Heilt es oder heilt es nicht? (3)

In dem letzen Beitrag hatte ich um die zeitliche Schätzung des Heilungsverlaufes gebeten. Vielen Dank für die Teilnahme.

Die Ergebnisse:

Antwort Stimmen Prozent
6 Monate 0 0%  
1 Jahr 0 0%  
2 Jahre 3 16%  
3-5 Jahre 12 63%  
Mehr als 5 Jahre 3 16%  
10 Jahre 1 5%  
mehr als 10 Jahre 0 0%

Ausgangspunkt war die oftmals gestellte Frage: Wann ist die Entzündung weg?

In dem vorgestellten Fall ist zur Dauer der röntgenlogisch erkennbaren Heilung ein Zeitraum von fast genau 7 Jahren vergangen.

Meine Antwort an den Patienten lautet auf diese Frage: Die Heilung dauert in der Regel genau so lange, wie der Zeitraum der Entstehung bis zur Manifestation der Entzündung.
Wir wissen allerdings fast nie, wie lange genau der letzt genannte Zeitraum war.

Der Zeitraum von 7 Jahren entspricht nicht dem im Paper „Good clinical practice: Die Wurzelkanalbehandlung“ genannten Zeitraum.

Was können Ursachen sein?
Der Fall wurde 2005/2006 begonnen zu behandeln. Die DGZ Stellungnahme ist vom Jahr 2004/2005. Es sind also keine wesentlichen Unterschiede im Jahrgang vorhanden.

Die Revision unter mikroskopischer Kontrolle war für mich zum damaligen Zeitpunkt sehr schwierig. Es war meine erste Thermafilrevision mit verkeiltem Carrier. Die Desinfektion erfolgte mit NaOCl 5%, CHX,  und EDTA 17% und Ultraschallaktivierung.
Die Aufbereitung der Kanäle erfolgte mit Profile und ProTaper. Die Behandlung verlief zweizeitig und es wurde CaOH als Med. verwendet.

Mich überrascht der langsame Heilungsverlauf im Verhältnis zum Artikel der DGZ.
Die Aufbereitung, bzw. der shape ist nicht das, was ich als gut bezeichnen würde. Damit müsste auch die Desinfektion im apikalen Kanalbereich weniger effektiv sein.
Weniger Volumen an Desinfektionsmittel und der Transport per Kanüle dahin war von mir weniger überwacht als heute. Aber es heilte.
Ein weiterer oder anderer Grund könnten die apikalen Sealer-Puffs durch die erste endodontische Behandlung und Thermal WF sein. Im Bereich dieser mir leider nicht bekannten Sealerreste könnte ein verlangsamte Heilung eingetreten sein.

Überpresstes Wurzelfüllmaterial ist für Schilder 1967 ein Hinweis für die erfolgreiche dreidimensionale Wurzelfüllung.
(Schilder, H. (1967). „Filling root canals in three dimensions.“ Dent Clin North Am: 723-744.;)
Es gibt in der Literatur Angaben, daß die Heilung bei Sealer Überpressungen um 32% geringer ist.
(The impact of sealer extrusion on endodontic outcome: A systematic review with meta-analysis.; Aminoshariae A, Kulild JC.; Aust Endod J. 2020 Apr;46(1):123-129. )

Ein Grund um biokompatiblere Sealer zu nutzen?

Möglicherweise, aber auf Wurzelspitze finden wir Fälle die schneller ausheilten, beispielsweise hier.

Ein weiterer Fall aus meiner Praxis um 2006, zeigte die apikale Heilung ohne Sealerextrusion im Bereich von 5 Jahren. Leider kam es zu einer VRF nach ca. 13 Jahren. Auch hier ein etwas längerer Heilungsverlauf.
Ich kann nicht einschätzen, warum das so ist. Aber es erscheint mir eine Verquickung mehrere Dinge zu sein – 1. Röbildauswertung -Heilungsphase oder auch Stagnation wird oftmals Fällen zu schnell vermutet, 2. Behandlerfähigkeiten, wie in dem Fall von mir und möglicherweise 3. gewebetoxische Materialien und 4.Schwierigkeiten und Biofilmpersistenz in Revisionsfällen.

 

 

Brauchen wir noch Calciumhydroxid ?

Letzten Dienstag.
Spaziergang in der Mittagspause.
Hörte ich den „Saure Zähne“ – Podcast mit Tomas Lang. Es geht um Calciumhydroxid und die Frage, ob man dieses Mittels in der Endodontie noch bedarf.

Ich muss gestehen, es ist erst mein 2. Podcast überhaupt, den ich kennenlerne. Bisher hatte ich keinen Bezug zu diesem Medium, ich höre auch keine Hörbücher. Wie ich als Kind auch den Winnetou nicht auf Schallplatte erlebte, sondern das Buch las. Ich bin also, den Informationsgewinn betreffend, noch in der 60ern sozialisiert. Trotzdem schon mal meine Empfehlung, in die „Saure Zähne“ Podcasts von Georg Benjamin reinzuhören. Zum einen, weil jedes Medium, welches dazu führt, das man sich näher mit der Zahnmedizin befasst, per se eine gute Sache ist. Zum anderen, weil ich immer schätze, wenn etwas mit Leidenschaft betrieben wird und wenn jemand über mehrere Jahre hinweg eine Idee verfolgt, dann IST das Leidenschaft.

Calciumhydroxid schneidet schlecht ab in diesem Podcast. Und ausgerechnet an diesem Dienstag, an dem ich davon erfuhr, das Calciumhydroxid schlecht (ich stimme zu) und unnötig ist (ich widerspreche), die nachfolgenden 2 Fälle bei mir in der Praxis sich vorstellten. Und am nächsten Morgen noch ein weiterer Fall. Die alle drei gemeinsam haben, dass sich die Patienten im August 2020 mit ausgeprägten periradikulären Knochendestruktionen in der Praxis einfanden. Zwei davon sogar am gleichen Tag, dem 26. August. Und der dritte am 12. August.

Nun, nach 16 wöchiger Calciumhydroxid – Einlage, just zu diesem Zeitpunkt fanden sie sich zu WF wieder ein.

Hier die Röntgenbilder Vorher – Nachher.

Fall 1: Symptomatischer Zahn 34, Patientin vom Fach (ZMA), Perforation nach mesial hin

Fall 2: Symptomatischer Zahn 46, WF- Revision, Mesiobukkaler Kanal nicht bearbeitet bislang, dafür Perforation nach interradikulär, brutale Stufe im mesiolingualen Kanal

Fall 3: Symptomatische Zahn 37, massiver lateraler Defekt, mehr als 10 mm Ausdehnung, keine erhöhten Taschentiefen


Und jetzt ?

Wie so oft in der Zahnmedizin fällt die Antwort, die bei Hören des Podcasts noch offensichtlich und eindeutig erschien „Weg mit dem Calciumhydroxid!“, zumindest, wenn man 2 Leute befragt, dann doch unterschiedlich aus.

Podcast, schön und gut, aber was mir fehlt, ist der Dialog.
Vor allem die kontroverse Diskussion.

Womit wir wieder bei „Die Drei reden über …“ wären.
Wird Zeit das COVID vorbei geht.
Auch aus Sicht der Endodontie….

Zugangskavität

oder

Minimally invasive access cavities: does size really matter?

von Jörg Schröder

Nachfolgend ein, wie ich finde, interessantes Editorial (2021) und ein Artikel (2020) aus dem International Journal of Endodontics zum Thema Zugangskavität. Beides spricht mir aus dem Herzen und deckt sich mit meinen klinischen Beobachtungen.

IEJ Zugang 2020

IEJ Zugang 2021

Für die Schnellleser nachfolgend die Zusammenfassung. Die Artikel sind im übrigen frei zugänglich. Keine Urheberrechtsverletzung. ;)

 

 

Heilt es oder heilt es nicht? (2)

Vielen Dank für die Teilnahme!

Es ist, wie erwartet gekommen. 12 Zahnärzte, 13 Meinungen… ;-)

Nein, Spaß bei Seite, aber es gibt verschiedene Einschätzungen. Dabei waren Röntgenbilder einfach zu befunden. Die Qualität der Aufnahmen lies dies gut zu.
Nun müssen wir uns fragen, woran liegt das?

  1. Jeder Teilnehmer hat sehr wahrscheinlich eine andere Arbeitsumgebung bei der Beurteilung gehabt.
    ( Monitor !!!, Umgebungslicht !!!, ausgeruhte Augen !!, Tageszeit !!, etc.)
    Da ich dies nicht beeinflussen kann habe ich es nicht erwähnt. Für die Praxis sollte jeder entsprechende Voraussetzungen geschaffen haben!
  2. Wie gut ist unsere Sehleistung. Trage ich die erforderlichen Sehhilfe. Ist die Korrektur
    gut eingestellt.
  3. Die Aufnahmen sind nicht 100% in der selben Ausrichtung erfolgt.
    Eigentlich wäre das techn. sicher gar nicht so schwer umsetzbar und für QM, Wissenschaft und Zahnärzte von Interesse.
    Aber das ist für alle Teilnehmer in der Betrachtung gleich gut oder schlecht.

Nun die Auflösung.

Meinen Patienten sage ich, wir können die Heilung nicht 100% genau auf den Bildern erkennen, weil der ein Zahn 3 dimensionales Objekt ist und wir diesen auf einem 2 dimensionalen Bild nur begrenzt für unser Auge darstellen können.

Mir erscheint die Regeneration (apikal distal) im Zeitraum zwischen Bild 9 und Bild1 0 abgeschlossen zu sein. Die Antwort Bild 10 wäre für meine Betrachtung, die richtige Antwort. Ich habe in der Auflösung die Stelle markiert, welche für mich entscheidend war.

Ein DVT würde uns genauer sagen können, wie die apikale Situation aussieht. Nur ist die Frage ist in so einem Fall ohne Symptome ein DVT indiziert. Für mich als Behandler nicht, da keine Therapieentscheidung getroffen werden muss.

Jetzt kommt die nächste interessante Frage nach wieviel Monaten/Jahren ist dies erfolgt.

Take Our Poll

Kurz berichtet: Ausgeheilt bei Zustand nach Avulsion mit Recall nach 4 Jahren

Von Christoph Kaaden

Vor vier Jahren (19.01.2017) wurde uns die damals 10-jährige Jana überweisen.

Folgende Informationen hatten wir von dem Zuweiser erhalten:

Zustand nach Zahntrauma (Avulsion Zahn 21, extrusive Dislokation Zahn 11 ) am 1.12.16.

Zustand nach Frontzahntrauma mit Avulsion Zahn 21 und extrusiver Dislokation Zahn 11 (alio loco)

Der Zahn 21 wurde nach weniger als einer Stunde replantiert, jedoch erfolgte die Lagerung zwischenzeitlich in einem feuchten Handtuch. Zusätzlich kam dazu, dass der Zahn beim Notzahnarzt während der Replantation versehentlich mit dem Sauger ein-bzw. abgesaugt wurde…

nach dessen Bergung aus dem entsprechenden Sieb wurde dieser dann aber doch noch replantiert.

Eine Kunststoffschienung wurde angelegt und bis heute nicht entfernt.

Die Zähne 21 und 11 sind eindeutig nicht vital und bei 21 zeigt sich eine Fistelbildung.

Zustand nach Replantation und Schienung mittels Komposit; apikale Aufhellung an Zahn 21 bei nicht eingeleiteter endodontischer Therapie

Die Behandlung der beiden Zähne erfolgte mehrzeitig. Aufgrund des nicht abgeschlossenen Wurzelwachstums kam apikal MTA zum Einsatz.

Post-op Aufnahme nach mehrzeitiger Behandlung mit MTA Anwendung apikal.

Anfang diesen Jahres (2021) war Jana zur Kontrolle bei uns in der Praxis.

Trotz unphysiologischer Lagerung zeigt insbesondere der vormals avulsierte Zahn keinerlei Anzeichen einer Ersatzresortion und die apikale Aufhellung ist ausgeheilt.

4 Jahre post-op, keine Zeichen einer Ersatzresorption bei apikal unauffälligen Verhältnissen

Auch klinisch präsentiert sich die Situation erfreulich.

Prä-op vs. 4 Jahre post-op

SO macht Recall Spaß

:-)

Heilt es oder heilt es nicht? (1)

Wann ist ist die Entzündung weg?

Diese Frage bekomme ich sehr oft von den Patienten zu hören. Was soll man dann sagen?

In der Wissenschaftliche Stellungnahme des Endodontie-Beirates der DGZ „Good clinical practice: Die Wurzelkanalbehandlung“ wird eine 4 jährige röntgenlogische Kontrolle angeraten.
Das müsste dann heißen, daß dann eine 
Heilung zu erwarten ist.

Nun muss man definieren, wann eine Heilung eine Heilung ist.In endodontischen Fachkreisen spricht man von einer Heilung, wenn im Röntgenbild der Desmodontalspalt in schmaler Linie um die Wurzel nach verfolgbar ist.

Es gibt seltene Ausnahmen.
Allerdings spricht Friedman auch: Infrequently after nonsurgical treatment, very extensive lesions can heal without total resolution of the radiolucency, when fibrous tissue occupies the periapical space.
Prognosis of Healing in Treated Teeth with Endodontic Infections; Shimon Friedman
Endodontic Microbiology, Secound Edition; First published: 11 February 2017

Sollte keine Heilung erkennbar sein, muss man differential diagnostisch eine radikulären Zyste, eine Keratozyste, ein eosinophiles Granulom oder ein Riesenzellgranulom in Erwägung ziehen. Abhängig von der Größe ggf. einen Tumor.
Endodontie 27 (2018), Nr. 1, Seite 55-57; Wie ging es weiter mit …; Arnold, Michael

Die Ausnahmen möchte ich zunächst nicht betrachten.
An Hand einer Übersicht eines Falles bitte ich Euch mir kurz eine Zahl zu benennen, an Hand der Eurer Meinung nach die vollständige Heilung vorhanden ist. Vielen Dank für die Teilnahme!

Take Our Poll

 

Schaumstoffeinsätze DIY Clean Stand

Hier ein kurzes Video, den Clean Stand betreffend.

Genauer gesagt, die Schaumstoffeinsätze. Die schneiden wir uns selbst. Mit diesem Gerät hier. Einem Proxxon Heißdraht-Schneidegerät Thermocut. Kostet 84 Euro.

Die Schaumstoffeinsätze gibt es im Handel 25 Stück für 11 Euro. Wobei, nimmt man die Depot-Hausmarke, gibt es schon 25 Stück für 4 Euro.

Lohnt es sich also, so ein Gerät zu kaufen ?

Eigentlich nicht, oder ?

Andererseits. Bei nur 5 Endos am Tag hält so eine Packung gerade mal 1 Woche. Nach weniger als einem halben Jahr sind die Investitionskosten für das Gerät raus. Die Herstellung geht im Übrigen wie im Video zu sehen, so einfach und (fast so) schnell wie Gurkenraspeln.

Ach ja. Die Käsedreiecke für den Endoring schneiden wir auch damit. Da wirds dann richtig interessant, denn 48 Stück kosten 32 Euro.

All diese Schwämme kann man ja nicht aufbereiten.
Sterilisieren kein Problem, aber die Reinigung ist nicht möglich, daher sind alle Schaumstoffteile, die von Endo-Instrumenten durchbohrt werden, Einmalartikel.

Späte Erkenntnis

von Jörg Schröder

Die Entfernung nach periapikal verbrachter Guttapercha gehört zu den regelmässig zu lösenden Problemen. Mein dafür von mir bevorzugte Instrument in engen bzw. normal weiten Kanalsystemen ist ganz klar die Hedströmfeile.

Den wichtigen Umstand, die Feile immer bis auf EFL 0,0 einzubringen und mit kleinen Durchmessern zu beginnen, um ein Abreissen der apikalen oder periapikalen Guttapercha zu vermeiden, hatte ich hier schon häufig erwähnt. Zu der Frage, wo ich die Hedströfeile bei gekrümmten Kanalverläufen einsetze, habe ich mir noch nie Gedanken gemacht.

Anbei ein Behandlungsfall, bei dem ich beide Varianten ausprobiert hatte. Nur eine funktionierte und vielleicht habe ich eine Erklärung, warum.

Nach initialem Reduzieren der Guttapercha kam es aus MB1 zu einer spontanen putriden Exsudation. Das erste Spülen mit NaOCl zeigte einen bukkal gelegenen Hohlraum. Dennoch hatte ich zunächst die Idee, den palatinal gelegenen tropfenförmigen Querschnitt zu nutzen, um die Hedströmfeile bis auf 0,0 zu bringen. Erst das bukkale Einsetzen war schon mit der 20er-Hedströmfeile beim ersten Versuch von Erfolg gekrönt.

Meine Erklärung:

Das über die bukkal gelegene Aussenkurvatur eingebrachte Instrument wird von der Kanalwand ständig nach palatinal gedrückt, sodass die Guttapercha in den zwischen MB1 und MB2 vorhandenen schlitzförmigen Hohlraum verdrängt werden kann. Somit dringt das Instrument weiter nach apikal vor, bevor es die Guttapercha perforiert bzw. in die Guttapercha eindringt.

Zwar wird auch die Innenkurvatur das ähnlich machen, nur befindet sich bukkal der Guttapercha kein Platz. Somit muss die Feile apikal durch die Guttapercha/Sealermischung bewegt werden, während sie sich, von der Aussenkurvatur nach palatinal gedrückt, an der Guttapercha vorbei arbeiten kann.

Die auf dem klinischen Bild zu sehende Distanz zwischen Guttapercha und Hedströmfeile erklärt sich wahrscheinlich dadurch, dass nach dem Entfernen der Druck der Wand wegfällt und das Rückstellvermögen der Feile das „Abstehen“ von der Guttapercha verursacht.

In der Zukunft werde ich überprüfen, ob meine Rückschlüsse zutreffen, oder nicht.

Immer wieder schön zu sehen, wie gut die Immunabwehr den periapikalen Teil der Guttapercha „versäubern“ kann.

1 Frage 3 Antworten: Ich möchte mir gerne einen kabellosen Endomotor kaufen

 

 

Ich möchte mir gerne einen kabellosen Endomotor kaufen. Bis gestern hätte ich mich für VDW connect drive entschieden, habe aber von VDW erfahren, dass sie den Motor nicht weiter vertreiben, weil es so viel Probleme gab. Was hab Ihr für Erfahrungen mit kabellosen Motoren und könnt Ihr einen empfehlen.

Viele Grüße

Ingo Hümmer

 H.W. Herrmann antwortet:
Ich arbeite seit 2007 mit kabellosen Motoren. Das Handling bzw. die dadurch erreichbare Ergonomie ist mit kabelgebundenen Motoren nicht zu erreichen. Man soll nie „nie“ sagen, aber es würde mir zumindest sehr schwerfallen, von kabellosen Antrieben wegzugehen. Meine Frage wäre zunächst, womit soll aufbereitet werden? Vollrotierende konventionelle Instrumente? Ich brauche keine Kombi Apexlokator/Aufbereitungsmotor, daher kämen viele Motoren in Frage. Wir hatten bislang NSK, W+H, VDW/Dentsply und Morita und jeder dieser Motoren hat seinen Job sehr gut gemacht. Insbesondere die von mir am Anfang befürchteten Akku – Probleme sind ausgeblieben. Gegenwärtig arbeiten wir mit Morita TriAuto ZX 2-Motoren und VDW IConnect Drive-Motoren. Es kommen 4 Motoren immer, manchmal sogar bis zu 6 Motoren pro Behandlung zum Einsatz, weil ich während der Aufbereitung Instrumentenwechsel vermeiden möchte. Was Probleme angeht – am meisten, wenn überhaupt, war der VDW/Dentsply Motor hier auffällig. Wenn ich es genau überlege, hat nur dieser Motor überhaupt Probleme gemacht. Wir haben 3 solcher Motoren bei uns in der Praxis im Dauereinsatz und gefühlt 1 mal pro Jahr kam es hier zu unterschiedlichen kleinen Problemen, die sich aber alle beheben liessen. Im Vergleich zu anderen Geräten (ich denke hier insbesondere an die Hygienekette) eher Kinderkram. Insofern bedaure ich sehr, das VDW die Geräte vom Markt genommen hat, statt sich im Sinne des Kunden um eine Problemlösung zu bemühen. Das darüberhinaus zum Zeitpunkt der Marktabkündigung auch keine adäquate Alternative im Sinne eines Neuproduktes angeboten wird, macht die Sache nicht besser. Ich kann also nur hoffen, das unsere Geräte noch lange durchhalten, zumal ich wenig Hoffnung habe, dass der Reparatur des Altbestandes bei VDW zukünftig hohe Priorität zuteil werden wird. Das schätze ich so an den Produkten der (familiengeführten, der nachhaltigen Produktqualität verpflichteten) Firma Morita. Auch in Japan ist die Welt im Wandel, aber das Streben nach Bestmöglichem und der Stolz auf das Geschaffene sind dort eine im Alltag noch soviel mehr und tiefer verankerte Primärtugend als es bei uns der Fall noch ist. Wir (hier in Deutschland) hatten all dies auch einmal, aber diese Zeiten sind vorbei. Zurück zum Thema. Bei vollrotierenden Instrumenten wäre das Morita TriAuto ZX2 für mich der Motor der Wahl, bei reziproken Instrumenten kann ich gegenwärtig keine Empfehlung aussprechen.

 O. Löffler antwortet:
Ergonomisch sind kabellose Systeme das Optimum.
Allerdings nur, wenn diese verläßlich funktionieren. Das hat in meiner Praxis mit Polymerisationslampen nicht dauerhaft funktioniert. Wir sind wieder zurück bei kabelgebundenen Lampen.
Zur gleichen Zeit haben wir uns von NSK das erste kabellose Endodontiesystem gekauft.
Die Geräte sind bis heute nicht ausgefallen. Sogar den Akku konnten wir selbst tauschen.
Allerdings ist es häufig vorgekommen das die Geräte nicht aufgeladen waren. Bedienerfehler – auf Grund wechselnder Mitarbeiter in diesem Verantwortungsbereich. Reziproke Bewegungen können die Geräte nicht durchführen.
Deshalb setze ich weiter auf kabelgeführte Systeme.
Ein Versuch reziprok mit einem aktuellen kabellosen Motor zu arbeiten, scheiterte daran, daß die Handstücke der Assistenz mehrmals heruntergefallen sind und unreparabel kaputt sind – Bruch der Plastikhülle.
Deshalb klar keine Empfehlung zu kabellosen Systemen, wenn reziproke Instrumentensysteme verwendet werden sollen.
Das TriAuto ZX2 hat bisher bei uns ebenso wie der NSK Motor funktioniert. Allerdings sind mir persönlich die Kosten eines zusätzlichen Kopfes zu hoch. Deshalb hat das System bei uns einen stiefmütterlichen Einsatz.

