5 Generationen Abdichtung (Nachtrag)

Ist das nicht erstaunlich ?

Jahrelang tut sich nix.
Und dann entwickelt ein Thema eine plötzliche Dynamik und es geht voran.
Man sollte öfters ein wenig über den eigenen praxisinternen Tellerrand und die eingeschliffenen Abläufe hinwegschauen, es würde sich vermutlich auszahlen.

Worum geht´s ?

Um einen Nachzügler, die Kofferdam-Abdichtmassen betreffend.
Voco Clip Flow. Das Material nutzt Olaf Löffler schon seit Jahren.

Seit JAHREN!!!

Jetzt endlich habe ich mich durchgerungen, es zu testen.

Hier meine Eindrücke im Vergleich zu den anderen Materialien.
Starten wir mit dem Fazit: Voco Clip Flow ist ein sehr nützliches Material. Es dichtet nämlich den Kofferdam gut ab, selbst wenn dieser, zum Beispiel bei den Röntgenmessaufnahmen, hin und her bewegt wird. Voco Clip Flow ist relativ flüssig, deutlich weniger viskös zumindest als Meta Biomed´s Next Temp LC und auch etwas flüssiger als Ultradent´s Block Out LC Resin. Das ist nicht ganz optimal, aber mit wenig Eingewöhnung sicherlich gut handhabbar. Und nur, wenn man die anderen Materialien vorab kennen- und lieben gelernt hat, dürfte das negativ sich bemerkbar machen.

Auffälliger schon, das Material ist transparent. Eine Einfärbung wäre besser. Selbst Next Temp LC, lediglich blassblau daherkommend, ist um Klassen besser diesbezüglich.

Und wie sieht es mit der Entfernbarkeit aus ? In toto, die Kofferdamklammerzange nutzend, funktioniert das wunderbar. Das Material ist leicht nachgiebig, solange man also die Kofferdamklammerzange ansetzen kann, ist das Ablösen ein Kinderspiel.

Was gibt nun letztendlich den Ausschlag ?
Wir werden 2 Materialien vorhalten. Block Out LC Resin ist nicht mehr der Platzhirsch, aber nachwievor gesetzt, weil es sehr fest ist. Hilfreich in Situationen, in denen eine zusätzliche Stabilisierung von Nutzen ist. Es kostet 5,17 Euro pro Gramm. Voco Clip Flow kostet 6,45 Euro pro Gramm. Next Temp LC liegt gegenwärtig bei 5,75 Euro, zu diesem Preis mein Material der Wahl. Der reguläre Preis liegt bei 9,32 Euro und sobald dieser zum Tragen kommt muss neu gewichtet werden.

Möglicherweise wird Voco Clip Flow dann auch bei uns Einzug halten.
Danke Olaf !

Trauma nach Radunfall mit Déjà-vu (III)

Von Christoph Kaaden

Vier Monate ist der Behandlungsbeginn dieses Zahntraumas nun her.

Ende August haben wir daher die Schienung entfernt und die Zähne klinisch und radiologisch nachuntersucht.

Bisher stellt sich die Situation als stabil dar (Sens, Perk etc) und die nächste Kontrolle ist für Ende November diesen Jahres geplant…

5 mal Anatomie (6)

Ein Zahn aus der Reihe „5 mal Anatomie“ fehlt noch.
Er tauchte ebenfalls in besagten 4 Tagen auf, allerdings nicht im Rahmen einer Behandlung sondern als Recall. Auch er zeigt eine besondere Anatomie, die sich allzuoft verbirgt und er stützt meine These, daß Unterkieferprämolaren zu den schwersten endodontisch zu behandelnden Zähnen gehören.

Umso erfreulicher, daß es in diesem Falle eines zum Zeitpunkt der Behandlungsübernahme stark symptomatischen Zahnes (Schmerzskala 8) gut geklappt hat, wie die entsprechenden Recall – Kontrollen im Abstand von 7 und 19 Monaten post WF zeigen.

Der Kanalabgang war mit dem Dentalmikroskop nicht auszumachen, ohne DVT wäre ich hier vermutlich gescheitert. Typischer Zahn, der nach WF im Röntgenbild gut aussieht, aber der Patient (m/w/d) kommt in die Praxis und klagt unerklärlicherweise über Beschwerdepersistenz.

Zahn 35 bei Behandlungsübernahme 04.07.2018
Zahn 35, Röntgenmessaufnahme ,Patency im mesiolingualen Kanal
Zahn 35, Masterpoint
WF- Kontrolle 06.11.2018
Zahn 35, 7 Monate post WF, 03.06.2019, Glasfaserstift in situ.
Zahn 35, WF – Kontrolle 19 Monate post WF, 30.06.2020

Wie soll es weitergehen mit WURZELSPITZE 2021 ?

Letzten Montag, im Rahmen einer Telefonkonferenz, ging es darum, wie es mit WURZELSPITZE im Jahr 2021 weitergehen soll. Gott sei Dank genau einen Tag vor der „ungehörigen“ Diskussion auf Endonews, sonst wäre unsere Entscheidung vermutlich nicht so spontan positiv ausgefallen.

(Endonews, ein Forum im Übrigen, das ich 1999 gegründet habe, demnach seit über 20 Jahren der endodontischen Weiterbildung dient und, solange ich es geleitet habe, einen regen Erfahrungsaustausch beinhaltete, jetzt nur noch ein Schatten seines ursprünglichen Selbst ist)

Hier das Ergebnis unserer Besprechung und., um es vorwegzuschicken, es sind ausnahmslos gute Nachrichten:

  1. Wir werden WURZELSPITZE in 2021 weiterführen.
    Wie mit Wiederaufnahme von WURZELSPITZE geschrieben, wollen wir Jahr für Jahr entscheiden auf Grund des Zuspruchs, den WURZELSPITZE erfährt (oder auch nicht) als Gradmesser, ob wir ein weiteres Jahr das Forum betreiben oder nicht. Und rückblickend auf 2020 sind wir zu dem Schluss gekommen, daß wir gerne das Blog ein weiteres Jahr betreiben wollen.
  2. Die Veranstaltung „Die DREI reden über…“, ein neuartiges Veranstaltungsformat zur Endodontie mit Christoph Kaaden, Jörg Schröder und mir, Ha-Wi Herrmann war zum 12.. September 2020 geplant. Ist Corona wegen ausgefallen.

    Was wir sehr schade finden, denn wir glauben an das Format.
    Und möchten weiterhin es stattfinden lassen.

    2021.
    Keiner weiss, welche Dimension Corona dann haben wird, aber wir sind zuversichtlich, bis dahin ein Hygienekonzept liefern zu können, dass uns Präsenzveranstaltungen abhalten lässt. Vermutlich wird Alles mit deutlich weniger Leuten stattfinden als vor Corona. Wir werden genau planen müssen, mit vielen Unbekannten im Raum, was die Sache nicht einfacher macht, aber – wir wollen es.
    Falls genügend Leute es auch wollen.
  3. Ihr fragt – Die Drei antworten – Der Live-Chat.
    Eine neue Idee. Ein WURZELSPITZE Plus – Experiment. Vielleicht wie der Elternsprechtag in der Schule. Nur mit dem Unterschied, das man nicht mit einem schlechten Bauchgefühl einläuft in Sorge, was Filia oder Filius wohl angestellt haben können. Es geht um Fragen. Eure Fragen. Egal welche. Zum Thema Endo und drumherum. Im Dialog. Fragt uns ein Loch in den Bauch. Zeigt uns Fotos. Röntgenbilder. 45 Minuten lang. Live.

In diesem Sinne: Auf ein spannendes, interessantes, informatives Endo-Jahr 2021!

 

Erfreuliches Recall

von Jörg Schröder

Angesichts der strategischen Bedeutung dieses 18 als distaler Pfeiler einer viergliedrigen Brücke und des geringen knöchernen Angebotes in Regio 16 und 17 erschien der Versuch des Zahnerhaltes auch angesichts der ausgeprägten periapikalen Pathologie als sehr sinnvoll.

Die Behandlung wurde allerdings durch einen stark ausgeprägten Würgereiz erschwert, der noch nicht einmal ein suffizientes präoperatives Einzelbild zuließ. An intraoperative Röntgenbilder war noch nicht einmal im Ansatz zu denken.

So wurde die Behandlung im „Cowboy“-Stil durchgeführt.

Kein Überprüfen der Arbeitslänge mittels Messaufnahme, was angesichts der großen apikalen Lyse mit einer erhöhten Wahrscheinlichkeit einer Messungenauigkeit (Eintreten von Flüssigkeit aus dem Periapikalbereich führt zu einer falsch positiven Längenmessung) nicht gerade blutdrucksenkend bei mir wirkte. Zudem schwebte immer das Damoklesschwert des einsetzenden Würgereizes über der gesamten Behandlung. Die Muße intraoperative Bilder anzufertigen, hatte ich nicht.

Umso erfreulicher das Ergebnis des Recalls 14 Monate nach Abschluss der endodontischen Behandlung.

 

Die Gretchenfrage (2)

Hier die 3 Frontzähne, die hier im Zahnfilm dargestellt wurden, nun im DVT.

Und folgende Fragen:

Welche Zähne sind wie schwierig ? (Skala von 1 – 10, wie beim Bergsteigen sind größere Zahlen höhere Schwierigkeitsgrade, 10 ist Höchstschwierigkeit)

Wie sieht die jeweilige Therapie aus ?

Ein Zahn stellte sich als aussergewöhnlich schwierig dar.
Welcher Zahn war es ?

Kurz berichtet – Apikale Aufhellung – ausgeheilt nach Trauma und MTA-Applikation

Von Christoph Kaaden

Die junge Sophie war zehn, als sie vor drei Jahren ein Frontzahntrauma beim Radfahren erlitt. Hierbei wurden laut Zuweiserin die Zähne 21 und 22 disloziert.

Als wir die Patientin erstmals sahen hatte sich an Zahn 21 eine deutliche apikale Parodontitis ausgebildet.

Die Behandlung erfolgte zweizeitig und benötigte in der Summe zwei Stunden.

Die Apikalregion wurde im zweiten Termin mit MTA verschlossen und das weitere Kanallumen anschliessend mit erwärmter Guttapercha und Sealer aufgefüllt.

Radiologische Kontrolle des MTA plugs
Abschlussröntgenbild nach Obturation des Kanalsystems und Verschluss der Zugangskavität mit Komposit

Diese Woche erreichte uns das Kontrollbild der zuweisenden Kinderzahnarztpraxis.
Es sieht aus, als wäre die Behandlung von vor 18 Monaten erfolgreich gewesen…

Recall Aufnahme der Zuweiserin 1 1/2 Jahre nach Behandlung
Prä-op vs. 1 1/2 Jahre post-op

Ergonomie – do it your self

In dieser Reihe möchte ich Beispiele von ergonomischen Verbesserungen vorstellen, welche durch Kolleginnen und Kollegen im Selbsthilfeverfahren entwickelt und umgesetzt wurden.

An Hand dieses Gastbeitrags von Oliver Schäfer sehen wir, daß die Ergonomie in der Praxis optimiert werden kann und es schafft Anregungen für weiter Verbesserungen in der eigenen Praxis.

Mich störte während der Behandlung -neben der fehlenden Ablage für Endomotor, Ultraschall und co- insbesondere der Kabelsalat. Das RootZX war dabei häufig Anlass für „Verknotungen“, weshalb ich eine eigene Rinne als Kabelführung anlegte. So kommen sich zumindest Turbine, Mikromotor und RootZX nicht mehr in die Quere. Um das Kabel im Schrank schnell und ordentlich zusammenzurollen, verwenden wir automatische Kabelaufroller wie sie bspw. für Kopfhörerkabel verfügbar sind. Schließlich stand ich vor der Aufgabe mein neu angeschafftes Guttasmart System im Schrank unterzubringen, was allein aufgrund der Dimensionen nur liegend möglich war. Auch hier musste zunächst 3D Druck und später CNC-Fräsung her.

Die Gretchenfrage oder Wie hältst Du es mit dem DVT ?

In der Schule habe ich nie Goethes Faust gelesen.
Und daher erst später erfahren, wie viele Sprichwörter diesem Werk entnommen wurden.

„Das also ist des Pudels Kern“ ist vermutlich das bekannteste Zitat.

Aber auch, zumindest unter Medizinern bekannt: „Blut ist ein besonderer Saft!“

Und dann natürlich die „Gretchenfrage“.
Sie bezeichnet als Gattungsbegriff eine direkte, an den Kern eines Problems gehende Frage, welche die Absichten und die Gesinnung des Befragten aufdecken soll. Sie ist dem Befragten meistens unangenehm, da sie ihn zu einem Bekenntnis bewegen soll, das er bisher nicht abgegeben hat. In Faust I wendet sich Gretchen an Faust und möchte wissen: „Nun sag, wie hast du’s mit der Religion? Du bist ein herzlich guter Mann, allein ich glaub, du hältst nicht viel davon.“

Womit wir beim Thema wären – Ich bringe wieder einmal 3 Fälle mit, bei denen, weil im Frontzahnbereich angesiedelt, die Frage nach einem DVT sich eigentlich von vorneherein verbietet.

Ich möchte dennoch fragen: Braucht es ein DVT ? Wer würde bei welchem Zahn ein DVT anfertigen ? Wie sähe die Behandlung der Zähne aus ? Mit und ohne DVT. Soll einmal jeder für sich selbst überlegen.

Die Antworten bitte in die Kommentare.

Am Freitag gibts an dieser Stelle die DVT ´s.

Zahn 12, Fraktur klinische Krone, Hauszahnarzt findet Kanal nicht, Patientin wünscht Zahnerhalt
Zahn 11, symptomlos, apikale Aufhellung
Zahn 21, Endo alio loco vor wenigen Jahren, soll WF- Revision wegen Dunkelfärbung klinische Krone

Laterale Perforation

von Jörg Schröder

Traurig, aber eine häufig anzutreffende Situation.

Nach durchgeführter endodontischer Behandlung wurde dieser Eckzahn bei der Durchführung der Vorbohrung für einen Zirkonoxidstift lateral perforiert.

Ein Umstand, der angesichts der mit großer Sicherheit auftretenden Missempfindung und der begleitenden Blutung zumindest stutzig machen sollte. Dem Stift wurde angesichts des fehlenden Ferrules offensichtlich nicht viel zugetraut.

Wie sonst erklärt sich sonst die Präparation einer muldenförmigen Auflage in die distaopalatinale Fläche der vollkeramischen Krone des 12. Eine parodontalhygienisch nicht zu lösende Situation, zumal es nur eine Auflage mit entsprechend bakteriell kontaminierten Spalt zwischen Extension 13 und Auflage 12 war.

Um eine Abheilung der parodontalen Gewebe insbesondere distal des 12 zu ermöglichen, wurde der durch die Muldenpräparation entstandene Defekt  an 12 adhäsiv ergänzt, bevor die endodontische Behandlung des 13 begonnen wurde. Nach präendodontischem Aufbau konnte dann Kofferdam gelegt und der Zirkonxidstift entfernt werden.

Die Entfernung erfolgte, wie immer bei Zirkonoxidstiften, mittels Ultraschallansätzen. Aufgrund der bestehenden Fistelung wurde nach Reinigung der Perforationsstelle CaOH2 eingelegt und der Zahn temporär verschlossen. Um ein ungewolltes Dezementieren der temporären Krone zu vermeiden, befestige ich in Fällen stark reduzierter Hartsubstanz einen Glasfaserstift adhäsiv und befestige die temporäre Krone mit RelyXUniCem.

In der zweiten Behandlungssitzung war die Fistelung vollständig abgeheilt und der Zahn beschwerdefrei. Nach Einzelzahnisolierung erfolgte dann die erneute Trepanation, wobei der ausreichend weit dimensionierte Glasfaserstift einen fast nicht erwähnenswerten Umweg bedeutete.

Nach Darstellung der Perforation – die ursprünglich vorhandenen Wurzelfüllmaterialien hatte ich bewusst belassen, um eine Verbringen von MTA-Bestandteilen in den Originalkanal zu verhindern – wurde diese mit MTA verschlossen und dasselbe mit Ultrablend abgedeckt. So kann ein Auswaschen des aufgrund der geringen Schichtstärke hier ein wenig anfälligeren MTA verhindert werden.

 

Erfreulich das Recall nach 7 Monaten. Erstaunlich, wie die voranschreitende Ausheilung die bei der medikamentösen Einlage offensichtlich herausgepressten CaOH2- Anteile „zusammengeschoben“ hat.

Dens invaginatus ohne Pulpabeteiligung

von Jörg Schröder

Nachdem ich den Kommentar von „fepunkt“ zu meinem Beitrag „Dens invaginatus“ wortreich beantwortet hatte, kam mir ein Fall aus dem vergangenen Jahr in den Sinn, bei dem ich die Invagination „nur“ versäubert und -weil die Pulpa positiv auf den elektrischen Sensibilitätstest reagierte und das DVT keine apikale Pathologie erkennen – abschliessend adhäsiv verschlossen hatte.

Die Fotodokumentation zeigt die komplexen Verbindungen der einzelnen Hohlräume.

Um eine sichere Obturation der am tiefsten hinabreichenden Kaverne zu erreichen, habe ich dort BC Sealer und erwärmte Guttapercha eingesetzt. Der koronale Anteil wurde in Adhäsivtechnik verschlossen.

 

Furkationsbeteiligung

Von Christoph Kaaden

Die nachfolgende 58-jährige Patientin wurde uns von ihrem Hauszahnarzt geschickt. Der Zahn 36 war vor einigen Jahren alio loco endodontisch behandelt worden. Jetzt beklagte die Patientin eine zunehmende Ausfbissempfindlichkeit sowie eine Blutung am Zahnfleischsaum bei der Zahnpflege.

Hier zeige ich Ihnen die Röntgenaufnahmen des Zuweisers.

Aufgrund der geringen Aussagekraft der Einzelzahnaufnahme ist von dem Kollegen zusätzlich ein kleinvolumiges DVT angefertigt worden.

Leider ist die Auflösung des verwendeten Gerätes mässig gut.

Es war für mich zu erahnen, dass bei der Vorbehandlung das mesio-linguale Kanalsystem unbehandelt geblieben war.

Während sich in der Bifurkation ferner eine Aufhellung zeigte war an den Radices keine Pathologie erkennbar…

bis zu diesem Zeitpunkt liess sich also für mich nicht zweifelsfrei klären, woher die Furkationsbeteiligung stammte.

 

Infrage kamen in einen Augen folgende Möglichkeiten:

  • Infraktur bzw. Längsfraktur
  • Perforation
  • Laterale Anatomie in Form eines Seitenkanals

 

Intra-koronal/kanalär fanden sich keine Besonderheiten und die Revision konnte routinemässig durchgeführt werden…

Masterpoint-Aufnahme nach Revision mit deutlich erkennbarer Osteolyse in Bifurkation

 

Einige Wochen später war die Fistel abgeheilt und die Patientin beschwerdefrei.

Bei der Wurzelkanalfüllung zeigte sich dann der Grund für die Furkationsbeteiligung.

Grosser Seitenkanal nach Wurzelkanalfüllung als Ursache der Osteolyse in der Bifurkation

Ich bin gespannt, wie das Recall in sechs Monaten ausfallen wird…

5 Generationen Abdichtung

5 Generationen Abdichtung?


Worum geht ´s ?
Ich spreche vom Kofferdam.

Irgendwo im Regal bei mir muss noch ein Buch von Reinhardt Winkler stehen. DAS Standardwerk zum Thema Kofferdam, damals, in den frühen Neunzigern des letzten Jahrhunderts.

An ein darin beschriebenes Abdichtmaterial für den Kofferdam kann ich mich nicht erinnern. Nur an die Kofferdamligatur. Und an das Invertieren des Kofferdams mittels Luftpuster. Hat bei mir so gut wie nie geklappt. Vielleicht habe ich zu schnell aufgegeben und Übung macht den Meister, aber, ganz ehrlich, wenn ´s nicht auf Anhieb geht, dann ist vielleicht auch die Methode an sich zu überdenken. Denn – Kofferdam soll ja helfen, nicht behindern.

Was kam danach ?

1
Cavit.
Naja. Dichtet leidlich hab, hält noch weniger.
3 von 10 Punkten.

2
Oraseal
Von Ultradent.
Auf Zellulose- Basis.
Über Jahre unser Standard-Material. Dichtet super ab, nimmt Feuchtigkeit auf und „klebt“ am Kofferdam. Zumindest nach unten hin. Nach oben hin eher bröckelig.

Dennoch – 2 Daumen hoch. Über viele Jahre hinweg unser Material der Wahl. Der Preis – wie oft bei Ultradent – ambitioniert. Aber – wenns hilft …
6 von 10 Punkten.

Oraseal und Opaldam, Seite an Seite
Abdichtung mit Oraseal im Bereich der Klammerbranchen

3
Opaldam
Ebenfalls von Ultradent. Auf Komposit- Basis.
Wie hat es sich bewährt ? So la la.
Hält initial, nix bröckelt weg. ABER – Grosses Manko. Wenn der Kofferdam bewegt wird, dann löst sich die Klebung. UND – bei geringster Feuchtigkeit am Kofferdam erfolgt keine Abdichtung.

4 von 10 Punkten.
Und für den Preis, der dafür aufgerufen wird, definitiv nichts, was wir aus einem brennenden Haus retten würden.

Compositkrone nach EKR Krone und Kariesentfernung, Oraseal und Opaldam im Doppelpack

4
Block Out
Auch von Ultradent. Eigentlich ein Material für die Zahntechnik zum Ausblocken beim Tiefziehschienen. Eine Empfehlung der ACTA Universität Amsterdam. Denen war Oraseal viel zu teuer. Deshalb kannte das auch keiner, als in meiner Gastvorlesung das Material in meinen Fotos zu sehen war. Originalzitat: „Wir sind eine Universität. Wir sind arm.“

Block Out hält super. Und dichtet, dafür, daß es ein Composit ist, erstaunlich gut auch in schwierigen Situationen ab. Stabilisert die Kofferdamklammer bei wenig Retention.

Alles in Allem mit Abstand das beste Material bislang.
8 von 10 Punkten. Eigentlich 9 von 10 Punkten, aber wegen seines großen Mankos – Off Label Use, keine Zulassung für intraoral – gibt es Punktabzug.

5
Next Temp LC.
Von Meta Biomed.

Ein provisorisches Füllungsmaterial auf Composit- Basis, lichthärtend. Beispielweise für Inlay- Kavitäten. Blassblaue Farbe. Leicht elastisch, leicht klebrig. Und wunderbar zu gebrauchen als Abdichtmaterial für die Kofferdam- Anwendung.

Ist nicht meine Idee.
Sondern eine Empfehlung von Dr. Jenner Argueta, ein endodontischer Kollege aus Guatemala und Meta Biomed Opinion Leader.
Und was soll ich sagen ? Dieses Material hat es geschafft, aus dem Stand heraus sich in unserer Praxis als Block Out-Alternative zu etablieren.

Warum?
Die leichte Klebrigkeit sorgt für einen innigen Verbund zwischen Kofferdam und Material.
Auch wenn der Kofferdam bewegt wird, bleibt das Material in Position.

Das funktioniert bei NextTemp LC besser als bei jedem anderen der genannten Materialien.

9 von 10 Punkten.
Gegenüber Block Out ein weniger schwerer zu entfernen – erwähnte ich schon, es ist klebrig ? Und auch weicher als Block Out und widersetzt sich so etwas mehr dem Abnehmen.

Aber in der Regel kann man es mittels Kofferdamklammerspannzange samt der Kofferdamklammer in toto entfernen.
Bliebe noch der Preis.
Hier ist Block Out nachwievor unschlagbar, aber dennoch hat sich NextTemp LC einen festen Platz in unserer Praxis gesichert, wir wählen fallspezifisch das eine oder das andere und müssten wir uns für eines der beiden Materialen entscheiden, wäre es NextTemp LC.
Weil ??? Es diesen kleinen Tick besser ist.

Vom Meta Biomed Deutschland gibt es im Übrigen für begrenzte Zeit ein Einführungsset.
Enthält 3 Spritzen a 2 Gramm.
Kostet 29 Euro.

Dens invaginatus

Bei klinisch unversehrten Frontzähnen, die aus heiterem Himmel eine Fistelung und einen negativen Sensibilitätstest aufweisen, denkt man vielleicht zunächst an ein Zahntaruma als Ursache für eine Pulpanekrose.

Eine weitere, aber eher nicht so häufige Ursache, stellen Invaginationen dar, die entweder über eine direkte Verbindung zur Pulpa zu einer bakteriellen Kontamination derselben führen (OEHLERS Typ 2) oder, wie in nachfolgendem Fall, über die Dentintubuli, zu einer bakteriellen Besiedelung des Pulpakammerhohlraumes führen.

Oftmals fallen diese Schmelzeinstülpungen bereits im zweidimensionalen Röntgenbild als V-förmige Einziehungen auf. Klinisch finden sich die „Eingänge“ zu den Invaginationen ist immer palatinal des Pulpakammerhohlraumes und entspringen einer fast nicht als Hohlraum wahrnehmbaren Furche. Da diese schmelzausgekleidet ist, imponiert sie im DVT als hell ringförmige Struktur, die den eigentlichen Invaginationshohlraum umgibt.

Mein Vorgehen ist wie folgt:

  • Dreidimensionale Diagnostik, DVT. Klärung der Kanalgeometrie und etwaiger Besonderheiten. (Weite des Formens, Art der Kommunikation zwischen Invagination und Pulpa)
  • Pulver-Wasserstrahlgerät zur Entfernung von in der Einziehung anhaftender Plaque.
  • Anschliessend mit einem flammenförmigen Feinkorndiamanten die Einziehung erweitern.
  • Sondierung mittels Microopener
  • Initiale Spülung mit NaOCl
  • Erweiterung der Invagination
  • Bei erwiesener Pulpanekrose (Sens-Test) , Eröffnung der Pulpakammer mit Munde-Rosenbohrern.
  • Chemomechanische Aufbereitung, (Eddy, XP-Endo-Finisher)

Die Obturation erfolgte in diesem Fall aufgrund des sehr weiten Foramens mit MTA.

Die Behandlung wurde zweizeitig durchgeführt, da es in der ersten Sitzung zu einer diffusen Blutung aus dem Periapikalbereich kam (wie an dem nicht bis apikal gebrachten CaOH2 zu sehen ist).

 

 

Herodontics Zahn 46 (II)

Von Christoph Kaaden

 

Heute zeige ich Ihnen den Abschluss dieses Behandlungsfalls.

Gut vier Wochen nach dem ersten Termin erfolgte bei Beschwerdefreiheit und abgeheilter Fistel zunächst der Verschluss der Neoapices mit MTA. Auf das vorgeschaltete Einbringen ein resorbierbares Widerlager wurde verzichtet.

Röntgenkontrolle nach MTA Apexifikation

Das Backfill wurde mit erwärmter Guttapercha und Sealer (BC Sealer) durchgeführt und die Zugangskavität nachfolgend adhäsiv verschlossen.

Abschluss der Revisionsbehandlung Zahn 46 nach zweimaliger WSR

Das erste Recall ist in sechs Monaten geplant; das Ergebnis werde ich Ihnen dann gerne zeigen…

Prä-OP vs. Post-OP

 

 

Quiz du jour Juli 2020 – „Auflösung“

Von Christoph Kaaden

 

Vor einiger Zeit habe ich hier nach einer seltenen Diagnose gefragt.

Es handelte sich in diesem Fall um eine sehr seltene venös-lymphatische Malformation.

