Dentikelmonster

von Jörg Schröder

Neben einer irreversiblen Pulpitis und einer deutlichen Krümmung der bukkalen Kanalsysteme wies dieser 17 einen geradezu beeindruckend langen Dentikel im palatinalen Kanal auf.

Auch das gesamte Pulpakammerkavum war größtenteils mit Dentikeln ausgefüllt. Die Entfernung der nicht adhärenten Dentikel erfolgte vorhersagbar mittels Eddy und Microdebrider.

Die initiale Erweiterung der gekrümmten Kanalsysteme erfolgte mittels ProFile-Instrumenten und wurde unter Verwendung von HyFlex-CM-Instrumenten abgeschlossen.

und noch mal ausführlich…

Vor einiger Zeit wurde ich gebeten noch einmal die sequentielle Matritzentechnik, wie wir sie anwenden vorzustellen. Im Zusammenhang mit dem Vorstellen des Beautifil Flow Materials von Shofu habe ich diese Technik sequentielle Matritzentechnik genannt. Die Technik beinhaltet das Anwenden von verschiedenen Matritzensystemen und das Nutzen der jeweiligen Stärken der Systeme um eine möglichst optimale Füllungs- und Kontaktpunktgestaltung zu erreichen.

Der Präendodontische Aufbau ist ein wichtiger Bestandteil der endodontischen Behandlung.

Dies beinhaltet für mich eine optimale Kontaktpunktgestaltung ohne überstehende Füllungsränder, pflegebare Interdentalräume und eine reizfreie Gingiva-Situation zu erreichen. Weiterhin Beschwerden durch chronische Speiserestimpaktion zu vermeiden und dem Patienten zu einem belastbaren, kaufähigen und kariesfreien Zahn zu verhelfen.
Das bedarf, auf Grund der meist stark zerstörten Zahnrestsubstenz etwas Aufwand.

Ich habe versucht dies in den Bildern darzustellen und zu kommentieren.

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Quiz du jour Juli 2020

Von Christoph Kaaden

 

Nachfolgend zeige ich Ihnen das OPG einer 23-jährigen Patientin mit einem ungewöhnlichen radiologischen Befund des unteren rechten Quadranten.

Was denken Sie kommt als Grund für diesen radiologischen Befund in Frage?

Qiuz du jour juli 2020.001

P.S.: Der eigentliche Vorstellungsgrund der Patientin waren Beschwerden unklarer Genese im Bereich 14/15.

 

 

 

Zielschiessen

Wieder mal ein Fall mit Osteosyntheseplatten.

Der Patient hatte einen schweren Fahrradunfall und einige Zeit danach Probleme am Zahn 37.
Wir haben den Zahn 2015 wurzelkanalbehandelt und die Schwierigkeit war möglichst die distale Wurzel so anzuvisieren, daß man diese röntgenlogisch beurteilen kann. Nach der Behandlung war der Patient wieder auf großer Fahrradtour in der Welt unterwegs.
Nun hatten wir die Möglichkeit zum 5 Jahresrecall.

 

5 mal Anatomie (2)

Letzte Woche habe ich hier von 5 alltäglichen Zähnen berichtet, die innerhalb von ein paar Tagen in unserer Praxis aufliefen.

Und gefragt, welche möglicherweise exotische Anatomie sich verbirgt, die im konventionellen Röntgenbild nicht zu sehen ist.

Hier die Auflösung. Ich werde die Fälle in entsprechenden Beiträgen in der nächsten Zeit genauer vorstellen:

Es waren 2 UK-Molaren mit 3 Wurzelkanälen in der mesialen Wurzel, ein Oberkiefer – Molar mit 4 Wurzeln, ein einwurzliger UK- Prämolar mit einem Kanal, der sich im Verlauf der Wurzel in 2 Kanäle aufspaltet, um sich dann apikal wieder zu vereinigen und – eine riesige interne Resorption an einem Zahn 12.

Haben Sie es gesehen ?
Ich nicht.

Röntgenmessaufnahme Zahn 12. Wo ist die interne Resorption ?

Lediglich das Resorptionsgeschehen war von vorneherein bekannt.
Umso merkwürdiger, das im Rahmen der Röntgenmessaufnahme dieses Phänomen auf einmal im Zahnfilm verschwunden schien.

Was lernen wir daraus ?

Traue keinem Röntgenbild !

Ausgangsröntgenbild Zahn 12
Masterpointaufnahme
WF- Kontrolle Zahn 12

Die Patientin besuchte uns nun zur ersten Nachkontrolle 6 Monate post WF. Sowohl die klinische wie auch die röntgenologische Untersuchung zeigte unauffällige Ergebnisse. Im Moment sieht es danach aus, daß dieser Zahn noch eine ganze Weile im Mund verweilen kann.

Wf- Kontrolle 6 Monate post WF

Zum Thema Flugzeugkabinen sind sicher

Der Beitrag ist aus der Schweiz. Aber die grundlegenden Überlegungen betreffen auch uns hier “in diesem unserem Lande“ in gleicher Weise. Es ist mir unverständlich, das in 2020 Aussagen über Corona-sichere Flugreisen nicht nur unwidersprochen geäußert, vielmehr sogar von der Politik noch gestützt werden, wissen wir doch seit SARS 2008 nachgewiesenermaßen (Air Canada Flug) daß vielmehr bei Flügen ein Großteil der Passagiere und des Flugpersonals eines sehr hohen Infektionsrisikos ausgesetzt ist und eine Vielzahl von Ansteckungen stattfanden. Die Fakten liegen vor, demnach darf von Vorsatz ausgegangen werden. Wie beim Mund-Nasen- Schutz. Wir erinnern uns, noch vor ein paar Monaten war der Mundschutz nicht nur nichts nütze, sondern sogar eine Gefahr.

Und jetzt?

Die Rente ist sicher, ach nee, sorry, ich meinte das Flugreisen.

Sagt der Chef der Fluggesellschaft, beziehungsweise seine Lakaien.
Wer alt genug ist, der kennt das schon. Asbest macht keinen Lungenkrebs, Rauchen ist nicht schädlich.

Solange, bis unwiderruflich feststeht, das dem nicht so ist.

Danach. Schulterzucken. Und keine weiteren Konsequenzen.
Kennen wir doch.

Nachfolgend der Artikel.

Und hier ein Video der Neuen Züricher Zeitung NZZ, das die Problematik Flugreisensehr gut zusammenfasst. Eigentlich Pflichtlektüre für den GröGaZ Gesundheitsminister, der dann sofort Massnahmen einleiten müsste.

Der Bund subventioniert Coronaviren-Flüge aus Risiko-Ländern

Jean-Pierre Schiltknecht© zvg Jean-Pierre Schiltknecht / 13. Jul 2020 – In Flugzeugkabinen gelten weder Abstandsregeln noch eine Pflicht von Passagier-Adresslisten für ein nachträgliches Tracing.

Red. Der diplomierte ETH-Ingenieur Jean-Pierre Schiltknecht war langjähriger KMU-Unternehmer in der Messtechnikbranche. In seinem Gastbeitrag kritisiert er, dass die Swiss anders behandelt wird als die übrigen Unternehmen und Betriebe. Der Swiss werde sogar ein risikoreicher Milliardenkredit nachgeschossen ohne die Möglichkeit, Corona-Regeln durchzusetzen.

Es fällt auf, dass der Bundesrat in all seinen Bemühungen um die Corona-Bewältigung den Luftverkehr als Hauptverantwortlichen für die globale Virenverbreitung von der Mitverantwortung systematisch ausgeschlossen hat. Es ist ein folgenschwerer Widerspruch, der Lösungen an der Quelle der Pandemie-Verbreitung verunmöglicht. Mit allen Mitteln bis zum Lockdown kämpft der Bundesrat gegen die Corona-Pandemie und spricht im gleichen Atemzug Rettungsgelder für die Lufthansatochter Swiss und damit für die Aufrechterhaltung der Viren-Nachschubkette per Flugzeugkurier.

  • Paralysiert von einer mächtigen Luftverkehrslobby hat der Bundesrat seine bei jeder Gelegenheit wiederholten eigenen 2- bis 1,5-Meter-Abstandsregeln beim Luftverkehr der Lobby-Guillotine von Lufthansa und Swiss geopfert.
  • Die Empfehlungen der europäischen Agentur für Flugsicherheit EASA für leere Mittelsitze und Sitzreihen wurden in den Wind geschlagen.

Nicht genug damit: Der Bundesrat hat der Swiss staatliche Hilfsgelder zugesprochen und sich damit in eine höchst fragwürdige Gläubigerposition hineinmanövriert, ohne sich das Recht auszubedingen, übergeordnete Pandemie-Schutzmassnahmen im Flugverkehr vorzuschreiben, welche die wirtschaftlichen Interessen der Swiss auch nur ansatzweise einschränken könnten.

Naive Quarantänevorschriften für ankommende Passagiere

Vor diesem Hintergrund erscheinen die naiven Quarantäneerwartungen an ankommende Flugreisende aus den 29 vom BAG bezeichneten Hochrisikoländern als lächerliche und zahnlose Alibiübung.

Die Fluggesellschaften sind nicht einmal in der Pflicht, den Tracingstellen Passagierlisten zu liefern. (Nur schon die Ankündigung von Passagierlisten als Basis von Quarantänekontrollen mit griffigem Bussenreglement hätte ihre Wirkung.)

Der Appell an die Eigenverantwortung in der Quarantänefrage ist in den sozialen Medien innert kürzester Zeit zur Farce für Quarantäne-Umgehungen mutiert. Chaos und Hilflosigkeit total.

Die Konsequenz der Quarantäneliste für Hochrisikoländer kann nur die Unterbindung von Flügen aus diesen Ländern sein. Wie effizient sich eine solche Massnahme auf die Pandemieentwicklung eines Landes auswirkt, kann am Beispiel Norwegen nachverfolgt werden.

Beispiel Norwegen

Am 14. März lagen in Norwegen die Fallzahlen pro 1 Million Einwohner mit 185 um 17 Prozent höher als in der Schweiz. Dann wurden in Norwegen alle Flughäfen geschlossen. Innerhalb einer Woche sank dieser Anteil schlagartig um mehr als die Hälfte und stabilisierte sich bis heute bei rund 40 Prozent des Schweizer Wertes.

Die mehr als Halbierung der Pandemiebetroffenheit von Norwegen durch Unterbrechung der Virennachschubkette Luftverkehr gilt es in ihrer ganzen Dimension zu erkennen, will man die Corona-Pandemie in den Griff bekommen.

Volle Langstreckenflieger zum Beispiel aus Brasilien oder USA mit unkontrollierter Einreise nach vielen Stunden Flugzeit auf engstem Raum ohne Social-Distancing im Ansteckungshotspot Flugzeugkabine sind eine verantwortungslose Zumutung für die Bevölkerung der Schweiz und eine unberechenbare Gefahr für die einheimische Wirtschaft.

Eine wissenschaftliche Fallstudie der Universität Atlanta1 für ein Mittelstrecken-Flugzeug kommt zum Schluss, dass die Ansteckungs-Wahrscheinlichkeit auf elf Nachbarsitzen eines infizierten Flugpassagiers über 80 Prozent beträgt. Eine Studie der Purdue University2 spricht von einem sehr hohen Risiko für eine Kreuzkontamination sogar durch Aerosole, noch bevor die Luft gereinigt wird.

Wenn die Swiss die abstandslose Flugzeugkabine damit zu rechtfertigen versucht, dass ihr kein Fall bekannt sei, bei dem sich jemand im Flugzeug angesteckt habe, dann fehlt es an verantwortlicher Stelle wohl an fachlichem Grundwissen über die Corona-Ausbreitungs- und Erkennungsmechanismen.

Wenn ein Passagier im Flugzeug angesteckt wird, dann verlässt er dieses wegen der 2- bis 14- tägigen Inkubationszeit unerkannt. Nur eine überwachte Quarantäne, wie sie zum Beispiel in Australien in einem Quarantänehotel gehandhabt wird, könnte bei Einreise die Ausbreitung in der Schweiz verhindern, wobei eine Zuordnung auf den Ansteckungsort Flugzeug wegen der grossen Bandbreite der Inkubationszeiten gar nicht möglich ist. Auch deshalb ist der Umkehrschluss der Swiss eine gefährlich irreführende Schönfärberei des Virenhotspots Flugzeugkabine.

Die glorifizierende Darstellung der Flugzeugkabine als quasi ansteckungsfreie Zone aufgrund klinisch reiner Belüftung geht ins gleiche Kapitel, denn die Kontaminierung der Kabinenluft durch Virentröpfchen beim Niesen und Husten erfolgt unabhängig von der Luftqualität.

Nicht zu unterschätzen ist auch die Ansteckung über Aerosol-Atempartikel im Nanobereich, die sich trotz Belüftung über lange Zeit durch Verwirbelung in der Kabine verteilen können.

Ausführliche Informationen und eine hervorragend anschauliche Video-Animation über die Risiken für Flugreisende hat die NZZ publiziert.

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Dieser Beitrag erschien zuerst auf Inside Paradeplatz.

Aller guten Dinge sind Drei? Die Auflösung

von Jörg Schröder

Nach Erläuterung der Befunde habe ich dem Patienten eine erneuten chirurgischen Intervention vorgeschlagen.

Eine orthograde Revision hätte einen zusätzlichen Hartsubstanzverlust des ohnehin schon mechanisch stark kompromittierten Zahnes mit sich gebracht.

Eine Zahnentfernung schied als Erstmassnahme aus, wäre aber bei einem im Op-Situs zu erkennenden Rissgeschehen unumgänglich gewesen.

Der Verlust der retrograden Füllmaterialien und ein nicht aufbereiteter und ungefüllter Isthmus zwischen den beiden Kanalsystemen kann als Ursache der seit Jahren persistierenden apikalen Pathologie angesehen werden.

Aufgrund des weit nach kausal ins Vestibulum hineinreichenden Defektes habe ich die Fotodokumentation auf das Minimale und weniger beschränkt. Schade, aber mein Hauptaugenmerk lag wohl ein wenig woanders. ;)

Die retrograde Präparation erfolgte mittels Ultraschallansätzen nach B. Khayat. Die Obturation mit einem biokeramischen Putty-Material.

16 Monate nach dem nunmehr dritten chirurgischen Eingriff zeigt sich im Einzelbild eine recht erfreuliche Entwicklung.

 

 

Aller guten Dinge sind Drei?

von Jörg Schröder

Die Betrachtung der gesammelten Röntgenaufnahmen dieses in der Vergangenheit laut 32-jährigem Patienten schon zweimal resizierten Zahnes 32 dokumentiert das interessante Verschwinden der retrograden Füllungen.

Übrig geblieben sind die kreisrunden Kavitäten und eine sich zunehmend ausdehnende apikale Aufhellung.

Klinisch imponiert eine deutliche labile Schwellung, die bereits von extraoral zu erkennen ist. Eine Fistelung besteht nicht. Der Zahn weist eine gering erhöhte Beweglichkeit auf und verursacht keine spontanen Beschwerden. Die Perkussionsempfindlichkeit ist achsmal und lateral gering erhöht. Die Sondierungstiefen liegen innerhalb physiologischer Grenzen. Der elektrische Sensibilitätstest des 31 ist reproduzierbar positiv.

Das DVT zeigt Beeindruckendes.

Was tun?

Wer seine grauen Zellen anstrengen möchte, nutze bitte die Kommentarfunktion.

Wer schon im Urlaub ist, schaue ab 18.00 Uhr noch einmal vorbei.

 

Life Hack Mund-Nasen-Schutz

Wenn ich nicht gerade NICHT in der Praxis wäre, würde ich das hier sofort heute ausprobieren.

Einfach durchzuführen.
Bin gespannt ob es was bringt.

Und was meine Ohren dazu sagen.

https://www.glamour.com/story/this-dentist-60-second-hack-to-make-your-face-mask-fit-better-is-going-viral

Manchmal macht ein einziger Mensch einen Unterschied

Vor zwei Wochen, beim DGET Curriculum in Düsseldorf, der ersten Fortbildung für mich nach/mit Corona, hatte ich zum ersten Mal ein maschinelles NiTi – Instrument in Händen, dass es so eigentlich nicht gegeben dürfte. Das „neue“ reziproke Komet Procodile – Instrument. Zur IDS 2019 eingeführt, gibt es nun eine Version 2.0.

Was ist neu ?
Nicht viel, es fehlt lediglich die charakteristische knallgrüne Farbe der Instrumentenschneide. Die im Gegensatz zu anderen auf dem Markt befindlichen Instrumenten nicht die Folge einer Wärmebehandlung des NiTi – Materials darstellt, wie wir das von den VDW Reciproc Blue – oder Maillefer Wave One Gold – Instrumenten her kennen. Vielmehr im Sinne einer „Lackierung“ auf die NI-Ti Oberfläche aufgebracht wurde. Und diese „Farbschicht“ löst sich unter Beanspruchung ab, wie Michael Arnold in seinen rasterelektronsichen Untersuchungen zeigen konnte.

Macht das was ?

Keine Ahnung.
Aber ich würde es nicht haben wollen. Und vermutlich viele andere BehandlerInnen auch nicht.

Die Firma Komet hat ganz offensichtlich die Konsequenzen aus dieser unerfreulichen Situation gezogen und bringt nun die Instrumente mit einer „farblosen“ Instrumentenschneide auf den Markt. Ein zweiter grüner Ring am Instrumentenschaft weist das Procodile nun als solches aus.

Das Instrument sieht nun ziemlich unspektakulär aus.
Die Produktdesigner im Hause Komet schmerzt das neue Aussehen vermutlich sehr, ich kann das sehr gut nachvollziehen. Und es war sicherlich keine einfache Entscheidung für Komet, bedenkt man den für die Produkteinführungen und Etablierung zu betreibenden Marketing- Aufwand, der nun in die Tonne getreten werden muss. Insofern Respekt für die Durchführung einer unbequemen Maßnahme in einer Zeit, in das Aussitzen von Missständen zum (politischen) Alltag gehört.

Und ja, – Michael Arnold – das die Procodile nun so aussieht, wie sie von Anfang an hätte aussehen sollen, das ist ganz allein dein Verdienst! Manchmal macht ein einziger Mensch einen Unterschied…

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Sommerzeit = Traumazeit (I)

Von Christoph Kaaden

 

Wie jedes Jahr häufen sich bei uns um diese Jahreszeit leider (leider) die traumatischen Zahnverletzungen.

Mit dieser Beitragsreihe möchte ich in den nächsten Wochen und Monaten unsere aktuellen Traumafälle vorstellen.

Als erstes heute ein Fall von Anfang der Woche.

Zu den Hintergründen:

  • Sarah
  • 20 Jahre
  • Studentin
  • Sturz mit Fahrrad, nachdem ihr ein 8-jähriger Junge die Vorfahr genommen hatte und ihr seitlich reingefahren war.
  • Zeitpunkt: Unfall Mitte Juni

Hier das alio loco erstellte OPG:

Sarah_Radsturz_multiple Zähne.001

 

Nachfolgend das Zuweiserschreiben:

 

Sarah_Radsturz_multiple Zähne.002

 

Und hier die klinische Situation Anfang Juli  (im Sinne der aktuellen Mundöffnung):

Sarah_Radsturz_multiple Zähne.003

 

Welches weitere Vorgehen empfehlen Sie?

 

Die Revision der Revision…(2)

An dieser Stelle haben wir über den Fall und den Ausgangszustand berichtet.

Nach eingehender Beratung haben wir uns zusammen mit der Patientin für einen Revisionsversuch entschieden.

Die chirurgische Intervention in Form einer Wurzelspitzenresektion haben wir nicht in Betracht gezogen.
Die Extraktion und Implantation wäre eine Alternative. Allerdings werden die ästhetischen Ansprüche der Patientin auf Dauer schwer stabil zu lösen sein (ungünstiger Gingivatyp).

Die dezente Grauverfärbung des Zahnes ist bereits jetzt für Sie ein Problem. Durch ihren Beruf als Schauspielerin fällt es ihr schwer darüber hin weg zu sehen.
Ein internes Bleaching habe ich durch die Rißbildung im Wurzelbereich ausgeschlossen.Die Alternative Veneer war für die Patientin als Alternative vorstellbar.

Im Rahmen der Revision haben wir versucht möglichst wenig Wurzeldentin noch zu entfernen. Meine Hoffnung SAF war auf Grund des zu geringen Durchmessers der Feile nicht einsetzbar.
Nach der vollständigen Entfernung des Wurzelfüllmaterials entleerte sich ein purides Exsudat von apikal mit pulsschlagartigen Bewegungen. Nach ca. 30 minütiger Absaugung war nur noch eine dezente Exsudation zu erkennen. Apikal haben wir das Kanalsystem mit Mtwo Instrumenten bis Iso 60 aufbereitet. Für 21 Tage haben wir Ultracal apliziert.
Der apikale Verschluß erfolgte mit ProRoot MTA und apikalem kollagenem Widerlager. Der Zahn wurde adhäsiv verschlossen und zur Reduzierung der Compositeschrumpfung wurde ein Glasfaserstift eingesetzt.

Nach verhaltener Prognose konnten wir im Verlauf von 2 Jahren eine deutliche Heilung erkennen. Leider ist die Patientin verzogen und nun nicht mehr in unserem endodontischem Recall.

Die vorhergehenden Revisionen haben durch einen sehr subtraktiven Aufbereitungsweg und wenig Übersicht keinen Erfolg gebracht. Ein „einfacher Frontzahn“ wurde damit sehr stark geschwächt. Für Patienten mit einem ausgesprochenem Sprachberuf kann das fatal enden.

5 mal Anatomie

Symptomatischer Zahn 12, Röntgenmessaufnahme
Symptomloser Zahn 46, devital, Zufallsbefund vor ZE neu, Patient kommt für Endo 46
Symptomatischer Zahn 17, obliterierte Kanaleingänge
Symptomatischer einwurzliger Zahn 35 mit Obliterationen, WF- Revision
Symptomatischer Zahn 36, massive apikale Aufhellung

Wir sind es gewohnt, Tag für Tag, Röntgenbilder zu betrachten, zu lesen.

Wohlwissend, dass eine solche Aufnahme immer nur einen begrenzten Teil der anatomischen Wirklichkeit offenbart, haben wir in vielen Jahren beruflicher Tätigkeit eine bemerkenswerte Fähigkeit entwickelt, aus Indizien, aus Puzzleteilen an Informationen ein Gesamtbild zusammenzusetzen. Nachfolgend 5 Beispiele der letzten 4 Arbeitstage. Bei denen das Offensichtliche nicht ganz so einfach auf dem Präsentierteller serviert wird, vielmehr die Wahrheit unter der Oberfläche sich verbirgt.

Kurz und knapp – Was verbirgt sich in den jeweiligen Aufnahmen ?

Ich nehme vorweg, das jeder dieser Zähne eine anatomische Besonderheit aufweist. Die man dem Zahnfilm nach nicht vermuten würde, ja selbst mit der Ankündigung des Vorhandensseins einer kanalären Besonderheit nicht sicher und eindeutig vorhersagen könnte.

5 Besonderheiten in 4 Tagen, und die Liste ist nicht vollständig.
Ich hätte noch 2 oder 3 zusätzliche Fälle einbinden können.

Wir sind demnach umgeben von scheinbarer Exotik.
Was einerseits erklärt, warum Endo manchmal scheinbar unerklärlich scheitert, andererseits die Indikation adäquater Diagnostik erweitert.

Darüber gilt es offen nachzudenken.

Allerweltsfälle 2 & 3

von Jörg Schröder

Erstbehandlungen kommen in meiner Praxis sehr selten vor. 95% meiner Tätigkeit besteht aus  Re-Dentistry. Wiederholungszahnheilkunde.

Insofern sind die beiden im Folgenden dokumentierten Behandlungen einerseits eine Rarität weil Erstbehandlung, andererseits jedoch Fälle, wie sie täglich hundertfach in deutschen Zahnarztpraxen auftreten.


Eigentlich war letzte Woche die endodontische Behandlung des Zahnes 17 geplant gewesen. Die tiefe Approximalkaries hatte die Pulpa großflächig erreicht und wurde alio loco erstversorgt.

Die Initiative uns zu konsultieren ging vom Patienten aus. Ein Umstand, der laut Patient dazu führte, dass eine kurzfristige Behandlung der kurz nach der Erstbehandlung des 17 -die im übrigen zur Beschwerdefreiheit führte – an Zahn 47 auftretenden pulpitischen Beschwerden für „terminlich nicht realisierbar“ befunden wurde.

So mussten wir den zur Behandlung des 17 geplanten Termin kurzfristig mit einem anderen Inhalt füllen.

Nach klinischer Diagnostik (47 mit stark verzögerter Antwort auf den elektrischen Reiz, deutlicher Perkussionsempfindlichkeit bei fehlendem Okklusionskontakt zum Antagonisten, pulpanaher Füllung) und Einschätzung der anamnestisch eruierten Befunde (starke, reizüberdauernde Warmmissempfindung, pulsierende Schmerzen, die die Nachtruhe störten) war die Diagnose einer irreversiblen Pulpitis recht eindeutig.

Nach lokaler Anästhesie und absoluter Trockenlegung konnte eine extrem pulpanahe Füllung, die distolingual nur noch einen Hauch vom Pulpakammerhohlraum entfernt endete und nicht in kariesfreiem Dentin lag, als Ursache ermittelt werden. Der koronale Anteil des Pulpagewebes war bereits nekrotisch. Ca. 2 mm weiter im Kanal befand sich noch vaskularisiertes  Pulpagewebe.

Die Mundöffnung war sehr eingeschränkt, sodass sich die Darstellung der Kanalsysteme und die nachfolgende Aufbereitung als nicht sehr einfach gestaltete. Eine Positionierung des Röntgensensors war aufgrund von geringer Mundöffnung und Platzeinschränkung durch die Kofferdamklammer nach Kofferdamapplikation nicht möglich, sodass die gesamte Behandlung ausschliesslich unter indometrischer Kontrolle durchgeführt wurde. In diesen Fällen kontrolliere ich die Arbeitslänge nach der initialen Bestimmung mittels ISO 008 nach jeweils 3 rotierenden NiTi-Instrumenten händisch mit dem zuletzt verwendeten Durchmesser in einer 4’er Konizität.

Nach Abschluss der Aufbereitung wird die Längenmessung wiederholt und die Einprobe der Masterpoints durchgeführt diese müssen klemmungsfrei die Arbeitslänge ereichen und dennoch einen ausreichenden Tug-Back zeigen. MB und ML konfluierten im mittleren Wurzeldrittel.

Nach Obturation und adhäsivem Verschluss wurde das Ergebnis der radiologischen Kontrolle mit Spannung erwartet.

War ich zufrieden? Sehr! Reiner Instrumentenflug und eine Punktlandung. Fühlte ich mich wohl dabei. Nein!

Daher wurde die Behandlung des 17, weil sich hier der Sensor deutlich unkomplizierter platzieren ließ, nach meinem Standardprotokoll (Messaufnahme, Masterpoint, Kontrolle) durchgeführt. Die endometrische „Zwischenkontrolle“ der Arbeitslänge erfolgte zusätzlich wie im Fall des 47.

Erschreckend war, wie sich die bei der Erstversorgung alio loco eingebrachte Füllung im Kastenbereich unter dem Mikroskop darstellte. (Ja, hätte ich die Kofferdamklammer noch einmal kurz gelöst und wieder platziert, hätte das kleine Gingivadreieck abdeckt werden können ;) )

Zeigt sich nun für mich ein Unterschied im Ergebnis zwischen beiden Vorgehensweisen? Nein. Nur das die Überprüfung der Zwischenschritte mir die Zuversicht gibt, ein auch radiologisch perfektes Ergebnis „abliefern“ zu können.  Denn daran werden wir gemessen und nicht weniger wird von uns erwartet, wenn Patienten zur endodontischen Behandlung überwiesen werden.

Reproduzierbar sein und gleichbleibende Ergebnisse liefern muss unser tägliches Bestreben sein.

Große Aufhellung, langes Recall

von Jörg Schröder

Nachdem die Erstbehandlung des 25 offensichtlich nicht erfolgreich gewesen war, wurde dieser – ohne retrograden Verschluss – also loco resiziert. Ohne Erfolg. Die bestehende periapikale Lyse war beeindruckend groß.

Der Therapievorschlag einer erneuten chirurgischen Intervention sagte der Patientin nicht zu. Daher wünschte sie eine Zweitmeinung.

Klinisch imponierte bei der Erstvorstellung eine bukkale Fistelung. Zahn 25 war gering, Zahn 24 deutlich perkussionsempfindlich. Der elektrische Sensibilitätstest an Zahn 24 fiel negativ aus. Das präoperative DVT, damals noch unser VeraviewEpocs 3De, liess klar den Zahn 24 als Ursache der persistierenden Beschwerden erkennen.

In Zahn 24 war ein großer lateraler Seitenkanal in der bukkalen Wurzel vorhanden.

Die Behandlung erfolgte zweizeitig. Beim Bemühen den letzten halben Millimeter im bukkalen Kanalsystem zu erschliessen kam es zu einer Fraktur eines NiTi-Instrumentes im apikalen Teil der bukkalen Wurzel.

Das Fragment konnte nicht passiert werden. Eine Entfernung war für mich ohne chirurgische Intervention nicht möglich. Nach Aufklärung der Patientin wurde der Zahn warm vertikal obturiert. Eine möglicherweise chirurgische Intervention wurde mit der Patientin erörtert.

Während die Fistelung nach der ersten Behandlungssitzung abgeheilt war, konnte das erste radiologische Recall nicht wirklich überzeugen.

Umso schöner, dass im Vertrauen auf das sich positiv entwickelnde klinische Bild, auch die  radiologische Überprüfung eine immer weiter voranschreitende Ausheilung der ausgedehnten periapikalen Lyse bestätigt.

Soll man die periapikale Region noch einmal chirurgisch adressieren? Wie lange „darf“ gewartet werden, bevor man interveniert? Bin auf andere, als meine Meinung gespannt.

 

Apikale Raumforderung (III) – Recall

Von Christoph Kaaden

 

Sechs Monate ist die Behandlung von Kim nun her.

Anfang der Woche haben wir den Zahn nachuntersucht.

Kim _grosse Raumforderung_Recall 6 Monate.001Kim _grosse Raumforderung_Recall 6 Monate.004

Ich war skeptisch, ob es zu einer Heilung kommen würde… aber es sieht so aus, als wäre keine weitere Intervention notwendig. In sechs Monaten erfolgt die nächste Kontrolle…

Allerweltsfall

von Jörg Schröder

Pulpanekrose. Ein ganz normaler Behandlungsfall. Und ein gutes Beispiel für den Nutzen des DVT.

Die Erstbehandlung dieser Patientin erfolgte in der Praxis der überweisenden Kollegin. Der palatinale Kanal erschien irgendwie anders zu sein, sodass die Patientin nach der initialen Schmerzbehandlung zur Weiterbehandlung überwiesen wurde. Einfacher Fall. Eigentlich.

Das präoperative DVT lässt erkennen, dass der palatinale Kanal über keine Konstruktion verfügt und sich apikal trichterförmig erweitert. Die umgebende apikale Lyse ist groß. MB1 liegt nicht mittenzentriert, sodass es koronal einen MB2 geben muss. Es gibt Hinweise auf eine infektionsbedingte externe Resorption der Apizes.

Welche Folgen haben diese Erkenntnisse? Viele.

Die Wahrscheinlichkeit einer extraradikulären Infektion schätze ich höher ein, als bei einer kleinen dezenten Parodontalspalterweiterung. Diese Aufhellung und die zu Grunde liegende Nekrose besteht sehr viel länger als 4 Wochen. Die Aufklärung hinsichtlich der möglichen Erfolgsaussichten wurde entsprechend angepasst. Ebenso der Hinweis auf einen eventuell späteren chirurgischen Eingriff.

Die Entscheidung ob ein- oder zweizeitig behandelt wird, möchte ich erst intraoperativ treffen. Klinisch war der Zahn bei der Erstbefundung symptomlos und beschwerdefrei gewesen. Sollte es aber zu einer deutlichen Exsudtion aus dem Periapkalbereich kommen, habe ich der Patientin ein zweizeitiges Vorgehen nahegelegt.

Insofern erfolgte die Terminplanung mit einem möglichen Reservetermin 2-3 Wochen nach dem ersten Behandlungstermin. Wie Christoph Kaaden immer so schön sagt: „Vorher gesagt ist aufgeklärt, hinterher gesagt ist herausgeredet“.

Besonderes Augenmerk ist auf den im DVT nicht erkennbaren MB2 zu richten. In vorliegendem Fall entsprang er einem sehr feinen Isthmus der vom tropfenförmigen Querschnitt des MB1 nach palatinal hin verlief. Zudem ist im unteren Kanaldrittel die Konfusion von MB1 und MB2 zu erwarten, da dort der Kanalquerschnitt mittenzentriert in der Wurzel liegt.

Wie kann der weite palatinale Kanal bestmöglichst und ohne massive Extension gefüllt werden? MTA? Biokeramischer Seller und Guttaperch? Expoxidharzsealer und Guttapercha? Ich habe mich, nach Überprüfung der Resilienz der periapikalen Weichgewebe mit einer sterilen Papierspitze ISO 50 (Foramendurchmesser ISO 60) gegen einen MTA Verschluss entschieden, da es apikal zu wenig Gewebewiderstand gegeben hat und die peripkale Lyse eine große laterale Ausdehnung zeigte.


Die Guttaperchaspitze auf Größe ISO 60 getrimmt liess sich etwas zu weit in den Kanal einbringen, sodass ich diese zur radiologischen Einprobe auf ISO 70 trimmte. Das Ergebnis war nicht zufriedenstellend, sodass ich die ISO 60 Guttaspitze nach Verwendung des TipSnippers und Einprobe mittels steriler Skalpellklinge so weit eingekürzt habe, bis bei eingestellter Arbeitslänge ein perfekter TugBack erzielt werden konnte.

Bei ausgedehnten apikalen Aufhellungen beobachte ich, dass die initial bestimmte Arbeitslänge häufig um wenige Zehntel Millimeter zu kurz angezeigt wird.Grund dafür dürfte in den apikalen Kanal eindringende periapikale Flüssigkeit sein, die zu einer fslch positiven Messung führt. (Die Aussagen aller Endometriegerätehersteller, dass ihr Produkt in allen Flüssigkeiten immer fehlerfrei anzeigt, möchte ich an dieser Stelle in das Reich der Fabeln verweisen.)

Daher messe ich nach bestimmten Aufbereitungsgrößen und am Ende der Aufbereitung immer erneut mit dem zuletzt verwendeten Durchmesser im getrockneten Kanal nach.

Wie der Vergleich zwischen Messaufnahme und Masterpointeinprobe in DB zeigt, kann dieses Vorgehen durchaus sinnvoll sein.

Ein ganz normaler Behandlungsfall mit einer Vielzahl von Hürden, die aber bei entsprechender Diagnostik bereits im Vorfeld der Behandlung erkannt und mit einem minimalem handwerklichen Geschick in der Behandlung genommen werden können.

Im Vergleich zum Arbeiten ohne dreidimensionale Diagnostik bedeutet das virtuelle Durchführen der Behandlung eine erhebliche Reduktion des Stresslevels für mich und nicht zuletzt auch für meine Mitarbeiterinnen.

Geschickter Umgang mit schwierigen Patienten

Der Link zum Artikel stammt von Michael Logies, eingestellt in seiner Zahnmed- Email- Liste. Ich fand es interessant zu lesen, zumal ich im Moment einige schwierige Patienten habe, Corona bringt es an den Tag …

BTW es gibt auch Misch- und Kombi-Typen. Unsere Endgegner-Kombi ist im Moment die Verknüpfung Nörgler + Provokateur. Mir graut schon vor übermorgen, da hat die Patientin ihren nächsten Termin.

Kurzes Update aus aktuellem Anlass. In der Mittagspause finde ich eine Notiz vor, besagte Patientin hat angerufen und möchte statt der Kontrolluntersuchung morgen vormittag eine telefonische Besprechung heute noch. Dies sei so mit Dr. Herrmann abgesprochen. Nein ???? Ist es nicht ???

Die besten Strategien

Geschickter Umgang mit schwierigen Patienten

Zwar kommt es selten vor, aber es gibt immer wieder Patienten, die das ganze Team auf eine harte Probe stellen. Manche provozieren, andere bringen ganze Abläufe zum Stocken. Wer diese Patienten sofort erkennt, kann sie aber mit Stopp-Strategien in den Griff bekommen.

Der Patient betritt das Behandlungszimmer und weiß sofort alles besser. Denn er hat Dr. Google befragt und so die passende Diagnose für seine Beschwerden schon im Internet herausgefunden. Wehe, der Arzt stimmt damit nicht überein. Dann sind Konflikte vorprogrammiert. Doch das ist nicht der einzige Patiententyp, der auf Sie zukommen kann.

Der Besserwisser

Er ist ein Patiententyp, der garantiert für Stress sorgt. Denn hinter der Fassade ist er ein sehr unsicherer Mensch, der mit seinem Wissen nur auftrumpfen möchte, um Anerkennung zu gewinnen. Daher empfindet der Besserwisser jede Kritik an seinem Wissen sofort als persönliche Kritik und reagiert darauf aggressiv.

Stopp-Strategie: Solange es fachlich korrekt ist, was der Besserwisser sagt, atmet man am besten einmal tief durch und hört seinen Äußerungen kurz zu. So signalisieren Sie, dass Engagement von Seiten des Patienten durchaus wichtig ist. Problematisch wird es, wenn der Besserwisser Fehlinformationen äußert. Hier ist es natürlich wichtig, einzugreifen. Um Stressgespräche zu vermeiden, hilft es, mit Ich-Botschaften zu arbeiten, da sie weniger vorwurfsvoll wirken. Beispiel: „Ich verstehe Ihre Meinung, aber ich weiß von meiner letzten Fortbildung…“

Der Nörgler

Bei ihm braucht das ganze Team Nerven wie Drahtseile. Denn er hat an allem etwas auszusetzen. Schon die Helferin am Empfang ist unfreundlich, die Stühle im Wartezimmer sind unbequem und überhaupt war er auch mit der letzten Behandlung nicht zufrieden. Dem Nörgler kann man einfach nichts recht machen.

Stopp-Strategie: Wer auf die Kritteleien des Nörglers einsteigt, gießt Wasser auf seine Mühlen. Dann gibt schnell ein Wort das andere, die Situation eskaliert. Lässt sich das Team nicht provozieren und bleibt höflich, verpuffen die Nörgeleien im Leeren. Beispiel: „Danke für Ihren Hinweis. Wir nehmen jede Kritik ernst und werden sie in der nächsten Teamsitzung aufgreifen.“

Der Provokateur

Er kommt eine halbe Stunde zu spät und meckert trotzdem sofort, ob er auch mit Termin diesmal wieder eine Stunde warten müsse. Im Behandlungszimmer tönt er dann lauthals, dass der Arzt sich wohl mit IGe-Leistungen sein Golfhobby finanziere.

Stopp-Strategie: Provokation ist eine manipulative Strategie. Der Provokateur möchte andere in einen offenen Konflikt hineinziehen und zu einer diskreditierenden Reaktion bringen. Er selbst steht dann in einem guten Licht da. Wer bei Provokationen zu Erklärungen ansetzt, wird aber wenig Erfolg haben. Der Provokateur will diese nicht hören und greift einfach weiter an. Daher lohnt es sich nicht, auf Provokationen zu antworten.

Vorsicht: Wenn Provokationen allerdings in Drohungen ausarten, sollte man klare Grenzen setzen. Wirkungsvoll ist es, wenn man den Patienten direkt mit seinem Namen anspricht. Beispiel: „Herr Maier, bitte senken Sie Ihre Stimme. Damit wir eine gute Lösung finden, möchte ich, dass wir ruhig und sachlich miteinander sprechen. Wenn Sie keinen anderen Ton wählen, beende ich das Gespräch.“ Ist der Patient weiterhin bedrohlich, können Praxisinhaber auch ihr Recht als Hausherr wahrnehmen und ihn aus der Praxis verweisen.

Die Quasselstrippe

Diese Patienten kennen weder Punkt noch Komma. Sie plappern munter vor sich her und sind kaum zu stoppen. Sie stellen die Praxen hauptsächlich vor ein zeitliches Problem. Denn mit ihrem Wortschwall bringen sie rasch die gesamten Arbeitsabläufe durcheinander.

