhodium Spiegeln ist die volle Lichtleistung erträglich. Mit Spiegeln wie dem Ultra FS von Hahnenkratt empfinde ich es bei bis zu 5-facher Vergrößerung als unangenehm. Die Helligkeit ist aber auf 20.000 Lux dimmbar.
Die Intensität wird mit 50.000 Lux (lt. Global ) bzw. 57.000 Lux (lt. Sigma) angegeben. Die Farbtemperatur liegt bei 6.600 Kelvin. Die Lebensdauer der Lampe beträgt  50.000 Stunden. 

Es ist möglich, die Lampe auch für kurze Zeit ( Patientenwechsel ) auszuschalten. 
Die Version mit Folientastatur für On/Off und Dimmer ist einfach zu reinigen. Etwas umständlich ist hier allerdings die Handhabung während der Behandlung, da man zwischen Vergrößerungswechsler und Handgriff der linken Seite hindurch an das Tastenfeld muss.  Es ist allerdings auch eine Version mit Schalter und Drehknopf erhältlich, die zur linken Seite hin bedienbar sind. Die Reinigung des Knopfes und des Kippschalters  stellt dabei sicher höhere Anforderung an die Hygiene.
Da die LED ohne aktive Lüftung auskommt, fehlt auch das typische Grundrauschen im Hintergrund. Der Wärmeaustausch findet über Kühlrippen statt.
Die Dimmfunktion kann allerdings nicht so recht überzeugen, da die Lampe sehr verzögert auf die Bedienung anspricht. Das mag aber bei der Version mit Drehknopf anders sein.  Diese Version stand allerdings nicht zur Verfügung.

Pro:

  • Einfacher Austausch Metal-Halid > LED
  • Gute Lichtausbeute auch bei Standartspiegeln
  • Dimmfunktion
  • Einfach zu reinigende Folientastatur
  • Keine Geräuschbelästigung
  • Gutes Preis – Leistungsverhältnis

Contra:

  • Dimmer spricht verzögert an
  • Folientastatur ist umständlich zu erreichen
  • Farbfilter etwas schwergängig

Crystal Tips (3)

von Oscar von Stetten

Animiert von Jörg Schröder´s Artikel über die Crystal Tips haben wir uns diese auch zur Probe bestellt. Ein Adapter für die Sirona-Einheit wurde mitgeliefert, so dass wir gleich loslegen konnten.

Der erste Eindruck: vollkommen in Ordnung. Zwar ist der Druck geringer als mit den Originalen Ansätzen, jedoch immer noch ausreichend, um arbeiten zu können. Die Länge und der Winkel ist anders als mit den Sirona-Ansätzen, die Eingewöhnung dauerte dann doch kürzer als gedacht.

Insgesamt eine sinnvolle Investition, zumal sie den Rüstaufwand und die Kosten gering hält.

Die CrystalTips sind zudem länger. Aber das ist nichts, das nicht mit einer diamantierten Scheibe gelöst werden könnte. Nach wenigen Versuchen haben wir die optimale Geschwindigkeit ermittelt, so dass der Tip gekürzt, die Medienöffnungen jedoch nicht vom Kunststoff verschmiert werden. Ein Hinweis: man sollte den Tip nicht über die Krümmung hinaus kürzen, da die Medienzuführung für das Wasser dann nicht mehr gesichert ist und sich verselbstständigen kann.

Ein weiterer (erfreulicher) Seiteneffekt: wer nicht ein KaVo-Fineair oder einen Stropkoirrigator sein eigen nennt, kann sich mittels einer CapillaryTip, einer CrystalTip und ein wenig Cyanoacrylat etwas ähnliches bauen.

Günstig, nicht wartungsbedürftig und nach Abschluss der Behandlung einfach zu entsorgen. Es kommt ausreichend Wasser als auch Luft durch. Super ;-)

Vielen Dank für die CrystalTips, lieber Jörg.

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Täuschungen bei der DVT Auswertung

von Stefan Verch

Die DVT Technik ermöglicht dreidimensionale Auswertungen; es gibt viele bekannte Störfaktoren, die z.B. von Metallen ausgehen und die Auswertbarkeit der angrenzenden Strukturen unmöglich machen. Um krankes Gewebe von gesundem zu unterscheiden, müssen auffällige Strukuren klinisch eingeordnet und ggf. auch durch herkömmliche Röntgentechnik verifiziert werden. So sollten bei der Diagnose Stellung Artefakte, krankes und gesundes Gewebe unterscheidbar sein. Die Varianz gesunder Gewebe ist dabei genauso zu beachten; die Einordnung erscheint durch die neuen Möglichkeiten der dreidimensionalen Darstellung schwieriger als bisher und kann im ersten Moment zu falsch kranken Diagnosen führen.

Im vorliegenden Fall wurde ein DVT wegen ausgiebiger Furkationsläsionen und endodontischer Fragestellung angefertigt. Als Nebenbefund fiel dem überweisenden Zahnarzt ein Befund auf, der nach bisherigem herkömmlichen Röntgenauswertungsverständnis als pathologisch einzuordnen war.

In Regio 33 zeigte sich eine Aufhellung, die sogar scheinbar die Kompakta lingual aufgelöst hatte und nach mesial unscharf begrenzt war; im Zentrum der „Läsion“ zeigten sich Opazitäten. Das Ausmaß der „Läsion“ war erheblich. Die Zähne 31-34 zeigten sich deutlich vital, es lagen keine klinischen Beschwerden vor und auch keine raumfordernde Ausdehnung.

Was tun?

Differenzialdiagnostisch war an Zysten, Pseudozysten und benigne bzw. auch maligne Tumoren zu denken – oder auch einfach an einen großen anormalen Markraum.

Da der MKG Chirurg anhand der Befunde eine Malignität nicht ausschließen wollte, führte er eine Eröffnung des Raumes durch: dabei blutete es stark, es zeigte sich ein weitgehend leerer Knochenraum ohne klinisch erkennbare pathologische Strukturen. Eine Gewebeentnahme war nicht möglich, da es klinisch nicht möglich war, Gewebe zu entnehmen: es gab kein entnehmbares Gewebe.

Der Situs wurde verschlossen und eine erneute DVT Auswertung in 6 Monaten vereinbart.

Die Varianzbreite natürlicher Gewebe ist höher, als ich es aus meinem bisherigen Röntgenverständnis annehmen konnte. Gefäße, Markräume und Nervenräume können erheblich größer sich im DVT darstellen, als ich es aus den zweidimensionalen Aufnahmen kannte. Man sollte daher bei jeder Aufhellung auch die Varianz natürlicher gesunder Gewebe in Betracht ziehen.

Die Kontrollaufnahme werde ich zu gegebener Zeit einstellen.

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Am seidenen Faden…

von Sebastian Riedel

Eine gewissenhaft arbeitende Überweiserin schickte uns einen Revisionsfall, bei dem sie die angestrebte Patency nicht etablieren konnte.

Dieser Fall erschien relativ vorhersagbar lösbar: mesial war eine Konfluation der beiden Kanalsysteme tastbar, auch am Austausch der Spülflüssigkeiten beim desinfizierenden Spülen und Absaugen mittels Minisauger merkte man es. Im distalen Kanalsystem stieß die 10er C-Pilot in ca. 18 Millimetern Tiefe erstmal gegen eine Wand oder Stufe. Nach erneuter Inspektion der Anatomie auf dem Röntgenbild konnte durch Vorbiegen der Feile  und vorsichtiges Tasten, selektiv in bukkaler und mesialer Richtung, der weitere Kanalverlauf erschlossen werden – Fall gelöst !

Manchmal gehört aber auch eine Portion Glück dazu, das Richtige zu tun – durch ständige und intensive Schall- und Ultraschallaktivierung der Spülflüssigkeiten sah man plötzlich einen dunklen sehr feinen Faden, der im Pulpakavum in der Flüssigkeit aufschwamm.

Nach dem erfolgreichen Abschluss der Behandlung erinnerte sich die Patientin, angesprochen auf den Faden, dass dieser Zahn vor vielen Jahren mal von einem Kollegen offen gelassen wurde. So ist erklärbar, wie es zur Verschleppung der eingefärbten Fasern kommen konnte.

Nun mache ich mir Gedanken: Wie viele unserer kompromisslos behandelten Zähne und dazugehörige Periapikalregionen werden ein solches oder ähnliches Geheimnis bergen?

„Pathway of the Pulp“ weiß, dass viele Fremdmaterialien, zum Beispiel und vor Allem auch Watte, unverändert im Gewebe verbleiben und eine Fremdkörperreaktion provozieren können, da entsprechende Enzyme zu deren Auflösung fehlen.

Weder diagnostisch noch therapeutisch lässt sich etwas variieren, diesem potenziellen Problem immer Herr zu werden. Aber die genaue Anamnese kann Hinweise liefern, vor allem wenn ein Zahn über längere Zeit offen gelassen wurde.

Wir verwenden zum temporären Abdecken der Kanalorifizien gegenüber den darüber liegenden Verschlussmaterialien die Schaumstoff-Pellets „Pele Tim“ von VOCO. Man erhält sie in verschiedenen Größen. So können keine Zellulosefasern in die Kanalsysteme verschleppt werden. Dies erhöht die Chance eine vollständige Heilung herbei zu führen.

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Altmetallsammlung…

von Sebastian Riedel

Vor einigen Wochen wurde hier schon unter dem Stichwort Rumpelkammer Prof.Dr. Louis I. Grossman zitiert.

Beim folgenden Fall kam mir seine Redewendung wieder in den Sinn.

Die Patientin suchte uns auf, nachdem alio loco, auch unter Zuhilfenahme eines Operationsmikroskopes, versucht wurde, den Zahn 37 zu behandeln. Die Kollegin entschied sich während der Revision, die Behandlung nicht fortzusetzen und in unsere Hände zu empfehlen.

Vorweg : alles, was ausgegraben werden konnte, muss lange zurückliegenden Behandlungen zugeordnet werden. Sagt die Patientin.

Das mitgebrachte Röntgenbild, eine Mikroskop-Standbildaufnahme und unsere diagnostische Aufnahme mit GuttaPercha im vorhandenen Fistelmaul zeigten eine ausgedehnte interradikuläre knöcherne Lyse als auch metallische Fremdkörper im Bereich eines Kanaleingangs. Der Zahn wies klinisch keine Lockerung auf und verfügte über genügend koronale Restsubstanz, die Erhaltungswürdigkeit war gegeben.

Eine Perforation des Pulpakammerbodens konnte nicht festgestellt werden , jedoch förderte ich außer den röntgenologisch sichtbaren noch einige separierte Fragmente zu Tage. Allein aus dem distobukkalen Kanal konnten  3 Fragmente entfernt werden, die nacheinander an einer Stufe vom Rest des Wurzelkanalinstruments separiert worden waren. Zusätzlich sieht man neben den 7 metallischen Trophäen auch einen winzigen Dentikel.

Im Laufe der Erschließung der Kanalsysteme formte sich koronal eine deutliche C-Struktur, die in der Tiefe in vier getrennte Kanalsysteme und Foramen verzweigte.

Fast hätte es die nicht entfernte Luftblase noch geschafft, mich vom Vorzeigen abzuhalten, die Freude über den Fall ist aber größer als der Ärger über meine offensichtliche Inkonsequenz in diesem Punkt. Trotzdem ein wenig schade.

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Prosecco, Prosciutto … Protrain – viel Gutes kommt aus Italien

von Klaus Lauterbach

Ob das Essen, der gute Wein oder tolle Klamotten, gerne haben wir Dinge italienischer Herkunft. Kürzlich habe ich nun auch im Endodontiebereich eine Entdeckung aus dem Stiefelland gemacht: „Protrain“

Protrain wurde entwickelt um die Wurzelkanalbehandlung eines Zahnes, mit möglichst allen Behandlungsschritten zu simulieren, trainieren oder demonstrieren.

Man spannt einen Zahn im Protrain ein, trepaniert diesen, ermittelt endometrisch die Arbeitslänge, bereitet die Wurzelkanäle auf, obturiert die Kanäle und macht zu allen Arbeitsschritten seine Röntgenbilder.

Will man also mal neue Feilensysteme, Behandlungstechniken oder Endometriegeräte testen, muss man in Zukunft nur noch das Protrain aus der Schublade holen.

Bestens geeignet ist das Protrain natürlich für Workshops. Am letzten Wochenende, bei einem Workshop in Zürich, waren die Teilnehmer sehr begeistert von dieser Möglichkeit  ihre mitgebrachten, extrahierten Zähne zu behandeln. Gerade rechtzeitig vor der Abfahrt in die Schweiz kam die Lieferung mit den Protrain-Kits an.  Nach einem kurzen Test, ob wirklich alles wie beschrieben funktioniert, wurden die Teile am nächsten Tag im Kurs sofort benutzt.

Die mühsame Herstellung von Übungsmodellen aus Gips, Alginat oder ähnlichem ist somit nicht mehr nötig.

Wie funktioniert das Protrain nun:

Der Zahn wird in einer Halterung eingeklemmt. Es sind je nach Zahngrösse drei Halter verfügbar. Auch Frontzähne können stabil befestigt werden. Innerhalb des Protrain befindet sich ein kleiner Behälter der mit einem Elektro-Kontaktgel gefüllt wird (Gel ist im Kit enthalten).

Die Halterung mit Zahn wird nun auf das Protrain geschraubt und die Wurzel hängt danach im Kontaktgelbehälter. Seitlich am Boden des Protrain wird eine kleine Metallstange eingesteckt die bis in den Gelbehälter reicht. Auf diesen Metallnippel kann man sein Endometriegerät stecken und mit einer Feile im Zahn eine perfekte endometrische Längenbestimmung durchführen. Eine Skala zum Einstellen der Arbeitslänge an der Feile ist ebenfalls vorhanden.

„Bukkal“ bzw. „mesial“ am Protrain sind Vertiefungen angebracht in die alle gängigen Röntgensensoren oder Röntgenfilme gut hineinpassen. Man kann also, aus didaktischen Gründen, sogar eine Röntgenaufnahme von mesial machen.

Angenehmer Weise halten sich die Kosten mit 65,80 € + Mwst. für ein Protrain-Kit in Grenzen. Man kann es von der Firma Simit-Dental aus Italien beziehen. Je nach Bestellmenge kann man den Preis auch verhandeln, wir sind ja schließlich in Italien 

Als Weihnachtsgeschenk für die Ehefrau wäre das Protrain sicherlich kein Hit, aber für den Endodontologen könnte es sehr hilfreich sein!

 

Aktualisierte endodontische Terminologie

von Amir Moinzadeh

Im Journal of Endodontics wurde bereits im Dezember 2009 die auf der AAE Consensus Conference erarbeitete Nomenklatur für die endodontische Diagnostik veröffentlicht.

Anhand der nachfolgenden Auflistung der diagnostischen Begriffe kann z.B. die Kommunikation mit überweisenden Kollegen  auf den aktuellen Stand gebracht werden.

Pulpale Diagnose

Normal pulp:

A clinical diagnostic category in which the pulp is symptom-free and normally responsive to pulp testing.

Reversible pulpitis:

A clinical diagnosis based on subjective and objective findings indicating that the inflammation should resolve and the pulp return to normal.

Symptomatic irreversible pulpitis:

A clinical diagnosis based on subjective and objective findings indicating that the vital inflamed pulp is incapable of healing. Additional descriptors: lingering thermal pain, spontaneous pain, referred pain.

Asymptomatic irreversible pulpitis:

A clinical diagnosis based on subjective and objective findings indicating that the vital inflamed pulp is incapable of healing. Additional descriptors: no clinical symptoms but inflammation produced by caries, caries excavation, trauma.

Pulp necrosis:

A clinical diagnostic category indicating death of the dental pulp. The pulp is usually nonresponsive to pulp testing.

Previously treated:

A clinical diagnostic category indicating that the tooth has been endodontically treated and the canals are obturated with various filling materials other than intracanal medicaments.

Previously initiated therapy:

A clinical diagnostic category indicating that the tooth has been previously treated by partial endodontic therapy (eg, pulpotomy, pulpectomy).

Apikale Diagnose

Normal apical tissues:

Teeth with normal periradicular tissues that are not sensitive to percussion or palpation testing. The lamina dura surrounding the root is intact, and the periodontal ligament space is uniform.

Symptomatic apical periodontitis:

Inflammation, usually of the apical periodontium, producing clinical symptoms including a painful response to biting and/or percussion or palpation. It might or might not be associated with an apical radiolucent area.

Asymptomatic apical periodontitis:

Inflammation and destruction of apical periodontium that is of pulpal origin, appears as an apical radiolucent area, and does not produce clinical symptoms.

Acute apical abscess:

An inflammatory reaction to pulpal infection and necrosis characterized by rapid onset, spontaneous pain, tenderness of the tooth to pressure, pus formation, and swelling of associated tissues.

Chronic apical abscess:

An inflammatory reaction to pulpal infection and necrosis characterized by gradual onset, little or no discomfort, and the intermittent discharge of pus through an associated sinus tract.

Condensing osteitis:

Diffuse radiopaque lesion representing a localized bony reaction to a low-grade inflammatory stimulus, usually seen at apex of tooth.

Nachzulesen im JOE — Volume 35, Number 12, December 2009

SAF System – wer immer nur das tut ….

von Klaus Lauterbach

Auch ich habe am ersten SAF Workshop im August, in Aalen teilgenommen und war gespannt auf diese vollständig neue Art den Bakterien im Kanal zu Leibe zu rücken. Wolf Richter hatte uns die neuartige Feile in allen Details erklärt und im praktischen Teil konnte man schnell erkennen, dass es eine sehr gute Idee ist, das SAF System nur in Verbindung mit einem Workshop (der beim Systemerwerb verrechnet wird) zu verkaufen.
Die Quintessenz des Vortragvormittags war: Clean-Shape-Rinse in einem Arbeitsgang. Das SAF System bearbeitet extrem viel mehr Kanalwandfläche und reduziert Bakterien in höherem Maß als rotierende Systeme, entfernt Debris und Smearlayer (Score1) zuverlässig, erbringt das geforderte hohe Spülvolumen je Kanal, benötigt Preflaring und ist daher keinesfalls ein Einfeilensystem, es wird bei den Workshops und von den Henry Schein Mitarbeitern, zumindest in Deutschland, auch nicht so angepriesen.
Selbst langjährig erfahrene Kollegen konnten sich beim praktischen Teil nur schwer umstellen und mussten den eingefahrenen, rotierenden Behandlungsgewohnheiten Tribut zollen. Schnell war die absolut fraktursichere „Self Adjusting File“ doch abgebrochen. Stellt man allerdings 25000 Upm statt 5000 Upm am Motor ein ist dies auch kein Wunder und entspricht natürlich keineswegs den Vorgaben der Systementwickler, man wollte wohl Grenzen testen.
Nach dem Workshop am Nachmittag war dann klar, dass man das System wirklich nur nach einem guten Preflaring und schaffen eines Gleitpfades einsetzen sollte.
Wolfs Sequenz im Workshop war übrigens: K ISO 10/15, S1, K ISO 20, SAF. K NiTi ISO 30-40.

Unter folgendem Link kann man übrigens die Empfehlungen von Zvi Metzger zum SAF-System downloaden, die gerade für SAF Einsteiger sehr hilfreich sind.

Mein SAF System habe ich in der ersten Septemberwoche erhalten. Mittlerweile, ca. 70 SAF-Wurzelkanäle später, hat sich bei mir keinesfalls Ernüchterung breit gemacht. Im Gegenteil, es ist eher so, das ich immer ein gutes Gefühl habe, wenn die Feile im Kanal zum Einsatz gekommen war. Unter dem OPM sieht das alles blitzsauber aus.
Wie waren also meine Erfahrungen? Zu Aufbau und Technik des Systems wurde hier bereits alles erklärt. Zunächst kam die SAF in unserer Praxis nur in ovalen, c-förmigen und Kanälen mit Isthmen zum Einsatz. Mittlerweile wird sie routinemäßig während jeder Aufbereitung eingesetzt, auch bei runden Querschnitten.

Meine persönliche Aufbereitungssequenz kombiniert eine hohe, apikale Größe mit der perfekten Reinigung der SAF: K ISO10/15, BioRace1, BR2, SAF, BR4.
Es gibt bei der SAF natürlich keine bestimmte Aufbereitungsgröße oder Taper da sich die Feile dem Kanal anpasst. Falls nötig erfolgt ein Taper-Stepback mit Handfeilen.

Das System wurde nach kurzer Gewöhnungszeit perfekt in unseren Behandlungsablauf integriert. Der lästige Fußschalter zum Ein- und Auschalten der Pumpe steht bei der Assistenz, die auf kurzes Zeichen den Natriumhypochloritfluss startet. Das Pumpensystem wird nach jeder Behandlung mit Kochsalzlösung gespült und erst zur nächsten Behandlung wieder mit Natriumhypochlorit gefüllt.
Wie wir schon gehört haben ist es manchmal etwas Fummelei die doch recht lange Feile (zum Schaft und Arbeitsteil kommt noch der Schlauchansatzteil) bei geringer Mundöffnung im Kanal zu platzieren aber bisher konnte die Feile immer im Kanal untergebracht werden.
Das man die Feile nur mit gutem Straightline-Access benutzen kann wird dafür sorgen, dass alle Behandler einen solchen gestalten müssen, eher ein Vorteil als ein Nachteil. Die Feile verträgt wirklich wenig vertikalen Druck lässt sich aber, mit etwas Gefühl, in einem größeren, ovalen Kanal (zB. distal UK7er) recht gut an die bukale oder linguale Wand drücken. Im Frühjahr kommt die SAF mit 2,0mm Durchmesser. Dann wird die Behandlung grosslumiger oder ovaler Kanäle sicherlich erleichtert.
In keinem Behandlungsfall kam es übrigens zu einem Feilenbruch. Bei regelgerechtem Einsatz gab es nur sehr selten kleine mechanische Defekte an der Feile. (siehe Bild)
In einigen Fällen, meist gekrümmte Kanäle, gab es allerdings Schwierigkeiten die Arbeitslänge der initialen Feilen mit der SAF zu erreichen. Erst nach einem weiteren, stärkeren Preflaring konnte die Feile auf AL gebracht werden.

Bei Revisionen habe ich die SAF als Abschlussfeile eingesetzt. Bei den rotierenden Feilen bleibt gerade in der Innenkurvatur gekrümmter Wurzeln oft Füllmaterial an der Kanalwand zurück. Hier kann die Feile durch Ihr neue Technik die Kanäle effektiver reinigen.

Das System ist bisher noch nicht offiziell am Markt erhältlich, lediglich endodontisch versierte Kollegen waren zu den wenigen Workshops eingeladen bzw. einige Studiengruppen konnten sich damit vertraut machen. Nachdem vorher nur einige Opinionleader die SAF erhalten hatten war dies die zweite Stufe der sehr überlegten und bedachten Markteinführung. Verbesserungsvorschläge wie Einschaltknopf statt Fußanlasser oder Austauschbarkeit des Flüssigkeitbehälters usw. wurden nach den Workshops bereits an die Hersteller weitergeleitet. Wir sind gespannt wie schnell dies geändert wird. Nun wir die SAF also wahrscheinlich im November zur DG-Endo Jahrestagung für jedermann der einen Workshop belegt hat zu erwerben sein. Da kann wohl kaum von einer übereilten Markteinführung die Rede sein.

Ob sich die Feile auf breiter Ebene im Markt durchsetzen wird bleibt abzuwarten. Ein Vorteil ist sicher, dass man keinen Zusatzmotor benötigt. Der hohe Preis der Feile und die nötige optische Vergrößerung zur systemgerechten Benutzung wird Generalisten zunächst sicher abschrecken. Die Feile ist nur für „Single use“ konzipiert. Die Sterilisation bei 121°C übersteht die Feile auf den ersten Blick gut, bei 134°C wird aus den Kunststoffteile mit Schlauchansatz eine unbenutzbarer Klumpen.

Die aktuelle Studie von Siqueira (JOE. Volume 36, Issue 11, Pages 1860-1865,) zeigt im Vergleich zu rotierenden Systemen eine 32% bessere Bakterienelimination durch das SAF System. Schade dass keine PUI in der Vergleichsgruppe eingesetzt wurde aber auch diese Studie wird es sicher bald geben.
Wir haben es nach aktueller Studienlage also in der Hand 40% mehr Kanalwand und bis zu 30% mehr Bakterienreduktion bei unserer Behandlung zu erreichen, das ist auf einem bereits hohen Behandlungsniveau durchaus bemerkenswert. Man muss sich erst an die Technik dieser Feile gewöhnen, würde man darauf verzichten, wäre das so ähnlich wie MTA nicht zu benutzen weil Diaket auch gut funktioniert. Weitere unabhängige Studien werden uns im Laufe der Zeit zeigen ob sich die aktuellen Zahlen bestätigen. In Göttingen und Mainz laufen bereits Studien, die eventuell bis zur IDS weiter wissenschaftliche Informationen liefern.

Man sollte neuen Entwicklungen immer kritisch gegenüber stehen und unabhängige Untersuchungen abwarten aber es ist sicherlich gut, dass es Querdenker wie Zvi Metzger gibt, die abseits vom Mainstream neue Ideen umsetzen.
Ganz nach dem Motto: Wer immer nur das tut was er bisher getan hat, wird immer nur das erreichen, was er bisher erreicht hat.

Akutes Zahntrauma mit Pulpaeröffnung

von Tomas Lang

Der hier vorgestellte Fall ist nunmehr ca. 2,5 Jahre her. Ein Kollege, welcher damals kurz zuvor eine meiner Fortbildungen besucht hatte, rief mich an und bat mich, einen Fall für ihn zu übernehmen.

Der Patient lebt in Afrika mit seinen Eltern und hat sich beim Wasserrutschen auf dem Schulgelände einen Zahn ausgeschlagen. Die Eltern saßen zu der Zeit bereits im Flugzeug auf dem Weg nach Deutschland, da sowohl der lokale Zahnarzt als auch die nächstgelegene Zahnklinik sagten, dass sie nicht die richtigen Materialien zur Versorgung vorrätig hätten.

Und so schlug der damals 8jährige Junge ca. 24h nach dem Unfall in meiner Praxis auf. Zu meiner großen Verwunderung war das herausgeschlagene Zahnfragment in einer Zahnrettungsbox (Dentosafe). Diese hatte die Schule in Afrika vorrätig!

Da die Pulpa seit 24h exponiert war, imponierte bereits eine ödematöse Schwellung mit beginnender oberflächlicher Nekrose. Daher habe ich in diesem Fall eine partielle Pulpotomie durchgeführt.

Die Pulpa wurde anschließend mit MTA überkappt mit Zinkoxid-Phosphat-Zement überschichtet und das koronale Fragment adhäsiv wiederbefestigt. Wie man in dem unteren Video erkennen kann, ist der Junge bei der Behandlung eingeschlafen – war er doch in den letzten 24h in Dauerstress gewesen. Ein besonders erhebender Moment für mich war, als ich ihn nach der Behandlung aufweckte ,ihm den Spiegel gab und sein eigener Zahn wieder hergestellt war.

Mittlerweile ist der kleine Junge gewachsen und war bisher nach einem und zwei Jahren zur Kontrolle erschienen. Der betroffene Zahn ist wieder normal vital und die Apexifikation verläuft regelrecht.

Lediglich, wenn man genau hinschaut, erkennt man das MTA als leicht dunklen Schatten unter der Zahnoberfläche.

Hier würde ich, wenn ich den Fall noch einmal machen könnte, dass weisse MTA verwenden.

Die Versorgung von Traumata ist diffizil und nur erfolgreich, wenn man sofort die richtigen Entscheidungen trifft. Dazu kommt, dass solche Fälle recht selten in der Praxis aufschlagen.

