Bei dem heute 16-jährigen Alexander haben wir im Frühling 2024 eine RE-Therapie nach Pulpanekrose bei vorliegender Invagination durchgeführt…
hier die Abfolge der Nachkontrollen:
Abschlussaufnahme nach RET (in zwei Terminen)
Kann man hier von einem Erfolg sprechen oder sollte man es eher als Misserfolg einstufen, da es nur sehr begrenzt zu einem Fortschreiten des Wurzelwachstums gekommen ist?
Hier hatten wir erstmals über diesen Fall berichtet. Bei diesem Patienten kamen viele Faktoren zusammen, welche die Prognose verschlechtern. Als Erstes muss man die Zahnanatomie benennen. Zudem wurden bereits endodontische Behandlungsversuche unternommen. In derart gekrümmten Kanälen kann der unbedachte Einsatz von Instrumenten zu Stufenbildungen und/oder Verlockungen führen, die nicht mehr zu überwinden sind. Der Typ-1-Diabetes kann den Erfolg einer endodontischen Therapie verschlechtern, insbesondere bei unkontrolliertem Blutzuckerspiegel (z. B. HbA1c > 7,5 %). Die Studienlage zeigt ein erhöhtes Risiko für Zahnverlust nach Wurzelkanalbehandlung bei assoziierter apikaler Parodontitis (AP) im Vergleich zu gesunden Patienten.
Unsere Prognose für die Therapie lautete bestenfalls günstig. Hätte eine Extraktion und Implantation eine bessere Prognose? Beide Faktoren stören die Osseointegration durch reduzierte Durchblutung, verzögerte Wundheilung und höheres Periimplantitis-Risiko.
Deshalb hat der Patient den Erhaltungsversuch gewollt. Eine Implantation ist immer noch möglich. Zudem haben wir ihn animieren können, das Rauchen einzustellen.
Zur Therapie: Die Planung war, wie schon öfters an anderer Stelle hier geschrieben. Präendodontischer Aufbau, Kanalreinigung und Desinfektion, CaOH-J-Einlage für 3 Monate.
Nach diesem Protokoll sind wir verfahren. Die Fistel hat sich innerhalb weniger Tage geschlossen. Im Röntgenbild nach 3 Monaten haben wir keine röntgenologische Heilungstendenz erkennen können. Wir haben uns trotzdem für die Wurzelfüllung entschieden, da der Patient einen längeren Auslandsaufenthalt plante. Im 6-Monats-Recall bestätigte sich dieses Vorgehen und es zeigte sich eine deutliche Heilungstendenz.
Klinisch haben wir alle uns zur Verfügung stehenden Mittel, wie LAI (laseraktivierte Spülung – Sweeps), schall- und ultraschallgestützte Spülung mit NaOCl 3 % und EDTA 17 %, eingesetzt. Dieser Fall ist ein weiteres Beispiel für den Einsatz der laseraktivierten Spülung in extremen Kanalanatomien.
Hier hatten wir erstmals über diesen Fall berichtet. Bei diesem Patienten kamen viele Faktoren zusammen, welche die Prognose verschlechtern. Als erstes muss man die Zahnanatomie benennen. Zudem wurden bereits endodontische Behandlungsversuche unternommen. In derart gekrümmten Kanälen kann der unbedachte Einsatz von Instrumenten zu Stufenbidlungen und / oder Verlockungen führen die nicht mehr zu überwinden sind. Der Typ-1-Diabetes kann den Erfolg einer endodontischen Therapie verschlechtern, insbesondere bei unkontrolliertem Blutzuckerspiegel. Die Studienlage zeigt ein erhöhtes Risiko für Zahnverlust nach Wurzelkanalbehandlung bei assoziierter apikaler Parodontitis (AP) im Vergleich zu gesunden Patienten.
Unsere Prognose für dir Therapie lautete bestenfalls günstig. Hätte eine Extraktion und Implantation eine bessere Prognose? Beide Faktoren stören die Osseointegration durch reduzierte Durchblutung, verzögerte Wundheilung und höheres Periimplantitis-Risiko.
Deshalb hat der Patient den Erhaltungsversuch gewollt. Eine Implantation ist immer noch möglich. Zudem haben wir ihn animieren können, das Rauchen einzustellen.
Zur Therapie: Die Planung war, wie schon öfters an anderer Stelle hier geschrieben. Präendodontischer Aufbau, Kanalreinigung und Desinfektion, CaOH-J Einlage für 3 Monate.