J. Schröder antwortet:
Ich verwende seit mehr als 10 Jahren? kabellose Motoren von NSK. Endomate TC2. Dazu einige Wechselköpfe. Das System ist für mich ideal, da ich nicht reziprok aufbereite. Die Akkus können selbst getauscht werden und die Köpfe kosten nicht die Welt. Limitierend und für die bei mir in bestimmten Fällen zum Einsatz kommenden XP-Finisher-Feilen notwendig, ist die maximal zur Verfügung stehende Drehzahl. Um die von FKG empfohlenen 800-1000 U/min zu erreichen, haben wir auch zwei TriAutoZX2 zur Verfügung. Gerade für einen reibungslosen Behandlungsablauf sind zwei kabellose Motoren wichtig, da immer die nächste Feile bereits eingesetzt und im gerade nicht benutzten Motor vorgehalten werden kann. Ein weiterer Vorteil von zwei Motoren ist die Redundanz im Fall eines Ausfalles einer der Motoren.

Die „radiologische Zyste“ (4a)

Im vorliegendem Fall habe ich lange eruieren müssen.

Die Anamnese ist wichtig um wenigstens etwas die damals gestellte Diagnose und Tharepie zu verstehen.
Es erfolget eine Resektion von palatinal um die vestibuläre Gingiva zu schonen.
Das waren die Aussagen der Patientin. Die Behandlung erfolgte an einer Unviversitätsklinik. Mehr wusste sie nicht. Unterlagen zu erlangen erwies sich trotz schriftlicher und telefonischer Anfragen als unmöglich.
Zwei Röntgenbilder zum Fall haben wir vom Hauszahnarzt erhalten. Dieser wusste aber auch nichts näheres.
Im DVT sehen wir den operativen Zugang nach mehr als 5-10 Jahren.

Nicht nur die Blutung ist bei diesem Zugang ein Problem. Es kommt die indirekte Sicht und die damit verbundene optische Behinderung hinzu. Der Zahn ist austherapiert, war unsere Einschätzung und die langfristige Erhaltung des Zahnes war kritisch zu betrachten.
Trotzdem verlangte die Patientin einen Erhaltungsversuch.
Von diesem erwartete ich eine mögliche Verkleinerung der apiakeln Osteolyse um eine Implantation vorhersagbarer zu gestalten. Das geschah in Absprache mit dem Hauszahnarzt, einem Kieferchirurgen.
Unter diesen Vorstellungen erfolgte die weitere Therapie.

Nach nunmehr mehr als 5 Jahren hat mich das röntgenologische Ergebnis überrascht. Eine derartige „Osseointegartion“ der reduzierten Zahnwurzel hatte ich nicht erwartet.
Für mich ein Glücksfall und kein vorhersagbarer Therapieerfolg.
Die Patientin war nicht überrascht. Sie hatte nichts anderes erwartet…
Auch in diesem Fall können wir nicht beurteilen ob eine Zyste beteiligt war. Die Anamnese lässt eine iatrogene Beteiligung an der Größe der endodontischen Läsion möglich erscheinen.

Therapie:
Nach der Wntfernung der prothetischen Restaurationen, einschl. Stift erfolgte eine weiter Aufbreitung des Kanalsystems. Dies gelang mittels Niti-Instrumentenbis zur apikalen Aufbereitunsgröße von #60. Die Desinfektion erfolgte mit NaOCl 5%, der Smearlayer wurde mit Zitronensäure 10% entfernt. Die Spüllösungen wurden mit Ultraschall und Schall aktiviert. Der apikale Verschluß des Neoapex erfolgte mit ProRoot MTA weiß und einem apikalem Widerlager mit Resorba.

In der Röntgendokumentation sehen wir einen deutlichen Heilungsverlauf. Dieser war nach WSR und Zystektomie nicht erkennbar. Nun ist die Frage können wir daraus schlußfolgern, daß es keine Zyste war. Ich glaube nicht, daß wir das können. Das wichtigste, was wir wieder bestätigt finden, keine WSR ohne Revision.

Erklärung zu den Fotos. Die Aufnahmen der klinischen Bilder der vestibulären Gingiva erfolgten nach Therapieabschluß, da wir einen Erfolg als unwahrscheinlich ansahen und lediglich noch einmal die klinisch gingivale Situation für eine Implantation dokumentieren wollten. Wir werden den Fall weiter verfolgen.

Ich weiss nicht, was man dazu sagen soll… (3)

Abschliessend noch der 3. Vorweihnachtsfrust-Fall. Ebenfalls ein (noch) junger Kollege.

Die 16 jährige Patientin wurde zu uns überwiesen wegen Schmerzpersistenz nach Wurzelkanalbehandlung an Zahn 13.

Der Zahn 13 war trepaniert worden, weil die Patientin wegen starker Schmerzen im Oberkieferfrontzahnbereich den Hauszahnarzt aufgesucht hatte. Es wurde danach aber nicht besser, so dass der Behandler nach etwa 3 Wochen das Handtuch warf.

Eigentlich ein einfacher Zahn. Woher also die anhaltende Schmerzproblematik? Noch mysteriöser – der Zahn 13 war karies – und füllungsfrei. Eine Trauma als Schmerzursache konnte anamnestisch nicht verifiziert werden.

Der Zahn 11 hingegen.
Auf dem Zahnfilm bei Erstvorstellung bei uns am Rande zu sehen, käme wohl schon eher für als Schmerzauslöser in Frage. Zumindest – bevor Zahn 13 trepaniert wurde und keine Ruhe mehr gab.

Zustand nach Endo vor ein paar Jahren.
Zustand nach WSR vor ein paar Jahren.

Und mit einer apikalen Aufhellung.
Weshalb ich die Patientin nebst anwesender Mutter darauf hinwies, das möglicherweise man daran denken müsste, dass – meine Standardformulierung – Falls Schmerzen nach der Behandlung eines Zahnes über längere Zeit bleiben eventuell ein anderer Zahn oder eine andere Ursache für die Schmerzen verantwortlich zeichnen.

Es kam wie es kommen musste.
Schmerzfreiheit an Zahn 13 nach unserer Behandlung. Ein paar Tage später Anruf der Patientin. Wieder Schmerzen.

Wir behandeln den Zahn 11.
Danach alles gut.

Nachfolgend die Zahnfilme zu Fall. Das Abschlussbild ist 2 Monate nach Erstvorstellung.

3 Ratschläge zum Mitnehmen aus dem Fall:

  1. Betreibe eine gescheite klinische Diagnostik (Kältetest, Kloptest)
  2. Nutze den gesunden Menschenverstand (ein Zahn der äusserlich tadellos ist, ist eher unwahrscheinlich für eine starke Schmerzsymptomatik verantwortlich. Falls er das ist, dann wird Ihn eine gescheite klinische Diagnostik (Punkt 1) auffällig werden lassen.
  3. Wenn Du keinen Zahn als Schmerzauslöser sicher ausmachen kannst, vermeide wohlgemeinten Aktionismus. Besser erst mal keine Zahn behandeln als den falschen Zahn behandeln !


Praxistauglicher Kompromiss

von Jörg Schröder

Vergangenen Freitag hatte ich hier drei Fälle vorgestellt, bei denen die eigene Diagnostik Komplikationen zu Tage förderte, die in den Überweisungsformularen keine Erwähnung gefunden hatten.

In den nächsten Beiträgen möchte ich nun die Dokumentation der klinischen Behandlung einstellen.

Fall1: Zwei unerwartete Fragmente.

Nach der Auswertung des kleinvolumigen DVT der Regio 27 hatte ich der Patientin bereits gesagt, dass ich die Entfernung des jenseits der apikalen Krümmung gelegenen Fragmentes in MB für eher unwahrscheinlich erachte.

Das Fragment war kurz und nach der s-förmigen apikalen Krümmung verblieben. Ein Eingebolztsein war mehr als wahrscheinlich. Neben der Entfernung durch die schall- oder laseraktivierte Spüllösung, kam noch das Passieren des Fragmentes mittels vorgebogener Handinstrumente bzw. das Belassen des Fragmentes in Betracht. Forcierte Versuche kamen für mich nicht in Frage, da selbst beim Belassen des Fragmentes aufgrund der kurzen Strecke bis zum Foramen mit einer gewissen Desinfektion gerechnet werden kann, da die Spüllösung entlang der Schneidräume des Instrumentes vordringen könnte. Zudem besteht zusätzlich die Option der chirurgischen Intervention, falls sich in der Zukunft eine periapikale Pathologie an der mesialen Wurzel entwickeln sollte.

Das in DB befindliche Instrumentenfragment weist einen schmalen Querschnitt auf. Das weist auf eine Fraktur während der initialen Aufbereitungsphase hin. Von einer Desinfektion der weiter apikal gelegenen Kanalanteile kann – im Gegensatz zur Situation in MB – nicht ausgegangen werden. Zudem ist die apikale Strecke mit fast 3 Millimetern so lang, dass hier nennenswerte Anteile an Pulpagewebe verbleiben könnten.

Nach absoluter Trockenlegung – vielen Dank an dieser Stelle an Olaf Löffler für die Empfehlung der Klammer 27N, die bei trapezoidem Zahnquerschnitten eine sehr gute Retention gewährleistet – konnte die in den mesiale Defekt hinein proliferierte Gingiva verdrängt und der präendodontische Aufbau erstellt werden.

Um eine möglichst lange Einwirkzeit der Spüllösung zu gewährleisten wurde zunächst die Aufbereitung des palatinalen Kanalsystems durchgeführt. Anschliessend kam in MB und DB die ErYAG-Laser-unterstütze Irrigation von MB und DB zum Einsatz. Da das Fragment nicht herauszuspülen war, erfolgte der leider ebenso vergebliche Versuch das Fragment mittels vorgebogener Handinstrumente der Größe 008 zu passieren. Als auch dies nicht gelang wurde der Kanal bis zum instrumentierbaren Ende auf 40/06 erweitert und erneut ausgiebig schall- und laserunterstützt durchgespült.

Nach Erweiterung des Orifiziums des DB konnte kurz darauf das Fragment und die distal davon befindliche Stufe visualisiert werden. Das Fragment selbst war auf voller Länge eingebolzt und musste in zwei Teilen entfernt werden, da sich nach initialer Freilegung nur das obere Drittel löste. Erfreulicherweise konnte der Hartsubstanz auch trotz recht eingeschränkten Platzverhältnissen sehr gering gehalten werden.

Wichtig: die radiologische Kontrolle nachdem es nach visueller Inspektion als sehr wahrscheinlich zu erachten war, dass das Fragment vollständig geborgen werden konnte.

Mittels vorgebogenem Microopener wurde der Originalkanal Taktik erfasst und anschliessend im gekoppeltem Modus (zuerst manuelles Einführen der NiTi-Feile im trockenen Kanal, dann Fluten mit NaOCl und abschliessendes „Koppeln“ = „Überstülpen“ des Endomotors) aufbereitet.

Nach Abschluss der Obturation und adhäsivem Verschluss bleibt jetzt nur zu hoffen, dass die Desinfektionsbemühungen auch im MB trotz Belassen des Fragmentes von Erfolg gekrönt sein werden.

Erstberatung

von Jörg Schröder

Immer wieder suchen uns Patienten auf, bei denen die klinischen und/oder radiologischen Befunde sowie die anamnestisch zu erhebenden Behandlungsverläufe bei mir ein inneres Kopfschütteln verursachen.

Es hat einige Jahre gedauert, bis ich die meiner Meinung nach richtigen Worte finden konnte, um die jeweiligen Sachverhalte zu erläutern, ohne allzuviel Porzellan zu zerschlagen.  Ich möchte den Patienten den Status und die zur Verfügung stehenden Behandlungsoptionen nahebringen, ohne in berufsrechtliche Schwierigkeiten kommen zu können (Stichwort „gutachterliche Äusserung“). Zudem sind es teilweise Patienten, die von Ab-und-Zu-Überweisern überwiesen werden. Hier gilt es einen schmalen Grat zu wandeln. Ich werde nichts schön reden. Aber macht es Sinn, seine inneren Gedanken zu äussern? Wem nutzt es? Den Patienten? Ich glaube nicht. Mir? Mit Sicherheit nicht. Den Überweisern? Erst recht nicht. Hier können alle Beteiligten nur verlieren, wenn die Wortwahl nicht bedacht wird.

Im ersten Beispiel erfolgte nach einem Verkehrsunfall die implantologische Versorgung im Oberkieferfrontzahnbereich. Die Patientin würde ich als von den erfolgten zahnärztlichen Behandlungen stark traumatisiert bezeichnen. Bereits der Gedanke an eine Lokalanästhesie in diesem Bereich lässt die Tränen fliessen. Die Nachfragen der Patientin zeugen von einem in Mitleidenschaft gezogenem Vertrauen zu Zahnärzten allgemein. Warum wurde die Revision des deutlich insuffizient gefüllten und beherdeten Zahnes 21 nicht vor der implantologischen Versorgung durchgeführt? Die apikale Lyse zeigte sich ja bereits im vor der Implantation angefertigten DVT.

Was ist der Grund für die Resektion des 21 bei einer 22 jährigen Patientin die im Alter von 9 Jahren eine  endodontische Behandlung erhielt? Ist es hilfreich, diese Frage auch genauso gegenüber der Patientin zu stellen?

Das präoperative OPG zeigt eine tiefe Karies an 27. Das bei der Beratung erstellte Einzelbild dafür zwei Instrumentenfragmente von denen weder der Überweiser berichtete, noch die Patientin wusste.

Wie geht die werte Leserschaft mit diesen Dingen um?

Die „radiologische Zyste“ (4)

Im letzten Fall zu dem Thema haben wir eine merkwürdige Ausgangssituation.

Die Patientin wurde uns von einem Oralchirurgen überwiesen, mit der Bitte noch mal zu prüfen, ob der Zahn zu erhalten ist. Die Patientin wünscht den unbedingten Erhalt des Zahnes und lehnt eine Implantation ab.
Diagnose: Z.n. WKB, WSR und Zystektomie vor mehr als 3 Jahren

Befunde: kein Lockerungsgrad, keine erhöhten Sondierungstiefen, keinerlei  Narbenbildung nach WSR.
Es besteht kein Perkussionsschmerz lat/inz, kein Aufbisschmerz, nur ein ständiges Druckgefühl.

Wie passen das Ausgangsbild, die Anamnese und die klinischen Bilder und Befunde zusammen?

 

 

Ich weiss nicht, was man dazu sagen soll… (2)

Hier der zweite Fall.
Wurzelkanalbehandlung an Zahn 36 durch Hauszahnarzt, aber Schmerzpersistenz. Daher Überweisung zur WSR. Der MKG-Chirurg schickt zu uns, wir mögen uns bitte den Zahn vorab anschauen.

Hier die intraoralen Fotos, Zahnfilm und DVT-Schnitte. Indikation zur WSR ? Apikale Aufhellung? Fehlanzeige. Was also soll die WSR bringen ? Die Schmerzproblematik wird sie nicht ausschalten. Maximal das röntgenologische Erscheinungsbild der unvollständigen Wurzelkanalfüllung der beiden abgefüllten Kanäle maskieren. Nach der Extraktion wird es dann besser.

Zahnheilkunde 2020.

Bei der Revision fällt auf. Makroskopisch undichter Verschluss der Deckfüllung. Adhäsiver Verbund? Fehlanzeige. Was dieser breiige Matsch in der Kavität ist, den wir nach Entfernung der Kunststoff-Restauration vorfinden? Wir haben keine Ahnung. Dann massiv nekrotisches Pulpagewebe unter den Überhängen nach bukkal hin. Die bislang unbearbeiteten Kanäle lassen sich ohne Probleme instrumentieren, die vorhandene WF kinderleicht entfernen. Stufen in den bereits Kanälen – falls überhaupt vorhanden – unwesentlich. Also zumindest kein erkennbarer Grund, nicht bis nach apikal zu instrumentieren. Am nächsten Tag daher -wie erwartet- Schmerzfreiheit.

Was wäre, wenn …?

von Jörg Schröder

Diese Frage stellte ich mir insgeheim, als ich das vom Patienten mitgebrachte Röntgenbild betrachtet hatte.

Was wäre gewesen, wenn ich nach vielen Jahren der endodontischen Tätigkeit und entsprechenden Misserfolgen nicht darauf trainiert gewesen wäre, in jedem auf den ersten Blick simpel erscheinenden Zahn, das Versteckte zu vermuten? Doppelkonturen und die Veränderung der Weite des Kanalsystems im Verlauf von koronal nach apikal waren die ersten Hinweise auf eine apikale Aufgabelung in diesem 15.

Was wäre gewesen, wenn ich nach Darstellung der beiden Kanalorifizien, sofern mir dieses ohne Mikroskop gelungen wäre, auf den gemeinsamen Kanalverlauf im mittleren Drittel gestossen wäre, ohne von der apikalen Aufgabelung zu wissen?

Hätte ich mir zugetraut, auf Verdacht hin die koronalen Eingänge zu vereinigen um dann das mittlere Drittel so zu erweitern, dass ich mit vorgebogenen Instrumenten die apikale Aufgabelung könnte? Ehrlich: vermutlich nicht.

Die Wahrscheinlichkeit, dass ich ohne das Wissen der vorhandenen Anatomie einen der beiden apikalen Kanalanteile nicht instrumentieren könnte, erscheint mir sehr groß.

Doch wir schrieben zum Zeitpunkt der Behandlung das Ende des Jahres 2020 und so waren die Hürden klar durch Einsatz dreidimensionaler Diagnostik erkennbar und konnten mit einer gut strukturierten Planung reibungslos überwunden werden.


DAS Hilfsmittel hierbei das DVT. Nicht nur die Aufbereitung konnte vorhersagbar ausgeführt werden, auch die Erweiterung des mittleren Drittels wurde so gestaltet, dass es am Ende gelang, jedes der beiden Kanalsysteme mit einem einzelnen Guttaperchapoint zu beschicken.

Und hier wird der Vorteil des Zusammenwirkens von DVT, Mikroskop und etwas handwerklichem Geschick besonders deutlich. Denn selbst wenn es mit Glück und höchster Handwerkskunst gelungen wäre, beide apikalen Verläufe ohne Entfernung der Dentinbrücke bis zum mittleren Wurzeldrittel zu instrumentieren, wäre die Obturation beider Kanalsysteme bei gleichzeitig hartsubstanzschonender Präparation aufgrund der Länge der Verläufe nach der Aufgabelung als mehr als unwahrscheinlich anzusehen.

So konnte selbst die Reihenfolge des Einbringen der Guttaperchapoints vorab festgelegt werden, um Komplikationen bei diesem Arbeitsschritt zu vermeiden.

Interessant, wie verändert die verschiedenen Projektionen der Einzelbilder die tatsächliche Anatomie darstellen.

 

Zum Jahreswechsel 2020 2021

2020 – Ein Jahr, über das nichts mehr gesagt werden muss.
Weil man es auf ein einziges Wort reduzieren kann.

Corona-Pandemie.
Und der einzige Satz, den ich noch anführen möchte, lautet: Gut, das es nun vorbei ist.

Also auf zu 2021.
Wird es besser werden?
Wir hoffen es alle.
Ich befürchte, es wird es nicht.

Denn die Versäumnisse, die Fehler, die 2020 gemacht wurden, sie werden uns ins Jahr 2021 hinein verfolgen. Ihre verheerende Wirkung erst so richtig entfalten.
Werden wir den Lauf der Welt ändern können?
Vermutlich nicht.
Ich bin zumindest skeptisch diesbezüglich.

Wenn 2020 etwas gezeigt hat, dann, daß wir nicht nur Naturgewalten hilflos ausgeliefert sind, vielmehr der Mensch – als Einzelner wie im Kollektiv einem – ich nenne es- Fatalismus des Faktischen unterliegt. Der uns im schlimmsten Fall in die Katastrophe führt. Um es überspitzt auf den Punkt zu bringen – Wer die TI widerstandslos abnickt, der wird auch der Einberufung zur Landesverteidigung nachkommen, wenn es darum gehen soll, für unser Land in den Krieg zu ziehen, sobald die Notwendigkeit dessen von Amts wegen angekündigt wird.

Zu überzogen die Betrachtung?
Mag sein. Wer allerdings bislang gemeint hat, dass alltägliche egozentrische/egoistische Entscheidungsmuster „Bleib sitzen Kind, wir haben für die U-Bahn bezahlt“ im entscheidenden Moment zugunsten heroischer Selbstaufgabe weichen würden, der hat dieses Jahr erkennen müssen, dass das Gegenteil der Fall ist.

Homo hominis lupus.
Willlkommen in 2020!

Noch schlimmer als die Erkenntnis, dass es offensichtlich keine moralischen Konstrukte mehr gibt, welche mäßigend, bremsend, korrigierend ihre Wirkung entfalten könnten, ist der Umstand, daß sich die dem postulierten Volkswohl dienenden politischen Regularien als Farce offenbaren. Noch bestehenden Stützen ausgehöhlt, untergraben, fortgeräumt werden. Die Politik und ihre Helden als Marionette der Großfinanz. Die sogenannte „Soziale Marktwirtschaft“ ein potemkinsches Dorf. Das ahnten wir immer schon, aber jetzt wird die Fassade mit grossen Planierraupen und Baggern abgerissen!

Das ist der Status Quo. Zum Jahreswechsel.
Was tun?

Das kann nur jede(r) Einzelne für sich selbst bestimmen.
Es gibt angesichts der Ohnmacht des Einzelnen und des bereits oben benannten Fatalismus des Faktischen, der Tragik, welcher das Individuums in Sinne der griechischen Antike unterliegt, keine Patentlösungen.

Trotz Allem gilt.
Die Hoffnung, den Glauben an das Gute per se nicht verlieren.

Freude in sich,
für sich
und das eigene Umfeld suchen.

Und so hoffe ich, dass auch 2021 WURZELSPITZE zur Freude im beruflichen Umfeld beiträgt. Ein wichtiger Faktor bei sicherlich nicht besser werdenden Rahmenbedingungen, unsere Profession betreffend.

Das WURZELSPITZE über das rein Fachliche hinaus zu persönlichen Begegnungen geführt hat, sich eine Reihe von ZahnärztInnen auch menschlich näher gekommen sind, sogar Freundschaften entstanden sind, lässt mich frohen Mutes in das neue Jahr voranschreiten.

In Zeiten wie diesen wichtiger, wertvoller denn je.
Daher zum Schluss noch ein paar Worte zu WURZELSPITZE . Es ist schade, das coronabedingt unsere Fortbildung „Die Drei reden über…“ nicht durchgeführt werden konnte. Wir sind angesichts des gegenwärtigen Fortbildungsangebotes mehr denn je davon überzeugt, dass es dieser Fortbildung bedarf und diese mit großer Resonanz aufgenommen werden wird. Allerdings ist es zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht möglich, diese für 2021 zu planen und vorzubereiten. Die Rahmenbedingungen sind nicht kalkulierbar. Es vermutlich 2022 werden wird, bis an die Durchführung überhaupt zu denken ist.