Der Dänische Kollege Ove Andreasen hat daher eine exzellente Homepage zur Entscheidungsfindung aufgestellt, welche zu jedem Traumafall evidenzbasiert die richtige Entscheidungskette vorgibt. Ich kann nur jedem Kollegen empfehlen, vor Therapiebeginn einen Blick auf die Homepage zu werfen.

Frontpage

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Und hier ein Video von der Behandlung.

Das SAF-System – ein kleiner Erfahrungsbericht Teil 2

von Oscar von Stetten

 

Hier mein Fazit

Es scheint manchmal, dass das ganze Produkt sehr schnell auf den Markt gebracht wurde. Vielleicht zu schnell. Einiges läuft noch nicht ganz rund und wird sicher noch seine Zeit brauchen.

Bisher hat die SAF keine einzige Feile aus meinem Aufbereitungsprotokoll eliminiert. Aber sie ist ein gutes Zusatzinstrument. Für die Spülung und um einfach die Fläche der mechanisch bearbeiteten Kanalwand zu erhöhen. Nach nun etwa 80 Kanälen mit der SAF kann ich die Feile deutlich besser einschätzen. Zwar immer noch skeptisch, aber Neues kennen zu lernen und Einzuführen dauert seine Zeit. Und ich habe sie umgetauft, von „self-adjusting-file“ in „super-additional-file“.

 

Verzichte ich auf die PUI? Nein, auf keinen Fall. Die Beobachtung war, dass auch nach 4 Minuten SAF und anschliessender PUI immer noch trübe Wolken aus dem Kanal kommen. Ob das eine Signifikanz besitzt, kann ich auch nicht sagen. Aber bis es endgültig geklärt ist, mache ich es noch.

Habe ich mehr Seitenkanäle gefüllt? Nein, auch das nicht.

Wie obturiert man mit SAF aufbereitete Kanäle? Laut Hersteller mit der Methode, die einem am meisten liegt. Bei uns ist es warme Guttapercha, ob als Squirt oder als modifizierte Schildertechnik. Es ist die philosophische Frage nach der besten Abfüllmethode und deren Einfluss auf den Outcome, die diesen kleinen Artikel bei weitem sprengen würde. Wer nun auf den Gedanken kommt, die Toronto-Study zu zitieren, dem sei eine kritischere Würdigung dieser Studie ans Herz gelegt  ;-)

Es soll eine grössere Feile mit 2,0 mm Durchmesser auf den Markt kommen. Von dieser verspreche ich mir weit mehr als von der 1,5 mm-Feile. Auch eine IntroFile, so habe ich von den Dächern pfeifen hören, soll erscheinen.

Wie viel schabt die Feile denn nun vom Kanal ab? Dr. Frank Paqué von der Uni Zürich war so freundlich, mir Bilder zur Verfügung zu stellen. Grün ist stets die Originalanatomie, rot das Überlagerungsbild nach Aufbereitung. Die Ortsauflösung beträgt 20 µm. Man sieht immer noch grün durchscheinen, was bedeutet, dass an dieser Stelle die Feile unter 20 µm abgeraspelt hat.

Es sind keine 100%. Das war aber auch nach der Studienlage nicht zu erwarten. Was man aber sehen kann, dass diese Feile ganz hervorragend in den ovalen Kanälen arbeitet (recessi, cul-de-sac´s). Das wird die Stärke der SAF sein. Das wird auch durch bakteriologische Studien bestätigt werden, da bin ich mir sicher. Interessant wird es werden, wenn die desinfizierende Leistung der SAF mal gegen die PUI verglichen wird.

Das Bild des Molaren mit C-förmigem Wurzelkanalquerschnitt habe ich von der Redent-Website. Nur exemplarisch, man kann sich die Kataloge als PDF downloaden. Wie man sieht, ist der c-shaped-Teil des Kanals nicht vollständig abgeraspelt worden. Und: die POE´s sind GAR NICHT bearbeitet. Also: Handfeilen oder rNITI zur Ausformung. Und mir kommen sofort die Bilder von Nair oder Ricucci in den Kopf, die eine Biofilmbesiedlung bis an die Wurzelspitze nachweisen. Dieser Teil wird von der SAF nicht touchiert. Diese Anteile müssen konventionell behandelt werden.

Es lohnt sich, die µCT-Bilder von der Website genau anzuschauen. Es wird auffallen, dass die Aussenkurvaturen stets mehr bearbeitet werden als die Innenkurvaturen. Wie sollte es auch anders sein……

Was das Instrument aber sehr gut kann, ist Isthmen zu spülen. Es wurde eine ProTaper-Aufbereitung gegen eine SAF-Aufbereitung gestellt. Es fällt auf, dass die Isthmen in der SAF-Gruppe nach Aufbereitung frei von opakem Material sind, während in der ProTaper-Gruppe sich immer noch röntgendichter Debris in den Isthmen befindet. Man sieht aber auch, dass die SAF den Isthmus zwar extrem „sauber“ hinterlassen, aber nicht aufbereitet hat (dafür kann es mehrere Gründe geben). Ob die ProTaper-Gruppe mit Einsatz der PUI ebenfalls dazu in der Lage gewesen wäre, kann zu diesem Zeitpunkt nicht bewertet werden. Am Rande sei erwähnt, diese Untersuchungen wurden an einem geschlossenen Modell vorgenommen.

All diese Fakten haben mich die SAF in mein Protokoll integrieren lassen. Aber nur als Supplement, nicht als Ersatz. Das Instrument macht einfach sauber. Diese Tatsache kann und sollte auch nicht geleugnet werden. Die Gretchenfrage wird sein: welchen Einfluss hat es auf die Prognose? Ich weiss es nicht, aber ich weiss, was raus ist, ist raus ;-)

In unserer Praxis stellt die Revisionsbehandlung ca. 80% der gesamten Endodontiebehandlungen. Dafür ist die SAF schlichtweg ungeeignet. Zumindest in meinen Händen (Handschuhgrösse 10). Es muss vor Einsatz der SAF die komplette konventionelle Revisionssequenz gefahren werden.

Spart mir also der Einsatz der SAF Zeit? Nein, eher im Gegenteil. Die Feile benötigt ihre Zeit, um effektiv zu sein. Mit schnell, schnell ist der Frust schon vorprogrammiert, da Brüche und/oder Einrisse der Feile vorkommen. Wenn man für einen Molaren 3 SAF-Feilen benötigt, lernt man schnell, ruhiger zu werden ;-) Auf zahnmed (einer Mailingliste) wurde der Preis von ca. 40-50€ für eine Feile genannt. Dann versteht man auch den Zusammenhang zwischen Feileneinsatz und innerer Ruhe…..

Die SAF überwindet weder verblockte Kanäle, noch findet sie übersehene Anatomie. Dazu die ungeklärte Frage nach der geeigneten Obturationstechnik. Ob ein Stift in Sosse (single-cone) der Anatomie gerecht wird? Sicher kann man über den Einfluss auf den Outcome diskutieren. Was man aber nicht diskutieren kann ist die Tatsache, dass eine erfolgreiche WKB multifaktoriell bedingt ist. Da gehört weit mehr dazu, als nur eine Feile irgendwo reinzuhalten und zu hoffen, jetzt wird alles gut. So wird die SAF aber positioniert. Es ist aber nicht die eierlegende Wollmilchsau.

Zu diesem Zeitpunkt zumindest nicht.

Die Umsetzung ist in meinen Augen nicht so perfekt gelungen. Das System sollte qualitativ noch deutlich zulegen. Die Preisgestaltung wird sicher nicht einfach. Der Preis wird den Erfolg dieses Systems jedoch stark beeinflussen, davon bin ich überzeugt. Und das System wird sich evolutionieren, weiterentwickeln, umso stärker, desto mehr es klinisch genutzt wird. Die ersten Schritte dahin sieht man in der Einführung der grösseren Feile, die einfach mehr Druck auf die Wände entwickeln kann. Viele mögliche Faktoren wie z.B. Ledgeformation, Transportation etc. sind (noch) nicht untersucht.

Dennoch sollte man dieses System im Auge zu behalten. Es hat grosses Potential. Den Marketingaussagen sollte jedoch mit einer gesunden Portion Skepsis und Menschenverstand begegnet werden, nicht zuletzt mit seinem Fachwissen.

Ach ja, falls die Frage nach Röntgenbildern im Raume steht, ich habe absichtlich keine in diesen Artikel eingefügt. Denn: welche Aussage könnte man wohl anhand der weissen Striche auf dem Rö über den Einsatz dieser Feile schon treffen……

Und noch ein kleiner Hinweis am Rande:

Bei der Jahrestagung der DGEndo in Berlin vom 04.11.2010-06.11.2010 wird ein SAF-Workshop angeboten und Prof. Metzger wird einen Vortrag über das System halten. Interessierten sei der Workshop ans Herz gelegt, um sich selber ein Bild machen zu können.

Mein abschliessender Dank gilt Dr. Frank Paqué von der Uni Zürich. Ohne seine exzellenten Bilder, seinen fachlich sehr fundierten Widerstand gegen meine empirischen Behauptungen und seine Ratschläge wäre dieser Blogeintrag nicht halb so interessant.

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Das SAF-System – ein kleiner Erfahrungsbericht Teil 1

von Oscar von Stetten

Die Idee dahinter ist bestechend. Man kann es einfach nicht anders bezeichnen. Für mich auf einer Stufe mit der Einführung des Dentalmikroskopes, der rNITI, des MTA.

Warum? Weil das System viele Vorteile in sich vereint. Eine schonende, dem Kanalverlauf genau angepasste Aufbereitung. Keine schnelle Rotation unter Scherlast, daher keine Bruchgefahr im herkömmlichen Sinne. Hohlnadelsystem, simultane Spülung möglich. Netzartige Struktur, dadurch extrem flexibel, die Spitze mit Durchmesser 0,2mm , Feilendurchmesser 1,5 mm. Vertikale Hubbewegung  mit einer Amplitude von 0,4mm, raspelt damit von der Kanalwand ab und aktiviert gleichzeitig die Spülung. Das sind die Eckdaten, die einem das Herz höher schlagen lassen. Nimmt man nun noch die Studien zur Hand, alles perfekt. Spricht man mit denjenigen, die diese Studien gemacht haben, bleibt einem das Staunen in den Erzählungen und der Enthusiasmus in Erinnerung. „So saubere Kanäle habe ich noch nie gesehen“ ist einer der prägnantesten Sätze.

Alles, wonach wir immer gesucht haben. Einfach die SAF 4 Minuten in den Kanal halten, das Instrument macht alles von alleine. Debris weg, SmearLayer weg, alles gut. Apikal bis zu 65% bearbeitete Kanalwand.

So waren meine Gedanken, als ich das System recherchierte.

Mitte August gab es einen SAF-Kurs bei Jadent, Wolf Richter hat das System schon seit kurzer Zeit im Betrieb und hat uns wertvolle Tipps gegeben. HenrySchein hat jedem 10 Feilen in die Hand gegeben, wir konnten in aller Ruhe das System an die Grenzen bringen. Nach den ersten drei Feilen war ich ernüchtert. Jahrelang trainierte Reflexe übernahmen die Kontrolle, ich behandelte die SAF wie eine rNITI. Fazit: so geht es nicht. Niemals. Auf keinen Fall. Die Feile verhält sich nicht wie eine konventionelle rotierende Feile. Druck mag die Feile nicht, sie knickt sofort ein. Als die Testfeilen beerdigt waren, wusste ich nicht, was ich von diesem System zu halten hatte. Sicher, die Kanäle der extrahierten Zähne sahen aus wie polierter Speckstein. Glänzend. Aber die Anwendung per se, schon seltsam. Der transparente Zahn ist ein Molar mit C-förmigem Wurzelkanalquerschnitt. Die abgerissenen und verkeilten Fragmente sind zu 100% meiner nicht vorhandenen Erfahrung zu verdanken. Trotzdem fand ich es nicht beruhigend, dass man die Fragmente so verkeilen kann, dass sie nicht wie beschrieben einfach zu entfernen sind, wie beschrieben.

Nun kam Anfang September mein System in die Praxis und voller Zuversicht habe ich meinen ersten Zahn damit behandelt. Mit Handinstrumenten bis ISO 20 den Gleitpfad erstellt, danach die SAF versucht zu verwenden. Versucht? Ja, versucht. Wenn die Spitze der Feile nicht (in meinen Händen) ca. 5-6 mm als Führung im Kanal steckt, geht gar nichts. Also PreFlaring mit einer ProTaper SX. Dann ging es.

Das klinische Protokoll wurde erweitert um das PreFlaring mit der SX. Dann die nächste Hürde…..

Ich habe mir extreme straight-line Zugänge aus Gründen der Zahnhart-substanzerhaltung abgewöhnt, natürlich immer fallindividuell entschieden. Aber es ist nun mal so, dass ich eine ProFile, M2 oder eine TwistedFile auch mal ein bisschen gebogen in den Kanal einführen kann. Das geht mit der SAF nicht. Gar nicht. Die Feile knickt sofort ein und beginnt zu reissen. Also: ein sehr guter straight-line-access ist essentiell. Ohne den wird man mit der SAF schnell gefrustet sein.

Eine Besonderheit des Kopfes RDT3 von RedentNova ist nicht nur die Hubbewegung. Die Feile kann, wenn sie ohne Last ist, auch rotieren. Das ist wichtig, damit die Spitze auch den Krümmungen folgen kann und eine Führungsfunktion übernimmt.  Nun ist es leider so gewesen, dass sich die Feile nicht gedreht hat, weil sie irgendwo klemmte. Damit konnte die Spitze auch Krümmungen nicht folgen und die Feile hat nicht gearbeitet, ist eingerissen oder eingeknickt. Ob eine Stufe präpariert wurde, kann ich natürlich nicht sagen, die behandelten Zähne sind noch im Patienten. Aber ich konnte eine leichte Stufe mit einer Handfeile tasten. Also habe ich begonnen, den Gleitpfad mit der ProFile 04/20 zu formen.

Damit kam zur SX meine klinisch bewährte Gleitpfadsequenz dazu.

Seit dieser Änderung des klinischen Protokolls habe ich keine Probleme mehr mit der SAF. Man bekommt ein Feeling für die Feile und die Kanäle. Inzwischen habe ich sie in mein Aufbereitungsprotokoll eingegliedert und mir ist schon komisch zumute, wenn ich sie nicht einsetze. Inzwischen weniger zum Aufbereiten, mehr zum Spülen, als Finish. Dabei habe ich stets die Studienbilder im Kopf, diese machen einfach ein gutes Gefühl. Und wenn man sieht, was da von apikal hochgespült wird….

Dennoch: die Feile hat Probleme. Und ist nicht für alle Fälle geeignet.

Grosse, ovale Kanäle sind problematisch. Das Prinzip der Feile beruht auf der Tatsache, dass sie gestaucht wird und aufgrund des Rückstellungsvermögens des NiTi wieder in die alte Form zurück will. Nur dann erzeugt die Feile ausreichend Druck auf die Seitenwände und bearbeitet diese. Sind die Kanäle zu gross, dann wird auch keine Arbeit verrichtet. Redent selber sagt, die SAF nicht in Kanälen gleich oder grösser ISO 45 einzusetzen. Was Bände spricht. Und die Indikation ein wenig einschränkt.

C-shaped-Wurzelkanalanatomien oder Isthmen sehe ich auch als problematisch an. Wenn die Feile sich aufgrund ihrer Bauart in einem Überhang verhakt, dann klemmt sie und geht auch nicht unbeschadet wieder raus. Es bleiben kleine Fragmente der Feile in den Kanälen. Es wird zwar propagiert, dass man diese Fragmente einfach wieder rausspült, aber das ist so nicht immer einfach und auch unbedingt möglich. Isthmen sollten, so meine Erfahrung, vorher mit US eröffnet werden, wobei nicht eine ISO 50 gemeint ist. Es reicht, mit einer ISO 20 oder ISO 25 Endosonore einmal zu eröffnen, damit die SAF einen Pfad hat, dem sie folgen kann.

Revisionen

Bei Revisionen muss vorher die komplette konventionelle Sequenz gefahren werden. Danach kann man versuchen, die Guttaperchareste mit der SAF wie in einem Korb nach oben zu transportieren. Kann klappen, muss aber nicht. Manche Sealer sind so hart, dass die SAF einfach machtlos ist. Und manche sind so weich, dass die SAF auch machtlos ist. Mit unpolaren Lösungsmitteln ist sicher mehr möglich, deren Einsatz in der Endodontie wird jedoch sehr kontrovers diskutiert und ich bin mir auch nicht sicher, ob der Kunststoffkragen der SAF das lange aushält.


Aus ergonomischer Sicht ist die Pumpe ein wenig suboptimal. Noch ein Gerät, noch ein Fussanlasser. Der Tank der Pumpe ist NICHT abnehmbar, vielleicht wird das geändert. Es sollte geändert werden, da das unverbrauchte Hypo dann die ganze Zeit über im Gerät steht. Wie wir wissen, ist es ein hervorragendes Oxidationsmittel, was der Haltbarkeit der Pumpen sicher nicht zuträglich ist. Der Zufuhrschlauch nervt manchmal und verhakt sich sehr gerne. Gut ist, dass die Pumpe über einen Akku verfügt und deswegen nicht permanent am Strom hängen muss.


Das ganze Handling ist zumindest bei uns nicht unproblematisch. Die Feile benötigt eine genaue Geschwindigkeit von 5000 UPM. Bei meiner Sirona C4+ ist das gut einzustellen. Leider habe ich nur zwei EL-Motoren an der Einheit, d.h. ich muss die Speicherplätze umschalten und umprogrammieren. Das stört den Workflow erheblich. Glücklich ist, wer eine NaCl-Pumpe in der Einheit hat. Vielleicht kann man das Hypo einfach in einen alten NaCl-Beutel füllen (und fett beschriften und/oder Neongelb markieren!!) und spart sich so die Pumpe. Oder aber die Assistenz bekommt eine grosse Spritze in die Hand und sorgt so für die Spülung. Viele Wege führen nach Rom, wie man es gerne hätte, muss jeder für sich rausfinden. Wie die Empfehlung der 5ml/min Durchflussmenge entstanden ist, kann ich nicht sagen. Aber ich kann es vermuten: es ist die maximale Durchflussmenge, die durch den Spülkragen der SAF passt. Bei einer grösseren Menge geht ein Teil der Spülflüssigkeit nach oben Richtung Arbeitskopf und kann zu Korrosionen führen.


Das klinische Arbeiten ist unspektakulär. Zuerst sortiert man die Kabel und den Schlauch, programmiert die Einheit auf die neue Geschwindigkeit und ist dann bereit. Nun ein Druck auf den Fussanlasser, die Pumpe arbeitet, man versucht die Feile ohne Knick und zu viel Druck in den Kanal zu führen und arbeitet mit leichten vertikalen Bewegungen (laut Dr. Zeppenfeld/Flensburg „und jetzt mach den Specht“) und schaut zu, wie die Feile im Laufe der Zeit immer tiefer in den Kanal sinkt, dabei rotiert und wieder tiefer geht bis nach einer gewissen Zeit die Feile nur noch rotiert, weil sie keine Arbeit mehr an der Wand vollführt.

Moment, versucht die Feile einzuführen? Ja, bei OK/UK Molaren kann das durchaus schon mal problematisch sein, wenn die Mundöffnung nicht allzu viel hergibt.


Die Reinigungswirkung ist unter dem DM schon beeindruckend. Wenn man sieht, was da selbst noch nach 3 min. Einsatz aus der Tiefe hoch schwimmt, das ist schon ein Wort.


Bei komplexeren Anatomien (oder mangelhaften Zugängen) kann es passieren, dass die SAF einfach aufreisst. Bei einem OK-Molaren können so schon mal 3 Feilen das Zeitliche segnen.


Die Bilder der zerstörten Feilen stammen vom Kurs. Wie jedes System kann man auch die SAF falsch einsetzen und bewusst zerstören. Keine Frage. Das geht mit rNiti auch, sogar ohne grössere Probleme.


Nachdem die ersten Einstiegshürden genommen waren, hatte ich Zeit, mir die Arbeitsweise der Feile näher zu betrachten.

Seltsam mutet  an, dass die Spülflüssigkeit sich rein über Kapillarkräfte an der Feile nach apikal hangelt (wenn man im OK behandelt und die Feile nicht zum Erdboden zeigt) Die daraus resultierende Frage ist: wie effektiv ist der Flüssigkeitsaustausch tatsächlich?  Er wird effektiver, wenn man die Feile 5-7mm aus dem Kanal rauszieht und dann wieder einführt. Diese grosse vertikale Bewegung bringt dann den gewünschten Austausch, so wie man es z.B. bei der PUI gewohnt ist. Die Assistenz darf beim Absaugen nicht zu nahe an der Feile sein, da sonst alles NaOCl im Sauger verschwindet, bevor es das Kavum erreicht hat.

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Zahnarzt neu in der Schweiz – die Fortsetzung von: „Zahnarzt in Deutschland- Nichts wie weg“

von Torsten Hatzky

Nun wohnen  wir seit ca.  1 Jahr und  8 Monaten in der Schweiz. Natürlich war es spannend, nach so vielen Jahren der Berufstätigkeit noch mal ganz neu anzufangen. Und es kamen Patienten. Anfangs nur sehr wenige, aber es war und ist eine stetige Steigerung zu verzeichnen. Aber es kamen nicht so viele wie gedacht. Man hatte uns von verschiedener Seite gewarnt, dass es wenigstens zwei Jahre dauern würde, bis die Praxis gut läuft. Das habe ich nicht geglaubt. Selbst heute gibt es immer noch Tage, an denen Termine frei bleiben und wir freuen uns über jeden, der kommt. Nur in einer einzigen Woche waren wir mal komplett ausgebucht. Das hatte ich so nicht erwartet. Meine erste Praxis in Südwestdeutschland war nach einem Jahr nahezu voll ausgelastet. Nach zwei Jahren habe ich es kaum noch geschafft, alle Patienten zeitnah und gründlich zu versorgen.  Der Unterschied liegt in einem völlig anderen „Zahnarzt-Verhalten“ der Schweizer. In Deutschland, zumindest war es bei meiner ersten Praxis1988 so, kamen nicht wenige Patienten nur aus Neugierde, um dann später wieder woanders hinzugehen. Als Richtzahl konnte ein guter Zahnarzt damit rechnen, dass von fünf Patienten maximal drei dauerhaft in der Praxis blieben. Ein paar Spezialitäten aus der Hightech- Ecke des Dentalhändlers waren unter Umständen recht hilfreich, um den Zulauf zu erhöhen.

Hier sind bislang nur Patienten zu mir gekommen, die keinen Zahnarzt hatten. Der Schweizer wechselt seinen Zahnarzt normalerweise nicht. Gründe, die doch dazu führen könnten, sind: Ortswechsel des Patienten, Abgabe der Zahnarztpraxis an einen Nachfolger (wenn der Patient mit dem den Nachfolger nicht so gut auskommt), wenn ein Zahnarzt aus Gesundheits- oder Altergründen den Umfang seiner Praxis reduzieren muss. Unzufriedenheit mit dem Zahnarzt ist extrem selten und kommt erst auf, wenn der Zahnarzt mehrere Male in Folge Fehler macht. Sehr unwahrscheinlich ist der Fall, dass ein Patient wechselt, weil ein anderer Zahnarzt ein digitales Röntgen, einen Laser oder etwas anders „Tolles“ zu bieten hat.

Aber die Zahnärzte verhalten sich hier auch anders. Die Mehrzahl (ich kann   natürlich nur für meine Region sprechen) versorgt Ihre Patienten auf hohem fachlichen Niveau. Falls sinnvolle Therapien, insbesondere Paro und Implantologie in der Praxis nicht angeboten werden, wird viel häufiger als in Deutschland zum Spezialisten überwiesen.   Wenn eine Praxis so ausgelastet ist, dass die Wartezeit auf einen Termin zu lang ist, wird ein rigoroser Aufnahmestopp für Neupatienten verhängt, bis sich die Lage wieder normalisiert hat. Gute Praxen haben ihr festes Klientel und nehmen, wenn überhaupt, nur Familienmitglieder von Stammpatienten neu an.  Von Deutschland weiß ich, dass Zahnärzte meist  jeden aufnehmen, den sie bekommen können. Hauptsache, er geht nicht zum Nachbarkollegen.  Notfalls wird halt etwas schneller oder abends etwas länger gearbeitet. Und beim Kampf um Neupatienten wird manchmal ohne Grund die Arbeit eines Kollegen schlecht geredet.

Die korrekte Bezahlung der zahnärztlichen Leistungen macht es ganz offensichtlich möglich, fast grundsätzlich „lege artis“ zu arbeiten. In Deutschland hatte ich früher sehr oft  bei Neupatienten das Problem, dass Kofferdam nicht bekannt war und sie auch nicht bereit waren, ihn ohne lange Diskussion zu akzeptieren. Hier ist das anders. Man kennt es, ja es wird meist auch  erwartet. Auf jeden Fall wird so gut wie nie darüber diskutiert.

Hier werden selten mehr als 8-10 Patienten pro Tag bestellt.  Die umschichtige Behandlung von zwei Patienten nahezu zeitgleich in zwei Zimmern gibt es offenbar kaum mal. Wie mir glaubhaft erzählt wurde, haben Zahnärzte aus Deutschland, die dieses missachtet hatten, ihre teuer gekauften Praxen innerhalb eines Jahres zugrunde gerichtet. Der Patient in der Schweiz verlangt für sein Geld wesentlich mehr Zuwendung und vor allem eine ganz besonders gründliche Beratung.

So wundert es nicht, dass hier die Qualität zahnärztlicher Arbeiten ein gutes Stück besser ist. Obwohl das Spektrum auch von mangelhaft bis erstklassig reicht, sehe ich insgesamt wesentlich mehr Arbeiten, die die Bewertung  gut oder sehr gut verdienen. Speziell beim Zahnersatz ist dies so. So habe ich bislang nur ganz wenige Arbeiten gesehen, bei denen der Verdacht bestand, dass von Anfang an geschludert worden ist.  Bei einer suboptimalen Arbeit lohnt es sich auch mal zu fragen, wo sie gemacht wurde.  Nicht selten erfährt man dann, dass es anlässlich einer Reise in Ungarn, Bulgarien oder sonst wo in der Welt geschah. Nicht wenige Patienten versuchen so, günstiger zu ihrem Zahnersatz zu kommen. Die Schweizer Zahnärzteorganisation SSO hat mal solche Arbeiten routinemäßig überprüfen lassen mit dem Ergebnis, dass die Mängelquote signifikant über der von in der Schweiz gefertigten Arbeiten lag.

Es gibt aber noch andere Unterschiede:

Zum einen gibt es sie bezogen auf das Patientenalter:  Bei Patienten ab einem Alter vom ca.45 Jahren sieht man recht viele mit schlechtem Gebiss-Status, vielen fehlenden Zähnen, umfangreichen, oft überlasteten Füllungsrestaurationen. Bei den jüngeren Patienten haben ganz offensichtlich die Prophylaxe-Bemühungen, die die Schweizer Zahnärzte zusammen mit der Regierung in vorbildlicher Weise eingeführt haben, Früchte getragen. Ich hatte in dieser Altersgruppe früher nie so viele absolut kariesfreie Patienten gesehen. Bei denen, die Füllungen hatten, waren diese meist von geringer Ausdehnung. Nahezu alle diese Patienten gehen ein Mal pro Jahr zur Vorsorgeuntersuchung. Das wird dann generell mit einer professionellen Zahnreinigung verbunden. Dazu arbeitet in nahezu jeder Praxis mindestens eine Prophylaxe-Assistentin oder DH. Bissflügelaufnahmen werden  hier übrigens viel häufiger gemacht als in Deutschland, oft sogar im Jahresturnus. Und welch Wunder: Es gibt nie Diskussionen über die Strahlenbelastung.  Die Patienten wurden hier bislang nicht von übereifrigen Politikern, die weit über alle vernünftigen Ziele hinausgeschossen sind, unnötig aufgehetzt. Interessant ist auch das Thema Amalgam. Gute Amalgam-Restaurationen bleiben generell im Mund. Nur dann, wenn sie schadhaft sind, sollte ein anderes, möglichst verträglicheres und zahnfarbenes Material verwendet werden.