Nach diesem Protokoll sind wir verfahren. Die Fistel hat sich innerhalb weniger Tage geschlossen. Im Röntgenbild nach 3 Monaten haben wir keine röntgenlogische Heilungstendenz erkennen können. Wir haben uns trotzdem für die Wurzelfüllung entschieden, da der Patient eisenlängeren Auslandsaufenthalt plante. Im 6 Monatsrecall bestätigte sich diese Vorgehen und es zeigte sich eine deutliche Heilunsgtendenz.
Klinisch haben wir alle uns zur Verfügung stehenden Mittel, wie LA-(Laseraktivierte Spülung-Sweeps), Schall- und Ultraschallgestütze Spülung mit NaOCl 3% und EDTA 17% eingesetzt. Dieser Fall ist ein weiteres Beispiel für die Möglichkeiten mit der laseraktivierten Spülung.
Wir haben gelernt, dass es so genannte Problem- oder Risikobären gibt. Es wurde da ausführlich über Bruno berichtet. (https://de.wikipedia.org/wiki/Problembär) Als ich das lass, musste ich sofort an den einen oder anderen Patientenfall denken, der sich als Problem darstellt.
Es stellte sich mir die Frage: Gibt es Problemzähne?
An dieser Stelle muss ich sagen: Ja, für mich gibt es diese. Dabei meine ich nicht Zähne mit nur schwierigen Anatomien, wie man sie bei Unterkiefer-Prämolaren oder Unterkiefer-Frontzähnen beispielsweise finden kann. Für mich sind Problemzähne Zähne mit schwierigen Anatomien + großflächigen Aufbauten bzw. Dentin-/Schmelzverlusten bei kompromittierten Patienten (Störungen im Immunsystem).
Einen Patienten mit so einem Zahn möchte ich heute vorstellen.
Im Januar 2025 stellte sich der Patient in unserer Praxis vor. Weihnachten 2024 ist dem Patienten ein großes Stück Zahn abgebrochen. Im zahnärztlichen Notdienst wurde eine endodontische Behandlung begonnen und der Zahn großflächig mit Cavit abgedeckt.
Mit dem Ziel der Zahnerhaltung stellte sich der Patient bei uns vor. Der Zahn 15 zeigt eine Schmelz-/Dentinfraktur mit Verlust der palatinalen Wand. Vestibulär imponiert ein großes Fistelmaul. Die Sondierungstiefen sind erhöht, zirkulär 4–5 mm. Der Lockerungsgrad ist 0. Es bestehen keine Beschwerden und kein Perkussionsschmerz. Der Patient berichtet über einen Diabetes Typ 1 mit Insulinpflicht seit der Jugendzeit.
Wie schätzen Sie meine Prognose Problemzahn anhand der Befunde und röntgenologischen Aufnahmen ein?
Am letzten Wochenende fand in Leipzig das 1. Leipziger Symposium für Zahnerhaltung statt. Im Zentrum des Symposiums stand die moderne Zahnerhaltung mit Seitenblicken auf minimalinvasive Kariestherapie, adhäsive restaurative Zahnheilkunde und moderne Endodontie.
Mit 2 Praxiskursen am Freitag und Vorträgen am Samstag von Priv.-Doz. Dr. med. dent. Jana Schmidt, Universitätsklinikum Leipzig, Priv.-Doz. Dr. med. dent. Marie-Theres Kühne, Universitätsklinikum Dresden, Dr. Stephan Gäbler, Zahnärztliche Praxis für Endodontie und Oralchirurgie, Dresden, Dr. Hans-Willi Herrmann, Praxis für Wurzelkanalbehandlung, Spezialist Endodontologie DGET, Bad Kreuznach, Dr. Christoph Kaaden, Praxis für Endodontologie und dentale Traumatologie, Spezialist Endodontologie DGET, München und Nils Widera, Praxis für Zahnerhaltung und Endodontologie, Tätigkeitsschwerpunkt Endodontologie LZKS, Leipzig wurde ein umfangreiches Fortbildungsangebot dargeboten. Mit rund 120 teilnehmenden Zahnärztinnen und Zahnärzten war die Veranstaltung sehr gut besucht. Besonders erfreulich war der hohe Anteil junger Kolleginnen und Kollegen.
Was war für mich besonders interessant ? Gleich der erste Vortrag und damit die Hinwendung zur sog. „selektiven“ Kariesentfernung.
Eigentlich ein ganz alter Hut, was die Referentin Jana Schmidt schon gleich zu Beginn ihres Vortrages unter Hinweis auf die 2 Zahnmedizin-Titanen Miller und Black erwähnte.