Hier ein Link für weitere Informationen zu dieser Thematik.

37 mit akuten Beschwerden (Recall)

Über diesen  Fall haben wir hier, hier und hier berichtet.

Hier nun das 6 Monatsrecall.

Der Zahn ist symptomlos und die Patientintin glücklich.
Auf Grund des Substanzverlustes habe ich ihr angeraten den Zahn mit einer Teilkrone versorgen zu lassen. In diesen Fällen weise ich ausdrücklich darauf hin:

  1. eine zahnfarbene Restauration möglich ist, aber extrem aufwendig und schwierig einzusetzen setzen. ( Das das geht hat Winfried Zeppenfeld mal vor Jahren auf Endonews recht eindrucksvoll vorgestellt.)
  2. das Mittel der Wahl eine Goldteilkrone ist und das selbst bei dieser Risiken bestehen.
    Das führt meistens zu langen Gesichtern, da wir über eine „nichtzahnfarbene“ Restaurationen sprechen. Auch in diesem Fall war die Patientin nicht glücklich.
  3. Es ist eine chirurgische Kronenverlängerung angeraten.

Ich werde das nächste Recallbild vorstellen.

 

 

5 mal Anatomie (5)

Wie sich die Bilder doch gleichen…

Der geneigte Leser erinnert sich.

Hier. Zuletzt.

Ein Zahn 36 mit 3 Kanälen in der mesialen Wurzel.

Und – gleicher Tag, andere Seite – ein Patient mit einem Zahn 46 und ebenfalls 3 Kanälen mesial.

In beiden Fällen unauffällige Erscheinung im Zahnfilm, das DVT offenbart die besondere Anatomie.

Rufen wir uns an dieser Stelle also wieder ins Gedächtnis, wir sind umgeben von besonderer Anatomie. Und nicht immer, um nicht zu sagen, vermutlich in vielen Fällen erschliessen sich diese anatomischen Besonderheiten dem Auge des Klinikers, selbst wenn es Dentalmikroskop- bewehrt sein sollte.

Auch diesmal die orthograde WF- Kontrollaufnahme eher unspektakulär.

BTW solche Zähne sind für mich der größte Albtraum. Präparation und Abformung durch den Hauszahnarzt ist bereits erfolgt, demnach keine Chance, am vorhandenen insuffizienten Aufbau etwas ändern zu können, geringste Retention bei zudem endständigen Zahn, verbesserungsfähiges Provisorium und und und…

Dazu passt – gewissermaßen als Zugabe und aus aktuellem Anlass auch dieser Fall von Freitag.

Ein Zahn 47. Auch er im konventionellen 2D – Röntgenbild unauffällig. Und ich gebe zu, ohne DVT wäre ich niemals auf die Idee gekommen, die tiefe Aufspaltung im mesiolingualen Kanal zu suchen, ich wäre froh gewesen, diesen überhaupt gefunden bzw. über die vorhandene Stufe hinweg erschliessen zu können.

Der weiße Tod

von Jörg Schröder

Wurzelstifte aus Zirkonoxid waren vor ca. 20 Jahren einmal en vogue. Daher stellen diese Stifte in meinem Alltag eher eine seltene Aufgabe dar.

Ich muss zugeben, auch ich habe wenigstens 4 davon eingesetzt. Obwohl ich, wenn ich über einige physikalische Grundsätze nachgedacht hätte, das besser gelassen hätte.

Und so trifft man leider bei der Revisionsbehandlung von mit Keramikwurzelstiften versorgten Zähnen häufig auf Haarrisse, deren Vorhandensein sich der klinischen und radiologischen Diagnostik entzieht.

So auch bei diesem 27. Nach Entfernung der Vollgusskrone galt es zunächst, den um die Zirkonoxidstifte befindlichen Kompositaufbau abzutragen. Dies geschieht mittels kleiner flammenförmiger Diamanten und am Ende mit den von mir sehr geschätzten Munce-Rosenbohrern.

Zur Entfernung der adhäsiv befestigten Zirkonoxidstifte gehe ich genau so vor, wie ich es initial mit gegossenen Stiften mit konischer Geometrie handhabe. Da rotationssymetrisch, sollte das umfassende Komposit, wenn möglich, im zylindrischen Teil vollkommen oder zumindest ca. 270 Grad davon entfernt werden. Anschliessend wird der koronale Stiftanteil mit einem glatten, im Querschnitt runden und recht starren Ultraschallansatz bei mittlere Energiestufe und Wasserkühlung umfahren. Mitunter muss man zwischendurch Teile von abgeplatztem Kompositkleber mittels Endosonore-Ansätzen zerkleinern.

In diesem Fall drehte sich der in DB befestigte Stift schon nach weniger als einer Minute.

Nach der anschliessenden Freilegung des MB1 hatte ich schon eine Ahnung, was mich bei der Inspektion des Pulpakmmerbodens erwarten würde, wenn ich auch den in P befindlichen Stift entfernt hatte. Ein feiner, tief in P hinabreichender Haarriss.Somit fällt der Zahn der Extraktion anheim. Schwacher Trost, dass sich der im DVT erkennbare MB2 an genau der Stelle befand, an der ich ihn vermutet hatte.

 

Sensibilitätsstörung nach Initialbehandlung – das Recall

von Jörg Schröder

Vor etwa 10 Monaten hatte ich hier über diesen 47 berichtet.

Zwischen Beratung- und geplantem Behandlungstermin hatte sich die Situation dramatisch verändert. Vom rechten Mundwinkel bis hin zur Mitte der Unterlippe und hinab bis zum rechten Kinn bestand 4 Tage nach der Erstvorstellung eine vollständige Anästhesie, die auf eine akute Exazerbation der apikalen Parodontitis zurückzuführen war.

Heute nunmehr ein in jeder Hinsicht erfreuliches Recall. Der Zahn wurde durch die überweisende Kollegin mit einer Teilkrone versorgt. Die periapikalen Strukturen erscheinen ausgeheilt und die Sensibilität Bereich der rechten Unterlippe bzw. des rechten Kinnbereiches wieder vollkommen wiederhergestellt.

Kurz vor Knapp

von Jörg Schröder

Ab und zu bekommen wir Anfragen von Kollegen mit der Bitte um die Anfertigung eines DVT zur implantologischen Diagnostik.

Im heute beschriebenen Fall kam der Patient zum Termin mit je einer Bohrschablone für den Ober- bzw. Unterkiefer. Die Bohrhülsen waren anhand eines OPG und nach der klinischen Situation einpolymerisiert worden. Wohlgemerkt die Bohrhülsen.

Die Artefaktbildung war zum Glück gering genug, um nach Betrachten des DVT die Empfehlung auszusprechen, die Position der Bohrhülse in Regio 47 nochmals zu „überdenken“ und sich vor der Implantation noch einmal mit der zahndichten, rundlichen Struktur im Bereich des geplanten Implantates zu beschäftigen.

Kurz berichtet – Apikale Parodontitis, Fistel und unklarem apikalen „Geschehen“ mesial – ausgeheilt nach 2 Jahren

Von Christoph Kaaden

Vor zwei Jahren stellte sich der damals 58-jährige Patient erstmals bei uns vor.

Die Diagnose damals lautete:

ausgeprägte interradikuläre Aufhellung mit disto-bukkaler Fistel an Zahn 46.

Ausgeprägte interradikuläre Aufhellung an Zahn 46 mit Fistel – Resorption unklarer Genese mesial

Unklar hingegen war, was die Ursache für die stark resorbierte mesiale Radix war.

Hier das Wf-Kontroll-Bild zum Ende des zweiten Behandlungstermins (ca. 4 Monate nach Behandlungsbeginn).

Zwei Jahre nach Abschluss der Behandlung scheint es zu einer vollständigen Remission gekommen zu sein.

Recall-Aufnahme zwei Jahre post-op

Prä-OP vs. 2-Jahres Recall

Hat jemand einen Vorschlag hinsichtlich der „Vorkommnisse“ an der mesialen Wurzel?

Endlich Urlaub

Kurzmitteilung

Das Jahr 2020 hat Überraschunge in ungeahntem Ausmaß gebracht.
Ich meine nicht nur Covid 19 und die Folgen, sondern das gesamte Praxisumfeld und den privaten Bereich.

Die Misere in der Praxis fängt mit Mitarbeiterfluktuation an, über extern verordneten,  die täglichen Abläufe belastenden und tlw. unsinigen Adminstrationen, wie Gesundheitskarte und hört mit extensiven nicht kompensierbaren Preisentwicklungen im Material und Hygienebreich auf.

Für mich treten Fragen auf, wie:
Wie kann keine Schutzausrüstung vorrätig sein, aber Milliardensummen werden in veraltete digitale Spielereien, wie Gesundheitskarte investiert, obwohl Planungen und Szenarien vorlagen.
Gibt es kein QM in der Politik?

Warum müssen Mitarbeiter mit verwaltungstechnischen Dingen, wie Updates der Connectorboxen überprüfen belastet werden. Geht das nicht zu digitalisieren?

Was hat eigentlich die EGK in der Coronakriese für positive Effekte gebracht?

Ich bin dann mal weg und freue mich einige Tage frei von diesen Dingen zu sein.

 

Update BZÄK Dank hoher Hygienestandards

Gott sei Dank !

Wir sind grundsätzlich sicher !

Grundsätzlich !!!

Ich muss lachen.
Erinnert mich an einen Filmklassiker mit Curd Froebe als deutscher General (die Tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten), der ein Flugzeug manövieren will, obwohl er noch nie in seinem Leben ein solches jemals gesteuert hat: „Es gibt nichts, was ein Deutscher Offizier nicht kann! Lesen Sie die Dienstvorschriften und dann fliegen Sie!!!“

Hier die Pressemitteilung:

Dank hoher Hygienestandards sind Kontrolltermine und Behandlungen in Zahnarztpraxen in Deutschland grundsätzlich sicher. Darauf weisen Bundeszahnärztekammer (BZÄK) und Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) aus aktuellem Anlass noch einmal ausdrücklich hin. Hintergrund des gemeinsamen Appels der zahnärztlichen Bundeskörperschaften war verkürzte Medienberichterstattung über eine aktuelle, jedoch nicht landesspezifische Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Diese hatte kürzlich dazu geraten, solange von nicht dringenden Zahnbehandlungen abzusehen, bis die Übertragungsrate von Covid-19 „ausreichend“ gesunken sei.

Wie die Zahnärzteschaft bereits vor Tagen klargestellt hatte, trifft diese allgemeine Empfehlung für weltweit 193 Staaten nicht auf Zahnarztpraxen in Deutschland zu. Entsprechende Pressemeldungen hatten die ursprüngliche WHO-Empfehlung irreführend und ohne den nötigen Kontext wiedergegeben. Die WHO hat die Empfehlung mittlerweile mit einer weiteren Aussendung korrigiert. Die Empfehlung zielte ausschließlich auf ein intensives, unkontrolliertes Übertragungsszenario ab – ein Szenario, das nicht zur aktuellen Situation der meisten europäischen Länder und insbesondere nicht zu Deutschland passe.

Bis heute ist nach Angaben von BZÄK und KZBV in Deutschland kein Infektionsgeschehen in zahnärztlichen Praxen dokumentiert, welches eine solche Empfehlung rechtfertigt. Die beiden Bundesorganisationen forderten Patienten und Versicherte einmal mehr auf, eine Versorgung durch Zahnärztinnen und Zahnärzte für den Erhalt und die Verbesserung der Mundgesundheit wahrzunehmen und nicht aus unbegründeter Angst vor Ansteckungen mit Corona zu verschieben. Andernfalls bestehe das Risiko, dass sich die Mundgesundheit durch das Entstehen von Karies, Zahnstein oder durch parodontale Erkrankungen unter Umständen dauerhaft verschlechtere und damit auch die allgemeine Gesundheit gefährdet.

BZÄK und KZBV haben auf Sonder-Websites unter http://www.bzaek.de/coronavirus und http://www.kzbv.de/coronavirus zahlreiche gesicherte Informationen zum Thema SARS-CoV-2 für Praxen und Patienten zusammengetragen.

5 mal Anatomie (4)

Der Prämolar 34 trägt eine Teleskopkrone. Er gehört nicht in die 5 mal Anatomie-Aufzählung. Ist gewissermassen ausser der Reihe. Der reguläre Fall, den ich für heute vorgesehen hatte, muss noch eine Woche warten, denn dieser Fall hier von gestern morgen passt wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge.

Die Hauszahnärztin kommt nicht bis nach apikal und überweist.
Der Zahnfilm lässt Besonderheiten vermuten.


Das DVT bringt Klarheit.

Ein apikaler Split.
In der Tiefe verborgen.
Da nützt auch das Dentalmikroskop nichts. Die Mikrotrepanationsöffnung, der Teleskopversorgung geschuldet, erschwert die Situation zusätzlich.

Um so erfreulicher gelingt mit entsprechender Vorgehensweise die Penetration beider Kanäle bis zum Apex. In der ersten Sitzung kann der bukkale Kanal vollständig auf Arbeitslänge aufbereitet werden, in der zweiten Sitzung soll nun der linguale Kanal folgen. Ich bin zuversichtlich, die eigentlichen Schwierigkeiten sind schon überwunden und freue mich auf den Fall.

Tipp des Tages?
Welchen Kanal zuerst aufbereiten?
Das würde ich von der Art der maschinellen Aufbereitung abhängig machen.
Vollrotierende NiTi´s ? Dann würde ich mit dem schwieriger zugänglichen Kanal anfangen.
Wir arbeiten mit reziproken Instrumenten. Da ist es ganz klar zuerst der leichter zugängliche Kanal.

Die Patientin erscheint zur zweiten Sitzung. Mit minimal beweglicher Telekopkrone. Der Zahn ist frakturiert. Auf Gingivaniveau. Ferrule ? Für eine Teleskopkrone zu wenig auf Dauer.

Schweren Herzen räumen wir unseren Behandlungsplatz wieder auf und ich schreibe einen Arztbrief an die Überweiserin, in der ich für die Extraktion des Zahnes plädiere.

Es gibt schönere Montagmorgen, unsere Zahnmedizin betreffend.
Immerhin. Ist es nicht toll, dass wir durch diese schmale Öffnung, wie im Foto zu sehen, in der Lage waren, zwei voneinander getrennte Wurzelkanäle zu behandeln ?


Unterfüllt & überextendiert

von Jörg Schröder

Unterfüllt und überextendiert? Für mich war das in den Anfängen meiner endodontischen Tätigkeit unverständlich und ein Widerspruch.

Hier ein schönes Beispiel. Zahn 12 wurde alio loco endodontisch versorgt. Der Zahn zeigte auch noch mehr als einem Jahr nach der Obturation klinische Symptome und eine periapikale Pathologie.

Die Obturation erscheint länger als die Aussenkontur der Wurzel.

Die Entfernung der Wurzelfüllmasse erfolgte in bewährter Weise. Nach Abtragen der Guttapercha im oberen Kanaldrittel mittels glattem Ultraschallansatz (ET 25 von Acteon) wurde die Guttapercha mit einer Hedströmfeile ISO 20 unter endometrischer Kontrolle bis zur Anzeige 0,0 eingebracht. Anschliessend wird die jeweils nächst größere Hedströmfeile in beschriebener Weise eingebracht. Bei ISO 35 war es dann soweit: Die Guttapercha liess sich vollständig entfernen. Auch der von der Immunabwehr schon deutlich glattgeputzte periapikal gelegenen Teil konnte so entfernt werden.

Wichtig ist das allmähliche Größerwerden der Hedströmfeilendurchmesser und das Einbringen bis zur Endometrieanzeige 0,0. Bleibt man kürzer, besteht die Gefahr, dass das periapkale Teil abschert und nach periapikal verbracht wird. Die maschinelle Entfernung birgt die Gefahr der apikalen Extrusion.

Beim „Apical Gauging“ wurden die apikalen Dimensionen klar: das apikale Foramen wies einen Querschnitt von ISO 60 auf. Dass die zu klein dimensionierte Guttapercha hier den Weg über das Foramen hinaus nahm, lag auf der Hand.

Und so nahm das Schicksal bei der endodontischen Erstversorgung dieses im Allgemeinen als „einfach“ bezeichneten Zahnes seinen Lauf.

BZÄK widerspricht der WHO

Und hier die Antwort der BZÄK

Bundeszahnärztekammer widerspricht der WHO

Die Bundeszahnärztekammer weist die pauschale Empfehlung der WHO, wegen der Corona-Pandemie auf nicht dringende Zahnbehandlungen zu verzichten, zurück. Sie sieht die Praxen in Deutschland in Sachen Infektionsschutz hervorragend aufgestellt.

Die WHO-Empfehlung sei nicht für alle Länder und alle Infektionslagen weltweit gemeint. Diese globale Empfehlung müsse für die Situation in Deutschland interpretiert werden, meint die Bundeszahnärztekammer (BZÄK). Sie verweist darauf, dass die aktuelle Ausbreitungssituation von Covid-19 in Brasilien, den USA oder afrikanischen Staaten eben nicht mit Deutschland vergleichbar sei.

„In Deutschland haben wir die Infektionsrate aktuell immer noch niedrig, vor allem im Vergleich zu anderen Staaten. Zudem haben wir eigene offizielle nationale Empfehlungen für die Gesundheitsversorgung. Entscheidend sind jedoch auch die hiesigen strengen Hygienevorschriften und die moderne Praxisausstattung: die deutsche Zahnmedizin ist im Bereich Hygiene hervorragend aufgestellt“, so BZÄK-Präsident Dr. Peter Engel.

Engel meint: „Es ist schwierig, für 193 unterschiedliche Staaten auf der Welt mit sehr ungleichen Gesundheits- und Politiksystemen pauschale Empfehlungen abzugeben. Ein differenziertes Vorgehen und Vorsicht hingegen sind hilfreich, ebenso wie hohe Hygienestandards.“

Umfassende Hygienemaßnahmen schützen

Das zahnärztliche Behandlungsteam unterliegt laut BZÄK in Deutschland generell besonders strengen Hygienevorschriften. Die Vorgaben für Zahnarztpraxen sind im Hygieneplan und Hygieneleitfaden sowie in den Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention beim RKI festgehalten. Das trage zu einem entsprechend hohen Schutzniveau in den Praxen bei.

Die BZÄK verweist darauf, dass Erkenntnisse aus Wuhan (China), Italien, Südkorea und bisher vorliegende Berichte aus Deutschland zeigen würden, dass die Zahnmedizin keine Infektionen weiterverbreite. Es bestehe auch kein erhöhtes Risiko für Infektionen für Patienten, Behandler und Team, wenn diese ihre persönliche Standard-Schutzausrüstung korrekt nutzen.

Den Infektionsschutz lassen sich die Zahnärzte laut BZÄK einiges kosten. Rund 70.000 Euro hat eine Zahnarztpraxis in Deutschland im Jahr 2016 im Durchschnitt insgesamt für Hygiene ausgegeben. Das sei das Zehnfache einer Hausarztpraxis, teilte die BZÄK unter Verweis auf eine wissenschaftliche Studie des Instituts der Deutschen Zahnärzte (IDZ) mit.

Zum Gesundheitsschutz von Patienten und Mitarbeitern seien in diesem Jahr in den Zahnarzt-Praxen die Vorkehrungen überall weiter aufgestockt worden, um einer Übertragung mit SARS-CoV-2 vorzubeugen. Zudem beobachtet die BZÄK über eine Meldungsmöglichkeit bei Infektionen für zahnärztliche Praxen das dortige Infektionsgeschehen.

1 Frage – 3 Antworten – Komplexer Fall im Rö-Bild (Teil 1)

Wieder ein Fall aus der Praxis aus der WURZELSPITZE Plus – Beitragsreihe  1 Frage – 3 Antworten.

Nachfolgend das Schreiben einer Patientin als Reaktion auf unsere Rechnung, bei der die Positionen Ä1 (3,5x), Ä5 und Ä5000 angesetzt wurden.

Zu den Hintergründen: Laut Anamnese: 64-jährige Patientin; leitende Oberstaatsanwältin

Überweisung durch Hauszahnarzt mit Bitte um Beurteilung des Zahnes 46 bei Zustand nach endodontischer Behandlung bei Endodontisten vor 12 Jahren.

Wie damit umgehen ?

Bitte nutzt die Kommentar-Funktion für eure Vorschläge in der Sache.
Unsere Antworten gibt es am Samstag.

Eilmeldung WHO – Empfehlung Zahnarztbesuch

Jetzt hat die Corona- Krise, wirtschaftlich betrachtet, nun auch offiziell die Zahnarztpraxen erreicht. Die Schonzeit ist vorbei.

Genf (AFP) – Um einer weiteren Ausbreitung des neuartigen Coronavirus vorzubeugen, hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zum Verzicht auf Zahnarztbesuche aufgerufen, die der reinen Vorsorge dienen. In am Dienstag veröffentlichten Richtlinien der WHO für Zahnarztpraxen heißt es, Routine-Untersuchungen, professionelle Zahnreinigungen und Prophylaxe-Behandlungen sollten verschoben werden, bis die Corona-Übertragungsrate „ausreichend“ gesunken sei. Aufgrund der Übertragung des neuartigen Coronavirus über sogenannte Aerosole, winzige Spucketröpfchen in der Luft, seien Zahnärzte besonders infektionsgefährdet.

Auch Zahnbehandlungen aus kosmetischen Gründen sollten bis auf weiteres ausgesetzt werden, empfahl die WHO. Beibehalten werden sollten jedoch weiterhin dringende Zahnbehandlungen etwa bei starken Zahnschmerzen sowie Behandlungen, die der Bewahrung der Oralfunktionen und der Lebensqualität von Patienten dienten, betonte die Organisation weiter. Nach Möglichkeit sollten Zahnärzte ihre Patienten vor der Behandlung per Telefon- oder Live-Schaltung diagnostizieren.

Zahnärzte seien einem besonders hohen Corona-Infektionsrisiko ausgesetzt und könnten im Falle einer Infektion auch selbst das Virus leicht an ihre Patienten übertragen, warnte die WHO. Das Personal in Zahnarztpraxen arbeite „über einen längeren Zeitraum sehr nah an den Gesichtern der Patienten“ und gerate in Kontakt mit deren Speichel, Blut und anderen Körperflüssigkeiten.

Der WHO-Direktor für Zahnmedizin, Benoît Varenne, sagte vor Journalisten, in 75 Prozent der WHO-Mitgliedstaaten sei die zahnmedizinische Versorgung aufgrund der Corona-Pandemie eingeschränkt oder ganz zum Erliegen gekommen. Dabei litten Schätzungen zufolge 3,5 Milliarden Menschen weltweit unter zahnmedizinischen Erkrankungen. Wichtig sei, dass Zahnärzte während der Pandemie ausreichend mit Schutzbekleidung und -material ausgestattet seien, betonte er. 

Hier noch eine englischsprachige Quelle, die diese Meldung ebenfalls aufgreift:

https://www.voanews.com/covid-19-pandemic/who-non-essential-dental-care-should-be-delayed-during-pandemic

Ergonomie Instrumentenhalter

Für mich einer der wichtigsten Punkte in der Behandlung – das Ablegen, bzw. Abnehmen der Instrumente und Geräte.
Insbesondere aus der 12 und 11 Uhr Position. Das Cart der Behandlungseinheit hat sich bei uns nicht als Ablage bewährt, da es nur von einer Seite erreichbar ist.
Auf der Assistenzseite ist ebenso die Einschränkung der einseitigen Erreichbarkeit. Insbesondere, wenn man in 6 Handtechnik behandelt.
Deshalb haben wir auf den Schwebetisch gesetzt. Auf dem über dem Patienten „schwebenden“ Tisch können wir alle Instrument ablegen. Dieser ist in Griffweite von jeder Assistenz und dem Behandler. Allerdings sind Geräte, wie Endomotor, Ultraschallhandstücke, WF Handstücke und ggf. auch Polymeristationslampen nur zusätzlich auf den Instrumenten ablegbar. Das wird schnell unübersichtlich und die Absturzgefahr steigt erheblich.
Deshalb habe ich über Varianten zur Befestigung am Schwebetisch nachgedacht.
Bisher hatten wir mit Winkeln kleine Halter von NSK angebracht. Diese waren allerdings nur für wenige Instrumente brauchbar, da es unterschiedliche Durchmesser gibt.
Dazu kommt noch das Baumarktbastel-Aussehen.

Mit dem Einführen des 3D Drucks in unsere Praxis konnten wir da schrittweise Veränderungen einführen. Noch ist die Umsetzung in der Testphase. Aber es hat unsere Behandlungsergonomie so bereichert, daß ich es hier kurz vorstellen möchte.

Zuvor noch einige Hinweise.
Der Umgang mit dem 3D Drucker erinnert mich sehr an die Anfangszeit mit dem Mikroskop. Es ist eine zeitlang frustran. Man muss sich einarbeiten und es gelingt nichts von selbst. Es gibt kaum Vorlagen und alles muss selbst konstruiert werden.
Egal, welcher Drucker, man muss Zeit investieren und sich mit der Materie auseinander setzen.

Hier nun einige Impressionen.

5 mal Anatomie (3)

Der heute 31 jährige Patient wurde am 18. Dezember 2019 wegen Schmerzen an Zahn 37 überwiesen, nachdem die initial eingeleitete Wurzelkanalbehandlung bei der Hauszahnärztin keine Besserung brachte und die vorhandene Fistel sich als therapieresistent erwies.

Im prätherapeutischen Röntgenbild imponierte vor allem die ausgeprägte apikale Knochendestruktion. Das 3D- Röntgenbild zeigt die wahren Ausmaße, vor allem jedoch offenbarte es die Existenz eines Middle Mesial Kanals in der vorderen Wurzel.

Sitzung 1 initiale Wurzelkanalaufbereitung, Ledermix,

Sitzung 2 vollständige Aufbereitung, Metapex, 16 Wochen Liegedauer am 03.03.2020.

Am 29.06.2020 Verlaufskontrolle. Die Knochendestruktion erscheint rückläufig, aber immer noch sehr groß. Wie stets nun die Gretchenfrage. Weiter zuwarten mit Med- Wechsel, Abfüllen und hoffen , is noch immer alles gutgegange“ oder – Option 3 – DVT zur genauen Klärung des Heilungszustandes.

Der sehr kritische Patient, eher der Fraktion, das Glas ist maximal halbleer und zum Lachen, wenn überhaupt, gehe ich in den Keller, zuzuordnen, votete für die 3D Nachschau- Variante. Ich war froh drum, hatte ich doch wenig Lust, im Falle eines WF-Misserfolges dem Patienten den Sachverhalt ausgiebigst erörtern zu müssen.

Die Verlaufskontrolle zeigte – im Gegensatz zum 2D- Röntgenbild – eine schon weit fortgeschrittene knöcherne Konsolidierung, insbesondere die deutlich Trabekelbildung stimmt zuversichtlich, dass eine durchzuführende Wurzelkanalfüllung einer weiteren Ausheilung nicht im Wege steht.

Am 02.07.2020 erfolgte die Wurzelkanalfüllung. Während die orthograde WF- Kontrolle die anatomischen Eigenheiten nicht angemessen wiedergibt und den Eindruck eines vom Phänotyp eher profanen UK – Molaren vermittelt, zeigt die mesioexzentrische Aufnahme die 3 Wurzelkanäle in der mesialen Wurzel und die weite Ausdehnung der Wurzelkanalfüllung in der distalen Wurzel.