Was uns sehr betrübt.
Denn wir würden gerne sofort loslegen.
Wir brennen darauf, zu sehen, welches Feedback das neue Konzept, das uns begeistert, auslösen wird.

Für unsere WURZELSPITZE Plus LIVE TALK s können wir hingegen schon vermelden, dass die Resonanz so gross und positiv ist und uns Allen das Ganze so viel Spass macht, dass wir 2021 damit regelmäßig (heisst gegenwärtig 1 mal im Monat) weitermachen wollen.

Der nächste Termin steht auch schon fest.

Es ist Mittwoch, 20.01.2020 20:00 Uhr.
Worum ging es beim letzten Mal?
Im WURZELSPITZE Plus LIVE TALK 2 haben wir gesprochen darüber, wie man die bestmögliche Bildqualität bei der Durchführung von DVT´s erhält.

Und jeder, der ein solches Gerät besitzt oder den Kauf in Erwägung zieht, hat eine Stunde lang eine Vielzahl wertvoller Tipps bekommen, die man sonst in dieser Form nirgends erfährt.
Und erst recht nicht vor dem Kauf, was vermutlich das Sinnvollste überhaupt wäre. Das kurze Zeit später bei Endonews zum Thema „Schwierigkeiten/Probleme bei der DVT Erstellung“ Anfragen eintrafen, für welche die WURZELSPITZE Plus LIVE TALK Teilnehmer nun die passenden Antworten (und viele darüber hinaus) bereits besitzen, zeigt nur, wie wertvoll dieses Medium ist.

A pro pos Emailverteiler.

Ich möchte offiziell verkünden, dass wir in 2021 hinein mit einem WURZELSPITZE – Emailverteiler starten werden.
Ebenfalls nicht frei zugänglich.
Auf den Kreis der WURZELSPITZE – Mitglieder beschränkt.

Um einen offenen Austausch Aller untereinander zu ermöglichen.
Ich bin mehr denn je der Meinung, dass dies in eine Gruppe, in der alle Mitlesenden bekannt sind, sich wesentlich besser bewerkstelligen lässt als in einer grossen anonymen Masse, deren geschriebene Inhalte Jedem zugänglich sind. Es ist nachvollziehbar, das vermutlich Jeder in einem solchen Szenario zurückhaltend agiert.

Wir wollen das Gegenteil erreichen!

Die Emailliste lautet: Wurzelspitze ZM QZ.
Die Freischaltung erfolgt Anfang 2021.
Eine Anmeldung könnte schon vorab möglich sein, wer es testen möchte, zur Anmeldeseite geht es hier.

Am 06. Januar werde ich wieder in die Praxis zurückkehren.
Dann werden wir auch die Eintragung der Mitglieder auf 2021 vornehmen. Wer also weiter an WURZELSPITZE teilnehmen möchte und es bislang noch nicht getan hat, der möge die Überweisung, seiner Teilnahmegebühr entsprechend, vornehmen.

Der Einfachheit hier noch einmal erwähnt.

Jahresbeitrag StudentInnen 24 Euro
Jahresbeitrag angestellte ZA/ZÄ 48 Euro
Jahresbeitrag Zahnärzte (m/w/d) in eigener Praxis 96 Euro
Jahresbeitrag WURZELSPITZE Plus TeilnehmerInnen 240 Euro

Die Bankverbindung:
IBAN: DE90 5609 0000 0002 0958 08
BIC: GENODE51KRE
Kontoinhaber: S Herrmann
Verwendungszweck: Jahresbeitrag 2021 WURZELSPITZE  QZ

Wer nicht mehr teilnehmen möchte, der braucht nichts zu tun.
Er wird automatisch spätestens zum 08.01.2021 aus dem Verteiler genommen.

Wer nicht rausfliegen möchte, sollte vorab überweisen.

In diesem Sinne

Bis im neuen Jahr ! Einen guten Rutsch !

Ha-Wi Herrmann





50 nicht von der Hand zu weisende, ausgesucht gute Gründe, sich auf Endodontie zu spezialisieren“ – Episode 12: „Micro Adjustments!“



Ich bin kein Freund von Anglizismen.
Zumindest, solange es deutsche Wörter gibt, die den zu beschreibenden Sachverhalt in gleicher Weise wiedergeben und es demnach nur darum geht, cooler, hipper, trendiger rüberzukommen, statt die scheinbar verstaubte Muttersprache anzuwenden. Gerne zitiere ich in diesem Zusammenhang wieder die Mutter aller Hipster- Anglizismen, Jil Sander, mit ihrem legendären Statement aus dem Jahre 1996:

„Ich habe vielleicht etwas Weltverbesserndes. Mein Leben ist eine giving-story. Ich habe verstanden, daß man contemporary sein muß, das future-Denken haben muß. Meine Idee war, die hand-tailored-Geschichte mit neuen Technologien zu verbinden. Und für den Erfolg war mein coordinated concept entscheidend, die Idee, daß man viele Teile einer collection miteinander combinen kann. Aber die audience hat das alles von Anfang an auch supported. Der problembewußte Mensch von heute kann diese Sachen, diese refined Qualitäten mit spirit eben auch appreciaten. Allerdings geht unser voice auch auf bestimmte Zielgruppen. Wer Ladyisches will, searcht nicht bei Jil Sander. Man muß Sinn haben für das effortless, das magic meines Stils.”

Ich habe daher lange überlegt, wie ich den Begriff „micro adjustments“ in deutscher Sprache wiedergebe.
Und bin letztendlich bei „Detailverbesserungen“ hängengeblieben.
Aber so ganz trifft es das nicht.
Jil würde sagen, der spirit kommt nicht authentic rüber, die Beschreibung ist nicht edgy genug.

Daher dann doch „micro adjustments“

Was meine ich damit?

Ich versuche den Sachverhalt an einem konkreten Beispiel zu erläutern.
Haben Sie sich schon mal in ihrer Praxis Gedanken gemacht darüber, wie Ihnen die Guttaperchaspitzen im Rahmen der Wurzelkanalbehandlung angereicht werden ?

???
Ich spüre schon ihre Einwände.
Wie jetzt?
Was bitte ist an der Übergabe von Guttaperchaspitzen auch nur einen Gedanken wert ?
Und welche Möglichkeiten soll es geben, Guttaperchaspitzen anzureichen, die es wert wären, sich darüber Gedanken zu machen ?

Weiter geht es hier.

Es stand heute in der Zeitung…

29.12.2020

Es stand heute in der lokalen Tageszeitung.

Einfach hinfahren. DRK wiederholt seine Testaktion auf der Bad Kreuznacher Pfingstwiese

So die fettgedruckte Überschrift des Artikels.

Und weiterhin.

Nach dem grossen Erolg des zweitägigen Corona – Schnelltestaktion mit über 700 Teilnehmern wird die Aktion wiederholt.

Wir sind von der positiven Resonanz unseres Testangebotes begeistert. Die Menschen waren alle sehr geduldig, diszipliniert und froh über die einfache Testmöglichkeit. Die als Drive In Konzept angelegte Station war vom DRK kurzfristig organisiert worden, um Menschen vor dem Besuch von Familienmitgliedern oder Freunden an Weihnachten auf eine Covid 19-Infektion zu testen.

Unter den rund 700 Tests war auch eine kleine einstellige Anzahl positiver Testes.

Allein dafür, das wir in diesen Fällen Ansteckungen im Familien -oder Freundeskreis verhindern konnten, hat sich die Organisation gelohnt, findet der DRK-Geschäftsführer.

Daher bietet man vor Silvester nun eine Neuauflage an. Der zertifizierte Antigentest werde erneut zum Selbstkostenpreis von 40 Euro angeboten und die Abstriche wieder von geschultem DRK- Personal vorgenommen.

Soweit die Meldung.

Und ich denke dabei an das Schreiben unserer KZV kurz vor Weihnachten.

Hurra !!!!
In der Zahnarztpraxis sind Tests der Mitarbeiter möglich.

Für 9 Euro Honorar.
Materialkosten inbegriffen.

In der Zeitung steht. Was mit den 40 Euro Beitrag für einen Schnelltest passiert ? Der Test allein kostet 10 Euro, ein Schutzkittel 4 Euro, eine Schutzmaske 2 Euro, nicht gerechnet die gesamte Organisation.

Aha.
Zahnärzte bekommen nicht einmal die Auslagen für das notwendige Material ersetzt, testen also auf eigene Kosten, bringen noch Geld mit für die Testung.

Für die zweitägige Testung auf freier Wiese erhält das Deutsche Rote Kreuz 28.000 Euro. Die Zahnärzte 6300 Euro. Bei Materialkosten von 11.200 Euro.

Diesen 28.000 Euro stehen im Übrigen 5 gefundene Infizierte gegenüber. Was laut Zeitungsartikel als voller Erfolg bezeichnet wird und Begeisterung bei den Verantwortlichen hervorruft.

Keine weiteren Fragen. Ihr Zeuge, Herr Richter!

Die „radiologische Zyste“ (3)

Fall 2 aus den vorgestellten Beispielen.
Die Patientin, selbst Zahnärztin, wurde uns von einem Kollegen überwiesen.
Folgenden Bericht habe ich erhalten:

Sehr geehrter Dr. XXXX,

anbei sende ich Ihnen Röntgenaufnahmen der oberen Schneidezähne einer an Sie überwiesenen Patientin, angefertigt am 3.8. & am 24.11.2020. Bei der Patientin wurde im vergangenen Jahr eine Parodontitisbehandlung durchgeführt. Am 3.8. stellte sie sich mit einem vestibulären submukösen Abszess regio 11/21 in der Praxis vor. Ich bin von einer parodontalen Genese ausgegangen. Es wurde inzidiert und die Abszesshöhle über die Inzisionswunde auskürettiert. Zum Sulkus bestand nur eine sehr schmale Verbindung, in diesem Bereich erfolgte ein Scaling der Wurzeloberfläche. Es kam zum vollständigen Abklingen der Symptome. Am 24.11. erschien die Patientin erneut, diesmal mit einem Abszess palatinal. Die röntgenologische interradikuläre Aufhellung erscheint inzwischen aber verkleinert & schärfer begrenzt. Eine mögliche endodontische Beteiligung ist schwer einzuschätzen, der Kältetest ergibt an allen Frontzähne keine Reaktion. Ich habe gehofft, dass eine DVT mehr Klarheit und eine bessere Prognosestellung hinsichtlich der Erhaltungsfähigkeit der Zähne 11 & 21, aber auch des von einem tiefen Knocheneinbruch betroffenen 22 bringen kann. Deshalb bitte ich Sie um die Anfertigung eines DVT + eine Einschätzung, ob eine Weiterbehandlung Ihrerseits aus Ihrer Sicht empfehlenswert erscheint.

Klinisch konnten wir keine Anzeichen für eine Schwellung oder Fistelung erkennen. Die Patientin, 84 Jahre, erwähnte eine geschlossene PA Behandlung vor einigen Wochen.
Die Lockerungsgrade lagen bei allen 4 Frontzähnen bei I-II. Die Sondierungstiefen lagen über 8mm 22m und zwischen 6-8mm an den anderen 6 Messpunkten je Zahn.

Wir haben die Diagnostik erweitert und die Sensibilität elektronisch geprüft.

Folgende Werte wurden damit auf einer Skala von 1-65 gemessen. Wir messen dies in unklaren Fällen von labial und von palatinal. Wenn es labial eindeutig ist, messen wir pal. nicht. Zur Messung benetzen Wir die Elektrodenspitze mit CHX Gel. Folgende Werte wurden gemessen:

12 kalt: ?, Elektr.: lab. 34, pal. –
11 kalt: ?, Elektr.: lab. 64, pal. 25
21 kalt: ?, Elektr.: lab. 65, pal. 24
22 kalt: ?, Elektr.: lab. 64, pal. 63

Im Anschluß haben wir ein DVT angefertigt.

Unsere Diagnose: P. marginalis mit vertikalen Knocheneinbrüchen, Regio 11, 21 Verdachtsdiagnose infizierte Zyste des Ductus nasopalatinus.

In diesem Fall ist die Möglichkeit gegeben, daß eine nichtodontogene Zyste durch den partodontalen Zugang infiziert wurde.
Wikipedia meint zur nasopalatinalen Zyste:

Die nasopalatinale Zyste ist auch unter der Bezeichnung „Zyste des ductus nasopalatinus“ bekannt. Sie entsteht aus Epithelresten des Ganges, der zur Embryonalzeit die Mund- mit der Nasenhöhle verbunden hat. Dieser Gang besteht nach der Geburt nur noch aus einem Knochenkanal (Canalis incisivus), durch den die gleichnamigen Gefäße und Nerven verlaufen. In seltenen Fällen kann sich in diesem Gang eine Zyste bilden, die aufgrund ihrer Ursache streng median (in der Mitte) lokalisiert ist. Im Röntgenbild ist eine solche Zyste (herz- oder birnenförmig) evtl. von einer an den Wurzelspitzen der mittleren oberen Schneidezähnen gelegenen radikulären Zyste nur schwer zu unterscheiden. Eine Sensibilitätsprüfung kann hier Gewissheit geben.

Therapieempfehlung: Ggf. chirurgische Therapie, Vorstellung der Patientin in einer parodontologisch spezialisierten Praxis.
Senisbilitätskontrolle 22 in 3 Monats abständen, 12-21 halbjährlich.

Literatur:

Klicke, um auf smfz-08_07-praxis1.pdf zuzugreifen

Große Empörung bei den Ärztehonoraren

Es ging vor Kurzem durch die Medien. Die zu hohen Ärztehonorare, eine ärztliche Tätigkeit im Impfzentrum betreffend. Stellvertretend hier ein Pressebeitrag, der die Thematik umreisst.

Streit um Ärztehonorare in Corona-Impfzentren in Rheinland-Pfalz


Noch werden die Impfungen gegen Corona erst vorbereitet, schon gibt es Streit darüber. Es geht um das Honorar für die Ärzte dort. Viele scheinen mithelfen zu wollen – und bekommen dafür auch einen ordentlichen Tagessatz.

140 Euro pro Stunde – diese Honorare in den künftigen rheinland-pfälzischen Corona-Impfzentren stoßen auf Kritik. Sie seien zu hoch, sagten mehrere Ärzte dem SWR. Die Honorarhöhe hatte das Land Rheinland-Pfalz mit der Kassenärztlichen Vereinigung ausgehandelt.

Weniger als die Hälfte für Notfallmediziner

Unverhältnismäßig, unanständig, überzogen, das erklärten praktizierende Ärzte dem SWR. Auch der ehemalige Nuklearmediziner in Koblenz, Professor Helmut Wieler, der Mainzer Obdachlosenarzt Gerhard Trabert oder der Arzt und Landrat des Kreises Altenkirchen, Peter Enders, sowie der Landkreistag äußerten sich kritisch. „Unsere Skepsis ist, dass man sich bei den Impfzentren nur einbringt, weil das vielleicht vergütet wird und sonst aber niemand da ist,“ erklärte der Vorsitzende des Landkreistages, Günther Schartz, im SWR. CDU-Fraktionschef Christian Baldauf warf der Landesregierung vor, sie habe sich „über den Tisch ziehen lassen“.

Ärzte, die als Notfallmediziner arbeiteten oder Bereitschaftsdienste übernähmen, bekämen weniger als die Hälfte der 140 Euro, so die Kritiker. Für die Ärzte in den Impfzentren bedeutet das einen Tagessatz von 1.120 Euro für einen Acht-Stunden-Tag. Dafür, dass sie die Menschen vor der Impfung beraten und im Notfall eingreifen. Das ist der Tagessatz, der dann auch für Ärzte im Ruhestand gelten soll, die keine Praxis mehr haben.

Wie es der Zufall so will, ist mir am letzten Arbeitstag vor Weihnachten eine aktuelle Rechnung unseres Dentaldepots in die Hände gefallen. Der Techniker, der unsere Saugmaschine in der Praxis reparierte, stellt einen Stundenlohn von 213 Euro und 73 Cent in Rechnung. Zum Stundenlohn hinzu kommen noch eine Fahrkostenpauschale von 94 Euro, so dass, sofern, wovon ich ausgehe, der Arzt im Impfzentrum eine solche nicht erhält, der Stundenlohn des Technikers, der 3 Stunden bei uns zugegen war, sich de facto auf 245 Euro und 6 Cent erhöht.

Keine Angst vor bösen Stiften!

von Jörg Schröder

Der Titel des heutigen Beitrages schmückte in leicht abgeänderter Form sowohl einige Wurzelspitzebeiträge als auch 90-minütige Vorträge.

Der Hauptdarsteller dabei immer: Das Thomas-Post-Puller-System. Wenn es nicht bereits verfügbar wäre definitiv etwas was erfunden werden müsste.

Und, wie ich finde, eine in einer spezialisiert arbeitenden Praxis eine Investition, die sich rentiert. In Zeit (und somit in Geld) und im Sinne von vorhersagbarer Machbarkeit einer Behandlung.

Sicher, es gibt endodontische Schulen, die in der vorliegenden Situation der WSR den Vorzug geben würde. 6 Millimeter Retro-Präparation und sogar noch länger sind mit den zur Verfügung stehenden Ultraschallansätzen möglich. Doch macht das diesen Zahn mechanisch stabiler? Und was spricht gegen die orthograde Revision? Maximal der ungewöhnliche und leider zylindrische Stift. Zu allem Übel auch noch mit diamantierter Oberfläche (was ich aber zum Zeitpunkt der Behandlungsplanung jedoch noch nicht wusste).

Klinisch lief die Behandlung dann wie im nicht vorhandenen Handbuch des Thomas-Systems beschrieben:

Freilegen des Stiftes, Einschätzen der Einschubrichtung, Reduktion des koronalen Aufbaus zu einem Beinahezylinder, zylindrische Präparation mittels stirnschneidendem Trepanbohrer, Aufschrauben des Gewindeschneiders und zu guter Letzt das Ansetzen der Spreitze.

Hier ist es wichtig, die mitgelieferten Silikonscheiben zu nutzen. Ich modifiziere diese so, dass ich an einer Stelle die Scheibe mit einem Skalpell so schlitze, dass ich sie nach dem Aufdrehen des Gewindeschneiders auf denselben aufschieben kann. So können problemlos auch, wenn erforderlich, mehrere Scheiben aufgebracht werden.

Nach Entfernung des Wurzelstiftes wurde der Zahn zwecks sicherem Kofferdamsitz adhäsiv aufbaut und dann nach Auffinden des Originalkanals aufbereitet und obturiert.

Sicher,

Mini-Molar 06/2020 klinisch

Von Christoph Kaaden

Hier noch ein paar klinische Impressionen der Behandlung…

Mini-Molar 12/2020

Von Christoph Kaaden

Jetzt hat es doch sechs Monate gedauert, bis wir unseren nächsten Mini-Molaren seit Sommer 2020 behandeln durften.

Bei dem Zuweiser gab es Probleme die beiden bukkalen Kanalsysteme zu finden.

Ausgangssituation mit frakturierter Krone an Zahn 14_ Aufnahme alio loco (Nebenbefund: apikale PA an 15 )

Alio loco gelang es bisher nur das palatinale Kanalsystem zu präparieren…

Masterpoint-Aufnahme nach Aufbereitung des palatinalen Kanals – alio loco

Mit der entsprechenden Vergrößerung war die Darstellung und Präparation der gesamten Kanalsysteme kein Problem…

Masterpoint-Aufnahme
Abschluss-Aufnahme nach WF mit Glasfaserstift palatinal und Kompositaufbau. (Bukkal 25.08/Pal. 35.06 )

Ich hoffe, 2021 hat weit mehr dieser speziellen Anatomie für uns parat….

Die „radiologische Zyste“ (2)

Über die „Un“Möglichkeit an Hand eines Röntgenbildes eine Zyste zu diagnostizieren hatte ich bereits geschrieben.
Quintessenz: Die Diagnose Zyste als Verdachtsdiagnose oder als eine Differentialdiagnose mit Verdacht angegeben.

Der erste Fall aus dieser Reihe

Die Patientin stellte sich ohne Beschwerden, ohne Symptome bei uns vor. Der apikale Befund war ein Zufallsbefund.
Klinische Befunde zeigte eine negative Sensibilität an 24 und 25. Auf Perkussion gab die Patientin keinen Schmerz an. Eher eine Art dezente Mißempfindung an 25. Der Lockerungsrad ist 0 und die Sondierungstiefen liegen zwischen 2-4mm.

Im Röntgenbild ist eine raumfordernde, scharf begrenzte, hypodense, weichteildichte Struktur im Sinne einer P. apicalis, differentialdiagnostisch radikalere Zyste zu erkennen.

Es wurde ein DVT angefertigt.

Die Patientin wurde zur geplanten Behandlung  beraten.
Die endodontische Behandlung steht an erster Stelle. Nach Röntgendiagnostik in Abständen von 6/ 12/ 24 Monaten können wir entweder eine Heilungstendenz/Heilung beobachten oder wir sehen eine weiter bestehende röntgenlogische Situation.
In diesem Fall ist die Differentialdiagnose Zyste wahrscheinlich oder ein persistierender periapikaler auf der Wurzeloberfläche aufgelagerter Biofilm.
In diesen Fällen ist ein chirurgischer Eingriff indiziert. Entweder in Form einer apikalen Kürettage oder Teilreketion der Wurzel.

Die endodontische Behandlung wurde wie besprochen durchgeführt.
Nach 6/12 Monaten ist eine deutliche Heilungstendenz erkennbar, die derzeit eine entsprechende chirurgische Intervention nicht notwendig erscheinen lässt.

War es nun keine Zyste?

Wir wissen es nicht. Alles ist möglich…
Literatur:
Proliferation of Epithelial Cell Rests, Formation of Apical Cysts, and Regression of Apical Cysts after Periapical Wound Healing
Louis M. Lin, BDS, DMD, PhD,* George T.-J. Huang, DDS, MDS, DSc,† and Paul A. Rosenberg, DDS*

Klicke, um auf PIIS0099239907001707.pdf zuzugreifen

 

WURZELSPITZE Plus Live Talk Mittwoch 16.12.2020 20 Uhr

Kurze Erinnerung: Unser zweiter WURZELSPITZE Plus Live Talk findet am Mittwoch den 16.12.2020 um 20 Uhr statt.

Den Zugangscode für die WURZELSPITZE Plus – Mitglieder findet man hier.

Ich weiss nicht, was man dazu sagen soll…

Ich bin ein wenig gefrustet so kurz vor Weihnachten.
Und das hat ausnahmesweise nix mit Corona zu tun.