Für die Versorgung der anspruchsvolleren Patienten gibt es hier in fast jeder Praxis ein Cerec- Gerät. Sämtliche Cerec- Restaurationen  sind  im Schweizer Zahnarzttarif enthalten (CHF 700-1000.-) So haben die Patienten die Möglichkeit, zu recht günstigen Preisen eine langlebige Füllungstherapie  zu bekommen. Da ein laborgefertigtes dreiflächiges Inlay allein beim Zahntechniker zwischen CHF 500.- und 550.-  kostet, ist diese Therapieform hier kaum anzuwenden. Ähnlich verhält es sich mit partiellem Zahnersatz. Hier gilt die Modellguss-Prothese mit Klammen als Standartversorgung. Kombi-Arbeiten mit Teleskopen, Geschieben oder Stegen sind absolute Ausnahmen. Auch Implantate werden offenbar deutlich  seltener als in Deutschland gesetzt.

Eine zahnmedizinische „Problemgruppe“ bilden Patienten aus den so genannten „bildungsferneren“ Schichten und häufig auch solche mit Migrations- Hintergrund. Hier ist das Zahnbewusstsein oft sehr schlecht. Diese Patienten kommen normalerweise erst zum Zahnarzt, wenn Schmerzen auftreten. Dann ist es meist zu  spät und ich muss Zähne extrahieren, die mit einer Endo gut zu retten gewesen wären. Wenn überhaupt, werden dann sehr oft Composite- Füllungen mit stark überzogener Indikation gelegt. Eine Füllungstherapie durchzuführen, scheitert oft an der Bereitschaft, dafür Geld bereitzustellen oder auch  am niedrigen Einkommen. Die Terminmoral dieser Leute ist schlecht und auch mit der Bezahlung meiner Rechnung klappt es bisweilen nicht. Häufiger als in meiner früheren Praxis habe ich einen finanziellen Totalverlust hinnehmen müssen. Hier sichern wir uns inzwischen etwas besser ab, z.B. mit Voraus- und Abschlagszahlungen. Besonders wichtig ist dies beim Notfalldienst am Wochenende.

Da fast alle Patienten nahezu immer alles aus eigener Tasche bezahlen müssen, wird insbesondere dann, wenn mehr als eine Füllung nötig ist, zunächst eine ausführliche Offerte erstellt. Diese Leistung kann nicht berechnet werden, selbst dann nicht, wenn eine umfangreiche prothetische Planung damit verbunden ist. Um unterschiedlichen Erwartungen gerecht zu werden, mache ich sehr oft mehrere  verschiedene Therapievorschläge.  Dann kann es auch vorkommen, dass nach längerem Nachdenken die Behandlung aufgeschoben wird, bis das nötige Geld angespart ist. Nicht selten werden Therapieformen aus finanziellen Gründen gewählt, bei denen die Indikation überzogen ist, wie z.B. mehrflächige Composite- Füllungen mit dem Ersatz von zwei, drei oder gar vier Höckern als Dauerversorgung anstelle eine Krone oder Teilkrone. Oder: Eine Kunststoff-Interimsprothese mit gebogenen Draht-Klammen anstelle einer Modellguss- Prothese.

Wesentlich besser als ich das von früher gewohnt war, scheint das Verhältnis der Zahnärzte untereinander zu sein,  Als meine Praxiseröffnung nahte, habe ich beim Nachbarkollegen im selben Ort angerufen um anzufragen, ob ich mich mal vorstellen könne.  Am sogleich vereinbarten Termin wurde ich außerordentlich freundlich empfangen. Nach einem informativen Gespräch  hat er mir gleich das „Du“ angeboten und obendrein  die nächste Urlaubsvertretung übertragen.  Seinen Vorschlag zur Mitarbeit in der regionalen Study-Group habe ich gern angenommen.

Und so habe ich schon bald  die anderen Kollegen der näheren Umgebung kennen gelernt.  Und wieder gab es eine Überraschung für mich: Obwohl sie theoretisch direkte Konkurrenten sind, haben alle ein überaus freundschaftliches Verhältnis zueinander. Es gab nie irgendwelche Anzeichen von Misstrauen oder Missgunst.  Im Gegenteil: Von allen Seiten schlug mir  freundliches Interesse entgegen.  Und wenn sich in den anderen Praxen neue Schmerzpatienten meldeten und keine Zeit für Ihre Behandlung  war, wurden diese oft an mich verwiesen. Das ist bis heute so geblieben und hat mir sehr geholfen.

Fazit:

Es macht mir Freunde, in einem Alter, in dem mancher schon langsam an den Ruhestand denkt, noch einmal neu durchzustarten, auch wenn es finanziell zur Zeit immer noch „eng“ ist. Dass die meisten Neupatienten inzwischen auf Empfehlung anderer kommen zeigt, dass meine Arbeit gern angenommen wird. Das gibt mir viel Bestätigung. Ganz wichtig auch: Ich fühle mich korrekt bezahlt. Das höhere Honorar muss man natürlich „relativ“ sehen.  Ihm stehen auch ein deutlich höherer Zeitaufwand bei der Behandlung sowie höhere Praxiskosten gegenüber. Privat stehen den angenehm niedrigen Steuern wiederum höhere Lebenshaltungskosten entgegen. Trotzdem bleibt mehr übrig und ich kann nachts wieder durchschlafen. In Deutschland hatte ich in den letzten Jahren oft mit sorgenvollen Zukunftsgedanken wach gelegen.  Die Lebensqualität und die Stimmung der Bevölkerung in der Schweiz sind wesentlich besser als in Deutschland. Wir, d.h. meine Frau und ich, sowie mit etwas Verzögerung auch unsere Tochter, haben den Schritt nicht bereut,

Was ich aus heutiger Sicht anders machen würde:

Eine Praxisübernahme wäre gegenüber der Neugründung wahrscheinlich die bessere Alternative gewesen, weil die mühsame Startup-Phase  weggefallen wäre. Auch hätten wir die Entscheidung zur Auswanderung besser ein paar Jahre früher getroffen. Dann hätte man vielleicht auf eine erneute Kreditaufnahme verzichten können.

Ein paar Tipps an alle, die auswandern wollen (ohne Anspruch auf Vollzähligkeit und nicht nur auf die Schweiz bezogen):


  • Unbedingt den Schritt mit allen Familienangehörigen und nahe stehenden Verwandten abstimmen. Es sollten alle an einem Strang ziehen.
  • Ganz wichtig: Kein Schnellschuss! Ausreichend lange recherchieren (Internet, Reisen, Bücher, private Kontakte). Ein paar Wochen oder Monate genügen nicht
  • Finanzielle Situation prüfen. Dazu eventuell die Kreditwürdigkeit bei der Hausbank klären. Den Verkauf der alten Praxis rechtzeitig versuchen und auch einen Misserfolg einplanen.
  • Die zahnmedizinische Situation im neuen Land genau abklären. Kontakt suchen zu deutschen Kollegen, die dort schon arbeiten, zu Dentalhändlern, Niederlassungsberatern und Banken.
  • Zahnmedizinische Versorgungslage der avisierten Region abklären.
  • Ganz wichtig: Wirtschaftliche Lage der Region klären. Gibt es Bevölkerungswachstum oder Abwanderung. Letzteres wäre fatal.
  • Bei einer Praxisübernahme den finanziellen Ertrag der Praxis unbedingt von einem unabhängigen Gutachter prüfen lassen.  (Mir wurde hier von einem Betrugsfall berichtet, bei dem ein unkritischer deutscher Zahnarzt nur knapp einer Pleite entging, weil der alte Praxisinhaber im letzten Jahr mit massiv überhöhten Preisen zwar die Gewinnmarge erhöht, jedoch damit die meisten Patienten aus der Praxis getrieben hatte).
  • Frühzeitig Kontakt mit Behörden des neuen Landes aufnehmen zur Abklärung eventueller Einwanderungsbeschränkungen,  Anerkennung des Staatsexamens, Mitnahme von Umzugsgut und Vorschriften für vorhandene Fahrzeuge.

Deutscher Zahnarzt in Madrid gestrandet!

von Alexander Knobel

Ja, auch ich habe den Schritt gewagt und alles, was ich die letzten 10 Jahre beruflich aufgebaut hatte, einfach über Bord geworfen.

Wir sind vor 1 1/2 Jahren nach Spanien ausgewandert und ich habe seit 7 Monaten eine Clinica Dental im Herzen von Madrid.

So, in der Regel wird hier erst einmal im deutschen Kollegenkreis lautstark applaudiert….

Was hat nun mich aus dem beschützten Schoß deutscher Sicherheit getrieben? Als Partner einer sehr gut funktionierenden 3-Behandler-Praxis?

War es so schlecht in Deutschland? Flucht vor der KZV, der Reglementierung, Budgetierung und dem behandlungsfeindlichen Regelwerk deutscher Kassen, gar dem schlechten Wetter entflohen?

Nein, die Gründe sind viel simpler: Wie bei einer Vielzahl der Deutschen, die ich hier kennengelernt hab, gaben rein familiäre Gründe den Ausschlag diesen Schritt zu wagen.

Einfacher ausgedrückt, ich bin mit einer Spanierin verheiratet und derjenige, der mit einem gebürtigen Spanier verheiratet ist, wird über kurz oder lang in Spanien stranden.

Die familiären Wurzel der Spanier sind sehr stark ausgeprägt. Eine Eigenschaft, die in Deutschland wohl weniger zu finden ist.

Ok, die Gründe sind dann ja erst einmal egal, denn: jetzt wird ja alles besser!!!

…. das würde ich so nicht unterschreiben wollen.

Eines ist sicher, es ist definitiv anders als in Deutschland! Nicht nur das Wetter.

In Spanien ist jeder gesetzlich versichert und es gibt keine Trennung in gesetzlich oder privat versichert. Der Umfang der zahnmedizinischen Leistungen umfasst dabei einzig die Kontrolle, einfache Schmerzbehandlung und Extraktionen.

Möchte man mehr Leistungen erhalten, so kann man sich natürlich zusätzlich privat versichern.

Diese sind relativ günstig und daher fallen die entsprechenden Leistungen eher gering (mager) aus.

Eine Krone geht hierbei dann auch mal für 60€ über den Tisch. Wir reden vom Komplettpreis incl. Labor. Über die Möglichkeiten, die man dafür hat, kann sich jeder selber seine Gedanken machen.

Weiterhin bleibt einem dabei in der Regel die freie Arztwahl verwehrt und man ist somit gezwungen zu einem Arzt, der das Vertrauen der Versicherung genießt, zu gehen.

An einer massiven Zuzahlung kommt man aber auch hier für  eine vernünftige Zahnmedizin nicht herum.

Zuzahlung als Standard, keine Versicherung im Rücken. Erstmal ganz toll, aber:

Zahnmedizin hat in Spanien keine Tradition, soll heißen, dass ein Großteil der Bevölkerung nur bei akuten und starken Beschwerden den Zahnarzt aufsucht. Routinekontrollen und Prophylaxe sind für die meisten ein Fremdwort.

Jeder Besucht kostet direkt Geld und man muss wie beim Metzger direkt nach Erhalt der Leistung bezahlen. Garantien gibt es eigentlich keine, wobei man natürlich seitens des Arztes alles versprochen bekommt.

Naja, anderes Thema.

Es ist also erst einmal wirklich schwer, als Neugründer Leute in die Praxis zu bekommen. Und Zahnärzte gibt es hier auch mehr als genug.

Gefühlt mehr als Patienten.

Aber davor steht erst einmal die Praxisgründung an. Was ich hier zur Übernahme gesehen habe, hat mir wirklich umgehauen:

Rostige Autoklaven, nicht vorhandene Steris…aber das Wartezimmer war immer Top ausgestattet!

In Spanien ist es übrigens völlig egal, ob man vor hat, eine Zahnarztpraxis oder eine Wurstfabrik (nein, ich bin kein Vegetarier!) zu gründen. Man benötigt einen Kredit und dieser muss komplett gedeckt werden können. Ohne anderweitige materielle Sicherheiten  bekommt man hier keinen Cent von der Bank. Gott sei Dank ist der familiäre Zusammenhalt sehr groß, so dass man hierbei immer auch auf die Familie zählen kann. Es wird geholfen.

Sollte die Hürde Papier und Zulassung, was recht einfach, aber zeitaufwendig ist, der Kredit und das Auffinden geeigneter Räumlichkeiten überwunden sein, geht es ans Eingemachte.

Der Umbau.
Hierfür gibt es erst einmal keine Beteiligung des Vermieters. Ich war schon glücklich, dass ich einen 10 Jahres – Vertrag bekommen habe, was so nicht üblich ist. Das spanische Mietrecht ist dabei auch eher mieterunfreundlich (immer im direkten Vergleich zu Deutschland).

Und spätestens, wenn der erste Bauarbeiter den Hammer schwingt, treibt das einen deutschen Zahnarzt, der auch gerne zur Optimierung der Qualität mit Lupenbrille arbeitet, in den Wahnsinn.

Mir ist in meinem Leben noch nie soviel Pfusch und Dummheit begegnet. Auch wenn irgendwann einmal eine ordentliche Planung stattgefunden hat, so ist diese bei den ersten Maßnahmen nur noch Vergangenheit. Es existieren ab jetzt keine detaillierten Pläne mehr, alles wird nur noch so ungefähr, aus dem Bauch heraus, erledigt. Es gibt für jeden Pfusch eine Lösung und, auch wenn später alles ganz nett aussieht, ist alles mehr Schein als Sein. Bereits nach zwei Wochen zeigen die ersten Wände Risse und in den ersten zwei Monaten hatten wir drei Wasserschäden, aufgrund mangelnder Bauqualität. Von meinen Stromausfällen möchte ich hier jetzt nicht berichten. Wer braucht schon Strom in einer modernen Zahnarztpraxis ?!?

Alleine zum Thema Umbau bzw. Aufbau meiner kleinen (100qm) Clinica Dental könnte ich eine Buchserie starten ….. behalte ich zumindest im Hinterkopf, falls das hier nichts mehr wird.

Sollte man es mir bis jetzt noch nicht angemerkt haben,  ich habe das Trauma „obra“ (Baustelle)  immer noch nicht ganz verwunden. Ich hatte noch nicht einen Patienten gesehen und bereits mehr Abenteuer, als zu verkraften war.

Wir hatten übrigens eine spanische Firma  beauftragt, die sich auf den Aufbau von Arztpraxen spezialisiert hat. Stress wollten wir unbedingt vermeiden.

Dagegen war zumindest der Erwerb des spanischen Röntgenscheines (3 Tage Seminar mit Prüfung auf spanisch), welcher mich nun zum spanischen Kernphysiker ausweist, ein Klacks.

Besteht man übrigens auch mit geringen Sprachkenntnissen, da man ja dafür privat bezahlen muss. Ist nur schade um die 3 Tage. Mitgenommen habe ich nichts.

Aber jetzt rollt der Rubel….
Nicht ganz.

Zahnmedizin ist hier ein Geschäft und man handelt definitiv selbstständig. Ich darf meine Preise bestimmen und muss dementsprechend auch etwas dafür bieten. Die mittleren Preise liegen im Übrigen ungefähr auf Höhe der GOZ. Labore sind deutlich günstiger, allerdings qualitativ auch mit Abstrichen.

Ein großes Problem in den Großstädten sind Zahnärzte aus Südamerika, die hier den Markt völlig kaputt machen und in Zahnarztketten (wie z.B. VitalDent…60€ für die Versorgung mit einer Krone stehen im Raum) für Hungerlöhne arbeiten. Auch die Privatversicherungen betreiben hier ihre eigenen Zahnkliniken (man bedenke dabei immer die nicht bestehende freie Arztwahl)

Warten und hoffen das jemand kommt funktioniert also nicht. Nur mal schnell schauen, wie der Neue so ist, kostet gleich Geld und da wird dann doch eher mal abgewartet! Werbung ist erlaubt und auch notwendig. Wenn niemand von einem hört, kommt auch niemand.

Mundpropaganda ist wie überall auf der Welt die beste Werbung und das dauert nun einmal. Nach nun 6 Monaten kann ich natürlich noch recht wenig zu meiner Zukunft sagen, aber eins ist sicher. Das Leben ist auch unter der spanischen Sonne kein Ponyhof.

Es wird einem nirgendwo etwas geschenkt und mehr als einmal habe ich bisher den Schritt hinterfragt. Es ist schwierig, von 15-20 Patienten pro Tag plötzlich auf 0-5 Patienten runterzufahren.

Die Kosten sind dabei ähnlich hoch wie in Deutschland. Es erscheint einem nur erst alles etwas günstiger, dem ist definitiv nicht so.
Materialien und Geräte sind in Deutschland oft günstiger zu erwerben.

Auch wenn  man nun versucht ist, zur Steigerung der Patientenzahl sich einer der privaten Versicherungen anzuschliessen, ist das nicht wirklich ratsam. Dagegen erscheint einem die Bema wie ein Selbstbedienungsladen.

Hört sich ja furchtbar an ? Wird schon, wenn´s dann mal läuft, dann läuft´s, aber davor steht nun einmal viel Arbeit und Schweiß.

Eins muss gesagt werden: Die Versorgung der Patienten ist in Deutschland immer noch auf einem hohen Level, wenn auch nicht mehr wie früher. Was mir schwerfällt zu beurteilen. Mir wurde auch als Kassenpatient immer eine anständige Medizin angeboten.

Ist man bereit für eine hochwertige Arbeit und Service eine Zuzahlung zu Verlangen, so sind gute Patienten immer dazu bereit. Nur muss dazu selbst und ständig viel für getan werden.

In meiner ehemaligen Wirkstätte hatte der Senior-Partner schon früh den Trend erkannt und gegengesteuert. Eine Mehrbehandlerpraxis, ein Eigenlabor mit angestelltem Techniker zur Reduktion der Fremdkosten. Zuzahlung für qualitativ hochwertige Arbeiten und das Umsetzen einer modernen Zahnmedizin waren angesagt.

Die Patienten sind bereits in der Praxis, nur von alleine ist natürlich Niemand bereit Qualität zu bezahlen, dies muss sicher extremer als noch vor 20 Jahren kommuniziert werden.

Die Konkurrenz ist auch in Madrid extrem gross, wirbt mit Dumpingpreisen (Erstuntersuchung, Zahnreinigung, OPG und Kostenvoranschlag komplett kostenlos) und man kann sich auch hier nur mit dem Streben nach qualitativ hochwertiger Arbeit von der Masse abheben. Mit dem südamerikanischen Preisdumping kann und will ich nicht Schritt halten.

Ich persönlich versuche mich dabei, auf die hier lebenden deutschen Patienten zu konzentrieren und Ihnen die Zahnmedizin anzubieten, die sie von einer qualitätsorientierten deutschen Zahnarztpraxis erwarten. Dazu gehört auch der Luxus einer GOZ Abrechnung, die fast immer bzw. immer häufiger gewünscht wird und von den deutschen Kostenträger soweit auch erstattet wird.

Ob Madrid die richtige Wahl war. Schwierig aktuell zu sagen, aber sicherlich ist es aufgrund der Ausländerschwemme an den spanischen Küsten deutlich einfacher.

Egal wie das Abenteuer ausgeht, ich werde berichten.

FORTSETZUNG FOLGT…….

Zahnarzt in Deutschland — Nichts wie weg!

von Torsten Hatzky

Ich bin einer von den vielen Zahnärzten, die Deutschland den Rücken gekehrt haben. Wie kam es dazu? Zunächst erst mal etwas zu mir, meiner Berufsauffassung, meiner Zeit in Deutschland.

Ich bin als Mensch sehr freiheitsliebend, halte mich aber trotzdem genau an Regeln.  Nur müssen die Regeln für mich nachvollziehbar und vernünftig sein. Im Beruf gilt deshalb nur das, was man gemeinhin als „lege artis“ bezeichnet. Auch habe ich die Macke, dass ich mich gern über die Ergebnisse meiner Arbeit freue. Hier und da Kompromisse einzugehen, bereitet mir immer Bauchweh und ich vermeide es vorzugsweise. Da ich seit 1993 eine reine Privatpraxis führte, konnte ich mir das leisten. Fachlich bin ich Generalist, praktiziere eine sehr systematische Zahnheilkunde, bin stark zahnerhaltend tätig, etwas Paro, etwas KFO. Ich arbeite gnathologisch und auch ein klein wenig „ganzheitlich“ orientiert. Wenig Chirurgie, keine Implantate. Einen ganz wesentlichen Schwerpunkt bildet natürlich die Endodontie.

Bis Ende 2008 ging das über fast 15 Jahre sehr gut. Finanziell sah es jedoch in den letzten Jahren schon nicht mehr so gut aus. Der Praxisgewinn sank kontinuierlich, trotz stetig gestiegener Patienten- und Umsatzzahlen.

Als dann der Steuerberater immer deutlicher mahnte und wir feststellten, dass immer mal wieder am Ende vom Geld noch relativ viel Monat übrig war, haben wir zunächst bei den Privat- und Praxisausgaben einen rigiden Sparkurs eingeschlagen. Die Zahl der wöchentlichen Behandlungsstunden wurde erhöht, der Urlaub gekürzt. Leider war der Erfolg nur von kurzer Dauer. Dann haben wir über allerlei Maßnahmen wie z.B. Zusatzeinkommen außerhalb der Praxis nachgedacht – leider erfolglos! Eine Honoraranpassung über §2Absatz3 GOZ  erwies sich als Flop. Da offenbar viele meiner Patienten selbst am finanziellen Limit lebten, reagierten sie oft recht unerfreut, wenn die Krankenversicherung nicht alles übernahm. Es deutete für mich vieles darauf hin, dass in Deutschland vor allem der Mittelstand, und dazu gehörten nahezu alle meiner Patienten, finanziell nicht weiter belastbar war. Schließlich haben wir sogar einen Unternehmensberater zu Rate gezogen. Sein Rezept: die Kassenverträge, die ich Ende1992 freiwillig gekündigt hatte, wieder aufzunehmen,  sonst sei nichts zu machen. Alles andere sei ausgereizt.  Aber wann sollte ich die zusätzlichen Patienten behandeln?  Ich war ja bereits zu fast 100% ausgebucht. Also zukünftig Sprechzeiten bis 22 Uhr? Auch samstags? Und  das Behandlungstempo massiv erhöhen, selbst wenn es zu Lasten der Qualität ginge?

Nun war also endgültig Schluss mit lustig. Und Schuld hatte die Politik.

Ich konnte mir ausrechnen: hätte man die GOZ  über die vielen Jahre seit 1988, wie ursprünglich versprochen, an die Teuerungsrate und die beträchtliche Steigerung der Praxiskosten angepasst, hätte ich keinerlei Sorgen. Hoffen auf eine Änderung?  Mit etwas Nachdenken, wurde mir klar: Vergebens! Zu hoch ist der Schuldenberg bei Bund, Ländern, Gemeinden sowie bei der gesetzlichen Krankenversicherung. Kein Interesse seitens der PKV. Und da es offensichtlich kaum noch Politiker mit wirklichen Visionen, sondern überwiegend profillose Sachwalter gibt, die vor allem Anderen an Ihrem Amt kleben, wird wohl frühestens etwas passieren, wenn es zu spät ist, d.h. wenn ein deutlicher Mangel an Zahnärzten herrscht und Unmut in der Bevölkerung  aufkommt. Erst dann macht es ja aus der Sicht eines  Politikers Sinn, tätig zu werden. Denn nun kann er sich profilieren, kann seine Wichtigkeit unter Beweis stellen. Das wird bei der derzeitigen Versorgungslage wohl noch 10 Jahre dauern. Eigentlich traurig, aber so funktioniert Politik in Deutschland. Siehe hierzu auch diese lesenswerten Beiträge bei Wurzelspitze:

„must have“ oder „want have“ ? Zahnmedizin ist wichtig, keine Frage….

Veränderung als Chance ? Die Zukunft im Gesundheitswesen

Prognose eines Wirtschaftswissenschaftlers

Germany – the „Mystery Country“

So lang konnte ich nicht mehr warten. Also blieb nur noch die Möglichkeit des Auswanderns!

Es gab auch noch weitere Gründe für diesen Schritt. Einer war, dass meine Frau und ich uns für unsere Tochter, die damals kurz vor dem Abitur stand, ein Land für Ihren weiteren Lebensweg wünschten, in dem sie bessere Möglichkeiten für ein erfolgreiches und glückliches Leben hatte. Stattdessen war immer öfter in den Medien zu hören und zu lesen, dass gerade die jetzt heranwachsende junge Generation in Deutschland ganz besonders schlechte Rahmenbedingungen für ihr Vorrankommen hat.  Sie sind diejenigen, die am meisten unter den gigantischen Schuldenbergen leiden müssen, die ihre Vorgängergeneration aufgetürmt hatten.

Aber auch das allgemeine gesellschaftliche Klima in Deutschland hat unsere Entscheidung mit beeinflusst. Ich bin nämlich ein Mensch, der sehr aufmerksam die Stimmung seiner Mitmenschen registriert. Auch lasse ich mich leicht mitziehen, was nicht gerade dienlich ist, zumindest, wenn es bergab geht. Ich beobachtete schon seit Ende der 90er Jahre, dass die Stimmung  in Deutschland kontinuierlich schlechter wurde. In diesem Zusammenhang ist wohl der schon oft zitierte „Niedergang der Mittelklasse“ als Hauptstütze der deutschen Gesellschaft von großer Bedeutung.

Im Übrigen stand ich ja nicht allein mit dieser Auffassung da. Mittlerweile gab es schon zahlreiche Fernsehbeiträge zum Thema Auswanderung, die wir mit großem Interesse verfolgten. Die Protagonisten der Serien sind teilweise schon richtige Fernsehstars. Konny Reimann ist zum Urvater einer neuen Auswanderungswelle avanciert. Viele der Beiträge zeigten:  Wenn man es richtig macht und bereit ist, etwas dafür zu tun, kann man an vielen Orten der  Welt den Erfolg haben, der einem in Deutschland aufgrund schlechter Rahmenbedingungen versagt bleibt.

So fing ich an, nach Möglichkeiten in anderen Ländern zu suchen.  Dank Internet ist das leicht vom heimischen Schreibtisch aus möglich. Immer öfter erschienen auch  in der zahnmedizinischen Fachpresse Artikel über die Zahnmedizin in anderen Ländern. Ergebnis: es gibt in vielen Regionen der Welt Möglichkeiten, als Zahnarzt tätig zu werden. Der Ruf deutscher Mediziner ist dank hoher Ausbildungsstandards generell sehr gut.

Doch leider bin ich sprachlich ziemlich unbegabt. Und Zahnmedizin in einer ungewohnten Sprache auszuüben, stelle ich mir sehr schwer vor. Zu sehr kommt es bei der Befragung der Patienten auf feine sprachliche Nuancen an. Zudem bin ich inzwischen nicht mehr der Jüngste und es stellt sich die Frage: Lohnt sich das eigentlich? Da aber laut Aussage meines Steuerberaters meine Lage  in den kommenden Jahren doch recht zielstrebig in Richtung Insolvenz steuerte, bestand Handlungsbedarf.