Alternativlos

von Jörg Schröder

Nach langem Überlegen hinsichtlich der zur Verfügung stehenden Therapieoptionen erschien mir vor Behandlungsbeginn und erscheint mir auch nach dem ersten Recall die nachfolgend dargestellte Behandlung praktisch alternativlos zu sein.

Nach einem in der Schule erlittenen Frontzahntrauma ( im Rahmen des Werkunterrichtes wurden Steine mit dem Hammer zerkleinert, Augenschutz war vorhanden, eine Gesichtsschutz fehlte) war es beim 8-jährigen Patienten zu einer klinisch in ihrem vollen Umfang nicht klar zu diagnostizierenden komplizierten Kronen-Wurzelfraktur gekommen.

Theoretisch kommen Milchzahntranplantation, Prämolarentransplantation, KFO-Lückenschluss und Offenhalten der Lücke mit späterer Versorgung mittels einflügeliger Klebebrücke als Möglichkeiten in Frage. Unter Berücksichtigung der Compliance der Eltern und die des jungen Patienten und den Chancen, die die hier gezeigte Behandlung bietet, bestand für mich kein Zweifel am Vorgehen. Option 1 und 2 sind in Berlin leider aufgrund fehlender geeigneter und versierter Verhandler nicht erfolgversprechend umsetzbar. Die Reise zu einem Zahnunfallzentrum ist für die Eltern nicht vorstellbar. Der KFO-Lückenschluss kann immer noch erfolgen und auch die prothetische Option läuft nicht weg.

4 Wochen nach der alio loco erfolgten Erstversorgung (labile und palatinale Fragmentfixierung mittels Komposit) erfolgte die Erstvorstellung in unserer Praxis.

Elektrische und thermische Sensibilitätsprüfung waren positiv. Der Zahn war moderat perkussionsempfindlich. Eine erhöhte Mobilität bestand nicht.

Angesichts der vitalen Pulpa des 8 jährigen Patienten galt es für mich diese möglichst vital zu erhalten, um ein Voranschreiten von Wurzellängen- und dickenwachstum möglich zu machen. Um die angestrebte Pulpotomie durchzuführen, war die Entfernung des Fragments unabdingbar. Daraus folgte, dass die relative Trockenlegung so ausreichend gestaltet werden musste, dass sowohl die Pulpotomie, als auch das Reattachment flüssigkeitsfrei durchgeführt werden konnte. Das präoperativ angefertigte DVT war bei der Einschätzung sehr hilfreich, ob die oben genannten Umgebungsbedingungen geschaffen werden könnten.

Nach mehr als ausführlicher Erläuterung der in Frage kommenden Behandlungsoptionen wurde die Behandlung einzeitig durchgeführt.

Dass die überweisende Kollegin der Behandlung beiwohnte stellte sich im Verlauf als mehr als günstig heraus, da neben einer sterilen Assistenz und der unstetigen Mitarbeiterin im Hintergrund eine weitere sterile Hand benötigt wurde, um sowohl die Pulpotomie als auch das Reattachment unter dem Mikroskop durchführen zu können. So war ein zeitgleiches Abhalten des grazilen Mukoperiostlappens und das Abmischen des zur Pulpotomie eingesetzten Materials – hier MTA Angelus – zu realisieren.

Müßig zu erwähnen, dass eine der besonderen Herausforderungen darin bestand, den kleinen Patienten gut durch die Behandlung zu führen und jede gewonnene Minute eine entscheidende sein könnte.

Mittels einer FACE-Lampe von W&H (Fluoresence-Aided-Caries-Excaation)- eine Methode, die von Dr. Thomas Connert vom Zahnunfallzentrum in Basel mitentwickelt wurde-  konnte das bei er Erstbehandlung benutzte Flow-Kompost visualisiert und nachfolgend mittels rotierender Instrumente zum Großteil entfernt werden. Um die Zahnsubstanz maximal zu erhalten, wurde ein Heidemannspatel in den inzisal befindlichen Spalt eingesetzt und das Fragment auf diese Weise mobilisiert.


Nach chirurgischer Darstellung erfolgte die Entfernung der koronalen 2mm des apikal vorhandenen Pulpagewebes mittels diamantiertem hochtourig drehendem zylindrischem Instrument. Die Abdeckung der Pulpa erfolgte mit MTA Angelus. Darüber wurde eine Schicht Ultrablend gelegt.

Nachdem dies geschehen war, konnte nunmehr das bis dahin in steriler Kochsalzlösung geparkte Fragment vorbereitet werden. Das im Fragment vorhanden Pulpagewebe wurde mit einem Exkavator entfernt und der Hohlraum nach Konditionierung mit OptiBond FL mittels Flowkomposit so weit aufgefüllt, dass eher ein Unterschuss bestand, um das Reattachment nicht zu erschweren.

Die Wiederbefestigung erfolgte mittels RelyX Unicem, nachdem auch die Zahnhartsubstanz im Mund entsprechend für die Adhäsivtechnik vorbereitet worden war.

Nach Beseitigung der Überschüsse erfolgte die Lichthärtung und der Nahtverschluss. Okklusionskontrolle und Politur stellten den Abschluss dar.

Die erste Nachkontrolle lässt eine Dickenzunahme der Wurzel erkennen. Eine Sensibilitätsprüfung ist aufgrund der tiefen Lage der Pulpotomie nicht möglich, sodass die Beurteilung der Situation bei fehlender klinischer Symptomatik per Einzelbild erfolgte.

Es wird spannend sein, wie sich die Situation weiterhin entwickelt.

 

Ich habe die Zukunft der Medizin gesehen….

Samstag Abend. 22 Uhr 10.
Das Telefon klingelt und das verheißt nichts Gutes.

Der Schwiegervater, fast 89, Colon CA, Lebermetastasen, nach Tumorresektion ohne nachfolgende weitere Chemotherapie seit ein paar Monaten zu Hause und immer schwächer werdend, ist im Bad beim Zähneputzen gestürzt.

Wir treffen 25 Minuten später ein. Der Rettungswagen ist da, der Schwiegervater wird in den Stuhl gehieft, seine rechte Seite, Arm, Bein, Mundwinkel hängt.

Ab ins Krankenhaus.
Notaufnahme.

Warten.

Es wird geröntgt, immerhin nix gebrochen.

Es empfängt uns eine Ärztin, dem Kittelschild nach Anästhesistin.  Mit unverkennbarem osteuropäischen Akzent, aber immerhin einigermaßen verständlich.

Irgendwann dreht sie eine an der Wand weit oben hängende Kamera „Modell Überwachungskamera“ an unten.

Wir werden jetzt den Tele – Neurologen zuschalten aus Heidelberg. Wir fragen nach. „Nein, einen Neurologen vor Ort gibt es nicht. Der kommt am Wochenende nur tagsüber morgens irgendwann vorbei. Dafür gibt es jetzt die Tele-Diagnose. Aber im anderen Krankenhaus der Stadt ist das auch nicht anders, da gibt es auch keinen Neurologen vor Ort.“

Aha.

Ich betrachte die Technik,  die gewisse Schwierigkeiten hat, überhaupt in Gang zu kommen. Nach High Tech sieht das nicht unbedingt aus, die Kamera betreffend, 4K vermutlich nicht, aber lassen wir uns überraschen.

Der Patient ist 5 Meter weg, ich hoffe auf die Zoom- Funktion.

Irgendwann klingelt es kurz, dann erscheint eine weibliche Gestalt am Bildschirm. Leicht unscharf, das Bild in etwa so, wie es die Physiognomie des Kameragehäuses schon vermuten ließ.

Dafür ertönt die Stimme aus dem Lautsprecher, scharf, zackig  und laut verzerrt wie aus einem Trichterhornlautsprecher auf einem DEUTSCHEN Bahnhofsgleis aus der Dampflok-Ära. Der Schwiegervater, natürlich von der Situation vollkommen überfordert, zuckt sichtbar zusammen. „Warum sind sie denn so grantig zu mir“, sagt er. Vor ihm, auf seinen Brustkorb gelegt, liegt ein schwarzes Prisma, etwas mehr als Streichholzschachtel groß, das Mikrophon, wie sich jetzt herausstellt.

Der Schwiegervater ist schwach, seine Sprache leise, das auf dem Sternum ruhende  Mikrofon nicht ausreichend, die Ärztin versteht ihn nicht, er soll sich aufrichten, was ihm auch mit Hilfe kaum möglich ist.  Wir soufflieren.

Dennoch ist der Informationsverlust offensichtlich erheblich. Zudem gibt es auch noch mehrmals übertragungsbedingte Aussetzer der Audiokommunikation.

Alles in allem lässt sich am lebenden Objekt durchgeführt konstatieren, dass die kürzlich medial lautstark geäußerte Euphorie  der Landes-Gesundheitsministerin, die Telemedizin betreffend,  den Alltagstest nicht standhält. Eine gescheite Diagnostik  ist SO nicht möglich. Punkt. Wie traurig ist DAS. DAS soll der Fortschritt und die Lösung unserer Probleme sein ???

Die Situation des Schwiegervaters hat sich zwischenzeitlich etwas gebessert. Er kann jetzt leidlich den rechten Arm und das rechte Bein wieder bewegen, die Neurologin entscheidet daher, dass es sich nicht um einen Schlaganfall handelt, im CT sei nichts zu erkennen. Sie vermutet einen epileptischen Anfall, es sollen krampflösende Mittel gegeben werden. Weiterhin soll ein Ultraschall vom Hals und Kopf gemacht werden.

Ihre Annahme steht im Gegensatz zur Aussage des Radiologen, der, wie wir im Nachhinein erfahren, auch nicht vor Ort ist, sondern via Internet kontaktiert wird, unsere fachfremde Einschätzung teilt und ebenfalls für einen Schlaganfall plädiert.  Das erfahren wir aber alles erst später, ebenso wie die Tatsache, dass die Ärztin aus Osteuropa erst 3 Monate im Haus ist.

Das Ultraschall-Gerät wird hereingerollt.

Ein guter alter Bekannter, das bewährte „Apollo 11“ – Gerät, mit dem schon meine Mutter vor 3 Jahren im gleichen Krankenhaus als Notfall untersucht wurde. Ich taufte es damals Apollo 11, weil es vermutlich schon als Erstausrüstung bei der ersten Mondlandung an Bord der Eagle-Mondfähre war, zumindest erinnert mich die Bildqualität an die Fernsehübertragung des Ereignisses, wie ich es als 6 Jähriger live erlebt hatte.

Kleines Detail am Rande. Das laminierte Schild auf der Rückseite der „Bildröhre“ weist darauf hin,  daß der Monitor nur mit reinem Wasser abgerieben werden darf. Kontaminationsprophylaxe sieht IMHO anders aus. Auch die Reinigungsfähigkeit des Geräte- Interfaces mit seinen zahlreichen Knöpfen und Schaltern erscheint mir suboptimal, insbesondere im Hinblick auf den hektischen Alltag einer Notaufnahme. Dafür fällt mein Blick auf den MRSA -Prüfbogen, der offen herum liegt.  Länger als 3 Tage Patient im Krankenhaus in den letzten 12 Monaten, ich hake im Stillen für den Schweigervater als gesetzt ab, dann sollte ein Screening, unter anderem mit rektaler Probeentnahme erfolgen. Sollte ich die Ärztin darauf hinweisen ? Ich schaue in das verängstigte Gesicht des Schwiegervaters und versuche, in mich zu gehen, ein besserer Mensch zu sein  und  kompetente Medizinprofis nicht darauf hinzuweisen, wie sie ihren Job zu machen haben. Ich schweige. Der Schwiegervater wird es mir danken, wenn ich ihm später zu der vorgesehenen Maßnahme befrage, da bin ich zuversichtlich.

Die Ärztin erscheint, ihre SEHR kindliche Erscheinung und die asiatische Klangfarbe ihrer Stimme bildet einen deutlichen Kontrapunkt zum Auftritt ihrer Vorgängerin. Ich fühle mich zu beidem  gleichermassen wenig hingezogen, kann demnach ganz neutral urteilen  und verbuche dementsprechend lediglich, das die Dame mit dem Ultraschall deutlich schlechter zu verstehen ist als die Anästhesistin. Nummer 1 die Audiokommunikation betreffend, ist immer noch der Weimarer Republik – Trichterhornlautsprecher. Sage noch mal einer etwas gegen die Telemedizin.

Im Rettungswagen wurde eine Infusion gelegt. Vergeblich.

Jetzt ein weiterer Versuch.

Für den Schwiegervater eine Qual.  Ich bin froh, das es jetzt schnell und unkompliziert gelingt.

Plaster drauf zur Fixation der Kanüle,  alles gut.

Merkwürdig, allerdings, die Infusion wird nicht laufen gelassen.
Susanne und ich sind ratlos.

Sollte man nicht schnellstmöglich mit der Infusion starten, damit diese nicht wieder ein Weiteres mal  zugeht?

Die fernöstliche Sonographistin betritt das Behandlungszimmer. Ich frage nach.

Sie schaut kurz.

„Die Infusion läuft nicht. Man müsse noch einmal legen. Später.“ Ein dritter Versuch also, eine Infusion zu legen. Der „Infusionszugangsleger“ hatte offensichtlich erkannt, dass es nicht möglich war, einen Zugang zu legen und daher die Infusion nicht laufen gelassen. Also mal so getan als ob. Buche ich nicht als vertrauensbildende Maßnahme, behalte meine Einschätzung aber für mich.

Jetzt wird geschallt.

Hals und Kopf sind unauffällig. Jetzt noch das Herz.  Aber die Bildqualität des Gerätes ist in den letzten 3 Jahren nicht von Zauberhand besser geworden. Das Herz ist nur als schlagender Schatten zu erahnen. Eigentlich ist wirklich nichts zu erkennen. Absolut nichts. Dagegen war der lunare Fussabdruck von Neil Armstrong knackscharf. Oder die Vergrößerungen der Schwarz Weiss- Fotografien aus dem Film Klassiker Blow Up, die einen Mörder überführen sollen. Schaut den Film, dann wisst ihr, WIE SCHLECHT dieses Gerät hier ist.

Die Ärztin bricht die Untersuchung ab. Man müsse am Montag mit einem besseren Gerät das Ganze  noch einmal versuchen. SO sieht Notaufnahme aus. Weiterhin wird beschlossen, auch das Infundieren zu verschieben, Frau  geht hier vor Ort davon aus, das hier doch kein epileptischer Krampfanfall vorliegt.

Liegt also vielleicht doch ein Apoplex vor,  der nach Ansicht der Tele-Neurologin nicht existiert ?  Wir können sie nicht fragen, der Bildschirm ist längst wieder dunkel. Die Beschwerdeproblematik war zwischenzeitlich wieder schlechter geworden, Arm, Bein und Mundwinkel hängen wieder stärker. Irgendwie ist auffällig, dass der Befund immer dann stärker wird, wenn der Patient aufrecht ist, im Liegen scheint er sich etwas zu erholen. Ich frage, ob man nicht angesichts der Symptomatik vorsorglich eine Lyse durchführen solle. Dies wird verneint, solange kein Blut Clot nachgewiesen sei, würde man dies nicht tun.

Der Patient wird auf die Stroke Unit verlegt, zur BEOBACHTUNG.

Am nächsten Tag stellt sich heraus, dass in der Tat (so wie man es von der Symptomatik her laienhaft hatte vermuten können)  ein Schlaganfall vorliegt.

Eine Therapie wird eingeleitet.

Inwieweit die verstrichene Zeit sich als heilungshemmend erweisen wird, kann nur vermutet werden.  Aber – Die in der eigenen Familie erfahrenen Leuchtturmprojekte der Medizin- Zukunft lassen mich Angst und bange werden.

Ich zitiere Heinrich Heine: „Denk ich an Deutschland in der Nacht, werd ich um den Schlaf gebracht.“

Telemedizin I: Video-Arzt kommt per Roboter ans Krankenbett

Vor ein paar Wochen fand ich den nachfolgenden Artikel mit oben aufgeführter Schlagzeile.

Schöne begehrenswerte neue Welt, die zehntausenden Patienten jährlich helfen wird ?

Ich bin skeptisch, denn meine Erfahrungen, über die in in einem eigenen Betrag berichte, sind leider ganz andere.

Telemedizin: Video-Arzt kommt per Roboter ans Krankenbett

Intensivpatienten haben oft mit erheblichen Folgen der Behandlung zu kämpfen. Das gilt vor allem für jene, die künstlich beatmet werden. ERIC kann helfen. Zehntausenden Patienten könnte das Projekt Verbesserungen bringen.

ERIC, eigentlich „Enhanced Recovery after Intensive Care“, ist ein Innovationsfondsprojekt, das die Langzeitfolgen einer intensivmedizinischen Behandlung verringern soll. Im Mittelpunkt steht dabei eine E-Health-Plattform für tägliche Televisiten, über die Ärzte und Pflegekräfte standortunabhängig kommunizieren können.

25 Visitenroboter auf zwölf Intensivstationen im Einsatz

In einem Video auf der Charité-Webseite wird gezeigt, wie ERIC funktioniert. Über einen beweglichen Monitor auf einem fahrbaren Roboter kann sich der Spezialist aus der Projektzentrale in die Situation am Krankenbett einklinken. Er kann sowohl mit den Ärzten und Pflegern sprechen, als auch mit dem Patienten, sofern dieser ansprechbar ist. Per Video- und Zoomfunktion ist sogar der Blick auf die Pupillen des Erkrankten möglich. Eingeschätzt wird der Zustand des Kranken außerdem anhand von Indikatoren, entwickelt von der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin.

Angeschlossen an das Projekt sind zwölf Intensivstationen, 25 Visitenroboter sind im Einsatz. Die zentrale Plattform, die Tele-ICU, befindet sich in der Charité. Über sie finden tägliche Televisiten statt, Intensivkonferenzen sowie Abstimmungen zwischen ICU und Verbundkliniken. Thematisiert werden nicht nur akute Fragen, sondern auch, welche Rehamaßnahmen ggf. erforderlich werden. Rund um die Uhr gibt es eine Rufbereitschaft für kritische Fälle.

Wie Professor Dr. Claudia Spies, Direktorin der Klinik für Anästhesiologie mit Schwerpunkt operative Intensivmedizin der Charité, berichtete, zeigen vier von zehn beatmeten Patienten drei Monate nach Entlassung kognitive Beeinträchtigungen, jeder dritte beschreibt Depressionen, 7 % leiden unter einer posttraumatischen Belastungsstörung, jeder vierte hat Probleme bei der Bewältigung von Alltagsaufgaben.

Wichtig seien hier evidenzbasierte Versorgungsstrategien, so die Projektleiterin. Es seien auch „Katalysatoren für Wissen zu generieren“, damit neue Erkenntnisse für Kliniker außerhalb des universitären Betriebs schneller verfügbar werden. ERIC und die Telemedizin seien solche Wissenskatalysatoren.

In dem 2017 gestarteten und vom Innovationsfonds mit 6,8 Mio. Euro geförderten Projekt wurden bis März 1500 Patienten betreut. Beteiligt waren zwölf Intensivstationen in Berliner und Brandenburger Krankenhäusern. Eine Langzeituntersuchung mit 800 Patienten (siehe Kasten) soll Ende Oktober 2020 abgeschlossen sein. Die ERIC-Endergebnisse sind für Ende des Jahres angekündigt.

Hausärzte beobachten die Langzeitfolgen der Intensivbehandlung

An das im März beendete ERIC-Projekt schließt sich ein Langzeitbeobachtung von 800 Patienten an. Nachbehandelnde Hausärzte in Berlin und Brandenburg wurden eingeladen, sich daran zu beteiligen – Rücklaufquote: über 70 %.

Dr. Irmgard Landgraf, Hausärztin und Lehrärztin der Charité für das Fach Allgemeinmedizin, war bereits in die ERIC-Planungsgruppe einbezogen. Sie berichtet: Viele Patienten haben nach ihrer Rückkehr von der Intensivstation erhebliche gesundheitliche und psychische Einschränkungen und kommen im Alltag nicht mehr zurecht. Oft bleibe nur das Pflegeheim, verbunden mit persönlichen Dramen. Ziel von ERIC ist es, solche Langzeitfolgen zu verhindern. Hausärzte unterstützen dies, indem sie u.a. drei und sechs Monate nach der Entlassung die körperlichen und geistigen Fähigkeiten des Patienten mit Fragebogen und Tests wie dem „Timed Up and Go“ erfassen. Dr. Landgraf lobt die sektorenübergreifende Versorgung. Bei ERIC gehe es um Probleme, die Hausärzten auf den Nägeln brennen und die nicht nur Patienten von Intensivstationen wie Coronapatienten, sondern auch viele multimorbide und alte Patienten betreffen.

Lösung für Kliniken in abgelegenen Regionen

Neues Wissen zu COVID-19 sofort standortunabhängig verfügbar – „ohne ERIC und die Versorgungsoption wäre das nicht möglich gewesen“, so Prof. Spies. Der Vorteil des zentralen Hubs sei, dass man jederzeit einen Experten, der in der eigenen Einrichtung fehlt, z.B. ein Neurologe, hinzuholen könne. 30 bis 40 Visiten seien täglich pro Hub möglich, auch in der Nacht.

Bundesweit könnten große Kliniken einen Hub samt Roboter installieren und regionale Netzwerke errichten. Von Vorteil sei das vor allem für entlegene Gegenden mit kleineren Häusern. Die Charité habe die Technik nicht gekauft, sondern Lizenzen hierfür erworben.

„Bestätigen sich die Erfolg versprechenden Erkenntnisse, wünschen wir uns, dass das Projekt bald in die Regelversorgung kommt“, sagt Dr. Mani Rafii, Vorstandsmitglied der Barmer, die das Projekt als Konsortialpartner unterstützt. Kleinere Krankenhäuser könnten so die Expertise hochspezialisierter Zentren nutzen. Davon könnten jährlich Zehntausende Patienten profitieren, vor allem bei komplizierten Verläufen, etwa nach Herzinfarkten, Unfällen und Narkosen.

Quelle: Pressekonferenz Charité, Barmer, G-BA

Kurz berichtet – Apikale Aufhellung – ausgeheilt nach Trauma und MTA -Extrusion – Recall

Von Christoph Kaaden

Hier ist also das nächste Recall zu diesem Fall.

Zwei Jahre nach der Behandlung scheint sich also die Erfahrung von Bernard Bengs und uns zu bestätigen…

trotz unerwünschter Überfüllung steht einer Heilung nichts im Weg.

 

PS: Leider muss ich bei der Betrachtung der Aufnahme auch feststellen, dass meine Zugangskavität alles andere als optimal war

:-((

 

Ergonomie – Sensorhalter

In unserer Praxis sind 3 Zahnfilm Röntgengeräte mit Kodak/Carestream Sensoren 6100, 6200 vorhanden. Der älteste Sensor ist von 2006.
Angeblich der erste 6100 -Sensor der in Deutschland verkauft wurde. Bis heute haben wir keinen Kabelbruch erlebt. Nur ein Sensor zeigte ein Wabenmuster und wir nicht mehr eingesetzt.
Wir haben von Anfang an jedes Gerät mit einem Sensor ausgestattet und diesen an dem Gerät mit Kabelhaltern befestigt. Das hat sich sehr gut bewährt.

Allerdings wurden die Sensoren dann immer um den Strahler gewickelt oder hingen einfach herunter. Der Zum Sensor gehörende Halter kann nicht am Röntgengerät,obwohl beides von Kodak/Carestream kommt, befestigt werden.

Mit einem 3D Drucker habe ich mir die Halter gedruckt und kann die Sensoren einfach nach der Verwendung und Desinfektion am Gerät einhängen. Zuvor musste dieser in einem CAD Programm erstellt werden. Das und noch mehr Anwendungen beim nächsten Beitrag.

Es werde Licht !?!

von Nils Widera

In jeder auf Endodontie spezialisierten Praxis gehört das Dentalmikroskop zu den wichtigsten und sicherlich auch unseren Arbeitsalltag am stärksten prägenden Geräten.
Gegenüber den Anfängen vor mehr als 25 Jahren hat in den letzten Jahren die Zahl der Anbieter und Mikroskoptypen enorm zugenommen. So begrüßenswert diese Entwicklung ist, birgt sie auch gewisse Tücken. Die große Auswahl erschwert die Kaufentscheidung. Und nicht alles, was erwerbbar ist, erfüllt zum Schluss die in den Kauf gesetzten Erwartungen.
Es kann also hilfreich sein, auf Erfahrungen anderer Kollegen zurückzugreifen

Das tat ich vor Jahren, als ich meine Zeiss Pico Dentalmirkoskope sukzessive gegen Mikroskope von Carsten Jung ( Flexion ) austauschte. Das zum selben Zeitpunkt auf den Markt gekommene Zeiss Extaro verschmähte ich und diverse Rückmeldungen persönlicher Art oder in Foren lässt mich meine Entscheidung nicht bereuen.

Nun steht der nächste Mikroskopkauf an und ich hatte die Möglichkeit, eine absolute Neuheit, das erste Flexion Twin Mikroskop von Carsten Jung einem Kurztest in unserer Praxis zu unterziehen.

Erster augenfälliger Unterschied. Am Flexion sind im Moment sechs Regler zu bedienen und das klappt problemlos. Am neuen Twin sind es, je nach Ausführung, bis zu acht Regler / Schalter oder Ringe. Aber kein Problem, da die Zuordnung logisch ist.

Ein Hauptschalter ist wie ein den Älteren unter uns vielleicht von den C64 oder Amiga Computer bekannten Joystick ausgelegt ( Bild 1 ) – mir deshalb auf Anhieb nicht unsympathisch. In wieweit dieses Bauteil dem Dauereinsatz standhält, wird sich zeigen, die Funktionalität ist auf jeden Fall gegeben.

Die Optik hat sich nicht verändert, an deren Qualität gab es zumindest bei unseren drei Flexions nichts auszusetzen.

Was also ist neu?
Diverse Filter für verschiedene Arbeitsweisen und eine zweite Blaulicht LED für bessere Karieserkennung. Deshalb Twin. Und hier versteckt sich die vielleicht interessanteste Neuerung: Verzichtet man auf die Blaulicht-LED, kann an Stelle dieser eine zweite „Weißlicht“- LED eingebaut werden. So erreicht man eine Lichtausbeute von 200000 Lux. Klingt beindruckend und zum Vergleich: Eine neue Xenon im Pro Ergo schafft 160000 Lux. Sobald ich hier klinische Fotos habe, werde ich diese nachliefern.
Zweiter Pluspunkt: Eine integrierte LED Anzeige ( Bild 2) die einen über den aktuell gewählten Filter informiert und gleichzeitig einen integrierten Sensor besitzt, mit dem die Kamera ausgelöst werden kann.

Soweit die ersten Eindrücke.

Mein Fazit?
Sicher nicht billig, dafür komplett in Deutschland hergestellt, bietet das Flexion Twin alles, was ich mir von einem Dentalmikrokop wünsche. Wer also über eine Neuanschaffung oder einen Wechsel eines Dentalmikroskopes nachdenkt, dem sei ein Test des Flexion Twin in den eigenen„ vier Wänden“ ans Herz gelegt.

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.

Notdienst Heute, Sonntag 02.08.2020

Die ersten 5 Patienten. Alle Endos.

4 Molaren, ein Prämolar.

Alle schwierig.

3,5 Stunden Arbeit.

Zur Abrechnung kommen: Ä1, 03, vipr, Anästhesie, Rö2, BMF, Trep1

Keine 01. Obwohl jeweils aufwändige Untersuchungen notwendig waren, um die Schmerzursache herauszufinden.