Stopp-Strategie: Die Ursachen für das Dauergequassel sind unterschiedlich. Manche Patienten sind einsam und nutzen die Gelegenheit, dass jemand zuhört. Andere möchten im Mittelpunkt stehen und holen sich so Aufmerksamkeit. Es gibt aber auch Patienten, die mit vielen Worten ihre Ängstlichkeit überspielen. Für alle gilt aber: Möglichst schnell unterbrechen. Je länger man wartet, desto schwieriger wird es. Wie auch beim Provokateur ist das effektivste Stoppsignal die Namensnennung: „Frau Schmidt, Verzeihung, wenn ich Sie kurz unterbreche…“

Der Schweigsame

Ärzte müssen den Schweigsamen jede Information aus der Nase ziehen. Das ist nicht nur ein zeitliches Problem, es erschwert auch die Diagnosestellung.

Stopp-Strategie: Bei introvertierten Patienten braucht man Zeit und Geduld, um ihr Schweigen zu brechen. Ärzte können ihnen gezielt offene Fragen stellen, die sie zu einer ausführlicheren Antwort als „ja“ oder „nein“ zwingen. Beispiele: „Welche Beschwerden haben Sie?“ „Was genau löst das aus?“ „Wie kann ich mir das vorstellen?“ Nach einer Frage ist es wichtig, diesen Patienten Zeit für die Antwort zu lassen und ihnen nicht ins Wort zu fallen. Dafür kann man sich zum Beispiel ganz bewusst eine Pause setzen, in der man nicht redet. Das erhöht die Chance, dass der Schweigsame dann anfängt zu sprechen.

Recall- der verspätete Beifall

von Jörg Schröder

Ein erfolgreiches Recall ist für mich ein Art verspäteter und stiller Beifall für ein erfolgreiches Bemühen die apikale Pathologie zur Ausheilung zu bringen.

Während der Patient den auch radiologisch sichtbaren Erfolg der endodontischen Behandlung bei Beschwerdefreiheit fast schon voraussetzt, habe ich immer noch eine Art kleines hoffnungsvolles Bangen in mir, wenn es zur Nachkontrolle kommt.

Insbesondere wenn es sich um mehrere behandelte Zähne beim selben Patienten handelt.

Umso schöner wenn das Ergebnis so ausfällt:

Kurz berichtet – Apikale Aufhellung in Heilung nach kommunizierender Aufhellung

Von Christoph Kaaden

 

Ich muss gestehen, dass ich aufgrund der kommunizierenden Läsion eine gewisse Skepsis hatte, ob eine Heilung nach endodontischer Behandlung tatsächlich vonstattengehen würde…

Heilung nach kommunizierender Aufhellung.001

Prä-op (alio loco)

Heilung nach kommunizierender Aufhellung.002

DVT Ausschnitt 

Neun Monate (inkl. Corona-bedingter Termin-Verschiebung) nach Abschluss der Behandlung (3 Termine: 90-90-90min) unterliegen die Aufhellungen aber tatsächlich einer sehr deutlichen Heilungstendenz…

Heilung nach kommunizierender Aufhellung.003

Post-op

 

Heilung nach kommunizierender Aufhellung II.001

9 Monate post-op

Und wieder einmal lautet mein persönliches Fazit:

ENDO RULES  :-)

RET mit Verfärbung, Bleaching & mehr- was tun? (I)

Von Christoph Kaaden

Anfang 2011 haben wir die damals ca. achtjährige Laura behandelt, nachdem ihr Zahn 21 nach einem eigentlich milden Trauma (Kronenfraktur) nekrotisch geworden war.

Wir haben uns damals gemeinsam mit den Eltern auf den Versuch einer regenerativen endodontischen Behandlung (vormals Revitalisierung) verständigt.

Hier die Abfolge der Behandlung:

RET mit Verfärbung und Bleaching.001

Ausgangssituation

RET mit Verfärbung und Bleaching.003

1. Termin mit Einbringen der selbst angemischten Antibiotikum-Mischung (wie mehrfach beschrieben)

RET mit Verfärbung und Bleaching.004

2. Termin: Blutung;Koagulum,Kollagen;MTA

RET mit Verfärbung und Bleaching.005

Abschluss der Behandlung

RET mit Verfärbung und Bleaching.007

Unglücklicherweise kam es durch das MTA zu einer unschönen Verfärbung im Zervikalbereich. Wir führten daraufhin ein mehrmaliges intrakoronales Bleaching durch, dass ein befriedigendes Ergebnis lieferte:

RET mit Verfärbung und Bleaching.008RET mit Verfärbung und Bleaching.009

Dummerweise kam die MTA Verfärbung wieder zurück…

RET mit Verfärbung und Bleaching.010

Erneute MTA Verfärbung nach vormaligen intrakoronalem Bleaching

Wie bewerten Sie den Fall aus endodontischer Sicht und was würden Sie Laura jetzt aus ästhetischer Sicht raten?

 

Die Revision der Revision…

Die Patientin (28) kam mit Beschwerden. Am Zahn 12 zeigte sich in der Umschlagfalte in Wurzelspitzenhöhe eine deutlich palpierbare und schmerzhafte Schwellung. Der Zahn macht der Patienten schon seit der Kindheit Probleme nach einem Unfall. Mehrfach wurde der Zahn endodontisch behandelt. Es waren nicht mehr alle Behandlungen zu eruieren.

Jetzt wurde sie zur Wurzelspitzenresektion überwiesen. Doch vorher wollte die Patientin eine Zweitmeinung einholen. Deshalb der Termin bei uns.

Die klinischen Befunde:
Kein Lockerungsgrad, ein deutlicher Perkussionsschmerz horizontal und lateral, apikal labial Schmerzen auf Palpation. Dezente gräuliche Verfärbung im Zahnhalsbereich.
Im Zahnfilm war deutlich eine apikale Osteolyse, vermutlich eine Stufenbildung zu erkennen. Alles klar könnte man meinen.

Die Patientin hat sich für die Revision und gegen die WSR in gemeinsamer Beratung mit uns entschieden. Im ersten Behandlungstermin wurde bei der Entfernung der WF Materialien schnell klar, daß in der, oder den vorhergehenden Revisionen einiges übersehen wurde. Wir konnten verschieden Guttaperchamaterialien erkennen. WF Material, welches aus vorhergehenden Behandlungen stammte und nicht vollständig entfernt wurde. Trotzdem war ein großer Substanzverlust intrakoronal erkennbar.
Labial zeigte sich zudem ein Riss im kolonialem Wurzeldrittel. Er ließ sich allerdings nicht weiter verfolgen.

Wir haben uns zur erweiterten Diagnostik für ein DVT entschieden.

Das DVT zeigte wie gering die Restsubstanz ab dem mittleren Wurzeldrittel war. Vor allem wie stark der Kanalverlauf in den endodontischen Behandlungen verlagert wurde.
Die Patientin wurde von uns über die verschlechterte Prognose informiert.

Die Frage, was soll nun bei einer erneuten endodontischen Revision besser werden?
Bereits zuvor, war die Revision in einer endodontischen spezialisierten Praxis erfolgt.
Würden Sie der Patientin zum Zahnerhaltungsversuch raten?

Back to the Future

Gastbeitrag von Thomas Weber

Seit Jahren hören wir das alte Lied: Die GOZ ist unzureichend. Wir leben aber damit und arrangieren uns.

Die eigentliche Frage: Braucht der „Leistungserbringer“ unbedingt eine Gebührenordnung? wird nicht gestellt.

Die Antwort ist, wie wir wissen: Nein, er braucht sie nicht. Der Kosten-Erstatter braucht sie zur einfachen Festsetzung von Erstattungssätzen.

Der Zahnarzt könnte es sich sehr einfach machen. So wie jeder andere Dienstleister, der nicht unter staatlicher Kuratel steht: Eine Keramikkrone am Zahn X kostet den Betrag Y, der alle Materialkosten und Laborleistungen beinhaltet.

Das gäbe eine „Bierdeckelrechnung“ und damit ein Minimum an Verwaltungserfordernissen. Dafür bräuchte man nicht mal einen Taschenrechner, geschweige denn eine aufgeblähte EDV oder eine spezialisierte Abrechnungsexpertin. Es ginge handschriftlich auf einem selbstdurchschreibenden Zweckform-Avery-Vordruck.

„Undenkbar!“ höre ich jetzt die Funktionäre schreien. Einer sagte mir mal: „Sie sind ja ein kleiner Revoluzzer…aber das funktioniert doch nicht..“ Und ungläubig: „Wollen Sie etwa im Vorfeld wirklich jede Watterolle, jedes Keilchen, jede Kanüle, jede Matritze mit einrechnen?“

Natürlich, muss ich doch. Die teureren Sachen einzeln, die billigeren pauschal. Macht der Handwerker nicht anders. Schrauben sind nicht umsonst, nicht der Dichtungshanf oder das Schmirgelpapier. Und meinen „kalkulatorischen Arzt-Stundenlohn“ will ich eigentlich auch selber festsetzen. Diese „Freiheit“ sollten wir für uns schon fordern.

Sind diese Gedanken der „Vertragsfreiheit“ wirklich so revolutionär?

Natürlich nicht: wie schon so oft ist ein Blick zurück auf das Gestern für das Verständnis des Heute und für den Weg in die Zukunft sehr hilfreich. Denn Vorläufer der GOZ 1988 und der Bugo-Z von 1965 war die sogenannte Preugo. Diese stellte „subsidiäres Recht“ dar, das „mangels einer Vereinbarung“ Anwendung fand. Es existierte damals Vertragsfreiheit. Das, was Zahnarzt und Patient als Honorar vereinbarten, galt. Nur wenn keine Vereinbarung über das Honorar getroffen wurde, galt die Preugo. Das funktionierte. Bei dem einen Zahnarzt sehr gut, beim anderen schlechter.

Die Bugo-Z von 1965 änderte dieses Regel-Ausnahme-Verhältnis: im Regelfall war von der Bugo-Z von 1965 auszugehen; eine abweichende Regelung war die Ausnahme und setzte eine ausdrückliche Vereinbarung voraus.

Die GOZ 1988 ließ dann nur noch eine abweichende Vereinbarung bezüglich der Höhe der Vergütung zu (§ 2 Absatz 1 GOZ). Die Entwicklung von der Preugo bis zur GOZ 1988 zeichnet also einen politischen gewollten Weg: nämlich weg vom Grundsatz der Vertragsfreiheit hin zum staatlichen Preisdiktat.

Die GOZ 2012 setzte diesen Weg quasi konsequent fort. „Mit Gebührenordnungen sorgt der Gesetzgeber ganz bewusst dafür, die zahnmedizinische Versorgung nicht dem freien Markt zu überlassen.“ Dieses Zitat aus dem Vorwort der BZAEK zum GOZ-Kommentar 2012 kann man gar nicht oft genug lesen.

Weniger „Vertragsfreiheit“ ist ein Ziel jeder Gebührenordnung! Und liest man den Bericht der Bundesregierung an den Bundesrat zu den Auswirkungen der GOZ 2012 so finden sich interessante Feststellungen:

„Die mit der GOZ-Novelle angestrebte Reduzierung sowohl der Analogbewertungen von häufig erbrachten Leistungen als auch der Anzahl von schwellenwertüberschreitend berechneten Gebührenpositionen konnte erreicht werden. „

Na herzlichen Glückwunsch, Politik und Erstatterlobby. Wozu genau wurde die GOZ novelliert? Um für die Zahnärzte nach Jahrzehnten adäquate Honorare umzusetzen? Nein, um die Analogien rauszukicken und die Faktoren runterzuholen. Das ist jetzt amtlich.

„Der Anteil der schwellenwertüberschreitend abgerechneten Leistungen an der Gesamtheit aller berechneten Leistungen hat sich in der GOZ-Analyse der BZÄK um mehr als die Hälfte von rund 24,5 Prozent im Jahr 2011 auf rund 11,1 Prozent im Jahr 2012 reduziert.“

Das sind mal valide Zahlen. Nun, da rechnen ja nun offenbar nicht mehr wirklich viele Kolleginnen und Kollegen nicht mehr wirklich viele Leistungen über 2,3fach ab.

Wenn man die Verhandlungen zur neuen GOÄ aufmerksam verfolgte, ist absehbar, wo die GOZ in absehbarer Zukunft endet. Mit zwei Gebührensätzen: „robust einfach“ oder „einzelfallbegründet doppelt“.

Und dann wird auch endgültig Schluss sein mit Analogien. Und auch die „freien Vereinbarungen“ werden zur Disposition stehen, „weil man sie doch eh fast nicht nutzt.“ Die Gebührenordnungen beschreiben umfassend alle Möglichkeiten der Medizin. Basta. Anders ist der Weg in eine „Bürgerversicherung“ wohl auch nicht gangbar.

Zukünftig wird also wohl jeder seine eigenen Preise machen müssen, wenn er in dieser neoliberalsozialistischen Republik, in dem man sogar von Seiten der Ärzteschaft einen „Minutenlohn“ von 1,36 € (http://www.medical-tribune.de/home/news/artikeldetail/goae-reform-noch-nichts-in-stein-gemeisselt.html) als hinreichend angemessen betrachtet, selbstständig auskömmlich leben will. Denn schon der Depot-Techniker, der Validierer oder der Steuerberater kosten in meinem Paralleluniversum pro Minute deutlich mehr.

Unsere berufsständischen Körperschaften sind wie immer hilflos: sie fordern allenfalls – und das sehr verhalten – eine „Punktwerterhöhung“ für die GOZ.

Kann man natürlich fordern. So wie die Abschaffung des Solidaritätszuschlags oder endlich die Anpassung des steuerlichen Existenzminimums für Kinder. Oder die Korrektur des Alterseinkünftegesetzes. Oder den Weltfrieden. Aber kommen wird sie deshalb nicht.

Wenn man den Bericht der Bundesregierung an den Bundesrat aus 2015 liest, ist doch mit einer Punktwerterhöhung der GOZ überhaupt nicht zu rechnen. Denn schließlich überschreite ja, so wird quasi amtlich festgestellt …„der nach der GOZ-Novelle 2012 festgestellte Honoraranstieg von rund 9,2 Prozent den prognostizierten Honoraranstieg von 6 Prozent“. Hey, da haben die Zahnärzte doch wohl mal wieder zugelangt, oder? 9,2 % mehr Honorar! Was wollen die jetzt noch?

Das sind und waren die Taschenspielertricks unlauterer Politik. Darin ist das Kabinett Merkel meisterhaft. Und kein Widerspruch der Zahnärzteschaft? Oder habe ich was verpasst? Nein? Dann stimmt’s doch wohl.

„Back to the future“…. das sollte das Motto der Zahnärzte im Jahr 2020 werden.

Zurück in die Zukunft: zur Vertragsfreiheit.

Zurück in die Zukunft: zur patientenorientierten Behandlung und zur betriebswirtschaftlich fundierten Honorierung.

„I guess you guy`s aren’t ready for that…. but your kids gonna love it!“

Grüße vom Lande,

Thomas Weber

And the show goes on-Trauma, die Zweite.

von Jörg Schröder

Erst am 1.6. 2020 hatte ich hier über ein erfolgsversprechendes Recall nach einer Kronen-Wurzel-Fraktur und verzögerter Erstversorgung mit tiefer Pulpotomie berichtet.

Eine Woche nach dem Recall – der beim Unfall im November ebenfalls fakturierte Zahn 21 war aus nicht nachvollziehbaren Gründen immer noch nicht einem Reattachment zugeführt worden – erreichte uns der Anruf der Mutter des jungen Patienten: Unfall auf der Rutsche. Erneute Kronenfraktur 11. Glücklicherweise hatte der Sturzpilot das Fragment aus dem Sand bergen können und dieses in einem Dentosafe gelagert.

Also wurde der ursprünglich für das Reattachment des 21 geplante Termin verlängert, um beide Fragmente wieder zu befestigen.

Das gesamte Unterfangen gestaltete sich erheblich komplizierter als gedacht. Durch die zeitliche Verzögerung von ca. 1 Woche zwischen Unfall und Behandlungstermin konnte das Fragment des 11 wegen der  Proliferation der approximalen Ginigiva nicht an die richtige Position gebracht werden. Die Fraktur verlief zum Teil im ehemaligen Klebespalt, zum Teil im Zahnschmelz.

Nach lokaler Anästhesie und Verdrängung der Gingiva mittels Retraktionsfäden 0 und 00 konnte der Zahn vollständig dargestellt werden. Aufgrund des Plans, am gleichen Termin den 21 wieder zu befestigen, habe ich auf das Legen des Kofferraum verzichtet, um bei der leicht subgingivalen  Lage des Bruchspaltes keine Dislokation des Fragmentes durch den nach apikal zu platzierenden Kofferdam zu erzeugen. Da die Pulpotomiestelle weiterhin vom Komponist des ersten Reattachments bedeckt war und die Trockenlegung auch relativ gut ging, sprach nichts gegen dieses Vorgehen.

Das Fragment passte zunächst nicht und wurde daher mittels DentoPräp (Microblaster) und Cojet-„Sand“ abgestrahlt. Die anschliessende Überprüfung der Passung zeigte eine deutliche Verbesserung der Positionierung. Die Spaltmasse waren erheblich kleiner. Es folgten Konditionierung der jeweiligen Schmelzflächen und das Wiederbefestigen mit einem Flow-Komposit.

Nachdem 11 befestigt war, ging es nun darum, die Kompositbedeckung aus der suboptimal verlaufenen Erstversorgung (alio loco wurden die Bruchkanten „geglättet“, das eröffnete Pulpahorn mit einer sehr dünnen Schicht eines CaOH2-Präparates abgedeckt und die restliche Dentinwunde mit Fissurit „versorgt“.

Leider funktionierte die Schmelzätzung so gut, dass es notwendig war die Fissurit-Füllung zunächst mittels diamantierter rotierender Instrumente zu reduzieren und die verbliebenen Reste dann mit einem Scaler vom Zahn zu lösen.
Sofort darauf fiel die putride Exsudation aus dem mesialen Pulpahorn und eine kleine Blutung aus einem in der Mitte gelegenen Pulpaausläufer auf.

Für die nun folgende Pulpotomie wurde Kofferdam gelegt, die Pulpa im vitalen Gewebe mittels steriler hochtouriger diamantierter Instrumente um ca. 2 mm reduziert und die Pulpawunde mit Biodentine abgedeckt. Um anschliessend die adhäsive Wiederbefestigung durchführen zu können, wurde die Biodentine-Oberfläche mit Ultrablend abgedeckt.

Das Wiederanfügen gestaltete sich erheblich komplizierter als erhofft:

Das Beschleifen der Bruchränder in der der Erstversorgung machte ein problemloses Reponieren unmöglich. Somit habe ich, nach Abstrahlen der Fragmentbruchfläche mit CoJet-Pulver und nachfolgender Ätzung und Konditionierung (Scotchbond Universal SCS) in der Mitte des Zahnes, nach Konditionierung desselben, in der Mitte und über das Ultrablend einen kleinen „Hügel“ aus einem stopfbaren Frontzahnkomposit (Enkel HFO, UD3) aufgebracht. Vor dem Reattachment habe ich die distalen und mesialen Bruchränder des Fragmentes mit einem Flow-Komposit bestrichen und dann das Fragment zurückgesetzt.

Durch visuelle Kontrolle war es im Folgenden möglich das Fragment mit einem großen Kugelstopfer so im Raum auszurichten, dass die Inzisalkantenhöhe und die vestibuläre und palatinale Kronenflucht von Fragment und Restzahn übereinstimmte. Aufgrund der großen Mengen fehlender Schmelzanteile war ein einfaches Aneinanderfügen nicht möglich. Nach initaler Aushärtung konnten nun die noch palatinal und bukkal bestehenden Fugen mit dem Flow-Komposit gefüllt werden. Dieses zweizeitige Aufbringen des Flow-Kompsites verhinderte extreme Überschüsse im Approximalbereich.

Abschliessend wurden die Überschüsse entfernt und die Kopmositmassen poliert.

Der einzige Wermutstropfen: Die kleine Schmelzaussprengung am 11 habe ich erst beim Sortieren der klinischen Bilder bemerkt. Diese wird bei der ersten Kontrolle in SÄT ergänzt.

Bleibt zu hoffen, dass mein persönlicher Appell beim offensichtlich risikofreudigen Patienten ein wenig Anklang gefunden hat und wir in absehbarer Zeit keine weiteren Unfälle versorgen müssen.

Die Mutter aller Perforationen -Recall nach 62 Monaten

Vor ein paar Wochen (in Wirklichkeit war es, wie ich soeben gesehen habe im November 2019, erschreckend wie die Zeit dahinrast) hatte ein Kollege in den Kommentaren gefragt nach der gegenwärtigen Situation, den „Die Mutter aller Perforationen“- Fall betreffend.

Zur Erinnerung .
So sah es damals aus.

Heute war die Patientin da.
Recall nach 62 Monaten.

Der Zahn ist klinisch absolut unauffällig. Die Sondierung der Taschentiefen ist an allen 6 Messpunkten 2 mm oder weniger, Lockerungsgrad 0.
Ich buche das Ergebnis als vollständige knöcherne Regeneration in einem Fall, der von vermutlich 98% alle Kollegen (m/w/d) als zwingend eine Extraktion zuzuführend eingestuft worden wäre.

Und weil ich heute bei WURZELSPITZE Plus einen weiteren Beitrag zum Thema „Wirtschaftlichkeitsprüfung“ eingestellt habe – wäre es nicht fair, der Patientin gegenüber, wenn diese nun das GKV – Honorar für die Kassen-Endo überwiesen bekäme ? Für welche sie vor 5 Jahren in Vorlage getreten ist ?

Prätherapeutisches Röntgenbild 28.01.2015
WF- Kontrolle 05.05.2015
Recall 62 Monate 18.06.2020

und wieder ein Recall

Diesen Fall haben wir hier und hier vorgestellt.

Zufällig habe ich von den Patienten jetzt ein DVT- Recall und kann den Zahn 21 zum Ausgangsbild vergleichen, da er am Rand des Aufnahmezylinders noch abgebildet ist. Die 3D-Aufnahme wurde für den Zahn 24 angefertigt.

Der Erhaltungsversuch des Zahnes 21 ist für uns schon fast experimentell gewesen. Deswegen freuen wir uns über jedes weiter Jahr im Patientenmund.

Kurz berichtet – Apikale Aufhellung – (quasi) ausgeheilt nach MTA-Apexifikation

Von Christoph Kaaden

 

Als wir den Patienten für gut einem Jahr das erste Mal sahen hatte dieser bereits eine beträchtliche Leidensgeschichte mit zahlreichen Behandlungsterminen inklusive Abszess an Zahn 15 hinter sich.

Prämolar mit ausgeprägter Aufhellung.001

Diagnose Aufnahme (alio loco)

Prämolar mit ausgeprägter Aufhellung.002

Masterpoint-Aufnahme (alio loco) mit überextendiertem Guttaperchapoint

So stellte sich der (offenen gelassene) Zahn bei uns in der 3D-Diagnostik dar:

Prämolar mit ausgeprägter Aufhellung.003

In insgesamt drei Behandlungsterminen (1h-0,5h-1h) haben wir dann zum Ende das weit offene Formamen apicale mit MTA verschlossen.

Prämolar mit ausgeprägter Aufhellung.004

MTA Angelus zum Verschluss des weit offenem Apex

Das weitere Procedere waren Backfill mit Guttapercha und Sealer sowie adhäsiver Verschluss der Zugangskavität.

Prämolar mit ausgeprägter Aufhellung.005

Post-OP

Ein Jahr später stellt sich die Situation wie folgt dar:

Prämolar mit ausgeprägter Aufhellung.006

Ein Jahr post-op

Prämolar mit ausgeprägter Aufhellung.007

Prä-OP vs. 1 Jahr post-op

Es scheint im 2D-Röntgen, als wäre die apikale Aufhellung (quasi) ausgeheilt, oder?

 

 

Kurz berichtet – Apikale Aufhellung – ausgeheilt nach Zirkonstift-Revision

Von Christoph Kaaden

Vor gut einem Jahr stellte sich der damals 33-jährige Patient erstmals bei uns vor. Eine Woche zuvor hatte er einen submukösen Abszess ausgehend von Zahn 11 entwickelt. Dieser war mittels Inzision und Antibiose alio loco therapiert worden.

Die weitere Anamnese ergab, dass der junge Mann im Jahr 2003 ein Frontzahntrauma (genaue Diagnose unklar) erlitten hatte. In der weiteren Folge musste daraufhin eine endodontische Behandlung durchgeführt werden.

FZ Revision.001

Präoperative Röntgenaufnahme (alio loco) zeigt eine apikale Parodontitis an Zahn 11   

Klinisch stellte sich die Situation von palatinal so dar:

FZ Revision.002

Blick auf palatinale Kavität mit exponiertem Zirkonstift

In zwei Terminen erfolgte von uns  eine Revisionsbehandlung (Dauer 2x1h).

Die Apikalregion wurde aufgrund eines entsprechenden Durchmessers (> ISO 060) mittels MTA verschlossen; anschliessend folgten das Backfill mit Guttapercha & Sealer sowie  die adhäsive Befestigung eines Glasfaserstiftes mit Verschluss der Zugangskavität.

FZ Revision.003

Post-OP Aufnahme

FZ Revision.004

Post-OP

Ein Jahr nach Abschluss der Behandlung sieht es so aus, als wäre die Therapie erfolgreich gewesen:

FZ Revision.005

Ein Jahr post-op

FZ Revision.006

Prä- vs. ein Jahr post-op

 

Notwendigkeit von 3D-Röntgen im Frontzahnbereich ? (Teil 5)

Letzte Woche haben wir uns das DVT zum Fall angeschaut.
Hier nun, in umgekehrter Reihenfolge zum etablierten Vorgehen, der prätherapeutische Zahnfilm.

Ich oute mich jetzt.
Obwohl ich es aus dem DVT schon weiss, würde ich den riesigen Seitenkanal nach mesial hin an Hand des Zahnfilmes nicht vermuten. Wenn man ´s weiss, dann kann man gegebenenfalls etwas ins Bild hineininterpretieren. Aber ohne dieses Wissen aus dem DVT heraus ? Ich würde mich hüten, eine solche anatomische Struktur in das Röntgenbild zu wahrsagen.

Was uns zur entscheidenden Frage führt.
Wie therapieren ?

Konkret, wie mache ich die WF, mit MTA, klar, um der großen apikalen Läsion und dem großen Foramen apicale (Überpressungsgefahr) einerseits, was aber, andererseits um dem Seitenkanal (Verblockungsgefahr durch MTA) gleichermaßen gerecht zu werden ?

Und weil ´s so schön zum Thema passt.
Heute, erster Tag nach dem Brückentags-Urlaub. Der nächste OK-Frontzahn.

Zufallsbefund im OPG.
Tochter eines befreundeten Ehepaars, 20 Jahre alt, Fragestellung Notwendigkeit Sapientenentfernung. Zweitmeinung.

DVT machen ?
Ja oder Nein ?

Update Aerosol-Schutz OPM

Hier noch mal zur Erinnerung.
So fing es an.
Aus der Not heraus.

Wir schützten, um eine Corona- Virus Infektion zu verhindern, das Risiko zu minimieren, unsere Augen mit Gesichtsschilden Schutzbrillen, teilweise an Taucherbrillen erinnernd.

Nur beim Arbeiten am Dentalmikroskop waren wir diesbezüglich weitestgehend ungeschützt.

Ein Unding.
Eine Lösung sollte her. Tomas Lang machte es vor. Ein Plexiglas- Schild, mit Klebeband an den Okularen befestigt.

Gute Idee.
Allerdings nutzen wir einen bioklaren Mitbeobachtertubus an unseren Dentalmikroskopen. Für die Assistenz. Die demnach ebenfalls dem aus der zahnärztlichen Behandlung resultierenden Spraynebel angesetzt ist, zwangsläufig nahekommt.

Eine eigene Lösung musste her.
Und was als Proof of Concept begann, ist mittlerweile in der 4. Generation angekommen.
Kontinuierlich, von Version zu Version weiterentwickelt.

Das Resultat.
Ein Aerosol- Schutz für Assistenz und Behandler gleichermaßen.
Zusammengesteckbar wie Lego Technic.

38 Einzelteile.

Der Druck der 3D – Teile dauert rund 19 Stunden.
Die Montage?
Am Strahlenteiler des Mikroskops befestigt.
Dauert eine Minute.

Das Resultat?
Ein Schutz für Assistenz und Behandler.
Und jeder lässt sich unabhängig voneinander ins Arbeitsfeld hinein- oder hinausschwenken.
Denn machen wir uns nichts vor.
Schutzschilde, Schutzbrillen sind nervig. Insbesondere, wenn der Schutz, wie beim Mikroskop objektnah angebracht werden muss. Und damit die Effizienz einer langjährig eingeübten 4 oder 6 händigen Choreographie kompromittiert.

Damit der Schutz also kein ungeliebter und nur geduldeter wird, sollte er das gewohnte Arbeiten so wenig wie möglich stören. Daher meine Idee mir dem Einschwenken. Solange mit Spraynebel gearbeitet wird, klappen wir die Visiere nach unten. Für das eigentliche endodontische Arbeiten, weil spraynebelfrei, klappen wir den Schutz nach oben.

Nachfolgend ein paar Fotos.

Sturz im Bad (II)

Von Christoph Kaaden

Vor einiger Zeit habe ich hier von Magdalena berichtet.

Leider kam es auch in diesem Fall nach circa zwölf Wochen zu einer Pulpanekrose an Zahn 11. Begünstigend hierfür war die zusätzliche vormalige unkomplizierte Kronenfraktur des Incisivus.

Horizontale Wurzelfraktur 11 und 21_Magdalena_weiteres.001

Osteolyse im Bruchspalt – Rö-Aufnahme alio loco

Das weitere Procedere erfolgte wie hier kürzlich vorgestellt.

Horizontale Wurzelfraktur 11 und 21_Magdalena_weiteres.002

MTA zum Verschluss des Neoapex

Horizontale Wurzelfraktur 11 und 21_Magdalena_weiteres.003

Abschluss-Aufnahme

Das nächste Recall ist in drei Monaten vorgesehen. Die Schienenentfernung ist nach insgesamt vier Monaten Tragedauer vorgesehen. Zahn 21 reagiert aktuell positiv auf Kältereiz.

Wir werden sehen, wie es weitergeht…

Plasmozytom / multiples Myelom

In dem zuletzt beschriebenen Fall hat mich das OPTG mit den entfernten Osteosyntheseplatten und Schrauben an einen früheren Patientenfall erinnert.

Deshalb möchte ich den hier kurz vorstellen.
Der Patient war 65 Jahre und in einer Röntgenaufnahme (OPTG) konnten wir uns unbekannte Veränderungen erkennen. Diese konnten wir nicht zuordnen.

In diesem Fall haben wir uns auf das Fachwissen eines von mir sehr geschätzten Kollegen verlassen, Thomas Weber, Autor des Memorix Zahnmedizin.
Thomas hatte bei dem Bild den Verdacht, daß es sich um ein Plasmozytom handeln könnte. In der Röntgenauswertung mit dem Patienten haben wir auf die Veränderungen hingewiesen und auf die Möglichkeit der Erkrankung hingewiesen. Der Patient wusste dies bereits. Die Diagnose lautete: Plasmozytom, bzw. multiples Myelom, Stadium III.

Komplikationen sind pathologische Frakturen:
Bei pathologischen Frakturen handelt es sich um spontane Brüche, die durch den „Knochenfraß“ der Plasmazellen verursacht werden. 
So kann ein plötzlich einsetzender Schmerz Zeichen von einem Wirbelkörperbruch sein. Die Osteolysen sind Folge der Abgabe von Botenstoffen durch die entarteten Plasmazellen. Diese regen die die Osteoklasten an.

Dies ist im OPTG zu erkennen.

 

 

 

Notwendigkeit von 3D-Röntgen im Frontzahnbereich ? (Teil 4)

Okay, diesmal machen wir es umgekehrt.
Ich zeige zunächst das DVT, erst in einem späteren Beitrag den Zahnfilm.

Schmerzpatient von Freitag mittag.
Der Anruf kam am Morgen.

Ich kenne den noch jungen Mann, mittlerweile Mitte Zwanzig, seit Kindertagen.
Er hat auffällig früh sich schon die Zähne stark abradiert, eine merkwürdige Schmelzerosion der Palatinalflächen der Oberkieferzähne kam hinzu, kariesfreie Front, Zustand nach KFO, seit ein paar Jahren trägt er eine Aufbissschiene.

Jetzt klagt er über starke Schmerzen in der letzten Nacht, das Zahnfleisch sei geschwollen und ein gelbes Bläschen habe sich gebildet, so die Auskunft am Telefon.

Wir sind dicht, was unsere Termine angeht, nächste Woche arbeiten wir nur Montags, dann 3 Brückentage, im Juli steht der Sommerurlaub an, freie Plätze im Bestellbuch sind nicht vorhanden, zumindest extreme Mangelware.

Wir bestellen den Patienten nach offiziellem Behandlungsende ein.
Zahn 12 und Zahn 11 sind klopfempfindlich, Zahn 12 reagiert sensibel auf den Kältetest, Zahn 11 nicht. Die Gingiva in regio 11 zeigt ich hyperplastisch geschwollen, die Palpation bringt ein Fistelbläschen zum Platzen, es entleert sich ein wenig Eiter.

Ich fertige einen Zahnfilm an, der meine Vemutung stützt, dass der vorliegende Entzündungsprozess vom Zahn 11 ausgeht. Brauchen wir ein DVT ? Eigentlich nicht. Zumal es heute ja nur darum geht, Schmerzfreiheit für das Wochenende und gegebenenfalls darüber hinaus herzustellen. Wir wollten doch alle schon längst auf dem Sprung nach Hause sein.

Ich veranlasse es trotzdem.

Das Ergebnis sieht man nachfolgend.
Therapievorschläge?
Zu erwartende Schwierigkeiten und diesbezügliche Lösungsansätze?

DVT- („Zufalls“)-Recall

von Jörg Schröder

15 Monate nach Abschluss der endodontischen Behandlung der Zähne 16 und 17 -beides Mal Erstbehandlungen nach Pulpanekrose- stellte sich die Patientin aufgrund weiteren Klärungsbedarf in den Quadranten 2, 3 und 4 zur Beratung bei mir vor. Vor prothetischer Neuversorgung sollten die periapikalen Verhältnisse an den beschwerdefreien Zähnen 25,26,35,36 und 45 geklärt werden, die allesamt endodontisch behandelt waren.

Zu den regulären Recall-Terminen 6 und 12 Monate postoperativ war sie nicht erschienen. Die prothetische Neuversorgung war jedoch im rechten Oberkiefer bereits erfolgt. Schön, wenn die überweisenden Kollegen Vertrauen haben. ;)

Neben den ausgedehnten periapikalen Aufhellungen an Zahn 17 mit begleitender aktiver Fistelung imponierte vor allem eine große Perforation des Pulpakammerbodens an Zahn 16.

Nach zweizeitiger Behandlung (präendodotischer Aufbau, Perforationsverschluss mit kollagenem Widerlager und MTA, schall- und laserunterstützter Irrigation, Obturation mit Guttapercha und biokeramischem Sealer) stellte sich die postoperative knöcherne Situation 15 Monate später an 17 geradezu überraschend gut dar. Nur apikal des 16 zeigt sich im Bereich der apikal konfluierenden Kanälen MB1 und MB2 der Parodontalspalt noch geringfügig verbreitert.

Erstaunlich in welch kurzer Zeit die knöcherne Regeneration ablaufen kann.

 

„Guided“ geplant und „Guarded“ gemacht

von Jörg Schröder

Wer jemals das zweifelhafte Vergnügen hatte einen extrem obliterierten Frontzahn endodontisch behandeln zu müssen, weiss die Vorteile der geführten/navigierten Aufbereitung zu schätzen.

Vorbei der erhöhte Pulsschlag und die Sorge, ob die eingeschlagene Achsenrichtung wohl die richtige sein wird. Keine Zwischenstopps um die Lage des Instrumentes hinsichtlich der Zahnachse zu kontrollieren. Kein Rätselraten, wo denn jetzt ein kleiner Pulpahohlraum sein könnte.

Voraussetzung für die Erstellung der Bohrschablone ist neben einem präoperativem DVT, welches den gesamten Zahnbogen abbilden kann, eine Präzisionsabformung oder ein intraoraler Scan der Zahnmorphologie und der Zugang zu einer Planungssoftware, mit der die Modelldaten und die DVT-Daten gematcht (überlagert) werden können.

Ein Intraoral-Scanner ist dabei nicht zwingend notwendig. Nach Aussage von Jürgen Mehrhof, Berlin, dem ich an dieser Stelle ganz herzlich für seine tolle Unterstützung bei Planung und Erstellung der Bohrschablone danken möchte, ist es sogar so, dass extraorale Scans mittels Streiflicht-Scanner genauere Ergebnisse bringen, als intraorale Scans. Das vereinfacht die Herstellung der Schiene ganz erheblich, da der Aufwand für eine genaue Abformung der Aussenkontur der Zähne auch in einer auf Endodontie limitierten Praxis keine allzu große Hürde darstellt.

Um eine möglichst lagestabile Positionierung der Bohrschablone zu gewährleisten und das Überlagern der Modell- mit den DVT-Daten zu erleichtern, ist es ratsam, alle Zähne des  jeweiligen Kiefers abzuformen/abzubilden.

In der jeweiligen Planungssoftware – ich habe auf Jürgens coDiagnostiX-Software zurückgreifen dürfen – sind sowohl die STL-Daten des Bohrers als auch der Führungshülse hinterlegt und können entsprechend der Notwendigkeiten ausgerichtet werden. Die Schablone wurde anschliessend im 3D-Druckverfahren hergestellt und zeigte bei der Einprobe eine hervorragende Passung.



Nach der Einprobe der Schablone wird die Position der Trepanationsöffnung am Zahn markiert, indem die Bohrerspitze in Kariesdetektor getaucht wird und nach Einführen in die Führungshülse eine, wenn auch mitunter schwache, Farbmarkierung auf der Zahnoberfläche hinterlässt. Diesen Tipp verdanke ich Thomas Connert vom Zahnunfallzentrum in Basel, der die „Guided Endo“ massgeblich mitentwickelt hat.

Anschliessend wird die Zugangskavität bis ins Dentin hinein ausgedehnt, da der Bohrer nicht für das Durchdringen von Zahnschmelz und Restaurationsmaterialien geeignet ist.

In nachfolgendem Fall kam es allerdings trotz perfekter Vorbereitung anders als geplant.

Nachdem ich das präoperative Einzelbild und das daraufhin angefertigte DVT beurteilt hatte, war ich mir sehr sicher, dass es keinen Sinn macht, einen regulären Aufbereitungsversuch zu unternehmen. Die Lage der alio loco angelegten Zugangskavität war mir zudem ein mahnendes Zeichen.

Mein Weg zur Entscheidung:

  • Klinische Inspektion und Befunderhebung, Beurteilung des nach der vor 3 Jahren erfolgten Behandlung des 21 vorhandenen Einzelbildes (starke Obliteration), Beurteilung des aktuellen Einzelbildes,
  • Einschätzung des regulären Vorgehens als stark risikobehaftet mit Gefahr von Perforation und/oder starken Hartsubstanzverlust bei abgebrochenem Aufbereitungsversuch.
  • Sorge der Patientin, nach der alio loco durchgeführten erfolglosen Wurzelspitzenresektion an Zahn 21 und dem erheblichen therapeutischem Aufwand der Revisionsbehandlung  bei Misslingen der Aufbereitung an Zahn 11 eine ähnliche Situation zu erzeugen.
  • Wunsch der Patientin nach der vorhersagbarsten Therapieoption.
  • Beurteilung des aktuellen DVT.

Daher wurde bereits das präoperativ angefertigte DVT im Volumen so gewählt, dass es für „Guided Endodontics“ geeignet wäre. (8×4 cm). Dann erfolgte die Abformung des Oberkiefers mit gestopptem Löffel und einem additionsvernetztem Silikon.

Nach der Entfernung des semipermanenten temporären Verschlusses (weichbleibendes lichthärtendes Füllungsmaterial) konnte das ganz offensichtlich CHKM enthaltendes Wattepellet entfernt werden.

Nachdem die Pulpakammer in pinselnder Weise mit Munce-Burs bearbeitet worden war, konnte ein winziges Areal visualisiert werden, dass die für obliterierte Kanalhohlräume typische helle Zeichnung aufwies.