Es blieb also für mich nur das deutschsprachige Ausland: Österreich und die Schweiz. Recht schnell fiel Österreich raus. Die zahnärztliche Besiedelung ist mehr als reichlich. Nicht einmal jeder österreichische Zahnarzt bekam eine Zulassung zum staatlichen Gesundheitswesen, ohne die es wohl dort kaum möglich ist zu überleben. Als reiner Privatzahnarzt hat man ganz besonders geringe Chancen.

Fortan lag mein Fokus also auf der Schweiz. Zahnmedizin dort ist überwiegend Privatsache, d.h. die Patienten bezahlen aus eigener Tasche. Nur wenige haben eine private Zahnversicherung. Das dortige Gebührensystem, der „Schweizer Zahntarif“, ist genial, fachlich topaktuell!  Die Preise sind nach betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten kalkuliert. Bei den wesentlichen Leistungen kann das Honorar nach individuellem Schwierigkeitsgrad  vom Zahnarzt in gewissen Grenzen angepasst werden. PZR, Deep Scaling und Endo-Revisionen werden rein nach Zeitaufwand berechnet.  Darüber hinaus legt jeder Zahnarzt den Taxpunktwert, mit dem die für jede Leistung festgelegte Punktzahl multipliziert wird, als praxisspezifische Kalkulationsgrundlage selbst fest.

Nur Sozialhilfeempfänger und wenige, finanziell  besonders schlecht gestellte Rentner bekommen Zuschüsse von der öffentlichen Hand oder von der Rentenversicherung.  Dieser Personenkreis, sowie Patientenfälle, die infolge von Unfallschäden zulasten einer Unfallversicherung abgerechnet werden, müssen zu einem deutlich niedrigeren Taxpunktwert, der zurzeit nicht mehr ganz kostendeckend ist, behandelt werden. Glücklicherweise sind es nur wenige Prozent des Behandlungsaufkommens, für die diese Regeln gelten. Das alles überzeugte mich und es begann die Suche nach einer geeigneten Praxis.

Recht schnell war klar: Für eine Praxisübernahme hatte ich nicht mehr genug Geld, denn die Hoffnung  auf einen Verkauf meiner bisherigen Praxis war gering. Es gab zu wenig Interessenten  für die große Zahl der angebotenen Praxen. Zu diesem Zeitpunkt wurden in Deutschland Praxisübernahmen von Banken nur noch in seltenen Fällen finanziert. Dafür waren die Praxen in der Schweiz dank großer Nachfrage von deutschen Zahnärzten sehr teuer.

Es blieb für mich also nur die Neugründung als einzige Lösung.

Immerhin konnte ich in diesem Fall meine recht gute Praxiseinrichtung  weiter verwenden. So habe ich die zuständigen Kantonszahnärzte (ein wenig vergleichbar mit  der Stellung der Landeszahnärztekammer in Deutschland) angeschrieben und nach eventuell noch unterversorgten Gebieten nachgefragt. Man riet mir überall ab und empfahl mir, wenn überhaupt, nur eine Praxisübernahme anzustreben. Auch einige mir bekannte Kollegen, die schon früher in die Schweiz gegangen waren, haben uns gewarnt: Die Schweiz ist kein unterversorgtes Gebiet! Eine Neugründung ist in aller Regel nicht zu empfehlen, je nach Region sei  sie sogar finanzieller Selbstmord.

Trotzdem ließ ich mich nicht gleich entmutigen. Ich recherchierte auf eigener Faust im Internet. Ich habe Zahnarztdichte und Bevölkerungszahlen für alle wesentlichen Regionen der Deutschschweiz  abgeglichen. Es galt nun eine Gegend zu finden, in der inklusive einer weiteren Praxis möglichst mehr als 2000 Einwohner auf einen Zahnarzt kamen. Nach wochenlanger Suche habe ich dann tatsächlich eine kleine Region gefunden, die noch Potential zu haben schien. Telefonate mit den Finanzierungsberatern zweier Banken der Region brachten die Bestätigung. Ich hatte einen Platz gefunden, an dem  eine Neugründung Sinn machte und man zeigte sogar Bereitschaft mit einer Kreditvergabe, den eventuell nötigen Umbau  vorhandener Räumlichkeiten zu finanzieren.  Einer der freundlichen Bankberater gab mir sogar einen Tipp, in welchem der Dörfer dank hoher Einkommensstruktur der Bevölkerung die besten Aussichten bestehen würden und konnte mir sogar geeignete Räumlichkeiten nennen, da seine Bank im selben Haus gerade eine neue Filiale eröffnet hatte.  Weitere eigene Recherchen sowie eine Fahrt dorthin bestätigten: Ich hatte die berühmte Stecknadel im Heuhaufen, wahrscheinlich den letzten noch möglichen Standort  für eine neue Praxis gefunden.

Dann ging alles ganz schnell. Als erstes erfolgte die Kontaktaufnahme mit der örtlichen Gemeindeverwaltung per Email. Die Antwort kam umgehend. Man schien sehr erfreut über unseren Wunsch, dort eine Praxis zu eröffnen. Gleichzeitig erhielt ich eine genaue Auflistung aller Verwaltungsschritte, die wir  dafür unternehmen mussten.  Man hatte sogar alle Links zum Herunterladen der benötigten Formulare  und die Email-Adressen der Ämter und Behörden beigefügt. So konnten wir nahezu alles von Deutschland aus erledigen. Für die wenigen dann noch verbliebenen Behördengänge genügte eine einzige Fahrt in die Schweiz.

Es folgte die Prüfung und Planung durch einen Praxiseinrichter aus der näheren Umgebung, der Abschluss der Mitverträge für Praxis und Wohnung, sowie die Planung und Durchführung des Umzugs. Schon drei Monate später waren wir in der Schweiz. Doch darüber demnächst mehr.

Retro ist angesagt

von Stefan Verch

Schon in den 1920ern waren erstaunliche Grundlagen zur Parodontitis bekannt. Da muß man nur mal die alten Schinken wälzen… War alles schon mal da?

Naja, ich bin auch retro.

Zumindestens , was das Zementieren von Vollkeramiken angeht.

Was habe ich nicht alles genommen: Rely X, Multilink und ach ja – unbedingt Panavia!

Ich habe bei allen diesen Systemen ein riesiges Problem: Wie kontrolliere ich die Überschüsse? Wie nehme ich sie weg? Anhärten, brechen? Aushärten, brechen? Wegwischen – verwischen…

Ich durfte an der FU Berlin Prof Roulet kennenlernen, damals , in den Steinzeit 80ern. Roulet war sicher einer der Adhäsivpäpste, mein heutiges Wissen basiert auf der guten Ausbildung durch Roulets Abteilung.

Roulet propagierte damals – vielleicht erinnert sich noch einer: die Vollkeramiken hießen DICOR und waren aus Glas… – eine neue Art des Zementierens. Ob er es erfunden hat? Weiß ich so nicht mehr. Aber er propagierte es. Statt irgendwelcher flüssigen dualhärtenden Zemente auf Kompositbasis, nahm er auf einmal ein hochvisköses Paste-Paste Kompositgemisch, das als Zement ohne Hilfsmittel nicht anwendbar war. Er wollte so für die Fuge einen hochgefüllten Kompositzement, der sich nicht so leicht auswusch. Mittels einer gummierten Ultraschallspitze , die er auf das zu zementierende Keramikteil setzte, rüttelte er den Zement ein. Dies ging erstaunlich gut. Problem war für mich, dass die Ultraschallaktivierung die oftmals retentionsarmen Teilkronen irgendwohin schwimmen ließ oder der Zement gar durch Wärme, die eigentlich gar nicht von der Gummispitze entstehen konnte (….) vorzeitig erstarrte. Auch die Anmischung der zwei pastösen Komponenten war nicht einfach…

Alles in allem  – nach der ein oder anderen Bisserhöhung durch eingefrorenen Zement oder ungenauen Sitz der Teilkrone – wechselte ich wieder zu den niedrigviskösen Zementen.

Anfang dieses Jahres hatte ich  das Zemententfernen satt: unter der Lupe oder dem Mikroskop konnte einem nur schlecht werden, was Überschüsse anging, die zahnsubstanzschädigend entfernt werden mussten – mit viel Zeit! Irgendwie kam mir der Fortschritt irrwitzig vor: das Zementieren dauerte länger, die Überschussentfernung war ein Graus und die Frage, ob es denn das bessere Zementieren wäre, konnte ich auch nicht beantworten. Harvard Zement hielt ja auch jahrzehntelang und ist erstklassig und substanzschonend zu entfernen!

Da stieß ich auf mein Uraltwissen: warum nicht ein hochvisköses Komposit nehmen? Paste-Paste? Nein, das nun nicht wieder… aber warum nicht ein Hybridkomposit wie Micerium Enamel HFO?

Micerium Enamel HFO ist selbstglättend ( dafür schätze ich es als Dentinkern, der sich anschmiegt) und ist fast flüssig, wenn ich es auf meine Spezialwärmeplatte bei 55 ° Grad lege. Andere Komposite sind ungeeigneter. Dieses hier jedoch fließt unter Druck hervorragend.

Gedacht, gemacht: eine 2-3 mm dicke grobe Schicht ins Lumen ( die silanisierte Keramikkrone oder Teilkrone benetze ich vorher noch mit Optibond FL Bondig hauchdünn) und dann mit gleichmäßigem Fingerdruck das Zementieren beginnen. Schon fließt unter dem alleinigen Fingerdruck eine schöne Fahne aus der Fuge. Die kann man sehr kontrolliert mit der Sonde oder einer Endonadel wegpuhlen – ohne Reste!!!

Zum Anfang hatte ich auch noch die gummierte Zementierhilfe fürs Sonicsys System benutzt. Aber der alleinige Fingerdruck reicht aus, um die Krone richtig in situ zu bringen. Nach dem finalen letzten Überschussentfernen – ich drücke immer noch einmal nach – bleibt der Finger auf dem Werkstück, bis die Lampe die erste Härtung gemacht hat. So kann nichts mehr verrutschen, denn beim Überschussentfernen zwischendurch kann es durchaus zu einem kleinen „Verschwimmen“ des Werkstückes kommen.

Angst , dass die reine Lichthärtung nicht ausreicht? Nein!

Erstens habe ich zwei Valo LED Lampen… und zweitens leiten die EMAX  Keramiken das LED Licht bis in die Tiefe, auf jeden Fall… ich glaube man könnte noch palatinal Härtung erzielen, wenn man bukkal an der EMAX Keramik die Valo ansetzt…

Der Zahn wird übrigens so konditioniert, wie ich es hier im Blog schon mal beschrieben habe: mit Syntac classic und ausgehärtet- sage einer, Retro sei nicht angesagt!!!!

Dens in dente

von Festan Cherv

Im vorliegenden Fall stellte sich eine 20 jährige Frau mit einem dunkel verfärbten, auf Kältereiz nicht reagierenden 12 vor. Klinisch war der Zahn leicht perkussionsempfindlich. Es waren keine Anzeichen für traumatische Taschentiefen oder eine Fistel gegeben.  Im Rahmen einer Retentionstherapie nach KFO war der Zahn palatinal mit einem Draht und Komposit gefasst. Das Röntgenbild zeigte eine apikale Läsion, die den Verdacht auf eine Gangrän bestätigte.

Die sichtbare Anatomie zeigte eine Anomalie: der Zahn 12 enthielt einen Dens in dente, eine Einstülpung palatinal, die sich tief in die Wurzel erstreckte.

Die Diagnose lautete daher Gangrän eines devitalen Zahnes mit einem Dens in dente. Die apikale Läsion schien primär vom Dens in Dente auszugehen. Als Ursache für die Gangrän war zum einen die insuffiziente Verklebung des Drahtes palatinal mit ausgedehnter Karies unter dem Komposit sowie die kieferorthopäischen Kräfte der abgeschlossenen KFO Therapie zu diskutieren.

Der Dens in Dente schien der Klasse II oder III nach Oehlers anzugehören. Die Klasse II unterscheidet sich von der Klasse III durch das eigenständige Foramen des Dens in Dente bei Klasse III Fällen.

Aufgrund der Gangrän war eine endodontische Behandlung beider vermuteter Wurzelkanalsysteme indiziert. Nach Trepanation stellten sich zwei Kanaleingänge für das eigentliche Kanalsystem wie an den mesialen und distalen Rand  neben dem Zugang des Dens in Dente gequetscht dar; Sondierungen führten zu immer wieder veränderlichen Längen. Es wurde vermutet, daß die Kontinuität durch den Dens in Dente unterbrochen oder verlegt war. Bei eindeutiger Kanalverlaufsbestimmung wäre ein Behandeln der offensichtlichen zwei Kanäle des eigentlichen Zahnes und ein separates Behandeln des Dens in Dente- bei Belassen der Anatomie des Dens in Dente –  indiziert gewesen. Aufgrund der Unübersichtlichkeit des Kanalverlaufes wurde in diesem Fall jedoch die Entfernung des Dens in Dente erwogen.

Da die zweidimensionalen Röntgenaufnahmen keine weiteren Aufschlüsse über den Kanalverlauf brachten, wurde ein Accuitomo DVT angefertigt. Der Behandler entschied sich aufgrund des verdrängenden Verlaufs des Dens in Dente für eine Entfernung des Dens in Dente.

Dies gelang mit Hilfe des Dentalmikroskops, auch wenn die Schmelzanteile des Dens in Dente eine herkömmliche Entfernung mit Rosenbohrern erschwerten.

Nach Entfernung des Dens in Dente konnte das lateral-mesiale Foramen des Dens in Dente und die apikalen Verläufe der normalen Wurzelkanäle dargestellt  werden; nach einer CaOH Einlage, Hypochlorit- und CHX Spülung sowie Ultraschallaktivierung wurden die apikalen Wurzelkanalstümpfe thermoplastisch gefüllt, indem zwei Guttaspitzen nacheinander mit Sealerbeschickung der apikalen Spitze der Gutta appliziert und dann unter dem Dentalmikroskop abgeschnitten und verdichtet wurden . (Beefill) Die anschließende Abdichtung des Foramens des Dens in Dente wurde mit MTA vorgenommen. Der Zahn wurde nach Aushärtung des MTA mit einem Glasfaserstift, der umgekehrt eingesetzt wurde ( weil der ausgedehnte Hohlraum so voluminöser von dem Glasfaserstift ausgefüllt werden konnte), adhäsiv versorgt.

Einen schönen Überblicksartikel findet man von Manuela Baumgart, Stefan Hänni, Beat Suter und Adrian Lussi der Klinik für Zahnerhaltung,Präventiv- und KinderzahnmedizinUniversität Bern in der Schweizerischen Monatszeitschrift SSO Volume 07/2009.

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Um das Heute zu verstehen, kann ein Blick auf das Gestern oft hilfreich sein.

von Thomas Weber

Hallo HaWi,

vielen Dank für einen absolut lesenswerten Beitrag, der  zu einigen Kommentaren geradezu herausfordert:

1883 schlug die Geburtsstunde der Bismarckschen Gesetzlichen Krankenversicherung, die der Absicherung elementarer Gesundheitsrisiken diente. Die Zahnbehandlung gehörte damals folgerichtig nicht dazu. Erst 1917 wurde Karies durch eine Entscheidung des Reichsversicherungsamtes als behandlungsbedürftige Erkrankung anerkannt und das Füllen von Zähnen Pflichtleistung der Krankenkassen. Unter dem Reichsarbeitsminister Franz Seldte führte erst 1943 der sogenannte „Verbesserungserlass“ erstmals zur Möglichkeit für Krankenkassen, in ihren Satzungen die Gewährung von Zuschüssen für Zahnersatz zu verankern. Aber erst 30 Jahre später beurteilte des Bundessozialgericht das Fehlen von Zähnen als behandlungsbedürftige Krankheit. In der Folge wurden zahnprothetische Behandlungen im „Rehabilitationsangleichungsgesetz“ vom 07. August 1974 unter Bundesgesundheistministerin Katharina Focke (SPD) in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung aufgenommen. Nahezu alle Krankenkassen übernahmen damals die Kosten für Zahnersatz vollständig, was zu einer erheblichen Kostenbelastung führte.

Die „want-have-“Leistungen der Zahnmedizin wurden also in Deutschland historisch zu „must-have“-Leistungen institutionalisiert. Ein fataler Irrweg.

Schauen wir auf dem Bereich der zahnärztlichen Honorare: Elisabeth Schwarzhaupt (CDU) ist im Jahre 1964 Ministerin für das Gesundheitswesen. Ihr Ministerium erarbeitet eine Bundes-Gebührenordnung für Ärzte und Zahnärzte. Denn die Honorare, die Mediziner von ihren Privatpatienten erhalten, berechnen sie bislang nach der schon 70 Jahre alten Preußischen Gebührenordnung, kurz „Preugo“ genannt. Deren Sätze wurden zwar 1957 etztmalig erhöht, aber die Listen ärztlicher Leistungen sind völlig veraltet. (Kommt einem dieses Szenario nicht irgendwie sehr vertraut vor?)

Es beginnt die „Bugo“-Zeit, die ihre Wirkung auf die GKV entfaltet: es entwickelt sich 1977 daraus der altevertraute BEMA zur Honorierung der Leistungen bei GKV-Patienten.

Mit BUGO-Z, BEMA und der 100%-Prothetik beginnt das „goldene Zeitalter“ der deutschen Kassenzahnheilkunde. Alles wünschenswerte und machbare wird bezahlt.

Unterhält man sich mit alten Landzahnärzten, die schon vor dieser Zeit praktizierten, wird klar, wie es vorher war: zum Zahnarzt ging man nur, wenn man musste: das Zahnziehen war die Regel, ein Röntgenbild musste bei der Krankenkasse zuvor beantragt werden, Wurzelkanalbehandlungen wurden, wenn überhaupt, nur an Frontzähnen und nur als „Vitalexstirpationen“ durchgeführt und das Herausreissen aller Zähne mit anschliessender Totalprothese war schon bei jungen Patienten eine oft gewählte Therapieform. Sicher gab es auch Patienten, die hochwertigere Versorgungen wünschten und zu zahlen bereit waren, die Prophylaxe wünschten und zahlten, doch dieses „Segment“ war sehr klein.

Als Landzahnarzt heute sieht man genau solche Tendenzen: die Zahl der Extraktionen aus „wirtschaftlicher Indikation“ steigt wieder an, kostenfreie Amalgamfüllungen ersetzen mehrkostenpflichtige Kompositfüllungen im Seitenzahnbereich, die Regelversorgung schlägt die höherwertige „Andersartige Versorgung“ und NE-Kronen solche aus Empress-Vollkeramik, professionelle Zahnreinigungen werden ausgesetzt, kieferorthopädische Behandlungen „geschoben“, bis eine Verschlimmerung der Anomalie eine Kostenübernahme der Krankenkasse garantiert.

Die gern gehörte Behauptung, das deutsche Gesundheitswesen sei eines der besten der Welt, erscheint so als eine Petitio principii. Wir laufen nach meiner Einschätzung nicht so sehr Gefahr, unser „gutes“ System gegen ein „postkapitalistisches“ einzutauschen (- das wir in sehr vielen Bereichen der Medizin längst haben -), als es in einem staatlichen „Bürgerversicherungsmodell“ aufgehen zu sehen, das – natürlich mit moderner Etikettierung – zur Einheitsversicherung (wahrscheinlich „Bundesagentur für Gesundheit“), zu Poliklinik-Strukturen (vielleicht „öffentlich-rechtliches Medizinisches Versorgungszentrum“) und zur Einheitsdiagnostik und- Therapie nach Einheitskatalogen und Einheitspositivliste (und das absolut positiv belegt: „Einklassenmedizin“) führt. Dabei kann es gut sein – und nach Ansicht vieler Medizinökonomen muss es so sein – , daß die Zahnmedizin, wie wir sie heute kennen, aus diesem Modell hinausfällt, und allenfalls rudimentäre „must-have“-Therapien verbleiben, deren Honorierung dann vielleicht wieder auf einem „vor-BEMA“- Niveau erfolgt.

Denn die Chance auf eine progressive Reform des Gesundheitssystems wurde auch unter dem FDP-Minister Dr. Rösler vertan. Der Versuch, die jetzt kommende Beitragserhöhung als „kleine Kopfpauschale“ zu etikettieren umd den Schein einer liberalen Position aufrechtzuerhalten ist – mit Verlaub – lächerlich. Und auch Zwangsrabatte der Pharmaindustrie sind kein geeignetes Mittel der Anpassung des Symstems an heutige Erfordernisse. Zwei Milliarden Euro Steuergelder Zuschuss werden auch nur maximal ein Jahr lang reichen.

Und die ersten drohenden Kasseninsolvenzen zeigen, dass selbst der palliativen prämortalen Schmerzlinderung „Gesundheitsfond“ das Morphium ausgeht.

Modifizierte Mischkanüle für adhäsive Eingliederung Wurzelstift

von Maik Göbbels

Die angebotenen Mischkanülen dualhärtender Komposite zur Befestigung adhäsiver SSA im Wurzelkanal eignen sich nicht in jedem Fall für blasenfreies Arbeiten bzw. das Erreichen des Kavitätenbodens.
In unserer Praxis verwenden wir zur Befestigung der DT Light SL Glasfaserstifte von VDW als Komposite Rebilda DC der Firma Voco. Voco liefert seit einiger Zeit schmalere Mischansätze für die Applikation im Wurzelkanal (Bild 1). Diese erlauben jedoch nur eine Anwendung bei einem entsprechend weit aufbereiteten Kanallumen (Stiftgröße 3). Um auch durchmesserreduzierte Stifte der Größe 1 und 2 sicher befestigen zu können, benutzen wir seit einigen Monaten einen modifizierten Mischansatz. Dabei wird vom vorhandenen Ansatz der vordere Teil bis zum Beginn der Konizität mit einem Skalpell entfernt (Bild 2). Auf der so veränderten Spitze (Bild 3) klemmt man eine Kapillarkanüle von Ultradent derart fest, dass bei vorsichtiger Anwendung kein Material seitlich austreten kann (Bild 4).

Jetzt ist es möglich, unter Mikroskopsicht Komposite kontrolliert in tiefere Bereiche des Wurzelkanals einzubringen.


1976-2010 – 34 Jahre Pathways of the Pulp

von Oscar von Stetten

34 Jahre, 10 Ausgaben. In meinen Augen eines der Standardwerke für die Endodontie. Quasi „Endodontics in a nutshell“, wobei die „nutshell“ von ehemals 681 auf 952 Seiten angewachsen ist. Das gesamte Feld der Endodontie in einem Buch. Vergleichbar dem Memorix der Zahnheilkunde von Thomas Weber.

Aber NUR Endo.

Und: keine grosse Schrift. Einige Kapitel sind nur online erreichbar. Ansonsten wären man bei weitaus mehr Seiten. Das Buch wäre nicht mehr lesbar. Es ist jetzt schon kaum in der Hand zu halten. Schmökern auf dem Sofa? Schwierig. Sehr schwierig. Vielleicht mit einem Ipad.

Das neue an der 10. Ausgabe: es sind neue Autoren eingeladen worden. Neue Perspektiven, neue Interpretationen. Spannend und erfrischend. Nicht, dass ich etwas gegen bewährtes hätte ;-).

Meine Empfehlung: ein „haben-muss“. Als Nachschlagewerk oder zum schnellen Einstieg in ein spezielles Thema hervorragend geeignet. Sehr gute Literaturverweise, die ebenfalls einen tiefergehenden Recherche-Einstieg ermöglichen.

Aber Vorsicht: wenn man einmal damit beginnt, wird es schwer, wieder aufzuhören. Aber es sind ja nur 952 Seiten, 376 Seiten weniger als der aktuelle Roman von Frank Schätzing.

Stift Ex oder nicht, das ist hier die Frage

von Nestaf Cherv

Oft stellen sich pathogene apikale Veränderungen dar, die sich in Zusammenhang mit einer kontaminierten Wurzelfüllung bringen lassen. Die Therapie der Wahl stellt oft eine Wurzelkanalrevisionsbehandlung dar, die den Kanal von Bakterien befreien und dicht verschließen soll. Schwieriger wird es, wenn ein Stift den Zugang orthograd zu dem Wurzelkanal versperrt oder verblockt. Im vorliegenden Fall besaß dieser zudem noch eine bis fast an den Apex reichende Länge.

Die Stiftentfernung mittels Ultraschall ist eine bewährte Methode; mir persönlich jedoch birgt sie bei sehr langen und voluminösen Stiften die Gefahr, daß letztlich doch zu viel Kraft mittels Ultraschall oder mittels Kräften , die den Stift zum Bewegen bringen sollen, übertragen werden und zu Rissen führt.

Der vorgestellte Fall zeigt einen fistelnden Zahn 21 mit einem Stift, der den gesamten Kanal bis fast zum Apex ausfüllte. Ich sah eine Stiftentfernung als indiziert an, um die Kanalinfektion zu beseitigen. Eine alleinige WSR hätte kontaminierte Anteile über eine zweifelhaft dichte retrograde Füllung belassen. Ich habe mich daher zum Entfernen durch Herausbohren mittels eines langschaftigen Munce Rosenbohrers des kleinsten verfügbaren Durchmessers entschieden. Nach Entfernen der Krone bohrte ich  unter der Sicht des Mikroskops langsamdrehend einen mittigen Kanal in den Stift, bis die letzte Schicht des Metalls fast erreicht war. Das weitere Vordringen wurde alternierend von der vorsichtigen Entfernung der seitlichen Stiftanteile neben dem mittigen Hauptbohrkanal mittels Muncebohrers begleitet.

Für die letzten 2 mm reichte dann eine Aktivierung über die Endo Chuck Nadel und das Stiftende verließ seinen Platz. Nach der medikamentösen Einlage und dem Verschluß des koronalen Einganges mit Cavit wurde der Zahn mittels Komposit als „direkte plastische Krone“ aufgebaut.

Die Wurzelfüllung wurde durch die trepanierte „direkte plastische Krone“ mit MTA durchgeführt und anschließend wurde in 2. Sitzung ein Glasfaserstift inseriert.

6 Monate stellten sich auf dem 2 dimensionalen Röntgenbild ausgeheilte Verhältnisse dar.

Thronfolger für die Sanyo Xacti E6 / E60 (3)- Erfahrungen aus der Praxis PENTAX Optio W90

von Andreas Habash

Wir haben jetzt seit ca. 3 Wochen die Pentax Optio W90 im normalen Praxisalltag getestet.

Die Pentax  ist im Vergleich zur Sanyo Xacti E6 deutlich robuster und „griffiger“.
Auch kleinenere „Unfälle“, z.B. mit noch feuchten Arbeitsplatten im Behandlungszimmer oder einem kleinen Sturz, waren im Gegensatz zur Xacti gar kein Problem.

Es benötigte einige Zeit, um die Einstellungen zu erforschen und brauchbare Bilder zu erhalten, da ein völlig  anderer Weg in der Bedienung der Kamera  gewählt werden musste.

Die Makro-LEDs der Pentax leuchten leider nur einen sehr begrenzten Bereich aus, so dass nur im Frontzahnbereich damit gearbeitet werden kann. Hierzu ist dann auch der sogenannte Mikroskopmodus in der Kamera wählbar.