Keine WK, obwohl durchgeführt, keine NITI- Instrumente, obwohl eingesetzt, keine Med, obwohl appliziert, keine Füllungen, obwohl damit die Kavitäten und Defekte nach Kariesexkavationen verschlossen wurden. Vom OP-Mikroskop und Apexlokator will ich gar nicht erst reden.

Kein Arztbrief, obwohl geschrieben, weil er nicht gleichzeitig mit einer Ä1 abgerechnet werden kann, die zur Abrechnung kommt, weil ich eine 01, obwohl durchgeführt, nicht abrechnen darf.

Dieses System ist krank. Pervertiert. Und kein Politiker denkt auch nur eine Sekunde daran, etwas zu ändern.

In München ist vor kurzem ein Kunde vor Gericht gescheitert. Es ging um 900 Euro Kosten für den Schlüsseldienst. Wenige Minuten Arbeit. Rechtskräftig, der Kunde hatte unterschrieben.

Ich kenne keinen Handwerker und schon recht nicht im Rahmen eines Notfalles, der nicht alles, was er an Leistung erbringt, nicht auch in Rechnung stellen darf.

Warum also werden Ärzte und Zahnärzte deutlich schlechter gestellt als Sanitärinstallateure ?

Wie also behandelt unsere Gesellschaft ihre Ärzte und was schliessen wir daraus in Schlussfolgerung ?

Am Ende des Notdienstsonntags, nach 7 (ohne Ausnahme schwierigen) Endos, einer Abzessinzision und ein noch 2 oder 3 kleineren Vorkommnissen stehen exakt 600,63 Euro in der Tagesstatistik. 6,5 Arbeitsstunden ohne Nachbereitung wie Dokumentation etc. , die kommt noch hinzu. Und keine Sekunde Pause zwischen den Behandlungen, Arbeiten NON STOP.

Und 80 Minuten Fahrzeit oben drauf.

Nachtrag 03.08.2020

Einer der Notdienst Endo – Patienten, der sehr ängstliche Patient mit der tiefen Aproximalkaries an Zahn 27, sein Kontrolltermin wäre heute 18 Uhr, steht kurz nach 10 Uhr unangemeldet in der Tür. Er bräuchte eine Krankmeldung. Was denn mit seinen Schmerzen sei ? Die seien Gott sei Dank weg, aber er habe heute abend Spätschicht und er fühle sich irgendwie schwach, er könne unmöglich arbeiten gehen. Als ich die AU verweigere, sinkt seine Laune schlagartig. Er fordert die Unterlagen für den Hauszahnarzt, möchte wissen ob er in den nächsten Tagen wieder Schmerzen bekommen könnte, was er tun solle im Falle eines Falles und vieles mehr. 20 Minuten dauert die Aktion, eine Ä1 steht am Ende auf dem virtuellen Krankenschein.

Spartipp Verbrauchsmaterial 20200728

Ich bin eine treue Seele, was die Verbrauchsmaterialien in unserer Praxis angeht.
Es macht für mich keinen Sinn, sobald ich ein adäquates Material für meine Zwecke gefunden habe, dieses leichtfertig aufzugeben, nur des Anreizes wegen, ein paar Cents einzusparen. Weil der mögliche Kleingewinn, auch wenn er sich im Laufe der Zeit zu etwas Größerem addieren vermag, in der Regel nicht den Ärger rechtfertigt, der sich einstellt, wenn das neue Material nicht das zu leisten vermag, was das bewährte vorgelegt hat.

Aus den vergangenen 3 Jahrzehnten könnte ich eine ganze Reihe von Beispielen treuer Helfer nennen: Ich wäre, solange wir es nutzten, nie auf die Idee gekommen, Impregum gegen ein vermeintlich besseres und kostengünstigeres Abformmaterial einzutauschen, ich verwende seit weit über 20 Jahren das gleiche Composit-Adhäsiv (Scotch Bond MP), kaufe meine Bohrer und Diamanten seit 1993 ausschließlich bei KOMET und was den Mund – Nasen- Schutz in unserer Praxis angeht vertraue ich schon immer auf Coldex.

Dann kam Corona.
Und ich beschloss, unsere Vorräte aufzustocken. Patientenumhänge, Speichelsauger, Handschuhe, Mund- Nasen-Schutz. Bevor alle auf die Idee kämen.
Denn mit dem Virus würde uns – da war ich mir sicher – auch eine Güterverknappung überrollen.

Nur an FFP2- Masken hatte ich in keiner Sekunde gedacht, aber das ist ein anderes Thema.

Zurück zum Coldex Mund- Nasen-Schutz. Der war Mitte Februar nur in Kleinmengen lieferbar. Ich schaute mich notgedrungen nach Alternativen um. Denn ich wollte – wird ja nicht schlecht und Zinsen auf der Bank gibts ohnehin nicht – idealerweise einen Jahresvorrat mal mindestens anlegen.

So kam ich an die Firma Zhermack. Deutsche Firma, Direktversender. Die lieferten mir, als alle Anderen schon abwinkten angesichts der geforderten Mengen, 50 Packungen. Die Qualität ? Den Coldex MNS gleichwertig, eine Variante sogar subjektiv besser, weil dicker, dichter. Der Preis ? 4 Euro die einen, 4,50 Euro die anderen. Gegenüber 7,50 Euro, die unser Praxis- Mundschutz-Platzhirsch in all den Jahren aufgerufen hatte, dann doch eine Ansage.

Auch meine Assistentinen sind begeistert von den Zhermacks. Gefällt viel besser. Wir bleiben dabei. Auch nach/mit Corona !

Oben Coldex für 7,50 Euro, Mitte Zhermack 4 Euro, unten Zhermack 4,50 Euro

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Kurz berichtet – Apikale Aufhellung in Heilung nach Abszess

Von Christoph Kaaden

 

Nachdem die apikale Aufhellung an Zahn 46 bei der nachfolgenden 54-jährigen Patientin zu einem submukösem Abszess geführt hatte führten wir nach Abklingen der akuten Symptome eine zweizeitige endodontische Behandlung durch.

Alio loco angefertigtes OPG mit ausgeprägter Aufhellung an Zahn 46

Alio loco angefertigte Einzelaufnahme

Abschlussaufnahme

Sechs Monate nach Abschluss der Therapie ist die Aufhellung bereits deutlich rückläufig:

Alio loco angefertigte Recall-Aufnahme

Prä-op vs- sechs Monate post-op

Von unserer Seite gab es grünes Licht für die Neuanfertigung der mittlerweile stärker lädierten Krone…

Ergonomie

Reden wir mal etwas über Ergonomie.

Zitat Google: Definition Ergonomie. Die Ergonomie (setzt sich zusammen aus ergon = Arbeit, Werk und nomos = Regel, Gesetz) beschreibt in erster Linie die Gesetzmäßigkeit menschlicher Arbeit. … Das heißt, wer ergonomisch arbeitet, sorgt nicht nur für eine kleine Wohlfühlatmosphäre, sondern auch für bessere Ergebnisse im Job.

Ergonomie ist ein nicht zu unterschätzender Punkt in der endodontischen Behandlung mit dem Mikroskop. Durch eine ergnomische Arbeitsplatzgestaltung sind längere  Arbeitsphasen ohne Ermüdung bei größter Konzentrationsfähigkeit möglich.

In den Anfangszeiten meiner mikroskopischen Tätigkeit (zwischen 2004 und 2005) gab es wenig Ergonomie und führte oftmals zu Frust. In der ersten Woche der Mikroskopnutzung war ich felsenfest überzeugt, meine größte Fehlinvestition mit dem Mikroskopkauf getätigt zu haben. Erst allmählich erschloss sich mir der besondere Nutzen.

Bei aller Freude über das zu Sehende, es fehlten entsprechende Instrumente, die Behandler/Assistenzposition stimmte nicht, die fotografische Dokumentation war nahezu unmöglich und die Lichtverhälnisse waren unausgewogen. Die Assistenz langweilte sich schnell, weil sie nichts erkennen konnte was der Behandler tat – es fehlte die Mitbeobachtung. Aber wir hatten nur unseren Enthusiasmus. Der trieb uns vorwärts.
Die Industrie legte nur allmählich zu. Firmen wie der Spiegelhersteller Röder haben eine Zusammenarbeit mit Zahnärzten gesucht und es sind entsprechend hervorragende Produkte (HR-Front Mundspiegel) entstanden.

Heute sind viele Dinge gelöst. Fotodokumentationssysteme gibt es. Mikroinstrumentarium ist vorhanden und es wurde spezielle Endocarts gebaut.
Lange habe ich überlegt, mir dieses anzuschaffen. Letztendlich habe ich mich dagegen entschieden, da der Hersteller meist diese nur in Kleinserie gebaut hat und man auf Gedeih und Verderb an diesen gebunden ist. Zudem wollte ich den Patienten nicht mit der Vielzahl an Geräten im Ersttermin konfrontieren. Deshalb habe ich mir aus einem einfachen Rollwagen ein zusätzliches Cart gebaut und war damit für 4-6Handtechniken in der Assistenz ganz zufrieden. Dieser wird zusätzlich zu einem Cart der Behandlungseinheit genutzt.
Wir arbeiten dazu noch mit einem Schwebetisch über dem Patienten, der aus jeder Position der Assistenz erreichbar ist. Die Behandlerposition ist bei mir immer die 11 Uhr und 12 Uhr Position. Die Assistenz hat Mitbeobachtungsmonitore in 9 Uhr und 12 Uhr Position und einen Mitbeobachtungstubus am Mikroskop.

Am Schwebetisch fehlten mir die notwendigen Ablagen für die verschiedensten Geräte, wie beispielsweise Endohandstücke, Ultraschallhandstücke, kabellose Motoren und Hitzeplugger und Extruder der thermischen WF-Geräte. Diese Instrumente sollten in Greifweite durch die Assistenz oder den Behandlerwerden sicher abgelegt werden können und ebenso problemlos wieder aufgenommen werden können. Von NSK gab es Halter zum Ankleben oder Verschrauben. Damit hatten wir uns lange beholfen. Diese waren jedoch nicht ausreichend in der Anzahl und Größe. Von dem optischen Bastel-Eindruck mal ganz abgesehen.
Hier wollte ich unbedingt Veränderungen haben. Wir haben aber industriemäßig keine brauchbare Lösung finden können.

In den letzten Jahren kamen zunehmend 3D-Drucker in das Blickfeld der Privatanwender.
Ha-Wi gab mir dann den letzten Impuls, solch ein Gerät anzuschaffen.

Im nächsten Beitrag dann mehr darüber…

Dentsply Sirona nimmt nicht an der IDS im März 2021 teil

Das sind die ersten, etliche andere werden folgen….

Dentsply Sirona nimmt nicht an der IDS im März 2021 teil


Dentsply Sirona hat nach intensiven Diskussionen und nach Abwägung aller Faktoren für Kunden und Mitarbeiter entschieden, von einer Teilnahme an der International Dental Show (IDS) vom 9. bis 13. März 2021 in Köln abzusehen. Dies gilt auch für die Dentsply Sirona Marken VDW, MIS und Zhermack. Nach heutiger Einschätzung werden die zu erwartenden Einschränkungen aufgrund der COVID-19 Pandemie eine Beratungsnähe und -intensität, wie Dentsply Sirona und deren Kunden sie kennen und schätzen, mit großer Wahrscheinlichkeit im März 2021 nicht zulassen.

Insbesondere würden unter diesen Rahmenbedingungen Kundengespräche, Interaktionen und Beratung nicht die gewohnte Qualität haben. Durch die Reiseauflagen werden zudem nach Einschätzung von Dentsply Sirona deutlich weniger nationale und vor allem internationale Kunden die IDS besuchen. Grundsätzlich stellt das Unternehmen die Sicherheit der Kunden und Mitarbeiter an erste Stelle bei allen Entscheidungen.

Walter Petersohn, Chief Commercial Officer von Dentsply Sirona, sagte: „Die Entscheidung ist uns sehr schwergefallen. Aber vieles, was die IDS und ihre ganz besondere Dynamik ausmacht, sehen wir im März 2021 aufgrund der zu erwartenden Corona-Auflagen leider nicht gewährleistet. Wir würden unseren Kunden und Besuchern zu diesem Zeitpunkt ihr gewohntes Messe-Erlebnis nicht bieten können. Gleiches gilt für die qualitativen Erwartungen unserer Kunden an Dentsply Sirona. Wir sind uns aber sicher, dass sich die Umstände wieder ändern werden und freuen uns daher schon jetzt auf unsere Teilnahme an der nächsten IDS.“

Quelle: Dentsply Sirona

Erster Tag nach dem Urlaub

Der erste Arbeitstag nach unserem Sommerurlaub.
Fast 3 Wochen habe ich nicht an Zahnmedizin gedacht. Ein Novum in über 30 Jahren Berufstätigkeit.
Heute nun der erste Tag zurück in der Tretmühle.
Da ist jede gute Nachricht eine freudig zu begrüßende.

Hier ein heutiger Recall nach 43 Monaten.

Junge Patientin, zum Zeitpunkt der Behandlung 25 Jahre alt.

In Tränen aufgelöst. Jede Sitzung wieder.
Die Vorgeschichte?

Die vorhandene Fistel in Regio 26, 27, vergesellschaftet mit einer tiefen Tasche distal 26 wurde ein Jahr lang „nicht endodontisch“ behandelt. Zunächst mit Medikamenten, die in die Tasche eingebracht wurden. Als das nicht klappte, wurde der PA-Prozess chirurgisch angegangen. Bei der Aufklappung zeigte sich ein grosser knöcherner Defekt, der mit Knochenersatzmaterial aufgefüllt wurde. Als nach 12 Monaten die Fistel immer noch vorhanden war, entschloss sich die Patientin, eine Zweimeinung einzuholen auf Anraten ihrer Kieferorthopädin, die sie an einen MKG – Chirurgen verwies. Ihre Eltern empfahlen ihr einen mit Ihnen befreundeten Oralchirurgen. Der untersuchte die Patientin und verwies an uns.

Das DVT zeigte, im Gegensatz zum vorab angefertigten Zahnfilm, den Zahn 26 mit einer ausgedehnten apikalen Knochendestruktion, distal zum Zahn 27 hin reichend. Auch die vorhandene profunde Aproximalkaries liess sich, auch wenn die Bildqualität durch fortwährendes Schluchzen während der Aufnahme kompromittiert wurde, eindeutig belegen. Nach Kariesexkavation und Versorgung des Defektes mit einer dentinadhäsiv verankterten Komposit- Füllung wurde die endodontische Behandlung durchgeführt.

Die Patientin sah den Zahn schon als verloren an. Um so schöner, das wir heute, 43 Monate post WF, davon ausgehen können, dass der Zahn, seit ein paar Wochen vom neuen Hauszahnarzt nun keramisch versorgt, noch lange Zeit im Mund bleiben kann.

Sommerzeit = Traumazeit (II)

Von Christoph Kaaden

 

Vor Kurzem habe ich hier von der 20-jährigen Sarah berichtet.

Aufgrund der unklaren Ausprägung der Frakturen haben wir eine weitere 3D Diagnostik veranlasst.

Diese verdeutlicht das volle Ausmass des Zahnhartsubstanzverletzungen:

Nach meiner Einschätzung sind die Zähne 14,15, und 24-26 leider verloren.

Bei 35 und 36 werden wir alle Anstrengungen unternehmen diese Zähne trotz zum Teil tiefer Fraktur zu erhalten…

ich halte Sie weiter auf dem Laufenden.

Und demnächst berichte ich Ihnen dann von Benita und welche Art Trauma zu dieser Art Verletzung geführt hat…

stay tuned…

RET mit Verfärbung, Bleaching & mehr- was tun? (II)

Von Christoph Kaaden

 

Vor einiger Zeit habe ich hier von unseren „Bemühungen“ um Lauras Zahn berichtet.

Da es nach dem zurückliegenden Bleaching erneut zu einer Verfärbung kam entschieden wir uns gemeinsam mit der Patientin für eine vollständige Entfernung des MTA und dessen Ersatz durch Biodentine.

Intrakornal fand sich vitales Gewebe um eine Art „Hartgewebsbrücke“..

 

nachfolgend das Resultat der „Revision“ und des neuerlichen Bleachings:

Ich werde weiter berichten wie farbstabil das aktuelle Ergebnis bleibt…

Anamnese

Der Patient wurde uns zur Instrumentenentfernung überwiesen.
In der von uns erstellten Anamnese tauchte das Medikament Truvada auf.

Bisher hatte ich davon noch nichts gehört und man überliest es schnell.
Truvada ist ein HIV Medikament und wird in diesem Fall zur PRÄ-EXPOSITIONS-PROPHYLAXE (Prep) eingesetzt.
Der Partner/Partnerin des Patienten ist HIV positiv.

Dies führte dazu, daß wir uns mit den aktuellen HIV-Richtlinien auseinander setzten.
Die BZK schreibt dazu:

Standardmaßnahmen und Praxisorganisation

Das Tragen einer persönlichen Schutzausrüstung bestehend aus, Einmalhandschuhen, Mund-Nasenschutz, Schutzbrille/ Schutzschild und ggf. Schutzkittel, wenn die Gefahr des Verspritzens von Flüssigkeiten besteht.
Sachgerechte Reinigung, Desinfektion und ggf. Sterilisation aller bei der Behandlung benutzten Medizinprodukte (Instrumente) gemäß ihrer Einstufung in Risikoklassen (RKI- Empfehlung, Hygieneplan).
Desinfektion der patientennahen Flächen nach der Behandlung.
Entsorgung kontaminierter Abfälle, wie z.B. Tupfer, OP-Abdeckungen, Watterollen o.ä. über den Hausmüll.
Für HIV-Infizierte ist weder ein eigener Behandlungsraum erforderlich noch ist es notwendig solche Patienten am Ende eines Sprechtages zu behandeln.

Die Tatsache, dass viele Patienten nicht von ihren Infektionserkrankungen wissen oder auf Grund negativer Erfahrungen diese dem behandelnden Zahnarzt nicht mitteilen, bedingt die Regel, dass alle Patienten so behandelt werden müssen als ob sie infektiös wären.

Zu den Nebenwirkungen der antiretroviralen Therapie und Modifikationen des zahnärztlichen Behandlungsschemas bei infizierten Patienten im Stadium AIDS sei auf Fachpublikationen hingewiesen.

Quelle: https://www.bzaek.de/berufsausuebung/hygiene/hivaids.html

Hier noch der Vollständigkeit halber die Bilder aus der Behandlung:

Herodontics Zahn 46 (I)

Von Christoph Kaaden

 

Der nachfolgende 23-jährige Patient stellte sich vor einiger Zeit erstmals bei uns vor.

Die Anamnese ergab, dass die Primärbehandlung des Zahnes 46 bereits vor 16 Jahren erfolgte. Nachdem es wiederholt zu wiederkehrenden Entzündungen kam wurde dieser in der Folge zweimal reseziert. Der letzte Eingriff war vor circa sechs Jahren.

Aktuell beklagte der Patient das Auftreten einer neuerliche Fistel.

Hier die entsprechende Röntgendiagnostik:

Alio loco angefertigte Röntgenbilder; ausgeprägte apikale Parodontitis bei resezierten Radices, insuffizienter Randschluß der Krone

Das bei uns angefertigte kleinvol. DVT zeigt das volle Ausmaß der Entzündung sowie das makrochirurgische Vorgehen der mehrmaligen Resektionen.

Nach eingehender Beratung und Aufklärung über alle Optionen entschieden sich der Patient für eine orthograde Revision.

Aufgrund der klinisch-radiologischen Situation erfolgte als erster Schritt die Entfernung der Krone. Danach konnte dann das Wurzelfüllmaterial problemlos entfernt werden.

Hier ein paar Impressionen:

Mittels Debrider konnte das distale Füllmaterial quasi im ersten Versuch in toto entfernt werden.

 

Röntgenkontrolle nach „vollständiger“ Entfernung des Materials. Radiologisch zeigte sich ein kleiner Rest mesio-bukkal, der mit etwas Mühen mittels Debrider auch noch geborgen werden konnte. (Behandlungsdauer: 90Min)

Im zweiten Teil dieser heldenhaften Bemühungen um den Zahn 46 zeige ich Ihnen den orthograden Verschluss der Neoapices mittels MTA sowie den vollständigen Abschluss der Behandlung…

 

 

 

Dentikelmonster

von Jörg Schröder

Neben einer irreversiblen Pulpitis und einer deutlichen Krümmung der bukkalen Kanalsysteme wies dieser 17 einen geradezu beeindruckend langen Dentikel im palatinalen Kanal auf.

Auch das gesamte Pulpakammerkavum war größtenteils mit Dentikeln ausgefüllt. Die Entfernung der nicht adhärenten Dentikel erfolgte vorhersagbar mittels Eddy und Microdebrider.

Die initiale Erweiterung der gekrümmten Kanalsysteme erfolgte mittels ProFile-Instrumenten und wurde unter Verwendung von HyFlex-CM-Instrumenten abgeschlossen.

und noch mal ausführlich…

Vor einiger Zeit wurde ich gebeten noch einmal die sequentielle Matritzentechnik, wie wir sie anwenden vorzustellen. Im Zusammenhang mit dem Vorstellen des Beautifil Flow Materials von Shofu habe ich diese Technik sequentielle Matritzentechnik genannt. Die Technik beinhaltet das Anwenden von verschiedenen Matritzensystemen und das Nutzen der jeweiligen Stärken der Systeme um eine möglichst optimale Füllungs- und Kontaktpunktgestaltung zu erreichen.

Der Präendodontische Aufbau ist ein wichtiger Bestandteil der endodontischen Behandlung.

Dies beinhaltet für mich eine optimale Kontaktpunktgestaltung ohne überstehende Füllungsränder, pflegebare Interdentalräume und eine reizfreie Gingiva-Situation zu erreichen. Weiterhin Beschwerden durch chronische Speiserestimpaktion zu vermeiden und dem Patienten zu einem belastbaren, kaufähigen und kariesfreien Zahn zu verhelfen.
Das bedarf, auf Grund der meist stark zerstörten Zahnrestsubstenz etwas Aufwand.

Ich habe versucht dies in den Bildern darzustellen und zu kommentieren.

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.

 

Quiz du jour Juli 2020

Von Christoph Kaaden

 

Nachfolgend zeige ich Ihnen das OPG einer 23-jährigen Patientin mit einem ungewöhnlichen radiologischen Befund des unteren rechten Quadranten.

Was denken Sie kommt als Grund für diesen radiologischen Befund in Frage?

P.S.: Der eigentliche Vorstellungsgrund der Patientin waren Beschwerden unklarer Genese im Bereich 14/15.

 

 

 

Zielschiessen

Wieder mal ein Fall mit Osteosyntheseplatten.

Der Patient hatte einen schweren Fahrradunfall und einige Zeit danach Probleme am Zahn 37.
Wir haben den Zahn 2015 wurzelkanalbehandelt und die Schwierigkeit war möglichst die distale Wurzel so anzuvisieren, daß man diese röntgenlogisch beurteilen kann. Nach der Behandlung war der Patient wieder auf großer Fahrradtour in der Welt unterwegs.
Nun hatten wir die Möglichkeit zum 5 Jahresrecall.

 

5 mal Anatomie (2)

Letzte Woche habe ich hier von 5 alltäglichen Zähnen berichtet, die innerhalb von ein paar Tagen in unserer Praxis aufliefen.

Und gefragt, welche möglicherweise exotische Anatomie sich verbirgt, die im konventionellen Röntgenbild nicht zu sehen ist.

Hier die Auflösung. Ich werde die Fälle in entsprechenden Beiträgen in der nächsten Zeit genauer vorstellen:

Es waren 2 UK-Molaren mit 3 Wurzelkanälen in der mesialen Wurzel, ein Oberkiefer – Molar mit 4 Wurzeln, ein einwurzliger UK- Prämolar mit einem Kanal, der sich im Verlauf der Wurzel in 2 Kanäle aufspaltet, um sich dann apikal wieder zu vereinigen und – eine riesige interne Resorption an einem Zahn 12.

Haben Sie es gesehen ?
Ich nicht.

Röntgenmessaufnahme Zahn 12. Wo ist die interne Resorption ?

Lediglich das Resorptionsgeschehen war von vorneherein bekannt.
Umso merkwürdiger, das im Rahmen der Röntgenmessaufnahme dieses Phänomen auf einmal im Zahnfilm verschwunden schien.

Was lernen wir daraus ?

Traue keinem Röntgenbild !

Ausgangsröntgenbild Zahn 12
Masterpointaufnahme
WF- Kontrolle Zahn 12

Die Patientin besuchte uns nun zur ersten Nachkontrolle 6 Monate post WF. Sowohl die klinische wie auch die röntgenologische Untersuchung zeigte unauffällige Ergebnisse. Im Moment sieht es danach aus, daß dieser Zahn noch eine ganze Weile im Mund verweilen kann.

Wf- Kontrolle 6 Monate post WF

Zum Thema Flugzeugkabinen sind sicher

Der Beitrag ist aus der Schweiz. Aber die grundlegenden Überlegungen betreffen auch uns hier “in diesem unserem Lande“ in gleicher Weise. Es ist mir unverständlich, das in 2020 Aussagen über Corona-sichere Flugreisen nicht nur unwidersprochen geäußert, vielmehr sogar von der Politik noch gestützt werden, wissen wir doch seit SARS 2008 nachgewiesenermaßen (Air Canada Flug) daß vielmehr bei Flügen ein Großteil der Passagiere und des Flugpersonals eines sehr hohen Infektionsrisikos ausgesetzt ist und eine Vielzahl von Ansteckungen stattfanden. Die Fakten liegen vor, demnach darf von Vorsatz ausgegangen werden. Wie beim Mund-Nasen- Schutz. Wir erinnern uns, noch vor ein paar Monaten war der Mundschutz nicht nur nichts nütze, sondern sogar eine Gefahr.

Und jetzt?

Die Rente ist sicher, ach nee, sorry, ich meinte das Flugreisen.

Sagt der Chef der Fluggesellschaft, beziehungsweise seine Lakaien.
Wer alt genug ist, der kennt das schon. Asbest macht keinen Lungenkrebs, Rauchen ist nicht schädlich.

Solange, bis unwiderruflich feststeht, das dem nicht so ist.

Danach. Schulterzucken. Und keine weiteren Konsequenzen.
Kennen wir doch.

Nachfolgend der Artikel.

Und hier ein Video der Neuen Züricher Zeitung NZZ, das die Problematik Flugreisensehr gut zusammenfasst. Eigentlich Pflichtlektüre für den GröGaZ Gesundheitsminister, der dann sofort Massnahmen einleiten müsste.

Der Bund subventioniert Coronaviren-Flüge aus Risiko-Ländern

© zvg Jean-Pierre Schiltknecht / 13. Jul 2020 – In Flugzeugkabinen gelten weder Abstandsregeln noch eine Pflicht von Passagier-Adresslisten für ein nachträgliches Tracing.

Red. Der diplomierte ETH-Ingenieur Jean-Pierre Schiltknecht war langjähriger KMU-Unternehmer in der Messtechnikbranche. In seinem Gastbeitrag kritisiert er, dass die Swiss anders behandelt wird als die übrigen Unternehmen und Betriebe. Der Swiss werde sogar ein risikoreicher Milliardenkredit nachgeschossen ohne die Möglichkeit, Corona-Regeln durchzusetzen.