Sondern mit der Tatsache, das ich in den letzten 2 Wochen 3 Patienten zur Weiterbehandlung vorgefunden habe, bei denen die Qualität der vorausgegangenen Behandlung, ich sag mal, als stark verbesserungsfähig einzustufen ist.

Okay, das ist eigentlich mein Tagwerk und ketzerisch könnte man anführen, davon lebe ich.

Aber – was mich so frustriert ist die Tatsache, dass alle 3 Behandler junge Kollegen sind.
Die es besser wissen und können müssten, von der Motivation es bestmöglich zu tun in der frühen Phase ihre beruflichen Tätigkeit mal ganz abgesehen.

Ein Beispiel habe ich angeführt, und glauben sie mir, die beiden anderen Beispiele sind NICHT besser. NICHT besser. Ach ja, aber die Aussendarstellung funktioniert bestens, wie ein Studium der Homepage offenlegt. Und JAMEDA ist voll des Lobes. Note 1,0.

Sehe ich die Sache vielleicht zu eng, zu frustiert, zu verbittert ?

Zur Krankengeschichte: Die Patientin, Anfang zwanzig, sucht wegen Zahnschmerzen (linke Gesichtshälfte, Seitenzahnbereich) den Hauszahnarzt auf. Es wird der Zahn 37 wurzelkanalbehandelt. Die Schmerzen bleiben. Danach wird der Zahn 36 wurzelkanalbehandelt. Die Schmerzen bleiben. So wird nun der Zahn 27 endodontisch versorgt. Die Schmerzen werden danach so stark, das die Patientin den Notdienst aufsuchen muss. Die Kollegin dort schlägt die Hände über dem Kopf zusammen, angesichts des Status Quo.

Nun kommt die Patientin zu uns.
Und ein jeder möge selbst sich ein Bild machen von der Situation.

Ich habe einfach mal die Zahnfilme Zahn 37 36 27 (Zustand nach WF) und die klinischen Fotos nach der Eröffnung des Zahnes 27 angehängt.

Alternativlos?

von Jörg Schröder

Das präoperative Einzelbild ließ in Verbindung mit dem Wissen, dass die vorgefundene Situation seit mehr als 2 Jahren bestand, eigentlich nur einen Therapievorschlag als sinnvoll erscheinen: Pulpektomie in einzeitigem Behandeln.

Anamnestisch wartete allerdings bereits die erste Überraschung, die nicht so recht ins Bild passen wollte: ausser geringer Missempfindungen, wenn eingepresste Speisereste mittels Zahnbürste oder Zahnstocher herausgelöst wurden, bestand weder eine Spontanschmerz, noch berichtete die Patientin über Warm- oder Kaltmissempfindungen.

Der Sensibilitätstest war nicht reizüberdauernd positiv. Klinisch war der Zahn symptomlos.

Die im Einzelbild erkennbare und im kleinvolumigen DVT ebenfalls darstellbare Hartsubstanzbarriere liessen mich dann jedoch nachdenken und die Möglichkeit einer zervikalen Pulpotomie  in Betracht ziehen. Zudem zeigten sich alle Parodontalspalten an allen Apizes durchgehend und pathologiefrei.

Somit wurde nicht zielstrebig die Pulpakammer eröffnet, sondern zunächst das kariös veränderte Dentin aus den Aussenbereichen des Defektes entfernt. Da die Form des 27 eine Belegung mit einer Kofferdamklammer stark erschwerte, entschied ich mich für eine Einzelzahnisolierung.

Um die nach initialem Versäubern verbliebenen dünnen Schmelzscherben nicht dem Risiko einer Teilfraktur auszusetzen – eine Molarenklammer kann schon erhebliche Kräfte ausüben – wurden zunächst die Wände nach Konditionierung der eskalierten Bereiche adhäsiv verstärkt.

Erst anschliessend wurde das verbliebene kariös erweichte Dentin mit neuen, sterilen Rosenbohrern entfernt. Dabei wurde nur im Bereich des palatinalen Kanalsystems die Pulpa geringfügig eröffnet.

Das Abtragen des Pulpakammerdaches wurde, ebenso wie das Reduzieren des koronalen Pulpagewebes, mit sterilen diamantierten Instrumenten unter ständiger Wasserkühlung ausgeführt. Die Blutstillung erfolgte mit in NaOCl getränkten Surgitips und liess sich problemlos realisieren. Nach Blutstillung wurde das Pulpagewebe mit grauem MTA Angelus abgedeckt und die Kavität anschliessend dentinadhäsiv verschlossen.

Da nach erfolgreichem Recall die Versorgung mit einer Teilkrone geplant ist, habe ich mich bei der Gestaltung der Füllung aus die wesentlichen Punkte konzentriert und auf ein Einfärben der Fissuren verzichtet.

Das Fragebild des Tages 20201211

Kennen Sie noch Dalli – Klick?

Ein JA des Antwortenden outet ihn als uralt.

Worum gings?
Damals?
Als das Fernsehen noch schwarz weiss war ?

Eine Quizshow (Dalli Dalli) des legendären Hans „Das war Spitze!“ Rosendahls.

Und Dalli-Klick zeigte ein Foto auf einer Leinwand das nach und nach, Klick für Klick, daher der Name, immer mehr in kleinen sich zeigenden Puzzleteilchen enthüllt wurde. Und wer es zuerst erriet von den Kandidaten, naja, ist klar, der hatte gewonnen.

Ich möchte auch so was machen.
Hier.
Immer mal wieder.
Ein Foto oder Röntgenbild zeigen.
Und dann fragen: Was sieht man? Was ist offensichtlich? Wofür steht dieses Bild/Röntgenbild?

Um den Blick zu schulen.
Und wer auf das Bild schaut und sogleich erkennt, was los ist, der darf sich gerne selbst stolz auf die Schulter klopfen. Denn für etliche Kollegen (m/w/d) ist es wahrscheinlich eben gar nicht auf der Hand liegend und ins Auge fallend.

Die Antwort gibt es im Übrigen immer schon im gleichen Beitrag.
Man kann also in Ruhe überlegen – und dann sofort überprüfen – in dem man nach unten scrollt – ob man richtig liegt.

Probieren wir doch mal sogleich aus, wie ich mir das vorstelle.

Röntgenbild 1.
Für mich typisch für die entsprechende Situation, die es herauszufinden gilt. So dass ich den Patienten sogleich im Vorgespräch drauf einstimmen kann, was uns erwartet. Und natürlich auch den Heil- und Kostenplan von vornherein anpasse. Letzteres immer sehr hilfreich.

Also? Warum geht es?
Nicht ganz offensichtlich, aber erkennbar.

Leichter wird es schon im Röntgenbild 2.
Hier gibt es schon einige deutlichere Hinweise, die auf die Lösung hindeuten.

Ganz offensichtlich dann im Röntgenbild 3.
Jetzt ist es einfach.

Worum also handelt es sich hier.
Was ist die Gemeinsamkeit in allen 3 Röntgenbildern ?

Die Auflösung findet man weiter unten.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

.

Schauen wir uns zunächst Röntgenbild 1 an.

Was mir auffällt ist der apikal

sehr dünne
sehr definierte
gerade
gleichmäßige
und an den Kanten scharf definierte Verlauf der Wurzelkanalfüllung.

Bei einer konventionellen Wurzelkanalfüllung würde dies unregelmäßiger aussehen.

Meine Verdachtsdiagnose ?

Eine Thermafil – Wurzelkanalfüllung.
Hätten sie es auch erkannt, auch so gesehen?

Ich finde diese Info wichtig, weil ich die PatientInnen schon im Vorfeld drauf hinweisen kann, dass die Revision keine ganz einfache werden wird, das Kunststoffstifte in den Kanälen drinstecken. Und dies spiegelt sich natürlich auch im Heil- und Kostenplan wieder.

Hier im Übrigen das Röntgenbild nach unserer Wurzelkanalfüllung.
Der Patient hatte an Zahn 46 im Übrigen keine Probleme vor Revision, die knöcherne Verdichtung apikal der distalen Wurzel sah schon in 10 Jahre alten Röntgenbildern genau so, unverändert aus. Und die Wurzelfüllung präsentiert sich im Röntgenbild mehr als einwandfrei. Nachdem wir die alte WF allerdings entfernt hatten, berichtete der Patient noch intraoperativ, das ein offensichtlich latent vorhandener Druck sich schlagartig und deutlich reduziert hatte.

Falls die Thermafil- Stifte im Fall 1 nicht erkannt wurden, wie sieht es denn mit Fall 2 aus.

Hier ist der Sachverhalt schon deutlich offensichtlicher.
Wieder auffällig, mesial die schlanke, definierte Form der Wurzelkanalfüllung apikal.

Und dann der Puff palatinal.
Ein Hinweis auf ein warmes WF- Verfahren?
Vermutlich.

Aber für eine Schilder- Technik – WF ist die Aufbereitung viel zu schmal.
Und dann noch – auch palatinal – die schnurgerade Linie mesial und die unregelmäßige WF- Verlaufsform auf der abgewandten Seite – das hier sieht mir alles schon sehr sehr stark nach Thermafil aus – und so war es dann auch.

Da wäre dann noch Fall 3.

Das ist jetzt so eindeutig Thermafil, da könnte man schon drauf wetten.
Wieder diese schlanke Form der WF apikal zu sehr dünnen Durchmessern.
Und dieser gerade Verlauf.
Eine konventionelle Guttaperchaspitze würde nie so gerade nach unten kommen in einem solch engen Kanal. Alles in Allem schon sehr eindeutig.

Und der AHA – Effekt beim Patienten, wenn Alles wie vorhergesagt eintrifft, ein wichtiger Akzent der Vertrauensbildung.

p.s.: Wie wäre es mit einer Rückmeldung in den Kommentaren ?
Ich habs gleich erkannt, ich habs nicht gesehen…

Würde mich freuen!

Sturz im Bad (III)

Von Christoph Kaaden

Vor ein paar Tagen erreichte uns eine kurz gehaltene E-Mail des Zuweisers zu diesem bzw. diesem Traumafall.

Magdalena war heute bei mir zur Kontrolle. Beschwerdefrei, klinisch fest, keine apikale Druckdolenz“

Hier noch die mitgeschickten Recallaufnahmen.

Alio loco angefertigtes Kontrollröntgenbild ca. 6 Monate nach Trauma

Klinische Situation – alio loco aufgenommen

Ich werde weiter über den Verlauf bei Magdalena berichten…

Die „radiologische“ Zyste

Und da war sie wieder die Diagnose: Zyste. Radiologisch erhoben. Am Telefon von einem Kollegen, der wiederum hat sie von einem Kieferchirurgen und wo der diese Diagnose her hat, weiß ich nicht.

Die Definition Zyste: Zysten sind als pathologischer Hohlraum mit epithelialer Auskleidung definiert.

Quelle: Johnson N R, Gannon O M, Savage N W, Bat­
stone M D: Frequency of odontogenic cysts
and tumors: a systematic review. J Investig Clin Dent 5: 9–14 (2013)

Nun stellt sich mir die Frage, kann ich im Röntgenbild ein Epithel erkennen?
Nein.
Kann ich dann die Diagnose Zyste stellen?
Nein.
Dann sollte als Diagnose eine Verdachtsdiagnose oder eine Differentialdiagnose mit Verdacht angegeben werden.

In der Endodontie 2019 kann man das wunderbar  nach lesen:

Radiologie
Die mitgebrachten radiologischen Aufnahmen wurden zur Diagnostik mit herangezogen: Das OPG (Abb. 1) zeigt ein bleibendes adultes Gebiss mit persistierendem Milchzahn 85. Zum Zeitpunkt der Aufnahme war der Zahn 21 noch in situ. Die zarten und inhomogenen Verschattungen im In neren des Zahns sind als Zeichen einer versuchten Wurzelkanalbehandlung zu interpretieren. Apikal und lateral der Wurzelspitze des Zahns 21 sind re- lativ scharf begrenzte, rundliche Aufhellungen zu erkennen. Die Zähne 21 und 22 sind im Bereich der Wurzel deutlich divergent. Die Osteolyse er- streckt sich scheinbar polyzystisch (2-kammerig) nach kranial bis oberhalb der Spina nasalis und verdrängt die faziale Kieferhöhlenwand. Die Ein- zelzahnaufnahme (Abb. 2, gleiches Datum) bestätigt die Osteolysen in Regio 21/22.
Aufgrund der geplanten Zystektomie und der Größe der Zyste wurde alio loco ein Dental-CT
Abb. 2 Einzelzahnaufnahme gleichen Datums mit apikaler Par- odontitis an Zahn 21.
angefertigt. Das vorhandene axiale Schnittbild auf Höhe der Wurzelspitzen (Abb. 3) zeigt zwei von- einander getrennte Zystenlumina in die einerseits Zahn 21 und andererseits Zahn 22 bis 24 hineinragen. Es ist eine deutliche Auftreibung der vesti- bulären Kortikalis von 22 bis 24 zu erkennen. Die zum Palatum durum gerichtete Auftreibung ist nur minimal.
In den sagittalen Schnittbildern (Abb. 4 und 5) sind in Abhängigkeit von der Schnittpositionie- rung entweder ein oder zwei getrennte Zystenlu- mina zu sehen.
Nach der Befundung der Röntgenbilder wurde die Verdachtsdiagnose einer infizierten Zyste ausgehend von der Invagination an Zahn 22 gestellt.

Endodontie 28 (2019), Nr. 3, Seite 365-369
Zwei benachbarte Zysten
Bürklein, Sebastian / Schäfer, Magdalena

Nun stelle ich drei Röntgenbilder vor und bitte um die Bewertung Verdachtsdiagnose Zyste oder röntgenlogisch erkennbare apikale Aufhellung, oder was noch?

35 mit tiefer Aufgabelung

von Jörg Schröder

Bereits das präoperative Röntgenbild liess zumindest ein linguales Kanalsystem vermuten.

Das DVT zeigte jedoch,. dass sich B in der Tiefe in MB und DB aufgabelte, wobei DB in Krümmung nach Distel und MB eher als eine Art Sackgasse und deutlich vor der Arbeitslänge des DB endete.

Trotz Erweiterung des B über das normale Mass hinaus – das PostOp-Bild zeigt dies deutlich – gelang es nicht die Aufgabelung in der Tiefe zu visualisieren. Vorgebogene ProTaper-Handinstrumente liessen sich in MB bis zu S1 auf Patency führen.

Der linguale Kanal war besonders initial sehr unangenehm aufzubereiten, da er zunächst auf deutlicher Strecke zunächst nach bukkal verlief.

Nach Insertion des Masterpoints in DB und thermisches Kürzen desselben bis kurz vor die Aufgabelung wurde MB in reiner Squirttechnik gefüllt.

Das Recall wird zeigen, ob laser- und schallaktivierte Spülung erfolgreich gewesen waren.

Beim Geld hört gewöhnlich die Freundschaft auf

Beim Geld hört gewöhnlich die Freundschaft auf.
So lautet ein altes Sprichwort, dem vermutlich nur die Wenigsten den Bezug zur Realität abstreiten wollen. Im Gegenteil in diesem kurzen Satz steckt viel Wahres drin.

Weil unsere Freundschaft mit dem Leser aber genau daran – am schnöden Mammon – nicht scheitern soll, möchte ich nicht in wenigen Sätzen innerhalb eines Kommentares, sondern ausführlich und für Alle im Rahmen dieses Beitrages den Sachverhalt, den WURZELSPITZE – Jahresbeitrag betreffend, erläutern.

Zunächst darf der geneigte Leser davon ausgehen, dass – wer mich kennt, weiss dies – ich mir sehr viele Gedanken gemacht habe, Niemanden zu überfordern.

Nicht den Leser, aber auch nicht die Leser untereinander.
Und ja, es war uns klar, dass irgendwann es Stimmen gegeben würde, die angesichts einer jährlichen Entrichtung des Mitgliedsbeitrages (unabhängig vom Eintritt in den Verteiler) sich ungerecht behandelt fühlen.

Auf einen ersten Blick betrachtet kann ich diese Affektion auch gut nachvollziehen.
Denn wäre nicht das genaue Gegenteil des gegenwärtig Gehandhabten, sprich eine tagesgenaue Abrechnung, die gerechtere Variante ?

Ich vermute, dass die Kollegen, die erst im Verlaufe des Jahres, erst im September oder Oktober zu uns gestossen sind, diese Abrechnungsvariante bevorzugen würden. Darauf hin deuten die 2 Kommentare, man möge sich bitte erklären.

Zunächst – was man diesbezüglich wissen muss – Wir könnten eine solche Zahlvariante in der gegenwärtigen Konstellation nicht bewältigen. Man müsste den Jahresbeitrag, durch 365 geteilt, mit der Anzahl der teilgenommenen Tage multiplizieren, wobei in jedem einzelnen Fall überprüft werden müsste, wann genau der Teilnehmer der Liste beigetreten ist und wann gegebenenfalls er/sie wieder die Liste wieder verlassen habe. Erschwerdend kommt hinzu, dass wir nicht einen, sondern 4 mögliche Jahresbeiträge haben, je nach Status der Lesers (Student/Angestellter Zahnarzt/Niedergelassener Zahnarzt/Wurzelspitze Plus Mitglied (alle m/w/d selbstverständlich).

Aber auch die zweite Variante, einer Laufzeit für exakt 365 Tage ist für uns nicht handhabbar. Setzt dies doch voraus, das wir uns das genaue Ablaufdatum für jeden Einzelnen merken und zu gegebener Zeit die Mitgliedschaft beenden.

Um es ganz klar zu sagen: Wir können dies nicht bewerkstelligen.
Es übersteigt unsere Resourcen. Aber gerade deshalb haben wir auch vor dem Wiederaufleben von WURZELSPITZE verschiedene kommerzielle Dienstleister untersucht, die sich dieser Thematik professionell annehmen.

Wir haben uns dagegen entschieden.
Auch wenn für uns dies am einfachsten wäre.
Und diese Diskussion und diesen Sonntagvormittag- Artikel unnötig machen würde.

Warum ?
Weil die Bezahlportale für die banale Dienstleistung des Geldentgegennehmens und Weiterleitens unterm Strich eine saftige Gebühr von ca 12 – 18 Prozent verlangen.

Unserer Meinung nach viel Geld, das wir dem Leser sparen wollen. Aber – sollte der allgemeiner Konsens hier so sein, das die Mehrheit eine solche Abrechnungsart wünschte und bereit ist, die Mehrkosten hierfür zu tragen, so werden wir dem Wunsch nachkommen.

Ein anderer Grund wog aber noch schwerer.
Der meines Erachtens die vermeintlich gerechte tagesgenaue Bezahlung als falsch entlarvt.

Worum handelt es sich bei WURZELSPITZE?

WURZELSPITZE ist ein zahnmedizinisches Fortbildungsmedium.
Eine Wissenssammlung.
Ein Nachschlagewerk.

In analogen Zeiten wäre es vielleicht ein Buch geworden.
Oder, die Älteren kennen es vielleicht noch, eine Wissenskartei als Loseblattsammlung a la DAISY. In eine Box einzuordnen oder, wie andere analoge Print – Infomodelle, die es gab und vermutlich immer noch gibt, in einen Schnellhefter einzuordnen.

Dies berücksichtigend, betrachten wir nun 2 Szenarien im Hinblick auf eine vermeintlich gerechte tagesweise Abrechnung von WURZELSPITZE:

ad 1
Es ist vollkommen egal, ob jemand das Buch „WURZELSPITZE“ am 1. Januar 2020 oder am 31. Dezember 2020 kauft. Der Käufer kann auf alle Inhalte von WURZELSPITZE zurückgreifen, er kann alle Seiten des Buches durchblättern. Und nicht nur das. Er kann neben 2020 noch auf alle früheren Jahre bis ins Jahr 2008 zurückschauen. Auf die Endo übertragen wäre das der Fall, wenn ich beim Kauf der 14. Ausgabe der „Pathway of the Pulp“ noch alle 13. früheren Ausgaben kostenlos hinzugeliefert bekäme.

Niemand käme auf die Idee, beim Kauf eines Buches, das am 01. 01. 2020 erstveröffentlicht wurde, beim Kauf kurz vor Weihnachten einen Nachlass zu fordern.
Das wäre absurd.

Warum also bei WURZELSPITZE?
Vielleicht, weil das tägliche Erscheinen den Vergleich zur Tageszeitung suggeriert und in unseren Alltag mittlerweile ja zahlreiche Abo – Modelle, denken wir an den Fitness Club oder Sky TV – Einzug gehalten haben. So gesehen ist die Frage nach tagesgerechter Abrechnung eine nicht nur naheliegende, sondern sogar eine sich zwangsläufig aufdrängende.

ad 2
Betrachten wir zunächst das Beispiel der Tageszeitung.
Tag für Tag kaufe ich am Kiosk die täglichen Neuigkeiten oder ich schliesse ein Jahresabo ab. So oder so erhalte ich immer genau das, wofür ich zahle. Ein bestimmte Anzahl bedruckten Papiers. Mit dem Zugang zu WURZELSPITZE hingegen häufen wir ein riesiges Paket aller Zeitungen des Jahres auf den Tisch. Streng genommen einen babylonischen Turm von Ausgaben aus über 11 Jahren, aber lassen wir Letzteres aussen vor und betrachten nur 2020. Würden wir tagesanteilig berechnen, wäre dies eine Ungerechtigkeit all den Leuten gegenüber, die zum Ersterscheinungsdatum die WURZELSPITZE -„Zeitung“ kaufen würden. Wer am 01.01. 2020 beitritt, zahlt 365 Tagesausgaben, wer am 31.12.2020 beitritt, nur eine einzige Ausgabe. Bekommt aber dennoch alle 365 Ausgaben geliefert.

Man sieht, eine solche tagesabhängige Abrechnung, so naheliegend und gerecht sie erscheinen mag, sie ist es nicht. Es gibt keine gerechte Abrechnungsmöglichkeit auf dieser Basis, nur eine vorteilhafte für den einen oder den anderen. Beim tagesbezogenen Modell profitiert am meisten derjenige, der am 31.12. eintritt, am wenigsten der vom 01.01. Und dann nähern sich die Unterschiede im Verlauf des Jahres bis zur Jahresmitte immer mehr an.

Beim Kauf eines Buches hingegen gibt es, die Inhalte betreffend, keine Ungerechtigkeit dahingehend, dass jeder für den gleichen Inhalt die gleiche Summe zahlt. Oder, um bei der Zeitung zu bleiben. Alle kriegen den gleichen Stapel für den gleichen Preis. Die einen bekommen den Stapel früher geliefert und in Einzellieferungen, der andere später und im großen Haufen.

Aber alle zahlen gleich viel.
Das erscheint mir als die gerechtere Variante.