Zwar gelang das Eindringen des Microopeners nur für einen knappen Millimeter, jedoch war der Entschluss nun schnell gefasst, zunächst das Standard-Vorgehen für obliterierte Kanäle anzuwenden. Zwar wäre die schablonengessützte Variante schneller gewesen, allerdings auch aufgrund der nach distal und palatinal verlaufenden Wurzelkrümmung mit unnötigem Hartsubstanzverlust verbunden gewesen. Immerhin hat der von der Firma Steco angebotene Endo-Seal-Bohrer einen Durchmesser von 1,0 mm.

Und so geschah, was ich beim Anblick des kleinen hellen, mit Dentin-Spänen gefüllten Kanalresthohlraumes „befürchtet“ hatte. Die Schablone blieb ungenutzt.

Bestärkt hat mich der Umstand, dass ich mit dem händisch unter Schablonenführung eingebrachten Endo-Seal-Bohrer in der Lage war, eine zylindrische Vertiefung einzuarbeiten, in deren Mitte der vermutetet Originalkanal lag. Der “ Proof-of-Concept“ machte es mir leichter, zunächst zu versuchen, den Kanal im Standardverfahren zu erweitern.

Das abwechselnde Einsetzen von ProFiles 15/04, 20/04 und 15/06 bis zum Erreichen der im DVT ermittelten Arbeitslänge gelang mit einiger Mühe. Wichtig zu erwähnen scheint mir, dass sobald die 15/04, seltener die 20/04 aber fast genauso häufig die 15/06  bereits mehrere Millimeter erschliessen konnte, diese gegen eine fabrikneue ausgetauscht wird. Das Voranschreiten der Aufbereitung wird geschmeidiger und vor allem sicherer vorangehen.

War die Planung übertrieben? Hätte man es nicht erst einmal „ohne“ versuchen sollen? Können vielleicht. Was jedoch, wenn es dann in der Mitte der Wurzel nicht mehr weiter geht? Risiko nehmen? Abbrechen und „Guided Endodontics“ vorbereiten? Oder besser entspannt die Schablone nutzen?

Eine Frage, die für mich auch von der generellen Praxisausrichtung abhängt. Spezialisiert arbeitend soll bei mir der erste Versuch funktionieren. Denn die Kosten für ein zweizeitiges Behandeln sind unterm Strich letztlich höher als die Single-Visite-Variante. Die Patienten soweit zu informieren, dass sie ihre Entscheidung treffen können ist das Ziel jeder Erstberatung.

Kleiner, aber angenehmer Nebenbefund:

Die hier auf Wurzelspitze bereits gezeigte Behandlung des 21 scheint auch im DVT zu einer fast vollständigen Ausheilung des in 2017 präoperativ durchaus beeindruckenden apikalen Pathologie geführt zu haben. Beim Vergleich der beiden DVT zeigt sich die höhere Detailgenauigkeit des X800 M.

 

 

 

 

 

 

 

 

Was nun ?

Die Sonne scheint.
Die Vögel zwitschern.

Wir – die Deutschen – sind  gerade noch mal so dem Tod von der Schippe gesprungen Freuen uns des Lebens.  Geniessen nun in vollen Zügen die zurückgewonnene Freiheit in dem wir – alle gute Sitten und Ratschläge ignorierend – unseren lange eingesperrten Wünschen und Trieben ungezügelten und freien Lauf lassen.

Alles gut also.
„The futures so bright i gotta wear shades“ Hurra, der lange vermisste gesunde Selbstüberschätzungs- Optimismus ist zurück.  Deutschlandweit. Wir sind wieder wer. Pandemie- Besieger.

Und trotzdem  – oder vielleicht gerade deshalb haben wir uns entschieden, unser für den 12. September geplantes Event „Die 3 reden über…“ auf zunächst unbestimmte Zeit zu verschieben.

Warum?

Ganz einfach.
Weil wir nicht möchten, dass sich auf dieser, auf unserer Veranstaltung jemand mit dem SARS-CoV2 –  Virus infiziert. Und gegebenenfalls Schaden nimmt. Uns ist das Risiko zu groß, bei  60 – 80 – 100 Personen im Saal (ja, das ist eine Zahl an Interessierten mit der wir – man nenne uns naiv-optimistisch oder aber auch blauäugig verträumt – gerechnet haben)  eine Infektion voranzutreiben mit allen negativen Ereignissen, die sich daraus ergeben können.

Und ganz egal, wie positiv gegenwärtig die Corona-Situation in der Öffentlichkeit dargestellt wird (ein Schelm, der Arges denkt) ich befürchte spätestens für den September und Oktober ein Wiederaufflammen des Infektionsgeschehens in Deutschland und zwar in deutlich größerem Maße als wir es bisher hatten. Und da wir mittlerweile ziemlich sicher wissen, dass die größte Infektionsgefahr von Menschen ausgeht, die noch keine Symptome zeigen und ein einziger Superspreader um die 100 Personen locker anstecken kann, ist uns das Risiko zu groß. Und daher sagen wir ab.

Was schwerfällt, weil ich nachwievor überzeugt bin, das das von uns geplante Format so viel mehr Info und Nutzen für den Zuschauer bringen wird als die bekannten und etablierten Veranstaltungen, daß es fast schon unsere Pflicht wäre, es aus der Taufe zu heben.

Aber – gegenwärtig es ist alles im Wandel.
Auch in der Zahnmedizin.

Wird es nächstes Jahr die IDS geben ?
Wer wird hingehen ?
Was ist mit der DGET Jahrestagung ?
Brauchen wir gegenwärtig , brauchen wir überhaupt noch Präsenzveranstaltungen?
Oder ist es nun an der Zeit, Online – Fortbildungen als Standard zu etablieren ?

Was nun?
Ich weiss es nicht. Nur, das es sinnvoll  ist, weiter geduldig abzuwarten, zuzuschauen, Informationen zu sammeln, die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Sobald sich wieder Normalität abzeichnet, sind wir wieder auf Deck.
Ganz sicher.
Hoffentlich.

 

 

Mini-Molar 06/2020

Von Christoph Kaaden

 

Einen Mini-Molar wie hier oder hier hatten wir länger nicht.

Vor Kurzem war es dann aber mal wieder so weit:

Mini Molar April 2020.001

Mini Molar April 2020.002

Guttapercha-Stift im Fistelgang Zahn 15

Die maschinelle Präparation der Kanalsysteme erfolgte mit folgenden Instrumenten:

R-Pilot

Wave One Gold 20

RECIPROC blue 25

Für die Wurzelkanalfüllung im zweiten Termin haben wir BC Sealer und Guttapercha verwendet…

Mini Molar April 2020.003

Masterpoint- und WF- Aufnahme Mini Molar April 2020.005

Ich hoffe, der nächste Mini-Molar lässt nicht wieder so lange auf sich warten…

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Submuköser Abszess 33 (3)

Die Behandlung der Zähne 33-35 war endodontisch ohne großen Schwierigkeiten zu erwarten.
Der Patient hat eine posttraumatische Belastungsstörung. Dies äußerte sich, daß er in Ruhestellung, wie auf dem Behandlungsstuhl urplötzlich unruhige Phasen bekam, in dem der ganze Körper, einschließlich Kopf in sporadische Zuckungen verfällt.
Leider erfuhren und erlebten wir dies erst in der Behandlung.
Dies bereitete große Probleme bei der Aufbereitung, der Wurzelfüllung und dem anschließenden postendodontischen Aufbauten der Zähne.

Nach der Initialbehandlung von 33 waren weitere neue Fistelungen im Bereich 34 und 35 erkennbar.

Die anschließende Initialbehandlung an 34 und 35 führten ebenso zu keiner Verringerung der chronischen Abszessbildung. 34 und 35 zeigten eine nekrotische Pulpa.
Trotzdem vermutete ich in diesem Behandlungsabschnitt bereits, daß es eine andere Ursache für die multiplen Fisteln geben musste.
Als Ursache kamen die Osteosyntheseplatten oder Schrauben in Frage. Dies ließ sich mit Guttaperchapoints auch röntgenlogisch darstellen.
DerLockerungsgrad am Zahn 34 verringerte sich nicht nach der Aufbereitung des Wurzelkanalsystems. Das apikale Foramen war stark erweitert als Zustand nach einer externen apikalen Resorption.
Eine regenerative Therapie kam auf Grund der Plaqubelastung nicht ernsthaft als Therapieansatz in Frage. Wir haben 34 apikal mit MTA gefüllt um eine ggf. mögliche apikale Kürettage/ Resektion bei der Entfernung der Osteosyntheseschrauben als Option offen zu lassen. Das MTA ließ sich nur schwer nach apikal transportieren auf Grund der Eigenbewegung des Patientenkopfes.

Im Anschluß wurden die Osteosyntheseplatten und Schrauben chirurgisch entfernt. Die lange Verweildauer von mehr als 20 Jahre machte dies chirurgisch zu eine Herausforderung, wie mir der Oralchirurg berichtete. Die chronische Abszedierung war mit der Entfernung verschwunden. Als Ursache sind die gelockerten Osteosyntheseschrauben anzusehen.

Die Plaquebelastung war nach mehrfachen Hinweisen deutlich reduziert.
Zahn 34 zeigt einen geringeren Lockerungsgrad (I-II).

Notwendigkeit von 3D-Röntgen im Frontzahnbereich ? (Teil 3)

Wesentlich später als anvisiert erschien die Patientin wieder bei uns in der Praxis.
Statt 16 Wochen dauerte es 7 Monate, bis die Patientin sich wieder vorstellte, ein coronaproventionsbedingter Monat allerdings miteinbezogen.

Ich war nicht undankbar für diese Zeitspanne, würden sich doch ossäre Regenerationsprozesse, sofern vorhanden, deutlicher zeigen. Im negativen Fall könnte man leichter die Entscheidung für eine chirurgische Interventation fällen.

Der Kontrollzahnfilm war jedoch eher enttäuschend.
Man könnte eine gewisse Verbesserung hineininterpretieren, eindeutig ist jedoch anders.

Wie weiter verfahren ?
Mit der WF fortfahren ?
In guter Hoffnung ? Aber doch ins Blaue hinein ?
Oder einfach weiter zuwarten ?
Wie lange noch ?

Ich entschloss mich für eine (hoffentlich aussagekräftige) Verlaufskontrolle mittels DVT.

Das Ergebnis, im nachfolgenden Video präsentiert, übertraf meine Erwartungen.

Eine für die Kürze der Zeit beeindruckende Knochenregeneration und vor allem die Neubildung der vestibulären Knochenlamelle machen Mut, belegen auf der einen Seite den positiven Stellenwert des DVT ´s, andererseits offenbart der röntgenologische Systemvergleich die diagnostischen Defizite konventioneller 2D- Röntgentechnik.

Frontzahntrauma – erstes Recall

von Jörg Schröder

Anfang dieses Jahres hatte ich über diesen suboptimal erstversorgten 11 und seinen dislozierten Nachbarn Zahn 21 berichtet.

Fraglich war, ob die Pulpa von Zahn 11 nach Dislokation und undichter „Erstversorgung“ mittels Pulpotomie vital erhalten werden kann. Auch Zahn 21 – nach unkomplizierter Kronenfraktur und lateraler Dislokation – wurde hinsichtlich der Überlebenschancen der Pulpa als gefährdet eingeschätzt.

Durch den elektrische Sensibilitätstest, im Jahr 2020 immer noch nicht Standard in den meisten Praxen, konnte in vorliegendem Fall die Erholung der pulpalen Gewebe gut nachvollzogen werden.

Die zur Erzielung einer positiven Reaktion auf den elektrischen Reiz benötigte Reizintensität sank innerhalb des ersten halben Jahres nach der Behandlung in unserer Praxis auf fast normale Werte.

Die Skala des von mir eingesetzten Elements Dignostic Unit reicht von 0 bis 80. Unverletzte und unrestaurierte Frontzähne reagieren bei Kindern und Jugendlichen üblicherweise innerhalb eines Bereiches zwischen 5 und 25. Nachdem der initiale Wert kurz nach dem Unfall für 21 bei 64 gelegen hatte, reagierte er 6 Monate nach der Zweitversorgung bereits, wie die Zähne 12 und 22 bei Werten von 25 -27.

Das nächste Recall in 6 Monaten wird zeigen, ob sich der gute Anfangsverlauf fortsetzen wird.

Gedanken zum Wochenende – It s not about the money, but…

Unser Steri war kaputt.

Genauer der eine der 2. Melag Steris, die wir betreiben.
Beide werden validiert.
Und vorher gewartet.

Früher haben  wir so ein Gerät solange betrieben, bis es defekt war, dann reparieren lassen.

Das geht heute nicht mehr.
Heute MUSS validiert und gewartet werden.
Kaputt gehen die Geräte trotzdem. Beide Steris zeigen, ca. 3 Monate nach Wartung fast zeitgleich die exakt gleiche Fehlermeldung.

Der Mann vom Dentaldepot kommt.
Repariert vor Ort. Tauscht Teile aus. Einen Wasserfilter. Und ich frage mich, warum diese nicht im Rahmen der Wartung getauscht werden.

Egal.
Die Geräte laufen.

Allerdings nicht lange.
Bei Gerät 1 erscheint die gleiche Fehlermeldung fast unmittelbar danach wieder.

Anruf beim Depot.
Dann muss Gerät 1  abgeholt werden.

Gesagt, getan.

Geschätzt 6 Wochen später kommt das Gerät wieder.
Und eine Rechnung fürs Abholen und Bringen. Jeweils 152 Euro.
Mainz ist 40 km entfernt.
Fahrtzeit 30 Minuten. Insgesamt also 1 Stunde. 304 Euro. Das Aufstellen dauerte 2 Minuten.  Sagen wir 5 Minuten.

Szenenwechsel.
Erneuerung einer Kunststoff-Restauration an Zahn 37 vor Endo. Großer Defekt, geringe interokklusale Distanz, schwierige Kontaktpunktgestaltung, sehr schwierige okklusale Verhältnisse, Behandlungszeit 75 Minuten.  Honorar 181 Euro.

Am Tag danach.
Gespräch mit einem Patienten, er hat eine Firma für EDV-Schulungen, wie kommen auf Corona zu sprechen, ich berichte von meiner Referententätigkeit im Bezug auf endodontische Curricula und Arbeitskurse. „Wie machen Sie das ?“ frage ich. Die Antwort. „Wir schulen jetzt online als Alternative zu Präsenzveranstaltungen.  Auch kombiniert, das heisst der Kunde kann wählen ob er vor Ort oder via Internet teilnehmen möchte.“

„Wird das angenommen ?“
„Ja, sehr.  Wir sind ausgebucht.“
„Und was zahlt der Kunde für die Kursteilnahme?“

„250 Euro für einen 2 Stunden – Kurs bei 10 Teilnehmern.
Pro Teilnehmer. Und dann noch ganz einfache Kurse, für Kunden, die gar keine Ahnung von EDV haben, wie man einen Browser bedient, so was in der Art, 150 Euro pro Stunde.“

Ich gehe gefrustet nach Hause.

 

 

 

Und wieder eine horizontale Wurzelfraktur

Von Christoph Kaaden

Der 10-jährige Joshua war Mitte März mit seinem Longboard gestürzt und hatte sich bei dieser Gelegenheit die Wurzel seinen rechten zentralen Schneidezahn frakturiert.

Die Erstversorgung inklusive Repositionierung und Schienung erfolgte alio loco.

Joshua_horizontale Wurzelfraktur.001

Alio loco angefertigtes Röntgenbild nach Schienung des frakturierten Zahnes 11

Leider zeigten sich vier Wochen nach dem Unfall verschiedene Entzündungszeichen, die eine endodontische Intervention notwendig machten.

Joshua_horizontale Wurzelfraktur.002

Beginnende Schwellung mit Rötung

Joshua_horizontale Wurzelfraktur.003

Beginnende Osteolyse im Bruchspalt

 

Die Behandlung erfolgte zweizeitig. Der Neoapex wurde mittels MTA verschlossen.

Joshua_horizontale Wurzelfraktur.004

In den weiteren Schritten erfolgte das Backfill mit Guttapercha und Sealer sowie der adhäsive Verschluss der Zugangskavität.

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– Neoapex mit apikaler Blutung – MTA Verschluss – Guttapercha&Sealer-Backfill

Joshua_horizontale Wurzelfraktur.006

Abschluss-Röntgenaufnahme

In drei Monaten ist die erste radiologische Nachkontrolle und die Schienenentfernung vorgesehen…

Ich werde berichten…

Submuköser Abszess 33 (2)

Wir haben uns für eine 3dimensionale Röntgendiagnostik entschieden. Die befürchteten Artefakte im DVT hielten sich in Grenzen.

Allerdings war die Beurteilung der apikalen Region am Zahn 34 schwierig. Durch die Osteosyntheseschrauben schien der Wurzelzement zumindest verletzt zu sein.
Die Lockerungsgrade und die parodontale Situation versprachen keine gute Prognose. Der Patient wünschte trotzdem einen Erhaltungsversuch.

Unsere Diagnose:  33, 34 P. apicalis, Z.n. Kieferfraktur mit Verdacht der Wurzelperforation nach Osteosynthesetherapie, 35 P. apicalis, biofilmassoziierte Gingivitis, P. marginalis adulta. VD Infektion nach Plattenosteosynthese durch Schraubenlockerung

Unser geplantes Vorgehen:
1. 33 endodontische Therapie, apikaler Verschluss mit PrRoot MTA
2. 34 endodontische Therapie, apikaler Verschluss mit PrRoot MTA, alternativ Extraktion. 35 endodontische Therapie

In Absprache mit dem betreuenden Kieferchirurgen wird die Entfernung der Osteosyntheseplatten nach der endodontischen Therapie eingeplant. Die weitere proth. Therapie wird in Absprache durch dem HZA erfolgen.

 

 

Notwendigkeit von 3D-Röntgen im Frontzahnbereich ? (Teil 2)

Im  vorliegenden Fall, hier besprochen, haben wir mit unterschiedlichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Zahnmedizinisch wie menschlich ist der Zahn eine Herausforderung. Zahnmedizinisch auf Grund der riesigen Knochendestruktion, das wahre Ausmaß offenbart die 3D DVT – Aufnahme. Dabei ist es nicht die bloße Ausdehnung alleine, vielmehr ist der Verlust der vestibulären Knochenlamelle das prognostisch Limitierende.

Zur Verdeutlichung der Situation, den Patienten gegenüber hat sich in vielen Jahren zahnärztlicher Tätigkeit der Vergleich mit einem Luftballon bewährt.

Ich erkläre die Situation wie folgt:

„Die vorhandene Entzündung hat die Tendenz, sich auszudehnen. Sie kennen das vom Insektenstich. Es bildet sich eine Schwellung aus. Wir haben es mit einer bakteriell bedingten Entzündung zu tun. Die im Zahn vorhandenen Bakterien und die Giftstoffe, die diese produzieren wandern durch den Zahn hindurch, treten im Bereich der Wurzelspitze aus dem Zahn heraus und bewirken eine Zerstörung des Knochens um die Wurzelspitze herum. Der harte Knochen wird durch ein weiches Gewebe aus Abwehrzellen ersetzt, eine natürliche Abwehrreaktion des Körpers. Im Röntgenbild sieht man dies ab einer gewissen Größe als dunklen Bereich, der im Laufe der Zeit zunimmt und immer größer wird.

Wie ein Luftballon, der immer größer wird, wenn man ihn aufbläst. Bis, wie in ihrem Fall zum Schluss ein riesiger Hohlraum und nur noch eine hauchdünne Hülle vorhanden ist.

Unser Ziel ist es, die Bakterien zu eliminieren.
Wenn uns das gelingt, dann schrumpft die Entzündung, fällt in sich zusammen wie ein Luftballon, aus dem man die Luft wieder herauslässt. Und wie ein riesiger Luftballon sich wieder zu einer winzigen Größe  zurückentwickelt, so wird die Entzündung ganz klein werden und anschließend sogar vollkommen verschwinden.

Das funktioniert sehr gut und auch bei sehr großen Knochendefekten vorhersagbar, solange die Entzündung noch vollständig von Knochen umgeben ist.

Wenn dies nicht mehr der Fall ist, dann ändert sich die Situation drastisch.

Genau wie beim prall gefüllten Luftballon, wenn man mit einer Nadel reinsticht.
Der Luftballon platzt und wir haben schlagartig ganz andere Voraussetzungen.

In ihrem Fall ist der stark angeschwollene Luftballon in ihren Kiefer geplatzt.
Die Aussenhülle, der Knochen fehlt.

Und damit fehlt die Voraussetzung für eine geordnete Rückbildung zum Ursprungszustand.

Das heisst nicht, dass es in ihrem Fall nicht doch vollständig heilen kann. Wir haben solche Abheilungen in der Vergangenheit immer wieder dokumentiert.

Aber – wir können keine Prognose abgeben.
Wir können es nur versuchen und abwarten, was passiert.

Letztendlich treffen Sie die Entscheidung, ob Sie einen solchen Versuch des Zahnerhaltes wagen wollen, oder ob sie sich von vorne herein gegen den Zahn entscheiden und für einen  Zahnersatz entscheiden.“

Es folgt die Aufklärung, die Behandlungsalternativen betreffend.

Was sind die Alternativen ?

Ich sehe sowohl die Implantation wie auch die WSR in der gegenwärtigen Situation als problematisch an.  Bei der Implantation ist die Ausgangssituation, den Knochen betreffend als ungünstig anzusehen.  Und die WSR birgt die Gefahr der Devitalisierung des Zahnes 12, der bislang sofort und eindeutig positiv auf den Sensibilitätstest mittels Kältespray reagiert.

Mein Ziel wäre es deshalb, durch eine Wurzelkanalbehandlung dafür zu sorgen,

das

  1. der Zahn im Mund bleiben kann
  2. Sie keine Schmerzen und keine eitrige Entzündung mehr erleiden.
  3. sich der Knochen vollständig oder zumindest teilweise wieder regeneriert. Auch eine teilweise Knochenneubildung wäre ein Erfolg, weil es die Chancen der Implantation erhöht und die Risiken der Wurzelspitzenresektion reduziert.

Wie die nachfolgenden Röntgenbilder zeigen, hat die Patientin sich entschlossen , den Versuch der Zahnerhaltes zu wagen.

Auch ich bin das Wagnis eingegangen, die Behandlung durchzuführen.
Wagnis nicht wegen des Falles, da hatte ich schon größere Defekte erfolgreich therapiert, sondern wegen der „besonderen“ Patientin, die uns im Falle des Scheiterns vermutlich die Hölle heiss machen würde.

Was, wenn sie Schmerzen oder einen erneuten Abszess bekäme?
In ihrem Urlaub, fernab der Heimat und unseren Zugriffsmöglichkeiten.

Wie würde Sie reagieren?
Und würde Sie sich noch an die Inhalte unseren langen Erstuntersuchung und unseres langen Aufklärungsgespräches  (allein über 30 Minuten für Letzteres) erinnern ?

Gäbe es Juristische Konsequenzen? Jameda Hass-Kommentare ?

Letztendlich verlief die Erstbehandlung unkompliziert, wenn man davon absieht, dass die Patientin ihre Termine wiederholt kurzfristig absagte oder verschob.
Oder nicht einhalten konnte.

Grundvoraussetzung für mich, eine Therapie solch großer bakteriell induzierter Knochendefekte betreffend, ist die lange Liegedauer der medikamentöser Einlage (16 Wochen)  Und für mich kommt aus der jahrelangen extrem positiven Erfahrung heraus hier nur Metapex in Frage. In der abschliessenden kritischen Bewertung werde ich zu gegebener Zeit ( der Fall ist noch nicht abgeschlossen, demnach keine Sonntags- Fall, im Gegenteil eine Trapeznummer- Endo (ohne Sicherheitsnetz) auf die „Zysten“ – Problematik und auf den Problemkreis „Extraradikuläre Infektion“ detailliert eingehen.

Bis dahin sei angemerkt, daß 7 Monate später sich die Patientin  erneut bei uns vorstellte.   Das angefertigte Kontrollröntgenbild zeigt bei optimistischer Interpretation einer Verbesserung der Knochensituation, diese Einschätzung ist vielleicht aber auch nur unserem Wunschdenken geschuldet.

Die Patientin war in all der Zeit beschwerdefrei.

Wie sollte man  weiter verfahren ?

p.s: In den Kommentaren tauchte die Frage auf, ob ich die Patienten in solchen Fällen über das Vorhandensein einer Zyste aufkläre.  Aus aktuellem Anlass kann ich an dieser Stelle anführen, dass es sich im vorliegenden Fall auf gar keinen Fall um eine Zyste handeln kann.

Woher ich das weiss?
Darüber hat mich der Kollege im Wirtschaftlichkeits-Beratungsgespräch Anfang März umfassend belehrt. Ich werde in einem weiteren Beitrag zur Wirtschaftlichkeitsprüfung nächste Woche berichten.

In four U.S. state prisons, nearly 3,300 inmates test positive for coronavirus — 96% without symptoms

(Reuters) – When the first cases of the new coronavirus surfaced in Ohio’s prisons, the director in charge felt like she was fighting a ghost.

“We weren’t always able to pinpoint where all the cases were coming from,” said Annette Chambers-Smith, director of the Ohio Department of Rehabilitation and Correction. As the virus spread, they began mass testing.

They started with the Marion Correctional Institution, which houses 2,500 prisoners in north central Ohio, many of them older with pre-existing health conditions. After testing 2,300 inmates for the coronavirus, they were shocked. Of the 2,028 who tested positive, close to 95% had no symptoms.

“It was very surprising,” said Chambers-Smith, who oversees the state’s 28 correctional facilities.

As mass coronavirus testing expands in prisons, large numbers of inmates are showing no symptoms. In four state prison systems — Arkansas, North Carolina, Ohio and Virginia — 96% of 3,277 inmates who tested positive for the coronavirus were asymptomatic, according to interviews with officials and records reviewed by Reuters. That’s out of 4,693 tests that included results on symptoms.

The numbers are the latest evidence to suggest that people who are asymptomatic — contagious but not physically sick — may be driving the spread of the virus, not only in state prisons that house 1.3 million inmates across the country, but also in communities across the globe. The figures also reinforce questions over whether testing of just people suspected of being infected is actually capturing the spread of the virus.

“It adds to the understanding that we have a severe undercount of cases in the U.S.,” said Dr. Leana Wen, adjunct associate professor of emergency medicine at George Washington University, said of the Reuters findings. “The case count is likely much, much higher than we currently know because of the lack of testing and surveillance.”

Some people diagnosed as asymptomatic when tested for the coronavirus, however, may go on to develop symptoms later, according to researchers.

The United States has more people behind bars than any other nation, a total incarcerated population of nearly 2.3 million as of 2017 — nearly half of which is in state prisons. Smaller numbers are locked in federal prisons and local jails, which typically hold people for relatively short periods as they await trial.

State prison systems in Michigan, Tennessee and California have also begun mass testing — checking for coronavirus infections in large numbers of inmates even if they show no sign of illness — but have not provided specific counts of asymptomatic prisoners.

Tennessee said a majority of its positive cases didn’t show symptoms. In Michigan, state authorities said “a good number” of the 620 prisoners who tested positive for the coronavirus were asymptomatic. California’s state prison system would not release counts of asymptomatic prisoners.

Each state manages multiple prison facilities. Ohio, for instance, has 49,000 prisoners in 28 facilities. A total 3,837 inmates tested positive for the coronavirus in 15 of those facilities. But the state has not yet provided results on symptoms for 1,809 of them and did not identify the total number of tests conducted across the prison system.

Arkansas and Tennessee have also taken a targeted approach by conducting mass testing in several of their facilities. Michigan, North Carolina, California and Virginia have started with one facility each.

Most state prisons did not provide the age or other demographic details of those who tested positive for the coronavirus, which has killed more than 200,000 people globally, including more than 53,000 in the United States.

Kurventechnik

von Jörg Schröder

Ein jeder von uns hat sicher eine oder mehrere Vorgehensweisen, wenn es um die mechanische Aufbereitung star und multiplanar gekrümmter Kanalsysteme geht.

Ich möchte heute eine meiner Techniken vorstellen.

Die Ausgangssituation:

Anbehandelter Zahn 26, nicht aufbereitete MB1 und MB2, Verdacht auf Perforation im Pulpakammerboden.

Im präoperativ angefertigten DVT konnte eine Perforation ausgeschlossen werden. MB1 und MB2 lagen weit mesial unter der medialen Randleiste. Die klinisch anzutreffende Situation – neben MB2 zeigte sich zunächst noch ein möglicher MB3 – war ebenfalls präoperativ zu erkennen. Ab dem oberen Wurzeldrittel konnte nur noch ein MB2 nach apikal verfolgt werden. Es lagen getrennte Foramina für MB1 und MB2 vor.

Mit diesen Eckpunkten versehen war meine Feilenabfolge klar:

ProFile 15/04, 20/04, 15/06 in 21 mm. Warum die kurzen? Die präoperativ bestimmte Arbeitslänge von 20,5 bis 21 mm kann mit diesen, verwendet man wie ich die Silikonstopps, nicht aufbereitet werden. Die kurzen Instrumente lassen sich besser in die Zugangskaität einbringen und können den initialen Kanalabschnitt der weit mesial gelegenen Kanäle MB1 und MB2 achsengerechter aufbereiten, als es mit den 4 mm längeren Feilen möglich wäre. Zudem habe ich eine bessere taktile Rückmeldung, wie sich das Instrument nach apikal vorarbeitet. Auf ein Scouten habe ich aufgrund des Ausschlusses einer lateralen Verzweigung oder einer Kommunikation verzichtet.

Nunmehr beobachte ich das Vorarbeiten der  Instrumente auf meine zuvor bestimmte Ziellänge. Ein Sicherheitsbehalt von je nach Fall 0,5 bis 1 mm ist dabei berücksichtigt. Praktisch bleibe ich vor der ersten endometrischen Messung mit einer ISO 008 der späteren Arbeitslänge bis zu einem Querschnitt von 20/04 fern.

Ist die Arbeitslänge bestimmt und mit einer PF 20/04 erreicht gibt es im Aufbereitungsweg eine Weggabelung: Geht die 27=4 und 15/06 geschmeidig auf die Arbeitslänge, so kommt  in den sehr gekrümmten Kanälen eine HyFlex 15/04 zum Einsatz. Warum keine 20/04 oder gar 25/04? weil die 20/04 ProFile keine  mit der HyFlex 20/04 identische Aussenmasse aufweist. Die ProFile 10/04 ist geringfügig schmaler. Also einen Schritt zurück und mit 15/04 HF auf Arbeitslänge. Dann 20/04 Hyflex. Geschmeidig auf Arbeitslänge?

Ja: 20/06 HF, 25/06 HF, 30/04 HF und 30/06 HF.

Nein: 25/04 HF, 20/06 HF, 30/04 HF, 25/06 HF, 30/06 HF.

Diese, an die „variable tip variable taper-Technik“ (die Älteren erinnern sich vielleicht noch) angelehnte Technik sorgt zusammen mit der Flexibilität der HyFlex-Instrumente dafür, dass die Originalkrümmung sehr gut behalten werden kann.

Bei dieser Art von Krümmungen – auch in DB gibt es apikal eine kleine rückläufige Kurve – ist zudem eine regelmässiges Rekapitulieren der Patency sinnvoll und wichtig. Mir reicht dazu eine ISO 008.

Die endometrische Anzeige, war bei DB bei der Vorbereitung der Messaufnahme nicht ganz reproduzierbar, da die als letzte eingeführte DB-Feile immer wieder Kontakt mirt den anderen, schon inserierten Feilen hatte. Nach erneuter Einzelprüfung wurde die AL um 0,5 mm verlängert und mehrfach endometrisch bestätigt. Den Unterschied erkennt man an DB zwischen der Messaufnahme und der Einprobe der Masterpoints.

 

 

Submuköser Abszess 33

Dem Patienten wurde angeraten sich bei uns vor zu stellen. Eine Überweisung hatten wir nicht.
Klinisch zeigte sich ein Zustand nach Inzision eines Abszesses Regio 32-34 mit Pusaustritt. Die Schwellung und die Beschwerden waren, laut Aussage des Patienten zurück gegangen.
Am Zahn 34 imponierte eine multiple Fistelung und im gesamten UK Bereich eine plaque-assoziierte Gingivitis.

Das OPTG zeigt mehrere Osteosyntheseplatten im Unterkiefer links. Diese wurden in Folge einer Unterkieferfrakltur vor 20 Jahren inseriert. Der Patient gibt ein Taubheitsgefühl in der Lippe bis zum Kinn ca. pflauemngroße Ausdehnung im Bereich des N. mentalis seit dem Unfall an. Röntgenbilder und Unterlagen zu dem Unfall waren nicht mehr auffindbar.

Die Sensibilitätsprüfung der Zähne 31-35 erfolgte elektronisch und auf Kälte. Die Ergebnisse waren durchweg negativ.
Die Zähne 32, 33, 35 zeigten erhöhte Sondierungstiefen und einen Lockerungsrad von I-II, 34 von II-III. Vor 2 Jahren wurde eine Osteosyntheseschraube Regio 33 von einem Oralchirurgen entfernt.

Und nun?

DVT – Stellen die Osteosyntheseplatten eine Artefaktgefahr dar, die die apikale Situation unzureichend darstellt?

Oder Probetrepanation?

 

Notwendigkeit von 3D-Röntgen im Frontzahnbereich ?

20200504-KK11-X-20190827-120003-XVO80MTHCSG-4Ein Zahn 11.
Das Einfachste überhaupt.

Braucht´s überhaupt ein Röntgenbild???
Könnte man ketzerisch fragen.
Naja, zumindest kein neumodisches dreidimensionales für einen Routinefall wie ihn nunmal ein Oberkieferfrontzahn darstellt.

3D-Röntgen ist Übertherapie. Geldmacherei. Körperverletzung.

Das Dumme ist nur.
Wer dentale DVT´s von Berufs wegen immer wieder routinemäßig betrachtet und darüber hinaus nicht nur den zu behandelnden Zahn, sondern auch rechts und links davon schaut, der wird (eine adäquate Qualität des DVT´s vorausgesetzt) Tag für Tag eine Menge Dinge sehen, welche die konventionelle 2D- Röntgendiagnostik nicht erkennen lässt. Und das können auch jede Menge Besonderheiten oder therapierelevante Details sein an einem ach so einfachen mittleren Schneidezahn.

Apikale Aufhellungen, Wurzelresorptionen, Seitenkanäle. Und dann wäre noch die Frage der Behandlungsplanung, der prognostischen Einschätzung, unterschiedliche Therapiekonzepte betreffend.

Im vorliegenden Fall erlitt die Patientin, heute 28 Jahre alt, mit 8 Jahren einen Unfall.
Die letzten 20 Jahre blieb der Zahn klinisch unauffällig.

Vor ca. 5-6 Wochen Vorstellung beim Hauszahnarzt wegen vestibulärer Schwellung in Regio 11, 12. Dort erfolgte eine Inzision und eine antibiotische Abdeckung. Der parallel behandelnde Kieferorthopäde, bei dem die Patientin seit 3 Jahren mit einer Invisalign- Therapie anhängig ist, empfahl einen ortsansässigen endodontischen Spezialisten. Dieser riet zur Trepanation als zeitnahe Sofortmaßnahme (ein Urlaub, nicht des Behandlers, sondern der Patientin stand kurz bevor) und nachfolgender WSR.

Und jetzt (der Urlaubstermin und die damit verbundene Flugreise war noch näher gerückt) saß die Patientin (ein prototypisches Millenial-Exemplar, selbstbewusst, fordernd) bei uns zur Beratung.

Fordernd heißt in dem Zusammenhang, es handelt sich um eine Patientin, die jede Leistung und den garantierten Behandlungserfolg als selbstverständlich ansieht, aber wehe, es gestaltet sich nicht so, wie gewünscht, wie vorgestellt. Selbstverständlich möchte die Patientin auch auf die Minute genau drankommen, wenn sie selbst sich aber um 25 Minuten verspätet ist das lediglich einen knappen Nebensatz wert. Und natürlich ohne auch nur ein  floskelhaftes „Tut mir leid“. Wozu auch, tut es ja auch nicht, insofern konsequent.

So, das wär geklärt. Nur damit der werte Leser im Bild ist.

Wir betrachteten zusammen das angefertigte DVT.
Und ich gebe die Frage der Patientin an das Auditorium  weiter ?

Was tun?
Und worauf ist besonders zu achten?
Bei der Durchführung der Therapie, gegebenenfalls auch im Rahmen der Aufklärung vorab?

 

Unvollendete

von Jörg Schröder

Ein Patient, zwei Prämolaren mit unterschiedlicher Ausgangssituation.

Gemeinsamkeit bestand nur hinsichtlich der Anbehandlung in einer Universitätszahnklinik.

Während die beiden Kanalsysteme des 14 im koronalen Drittel instrumentiert waren, stellten sich die weiteren Kanalverläufe als multiplanar gekrümmt und extrem obliteriert dar.

Meine Lieblingsvorgehensweise: die beinahe schon antiquiert zu bezeichnenden ProFile-Instrumente in der Abfolge 15/04, 20/04 15/06. Nach Erreichen des Foramens erfolgte die finale Aufbereitung mit HyFlex CM. Da die erste Messaufnahme zeigte, dass das in P eingebrachte Instrument (bei mir in P oder L immer eine M2-Feile) bei der Aufnahme dissoziiert worden sein könnte, wurde eine zweite Aufnahme mit um eine ISO-Größe größerer ProFile angefertigt. Mehr Durchmesser, besserer Halt.

Auch 15 wies 2 Kanalsysteme auf. Die Obturation endete am Beginn der nach mesiopalatinal verlaufenden aikalen Krümmung. Angesichts der an dieser Stelle konferierenden Kanalsystem keine Überraschung, konnte doch der apikale Kanalabschnitt erst nach „Auflösen“ der Dentinbrücke zwischen B und P instrumentiert werden. Zudem wurde die Zugangskavität nach distal erweitert. Der ebenfalls stark eingeengte apikale Kanalabschnitt konnte so wiederum mit der ProFile-Sequenz aufbereitet werden.

Zuvor wurde der merkwürdigerweise nur in P vorhandene Thermafill-Carrier mit der „Braiding-Technik“ entfernt.

 

 

COVID-19-Sterbezahlen bilden Auswirkungen der Pandemie nur unvollständig ab

Norditalien

COVID-19-Sterbezahlen bilden Auswirkungen der Pandemie nur unvollständig ab

Einer Untersuchung der Charité zufolge sind in der norditalienischen Gemeinde Nembro allein im März 2020 mehr Einwohner gestorben als im gesamten vergangenen Jahr. Nur rund die Hälfte der im Frühjahr verstorbenen Menschen waren jedoch als COVID-19-Todesfälle gemeldet. Die Studie unterstreicht, dass die gesundheitlichen Auswirkungen der Pandemie deutlich über die offiziellen COVID-19-Sterbezahlen hinausgehen können – und ein Blick auf die Gesamtsterblichkeit zur Einschätzung der Situation wichtig ist. Die Untersuchung ist im Fachmagazin The BMJ* veröffentlicht.

Die Gesamtsterblichkeit in Nembro (mit ISTAT-Daten).
© Piccininni & Gutwasser / Charité

Die Lombardei in Norditalien gehört zu den am schwersten von der Coronavirus-Pandemie betroffenen Regionen in Europa. Trotz der hohen offiziellen COVID-19-Sterbezahlen zum Höhepunkt der Infektionswelle entstand vor Ort der Eindruck, dass diese Zahlen die beobachtete Belastung des Gesundheitssystems nicht vollständig erklären konnten. So auch in Nembro, einer Gemeinde mit rund 11.500 Einwohnern in der Provinz Bergamo. Um die tatsächlichen Auswirkungen der Pandemie auf das dortige Gesundheitssystem besser zu quantifizieren, hat ein Forschungsteam unter Leitung von Prof. Tobias Kurth, Direktor des Instituts für Public Health (IPH) der Charité, die lokale Sterblichkeit unabhängig von der Todesursache untersucht. Das Ergebnis der in Zusammenarbeit mit dem Mailänder Centro Medico Santagostino entstandenen Studie: Während des stärksten Infektionsgeschehens im Frühjahr 2020 starb noch einmal dieselbe Anzahl an Menschen, wie bekanntermaßen im Zusammenhang mit dem Virus verstorben waren.