Es fällt auf, dass der Bundesrat in all seinen Bemühungen um die Corona-Bewältigung den Luftverkehr als Hauptverantwortlichen für die globale Virenverbreitung von der Mitverantwortung systematisch ausgeschlossen hat. Es ist ein folgenschwerer Widerspruch, der Lösungen an der Quelle der Pandemie-Verbreitung verunmöglicht. Mit allen Mitteln bis zum Lockdown kämpft der Bundesrat gegen die Corona-Pandemie und spricht im gleichen Atemzug Rettungsgelder für die Lufthansatochter Swiss und damit für die Aufrechterhaltung der Viren-Nachschubkette per Flugzeugkurier.

  • Paralysiert von einer mächtigen Luftverkehrslobby hat der Bundesrat seine bei jeder Gelegenheit wiederholten eigenen 2- bis 1,5-Meter-Abstandsregeln beim Luftverkehr der Lobby-Guillotine von Lufthansa und Swiss geopfert.
  • Die Empfehlungen der europäischen Agentur für Flugsicherheit EASA für leere Mittelsitze und Sitzreihen wurden in den Wind geschlagen.

Nicht genug damit: Der Bundesrat hat der Swiss staatliche Hilfsgelder zugesprochen und sich damit in eine höchst fragwürdige Gläubigerposition hineinmanövriert, ohne sich das Recht auszubedingen, übergeordnete Pandemie-Schutzmassnahmen im Flugverkehr vorzuschreiben, welche die wirtschaftlichen Interessen der Swiss auch nur ansatzweise einschränken könnten.

Naive Quarantänevorschriften für ankommende Passagiere

Vor diesem Hintergrund erscheinen die naiven Quarantäneerwartungen an ankommende Flugreisende aus den 29 vom BAG bezeichneten Hochrisikoländern als lächerliche und zahnlose Alibiübung.

Die Fluggesellschaften sind nicht einmal in der Pflicht, den Tracingstellen Passagierlisten zu liefern. (Nur schon die Ankündigung von Passagierlisten als Basis von Quarantänekontrollen mit griffigem Bussenreglement hätte ihre Wirkung.)

Der Appell an die Eigenverantwortung in der Quarantänefrage ist in den sozialen Medien innert kürzester Zeit zur Farce für Quarantäne-Umgehungen mutiert. Chaos und Hilflosigkeit total.

Die Konsequenz der Quarantäneliste für Hochrisikoländer kann nur die Unterbindung von Flügen aus diesen Ländern sein. Wie effizient sich eine solche Massnahme auf die Pandemieentwicklung eines Landes auswirkt, kann am Beispiel Norwegen nachverfolgt werden.

Beispiel Norwegen

Am 14. März lagen in Norwegen die Fallzahlen pro 1 Million Einwohner mit 185 um 17 Prozent höher als in der Schweiz. Dann wurden in Norwegen alle Flughäfen geschlossen. Innerhalb einer Woche sank dieser Anteil schlagartig um mehr als die Hälfte und stabilisierte sich bis heute bei rund 40 Prozent des Schweizer Wertes.

Die mehr als Halbierung der Pandemiebetroffenheit von Norwegen durch Unterbrechung der Virennachschubkette Luftverkehr gilt es in ihrer ganzen Dimension zu erkennen, will man die Corona-Pandemie in den Griff bekommen.

Volle Langstreckenflieger zum Beispiel aus Brasilien oder USA mit unkontrollierter Einreise nach vielen Stunden Flugzeit auf engstem Raum ohne Social-Distancing im Ansteckungshotspot Flugzeugkabine sind eine verantwortungslose Zumutung für die Bevölkerung der Schweiz und eine unberechenbare Gefahr für die einheimische Wirtschaft.

Eine wissenschaftliche Fallstudie der Universität Atlanta1 für ein Mittelstrecken-Flugzeug kommt zum Schluss, dass die Ansteckungs-Wahrscheinlichkeit auf elf Nachbarsitzen eines infizierten Flugpassagiers über 80 Prozent beträgt. Eine Studie der Purdue University2 spricht von einem sehr hohen Risiko für eine Kreuzkontamination sogar durch Aerosole, noch bevor die Luft gereinigt wird.

Wenn die Swiss die abstandslose Flugzeugkabine damit zu rechtfertigen versucht, dass ihr kein Fall bekannt sei, bei dem sich jemand im Flugzeug angesteckt habe, dann fehlt es an verantwortlicher Stelle wohl an fachlichem Grundwissen über die Corona-Ausbreitungs- und Erkennungsmechanismen.

Wenn ein Passagier im Flugzeug angesteckt wird, dann verlässt er dieses wegen der 2- bis 14- tägigen Inkubationszeit unerkannt. Nur eine überwachte Quarantäne, wie sie zum Beispiel in Australien in einem Quarantänehotel gehandhabt wird, könnte bei Einreise die Ausbreitung in der Schweiz verhindern, wobei eine Zuordnung auf den Ansteckungsort Flugzeug wegen der grossen Bandbreite der Inkubationszeiten gar nicht möglich ist. Auch deshalb ist der Umkehrschluss der Swiss eine gefährlich irreführende Schönfärberei des Virenhotspots Flugzeugkabine.

Die glorifizierende Darstellung der Flugzeugkabine als quasi ansteckungsfreie Zone aufgrund klinisch reiner Belüftung geht ins gleiche Kapitel, denn die Kontaminierung der Kabinenluft durch Virentröpfchen beim Niesen und Husten erfolgt unabhängig von der Luftqualität.

Nicht zu unterschätzen ist auch die Ansteckung über Aerosol-Atempartikel im Nanobereich, die sich trotz Belüftung über lange Zeit durch Verwirbelung in der Kabine verteilen können.

Ausführliche Informationen und eine hervorragend anschauliche Video-Animation über die Risiken für Flugreisende hat die NZZ publiziert.

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Dieser Beitrag erschien zuerst auf Inside Paradeplatz.

Aller guten Dinge sind Drei? Die Auflösung

von Jörg Schröder

Nach Erläuterung der Befunde habe ich dem Patienten eine erneuten chirurgischen Intervention vorgeschlagen.

Eine orthograde Revision hätte einen zusätzlichen Hartsubstanzverlust des ohnehin schon mechanisch stark kompromittierten Zahnes mit sich gebracht.

Eine Zahnentfernung schied als Erstmassnahme aus, wäre aber bei einem im Op-Situs zu erkennenden Rissgeschehen unumgänglich gewesen.

Der Verlust der retrograden Füllmaterialien und ein nicht aufbereiteter und ungefüllter Isthmus zwischen den beiden Kanalsystemen kann als Ursache der seit Jahren persistierenden apikalen Pathologie angesehen werden.

Aufgrund des weit nach kausal ins Vestibulum hineinreichenden Defektes habe ich die Fotodokumentation auf das Minimale und weniger beschränkt. Schade, aber mein Hauptaugenmerk lag wohl ein wenig woanders. ;)

Die retrograde Präparation erfolgte mittels Ultraschallansätzen nach B. Khayat. Die Obturation mit einem biokeramischen Putty-Material.

16 Monate nach dem nunmehr dritten chirurgischen Eingriff zeigt sich im Einzelbild eine recht erfreuliche Entwicklung.

 

 

Aller guten Dinge sind Drei?

von Jörg Schröder

Die Betrachtung der gesammelten Röntgenaufnahmen dieses in der Vergangenheit laut 32-jährigem Patienten schon zweimal resizierten Zahnes 32 dokumentiert das interessante Verschwinden der retrograden Füllungen.

Übrig geblieben sind die kreisrunden Kavitäten und eine sich zunehmend ausdehnende apikale Aufhellung.

Klinisch imponiert eine deutliche labile Schwellung, die bereits von extraoral zu erkennen ist. Eine Fistelung besteht nicht. Der Zahn weist eine gering erhöhte Beweglichkeit auf und verursacht keine spontanen Beschwerden. Die Perkussionsempfindlichkeit ist achsmal und lateral gering erhöht. Die Sondierungstiefen liegen innerhalb physiologischer Grenzen. Der elektrische Sensibilitätstest des 31 ist reproduzierbar positiv.

Das DVT zeigt Beeindruckendes.

Was tun?

Wer seine grauen Zellen anstrengen möchte, nutze bitte die Kommentarfunktion.

Wer schon im Urlaub ist, schaue ab 18.00 Uhr noch einmal vorbei.

 

Life Hack Mund-Nasen-Schutz

Wenn ich nicht gerade NICHT in der Praxis wäre, würde ich das hier sofort heute ausprobieren.

Einfach durchzuführen.
Bin gespannt ob es was bringt.

Und was meine Ohren dazu sagen.

https://www.glamour.com/story/this-dentist-60-second-hack-to-make-your-face-mask-fit-better-is-going-viral

Manchmal macht ein einziger Mensch einen Unterschied

Vor zwei Wochen, beim DGET Curriculum in Düsseldorf, der ersten Fortbildung für mich nach/mit Corona, hatte ich zum ersten Mal ein maschinelles NiTi – Instrument in Händen, dass es so eigentlich nicht gegeben dürfte. Das „neue“ reziproke Komet Procodile – Instrument. Zur IDS 2019 eingeführt, gibt es nun eine Version 2.0.

Was ist neu ?
Nicht viel, es fehlt lediglich die charakteristische knallgrüne Farbe der Instrumentenschneide. Die im Gegensatz zu anderen auf dem Markt befindlichen Instrumenten nicht die Folge einer Wärmebehandlung des NiTi – Materials darstellt, wie wir das von den VDW Reciproc Blue – oder Maillefer Wave One Gold – Instrumenten her kennen. Vielmehr im Sinne einer „Lackierung“ auf die NI-Ti Oberfläche aufgebracht wurde. Und diese „Farbschicht“ löst sich unter Beanspruchung ab, wie Michael Arnold in seinen rasterelektronsichen Untersuchungen zeigen konnte.

Macht das was ?

Keine Ahnung.
Aber ich würde es nicht haben wollen. Und vermutlich viele andere BehandlerInnen auch nicht.

Die Firma Komet hat ganz offensichtlich die Konsequenzen aus dieser unerfreulichen Situation gezogen und bringt nun die Instrumente mit einer „farblosen“ Instrumentenschneide auf den Markt. Ein zweiter grüner Ring am Instrumentenschaft weist das Procodile nun als solches aus.

Das Instrument sieht nun ziemlich unspektakulär aus.
Die Produktdesigner im Hause Komet schmerzt das neue Aussehen vermutlich sehr, ich kann das sehr gut nachvollziehen. Und es war sicherlich keine einfache Entscheidung für Komet, bedenkt man den für die Produkteinführungen und Etablierung zu betreibenden Marketing- Aufwand, der nun in die Tonne getreten werden muss. Insofern Respekt für die Durchführung einer unbequemen Maßnahme in einer Zeit, in das Aussitzen von Missständen zum (politischen) Alltag gehört.

Und ja, – Michael Arnold – das die Procodile nun so aussieht, wie sie von Anfang an hätte aussehen sollen, das ist ganz allein dein Verdienst! Manchmal macht ein einziger Mensch einen Unterschied…

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.

Sommerzeit = Traumazeit (I)

Von Christoph Kaaden

 

Wie jedes Jahr häufen sich bei uns um diese Jahreszeit leider (leider) die traumatischen Zahnverletzungen.

Mit dieser Beitragsreihe möchte ich in den nächsten Wochen und Monaten unsere aktuellen Traumafälle vorstellen.

Als erstes heute ein Fall von Anfang der Woche.

Zu den Hintergründen:

  • Sarah
  • 20 Jahre
  • Studentin
  • Sturz mit Fahrrad, nachdem ihr ein 8-jähriger Junge die Vorfahr genommen hatte und ihr seitlich reingefahren war.
  • Zeitpunkt: Unfall Mitte Juni

Hier das alio loco erstellte OPG:

 

Nachfolgend das Zuweiserschreiben:

 

 

Und hier die klinische Situation Anfang Juli  (im Sinne der aktuellen Mundöffnung):

 

Welches weitere Vorgehen empfehlen Sie?

 

Die Revision der Revision…(2)

An dieser Stelle haben wir über den Fall und den Ausgangszustand berichtet.

Nach eingehender Beratung haben wir uns zusammen mit der Patientin für einen Revisionsversuch entschieden.

Die chirurgische Intervention in Form einer Wurzelspitzenresektion haben wir nicht in Betracht gezogen.
Die Extraktion und Implantation wäre eine Alternative. Allerdings werden die ästhetischen Ansprüche der Patientin auf Dauer schwer stabil zu lösen sein (ungünstiger Gingivatyp).

Die dezente Grauverfärbung des Zahnes ist bereits jetzt für Sie ein Problem. Durch ihren Beruf als Schauspielerin fällt es ihr schwer darüber hin weg zu sehen.
Ein internes Bleaching habe ich durch die Rißbildung im Wurzelbereich ausgeschlossen.Die Alternative Veneer war für die Patientin als Alternative vorstellbar.

Im Rahmen der Revision haben wir versucht möglichst wenig Wurzeldentin noch zu entfernen. Meine Hoffnung SAF war auf Grund des zu geringen Durchmessers der Feile nicht einsetzbar.
Nach der vollständigen Entfernung des Wurzelfüllmaterials entleerte sich ein purides Exsudat von apikal mit pulsschlagartigen Bewegungen. Nach ca. 30 minütiger Absaugung war nur noch eine dezente Exsudation zu erkennen. Apikal haben wir das Kanalsystem mit Mtwo Instrumenten bis Iso 60 aufbereitet. Für 21 Tage haben wir Ultracal apliziert.
Der apikale Verschluß erfolgte mit ProRoot MTA und apikalem kollagenem Widerlager. Der Zahn wurde adhäsiv verschlossen und zur Reduzierung der Compositeschrumpfung wurde ein Glasfaserstift eingesetzt.

Nach verhaltener Prognose konnten wir im Verlauf von 2 Jahren eine deutliche Heilung erkennen. Leider ist die Patientin verzogen und nun nicht mehr in unserem endodontischem Recall.

Die vorhergehenden Revisionen haben durch einen sehr subtraktiven Aufbereitungsweg und wenig Übersicht keinen Erfolg gebracht. Ein „einfacher Frontzahn“ wurde damit sehr stark geschwächt. Für Patienten mit einem ausgesprochenem Sprachberuf kann das fatal enden.

5 mal Anatomie

Symptomatischer Zahn 12, Röntgenmessaufnahme
Symptomloser Zahn 46, devital, Zufallsbefund vor ZE neu, Patient kommt für Endo 46
Symptomatischer Zahn 17, obliterierte Kanaleingänge
Symptomatischer einwurzliger Zahn 35 mit Obliterationen, WF- Revision
Symptomatischer Zahn 36, massive apikale Aufhellung

Wir sind es gewohnt, Tag für Tag, Röntgenbilder zu betrachten, zu lesen.

Wohlwissend, dass eine solche Aufnahme immer nur einen begrenzten Teil der anatomischen Wirklichkeit offenbart, haben wir in vielen Jahren beruflicher Tätigkeit eine bemerkenswerte Fähigkeit entwickelt, aus Indizien, aus Puzzleteilen an Informationen ein Gesamtbild zusammenzusetzen. Nachfolgend 5 Beispiele der letzten 4 Arbeitstage. Bei denen das Offensichtliche nicht ganz so einfach auf dem Präsentierteller serviert wird, vielmehr die Wahrheit unter der Oberfläche sich verbirgt.

Kurz und knapp – Was verbirgt sich in den jeweiligen Aufnahmen ?

Ich nehme vorweg, das jeder dieser Zähne eine anatomische Besonderheit aufweist. Die man dem Zahnfilm nach nicht vermuten würde, ja selbst mit der Ankündigung des Vorhandensseins einer kanalären Besonderheit nicht sicher und eindeutig vorhersagen könnte.

5 Besonderheiten in 4 Tagen, und die Liste ist nicht vollständig.
Ich hätte noch 2 oder 3 zusätzliche Fälle einbinden können.

Wir sind demnach umgeben von scheinbarer Exotik.
Was einerseits erklärt, warum Endo manchmal scheinbar unerklärlich scheitert, andererseits die Indikation adäquater Diagnostik erweitert.

Darüber gilt es offen nachzudenken.

Allerweltsfälle 2 & 3

von Jörg Schröder

Erstbehandlungen kommen in meiner Praxis sehr selten vor. 95% meiner Tätigkeit besteht aus  Re-Dentistry. Wiederholungszahnheilkunde.

Insofern sind die beiden im Folgenden dokumentierten Behandlungen einerseits eine Rarität weil Erstbehandlung, andererseits jedoch Fälle, wie sie täglich hundertfach in deutschen Zahnarztpraxen auftreten.


Eigentlich war letzte Woche die endodontische Behandlung des Zahnes 17 geplant gewesen. Die tiefe Approximalkaries hatte die Pulpa großflächig erreicht und wurde alio loco erstversorgt.

Die Initiative uns zu konsultieren ging vom Patienten aus. Ein Umstand, der laut Patient dazu führte, dass eine kurzfristige Behandlung der kurz nach der Erstbehandlung des 17 -die im übrigen zur Beschwerdefreiheit führte – an Zahn 47 auftretenden pulpitischen Beschwerden für „terminlich nicht realisierbar“ befunden wurde.

So mussten wir den zur Behandlung des 17 geplanten Termin kurzfristig mit einem anderen Inhalt füllen.

Nach klinischer Diagnostik (47 mit stark verzögerter Antwort auf den elektrischen Reiz, deutlicher Perkussionsempfindlichkeit bei fehlendem Okklusionskontakt zum Antagonisten, pulpanaher Füllung) und Einschätzung der anamnestisch eruierten Befunde (starke, reizüberdauernde Warmmissempfindung, pulsierende Schmerzen, die die Nachtruhe störten) war die Diagnose einer irreversiblen Pulpitis recht eindeutig.

Nach lokaler Anästhesie und absoluter Trockenlegung konnte eine extrem pulpanahe Füllung, die distolingual nur noch einen Hauch vom Pulpakammerhohlraum entfernt endete und nicht in kariesfreiem Dentin lag, als Ursache ermittelt werden. Der koronale Anteil des Pulpagewebes war bereits nekrotisch. Ca. 2 mm weiter im Kanal befand sich noch vaskularisiertes  Pulpagewebe.

Die Mundöffnung war sehr eingeschränkt, sodass sich die Darstellung der Kanalsysteme und die nachfolgende Aufbereitung als nicht sehr einfach gestaltete. Eine Positionierung des Röntgensensors war aufgrund von geringer Mundöffnung und Platzeinschränkung durch die Kofferdamklammer nach Kofferdamapplikation nicht möglich, sodass die gesamte Behandlung ausschliesslich unter indometrischer Kontrolle durchgeführt wurde. In diesen Fällen kontrolliere ich die Arbeitslänge nach der initialen Bestimmung mittels ISO 008 nach jeweils 3 rotierenden NiTi-Instrumenten händisch mit dem zuletzt verwendeten Durchmesser in einer 4’er Konizität.

Nach Abschluss der Aufbereitung wird die Längenmessung wiederholt und die Einprobe der Masterpoints durchgeführt diese müssen klemmungsfrei die Arbeitslänge ereichen und dennoch einen ausreichenden Tug-Back zeigen. MB und ML konfluierten im mittleren Wurzeldrittel.

Nach Obturation und adhäsivem Verschluss wurde das Ergebnis der radiologischen Kontrolle mit Spannung erwartet.

War ich zufrieden? Sehr! Reiner Instrumentenflug und eine Punktlandung. Fühlte ich mich wohl dabei. Nein!

Daher wurde die Behandlung des 17, weil sich hier der Sensor deutlich unkomplizierter platzieren ließ, nach meinem Standardprotokoll (Messaufnahme, Masterpoint, Kontrolle) durchgeführt. Die endometrische „Zwischenkontrolle“ der Arbeitslänge erfolgte zusätzlich wie im Fall des 47.

Erschreckend war, wie sich die bei der Erstversorgung alio loco eingebrachte Füllung im Kastenbereich unter dem Mikroskop darstellte. (Ja, hätte ich die Kofferdamklammer noch einmal kurz gelöst und wieder platziert, hätte das kleine Gingivadreieck abdeckt werden können ;) )

Zeigt sich nun für mich ein Unterschied im Ergebnis zwischen beiden Vorgehensweisen? Nein. Nur das die Überprüfung der Zwischenschritte mir die Zuversicht gibt, ein auch radiologisch perfektes Ergebnis „abliefern“ zu können.  Denn daran werden wir gemessen und nicht weniger wird von uns erwartet, wenn Patienten zur endodontischen Behandlung überwiesen werden.

Reproduzierbar sein und gleichbleibende Ergebnisse liefern muss unser tägliches Bestreben sein.

Große Aufhellung, langes Recall

von Jörg Schröder

Nachdem die Erstbehandlung des 25 offensichtlich nicht erfolgreich gewesen war, wurde dieser – ohne retrograden Verschluss – also loco resiziert. Ohne Erfolg. Die bestehende periapikale Lyse war beeindruckend groß.

Der Therapievorschlag einer erneuten chirurgischen Intervention sagte der Patientin nicht zu. Daher wünschte sie eine Zweitmeinung.

Klinisch imponierte bei der Erstvorstellung eine bukkale Fistelung. Zahn 25 war gering, Zahn 24 deutlich perkussionsempfindlich. Der elektrische Sensibilitätstest an Zahn 24 fiel negativ aus. Das präoperative DVT, damals noch unser VeraviewEpocs 3De, liess klar den Zahn 24 als Ursache der persistierenden Beschwerden erkennen.

In Zahn 24 war ein großer lateraler Seitenkanal in der bukkalen Wurzel vorhanden.

Die Behandlung erfolgte zweizeitig. Beim Bemühen den letzten halben Millimeter im bukkalen Kanalsystem zu erschliessen kam es zu einer Fraktur eines NiTi-Instrumentes im apikalen Teil der bukkalen Wurzel.

Das Fragment konnte nicht passiert werden. Eine Entfernung war für mich ohne chirurgische Intervention nicht möglich. Nach Aufklärung der Patientin wurde der Zahn warm vertikal obturiert. Eine möglicherweise chirurgische Intervention wurde mit der Patientin erörtert.

Während die Fistelung nach der ersten Behandlungssitzung abgeheilt war, konnte das erste radiologische Recall nicht wirklich überzeugen.

Umso schöner, dass im Vertrauen auf das sich positiv entwickelnde klinische Bild, auch die  radiologische Überprüfung eine immer weiter voranschreitende Ausheilung der ausgedehnten periapikalen Lyse bestätigt.

Soll man die periapikale Region noch einmal chirurgisch adressieren? Wie lange „darf“ gewartet werden, bevor man interveniert? Bin auf andere, als meine Meinung gespannt.

 

Apikale Raumforderung (III) – Recall

Von Christoph Kaaden

 

Sechs Monate ist die Behandlung von Kim nun her.

Anfang der Woche haben wir den Zahn nachuntersucht.

Ich war skeptisch, ob es zu einer Heilung kommen würde… aber es sieht so aus, als wäre keine weitere Intervention notwendig. In sechs Monaten erfolgt die nächste Kontrolle…

Allerweltsfall

von Jörg Schröder

Pulpanekrose. Ein ganz normaler Behandlungsfall. Und ein gutes Beispiel für den Nutzen des DVT.

Die Erstbehandlung dieser Patientin erfolgte in der Praxis der überweisenden Kollegin. Der palatinale Kanal erschien irgendwie anders zu sein, sodass die Patientin nach der initialen Schmerzbehandlung zur Weiterbehandlung überwiesen wurde. Einfacher Fall. Eigentlich.

Das präoperative DVT lässt erkennen, dass der palatinale Kanal über keine Konstruktion verfügt und sich apikal trichterförmig erweitert. Die umgebende apikale Lyse ist groß. MB1 liegt nicht mittenzentriert, sodass es koronal einen MB2 geben muss. Es gibt Hinweise auf eine infektionsbedingte externe Resorption der Apizes.

Welche Folgen haben diese Erkenntnisse? Viele.

Die Wahrscheinlichkeit einer extraradikulären Infektion schätze ich höher ein, als bei einer kleinen dezenten Parodontalspalterweiterung. Diese Aufhellung und die zu Grunde liegende Nekrose besteht sehr viel länger als 4 Wochen. Die Aufklärung hinsichtlich der möglichen Erfolgsaussichten wurde entsprechend angepasst. Ebenso der Hinweis auf einen eventuell späteren chirurgischen Eingriff.

Die Entscheidung ob ein- oder zweizeitig behandelt wird, möchte ich erst intraoperativ treffen. Klinisch war der Zahn bei der Erstbefundung symptomlos und beschwerdefrei gewesen. Sollte es aber zu einer deutlichen Exsudtion aus dem Periapkalbereich kommen, habe ich der Patientin ein zweizeitiges Vorgehen nahegelegt.

Insofern erfolgte die Terminplanung mit einem möglichen Reservetermin 2-3 Wochen nach dem ersten Behandlungstermin. Wie Christoph Kaaden immer so schön sagt: „Vorher gesagt ist aufgeklärt, hinterher gesagt ist herausgeredet“.

Besonderes Augenmerk ist auf den im DVT nicht erkennbaren MB2 zu richten. In vorliegendem Fall entsprang er einem sehr feinen Isthmus der vom tropfenförmigen Querschnitt des MB1 nach palatinal hin verlief. Zudem ist im unteren Kanaldrittel die Konfusion von MB1 und MB2 zu erwarten, da dort der Kanalquerschnitt mittenzentriert in der Wurzel liegt.

Wie kann der weite palatinale Kanal bestmöglichst und ohne massive Extension gefüllt werden? MTA? Biokeramischer Seller und Guttaperch? Expoxidharzsealer und Guttapercha? Ich habe mich, nach Überprüfung der Resilienz der periapikalen Weichgewebe mit einer sterilen Papierspitze ISO 50 (Foramendurchmesser ISO 60) gegen einen MTA Verschluss entschieden, da es apikal zu wenig Gewebewiderstand gegeben hat und die peripkale Lyse eine große laterale Ausdehnung zeigte.


Die Guttaperchaspitze auf Größe ISO 60 getrimmt liess sich etwas zu weit in den Kanal einbringen, sodass ich diese zur radiologischen Einprobe auf ISO 70 trimmte. Das Ergebnis war nicht zufriedenstellend, sodass ich die ISO 60 Guttaspitze nach Verwendung des TipSnippers und Einprobe mittels steriler Skalpellklinge so weit eingekürzt habe, bis bei eingestellter Arbeitslänge ein perfekter TugBack erzielt werden konnte.

Bei ausgedehnten apikalen Aufhellungen beobachte ich, dass die initial bestimmte Arbeitslänge häufig um wenige Zehntel Millimeter zu kurz angezeigt wird.Grund dafür dürfte in den apikalen Kanal eindringende periapikale Flüssigkeit sein, die zu einer fslch positiven Messung führt. (Die Aussagen aller Endometriegerätehersteller, dass ihr Produkt in allen Flüssigkeiten immer fehlerfrei anzeigt, möchte ich an dieser Stelle in das Reich der Fabeln verweisen.)

Daher messe ich nach bestimmten Aufbereitungsgrößen und am Ende der Aufbereitung immer erneut mit dem zuletzt verwendeten Durchmesser im getrockneten Kanal nach.

Wie der Vergleich zwischen Messaufnahme und Masterpointeinprobe in DB zeigt, kann dieses Vorgehen durchaus sinnvoll sein.

Ein ganz normaler Behandlungsfall mit einer Vielzahl von Hürden, die aber bei entsprechender Diagnostik bereits im Vorfeld der Behandlung erkannt und mit einem minimalem handwerklichen Geschick in der Behandlung genommen werden können.