Schon vor mehr als 130 Jahren gab es die akademische Diskussion, ob und wann eine Karies vollständig entfernt werden soll bzw. wann von dieser Regel abgewichen werden darf.
Und auch ich lernte im Rahmen meines Studiums, nun schon 40 Jahre her, dass in Ausnahmefällen es zulässig sei, in pulpanahen Bereichen ein wenig Karies zu belassen, um zu einem späteren Zeitpunkt, in Hoffnung auf eine Tertiärdentinbildung in der Zwischenzeit, nach Entfernung der Deckfüllung dann die vollständige Kariesentfernung vorzunehmen.
Dieser Vorgehensweise trug auch die Nomenklatur Rechnung: Man sprach von Kariesentfernung und von unvollständiger Kariesentfernung.
Was also ist neu???? An der Technik nicht viel. Aber an der Terminologie.
Und darüber wurde leider nicht gesprochen: Über die begriffliche Verschiebung von „vollständiger“ bzw. „unvollständiger Kariesentfernung“ hin zu „nicht-selektiver“ und „selektiver Kariesentfernung.
Sie spiegelt einen Paradigmenwechsel in der Kariestherapie wider – und plötzlich ist das ehemals Gute schlecht und das früher Schlechte gut.
Selektiv klingt doch viel besser als unvollständig, oder ? Und mit „nicht selektiv“ klingt irgendwie das nun schlecht, was früher mit „vollständig“ positiv beschrieben wurde.
Die neue Terminologie ist nicht wertneutral: „Selektiv“ suggeriert Präzision und wissenschaftliche Fundierung „Nicht-selektiv“ wirkt unspezifisch und potenziell veraltet.
Die Vorteile der selektiven Kariesentfernung?
Die selektive Technik reduziert Risiko einer iatrogenen Pulpaeröffnung. Dies ist besonders relevant bei tiefen Läsionen mit vitaler, symptomarmer oder symptomloser Pulpa. Man belässt kariöse Restdentinanteile, begräbt und versiegelt diese unter dichten Restaurationen. Die zurückgelassenen Keime werden inaktiv, da die bakterielle Aktivität durch Nährstoffentzug sinkt. Ein Reentry wie früher ist nicht mehr notwendig, die einmal eingegliederte Füllung muss nicht wieder entfernt werden.
Soweit so einleuchtend und gut die Theorie.
Was gibt es an Nachteilen und Limitationen?
Zunächst – der Erfolg der Maßnahme steht und fällt mit der korrekten Indikationsstellung – die selektive Kariesentfernung ist nicht universell anwendbar. Sie setzt eine korrekte pulpadignostische Einschätzung voraus (vitaler Zahn, keine irreversible Pulpitis). Und der mittel- und längerfristige Erfolg hängt entscheidend von der Qualität der adhäsiven Versiegelung ab. Mikroleakage führt zum Therapieversagen.
Was noch ? Die Unterscheidung zwischen infiziertem und nicht infiziertem Dentin ist klinisch schwierig und stark behandlerabhängig. Ausserdem ist nicht umfassend geklärt, wann und wieviel kariöses Dentin verbleiben darf. Und Langzeitergebnisse gibt es nicht, die Studienergebnisse betrachten nur kurz- bis mittelfristige Zeitabstände.
Das mit Abstand grösste Problem sehe ich aber in einem Punkt, der leider nicht oder nur marginal im Vortrag Berücksichtigung fand. Den Risiken bei fehlerhafter Anwendung in der Praxis.
Und hier lehne ich mich insofern weit aus dem Fenster, das ich auf einen Konjunktiv verzichte und nicht sage „die positive Beleumundung der „selektiven“ Kariesentfernung könnte zu einem unkritischen Einsatz, nein, sie wird zweifellos in einer nicht unerheblichem Zahl zu einer unkritischen Durchführung der Maßnahme führen: Wenn zu viel infiziertes Dentin belassen wird (z. B. aus Zeitdruck, aus Bequemlichkeit oder Fehleinschätzung), kann die Läsion weiter sich ausbreiten. Unsichtbar von aussen, unbemerkt vom Patienten, bis es zu spät ist.
Vor allem ist eine adäquate adhäsive Fülllungstherapie zwingend notwendig – unzureichende Randdichtigkeiten kombiniert mit Restkaries erhöhen das Risiko für frühzeitiges Versagen erheblich. Auch eine falsch eingeschätzte Pulpa (z. B. bereits irreversibel entzündet oder ein devitaler Zahn kann unter Umständen erst Monate später Beschwerden verursachen und komplexere und invasivere Folgebehandlungen (Endodontie, Extraktion) nach sich ziehen.