Bleibe noch der Vergleich zum Fitnesstudio oder zu Sky TV.
Bei ersterem ist klar und das macht es ja auch so einfach in der Abrechnung. Wer erst im November eintritt, konnte bis Oktober nicht trainieren. Muss auch nicht zahlen. Um auf die Tageszeitung zurückzukommen, wer erst ab November zahlt, bekommt auch nur ab diesem Tag X die Zeitung. Im Zeitungsarchiv der letzten 11 Jahre blättern, geht nicht. Könnten wir theoretisch bei WURZELSPITZE auch machen. Als Newsletter. Aber das macht für uns keinen Sinn. Ist ja genau das, was wir nicht wollen. Wir wollen, das Jeder JEDE der 11 Jahresausgaben durchblättern kann.

Bliebe noch SKY TV.
Auch dort ist es so, dass die zeitraumabhängige Abrechnung im Abo – Modell den Vergleich zum WURZELSPITZE- Wissensarchiv nicht standhält. Ich kann nämlich immer nur das schauen, was gerade angeboten wird. Und der tolle Film im März ist im September nicht mehr verfügbar. All diese Abo-Modelle beruhen darauf, dass einer bestimmten Summe X eine begrenzte Auswahl an Resourcen gegenübersteht und unterscheiden sich daher fundamental von dem, was WURZELSPITZE bietet.

Kommen wir zurück zur Abrechnungsdatei DAISY.
Mit dem Kauf (egal ob am 01.01. oder am 31.12.) erwirbt man das DAISY-Grundwissen aller früheren Jahre bis heute. Mit dem Abo in gleicher Höhe für das jeweilige nächste Kalenderjahr die zukünftigen Neuerungen.

Genau so ist es mit WURZELSPITZE.


Zeit heilt nicht alle Wunden.

von Jörg Schröder

Vor 20 Monaten stellte sich der Patient zum ersten Mal in unserer Praxis mit diesem Befund vor.

Mittlerweile hat sich die Resorption den Weg zur Pulpakammer gebahnt.

Interessant zu sehen, wie die bukkale Wurzelkontur knöchern ersetzt worden ist.

Recruiting

Wer hat keine Personalnot? Der kann trotzdem weiter lesen.

Vor 12 Monaten hätte ich gesagt, ich habe keine Not.

In 12 Monaten hat sich alles verändert.
2 Mitarbeiterinnen wurden schwanger, 1 ist in Elternzeit.
1 weitere Mitarbeiterin ist von heute auf morgen aus familiären Gründen verzogen. Das ist für eine kleine Praxis mit 2 Behandelrn eine Katastrophe. Zumal wir ein sofortiges Beschäftigungsverbot für die schwangeren Mitarbeiterinnen ausgesprochen haben. 

Als fast Krönung ist auch die Putzfrau aus Angst vor einer Cvid-19 Infektion zeitiger in Pension gegangen – zum selben Zeitpunkt.
Und gibt es noch etwas zum Steigern?
Ja, unser Thermodesinfektor, Getinge ist ausgefallen und seit dem 14.08.2020 steht er beim Händler und soll repariert werden. Getinge liefert nicht die notwendigen Teile, bzw. nennt keine Liefertermine. ( Stand 22.11.2020 – immer noch defekt )

Wie soll man mit diesen Veränderungen umgehen?
Ehrlich gesagt bin ich jetzt froh, daß mich 40 Jahre Sozialismus etwas abgehärtet haben.
Allerdings hilft das bei den derzeit verrückten Materialengpässen in Kombination mit den oben genannten Probleme immer weniger.

Was tun?
Zunächst haben wir auf einschlägigen Portalen annonciert. Arbeitsamt, KZV Seite, Indeed, Ebay Kleinanzeigen etc.
Ergebnis: Man lernt unglaublich viele Recruiting Teams kennen. Alle bieten gerade Sonderpreise an. 

Hat mein einmal auf indeed annonciert wird man mit Recruiting-Mails überschwemmt.
Nimmt man die Annonce raus, sind sofort weniger Recruiting-Mails.Mobile Recruiting – mit dem Smartphone neues Personal finden…
Schnellestelle.de

Wir haben viel Geld für Klicks und keine Bewerbungen ausgegeben. 

Recruiting – Rekrutieren habe ich zuletzt in der Nationalen Volksarmee gehört. Da war ich Rekrut. Das war eine wenig angenehme Zeit.
Und nun sind Sie wieder hinter mir her und wollen mich, oder vielleicht auch für mich rekrutieren. Für mich ist dieses Wort schlecht besetzt. Aber Anglizismen sind in.
Mehr Infos gibt es auch in diesem Wiki.

Unsere Versuche über Ebay Kleinanzeigen brachte:

  • 114 Besucher
  • 2 mal gemerkt

Kosten: 2 x €18,95 (Topanzeige)  gesamten November

Indeed:

  • 21 Klicks
  • 1 Bewerber – Zahnarzt die eine Stelle suchte, keine ZMF. Dafür musste ich noch €12,58 extra zahlen, obwohl es nicht zum Bewerberprofil passte

Kosten: €73,63
Obwohl ich die Anzeige erst wieder im Oktober aktiviert habe, sind Gesamtkosten seit August von €200,32 entstanden. Hier fehlt mir die Transparenz.
Seit wir die Annonce pausiert haben, kommen auch keine Personalvermittlermails.
Haben wir deren Klicks bezahlt? Wahrscheinlich…

Verstärkung haben wir bekommen durch eine ehemalige Mitarbeiterin. Die Einarbeitung ist dadurch leichter, da die Arbeistabläufe nicht ganz unbekannt sind. Sie ist glücklich wieder bei uns arbeiten zu können.
Mal sehen, wie es weiter geht. Wir suchen weiter – über unsere Mitarbeiterinnen und Ebay Kleinanzeigen. Ach, ja und über das gute alte Arbeitsamt auch weiterhin. Das hat uns ebenso Bewerberinnen eingebracht. Eine aus dem Endobereich, nur leider unbedingt jetzt ZMP werden möchte.

 

Einschreibung WURZELSPITZE für 2021

Ab heute, dem 1. Dezember läuft die Einschreibung für das Jahr 2021 bei WURZELSPITZE.

Die Gebühren sind unverändert: 2 Euro pro Monat für Studenten/Studentinnen, 4 Euro pro Monat für angestellte Zahnärzte (m/w/d), 8 Euro pro Monat für selbstständige Zahnärzte/Zahnärztinnen und 20 Euro pro Monat für Wurzelspitze Plus – Mitglieder.
Demnach 24, 48, 96 und 240 Euro für 2021 insgesamt.

Wer nicht mehr teilnehmen möchte, der muss im Übrigen nichts weiter tun.
Der Zugang läuft dann zum 01.01.2021 aus. Heisst aber auch, sinnvollerweise, für Alle, die gerne bleiben möchten, am besten zeitnah anmelden, damit das Ganze nicht im Covid- Vorweihnachts-Stress untergeht und man im neuen Jahr ohne Zugang darsteht.

Hier noch die Bankverbindung:

Kontoinhaber: Susanne Herrmann
IBAN DE90 5609 0000 0002 0958 08

Verwendungszweck: Teilnahmegebühr QZ WURZELSPITZE 2021

Und abschließend- damit es im Vorweihnachtsstress nicht untergeht – der Hinweis auf den nächsten WURZELSPITZE Plus Live Talk: Mittwoch 16.12.2020 20 Uhr.

Wissen was kommt und trotzdem Grenzen erfahren.

von Jörg Schröder

Dass ein präoperatives DVT die Behandlung komplexer Kanalstrukturen erleichtern kann wurde hier schon oft gezeigt.

In nachfolgendem Fall ist das mechanische Bearbeiten der Kanalsysteme aber so gar nicht so gelaufen, wie es am DVT sinnvoll erschien.

D verlief koronal stark eingeengt als einzelner Kanal nach apikal. Die dortige Aufgabelung wurde im DVT perfekt dargestellt.

Dennoch war es mir ohne massives Erweitern des Kanals nicht möglich gewesen, die apikale Aufgabelung rotierend zu instrumentieren. Fast 45 Grad vorgebogene Handinstrumente liessen sich nach einigem Üben zwar bis zum Foramen vorbringen, rotierenden Instrumenten – selbst vorgebogenen HyFlex-Feilen – war das nicht vergönnt. So musste ich mich mit der ProTaper-Handfeile S1 begnügen.

Mesial erschien es vom Verlauf der Kanalsysteme zunächst so, dass der Weg über ML der geometrisch einfachere zu sein schien. Praktisch konnte ich aber nur aus MB heraus bis zu einem der beiden Foramina vordringen. Denn auch die apikalen Anteile des MB und des ML zweigten nach der Konfluation wieder auf. MM konfluierte bereits im mittleren Drittel mit MB.

Frustrierend, wenn man den Verlauf „entschlüsselt“ hat und es trotz aller Mühen nicht schafft, die Aufzweigung zu instrumentieren. Das schall- und laserunterstützte Spülen scheint den Sealerspuren zufolge zumindest in D etwas bewirkt zu haben.

Mesial wird das Recall zeigen, ob es gereicht hat.

 

Trauma nach Radunfall mit Déjà-vu (IV)

Von Christoph Kaaden

Circa acht Monate nach dieser bzw. dieser Behandlung erfolgte heute ein weiteres Recall.

Zahn 21 reagiert weiterhin vital auf Kältestimulation.

Auch klinisch stellt sich die Situation erfreulich dar.

In weiteren sechs Monaten wissen wir mehr…

Wie verhalten ? (I)

Von Christoph Kaaden

Heute möchte ich Ihnen eine „Patientenanfrage“ vorstellen und Sie fragen, wie Sie sich verhalten würden (bzw. wie ich mich verhalten soll)…

Folgende SMS erhielt ich letzte Woche am Mittwoch Abend:

„Hallo Dr. Kaaden,kann es sein, dass Ihre Tochter Sophie bei meiner Tochter Sissi in der Klasse 4d ist? Habe gerade Ihren Namen ausgesprochen und meine Tochter meinte, dass eine Klassenkameradin genauso mit Nachnamen heißt…. 

Ich wollte Sie fragen ob meine Frau zu Ihnen in die Behandlung kann? Unser Zahnarzt wollte sie eigentlich zu Dr. XXX in Grünwald schicken, aber die Terminkoordination gestaltet sich etwas kompliziert… Sie hat eine Wurzelspitzenenzündung. 

Mit besten Grüßen AJ“

Als Hintergrund muss man ggf. noch wissen, dass beide unsere Töchter zu Beginn des laufenden Schuljahres die Schule gewechselt hatten…meine private Handynummer hatte der Patient, weil ich ihn vor circa einem Jahr behandelt habe und ihm in diesem Zug eine Nachricht geschrieben hatte.

Ich antwortete:

CK: „Hat Ihre Frau ein akutes Problem?“

Antwort AJ: “ Ja, sie nimmt seit 5 Tagen Clindamycin. Der Zahn ist bereits wurzelbehandelt. Das letzte Röntgenbild wurde vor einem Jahr gemacht“

Daraufhin habe ich der Ehefrau für den darauffolgenden Tag (=Donnerstag) einen Untersuchungstermin freigeräumt und bei dem Hauszahnarzt (ein Freund der Patientin und ferner ehemaliger Klinikkollege aus der Prothetik, der gelegentlich an uns überweist) für weitere Informationen kontaktiert.

Hier sein letztes Röntgenbild mit Erläuterung der Situation:

„Guten Morgen, 

Pat kommt heute zu Euch… 15 WF 2013 / 14 WF 2010. Zystische Aufhellung seit mehr als 3 Jahren bekannt und kommuniziert. Erhaltungswürdigkeit??? 

Das angefertigte DVT (Screenshots zu einem späteren Zeitpunkt) liess den Zahn 15 als ursächlich erscheinen (u.a. übersehenes palatinales Kanalsystem bei sehr tiefer Gabelung).

Ansonsten ergab die klinisch-radiologische Untersuchung keine besonderen Erkenntnisse. Auf der bekannten Schmerzskala gab die Patientin einen Grad 4 an…

wir vereinbarten einen Revisionstermin für die darauffolgende Woche.

Freitag früh um 7:09 erhielt ich dann vom Ehemann folgende SMS:

„Guten Morgen Dr. Kaaden,vielen Dank, dass der Termin für meine Frau so rasch geklappt hat. Sie hat seit gestern Abend leider unerträgliche Zahnschmerzen trotz Ibuprofen 800. Was könnten wir da machen? Beste Grüße AJ“

Da ich an diesem Freitag nicht in der Praxis war sondern u.a. (virtuelle) Vorlesungen an der Uni hielt schlug ich dem Ehemann vor, dass seine Frau als Erstmassnahme ein stärkeres Schmerzmittel nehmen sollte (Novalgin) und sich ferner an Ihren Hauszahnarzt und Freund wenden möge…

Um 13.56 dann diese SMS:

Hallo Dr. Kaaden. Das Novalgin schlägt bei meiner Frau leider nicht an. Kennen Sie irgendeinen Spezialisten wo meine Frau heute hingehen könnte? Unser Hauszahnarzt hat sich auf unsere Kontaktaufnahme nicht gemeldet. Beste Grüße AJ“

Was nun? Wie würden Sie sich verhalten?

Ich bin gespannt…

Recall

immer wieder laden wir von uns behandelte Patienten zu einem Recall ein.
Wirtschaftlich betrachtet ein Wahnsinn. ( ä1, Rö2 ). Die Patienten kommen mitunter nicht, sagen nicht ab und man hat eigentlich genügend Patienten die auf einen kurzfristigen Termin warten. Wir hofften mit einer SMS Erinnerung mehr zu erreichen. Diese hat sicher die Vergesslichen erinnert. Aber es gibt trotzdem noch einiges an Ausfällen.

Wir wissen nicht, warum der Patient nicht kommt.
Ist der Zahn entfernt, ist der Zahn so schmerzfrei, daß er vergessen wurde samt Termin, oder, oder, oder.
Wir lassen uns nun häufiger Röntgenbilder vom HZA zusenden und befunden diese. Ist häufig auch nicht optimal.
Nun schrieb uns ein Patient noch vor der SMS eine Mail:

Sehr geehrter Herr Dr. xxxx,
Sehr geehrtes Praxisteam,
ich habe am 24.11. um 8 Uhr 30 einen Kontrolltermin den ich absagen muss, ich befinde mich auf Montage in Brandenburg und kann den Termin nicht wahrnehmen. Ich bitte um Entschuldigung, möchte Ihnen auf diesem Wege noch mal herzlich für Ihre perfekte Arbeit danken, ich bin sehr froh das Sie mich von meinen Schmerzen befreit haben…..
DANKE
für Sie und Ihr Team alles Gute, bleiben Sie gesund.
Mit freundlichen Grüßen 

xxxx

Das ist eine Nachricht die uns freut und hilft auch wenn wir kein Röntgenbild haben werden. Deshalb werde ich zukünftig die Patienten, welche nicht kommen, bitten, uns mitzuteilen ob es Probleme gab oder gibt.
Hier der Fall.

Zahn 21, weit offener Apex, große apikale Aufhellung

Den heutigen Fall möchte ich vorstellen auf Grund unseres WURZELSPITZE Plus Live-Meetings vergangenen Mittwoch. Ein Thema, das ausführlich besprochen wurde, war das Handling von MTA im Zusammenhang mit weit offenen Apices, also zum Beispiel bei Zustand nach WSR oder Frontzahntrauma bei jugendlichen Frontzähnen. Handling des MTA ´s per se (Konsistenz, Applikation in den Kanal hinein), die Anwendung von intrakanalären Einlagen und der Einsatz von Kollagen als apikale Barriere kamen zur Sprache. Mit teils sehr konträren Vorgehensweisen. Viele Wege führen nach Rom. Viel aber auch ins Nirgendwo und der Talk bestätigte die Wichtigkeit der Idee, Behandlungsoptionen bis ins kleinste Detaill vorzustellen, damit der Zuhörer anschliessend in eigener Praxis erfolgreich das präsentierte „Rezept“ nachkochen kann.

Nachfolgend ein paar Röntgenbilder und Fotos zu einem Fall, den ich in der letzten Woche behandelt habe und der wunderbar zur Thematik passt.

Die 21 jährige Patientin, Tochter eines Klassenkameraden sucht auf Wunsch der Eltern am 15. Juni diesen Jahres mit der Bitte um Rat bezüglich der Entfernung der Weisheitszähne unsere Praxis auf. Im angefertigten OPG findet sich als Zufallsbefund der Zahn 21 mit ausgedehnter apikaler Aufhellung und Zahn 22 mit stark vorangeschrittener Wurzelresorption. Letzeres ist leidlich bekannt, weil zur Abschlussbesprechung der vor einigen Jahren durchgeführten KFO – Behandlung der behandelnde Kieferorthopäde die Patientin beiläufig darauf hinwies, sie würde vermutlich irgendwann mit diesem Zahn Probleme bekommen. Im Zahnfilm wie im 3D Röntgenbild zeigt sich eine ausgedehnte apikale Knochendestruktion, ein Trauma in der Jugend, den Zahn 21 betreffend, ist nicht bekannt, aber anzunehmen. Die endodontische Behandlung erfolgte bei uns zunächst am 23.06.2020 mit Eröffnung des Zahnes 21, initialer Wurzelkanalbehandlung, intensiver Spülung (schall- und laseraktiviert) sowie abschliessender Ledermix- Einlage und Cavitätenverschluss mit Teflon/Cavit/Glasionomerzement. Die telefonische Nachfrage am nächsten Tag ergibt Schmerzfreiheit und unauffällige Ergebnisse. Jedoch am 29.06. Wiedervorstellung, wegen Schmerzen und einer leichten vestibulären Schwellung in regio 21,22. Ich inzidiere, minimaler Pusabfluss. Am 03.08. erfolgt die geplante Weiterbehandlung, wie immer in solchen Fällen mit einer 16 wöchigen Calciumhydroxid- Einlage. Bei der Wiedereröffnung des Zahnes am 16.11. zeigt sich am Foramen apicale eine deutliche und erstaunlich feste Reossifizierung, die auch Manipulationsversuchen mit einem Terauchi-Instrument widersteht. Die WF in Form eines apikalen MTA – Verschlusses erfolgt in gleicher Sitzung. Eine Überpressung von MTA in den periapikalen Raum wird vermieden, ein Kollagenwiderlager ist nicht notwendig. Der Backfill mittels warmer Guttapercha und Sealer, von uns immer am Tag danach geplant, wird wegen Totalstillstand der Praxis (Saugmaschine defekt) dann am 20.11.2020 durchgeführt. Im WF- Kontrolle- Zahnfilm ist ein beginnende ossäre Reossifikation zu erahnen. Das Feedback der Patientin am Tag danach. Alles okay!

Kronen-Wurzelfraktur

von Jörg Schröder

Kronen-Wurzelfrakturen gehören für mich mit zu den herausforderndsten Behandlungen im Bereich der dentalen Traumatologie. Zum einen, weil die davon betroffenen Patienten zumeist recht jung sind und zum anderen weil uns diese Patienten häufig erst mit deutlichem Zeitverzug aufsuchen.

Die Herausforderung liegt in der Notwendigkeit die oftmals äquicrestal oder leicht subcrestal gelegenen Frakturen so darzustellen, dass das Fragment im Idealfall adhäsiv wiederbefestigt werden kann. Erschwerend kommt hinzu, dass bei Patienten im Alter zwischen 6 und 10 Jahren das Wurzelwachstum oftmals nicht abgeschlossen ist und ein Vitalerhalt zumindest der intraradikulären Pulpaanteile ein wünschenswerter Behandlungsausgang wäre.

Somit sind die pulpaerhaltenden Massnahmen und das Reattachment meist in einer Sitzung zu erbringen. Die Compliance der jungen Patienten hoch zu halten und dennoch konzentriert zu arbeiten empfinde ich als besonders anstrengend, da ich nach aussen den Lockeren gebe und mich aber innerlich – auch bei optimaler Vorplanung –  höchst angespannt fühle.

In nachfolgendem Fall war das Fragment alio loco als Erstmassnahme im Schmelzbereich befestigt worden, um in einem zweiten Behandlungsschritt dann endodontisch behandelt zu werden. Da das Wurzelwachstum bei diesem 9-jährigen Jungen bereits deutlich vorangeschritten war, hatte der endodontisch erfahrene Überweiser von einem reparativen Verfahren im Sinne einer Revitalisierung Abstand genommen. Es wurde vereinbart, dass zunächst die Wurzelfüllung bis ins mittlere Wurzeldrittel erfolgen solle, damit dann in unserer Praxis das Reattachment durchgeführt werden konnte.

Leider löste sich wenige Tage nach der Obturation das Fragment und wurde im Notdienst stark disloziert adhäsiv verankert, sodass nun neben dem geforderten chirurgischen Freilegen noch das Problem der Fragmentpassung zu lösen war.

Die Detektion der vorhandenen Kompositmassen erfolgte mittels einer LED-Lampe die Licht einer Wellenlänge von 405nm emittiert. Fluoreszierende Komposite stellen sich dabei in einer gletschereisblauen Farbe dar. Dieses Verfahren wurde von Thomas Connert et. al. im Dental Traumatology beschrieben:

Evaluation of a Fluorescence‐aided Identification Technique (FIT) for removal of composite bonded trauma splints

Nachdem das Komposit labial abgesprengt werden konnte, wurde das Fragment durch Verkanten der Kürette im Bruchspalt gelöst. Nach Entfernung (Vorsicht!: immer mit dem Sauger großen Abstand halten!) desselben wurde auch die palatinale Gingiva mobilisiert, wobei die Papilla inzisiva umschnitten wurde.

Anschliessend wurden allen an der Wurzel und am Fragment anhaftenden Weichgewebe entfernt. Das Fragment wird in der Zwischenzeit immer nass gelagert (sterile Kochsalzlösung). Die Kompositreste auf dem Fragment verhinderten die korrekte Positionierung, sodass erneut die Fluoreszenz-Methode zur Erkennung der anhaftenden Kunststoffmaterialien eingesetzt wurde. Die Entfernung gelang mittels scharfer Kürette und viel Geduld.

Aufgrund idealer Hämostase konnte nun die zahnseitige Bruchfläche konditioniert werden.

Die Konditionierung des Fragmentes erfolgt idealerweise zuvor. Die Lagerung des Fragmentes sollte bei Verwenden eines dualhärtenden Bondings unter Lichtschutz erfolgen. Nach adhäsiver Befestigung mittels dualhärtendem Komposit wurden die geringen Überschüsse entfernt und die durch Schmelzaussprengung verursachten Hartsubstanzdefizite mittels Flowkomposit ergänzt. Den Abschluss nach fast 2 Stunden bildete der Nahtverschluss mit monofiler Naht der Stärke 7/0.