Im Vergleich zum Arbeiten ohne dreidimensionale Diagnostik bedeutet das virtuelle Durchführen der Behandlung eine erhebliche Reduktion des Stresslevels für mich und nicht zuletzt auch für meine Mitarbeiterinnen.

Geschickter Umgang mit schwierigen Patienten

Der Link zum Artikel stammt von Michael Logies, eingestellt in seiner Zahnmed- Email- Liste. Ich fand es interessant zu lesen, zumal ich im Moment einige schwierige Patienten habe, Corona bringt es an den Tag …

BTW es gibt auch Misch- und Kombi-Typen. Unsere Endgegner-Kombi ist im Moment die Verknüpfung Nörgler + Provokateur. Mir graut schon vor übermorgen, da hat die Patientin ihren nächsten Termin.

Kurzes Update aus aktuellem Anlass. In der Mittagspause finde ich eine Notiz vor, besagte Patientin hat angerufen und möchte statt der Kontrolluntersuchung morgen vormittag eine telefonische Besprechung heute noch. Dies sei so mit Dr. Herrmann abgesprochen. Nein ???? Ist es nicht ???

Die besten Strategien

Geschickter Umgang mit schwierigen Patienten

Zwar kommt es selten vor, aber es gibt immer wieder Patienten, die das ganze Team auf eine harte Probe stellen. Manche provozieren, andere bringen ganze Abläufe zum Stocken. Wer diese Patienten sofort erkennt, kann sie aber mit Stopp-Strategien in den Griff bekommen.

Der Patient betritt das Behandlungszimmer und weiß sofort alles besser. Denn er hat Dr. Google befragt und so die passende Diagnose für seine Beschwerden schon im Internet herausgefunden. Wehe, der Arzt stimmt damit nicht überein. Dann sind Konflikte vorprogrammiert. Doch das ist nicht der einzige Patiententyp, der auf Sie zukommen kann.

Der Besserwisser

Er ist ein Patiententyp, der garantiert für Stress sorgt. Denn hinter der Fassade ist er ein sehr unsicherer Mensch, der mit seinem Wissen nur auftrumpfen möchte, um Anerkennung zu gewinnen. Daher empfindet der Besserwisser jede Kritik an seinem Wissen sofort als persönliche Kritik und reagiert darauf aggressiv.

Stopp-Strategie: Solange es fachlich korrekt ist, was der Besserwisser sagt, atmet man am besten einmal tief durch und hört seinen Äußerungen kurz zu. So signalisieren Sie, dass Engagement von Seiten des Patienten durchaus wichtig ist. Problematisch wird es, wenn der Besserwisser Fehlinformationen äußert. Hier ist es natürlich wichtig, einzugreifen. Um Stressgespräche zu vermeiden, hilft es, mit Ich-Botschaften zu arbeiten, da sie weniger vorwurfsvoll wirken. Beispiel: „Ich verstehe Ihre Meinung, aber ich weiß von meiner letzten Fortbildung…“

Der Nörgler

Bei ihm braucht das ganze Team Nerven wie Drahtseile. Denn er hat an allem etwas auszusetzen. Schon die Helferin am Empfang ist unfreundlich, die Stühle im Wartezimmer sind unbequem und überhaupt war er auch mit der letzten Behandlung nicht zufrieden. Dem Nörgler kann man einfach nichts recht machen.

Stopp-Strategie: Wer auf die Kritteleien des Nörglers einsteigt, gießt Wasser auf seine Mühlen. Dann gibt schnell ein Wort das andere, die Situation eskaliert. Lässt sich das Team nicht provozieren und bleibt höflich, verpuffen die Nörgeleien im Leeren. Beispiel: „Danke für Ihren Hinweis. Wir nehmen jede Kritik ernst und werden sie in der nächsten Teamsitzung aufgreifen.“

Der Provokateur

Er kommt eine halbe Stunde zu spät und meckert trotzdem sofort, ob er auch mit Termin diesmal wieder eine Stunde warten müsse. Im Behandlungszimmer tönt er dann lauthals, dass der Arzt sich wohl mit IGe-Leistungen sein Golfhobby finanziere.

Stopp-Strategie: Provokation ist eine manipulative Strategie. Der Provokateur möchte andere in einen offenen Konflikt hineinziehen und zu einer diskreditierenden Reaktion bringen. Er selbst steht dann in einem guten Licht da. Wer bei Provokationen zu Erklärungen ansetzt, wird aber wenig Erfolg haben. Der Provokateur will diese nicht hören und greift einfach weiter an. Daher lohnt es sich nicht, auf Provokationen zu antworten.

Vorsicht: Wenn Provokationen allerdings in Drohungen ausarten, sollte man klare Grenzen setzen. Wirkungsvoll ist es, wenn man den Patienten direkt mit seinem Namen anspricht. Beispiel: „Herr Maier, bitte senken Sie Ihre Stimme. Damit wir eine gute Lösung finden, möchte ich, dass wir ruhig und sachlich miteinander sprechen. Wenn Sie keinen anderen Ton wählen, beende ich das Gespräch.“ Ist der Patient weiterhin bedrohlich, können Praxisinhaber auch ihr Recht als Hausherr wahrnehmen und ihn aus der Praxis verweisen.

Die Quasselstrippe

Diese Patienten kennen weder Punkt noch Komma. Sie plappern munter vor sich her und sind kaum zu stoppen. Sie stellen die Praxen hauptsächlich vor ein zeitliches Problem. Denn mit ihrem Wortschwall bringen sie rasch die gesamten Arbeitsabläufe durcheinander.

Stopp-Strategie: Die Ursachen für das Dauergequassel sind unterschiedlich. Manche Patienten sind einsam und nutzen die Gelegenheit, dass jemand zuhört. Andere möchten im Mittelpunkt stehen und holen sich so Aufmerksamkeit. Es gibt aber auch Patienten, die mit vielen Worten ihre Ängstlichkeit überspielen. Für alle gilt aber: Möglichst schnell unterbrechen. Je länger man wartet, desto schwieriger wird es. Wie auch beim Provokateur ist das effektivste Stoppsignal die Namensnennung: „Frau Schmidt, Verzeihung, wenn ich Sie kurz unterbreche…“

Der Schweigsame

Ärzte müssen den Schweigsamen jede Information aus der Nase ziehen. Das ist nicht nur ein zeitliches Problem, es erschwert auch die Diagnosestellung.

Stopp-Strategie: Bei introvertierten Patienten braucht man Zeit und Geduld, um ihr Schweigen zu brechen. Ärzte können ihnen gezielt offene Fragen stellen, die sie zu einer ausführlicheren Antwort als „ja“ oder „nein“ zwingen. Beispiele: „Welche Beschwerden haben Sie?“ „Was genau löst das aus?“ „Wie kann ich mir das vorstellen?“ Nach einer Frage ist es wichtig, diesen Patienten Zeit für die Antwort zu lassen und ihnen nicht ins Wort zu fallen. Dafür kann man sich zum Beispiel ganz bewusst eine Pause setzen, in der man nicht redet. Das erhöht die Chance, dass der Schweigsame dann anfängt zu sprechen.

Recall- der verspätete Beifall

von Jörg Schröder

Ein erfolgreiches Recall ist für mich ein Art verspäteter und stiller Beifall für ein erfolgreiches Bemühen die apikale Pathologie zur Ausheilung zu bringen.

Während der Patient den auch radiologisch sichtbaren Erfolg der endodontischen Behandlung bei Beschwerdefreiheit fast schon voraussetzt, habe ich immer noch eine Art kleines hoffnungsvolles Bangen in mir, wenn es zur Nachkontrolle kommt.

Insbesondere wenn es sich um mehrere behandelte Zähne beim selben Patienten handelt.

Umso schöner wenn das Ergebnis so ausfällt:

Kurz berichtet – Apikale Aufhellung in Heilung nach kommunizierender Aufhellung

Von Christoph Kaaden

 

Ich muss gestehen, dass ich aufgrund der kommunizierenden Läsion eine gewisse Skepsis hatte, ob eine Heilung nach endodontischer Behandlung tatsächlich vonstattengehen würde…

Prä-op (alio loco)

DVT Ausschnitt 

Neun Monate (inkl. Corona-bedingter Termin-Verschiebung) nach Abschluss der Behandlung (3 Termine: 90-90-90min) unterliegen die Aufhellungen aber tatsächlich einer sehr deutlichen Heilungstendenz…

Post-op

 

9 Monate post-op

Und wieder einmal lautet mein persönliches Fazit:

ENDO RULES  :-)

RET mit Verfärbung, Bleaching & mehr- was tun? (I)

Von Christoph Kaaden

Anfang 2011 haben wir die damals ca. achtjährige Laura behandelt, nachdem ihr Zahn 21 nach einem eigentlich milden Trauma (Kronenfraktur) nekrotisch geworden war.

Wir haben uns damals gemeinsam mit den Eltern auf den Versuch einer regenerativen endodontischen Behandlung (vormals Revitalisierung) verständigt.

Hier die Abfolge der Behandlung:

Ausgangssituation

1. Termin mit Einbringen der selbst angemischten Antibiotikum-Mischung (wie mehrfach beschrieben)

2. Termin: Blutung;Koagulum,Kollagen;MTA

Abschluss der Behandlung

Unglücklicherweise kam es durch das MTA zu einer unschönen Verfärbung im Zervikalbereich. Wir führten daraufhin ein mehrmaliges intrakoronales Bleaching durch, dass ein befriedigendes Ergebnis lieferte:

Dummerweise kam die MTA Verfärbung wieder zurück…

Erneute MTA Verfärbung nach vormaligen intrakoronalem Bleaching

Wie bewerten Sie den Fall aus endodontischer Sicht und was würden Sie Laura jetzt aus ästhetischer Sicht raten?

 

Die Revision der Revision…

Die Patientin (28) kam mit Beschwerden. Am Zahn 12 zeigte sich in der Umschlagfalte in Wurzelspitzenhöhe eine deutlich palpierbare und schmerzhafte Schwellung. Der Zahn macht der Patienten schon seit der Kindheit Probleme nach einem Unfall. Mehrfach wurde der Zahn endodontisch behandelt. Es waren nicht mehr alle Behandlungen zu eruieren.

Jetzt wurde sie zur Wurzelspitzenresektion überwiesen. Doch vorher wollte die Patientin eine Zweitmeinung einholen. Deshalb der Termin bei uns.

Die klinischen Befunde:
Kein Lockerungsgrad, ein deutlicher Perkussionsschmerz horizontal und lateral, apikal labial Schmerzen auf Palpation. Dezente gräuliche Verfärbung im Zahnhalsbereich.
Im Zahnfilm war deutlich eine apikale Osteolyse, vermutlich eine Stufenbildung zu erkennen. Alles klar könnte man meinen.

Die Patientin hat sich für die Revision und gegen die WSR in gemeinsamer Beratung mit uns entschieden. Im ersten Behandlungstermin wurde bei der Entfernung der WF Materialien schnell klar, daß in der, oder den vorhergehenden Revisionen einiges übersehen wurde. Wir konnten verschieden Guttaperchamaterialien erkennen. WF Material, welches aus vorhergehenden Behandlungen stammte und nicht vollständig entfernt wurde. Trotzdem war ein großer Substanzverlust intrakoronal erkennbar.
Labial zeigte sich zudem ein Riss im kolonialem Wurzeldrittel. Er ließ sich allerdings nicht weiter verfolgen.

Wir haben uns zur erweiterten Diagnostik für ein DVT entschieden.

Das DVT zeigte wie gering die Restsubstanz ab dem mittleren Wurzeldrittel war. Vor allem wie stark der Kanalverlauf in den endodontischen Behandlungen verlagert wurde.
Die Patientin wurde von uns über die verschlechterte Prognose informiert.

Die Frage, was soll nun bei einer erneuten endodontischen Revision besser werden?
Bereits zuvor, war die Revision in einer endodontischen spezialisierten Praxis erfolgt.
Würden Sie der Patientin zum Zahnerhaltungsversuch raten?

Take Our Poll

Back to the Future

Gastbeitrag von Thomas Weber

Seit Jahren hören wir das alte Lied: Die GOZ ist unzureichend. Wir leben aber damit und arrangieren uns.

Die eigentliche Frage: Braucht der „Leistungserbringer“ unbedingt eine Gebührenordnung? wird nicht gestellt.

Die Antwort ist, wie wir wissen: Nein, er braucht sie nicht. Der Kosten-Erstatter braucht sie zur einfachen Festsetzung von Erstattungssätzen.

Der Zahnarzt könnte es sich sehr einfach machen. So wie jeder andere Dienstleister, der nicht unter staatlicher Kuratel steht: Eine Keramikkrone am Zahn X kostet den Betrag Y, der alle Materialkosten und Laborleistungen beinhaltet.

Das gäbe eine „Bierdeckelrechnung“ und damit ein Minimum an Verwaltungserfordernissen. Dafür bräuchte man nicht mal einen Taschenrechner, geschweige denn eine aufgeblähte EDV oder eine spezialisierte Abrechnungsexpertin. Es ginge handschriftlich auf einem selbstdurchschreibenden Zweckform-Avery-Vordruck.

„Undenkbar!“ höre ich jetzt die Funktionäre schreien. Einer sagte mir mal: „Sie sind ja ein kleiner Revoluzzer…aber das funktioniert doch nicht..“ Und ungläubig: „Wollen Sie etwa im Vorfeld wirklich jede Watterolle, jedes Keilchen, jede Kanüle, jede Matritze mit einrechnen?“

Natürlich, muss ich doch. Die teureren Sachen einzeln, die billigeren pauschal. Macht der Handwerker nicht anders. Schrauben sind nicht umsonst, nicht der Dichtungshanf oder das Schmirgelpapier. Und meinen „kalkulatorischen Arzt-Stundenlohn“ will ich eigentlich auch selber festsetzen. Diese „Freiheit“ sollten wir für uns schon fordern.

Sind diese Gedanken der „Vertragsfreiheit“ wirklich so revolutionär?

Natürlich nicht: wie schon so oft ist ein Blick zurück auf das Gestern für das Verständnis des Heute und für den Weg in die Zukunft sehr hilfreich. Denn Vorläufer der GOZ 1988 und der Bugo-Z von 1965 war die sogenannte Preugo. Diese stellte „subsidiäres Recht“ dar, das „mangels einer Vereinbarung“ Anwendung fand. Es existierte damals Vertragsfreiheit. Das, was Zahnarzt und Patient als Honorar vereinbarten, galt. Nur wenn keine Vereinbarung über das Honorar getroffen wurde, galt die Preugo. Das funktionierte. Bei dem einen Zahnarzt sehr gut, beim anderen schlechter.

Die Bugo-Z von 1965 änderte dieses Regel-Ausnahme-Verhältnis: im Regelfall war von der Bugo-Z von 1965 auszugehen; eine abweichende Regelung war die Ausnahme und setzte eine ausdrückliche Vereinbarung voraus.

Die GOZ 1988 ließ dann nur noch eine abweichende Vereinbarung bezüglich der Höhe der Vergütung zu (§ 2 Absatz 1 GOZ). Die Entwicklung von der Preugo bis zur GOZ 1988 zeichnet also einen politischen gewollten Weg: nämlich weg vom Grundsatz der Vertragsfreiheit hin zum staatlichen Preisdiktat.

Die GOZ 2012 setzte diesen Weg quasi konsequent fort. „Mit Gebührenordnungen sorgt der Gesetzgeber ganz bewusst dafür, die zahnmedizinische Versorgung nicht dem freien Markt zu überlassen.“ Dieses Zitat aus dem Vorwort der BZAEK zum GOZ-Kommentar 2012 kann man gar nicht oft genug lesen.

Weniger „Vertragsfreiheit“ ist ein Ziel jeder Gebührenordnung! Und liest man den Bericht der Bundesregierung an den Bundesrat zu den Auswirkungen der GOZ 2012 so finden sich interessante Feststellungen:

„Die mit der GOZ-Novelle angestrebte Reduzierung sowohl der Analogbewertungen von häufig erbrachten Leistungen als auch der Anzahl von schwellenwertüberschreitend berechneten Gebührenpositionen konnte erreicht werden. „

Na herzlichen Glückwunsch, Politik und Erstatterlobby. Wozu genau wurde die GOZ novelliert? Um für die Zahnärzte nach Jahrzehnten adäquate Honorare umzusetzen? Nein, um die Analogien rauszukicken und die Faktoren runterzuholen. Das ist jetzt amtlich.

„Der Anteil der schwellenwertüberschreitend abgerechneten Leistungen an der Gesamtheit aller berechneten Leistungen hat sich in der GOZ-Analyse der BZÄK um mehr als die Hälfte von rund 24,5 Prozent im Jahr 2011 auf rund 11,1 Prozent im Jahr 2012 reduziert.“

Das sind mal valide Zahlen. Nun, da rechnen ja nun offenbar nicht mehr wirklich viele Kolleginnen und Kollegen nicht mehr wirklich viele Leistungen über 2,3fach ab.

Wenn man die Verhandlungen zur neuen GOÄ aufmerksam verfolgte, ist absehbar, wo die GOZ in absehbarer Zukunft endet. Mit zwei Gebührensätzen: „robust einfach“ oder „einzelfallbegründet doppelt“.

Und dann wird auch endgültig Schluss sein mit Analogien. Und auch die „freien Vereinbarungen“ werden zur Disposition stehen, „weil man sie doch eh fast nicht nutzt.“ Die Gebührenordnungen beschreiben umfassend alle Möglichkeiten der Medizin. Basta. Anders ist der Weg in eine „Bürgerversicherung“ wohl auch nicht gangbar.

Zukünftig wird also wohl jeder seine eigenen Preise machen müssen, wenn er in dieser neoliberalsozialistischen Republik, in dem man sogar von Seiten der Ärzteschaft einen „Minutenlohn“ von 1,36 € (http://www.medical-tribune.de/home/news/artikeldetail/goae-reform-noch-nichts-in-stein-gemeisselt.html) als hinreichend angemessen betrachtet, selbstständig auskömmlich leben will. Denn schon der Depot-Techniker, der Validierer oder der Steuerberater kosten in meinem Paralleluniversum pro Minute deutlich mehr.

Unsere berufsständischen Körperschaften sind wie immer hilflos: sie fordern allenfalls – und das sehr verhalten – eine „Punktwerterhöhung“ für die GOZ.

Kann man natürlich fordern. So wie die Abschaffung des Solidaritätszuschlags oder endlich die Anpassung des steuerlichen Existenzminimums für Kinder. Oder die Korrektur des Alterseinkünftegesetzes. Oder den Weltfrieden. Aber kommen wird sie deshalb nicht.

Wenn man den Bericht der Bundesregierung an den Bundesrat aus 2015 liest, ist doch mit einer Punktwerterhöhung der GOZ überhaupt nicht zu rechnen. Denn schließlich überschreite ja, so wird quasi amtlich festgestellt …„der nach der GOZ-Novelle 2012 festgestellte Honoraranstieg von rund 9,2 Prozent den prognostizierten Honoraranstieg von 6 Prozent“. Hey, da haben die Zahnärzte doch wohl mal wieder zugelangt, oder? 9,2 % mehr Honorar! Was wollen die jetzt noch?

Das sind und waren die Taschenspielertricks unlauterer Politik. Darin ist das Kabinett Merkel meisterhaft. Und kein Widerspruch der Zahnärzteschaft? Oder habe ich was verpasst? Nein? Dann stimmt’s doch wohl.

„Back to the future“…. das sollte das Motto der Zahnärzte im Jahr 2020 werden.

Zurück in die Zukunft: zur Vertragsfreiheit.

Zurück in die Zukunft: zur patientenorientierten Behandlung und zur betriebswirtschaftlich fundierten Honorierung.

„I guess you guy`s aren’t ready for that…. but your kids gonna love it!“

Grüße vom Lande,

Thomas Weber

And the show goes on-Trauma, die Zweite.

von Jörg Schröder

Erst am 1.6. 2020 hatte ich hier über ein erfolgsversprechendes Recall nach einer Kronen-Wurzel-Fraktur und verzögerter Erstversorgung mit tiefer Pulpotomie berichtet.

Eine Woche nach dem Recall – der beim Unfall im November ebenfalls fakturierte Zahn 21 war aus nicht nachvollziehbaren Gründen immer noch nicht einem Reattachment zugeführt worden – erreichte uns der Anruf der Mutter des jungen Patienten: Unfall auf der Rutsche. Erneute Kronenfraktur 11. Glücklicherweise hatte der Sturzpilot das Fragment aus dem Sand bergen können und dieses in einem Dentosafe gelagert.

Also wurde der ursprünglich für das Reattachment des 21 geplante Termin verlängert, um beide Fragmente wieder zu befestigen.

Das gesamte Unterfangen gestaltete sich erheblich komplizierter als gedacht. Durch die zeitliche Verzögerung von ca. 1 Woche zwischen Unfall und Behandlungstermin konnte das Fragment des 11 wegen der  Proliferation der approximalen Ginigiva nicht an die richtige Position gebracht werden. Die Fraktur verlief zum Teil im ehemaligen Klebespalt, zum Teil im Zahnschmelz.

Nach lokaler Anästhesie und Verdrängung der Gingiva mittels Retraktionsfäden 0 und 00 konnte der Zahn vollständig dargestellt werden. Aufgrund des Plans, am gleichen Termin den 21 wieder zu befestigen, habe ich auf das Legen des Kofferraum verzichtet, um bei der leicht subgingivalen  Lage des Bruchspaltes keine Dislokation des Fragmentes durch den nach apikal zu platzierenden Kofferdam zu erzeugen. Da die Pulpotomiestelle weiterhin vom Komponist des ersten Reattachments bedeckt war und die Trockenlegung auch relativ gut ging, sprach nichts gegen dieses Vorgehen.

Das Fragment passte zunächst nicht und wurde daher mittels DentoPräp (Microblaster) und Cojet-„Sand“ abgestrahlt. Die anschliessende Überprüfung der Passung zeigte eine deutliche Verbesserung der Positionierung. Die Spaltmasse waren erheblich kleiner. Es folgten Konditionierung der jeweiligen Schmelzflächen und das Wiederbefestigen mit einem Flow-Komposit.

Nachdem 11 befestigt war, ging es nun darum, die Kompositbedeckung aus der suboptimal verlaufenen Erstversorgung (alio loco wurden die Bruchkanten „geglättet“, das eröffnete Pulpahorn mit einer sehr dünnen Schicht eines CaOH2-Präparates abgedeckt und die restliche Dentinwunde mit Fissurit „versorgt“.

Leider funktionierte die Schmelzätzung so gut, dass es notwendig war die Fissurit-Füllung zunächst mittels diamantierter rotierender Instrumente zu reduzieren und die verbliebenen Reste dann mit einem Scaler vom Zahn zu lösen.
Sofort darauf fiel die putride Exsudation aus dem mesialen Pulpahorn und eine kleine Blutung aus einem in der Mitte gelegenen Pulpaausläufer auf.

Für die nun folgende Pulpotomie wurde Kofferdam gelegt, die Pulpa im vitalen Gewebe mittels steriler hochtouriger diamantierter Instrumente um ca. 2 mm reduziert und die Pulpawunde mit Biodentine abgedeckt. Um anschliessend die adhäsive Wiederbefestigung durchführen zu können, wurde die Biodentine-Oberfläche mit Ultrablend abgedeckt.

Das Wiederanfügen gestaltete sich erheblich komplizierter als erhofft:

Das Beschleifen der Bruchränder in der der Erstversorgung machte ein problemloses Reponieren unmöglich. Somit habe ich, nach Abstrahlen der Fragmentbruchfläche mit CoJet-Pulver und nachfolgender Ätzung und Konditionierung (Scotchbond Universal SCS) in der Mitte des Zahnes, nach Konditionierung desselben, in der Mitte und über das Ultrablend einen kleinen „Hügel“ aus einem stopfbaren Frontzahnkomposit (Enkel HFO, UD3) aufgebracht. Vor dem Reattachment habe ich die distalen und mesialen Bruchränder des Fragmentes mit einem Flow-Komposit bestrichen und dann das Fragment zurückgesetzt.

Durch visuelle Kontrolle war es im Folgenden möglich das Fragment mit einem großen Kugelstopfer so im Raum auszurichten, dass die Inzisalkantenhöhe und die vestibuläre und palatinale Kronenflucht von Fragment und Restzahn übereinstimmte. Aufgrund der großen Mengen fehlender Schmelzanteile war ein einfaches Aneinanderfügen nicht möglich. Nach initaler Aushärtung konnten nun die noch palatinal und bukkal bestehenden Fugen mit dem Flow-Komposit gefüllt werden. Dieses zweizeitige Aufbringen des Flow-Kompsites verhinderte extreme Überschüsse im Approximalbereich.

Abschliessend wurden die Überschüsse entfernt und die Kopmositmassen poliert.

Der einzige Wermutstropfen: Die kleine Schmelzaussprengung am 11 habe ich erst beim Sortieren der klinischen Bilder bemerkt. Diese wird bei der ersten Kontrolle in SÄT ergänzt.

Bleibt zu hoffen, dass mein persönlicher Appell beim offensichtlich risikofreudigen Patienten ein wenig Anklang gefunden hat und wir in absehbarer Zeit keine weiteren Unfälle versorgen müssen.

Die Mutter aller Perforationen -Recall nach 62 Monaten

Vor ein paar Wochen (in Wirklichkeit war es, wie ich soeben gesehen habe im November 2019, erschreckend wie die Zeit dahinrast) hatte ein Kollege in den Kommentaren gefragt nach der gegenwärtigen Situation, den „Die Mutter aller Perforationen“- Fall betreffend.

Zur Erinnerung .
So sah es damals aus.

Heute war die Patientin da.
Recall nach 62 Monaten.

Der Zahn ist klinisch absolut unauffällig. Die Sondierung der Taschentiefen ist an allen 6 Messpunkten 2 mm oder weniger, Lockerungsgrad 0.
Ich buche das Ergebnis als vollständige knöcherne Regeneration in einem Fall, der von vermutlich 98% alle Kollegen (m/w/d) als zwingend eine Extraktion zuzuführend eingestuft worden wäre.

Und weil ich heute bei WURZELSPITZE Plus einen weiteren Beitrag zum Thema „Wirtschaftlichkeitsprüfung“ eingestellt habe – wäre es nicht fair, der Patientin gegenüber, wenn diese nun das GKV – Honorar für die Kassen-Endo überwiesen bekäme ? Für welche sie vor 5 Jahren in Vorlage getreten ist ?

Prätherapeutisches Röntgenbild 28.01.2015
WF- Kontrolle 05.05.2015
Recall 62 Monate 18.06.2020

und wieder ein Recall

Diesen Fall haben wir hier und hier vorgestellt.

Zufällig habe ich von den Patienten jetzt ein DVT- Recall und kann den Zahn 21 zum Ausgangsbild vergleichen, da er am Rand des Aufnahmezylinders noch abgebildet ist. Die 3D-Aufnahme wurde für den Zahn 24 angefertigt.

Der Erhaltungsversuch des Zahnes 21 ist für uns schon fast experimentell gewesen. Deswegen freuen wir uns über jedes weiter Jahr im Patientenmund.

Kurz berichtet – Apikale Aufhellung – (quasi) ausgeheilt nach MTA-Apexifikation

Von Christoph Kaaden

 

Als wir den Patienten für gut einem Jahr das erste Mal sahen hatte dieser bereits eine beträchtliche Leidensgeschichte mit zahlreichen Behandlungsterminen inklusive Abszess an Zahn 15 hinter sich.