Für die normalen Anwendungen hat sich ein anderes Vorgehen bewährt.
Wir haben „nur“ den Makromodus genutzt und den Blitz zugeschaltet.
Das bekannte Problem, dass es zu deutlichen Abschattungen im Makrobereich kommt, wenn der Blitz nicht in der Nähe des Objektives ist, hält sich wegen dem „Verhalten“ der Kamera in Grenzen.
Man wird nämlich im Makromodus der Kamera zu einem bestimmten Abstand zum Objekt „gezwungen“, da sonst eine Auslösung nicht erfolgt. Der Kamera ist es nämlich nicht möglich im Makromodus bei zu geringem Abstand zu fokussieren (scharfzustellen). Ist es nicht möglich das Bild scharf zu stellen, so ist der Auslöser blockiert. Auf diese Weise ist der Kamerablitz gut für den Makrobereich nutzbar, da der Abstand zwingend vorgegeben ist.
Dadurch ergibt sich zwangsläufig ein deutlich größerer Bereich der abgebildet wird.
Bei der Sanyo E6 waren formatfüllende Fotos von Einzelzähnen kein Problem.
Mit der Pentax ist das nur nach einiger Übung und speziellen Einstellungen möglich und nur bedingt alltagstauglich.

Im Vergleich zur Xacti bietet die Pentax  die doppelte Auflösung mit 12,1 Megapixel. 
Dies lässt es zu, mit nur mäßigem Qualitätsverlust Bildauschnitte aus der Originalaufnahme herauszuvergrößern.
Die Funktion für das Zuschneiden ist direkt im Kameramenü anwählbar und der Bildausschnitt kann sofort als eigenes Bild abgespeichert werden.
Nach dem Motto „ein Bild sagt mehr als tausend Worte“ war es uns problemlos und sofort möglich die  Aufnahmen in der Vergrösserung mit den Patienten zu besprechen. Es folgten oft sehr erstaunte Reaktionen der Patienten, da sich z.B. undichte Füllungsränder, sehr deutlich auf dem Display der W90 erkennen ließen.

Sehr gute Ergebnisse ergaben sich beim Abfotografieren von analogen Röntgenbildern. 
Die Bilder waren deutlich genauer und Strukturen wurden deutlich schärfer wiedergeben als bei der E6.

Zusätzlich gibt es in der W90 ein Programm zur Aufnahme von Dokumenten. Dieses Feature könnte sich bei der Digitalisierung von Dokumenten bewähren. Unsere Erfahrungen haben gezeigt, dass durch die vorprogrammierten Einstellungen für den Kontrast sehr gute Ergebnisse erzielt werden konnten.

Auf zwei Funktionen soll noch hingewiesen werden, die sich bereits jetzt bewährt haben.
- Die W90 unterstützt eye-fi Karten, die bei uns in der Praxis genutzt werden, um die Bilder auf den Computer zu übertragen.
- Es lässt sich im Menü unter der Funktion „Speicher“ festlegen welche Einstellungen beim Abschalten der Kamera bis zum nächsten Einschalten erhalten bleiben. So kann man die gewünschten Einstellungen sofort ohne Neuprogrammierung wieder nutzen.

Folgendes Vorgehen für intraorale Fotos hat sich bis jetzt bewährt:
- Makromodus
- Zoom auf fast maximale Teleeinstellung bei ausgeschaltetem Digitalzoom
- Blitz zuschalten
- Aufnahme mit Fotospiegel
- Zurechtschneiden des Bildes direkt in der Kamera

Alle Nutzer einer Xacti E6 sind natürlich ein anderes Vorgehen gewöhnt und von den Ergebnissen aus der Kamera verwöhnt.

Ich denke dass die Pentax im Moment eine Alternative darstellt.
Wir werden die Kamera, auf alle Fälle, weiter in der Praxis einsetzen und die Augen offen halten, immer mit Blick auf den „spannenden“ Markt der Neuentwicklungen auf dem Kamerasektor.
Einen direkten Ersatz für die Sanyo Xacti E6 wird es sicherlich nie geben, da der große Vorteil des Blitzes direkt über dem Objektiv zwar für die zahnärztliche Praxis tolle Ergebnisse bringt, aber im Alltagsgebrauch immer das Problem der „roten Augen“ bei Blitzaufnahmen bewirkt.

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Nachtrag zum Leica-Mikroskop M320

von Oscar von Stetten

Das LEICA Mikroskop M 320 wird in Deutschland von KaVo vertrieben.

Für weitere Infos steht Hr. Thomas Heiler gerne zur Verfügung, damit wird auch die Kontaktaufnahme deutlich erleichtert.

Nachfolgend seine Kontaktdaten:

3D vs. 2D

von Oscar von Stetten

Bei aller Unruhe, die der Einzug des 3D-Röntgens in unserer Profession auslöst, sollte man sich manchmal wieder auf den Sinn und Zweck dieser Technik besinnen. Es ist ein diagnostisches Tool. Mehr nicht.

Es dient mir persönlich erstmal nicht dazu, Misserfolge systematisch zu suchen und dann wieder mehr zu implantieren. Es dient vielmehr dazu, in diffusen, problematischen, auf konventionelle Weise nicht ausdiagnostizierbaren Schmerzfällen ein Quentchen mehr an Informationen zu bekommen, die man dann mit klinischen Test ergänzen kann und dann so zu einer eindeutigen Diagnose kommt. Zum Wohle des Patienten.

Im vorliegenden Fall handelt es sich um einen vor 14 Jahren von Dr. a.l. behandelten 16. Die Patientin war schon einmal 2006 bei uns, ein Umzug führte auch zum Zahnarztwechsel. Vor 3 Wochen war sie wieder bei uns, wegen einer Zweitmeinung.

Sie leidet seit ca. 8 Wochen unter einer Sinusitis rechts. Das verschriebene AB vom HNO brachte nur wenig Linderung. Es wurde zeitgleich ein CT angefertigt, da die Patientin eine Septumplastik bekommt, die in ihrem Fall sicher sinnvoll ist. Auf meinem digitalen Rö sieht man bei extremer Verschiebung der Kontrast und Helligkeitswerte eine diskrete Aufhellung. Sehr diskret. So diskret, dass ich diesen Zahn nicht revidieren würde. Klinisch ist alles opB. Abgesehen von der AM-Füllung mit Sekundärkaries distal, welche bis heute nicht behandelt wurde. Das rechte Mittelgesicht war leicht geschwollen. Der Zahn selber war unauffällig, ganz leicht perkussionsempfindlich auf dem dp-Höcker. Keine auffälligen Sondierungstiefen o.ä. . Unterkiefer ebenfalls unauffällig.

Die Patientin bruxt im Moment sehr stark, eine Aufbissschiene wurde eingegliedert, brachte aber nur wenig Besserung. Die Physiotherapie, welche begleitend zur Schiene a.l. verschrieben wurde, brachte ebenfalls nur wenig fokussiert auf die rechte Seite.

Kurzerhand habe ich mir das CT vom HNO besorgt. Gott sei Dank waren die OK-Zähne noch drauf, denn der Fokus für den HNO liegt eine Etage höher.

Auffällig war, dass im sagittalen Schnitt eine Aufhellung intraradikulär imponiert. Die Sinusschleimhaut ist ausschliesslich über dem 16 hypertrophisch, bzw. geschwollen.

Das alles zusammen genommen hat mich zur folgenden Empfehlung gebracht:

1.) Entfernen der AM-Fllg und Inspektion auf Infrakturen, Anfertigen eines adhäsiven Aufbaus

2.) Revision der vorhandenen WF, aufsuchen nicht erschlossener Anatomie (mb2, den ich im Verdacht habe)

3.) WF, und erstmal abwarten, bevor eine KH-Ausräumung durchgeführt wird.

Ich versuche, diesen Fall im Auge zu behalten.

Ein Gedanke zum Abschluss:

Ich fürchte, dass die neue Technik von bestimmten Interessengruppen „missbraucht“ wird. Ich bin mir aber auch sicher, dass sich die Heilungserfolge nicht lange verstecken lassen werden. Und diese gibt es sicher. Natürlich sind die bei weitem nicht so interessant wie Misserfolge. Das ist nur menschlich. Aber es wird nicht ausbleiben, dass wir sehen, dass Endo doch funktioniert. Gut funktioniert.

Davon bin ich überzeugt.

Thronfolger für die Sanyo Xacti E6 / E60 (2)- Erste klinische Bilder aus der PENTAX Optio W90

von Andreas Habash

Seit einer Woche haben wir jetzt die Pentax Optio W90 in der Praxis.

Nachdem die Sanyo E6 / E60 die Messlatte für einen würdigen Nachfolger sehr hoch gelegt hat, ist es zu früh für die abschließende Beurteilung.

Deshalb zeige ich hier erst einmal einen Querschnitt der Bilder aus dem normalen Praxisalltag, aufgenommen mit der Optio W90.

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Endlich – mal was Neues – das LEICA M320 F12 Dentalmikroskop !

von Oscar von Stetten

Leica….

Ein Name, der bei Fotografen Glanz in die Augen treten lässt. Zumindest in meine. Die optischen Qualitäten der Objektive sind IMHO das beste auf dem Markt. Irre.

Kaum jemand weiss, dass Leica auch im Bereich der Medizin als Mikroskophersteller tätig ist. Aber es ist sehr leise um Leica geworden. Schade, denn Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft. Und Leica hat das Potential.

Nun kommt Bewegung auf den Markt. Der erste Hersteller hat es geschafft, zeitgemässe Technik in ein neues Gerät zu integrieren. Keine Kabel mehr, kein verlustreicher Lichtleiter mehr, hygienisch einwandfreie Oberflächen, schönes Design. Auch die Dokumentation ist endlich integriert worden. Sowohl Video als auch Foto.

Leider nur in 720p, die Bilder in 3MP. aber das ist etwas, was wohl vollkommen ausreichen wird. Mit Fernbedienung.

Ich bin sehr gespannt, wie dieses Gerät performt. Die Anfrage wegen einer Leihstellung ist bereits gestellt. Sobald diese erfolgt, folgt mehr.

Sehr spannend. Der Preis ist heiss ;-) Auf dem Papier hat das Mikroskop eindeutig Killerqualitäten. Was ich mir wünschen würde, wäre ein Vario-Mikroskop mit diesen Eigenschaften. Aber wer weiss, vielleicht kommt ja was nach. Leica holt auf jeden Fall auf.

Leica_M320_F12_Dental_bro_de

Thronfolger für die Sanyo Xacti E6 / E60 – Erste Eindrücke von der PENTAX Optio W90

von Andreas Habash

Es gibt Abläufe im Praxisalltag, die stark Geräte-abhängig sind.
Leider trifft dies auch für digitale Fotografie in der zahnärztlichen Praxis zu.

Moderne kompakte digitale Kameras sind in den meisten Fällen ungeeignet.
Die einzige Kamera, die in den letzten Jahren problemlos in vielen Praxen im Einsatz war,  ist die Sanyo Xacti E6 oder deren Nachfolger E60.

Leider sind beide nicht mehr käuflich zu erwerben.

Die letzten Versuche mit anderen Kompakten brachten keine annähernd guten Ergebnisse. Nun ist vielleicht der Ersatz gefunden. Die Pentax Optio W90. Die Auslieferung des Gerätes erfolgt im Moment an die Händler.

Die Liste der Features ließ Einiges erwarten (www.pentax.de).

Hier einige Herstellerangaben:

  • Makrobereich (1cm)
  • Makrolicht um das Objektiv (3 Leuchtdioden)
  • AF Hilfslicht
  • Eye-Fi Karten Support integriert in die Kamera
  • Video Funktion (HDTV 16/9 1280×720 30B/Sek)
  • 12,1 Megapixel
  • 5 fach optisch Zoom 28-140mm KB
  • HDMI Ausgang
  • wasserdicht bis 6m
  • stossfest bis 1,2m

Interessant für die Praxis sicherlich die o.g. Funktion: Ausleuchten des Makrobereiches (1cm) mittels der 3 Leuchtdioden die um das Objektiv angeordnet sind.

Heute war die Kamera in der Post und so hatte ich Gelegenheit für erste Eindrücke und Testbilder.

Die nachfolgende Slideshow zeigt Fotos von der Kamera und erste Bildeindrücke beim Rundgang durch die Praxis.
Ausführliche Tests folgen.

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Veränderung als Chance ? Die Zukunft im Gesundheitswesen

von Thomas Weber

Christian Danzl berichtete im Februar über die Prognose eines Wirtschaftswissenschaftlers zum deutschen Gesundheitswesen, der ganz klar die weiteren zu erwartenden Veränderungen im Gesundheitswesen formulierte:  Es wird mehr und mehr zentrale Versorgungszentren (MVZ) geben, die Zahnheilkunde wird – zumindest teilweise – langsam aus dem System der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) ausgegliedert werden, der Beitragssatz der GKV wird, um kostendeckend zu sein, auf ca. 25% steigen müssen, die privaten Krankenversicherer (PKV) werden die Vergütung weiter senken und bei PKV und GKV wird der Trend zu Einzelverträgen gehen und dadurch der Verdrängungswettbewerb stärker werden

Die Analyse ist sehr treffend, denn wir erleben ja bereits das Meiste des Prognostizierten schon heute. Mir fehlt dabei eigentlich nur noch der zu erwartende weitere Anstieg der Mehrwertsteuer um bis zu 3 weiteren Prozentpunkten.

Was wäre dagegen zu tun?

Wie so oft lohnt sich für das Verstehen der Gegenwart der Blick in die Geschichte.
Von jeher war Heilbehandlung Vertrauenssache.
Zunächst vertraute der Patient zu allen Zeiten darauf, sein Arzt werde ihm die „bestmöglich machbare“ Diagnostik und Therapie gegen seine Krankheit bzw. für seine Gesundheit angedeihen lassen.
Das Behandeln nach bestem Wissen und Gewissen ist eine Kernthese des in diesem Kontext immer wieder gern zitierten „Hippokratischen Eides“. Nun klafft heute –2.500 Jahre nach den glücklichen Zeiten des Hippokrates von Kos – eine breite Kluft zwischen dem „Bestmöglichen“ und dem „Machbaren“.

Hippokrates kannte noch keine GKV, keine Chipkarte, keinen EBM, keine BEMA, keine GOÄ oder GOZ.
Er hielt sein Leben und seine Kunst „rein“ und „heilig“ und therapierte allein seiner Kunst und dem Patienten verpflichtet. Dass der Patient auch eine adäquate Gegenleistung zu erbringen hatte, war so selbstverständlich, dass man im berühmten Eid eben keine Silbe über „Gebührenordnung“, „Honorarverteilungsmaßstäbe“ oder Steigerungsfaktoren findet. Der Patient „honorierte“ den Arzt nach dessen Bemühungen. Denn Gesundheit (ein fürwahr hohes Gut, aber nach Meinung vieler Philosophen und Theologen damals und heute sicher nicht das „Wichtigste“) ist unbezahlbar, die Wiederherstellung von Gesundheit folglich auch nicht. Das lateinische Word „Honorar“ – die Bedeutung „Ehrensold“ finde ich treffend – umschreibt nämlich den Versuch etwas eigentlich nicht entlohnbares anerkennend zu würdigen. Das „Honorar“ ist dementsprechend nicht allein „Geld“ sondern vor allem auch „Ansehen“ und „Ruhm“.  So steht es im Eid. Bei Hippokrates honorierte der Patient oder sein Besitzer (wenn es sich um einen Sklaven handelte) die ärztlichen Bemühungen, mit Geld und auch „immateriell“, weshalb Hippokrates zumindest dem Namen nach einer der berühmtesten Ärzte aller Zeiten wurde. Der Patient durfte auf die „bestmögliche“ Behandlung vertrauen, wie der Arzt auf die adäquate Honorierung vertrauen durfte. Das war und ist heute noch die wahre Arzt-Patienten-Beziehung. Grundlage war letztlich der Glaube, Heilung sei göttlichen Ursprungs und so waren die Ärzte seinerzeit irgendwie auch Priester, manchmal beides, die „Krankenhäuser“ Tempel  und aus diesen Zeiten kommt wohl auch die Definition des ärztlichen „Standes“.

Denkwürdigerweise sind es heute nur mehr die Heilpraktiker, die sich nach meist sehr einfachen Grundregeln (z. B. 1 Sitzung = 50 €) im hippokratischen Zeitsinn „honorieren“ lassen und durch die „Gläubigkeit“ ihrer Patienten (und zuweilen gewissen „metaphysischen“  Zubehörs) tatsächliche, wahrhaft hippokratische Heilerfolge erzielen.

Ein großer Zeitsprung führt uns zum Beginn der heute viel beklagten „Merkantilisierung“ der Medizin. Es war die Politik (wahrscheinlich die preußische), die aus „Honoraren“ irgendwann „Gebühren“ formte, die in „Gebührenordnungen“ den Grundstein schufen für das Novum: „Gesundheitsmarkt“. Die Einführung der Krankenkassen durch Bismarck schuf den „Marktplatz“ für das Einkaufen definierter „Leistungen“ oder „Leistungserbringer“ ohne Bezug zu einem Individuum sondern für eine jeweilige Gruppe. Und dies natürlich zum günstigsten Preis. Dies ist bis heute so geblieben.

Dabei geht es eben prinzipiell nicht mehr um bestmögliche Versorgung des Einzelnen sondern um machbare Versorgung möglichst Vieler. Solange der zur Verfügung stehende finanzielle Rahmen groß genug ist, ist dies ja nicht zwangsweise ein Widerspruch. Hier vertraute der Patient auf die Finanzierung seiner bestmöglichen Versorgung durch seine Kasse, und der Arzt auf die adäquate Honorierung durch eigens geschaffene Körperschaften, den Kassenärztlichen Vereinigungen (KV). Und viele tun das heute noch.

Aber längst befindet sich das bismarcksche System in der Schieflage: aus dem Arzt, dem Asklepiaden der hippokratischen Zeit („Halbgott in Weiß“ oder Priester, Mittler zwischen heilendem Gott und leidendem Mensch) ist ein „Dienst-Leistungserbringer“ geworden, noch besser vielleicht: ein Kaufmann im Gesundheitswesen, aus der „Heilkunst“, einer individuellen, freien Therapie eine Behandlung in BEMA-Schema, Richtlinienkorsett und „wirtschaftlich ausreichender“ Qualität, aus dem göttlichen Geschenk der Genesung oder Wiederherstellung der Gesundheit, jederzeit abrufbare, qualitätszertifizierte Dienstleistung, deren Erfolg bzw. Misserfolg justiziabel und einklagbar sind, aus dem „Honorar“, der Anerkennung ärztlicher Mühen, kalkulatorischer Arztlohn, Fallpauschale oder Budget mit floatendem Punktwert.

Politik und Gesellschaft hat uns seit den 80ern zu “Dienstleistungserbringern” degradiert, wir haben es in 20 Jahren nicht geschafft uns zu echten “Dienstleistern” zu entwickeln. Statt Qualität, Preis, Service steht oft immer noch Richtlinienkonformität, Abrechenbarkeit, Erstattungsfähigkeit im Vordergrund. Wir drohen letztlich zu „Dienstboten“ des Systems zu verkommen.

Natürlich bieten die prognostizierten Veränderungen Chancen, denen, die ihre ökologische Nische beizeiten besetzt haben, die so anpassungsfähig sind, dass sie die Veränderungen lebend überstehen oder die stark (intelligent, flexibel) genug sind, einen neuen Lebensraum für sich zu erobern. Die Reaktion auf Veränderungen, die ein Überleben sichert, ist Evolution im Ursinne. Aber es sind eben nicht zwangsläufig die stärksten, die intelligentesten oder die besten, die das Rennen machen: “It is not the strongest of the species that survives, nor the most intelligent that survives. It is the one that is the most adaptable to change.” stellte schon Charles Darwin fest.

Wollen wir das? Was könnte noch eine Antwort auf das prognostizierte Szenario sein?

Transportieren wir hippokratische Tugenden in unsere Zeit, dann wären drei Punkte sicher hilfreich, um ein tatsächlich echtes Arzt-Patientenverhältnis aufzubauen:

Abschaffung (oder Zuständigkeitsreduktion) der  berufsständischen Körperschaften mit Fall vieler, meist bereits von der Realität überholter berufsrechtlicher Beschränkungen und Rückgabe des “Sicherstellungsauftrages” an die gesetzlichen Krankenkassen bzw. an die staatlichen Organe.

Möglichkeit des freien Agierens auf einem freien Markt (z. B. zeitlich unbeschränkte Tätigkeit in mehren Praxen, Bildung von Kapitalgesellschaften (AG), Bildung von Gesellschaften mit einer Rechtsform, die  Haftungsbegrenzung ermöglicht(GmbH, Ltd.), um gegenüber MVZentren “Waffengleichheit” in unternehmerischer Hinsicht zu erreichen, einfachere Bildung überörtlicher Berufsausübungsgemeinschaften oder kooperierender Netzwerke spezialisierter Kollegen).

Abschaffung amtlicher oder pseudo-amtlicher “Gebührenordnungen”  und damit einer „Erstattungsfähigkeitstherapie“, Einführung einer freien Honorarkalkulation, auch mit Möglichkeit zur Vereinbarung von Pauschal- oder Stundenhonoraren.

Ich würde selber noch einen Punkt hinzusetzen, um die so oft geforderte „Betriebswirtschaftlichkeit“ in der Praxis ankommen zu lassen:

Abschaffung des “Umsatzsteuerprivilegs”, damit Öffnung des Vorsteuerabzugs und Anerkennung der Praxis als Unternehmen.

Radikale Forderungen in unserem Land, die in vielen Ländern der Welt Normalität sind.

Aber in Deutschland geht es eben auch heute nicht ohne…

-gigantische Umverteilungsorganisationen, die von vornherein das eine oder andere Prozent des zur Verfügung stehenden Geldes für die eigene Verwaltung verbrauchen, und dies auf Seiten der Versicherten in Form von 169 gesetzlichen Krankenkassen und einem Gesundheitsfond, von dem keiner wirklich weiß, zu was er gut sein soll, auf Seiten der Ärzte und Zahnärzte durch Kassen(zahn)ärztliche Vereinigungen,

-exorbitante Bürokratie, die so essentielle Dinge wie die Größe eines Praxisschildes oder die rechtlich einwandfreie Form eines Kostenvoranschlages oder selbst einer „freien“ Vereinbarung zwischen Patient und Arzt festschreibt, und sich an die von der Realität überholten Fiktion immer gleich guter, gleich sorgfältiger, gleich kompetenter Kammermitglieder klammert, die sich natürlich alle in herzlicher Kollegialität verbunden sind,

-die unbeschränkte persönliche Haftung, die es zukünftig immer schwerer machen wird, ohne erhebliches Eigenkapital Investitionen zu tätigen oder gar Praxen neu zu gründen, mit der gleichzeitigen Verpflichtung der stetigen persönlichen Leistungserbringung, die verhindern soll, den Leistungsumfang einer Praxis durch Anstellung von Mitarbeitern zu steigern (und dadurch echtes unternehmerisches Handeln konterkarriert).

– “amtliche Gebührenordnung”, die mittlerweile versucht, den eigentlichen Grundgedanken der Einzelleistungsvergütung, nämlich das Kostenrisiko sowohl bezüglich der Häufigkeit wie auch dem Schweregrad einer Erkrankung beim Patienten bzw. der Versicherung anzusiedeln, durch Nichtanpassung an den medizinischen Fortschritt (bisherige GOZ) oder durch „Versozialrechtlichung“ – auch BEMAisierung genannt (GOZ-Referentenentwurf 2009)- zu pervertieren und  neue Wege vereinfachter Abrechnung zu verhindern. Und auch die von den zahnärztlichen Körperschaften selbst erarbeitete neue „Honorarordnung“ (HOZ)  basiert im Wesentlichen auf dem Prinzip der „Rechtfertigung eines Preises“ durch die zur Kostendeckung erforderlichen Arbeitszeit eines fiktiven „Durchschnittszahnarztes“.

Fides obligat fidem.
Vertrauen bewirkt Vertrauen.

Aber ein undurchsichtiges Gesundheitssystem, das den Patienten viel Geld in Beitragsform abverlangt, aber gleichzeitig keine Kenntnis über das dafür an den Arzt weitergeleitete Honorar gibt, ist nicht vertrauensbildend. Auch intransparente Richtlinien, Verordnungs-, Zuzahlungs- oder auch Zuschussregelungen im System sind nicht vertrauensbildend. Auch das Vertrauen der Zahnärzte  in die Anerkennung ihrer Leistungen durch Politik und Kostenträger, ja durch die Standesvertretung selbst,  ist nachhaltig erschüttert.  Es ist nicht vertrauensbildend, wenn der Zahnarzt bei jeder zweiten Behandlung (sei es Prophylaxe, PAR, Kons, Endo, Prothetik) ein Mehrkostenformular zücken muss, weil eben das Mögliche und Wünschenswerte, das Machbare und Bezahlbare meilenweit auseinander liegen, in der Öffentlichkeit aber das Stereotyp „die Kasse-bezahlt-ja-alles“ unwidersprochen hingenommen oder gar noch abgenickt wird.

Der Beitrag von Hans-Willi Hermann „Germany – the mystery country“ , der den  Health Consumer Powerhouse Euro Health Consumer Index 2009 Report zitiert, zeigt deutlich:

Wir haben in Deutschland bestimmte Sozialrechts-Prinzipien, “ethische Verpflichtungen” und den Glauben an den allvermögenden, es immer besser machenden Staat bereits so internalisiert, dass wir z. B. so unzureichende Dinge wie BEMA und GOZ tagtäglich zur Bewertung unserer Arbeit nutzen, sei es völlig unkritisch (“die Leistung A können sie aber neben Leistung B nicht abrechnen, auch wenn sie sie erbracht haben…”), sei es durch den Versuch des “Hinbiegens” über Zuzahlungsklauseln oder wildeste Analogzifferkonstruktionen oder gar der Verwendung bzw. der Kombination von 50 Gebührenziffern zur Abgeltung einer einzigen komplexen Leistung, damit es in der Abrechnung „einfach besser aussieht“. Aber wenn es sein muss, bringen deutsche Ärzte zur Behandlung eines Patienten sogar noch Geld mit:  denn in Deutschland hat der einzelne Vertragsarzt nach ständiger Rechtsprechung in der Tat keinen subjektiven Anspruch darauf, dass ihm jede vertragsärztliche Leistung kostendeckend und angemessen vergütet wird.

Darüber kann Europa nur süffisant grinsen. Ja, in der Tat, es ist schwer einen deutschen Zahnarzt vom Arbeiten abzuhalten, selbst wenn sein Budget verbraucht und seine Arbeit nicht mehr bezahlt wird.

„Wenn wir wollen, dass alles so bleibt, wie es ist, müssen wir zulassen, dass sich alles verändert.“

Dieses altbekannte Zitat des italinischen Schriftstellers Giuseppe Tomasi di Lampedusa (1896-1957), weist uns den Weg.
Die Veränderungen, die uns treffen, können nur durch Veränderungen aufgefangen werden, die wir selbst politisch anregen oder durchsetzen.

Denn die Systemfrage ist längst gestellt und das Bismarcksche Erfolgsmodell“ Sozialstaat“ schon lange auf dem Weg zum Pflegefall „Wohlfahrtsstaat“  unterwegs.

Globuli

von Knic Soman

Die Patientin kam im April 2009 mit starken Zahnschmerzen zu mir.
Sie musste ihren Afrika-Urlaub früher abbrechen, sie hatte es vor Schmerzen nicht mehr ausgehalten.

Ihr Mann, ein alter Freund von mir, wir hatten uns seit Jahren nicht mehr gesehen.
Nun rief er an. Samstags abends. Und fragte, ob er mit seiner Frau bei mir vorbeikommen könne, da die Zahnschmerzen unerträglich seien.