Für die präzise epidemiologische Berechnung der ursachenunabhängigen Sterberate – der sogenannten Gesamtsterblichkeit – nutzten die Wissenschaftler Daten aus dem Zeitraum zwischen Anfang 2012 und Mitte April 2020, die aus mehreren Quellen stammten: dem Italienischen Statistikamt (ISTAT), dem Einwohnermeldeamt von Nembro sowie dem COVID-19-Dashboard der Lombardei. „Nembro ist ein kleiner Ort mit einer sehr stabilen Bevölkerungsstruktur und wenig Zu- oder Wegzug“, erklärt Prof. Kurth. „Zusammen mit den sehr guten Datenquellen bot er besonders geeignete Voraussetzungen für eine verlässliche deskriptive epidemiologische Analyse zu der Frage, welche Auswirkungen ein unübersichtliches Infektionsgeschehen während der COVID-19-Pandemie auf die Gesundheit der Bevölkerung haben kann.“

Der statistischen Analyse zufolge waren in den letzten Jahren in der Gemeinde für gewöhnlich etwas mehr als 100 Menschen gestorben. Beispielsweise gab es in den Jahren 2018 und 2019 insgesamt jeweils 128 bzw. 121 Todesfälle. Dagegen starben in den dreieinhalb Monaten zwischen dem 1. Januar 2020 und 11. April 2020 in Nembro 194 Personen, davon allein 151 im März. Umgerechnet ergibt das eine monatliche Gesamtsterblichkeit von rund 154 Todesfällen pro 1000 Personenjahre im März 2020 – das sind fast elfmal so viele Tote wie im März des Vorjahres, als es 14 Todesfälle pro 1000 Personenjahre gab. Der größte Anstieg der Todesfälle während der Infektionswelle wurde bei Personen ab einem Alter von 65 Jahren verzeichnet, insbesondere bei Männern. 14 der Verstorbenen waren jünger als 65 Jahre.

„Diese sehr massive Erhöhung der Sterberate im März 2020 können wir vor dem Hintergrund der sonst sehr stabilen Gesamtsterblichkeit in Nembro nur als Folge der Coronavirus-Pandemie werten“, sagt Marco Piccininni, Wissenschaftler am IPH und Erstautor der Studie. Von den während der Infektionswelle (Ende Februar bis Anfang April) gestorbenen 166 Menschen waren aber nur 85 positiv auf das Coronavirus getestet und offiziell als COVID-19-Todesfälle gemeldet worden. „Das ist eine enorme Diskrepanz, die zeigt: Die Folgen der Pandemie für die Gesundheit der Bevölkerung in Nembro waren deutlich gravierender, als die gemeldeten COVID-19-Sterbefälle andeuten“, erklärt Piccininni. Die Gründe für diese Diskrepanz sehen die Autoren der Studie hauptsächlich in zwei Faktoren: Zum einen ist es wahrscheinlich, dass nicht alle Coronavirus-Infizierten als solche erkannt wurden – etwa weil das Testmaterial knapp war und nicht alle Verdachtsfälle labordiagnostisch getestet wurden. Ein zweiter Grund könnte darin liegen, dass Menschen mit anderen Erkrankungen schlechteren Zugang zur Krankenversorgung hatten: entweder weil die Kapazität des Gesundheitssystems schon durch COVID-19-Fälle ausgeschöpft war oder weil sie aus Sorge vor einer Infektion das Krankenhaus nicht aufsuchen wollten.

„Für eine präzise Abschätzung der gesundheitlichen Auswirkungen der Pandemie dürfen wir also nicht ausschließlich auf die bestätigten COVID-19-Sterbezahlen schauen“, betont Prof. Kurth. „Um vor Ort die geltenden Eindämmungsmaßnahmen besser an die Situation anpassen zu können, sollten zusätzlich aktuelle Daten zur regionalen Gesamtsterblichkeit berücksichtigt werden. Leider sind Daten zur Gesamtsterblichkeit nicht überall zeitnah abrufbar. Ich begrüße, dass vorläufige Daten für Deutschland seit Kurzem zur Verfügung stehen.“

*Piccininni M, Rohmann JL et al., Use of all cause mortality to quantify the consequences of covid-19 in Nembro, Lombardy: descriptive study. BMJ 2020;369:m1835. doi: 10.1136/bmj.m1835

Infektionswelle in Nembro
Nembro meldete Ende Februar die ersten Coronavirus-Fälle, ergriff erste Maßnahmen zur Kontaktbeschränkung und wurde am 8. März Teil einer sogenannten Roten Zone, die niemand betreten oder verlassen durfte. Die Einwohner konnten ihre Wohnungen nur noch in Ausnahmefällen – wie zum Einkaufen von Lebensmitteln – verlassen. Bis zum 11. April stieg die Zahl der bestätigten Coronavirus-Infizierten auf 218. 85 von ihnen waren bis zum 16. April gestorben. Die Gesamtsterblichkeit nahm im April – vermutlich hauptsächlich durch die strengen Isolationsmaßnahmen – wieder ab.

Seltenere Anomalie – Recall

Von Christoph Kaaden

Letztes Jahr habe ich hier und hier von der Behandlung eines Dens invaginatus berichtet.

Vor Kurzem haben wir von der zuweisenden Praxis das Kontrolle-Röntgenbild sechs Monate nach Abschluss erhalten.

Es sieht aus, als wäre die Behandlung erfolgreich gewesen.

Dens invaginatus_Recall.001

Recall sechs Monate nach Behandlungsabschluß

 

 

 

Ingestion eines Polierers

Von Christoph Kaaden

Ende letzter Woche kontaktierte mich eine unserer treuesten Zuweiserinnen, um mich von einer Komplikation während der Behandlung eines gemeinsamen Patienten (pensionierter Allgemeinmediziner) zu unterrichten.

Laut ihrer Angabe hatte sich bei der finalen Politur der frisch eingesetzten Implantatkrone der Silikonpolierer  aus dem Winkelstück gelöst und sei dann in der Mundhöhle „verschwunden“.

Der Patient wurde daraufhin aufgesetzt und gebeten den Polieren mittels Wasser auszuspülen.

Leider fand sich das Objekt so nicht und es wurde von einer Ingestion ausgegangen (da ansonsten keine weiteren Symptome bestanden).

Verschlucken eines Polierers.001

Vergleichbarer Polierer

 

Aufgrund seines medizinischen Hintergrundes zeigte sich der Patient stark verängstigt und veranlasste selbstständig eine zeitnahe Gastroskopie zur Klärung der näheren Umstände…

 

Ich habe diesen Zwischenfall zum Anlass genommen mich mit der Thematik etwas eingehender zu beschäftigen.

Welches Vorgehen ist obligat? Genau welche Maßnahmen erfordert ein solcher Zwischenfall? Welche weiteren Untersuchungen sind indiziert ?

Ein Blick in die Literatur bringt Aufklärung:

Verschlucken eines Polierers.002

In dem Artikel: Aspiration und Verschlucken von Fremdkörpern“ von Zitzmann et al (Schweiz Monatsschr Zahnmed, Vol 110: 6/2000) heißt es dazu:

Verschlucken von Fremdkörpern

Während einige verschluckte Fremdkörper akuten Handlungsbedarf erfordern, ist bei anderen Objekten ein eher zurückhaltendes Vorgehen indiziert.

Die Entscheidung, ob die Entfernung des Fremdkörpers notwendig wird, hängt im Wesentlichen ab von der Grösse, der äusseren Form, der Art des Objektes und seiner Lokalisation.

Da scharfe, spitze und lange Objekte vielfach die Kurvaturen des Duodenums nicht passieren können, sich dort verkeilen und Perforationen verursachen, ist die rechtzeitige Entfernung dieser Objekte unbedingt vorzunehmen.

Bei Erwachsenen ist die Endoskopie ab einer Objektlänge von etwa 10 cm, bei Kindern ab 6 cm, indiziert.

Stumpfe oder gerundete Objekte, deren Durchmesser 2,5 cm überschreiten, sollten ebenfalls durch Gastro-Duodenoskopie entfernt werden, da sie möglicherweise den Pylorus nicht passieren können. Wird das sofortige Entfernen des Fremdkörpers ver- säumt und kommt es zur Impaktion des Objektes, so können Wochen oder sogar Jahre vergehen, bis Symptome auftreten, die von frühzeitiger Sättigung und postprandialem Erbrechen bis hin zu Gewichtsverlust reichen. Auch die Impaktion im Bereich des Ösophagus, der 4 physiologische Verengungen (oberer Ösophagus-Sphinkter, Kompression durch den Aortenbogen und durch den linken Hauptbronchus, Zwerch- fell-Durchtritt) als mögliche Impaktionsstellen aufweist, indiziert die Entfernung des Fremdkörpers.

Verschlucken eines Polierers.004

Die Komplikation kann sogar zur Notfallsituation eskalieren, wenn das Objekt auf die ventral gelegene Trachea drückt.

Ist der Fremdkörper durch das Heimlich-Manöver nicht zu lösen, so ist unverzüglich die Endoskopie einzuleiten. Der Einsatz flexibler Endoskope, mit Hilfe derer Objekte bis in den distalen Bereich des Duodenums erreicht werden, erlaubt die Fremdkörper-Entfernung beim ambulanten Patienten. Die starre Endoskopie muss unter Anästhesie oder tiefer Sedierung des Patienten durchgeführt werden und kann zur Entfernung scharfer Objekte indiziert sein, um die Gefahr der Perforation zu minimieren. Hat der Fremdkörper bereits das Duodenum erreicht, so passiert das Objekt in der Regel auch den Rest des Intestinaltraktes innerhalb mehrerer Tage oder Wochen. Die röntgenologische Überwachung der Objektbewegung mittels wöchentlicher abdomi- naler Röntgenaufnahmen ist ratsam. Während dieser Zeit sollte der Patient zur Identifizierung des Objektes den Stuhl sammeln. Empfehlungen spezieller Diäten, die die Passage des Fremdkörpers unterstützen oder beschleunigen könnten, sind bislang nicht durch wissenschaftliche Daten belegt. Von der Verwendung von Abführmitteln ist unbedingt abzusehen, da die erhöhte peristaltische Kontraktion des Darms eine mögliche Perforation nur forciert. Entlang des Intestinaltraktes kann es im Bereich physiologischer oder pathologischer Verengungen zur Impaktion des Fremdkörpers in den Schleimhautfalten der Darmmukosa kommen. Häufige Impaktionsstellen sind der Pylorus, das Treitz’sche Ligament, die Ileozökalklappe, die rektosigmoidale Übergangszone und der Anus.

Ist das verkeilte Objekt mittels Rekto- bzw. Kolonoskopie nicht zu erreichen, so kann die chirurgische Intervention notwendig werden. Diese ist auch indiziert, sobald Hämorrhagien, intestinale Obstruktion oder Perforationen nachgewiesen werden. Liegt die Komplikation bereits längere Zeit zurück und wird nicht unmittelbar in Zusammenhang mit dieser gebracht, so ist die korrekte Diagnose der intestinalen Perforation vielfach erschwert und verzögert. Je nach Intensität der Kontamination des Peritonealraumes und der Abwehrbereitschaft des Patienten schreitet die Pathologie der intestinalen Perforation fort und kann zu Abszessen, generalisierter Peritonitis oder Blutungen in den Peritonealraum führen.

Das Fazit des Artikels lautet daher:

 Verschwindet ein Objekt im Oropharynx, so sind mit Hilfe der radiologischen Diagnostik eine Aspiration unbedingt auszuschliessen und die notwendigen Massnahmen durch den Spezialisten zu ergreifen. Den Patienten in dieser Situation nach Hause zu entlassen, im Glauben, das Objekt sei verschluckt worden und finde seinen natürlichen Weg durch den Intestinaltrakt, ist als Unterlassung einzustufen und kann lebensbedrohliche Folgen haben.

Auch das Verschlucken von Fremdkörpern bedarf der korrekten Diagnose und erfordert – abhängig von Form und Kontur des Objektes – ein mehr oder weniger invasives Vorgehen zum Schutz des Patienten.

Nicht zuletzt aus forensischen Gründen ist eine genaue klinische, röntgenologische und administrative Verlaufskontrolle unabdingbar.

Es gilt also alles dafür zu tun, dass eine solche Komplikation möglichst vermieden wird. Zukünftig werde ich also vor dem Start eines Polierers (oder ähnlichem) dessen korrekte und eingerastete Position im Winkelstück kontrollieren.

Sollte es doch zu diesem Zwischenfall kommen empfiehlt sich dieses Vorgehen:

Verschlucken eines Polierers.003

 

Der Volltext zu dieser Thematik finden Sie hier.

Ergebnisse der „Heinsberg-Studie“ veröffentlicht

Bonner Forschungsteam ermittelt Sterblichkeitsrate der SARS-CoV-2-Infektion


Der Kreis Heinsberg in Nordrhein-Westfalen gilt als Brennpunkt für das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2. Nach einer Karnevalssitzung kam es dort zu einer in Deutschland frühen und massenhaften Ausbreitung des Erregers. Im Rahmen der Studie hatte ein Forschungsteam um Prof. Dr. Hendrik Streeck und Prof. Dr. Gunther Hartmann von der Universität Bonn in der Ortschaft Gangelt eine große Zahl von Einwohnern befragt, Proben genommen und analysiert. Dabei wurde unter anderem erstmals die Sterblichkeitsrate der Infektion genau bestimmt. Die Ergebnisse der Studie sind vorab veröffentlicht worden und werden nun der Wissenschaft und der Öffentlichkeit vorgestellt. Eine Publikation in einem Fachjournal mit Peer-Review-Verfahren folgt.


Prof. Dr. Hendrik Streeck, Direktor des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Bonn
Im Zentrum der Studie steht die Sterblichkeitsrate der Infektion (sog. Infektionssterblichkeit, infection fatality rate, IFR), die den Anteil der Todesfälle unter den Infizierten angibt. Diese muss von der Fallsterblichkeit unterschieden werden (case fatality rate, CFR). Die IFR ist aus verschiedenen Gründen der verlässlichere Parameter, und dessen Bestimmung wird international für SARS-CoV-2 gefordert. „Mit unseren Daten kann nun zum ersten Mal sehr gut geschätzt werden, wie viele Menschen nach einem Ausbruchsereignis infiziert wurden. In unserer Studie waren das 15 Prozent für die Gemeinde Gangelt. Mit der Gesamtzahl aller Infizierter kann die Infektionssterblichkeit (IFR) bestimmt werden. Sie liegt für SARS-CoV-2 für den Ausbruch in der Gemeinde Gangelt bei 0,37 Prozent“, sagt Studienleiter Prof. Dr. Hendrik Streeck, Direktor des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Bonn. Mit der IFR lässt sich anhand der Zahl der Verstorbenen auch für andere Orte mit anderen Infektionsraten abschätzen, wie viele Menschen dort insgesamt infiziert sind. Der Abgleich dieser Zahl mit der Zahl der offiziell gemeldeten Infizierten führt zur sogenannten Dunkelziffer. Diese ist in Gangelt rund fünffach höher als die offiziell berichtete Zahl der positiv getesteten Personen. Legt man für eine Hochrechnung etwa die Zahl von fast 6.700 SARS-CoV-2-assoziierten Todesfällen in Deutschland zugrunde, so ergäbe sich eine geschätzte Gesamtzahl von rund 1,8 Millionen Infizierten. Diese Dunkelziffer ist um den Faktor 10 größer als die Gesamtzahl der offiziell gemeldeten Fälle (162.496 am 03.05.2020, 07:20 Uhr).


Prof. Dr. Gunther Hartmann, Leiter des Instituts für Klinische Chemie und Klinische Pharmakologie am Universitätsklinikum Bonn
„Die Ergebnisse können dazu dienen, Modellrechnungen zum Ausbreitungsverhalten des Virus weiter zu verbessern – bislang ist hierzu die Datengrundlage vergleichsweise unsicher“, sagt Co-Autor Prof. Dr. Gunther Hartmann, Leiter des Instituts für Klinische Chemie und Klinische Pharmakologie am Universitätsklinikum Bonn und Sprecher des Exzellenzclusters ImmunoSensation. Die Studie gibt auch wichtige Hinweise für weiterführende Forschung zu SARS-CoV-2, etwa zum Infektionsrisiko in Abhängigkeit von Alter, Geschlecht und Vorerkrankungen, zum höheren Schweregrad der Erkrankung unter den besonderen Bedingungen eines massiven Infektionsereignisses wie in Gangelt, oder zum Infektionsrisiko innerhalb von Familien.

20% der COVID-19 Infektionen verlaufen asymptomatisch

Auch die Symptombeschreibung ist ein Aspekt der Studie. Der für diese Infektion auffälligste Symptomkomplex ist der von Prof. Streeck zuvor beschriebene Geruchs-und Geschmacksverlust. Weiterhin zeigten in Gangelt insgesamt 22 Prozent von allen Infizierten gar keine Symptome. Es fiel auf, dass Personen häufiger Symptome hatten, die an der Karnevalssitzung teilgenommen haben. „Um herauszufinden, ob hier die körperliche Nähe zu anderen Sitzungsteilnehmern und eine erhöhte Tröpfchenbildung durch lautes Sprechen zu einem stärkeren Krankheitsverlauf beigetragen haben, planen wir weitere Untersuchungen in Kooperation mit Spezialisten für Hygiene“, führt Prof. Hartmann aus.

„Dass offenbar jede fünfte Infektion ohne wahrnehmbare Krankheitssymptome verläuft, legt nahe, dass man Infizierte, die das Virus ausscheiden und damit andere anstecken können, nicht sicher auf der Basis erkennbarer Krankheitserscheinungen identifizieren kann“, meint Prof. Martin Exner, Leiter des Instituts für Hygiene und öffentliche Gesundheit und Co-Autor der Studie. Dies bestätige die Wichtigkeit der allgemeinen Abstands- und Hygieneregeln in der Corona-Pandemie. „Jeder vermeintlich Gesunde, der uns begegnet, kann unwissentlich das Virus tragen. Das müssen wir uns bewusst machen und uns auch so verhalten“, sagt der Hygiene-Experte.

In den untersuchten Mehrpersonen-Haushalten war das Risiko für die Ansteckung einer weiteren Person überraschend gering. „Die Infektionsraten sind bei Kindern, Erwachsenen und Älteren sehr ähnlich und hängen offenbar nicht vom Alter ab“, sagt Prof. Streeck. Es gebe auch keine signifikanten Unterschiede zwischen den Geschlechtern.

Insgesamt 919 Teilnehmer aus 405 Haushalten

Insgesamt 600 zufällig ausgewählte Haushalte in Gangelt wurden angeschrieben und gebeten, an der Studie teilzunehmen. 1007 Studienteilnehmer aus 405 Haushalten wurden vom 30. März bis 6. April sechs Wochen nach dem Ausbruch der Infektion in Gangelt befragt und getestet. Die Wissenschaftler nahmen Rachenabstriche und Blutproben. In der Akutphase der Infektion in den ersten ein oder zwei Wochen ist der PCR-Test, der den „genetischen Daumenabdruck“ von SARS-CoV-2 erfasst, sehr zuverlässig. Zwei oder drei Wochen nach der Infektion bildet das Immunsystem sogenannte Antikörper gegen das Virus, die der ELISA-Test (Euroimmun) erkennt. „Durch die Kombination von PCR- und ELISA-Test können wir sowohl akute als auch abgelaufene Infektionen erfassen“, sagt Hartmann. Vorstudien zeigten, dass der ELISA-Test sich in etwa einem Prozent der durchgeführten Untersuchungen „irrt“ und fälschlicherweise eine durchgemachte Infektion anzeigt. „Bei einem hohen Prozentsatz an Infizierten wie in Gangelt tritt dieser messtechnische Unsicherheitsfaktor in den Hintergrund“, erklärt Hartmann. Bei aktuell geplanten Deutschland-weiten Studien mit einer geschätzten Infektionsrate von etwa ein bis zwei Prozent sei dieser messtechnische Unsicherheitfaktor jedoch ein Problem.

Welche Schlüsse aus den Studienergebnissen gezogen werden, hängt von vielen Faktoren ab, die über eine rein wissenschaftliche Betrachtung hinausgehen“, sagt Prof. Streeck. „Die Bewertung der Erkenntnisse und die Schlussfolgerungen für konkrete Entscheidungen obliegen der Gesellschaft und der Politik.“

In der Corona-Pandemie gelten auch beim wissenschaftlichen Publizieren andere Regeln als sonst: Renommierte wissenschaftliche Journale verlangen, dass bei der Einreichung von Arbeiten zum Thema COVID-19 das jeweilige Paper zunächst auf einem Preprint Server hochgeladen und so unverzüglich vorab der Wissenschaft und den Gesundheitsbehörden zugänglich gemacht wird (siehe: https://wellcome.ac.uk/coronavirus-covid-19/open-data). Erst dann findet das weitere Publikationsverfahren mit einer Überprüfung durch Experten im sog. Peer Review statt.

Publikation:
Infection fatality rate of SARS-CoV-2 infection in a German community with a super-spreading event Hendrik Streeck, Bianca Schulte, Beate M. Kümmerer, Enrico Richter, Tobias Höller, Christine Fuhrmann, Eva Bartok, Ramona Dolscheid, Moritz Berger, Lukas Wessendorf, Monika Eschbach-Bludau, Angelika Kellings, Astrid Schwaiger, Martin Coenen, Per Hoffmann, Birgit Stoffel-Wagner, Markus M. Nöthen, Anna-Maria Eis-Hübinger, MartinExner, Ricarda Maria Schmithausen, Matthias Schmid and Gunther Hartmann

Download: Infection fatality rate of SARS-CoV-2 infection in a German community with a super-spreading event

Was sind die wichtigsten Ergebnisse der Studie?

Prof. Hendrik Streeck: „Im Zentrum der Studie steht die Infection Fatality Rate (IFR), die den Anteil der Todesfälle unter den Infizierten angibt. Aus den Daten wurde weltweit erstmalig errechnet, dass die IFR von SARS-CoV-2 bei 0,37% liegt. Je nach mathematischen Korrekturverfahren schwankt sie zwischen 0,24% und 0,43%. Bei etwa 15 Prozent aller untersuchten Personen wurde eine Infektion mit SARS-CoV-2 nachgewiesen. Die bisher bekannte Infektionsrate in der Gemeinde Gangelt lag bei 3%. Dies bedeutet, dass fünf Mal so viele Personen in der Gemeinde Gangelt infiziert waren, wie ursprünglich ermittelt. Es wurden neben Einzelpersonen auch Haushalte untersucht um herauszufinden, ob es einen Familienclustereffekt gibt. Die Studie zeigt, dass wenn ein Haushaltsmitglied infiziert ist, die Infektionswahrscheinlichkeit für eine weitere Person abhängig von der Haushaltsgröße über dem durchschnittlichen Infektionsrisiko von 15% liegt, z.B 20% darüber bei 3-Personen Haushalten. Die Infektionsraten sind bei Kindern, Erwachsenen und Älteren sehr ähnlich und hängen offenbar nicht vom Alter ab. Außerdem gibt es in der Studie Hinweise, dass es zu schwereren Krankheitsverläufen kam, wenn die Personen Karneval gefeiert haben.“

Welche Aussagekraft haben die Ergebnisse?

Prof. Gunther Hartmann: „Die Dunkelziffer ist nur auf die Gemeinde Gangelt zu beziehen. Jedoch: Die von uns bestimmte Letalität mit dem Fehlerbereich der Berechnung ist eine Eigenschaft des Virus. Dadurch kann man zum Beispiel mit einem gewissen Fehlerbereich hochrechnen, wie viele Menschen infiziert sein können. Legt man für eine Hochrechnung etwa die Zahl von 6.700 Todesfällen in Deutschland zugrunde, die mit SARS-CoV-2 zusammenhängen, ergibt sich die Zahl von 1,8 Millionen Infizierten. Die Daten können dazu dienen, Modellrechnungen zum Ausbreitungsverhalten des Virus zu verbessern. Bislang war hierzu die Datenlage sehr unsicher.“

Was sagen Sie zu der in den Medien geäußerten Kritik an der Studie?

Diskussionen und auch Kritik sind ein wesentlicher Teil des wissenschaftlichen Erkenntnisprozesses. Zu der vom SWR verbreiteten Kritik sagt das Forschungsteam: In der Arbeit wird die Infection Fatality Rate (IFR) für den Ort Gangelt bestimmt, nicht für Deutschland. Das von uns errechnete Konfidenzintervall für die IFR in Gangelt ist korrekt. Eine Berechnung des Konfidenzintervalls für die IFR in Gesamtdeutschland müsste zusätzliche statistische Unsicherheiten einbeziehen. Dies war jedoch nicht Ziel der Arbeit und wurde von den Autoren auch nicht als solches formuliert. Bei der im Diskussionsteil der Arbeit aufgeführten Zahl von 1,8 Millionen Infizierten handelt es sich um eine rein theoretische Beispiel-Hochrechnung, die auch ganz klar als solche gekennzeichnet ist. Die Breite des Konfidenzintervalls für die IFR in Gangelt hat keinen Einfluss auf die Beispielberechnung der Zahl 1,8 Millionen. Sie hätte höchstens einen Einfluss auf ein mögliches Konfidenzintervall für die 1,8 Millionen, also auf die Schwankungsbreite der „Punkt“-Schätzung 1,8 Millionen. Eine solche Schwankungsbreite wird im Paper aber nicht aufgeführt. Insofern existieren auch keine Widersprüche in der Arbeit.

 

 

Kontakt für die Medien:
Dr. Andreas Archut
Dezernat für Hochschulkommunikation
Universität Bonn
Tel.: 0228/73-7647
E-Mail: kommunikation@uni-bonn.de

 

Quelle: https://www.uni-bonn.de/neues/111-2020

Spritzschutz für das OP- Mikroskop

Angeregt durch einen Artikel von Tomas Lang habe ich über einen Spritzschutz für unser ZEISS Pro Ergo OP- Mikroskop nachgedacht.

Dieser sollte

  1. nicht nur den Behandler, sondern gleichermaßen auch die Assistenz schützen
  2. Nicht/wenig stören
  3. Leicht zu montieren sein, idealerweise ohne Modifikationen am OPM
  4. Leicht zu entfernen sein, idealerweise während der Behandlung variierbar
  5. Gut/einfach zu reinigen
  6. kostengünstig

Herausgekommen ist das nachfolgende Produkt. Die Fotos zeigen den Aufnehmer für das Assistenz- Modul, der Schutz für die Behandler-Seite wird mit Hilfe eines Stegs montiert. Befestigt wird die gesamte Konstruktion am Strahlenteiler. An- und Abbau nehmen nur ein paar Sekunden in Anspruch. Die Visiere (Klarsichtfolie aus dem Bürobedarf DIN A3) können individuell von Behandler/Assistenz auf die eigenen Belange hin zugeschnitten werden. Sie werden mit Druckknöpfen befestigt, die Lochung erfolgt mittels einer in jeder Praxis vorhandenen geraden chirurgischen Schere. Der Drehknopf dient dazu, das Visier auf der Assistenz- Seite ins Behandlungsfeld rein und rauszuklappen. So kann man beim Arbeiten mit Spraynebel, das Visier weitestmöglich absenken, für die Assistenz in der Regel kein Problem, weil beim Präparieren mit dem Winkelstück ihre Arbeit eine eher statische ist. Klassisches Berufsbild bis in die 80er hinein. Sauger halten und sich langweilen. Was bin ich froh, dass diese Zeiten vorbei sind. Geht es dann an die eigentliche Endo mit vielen Instrumentenwechseln, kann man das Visier hochklappen, so dass es nicht mehr stört.

Wir arbeiten seit 2 Wochen damit und können berichten, dass sich erstaunlich wenig Beeinträchtigungen ergeben, wenn man bereit ist, das Gerät als solches zu akzeptieren. Wir kommen überraschend gut damit zurecht und werden es sicherlich eine ganze Zeit lang erst einmal am Mikroskop behalten.

 

 

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Die obigen Bilder zeigen die 7. Generation, denn die zugrundeliegende Idee erhält fortlaufende Änderungen und Anpassungen, die sich aus dem täglichen Arbeiten ergeben und so sukzessiv zu einer Verbesserung führen.

Angefangen hat es so.

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Und hier die gute Nachricht für alle WURZELSPITZE Plus – Unterstützer.

Wir haben uns entschieden, allen ZEISS Pro Ergo-Nutzern, die es wünschen, diese Schutzschild- Konstruktion zukommen zu lassen.

Kostenlos.
Wir übernehmen die Produktionskosten, Verpackung, Porto.
Als Dank für die Unterstützung dieser Plattform.

Nur die Schutzfolie als Verbrauchsmaterial muss noch von der Praxis besorgt werden, dann kann es losgehen. Wer möchte, der möge bitte seinen Name und seine Postanschrift unter  „Kommentare“ eintragen.

p.s.: Und das hier könnte die nächste Evolutionsstufe darstellen.  Modifiziert für das Arbeiten mit dem OPM.

 

 

Wer hat sich dieses Röntgenbild vom Dienstag dieser Woche genauer angeschaut ?

Wer hat sich dieses Röntgenbild vom Dienstag dieser Woche genauer angeschaut ?

Mich würde nämlich interessieren, wie man hier verfahren sollte.

Eigentlich würde mich sogar vor allem interessieren, was sieht man hier?
Ohne DVT.  So wie wir es ja die letzten100 Jahre in der Zahnmedizin auch geschafft haben. Insbesondere bei Frontzähnen, die ja keine besondere Anatomie aufweisen.  Am Dienstag werde ich über der Fall berichten, also los, überschüttet mich mit euren Mutmaßungen und Therapievorschlägen.

Sturz im Bad (I)

Von Christoph Kaaden

 

Obgleich horizontale Wurzelfrakturen zu den sehr seltenen Zahnverletzungen zählen scheinen Patienten mit dieser Unfallart in dieses Jahr  vermehrt den Weg in unsere Praxis zu finden.

Vor Kurzem war es ja dieser Fall..

Heute möchte ich Ihnen die Situation der 17-jährigen Magdalena vorstellen. Das junge Mädchen erlitt vor einigen Wochen im Badezimmer eine vasovagale Synkope und stürzte in der weiteren Folge.

Das Resultat dieses Traumas verdeutlicht das alio loco angefertigte Röntgenbild.

Horizontale Wurzelfraktur 11 und 21_Magdalena.001

Der initial behandelnde Zahnarzt überwies die junge Patientin daraufhin in eine implantolgische Praxis der Münchner Innenstadt.

Einer der dort tätigen Implantologen schätze die Situation für eine mögliche „chirurgische Lösung“ aufgrund des Patientenalters und weiterer Begleitumstände (Diabetes Typ I, Bulämie)  als sehr ungünstig ein.

Daher erfolgte die Bitte einer Zweitevaluation durch uns.

Klinisch stellte sich die Situation zwei Tage nach Trauma in unserer Praxis wie folgt dar:

Horizontale Wurzelfraktur 11 und 21_Magdalena.002

Zustand nach Erstversorgung und Schienung alio loco

Zahn 11 hatte neben der „Wurzelproblematik“ auch eine unkomplizierte Kronenfraktur erlitten. Die Sensibilität des Zahnes war negativ. Die restlichen Zähne reagierten positiv auf Kältestimulation.

In der von uns angefertigten 3D-Darstellung liessen sich die Verläufe der Bruchspalten exakt beurteilen:

Horizontale Wurzelfraktur 11 und 21_Magdalena.003Horizontale Wurzelfraktur 11 und 21_Magdalena.004

Wie sollte es ihrer Meinung nach weitergehen?

Ich weiss, wir wollen alle nix mehr hören zum Thema, aber das hier ist interessant und wichtig

MEHR ALS EINE GRIPPE:Wie Covid-19 tötet

Covid-19 ist weit mehr als eine bloße Atemwegsinfektion. Erste Autopsie-Studien zeigen, worauf klinische Berichte bereits hindeuteten: Das neue Coronavirus greift nicht nur Lungenzellen an, sondern auch das Gefäßsystem und verschiedenste Organe.

»Wir haben sehr schwere, blutgestaute Lungen mit ausgeprägten Ödemen gesehen«, sagt Alexander Tzankov vom Universitätsspital Basel. Der Pathologe hat eine der ersten Autopsie-Studien an Covid-19-Toten durchgeführt. Was er und sein Team fanden, sei erstaunlich, berichtet der Forscher. »Überrascht haben uns auch Verschlüsse der kleinen Gefäße der Lunge, des Darms und der Nieren, die wir unter dem Mikroskop gefunden haben.«

17 Männer und 4 Frauen zwischen 53 und 91 Jahren haben Tzankov und seine Kollegen untersucht. Die Vorerkrankungen der Toten klingen typisch für die Covid-19-Risikogruppen: Alle hatten Bluthochdruck, viele Gefäßschäden (Atherosklerose), etwas weniger als die Hälfte waren Raucher, drei Viertel fettleibig, etwa ein Drittel mit Diabetes, einige mit Leber- oder Nierenschäden, drei mit der Lungenkrankheit COPD. Die Ergebnisse sind in der Zeitschrift »Histopathology« erschienen.

Die Verschlüsse der kleinen Blutgefäße seien besonders auffällig, da alle Patienten mit diesen Mikrothrombosen Gerinnungshemmer bekommen hatten. »Es muss da einen starken Stimulus gegeben haben, der Blutgerinnsel hervorgerufen hat«, sagt Tzankov. Außerdem fanden die Pathologen aus Basel bei sechs Patienten eine Ablagerung abnorm gefalteter Proteine im Herzen, die sonst erst bei Menschen ab 85 Jahren auftreten.

»Der gemeinsame Nenner all dieser Beobachtungen ist eine Schädigung der Endothelzellen«, sagt Tzankov, jener Zellen, die die Blutgefäße von innen auskleiden. Sehr ähnlich liest sich da der Bericht über drei Covid-19-Tote, den Pathologen vom Universitätsspital Zürich am 20. April im Journal »Lancet« veröffentlicht haben. Darin berichten die Autoren von »diffusen Gefäßentzündungen« in Lunge, Herz, Leber, Darm oder Nieren. Außerdem habe man »Virusmaterial in Endothelzellen« gefunden.

ACE2 als Türöffner

Zusammen deuten diese Befunde darauf hin, dass das neue Coronavirus neben der Lunge auch die Gefäße und andere Organe befallen kann. Das ist nicht abwegig. Denn Gefäß-Endothelzellen und die Zellen vieler Gewebe tragen einen Rezeptor, der sowohl dem neuen Coronavirus Sars-CoV-2 als auch seinem älteren Cousin Sars-Cov-1 als Türöffner dient: Angiotensin-Converting-Enzyme 2 oder kurz: ACE2. Das Molekül sitzt auf der Oberfläche von Lungenzellen, die das neue Coronavirus befällt. Dockt das Virus an ACE2 an, setzt das eine molekulare Kettenreaktion in Gang, die das Virus in die Zelle zieht, wo es sich dann munter vermehren kann.

Der gemeinsame Nenner all dieser Beobachtungen ist eine Schädigung der Endothelzellen(Alexander Tzankov)

ACE2 spielt aber auch noch eine ganz andere Rolle, die schwere Verläufe bei Covid-19 erklären könnte: Das Molekül ist ein Regulator im Renin-Angiotensin-System, das grob gesagt das Flüssigkeitsvolumen und den Blutdruck im Körper kontrolliert. Eines der wichtigsten Hormone in diesem Systems heißt Angiotensin II. Es verengt Blutgefäße, erhöht den Blutdruck – und damit den Lungendruck –, es erhöht die Gerinnungsneigung des Blutes, provoziert entzündliche Prozesse und führt zu Narbenbildung im Gewebe. Allesamt Effekte, die an die pathologischen Veränderungen in den Covid-19-Toten erinnern, die Tzankov und seine Kollegen beschreiben.

Ob Angiotensin II diese schädlichen Effekte im Körper entfalten kann, hängt aber von zwei Regulatoren im Renin-Angiotensin-System ab: von der Aktivität des Enzyms ACE, das Angiotensin II aus einem Vorläufer herstellt, und von der Aktivität seines Geschwistermoleküls ACE2. Das Molekül ist nämlich von Haus aus ein Enzym, das Angiotensin II schneidet und damit deaktiviert. ACE und ACE2 sind im Renin-Angiotensin-System also direkte Gegenspieler, und ihr Gleichgewicht bestimmt, wie aktiv Angiotensin II ist.

Im Jahr 2002 beschrieb eine Arbeitsgruppe um den österreichischen Arzt und Genetiker Josef Penninger, damals an der University of Toronto, erstmals die Funktion von ACE2 als negativem Regulator von Angiotensin II. Ausgerechnet im Jahr danach zeichnete sich zur Überraschung von Penningers Team ab, dass ACE2 auch der Rezeptor für das erste Sars-Virus war. »Da haben wir uns natürlich gefragt, ob die Interaktion von Sars mit ACE2 der Grund dafür sein könnte, dass das Virus so tödlich ist«, sagt Penninger, der heute an der University of British Columbia in Vancouver das Institute of Life Sciences leitet.

»Also haben wir Mäuse, die kein ACE2 herstellen konnten, an Kollegen in China geschickt und dort mit dem Sars-Virus infizieren lassen.« Und siehe da: Das Virus konnte sich in den Tieren nicht vermehren. In normalen Mäusen dagegen führte die Sars-Infektion dazu, dass das Virus die Expression von ACE2 auf der Oberfläche der Lungenzellen reduzierte. Der Grund sei sofort klar gewesen, sagt Penninger. »Das Virus bindet an ACE2 und zieht den Rezeptor dann mit in die Zelle, die es infiziert.«

Die Folgen bei Covid-19

Nun zeichnet sich ab, dass auch das aktuelle Coronavirus den ACE2-Rezeptor mit in die Tiefen des Zellinneren zieht und damit dessen enzymatische Aktivität unterbindet. Genau dieser Effekt der Infektion könnte die Schäden erklären, die Tzankov und andere in Toten beobachten. So berichtet Penningers Gruppe in einem aktuellen Artikel im Journal »Cell«, dass Sars-CoV-2 gezüchtete Blutgefäße direkt infizieren kann. Das heißt, die mit einer Infektion einhergehende Hemmung von ACE2 könnte in befallenen Gefäßen zu einer Überaktivität von Angiotensin II führen. Die Folge: Gefäßverengung, erhöhte Gerinnungsneigung des Blutes und Mikrothrombosen.

Wie tödlich ist das Coronavirus? Was ist über die Fälle in Deutschland bekannt? Wie kann ich mich vor Sars-CoV-2 schützen? Diese Fragen und mehr beantworten wir in unserer FAQ. Mehr zum Thema lesen Sie auf unserer Schwerpunktseite »Ein neues Coronavirus verbreitet sich weltweit«.

»Wir denken, dass Sars-Cov-2 Endothelzellen im ganzen Körper befällt und zu einer Dysfunktion dieser Zellen führt«, sagt Tzankov. Denn eine der Hauptaufgaben von Endothelzellen ist es, das Blut flüssig zu halten. Sobald Blut nicht von diesen Zellen umgeben ist, neigt es dazu, zu gerinnen. Sind die Endothelzellen geschädigt, kann es zu jenen Mikrothrombosen kommen, die Tzankov und andere beschreiben. »Das könnte auch erklären, warum viele Covid-19-Patienten ins Nierenversagen rutschen oder Durchfall und andere Darmprobleme entwickeln«, sagt Tzankov. »Und es könnte erklären, warum das Blut von Covid-19-Patienten mit Nierenversagen oft die Dialyse- und ECMO-Geräte verstopft.« Es könnte erklären, warum immer häufiger von Patienten berichtet wird, die ohne Atemnot eine kritisch schlechte Sauerstoffsättigung des Blutes haben – und warum selbst bei manchen jungen Patienten mit Covid-19 von Schlaganfällen berichtet wird.

Dass besonders ältere Menschen an Covid-19 sterben, wäre vor diesem Hintergrund kein Wunder. Denn die Effekte der Zellalterung (Seneszenz) führen nicht nur zu einer verspäteten und schwächeren Antwort des spezifischen Immunsystems in der Lunge, so dass das Virus mehr Zeit hat, in die Gefäße überzuspringen. Zelluläre Seneszenz provoziert auch die typischen Gefäßschäden des Alters.

Hier sieht auch Tzankov einen Grund für die Anfälligkeit von älteren Menschen. »Wir deuten unsere Beobachtungen so, dass die Fähigkeit, Covid-19 zu überstehen, davon abhängt, wie gesund das Gefäßsystem ist, insbesondere die Mikrogefäße«, sagt er. Je mehr Risikofaktoren auf diese kleinsten Gefäße vor der Erkrankung eingewirkt hätten, desto geringer sei die Toleranz gegenüber dem Virus und desto eher sei mit einem schweren oder tödlichen Verlauf zu rechnen.