Diagnose Aufnahme (alio loco)

Masterpoint-Aufnahme (alio loco) mit überextendiertem Guttaperchapoint

So stellte sich der (offenen gelassene) Zahn bei uns in der 3D-Diagnostik dar:

In insgesamt drei Behandlungsterminen (1h-0,5h-1h) haben wir dann zum Ende das weit offene Formamen apicale mit MTA verschlossen.

MTA Angelus zum Verschluss des weit offenem Apex

Das weitere Procedere waren Backfill mit Guttapercha und Sealer sowie adhäsiver Verschluss der Zugangskavität.

Post-OP

Ein Jahr später stellt sich die Situation wie folgt dar:

Ein Jahr post-op

Prä-OP vs. 1 Jahr post-op

Es scheint im 2D-Röntgen, als wäre die apikale Aufhellung (quasi) ausgeheilt, oder?

 

 

Kurz berichtet – Apikale Aufhellung – ausgeheilt nach Zirkonstift-Revision

Von Christoph Kaaden

Vor gut einem Jahr stellte sich der damals 33-jährige Patient erstmals bei uns vor. Eine Woche zuvor hatte er einen submukösen Abszess ausgehend von Zahn 11 entwickelt. Dieser war mittels Inzision und Antibiose alio loco therapiert worden.

Die weitere Anamnese ergab, dass der junge Mann im Jahr 2003 ein Frontzahntrauma (genaue Diagnose unklar) erlitten hatte. In der weiteren Folge musste daraufhin eine endodontische Behandlung durchgeführt werden.

Präoperative Röntgenaufnahme (alio loco) zeigt eine apikale Parodontitis an Zahn 11   

Klinisch stellte sich die Situation von palatinal so dar:

Blick auf palatinale Kavität mit exponiertem Zirkonstift

In zwei Terminen erfolgte von uns  eine Revisionsbehandlung (Dauer 2x1h).

Die Apikalregion wurde aufgrund eines entsprechenden Durchmessers (> ISO 060) mittels MTA verschlossen; anschliessend folgten das Backfill mit Guttapercha & Sealer sowie  die adhäsive Befestigung eines Glasfaserstiftes mit Verschluss der Zugangskavität.

Post-OP Aufnahme

Post-OP

Ein Jahr nach Abschluss der Behandlung sieht es so aus, als wäre die Therapie erfolgreich gewesen:

Ein Jahr post-op

Prä- vs. ein Jahr post-op

 

Notwendigkeit von 3D-Röntgen im Frontzahnbereich ? (Teil 5)

Letzte Woche haben wir uns das DVT zum Fall angeschaut.
Hier nun, in umgekehrter Reihenfolge zum etablierten Vorgehen, der prätherapeutische Zahnfilm.

Ich oute mich jetzt.
Obwohl ich es aus dem DVT schon weiss, würde ich den riesigen Seitenkanal nach mesial hin an Hand des Zahnfilmes nicht vermuten. Wenn man ´s weiss, dann kann man gegebenenfalls etwas ins Bild hineininterpretieren. Aber ohne dieses Wissen aus dem DVT heraus ? Ich würde mich hüten, eine solche anatomische Struktur in das Röntgenbild zu wahrsagen.

Was uns zur entscheidenden Frage führt.
Wie therapieren ?

Konkret, wie mache ich die WF, mit MTA, klar, um der großen apikalen Läsion und dem großen Foramen apicale (Überpressungsgefahr) einerseits, was aber, andererseits um dem Seitenkanal (Verblockungsgefahr durch MTA) gleichermaßen gerecht zu werden ?

Und weil ´s so schön zum Thema passt.
Heute, erster Tag nach dem Brückentags-Urlaub. Der nächste OK-Frontzahn.

Zufallsbefund im OPG.
Tochter eines befreundeten Ehepaars, 20 Jahre alt, Fragestellung Notwendigkeit Sapientenentfernung. Zweitmeinung.

DVT machen ?
Ja oder Nein ?

Update Aerosol-Schutz OPM

Hier noch mal zur Erinnerung.
So fing es an.
Aus der Not heraus.

Wir schützten, um eine Corona- Virus Infektion zu verhindern, das Risiko zu minimieren, unsere Augen mit Gesichtsschilden Schutzbrillen, teilweise an Taucherbrillen erinnernd.

Nur beim Arbeiten am Dentalmikroskop waren wir diesbezüglich weitestgehend ungeschützt.

Ein Unding.
Eine Lösung sollte her. Tomas Lang machte es vor. Ein Plexiglas- Schild, mit Klebeband an den Okularen befestigt.

Gute Idee.
Allerdings nutzen wir einen bioklaren Mitbeobachtertubus an unseren Dentalmikroskopen. Für die Assistenz. Die demnach ebenfalls dem aus der zahnärztlichen Behandlung resultierenden Spraynebel angesetzt ist, zwangsläufig nahekommt.

Eine eigene Lösung musste her.
Und was als Proof of Concept begann, ist mittlerweile in der 4. Generation angekommen.
Kontinuierlich, von Version zu Version weiterentwickelt.

Das Resultat.
Ein Aerosol- Schutz für Assistenz und Behandler gleichermaßen.
Zusammengesteckbar wie Lego Technic.

38 Einzelteile.

Der Druck der 3D – Teile dauert rund 19 Stunden.
Die Montage?
Am Strahlenteiler des Mikroskops befestigt.
Dauert eine Minute.

Das Resultat?
Ein Schutz für Assistenz und Behandler.
Und jeder lässt sich unabhängig voneinander ins Arbeitsfeld hinein- oder hinausschwenken.
Denn machen wir uns nichts vor.
Schutzschilde, Schutzbrillen sind nervig. Insbesondere, wenn der Schutz, wie beim Mikroskop objektnah angebracht werden muss. Und damit die Effizienz einer langjährig eingeübten 4 oder 6 händigen Choreographie kompromittiert.

Damit der Schutz also kein ungeliebter und nur geduldeter wird, sollte er das gewohnte Arbeiten so wenig wie möglich stören. Daher meine Idee mir dem Einschwenken. Solange mit Spraynebel gearbeitet wird, klappen wir die Visiere nach unten. Für das eigentliche endodontische Arbeiten, weil spraynebelfrei, klappen wir den Schutz nach oben.

Nachfolgend ein paar Fotos.

Sturz im Bad (II)

Von Christoph Kaaden

Vor einiger Zeit habe ich hier von Magdalena berichtet.

Leider kam es auch in diesem Fall nach circa zwölf Wochen zu einer Pulpanekrose an Zahn 11. Begünstigend hierfür war die zusätzliche vormalige unkomplizierte Kronenfraktur des Incisivus.

Osteolyse im Bruchspalt – Rö-Aufnahme alio loco

Das weitere Procedere erfolgte wie hier kürzlich vorgestellt.

MTA zum Verschluss des Neoapex

Abschluss-Aufnahme

Das nächste Recall ist in drei Monaten vorgesehen. Die Schienenentfernung ist nach insgesamt vier Monaten Tragedauer vorgesehen. Zahn 21 reagiert aktuell positiv auf Kältereiz.

Wir werden sehen, wie es weitergeht…

Plasmozytom / multiples Myelom

In dem zuletzt beschriebenen Fall hat mich das OPTG mit den entfernten Osteosyntheseplatten und Schrauben an einen früheren Patientenfall erinnert.

Deshalb möchte ich den hier kurz vorstellen.
Der Patient war 65 Jahre und in einer Röntgenaufnahme (OPTG) konnten wir uns unbekannte Veränderungen erkennen. Diese konnten wir nicht zuordnen.

In diesem Fall haben wir uns auf das Fachwissen eines von mir sehr geschätzten Kollegen verlassen, Thomas Weber, Autor des Memorix Zahnmedizin.
Thomas hatte bei dem Bild den Verdacht, daß es sich um ein Plasmozytom handeln könnte. In der Röntgenauswertung mit dem Patienten haben wir auf die Veränderungen hingewiesen und auf die Möglichkeit der Erkrankung hingewiesen. Der Patient wusste dies bereits. Die Diagnose lautete: Plasmozytom, bzw. multiples Myelom, Stadium III.

Komplikationen sind pathologische Frakturen:
Bei pathologischen Frakturen handelt es sich um spontane Brüche, die durch den „Knochenfraß“ der Plasmazellen verursacht werden. 
So kann ein plötzlich einsetzender Schmerz Zeichen von einem Wirbelkörperbruch sein. Die Osteolysen sind Folge der Abgabe von Botenstoffen durch die entarteten Plasmazellen. Diese regen die die Osteoklasten an.

Dies ist im OPTG zu erkennen.

 

 

 

Notwendigkeit von 3D-Röntgen im Frontzahnbereich ? (Teil 4)

Okay, diesmal machen wir es umgekehrt.
Ich zeige zunächst das DVT, erst in einem späteren Beitrag den Zahnfilm.

Schmerzpatient von Freitag mittag.
Der Anruf kam am Morgen.

Ich kenne den noch jungen Mann, mittlerweile Mitte Zwanzig, seit Kindertagen.
Er hat auffällig früh sich schon die Zähne stark abradiert, eine merkwürdige Schmelzerosion der Palatinalflächen der Oberkieferzähne kam hinzu, kariesfreie Front, Zustand nach KFO, seit ein paar Jahren trägt er eine Aufbissschiene.

Jetzt klagt er über starke Schmerzen in der letzten Nacht, das Zahnfleisch sei geschwollen und ein gelbes Bläschen habe sich gebildet, so die Auskunft am Telefon.

Wir sind dicht, was unsere Termine angeht, nächste Woche arbeiten wir nur Montags, dann 3 Brückentage, im Juli steht der Sommerurlaub an, freie Plätze im Bestellbuch sind nicht vorhanden, zumindest extreme Mangelware.

Wir bestellen den Patienten nach offiziellem Behandlungsende ein.
Zahn 12 und Zahn 11 sind klopfempfindlich, Zahn 12 reagiert sensibel auf den Kältetest, Zahn 11 nicht. Die Gingiva in regio 11 zeigt ich hyperplastisch geschwollen, die Palpation bringt ein Fistelbläschen zum Platzen, es entleert sich ein wenig Eiter.

Ich fertige einen Zahnfilm an, der meine Vemutung stützt, dass der vorliegende Entzündungsprozess vom Zahn 11 ausgeht. Brauchen wir ein DVT ? Eigentlich nicht. Zumal es heute ja nur darum geht, Schmerzfreiheit für das Wochenende und gegebenenfalls darüber hinaus herzustellen. Wir wollten doch alle schon längst auf dem Sprung nach Hause sein.

Ich veranlasse es trotzdem.

Das Ergebnis sieht man nachfolgend.
Therapievorschläge?
Zu erwartende Schwierigkeiten und diesbezügliche Lösungsansätze?

DVT- („Zufalls“)-Recall

von Jörg Schröder

15 Monate nach Abschluss der endodontischen Behandlung der Zähne 16 und 17 -beides Mal Erstbehandlungen nach Pulpanekrose- stellte sich die Patientin aufgrund weiteren Klärungsbedarf in den Quadranten 2, 3 und 4 zur Beratung bei mir vor. Vor prothetischer Neuversorgung sollten die periapikalen Verhältnisse an den beschwerdefreien Zähnen 25,26,35,36 und 45 geklärt werden, die allesamt endodontisch behandelt waren.

Zu den regulären Recall-Terminen 6 und 12 Monate postoperativ war sie nicht erschienen. Die prothetische Neuversorgung war jedoch im rechten Oberkiefer bereits erfolgt. Schön, wenn die überweisenden Kollegen Vertrauen haben. ;)

Neben den ausgedehnten periapikalen Aufhellungen an Zahn 17 mit begleitender aktiver Fistelung imponierte vor allem eine große Perforation des Pulpakammerbodens an Zahn 16.

Nach zweizeitiger Behandlung (präendodotischer Aufbau, Perforationsverschluss mit kollagenem Widerlager und MTA, schall- und laserunterstützter Irrigation, Obturation mit Guttapercha und biokeramischem Sealer) stellte sich die postoperative knöcherne Situation 15 Monate später an 17 geradezu überraschend gut dar. Nur apikal des 16 zeigt sich im Bereich der apikal konfluierenden Kanälen MB1 und MB2 der Parodontalspalt noch geringfügig verbreitert.

Erstaunlich in welch kurzer Zeit die knöcherne Regeneration ablaufen kann.

 

„Guided“ geplant und „Guarded“ gemacht

von Jörg Schröder

Wer jemals das zweifelhafte Vergnügen hatte einen extrem obliterierten Frontzahn endodontisch behandeln zu müssen, weiss die Vorteile der geführten/navigierten Aufbereitung zu schätzen.

Vorbei der erhöhte Pulsschlag und die Sorge, ob die eingeschlagene Achsenrichtung wohl die richtige sein wird. Keine Zwischenstopps um die Lage des Instrumentes hinsichtlich der Zahnachse zu kontrollieren. Kein Rätselraten, wo denn jetzt ein kleiner Pulpahohlraum sein könnte.

Voraussetzung für die Erstellung der Bohrschablone ist neben einem präoperativem DVT, welches den gesamten Zahnbogen abbilden kann, eine Präzisionsabformung oder ein intraoraler Scan der Zahnmorphologie und der Zugang zu einer Planungssoftware, mit der die Modelldaten und die DVT-Daten gematcht (überlagert) werden können.

Ein Intraoral-Scanner ist dabei nicht zwingend notwendig. Nach Aussage von Jürgen Mehrhof, Berlin, dem ich an dieser Stelle ganz herzlich für seine tolle Unterstützung bei Planung und Erstellung der Bohrschablone danken möchte, ist es sogar so, dass extraorale Scans mittels Streiflicht-Scanner genauere Ergebnisse bringen, als intraorale Scans. Das vereinfacht die Herstellung der Schiene ganz erheblich, da der Aufwand für eine genaue Abformung der Aussenkontur der Zähne auch in einer auf Endodontie limitierten Praxis keine allzu große Hürde darstellt.

Um eine möglichst lagestabile Positionierung der Bohrschablone zu gewährleisten und das Überlagern der Modell- mit den DVT-Daten zu erleichtern, ist es ratsam, alle Zähne des  jeweiligen Kiefers abzuformen/abzubilden.

In der jeweiligen Planungssoftware – ich habe auf Jürgens coDiagnostiX-Software zurückgreifen dürfen – sind sowohl die STL-Daten des Bohrers als auch der Führungshülse hinterlegt und können entsprechend der Notwendigkeiten ausgerichtet werden. Die Schablone wurde anschliessend im 3D-Druckverfahren hergestellt und zeigte bei der Einprobe eine hervorragende Passung.



Nach der Einprobe der Schablone wird die Position der Trepanationsöffnung am Zahn markiert, indem die Bohrerspitze in Kariesdetektor getaucht wird und nach Einführen in die Führungshülse eine, wenn auch mitunter schwache, Farbmarkierung auf der Zahnoberfläche hinterlässt. Diesen Tipp verdanke ich Thomas Connert vom Zahnunfallzentrum in Basel, der die „Guided Endo“ massgeblich mitentwickelt hat.

Anschliessend wird die Zugangskavität bis ins Dentin hinein ausgedehnt, da der Bohrer nicht für das Durchdringen von Zahnschmelz und Restaurationsmaterialien geeignet ist.

In nachfolgendem Fall kam es allerdings trotz perfekter Vorbereitung anders als geplant.

Nachdem ich das präoperative Einzelbild und das daraufhin angefertigte DVT beurteilt hatte, war ich mir sehr sicher, dass es keinen Sinn macht, einen regulären Aufbereitungsversuch zu unternehmen. Die Lage der alio loco angelegten Zugangskavität war mir zudem ein mahnendes Zeichen.

Mein Weg zur Entscheidung:

  • Klinische Inspektion und Befunderhebung, Beurteilung des nach der vor 3 Jahren erfolgten Behandlung des 21 vorhandenen Einzelbildes (starke Obliteration), Beurteilung des aktuellen Einzelbildes,
  • Einschätzung des regulären Vorgehens als stark risikobehaftet mit Gefahr von Perforation und/oder starken Hartsubstanzverlust bei abgebrochenem Aufbereitungsversuch.
  • Sorge der Patientin, nach der alio loco durchgeführten erfolglosen Wurzelspitzenresektion an Zahn 21 und dem erheblichen therapeutischem Aufwand der Revisionsbehandlung  bei Misslingen der Aufbereitung an Zahn 11 eine ähnliche Situation zu erzeugen.
  • Wunsch der Patientin nach der vorhersagbarsten Therapieoption.
  • Beurteilung des aktuellen DVT.

Daher wurde bereits das präoperativ angefertigte DVT im Volumen so gewählt, dass es für „Guided Endodontics“ geeignet wäre. (8×4 cm). Dann erfolgte die Abformung des Oberkiefers mit gestopptem Löffel und einem additionsvernetztem Silikon.

Nach der Entfernung des semipermanenten temporären Verschlusses (weichbleibendes lichthärtendes Füllungsmaterial) konnte das ganz offensichtlich CHKM enthaltendes Wattepellet entfernt werden.

Nachdem die Pulpakammer in pinselnder Weise mit Munce-Burs bearbeitet worden war, konnte ein winziges Areal visualisiert werden, dass die für obliterierte Kanalhohlräume typische helle Zeichnung aufwies.

Zwar gelang das Eindringen des Microopeners nur für einen knappen Millimeter, jedoch war der Entschluss nun schnell gefasst, zunächst das Standard-Vorgehen für obliterierte Kanäle anzuwenden. Zwar wäre die schablonengessützte Variante schneller gewesen, allerdings auch aufgrund der nach distal und palatinal verlaufenden Wurzelkrümmung mit unnötigem Hartsubstanzverlust verbunden gewesen. Immerhin hat der von der Firma Steco angebotene Endo-Seal-Bohrer einen Durchmesser von 1,0 mm.

Und so geschah, was ich beim Anblick des kleinen hellen, mit Dentin-Spänen gefüllten Kanalresthohlraumes „befürchtet“ hatte. Die Schablone blieb ungenutzt.

Bestärkt hat mich der Umstand, dass ich mit dem händisch unter Schablonenführung eingebrachten Endo-Seal-Bohrer in der Lage war, eine zylindrische Vertiefung einzuarbeiten, in deren Mitte der vermutetet Originalkanal lag. Der “ Proof-of-Concept“ machte es mir leichter, zunächst zu versuchen, den Kanal im Standardverfahren zu erweitern.

Das abwechselnde Einsetzen von ProFiles 15/04, 20/04 und 15/06 bis zum Erreichen der im DVT ermittelten Arbeitslänge gelang mit einiger Mühe. Wichtig zu erwähnen scheint mir, dass sobald die 15/04, seltener die 20/04 aber fast genauso häufig die 15/06  bereits mehrere Millimeter erschliessen konnte, diese gegen eine fabrikneue ausgetauscht wird. Das Voranschreiten der Aufbereitung wird geschmeidiger und vor allem sicherer vorangehen.

War die Planung übertrieben? Hätte man es nicht erst einmal „ohne“ versuchen sollen? Können vielleicht. Was jedoch, wenn es dann in der Mitte der Wurzel nicht mehr weiter geht? Risiko nehmen? Abbrechen und „Guided Endodontics“ vorbereiten? Oder besser entspannt die Schablone nutzen?

Eine Frage, die für mich auch von der generellen Praxisausrichtung abhängt. Spezialisiert arbeitend soll bei mir der erste Versuch funktionieren. Denn die Kosten für ein zweizeitiges Behandeln sind unterm Strich letztlich höher als die Single-Visite-Variante. Die Patienten soweit zu informieren, dass sie ihre Entscheidung treffen können ist das Ziel jeder Erstberatung.

Kleiner, aber angenehmer Nebenbefund:

Die hier auf Wurzelspitze bereits gezeigte Behandlung des 21 scheint auch im DVT zu einer fast vollständigen Ausheilung des in 2017 präoperativ durchaus beeindruckenden apikalen Pathologie geführt zu haben. Beim Vergleich der beiden DVT zeigt sich die höhere Detailgenauigkeit des X800 M.

 

 

 

 

 

 

 

 

Was nun ?

Die Sonne scheint.
Die Vögel zwitschern.

Wir – die Deutschen – sind  gerade noch mal so dem Tod von der Schippe gesprungen Freuen uns des Lebens.  Geniessen nun in vollen Zügen die zurückgewonnene Freiheit in dem wir – alle gute Sitten und Ratschläge ignorierend – unseren lange eingesperrten Wünschen und Trieben ungezügelten und freien Lauf lassen.

Alles gut also.
„The futures so bright i gotta wear shades“ Hurra, der lange vermisste gesunde Selbstüberschätzungs- Optimismus ist zurück.  Deutschlandweit. Wir sind wieder wer. Pandemie- Besieger.

Und trotzdem  – oder vielleicht gerade deshalb haben wir uns entschieden, unser für den 12. September geplantes Event „Die 3 reden über…“ auf zunächst unbestimmte Zeit zu verschieben.

Warum?

Ganz einfach.
Weil wir nicht möchten, dass sich auf dieser, auf unserer Veranstaltung jemand mit dem SARS-CoV2 –  Virus infiziert. Und gegebenenfalls Schaden nimmt. Uns ist das Risiko zu groß, bei  60 – 80 – 100 Personen im Saal (ja, das ist eine Zahl an Interessierten mit der wir – man nenne uns naiv-optimistisch oder aber auch blauäugig verträumt – gerechnet haben)  eine Infektion voranzutreiben mit allen negativen Ereignissen, die sich daraus ergeben können.

Und ganz egal, wie positiv gegenwärtig die Corona-Situation in der Öffentlichkeit dargestellt wird (ein Schelm, der Arges denkt) ich befürchte spätestens für den September und Oktober ein Wiederaufflammen des Infektionsgeschehens in Deutschland und zwar in deutlich größerem Maße als wir es bisher hatten. Und da wir mittlerweile ziemlich sicher wissen, dass die größte Infektionsgefahr von Menschen ausgeht, die noch keine Symptome zeigen und ein einziger Superspreader um die 100 Personen locker anstecken kann, ist uns das Risiko zu groß. Und daher sagen wir ab.

Was schwerfällt, weil ich nachwievor überzeugt bin, das das von uns geplante Format so viel mehr Info und Nutzen für den Zuschauer bringen wird als die bekannten und etablierten Veranstaltungen, daß es fast schon unsere Pflicht wäre, es aus der Taufe zu heben.

Aber – gegenwärtig es ist alles im Wandel.
Auch in der Zahnmedizin.

Wird es nächstes Jahr die IDS geben ?
Wer wird hingehen ?
Was ist mit der DGET Jahrestagung ?
Brauchen wir gegenwärtig , brauchen wir überhaupt noch Präsenzveranstaltungen?
Oder ist es nun an der Zeit, Online – Fortbildungen als Standard zu etablieren ?

Was nun?
Ich weiss es nicht. Nur, das es sinnvoll  ist, weiter geduldig abzuwarten, zuzuschauen, Informationen zu sammeln, die richtigen Schlüsse zu ziehen.

Sobald sich wieder Normalität abzeichnet, sind wir wieder auf Deck.
Ganz sicher.
Hoffentlich.

 

 

Mini-Molar 06/2020

Von Christoph Kaaden

 

Einen Mini-Molar wie hier oder hier hatten wir länger nicht.

Vor Kurzem war es dann aber mal wieder so weit:

Guttapercha-Stift im Fistelgang Zahn 15

Die maschinelle Präparation der Kanalsysteme erfolgte mit folgenden Instrumenten:

R-Pilot

Wave One Gold 20

RECIPROC blue 25

Für die Wurzelkanalfüllung im zweiten Termin haben wir BC Sealer und Guttapercha verwendet…

Masterpoint- und WF- Aufnahme 

Ich hoffe, der nächste Mini-Molar lässt nicht wieder so lange auf sich warten…

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Submuköser Abszess 33 (3)

Die Behandlung der Zähne 33-35 war endodontisch ohne großen Schwierigkeiten zu erwarten.
Der Patient hat eine posttraumatische Belastungsstörung. Dies äußerte sich, daß er in Ruhestellung, wie auf dem Behandlungsstuhl urplötzlich unruhige Phasen bekam, in dem der ganze Körper, einschließlich Kopf in sporadische Zuckungen verfällt.
Leider erfuhren und erlebten wir dies erst in der Behandlung.
Dies bereitete große Probleme bei der Aufbereitung, der Wurzelfüllung und dem anschließenden postendodontischen Aufbauten der Zähne.

Nach der Initialbehandlung von 33 waren weitere neue Fistelungen im Bereich 34 und 35 erkennbar.

Die anschließende Initialbehandlung an 34 und 35 führten ebenso zu keiner Verringerung der chronischen Abszessbildung. 34 und 35 zeigten eine nekrotische Pulpa.
Trotzdem vermutete ich in diesem Behandlungsabschnitt bereits, daß es eine andere Ursache für die multiplen Fisteln geben musste.
Als Ursache kamen die Osteosyntheseplatten oder Schrauben in Frage. Dies ließ sich mit Guttaperchapoints auch röntgenlogisch darstellen.
DerLockerungsgrad am Zahn 34 verringerte sich nicht nach der Aufbereitung des Wurzelkanalsystems. Das apikale Foramen war stark erweitert als Zustand nach einer externen apikalen Resorption.
Eine regenerative Therapie kam auf Grund der Plaqubelastung nicht ernsthaft als Therapieansatz in Frage. Wir haben 34 apikal mit MTA gefüllt um eine ggf. mögliche apikale Kürettage/ Resektion bei der Entfernung der Osteosyntheseschrauben als Option offen zu lassen. Das MTA ließ sich nur schwer nach apikal transportieren auf Grund der Eigenbewegung des Patientenkopfes.

Im Anschluß wurden die Osteosyntheseplatten und Schrauben chirurgisch entfernt. Die lange Verweildauer von mehr als 20 Jahre machte dies chirurgisch zu eine Herausforderung, wie mir der Oralchirurg berichtete. Die chronische Abszedierung war mit der Entfernung verschwunden. Als Ursache sind die gelockerten Osteosyntheseschrauben anzusehen.

Die Plaquebelastung war nach mehrfachen Hinweisen deutlich reduziert.
Zahn 34 zeigt einen geringeren Lockerungsgrad (I-II).

Notwendigkeit von 3D-Röntgen im Frontzahnbereich ? (Teil 3)

Wesentlich später als anvisiert erschien die Patientin wieder bei uns in der Praxis.
Statt 16 Wochen dauerte es 7 Monate, bis die Patientin sich wieder vorstellte, ein coronaproventionsbedingter Monat allerdings miteinbezogen.

Ich war nicht undankbar für diese Zeitspanne, würden sich doch ossäre Regenerationsprozesse, sofern vorhanden, deutlicher zeigen. Im negativen Fall könnte man leichter die Entscheidung für eine chirurgische Interventation fällen.

Der Kontrollzahnfilm war jedoch eher enttäuschend.
Man könnte eine gewisse Verbesserung hineininterpretieren, eindeutig ist jedoch anders.

Wie weiter verfahren ?
Mit der WF fortfahren ?
In guter Hoffnung ? Aber doch ins Blaue hinein ?
Oder einfach weiter zuwarten ?
Wie lange noch ?

Ich entschloss mich für eine (hoffentlich aussagekräftige) Verlaufskontrolle mittels DVT.

Das Ergebnis, im nachfolgenden Video präsentiert, übertraf meine Erwartungen.

Eine für die Kürze der Zeit beeindruckende Knochenregeneration und vor allem die Neubildung der vestibulären Knochenlamelle machen Mut, belegen auf der einen Seite den positiven Stellenwert des DVT ´s, andererseits offenbart der röntgenologische Systemvergleich die diagnostischen Defizite konventioneller 2D- Röntgentechnik.