Wir trafen uns in der Praxis.
Die Patientin  war in der Woche vor dem Urlaub wegen bereits vorhandener Beschwerden zu ihrem Hauszahnarzt gegangen.
Dieser trepanierte den Zahn 22, ohne ein Röntgenbild anzufertigen. Und liess den Zahn offen.
Die Schmerzen hielten weiter an, darauf hin trepanierte der Hauszahnarzt den Zahn 21.
Auch dieser wurde  offen gelassen.

Als ich an jenen Samstagabend die Patientin zu ersten Mal sah (sie hatte eine Anreise von ca. 150 km hinter sich) fand ich zwei trepanierte, unverschlossene Zähne vor mit, salopp ausgedrückt, „reichlich Schmodder drin“.

Ich bereitete beide Zähne auf und machte eine medikamentöse Einlage mit CaOH2, die für einen Monat belassen wurde.
Dann folgte im Mai – die  Patientin war nach unserer Erstbehandlung schmerzfrei und blieb es –  die WF.

Februar 2010.

Die  Familie kam zur Routinekontrolle wieder und ich fertigte ein neues Röntgenbild von 21 und 22 an.
Und es hat mich sehr gefreut, dass im Röntgenbild  eine klare Heilungstendenz nach relativ überschaubarer Zeit bei so einem doch größeren Knochendefekt  zu sehen war.

Um so härter und unerwartet traf mich die Reaktion der Patientin, als ich ihr das Röntgenbild zeigte:  „Puuh, da bin ich aber froh, dass mir meine Heilpraktikerin die richtigen Globuli gegeben hat.“
Hatte ich richtig gehört ? Ich fragte nach. „Wie meinen Sie das ?“

Die Antwort: „Ich bin sicher, dass es ohne die Globuli niemals so geworden wäre!“

Wenn´s schnell gehen soll…

von Mick Nason

Schmerzbehandlung wie man sie nicht machen sollte ;-( .
Oder schnell, schnell klappt doch nicht.
Hier die Geschichte.

Eine Patientin mit Schmerzen, sehr ängstlich,  und natürlich unangemeldet zwischen 2 regulären Terminen drangenommen.

Okay, also nur excavieren und bis kurz vor Apex und Größe 25/06 aufbereiten, spülen und medikamentöse Einlage mit Ledermix.

Beim Einbringen der Ledermix-Paste mit dem Lentulo zwei kurze Bewegungen in den Kanal hinein, aber warum ist das Lentulo so kurz?

Na super,  die Einheit war verstellt, auf Linkslauf. Selber nicht gesehen und die  neue Mitarbeiterinnen hat auch nicht drauf geachtet.

Daraus resultierte viel „Spaß“ beim Entfernen der Fragmente.
Diesmal dann auch mit ordentlicher präendodontischer Aufbaufüllung und der notwendigen Ruhe.


Stropko Irrigator an Siemens M1

von Maik Göbbels

Verschiedene Arbeitsschritte der endodontischen Behandlung erfordern das gezielte Trocknen von Strukturen  bzw. das Verblasen von Spänen oder Materialien. Herkömmliche Luft-/ Wasserspritzen ermöglichen dies aufgrund ihrer Konstruktion nicht.

Der Stropko Irrigator http://www.stropko.com/stropkoirrigator.asp ist ein autoklavierbarer Adapter, welcher für alle Luer Lock Needle Tips genutzt werden kann.
Da dieser Adapter nur zu bestimmten Luft-/ Wasserspritzen kompatibel ist, muss zusätzlich eine solche erworben werden. ADS (American Dental Systems) http://www.adsystems.de/ bietet alle erforderlichen Teile zum Einbau an bestehende Arztelemente.

In diesem Artikel wird die einfach durchzuführende Installation an einer Siemens M1 dargestellt.
Die Kosten betragen incl. Einbau ca. 250 Euro.

Soweit an der M1 kein Elektrochirurgiehandstück genutzt wird, ist es möglich, den vorhandenen Köcher zu verwenden.
Der Techniker bohrt ein Loch durch den zuvor abgeklemmten Anschluss für das Elektrochirurgiehandstück und schließt den mitgelieferten Schlauch über ein T-Stück an der Druckluftzufuhr der vorhandenen Luft-/ Wasserspritze an.
Durch diesen minimalinvasiven Eingriff erhält man eine sauber integrierte Lösung ohne umständliches Verlegen von Schläuchen und Anschlüssen.

Kleine Helferlein

von Oscar von Stetten

Bei der Arbeit mit dem Dentalmikroskop setzen wir ausschliesslich Teilmatrizen ein. Die zu dem System erhältliche Zange ist aber zu gross und zu schwer, als das man sie gerichtet unter dem DM einsetzen könnte. Da fiel mir ein Teilmatrizenhalter von Laschal in die Hände. Zuerst war ich sehr skeptisch, ob dieses sehr leichte Instrument auch den erforderlichen Druck in der Zange aufbauen kann, um die Teilmatrize wirklich gezielt setzen zu können. Es kann. Und ich mag es nicht mehr missen, vor allem wegen der quer angelegten Greifbacken. Man kann es sehr leicht in der Hand halten, der Verschluss geht leicht auf, so dass man die Zange, ohne die Matrize in der Lage zu verändern, lösen kann.

Diese Zange gibt es auch ohne Verschluss. Wir setzen sie nun eigentlich für (fast) alles ein, was mit Greifen unter dem Dentalmikroskop zu tun hat.

Depulpin®-Einlage zur Devitalisierung eines Zahnes – Chronologischer Ablauf einer Knochen- und Schleimhautnekrose

von Volker Wettlin

Der Patient, männlich 48 Jahre alt, mit gutem Allgemeinzustand, konsultierte am 30.9.2009 wegen starker Beschwerden am Zahn 38 eine Medeco-Klinik in Berlin. Der Zahn 38 wurde dort trepaniert, und es erfolgte eine Einlage mit Depulpin® von Voco.

Der Patient wohnt abwechselnd in Berlin und auf Sylt. Er suchte mich 8 Tage später wegen heftiger Beschwerden in der Regio 38 auf. Mesiolingual des Zahnes 38 hatte sich eine ausgedehnte Nekrose gebildet (Bild 1). Ich habe die sehr insuffiziente provisorische Füllung entfernt. Darunter lag eine große Portion des Devitalisierungsmittels. Es wurde kräftig gespült und eine neue Med mit CaOH2 eingelegt, mit anschließendem erneuten festen Verschluß mit Fuji LC®. Auf Grund des sehr ausgedehnten Würgereizes war leider kein Einzelfilm-Rö anzufertigen, auf dem die gesamte Region 38 zu erfassen war.

Da es mein letzter Tag vor dem Urlaub war, musste ich den Patienten an einen Kollegen verweisen. Dort wurde der Zahn richtiger Weise Mitte Oktober 2009 entfernt (OPG vor der Extraktion – Bild 6; die Praxis ist nicht in der Lage, es mir besser zu mailen…)

Zurück aus dem Urlaub sollte ich die Naht entfernen. Die Nekrose heilte nur sehr langsam ab (Bild 2). Der Patient spülte täglich mit CHX 0,2%.

Anfang November brachte der Patient zur Kontrolle zwei Sequester in einem Röhrchen mit, die vor zwei Tagen von alleine abgestoßen worden waren (Bild 3 & 4). Die Heilung hatte sehr deutliche Fortschritte gemacht.

Der Patient war dann für eine lange Zeit in Berlin. Daher konnte ich ihn erst wieder Anfang Januar 2010 sehen. Es war in der Zwischenzeit zur vollständige Heilung gekommen (Bild 5).

Am 26.10.2009 meldete ich den Zwischenfall über das Formblatt in den ZM an die Arzneimittelkommission der BZÄK/KZBV. Zu diesem Zeitpunkt wusste ich den genauen Präparatenamen noch nicht. Ich meldete eine „blaue Devitalisierungspaste“. Die BZÄK teilte mir mit Datum 16.11.2009 mit, daß sie den Fall an das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) weitergeleitet hätten. Mit Datum 26.11.2009 fragte das BfArM, ob ich das genaue Präparat wisse. Erst am 21.12.2009 konnte ich den Patienten fragen, in welcher Berliner Medeco-Klinik er war (ich wusste zum Zeitpunkt des ersten Besuches nicht, daß es mehrere Medeco-Kliniken in Berlin gibt). In einem sehr unhöflichen Telefonat erfuhr ich dort von der Anwendung des Präparates Depulpin®. Meine Informationen zu diesem Fall wurden mit größter Ignoranz beantwortet….

Durch die Rückmeldung ans BfArm rief mich am 5.1.2010 ein wissenschaftlicher Mitarbeiter der Firma Voco an und erkundigte sich nach dem gesamten Verlauf  des Geschehens. Ich berichtete ihm alles. Da es sich um eine nicht sachgemäße Anwendung handelte, würde weiter nichts veranlasst werden.

Zweckentfremdete Heizgeräte (2)

von Harald Vögele

Bezugnehmend auf den Blogbeirtrag von Stefan Verch zum Thema zweckentfremdeter Brutofen möchte ich folgende Ergänzung machen.

Es gibt nämlich

1. einen guten Grund, den von Stefan erwähnten Ofen in der abgebildeten Art nicht zu benutzen. Er erwärmt das Komposit in Drehspritzen. Nach drei bis viermaligem Erwärmen verändert sich die Morphologie des Komposits und es verliert teilweise seine Eigenschaften. Es wird porös, schlechter polierbar, spaltet sich in seine Phasen wieder auf, usw. (Ich zitiere dabei die Erfahrungen von Prof. Ernst aus Mainz, der ebenfalls empfiehlt, manche Komposite zur leichteren Verarbeitung vorzuwärmen, aber nicht in der Drehspritze, sondern nur in Compules, die nach ein- bis zweimaligem Einsatz aufgebraucht sind.)

2. eine billigere Alternative zu diesem Ofen, nämlich einen USB-Tassenwärmer, z.B. von Pearl.de, für derzeit sagenhafte 4,95EUR, der an den USB-Anschluß des Computers im Behandlungsraum angeschlossen wird, auf ca. 55°C hochheizt und so das auf die Heizplatte gelegte Composite innerhalb kürzester Zeit erwärmt. Ich mache das seit einigen Monaten, da ich begeisterter Venus-Anwender bin. Ein Komposit, das nach Erwärmung sich optimal modellieren lässt, sonst aber eher hart und schwer adaptierbar ist.

Die wahre Bestimmung von Keimbestimmungsöfen (Brutschränken):

von Stefan Verch

Speicheltest? Kariesbestimmung? Lactobazillen? Streptokokken?

Wird im Mund gemacht, also klinisch beurteilt – Bakterien anzüchten macht wenig Sinn.

Und was mache ich mit meinem alten Ofen zur Bakterientestanzucht?

Nicht wegwerfen!

Kompositmaterialien sollten als hochvisköse Massen entweder bis zu einem gewissen Maße trotzdem fließend  und selbstglättend sein oder genau invers fest und modellierbar.

Erste benutze ich sehr gern als Dentimassen, die sich Nischen und Winkeln anschmiegen sollen ( Enamel Plus HFO Micerium) ; zweitere benutze ich als Schmelzmassen ( und hier Micerium Enamel Plus HRi), wenn die Modellierfähigkeit und Standfestigkeit im Vordergrund stehen. Schmelzmassen müssen und dürfen nicht mehr fließend und selbst glättend sein, da man mit ihnen Höcker oder Schneidekanten modellieren will. Das Anschmiegen an den Zahn und die Dentinmassen kann durch den Modellierdruck erwirkt werden .

Leider nimmt bei den Schmelzmassen auch die Tendenz zu, Blaseneinschlüsse und Inhomogenitäten zu erzeugen, je modellierfähiger und hochvisköser die Massen werden – also auch schlechte Verbundzonen zu tieferen Schichten.

Eigentlich fand ich bei jeder Schmelzschichtung solche unzufriedenstellenden Bereiche –  Abhilfe schafft Wärme.

Man erhitzt das Komposit einfach vor, Micerium empfiehlt zwischen 39 bis 46 ° Celsius. Die Dentinmassen werden noch fließender und selbstglättender – fast wie ein Flow. Und die Schmelzmassen haben eine tolle homogene Konsistenz, die man bei Andrücken in die Kavität regelrecht spürt und auch beim Bedecken der Anschrägungen, weil die dünn ausgedrückten Ränder nicht mehr abreißen wie beim unerhitzten Komposit .  Die Blasenbildung ist deutlich reduziert!

Zum Aufheizen der Massen kann man einen unhandlichen, unhygienischen Ofen für 400 Euro von Micerium kaufen – oder einen großen für 270 €, der eigentlich für Bakterientest Bebrütungen gedacht ist ( Cultura M).

Im zweiten Fall ist man alle Platzsorgen los: er bietet Platz für alle Farben. Im oberen Fach lagern die Auswahlfarben; im unteren werden die spezifischen Farben jedes Mal nach Portionsentnahme zwischengelagert. So bleiben die oberen Farben unkontaminiert und die unteren Tuben kann man abwischen und auch das Fach desinfizieren.

Und wenn man dabei ein „Kellerkind“ (dort lag er jahrelang)wie meinen alten Speicheltestbrutschrank reanimieren kann – dann freut man sich über die neue Bestimmung des Gegenstandes!

Wieviel Mikroskop braucht der Zahnarzt? (2)

von Oscar von Stetten

(eine Antwort auf diesen Blogbeitrag )

Sicher stellt ein Investitionsvolumen von 60k€ für ein Dentalmikroskop für viele eine Hürde dar. Wobei damit noch lange nicht Schluss ist. Folgeinvestitionen werden folgen. Das Armamentarium muss angepasst werden, evtl. ein Zimmerumbau usw. usw. Eine endlose Geschichte ;-)

Aber warum ist eigentlich immer das Gefühl da, dass es unbedingt das ProErgo sein muss?

Wohl weil viele Referenten mit dem ProErgo arbeiten. Dabei mag der falsche Eindruck entstehen, dass nur und nur das ProErgo den Erfolg ermöglicht. Dabei ist das Mikroskop nur ein Werkzeug. Mehr nicht. So banal es klingen mag. Ein Tool, vergleichbar einem Ultraschallansatz für die Endo.

Ich persönlich habe mit einem Leica-Gerät begonnen. Nach kurzer Zeit war ich nicht mehr zufrieden, weil es mir keinerlei modulare Erweiterungsmöglichkeiten bot.

Ein anderes Fabrikat wurde angeschafft. Aber auch dieses reichte mir nach einer gewissen Zeit nicht mehr.

Nun arbeite ich seit knapp 1,75 Jahren mit dem ProErgo. Fazit: das Kaps ist manchmal besser. In der Kons oder der Prothetik. Warum? Weil es mir mehr Mobilität bietet, nicht so sperrig ist, einfach mobiler. In manchen Bereichen, wie z.B. der Endodontie (die ja per se eine sehr statische Behandlungssituation ist), hat das ProErgo die Nase vorn. Aber alleine die Unterschiede der Geräte auf dem Markt zu beschrieben würde eine komplette Blogwoche füllen ohne den Anspruch, komplett zu sein. Darum geht es auch nicht.

Muss es nun immer das ProErgo sein? Meiner Meinung nach nicht. Arbeiten kann man sicher auch mit anderen Mikroskopen. Und auch sicher sehr gut arbeiten. Denn Erfolg ist immer eine Kombination aus Werkzeug und Werkzeugnutzer. Letztendlich ist es (fast) immer eine emotionale Entscheidung, was man sich kauft. In diesem Preissegment sicher noch viel mehr als bei anderen Dingen. Geht man alleine nach der optischen Güte, der Mechanik etc. wird man über kurz oder lang zwangsläufig beim ProErgo ankommen.

Und:  Wenn man diesen Luxus in der Behandlung länger hatte (ProErgo), gewöhnt man sich daran. Mir geht es immer so, wenn ich am Kaps arbeite. Ich suche immer die Funktionstasten. Und noch manche andere Sache dazu. Macht es das Kaps damit zu einem minderwertigeren Gerät? Ganz sicher nicht, denn es besitzt ebenfalls seine Vorzüge.

Wie beziffert man also die Bequemlichkeit während der Behandlung? Ist es mehr oder weniger wert? Ich meine: das ist eine rein persönliche Entscheidung.

Man sollte aber bedenken: wir reden von einem Gerät, welches mich ca. 6-7h als wichtiges Tool am Tag begleitet. Und das ist mir der Luxus in Form eines ProErgo für mein Wohlbefinden wert.

Schutzhüllen – Update

von Oscar von Stetten

Nach dem ersten Blogeintrag schreib mich Kollege Christian Danzl aus Bad Reichenhall an und schickte mir den folgenden Link:

http://www.rimbacherlatex.de/med_prod.html#schutzhulle

Daraufhin bestellte ich ein Gros der grössten Schutzhüllen. Ein Gros sind 144 Stück für knapp 13€. Das sind knapp 9 Cent pro Stück. Noch günstiger als die Lösung des Kollegen Hans-Willi Herrmann. Für das ProErgo ist die Lösung leider nicht zu gebrauchen, die Schutzhüllen spannen zu sehr über die Wipptasten, so dass die Hülle bei Betätigung reisst.

Aber: sie passen perfekt über das neue Griffdesign eines Kaps-Mikroskopes. Diese Griffe sind denen des ProMagis/ProDent ähnlich, so dass es auch bei diesen Mikroskopen kein Problem geben dürfte.

Das es die Schutzhüllen in 3 verschiedenen Grössen gibt, werden wohl auch alle anderen Griffe der auf dem Markt verfügbaren Mikroskope mit diesen Hüllen zu versorgen sein. Eine insgesamt überzeugende Lösung, preislich bis her ungeschlagen. Vielleicht eine Überlegung wert.


 

 

Licht

 

von Oscar von Stetten

Auf der Industrieausstellung bei der DGEndo-Tagung fiel mir sofort auf dem Stand der Firma Jadent ein sehr heller Lichtspot auf. Dann habe ich auch noch auf dem Mikroskoparm die Aufschrift „LED inside“ (abb1) entdeckt.

Sehr spannend, wurde ich just am Tag vorher von einem Teilnehmer nach einer Beleuchtungsalternative zu Halogen, Xenon oder Metallhalide gefragt. Mein Wissensstand war, dass LED noch nicht so weit war. So kann man sich täuschen.

Das Licht ist sehr hell und das obwohl die nominellen Werte nicht so berauschend klingen. Aber dennoch, der Spot war blendend. Neugierig wie sich das Licht klinisch bewährt bat ich Jadent um eine Leihstellung. Diese erfolgte am Dienstag, leider wurde das Mikroskop am Donnerstag wieder abgeholt. Damit bleib mir nicht genug Zeit, Fotos mit dem Mikroskop zu schießen um über die Belichtungszeit eine halbwegs vernünftige Einschätzung zu erhalten. Aber das wird sicher nachgeholt werden.

Was ich aber sagen kann (nach 7 Behandlungen mit diesem Mikroskop): exzellent. Das Licht ist hell genug bis zur 16x Vergrösserung, um damit noch ordentlich arbeiten zu können. Erstaunlich. Das Beste: keine Lüftergeräusche, keine Hitzeentwicklung, alles im Standard-Lichtkasten des Kaps montiert.  Meine Hand hielt ich etwa 2 min. über dem Lichtaustritt und hatte keine Verbrennungen 3. Grades.

Beim Xenon würde ich mich das nicht trauen ;-)

Flugs den Leuchtkasten aufgeschraubt und mal nach der LED-Zelle geschaut. Verblüffend. Verblüffend klein. Sehr klein sogar für die Lichtmenge und den guten Eindruck. Kein Vergleich mit den Zusatzgeräten für Xenon. (abb 2,3)

Von oben fotografiert sieht man die Zelle mit einer Sammellinse.  Offensichtlich reicht die Linse aus, um das Licht gut und gleichmässig in den Lichtleiter zu schicken. Dieser ist auch nicht mehr den Hochtemperaturen wie beim Xenonlicht ausgesetzt, was der Langlebigkeit sicher zugute kommt. (abb4)

Man bemerkt sofort, der Durchmesser ist kleiner als bisher. Was Luft nach oben lässt.  (abb5)

Vorläufiges Fazit:

Die LED-Beleuchtung hat mich begeistert. Es hat viele Vorteile, wie z.B. eine lange Lebensdauer, keine Hitzeentwicklung, keine lauten Lüftergeräusche. Das Spektrum des Lichtes ist angenehmer, tageslichtähnlicher als Xenon, was aber in der Natur der Sache liegt.

Weiterer Vorteil: gute Integration im Gerät. Kein zusätzlicher Leuchtkasten, kein zusätzlicher Stromanschluss mehr, keine Fernbedienung o.ä.

Die momentan verfügbare Lösung zeigt, dass es prinzipiell geht und dass diese Art des Lichts auch einsetzbar ist. Wenn man das Kaps mit einem Mitbwerber von der Beleuchtungseite vergleicht, fällt auch die verschiedene Farbtemperatur auf.

 

Aber Vorsicht: Es geht dabei ausschliesslich um die Farbtemperatur, um nichts anderes. Ein weiterführender Vergleich zwischen diesen zwei Geräten scheidet aus mehreren Gründen aus. Definitiv. Ein ungleicher Vergleich, so in etwa zwischen einem Passat und einem Bentley.

Würde ich es mir kaufen? Um eine definitive Empfehlung auszusprechen habe ich nicht lange genug mit dem Gerät gearbeitet. Aber das erste Gefühl ist gut. Und meiner Meinung nach ein Schritt in die richtige Richtung.

 

 

 

Tools und Toys

von Oscar von Stetten

Noch vor zwei Jahren kam ich von einer DGEndo-Tagung nach Hause und blickte am Montagmorgen in die „sorgenerfüllten“  Gesichter meiner Mitarbeiterinnen.
Was brachte der Chef wieder Neues mit, wie würde sich das Behandlungsprotokoll nun wieder ändern?

Wie gesagt, früher war es so.
Diese Woche war es nicht so.

Zurück aus Wiesbaden hatte ich nichts Neues im Gepäck. Weder eine Änderung des Behandlungsprotokolls noch ein zusätzliches Werkzeug. Das liess mich heute morgen selber stutzen.
Nichts Neues mehr? Bin ich innovationsfeindlich oder gar bequem geworden?
Oder schon so eingefahren, dass ich nichts mehr ändern will?

Retrospektiv muss ich sagen, weder noch. Bei genauer Betrachtungsweise habe ich in der Industrieausstellung nichts für mich selber gefunden, was in meinen Augen noch eine signifikante Verbesserung in meinem Behandlungsprotokoll bringen würde.
Was nicht heissen mag, des es in allen Punkten perfekt wäre.
Detailverbesserungen, sicher. Aber nicht mehr die Knüller wie vor drei oder vier Jahren. Umso mehr liegt mein Augenmerk seit geraumer Zeit auf Verbesserung unserer Ergonomie, des Workflows im und um das Behandlungszimmer. Und da gibt es immer noch viel zu tun, obwohl meine Damen sehr motiviert sind und viele gute Ideen haben.

Die Miscea-Armatur ist mir gleich ins Auge gesprungen.
Leider habe auch ich es  zeitlich nicht geschafft, mich näher mit dieser zu beschäftigen.
Umso mehr freue ich mich, einen Test von Hans-Willi Herrmann zu diesem doch nicht günstigen Teil zu lesen.
Kann es kaum erwarten.

Gib AIDS keine Chance

von Oscar von Stetten

Mich hat immer wieder die empfindliche Oberfläche der ProErgo-Handgriffe gestört.

Und das diese, egal wie motiviert die Damen pflegen, über kurz oder lang unansehnliche Flecken zeigt.

Zudem die Oberfläche von Kippschaltern und Knöpfen durchbrochen wird, was eine Nischenbildung bedeutet. Da die Griffe elektronische Bauteile enthalten, fällt eine Tauchdesinfektion oder ein TD-Gang leider aus. Bei operativen Eingriffen wollte ich zudem nicht mit meinen evtl. Blut-kontaminierten Handschuhen die Griffe bedienen.

Nach mehreren Versuchen mit z.B. Mikrowellenkochbeuteln, Steri-Schläuchen, Frischhaltefolien kam mir eine andere Idee.
Fingerlinge erwiesen sich als zu klein. Es gibt aber eine andere Art von Fingerlingen, die deutlich grösser sind. Zwar nicht beim Dentaldepot zu erstehen, aber hier:  http://www.kondomotheke.de. Und zwar unter der Bezeichnung Plain-End Silke-Latex. Der Vorteil: Kein Reservoir. Damit nicht direkt als das erkennbar, was es wirklich ist: ein Kondom. Naturgummi, per Wischinfektion desinfizierbar,  kommt morgens auf den Griff, fliegt Abends wieder runter.

Der Preis?
Bei Abnahme einer 100er Packung 0,46€ pro Stück. Verschmerzbar. Neue Griffe für das ProErgo? Ich habe nicht gefragt, aber sicher deutlich mehr als die „Fingerlinge“. Meine Damen haben nach den ersten skeptischen Blicken und Gelächter die  Fingerlinge akzeptiert. Weil es die Rüstzeit für das Zimmer um sicher 2-3 Minuten senkt. Die Zeit, die sie früher mit dem peniblen Wischen der Handgriffe zu gebracht haben.

Macht es mich nun schneller, kann ich mehr Patienten behandeln. Nein, sicher nicht. Aber es entspannt meine Damen ein wenig. Und damit auch mich ;-)

 

Weissabgleich der Kamera

von Oscar von Stetten

 

Der Vorschlag des Kollegen Habash zum einfachen Weissabgleich der Kamera beim Fotografieren am Dentalmikroskop hat mich begeistert. So einfach, keine Graukarte o.ä., ein einfaches Taschentuch.

Aber: spielt die Farbe des Kofferdams vielleicht auch eine Rolle?

Flugs eine Sammelaktion gestartet und ein paar Testbilder geschossen. Offensichtlich spielt die Farbe des Kofferdams auch eine Rolle. Alle Bilder sind in Lightroom mit dem Automatischen Farbton korrigiert worden, mehr wurde nicht durchgeführt. Normalerweise ist diese Funktion bei Lightroom sehr gut. Aber in diesem Fall wird die Funktion durch die Farben der Umgebung massiv gestört. Was hilft also in solchen Fällen?

Die Pipette. Mit der Pipette kann man sich einen Bereich im Bild aussuchen, der am weissesten ist. Damit kann man die Tonwertkorrektur manuell und vorhersagbar durchführen. Es wird das „weiss“ in dem individuellen Bild bestimmt und die anderen Tonwerte daran kalibiriert. In schwierigen Fällen hilft diese Methode enorm, einen halbwegs vernünftigen Farbeindruck zu erhalten. Wenn der Bildschirm denn kalibriert ist…. aber das ist ein ganz anderes Thema.

Zahnschmerzen waren Herzinfarkt

von Benno Jaspers

Eine Patientin, 73 Jahre alt, stellte sich mit alio loco eingesetzter Brücke 16-14 und Schmerzen darauffolgend in der Gegenbezahnung 44 bei uns vor. Der Percussionsbefund 44 war positiv, Therapieversuch zunächst mit Einschleifen (neue Brücke Gegenkiefer), dann mit Revision der WF 44 (dazwischen 6 CHKM-Einlagen über 3 Wochen). Zunächst Besserung, danach wieder Verschlechterung.

Eine Leitungsanästhesie aus diagnostischen Zwecken brachte zu diesem Zeitpunkt Schmerzfreiheit am 44, also entschlossen wir uns zu einer WSR an diesem Zahn.

Danach persistierten die Schmerzen,  begleitet von einer Verschlechterung des Allgemeinzustandes (Kurzatmigkeit). Es erfolgte eine Überweisung  zu ihrem Hausarzt, und siehe da: Der Auslöser der Schmerzen war ein Herzinfarkt, der sich offensichtlich in den UK projizierte!