ACE2 als Bodyguard

Die durch das Virus geschwächte Aktivität von ACE2 steht also womöglich am Beginn einer Kaskade, die Gefäße und Organe in lebensgefährlicher Weise angreift, vor allem wenn sie vorgeschädigt sind. Da kann man auf die Idee kommen, die Enzymaktivität von ACE2 irgendwie wieder hochzufahren. Tatsächlich legen Penninger und seine Kollegen genau diesen Behandlungsansatz in ihrem Artikel in »Cell« nahe. Sie berichten, dass künstlich hergestelltes ACE2 die Infektion der gezüchteten Blutgefäße erfolgreich hemmen konnte. In Zellkultur vermochte die lösliche Form des Rezeptors namens hrsACE2 die Viruslast sogar um das 1000- bis 5000-Fache zu reduzieren. Kann ACE2 also zugleich Türöffner für das Virus sein und als Bodyguard eingesetzt werden?

Die meisten der Patienten, die ich untersucht habe, hätten noch Wochen, Monate oder sogar Jahre gelebt(Alexander Tzankov)

Ganz neu ist die Idee nicht. Tatsächlich arbeitet Penninger seit mehr als 15 Jahren an einem löslichen ACE2-Ersatz als Medikament. Schon im Jahr 2005 hatte seine Gruppe gezeigt, dass ein solcher Wirkstoff bei Mäusen mit akutem Atemwegssyndrom (ARDS) Lungenversagen verhindern kann. Im Jahr 2010 folgte der Nachweis der Wirksamkeit in Ferkeln. Auch an Menschen mit akutem ARDS wurde hrsACE2 in zwei Studien der Phase II getestet. Eine davon aus dem Jahr 2017 zeigte, dass eine Infusion von hrsACE2 keine negativen Auswirkungen auf die Sauerstoffversorgung oder die klinische Prognose hat. Außerdem reduzierte die Behandlung messbar die Konzentration von Angiotensin II und Interleukin-6 im Blut, einem wichtigen entzündungsfördernden Zellbotenstoff.

Da bietet sich ein Test bei Covid-19 geradezu an. Tatsächlich läuft aktuell eine erste Studie an 24 schwer erkrankten Covid-19-Patienten in China. Und nun beginnt eine Phase-II-Studie in Österreich, Deutschland und Dänemark, die die Sicherheit des Ansatzes prüfen soll. Insgesamt sollen 200 Covid-19-Erkrankte in der randomisierten Doppelblindstudie mit hrsACE2 behandelt werden. Dabei könnte der Wirkstoff eine doppelte Wirkung entfalten: als Rezeptor, der Viruspartikel aus der Blutbahn fischt, und als Enzym, das Angiotensin II deaktiviert.

»Man kann nie vorher wissen, ob es funktioniert«, sagt Penninger. ACE2 und das Renin-Angiotensin-System stünden aber klar im Zentrum von Covid-19. »Die Biologie und Wissenschaft sagt uns, dass hrsACE2 eines der rationalsten Medikamente ist. Es macht einfach wahnsinnig viel Sinn«, sagt Penninger. »Es wäre eine Sünde, das nicht zu testen.« Sollte sich die Behandlung als sicher erweisen, könnte die Phase-II-Studie dann so erweitert werden, dass sich die Frage nach der Wirksamkeit schnell beantworten ließe. Fällt die Antwort positiv aus, wäre auch eine Zulassung im Eilverfahren möglich.

Da ist ein gewisser Enthusiasmus verständlich – wirtschaftliche Aspekte spielen hier jedoch ebenfalls mit hinein. Hergestellt wird der Wirkstoff mit dem Namen APN01 von der Firma Apeiron aus Wien. Penninger ist Gründer, Aufsichtsratsmitglied und Shareholder von Apeiron und hat deshalb aus wissenschaftlicher Sicht einen Interessenkonflikt. Ganz allein in seinem Optimismus ist er allerdings nicht. »Also was der Penninger hier macht, das ist genial«, sagt Tzankov. »Ich habe noch keine endgültigen Ergebnisse gesehen. Aber das, was ich aus China höre, macht mir Hoffnung.«

Die pathologischen Erkenntnisse lieferten jedoch noch andere Ideen für die Behandlung von Covid-19-Patienten, sagt Tzankov. »Wir sollten versuchen, die Funktion von Endothelzellen medikamentös zu verbessern.« Leider gebe es dafür keinen spezifischen Wirkstoff. In Frage kämen aber Kandidaten wie Statine oder Stickstoff-Monoxid-Liberatoren wie Arginin. Zudem brauche es Substanzen, die die Fließeigenschaften des Blutes verbessern.

»Bei uns und in anderen intensivmedizinischen Einrichtungen wird dazu bereits Blutplasma eingesetzt«, sagt Tzankov. Das enthalte alles, was man für die Kontrolle der Blutgerinnung brauche. Hinter solchen neuen Ansätzen stehen die pathologischen Erkenntnisse, mit denen Fachleute die Mechanismen der schweren Verläufe besonders bei sehr alten Menschen erklären. Für Tzankov zeigen sie allerdings auch: »Ohne Covid hätten die meisten der Patienten, die ich untersucht habe, noch Wochen, Monate oder sogar Jahre gelebt.«

Lateraler Kanal (3)

Den Fall habe ich hier und hier bereits vorgestellt.
Im letzten Artikel habe ich bewusst einen Cut gemacht. Wir freuen uns über besonders toll aussehende Röntgenbilder. Hier z.B. ein mit der medikamentösen Einlage gefüllten Kanal. Schwieriger Strukturen mit geringerem Durchmesser, wie der apikal gelegene weitere laterale Kanal zu füllen. Spannend wird es dann bei der Entfernung des Materials.

Für mich war dieser Fall besonders interessant. Erstmals habe ich Metapaste eingesetzt und wusste eigentlich nicht, wie gut entfernbar ist das Material.
Metapaste ist ein provisorischer Calciumhydroxid-Zement mit deutscher Zulassung von der Firma Meta. (Calciumhydroxid nenne ich jetzt der Einfachheit halber im Artikel CaOH.)

Der laterale Kanal zeigte ein größere horizontale Ausdehnung. Sollten Reste der Med verbleiben ist die weitere Desinfektion im Rahmen der Wurzelkanalaufbereitung ggf. auch geringer. Der laterale Kanal war in meinen Händen nicht instrumentierbar.

CaOH entferne ich mit Zitronensäure, die mit dem Eddy „bewegt“ werden.
Die SAF konnte sich bei mir nicht auf Dauer behaupten, da ich erhebliche Qualitätsmängel der Instrumente beobachten musste. Lange Zeit habe ich aber die SAF für CaOH-Enternungen favorisiert.
Ultraschall empfinde ich weniger effektiv bei der Entfernung als Schall, zumal die Arbeitslänge eingeschränkter ist durch die Starrheit und den Durchmesser der eingesetzten Feilen. Hinzu kommt die Einschränkung der Wirkung bei Wandkontakt.

In diesem Fall gelang es mir mit dem Eddy einen Großteil des CaOH zu entfernen. Die vermutlich extraradiculär liegenden Rest waren nicht entfernbar.

Nach Aufbereitung und abschließender Desinfektion haben wir thermoplastisch mit Guttapercha gefüllt und eine provisorische Krone inseriert. Diese einzupassen war fast unmöglich, da die distale Präparationsgrenze unter der Schmelzrandleiste des 46 lag und die Einschubrichtung durch 44 stark eingeschränkt wird.

Reden wir über M…

In Michael Logies Zahnmed-Email- Liste wurde gestern zum ersten Mal das M – Wort genannt. M wie Metapex.  Anlass war eine mittlerweile nur noch selten auftauchende CHKM – Diskussion, die, nachdem sich Rüdiger Osswald in seinen wohlverdienten Ruhestand verabschiedet hat, nur noch andeutungsweise, fast ist man versucht zu sagen, in homöopatischen Dosierungen geführt wird.

Das Schema ist aber immer noch das gleiche.
Kaum wird das Wort CHKM eingebracht, kommt fast schon reflektorisch zu nennend, von irgendwo her die Antwort, besagtes Mittel seit obsolet/nicht mehr zeitgemäß/unnötig. Fatalerweise (Anfängerfehler) am gestrigen Tage ergänzt vom Hinweis, es gäbe Besseres. Die postwendend sich anschließende Frage, was denn bitte besser sei, blieb zunächst unbeantwortet.

Wie immer.
Was sollte man auch nennen?

Nicht weil CHKM so gut ist.
Sondern vielmehr, weil die üblichen Verdächtigen auch nicht besser sind.

Wir haben Aufbereitung und WF in den letzten 30 Jahren  extrem vorangebracht.
Aber was hat sich im Bereich Keimreduktion getan?
Wo sind die Innovationen ?
Wo bleibt der Durchbruch?

Machen wir uns nichts vor. Endodontische Desinfektion, das sind zumeist Konzepte, die auf Lister/Walkhoff (Phenole) zurückgehen, demnach 150 Jahre alt sind. Oder Hermann (mit einem „r“)  (CaOH2) (100 Jahre) oder Schroeder (auch nicht verwandt) (Ledermix) (60 Jahre).

Uralt also. Alle drei.
Und das eine wie das andere mit Nachteilen behaftet.
Ein Patentrezept fehlt bis heute.

Und dann wurde – zum ersten Mal – Metapex erwähnt.
Ein neuer Herausforderer betritt den Ring.

Wobei, so neu ist Metapex jetzt auch nicht.
Wir haben das Material in unserer Praxis seit ca. 2009 vorrätig. Vielleicht auch schon länger.

Ich hatte es in den USA auf einer Messe kennengelernt.
Es war mir bis dato unter anderem Namen nur aus der Kinderzahnmedizin bekannt.  Als Vitapex. Eine Calciumhydroxid-Jodoform-Paste, die als Milchzahn- WF- Material dient.

Und um Legendenbildung vorzubeugen möchte ich ein wenig berichten.
Was mir gut gefällt an diesem Material.
Was weniger gut ist.
Was man unbedingt beachten und was man unbedingt vermeiden sollte.

Zunächst  das Gute.
Es heilt wunderbar mit Metapex. Ich erwähne gerne wieder an dieser Stelle, ich liebe apikale Aufhellungen. Warum ? Ganz einfach. Man macht seinen Job und die apikale Aufhellung verschwindet. Piff Paff Puff. Kann es einen besseren Beweis für den Erfolg und die Sinnhaftigkeit einer endodontischen Behandlung geben als eine vorhandene Knochendestruktion, die sich vollständig zurückbildet? Das dauert bei größeren Defekten eine Zeit lang und in dieser Zeit dient mir Metapex als temporäre WF. Gewissermaßen als Verschluss und Langezeitdesinfektionsmittel. Bei Letzterem müssen nämlich die 3 Platzhirsche Ledermix, Calciumhydroxid und CHKM allesamt kleinlaut passen.

12 oder 16 Wochen Wartezeit? Mit Metapex oder Vitapex kein Problem. Im Gegenteil. Es erstaunt immer wieder die rasche Knochenneubildung. Und noch etwas fällt auf. Metapex/Vitapex im periapikalen ossären Raum wird erstaunlich rasch resorbiert. Was gut ist, denn –

Das Material überpresst sich leicht. Oder sagen wir besser. Ein Restrisiko besteht, auch wenn man noch so vorsichtig agiert. Womit wir aber auch schon beim Thema (Achtung-Vorsicht Nachteil Gefahr) wären. Interessanterweise resultieren aus solchen Überpressungen kaum (eigentlich so gut wie nie manifeste Nachbeschwerden. Aber man sollte unbedingt einen adäquaten Sicherheitsabstand von sensiblen Strukturen wir z. B. dem Nervus alveolaris inferior halten. Um Schaden vom Patienten und sich selbst abzuwenden. In diesem Zusammenhang ein wichtiger Hinweis. Metapex hat keine Zulassung für Deutschland. Im Gegensatz zu Vitapex. Wer also juristisch auf der sicheren Seite sein möchte, entscheidet sich für das baugleiche Original. Egal wie gut und kostengünstig der koranische Zwillingsbruder auch sein mag.

Und noch  2 Tipps.
Erstens. Unbedingt eine mögliche Jodoform- Unverträglichkeit anamnestisch ausschliessen.

Und zweitens. Langzeiteinlagen funktionieren nur, wenn die Kavität nach okklusal und zur Seite  hin hermetisch bakteriendicht verschlossen ist und dies auch über die gesamte Liegedauer so bleibt. Also – Karies und alte Füllungen, insuffiziente Kronen  raus. Danach dentinadhäsiv verankerte Composit- Restaurationen und keine provisorischen Füllungen zum Kavitätenverschluss.

Aus aktuellem Anlass 3 Beispiele. Von heute, sowie Donnerstag und Dienstag letzter Woche. Daily business also. Nix Ausgesuchtes.

Zahn 46, starke Schmerzproblematik, Bild 1 vor Endo, Bild 2 16 Wochen post Initilabehandlung
20200504-HK46-X-20191023-150341-XDWI1RUOPMVC-320200504-HK46-X-20200428-155423-XDY+KZTNDHF-3

Zahn 11,  vor kurzem vestibuläre Schwellung. 18 mm apikale Aufhellung, Bild 1 vor , Bild 2 16 Wochen post Initialbehandlung. Bild 3 nach erneuter Applikation der medikamentösen Einlage am gleichen Tag.20200504-KK11-X-20190827-120003-XVO80MTHCSG-420200504-KK11-X-20200421-091452-XZPKRBNWJI0-420200504-KK11-X-20200421-095500-XWGBOVYUYSUQ-4

Zahn 46, Schmerzsymptomatik bei relativ neuer WF, Bild 1 vor WF – Revision, Bild 2 massive Überpressung von Calciumhydroxid, Bild 3 Zustand nach WF 16 Wochen nach medikamentösr Einlage, Calciumhydroxid vollsätndig resorbiert, man beachteden 2. Kanal in der distalen Wurzel als Ursache der apikalen Knochendestruktion.20200504-MG47-X-20191127-093640-XH2KD7GZPPU-320200504-MG47-X-20200109-111056-XKLK0NRPV71H-320200504-MG47-X-20200423-110621-X1TECQ62GB82-3

Fährtensuche

von Jörg Schröder

Das präoperative Einzelbild mit in einer auf Höhe des mittleren Wurzeldrittels dieses 45 in das dort gelegene Fistelmaul eingeführten Guttaperchastange ließ mich sofort an einen lingualen Seitenkanal denken.

Das präoperative DVT konnte dies bestätigen. Zudem ermöglichte es mir, nach Abmessen der Distanz vom koronalen Referenzpunkt, die bei 20 mm auftretende „Erfolgsmeldung“ der Endometrie als falsch positiv einzuschätzen. Die gesamte Arbeitslänge betrug 26 mm.

Die ersten beiden zum Trocknen eingebrachten Papierspitzen liessen zudem 6 mm fern der Arbeitslänge eine rötlich-braune Einfärbung der Papierspitze erkennen, die in ihrer Lage dem Abzweig des Seitenkanals entsprach. Ein gutes Gefühl, wenn sich die im DVT herausgearbeitete Anatomie klinisch verifizieren lässt.

Die Behandlung erfolgte zweizeitig. Zum zweiten Behandlungstermin 8 Wochen nach der Erstintervention war der Zahn beschwerdefrei und die Fistelung vollständig abgeheilt. Die periapikale Aufhellung bereits deutlich reduziert.

Nach ausgiebiger Schall- und laseraktivierten Spülung gelang es offensichtlich auch den Seitenkanal zu obturieren. Schön zu sehen, dass auch das die Strecke vom Ende der Guttaperchaspitze präoperativ mit der Strecke von der Kanalmitte bis zum Ende des obturierten Seitenkanals übereinstimmt.

Trauma nach Radunfall mit Déjà-vu (II)

Von Christoph Kaaden & Christian Jauernig

 

Letzte Woche habe ich hier von einem Trauma nach Radunfall berichtet.

Trotz tagelang exponierter Pulpa haben wir uns erneut für den Versuch einer Pulpotomie entschieden.

Die Pulpawunde wurde hierbei nach eingehender NaOCl-Desinfektion mit Biodentine abgedeckt. Hierüber platzierten wir zunächst einen selbstadhäsiven Kunststoff.

Pulpotomie nach Radunfall.001

Zustand nach Pulpotomie und Abdeckung der Pulpawunde mit Biodentine

Der notwendige Kompositaufbau wurde im Anschluss von dem WURZELSPITZE Plus Mitglied Dr. Christian Jauernig  gestaltet.

Pulpotomie nach Radunfall.002

Kompositaufbau nach komplizierter Kronenfraktur und Pulpotomie

Pulpotomie nach Radunfall.003

Vorher – Nachher

 

Wir werden berichten, wie es in Zukunft weitergeht

So lange haben wir jetzt schon mit dem Coronavirus zu tun, dass man meinen könnte, nun wäre alles gesagt. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall.

Gute verständlich dargestellte Aufzählung für Diskussionen in der Sache. Hilft bei der Argumentation bezüglich der emotional stark aufgeladenen Thematik.


So lange haben wir jetzt schon mit dem Coronavirus zu tun, dass man meinen könnte, nun wäre alles gesagt. Tatsächlich ist das Gegenteil der Fall. Der Diskussionsstoff nimmt in diesen Tagen wieder zu, weil das Für und Wider, das Wann und das Wie des Ausstiegs aus der Kontaktsperre die Gemüter erhitzt. Die Wellen schlagen hoch, es geht ums Ganze. Angesichts der Schäden für Wirtschaft, Arbeitsplätze und Löhne, aber auch, weil die Beschränkungen vielen Leuten inzwischen auf die Nerven gehen, ist es menschlich, dass die Emotionen hochkochen. Verständlich, aber sinnlos. Denn wenn wir uns darüber beschweren wollen, dass es so nun wirklich nicht weitergehen kann, dann debattieren wir mit einem Virus. Die Natur hört uns nicht zu.

Angesichts der Argumente, die in diesem einseitig geführten Gespräch von Politikern ebenso zu vernehmen sind wie im Bekanntenkreis, gewinnt man schnell den Eindruck: Wir haben noch immer nicht genug über die Mikrobe und ihr Verhalten gesprochen. Da macht viel Halbwissen die Runde, das gefährliche Folgen haben kann. Also sollten wir uns das, was wir über das Virus wissen, dringend noch einmal vergegenwärtigen – und die Irrtümer auflösen, die nun durch viele Köpfe schwirren.

Der erste Irrtum: Es ist doch alles nicht so schlimm. Gewiss, mehr als 6.000 Tote sind in Deutschland schon gezählt worden, aber zu normalen Zeiten sterben hierzulande jährlich mehr als 900.000 Menschen, da fallen doch 6.000 kaum ins Gewicht: So argumentieren manche Leute – und offenbaren damit nicht nur ihren Zynismus, sondern tappen auch in eine logische Falle. Sie gehen dem trügerischen Eindruck auf den Leim, den vorbeugende Maßnahmen gerade dann entstehen lassen, wenn sie erfolgreich sind. Wer regelmäßig zum Zahnarzt geht und sich dank frühzeitiger Behandlung auch noch jenseits der Pensionsgrenze intakter Zähne erfreut, der könnte daraus den falschen Schluss ziehen, dass Parodontose völlig überbewertet werde und Karies eine Erfindung der Medien sei. Aufklärung schafft der vergleichende Blick über den Tellerrand: In Ländern, wo der Zahnarzt seine Praxis höchstens auf einem Tuch am Straßenrand ausbreitet, begegnen uns alte Menschen (meistens) ohne Zähne. Muss also doch etwas dran sein am Segen der Prophylaxe. Im Fall von Covid-19 zeigt uns derselbe Vergleich: Wir haben hierzulande nur deshalb relativ wenige Tote zu beklagen, weil die vorbeugenden Maßnahmen Wirkung gezeigt haben. In Italien, Spanien, Frankreich, Großbritannien und den USA hat man die Chance nicht im selben Maße gehabt oder sie verspielt. Dort hat das Coronavirus zusammengenommen schon mehr als 150.000 Tote gefordert. Und das Sterben geht weiter. Coronavirus: nicht so schlimm? Um Himmels willen.

Noch tiefer im Sumpf der Fehlinterpretation versinken jene Zeitgenossen, die bereits Realität gewordene Folgen der Viruskrise mit dem gesamten Potential des Schlamassels verwechseln – denn das ist der zweite Irrtum. Zuverlässige Studien liefern uns inzwischen eine heißbegehrte Information: die Infektionssterblichkeit. Ihr können wir entnehmen, wie groß der Anteil der Todesfälle unter allen Menschen ist, die sich mit dem Virus infiziert haben – ob sie nun Symptome zeigen oder nicht (die Dunkelziffer unerkannter Ansteckungen, die ohne nennenswerte Erkrankung verlaufen, ist in diese Quote bereits eingeflossen). Die Ergebnisse der Studien bewegen sich in einem Korridor um die Marke von 0,5 Prozent. Das gestattet uns nun endlich, einen Richtwert zu ermitteln, wie viele Opfer Covid-19 in Deutschland fordern kann.

Was wir bereits wussten: Insgesamt müssten etwa 55 Millionen Menschen (also zwei Drittel der Bevölkerung), die Infektion durchmachen – ob mit Symptomen oder bei bester Gesundheit –, damit das Virus anschließend so häufig an immunen Personen scheitert, dass es zum Erliegen kommt. Auf dem Weg zu dieser Herdenimmunität würden etwa 0,5 Prozent der Infizierten sterben. Solange weder wirksame Medikamente noch ein Impfstoff vorhanden sind, müssten wir also mit mehr als einer Viertelmillion Opfern rechnen.

Aber, hören wir nun von manchen Leuten, diese Menschen wären doch sowieso gestorben! Nicht an Corona. Nur mit Corona. Alte eben oder Kranke, ohnehin dem Tod geweiht, bloß zufällig zur selben Zeit auch mit dem Virus infiziert. Wirklich? Nein, denn das ist Irrtum Nummer drei, und wir können ihn zum Glück schnell aufklären. Dazu schauen wir noch einmal über den deutschen Tellerrand zu den Briten, weil uns hierzulande die erfolgreiche Prophylaxe auch in diesem Fall den Blick auf die Gefährlichkeit des Virus verstellt. Wären Erkrankte tatsächlich an anderen Leiden gestorben als an Covid-19, müsste sich die Zahl der Todesfälle im Jahresverlauf ebenso entwickeln wie in anderen Jahren auch. Tatsächlich sehen wir jedoch das hier:

Gar nichts ist wie immer. Schlagartig stirbt eine Vielzahl von Menschen – inzwischen vermelden die Briten doppelt so viele Tote wie zu normalen Zeiten. Nichts dergleichen ist in den vergangenen Jahren zu beobachten gewesen. Und die Verstorbenen waren an Covid-19 erkrankt. Nicht am Coronavirus gestorben, nur mit ihm? Dieses Gerücht können wir hiermit zu den Akten legen und die Schlussfolgerung auch für Deutschland ziehen: Die Opfer des Erregers, auch die Alten, auch die Kranken, starben am Virus – und vor ihrer Zeit.

Irrtum Nummer vier: Die Ausgangsbeschränkungen seien Quatsch. Die Ansteckungsrate sei ja bereits gefallen, bevor die Kontaktsperre in Kraft trat. Die verordneten Maßnahmen habe man also gar nicht gebraucht. Bei dieser Verkürzung der Sachlage fallen wesentliche Aspekte unter den Tisch. Zum einen greifen hier statistische Effekte, zum anderen gerät Grundsätzliches aus dem Blick: Natürlich wird das Virus nicht von Regierungsbeschlüssen zurückgedrängt – sondern von unserem veränderten Verhalten. Die schlimmen Nachrichten aus Italien, Ausbrüche wie in Heinsberg und der Rückzug von Firmen ins Homeoffice hatten das Leben in Deutschland schon vor Verhängung der Kontaktsperre verwandelt.

Wir erleben das Phänomen übrigens derzeit noch einmal: Bereits in den Tagen vor Beginn der Maskenpflicht war der Mundschutz, bis dato ein eher exotisches Accessoire, auf einmal häufiger zu sehen. Die neue Rechtslage wirkte also schon, bevor sie formal galt. Wir dürfen gespannt sein, ob wir auch hier in einigen Wochen die unsinnige Beschwerde hören, dass die Maskenpflicht nichts bringe, weil ein hilfreicher Effekt ja schon vor dem offiziellen Stichtag zu beobachten gewesen sei. Es ist so leicht, zu kurz zu denken.

Soldaten entladen auf dem Flughafen Leipzig/Halle eine Antonow-Maschine, die Millionen Schutzmasken aus China nach Deutschland geflogen hat.  (Quelle: dpa/Hendrik Schmidt/dpa)Soldaten entladen auf dem Flughafen Leipzig/Halle eine Antonow-Maschine, die Millionen Schutzmasken aus China nach Deutschland geflogen hat. (Quelle: Hendrik Schmidt/dpa/dpa)

Der fünfte und gravierendste Irrtum ist der Vorwurf, dass man den Virologen ja sowieso nichts glauben könne, weil jeder von ihnen etwas anderes erzähle. Dieses Muster kennen wir aus der Klimadebatte: Leugner der Klimakrise graben irgendeinen einsamen Forscher aus, der irgendetwas sagt, was dem Konsens der Wissenschaft zuwiderläuft – und schon können sie über die vermeintliche Uneinigkeit der Experten schwadronieren. Dabei ist es völlig normal, dass an der vordersten Front der aktuellen Forschung heftig debattiert wird. Das ist in allen Wissenschaftszweigen so, auch unter Virologen und Epidemiologen. Nur darf man darüber nicht aus dem Blick verlieren, dass diese Debatte auf einem Berg bereits akzeptierten Wissens ruht – und dass aus dem Disput der Fachleute mit beachtlicher Geschwindigkeit ein Konsens hervorgeht, wenn an einem Thema so intensiv geforscht wird wie an der Krankheit Covid-19. Man kann sich aus den verfügbaren Standpunkten also nicht einfach denjenigen herauspicken, der einem am besten gefällt. Wer es trotzdem tut, dem passt offensichtlich der Konsens nicht ins Weltbild.

Das sind sie, die fünf Irrtümer, die von einigen Leuten geschürt und leider von vielen geglaubt werden. So wächst die Verwirrung: Wahr oder falsch – alles ein Brei. Das macht leider die Bahn für das Virus frei. So, genug der Schulmeisterei.

Lateraler Kanal (2)

Nach eingehender Beratung und DVT Auswertung wurden Behandlungstermine vereinbart.

Wer genau in die DVT Aufnahme geschaut hat konnte eine apikale Veränderung auch am Zahn 46 distal apikal erkennen.

Die Krone für den Zahn 45 hatte der Patient in seinem Geldbeutel. Nach Reinigung und Desinfektion mussten wir allerdings feststellen, daß sie sich nicht mehr passgenau inserieren lässt. Mittels einer Frasacokrone erstellten wir ein Provisoriumsform.
Nach Gingivektomie konnte die distale Präparationsgrenze dargestellt werden. Die Karies an dieser zeigte den möglichen Infektionsweg. Nach Kariesentfernung, Sandstrahlung und adhäsiver Konditionierung wurde 45 präendodontisch aufgebaut.

Die Aufbereitung erfolgte mit Hand- und Nini-Instrumenten. Die lateralen Kanäle konnten nicht sondiert werden.
Für die medikamentöse Einlage verwendeten wir Metapaste. ( Leider macht die Rechtschreibkorrektur immer wieder Metaphase daraus…   :(  )
Dies haben wir erstmals in diesem Fall eingesetzt.
Im angefertigten Kontrollbild konnten wir erkennen, daß der koronal gelegene laterale Kanal gefüllt war.

Nun stellt sich die Frage, bekommen wir das auch wieder heraus und vor allem wie?
Was meinen Sie?

Kampf dem Virus – Der Corona – Workflow – Wie hat Corona unsere Praxis verändert ?

Wo waren Sie, als Kennedy ermordet wurde ?
Diese Frage wurde zum Fanal für ein einschneidendes Ereignis der 60er Jahre.
Etwas, woran sich Menschen noch nach vielen Jahren erinnern konnten.
So intensiv, so einschneidend war die Erfahrung.

Auch ich kenne einen solchen Moment.
Ich war in der Praxis beim Behandeln, ein sonniger Dienstag nachmittag als im Radio bei SWR 3 Stephanie Tücking (Gott hab sie seelig)  die Meldung verkündete, soeben sei ein Flugzeug in einen der beiden Türme des World Trade Centers New York geflogen.
Der 11. September 2001.

Aber noch stärker, da bin ich sicher, wird die Welt sich noch lange lange an den Jahresbeginn 2020 erinnern.  Als COVID 19 sich in der Welt ausbreitete und nichts mehr war wie bisher.

Und man kann jammern, man kann lamentieren, sich ärgern, hinterfragen.
Resignieren. Oder versuchen, aus dieser Situation das Beste zu machen.

Se vogliamo che tutto rimanga come è, bisogna che tutto cambi.“
Wenn wir wollen, das alles bleibt, wie es ist, muss sich alles ändern!
Sagte der Schriftsteller Guiseppe Tomasi de Lampedusa in seinem Roman „Der Leopard“.

Was also soll/wird sich ändern bei uns in der Praxis ?

Nachfolgend eine kurze, sicherlich noch unvollständige Liste, die aber schon sehr gut zeigt, wo die Reise hingehen soll:

  1. Keine Zeitschriften, keine Getränke
    Seit 30 Jahren sehe ich den Wartebereich unserer Praxis als Wohlfühlort. Kein Lesezirkel, keine abgegriffenen Zeitschriften, sondern hochwertige, neue und vor allem aussergewöhnliche Magazine, für die wir oft gelobt wurden. Mineralwasser, Kaffee. Alles Geschichte. Am Tag 1 weggeräumt. Wird auch so bleiben. Wegen Punkt 6. Bin ich froh drum.
  2. Keine Begleitpersonen
    Wie oft hatten wir das. Einer wird behandelt, aber 1-3 Personen sind in der Praxis dabei. Damit ist jetzt Schluss. Das Beste überhaupt. Wer nicht für die Behandlung benötigt wird (Begleitung für Ältere, Kinder, Menschen mit Handicaps) hat nichts in der Praxis zu suchen. Ich liebe es.
  3. Händedesinfektion
    Der berührungslose Desinfektionsspender hängt seit etlichen Jahren bei uns neben der Eingangstür, er wurde seltenst benutzt. Jetzt ausnahmslos. Na also. Geht doch!
  4. Bestmöglicher Mitarbeiterschutz
    COVID 19 ist in der Zahnarztpraxis vor allem eine Bedrohung für das Team. Daher gilt bestmöglicher Mitarbeiter/Selbstschutz. Wir haben unser Hygienekonzept kritisch hinterfragt und festgestellt: Vieles, was jetzt essentiell wird, machen wir schon seit Jahren. Und ja, wir sind dafür belächelt bis ausgelacht worden (Schubladen mit IKEA – Wäscheklammern aufmachen, der Ellenbogen für die Praxistüren, die abgeklebten Schalter, die Mülltüten  fürs Röntgen, der desinfizierte Finger des Patienten vor/nach Röntgenmessaufnahme  etc. etc. Fakt ist – wir müssen all diese Dinge nicht mehr erlernen oder einführen, die sind bei uns in Fleisch und Blut übergegangen, gehören gewissermassen zu unserer DNA. Aber natürlich lässt sich alles noch erweitern, und das haben wir getan und tun es weiterhin. FFP2 bzw. FFP3 – Masken, MNS und Schutzbrillen für alle und permanent, Kopfbedeckung, zusätzliche Schutzkleidung. Gesichtsschild in 2 Versionen (mit/ohne Lupenbrille). Spritzschutz für das OP – Mikroskop.
  5. ALLES unter Kofferdam
    Unser größter Trumpf. 30 Jahre Erfahrung mit Kofferdam für Alles. kein Problem. Und da wir nur Endo machen, läuft nach der Anästhesie bis zur Okklusionskontrolle alles unter Kofferdam ab. Auch, im Gegensatz zu früher, das Adjustieren der Kauffläche nach Kavitätenverschluss. Hände weg vom Speichel ist unsere Devise und wir befolgen diese konsequent. Mehr Sicherheit, Areosol betreffend, geht nicht.  Ein gutes Gefühl. Für mich und mein Team.  A pro pos Team. Wir sind in Zeiten von Corona aus Mitarbeiterschutz zum 4 händigen Arbeiten zurückgekehrt. Das ist nicht optimal, und das 6 händige Arbeiten fehlt mir sehr, aber ein Kompromiss, den ich im Moment gerne eingehe, um die Kontaktzeit im Team mit Patienten so gering wie möglich zu halten.
  6. 1PP
    1PP- Steht für die 1 PATIENTEN PRAXIS. Wer s cooler mag sage auch gerne 1PO – One PEE OH. ONE PATIENT OFFICE. Heisst. Nur ein Patient in der Praxis.  Keine  Wartezeit. Der Patient kommt und wird sofort in sein Behandlungszimmer geführt. Nur in den seltensten Fällen nimmt er kurz im Wartebereich (der nur noch 3 Stühle beinhaltet) Platz, aber er begegnet niemandem mehr, der nicht in die Praxis gehört. Ich liebe es. Warum ? Datenschutz erfüllt ! 100 Prozent. Keiner mehr, der irgendwas hört, sieht, was er nicht mitbekommen darf.
  7. Abrechnungsgesellschaft
    Ich habe mich all die Jahre dagegen gewehrt, weil unsere Klientel (wir sind in der Provinz, auf dem Land und haben es mit einfachen, ehrlichen Leuten zu tun) immer die Rechnungen gezahlt hat. Totalausfälle in den 27 Jahren vielleicht 2 oder 3. Da lohnt sich die Abrechnungsgesellschaft nicht. Aber. Die Zeiten ändern sich. Und ich merke auch, dass die Jungen anders ticken. Die private Zusatzversicherung will nicht zahlen?  Dann zahl ich auch nicht, seh ich gar nicht ein.  Und  mit Corona? Unklare Zukunft. Ich gehe jetzt den Weg. Und werde berichten, wie es sich entwickelt.
  8. Respekt!
    Die Corona – Krise hat 2 Dinge gezeigt. 1. Wir sind – kein Schreibfehler, ich habe immer schon bewusst diese Wortwahl gebraucht – NICHT SYSTEMIMMANENT. Als Steigerung von „nicht systemrelevant“. Systemrelevant bedeutet ja, hier hat jemand sich Gedanken gemacht, in Erwägung gezogen und ist dann zum Schluss gekommen, dass die angebotene Leistung nicht wichtig genug ist. Nicht systemimmanent hingegen bedeutet, wir sind so unwichtig, das von Seiten der Politik  im Rahmen der Corona – Krise niemand auch nur an die Zahnärzte gedacht hat. Wir sind de facto ausserhalb des Systems. SO siehts aus, meine lieben Kolleginnen und Kollegen. Wir sind raus. Beziehungsweise wieder dort, wo wir Jahrhunderte lang waren. Beim fahrenden Volk der Zahnreisser auf Rummelplätzen oder bei den Bardern, sprich den Friseuren.  Das Verrückte ist. Haareschneiden kann jeder, wenn Not am Mann (m/w/d) ist. Zahnmedizin keiner. KEINER.Wie also ist zu erklären, dass man dennoch glaubt, uns wie Lakaien behandeln zu können, das trifft auf Politik wie auf den Patienten gleichermaßen zu ?
    Ganz einfach.
    Weil wir Alles mit uns machen lassen.Und die Politik das weiss. Siehe TI. Wie ich im Vorfeld der TI- Einführung schrieb. Die TI ist der Lackmustest für die nächsten 10 Jahre, die Zahnmediziner betreffend. Halten Sie still, lacht sich die Politik ins Fäustchen, denn sie hat die Zahnärzte im Sack.Und die Patienten ?
    Fordern!Warum?
    Weil sie es können.
    Auch das ist die ebenso banale wie harte Antwort.
    Weil wir es mit uns machen lassen.Ich sage.
    Wir tun alles, um den Patienten bestmöglich zu behandeln. Geben Rahmenbedingungen und wirtschaftlichen Rahmen vor.
    Der Patient kann wählen.
  9. Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen. Fordert Respekt! Von den Patienten! Von Euch selbst! Wenn ihr, das, was ihr tut, respektiert und dafür einsteht, dann werdet ihr bestehen! Und noch ein Tipp aus aktuellem Anlass. SO sieht Protest in Frankreich aus!
  10. Weniger Arbeit, mehr Leben.
    Die Corona- Krise hat eins gnadenlos gezeigt.
    Das Leben wartet nicht und nimmt auch keine Rücksicht auf Irgendwas.
    Ein prall gefülltes Bankkonto, ein schönes Seniorentum, ja selbst ein möglichst frühes Rentenalter nützt nichts, wenn uns ein Virus plötzlich und unerwartet vorher dahinrafft. Also – JETZT ist das Leben und das findet vor allem außerhalb der Zahnarztpraxis statt.

Unverhofft und nicht oft.

von Jörg Schröder

Behandlungsfälle mit einer internen Resorption sind in meiner Praxis eher rar gesät.

Im nachfolgenden Fall wurde das präoperative DVT mit einem Volumen von 8×8 cm gewählt, um die eigentlichen Protagonisten die Zähnen 14,15,36 und 26 abzubilden. Der 11 stand überhaupt nicht im Fokus.

Da immer alle abgebildeten Zähne und die im DVT erfassten Strukturen auf pathologische oder ungewöhnliche Strukturen hin überprüft werden, fiel die intraradikuläre Lyse im 11 sofort ins Auge.

Anamnestisch gäbe es einen Sportunfall vor ca. 16 Jahren, an den sich der heute 53jährige Patient erinnerte. Beschwerden gab es nie. Nur veränderte der Zahn seine Farbe etwas mehr in Richtung eines wärmeren Farbtons.

Solange eine interne Resorption zu keiner Perforation geführt hat und in einer maximal leicht gekrümmten Wurzel lokalisiert ist, lässt sie sich mit Sicherheit vorhersagbarer therapieren als ihr externes Pendant.

Ist das Pulpagewebe entfernt, stoppt die interne Resorption.

Dabei ist beim Erreichen der Resoptionslakune aufgrund der sehr guten Vaskularisierung mit einer deutlichen und langanhaltenden Blutung zu rechnen. Diese kann jedoch mit einem Mix aus schallbetriebener Irrigation und intrakanalärer Anästhesie mit einem adrenalinhaltigen Anästhetikum  gut beherrscht werden.

Während das koronale Kanaldrittel nur nekrotisches Gewebe enthielt, war selbst in dem stark obliterierten Mittelteil noch durchblutetes Gewebe enthalten. Nach initialer Instrumentierung wurde das mittlere Drittel mit Gates-Glidden-Drills bis zu Größe 4 erweitert, um nachfolgend die Resorptionslakune besser einsehen zu können. Der apikal gelegene Kanalanteil war rundlich und konnte nach Entfernung des Resorptionsgewebes unter endometrischer Kontrolle aufbereitet werden.

Während der apikale Anteil mit einem auf 3,5 mm gekürzten Guttaprcha-Cone gefüllt wurde (aufgebracht auf einen verlängerten Microopener, die exakt benötigte Länge wurde am DVT ermittelt) wurde die Resorptionslakune in Squirting-Technik gefüllt.

Der „Look“ ist sicher durch die Präparation mit den Gates-Glidden-Instrumenten ungewöhnlich. Hier war mir jedoch die Sicht in den Resorptionsbereich wichtiger, als die radiologische Ästhetik.

Ordentliche Perforation

Von Christoph Kaaden

Der zuweisende junge Kollege hatte mich am Telefon schon vorgewarnt…

„Ich glaube, ich habe den Zahn bei dem Trepanationsversuch perforiert…“

Was soll ich sagen…

er hatte auf jeden Fall mal recht mit seiner Annahme…

Ordentliche Perforation.001

Prä-OP

Ordentliche Perforation.002

Schräg gerichteter Blick in die Kavität. Bei dem Trepanationsversuch wurde auch der unter der Furkation liegende Knochen um ca. 2-3 mm an Höhe reduziert.

Im ersten Termin erfolgte zunächst das Auffinden der Kanalsysteme mit nachfolgender Präparation und Injektion einer medikamentösen Einlage. Nach Applikation eines resorbierbaren Widerlagers (Kollagen) erfolgte zum Abschluss der Therapie dann die Perforationsdeckung mittels Biodentine.