 

Notfall – Fragmententfernung

Die Fragmententfernung ist bei gut einsehbaren Fragmenten zu einem Routinefall geworden.

Letzte Woche hatten wir so einen Fall. Im ersten Moment waren wir, insbesondere ich erstmal ziemlich ratlos.
Uns ist ein großes Fragment abgebrochen. Nach der Wurzelfüllung.
Vom Hitzeplugger ist das (apikale), bzw. untere Stück abgebrochen und im Handstück der Obturation Unit verblieben. Der Mitarbeiterin ist das nicht aufgefallen.
In der Vorbereitung der nachfolgenden Behandlung mit Wurzelfüllung entstand nun ein Problem. Zum Glück haben wir noch ein Zweitgerät. Der Zeitverzug war trotzdem da. Die Konzentration auf den nächsten Fall war weg…

Am Abend dann die Diagnostiksitzung. Erstmal das Teil aufgeschraubt, um festzustellen, so kommt man nicht an das Problem heran.
Unter mikroskopischer Kontrolle ließ sich dann schnell feststellen, da steckt noch etwas drin.
Mittels Ultraschall vorsichtig agierend, tat sich nichts.
Ein Fall für den Fragremover. Nach 2 Minuten war alles erledigt und raus.

Ich möchte nicht wissen, was an Reparaturkosten entstanden wäre.

Game over

Von Christoph Kaaden

Vor vier Jahren stellte sich der nachfolgende Patient erstmals bei uns vor.

Damals ging es um den Zahn 36.

Ausgangsröntgenaufnahme alio loco 2016

Die Behandlung nach Pulpanekrose erfolgte zweizeitig und führte zu folgendem Endergebnis.

Post-op Röntgenaufnahme 2016

Dieses Mal wünschte der Patient unsere Einschätzung hinsichtlich des Zahnes 47 der auf dem OPG auffällig geworden war…

Auch die alio loco angefertigte Einzelaufnahme liess nichts Gutes erwarten…

Das daraufhin angefertigte kleinvol. DVT zeigte dann das volle Ausmass der externen Resorption…

an der Stelle war leider

“ Game over“

Wir haben den Patienten aber ermutigt Zahn 36 nun endlich prothetisch weiterversorgen zu lassen!

Damit es bei diesem Zahn nicht irgendwann ähnlich lauten muss…

Covid-19

Es ging schon eine ganze Weile. In Leipzig sind besonders wenig Covid-19 Fälle.
In Sachsen die geschützte Großstadt.
Ist das so?

Es erschien nicht logisch und kaum erklärbar.
Bis ich diesen Artikel las.

Und zur selben Zeit hatten wir erste Informationen erhalten, daß wir in der Praxis infizierte Patienten behandelt haben. Zuerst kam die Info vom Patient. 5 Stunden später kam die Meldung vom Gesundheitsamt. Nach dem wir unsere Schutzmaßnahmen erwähnten, ffp2-Maske für Behandler und Assistenz, 1% ige H2O2 Mundspülung des Patienten für 1 Minute, Behandlungen weitgehend unter Kofferdam, Rezeption Spuckschutz und Nasen/Mundschutz, kein Kontakt im Wartebereich mit weiteren Personen, P 2,5 Partikelfilter im Behandlungsbereich und Wartebereich und zwingende berührungsfreie Händedesinfektion beim Praxiseintritt wurde uns gesagt: Sie können weiter behandeln keine weiteren Maßnahmen notwendig. Kein Test.
Zu diesem Zeitpunkt waren bereits Test erfolgt. Die Assistenz zeigte Symptome einer Tonsillitis allerdings bereits vor Covidkontakt, die Behndlerin war symptomfrei. Beide Tests waren negativ.
(Der Covid-19 Kontakt erfolgte bei einer Wundrevision ohne Kofferdam.)

Zwei Wochen später hatte eine Assistenz Covid-19 Kontakt ohne Sicherheitsabstand, ohne Mundnasenschutz über 3-4 Stunden am Vortag und 5 Tage zuvor mit der selben Person. Sie hatte keine Symptome. Das Gesundheitsamt hat uns nicht informiert.
Ein PCR Test wurde von mehreren Ärzten abgelehnt. Trotz der Zusage durch die LZK Sachsen, daß für jeden Mitarbeiter ein Test pro Woche möglich ist.
Die Mitarbeiterin musste nach einer langen Arztodysee zum 30km außerhalb liegenden Flughafen (Testcenter) fahren um sich testen zu lassen.
Der Test war negativ.
Nun frage ich mich nicht mehr, warum wir weniger Fallzahlen haben. Es wird wahrscheinlich auch weniger getestet. 

Eine Woche später diese Meldung:

COVID-19: Sachsens Zahnärzte dürfen sich selbst und Personal testen
Ab sofort haben Vertragszahnärztinnen und -zahnärzte in Sachsen die Möglichkeit, SARS-CoV-2-Antigentests als sogenannte PoC-Antigen-Tests (Point-of-Care-Antigen-Schnelltests) ausschließlich für sich selbst und das Praxispersonal eigenverantwortlich direkt in den eigenen Praxisräumen durchzuführen – und dies einmal wöchentlich. Dabei dürfen nur Antigen-Tests verwendet werden, die das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte listet.
Es wird dringend empfohlen, den Schnelltest nur bei asymptomatischen Mitarbeitern durchzuführen. Personen, die Symptome zeigen und/oder mit Infizierten persönlichen Kontakt hatten, sollten sich immer an das Gesundheitsamt oder eine ärztliche Praxis für einen PCR-Test wenden.

Es sind noch nicht alle Abrechnungsmodalitäten geklärt. Laut KZV Sachsen steht jedoch fest, dass lediglich die Sachkosten für den Antigen-Schnelltest in Höhe der Beschaffungskosten von maximal 7 Euro je Test, abzüglich 3,5 % Verwaltungskosten erstattet werden. Vermutlich wird die Abrechnung je Quartal erfolgen.
In jedem Fall ist ein Nachweis über den angewendeten Test zu führen und die KZV Sachsen rät, Rechnungen, Lieferscheine und Testnachweise für die Abrechnung aufzubewahren.

 

Quintessenz für mich: Schütze Dich selbst mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln. Niemand anderes macht das für Dich und verlass Dich nicht auf Versprechungen.

Tests sind nicht einfach zu bekommen und Antigentest benötigen immer eine Bestätigung im positiven Fall durch einen PCR Test. 

 

 

Eure Fragen ? Wir antworten! LIVE! (2)

Morgen abend ist es soweit.

Mittwoch 18.11.2020

20 Uhr.

Eure Fragen ? Wir antworten! LIVE!

Das Ganze findet statt via GOTO Meeting.
Wer teilnehmen möchte, sollte sich vorab die App herunterladen.
Das Ganze funktioniert auf PC und Apple Desktops sowie auf mobilen Geräten wie Ipad und Iphone, auf anderen Smartphones vermutlich auch, aber nicht getestet bislang.

Und es ist vermutlich sinnvoll für Alle, die etwas wissen wollen, gegebenenfalls Fotos und Röntgenbilder bereitzuhalten, damit wir uns diese zusammen anschauen können.

Den Zugangscode findet man bei WURZELSPITZE Plus. Hier.

Wir sind gespannt.
Sollte es gut laufen, wird es noch in diesem Jahr – kurz vor Weihnachten – eine weitere Episode geben.

Planung leicht gemacht

von Jörg Schröder

Das DVT in der Endodontie. Anfangs heiß diskutiert und teilweise mehr als nur kontrovers diskutiert.

Mittlerweile haben sich die Gemüter beruhigt. Und das DVT mein Denken geändert.

Die Planung der Behandlung erfolgt am Bildschirm:

Die voraussichtliche Arbeitslänge wird bestimmt. Abzüglich eines Sicherheitsbehaltes können so durch die Mitarbeiterinnen pro Kanalsystem vorab die rotierenden Instrumente für den maschinellen Gleitpfad vorbereitet werden. Wobei Krümmung und Anordnung im Raum das Feilen-System bestimmen.

Die Lage der Kanaleingänge und die zu erwartenden Kanalquerschnitte können erfasst und das Vorgehen exakt geplant werden. Welche Instrumente werden bei der Aufbereitung des koronal sehr schmalen und mehrere Orifizien aufweisenden distalen Kanalsystems notwendig sein. In welcher Reihenfolge werden diese eingesetzt?

Welches Kanalsystem wird bei konfluierenden Kanälen zuerst aufbereitet? Bei abrupten Krümmungen entscheidend um eine Stufenbildung oder gar eine Fraktur zu verhindern.

So geplant, verliert so manche Aufgabe ihren Schrecken.

Welche Hürden galt es in vorliegendem Fall zu meistern?

D war extrem obliteriert, wies koronal mehrere Orifizien auf, alle Kanäle konfluierten im mittleren Drittel um nach der Konfluation rundlich und in deutlicher Krümmung nach apikal zu verlaufen.

MB war hier der Kanal, der den geschmeidigsten Weg nach apikal aufwies. Daher wurde absolut kein Versuch unternommen aus ML zuerst nach apikal zu gelangen. Selsbt als MB bis 20/04 aufbereitet worden war, gelang es nicht eine vorgebogene 008 um die Konfluation zu bewegen. Erst als MB bis 30/04 erweitert war, konnte der apikale Anteil des mesialen Kanalsystems aus ML heraus instrumentiert werden, um ein gleichmässigens Zusammentreffen von MB und ML zu erzielen.

Leider konnte ich die Umfrage, welches Gerät ich aus der brennenden Praxis retten würde, nicht ganz korrekt beantworten. Mein Dream-Team ist definitiv mein Mikroskop und unser hochauflösendes DVT.

Face Shield V 2.0

Zu Beginn des Jahres war ich froh, auf unseren 3D- Drucker zurückgreifen zu können.
Mit Bordmitteln (FDM 3D- Drucker, PLA- Material und Plastikfolie) wurde mein Team schnell mit Gesichtsschildern zur Covid – Prophylaxe ausgestattet.

Die funktionierten.
Gut.

Lediglich eine Assistentin hatte das Pech, ihr Gestell immer wieder zu zerbrechen.
Kürzlich kam sie mit einem Gesichtsschild an, das ihr Ehemann bei Amazon bestellt hatte. Und was soll ich sagen. Das Teil ist ganz hervorragend. Keines dieser zu Beginn der Pandemie häufig anzutreffenden Billigprodukte, die preislich ambitioniert angeboten wurden.

Es schützt sehr gut, macht einen stabilen Eindruck, lässt sich bequem tragen, beschlägt nicht und man kann sogar unsere China – Lupen-Brille drunter tragen.

Kostenpunkt 16 Euro + Versand.
Dafür lohnt sich, bei deutliche besserem Handling, der Selbstdruck nicht.
Ich habe das gesamte Team damit ausgerüstet.

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.

Frontzahn-„Welle“ (I)

Von Christoph Kaaden

Von der Häufung gleichgearteter Behandlungen innerhalb kurzer Zeitabstände habe ich in der Vergangenheit hier, hier oder hier berichtet.

Insbesondere in dieser Woche erfasst uns die Frontzahn-„Welle“. Ich werde in zukünftigen Beiträgen über die genauen Hintergründe der einzelnen klinischen Fälle berichten.

Hier also schon mal die 10 (!) Situation die wir in dieser Woche behandelt bzw. erstuntersucht haben in der Reihenfolge, wie diese bei uns „stattfanden“.

Ausgangssituation – Rö-Bild alio loco – vor prothetischer Neuversorgung bei Zustand nach endodontischer Behandlung und nachfolgender Resektion mit Beschwerdefreiheit

Leider entwickelte der Zahn kurz nach Eingliederung der definitiven Krone eine Fistel…

Übersehene laterale Aufhellung als Ursache der rekurrenten Beschwerden

Wir führten nach eingehender Beratung der Patientin (ärztliche Kollegin) eine Revision durch. U.a. Corona-bedingt verzögerte sich der Abschluss der Behandlung erheblich.

Positiv zu vermerken ist, dass der lange Zeitraum der Behandlungspause dazu geführt hat, dass bereits eine klare Heilungstedenz erkennbar ist…

Bei dem zweiten Patienten am Montag handelt es sich um den 10-jährigen Carlos.

Hier der sehr umfassende Arztbericht der Überweiserpraxis

Alio loco angefertigtes Diagnose-Röntgenbild

Fall III des Montags war der Behandlungsbeginn einer Revision bei Zustand nach endodontischer Vorbehandlung und Resektion

Alio loco angefertigtes Diagnose-Röntgenbild

Als klinisch etwas „tricky“ gestaltete sich die Entfernung des „unorthodox“ eingebrachten Glasfaserstiftes.

Der „Durchbruch“ gelang mittels diamantiertem Ultraschallansatz der schliesslich zu einer Lockerung des adhäsiven Verbunds führte.

Klinische Impressionen der Revision mit erkennbaren Glasfaser- und Guttaperchaanteilen nach Entfernung mittels Ultraschall

Die nächste Patientin war ein 19-jähriges Mädel, dass vor zwei Jahren beim Skifahren ein Frontzahntrauma erlitten hatte.

Klinischer imponierte mittlerweile eine deutliche Verfärbung die sich auch bei der Trepanation des Dentins deutlich präsentierte…

Diagnose-Röntgenbild (alio loco) und klinischer Blick auf das stark verfärbte Dentin bei der Trepanation

Die nächste 26-jährige Patientin konnte sich an kein Trauma in der jüngeren Vergangenheit erinnern…

während die Nachbarzähne eindeutlich vital reagierten zeigte Zahn 31 alle klinisch-radiologischen Zeichen eine Nekrose mit apikaler Pathologie…

Ausgangsröntgenbild (alio loco)

Bei dem nachfolgenden 67-jährigen Patienten stellte sich die Situation aufgrund seiner Vorerkrankungen (metastasierendes Prostata-CA mit geplanter Bisphosponat-Therapie) als etwas komplizierter dar.

Eine Entfernung weiterer Zähne soll unbedingt vermieden werden…

OPG (alio loco)
Zahn 32 mit apikaler Parodontitis und stark obliterierten Kanalsystemen

Als nächstes in der Woche stand die Behandlung eines 12-jährigen Jungen an, bei dessem Eckzahn eine ungewöhnliche Resorption evident geworden war. Klinisch und radiologisch hätte ich diese eigentlich als primär extern eingestuft… obgleich die „Eintrittspforte“ inzisal zu liegen schien…

Klinische Impressionen der Resorption

Bei dem Eckzahn dieser 66-jährigen Patientin gelang es dem Zuweiser nicht das Kanalsystem aufzufinden…

Diagnose-Röntgenaufnahme (alio loco)

Bevor es zu einer Perforation kam überwies er die Patientin zu uns…

Zustand nach Trepanationsversuch (Röntgenbild alio loco)

Fall Nummer neun ist wieder ein Traumafall.

Leider ist die Prognose der unphysiologisch gelagerten Zähne nicht optimal…

Und auch in dem 10. Fall war eine traumatische Verletzungini Form einer unkomplizierten Kronenfraktur der Grund für eine anstehende Behandlung…

Diagnose-Röntgenbild vor ca. 1 Jahr
12 Monate später zeigt sich eine eindeutige apikale Parodontitis an Zahn 41

Demnächst berichte ich Ihnen also weiter von dieser Frontzahn-„Welle“…

stay tuned…

Eure Fragen ? Wir antworten! LIVE!

Mittwoch
18. November.
20 Uhr.

Ein neues Format für die WURZELSPITZE Plus-Teilnehmer.

Wie soll ´s aussehen ?

Die Idee ist, dass vermutlich Jeder der hier Mitlesenden ein paar Dinge hat, wo er für einen Rat dankbar wäre. Das kann ein Patientenfall sein, eine Frage zur Praxisorganisation oder vielleicht eine bestimmte endodontische Vorgehensweise betreffend.

Also – fragt uns. Egal, was euch auf dem Herzen liegt.
Am 18. November, um 20 Uhr stehen wir 45 Minuten lang Rede und Antwort.
Live.
Per Telekonferenz.

Wie findet Ihr die Idee?
Schreibt uns in die Kommentare.
Gerne auch schon Ideen. Worüber sollen wir reden ?

Eure Fragen . Wir antworten LIVE 18.11.2020
Mi., 18. Nov. 2020 20:00 – 22:30 (CET)

Nehmen Sie an meinem Meeting per Computer, Tablet oder Smartphone teil.

https://global.gotomeeting.com/join/125825589

Zugangscode: 125-825-589

Wie hältst Du es mit dem Haarriss?

von Jörg Schröder

Eine Gretchenfrage zum Wochenbeginn.

Was empfehle ich den Patienten, deren Beschwerden an einem Zahn mit (noch) vitaler Pulpa mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit von einem Haarriss ausgehen, der in der Pulpakammer endet?

Wann empfehle ich die Extraktion? Wann entscheide ich mich für einen Erhaltungsversuch?

Aufgrund unklarer Beschwerden im rechten Oberkiefer wurden im nachfolgendem Behandlungsfall alio loco die Zähne 15,16 und 17 anbehandelt.

Zahn 16 wurde trepaniert und ein endodontische Behandlung eingeleitet. Die stark obliterierten mesialen Kanalsysteme MB1 und MB2 konnten nicht, DB zur Hälfte und P vollständig erschlossen werden. Nach der Einlage von CaOH2 persistierten die Beschwerden weiterhin.

Bei Zahn 15 wurde die vorhandene Teilkrone entfernt und durch eine kurzzeitprovisorische Füllung „ersetzt“.

Die Krone an 17 wurde entfernt, der Zahn trepaniert und nachdem die Kanalsysteme nicht erschlossen werden konnten wurde nur die Zugangskavität kurzzeitprovisorisch verschlossen.

Nach klinischer Untersuchung (deutliche Perkussionsempfindlichkeit mit palpatorischer Druckdolenz an 16, geringe Perkussionsempfindlichkeit 15, dort positiver Sensibilitätstest) und Auswertung des DVT habe ich folgende Vorgehensweise vorgeschlagen:

  • adhäsive Restauration Zahn 15, bei Rissgeschehen tiefe „Pulpotomie“, da die vollständige Erschliessung der apikalen  Aufgabelung zu zeitaufwändig wäre.

  • Medikamentöse Einlage CaOH2 und klinische Reevaluation der Beschwerden.
  • Einzeitige endodontische Behandlung Zahn 16 in gleicher Sitzung.
  • Einzeitige endodontische Behandlung Zahn 17 in gesonderter Sitzung.

Klinisch imponierte an Zahn 15 ein von der mesialen Randleiste startender und das Pulpakammerdach vollständig durchziehender Haarriss, der auf Höhe des mesialen Gingivarandes in die Pulpakammer eintritt und ab dort nicht weiter verfolgt werden konnte.

Nach initialer Aufbereitung bis zur Konfluation – nach schall- und ultraschallunterstützter Irrigation kam es zu einem Flüssigkeitsaustausch zwischen B und P – wurde CaOH2 eingelegt und die Zugangskavität adhäsiv verschlossen. Aufgrund der im gleichen Termin noch geplanten endodontischen Behandlung von Zahn 16, habe ich die Approximalräume nicht so präzise gestalten können, sodass der distale Kontaktpunkt zu 16 nicht vorhanden ist.

In Zahn 16 waren MB1 und besonders MB2 stark obliteriert, sodass die Gesamtbehandlungsdauer die 3-Stundengrenze knapp erreichte.

Welche Entscheidung treffen Sie im Hinblick auf die weitere Behandlung des 15? Auf die Rückmeldungen bin ich gespannt.

Ende Gelände

von Jörg Schröder

Wir schreiben das Jahr 2020. Mikroskopgestützte Endodontie ist sehr mehr als 20 Jahren bekannt. Und dennoch werden immer wieder Behandlungsversuche unternommen, die ohne Mikroskop zum Scheitern verurteilt sind. Denen man das zugrunde liegende Risiko bereits im präoperativen Bild ansehen kann. Wenn man genau hinschaut.

Und das Fremdschämen-Gefühl stellt sich bei mir dann ein, wenn der Patient von der Vielzahl der Behandlungsversuche berichtet, die zum aktuellen Zustand geführt haben.

Beeindruckend der Unterschied zwischen der also loco durchgeführten Messaufnahme und meinem am Beratungstag erstellten Einzelbild. Da schwante mir schon nichts Gutes.

Das DVT zeigt das ganze Ausmass der Zerstörung. 4 mm subcrestal liegt der tiefste Punkt der iatrogenen Perforation. Der Originalkanal wurde auf ebendieser Strecke gestrippt. Der Zahn mesiolingual geradezu pulverisiert.

Ich habe dem Patienten (Selbstzahler) zum Implantat geraten.

Neustart (XVII) – Pimp your Behandlungszimmer (III)

Von Christoph Kaaden

Letzte Woche habe ich hier über die Montage unserer Centro-Säule berichtet.

Das Gros des Projektes betreute Mario Horvart, der bereits beim Neustart 2012 unser ProErgo montiert hatte. Mittlerweile hat er sich selbstständig gemacht.

Um das Pico an die Centro-Säule umzusetzen war es notwendig einen längeren Arm und Lichtleiter zu benutzen. Bei der Centro-Säule handelte es sich um ein gebrauchtes Modell, welches Mario Horvart erstanden hatte.

Als sehr zeitaufwändig stellte sich die Anbindung der Mikroskop-Kamera mittels HDMI- Kabel an den Flatscreen dar.

Insgesamt dauerte die Montage von 8:00 bis 18:00.

Geplant waren ursprünglich circa sechs Stunden.

Leider war es wegen des fehlenden Adapters nicht möglich auch das digitale Röntgen wieder in Betrieb zu nehmen.

Dieses Projekt übernahm der unabhängig Techniker Damir Zupcevic.

Über die Firma Chirana liess er den zeigten Adapter herstellen und führte die Montage durch.

Ich bin allen Beteiligten für deren Arbeit dankbar; insbesondere Damir.

Vorher – Nachher

Pano-Aufnahme unseres zweiten Behandlungszimmers

Jetzt ist auf absehbare Zeit erstmal kein weiteres Projekt dieser Größe angedacht…

Heilung Express oder Radiodontics

Die Patientin kam in unsere Praxis ohne Beschwerden am Zahn 16.
Eine Brücke war vor mehreren Monaten inseriert und nun imponierte eine Fistel am Zahn 16. Lockerungsgrade waren nicht messbar, die Sondierungstiefen waren nicht erhöht.

Im angefertigten DVT stellte sich eine ausgedehnte P. apicalis an jeder Wurzel dar. Selbst interradiculär erschien die Ostelyse manifest zu sein.
Alles sprach für eine verhaltene Prognosestellung. Sie Patientin wünschte unbedingt den versuch der Erhaltung, da eine Implantation für Sie nicht in Frage kam.