Die Patientin hat Gott sei dank die Intensivstation verlassen und bekommt jetzt Bypässe.

Herzinfarkt

3 Beine, sicherer Stand – Apikale Aufhellung (13)

von Rahald Birdele

Die Patientin bekam vor 10 Jahren eine Endo an Zahn 14.
Danach keine Probleme.
Vor ca. 3 Jahren Schmerzen.
Der Hauszahnarzt revidierte seine eigene Endo.
Danach war die Patientin wieder beschwerdefrei.

Jetzt vor einem Monat hatte die Patientin wieder Beschwerden. Der neue Zahnarzt versuchte die Endo zu revidieren, scheiterte aber.
Die Schmerzen persisitierten. Die Patientin wurde zu uns überwiesen. Ausgangsbild dabei das Foto Nr. 1. In der Rö zu sehen diffuse Reste von Guttapercha.

Während der Revision zeigte sich buccal tief intrakanalär, auf ca. 16 mm eine Gabelung in mb und db Kanal. Der mesiobukkale Kanal  war noch nie instrumentiert worden und es kam zum spontanen Pusabfluss. Genauso spontan verlor die Patientin das dauernde Druckgefühl in diesem Bereich, das sie seit einem Monat plagte. In der zweiten Sitzung erfolgte der Verschluss mit Guttapercha und AH plus.
Die Patientin war seit der ersten Behandlung beschwerdefrei.

Größte Schwierigkeit bei der Therapie: Den Masterpoint und den Sealer so in einen buccalen Kanal zu bekommen und zu kondensieren, ohne dass an der Abzweigung der andere Kanal vollläuft.

Kinderspielzeug

von Oscar von Stetten


In unserem Urlaub hat mir mein Sohn ganz aufgeregt einen Karton gebracht mit den Worten „Papa, schau mal. Ein Molar. Wäre das nicht etwas für Dich?“

Ich fragte mich, ob er mich wohl auf den Arm nehmen will, was der Schlawiner gerne macht.

Aber nein, tatsächlich, es war ein Modell eines OK-Molaren mit einer wohl penetrierenden cp. Es war als 3D-Puzzle ausgezeichnet, die Altersangabe spielt für uns keine Rolle (wir haben es gemeinsam geschafft, es zusammen zu bauen ;-) ).

Baff und sprachlos packte ich das Spielzeug ein. Für nicht einmal 3€ hatte ich nun ein Zahnmodell, welches ich in Deutschland bis dato nicht gesehen habe. Vielleicht habe ich an den falschen Orten gesucht. Zumindest habe ich nun ein Zahnmodell für einen Spottpreis, mit dem man einem Patienten anschaulich erklären kann, was denn nun die Probleme verursacht. Als Bonbon werde ich noch eine apikale Aufhellung in den Knochen präparieren.

Die Website des Herstellers lautet: www.tiger.dk. Es gibt auch zwei Filialen in Deutschland. Vielleicht kann man das Spielzeug bei Interesse über den Hersteller beziehen. Vielleicht kann man auch eine Grossbestellung mit grösseren Chancen der Lieferung absetzen.

Schon aus diesem Grund hat sich der Urlaub sehr gelohnt.

Bond – einfach an der richtigen Stelle

von Andreas Habash

Bei fast allen Arbeiten in der Zahnarztpraxis arbeite ich mit Kofferdam und Lupenbrille / Mikroskop.
Dabei soll möglichst ergonomisch behandelt werden, was sowieso nicht immer klappt.
Irgendwie haben wir dann festgestellt, dass manche einfache Lösungen, die dabei helfen würden,
offensichtlich sind, aber nicht erkannt werden.
Bei verschiedenen Behandlungsschritten (präendodontischer Aufbau, Verschluss nach Med,
Composite Füllungen etc.) benötige ich oft einen Tropfen „Bond“.
Bisher war dieser Tropfen immer irgendwo auf dem Schwebetisch und ich musste ihn dort mit
einem Instrument aufnehmen oder mir das Instrument von der Assistenz anreichen lassen.
Jetzt haben wir den für mich optimalen Platz gefunden.
Auf dem Kofferdam (siehe Bild).

Da ich an der Lupenbrille eine LED Lampe habe (Starmed Starlight Nano) liegt das Bond im Dunkeln und härtet nicht aus. Ich habe den Vorteil, dass ich nicht den Kopf nicht wegdrehen muss sondern direkt an Ort und Stelle das bonding Material aufnehmen kann.
Nun ist das „Bond“ immer an der richtigen Stelle

Bond

Bond

Video am Dentalmikroskop – eine Alternative?

von Oscar von Stetten

Wer sich mit der Möglichkeit der Videodokumentation am Mikroskop auseinandersetzt, konnte in den letzten zwei Jahren eine deutliche Technikweiterentwicklung feststellen. Full-HD setzt sich allmählich durch, effizientere Videocodecs lassen die Dateigrössen immer kleiner werden bei gleichbleibender Qualität, die Computerpower ist mehr als ausreichend zur Nachbearbeitung, Speicherplatz kostet fast nichts mehr. Was nicht wesentlich weniger geworden ist, ist der zeitliche Aufwand für die Nachbearbeitung.

Ich möchte in diesem Artikel eine Lösung vorstellen, die durch eine Kooperation mit der CarlZeissAcademy zustande gekommen ist.

Alle 3 Monate suche ich gezielt nach Full-HD-Kameras im Internet und informiere mich, was es denn neues auf dem Markt gibt. Dabei fiel mir im Dezember die Beschreibung der Sony SONY HXR-MC1P ins Auge. Diese Kamera entspricht in vielen Punkten dem, was ich mir von einer Kamera am Mikroskop wünsche. Full-HD, klein, leicht, einfach zu reinigen, einfach zu installieren, wenig Einstellungen, fernbedienbar, Live-Bild-Vorschau in Full-HD über HDMI. Sony-Kameras sind zudem rel. einfach an Zeiss-DM´s adaptierbar, aus historischen Gründen die in einer engen Zusammenarbeit von Sony und Zeiss liegen.

Auf die physikalischen und daraus resultierenden Vorteile der kleinen Videochips gehe ich an dieser Stelle nicht näher ein, aber die Videoaufzeichnung bietet optisch mannigfaltige Vorteile.

Nach mehreren Telefonaten und EMails wurde eine dieser Kameras geliefert, zusammen mit dem Flexiomotion-Tubus von Zeiss. Warum? Weil es für dieses Tubussystem passende Filteradapter gibt, die einen sofortigen Einsatz der Kamera möglich machen.

Leider hatten wir im Februar nur 3 Tage die Kamera im klinischen Einsatz, aber für ein erstes proof-of-concept war es ausreichend. Überzeugt, dass diese Kamera-Tubus-Kombi ein gutes Preis-Leistungsverhältnis erreicht, beurteilte ich die Kamera als durchaus geeignet. Gerade habe ich die Kamera wieder bei mir, diesmal für 3 Wochen, so dass ich tiefer in die Beurteilung einsteigen kann.

Auf einer Fortbildungsveranstaltung der Carl Zeiss Academy in Adelboden, präsentierte ich die Kamera Vertretern der Academy. Beistehende Teilnehmer waren sofort begeistert wegen der Qualität, die sich auf dem 50“-LCD zeigte.  Die Kamera hat einen Video und einen Fotomodus. In beiden Modi funktioniert das Live-View. Im Fotomodus nimmt die Kamera 4MP-Bilder auf, aus dem laufenden Videoaufnahmen heraus gibt es die Möglichkeit, Stills zu extrahieren oder mit bis zu 2,3MP Bilder zu machen. Zwei Wermutstropfen: die Kamera nimmt nur im Interlaced-Modus auf und speichert die Videos im AVCHD-Format auf, welches beim Bearbeiten konvertiert werden muss, was ein wenig mehr Zeiteinsatz nötig macht. Meine Bearbeitungskette besteht beim Video aus eine Macbook Pro, das mitgeliferte IMovie kann ohne Umwege die AVCHD-Videos bearbeiten und importieren etc. Wie vieles beim Mac intuitiv nutzbar und belästigt nicht mit (bei Videoediting manchmal ausufernden) Einstellungen.

Da die Kamera als solche zolltechnisch definiert ist, ist sie nicht wie z.B. eine Canon 5D MarkII aus zolltechnischen Gründen auf max. 29:59 min (oder Dateigrössen) limitiert, sonder nimmt auch länger am Stück auf. Wenn man eine durchschnittliche Behandlungsdauer für eine Wurzelkanalbehandlung rechnet, kann das schon von Vorteil sein, die Aufnahme nicht mehrmals neu zu starten.

Im Betrieb am DM funktioniert der AF der Kamera erstaunlich zuverlässig. Ebenso die Belichtungssteuerung und die Blende. Durch die (leider) kabelgebundene Fernbedienung lässt sich die Kamera hervorragend steuern.  Der Import der Daten in den Rechner kann entweder über ein USB-Kabel oder einen Kartenleser, der Memory-Sticks lesen kann, stattfinden.

Der Akku hält einen kompletten Tag durch, wenn man kann und den Platz dafür hat, empfiehlt es sich allerdings, die Kamera mit dem mitgelieferten Netzteil zu betreiben.

Die Verarbeitung ist solide, da diese Kamera als Helmkamera konzipiert wurde. Sie kann also ruhig mal hinfallen ;-) Der Vorschaubildschirm ist nicht üppig, und zur Beurteilung nicht unbedingt zu gebrauchen, aber licht- und kontraststark, was in unseren sehr hellen Arbeitsumgebungen wichtig ist. Im Normalfall wird man einen LCD-Bildschirm für die Mitbeobachtung haben, der über HDMI und Full-HD eine gute Qualität bietet. Schade ist nur, dass man wieder Kabel am DM hängen hat und diese dementsprechend drapieren/verstecken sollte.

Eines muss ganz klar an dieser Stelle gesagt sein. Diese Kamera-Tubus-Kombination spielt nicht in der Liga von anderen, auf dem Markt angebotenen Full-HD-Lösungen. Aber sie hat Vorteile, wie eine leichte Bedienung, leichte Installation, alles „out-of-the-box“. Und sie ist qualitativ deutlich besser als analoge 3CCD-Kameras. Dabei günstiger.

In weiteren Artikeln soll der Aufbau am ProErgo vorgestellt und auch klinische Beispiele gezeigt, sowie eine kritische Auseinandersetzung um die Qualität geführt werden.

Unser Thermodesinfektor oder die Suche nach der Dosis

von Oscar von Stetten

Als vor zwei Jahren ein kleinerer Umbau der Praxis bevorstand, entschloss ich mich, einen Thermodesinfektor, nachfolgend TD genannt, anzuschaffen. Die Wanne, die wir bisher verwendeten, fand ich nicht immer so toll. Der TD, so dachte ich, bringt sicher eine Erleichterung und eine Steigerung der Qualität.

Erleichtert wurde zuallererst mein Konto. Ich musste schon schlucken, als ein Preis von ca. 4000€ genannt wurde. Dabei waren die Korbeinsätze etc. noch gar nicht drin. Aus Platzgründen musste ich den 40cm breiten nehmen, eine Entscheidung, die ich heute bereue. Ich hätte gleich den 60cm breiten nehmen sollen. Es passt einfach mehr rein. Vor allem Waschtrays. Aber dazu vielleicht ein anderes Mal mehr.

Nach zwei Wochen Betrieb haben wir gemerkt, dass der TD zuerst GAR KEINE Arbeitserleichterung darstellt.

Im Gegenteil, es war wie daheim. Wollte man das Geschirr spülen, ääh, Entschuldigung, die Instrumente desinfizieren, war immer einer der Tanks leer. Entweder der Wasserenthärter, der Glanzzusatz oder das Regenerationssalz. Also: flugs die Dosiereinheit (450€) noch dazu bestellt und angeschlossen, aber die Behälter müssen ja auch noch untergebracht werden. Kein Problem, meine Damen räumten den Nachbarschrank leer, damit die Kanister mit den Flüssigkeiten gelagert werden konnten.

Wurde es besser? Na ja, die Intervalle, bis einer der Kanister leer war, wurden länger, die Grundproblematik blieb….

Daheim haben wir schon lange auf die All-in-one-Tabs umgestellt. Eben wegen dieser Erfahrung…..

Warum gab es denn so etwas nicht für die Praxis? Ich habe mich umgehört und erfahren, dass die Reinigungsanforderungen eben ganz andere seien. Logisch.

Unsere Praxis ist in einem Testpanel für einen grossen Dentalbedarfswaren-gemischtgrosshändler tätig. Ab und an bekommen wir Produkte zum testen, ob diese etwas wären. Eines Tages erreichte mich ein Anruf, ob ich Lust hätte, Reinigungstabs für den TD zu testen. Ich konnte es nicht glauben und fragte nochmals nach. Ja, dass seien All-in-one-Tabs. Speziell für medizinische Reinigungsaufgaben. Ja, gerne, sagte ich. Und freute mich wie ein Schnitzel. Die gleiche Reaktion bei meinen Damen. Unglaube, dann Begeisterung.

Es kamen 4 Pakete an. Die Tabs sehen ähnlich aus wie die für den Haushaltsgebrauch, haben aber eine andere Zusammensetzung. Logisch, die Verschmutzung ist auch eine ganz andere.

Also die Dosiereinheit abgestöpselt, zwei Leerläufe und dann einen mit Tab. Ergebnis: die Reinigungsqualität war besser.
Hatten wir mit den Reinigungsflüssigkeiten Schlierenbildung und Stockflecken auf den Spiegeln, gibt es diese mit den Tabs nur noch gering. So gering, dass es mir manchmal gar nicht mehr auffällt.
Und: die Damen freuten sich, weil sie nur noch ein Tab, wie von zuhause gewohnt, in die Maschine werfen mussten.
Kein Nachfüllen von Salz, kein Ärger mehr mit leeren Kanistern etc. etc.

Inzwischen gibt es die Tabs auch von alternativen Anbietern. Ich kann diese nur empfehlen, sowohl von der Reinigungswirkung, dem Müllaufkommen als auch von der Handhabung her.

Ach so, ein anderer Aspekt, der uns lange einen Grund zum Amüsieren gab, war die Umformulierung der Arbeitsanweisung „Tabverpackung öffnen, Tab in die Maschine legen, Tür schliessen und Programm starten“.

Manchmal frage ich mich, wie wir ohne QM leben konnten ;-)

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LED im Motor / Winkelstück / Turbine

von Andreas Habash

Ich habe den Beitrag über die NSK LED Turbinenkupplung mit Interesse gelesen.
Dabei habe ich aber auch etwas gestaunt.
Warum umständlich, wenn´s einfach geht. Seit einiger Zeit ist das Problem mit den LED Lämpchen für die Anwendung in den Übertragungsinstrumenten doch schon gelöst.

Das Ingenieurbüro EPSYS, geleitet von Herrn Voinea, hat einen HPSL-Spot entwickelt, der als „Beleuchtungssystem für dentalmedizinische Instrumente“ angeboten wird.
Ich arbeite seit einiger Zeit mit den HSPL-Spots und bin begeistert.

Die HPSL-Spots gibt es in drei Lichtfarben
- Xenon ca. 5.500 K
- Daylight ca. 4.500 K
- Warm-white ca. 4.000 K.
Die Farbtemperatur ist natürlich wie immer Geschmackssache.

HPSL heißt High Performance Semiconductor Lighting.

Die Spots sind mit den Systemen der unterschiedlichen Hersteller kompatibel und werden angeboten für:
- Sirona Motor SL/SI ISO
- KaVo Multiflex Lux
- Morita CP4
-BienAir Unifix

Beispielfoto der verschiedenen Sockeltypen:

Sockel-Anschlüsse

und hier als Beispiel ein KaVo HPSL-Spot

KaVo

Die Vorteile liegen in (auf) der Hand:

  • hohe Lichtsausbeute
  • sterilisierbar
  • konstante gute Farbwiedergabe
  • hohe Lebensdauer
  • geringer Stromverbrauch
  • geringe Wärmeentwicklung

WICHTIG! 
Die Spots mit Halbleitertechnik funktionieren nur mit Gleichspannung. Sollte bei Montage die HPSL nicht leuchten bitte einfach umpolen …… ;-)

Anfragen und Bestellungen direkt an EPSYS

Email: epsys@inno-coat.de
Homepage: http://www.inno-coat.de/

Kabelgewusel…..

von Oscar von Stetten

Nachdem mein ProErgo Dentalmikroskop immer mehr nach der Kabel-Grabbelkiste beim bekannten Media-Fachmarkt aussah, bat ich einen Bekannten, sich der Sache anzunehmen.

Nach einer gewissen Anzahl Arbeitsstunden hatte er die Kabelschlange soweit im Griff, dass alles ordentlich und verstaut aussah. Dabei fiel mir auf, dass im Arm des ProErgo KEIN Platz mehr war und ist. Es geht nicht einmal mehr ein Klingeldraht durch. Durch wahrscheinlich schon, dann sind allerdings die Gelenke blockiert.

Der Grund dafür lautet weniger, dass ich zu viele Kabel habe (Mann kann nicht genug Kabel haben ;-)), sondern dass jedes einzelne Kabel isoliert und zusammengefasst ist. Diese Isolierung ist zu einem beträchtlichen Teil dafür verantwortlich, dass der Platz in einem DM-Arm knapp wird. Andererseits ist die Isolierung auch ein mechanischer Schutz für die Kabel, somit nicht von der Hand zu weisen, wichtig.

Was wäre nun, wenn man vor der Installation der Dentlamikroskope Kabelbäume einzieht, die dann vor Ort mit den nötigen Steckern zur Adaptation der Ausrüstung am DM versieht. Man bleibt flexibel, denn bei einem evtl. Tausch der Fotoausrüstung lötet man einfach einen neuen Stecker an. Wobei sich einige Kabelbelegungen nie ändern, höchstens die Steckerform, da der Hersteller sein Zubehörgeschäft neu beleben möchte.

Angenommen, ich würde mir 2 Kabel mit jeweils 15 Leitern ins DM ziehen lassen, dann verringert sich die Anzahl der Kabel im Arm enorm, ich bin flexibel, die Anzahl der aus dem Arm führenden Stecker verringert sich ebenso, alles sieht aufgeräumter aus, was wäre mir das wert? Ich weiss es nicht, dass käme auf den Preis an. Wenn ich retrospektiv mir allerdings überlege, wie viel Ärger und Unmut, abgesehen von den hämischen Kommentaren der Kollegen, mich die Kabelbaumgeschichte bisher gekostet hat, wäre mir diese Dienstleitung schon einiges wert.

Warum bietet niemand diesen Service an, auch wenn er aus wirtschaftlichen Gründen kostenpflichtig wäre? Weil jemand, der bereits eine 5-stellige Summe für ein Dentalmikroskop ausgegeben hat, nicht noch einmal Geld für Kabel ausgeben möchte, weil die gibt es im Fachmarkt des Vertrauens in der Grabbelkiste für 5€. Ich dachte damals genauso. Heute sage ich: das wäre eine Investition für die Zukunft, die mir viel Ärger erspart. Ich kann nicht ein optisches High-Techgerät für die Summe X kaufen und dann ausgerechnet an dem sparen, das für den Gesamteindruck dieses Gerätes verantwortlich ist.

Oder würden Sie sich ein Auto kaufen, bei dem man die Leitungen AUF der Karosserie verlegt hat?

In die Irre führend – ein nicht alltäglicher Fistelgang

von Rahald Birdele

Ein Patient,  30 Jahre, Soldat, war zur Routineuntersuchung beim Truppenzahnarzt.
Zufallsbefund dort: Fistel zwischen 12 und 13.
Ohne ein Röntgenbild wurde der Patient zum Kieferchirurgen überwiesen zur weiteren Anklärung, ggf. Therapievorschlag.
Der Chirurg machte eine Röntgenaufnahme mit Guttaperchaspitze und diagnostizierte eine deutliche Assoziation der Radioluzenz zur aussergewöhnlich gewachsenen Wurzel des Zahnes 14.
Ausserdem imponierte ihm, dem Chirurgen (der Truppenzahnarzt hat nix gesehen), die dunkle Verfärbung des Zahnes 14.
Auf dem Antwortbrief für den Truppenzahnarzt stand nur drauf: Das ist ein Fall für den Endodontologen, nicht für einen Chirurg.

Danach suchte der Patient unsere Praxis auf, mit der Bitte um Endo 14.
Eine neue Ausnahme mit Guttaperchaspitze bestätigte die Diagnose des Chirurgen.

Gestern dann: WK/WF in einer Sitzung.

Was auffallend war: Der Patient hatte immer schon den 13 mit Aussenstand, seit Jahren den verfärbten 14, der im Übrigen seit Jahren ein okklusales Trauma erfahren hat, indem er in übermäßiger Okklusion stand.

Da der Patient immer schmerzfrei war, wurde nie eingeschliffen, nie ein Kieferorthopäde empfohlen, nie ein Röntgenbild gemacht. Auch auch von mir nicht. Ich kannte den Patienten, da ich vor etwa 7 Jahren eine Endo am Zahn 36 bei ihm durchgeführt habe.  Asche auf mein Haupt. Jetzt erst, durch die Fistel, dieser Befund. Ich frage mich, ob  man bei rechtzeitiger Diagnosestellung die Endo an 14 hätte vermeiden können.
Interessant finde ich auf jeden Fall die Wachstumsrichtung der Wurzel an 14, obwohl die Krone selbst sich unauffällig in den Zahnbogen integriert.

Noch eine Anmerkung am Rande:  Die Aufbereitung erfolgte mittels einer ProTaper F2 – Feile in Yared – Technik.

Verbindungsprobleme

von Oscar von Stetten

Als ich letztens eine Kamera mit HDMI-Ausgang am Mikroskop hatte, wollte ich natürlich DEN Vorteil einer Full-HD-Darstellung am Flachbildschirm nutzen. Also kam nur HDMI in Frage. Leider hat die Kamera einen Mini-HDMI-Stecker-Ausgang. Nix schlimmes, ab zum Fachmarkt des Vertrauens und einen Adapterstecker gekauft. Dieser war von einem renommierten Zubehörhersteller und nicht gerade ein Schnäppchen für einen simplen Stecker.

Eingesteckt und…… es ging nicht. Warum? Der Kamerahersteller hat aus Abdichtungsgründen die Buchsen versenkt. Diese Versenkung verhinderte das vollständige Einführen des Adaptersteckers. Selbst ein liebevolles, forciertes Einführen hat nicht zum Funktionieren geführt. Also ab ins Labor, die grobe Gipsfräse eingespannt und den Adapterstecker wiederum liebevoll modifiziert. Überraschung: es ging wieder nicht…..

Da meine Liebe inzwischen aufgebraucht war, suchte ich im Internet nach einer Lösung. Und fand sie. Ein Adapterkabel mit 20cm Länge, welches perfekt passte. Auch kein Schnäppchen, aber das kauft man sich nur einmal. Der Vorteil: wenn man die Kameras am DM so oft wechselt wie ich, ist es von Vorteil, das passende Kabel bereits durch das DM hindurch gelegt zu haben. Da man sich nie sicher sein kann, welches Kabel-Steckersystem den Herstellern als nächstes in den Sinn kommt, sollte man, um flexibel zu blieben, sich für einen Typ entscheiden. Die HDMI-Kabel und Stecker werden auf längere Sicht so bleiben, wie sie sind. Durch das Adapterkabel habe ich eine flexible Lösung, egal ob Mini-HDMI- Stecker oder normaler HDMI-Stecker. Es kostet mich 2 sec, es auszutauschen, ohne die Not, ein neues Kabel durchs DM ziehen zu müssen.

Und ob das originale Kameraverbindungskabel des Kameraherstellers unbedingt ein Schnäppchen ist und ob es in der von mir benötigten Länge gibt, habe ich nicht einmal erfragt, da ich die Zubehörpreise schon immer etwas überzogen fand. Und sicher ist, dass die digitale Bildübertragung die Zukunft ist, auch wenn wir manchmal noch am Analogen hängen…..

Projektion und Ausmaß von ossären Läsionen – Täuschung und Realität

von Stefan Verch

Der endodontisch engagierte Kollege sucht Röntgenbilder routinemäßig nach apikalen Läsionen ab.
In der Regel ist eine apikale Aufhellung dann auch tatsächlich einer endodontischen Ursache zuzuführen und durch eine Beseitigung der Ursache, also durch eine entsprechende Wurzelkanalbehandlung, zu heilen.

Differentialdiagnostisch können jedoch einfache Projektionsphänomene falsche Diagnosen provozieren und somit falsche Therapieren induzieren.

Ich möchte zwei Beispiele aufzeigen: in einem Fall ist die Ursache für die vermeintliche apikale Aufhellung am Nachbarzahn zu finden und im anderen Fall am gleichen Zahn, jedoch anderer Ätiologie als einer endodontischen.

Fall 1 zeigt auf dem Röntgenbild 3 eine große apikale Aufhellung, die sich scheinbar von der distalen Wurzelspitze des Zahnes 36 bis nach 37 hinzieht. Der Zahn 36 ist seit mehreren Jahren mit einer Wurzelfüllung, einem Stiftaufbau und einer Krone versorgt. Die Patientin klagte nie über Auffälligkeiten an diesem Zahn. Ca. 9 Monate vor der Röntgenaufnahme 3 wurde 37 mit einer Krone versehen auf einer alten Wurzelfüllung, die der Behandler für akzeptabel und nicht revisionsbedürftig einstufte. Die Kronenkeramik platzte trotz Einschleifens ca. 3 Monate okklusal ab. 9 Monate später klagte die Patientin über heftige Schmerzen, die der Behandler laut Röntgenbefund einer Exazerbation der kleinen apikalen Läsion an Zahn 36 ( s. Röntgenbefunde 1 und 2, die den Zustand vor Überkronung 37 darstellen)zuordnete. Er empfahl eine Wurzelspitzenresektion ohne orthograde Revision des Zahnes 36.

Differentialdiagnose:

Die Patientin zeigt zum Zeitpunkt der Röntgenaufnahme 3 Perkussionsschmerz an 37 und etwas an 36, der Aufbiß wird an 37 stärker unangenehm empfunden als an 36. Der Loslass Test zeigt keinen eindeutigen Befund, Sondierungen liegen bei 3-4 mm Taschentiefen an beiden Zähnen, lediglich mesial am 37 gibt es etwas tiefere Taschenwerte bis 5 mm. Die Patientin erzählt, daß sie ca. 5 Monate zuvor einmal einen heftigen Schmerz beim Kauen in der Region empfunden hatte.

Offenbar ist es in 9 Monaten zu einer sehr großen Läsion gekommen; eine Exazerbation der dezenten Aufhellung an 36 ist eher unwahrscheinlich; differentialdiagnostisch ist eine Fraktur auszuschließen.

Ich habe die Diagnose Fraktur an 37 gestellt und zu einem diagnostischem Aufklappen geraten. Da die Patientin bereits einen Termin zur WSR hatte bei ihrer Chirurgin ihres Vertrauens, kommunizierte ich im Arztbrief meine Diagnose.

Die Chirurgin befolgte das dianostische Vorgehen, obwohl auch sie fest von einer Ursache an der distalen apikalen Aufhellung an 36 ausging. Intraoperativ stellte sich ein Riss der mesialen Wurzel 37 dar, der zur Extraktion des Zahnes führte. Zahn 36 ist in situ und macht keine Beschwerden, die Patientin nimmt zur Zeit noch Abstand von einer möglichen Revisionsbehandlung.

Ich habe aus dem Fall noch einmal gelernt, daß es durch Projektionsphänomene schnell zu Fehldiagnosen kommen kann und das betrachtende Auge immer wieder von der scheinbar evidenten Ursache lösen sollte und an andere, benachbarte Ursachen gedacht werden sollte.