Im darauffolgenden zweiten Termin konnte dann bei Beschwerdefreiheit die Obturation mittels hydraulischem Zement und Guttapercha sowie Verschluss der Zugangskavität mittels Komposit durchgeführt werden.

Ordentliche Perforation.003

Masterpoint- und Downpack-Aufnahme 

Ordentliche Perforation.004

Post-OP mit Blick auf Biodentine-Deckung 

Ordentliche Perforation.005

Prä-OP vs Post-OP

Die Zeit muss zeigen, ob durch die „ordentliche Perforation“ eine dauerhafte Schädigung der Bifurkation entstanden ist…

 

 

Trauma nach Radunfall mit Déjà-vu (I)

Von Christoph Kaaden

 

Am Montag dieser Woche stellte sich ein 31-jähriger Mann bei uns vor, der am vorherigen Freitag einen Radunfall hatte (durch Autofahrer beim Abbiegen übersehen)…

Neben einer offenen Fraktur der rechten Zeigefingers mit Teilverlust der Fingerkuppe erlitt er ferner ein dentales Trauma in der oberen Front. Hierbei wurde laut Patient Zahn 21 stark nach palatinal disloziert. Ferner brach ein Teil der Zahnkrone des rechten Schneidezahns ab…

Die Erstversorgung mit Repositionierung von 21, „direkter“ Überkappung von 11 und Schienung erfolgte in einem kieferchirurgischen Notdienst. Eine Röntgendiagnostik erfolgte nicht.

Nachfolgend sehen sie die Eindrücke und Befunde der klinisch-radiologischen Untersuchung …

dabei hatte ich ein gewisses Déjà-vu und  musste zwangsläufig an diese Situation denken…

Trauma nach Radunfall.001Trauma nach Radunfall.002Trauma nach Radunfall.003Trauma nach Radunfall.004Trauma nach Radunfall.005

 

ich werde weiter berichten…

 

Zitat des Tages 20200422 Jens Spahn

Von Selbstreflexion keine Spur, das war zu erwarten…

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat sich während der Regierungsbefragung im Bundestag gegen Kritik am aktuellen Krisenmanagement gewehrt. Noch nie hätten in der Geschichte der Bundesregierung „in so kurzer Zeit, unter solchen Umständen, mit dem Wissen, das verfügbar ist und mit all den Unwägbarkeiten so tiefgreifende Entscheidungen getroffen werden müssen“, sagte der CDU-Politiker. „Ich bin immer ganz neidisch auf diejenigen, die schon immer alles gewusst haben“, sagte Spahn. In den vergangenen Wochen hätten wir alle viel dazu gelernt und es werde „eine Phase kommen, wo wir alle feststellen werden im Nachhinein, dass man vielleicht an der ein oder anderen Stelle falsch gelegen hat“. Das halte Spahn in einer Zeit wie der jetzigen für „vergleichsweise normal“.

Lateraler Kanal

Der Patient kam auf Überweisung mit akuten Beschwerden.
Den Hauszahnarzt kennen wir nicht. Es war die erste Überweisung. Der Patient hat sich informiert und um die Überweisung gebeten. Erst letztes Jahr wurde ein Zahn mit ähnlichem Befund entfernt. Einige Jahre zuvor wurden 22 Kronen eingesetzt.

Der HZA hat die Krone am Zahn 45 entfernt, den Zahn trepaniert und wieder provisorisch verschlossen.

Im Röntgenbild zeigte sich ein j-förmige mesio-apikale Aufhellung. Der erste Verdacht ist -Längsfraktur. Klinisch zeigten sich keine erhöhten Sondierungstiefen, bzw. eine einzeln sonderbarer Knocheneinbruch mesial.
Im angefertigten DVT konnten die Ursachen für diese j-förmige Aufhellung deutlich dargestellt werden – mindestens 2 laterale Kanäle.

Weiter geht es mit diesem Fall nächste Woche.

Zurück zur Normalität ? Das sind unsere Massnahmen !

Heute, am Montag, dem 20. April ist unser erster Arbeitstag post Corona.
Seit dem 16. März bis heute hatte uns Corona mehr oder weniger stark im Griff. Wir hatten 5 Tage Quarantäne, dann Kurzarbeit, zuletzt Osterurlaub.

Jetzt soll es – mit geänderten Rahmenbedingungen – wieder losgehen.
Aus der Überlegung heraus, dass uns CORONA eine ganze Zeit lange begleiten wird. Und untätig und hypnotisiert wie das Kaninchen auf die Schlange zu starren uns nicht weiterbringt.  Wir wollen daher versuchen, bestmöglich gerüstet unseren Job zu machen. Hilft ja nix.

Und ich vermute vielen, die hier mitlesen, geht es ebenso.
Die Notwendigkeit zu arbeiten, aus den unterschiedlichen Beweggründen, ist da.
Wie wird damit umgegangen ?

Was mich interessiert:

Was werdet ihr, liebe WURZELSPITZE-Leser konkret anders machen ?

Lasst uns unsere Erfahrungen, Gedanken, Ideen niederschreiben, zusammenfassen, austauschen.
Jede Kleinigkeit zählt und ist hilfreich.

Als Resultat dieses Beitrags soll am Ende eine Leitfaden stehen, der allen Lesern als Orientierung dienen kann, wie im täglichen Ablauf mit der Gesamtsituation sinnvollerweise umgegangen werden kann.

Zur Diskussion und als  Einstieg in die Thematik   möchte ich einen Beitrag von Tomas Lang stellen, der sein infolge Corona verändertes Praxis/Hygienekonzeot in einem Beitrag hier vorgestellt hat.

Stichtag für die Veröffentlichung hier an dieser Stell: 01. Mai 2020

 

 

 

 

Folgen iatrogenen Traumas

von Jörg Schröder

nach 4 Jahren festsitzender kieferorthöpädischer Behandlung und Einordnung des ehemals sehr weit vestibulär stehenden Zahnes 13 steht dieser Zahn zwar wieder in der Reihe, aber ….

Arzt über Corona-Patienten„Das kenne ich so von keiner anderen Krankheit“

Arzt über Corona-Patienten„Das kenne ich so von keiner anderen Krankheit“

Cihan Celik behandelt Covid-19-Kranke in Darmstadt. Hier spricht der Mediziner über seine Erfahrungen mit der neuartigen Viruserkrankung.
Ein Interview von Julia Köppe
Cihan Celik: Der 33-Jährige betreut eine Isolierstation für Covid-19-Patienten am Klinikum Darmstadt
Cihan Celik: Der 33-Jährige betreut eine Isolierstation für Covid-19-Patienten am Klinikum Darmstadt

 

Cihan Celik

„Wenn man sich die Sauerstoffwerte anguckt, erschrickt man“

 

37 mit akuten Beschwerden (3)

Den Fall haben wir hier und hier vorgestellt.

Wir haben uns im Vorfeld entschieden, die Behandlung des Isthmus abhängig vom klinischen Bild zu entscheiden. Sollten klinisch Gewebreste erkennbar sein, dann wird der Isthmus aufgezogen. Sollten wir keine Hinweise sehen, machen wir das abhängig von der Zugänigkeit in den apikalen Bereich des Isthmus.

Nach Anästhesie, erfolgte die Gingivaexcision mesial. Anschließend wurde ein Kofferdam von 38-43 inseriert und der Zahn präendodontisch mit sequentieller Matritzentechnik aufgebaut. Der Isthmus war klinisch im mikroskopischen Bild koronal verschlossen. Die apikale Aufzweigungen konnten sondiert werden.
Nach Aufbereitung und schall- und ultraschallaktivierter Desinfektion erfolgte eine CaOH Einlage. Als Spüllösungen kamen 3% NaoCl und 10% Zitronensäure zum Einsatz.
2 Wochen später erfolgte nach abschießender Desinfektion die thermische Obturation des Zahnes 37. Der Zahn war inzwischen symptomlos.

Anbei die Bilder und Röntgebilder der Behandlung.

Demut und Respekt!

Zwei ganz kurze stechende Schmerzen in meinem Zahn 26  beim Frühstück.
Ich kannte so etwas nicht, aber es war auszuhalten. Ich bin 56  und hatte Gott sei Dank noch nie in meinem Leben Zahnschmerzen. Auch – oder sollte ich sagen gerade nicht an diesem Zahn, der seit mehr als  40 Jahren sich als Zustand nach direkter Überkappung darstellt. Damals – in den 70ern – wurde mit sehr dickem Diamanten und Turbine exkaviert. Und zwar in exakt der Zeit, welche die Assistentin benötigte, um den Phosphatzement für die Unterfüllung anzurühren.  Die vorhandene Amalgamfüllung, bukkal und palatinal standen nur noch schmale Restwände, war möglicherweise genauso alt. Vielleicht auch  im Studium noch einmal erneuert, also immerhin mehr als 30 Jahre minimal auf dem Buckel, wobei ich – aus meiner rudimentären Erinnerung heraus- gebeten hatte, den Phosphatzement in situ zu lassen. Angesichts der vorhandenen P hatte ich seitdem entschieden – never change a running system – den Zahn solange es geht, in seinem Zustand zu belassen.

Vital war er in all den Jahren geblieben. Die vorhandene Zahnhalssensibilität, die jedes Eissessen und kalte Getränke zur Qual machte, ein untrügliches Zeichen.

Während ich meine frühmorgentliche Nahrungsaufnahme fortsetzte, die Zeitung überflog und dabei überlegte, ob nach all den Jahren eine Sekundärkaries der Grund für die Beschwerdeproblematik sein könnte und ich ein Zahnfilm zur Kariesdiagnostik noch in Erwägung zog, fühlte meine Zunge plötzlich eine rauhe Kante auf der palatinalen Seite des Zahnes.

Jetzt war alles klar.
Eine Fraktur, auf/unter Gingivaniveau reichend.

Das Bruchstück war nicht aufzufinden, ich musste es verschluckt haben, ohne das mir dies aufgefallen war, ich hatte nicht einmal bemerkt, wie es sich gelöst haben könnte.

Mindestens 15 Jahre her war meine letzter invasiver Kontakt beim Zahnarzt.
Jetzt liege ich auf dem Stuhl und harre der Dinge, die da kommen werden.

Um es kurz zu machen.
Es war furchtbar.

Nein, es tat nichts weh, aber die Bohrgeräusche.
Die Hölle. Das rote Winkelstück mit Diamant und Hartmetallfinierer noch schlimmer als das grüne Winkelstück mit dem Rosenbohrer.

Ich empfinde das als Folter.
Barbarische Folter.
Die Geräusche. Die Vibration. Das Hämmern und Rattern.
Und gleichzeitig bin ich unglaublich dankbar, das es jemanden gibt, der mir meinen Zahn erhält. Wieder in Ordnung bringt. Mich schmerzfrei behandelt. Das ich hinterher wieder gut kauen kann. Nicht mit einer Zahnlücke umherlaufen muss, Keine Zahnschmerzen habe.

Und der sein Handwerk beherrscht.
Ich nenne es Uhrmacherkunst.
Auf kleinstem Raum präzise Verrichtungen zu machen. Viele viele genau abgestimmte Handgriffe und Zureichungen, die wie Zahnräder ineinandergreifen müssen, um am Ende ein adäquates Produkt schaffen zu können.

Und ich blicke auf meine beiden Gegenüber, Zahnarzt und Assistenz.
Mit FFP 2 – Mundschutz, Schutzbrille, OP-Haube, Schutzkittel.
Keine 40 cm von mir entfernt. Das Aerosol, mein Aerosol benetzt meine Wange, meine Stirn, meine Brille. Ein potentieller COVID 19 – durchtränkter Spraynebel. Ich wurde vor kurzem COVID – 19 negativ getestet, aber wieviele Patienten können das von sich sagen. Und bin ich es immer noch ?
Seit dem Test sind 2,5 Wochen vergangen.

Und ich denke: „Danke, das ihr mich behandelt!“
Vor 150 Jahren hätte ich über viele Tage elendige Schmerzen erdulden müssen, die Behandlung – ganz gleich ob Füllung oder Extraktion – ohne Anästhetikum, wäre ein Qual gewesen. Und im Mittelalter wäre ich vielleicht an einem  sich mit der Zeit einstellenden Abszess gestorben.

Und ich frage mich.
Was läuft eigentlich falsch bei den Patienten ?
Die doch ebenso empfinden müssten.

Wo ist der Respekt, die Anerkennung ?
Warum erfährt man dies heute nur noch von den wenigsten Patienten ?

Heutzutage erfährt der Friseur, der Nagel-Designer, der Tätowierer mehr Wertschätzung als der Arzt oder der Zahnarzt.

Achten Sie einmal drauf, wie die Leute von diesem Personenkreis sprechen, wieviel Anerkennung, die kreative Leistung betreffend  diesen Personen zugesprochen wird. Was an Geld dafür locker gemacht hat, inwieweit eine Wartezeit am „Behandlungstag“ ohne Aufhebens toleriert wird  und wie die aufzuwendenden Geldbeträge als sinnvoll und angebracht investiert eingeordnet werden. Auch von Patienten, welche die Abrechnung einer Carpule Anästhestikums für 87 Cent als nicht rechtmäßig anprangern, weil dies von der privaten Krankenkasse nicht erstattet wird.

Es wird Zeit, dass sich was ändert.

 

Halbe Rahmen

Über Halbe Rahmen habe ich bereits geschrieben.

Nun kann man auch bei Halbe Rahmen einen Spuck-, bzw. Thekenschutz und Gesichtsvisiere ordern.

Die Preise sind moderat und wenn die Produkte nur annähernd die Qualität der Rahmen erreichen, dann sind die Visiere hilfreich.

Wir haben diese für uns geordert und werden berichten.

 

 

Oberkiefer Eckzahn mit ungewöhnlicher „Resorption“ (III)

Von Christoph Kaaden

 

Circa vier Wochen nach Abschluss der Behandlung des Zahnes 13 kontaktierte uns die Patientin erneut. Dieses Mal beklagte sie Schmerzen unklarer Genese in Regio 22.

Hier das daraufhin angefertigte Einzelzahnröntgenbild:

Reisxx 22.001

Aufgrund des unklaren Ausprägunggsgrades der distal erkennbaren Resorption (Sensibilität positiv, BOP +++) fertigten wir auch von dieser Region ein kleinvolumiges DVT an.

Als „Nebenbefund“ lässt sich auch das Behandlungsergebnis von Zahn 13 nochmals dreidimensional bewerten…

 

Die weitere Behandlung des Zahnes 22 stelle ich in zukünftigen Beiträgen vor…

 

Zitat des Tages 20200410 – Eine Schande für unser Gesundheitssystem

 

Prof. Dr. med. Dr. h.c. Paul Robert Vogt

Mit einem 85-Milliarden-Budget hat es die Schweiz – was die Anzahl Corona-Patienten pro 1 Million Einwohner betrifft – weltweit auf Rang 2 geschafft. Gratuliere! Was für eine Schande! Grundlegendes und billiges Material fehlt in der Schweiz nach 14 Tagen. Das kommt davon, wenn selbsternannte «Gesundheitspolitiker», «Gesundheits-Ökonomen» und IT-Experten Milliarden in Projekte wie e-Health, elektronische Gesundheitskarte, überteuerte Klinik-Informationssysteme (man frage einmal das Kantonsspital Luzern!), tonnenweise Computer und «Big Data» investieren und so vollkommen zweckentfremdet Milliarden aus dem Gesundheitswesen abziehen. Und Ärzteschaft und FMH sind buchstäblich zu blöd, endlich einmal dagegen aufzustehen. Sie lassen sich lieber jede Woche als Abzocker und Kriminelle titulieren. Die Schweiz muss endlich untersuchen, wie viel von 1 Million Kassengelder noch für medizinische Leistungen aufgewendet werden, welche direkt dem Patienten zugutekommen und wie viel Geld zweckentfremdet in Branchen-fremde Lobby-Vereinigungen fliesst, die sich schamlos am 85-Milliarden-Kuchen bereichern, ohne je einen Patienten gesehen zu haben.

Wenn ein Corona- Artikel lesenswert und als Zusammenfassung der Lage geeignet ist, dann dieser

Ich weiss, man will (oder kann) von COVID – 19 schon nichts mehr lesen. Das gilt fürs Schreiben im Übrigen genau so ;-)

Wenn ihr Euch aber noch einmal aufraffen könnte, dann investiert die 10 Minuten in den Artikel hier unten. Für Artikel- Querleser und für Leser mit knappem Zeitbedarf habe ich wichtige Aussagen rot markiert

 

COVID-19 – eine Zwischenbilanz oder eine Analyse der Moral, der medizinischen Fakten, sowie der aktuellen und zukünftigen politischen Entscheidungen

Prof. Dr. med. Dr. h.c. Paul Robert Vogt - Bild: Sandro Diener
Prof. Dr. med. Dr. h.c. Paul Robert Vogt – Bild: Sandro Diener

DMZ – FORSCHUNG / MEDIZIN / POLITIK ¦
GASTKOMMENTAR von Prof. Dr. med. Dr. h.c. Paul Robert Vogt

 

Überlegungen eines besorgten Schweizer Bürgers

 

Vorwort: wieso nehme ich überhaupt Stellung?

Aus 5 Gründen:

1. bin ich mit meiner Stiftung «EurAsia Heart – A Swiss Medical Foundation» seit mehr als 20 Jahren in EurAsien tätig, habe fast ein Jahr in China gearbeitet und seit 20 Jahren eine kontinuierliche Verbindung zum «Union Hospital of Tongji Medical College/Huazhong University of Science and Technology» in Wuhan, wo ich eine meiner vier Gastprofessuren in China habe. Die 20-jährige Verbindung zu Wuhan habe ich auch in den jetzigen Zeiten konstant aufrechthalten können.

2. ist COVID-19 nicht nur ein Problem der mechanischen Beatmung, sondern betrifft das Herz in ähnlicher Weise. 30% aller Patienten, welche die Intensivstation nicht überleben, versterben aus kardialen Gründen.

3. ist die letzt-mögliche Therapie des Lungenversagens eine invasiv-kardiologische, respektive kardiochirurgische: die Verwendung einer «ECMO», der Methode der «extrakorporellen Membran-Oxygenation», d.h. die Verbindung des Patienten mit einer externen, künstlichen Lunge, welche bei diesem Krankheitsbild die Funktion der Lunge des Patienten so lange übernehmen kann, bis diese wieder funktioniert.

4. bin ich – ganz einfach – um meine Meinung gefragt worden.

5. sind sowohl das Niveau der medialen Berichterstattung wie auch sehr viele Leser-Kommentare nicht ohne Widerspruch hinzunehmen und zwar in Bezug auf Fakten, Moral, Rassismus und Eugenik. Sie benötigen dringend einen Widerspruch durch zuverlässige Daten und Angaben.

Die dargelegten Fakten entstammen wissenschaftlichen Arbeiten, welche ein «peer-review» durchlaufen haben und in den besten medizinischen Zeitschriften publiziert worden sind. Viele dieser Fakten waren bis Ende Februar bekannt. Hätte man diese medizinischen Fakten zur Kenntnis genommen und wäre man fähig gewesen, Ideologie, Politik und Medizin zu trennen, wäre die Schweiz heute mit grosser Wahrscheinlichkeit in einer besseren Lage: wir hätten pro Kopf nicht die zweitmeisten COVID-19-positiven Leute weltweit und eine bedeutend kleinere Zahl an Menschen, welche ihr Leben im Rahmen dieser Pandemie verloren haben. Zudem hätten wir mit grosser Wahrscheinlichkeit keinen partiellen, unvollständigen «Lock-down» unserer Wirtschaft und keine kontroversen Diskussionen, wie wir hier wieder «herauskommen».

Anmerken möchte ich noch, dass alle wissenschaftlichen Arbeiten, die ich erwähne, bei mir im Original erhältlich sind.

 

1. Die Zahlen in den Medien

Es ist verständlich, dass alle das Ausmass dieser Pandemie auf die eine oder andere Art erfassen möchten. Nur, die tägliche Rechnerei hilft uns nicht weiter, da wir nicht wissen, wie viele Personen lediglich folgenlos Kontakt mit dem Virus hatten und wie viele Personen tatsächlich krank geworden sind.

 

Die Anzahl asymptomatischer COVID-19 Träger ist wichtig, um Vermutungen über die Ausbreitung der Pandemie machen zu können. Um brauchbare Daten zu haben, hätte man jedoch zu Beginn der Pandemie breite Massentests durchführen müssen. Heute kann man nur noch vermuten, wie viele Schweizer Kontakt mit COVID-19 hatten. Eine Arbeit mit einer amerikanisch-chinesischen Autorenschaft hat schon am 16. März 2020 publiziert, dass auf 14 dokumentierte mit 86 nicht-dokumentierten Fällen von COVID-19-positiven Personen zu rechnen ist. In der Schweiz muss man deshalb damit rechnen, dass wohl 15x bis 20x mehr Personen COVID-19-positiv sind, als in den täglichen Berechnungen dargestellt wird.

Um den Schweregrad der Pandemie zu beurteilen, bräuchten wir andere Daten:

  • eine exakte, weltweit gültige Definition der Diagnose «an COVID-19 erkrankt»: a) positiver Labortest + Symptome; b) positiver Labortest + Symptome + entsprechender Befund im Lungen-CT; oder c) positiver Labortest, keine Symptome, aber entsprechende Befunde im Lungen-CT.
  • die Anzahl hospitalisierter COVID-19-Patienten auf der Allgemeinabteilung
  • die Anzahl COVID-19-Patienten auf der Intensivstation
  • die Anzahl beatmeter COVID-19-Patienten
  • die Anzahl von COVID-19-Patienten am ECMO
  • die Anzahl an COVID-19 Verstorbenen
  • die Anzahl infizierter Ärzte und Pflegepersonen

Nur diese Zahlen ergeben ein Bild vom Schweregrad dieser Pandemie, respektive von der Gefährlichkeit dieses Virus. Die aktuelle Anhäufung von Zahlen ist derart ungenau und hat einen Touch von «Sensations-Presse» – das letzte, was wir in dieser Situation noch brauchen.

 

2. «Eine gewöhnliche Grippe»

Handelt es sich hier nur um «eine gewöhnliche Grippe», die jedes Jahr vorüberzieht und gegen die wir üblicherweise «nichts» unternehmen – oder um eine gefährliche Pandemie, welche rigide Massnahmen benötigt?

Um diese Frage zu klären, muss man bestimmt keine Statistiker fragen, die noch nie einen Patienten gesehen haben. Die reine, statistische Beurteilung dieser Pandemie ist sowieso unmoralisch. Fragen muss man die Leute an der Front.

Keiner meiner Kollegen – und ich natürlich auch nicht – und niemand vom Pflegepersonal kann sich erinnern, dass in den letzten 30 oder 40 Jahren folgende Zustände herrschten, nämlich dass:

  1. ganze Kliniken mit Patienten gefüllt sind, welche alle dieselbe Diagnose besitzen;
  2. ganze Intensivstationen mit Patienten gefüllt sind, welche alle dieselbe Diagnose aufweisen;
  3. 25% bis 30% der Pflegenden und der Ärzteschaft genau jene Krankheit auch erwerben, welche jene Patienten haben, die sie betreuen;
  4. zu wenig Beatmungsgeräte zur Verfügung standen;
  5. eine Patientenselektion durchgeführt werden musste, nicht aus medizinischen Gründen, sondern weil wegen der schieren Anzahl an Patienten schlicht das entsprechende Material gefehlt hat;
  6. die schwerer erkrankten Patienten alle dasselbe – ein uniformes – Krankheitsbild aufgewiesen haben;
  7. die Todesart jener, die auf der Intensivstationen verstorben sind, bei allen dieselbe ist;
  8. Medikamente und medizinisches Material auszugehen drohen.

Aufgrund von 1-8) ist es klar, dass es sich um einen gefährlichen Virus handelt, der dieser Pandemie zugrunde liegt.

Die Behauptungen, eine «Influenza» sei genau gleich gefährlich und koste jedes Jahr gleich viele Opfer ist falsch. Zudem ist die Behauptung, man wisse nicht, wer «an» und wer «wegen» COVID-19 sterbe, ebenso aus der Luft gegriffen.

 

Vergleichen wir Influenza und COVID19: hat man das Gefühl, bei Influenza seien immer alle Patienten «wegen» Influenza gestorben und nie einer «mit»? Sind wir Mediziner im Rahmen der COVID-19-Pandemie nun alle plötzlich so verblödet, dass wir nicht mehr unterscheiden können, ob jemand «mit» oder «wegen» COVID-19 stirbt, wenn diese Patienten eine typische Klinik, typische Laborbefunde und ein typisches Lungen-CT aufweisen? Aha, bei der Diagnose «Influenza» waren natürlich alle immer hellwach und haben immer die ganze Diagnostik bemüht und waren immer sicher: nein, bei der Influenza sterben alle «wegen» und nur bei COVID-19 viele «mit».

 

Zudem: wenn es in einem Jahr in der Schweiz angeblich 1600 Influenza-Tote gab, so sprechen wir über 1600 Tote über 12 Monate – ohne präventive Massnahmen. Bei COVID-19 gab es jedoch 600 Tote in 1(!) Monat und das trotz massiver Gegenmassnahmen. Radikale Gegenmassnahmen können die Verbreitung von COVID-19 um 90% senken – man kann sich also vorstellen, welches Szenario ohne Gegenmassnahmen herrschen würde.

 

Zudem: in einem Monat wurden in der Schweiz >2200 Patienten wegen COVID-19 hospitalisiert und es wurden gleichzeitig bis zu 500 Patienten auf verschiedenen Intensivstationen hospitalisiert. Nie hat jemand von uns auch nur annähernd solche Zustände im Rahmen einer «Influenza» gesehen.

 

Im Rahmen einer «gewöhnlichen» Influenza erwerben ca. 8% der Betreuenden ebenfalls eine Influenza, aber niemand stirbt daran. Bei COVID-19 werden 25% bis 30% der Betreuenden infiziert und das ist mit einer signifikanten Mortalität verbunden. Dutzende von Ärzten und Pflegepersonen, die COVID-19 Patienten betreut haben, sind an derselben Infektion verstorben.

 

Zudem: suchen Sie einmal die harten Zahlen zu «Influenza»! Sie werden keine finden. Was sie finden, sind Schätzungen: ca. 1000 oder 1600 in der Schweiz; ca. 8000 in Italien; ca. 20’000 in Deutschland. Eine FDA-Studie (US Food and Drug Administration) hat untersucht, wie viele der 48’000 Influenza-Toten eines Jahres in den USA wirklich wegen klassischer Influenza-Pneumonie gestorben sind. Resultat: alle möglichen Krankheitsbilder wurden unter «Tod durch Pneumonie» subsummiert, so z.B. auch die Lungenentzündung eines Neugeborenen, der bei der Geburt Fruchtwasser in die Lunge aspiriert hat. Die Anzahl der effektiv «wegen Influenza verstorbenen» – Patienten sank in dieser Analyse dramatisch weit unter 10’000 ab.

 

Auch in der Schweiz kennen wir die genaue Anzahl von Patienten nicht, die jährlich an Influenza versterben. Und dies trotz Dutzender massiv überteuerter Datenerfassungs-Systeme; trotz sinnloser Doppel- und Triple-Erfassung der Daten durch Kliniken, Krankenkassen und Gesundheitsdirektionen; trotz eines sinnlosen und überteuerten DRG-Systems, das nur Nonsens produziert. Wir können nicht mal exakt die Zahlen von hospitalisierten Influenza-Patienten pro Monat liefern! Aber Millionen und Milliarden für überteuerte und kontraproduktive IT-Projekte verschwenden.

 

Aufgrund des aktuellen Wissensstandes kann man insgesamt nicht von einer «gewöhnlichen Grippe» reden. Und deshalb ist die widerstandslose Durchseuchung der Gesellschaft auch kein Rezept. Ein Rezept, notabene, welches Grossbritannien, die Niederlande und Schweden versucht und nacheinander aufgegeben haben.

 

Aufgrund des aktuellen, mangelhaften Wissensstandes sagen auch die Zahlen des Monats März überhaupt nichts aus. Wir können glimpflich davonkommen, oder eine Katastrophe erleben. Rigide Massnahmen bewirken, dass die Kurve der Kranken flacher verläuft. Es geht aber nicht nur um die Höhe der Kurve, es geht auch um die Fläche unter der Kurve und diese repräsentiert am Ende die Anzahl Toter.

 

3. «Es sterben nur alte und kranke Patienten»

Prozentzahlen – Nebendiagnosen – Moral und EUGENIK

Das Alter der in der Schweiz Verstorbenen liegt zwischen 32 und 100 Jahren. Zudem gibt es einige Studien und Berichte, welche zeigen, dass auch Kinder an COVID-19 verstorben sind.

 

Ob wegen COVID-19 nun 0.9% oder 1.2% oder 2.3% versterben ist sekundär und bloss Futter für Statistiker. Relevant ist die absolute Anzahl an Toten, die diese Pandemie verursacht. Sind 5000 Tote weniger schlimm, wenn sie 0.9% aller COVID-19-Träger darstellen? Oder sind 5000 Tote schlimmer, wenn sie 2.3% aller COVID-19-Träger darstellen?

 

Angeblich beträgt das durchschnittliche Alter der verstorbenen Patienten 83 Jahre, was von vielen – von zu vielen in unserer Gesellschaft – wohl als vernachlässigbar abgetan wird.

 

Die lässige Grosszügigkeit, wenn andere sterben, ist in unserer Gesellschaft nicht zu übersehen. Das andere, das sofortige Geschrei und die immediaten Schuldzuweisungen, wenn es einem selber oder nächste Angehörige trifft, kenne ich zur Genüge.

 

Alter ist relativ. Der eine US-Präsidentschafts-Kandidat ist heute 73 und der andere ist 77 Jahre alt. Mit guter Lebensqualität ein hohes, selbstbestimmtes Alter zu erreichen, ist ein hohes Gut, für das wir in der Schweiz ins Gesundheitswesen investiert haben. Und es ist das Resultat der Medizin, dass man auch mit drei Nebendiagnosen bei guter Lebensqualität ein hohes Alter erreichen kann. Diese positiven Errungenschaften unserer Gesellschaft sind nun plötzlich nichts mehr wert, sondern, mehr noch, nur noch eine Last?

 

Zudem: wenn 1000 über 65-Jährige oder 1000 über 75-Jährige untersucht werden, die bisher meinten, sie seien gesund, haben nach einem gründlichen Check wohl >80% neu 3 „Nebendiagnosen“, besonders wenn es sich um die weit verbreiteten Diagnosen „hoher Blutdruck“ oder „Zucker“ handelt.

 

Gewisse Medien-Artikel und Leser-Kommentare – viel zu viele, meiner Meinung nach – überschreiten bei dieser Diskussion jede Grenze, haben den üblen Geruch der Eugenik und es kommen Erinnerungen an bekannte Zeiten auf. Muss ich wirklich jene Jahreszahlen nennen? Es erstaunt mich, dass unsere Medien nicht bemüht sind, in dieser Sache einmal Klartext zu schreiben. Es sind ja unsere Medien, welche diese erbärmlichen Meinungsäusserungen in ihren Kommentarspalten publizieren und so stehen lassen. Und ebenso erstaunlich ist, dass die Politiker es nicht für notwendig erachten, einmal eine klare Stellungnahme zu diesem Punkt abzugeben.

 

4. Diese Pandemie war angekündigt

War die Schweiz minimal auf diese Pandemie vorbereitet? NEIN.

Hat man Vorkehrungen getroffen, als COVID-19 im China ausgebrochen ist? NEIN.

Hat man wissen können, dass eine COVID-19-Pandemie über die Welt ziehen wird?

JA, SIE WAR ANGEKÜNDIGT UND DIE DATEN LAGEN BIS MÄRZ 2019 VOR.

  1. SARS war 2003.
  2. MERS war 2012.
  3. 2013 hat der Deutsche Bundestag Katastrophen-Szenarien diskutiert: wie bereitet sich Deutschland auf Katastrophen, z.B. Überschwemmungen vor. In diesem Rahmen wurde auch diskutiert, wie Deutschland auf eine zukünftigen SARS-Pandemie reagieren muss! Ja, im Jahre 2013 hat der Deutsche Bundestag eine SARS-Corona-Pandemie in Europa und Deutschland simuliert!
  4. In 2015 wurde eine experimentelle Gemeinschaftsarbeit von Forschern aus drei US-Universitäten, Wuhan und einem italienischen Forscher aus Varese, der in Bellinzona ein Labor hat, publiziert. Diese produzierten synthetisch hergestellte Corona-Viren im Labor und infizierten damit Zellkulturen und Mäuse. Grund der Arbeit: man wollte einen Impfstoff respektive monoklonale Antikörper produzieren, um gegen die nächste Corona-Pandemie gewappnet zu sein.
  5. Ende 2014 hatte die US-Regierung Forschung an MERS und SARS wegen der Gefährlichkeit für Menschen für ein Jahr ausgesetzt.
  6. 2015 hielt Bill Gates eine weit beachtete Rede und meinte: die Welt sei auf die nächste Corona-Pandemie unvorbereitet.
  7. 2016 erschien erneut eine Forschungsarbeit, welche mit Corona-Viren hantierte. Das «Summary» dieser Publikation muss man sich auf der Zunge zergehen lassen, denn es handelt sich hier um die perfekte Beschreibung dessen, was aktuell abläuft:
  8. “Focusing on SARS-like CoVs, the approach indicates that viruses using the WIV1-CoV spike protein are capable of infecting human alveolar endothelium cultures directly without further spike adaptation. Whereas in vivo data indicate attenuation relative to SARS-CoV, the augmented replication in the presence of human Angiotensin-Converting-Enzyme Typ 2 in vivo suggests that the virus has significant pathogenic potential not captured by current small animal models.”
  9. Im März 2019 wurde in der epidemiologischen Studie von Peng Zhou aus Wuhan gesagt, dass u.a. aufgrund der Biologie der Corona-Viren in den Fledermäusen („bat“) in China vorausgesagt werden kann, dass es in Kürze eine erneute Corona-Pandemie geben werde. Mit Sicherheit! Man könne nur nicht genau sagen wann und wo, aber China werde der hot-spot sein.

Im Prinzip waren das 8 KONKRETE, DEUTLICHE WARNUNGEN INNERHALB VON 17 JAHREN, dass so etwas kommen wird. UND DANN KOMMT ES TATSÄCHLICH! Im Dezember 2019, 9 Monate nach Peng Zhou’s Warnung. Und die Chinesen informieren die WHO nachdem sie 27 Patienten mit atypischer Pneumonie ohne Todesfall gesehen haben. Noch am 31. Dezember beginnt die Reaktionskette von Taiwan, die aus insgesamt 124 Massnahmen bestand – alles bis zum 03. März 2020 publiziert. Und nein, es wurde nicht auf Taiwanesisch-chinesisch in einer Asiatischen Medizinischen Zeitschrift publiziert, sondern unter Mitarbeit der University of California im „Journal of American Medical Association“.

 

Das Einzige was man tun musste: ab dem 31. Dezember 2019 „bat + coronavirus“ in «PubMed», der U.S. National Library of Medicine, eingeben und alle Daten lagen vor. Und man musste nur die Publikationen bis Ende Februar 2020 verfolgen, um zu wissen, 1) was auf uns zukommt und 2) was zu tun ist.

 

Uzbekistan hat im Dezember ihre 82 Studenten aus Wuhan zurückbeordert und alle in Quarantäne gesteckt. Am 10. März habe ich von Uzbekistan aus, weil ich nach meiner Meinung gefragt worden war, die Schweiz gewarnt: Parlamentarier, Bundesrat, BAG, Medien. 

 

Und was hat die Schweiz seit der Meldung China’s an die WHO am 31. Dezember 2019 gemacht? Unsere Landesregierung, unser BAG, unsere Experten, unsere Pandemiekommission? Es sieht so aus, dass sie nichts mitbekommen haben. Natürlich, die Situation ist heikel. Sollte man die Bevölkerung informieren? Panik säen? Wie vorgehen? Was man wenigstens hätte tun können: die exzellenten wissenschaftlichen Arbeiten der Chinesischen und Amerikanisch-Chinesischen Wissenschaftler studieren, die in den besten Amerikanischen und Englischen Medizinischen Zeitschriften publiziert worden sind.

 

Man hätte wenigstens – und das wäre ohne Information an die Bevölkerung, ohne Panik zu säen, machbar gewesen – man hätte wenigstens das notwendige medizinischen Material auffüllen können. Dass die Schweiz mit ihrem 85-Milliarden-schweren Gesundheitswesen, in welchem eine durchschnittliche 4-köpfige Mittelstandsfamilie die Krankenkassen-Prämien nicht mehr bezahlen kann, nach 14 Tagen lauem Gegenwind an der Wand steht, über zu wenig Masken, zu wenig Desinfektionsmittel und zu wenig medizinischem Material verfügt, ist eine Schande. Was hat die Pandemie-Kommission gemacht? Wenn das keine PUK braucht. Aber keine, die nur mit Politkern besetzt ist.

 

Und so hat sich das behördliche Versagen bis heute fortgesetzt. Keine der von Singapur, Taiwan, Hongkong oder China erfolgreich eingesetzten Massnahmen wurden angewendet. Keine Grenzschliessung, keine Grenzkontrollen, jeder konnte und kann immer noch problemlos in die Schweiz immigrieren ohne überhaupt kontrolliert zu werden (habe ich am 15. März selber so erfahren).

 

Es waren die Österreicher, welche die Grenze zur CH geschlossen haben und es war die italienische Regierung, welche Ende März endlich die SBB gestoppt hat und so weiter und so fort. Und noch heute gibt es keine Quarantäne für Personen, die in die Schweiz einreisen.

 

Wurde die Forschungsgruppe von Antonio Lanzavecchia in Bellinzona konsultiert? Antonio Lanzavecchia, der an den oben erwähnten Forschungsarbeiten zu den synthetisch hergestellten Corona-Viren als Co-Autor beteiligt war? Wie kann es sein, dass Hr. Lanzavecchia am 20. März in einem kleinen Tessiner TV-Sender sagt, dass dieses Virus extrem ansteckend und extrem resistent sei – das BAG am 22. März, 2 Tage später also, von einem «Silberstreifen am Horizont» schreibt?

 

Wie kann es sein, dass eine gemischt Amerikanische-Chinesische Autorenschaft am 06. März im «Science» publiziert, dass nur eine kombinierte Grenzschliessung und eine lokale Ausgangssperre effektiv sind, dann aber die Verbreitung des Virus um 90% einzudämmen vermögen – das BAG und Bundesrat aber mitteilen, dass Grenzschliessungen nichts bringen, «weil sich die meisten sowieso zu Hause anstecken» würden.

 

Das Maskentragen wurde für nicht notwendig befunden – aber nicht, weil dessen Effektivität nicht bewiesen wäre. Nein, weil man schlicht nicht genügend Masken zur Verfügung stellen konnte. Man müsste lachen, wenn es nicht so tragisch wäre: statt die eigenen Versäumnisse einzugestehen und sie immediat zu korrigieren, hat man lieber den Deutschen Botschafter einbestellt. Was hat man ihm gesagt? Dass das 85-Milliarden-schwere Schweizer Gesundheitswesen keine Masken hat, um seine Bürger, Pflegende und Ärzte zu schützen?

 

Die Serie von peinlichen Pannen lässt erweitern: Hände-Desinfektion! Empfohlen, da wirksam und schon zu Zeiten der Spanischen Grippe empfohlen. Haben wir von unseren Entscheidungsträgern je gehört, welche Desinfektionsmittel denn wirksam sind und welche nicht? Haben wir nicht, obwohl am 06. Februar 2020 ein Summary von 22 Arbeiten im «Journal of Hospital Infection» publiziert worden ist, welches schon damals berichtete, dass Corona-Viren bis zu 9 Tage auf Metall, Plastik und Glas überleben können und welche drei Desinfektionsmittel das Virus innert 1(!) Minute killen und welche nicht. Natürlich konnte man das richtige Desinfektionsmittel nicht konkret empfehlen: der Bürger hätte dann gemerkt, dass gar nicht genug davon vorhanden ist, weil das Pandemie-Lager, welches Ethanol (62%iges bis 71%iges Ethanol killt Corona-Viren innerhalb einer Minute) bereithalten sollte, 2018 aufgelöst worden war.