Die Behandlung lief fast nach Plan. Der Kanal mb2 war nicht patent. Für uns ein weiterer Hinweis für ungünstiges Prognose. Beschwerden hatte die Patientin nie.

Im 6Monatsrecall überraschte uns die Patientin mit einem fast vollständigen Heilung im 2D Röntgenbild. Der Fistelgang, bzw. das Fistelmaul war nicht mehr erkennbar.
Gerne hätte ich mir das Ergebnis im 3D Röntgenbild bestätigen lassen. Für uns war aber keine ernsthafte therapeutisch Indikation gegeben.
Oder hätten Sie anders entschieden?

 

Die WURZELSPITZE – Umfrage – Die Ergebnisse

Nachfolgend die Ergebnisse der WURZELSPITZE – Umfrage. Die Bewertung/Analyse der Daten erfolgt in einem gesonderten Beitrag.

ICH ARBEITE MIT OP- MIKROSKOP

81,16 Prozent arbeiten mit OPM.

MIT WELCHEM MODELL ?

Zeiss Pico 33,85 %
Zeiss Extaro 7,69%
Zeiss Pro Ergo 26,15%
Zeiss Pro Magis 6,15%
CJ Flexion 10,77%
Kaps 1,54%
Leica 3,08%
Zumax 1,54%
Andere 9,23%

FÜR ZAHNFILME ARBEITE ICH MIT

analogem Film 1,49 %

Speicherfolien 58,21%

Sensorsystem 40,3%

ICH HABE ALS KLEINRÖNTGENGERÄT

ein Gerät in der Praxis 25,37%

ein einziges Gerät an einem einzigen Behandlungstuhl 4,48%

pro Behandlungsstuhl jeweils ein Röntgengerät 50.75%

eine andere Variante 19,4 %

WIR HABEN IN UNSERER PRAXIS …

kein DVT 46,97%

ein Morita F40/R100 DVT 12,12%

ein Morita X 800 DVT 13,64%

ein Kavo DVT 3,03%

ein Planmega DVT 4,55%

ein Orange Va Tech DVT 4,55%

ein anderes DVT Gerät 15,15%

ZUR SPÜLUNG VON WURZELKANÄLEN NUTZE ICH

VDW Eddy 63,83%

Ultraschall 27,66%

Laser 6,38%

Keine der genannten Varianten 2,13%

ZUR MASCHINELLEN AUFBEREITUNG VERWENDE ICH

VDW Silber 7,89%

VDW Gold 15,79%

Endopilot 18,42%

Morita Dentaport 0%

Dentsply Sirona Xsmart 14,47%

VDW IConnect Drive/Dentsply Sirona Xsmart IQ 18,42%

Morita Tri Auto ZX 2 3,95%

ein anderes Gerät 21,05%

MEINE MEIST VERWENDETEN MASCHINELLEN AUFBEREITUNGSINSTRUMENTE SIND

Mehrfachnennung war möglich

VDW Reciproc 11,67%

VDW Reciproc Blue 8,33%

Wave One Gold 20,83%

VDW MTwo 7,5%

VDW Rotate 1,67%

ProTaper Universal/Gold/Next 15,83%

VDW Flexmaster 3,33%

Maillefer ProFile 6,67%

Coltene Hyflex CM/EDM 15%

FKG Race/Biorace 0,83%

FKG Endoshaper 2,5%

FKG Endofinisher 1,67%

ein anderes Instrument 4,17%

ICH VERWENDE ZUM ELEKTRIISCHEN LÄNGENMESSUNG ALS APEXLOKATOR DAS

Mehrfachnennung war möglich

Root ZX 20,24%

Root ZX Mini 11,9%

Raypex 6 14,29%

Raypex4/Raypex 5 9,52%

Endopilot 17,86%

VDW Gold 8,33%

ein anderes Gerät 17,86%

ICH VERSCHLIESSE DIE WURZELKANÄLE ZUR WF ROUTINEMÄSSIG

in Einstift – Technik 27,69%

in lateraler Kondensation 4,62%

in Warm Vertical Compaction nach Schilder 33,85%

in Continous Wave Teqnie nach Buchanan 32,31%

in Squirt- Technik 1,54%

ALS SEALER FÜR DIE WF NUTZE ICH

einen Sealer auf Epoxidharz- Basis z.B. AH Plus 61,9%

einen Tri Calcium Silicat Sealer z.B. TotalFill 31,75%

einen Sealer auf Zinkoxid Eugenol – Basis z.B. Kerr PCS oder Endomethasone 3,17%

einen Sealer auf Silikon-Basis z. B. GuttaFlow 3,17%

ICH LEGE KOFFERDAM BEI DER ENDO

Nie 0%

Selten 3,03%

wenn es mir möglich ist, also in einer Mehrzahl der Fälle, ansonsten arbeite ich ohne 3,03%

Fast immer 13,64%

Immer 80,3%

ICH LEGE KOFFERDAM BEI DER COMPOSITE – FÜLLUNG

Nie 7,46%

Selten 29,85%

wenn es mir möglich ist, also in einer Mehrzahl der Fälle, ansonsten arbeite ich ohne 17,91%

Überwiegend 10,45%

Fast immer 17,91%

Immer 16,42%

ICH LASSE ZÄHNE BEI DER ENDO OFFEN

Mehrfachnennung war möglich

wenn es schnell gehen muss 2,6%

Im Notdienst 5,19%

Bei Pus/Sekret 9,09%

bei devitalen Zähnen 0%

routinemäßig wenn ich die Indikation dazu sehe 2,6%

extrem selten (ca 1 – 2 mal im Jahr) 24,68%

Nie 55,84%

WELCHES SIND DIE GERÄTE, AUF DIE MAN IN DER MODERNEN ENDODONTIE NICHT VERZICHTEN KANN?

Mehrfachnennung war möglich

OP- Mikroskop 14,36%

Apexlokator 16,85%

Schall/Ultraschall- Spülung 12,98%

Maschinelle Nickel-Titan -Instrumente 14,92%

Kofferdam 16,02%

Geräte für die Warme Guttapercha- Technik 7,18%

Digitales Kleinröntgen 11,33%

DVT 6,35%

WELCHES IST DAS WICHTIGSTE GERÄT IN DER ENDODONTIE

wenn ich nur ein Gerät aus dem brennenden Haus retten könnte

OP- Mikroskop 38,46%

Apexlokator 29,23 %

Schall/Ultraschallspülung 0%

Maschinelle Nickel- Titan Instrumente 7,69%

Kofferdam 18,46%

Geräte für die Warme Guttapercha-Technik 0%

Digitales Kleinröntgen 3,08%

DVT 3,08%

Verkapptes „C“

von Jörg Schröder

Bereits der erste Blick auf das Einzelbild lässt sofort den Gedanken an ein c-förmiges Kanalsystem aufkommen. Zahn 47 und ein pfahlförmige Wurzelkontur.

Nicht selten jedoch ist zwar die Grundanlage ein „C“ praktisch reicht das Spektrum von rundlichen Kanaleingängen die, miteinander verbunden, in der Aufsicht ein „C“ ergeben bis hin zu Kanalanordnungen, die einem Semikolon entsprechen.

Häufig zu beobachten sind dabei Kommunikationen im mittleren und/oder unteren Kanaldrittel.

Während MB und D trotz der multiplanaren Krümmung von ML recht unkompliziert mittels rNiTi erschlossen werden konnten (für die koronalen 4/5 habe ich ProFile-Instrumente, für das letzte Fünftel PathFiles eingesetzt) war MB mehr oder weniger unwillig.

Nach ca. 13 mm lief die ProFile 15/04 wie gegen eine Wand. Um nicht im Nirgendwo zu enden oder gar zu perforieren, habe ich daher die Masterpoint- Aufnahme zur Orientierung genutzt. Da sich die bis zur gedachten Konfluation verbliebene Strecke als kurz (3mm) herausstellte, kamen zur finalen Aufbereitung ein Satz neuer ProFiles zum Einsatz, obwohl die benutzten nicht aufgedreht erschienen.

Nach unter 1 Minute war der Kanal gängig und die Konfluation mit D konnte per eingebrachten Papierspitze visualisiert werden.

Immer wieder schön zu sehen, dass sich eine mit Überlegung gepaarte Beharrlichkeit auszahlt.

 

Jetzt bei WURZELSPITZE Plus 50 nicht von der Hand zu weisende, ausgesucht gute Gründe, sich auf Endodontie zu spezialisieren“ – Episode 11: „Nie Wieder!“

Wo ist die Zeit hin ?
Irgendwie ist mit Corona bei mir nix so wie bei den anderen. Ich hatte keine zusätzliche Zeit und ich habe auch nicht an Gewicht zugelegt. Konnte weder Speicher noch Keller aufräumen und keinen Garten in Ordnung bringen.

Und jetzt ist schon Ende Oktober und ich frage mich, wo ist das letzte halbe Jahr hin ?

Aber nun möchte ich den Faden wieder aufnehmen. Es muss ja weitergehen. Irgendwie. Packen wir es an. Wir waren stehen geblieben bei der Frage: „Bin ich verpflichtet, dem Kassenpatienten eine kostenlose Endo anzubieten ?“

Und der unangenehmen Tatsache, dass ich als Kassenzahnarzt auf diese Frage mit einem uneingeschränkten „JA“ antworten muss.

Weiter geht es hier.

Neustart (XVII) – Pimp your Behandlungszimmer (II)

Von Christoph Kaaden

Nach fast neun Jahren eigener Praxis kann von „Neustart“ sicher nicht mehr die Rede sein.

Heute berichte ich trotzdem über dieses Topic und stelle das jüngste Update zu dieser bzw. dieser Thematik vor.:

Die Anschaffung der zwei digitalen Röntgengeräte (Einzel-Röntgen mit Sensor und DVT) für unser zweites Behandlungszimmer (aka Untersuchungs-/Befundungszimmer) hat uns seiner Zeit um „Lichtjahre“ vorangebracht.

Etwas später habe ich dann noch ein weiteres Dentalmikroskop angeschafft. Unter anderem aus Platzgründen war es nicht möglich ein weiteres Zeiss ProErgo zu wählen.

Daher fiel unsere Wahl auf ein Zeiss Pico mit Xenon-Beleuchtung etc. auf einem Rollstativ.

Schnell wurde klar, dass diese „Lösung“ suboptimal ist…

ein Bild zeigt sofort warum…

der Aufwand das Mikroskop bei „Bedarf“ in Position zu bringen war immer enorm. Von der Dokumentationsfähigkeit der Behandlung mittels Kamera etc. ganz zu schweigen…

Daher entschied ich mich nach einiger Zeit für die Anschaffung und Installation einer weiteren Centro-Säule.

Die baulichen Vorkehrungen etc. dafür waren bei dem Umbau 2011/2012 getroffen worden…

trotzdem gestaltete sich die Umsetzung, wie leider eigentlich immer, als hürdenreich…

als Hauptproblem ergab sich die Tatsache, dass es für unseren Planmeca-„Röntgenarm“ keinen Adapter zur Centro-Säule gab (was im Vorfeld mit mir so _nicht_ kommuniziert wurde )

… daher bedeutete dies eine individuelle Anfertigung…

was dies u.a zeitlich etc bedeutet wird daher auch schnell klar…

hier schon mal ein paar Aufnahmen zu dem dann individuell hergestellten Adapter…

mehr dazu und den weiteren Problemen aber zu einem anderen Zeitpunkt…

Zirkonimplantat (?)

Die Patientin kam mit Beschwerden zu uns. Ein Druckgefühl links oben Regio 25. Manchmal hatte sie auch ein Taubheitsgeühl.

Der Zahn 26 erschien uns als mögliche Ursache. Die Sensibilität war fraglich, der Lockerungsgrad 0 und die Sondierungstiefen waren zirkulär zw. 4-6mm. 27 zeigte eine eindeutig positive Sensibilität auf Kälte palatinal und buccal.

Im Zahnfilm war die apikale Region von 26 fast unauffällig. Das Keramikimplantat zeigte allerdings nach 2 Jahren vertikale Knochenein- brüche. Im angefertigten DVT waren ungewöhnlich große Artefakte durch das Implantat zu erkennen. Bisher hatten wir derartige Artefakte noch nie gesehen.
Laut Hauszahnarzt ist dies ein einteiliges Zirkonimplantat.

Wir arbeiten mit dem F40 von Morita, da stellt sich die Frage, wie sehen diese Aufnahmen mit dem X800 aus? Die Artefakte sollen deutlich reduziert sein.
Wer hat eine Antwort?

Im klinischen Bild zeigt sich eine Vertikalfraktur, die in beide mesiale Kanäle zog. Leider für uns ein Zahn aus der Kategorie: Unrettbar.

Anbei die Bilder:

Zeiss Pro Ergo ????- Die andere Seite des Spektrums

Noch als ich das ich das Paket öffnete, war ich der festen Überzeugung, Geld zum Fenster rausgeschmissen zu haben. Gut, es waren nur 11 Euro, aber für China Plastik-Schrott sind auch kleinste Beträge zuviel, vom Umweltgedanken ganz abgesehen. Vor mit liegt eine Plastik- Lupenbrille. In leicht mattem Weiss, von der Formensprache her an einer DCI Video Drohne allererster Generation erinnernd, allerdings nur die Billig-Kopie davon, was einiges heissen will. In einem stabilen und haptisch überraschend solide daherkommenden schwarzen Extra-Kästchen dabeiliegend 4 Plastikvorsätze in Dioptrienstärke 1.0, 1.5, 2, 2.5, 3.5.
Die eigentlichen Vergrößerungshilfen.

Ich wähle einen Plastikvorsatz, schiebe ihn in die vorgesehene Halterung.
Er rastet solide ein, ich setze die Brille auf und bin bass erstaunt.

Man sieht – erstaunlich gut.
Was schon mal per se ein Statement ist, denn ich arbeite seit 30 Jahren mit Lupenbrille. Zunächst mit einer Keeler 2,5 Dioptrien-Klappbrille, später dann wurde es ein Orascoptic 4,3 TTL Modell.

Die Messlatte liegt also hoch.
Eigentlich hatte ich die CLB (China – Lupenbrille), ein Tipp von Michael Logies via Zahnmed, für einer meiner Assistentinnen bestellt. Wir werden alle älter und eine gewisse Altersweitsichtigkeit hat nach mir nun auch ein Teil meines Teams erreicht.

Aber natürlich will ich wissen, wie gut oder schlecht die CLB funktioniert, daher tausche ich für einen Tag mit meinen optischen Referenzgläsern.

Die CLB liegt (meiner) Kopfform gut an, die Nasenbügel lassen sich durch leichtes Biegen justieren. Ohne eingebaute Batterien (ja, die CLB verfügt über eine integrierte LED-Beleuchtung) trägt die CLB wenig auf, was Grundvoraussetzung ist dafür, dass man die Sehhilfe über den Tag hinweg akzeptiert. Die Beleuchtung kann professionelle dentale Lösungen nicht ersetzen, für kleinere Tätigkeiten im Zahnlabor oder Steri ist sie jedoch auf jeden Fall eine Unterstützung.

Ich arbeite dennoch ohne das LED-Licht, um das Gewicht der Konstruktion über dem Nasensteg geringer zu halten. So bringt mich die CLB gut durch den Tag. Sowohl Brillen – wie auch Lichtposition lassen sich in ihrer Neigung unabhängig voneinander variieren, Vermutlich findet so jeder die für ihn angenehme Blick-Position.

Kommen wir zum Fazit.
Für das schon ein Tag Arbeiten ausreicht.
Wegen 10 Euro 99 Cent nämlich muss ich nicht länger nachdenken. Die CLB ist ein Knüller und sollte jedem Zahnmedizinstudent der Welt am Tage seines Studienbeginns als Geschenk überreicht werden. Werden professionelle Lupenbrillen dadurch obsolet ? Auf gar keinen Fall. Aber die CLB ist irgendwie eine Königin der Herzen, der heimliche Preis/Leistungs-Sieger aller Klassen.

Gekauft via Amazon.

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.

Werden SiFi-Filmszenarien wahr ?

Ist das ein machbarer Weg für die Reduktion des Covid -Infektionsrisikos in der Zahnarztpraxis ?

Wir haben ein Air Purifier – Gerät in der Praxis.
Den Nutzen schätze ich eher gering ein.
Es mag zwar möglich sein, die Raumluft über die Zeit hinweg zu reinigen, aber die Viren, die es erfasst, verbleiben ja zunächst im Raum selbst. Der MicroClimate – Helm setzt gewissermaßen an der Wurzel des Problems an, er hindert die Viren am Kontakt mit dem Träger.

Ich würde den MicroClimate Helm nutzen wollen, auch auf die Gefahr hin, dass er nichts bringt. Ich habe schon viel viel mehr Geld unnütz in der Praxis über die letzten 3 Jahrzehnte ausgegeben, da kommt es auf 200 Euro nicht an. Aber 2 Voraussetzungen müssen erfüllt sein: Der Helm darf von innen nicht beschlagen und ich muss mit dem Operationsmikroskop damit arbeiten können. Zumindest bei Letzterem zweifle ich, meine Erfahrungen mit einem Faceshield zugrundlegend.

Entscheidungshilfe in der Argumentation Pro DVT

Die Erstellung eines DVT´s im Zusammenhang mit endoodontischen Behandlungen ist immer ein Streithema, spätestens wenn es zum Punkt der Kostenerstattung der privaten Krankenversicherer und Beihilfestellen kommt. Hier eine neue Studie, die den Nutzen des DVT´s unterstreicht.


Clinical decision‐making and importance of the AAE/AAOMR position statement for CBCT examination in endodontic cases
M. Bhatt J. Coil B. Chehroudi A. Esteves J. Aleksejuniene D. MacDonald
First published: 31 August 2020 https://doi.org/10.1111/iej.13397
Read the full text

Abstract
Aim

To compare conventional radiographic and cone beam computed tomography (CBCT) findings with reference to the American Association of Endodontics and American Academy of Oral and Maxillofacial Radiology (AAE/AAOMR) joint position statement and to determine the effect of the CBCT on the initial diagnoses and treatment plans in a single‐centre Postgraduate Endodontic Programme.

Methodology

The clinical CBCT scans of patients, treated at the Endodontic Department of the University of British Columbia, were reviewed for CBCT referrals by comparing them with corresponding radiographs. The features considered were periapical lesions, missed/extra canals, root fractures, complex anatomy, calcified canals and root resorption of tooth/teeth in question. Reasons for the CBCT prescriptions were assigned to 3 groups: to formulate the primary diagnosis, to confirm the diagnosis achieved by clinical examination and conventional radiographs, and to assist in treatment planning. Variables were compared statistically using chi‐square and McNemar tests.

Results

A total of 128 CBCT examinations were performed on 110 patients. No CBCT examination was performed more than once on the same tooth. Overall, 76% of CBCT examinations were performed on previously root filled teeth. CBCT images revealed a significantly higher incidence of periapical lesions (P = 0.002), missed canals (P < 0.001), vertical root fractures (P = 0.004) and complex anatomy (P = 0.008) than periapical radiographs. CBCT was prescribed most frequently to assist surgical treatment planning (62%) rather than for generating a diagnosis (9%) or confirming diagnoses (29%). Both the diagnosis (P = 0.001) and the treatment plan (P = 0.005) initially made by examining periapical radiographs were altered significantly by the subsequent CBCT examination by revealing information such as new periapical lesions, missed canals or involvement of buccal or lingual cortical bone.

Conclusion

CBCT examinations were prescribed mainly to assist treatment planning rather than for diagnosis. The majority of CBCT examinations were performed on previously root filled teeth. The additional information obtained from CBCT scans resulted in the alteration of the initial diagnoses as well as subsequent treatment plans in 59 out of 128 cases.

Finde den Fehler!

In der Süddeutschen Zeitung vom letzten Freitag auf der Titelseite.

„Es reicht einfach nicht.“


Finde den Fehler!

Erstaunliches Ledermix

von Jörg Schröder

Ich gebe es zu: ich benutze kein Ledermix.

Ich habe es in unserer für Traumfälle vorbereiteten Materialbox vorrätig. Da ich aber noch nie eine sich gerade ereignete Avulsion versorgen musste, fristet Ledermix in meiner Praxis ein „Ergänzungsspielerdasein“.

Erstaunlich für mich jedoch, wie wenig an endodontischer Behandlung notwendig ist, um an einem Zahn mit irreversibler Pulpitis mittels Ledermix vollständige Beschwerdefreiheit zu erzielen.





Weder bedurfte es eines speicheldichten Füllungsverschlusses noch einer vollständigen Exkavation. Auch war nur der bukkale Anteil der Kronepulpa bearbeitet worden. Und dennoch: keine klinischen Symptome und keine apikale Aufhellung. Dabei lag die medikamentöse Einlage bereits mehr als 2 Monate zurück.

Die endodontische Behandlung verlief komplikationslos und überraschungsfrei, wenngleich das von der Patientin mitgebrachte DVT eine eher gewöhnungsbedürftige Darstellungsgenauigkeit besaß. Andererseits freue ich mich jeden Tag aufs Neue über die Abbildungsqualität unseres 3D-Systems.

 

Wird Ledermix bei mir nunmehr auf mehr Einsatzzeiten hoffen dürfen? Ein klares „Nein“. Ich kann nicht erkennen, welchen Vorteil es für mich im Vergleich zu einer vollständigen Aufbereitung und begleitenden intensiven Irrigation haben könnte.

 

 

 

 

Video ESE Vital Pulp Treatment

Grafisch sehr ansprechend gemachtes Video der ESE zum Thema „Vital Pulp Treatment“.

New kid in town…(I)

Von Christoph Kaaden

Die mögliche Fraktur eines Präparationsinstrumentes während der endodontischen Behandlung zählt zu den unerfreulichen Komplikationen die vorkommen können…

diese Problematik kann und wird jedem Behandler/jeder Behandlerin im Laufe des Berufslebens (mehr oder minder häufig) widerfahren…

Die Frage ist, wie häufig es „passiert“ und wie es zu vermeiden ist…(zur persönlichen Vermeidungsstrategie berichte ich zu einem späteren Zeitpunkt… )

Wenn es aber um die Fragestellung der möglichen Entfernbarkeit des Fragements geht (egal ob „selbstverschuldet“ oder „alio loco passiert“) ist der Schlüssel zum Erfolg (imho) primär die Visualisierung des Fragments.

Wie würde ihre Strategie in nachfolgendem Fall aussehen?

Was gilt es ggf. zu beachten (zB. zeitliches Management und Kosten der Behandlung etc.. ? ) Welche Technik und welche Hilfsmittel verwenden Sie?

Wo sind deren Limitationen?

Wie ist die Prognose ?