Im Fall 2 sieht man an Zahn 31 eine vermeintliche apikale Läsion, die ohne weitere Befunde schnell zu einer ursachenbezogenen Wurzelkanaltherapie führen würde.

Zahn 31 ist jedoch vital und steht in einem parodontal vorgeschädigten Gebiß. Die Taschenwerte reichten im Jahr 2005 mesial bis 10 mm und distal bis 2mm.

Es handelte sich um eine rein parodontale Läsion, die auf dem Röntgenbild projektionsbedingt bis zum Apex reichte.

Der Zahn wurde zunächst geschlossen kürettiert und später in einer Lappenoperation mit Emdogain behandelt.

Die Messwerte im Jahre 2009 betrugen mesial 3mm und ansonsten 2mm und kann als parodontal geheilt betrachtet werden. Der Zahn ist vital und das Röntgenbild zeigt das vermeintliche Ausheilen der apikalen Läsion – ohne Wurzelkanalbehandlung… Tatsächlich ist die parodontale Läsion ausgeheilt.

Solange eine deutliche Sensibilität auf Kältereiz bei einwurzeligen Zähnen feststellbar ist, ist zunächst eine parodontale Läsion anzunehmen. Bei mehrwurzeligen Zähnen hingegen kann auch bei vorliegendem positivem Kältetest eine endodontische Beteiligung nicht ausschließen. In diesen Fällen gehe ich zunächst primär parodontal vor und beobachte den Zahn in engen Abständen auf Vitalität und röntgenolgischem Befund, um ggf. dann doch noch zusätzlich endodontisch vorzugehen.


Silikonmaterial als Schablonenmaterial für die Provisorienherstellung

von Stefan Verch

Wenn die Methode gewählt wird, die Provisorien direkt im Mund mit einem Kompositzweiphasenmaterial herzustellen, stellt sich die Frage des Materials, mit dem die Schablone für diese Technik hergestellt werden soll. Das Material sollte möglichst schnell aushärten; es sollte hart, gut und exakt reponierbar, im Wiederholungsfalle auch Wochen später einsetzbar und fräsbar sein, so daß man für Teilkronen auch über die Präpgrenze hinaus einen Schnappeffekt der Provisorienwand erzielen kann. Dafür fräst man in der Schablone entsprechende Bereiche aus und gestaltet das Provisorium absichtlich dicker.

Nach langer Suche bin ich auf ein knetbares Silikon für den Laborbereich gestoßen, das alle Eigenschaften erfüllt und zudem recht preiswert ist.
Es ist Sioplast Lab 90 Shore 053245 Bestellnr M+W Dental oder direkt vom Hersteller Müller – Omicron.
Wenn man ein wenig mehr Härter hinzuknetet, ist es innerhalb kürzester Zeit sehr hart; die Reponierbarkeit ist sehr gut, da es hart und unnachgiebig ist, selbst größere Spannen mit einem im Verlauf der Behandlung dann reduzierten endständigen Pfeiler lassen sich über die Passform des Alveolarfortsatzes sehr gut mit einer solchen Silikonschablone versorgen.
Die Fräsbarkeit ist im Trägerlöffel sehr gut.
Wir lagern die PV – Schablonen über Monate und könne im Falle eines zerstörten Provisoriums sehr gut einen Ersatz herstellen.

Silikon für Provisorium

Teilmatritzen – Update

von Oscar von Stetten

Auf der stetigen Suche nach Detaillösungen für schwierige Situationen fiel mir der neue Ultradent – Katalog in die Hand. Dort fand ich, neben anderen sehr nützlichen Dingen, diese Teilmatrizen mit einem breiteren „Zünglein“ apikal. 

Das kommt mir in manchen Situationen sehr gelegen, wenn der Zahn approximal einen sehr breiten und tiefen Defekt hat. Die Matrizen von ContactMatrix sind da oft erst nach dem Individualisieren gut zu gebrauchen.  Die Matrizen sind steifer als die ContactMatrix, was zum Verdrängen von Kofferdam oder Gingiva bei tiefen Defekten durchaus von Vorteil sein kann.

 

Teilmatrize Ultradent

Automix-Kanülen: Fluch oder Segen?

von Oscar von Stetten


In den heutigen Zeiten spielen die Praxiskosten eine nicht unwesentliche Rolle. Neben den Lohn- und Raumkosten stellen die Materialkosten, zumindest bei mir, den drittgrößten Posten in meiner BWA dar.

Nun nutzen wir in unserer Praxis ausschließlich Automix-Produkte, weil diese einige Vorteile bieten:

  • Gleich bleibende Mischungsverhältnisse, unabhängig von der Tagesform
  • immer die gleiche Konsistenz
  • blasenfreie Mischung 
  • sauberes Arbeiten ohne „Geschmiere“ auf Papierblöckchen oder Glasplatten
  • Applizierhilfen in Form verschiedener Spitzenaufsätze

Auf der Fachdental in Stuttgart stolperte ich über die Aussage eines Beraters „in den Mischkanülen sitzt nur ganz wenig Material.“ Wie viel genau, das konnte er nicht sagen.

Nun habe ich mal nachgemessen. Exemplarisch für die zwei bei mir in der Praxis genutzten Mischkanülen.

Es war für mich erschreckend, welche Menge in der Kanüle verbleibt. In den kleinen Anmischkanülen, die von vielen Kollegen in der Endodontie für das adhäsive Verschließen der Zugangskavität benutzt werden, verbleiben 0,43g in der Kanüle. Die Mengen sieht man auf Abb2-2. Zusätzlich muss noch das „Ausbluten“ berechnet werden (die Menge, bis die Mischung vorne an der Mischkanüle auch stimmt). Das bedeutet: pro Anmischvorgang fällt knapp 1/18 der in der Spritze enthaltenen Menge als Abfall an.

In den großen Mischkanülen verbleiben 1,25g. Bei einer Spritzengröße von 50g immerhin nur noch 1/40. Diese Menge sieht man nicht auf Abb2. Nach 0,6g habe ich aufgehört, da setzte sich der Schwabe in mir durch.

In Euro umgerechnet bedeutet das:

Kleine Automix Spritze (MultilinkAuto opaque): 
Preis: 141,90€+ 19%MwSt: 168,86€

1g=18,76 €

Abfall: knapp 8€

Grosse AutomixSpritze (MultiCore Flow):
Preis: 129,50€ + 19%MwSt: 154,10€
1g=3,08€

Abfall: knapp 4€

Was bedeutet das jetzt für den täglichen Betrieb?

Die kleinen Spritzen zu 9g werden aus meiner Praxis verbannt.  Vor allem dieses Material, welches mir vom Handling und Ergebnis her sehr gut gefallen hat. Und ich überlege ernsthaft, auch die Automixspritzen aus meiner Praxis zu verbannen (zumindest für das Multicore). An der Materialwahl werde ich nur für die unterste Abdeckschicht meiner Zugangskavität das Material ändern. Ich benutze gerne ein helles, opaques Material, da im Falle einer Revision das gezielte Abtragen des Kunststoffes deutlich einfacher fällt als mit dem Multicore in A3, zum anderen weil ich dem Überweiser auf diese Art ein optisches Signal setze: bis hierher präparieren, nicht weiter.

Und warum keine Mischansätze mehr?
Weil ich für den Preis des Abfalls eine CapilaryTip mit einer Skini Syringe verwenden kann (Kosten 1,02€), diese mir eine blasenfreie Einfüllung meines Materials ermöglicht und auf ungleiche Weise ergonomischer anzuwenden ist. 

Nach diesem Schreck werde ich nun sukzessive alle Materialien in der Praxis auf diese Art und Weise durchforsten. Ich bin schon gespannt, welche Überraschungen auftauchen.

 

Teilmatritzen

von Oscar von Stetten

Oft hat man in der Praxis mit tief zerstörten Zähnen zu tun, die vor einer endodontischen Behandlung aufgebaut werden müssen. Für diesen Zweck habe ich ein Teilmatrizensystem gesucht, welches auch ausreichend große Matrizenbänder hat. Nach einiger Suche bin ich auf das Contactmatrix-System gestoßen. Hier gibt es verlängerte Matrizenbänder, die mir auch noch in grosser Tiefe eine gute Adaptation ermöglichen. Die Matrizenbänder sind in der Lage, einen guten, bauchigen Kontaktpunkt automatisch zu erzeugen und sind bleitot, so dass sie mit einem Kugelstopfer noch besser an den Nachbarzahn zu adaptieren sind.

Das System kann hier  geordert werden, es gibt auch Probepackungen.

Ich für meinen Teil bin mit diesem System sehr zufrieden, auch bei normalen Kunststofffüllungen.

Kabelbaum (Update)

von Oscar von Stetten

Im Foto – Archiv habe ich noch dieses Foto des im „Kabelbaum“ – Artikel erwähnten Mikroskop – Drapes gefunden.

Sie zeigen ein Zeiss Pentero – Mikroskop, eingepackt in ein Steril – Drape.
So eingepackt störe dann auch eventuell herumliegende Kabel nicht mehr. 

Der Aufwand dafür, finanziell und zeitlich ist jedoch zu berücksichtigen.

 

drape

Kabelbaum

von Oscar von Stetten

Nun ist es soweit: man hat sich für ein Dentalmikroskop entschieden, es wurde installiert, das Team hat die ersten Hürden im Umgang mit dem Instrument gemeistert, und  der Wunsch nach Dokumentation der Behandlungsergebnisse wird immer grösser.

Kein Problem, jeder Mikroskophersteller hat passende Adapterlösungen im Programm. Flugs dran geschraubt und los geht die Dokumentation. 

Aber ein Aspekt trübt die Freude: die KABEL!!!!

Kabel? Welche Kabel ? In den Prospekten sieht man keine Kabel.
Ergebnis geschickter Werbefotografie oder heutzutage professioneller Umgang mit Retuscheprogrammen ala Photoshop.  

Kabel würden nur den runden Gesamteindruck zerstören.
Blättern sie doch mal in Lifestyle-  oder Wohnzeitschriften ala „Schöner Wohnen“. Sie sehen lauter Elektrogeräte ohne Kabel. Zu Hause sieht das anders aus. Wer eine ausgewachsene Heimkinoinstallation sein eigen nennt, weiss wovon ich rede.

Am Dentalmikroskop ist das Ganze aber noch viel komplizierter. Weiterlesen

Im Falle eines Falles klebt Pattex wirklich Alles… (Teil 2)

von Stefan Verch

Adhäsives Zementieren im Hinblick auf  Bondingsysteme: Meine Empfehlungen.

 

2. Indirekte Restaurationen – Vollkeramik

Veneers setze ich mit lichthärtenden Flowkompositen (Tetric Flow) ein. 
Tiefere Onlayversorgungen aus Sinterkeramik oder Empress setze ich adhäsiv mit dualhärtenden Kompositzementen ein ( Rely X ARC ,  ohne Amine  und „vergilbt“ daher nicht mit der Zeit).
In beiden Fällen benutze ich Syntac Classic, das ein Adhäsivsystem der Dinosaurierklasse ist, aber weiterhin Goldstandard bietet.
Zudem ist es sehr gut geeignet, wenn man das Adhäsiv VOR dem Zementieren aushärten will. Dies hat den Vorteil, daß man die Schrumpfung schon vorher abschließen kann in der Hybridschicht und die Kavität provisorisch herkömmlich versorgen kann.
Durch die Sandstrahlung und Pulverstrahlung erfolgt zudem eine Reinigung der Kavität, so daß die Klebung auf sauberem, nicht kontaminiertem Dentin erfolgt.
Ätzen und Vorbereitung der Kavität ist daher entsprechend dem obigen Vorgehen – aber Vorsicht beim Sandstrahlen! Dies sollte sehr, sehr kurz pro Fläche erfolgen.

Am besten sieht man die richtige Vorgehensweise, wenn man adhäsive Unterfüllungen/Aufbauflächen sehr präzise von visuell „glatt mit Finierspuren“ in visuell „matt ohne Finierspuren“ überführt.

So erreicht man eine optimale Anrauhung und Säuberung der Kompositflächen UND des verunreinigten Dentins. Passungsprobleme ergeben sich nicht, auch wenn man natürlich auch die Ränder anrauht und dort kleine Ungenauigkeiten erzeugt. Ich messe dem Säubern eine größere Bedeutung bei.
Das Befeuchten ist obigen Vorgehen analog.
Primerauftrag ( auch hier wird mittels Microbrush gezielt und nicht pfützenbildend, sondern präzise glanzbildend auf all e Kavitätenflächen aufgetragen; dadurch vermeidet man die Benetzung kavitätenferner Dentinwände, auf die der Dualzement ansonsten ggf. haften könnte )und Einwirkung (30 sec!) entsprechen dem obigen Vorgehen, die Verdunstung des acetonhaltigen Syntac – Primers ist jedoch einfacher.
Die Zwischenstufe des dreistufigen Syntac , das Adhäsiv in der weißen Flasche, wird ebenso aufgetragen und nach 30 Sekunden analog vom Lösungsmittel befreit.
Vor dem Bonding ist die Kavität überall glänzend (das Adhäsiv bringt im Gegensatz zum Primer eine glänzende Schicht nach der Lösungsmittelverblasung)und die Finierspuren im Dentin sind im Profil zu erkennen.
Das Bonding wird genauso präzise, dünn und gezielt (kein Bonding über die Präpgrenze!!) aufgetragen und nach dem Verblasen (Puster und kleiner Sauger) eventueller zu dicker Auftragsstellen (wo man die Finierspuren nicht mehr sieht)schließlich kontrolliert, ob alle Stellen der Kavität glänzen, aber keine Pfützen aufweisen. Die Finierspuren im Dentin müssen als Profil zu sehen sein! Dann kann die Kavität lichtgehärtet werden. 
Es kam noch nie zu einem Passungsproblem durch einen zu dicken Bondingfilm! 
Nach dem separaten Lichthärten wird der dual härtende Zement oder der lichthärtende Zement mit der Restauration eingesetzt; auch die rein chemisch aushärtenden Gruppen des Dualzementes finden Bindungen zu den nicht ausgehärteten Molekülen der Inhibitionsschicht des Syntac classic. Zudem erreicht man heutzutage mit guten LED Aushärtungsgeräten fast alle Bereiche der Kavität durch langangesetzte Aushärtezeiten und Lichtfortleitung; dadurch ist eine zusätzliche Lichtaushärtung möglich.

Im Falle eines Falles klebt Pattex wirklich Alles (Teil 1)

von Stefan Verch

Adhäsives Zementieren im Hinblick auf  Bondingsysteme: Meine Empfehlungen.

Allgemein: Ich verwende Optibond FL für direkte Restaurationen und Syntac Classic für indirekte Restaurationen im Vollkeramikbereich.
Beide Materialien kosten zwar etwas mehr Zeit und Aufwand als One Bottle Systeme, bieten aber weiterhin Goldstandard und klinische Bewährung. Zudem ist Ihr Handling zu den beschriebenen Verfahren sehr gut passend und kontrollierbar.

1. Direkte Restaurationen

Alle Kavitäten werden gesandstrahlt (Haftungsflächenvergrößerung, Smearlayer –  Entfernung, sklerosiertes Dentin wird mechanisch angerauht) und pulvergestrahlt.
Ich wende das Total Etch – Verfahren an: 30 Sekunden Schmelz- und 20 Sekunden Dentin –  Ätzung. Es folgt die Trocknung des gesamten Gebietes, auch der Nischen in den Matritzenräumen und am Keil usw.
Um eine Austrocknung (Spaghettiklebeeffekt) zu verhindern, wird das Dentin danach wieder befeuchtet. Ein weißer Microbrush wird in Wasser getaucht und einmal kurz am Traypapier aufgestoßen; dann wird das Dentin betupft. Schmelz und Dentin sind danach glänzend naß, aber nicht überflutet. Diese Feuchtigkeit wird nun reduziert, so daß der Schmelz nicht kalkweiß erscheint, aber nicht mehr glänzend ist. Es ist eine bestimmte Lichtbrechung, die man schnell in Erfahrung bringt. Das Dentin ist entsprechend matt, aber nicht so trocken wirkend wie nach dem ersten Trockenpusten.
Ich benutze einen Speichelsauger ohne Abdeckkappe, den ich -kurz sehr nahe- oder -länger und mit Abstand- (über Matritzenrändern) ansetze. Sollten doch noch kleine glänzende Stellen sein, dann puste ich ganz vorsichtig mit sanftem Strahl diese Stellen matt, jedoch nie  trocken.
Der Primer wird auf die weiße Microbrush gegeben, frisch, nicht aus einem Dappenglas und gerade nur so viel, daß die brushes vollgesogen sind.
30 sekündiges Einbürsten bringt höhere Haftwerte. Der Alkohol als Lösungsmittel muß dann verblasen werden; dies geschieht mit dem oben genannten sanftem Strahl. Man sieht richtig, wie das Glänzende weicht und ein seidenmatter Glanz auf Dentin und Schmelz bleibt. 
Das Adhäsiv wird auf einen separaten Zettel gegeben, und zwar eine sehr feine Menge, in die der Microbrush getupft wird, so daß die Fasern vollgesogen sind, aber nicht gesättigt.
Diese Beschickung hat den Vorteil, daß man sehr gezielt Schmelz und Dentin „betupfen“ kann und eine dünne, suffiziente Bondingschicht aufbringen kann, die danach nicht mehr „verblasen“ werden muß.
Diese Schicht wird 20 Sekunden lichtgehärtet.

Die Probleme beim Scharfstellen…

von Oscar von Stetten

Flach, Schick, Trendy: so lauten die Attribute für die heutigen LCD-Fernseher. Dass diese Geräte nicht nur bei schnellen Kameraschwenks Probleme haben, sondern auch bei normalen Fernsehbildern, wird gerne verschwiegen. Warum ist das so? Ganz einfach: das normale PAL-Signal hat eine Auflösung von 768×576 Bildpunkten mit einem Verhältnis von 4:3, das Display typischerweise 1368×768 Bildpunkte im Verhältnis 16:9. Schlimmer wird es, wenn es Full-HD taugliche Displays mit 1920×1080 Bildpunkten sind.

Nun kommt das Videobild mit einer niedrigeren Auflösung als das Display tatsächlich besitzt. Es gibt zwei Möglichkeiten, wie das Display damit umgehen kann:

1.) schwarze Ränder an den Seiten für eine nicht verzerrte Darstellung. Das hat aber den Nachteil, das Displayauflösung verschenkt wird und man die Displays dementsprechend gross wählen muss, um ein dem Röhrenfernseher von der Grösse adäquates Bild zu erhalten

2.) die Skalierung des Videosignals auf die physikalische Auflösung des Displays. Das ist schon deutlich fehleranfälliger als die erste Variante. Von Hersteller zu Hersteller gibt es unterschiedliche Scalerhardware und Scaleralgorithmen. Generell gilt: umso kleiner das Display, desto billiger ist es, umso schlechter ist die Skalierung. Erst bei Displays in Grössen von 40“ fangen die meisten Hersteller an, hochwertigere Hardware zu verbauen, was sich sofort in einem besseren Ergebnis gegenüber den Billigdisplays niederschlägt.

Warum ist das nun ein Problem? Ganz einfach: das Gerät kann nicht mehr, als die vorhandenen Pixel im Videostrom so oft zu vervielfältigen, bis die physikalische Displayauflösung erreicht ist. Das hat aber den Nachteil, dass die Kantenschärfe deutlich abnimmt. Damit sind die meisten Displays nicht zur Fokussierung einer Kamera am Dentalmikroskop geeignet, weil wir schon mit einem geringen Schärfentiefebereich kämpfen. Doch es gibt Möglichkeiten, wie man das umgehen kann:

a.) externe hochwertige Videoscaler

Es gibt dedizierte Geräte, die das Scaling auf sehr hohem Niveau und mit sehr guter Qualität durchführen können. Leider kosten diese Geräte weit über 1500€, so dass der Sinn und Zweck sicher streng hinterfragt werden muss

b.) erhöhter Betrachtungsabstand

Wenn man den Betrachtungsabstand zum Display erhöht, sinkt die optische Auflösung des Auges unterhalb der Doppelbildschwelle und das Bild wird wieder scharf. Aber: es ist ein Kompromiss zwischen Bildgrösse und Schärfe

c.) kleineres Display mit 800×600 Auflösung

Es gibt in den Elektroniksupermärkten kleine Display mit 10“ oder 12“ Durchmesser, welche leicht genug sind, um diese an das Mikroskop anzuflanschen. Das Display muss nicht viel Scaling betreiben, so dass die Bildqualität zum Scharfstellen tauglich ist

d.) Fotokamera mit HDMI-Ausgang und HD-Auflösung in der Vorschau

Inzwischen haben die zwei grossen Hersteller Nikon und Canon dSLR-Modelle mit HD-Videofunktion im Angebot. Ich hatte jetzt am Wochenende auf der JT der DGEndo die Gelegenheit, eine Nikon D90 genauer anzuschauen. Das HD-LiveView funktioniert auf hohem Niveau und verzögerungsfrei (WICHTIG), so dass diese Kamera sich für einen Einsatz am DM im Zusammenhang mit Flachbildfernsehern eignet. Zudem bietet diese Kamera eine HD-Aufnahmefunktion für einen geringen Preis in guter Qualität

Abschliessend lässt sich sagen, dass man vom Rückgaberecht ruhig Gebrauch machen sollte, wenn man feststellt, dass das Display nicht den Anforderungen entspricht. Leider ist es auch nicht möglich, eine Empfehlung auszusprechen. Die Modellzyklen sind so schnell und die Bezeichnungen der Hersteller kryptisch und verwirrend (oft entscheidet ein Buchstabe in der Bezeichnung über geänderte Hardware).
Ich habe mit 30“ von Samsung die besten Erfahrungen gemacht, sowohl was die Farben als auch den internen Scaler angeht.

Neuer Blitz für die Dentalfotografie

von Andreas Habash

In Zeiten, in welchen bekanntermaßen Preissteigerungen an der Tagesordnung sind und sich hinter einer vordergründigen Preisstabilität oftmals nur unzureichende „abgespeckte“ Versionen ursprünglich ausgereifter Produkte verbergen, gibt es erfreulicherweise auch Firmen, die diesem Trend entgegenwirken und von denen glücklicherweise auch die dentale Fotografie profitiert.

Leider passiert dies allzuoft im Verborgenen. Unbemerkt von vielen Insidern und  engagierten Dentalfotografen stellte die Firma Metz (Zirndorf) auf der Photokina 2008, Ende September in Köln ein solches aus der Masse der Neugeräte herausragendes Ausnahmeprodukt vor: Es handelt sich dabei um den „mecablitz 15 MS-1 digital“. Ein sehr gut durchdachtes Blitzgerät, dass  nicht zuletzt wegen seiner benutzerfreundlichen/komfortablen Bedienung durchaus mehr Beachtung verdient hätte.

Folgende Eigenschaften halte ich nach den ersten eigenen praktischen Einsätzen  gerade im Bereich der Dentalfotografie für besonders bemerkenswert:

  • Drahtlose TTL-Blitzsteuerung, Slave und manueller Blitzbetrieb
  • Auslösung mit in der Kamera integrierten Blitz möglich
  • Auslösung über ein Systemblitzgerät mit Master-Funktion möglich
  • Auslösung über Blitzsynchronkabel möglich
  • USB-Buchse zum Firmwareupdate via Internet
  • Zusätzliches Autofokus-Hilfslicht, welches das Fokussieren unter schwierigen intraoralen Lichtbedingungen deutlich erleichtert
  • Die Reflektoren links und rechts unabhängig voneinander um 10 bzw. 20 Grad schwenkbar
  • Adapterringe für Filterdurchmesser von 52mm, 55mm und 58mm liegen bei (weitere Adapterringe 62, 67, 72 mm sind als Zubehör erhältlich)

Der Blitz ist in einer handlichen Gürteltasche erhältlich, die ebenso im Lieferumfang inbegriffen ist wie eine Bouncerscheibe, Infrarot-Klammer und Adapterringe.

Besonders hervorzuheben ist die Tatsache, dass der als Slave-Blitz konzipierte 15 MS-1 in Verbindung mit einem Master auch TTL fähig ist (Canon E-TTL, Nikon-i-TTL, Olympus/Panasonic FourThirds-System TTL, Pentax/Samsung P-TTL und Sony TTL).
Das gilt auch für die integrierten Kamerablitze, die als Master funktionieren wie nach meinem Wissen zum Beispiel bei

Nikon D90 D300 D700 D200
Fujifilm Finepix S5Pro
Sony Alpha 100 200 300 350 700 900
Olympus SP570UZ E-3 E-420 E-520
Pentax K20D K200D K10D
Samsung GX-20 GX-10

In der Slave Betriebsart beherrscht der 15 MS-1 eine Vorblitzunterdrückung über eine integrierte Lernfunktion.

Der Blitz ist also auf alle auf dem Markt befindlichen Kamerasysteme programmierbar und somit ohne Aufwand mit unterschiedliche Kameras kompatibel.

Die Teillichtleistungen sind von 1/1 bis 1/64 anpassbar und auch ein ungleiches Verhältniss der beiden Reflektoren kann eingestellt werden.

Die ersten Tests unter Praxisbedingungen sind vielversprechend. In der Gallerie finden sie Bilder des Metz 15 MS-1 mit Zubehör und der bereits aufgesetzten Bouncerscheibe, außerdem  ein paar erste „Schnappschüsse“ aus dem klinischen Alltag.

Klein aber fein…

von Oscar von Stetten

Beim Arbeiten mit dem Dentalmikroskop gilt die Devise: alles ist mini, der Aufwand aber maxi. Wer kennt nicht die Situation, man hat eine kleine zierliche Kavität eröffnet und dann keinerlei Instrumente zur Verfügung, mit denen man diese Kavität vernünftig füllen oder weiter bearbeiten könnte. Oder aber – die Sicht durch das Dentalmikroskop ist zwar hervorragend, man sieht noch Karies an der Schmelz-Dentingrenze, kann diese aber nicht erreichen und muss die Kavität grösser aufziehen, als es unter dem Gesichtspunkt der reinen Kariesentfernung her eigentlich notwendig gewesen wäre.

Ich habe mich in den letzten 12 Monaten zusehends über solche Unzulänglichkeiten  geärgert und war auf der Suche nach einem geeigneten Mikroinstrumentarium.

Loser Dental (Leverkusen)  hat Eagle-Instrumente im Angebot, die von der Grösse schon dem Gewünschten nahe kamen. Diese sind  dunkel mattiert (um unerwünschte Reflexionen mit der koaxialen Beleuchtung zu vermeiden). Leider sind  die Angulationen dieser Instrumente für bestimmte Situationen unzureichend. 

Auf der Fachdental 2008 in Stuttgart habe ich nun die Instrumente gefunden, die ich so lange vermisst habe: Hu-Friedy hat speziell für die mikroskopische Behandlung konzipierte Instrumente. Zwei grosse Trays voller Mikrokugelstopfer, Mikroexkavatoren, Mikroküretten etc. etc. Diese Instrumente gibt es in sehr vielen Angulationen, so dass man auch wie gewohnt mit dem Mikroskop „um die Ecke“ behandeln kann. Selbstverständlich sind diese Instrumente geschwärzt und vergütet.

Mein Rat für den Einsatz in der Praxis:  Der Preis macht eine vorsichtige Behandlung nötig, diese Instrumenten kauft man sich nicht jede Woche neu. Eine exakte Anleitung für die Assistentin zur Pflege ist wichtig, idealerweise auch eine Lupenbrille. Die Instrumente sind zwar für ihre Grösse stabil, dennoch als Mikroinstrumente sehr empfindlich.

 

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