 

Als die Schwierigkeiten der Pandemie auch für das BAG offensichtlich wurden, liess man verlauten, dass Patienten, welche auf die Intensivstation müssten, sowieso schlechte Chancen hätten. Dies im klaren Widerspruch zu 4 bis dahin publizierten wissenschaftlichen Arbeiten, welche übereinstimmend berichten, dass 38% bis 95% aller Patienten, die auf die Intensivstation mussten, nach Hause entlassen werden konnten.

 

Ich will hier keine weiteren Punkte erwähnen. Klar sind zwei Dinge: die Pandemie wurde seit 2003 mindestens 8x angekündigt. Und nachdem ihr Ausbruch am 31. Dezember 2019 der WHO gemeldet worden war, hätte man 2 Monate Zeit gehabt, die richtigen Daten zu studieren und die richtigen Konsequenzen zu ziehen. Taiwan zum Beispiel, dessen 124 Massnahmen früh publiziert worden sind, hat am wenigsten Infizierte und Todesfälle und hat keinen «Lock-down» der Wirtschaft durchführen müssen.

 

Die Massnahmen der Asiatischen Ländern wurden aus politischen und diffusen Gründen als für uns nicht machbar qualifiziert. Einer davon: das Tracking Infizierter. Angeblich unmöglich und das in einer Gesellschaft, die ihre privaten Daten ohne Probleme an iCloud’s und Facebook auslagert. Tracking? Wenn ich jeweils in Tashkent, Peking oder Yangon aus dem Flugzeug steige, dauert es 10 Sekunden und Swisscom heisst mich im jeweiligen Land willkommen. Tracking? Nein gibt es bei uns nicht.

 

Hätte man sich besser orientiert, hätte man gesehen, dass gewisse Länder ohne rigide Massnahmen ausgekommen sind. In der Schweiz hat man allenfalls semi-rigide oder gar keine Massnahmen ergriffen, sondern hat die Bevölkerung im eigentlichen Sinne durchseuchen lassen. Rigidere Massnahmen wurden zu spät ergriffen. Hätte man reagiert, hätte man vielleicht keine solchen Massnahmen ergreifen müssen – und könnte sich die aktuellen Diskussionen um einen «Ausstieg» ersparen. Von den ökonomischen Folgen will ich gar nicht reden.

 

5. Politische Aspekte – Propaganda

Warum hat man nicht nach Asien geschaut? Es gab genug Zeit. Oder anders: wie hat man nach Asien geschaut? Die Antwort ist klar: arrogant, ignorant und besserwisserisch. Typisch europäisch, oder sollte ich sagen, typisch schweizerisch?

 

Xi Jinping war noch nett, als er meinte, Europa sei wegen seines «Narzissmus» innert kürzester Zeit das weltweite Zentrum der Pandemie geworden. Ich würde hinzufügen: wegen seiner Arroganz, seiner Ignoranz und seines unsäglichen Besserwissertums.

 

In den Kommentarspalten haben immer mehr Leser unserer Medien bemerkt, dass wir vielleicht aufhören sollten, andere konstant zu belehren, wenn wir selber pro Kopf mit Spanien zusammen die höchste Rate an COVID-19-positiven Leuten und eine der höchsten Sterberaten haben.

 

Europa scheint unbelehrbar. Amerika – zumindest seine Wissenschaftler und ein Teil seiner politischen Journalisten – haben anders reagiert. Amerika hat die exzellenten wissenschaftlichen Arbeiten Chinesischer Autoren anerkannt und sie in ihren besten Medizinischen Zeitschriften publiziert. Selbst im «Foreign Affairs», der wichtigsten Essay-Zeitschrift zur internationalen Politik finden sich Arbeiten mit Überschriften wie: «Was die Welt von China lernen kann»; und «China hat eine App und der Rest der Welt braucht einen Plan»; ferner, dass die «internationale Kooperation der Wissenschaftler ein Beispiel dafür sei», wie man in anderen Bereichen «multipolar zusammenarbeiten müsse» und wie die Welt nun einmal «interconnected» sei. Selbst der oft zitierte Anthony Fauci, Trump’s Chef-Virologie, rühmte im «Foreign Affairs» die Zusammenarbeit mit den Chinesischen Kollegen.

 

Dass die US-Politführung das nicht umgesetzt hat, ist nicht das Problem der Wissenschaftler, welche, inklusive WHO, die exzellente Arbeit der Chinesen vor Ort lobten: «the Chinese know exactly what they do»; «and they are really, really good at it».

 

Dagegen veröffentlichte das Deutsche Magazin DER SPIEGEL einen Artikel mit der Überschrift «Tödliche Arroganz» und damit meinten sie nicht Amerika, sondern das überhebliche Europa.

 

Was sind die Fakten?

  1. Nach der SARS-Epidemie hat China ein Überwachungsprogramm installiert, welches eine auffällige Häufung atypischer Lungenentzündungen so früh wie möglich melden sollte. Als 4 Patienten in diesem Land mit seiner gigantischen Bevölkerung in kurzer Zeit eine atypische Lungenentzündung zeigten, hat das Überwachungssystem Alarm ausgelöst
  2. Nachdem bei 27 (andere Quellen sagen: 41) Patienten in Wuhan eine atypische Pneumonie diagnostiziert worden war, aber noch kein einziger Todesfall vorlag, hat die chinesische Regierung am 31. Dezember die WHO informiert.
  3. Am 07. Januar 2020 hat dasselbe Team von Peng Zhou, welches im März 2019 vor einer Corona-Pandemie gewarnt hatte, das vollständig definierte Genom des verursachenden Virus an die Welt weitergegeben, damit so schnell wie möglich weltweit Test-Kits entwickelt, eine Impfung erforscht und monoklonale Antikörper hergestellt werden können.
  4. entgegen der Meinung der WHO haben die Chinesen Wuhan im Januar mit einem «travel ban» und einer Ausgangssperre lahmgelegt.
  5. Ich erspare es mir, auf die anderen Massnahmen einzugehen, welche in China getroffen worden sind. Nach Meinung internationaler Forschungsteams hat China mit diesen früh und radikal einsetzenden Massnahmen Hunderttausenden von Patienten das Leben gerettet.
  6. am 31. Dezember 2019 hat Taiwan alle Flüge aus Wuhan gestoppt. Die weiteren 124 Massnahmen Taiwans sind im «Journal of American Medical Association» publiziert – rechtzeitig. Man hätte sie nur zur Kenntnis nehmen müssen.

Ohne Zweifel hat die «Command and Control»-Struktur Chinas initial zu einer Unterdrückung relevanter Informationen geführt, umgekehrt jedoch später bei der Begrenzung der Pandemie umso effektiver funktioniert. Der Umgang mit dem Augenarzt Li Wenliang ist schrecklich, passt jedoch zu solchen Ereignissen. Als 1918 der amerikanische Landarzt Loring Miner in Haskell County im US-Bundesstaat Kansas mehrere Patienten mit Grippesymptomen sah, welche an Heftigkeit alles Bisherige übertrafen, hat er sich an den „United States Public Health Service“ gewandt und um Unterstützung gebeten. Diese wurde im verweigert. Drei Patienten von Haskell County wurden zum Militärdienst eingezogen. Albert Gitchell, der Küchenunteroffizier – der Patient NULL – verbreitete das Virus in jener Kompanie, für die er kochte und die nach Europa verlegt wurde. 40 Tage später gab es in Europa 20 Millionen Infizierte und 20’000 Tote. Die 1918 Pandemie hat mehr Tote verursacht, als der 1. Weltkrieg.

 

Die Klagen des Westens über die «Behandlung» von Li Wenliang sind berechtigt, aber triefen von Doppelmoral, weiss man doch, welches Schicksal Whistleblower im Westen mit seinen tollen Werten widerfahren. Auch die US-Regierung versuchte, medizinische Informationen zu filtern, indem die führenden Virologen Amerikas von Trump angewiesen worden waren, jede öffentliche Aussage zuvor mit Mike Pence, dem Vize-Präsidenten, zu besprechen, was im kürzlich erschienen «Science» unter dem Titel «Do us a favor» als «unacceptable» bezeichnet und mit China verglichen worden ist.

 

Politik ist das eine, die wissenschaftlichen Arbeiten sind das andere. Bis Ende Februar 2020 sind derart viele, exzellente wissenschaftliche Arbeiten mit Chinesischen und gemischt Amerikanisch-Chinesischen Autoren erschienen, dass man hätte wissen können, um was es bei dieser Pandemie geht und was man vorkehren sollte.

 

Warum hat man alles verpasst?

Weil weder Politiker, noch Medien und die Mehrzahl der Bürger nicht fähig sind, in einer solchen Situation Ideologie, Politik und Medizin zu trennen. Eine virale Pneumonie ist ein medizinisches und kein politisches Problem. Dank des politisch-ideologisch begründeten Ignorierens medizinischer Fakten hat sich Europa in kürzester Zeit selber zum weltweiten Pandemie-Zentrum gemacht – mitten drin die Schweiz mit der zweithöchsten pro Kopf Infektionsrate.

 

Politik und Medien spielen hier eine besonders unrühmliche Rolle. Statt sich auf das eigene Versagen zu konzentrieren, wird die Bevölkerung durch ein fortgesetztes, dümmliches China-Bashing abgelenkt. Dazu kommen, wie immer, Russland-Bashing und Trump-Bashing. Man muss Trump keinesfalls mögen – aber bis die USA bezüglich der COVID-19-Todesfälle pro Kopf gleichauf mit der Schweiz liegt, müssen sie 30’000 Tote haben.

 

Wie kann man konstant andere Länder kritisieren, wenn man mit dem zweitteuersten Gesundheitswesen der Welt pro Kopf am zweitmeisten Infizierte hat und weder genügend Masken, noch genügend Desinfektionsmittel, noch genügend medizinisches Material vorweisen kann? Die Schweiz wurde von dieser Pandemie nicht überrascht – nach dem 31. Dezember 2019 hat man mindestens 2 Monate Zeit gehabt, die dringendst notwendigen Vorkehrungen zu treffen. Und zu diesem Verhalten haben die Medien beileibe genug dazu beigetragen. Die mediale Berichterstattung erschöpft sich im Schönreden, was Bundesrat und BAG veranlassen sowie im Kritisieren anderer Länder.

 

Beispiele von dümmlichem China-Bashing gibt es genug: «die Chinesen sind schuld»! Wer so etwas behauptet, versteht nichts von Biologie und Leben überhaupt. «Alle Pandemien kommen aus China»: die Spanische Grippe war in Tat und Wahrheit eine Amerikanische Grippe, HIV kam aus Afrika, Ebola kam aus Afrika, die Schweinegrippe aus Mexico, die Cholera-Epidemie der 60er-Jahre mit Millionen von Toten aus Indonesien und MERS aus dem Nahen Osten mit Zentrum Saudi-Arabien.

 

Ja, SARS kam aus China. Aber die Chinesen haben im Gegensatz zu uns gelernt, wie «Foreign Affairs» am 27. März 2020 schreibt: «Past Pandemics Exposed China’s Weakness. The Current One Highlights Its Strengths”.

 

Wenn konstant behauptet wird, die Zahlen, welche China zur COVID-19-Pandemie veröffentlicht, seien sowieso alle beschönigt, was heisst dann das? Heisst das, dass wir deshalb nichts unternehmen müssen? Oder heisst es nicht viel mehr, dass es sich – sind dies Zahlen wirklich beschönigt – um eine noch viel gefährlichere Pandemie handelt, für die wir in Europa Vorkehrungen treffen sollten? So viel zur Logik von sinnlosem, politischem Nach-Geplapper.

 

Mit konstanten Aussagen wie «die Chinesen lügen sowieso nur» «Taiwan kann man nichts glauben»; «Singapur, eine Familien-Diktatur, lügt sowieso» kommt man dieser Pandemie nicht bei. Auch hier agiert die US-Zeitschrift «Foreign Affairs» – bestimmt nicht per se China-freundlich – intelligenter, wie man am 24. März 2020 lesen kann: «The U.S. and China Could Cooperate to Defeat the Pandemic. Instead, Their Antagonism Makes Matters Worse”. Und am 21. März: “It Takes a World to End a Pandemic. Scientific Cooperation Knows No Boundaries – Fortunately”.

 

Ich kann die Kritik von Lukas Bärfuss nur begrüssen. Insbesondere seine Aussage:

«Warum die entsprechenden Fabriken nicht mehr in Biberist stehen. Sondern in Wuhan. Und ob dieses Allokationsproblem vielleicht nicht nur Zellulose betrifft, sondern auch Information, Bildung, Nahrung und Medikamente».

Diese Aussage trifft ins Schwarze und demaskiert unsere Arroganz und Ignoranz.

 

Reicht es nicht, dass der Westen zu Beginn dieser Pandemie hochnäsig und mit einer gewissen Schadenfreude nach China geschaut hat? Muss jetzt die Unterstützung der westlichen Staaten durch China auch noch bösartig diffamiert werden? China hat bis heute 3.86 Milliarden Masken, 38 Millionen Schutzanzüge, 2.4 Millionen Infrarot-Temperatur-Messgeräte und 16’000 Beatmungsgeräte geliefert. Nicht Chinas angeblicher Weltmachtsanspruch, sondern das Versagen der westlichen Länder hat dazu geführt, dass der Westen buchstäblich am medizinischen Tropf Chinas hängt.

 

6. Woher stammt dieses Virus?

Auf unserem Globus gibt es ungefähr 6400 Säugetier-Arten. Fledermäuse (bats) und Flughunde machen 20% der Säugetier-Population aus. Es gibt 1000 verschiedene Arten von Fledermäusen und Flughunden. Es sind die einzigen Säugetiere, die fliegen können, was ihren grossen Bewegungsradius erklärt.

 

Fledermäuse und Flughunde beherbergen eine Unzahl von Viren. Wahrscheinlich sind Fledermäuse und Flughunde in der Entwicklungsgeschichte die Eintrittspforte von Viren in den Stammbaum der Säugetiere gewesen.

 

Es gibt zahlreiche gefährliche Viren, welche von den «Bats» auf den Menschen übergesprungen sind und für viele Krankheiten verantwortlich sind: Masern, Mumps, Tollwut, Marburg-Fieber, Ebola und andere, seltenere, nicht weniger gefährliche Krankheiten. Auch bei anderen Säugetieren haben von «Bats»-stammende Viren immer wieder zu Massensterben in der Schweine-, Hühner- oder Vogelzucht geführt.

Dies sind entwicklungs-geschichtlich Jahr-Millionen alte biologische Vorgänge. Auch in der DNA gesunder Menschen finden sich Reste von viraler Gensequenzen, die über die Jahrtausende «eingebaut» worden sind.

 

SARS und MERS haben die Forschung an Corona-Viren intensiviert, gerade weil man mit einer baldigen, neuen Corona-Viren-Epidemie, respektive Pandemie gerechnet hat. 22 der 38 bekannten und noch lange nicht definitiv klassifizierten Corona-Viren wurden von chinesischen Forschern in extenso studiert, siehe u.a. Peng Zhou’s Publikation zur Epidemiologie der «bat coronaviruses in China» sowie die anderen, oben erwähnten Publikationen Amerikanischer Autoren. Peng Zhou hat im März 2019 eine baldige, neue Corona-Epidemie vorausgesagt und zwar aus folgenden Gründen:

 

Die Tatsache, dass viele dieser Viren – Corona-Viren, aber auch Ebola- oder Marburg-Viren – zusammen in diesen «Bats» hausen und zufällig genetisches Material austauschen können

Obwohl nicht bewiesen, hat Peng Zhou auch die Essgewohnheiten der Chinesenangesprochen, welche die Wahrscheinlichkeit einer Transmission dieser Viren von Tieren auf den Mensch erhöhen. Peng Zhou hat in seinem Artikel vom März 2019 vor einer Corona-Pandemie gewarnt. Und er schrieb, dass er nicht sagen könne, wann genau und wo diese Pandemie ausbrechen würde, aber dass China mit grosser Wahrscheinlichkeit ein «hot-spot» sein werde. So viel zur wissenschaftlichen Freiheit notabene. Peng Zhou und seine Gruppe aus Wuhan haben weitergeforscht und sie waren es, die bereits am 7. Januar das Genom von COVID-19 identifiziert und der ganzen Welt mitgeteilt hatten.

 

Es gibt 4 Theorien, wie dieses Virus auf den Menschen übergesprungen ist:

  1. hohe Biodiversität in China;
  2. hohe Anzahl an «Bats» in China;
  3. hohe Bevölkerungsdichte in China = nahes Zusammenleben zwischen Tier und Mensch;
  4. hohe genetische Variabilität der «Bats», d.h. eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass sich das Genom einzelner Coronavirus-Typen spontan im Rahmen zufälliger Mutationen verändern kann;
  5. hohe aktive genetische Rekombination von Corona-Viren, heisst: Corona-Viren verschiedener Typen tauschen untereinander Genom-Sequenzen aus, die sie dann für den Menschen aggressiver machen können;

Das Besondere an diesen Tatsachen ist, dass Corona-Viren zusammen mit dem Ebola-Virus auf ein und demselben «Bat» leben können, ohne dass die Fledermaus erkrankt. Einerseits ist dies wissenschaftlich interessant, weil vielleicht Immunmechanismen gefunden werden können, die erklären, wieso diese Fledermäuse nicht erkranken. Diese Immunmechanismen gegenüber Corona-Viren und dem Ebola-Virus könnten Erkenntnisse liefern, die für den Homo sapiens von Bedeutung ist. Anderseits sind diese Tatsachen beunruhigend, weil man sich vorstellen kann, dass sich aufgrund der hohen, aktiven, genetischen Rekombination ein Supervirus bilden kann, welches eine längere Inkubationsdauer als das aktuelle COVID-19-Virus, aber die Letalität des Ebola-Virus aufweist.

 

SARS wies eine 10%ige Mortalität auf, die Mortalität von MERS betrug 36%. Es war nicht das Verdienst des Homo sapiens, dass SARS und MERS sich nicht so schnell ausgebreitet haben, wie jetzt COVID-19. Das war einfach nur Glück. Die Behauptung, dass ein Virus, welches eine hohe Mortalität habe, sich nicht ausbreiten könne, weil es ja viel zu schnell seinen Wirt umbringe, war zu den Zeiten richtig, als eine „infizierte“ Kamelkarawane von X’ian Richtung Seidenstrasse losgezogen ist und wegen der hohen Mortalität in der nächsten Karawanserei gar nicht mehr ankam. Heute geht das Ruckzuck. Heute sind alle massivst vernetzt. Ein Virus, das in 3 Tagen tötet, geht trotzdem um die Welt. Alle kennen Peking und Shanghai. Ich kenne Wuhan seit 20 Jahren. Keiner meiner Kollegen und Bekannten hat je etwas von Wuhan gehört. Aber hat man gesehen, wie viele Ausländer es in Wuhan – in einer Stadt, die „niemand“ kennt – gab und wie sie blitzschnell in alle Weltregionen verteilt wurden? Das ist die heutige Situation.

 

7. Was wissen wir? Was wissen wir nicht?

Wir wissen,

dass es sich um ein aggressives Virus handelt;

  1. Das COVID-19-Virus ist von einer Fledermaus direkt auf den Menschen übertragen worden. Dasjenige Virus, welches in Frage kommt und genetisch zu 96% mit dem aktuellen «COVID-19» Virus übereinstimmt, kann jedoch von seiner Struktur her nicht an das «Angiotensin-Converting-Enzyme» (ACE) Typ 2 in der Lunge andocken. Das Virus benötigt aber dieses Enzym, um in die Lungenzellen (und in die Zellen des Herzens, der Niere und des Darmes) eindringen und diese zerstören zu können.
  2. Ein COVID-19-Virus sprang vom Pangolin, einem Malaysischen Säugetier mit Schuppen, welches illegal in China eingeführt worden sei, auf den Menschen und war zunächst nicht Krankheits-erregend. Im Rahmen konsekutiver Mensch-zu-Mensch-Transmissionen hat sich dieses Virus an die beim Menschen vorliegenden Rahmenbedingungen dank Mutation oder Adaptation angepasst und konnte schliesslich an den ACE2-Rezeptor andocken und in die Zellen eindringen, womit die Pandemie «startete».
  3. Es gibt einen Elternstamm dieser beiden COVID-19-Viren, der bis anhin leider unentdeckt blieb.
  4. Es handelt sich um ein synthetisches Labor-Virus, denn genau daran wurde geforscht und der biologische Mechanismus der Krankheits-Erregung ist ja im Detail schon 2016 beschrieben worden. Die angefragten Virologen verneinen natürlich diese Möglichkeit, können sie aber auch nicht ausschliessen, nachzulesen im eben publizierten «Nature Medicine»: «The proximal origin of SARS-CoV-2» von Kristian Andersen.

Was wir nicht wissen:

  1. ob nach durchgemachter Infektion eine Immunität vorliegt, oder nicht. Gewisse Daten weisen darauf hin, dass der Mensch ab dem 15. Tag Immunglobuline der G-Klasse entwickeln kann, welche eine erneute Infektion mit demselben Virus verhindern sollten. Aber es ist noch nicht definitiv bewiesen;
  2. wie lange eine allfällige Immunität schützen könnte;
  3. ob dieses COVID-19-Virus stabil bleibt, oder ob sich im Herbst analog der üblichen Grippe-Welle erneut ein leicht verändertes COVID-19 über ganze Welt verbreitet, gegen welches keinerlei Immunität vorliegt;
  4. ob uns die höheren Temperaturen des Sommers helfen, weil die Hülle des COVID-19 bei höheren Temperaturen instabil ist. Hier muss erwähnt werden, dass das MERS-Virus sich im Nahen Osten in den Monaten Mai bis Juli verbreitet hatte, als die Temperaturen höher waren, als sie bei uns je sind;
  5. wie lange es dauert, bis eine Population so durchseucht ist, dass der R-Wert <1 ist:
  6. Wenn man zu einem bestimmten Zeitpunkt 1 Million Zürcher testet, sollen aktuell angeblich 12% bis 18% COVID-19 positiv sein. Um der Pandemie ihren Pandemie-Charakter zu nehmen, müsse der R-Wert <1 sein, d.h. circa 66% der Bevölkerung müssen mit dem Virus Kontakt gehabt und Immunität entwickelt haben. Niemand weiss, wie lange, wie viele Monate es dauern wird, bis die Durchseuchung, die aktuell 12% bis 18% betragen soll, 66% erreicht hat! Aber man kann davon ausgehen, dass die Weiterverbreitung des Virus von 12% bis 18% auf 66% der Bevölkerung weiterhin schwerkranke Patienten generieren wird.
  7. wir wissen also nicht, wie lange wir mit diesem Virus zu tun haben werden. Zwei Berichte, welche der Öffentlichkeit nicht zugänglich sein sollten (U.S.- Government COVID Response Plan sowie ein Bericht des Imperial College London) kommen unabhängig voneinander auf eine „Lock-down“-Phase von bis zu 18 Monaten;
  8. und wir wissen nicht, ob uns dieses Virus epidemisch/pandemisch oder vielleicht sogar endemisch beschäftigen wird;
  9. wir haben nach wie vor keine anerkannte und breit anwendbare, definierte Therapie; eine solche haben wir auch bei der Influenza nie präsentieren können.
  10. Vielleicht sollten Behörden und Medien einmal die Fakten auf den Tisch legen, statt alle zwei Tage Meldungen von einer scheinbar erfolgreichen Impfung, die nicht mehr weit weg ist, zu präsentieren.

8. Was können wir aktuell tun?

Die Frage nach den besten Lösungsansätzen kann ich auch nicht beantworten. Ob die Schweiz die Pandemie überhaupt noch eindämmen kann, oder ob die Durchseuchung der Bevölkerung unbeeinflusst weiterläuft, weil man initial alle Massnahmen verschlafen hat, ist möglich.

 

Wenn dem so ist, kann man nur hoffen, dass wir diese „Politik“ nicht mir zu vielen Toten und Schwerkranken bezahlen. Und dass nicht zu viele Patienten an den Langzeitfolgen einer COVID-19-Infektion leiden, wie z.B. einer „dank“ COVID-19 neu erworbenen Lungenfibrose, einem gestörten Glucose-Metabolismus sowie neu auftretenden kardiovaskulären Erkrankungen. Die langfristigen Konsequenzen einer durchgemachten SARS-Infektion sind bis 12 Jahre nach angeblicher Heilung dokumentiert. Hoffen wir, dass sich COVID-19 anders verhalten wird.

 

Die Aufhebung des „Lock-down“, respektive die Rückkehr zur dem, was wir als normal empfinden, ist sicherlich der Wunsch eines jeden. Welche Schritte bei der Rückkehr zur Normalisierung mit nachteiligen Folgen verbunden sein werden – d.h. mit einem Wieder-Aufflammen der Infektionsrate – kann niemand voraussagen. Jeder Schritt Richtung Lockerung ist im Grunde genommen ein Schritt ins Unbekannte.

 

Wir können nur sagen, was nicht machbar ist: eine aktive Durchseuchung der nicht-Risiko-Gruppen mit dem COVID-19-Virus ist mit Sicherheit ein absolutes Hirngespinst. Es kann nur Leuten in den Sinn kommen, die keine Ahnung von Biologie, Medizin und Ethik haben:

  1. kommt es mit Sicherheit nicht in Frage, Millionen von Gesunden Mitbürgern absichtlich mit einem aggressiven Virus zu infizieren, von welchem wir eigentlich überhaupt nichts wissen, weder das Ausmass der akuten Schädigung, noch die Langzeitfolgen;
  2. je grösser die Anzahl Viren pro Population, desto grösser die Wahrscheinlichkeit einer zufälligen Mutation, welche das Virus noch aggressiver machen könnte. Also sollten wir sicher nicht aktiv mithelfen, die Anzahl Viren pro Population zu erhöhen.
  3. Je mehr Leute mit COVID-19 infiziert sind, desto wahrscheinlicher wird es, dass sich dieses Virus noch „besser“ an den Menschen adaptiert und noch desaströser wird. Es wird ja angenommen, dass das bereits einmal passiert ist.
  4. bei staatlichen Reserven von angeblich 750 Milliarden, ist es ethisch und moralisch verwerflich, aus blossen wirtschaftlichen Überlegungen Millionen von gesunden Personen zu infizieren.
  5. Die gewollte Infizierung gesunder Leute mit diesem aggressiven Virus würde eines der fundamentalen Prinzipien der gesamten Medizingeschichte aus reinen, kurzfristigen ökonomischen „Bedenken“ akut aushebeln: das Prinzip des „primum nil nocere“. Ich würde mich als Mediziner weigern, an einer derartigen Impfaktion überhaupt teilzunehmen.

Die Bestimmung der COVID-19 IgM- und IgG-Antikörper-Konzentration im Blut geht scheinbar mir der Neutralisierung des COVID-19-Virus einher. Die quantitative und qualitative Diagnostik dieser Antikörper wurde bis jetzt nur in einer kleinen klinischen Studie mit 23 Patienten untersucht. Ob die Massenbestimmung der Antikörper im Blut einen kontrollierten «Lock-down» sicherer machen, indem sich vorerst nur nicht mehr ansteckende und nicht mehr ansteckbare Personen frei bewegen können, kann derzeit nicht beantwortet werden. Ebenso unklar ist, wann diese Methode klinische valide und breit anwendbar sein wird.

 

9. Zukunft

Diese Pandemie wirft viele politische Fragen auf. „Foreign Affairs“ mit Donald Trump und Anthony Fauci auf dem Cover schreibt am 28. März 2020 dazu: „Plagues Tell Us Who We Are. The Real Lessons of the Pandemic will be Political“.

 

Diese politischen Fragen werden nationaler und internationaler Art sein.

 

Die ersten Fragen werden ganz bestimmt unser Gesundheitswesen betreffen. Mit einem 85-Milliarden-Budget hat es die Schweiz – was die Anzahl Corona-Patienten pro 1 Million Einwohner betrifft – weltweit auf Rang 2 geschafft. Gratuliere! Was für eine Schande! Grundlegendes und billiges Material fehlt in der Schweiz nach 14 Tagen. Das kommt davon, wenn selbsternannte «Gesundheitspolitiker», «Gesundheits-Ökonomen» und IT-Experten Milliarden in Projekte wie e-Health, elektronische Gesundheitskarte, überteuerte Klinik-Informationssysteme (man frage einmal das Kantonsspital Luzern!), tonnenweise Computer und «Big Data» investieren und so vollkommen zweckentfremdet Milliarden aus dem Gesundheitswesen abziehen. Und Ärzteschaft und FMH sind buchstäblich zu blöd, endlich einmal dagegen aufzustehen. Sie lassen sich lieber jede Woche als Abzocker und Kriminelle titulieren. Die Schweiz muss endlich untersuchen, wie viel von 1 Million Kassengelder noch für medizinische Leistungen aufgewendet werden, welche direkt dem Patienten zugutekommen und wie viel Geld zweckentfremdet in Branchen-fremde Lobby-Vereinigungen fliesst, die sich schamlos am 85-Milliarden-Kuchen bereichern, ohne je einen Patienten gesehen zu haben. Und natürlich braucht es endlich eine adäquate Qualitätskontrolle medizinischer Leistungen. Auf die weiteren Massnahmen im Rahmen der Reorganisation des Schweizerischen Gesundheitswesens möchte ich hier nicht eingehen.

 

Die internationalen Fragen betreffen vor allem unser Verhältnis zu China und den Asiatischen Ländern überhaupt. Kritische Stellungnahmen: ja. Aber konstantes, dümmliches „Bashing“ anderer Nationen kann kein Rezept dafür sein, globale Probleme gemeinsam anzugehen – von „Lösen“ möchte ich gar nicht sprechen. Anstatt sinnlose Propaganda nachzuplappern, sollte man sich vielleicht einmal mit Autoren auseinandersetzen, die tatsächlich ausgewogen auf hohem Niveau etwas zu sagen haben, so z.B.:

  • Pankaj Mishra: „Aus den Ruinen des Empires“
  • Kishore Mahbubani: „The Asean Miracle. A Catalyst for Peace“
  • „Has the West lost it?“
  • „Can Asians think?“
  • Lee Kuan Yew: „One man’s view of the world“
  • David Engels: „Auf dem Weg ins Imperium“
  • Noam Chomsky: „Wer beherrscht die Welt“
  • Bruno Macàes: „The Dawn of Eurasia“
  • Joseph Stiglitz: „Reich und Arm“
  • Stephan Lessenich: „Neben uns die Sintflut“
  • Parag Khanna: „Unsere asiatische Zukunft“

 

Lesen heißt noch lange nicht, allen diesen Autoren in allem Recht zu geben. Aber es wäre für den Westen – inklusive die Schweiz – von grossem Wert, Besserwisserei, Ignoranz und Arroganz hier und dort durch Fakten, Verständnis und Kooperation zu ersetzen. Die Alternative besteht ja nur darin, zu versuchen, unsere vermeintlichen Konkurrenten früher oder später in einem Krieg zu eliminieren. Was man von dieser „Lösung“ halten soll, kann jeder selber entscheiden.

 

In diesem Sinne kann man nur darauf hoffen, dass sich die Menschheit eines Besseren besinnt. Träumen ist immer erlaubt.

 

Die Herausforderungen sind global. Und die nächste Pandemie steht vor der Tür. Und diese wird vielleicht durch ein Super-Virus verursacht werden und ein Ausmass annehmen, das wir uns lieber nicht vorstellen möchten.

Fundstück des Tages 20200410

Mein koreanischer Freund Ian, der in den USA lebt, hat mir dieses Bild aus der New York Times geschickt mit der Bitte, wir sollen gut auf uns aufpassen. Gerne hätte ich diesmal drauf verzichtet, ganz vorne dabei zu sein…

 

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Externe Wurzelresorptionen (VI)

Von Christoph Kaaden

 

Gestern habe ich hier die klinische Behandlungsabfolge von Sophia vorgestellt.

Hier noch  die radiologische Abfolge der Behandlungsschritte:

 

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Trennwand – Plexiglas

Und wieder ist ein Produkt rar geworden.

Plexiglas.

In Sachsen haben alle Baumärkte geschlossen. Es gibt kein Plexiglas zu kaufen. Nur einige Tischler haben sich darauf spezialisiert Trennwände zu bauen.
Einige Internetversender haben ebenfalls so etwas im Angebot. Minilu.

Bei meiner Suche im Internet bin ich dann in Südtirol gelandet und welch lustiges Ergebnis, die Loeff-System GmbH, mit der ich weder verschwägert, noch verwandt noch bekannt bin, bietet so eine Trennwand an.
Ich habe diese kurzer Hand bestellt. Inklusive Versand €147,00.
Nach 3 Tagen war sie da. Die Verarbeitung ist fast gut. Der Zuschnitt stimmt nicht 100%. Da wir die Mittelscheibe nach oben versetzt haben fällt das nicht auf.

Den Anbieter habe ich dazu per Mail informiert.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen..

Externe Wurzelresorptionen (V)

Von Christoph Kaaden

 

Fast sieben Jahre ist es her, dass wir Sofias vormals avulsierten Zähne endodontisch behandelt haben. In der weiteren Folge kam es zu der erwarteten Ersatzresorption mit Ankylose. Als weiterführende Therapie erfolgte damals eine Zahntransplantation.

So stellte sich die Situation im Jahr 2017 dar.

Vor Kurzem konnte nun die kieferorthopädische Behandlung abgeschlossen und die Zähne mit Komposit aufgebaut werden.

Sie sieht die Situation nun klinisch aus:

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Kampf dem Virus – Update FFP 2-Masken

Die Zahnärztekammer hat uns 15 FFP 2- Masken zukommen lassen.

Naja, zukommen lassen ist vielleicht nicht ganz zutreffend, denn die Kosten von ca. 6 Euro pro Maske werden von unserem Konto abgezogen, aber immerhin, wir haben nun solche Masken.

Das große Plus, sie sind angenehm weich.
Ein Traum im Vergleich zu den FFP 3 ´s, die wir die ganze Zeit getragen haben.
Und sie schliessen seitlich gut ab, liegen dicht an.

Der große Nachteil. Beim Ausatmen presst sich die Luft an der Nase seitlich vorbei.
Die Schutzbrille beschlägt sofort.
An ein Arbeiten unter dem OPM ist nicht zu denken.

Also die Taucherbrille geschnappt.
Und durchs Schlüsselloch gearbeitet unter dem OPM. Geht. Aber gut ist anders. Dann kommt der Laser. Und es fehlt die Laserschutzbrille.  Work around ? Immer schön auf den Fernsehmonitor schauen beim Lasern.
Geht.
Nur sehr ungewohnt.
Man muss höllisch aufpassen, nicht doch gewohnheitsmäßig durchs Mikroskop zu schauen.

Irgendwann kristallisiert sich dann die gegenwärtige Lösung heraus.
FFP 2 Maske und Laserschutzbrille fürs Mikroskop. Die beschlägt nämlich nicht. Und dichtet fast so gut ab wie die Fahrradbrille.

Bei COVID-19 – Patienten oder Verdacht auf SARS CoV-2 Infektion  wäre es  FFP3 und Taucherbrille.

Noch ein Update. Wir testen jetzt den von mir ersonnenen und mittels 3D-Druck realisierten Gesichtsschutz. Sollte er sich bewähren, werde ich nach Ostern hier bei WURZELSPITZE die 3D Druck-Dateien für Alle zum Download bereitstellen.

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Zitat des Tages 202004- LZK Hessen Videotext – Alles wird gut, wir haben Handinstrumente

Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde. Die Aussagen der Landeszahnärztekammer  muss man Satz für Satz sich vor Augen führen.

Gefahr sehr sehr gering ?

Für wen ? Schon mal an Behandler und das Team gedacht, Herr Frank?

Nicht nötig, auf geplante Behandlungen zu verzichten ????
Was bitte sind denn unsere Behandlungen , die im Terminbuch stehen ?
Die sind doch ALLE  geplant ?????

Hygienemanagement so gut, das ein Infektionsrisiko so gut wie ausgeschlossen ist ?
Ist das nicht die gleiche LZK, welche die Wiederaufbereitung von Schutzmasken empfohlen hat und auch die Behandlung von COVID 19-Patienten selbst bei fehlender Schutzkleidung, Versorgungsauftrag und so.

Und das Beste zum Schluss. Zahnärzte könnten mit Handinstrumenten arbeiten.
Na, viel Spass bei der Kronenpäp morgen.

Röntgenbefund

von Jörg Schröder

Erst die Befragung der Patientin brachte hier Licht ins Dunkel.

Was ist die Ursache dieser ungewöhnlichen Strukturen?

Offener Brief an das Bundesgesundheitsministerium in Deutschland

Offener Brief an das Bundesgesundheitsministerium in Deutschland

 

Bundesgesundheitsminister

Jens Spahn – persönlich

Friedrichstraße 108
10117 Berlin

poststelle@bmg.bund.de

 

Sicherstellungsauftrag zweiter Klasse – Solidarität ja, aber nicht für alle

Sehr geehrter Minister Spahn,

mit Dankbarkeit und Überzeugung stelle ich mich jeden Tag auf den Balkon und klatsche all denjenigen zu, die in diesen, für uns alle schwierigen Corona-Zeiten Hilfsbereitschaft zeigen, sich für unsere Mitmenschen einsetzen, ihrer Arbeit im Rahmen des Sicherstellungsauftrages nachgehen und großartiges für unsere Gesellschaft leisten!

Ich klatsche aber auch inbrünstig für all diejenigen, die keine Solidarität erfahren, die einfach vergessen werden und die bewusst neben dem hochgepriesenen Rettungsschirm platziert werden. Dazu gehören auch meine wunderbaren Mitarbeiter, die sich trotz Sorge um Ihre Familien, um sich selbst und um Ihre Umgebung täglich bei mir in der Praxis einfinden, um Schmerzen zu lindern, Patienten nicht allein zu lassen und Ihrer Versorgungsverpflichtung nachzukommen.

„Ich habe den Beruf der Zahnarzthelferin bewusst gewählt, ich bin mir der Hygienerisiken schon immer bewusst gewesen und unter Einhaltung unserer Hygiene- und Arbeitsschutzrichtlinien hatte ich bisher keine Bedenken. Ich liebe meine Praxis und unsere Patienten, aber was derzeit abgeht macht mir große Angst. Und jetzt lässt uns die Politik auch noch im Corona-Regen stehen. Wie ungerecht und warum?“ fragt mich dieser Tage eine Mitarbeiterin.

Seit Wochen bemühen wir uns um die Besorgung ausreichender Schutzkleidung mit wenig Erfolg, wir folgen den Empfehlungen des Robert-Koch-Institutes und den Anweisungen unserer Standesorganisationen, den uns auferlegten Sicherungsauftrag ernst zu nehmen. Wir stehen jeden Tag für unsere Patienten zur Verfügung und sind für Notfälle gerüstet. Wir verfolgen die Nachrichten und erleben eine Welle von Hilfsbereitschaft und auch die Politik wirft mit großen Worten um sich. Wir müssen zusammenhalten, Solidarität ist wichtig – offensichtlich aber nicht für alle!

Am 23. März 2020 beschließt das Bundeskabinett die Entwürfe für Gesetzespakete zur Unterstützung des Gesundheitswesens bei der Bewältigung der Corona-Epidemie. Sie als Bundesgesundheitsminister erläutern vollmundig:

„Gesundheitswesen stützen, damit es noch besser schützen kann“. Dabei werden alle systemrelevanten Gesundheitsbereiche aufgeführt – einzig die Zahnarztpraxen werden nicht erwähnt und schlichtweg ausgeschlossen.

(siehe: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/presse/pressemitteilungen/2020/1-quartal/gesetzespakete-corona-epidemie.html)

Ein unfassbarer Skandal!

Das Coronavirus hält sich vor allem im Mund- und Rachenraum auf, es nimmt von dort aus seinen Lauf über die viel beschriebene Tröpfchenübertragung. Abstand halten ist für das zahnmedizinische Personal und die Behandler nicht umsetzbar. Jegliche Behandlung ist für beide Seiten – Patient wie Praxisangehörige – ein unkalkulierbares Risiko, welches nur durch aufwendige Maßnahmen minimiert wird.

Ohne eine Debatte über die Wertigkeit der Fachrichtungen anzustoßen, sollte man rein sachlich feststellen, dass es medizinisches Personal in diversen Bereichen gibt, die nicht ansatzweise einem Patienten-Kontakt in dem Maße ausgesetzt sind, wie wir Zahnärzte und unsere MitarbeiterInnen. Trotzdem werden aber alle anderen medizinischen Fachrichtungen durch den Rettungsschirm geschützt.