Im Übrigen – falls unter Hinweis auf das vermeintlich Neue, Zahnsubstanzschonende initial „minimalinvasiv“ behandelt wurde, aber später umfangreiche Therapie nötig ist, kann dies die Arzt-Patienten-Beziehung belasten. Und eine fehlgeschlagene selektive Kariesentfernung führt zu höheren Gesamtkosten durch Reinterventionen.
In wenigen Sätzen zusammengefasst: Im besten Fall kann die selektive Kariesentfernung eine hilfreiche Strategie ein. Wenn sie mit Bedacht, korrekt indiziert und technisch einwandfrei durchgeführt wird.
Als scheinbare Abkürzung im Hinblick auf ein schnelles Behandlungsende tut der Behandler weder dem Patienten, noch der Zahnmedizin einen Gefallen.
Zitat Goethe , der mit Hegelscher Dialektik sehr vertraut, statt seinem Mephisto nun einen Faust sagen lässt (siehe Foto vor Auerbachs Keller): „Ich bin ein Teil von jener Kraft, die das Gute will und das Böse schafft.“
Hier hatten wir berichtet und inzwischen hatten wir die Chance ein 20 Jahres Recall Bild selbst zu machen. Dies anbei. Zudem wurde bei uns die endodontische Behandlung des Zahnes 47 geplant. Dies war der Grund für das ungewöhnliche 20 Jahres Recall.
Wenn man die beiden Aufnahmen betrachtet, fällt auf das distal apikal der Sealer resorbiert ist. Wir haben damals Pulp Canal Sealer verwendet.
Vitalerhaltende Therapien sind Bestandteil des endodontischen Behandlungsspektrums. Zu selten werden diese vorkommenden Fälle erwähnt. Dabei zeigen Verfahren wie die direkte Überkappung und (partielle/volle) Pulpotomie in aktuellen Reviews überwiegend Erfolgsraten im Bereich von ca. 80–95 %, wenn Indikation, Technik und Material stimmen, wobei bioaktive Kalziumsilikatzemente (MTA/Biodentin) klar besser abschneiden als Kalziumhydroxid. (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/33222178/)
Heute mal ein Fall aus diesem Bereich. Die Patientin gibt eine erhöhte Temperaturempfindlichkeit an den unteren Molaren re. an. Zuvor trat ein plötzlich ziehender Schmerz auf. Klinisch zeigte sich folgendes Bild. Zahn 46 Kunststofffüllung odbli, kein Perkussionsschmerz, Lockerungsgrad 0, Reaktion auf Kalt ++. Zahn 47 Kunststofffüllung om – insuffizient, kein Perkussionsschmerz, Lockerungsgrad 0, Reaktion auf Kalt +. Röntgenologisch zeigte sich am Zahn 46 d apikal ein verbreiterter Desmodontalspalt, überstehende Füllung 46, VD Sekundärkaries Füllung 47.
Die Therapie erfolgte in Form einer partiellen Pulpotomie 46 (Biodentin) und Füllungstherapie 46, 47. (Klinisches Vorgehen 46: Leitungsanästhesie, intraligamentäre Anästhesie, partielle Pulpaentfernung mit Hartmetaller, NaOCl-3%-Desinfektion, Biodentin, VertiseFlow, Beautifil Flow Plus BW.) Nach der Behandlung war die Patientin schmerzfrei und konnte über keinerlei Symptome berichten. Bei den Kontrollen nach 4 Wochen und 6 Monaten zeigte sich eine normale Reaktion auf Kälte Röntgenologisch war eine deutliche Heilungstendenz zu verzeichnen.
Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.
Der Programmablauf für den WURZELSPITZE Gipfel 2026 ist fixiert.
Samstag 20.06.2026 Hier die Agenda mit ihrem zeitlichen Ablauf.
Natürlich kein starres Korsett wie bei den konventionellen Veranstaltungen, sondern ein dynamisches Zeitschema. Soll heissen, je nach Thematik wird es mal mehr, mal weniger Zeitbedarf geben und dementsprechend passen wir den Ablauf vor Ort an.
Love is in the Bin – Das ist ein zu Berühmtheit gelangtes Bild des Streetart-Künstlers Banksy. Hier findet man bei Wikipedia noch mehr dazu.
Unsere letzte Wf-Kontrolle gestern erinnerte mich sofort an dieses Bild. Gut es ist kein Herz, aber fast könnte man sagen… Passend zu Ostern kann man das natürlich auch andersherum interpretieren. Allen Lesern wünschen wir eine angenehme Osterzeit.