Frontzahntrauma – erstes Recall

von Jörg Schröder

Anfang dieses Jahres hatte ich über diesen suboptimal erstversorgten 11 und seinen dislozierten Nachbarn Zahn 21 berichtet.

Fraglich war, ob die Pulpa von Zahn 11 nach Dislokation und undichter „Erstversorgung“ mittels Pulpotomie vital erhalten werden kann. Auch Zahn 21 – nach unkomplizierter Kronenfraktur und lateraler Dislokation – wurde hinsichtlich der Überlebenschancen der Pulpa als gefährdet eingeschätzt.

Durch den elektrische Sensibilitätstest, im Jahr 2020 immer noch nicht Standard in den meisten Praxen, konnte in vorliegendem Fall die Erholung der pulpalen Gewebe gut nachvollzogen werden.

Die zur Erzielung einer positiven Reaktion auf den elektrischen Reiz benötigte Reizintensität sank innerhalb des ersten halben Jahres nach der Behandlung in unserer Praxis auf fast normale Werte.

Die Skala des von mir eingesetzten Elements Dignostic Unit reicht von 0 bis 80. Unverletzte und unrestaurierte Frontzähne reagieren bei Kindern und Jugendlichen üblicherweise innerhalb eines Bereiches zwischen 5 und 25. Nachdem der initiale Wert kurz nach dem Unfall für 21 bei 64 gelegen hatte, reagierte er 6 Monate nach der Zweitversorgung bereits, wie die Zähne 12 und 22 bei Werten von 25 -27.

Das nächste Recall in 6 Monaten wird zeigen, ob sich der gute Anfangsverlauf fortsetzen wird.

Gedanken zum Wochenende – It s not about the money, but…

Unser Steri war kaputt.

Genauer der eine der 2. Melag Steris, die wir betreiben.
Beide werden validiert.
Und vorher gewartet.

Früher haben  wir so ein Gerät solange betrieben, bis es defekt war, dann reparieren lassen.

Das geht heute nicht mehr.
Heute MUSS validiert und gewartet werden.
Kaputt gehen die Geräte trotzdem. Beide Steris zeigen, ca. 3 Monate nach Wartung fast zeitgleich die exakt gleiche Fehlermeldung.

Der Mann vom Dentaldepot kommt.
Repariert vor Ort. Tauscht Teile aus. Einen Wasserfilter. Und ich frage mich, warum diese nicht im Rahmen der Wartung getauscht werden.

Egal.
Die Geräte laufen.

Allerdings nicht lange.
Bei Gerät 1 erscheint die gleiche Fehlermeldung fast unmittelbar danach wieder.

Anruf beim Depot.
Dann muss Gerät 1  abgeholt werden.

Gesagt, getan.

Geschätzt 6 Wochen später kommt das Gerät wieder.
Und eine Rechnung fürs Abholen und Bringen. Jeweils 152 Euro.
Mainz ist 40 km entfernt.
Fahrtzeit 30 Minuten. Insgesamt also 1 Stunde. 304 Euro. Das Aufstellen dauerte 2 Minuten.  Sagen wir 5 Minuten.

Szenenwechsel.
Erneuerung einer Kunststoff-Restauration an Zahn 37 vor Endo. Großer Defekt, geringe interokklusale Distanz, schwierige Kontaktpunktgestaltung, sehr schwierige okklusale Verhältnisse, Behandlungszeit 75 Minuten.  Honorar 181 Euro.

Am Tag danach.
Gespräch mit einem Patienten, er hat eine Firma für EDV-Schulungen, wie kommen auf Corona zu sprechen, ich berichte von meiner Referententätigkeit im Bezug auf endodontische Curricula und Arbeitskurse. „Wie machen Sie das ?“ frage ich. Die Antwort. „Wir schulen jetzt online als Alternative zu Präsenzveranstaltungen.  Auch kombiniert, das heisst der Kunde kann wählen ob er vor Ort oder via Internet teilnehmen möchte.“

„Wird das angenommen ?“
„Ja, sehr.  Wir sind ausgebucht.“
„Und was zahlt der Kunde für die Kursteilnahme?“

„250 Euro für einen 2 Stunden – Kurs bei 10 Teilnehmern.
Pro Teilnehmer. Und dann noch ganz einfache Kurse, für Kunden, die gar keine Ahnung von EDV haben, wie man einen Browser bedient, so was in der Art, 150 Euro pro Stunde.“

Ich gehe gefrustet nach Hause.

 

 

 

Und wieder eine horizontale Wurzelfraktur

Von Christoph Kaaden

Der 10-jährige Joshua war Mitte März mit seinem Longboard gestürzt und hatte sich bei dieser Gelegenheit die Wurzel seinen rechten zentralen Schneidezahn frakturiert.

Die Erstversorgung inklusive Repositionierung und Schienung erfolgte alio loco.

Alio loco angefertigtes Röntgenbild nach Schienung des frakturierten Zahnes 11

Leider zeigten sich vier Wochen nach dem Unfall verschiedene Entzündungszeichen, die eine endodontische Intervention notwendig machten.

Beginnende Schwellung mit Rötung

Beginnende Osteolyse im Bruchspalt

 

Die Behandlung erfolgte zweizeitig. Der Neoapex wurde mittels MTA verschlossen.

In den weiteren Schritten erfolgte das Backfill mit Guttapercha und Sealer sowie der adhäsive Verschluss der Zugangskavität.

– Neoapex mit apikaler Blutung – MTA Verschluss – Guttapercha&Sealer-Backfill

Abschluss-Röntgenaufnahme

In drei Monaten ist die erste radiologische Nachkontrolle und die Schienenentfernung vorgesehen…

Ich werde berichten…

Submuköser Abszess 33 (2)

Wir haben uns für eine 3dimensionale Röntgendiagnostik entschieden. Die befürchteten Artefakte im DVT hielten sich in Grenzen.

Allerdings war die Beurteilung der apikalen Region am Zahn 34 schwierig. Durch die Osteosyntheseschrauben schien der Wurzelzement zumindest verletzt zu sein.
Die Lockerungsgrade und die parodontale Situation versprachen keine gute Prognose. Der Patient wünschte trotzdem einen Erhaltungsversuch.

Unsere Diagnose:  33, 34 P. apicalis, Z.n. Kieferfraktur mit Verdacht der Wurzelperforation nach Osteosynthesetherapie, 35 P. apicalis, biofilmassoziierte Gingivitis, P. marginalis adulta. VD Infektion nach Plattenosteosynthese durch Schraubenlockerung

Unser geplantes Vorgehen:
1. 33 endodontische Therapie, apikaler Verschluss mit PrRoot MTA
2. 34 endodontische Therapie, apikaler Verschluss mit PrRoot MTA, alternativ Extraktion. 35 endodontische Therapie

In Absprache mit dem betreuenden Kieferchirurgen wird die Entfernung der Osteosyntheseplatten nach der endodontischen Therapie eingeplant. Die weitere proth. Therapie wird in Absprache durch dem HZA erfolgen.

 

 

Notwendigkeit von 3D-Röntgen im Frontzahnbereich ? (Teil 2)

Im  vorliegenden Fall, hier besprochen, haben wir mit unterschiedlichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Zahnmedizinisch wie menschlich ist der Zahn eine Herausforderung. Zahnmedizinisch auf Grund der riesigen Knochendestruktion, das wahre Ausmaß offenbart die 3D DVT – Aufnahme. Dabei ist es nicht die bloße Ausdehnung alleine, vielmehr ist der Verlust der vestibulären Knochenlamelle das prognostisch Limitierende.

Zur Verdeutlichung der Situation, den Patienten gegenüber hat sich in vielen Jahren zahnärztlicher Tätigkeit der Vergleich mit einem Luftballon bewährt.

Ich erkläre die Situation wie folgt:

„Die vorhandene Entzündung hat die Tendenz, sich auszudehnen. Sie kennen das vom Insektenstich. Es bildet sich eine Schwellung aus. Wir haben es mit einer bakteriell bedingten Entzündung zu tun. Die im Zahn vorhandenen Bakterien und die Giftstoffe, die diese produzieren wandern durch den Zahn hindurch, treten im Bereich der Wurzelspitze aus dem Zahn heraus und bewirken eine Zerstörung des Knochens um die Wurzelspitze herum. Der harte Knochen wird durch ein weiches Gewebe aus Abwehrzellen ersetzt, eine natürliche Abwehrreaktion des Körpers. Im Röntgenbild sieht man dies ab einer gewissen Größe als dunklen Bereich, der im Laufe der Zeit zunimmt und immer größer wird.

Wie ein Luftballon, der immer größer wird, wenn man ihn aufbläst. Bis, wie in ihrem Fall zum Schluss ein riesiger Hohlraum und nur noch eine hauchdünne Hülle vorhanden ist.

Unser Ziel ist es, die Bakterien zu eliminieren.
Wenn uns das gelingt, dann schrumpft die Entzündung, fällt in sich zusammen wie ein Luftballon, aus dem man die Luft wieder herauslässt. Und wie ein riesiger Luftballon sich wieder zu einer winzigen Größe  zurückentwickelt, so wird die Entzündung ganz klein werden und anschließend sogar vollkommen verschwinden.

Das funktioniert sehr gut und auch bei sehr großen Knochendefekten vorhersagbar, solange die Entzündung noch vollständig von Knochen umgeben ist.

Wenn dies nicht mehr der Fall ist, dann ändert sich die Situation drastisch.

Genau wie beim prall gefüllten Luftballon, wenn man mit einer Nadel reinsticht.
Der Luftballon platzt und wir haben schlagartig ganz andere Voraussetzungen.

In ihrem Fall ist der stark angeschwollene Luftballon in ihren Kiefer geplatzt.
Die Aussenhülle, der Knochen fehlt.

Und damit fehlt die Voraussetzung für eine geordnete Rückbildung zum Ursprungszustand.

Das heisst nicht, dass es in ihrem Fall nicht doch vollständig heilen kann. Wir haben solche Abheilungen in der Vergangenheit immer wieder dokumentiert.

Aber – wir können keine Prognose abgeben.
Wir können es nur versuchen und abwarten, was passiert.

Letztendlich treffen Sie die Entscheidung, ob Sie einen solchen Versuch des Zahnerhaltes wagen wollen, oder ob sie sich von vorne herein gegen den Zahn entscheiden und für einen  Zahnersatz entscheiden.“

Es folgt die Aufklärung, die Behandlungsalternativen betreffend.

Was sind die Alternativen ?

Ich sehe sowohl die Implantation wie auch die WSR in der gegenwärtigen Situation als problematisch an.  Bei der Implantation ist die Ausgangssituation, den Knochen betreffend als ungünstig anzusehen.  Und die WSR birgt die Gefahr der Devitalisierung des Zahnes 12, der bislang sofort und eindeutig positiv auf den Sensibilitätstest mittels Kältespray reagiert.

Mein Ziel wäre es deshalb, durch eine Wurzelkanalbehandlung dafür zu sorgen,

das

  1. der Zahn im Mund bleiben kann
  2. Sie keine Schmerzen und keine eitrige Entzündung mehr erleiden.
  3. sich der Knochen vollständig oder zumindest teilweise wieder regeneriert. Auch eine teilweise Knochenneubildung wäre ein Erfolg, weil es die Chancen der Implantation erhöht und die Risiken der Wurzelspitzenresektion reduziert.

Wie die nachfolgenden Röntgenbilder zeigen, hat die Patientin sich entschlossen , den Versuch der Zahnerhaltes zu wagen.

Auch ich bin das Wagnis eingegangen, die Behandlung durchzuführen.
Wagnis nicht wegen des Falles, da hatte ich schon größere Defekte erfolgreich therapiert, sondern wegen der „besonderen“ Patientin, die uns im Falle des Scheiterns vermutlich die Hölle heiss machen würde.

Was, wenn sie Schmerzen oder einen erneuten Abszess bekäme?
In ihrem Urlaub, fernab der Heimat und unseren Zugriffsmöglichkeiten.

Wie würde Sie reagieren?
Und würde Sie sich noch an die Inhalte unseren langen Erstuntersuchung und unseres langen Aufklärungsgespräches  (allein über 30 Minuten für Letzteres) erinnern ?

Gäbe es Juristische Konsequenzen? Jameda Hass-Kommentare ?

Letztendlich verlief die Erstbehandlung unkompliziert, wenn man davon absieht, dass die Patientin ihre Termine wiederholt kurzfristig absagte oder verschob.
Oder nicht einhalten konnte.

Grundvoraussetzung für mich, eine Therapie solch großer bakteriell induzierter Knochendefekte betreffend, ist die lange Liegedauer der medikamentöser Einlage (16 Wochen)  Und für mich kommt aus der jahrelangen extrem positiven Erfahrung heraus hier nur Metapex in Frage. In der abschliessenden kritischen Bewertung werde ich zu gegebener Zeit ( der Fall ist noch nicht abgeschlossen, demnach keine Sonntags- Fall, im Gegenteil eine Trapeznummer- Endo (ohne Sicherheitsnetz) auf die „Zysten“ – Problematik und auf den Problemkreis „Extraradikuläre Infektion“ detailliert eingehen.

Bis dahin sei angemerkt, daß 7 Monate später sich die Patientin  erneut bei uns vorstellte.   Das angefertigte Kontrollröntgenbild zeigt bei optimistischer Interpretation einer Verbesserung der Knochensituation, diese Einschätzung ist vielleicht aber auch nur unserem Wunschdenken geschuldet.

Die Patientin war in all der Zeit beschwerdefrei.

Wie sollte man  weiter verfahren ?

p.s: In den Kommentaren tauchte die Frage auf, ob ich die Patienten in solchen Fällen über das Vorhandensein einer Zyste aufkläre.  Aus aktuellem Anlass kann ich an dieser Stelle anführen, dass es sich im vorliegenden Fall auf gar keinen Fall um eine Zyste handeln kann.

Woher ich das weiss?
Darüber hat mich der Kollege im Wirtschaftlichkeits-Beratungsgespräch Anfang März umfassend belehrt. Ich werde in einem weiteren Beitrag zur Wirtschaftlichkeitsprüfung nächste Woche berichten.

In four U.S. state prisons, nearly 3,300 inmates test positive for coronavirus — 96% without symptoms

(Reuters) – When the first cases of the new coronavirus surfaced in Ohio’s prisons, the director in charge felt like she was fighting a ghost.

“We weren’t always able to pinpoint where all the cases were coming from,” said Annette Chambers-Smith, director of the Ohio Department of Rehabilitation and Correction. As the virus spread, they began mass testing.

They started with the Marion Correctional Institution, which houses 2,500 prisoners in north central Ohio, many of them older with pre-existing health conditions. After testing 2,300 inmates for the coronavirus, they were shocked. Of the 2,028 who tested positive, close to 95% had no symptoms.

“It was very surprising,” said Chambers-Smith, who oversees the state’s 28 correctional facilities.

As mass coronavirus testing expands in prisons, large numbers of inmates are showing no symptoms. In four state prison systems — Arkansas, North Carolina, Ohio and Virginia — 96% of 3,277 inmates who tested positive for the coronavirus were asymptomatic, according to interviews with officials and records reviewed by Reuters. That’s out of 4,693 tests that included results on symptoms.

The numbers are the latest evidence to suggest that people who are asymptomatic — contagious but not physically sick — may be driving the spread of the virus, not only in state prisons that house 1.3 million inmates across the country, but also in communities across the globe. The figures also reinforce questions over whether testing of just people suspected of being infected is actually capturing the spread of the virus.

“It adds to the understanding that we have a severe undercount of cases in the U.S.,” said Dr. Leana Wen, adjunct associate professor of emergency medicine at George Washington University, said of the Reuters findings. “The case count is likely much, much higher than we currently know because of the lack of testing and surveillance.”

Some people diagnosed as asymptomatic when tested for the coronavirus, however, may go on to develop symptoms later, according to researchers.

The United States has more people behind bars than any other nation, a total incarcerated population of nearly 2.3 million as of 2017 — nearly half of which is in state prisons. Smaller numbers are locked in federal prisons and local jails, which typically hold people for relatively short periods as they await trial.

State prison systems in Michigan, Tennessee and California have also begun mass testing — checking for coronavirus infections in large numbers of inmates even if they show no sign of illness — but have not provided specific counts of asymptomatic prisoners.

Tennessee said a majority of its positive cases didn’t show symptoms. In Michigan, state authorities said “a good number” of the 620 prisoners who tested positive for the coronavirus were asymptomatic. California’s state prison system would not release counts of asymptomatic prisoners.

Each state manages multiple prison facilities. Ohio, for instance, has 49,000 prisoners in 28 facilities. A total 3,837 inmates tested positive for the coronavirus in 15 of those facilities. But the state has not yet provided results on symptoms for 1,809 of them and did not identify the total number of tests conducted across the prison system.

Arkansas and Tennessee have also taken a targeted approach by conducting mass testing in several of their facilities. Michigan, North Carolina, California and Virginia have started with one facility each.

Most state prisons did not provide the age or other demographic details of those who tested positive for the coronavirus, which has killed more than 200,000 people globally, including more than 53,000 in the United States.

Kurventechnik

von Jörg Schröder

Ein jeder von uns hat sicher eine oder mehrere Vorgehensweisen, wenn es um die mechanische Aufbereitung star und multiplanar gekrümmter Kanalsysteme geht.

Ich möchte heute eine meiner Techniken vorstellen.

Die Ausgangssituation:

Anbehandelter Zahn 26, nicht aufbereitete MB1 und MB2, Verdacht auf Perforation im Pulpakammerboden.

Im präoperativ angefertigten DVT konnte eine Perforation ausgeschlossen werden. MB1 und MB2 lagen weit mesial unter der medialen Randleiste. Die klinisch anzutreffende Situation – neben MB2 zeigte sich zunächst noch ein möglicher MB3 – war ebenfalls präoperativ zu erkennen. Ab dem oberen Wurzeldrittel konnte nur noch ein MB2 nach apikal verfolgt werden. Es lagen getrennte Foramina für MB1 und MB2 vor.

Mit diesen Eckpunkten versehen war meine Feilenabfolge klar:

ProFile 15/04, 20/04, 15/06 in 21 mm. Warum die kurzen? Die präoperativ bestimmte Arbeitslänge von 20,5 bis 21 mm kann mit diesen, verwendet man wie ich die Silikonstopps, nicht aufbereitet werden. Die kurzen Instrumente lassen sich besser in die Zugangskaität einbringen und können den initialen Kanalabschnitt der weit mesial gelegenen Kanäle MB1 und MB2 achsengerechter aufbereiten, als es mit den 4 mm längeren Feilen möglich wäre. Zudem habe ich eine bessere taktile Rückmeldung, wie sich das Instrument nach apikal vorarbeitet. Auf ein Scouten habe ich aufgrund des Ausschlusses einer lateralen Verzweigung oder einer Kommunikation verzichtet.

Nunmehr beobachte ich das Vorarbeiten der  Instrumente auf meine zuvor bestimmte Ziellänge. Ein Sicherheitsbehalt von je nach Fall 0,5 bis 1 mm ist dabei berücksichtigt. Praktisch bleibe ich vor der ersten endometrischen Messung mit einer ISO 008 der späteren Arbeitslänge bis zu einem Querschnitt von 20/04 fern.

Ist die Arbeitslänge bestimmt und mit einer PF 20/04 erreicht gibt es im Aufbereitungsweg eine Weggabelung: Geht die 27=4 und 15/06 geschmeidig auf die Arbeitslänge, so kommt  in den sehr gekrümmten Kanälen eine HyFlex 15/04 zum Einsatz. Warum keine 20/04 oder gar 25/04? weil die 20/04 ProFile keine  mit der HyFlex 20/04 identische Aussenmasse aufweist. Die ProFile 10/04 ist geringfügig schmaler. Also einen Schritt zurück und mit 15/04 HF auf Arbeitslänge. Dann 20/04 Hyflex. Geschmeidig auf Arbeitslänge?

Ja: 20/06 HF, 25/06 HF, 30/04 HF und 30/06 HF.

Nein: 25/04 HF, 20/06 HF, 30/04 HF, 25/06 HF, 30/06 HF.

Diese, an die „variable tip variable taper-Technik“ (die Älteren erinnern sich vielleicht noch) angelehnte Technik sorgt zusammen mit der Flexibilität der HyFlex-Instrumente dafür, dass die Originalkrümmung sehr gut behalten werden kann.

Bei dieser Art von Krümmungen – auch in DB gibt es apikal eine kleine rückläufige Kurve – ist zudem eine regelmässiges Rekapitulieren der Patency sinnvoll und wichtig. Mir reicht dazu eine ISO 008.

Die endometrische Anzeige, war bei DB bei der Vorbereitung der Messaufnahme nicht ganz reproduzierbar, da die als letzte eingeführte DB-Feile immer wieder Kontakt mirt den anderen, schon inserierten Feilen hatte. Nach erneuter Einzelprüfung wurde die AL um 0,5 mm verlängert und mehrfach endometrisch bestätigt. Den Unterschied erkennt man an DB zwischen der Messaufnahme und der Einprobe der Masterpoints.

 

 

Submuköser Abszess 33

Dem Patienten wurde angeraten sich bei uns vor zu stellen. Eine Überweisung hatten wir nicht.
Klinisch zeigte sich ein Zustand nach Inzision eines Abszesses Regio 32-34 mit Pusaustritt. Die Schwellung und die Beschwerden waren, laut Aussage des Patienten zurück gegangen.
Am Zahn 34 imponierte eine multiple Fistelung und im gesamten UK Bereich eine plaque-assoziierte Gingivitis.

Das OPTG zeigt mehrere Osteosyntheseplatten im Unterkiefer links. Diese wurden in Folge einer Unterkieferfrakltur vor 20 Jahren inseriert. Der Patient gibt ein Taubheitsgefühl in der Lippe bis zum Kinn ca. pflauemngroße Ausdehnung im Bereich des N. mentalis seit dem Unfall an. Röntgenbilder und Unterlagen zu dem Unfall waren nicht mehr auffindbar.

Die Sensibilitätsprüfung der Zähne 31-35 erfolgte elektronisch und auf Kälte. Die Ergebnisse waren durchweg negativ.
Die Zähne 32, 33, 35 zeigten erhöhte Sondierungstiefen und einen Lockerungsrad von I-II, 34 von II-III. Vor 2 Jahren wurde eine Osteosyntheseschraube Regio 33 von einem Oralchirurgen entfernt.

Und nun?

DVT – Stellen die Osteosyntheseplatten eine Artefaktgefahr dar, die die apikale Situation unzureichend darstellt?

Oder Probetrepanation?

 

Notwendigkeit von 3D-Röntgen im Frontzahnbereich ?

Ein Zahn 11.
Das Einfachste überhaupt.

Braucht´s überhaupt ein Röntgenbild???
Könnte man ketzerisch fragen.
Naja, zumindest kein neumodisches dreidimensionales für einen Routinefall wie ihn nunmal ein Oberkieferfrontzahn darstellt.

3D-Röntgen ist Übertherapie. Geldmacherei. Körperverletzung.

Das Dumme ist nur.
Wer dentale DVT´s von Berufs wegen immer wieder routinemäßig betrachtet und darüber hinaus nicht nur den zu behandelnden Zahn, sondern auch rechts und links davon schaut, der wird (eine adäquate Qualität des DVT´s vorausgesetzt) Tag für Tag eine Menge Dinge sehen, welche die konventionelle 2D- Röntgendiagnostik nicht erkennen lässt. Und das können auch jede Menge Besonderheiten oder therapierelevante Details sein an einem ach so einfachen mittleren Schneidezahn.

Apikale Aufhellungen, Wurzelresorptionen, Seitenkanäle. Und dann wäre noch die Frage der Behandlungsplanung, der prognostischen Einschätzung, unterschiedliche Therapiekonzepte betreffend.

Im vorliegenden Fall erlitt die Patientin, heute 28 Jahre alt, mit 8 Jahren einen Unfall.
Die letzten 20 Jahre blieb der Zahn klinisch unauffällig.

Vor ca. 5-6 Wochen Vorstellung beim Hauszahnarzt wegen vestibulärer Schwellung in Regio 11, 12. Dort erfolgte eine Inzision und eine antibiotische Abdeckung. Der parallel behandelnde Kieferorthopäde, bei dem die Patientin seit 3 Jahren mit einer Invisalign- Therapie anhängig ist, empfahl einen ortsansässigen endodontischen Spezialisten. Dieser riet zur Trepanation als zeitnahe Sofortmaßnahme (ein Urlaub, nicht des Behandlers, sondern der Patientin stand kurz bevor) und nachfolgender WSR.

Und jetzt (der Urlaubstermin und die damit verbundene Flugreise war noch näher gerückt) saß die Patientin (ein prototypisches Millenial-Exemplar, selbstbewusst, fordernd) bei uns zur Beratung.

Fordernd heißt in dem Zusammenhang, es handelt sich um eine Patientin, die jede Leistung und den garantierten Behandlungserfolg als selbstverständlich ansieht, aber wehe, es gestaltet sich nicht so, wie gewünscht, wie vorgestellt. Selbstverständlich möchte die Patientin auch auf die Minute genau drankommen, wenn sie selbst sich aber um 25 Minuten verspätet ist das lediglich einen knappen Nebensatz wert. Und natürlich ohne auch nur ein  floskelhaftes „Tut mir leid“. Wozu auch, tut es ja auch nicht, insofern konsequent.

So, das wär geklärt. Nur damit der werte Leser im Bild ist.

Wir betrachteten zusammen das angefertigte DVT.
Und ich gebe die Frage der Patientin an das Auditorium  weiter ?

Was tun?
Und worauf ist besonders zu achten?
Bei der Durchführung der Therapie, gegebenenfalls auch im Rahmen der Aufklärung vorab?

 

Unvollendete

von Jörg Schröder

Ein Patient, zwei Prämolaren mit unterschiedlicher Ausgangssituation.

Gemeinsamkeit bestand nur hinsichtlich der Anbehandlung in einer Universitätszahnklinik.

Während die beiden Kanalsysteme des 14 im koronalen Drittel instrumentiert waren, stellten sich die weiteren Kanalverläufe als multiplanar gekrümmt und extrem obliteriert dar.

Meine Lieblingsvorgehensweise: die beinahe schon antiquiert zu bezeichnenden ProFile-Instrumente in der Abfolge 15/04, 20/04 15/06. Nach Erreichen des Foramens erfolgte die finale Aufbereitung mit HyFlex CM. Da die erste Messaufnahme zeigte, dass das in P eingebrachte Instrument (bei mir in P oder L immer eine M2-Feile) bei der Aufnahme dissoziiert worden sein könnte, wurde eine zweite Aufnahme mit um eine ISO-Größe größerer ProFile angefertigt. Mehr Durchmesser, besserer Halt.

Auch 15 wies 2 Kanalsysteme auf. Die Obturation endete am Beginn der nach mesiopalatinal verlaufenden aikalen Krümmung. Angesichts der an dieser Stelle konferierenden Kanalsystem keine Überraschung, konnte doch der apikale Kanalabschnitt erst nach „Auflösen“ der Dentinbrücke zwischen B und P instrumentiert werden. Zudem wurde die Zugangskavität nach distal erweitert. Der ebenfalls stark eingeengte apikale Kanalabschnitt konnte so wiederum mit der ProFile-Sequenz aufbereitet werden.

Zuvor wurde der merkwürdigerweise nur in P vorhandene Thermafill-Carrier mit der „Braiding-Technik“ entfernt.