Warum wird die Zahnmedizin hier so bewusst diskriminiert und ausgegrenzt frage ich Sie nachdrücklich?

Unsere zahnmedizinischen Mitarbeiter und zahnärztlichen Behandler sind einem ungleich höheren Risiko ausgesetzt: Bei den Behandlungen kommen Turbinen und Winkelstücke sowie Ultraschallgeräte zum Einsatz – und das mit einem Maximalabstand von ca. 25 – 40 cm. Wir arbeiten direkt am offenen Mund des Patienten. Die entstehenden Aerosole ausgehend aus dem Mund des möglicherweise infizierten Patienten sind potentielle Virenverteiler aus der direkten Nähe!

Unsere zahnmedizinischen AssistentInnen und wir Zahnärzte gehören nachweislich zu der am höchsten gefährdeten Berufsgruppe!

(siehe: https://www.krankenhaushygiene.de/ccUpload/upload/files/2020_03_22_DGKH_Mitteilung_Ausgangssperre_RKG_Konzept.pdf)

Zurecht und mit großem Verständnis werden daher aktuell nur notwendigste Behandlungen durchgeführt. Dies wird auch von unserer Standesorganisation und den Gesundheitsämtern empfohlen. Diese machen aktuell gar Praxisbegehungen und teilen Verwarnungenaus, sollten andere Behandlungen als Notfälle durchgeführt werden. Die Folge: Patienten sagen ihre Termine reihenweise ab und in den deutschen Zahnarztpraxen brechen die Umsätze bis zu 100% ein. Vor allem dann, wenn aufgrund nicht beziehbarer und mangelnder Schutzausrüstung die Praxen komplett schließen müssen.

Dies ist besonders fatal, da eine Schließung im Grunde genommen rechtswidrig ist. Zahnarztpraxen gehören explizit zur systemrelevanten Berufsgruppe und eine Schließung kann nur von den Behörden angeordnet werden.

Wir sind es gewohnt unter strengen Hygieneauflagen zu arbeiten und haben unsere Hilfe zur Schulung von Aushilfspersonal auch in Kliniken angeboten. Wir stehen dem Gesundheitswesen mit Überzeugung zur Verfügung, wenn der Katastrophenfall ausgerufen wird und die Kompetenz unserer Mitarbeiter und von uns Zahnärzten gebraucht wird.

Warum wird nun die am besten in der Hygiene ausgebildete Fachgruppe bestraft und warum werden wir anders bewertet, als zum Beispiel Psychologen oder niedergelassene Ärzte, die völlig neutral betrachtet keinen so intensiven Kontakt zu den Patienten haben?

Auch haben Zahnarztpraxen einen aufwendigen Betriebs-, Geräte- und Behandlungsstuhlaufwand, hohe Mieten, Personalkosten, Fix- und Materialkosten. Dagegen fallen die Einnahmen, wie bei anderen Unternehmen auch, derzeit nahezu komplett weg. Warum wird nur uns zugemutet, unsere Mitarbeiter, trotz Kurzarbeit und Urlaubsabbau, möglicherweise entlassen zu müssen, da uns die ungleich höheren Kosten im Vergleich zu anderen niedergelassenen ärztlichen Kollegen die Liquidität entzieht?

Etwa über 350.000 Mitarbeiter, Zahnarzthelfer- und Zahnarzthelferinnen, ZahntechnikerInnen und ZahnärztInnen sind in Deutschland betroffen – all diese werden von der Bundesregierung als „nachrangig“ relevant eingestuft. Selbst bei der Verteilung von Schutzausrüstungen werden wir nicht berücksichtigt.

Seit Jahren kämpfen wir um Fachpersonal, wir bemühen uns um optimale Ausbildung, wir bezahlen übertariflich, sind mehr als engagiert in der Fort- und Weiterbildung und auch im Auftrag der sozialen Pflegeeinrichtungen unterwegs. Nun sollen all diese Bemühungen ins Leere laufen?

Das leidenschaftliche Engagement unserer Angestellten wird durch die Ignoranz Ihres Ministeriums sowie der Bundesregierung vor den Kopf gestoßen. Die Zukunft nach Corona bzw. die kommenden Zeiten mit Corona werden eine andere sein. Noch weniger motivierte Mitarbeiter werden wir zur Verfügung haben, Zahnarztpraxen werden Insolvenz anmelden müssen und das Gejammer wird dann groß sein, wenn Zahnschmerzen der Bevölkerung, einschließlich der Politiker, nicht mehr adäquat behandelt werden können und wir uns zukünftig alle zahnlos anlächeln. Unser Sicherstellungsauftrag ist in Gefahr!

Ganz abgesehen von den vielen ganzheitlichen Aspekten, die von der Mundhöhle und dem Kauorgan ausgehen und die sich im Notfall – gerade bei Coronapatienten multiplizieren.

Als Mitglied der Leitlinienkommission „Parodontitis und Diabetes“ der DGZMK (Deutsche Gesellschaft für Zahn-Mund-Kieferheilkunde) in Kooperation mit der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften) sind mir die unmittelbaren Zusammenhänge und Auswirkungen auf den gesamten Organismus sehr präsent.

Wachen Sie bitte auf und stellen uns ebenso unter den Rettungsschirm – nicht besser, nicht schlechter! Nur gleichberechtigt, entsprechend unserer systemrelevanten Aufgaben im Gesundheitswesen und behandeln uns nicht als Berufsgruppe zweiter Klasse!

Wir werden unsere Patienten über den Skandal solange informieren und keine Ruhe geben, bis auch wir ernstgenommen und entsprechend geschützt werden:

#wirerhalteneuremundgesundheit #weloveourdentists #ichvertrauemeinemzahnarzt #weloveourstaff #wecareforyourteeth #wecareforyourmouthhealth #Ilovemypatients #weloveourpatients #wecareforouremployees #wirsorgenunsumunseremitarbeiter

 

In Erwartung Ihres schnellen Handelns, hochachtungsvoll und mit besten Grüßen,

bleiben Sie gesund,

Dr. Siegfried Marquardt

 

 

Dr. Siegfried Marquardt

Spezialist für Implantologie (BDIZ-EDI, EDA)

Spezialist für Ästhetik und Funktion in der Zahnmedizin (DGÄZ)

Zertifizierter Sportzahnarzt (DGSZM)

Direktor des SSC Tegernsee

Lehrbeauftragter der APW / DGZMK

Lehrbeauftragter der DGÄZ / Uni Greifswald

Geschäftsführender Gesellschafter der Z.a.T. FortbildungsGmbH

 

Adelhofstrasse 1

83684 Tegernsee

info@dr-marquardt.de

 

DR. HONTSCHIKS DIAGNOSE – Maskerade

DR. HONTSCHIKS DIAGNOSE

Maskerade

vonBernd Hontschik, erschienen in der Frankfurter Rundschau

Wie wir in den „Krieg“ gegen das Corona-Virus geraten sind: ein Blick zurück im Zorn.

Ist es in diesen Zeiten erlaubt, den Blick zurück zu richten? Ja, es ist nicht nur erlaubt. Es ist sogar bitter nötig, denn allzu schnell wird vergessen sein, wie wir eigentlich in diesen „Krieg mit dem Virus“ geraten sind.
Vor mehr als sieben Jahren erschien im Januar 2013 die Bundestagsdrucksache 17/12051: Eine geradezu hellseherische Risikoanalyse von Bundesinnenministerium und Robert-Koch-Institut (RKI) über ein schwerwiegendes Seuchenereignis durch ein neuartiges Coronavirus. Neben Quarantäne und Hygiene wurde in der Aufzählung notwendiger Schutzmaßnahmen dem „Einsatz von Masken, Brillen und Handschuhen“ erhebliche Bedeutung zugemessen. Passiert ist danach nichts.
Vor drei Jahren provozierte Bill Gates im Februar 2017 auf der Münchner Sicherheitskonferenz die versammelten Mächtigen dieser Welt damit, dass in naher Zukunft eine „hochgradig tödliche globale Pandemie auftreten“ werde, die „in der Lage ist, Millionen von Menschen zu töten, die Weltwirtschaft zum Stillstand zu bringen und die einzelnen Nationalstaaten ins Chaos zu stürzen.“ Passiert ist danach nichts.

Seit Anfang Januar konnten wir vom sicheren Sofa aus die verzweifelten Bemühungen in Wuhan verfolgen, eine tödliche Seuche in den Griff zu bekommen. Zehntausende Chinesen erkrankten, Tausende starben. Aber das war ja weit weg. Man beruhigte uns. Deutschland sei ja nicht China. Wir seien hier auf alles bestens vorbereitet.

Vor acht Wochen, Anfang Februar, warnte eine schwäbische Firma das Bundesgesundheitsministerium vor Engpässen bei der Versorgung mit Masken und Schutzkleidung. Passiert ist nichts. Man könne nicht alle eingegangenen Hinweise in seinem Haus bearbeiten, und man habe sich nicht vorstellen können, dass es mit einem „Cent-Produkt“ einen solchen Mangel geben könne, sagte Jens Spahn dazu im ZDF. Bis heute empfiehlt er das Tragen vom Atemmasken nicht. Das ist kein Wunder, denn er hat ja auch keine besorgt. Sechs Millionen Atemmasken sind in Kenia verschwunden, keiner weiß wohin. Ein Flugzeug aus China voller Atemmasken landet in Frankfurt, es wird von zwei Ministern empfangen – wann hat es das schon einmal gegeben?

Bis heute sind Krankenhäuser nur unzureichend und Arztpraxen fast gar nicht mit professioneller Schutzkleidung und Atemschutzmasken ausgerüstet. Arztpraxen müssen schließen, weil die Corona-Infektion auch vor ihnen nicht Halt macht. In Alters- und Pflegeheimen ist die Versorgung noch katastrophaler. Die Atemschutzmasken, die so viel Krankheit und Tod hätten verhindern können, wurden von Anfang an ignoriert. Dabei ist die Frage nach der Wirksamkeit von Atemmasken ungefähr so albern wie die Frage nach der Wirksamkeit von Fallschirmen – auch hier fehlt der Doppelblindversuch.

Klaus Reinhardt, der Präsident der Bundesärztekammer schrieb vor wenigen Tagen an den Gesundheitsminister: „Seit Wochen arbeiten die ambulant tätigen Kolleginnen und Kollegen und ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ohne angemessenen Schutz. Die Pflegekräfte besuchen zu pflegende ältere Menschen im Wesentlichen zu Hause und bewegen sich damit ungeschützt unter der am stärksten vom Risiko eines tödlichen Verlaufs behafteten Patientengruppe. Hausärzte, die in ihrer Praxis täglich mit unter Umständen infizierten Patienten gezwungenermaßen ohne Schutzmasken Kontakt haben, müssen gleichwohl die normale Versorgung von zahlreichen Altenheim-Patienten gewährleisten. Der Fall einer Ketteninfektion in einem Altenheim in Würzburg mit neun Toten ist ein warnendes Beispiel.“

In der FAZ sagt der hessische Ministerpräsident Bouffier am vergangenen Sonntag: „Gesundheit hat 100 Prozent Vorrang“. Ich kann mich in meinem ganzen Leben als Arzt nicht daran erinnern, dass die Gesundheit schon jemals 100 Prozent Vorrang hatte, nicht bei der Privatisierung von Krankenhäusern, nicht bei der Streichung von 50 000 Stellen in der Pflege, nicht bei der Schließung von Krankenhäusern, von Kreißsälen, von Kinderkliniken, nicht beim Nachtflugverbot, nicht beim Tabakwerbeverbot, nicht beim Dieselskandal, nicht beim Tempolimit und schon gar nicht bei der größten aller Katastrophen, dem Klimawandel.

Und auch jetzt, im „Krieg“ mit dem Virus, kann keine Rede davon sein, dass Gesundheit 100 Prozent Vorrang hat. Es wird vielmehr ein Bürgerrecht nach dem anderen ausgesetzt, es geraten immer mehr Menschen in verzweifelte Situationen, sehen sich existentiellen wirtschaftlichen Bedrohungen ausgesetzt, Ermächtigungsgesetze werden durch Parlamente gepeitscht, der Datenschutz wird außer Kraft gesetzt – der ist ja sowieso nur gut für Gesunde, sagt Jens Spahn – und inzwischen gibt es sogar Grenzen innerhalb Deutschlands. Das alles war noch nie da, und die Angst wird größer, dass wir unsere Gesellschaft nach diesem „Krieg“ nicht mehr wiedererkennen werden.

Die zur Zeit täglich als unsere großen Retter auftreten, haben völlig versagt. Deswegen ist der Blick zurück so wichtig.

Dr. med. Bernd Hontschik ist Chirurg und Publizist. http://www.medizinHuman.de

Zitat des Tages 20200404 – Gesetzentwurf Telematik

Jeder – ob Ärzte, Krankenhäuser oder Apotheken – ist für den Schutz der von ihm in der Telematikinfrastruktur verarbeiteten Patientendaten verantwortlich. Die Details dazu werden mit dem Gesetzentwurf lückenlos geregelt.

Zitat des Tages 20200403 Damit in postfaktischen Zeiten nicht vergessen geht, wer was wann gesagt hat

Jens Spahn, 03.04.2020

„Der Schutz des Personals im Gesundheits- und Pflegebereich hat oberste Priorität. Es ist gut, dass wir hier schnell und vorausschauend eine sichere Lösung für mögliche Lieferengpässe finden konnten. Es werden gleichzeitig alle Anstrengungen unternommen, ausreichend neue Schutzmasken auf dem Weltmarkt zu ordern.“

 

Achim Theiler via Email an das BMG am 05.02.2020

Glaubt man Achim Theiler, sind an der Misere unter anderem schwere Versäumnisse des Bundesgesundheitsministers schuld. Theiler ist Geschäftsführer des Buchloer Unternehmens Franz Mensch, das Hygienebekleidung, Mundschutz und Atemschutzmasken für Krankenhäuser und Ärzte herstellt und vertreibt. „Wir haben gemahnt, und keiner hat uns gehört“, sagt Theiler. Dennoch seien die Behörden seit Wochen untätig geblieben. „Das ist grob fahrlässig und verschärft die Krise unnötig.“

Bereits am 5. Februar hatte sich Theiler per E-Mail an den Bundesgesundheitsminister gewandt und darauf hingewiesen, dass es in Kürze zu bedenklichen Engpässen bei der Versorgung mit Schutzmasken für Krankenhäuser kommen werde und dazu aufgerufen, die Versorgung der Kliniken voranzutreiben. Die E-Mails liegen dem SPIEGEL vor. Es gehe darum, die Vorräte der Krankenhäuser, Rettungsdienste und alle anderen davon betroffenen Dienste an solchen Produkten zu prüfen und möglichst Ware bei den entsprechenden Herstellern zu reservieren.

Die Politik reagiert auf Corona – Gesetzentwurf der Landesregierung NRW

Wow.
Die Schweine in Orwells Farm der Tiere könnten noch was lernen, so scheint es, wenn man sich diesen heute eingebrachten

Gesetzentwurf
der Landesregierung

Gesetz zur konsequenten und solidarischen Bewältigung der COVID-19- Pandemie in Nordrhein-Westfalen und zur Anpassung des Landesrechts im Hinblick auf die Auswirkungen einer Pandemie

anschaut. Ich habe mir bemerkenswert erscheinende Passagen rot markiert

 

So heisst es in

§ 14
Verfügbares Material und medizinische Geräte
(1) Die zuständigen Behörden nach § 3 können medizinisches, pflegerisches oder sanitäres Material einschließlich der dazu gehörigen Rohstoffe sowie Geräte für die medizinische und pflegerische Versorgung sicherstellen, soweit dies zur Aufrechterhaltung der notwendigen Gesundheitsversorgung der Bevölkerung aufgrund der besonderen Situation in der epidemischen Lage dringend erforderlich ist. Für die nach Satz 1 sichergestellten Gegenstände besteht ein absolutes Verfügungsverbot im Sinne des § 134 des Bürgerlichen Gesetzbuchs.
(2) Die zuständigen Behörden nach § 3 können für inhaltlich klar bestimmte Materialien oder Materialgruppen ein Verbot erlassen, diese Materialien zu verkaufen oder sich anderweitig zu ihrer schuldrechtlichen Überlassung zu verpflichten, soweit dies zur Aufrechterhaltung der notwendigen Gesundheitsversorgung der Bevölkerung erforderlich ist. Absatz 1 Satz 2 gilt für die von einem Verbot erfassten schuldrechtlichen Verträge entsprechend.
(3) Die zuständigen Behörden nach § 3 können anordnen, dass Material, das nach Absatz 1 sichergestellt wurde oder nach Absatz 2 mit einem Verpflichtungsverbot belegt ist, zu einem behördlich nach Satz 2 festzulegenden Preis an das Land, eine Kommune oder eine andere von der zuständigen Behörde benannte juristische oder private Person, die in die medizinische oder pflegerische Versorgung eingebunden ist, verkauft wird. Der nach Satz 1 festzusetzende Preis hat sich nach dem üblichen Verkaufspreis des jeweiligen Gegenstandes zu richten, den dieser vor dem Beginn des Infektionsgeschehens, das zur Feststellung der epidemischen Lage nach § 11 führte, hatte.
7
(4) Hat eine der zuständigen Behörden nach § 3 angeordnet und öffentlich bekannt gemacht, dass zur Aufrechterhaltung der notwendigen Gesundheitsversorgung der Bevölkerung inhaltlich eindeutig bestimmte Mengen eines Materials, einer Materialgruppe oder bestimmter medizinische Gerätebenötigt werden, haben Privatpersonen, Unternehmen, Institutionen oder sonstige juristische Personen, die
1. einen Bestand derartiger Materialien besitzen, der über den Eigenverbrauch innerhalb eines Jahres oder den Bedarf für den eigenen medizinischen oder pflegerischen Versorgungsauftrag während eines Zeitraums von drei Monaten hinausgeht, oder
2. über Geräte verfügen, die nicht unmittelbar zur eigenen gesundheitlichen Versorgung oder zur Erfüllung eines eigenen medizinischen oder pflegerischen Versorgungsauftrags benötigt werden,
unverzüglich gegenüber der zuständigen Behörde eine Meldung in Textform abzugeben.
(5) Das für das Gesundheitswesen zuständige Ministerium kann durch Rechtsverordnung über die in Absatz 4 genannten Meldepflichten hinausgehende Meldepflichten anordnen, wenn das für die Ermittlung von Verfügbarkeit und Bedarf an Materialien und Geräten im Sinne des Absatz 1 dringend erforderlich ist.

Heisst.
Wenn ich aus der  gegenwärtigen Pandemie meine Lehre ziehe und das wichtige Material (Schutzkleidung, Desinfektionsmittel) mir zukünftig auf Vorrat hinlege, nützt mir das nicht. Ich muss meine Vorräte melden und abgeben.

 

§ 15
Verpflichtung zum Einsatz medizinischen und pflegerischen Personals
(1) Die zuständigen Behörden nach § 3 können von Personen, die zur Ausübung der Heilkunde befugt sind oder über eine abgeschlossene Ausbildung in der Pflege, im Rettungsdienst oder in einem anderen Gesundheitsberuf verfügen, die Erbringung von Dienst-, Sach- und Werkleistungen verlangen, soweit das zur Bewältigung der epidemischen Lage nach § 11 dringend erforderlich und angemessen ist. Die Behörden können jede Person nach Satz 1 unter gleichen Voraussetzungen auch zur Erbringung von Dienst-, Sach- und Werkleistungen an Einrichtungen der medizinischen oder pflegerischen Versorgung zuweisen und verpflichten.
(2) Maßnahmen nach Absatz 1 sind nur zulässig, wenn die Landesregierung zuvor durch Rechtsverordnung neben der epidemischen Lage einen erheblichen Mangel an medizinischem oder pflegerischem Personal festgestellt hat. Ist ein Beschluss der Landesregierung nicht rechtzeitig möglich, entscheidet das für das Gesundheitswesen zuständige Ministerium. Die Entscheidung ist im Ministerialblatt zu veröffentlichen und baldmöglichst durch eine Verordnung der Landesregierung zu bestätigen oder aufzuheben
(3) Bei Personen, die in einem laufenden Anstellungs- oder Dienstverhältnis stehen, ist die Verpflichtung in Abstimmung mit dem Arbeitgeber oder Dienstherren der verpflichteten Person auszusprechen und auch ihm gegenüber wirksam. Dieser kann dem Einsatz nur widersprechen, wenn er auf den Einsatz der Personen zur Aufrechterhaltung einer Dienstleistung angewiesen ist, die der gesundheitlichen oder pflegerischen Versorgung der Bevölkerung oder der Sicherung anderer unverzichtbarer Versorgungsstrukturen in der epidemischen Lage dient. Für Mitglieder von Feuerwehren gilt, dass der jeweils zuständige Aufgabenträger für den Brandschutz der Verpflichtung mit befreiender Wirkung widersprechen kann, wenn aufgrund der Heranziehung eines oder mehrerer Mitglieder seiner Feuerwehr die Gewährleistung des Brandschutzes wesentlich beeinträchtigt ist.
(4) Die nach Absatz 1 in Anspruch genommenen Personen haben, soweit die Verpflichtung nicht nach Absatz 3 erfolgt, für ihre Tätigkeit einen Erstattungsanspruch, der sich an einer tariflichen Vergütung für Beschäftigte des Landes Nordrhein-Westfalen für eine vergleichbare Tätigkeit orientiert. Die Geltendmachung darüber hinausgehender Einkommenseinbußen ist möglich. Im Fall einer Verpflichtung nach Absatz 3 hat der Arbeitgeber einen Anspruch auf Ersatz der ihm für den Zeitraum der Dienstverpflichtung entstehenden Kosten. Ersparte Aufwendungen oder weiterlaufende Refinanzierungen sind anzurechnen.
(5) Erstattungsansprüche im Falle einer Inanspruchnahme sind
1. bei einer Anordnung nach Absatz 1 Satz 1 von der in § 8 Absatz 1 Satz 1 genannten Behörde auf Kosten des Landes abzurechnen, oder
2. bei einer Anordnung nach Absatz 1 Satz 2 von derjenigen Einrichtung zu tragen, der die Person zugewiesen wurde.
(6) Die zuständige Behörden nach § 3 können die Gemeinden als Träger der Feuerwehren, die anerkannten Hilfsorganisationen, die Verbände der freien Wohlfahrtspflege und andere vergleichbare Institutionen verpflichten, ihnen kostenfrei Namen, Alter, Kontaktdaten sowie den jeweiligen Ausbildungsstand ihrer Mitglieder zu übermitteln, die über eine medizinische oder pflegerische Ausbildung oder eine Ausbildung in einem sonstigen Gesundheitsberuf verfügen und nicht schon unmittelbar in der Versorgung erkrankter oder pflegebedürftiger Personen tätig sind. (7) Die zuständigen Behörden nach § 3 können die Ärztekammern und die Kassenärztlichen Vereinigungen Nordrhein und Westfalen-Lippe verpflichten, ihnen kostenfrei Namen, Alter, ärztliche Fachrichtung und Kontaktdaten ihrer aktiven oder bereits im Ruhestand befindlichen Mitglieder zu übermitteln, die nach Maßgabe der zuständigen Behörden geeignet sind, einen für die Bewältigung der epidemischen Lage nach § 11zusätzlich erforderlichen ärztlichen Personalbedarf zu decken.

Heisst.
Bei der nächsten Pandemie werden die Ärzte und Zahnärzte (und sogar die oder gerade die im Ruhestand) dienstverpflichtet. Natürlich spielt dann wieder keine Rolle, ob die adäquate Schutzkleidung vorhanden ist. Denn, was adäquat ist, entscheidet der Staat.

§ 16
Eingriff in Grundrechte, Entschädigung
(1) Durch Anordnungen gemäß der §§ 12 bis 15 können die Grundrechte der körperlichen Unversehrtheit (Artikel 2 Absatz 2 Satz 1 des Grundgesetzes) und der Freiheit der Person (Artikel 2 Absatz 2 Satz 2 des Grundgesetzes) eingeschränkt werden.

Heisst.
Du wirst gezwungen, Dinge zu tun, die deiner Gesundheit zuwiderlaufen. Beispiel Tschernobyl oder Fukushima.  Oder Arbeit im Krankenhaus ohne Schutzkleidung.  Ist Alles staatlich legitimiert.
(2) Soweit eine Maßnahme nach diesem Gesetz enteignende Wirkung hat, kann der hiervon Betroffene eine angemessene Entschädigung in Geld verlangen.

§ 17
Sofortige Vollziehbarkeit
Rechtsbehelfe gegen Maßnahmen und Anordnungen nach diesem Gesetz haben keine aufschiebende Wirkung.

 

Heisst.
Du kannst ruhig klagen. Nutzt Dir aber nicht. Weil du erst machen musst, was man DIr sagt.

BTW Zuwiderhandlung ? Weigerung ? Geldstrafe bis 500. 000 Euro.

 

 

 

Hürdenlauf – Revision nach Resektion

von Jörg Schröder

Mitunter stellen sich, insbesondere bei durchzuführenden Revisionen, eine Vielzahl von Hindernissen in den Weg.

Die Beurteilung der Machbarkeit und die genaue Planung des Vorgehens wird, wie so häufig, durch das präoperative DVT enorm vereinfacht.

Während das also loco angefertigte Einzelbild zwar die vorhandene Wurzelschraube erkennen lässt, offenbart das DVT die stark von der Zahnachse abweichende Insertionsrichtung.

Die Form des weiter apikal liegenden Fremdkörpers ist auf den ersten Blick ungewöhnlich. bei genauer Betrachtung des koronalen Anteils fällt ein kleiner, weniger röntgendichter sichelförmiger Anteil auf. Das führt zu der Vermutung, dass es sich um einen zum orthograden gedachten intraoperativen Verschluss nach WSR handelt. Die Firma Metaux Precieux hatte ein solches System meines Wissens nach Mitte der 1990’er Jahre im Angebot. Der Titankegel weist am koronalen Ende eine zylindrische Vertiefung als Aufnahme der Platzierungshilfe auf. Daher die projektionsbedingt sichelförmige, geringer röntgendichte Struktur.

Und genau da setzt die Entfernungstechnik an. Ein möglichst stumpfer Ultraschallansatz mit einem Durchmesser etwas kleiner als der Innendurchmessers des Hohlraumes wird in kreisenden Bewegungen eingesetzt.

Zuvor galt es jedoch die zementierte Wurzelschraube soweit aus dem Zement herauszupräparieren, dass nachfolgend mit einem diamantierten Instrument die Schraube in der Hälfte durchtrennt und dann das apikale Teil entfernt werden konnte.

Nach wenigen Sekunden des oben beschriebenen Ultraschalleinsatzes ist ein solcher Kegel in aller Regel gelockert. Die Entfernung aus dem Zahn geht am besten mit der Mikroabsaugung (Capillary Tip), wenn sich der Titan-Kegel nicht durch die Spülung nach oben bewegen lässt. Auch der Einsatz der laserunterstützten Spülung kann hier Sinn machen.

Nachdem nun der Weg nach apikal frei war, ging es an des Zerlegen des retrograden Verschliusses mittels Endosonore-Feilen. Erschwerend war hier der Umstand, dass es sich um Ketac-Silver handelte, sodass das Zerstäuben erheblich erschwert war.

Ausserdem war der periapikale Raum deutlich größer als das Füllungsmaterial und so kam es, dass sich das Stück sogar 360 Grad rotieren, aber nicht einfach entfernen liess. Nach fast 25 Minuten gelang es, das Stück so im Formalen einzuklemmen, dass ich es nach und nach so zerkleinern konnte, dass ich es nach orthograd entfernen konnte.

Nach der medikamentösen Einlage erfolgte die radiologische Kontrolle derselben.

14 Tage später war die bis dahin seit längerem bestehende bukkale Schwellung abgeheilt, der Zahn beschwerdefrei. Das weitere Vorgehen entsprach dann meinem Standardvorgehen. Kollagenes Widerlager und apikaler Verschluss mit MTA. Nun bin ich auf das Recall gespannt.

 

Info des Tages 20200402

Post von der Landeszahnärztekammer Rheinland-Pfalz, heute im Briefkasten.

 

Und vom BMG kommt diese Info

Zu wenig Schutzausrüstung

BMG empfiehlt Mehrfachnutzung von Masken

Die Regierung muss offenbar vor der Macht des Faktischen einknicken: Nachdem immer wieder Schutzausrüstung versprochen, aber keine oder zu wenig zu bekommen war, empfehlen Gesundheits- und das Arbeitsministerium jetzt, Schutzmasken für medizinisches Personal mehrfach zu verwenden.

 

„Der Schutz des Personals im Gesundheits- und Pflegebereich hat oberste Priorität“, erklärte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn am Mittwoch. Schutzausrüstung sei aber in Zeiten der Pandemie ein knappes Gut. „Hier gilt es jetzt pragmatische und zielführende, aber dennoch sichere Lösungen zu finden, um die Versorgung des medizinischen Personals mit Atemmasken mit Filterfunktion (FFP2 und FFP3) zu gewährleisten.“ Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales und das Bundesministerium für Gesundheit hätten daher dem Krisenstab der Bundesregierung ein neuartiges Wiederverwendungsverfahren von Atemschutzmasken vorgeschlagen.

Zukünftig gebe es die Möglichkeit, eine begrenzte Wiederaufbereitung (maximal dreimal) von Atemschutzmasken insbesondere mit Filterfunktion (FFP2 und FFP3) durchzuführen. Dazu seien besondere Sicherheitsauflagen einzuhalten: „Das neue Verfahren erfolgt durch das ordnungsgemäße Personifizieren, Sammeln und Dekontaminieren der Masken durch Erhitzen. Es kann in Ausnahmefällen, wenn nicht ausreichend persönliche Schutzausrüstung vorhanden ist, in den Einrichtungen des Gesundheitswesens mit vorhandenen Mitteln kurzfristig umgesetzt werden, ohne das Schutzniveau zu senken.“

Gleichzeitig würden weiterhin „alle Anstrengungen unternommen, ausreichend neue Schutzmasken auf dem Weltmarkt zu ordern“, betonte Spahn.

Gelten soll künftig:

1. MNS-Masken können nach geeigneter Wiederaufbereitung bei 65-70 Grad Celsius wiederverwendet werden.

2. FFP2/3 Masken mit CE Kennzeichnung oder solche, die nach dem Prüfgrundsatz der Zentralstelle der Länder für Sicherheitstechnik (ZLS) zugelassen sind, können ebenfalls nach Hitzebehandlung wiederverwendet werden.

3. FFP2/3 Masken aus den USA, Kanada, Australien oder Japan sind vor Wiederaufbereitung einem Schnelltest zur Temperaturbeständigkeit zu unterziehen.

Masken chinesischer Herkunft dürfen bei Importen aktuell den größten Mengenanteil ausmachen. Sie fallen in die Nummer 2 und können unter den genannten Bedingungen wiederaufgearbeitet werden.

 

 

Beide Zitate sind Orwellsche Neusprech vom Feinsten.

„Der Schutz des Personals im Gesundheits- und Pflegebereich hat oberste Priorität“, aber ihr müsst ohne diesen Schutz arbeiten, euch und eurer Personal einem Infektionsrisiko aussetzen, vor dem uns die chinesischen Kollegen eindringlich warnen als das Schlimmste und Dümmste was wir tun können  und wenn was passiert, dann, das sagen wir jetzt schon, seid ihr selber und ganz allein nur ihr schuld.

 

Oberkiefer Eckzahn mit ungewöhnlicher „Resorption“ (II)

Von Christoph Kaaden

 

Ich habe hier vor einiger Zeit von einem Eckzahn mit ungewöhnlicher „Resorption“ berichtet.

Tatsächlich handelte es sich nach unserer Meinung um eine Perforation durch das vormals gesetzte Mini-Implantat. Leider liessen sich keine älteren Röntgenaufnahmen finden, um diese Theorie final zu belegen…

Gemeinsam mit der Patientin haben wir uns zunächst für ein konservatives Vorgehen mit dem orthograden Versuch der Perforationsdeckung und Wurzelkanalfüllung entschieden.

Die Bestimmung der endodontischen Arbeitslänge erfolgte hierbei primär anhand der DVT-Vermessung.

Die apikal und koronal der Perforationen gelegenen Kanalabschnitte würde mittels Guttapercha und Sealer (Total fill) gefüllt.

Das Einbringen des vorab gekürzten Guttapercha-Points für die Apikalregion erfolgte wie hier vorgestellt.

Der Bereich der Perforationen  wurde mittels MTA verschlossen.

Hier einige Impressionen bzw. die entsprechenden Röntgenbilder.

Eckzahn perforiert.001

Klinische Situation bei Trepanation des Zahnes. Beide Perforationen waren durch die Zugangskavität einsehbar.

Eckzahn perforiert.002

Eckzahn perforiert.003

Abschluss-RöntgenbildEckzahn perforiert.004

Kostenfreie Webinare

Ich bin von der Firma VDW auf nachfolgende kostenfreie Webinare hingewiesen worden.

Gerne teilen wir diese Information.

 

Viel Vergnügen bei:

 

Modul 1 – Der endodontische Notfall – Effiziente Therapie bei potenziell infizierten Patienten

Termin: 03.04.2020, 14:00 – 14:45 Uhr

Referent: Prof. Dr. David Sonntag

Mit nachfolgendem Link können Sie sich anmelden: https://vdw.adobeconnect.com/epa7qvwerklp/event/event_info.html

Modul 2 – Zugangskavität und Gleitpfad –

Termin: 22.04.2020, 16:00 – 16:45 Uhr

Referent: Dr. Christoph Zirkel

Modul 3 – Reziproke und rotierende Aufbereitung mit neuen Legierungen

Termin: 29.04.2020, 16:00 – 16:45 Uhr

Referent: Prof. Dr. David Sonntag

Modul 4 – Desinfektion des Kanalsystems

Termin: 06.05.2020, 16:00 – 16:45 Uhr

Referent: Dr. Christoph Zirkel

37 mit akuten Beschwerden (2)

Trotz vorgehender erfolgloser Behandlungsversuche möchte die Patientin den Zahnerhalt.
Vor Behandlungsbeginn steht in unserer Praxis ein ausführliches Beratungsgespräch mit dem Patienten an. Dazu nutzen wir alle diagnostischen und bildgebende Verfahren die vorhanden und uns zugänglich sind.
In diesem Fall ist ein 3D Röntgenaufnahme mit folgender Indikationststellung notwendig:
1. ungewöhnliche Kanalanatomie – C-förmiges Kanalsystem, bzw. konfluirende Wurzeln
2. Perforationverdacht im distalen Kanaleingangsbereich.
3. Alternativplanung – Implantation.

Im angefertigten DVT war das c-förmige Kanalsystem zu erkennen. Die distale und mesiale Wurzel sind nicht separat. Koronal ist eine Obliteratione im Bereich der Isthmen zu vermuten. Im apikalen Wurzelbereich ist das c förmige Kanalsystem im DVT zu erkennen.
Mesial und distal konfluieren anastosmoßenartig. Distal apikal ist ein knickartige Verbindung zu einem Port of Exit zu erkennen. (Apokalypse lässt grüßen ;) ).
Eine Perforation konnte 
ausgeschlossen werden. Ein Anhalt für eine konterverändernde Resorption ist nicht zu erkennen. Apikal imponiert eine hypodense, weichteildichte, abgegrenzte Struktur im Sinne einer P. apicalis.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Zunächst ist zu klären ist 47 restaurierbar. Wir werden den Zahn mit sequentielle Matritzentechnik präendodontisch aufbauen und danach die Desinfektion und Aufbereitung des Kanalsystems beginnen.

Behandlungstechnisch stellt sich die Frage: Sollte man die obliterierten Isthmen mit Ultraschallinstrumenten aufziehen?
Wie ist Ihre Meinung?

Kampf dem Virus => Schutzbrillen und mehr

Es klingt so einfach.
Man nehme eine Schutzbrille und alles ist gut.
Aber die Tücke liegt im Detail. 

Und da schon jetzt abzusehen ist, dass wir demnächst auch mit Corona weiterbohren werden, gilt es, schnellstmöglichst geeignete Schutzkonzepte einzuführen.

Geeignet heisst. Sicher UND praktikabel.

Ich habe bislang mit Lupenbrille 4,3 TTL, also die mit den langen Linsen,  behandelt.
Die keine hermetische Abdichtung gestattet.
Nicht mal annährend.

Sie ist eigentlich nur eine Sehhilfe mit marginalem Spritzschutz.

Was Anderes muss her in Zeiten wie diesen, aber was ?

Hier meine Maßnahmen und Erfahrungen.

Variante 1
„Fahrradfahrbrille“ von Decathlon. Preis 4,95 Euro. Dichtet deutlich besser ab als die Lupenbrille, aber natürlich nicht hermetisch.  Leichte Spalten, wenigeMillimeter breit. Trotzdem eine Empfehlung, da sie viel von dem abhält, was die Lupenbrille nicht abzuwehren vermag.

Variante 2
Skibrille von Uvex. 17 – 25 Euro (je nach Händler via Amazon)
Ihr Plus. Hermetische Abdichtung, sehr gutes Sichtfeld, beschlägt nicht. Entgegen ihres martialischem  Äußeren auch erstaunlich angenehm zu tragen. Ihr großes Manko. Das Arbeiten  mit dem OP – Mikroskop.  Weil man mit den Augen zwangsläufig weit weg ist von den Okularen ist das Blickfeld auf fast Schlüssellochgrösse reduziert. In Kriegszeiten wäre dies zu Not machbar, aber auf Dauer keine Lösung.

Variante 3
Das Gesichts-Schutzschild aus dem 3D-Drucker. Ich bin dran, habe diverse Protoypen zum Test auf den Weg gebracht und werde zu gegebener Zeit berichten.  Problem auch hier das Arbeiten mit dem OPM. Auf das ich leider ohne Lupenbrille zwingend angewiesen bin, denn ohne Lupenbrille sehe ich, in Jahrzehnten antrainiert und zwischenzeitlich der Altersweitsichtigkeit erlegen, nix mehr.

Variante 4
ist in Vorbereitung und soll all denen helfen, die mit dem Dentalmikroskop arbeiten. Sobald ich kann, werde ich darüber berichten.

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von oben Laserschutzbrille UVEX Schutzbrille Modell Sporttaucher/Skifahrer Decathlon Schutzbrille Modell Radfahrer

 

Ich persönlich glaube im Übrigen, dass uns die größte Gefahr durch Schmierinfektion droht. Deshalb halte ich es für zielführend, die Hände, so gut es geht, aus dem Gesicht fernzuhalten. Fällt mir äusserst schwer, viele meiner Übersprungshandlungen (z.B. der Rodinsche „Denker“ oder „Stan Laurel“ führen mit meinen Fingern automatisch zum Kopf hin. Aus diesem Grund habe ich mich auch sehr schnell mit einer Kopfbedeckung für das Arbeiten arrangiert, auch wenn diese – die Eitelkeit muss zurückstehen – die Frisur  nachhaltig ruiniert. Wir haben – Kreativität ist Trumpf  – mit OP – Tüchern begonnen, die in bester Witwe Bolte – Tradition (allerdings hinter Kopf)  verknotet wurden.  Zwischenzeitlich habe ich zusätzlich schwarze Bandanas erstanden und zwar genau die, welche in meiner Kindheit die Rocker mit ihren Harleys trugen, vor denen uns unsere Mutter immer gewarnt hat. Oder Hulk Hogan in seiner Zeit bei der NWO, was die Sache nicht besser macht. Egal.“Lo scopo santifica i mezzi“ .  Hat Macchiavelli gesagt, aber ich schweife  ab.

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Die in der Praxis vorhandenen FFP 3 – Masken sind im Übrigen kein Spass, was den Tragekomfort angeht. Nach einem Vormittag zeichnen diese tiefe Kerben und Wange und Nasenrücken. Eine darüberhinaus sehr schmerzhafte Angelegenheit. Ich bin auf Jeden Fall froh, wenn ich diese zu Behandlungsende loswerden kann, auch wenn ich der guten Sache wegen nicht darauf verzichten werde, solange es keine adäquaten Alternativen gibt.

Das kontaminationsfreie Aus- und Anziehen ist im Übrigen extrem schwierig und wird sinnvollerweise unter ständiger Sichtkontrolle nur vor dem Spiegel durchgeführt. Zur Aufbewahrung habe ich mit dem 3D- Drucker Gestelle gedruckt, die ein sicheres Deponieren und Wiederaufnehmen ermöglichen.

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Bilder des Tages

Die Politik als Vorbild 1

 

Die Politik als Vorbild 2

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