Ich bin auf Ihre Meinungen und Herangehensweisen gespannt…

IrriFlex

Uns wurden zwei Probeexemplare der Kunststoffkanüle IrriFlex zugesendet. Das Probeexemplar war schnell vergessen und lag deswegen eine ganze Weile herum…

Zum Spülen verwenden wir NaviTips (NaviTip Sideport Ø 0,28 mm) von Ultradent. Diese verwenden wir auch zum Applizieren von Ultracal in das Kanalsystemm. Zuvor muss die Kanüle aber mit Natriumhypochlorit gepült und NICHT ausgeleert werden. Durch das verbliebene NaOH entsteht eine Kapillarwirkung und das Ultracal kann dann leicht appliziert werde. Diesen Tipp verdanke ich meinem Kollegen Jörg Schröder aus Berlin.

Jetzt hoffte ich, die IrriFlex dafür verwenden zu können. Durch die Beweglichkeit erhoffte ich mir im gekrümmten Kanalsystem eine bessere apikale Applikation. Leider gelingt das gar nicht. Auch nicht mit Jörgs Methode. Der Innendurchmesser ist wahrscheinlich kleiner als der des Navitip Sideport.

Kostenvergleich laut Aera:
Irriflex/ Sack. = € 0,99 ct + Ust.19%
NaviTips Sideport 27mm grün UP5123/UP5124  = € 1,14 + Ist.19%

Jetzt werden wir die IrriFlex im Vergleich zum Navitip Sideport einsetzen und nach einer entsprechenden Testung berichten.

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.

Routine (2)

Eigentlich hätte dieser Fall es nicht bis zur Fallvorstellung geschafft.
Es war Routine.

Der Patient suchte uns mit dem Wunsch auf unbedingt den Zahn15 zu erhalten. Er hatte Beschwerden an dem fistelnden Zahn, wenn er flog.
Er ist Pilot und damit ist das suboptimal.

Der Zahn wurde bereits endodontisch behandelt und eine WSR erfolgte. Nun wollte man nochmal chirurgisch intervenieren. Der Patient wollte vorher eine Zweitmeinung hören.

15 zeigte keinen Lockerungsgrad und keine erhöhten Sondierungstiefen. Die Krone hatte einen subotpimalen Randschluß.

Wir haben ihm nur bedingt zur Behandlung geraten, da der Substanzverlust nach der, man muss es hier so sagen, unsinnigen WSR erheblich war und eine Verringerung der apikalen Läsion mit Fistelheilung für eine mögliche spätere Implantation nicht unvorteilhaft ist.

Der Patient wollte aber unbedingt den Zahnerhalt.

Die Behandlung verlief routiniert, Entfernung des WF Materials, Entfernung der retrograden WF, Aufbereitung und Desinfektion der Kanäle, apikales kollagens Widerlager, Verschluß des Neoapex nach WSR mit ProRoot MTA,  thermoplastische WF und adhäsiver Verschluß.
Die prothetische Neuversorgung des Zahnes  wurde von uns nach dem 6 Monatsrecall empfohlen.

Die Behandlung dieses Zahnes war für uns zu Beginn dieses Jahrhunderts eine in unseren Augen, völlig aussichtslose Sache. Selbst eine nochmalige WSR, wie hier geplant war,  hätten wir nicht empfohlen.
Heute können wir im DVT erkennen, daß es gar keiner WSR bedurft hätte, sondern nur einer Revision mit der Behandlung des gesamten Endodonts.

Erinnerung an die „Unter Uns“- Umfrage

Dürfte ich noch mal an dieser Stelle an die „Unter Uns“ – Umfrage vom 09. Oktober erinnern. Und all diejenigen, die noch nicht gevotet haben, bitten, sich 1 bis 2 Minuten (es dauert wirklich nicht länger) Zeit zu nehmen und ihre Stimme abzugeben.

Stellt Euch vor, es ginge darum, Donald Trump im Amt zu halten oder von dort zu entfernen.
Ihr habt es in der Hand.
Zwar nicht den Präsidenten der USA zu bestimmen, aber dafür sich einen Überblick zu verschaffen wie der Status Quo bei uns, die Endodontie betreffend, sich darstellt oder zumindest bei den WURZELSITZE-Lesern im Vergleich zur „normalen“ Zahnarztpraxis.

Ich möchte gerne die Umfrage zum 31.10. 2010 abschliessen.

Also – Auf ins virtuelle Wahllokal. Das findet ihr HIER.

Traumaspätfolge – das Recall

von Jörg Schröder

Mitte März 2020 hatte ich zu diesem Behandlungsfall berichtet.

Eine Traumaspätfolge mit iatrogen verursachter Komplikation.

7 Monate nach Behandlungsabschluss, zeigt das Kontrollbild eine erfreuliche knöcherne Regeneration.

Nun bleibt zu hoffen, dass der Zahn die nächsten Jahre auch mechanisch übersteht.

Reparative endodontische Therapie

Von Christoph Kaaden

Ich habe in der Vergangenheit multiple „Revitaliserungsfälle“ auf Wurzelspitze vorgestellt. Unter anderem hier oder hier.

Nachfolgend zeigte ich Ihnen unser jüngstes Recall dieser Behandlungsoption:

Kaum eine endodontische Therapie wird aber auch so kontrovers diskutiert.

Nachfolgend möchte ich Ihnen einige relevante Literatur in Kürze vorstellen und meine Indikaitonsstellung für diese Behandlungsart darlegen…

auf Ihre persönliche Meinung hinsichtlich dieser Therapie bin ich gespannt…

fire on

Traumafälle (II)

Von Christoph Kaaden

Hier ein 3. Fall von gerade eben.

– 13-jähriger Junge; Trauma 11/2016 mit Intrusion inkl. unkomplizierte. Kronenfraktur 21

Seit dieser Zeit unversorgt, Schmerzhistorie 2019, die mit Ibuprofen therapiert wurde; jetzt akute Schmerzen Zahn 21 mit Perk +++ und vestibulärer Druckdolenz

Aktuelle Traumafälle (I)

Von Christoph Kaaden

Ich möchte heute zwei aktuelle Traumafälle vorstellen die uns beschäftigen.

Bei Fall I kenne ich bisher nur die nachfolgende Beschreibung der Zuweiserin und die alio loco angefertigten Röntgenbilder.

Text und Bilder sprechen leider für sich…

Ausgeprägte infektionsbedingte Resorptionen innerhalb von gut sechs Wochen nach Trauma

Dieser und der nachfolgende Fall bekräftigen mich in meiner Meinung, dass das Thema dentale Traumatologie eine v i e l breitere Bühne bei Fortbildungen eingeräumt werden muss!

Leider ist dies häufig nicht der Fall, wie z.B. die Programme der letzten drei und auch der kommenden DGET Jahrestagung zeigen!

Auch bei dem bayerischen Zahnärztetag der letzten Jahre:

Fehlanzeige!

Dabei könnten schon kleine Maßnahmen häufig eine große Wirkung zeigen.

Leider ist in Fall II auf die kleine Maßnahme der adhäsiven Versiegelung der unkomplizierten Kronenfraktur bei der heute 11-jährigen Laura damals „verzichtet“ worden.

So war das Dentin für zwei Jahre der Mundhöhle ausgesetzt…

und es kam, wie es kommen musste (und in der Literatur eindeutig beschrieben ist)

Ich werde weiter berichten…

Routine

Im heutigen Fall handelt es sich um eine reine Routinebehandlung.
Entfernung eines Instrumentenfragmentes und Fremdmaterial aus den Kanälen des Zahnes 25.
Vor 20 Jahren war das mal mein Traum…

In den Jahren 2000-2003 kam die Endodontie immer mehr in mein Blickfeld.  Zu viele Misserfolge haben mich gezwungen das ungeliebte Fachgebiet genauer zu betrachten.

Da gab es solche verrückten Kollegen, die mit einem Mikroskop in den Zahn schauten.
Das klang nicht uninteressant, aber die zu erwartenden Investitionskosten waren für mich utopisch. Es musste einfacher gehen.

Deswegen hatte ich einige Alternativen ausprobiert, wie beispielsweise Depotphorese mit Curapal. Aber auch das ließ die MIßerfolge nicht deutlich weniger werden.

Kupfer-Kalziumhydroxid (Cupral) hat einen 400fach höhere, keimtötende Wirkung) gegenüber herkömmlichen Medikamenten, welche im Wurzelkanal zur Anwendung gelangen, betonte Prof. Knappwost. Ihn hatte ich kontaktiert, weil ich wissen wollte, warum meine Misserfolge nicht dramatisch sinken. Er konnte es mir letztendlich nicht erklären.

Dann hörte ich von diesen neuen Nickeltitaninstrumenten.
Auf einer Dentalmesse erklärte mir eine nette Dame von Dentsply die Vorzüge. Und ich durfte mal am Stand probieren in einem Plastikblock. Es gab Protaper und Profile. Mit dem Protaper hatte ich ganz schnell eine Instrumentenfraktur geschafft. Die Profile waren deutlich weniger aggressiv. Diese bestellte ich sofort.
Am ersten Zahn, den ich behandelte nach einigen Tests am Plastikblock kam ich nicht wirklich vorwärts. Und meine Schlussfolgerung war, mehr Druck, damit die Feile nach unten geht. Die nachfolgende Fraktur hat mich in meiner ganzen weitern Praxistätigkeit nicht mehr losgelassen. Dieser Zahn war mein 100000 Eurozahn.

Viel mehr als diese Summe investierte ich in die nächsten Jahre an Weiterbildung, Geräten und Instrumenten.
Nach 100000 Euro habe ich aufgehört zu zählen. Danach kam noch eine neue Praxis mit Arbeitsplätzen, die mikroskopergonomisch aufgestellt waren.

Was hätte ich damals gegeben um dieses Fragment entfernen zu können.

Nun gehörte ich zu den Verrückten mit dem Mikroskop. Und die Misserfolge sind deutlich gesunken. Leider muß ich sagen, nicht auf Null. Aber wir behandeln Zähne, die ich früher abgewunken hätte. Aber ich weiß auch besser, wo die Grenzen liegen.

Der Weg war lang und hat mich Demut gelehrt. Jede Phase der Überheblichkeit wurde bitter bestraft.
Um so mehr freue ich mich, wenn so ein Behandlunsgfall erfolgreich ausgeht, wie diese routinemäßige und nicht wirklich schwierige Instrumentenentfernung. Die Stufe in diesem Fall zu überwinden, war eher die Herausforderung.

Geschichten aus dem Endozän – Motivation zum Wochenende

Heute ist Freitag und ich bin super gut gelaunt.


Dabei waren die letzten Wochen ziemlich hart.
Wir sind (nichtinfektiös) krankheitsbedingt unterbesetzt.
Da gibt es für Alle im Team besonders viel zu tun.
Und auch ich muss mich um etliche Dinge kümmern, die sich sonst nicht in meinem Tagesablauf wiederfinden. Öffnet einem aber auch die Augen. Erschreckend, wieviel Zeit durch vermeintliche Routineaufgaben verloren geht. Zum Beispiel im Rahmen des Wareneingangs und des Nachfüllens von Verbrauchsmaterial in den Zimmern. Das mache ich nämlich sonst nie.

Mal ganz gut, da reinzuschauen.
Man überdenkt Abläufe. Und modifiziert diese. Oder verschlankt.
Am Ende kommt idealerweise eine Verbesserung heraus. Das freut einen dann.
DAS ist QM!

Heute endlich nun, seit mindestens 2 Wochen herbeigesehnt, ist unser letzter Tag vor unseren Herbstferien. Eine Woche lang keine Zahnmedizin-Zwänge. Herrlich!

Super gut gelaunt bin ich aber nicht, weil ich nun 7 Tage lang keine Zahnmedizin machen muss, sondern weil ich Zahnmedizin gemacht habe.

Eine nicht gewöhnliche Zahnmedizin.
Denn gewöhnlicherweise wäre dieser Zahn vermutlich gezogen worden.

Zahn 17 bei Erstvorstellung in unserer Praxis

Eine 79 jährige Patientin suchte unsere Praxis auf wegen einer Schmerzproblematik, vermutlich ausgelöst durch Dezementierung des distalen Brückenpfeilers an Zahn 17 und nachfolgende Caries profunda. Der Zahn (Lockerungsgrad 0, Taschentiefen 2-3 mm) ) war von der Hauszahnärztin nach EKR trepaniert und mit einer provisorischen Krone + mesialem Freiendglied in Prämolarengröße versehen worden

Ich würde unter anderen Umständen für die Extraktion des Zahnes plädieren.
Allerdings nimmt die Patientin osteoporosebedingt seit längerem hochdosiert Bisphosphonate ein, weshalb von kieferchirurgischer Seite der Erhalt des Zahnes empfohlen wurde und mit diesem dringlichen Wunsch trat die Patientin an uns heran.

Also versprechen wir der Patientin, uns wohlwollend um den Zahn zu kümmern.
Nach Abnahme des für unsere Region überdurchschnittlich guten Provisoriums offenbart sich allerdings das Dilemma. Eine breiige, aus provisorischer Füllung, Karies und Speiseresten bestehende Masse erwartet uns.

Nach Kariesexkavation und Exzision der in die Kavität hineingewucherten Gingiva zeigt sich immerhin, das keine Pulpakammerbodenperforation vorliegt. Die obliterierten Kanaleingänge lassen sich ausmachen. Retention für den Kofferdam gibt es keine, daher baue ich zunächst den Zahn in Doughnut- Technik. Bukkal und palatinal schaffe ich Infrawölbungen. Die Form des Aufbaus ist zunächst ebenso unkonventionell unregelmäßig wie unbedeutsam, wir werden ja zeitnah präparieren. Am Aussehen braucht man sich also nicht stören. Wichtiger ist die gescheite Technik, den Aufbau zum Weichgewebe hin randdicht zu gestalten und hier ist das Flow- Composite Shofu Beautiful Flow Plus (Danke Olaf!) eine große Hilfe. Wir legen anschließend Kofferdam an, machen die initiale Kanalaufbereitung, verschliessen die Kanaleingänge mit Block Out LC und abschließend die Trepanationsöffnung mit Composit. Ende der ersten Sitzung.

2 Tage später präpariere ich den Kompositaufbau. Fertige chairside eine Kompositkrone an, die ich mit Rely X adhäsiv eingliedere. Zeitaufwand 45 Minuten.

Heute morgen nun die 3. Sitzung. Definitive Aufbereitung der Wurzelkanäle und abschließende Einlage von Calciumhydroxid. Die Trepanation der vorhandenen Kompositrestauration erfolgt unter Anlage einer minimalinvasiven Zugangsöffnung.

Die Behandlung ?
Absolut reibungslos in perfekter Choreografie.
Ein Traum.

Wenn man abschließend den Zahn betrachtet, so kann man nicht mehr glauben, dass dieser vor wenigen Tagen noch ein Fall für die Extraktionszange war.

Der Fall ist noch nicht zu Ende.
Vielleicht stellt sich nach WF maßlose Frustration ein.
Aber heute zumindest gehe ich mit extrem viel Freude ins Wochenende.
Weil ich weiss, dass wir etwas Nicht Gewöhnliches, etwas Besonderes, Schönes, Gutes geschaffen haben.

Revisiontaktik

von Jörg Schröder

Der Nutzen des DVT ist bei der Revisionsbehandlung ein besonders großer.

Die Beurteilung der Verläufe von aufbereiteten, teilweise oder vollständig gefüllten und unaufbereiteten Kanalsystemen im Raum ermöglicht es nämlich, eine möglichst ideale, weil komplikationsarme Behandlungstaktik zu entwickeln.

In diesem Fall entwickelte sich innerhalb eines Jahres nach prothetischer Versorgung eine deutliche apikale Pathologie mit klinischer Symptomatik.



Das DVT zeigte neben den durchgehenden Parodontalspalten an der palatinalen und distobukkalen Wurzel, dass der bisher nicht aufbereitete MB2 bis über die Konfluation mit MB2 hinaus im DVT verfügbar war. Somit wurde bewusst darauf verzichtet, den gemeinsamen apikalen Anteil aus dem bei der Erstbehandlung gefüllten MB1 aus aufzubereiten, da hier mit Veränderungen der Originalanatomie wie z.B. einer Stufe zu rechnen war.

Somit versprach der Umstand , in MB2 die „Erstbegehung“ durchführen zu können, ein erfolgreiches Erschliessen der apikalen Kanalabschnitte.

Das Orifizium des MB2 entsprang einem sehr feinen Isthmus und lag sehr weit palatinal. Nach initialer Erweiterung – ProFile 15/04, 20/04, 15/06 – gelang es, Patency zu erzielen. Da in den Spanräumen keine Guttapercha vorhanden war, konnte daraus gefolgert werden, dass die Konfluation mit MB1 weiter koronal liegen musste.

Erst nach Erweiterung des MB2 bis 25/06 wurde die Guttapercha aus MB1 entfernt. Wie erwartet, konnte apikal eine Stufe ertastet und nach intensiver Irrigation mittels vorgebogener Instrumente überwunden werden.

Die abschliessende Obturation in warmer vertikaler Kompaktion zeigt zunächst einmal ein sehr zufriedenstellendes Ergebnis. Das Recall wird zeigen, ob die Behandlung erfolgreich war.

Was ist anders geworden durch die präoperative 3D-Diagnostik? Während früher das „Gefühl“ mir vorgab, was ich wann und vor allem womit machte, bestimmen heute die Erkenntnisse aus dem DVT meine Vorgehensweise. Welcher Kanal zuerst, mit welchen Instrumenten, wann die Guttapercha entfernen, etc.

 

Eine Unter Uns -Umfrage

Das New York Philharmonic Orchestra hat mich angeschrieben.
Und nach meiner Meinung gefragt.

Ob ich bitte die beigefügte Umfrage beantworten könnte.

Naja, wenn sich ein weltberühmtes Orchester an mich persönlich wendet, dann kann ich nicht „Nein“ sagen.

Scherz beiseite, dieses Orchester war der beste orchestrale Klangkörper, den ich in meinem ganzen Leben live erleben konnte. Und ich war neugierig, was man wohl wissen wollte.
Ganz schön viel im Übrigen und während ich durch die Seiten blätterte, fragte ich mich, ob so etwas nicht auch für uns hier (mit uns meine ich alle Leser) interessant sein könnte.

Gewissermassen eine Standortbestimmung, wie es draussen wohl so aussieht in den Praxen, die hier mitlesen.

Gedacht, getan.
Ich wünsche mir, dass jeder hier sich kurz die Zeit nimmt, es dauert auch wirklich nur 1 – 2 Minuten und danach haben wir alle einen Inside – Einblick, den man sonst SO nie erhält.

Fälle

Von Christoph Kaaden

Gestern nach der Mittagspause war bei uns „Wurzelkanalfüllnachmittag“…

zum „Leidwesen“ der Mädels (ich bin mir nicht sicher, warum sie es nicht mögen diese Behandlungsart dreimal nacheinander durchzuführen) folgte der Behandlungsabschluss von einem Prämolaren und zwei Molaren.

In den Bildbeschreibungen gebe ich Ihnen noch ein paar Hinweise zu den Behandlungen…

Hier die Röntgenbilder zusammen mit einigen klinischen Bildern…

Prämolar mit ausgeprägter Krümmung palantinal – Präparation mit R-Pilot – Gold-Glider – Wave One Gold small – RECIPROC blue 25 (Behandlungsdauer 2h)
Zustand nach alio loco begonnener Behandlung- bisher konnte nur ein Kanalsystem dargestellt werden…
Darstellung der 5 Kanalsysteme Part I mittels Rosenbohrern – Cave bei der Danger Zone mesial mit erkennbaren Dentintubuli als Hinweis zur tatsächlichen Lage der Kanaleingänge – ! Symmetrie-Regel beachten!
Darstellung und Präparation des mid-mesialen Kanalsystems

Final dargestellte und präparierte 5 Kanalsysteme
Abschluss-Röntgenbild

Prä-op vs. post-op (Behandlungsdauer 2,5h)
Prä-op – Zustand nach alio loco begonnener Behandlung
Präparation mit R-Pilot – Gold-Glider – Wave One Gold 20 (mb2), 25 (distal und mb1) und 35 (palatinal)
Prä-op vs- post-op (Behandlungsdauer 2,5h)

Ich persönlich mag den Schritt der WF.

Morgen gehts weiter… dann stehen zur Freude der Mädels Revisionen und Präparationen an…

:-)

Röntgendiagnostik (2)

Die Fragestellung in der letzten Woche waren:

Können wir 36, 46 behandeln und erhalten.
Was für endodontische Probleme könnte man auf den Bildern erahnen?

Im klinischen Bild imponierte die P. marginales auf Grund jahrelang vernachlässigter Mundhygiene und Zahnarztbesuche.
36 und 46 zeigen im Zahnfilm vertikale Knocheneinbrüche und apikale Läsionen.
Wenn man genau hinschaut erkennt man die Radix entomolaris in beiden Fällen.
Wir haben nach der klinischen Untersuchung ein DVT angefertigt. Anbei die Aufnahmen.

Für uns keine Möglichkeit des langfristigen Erhaltes. Einer parodontalen Therapie stand der Patient, erfolgreicher Unternehmer nach eigenen Ang, aber auch skeptische gegenüber und favorisiert die implantatgetragene Zukunft…

Die Gretchenfrage oder Wie hältst Du es mit dem DVT ? Teil 4 – Kritische Analyse

Ich möchte 3 Punkte herausgreifen, die im Zusammenhang mit dem hier vorgestellten Fall in den Kommentaren aufgekommen sind.

Zunächst die Frage – Wäre es nicht möglich oder sogar einfacher und sinnvoller gewesen, eine WSR durchzuführen evtl. mit retrograder Präparation und Wurzelkanalfüllung ?

Wir sehen ja immer wieder auf Fortbildungen, dass auf diese Art und Weise Fälle gelöst werden konnten, bei denen keine orthograde Wurzelkanalbehandlung möglich war oder diese als nicht sinnvoll eingestuft wurde.

Und ja – viele Wege führen nach Rom.
Aber ich käme nie auf die Idee, hier diesen Weg zu wählen.

Warum?
Weil wir es im Hinblick auf die vorhandene apikale Aufhellung hier mit einer bakteriellen Infektion zu tun haben. Demnach die Bakterien ganz offensichtlich ihren Weg intraradikulär von koronal nach apikal gefunden haben. Mag der Restwurzelkanal auch noch so obliteriert sein und weder mit dem bloßen noch mit dem OP-Mikroskopbewehrten Auge betrachtet sichtbar erscheinen, für die bösen Mikroorganismen findet sich offensichtlich immer noch ein Weg.

Und machen wir uns nix vor, angesichts der anatomischen Verhältnisse im Makrokosmos (Wurzelkanäle einschliesslich Isthmen, Verzweigungen, Seitenkanälen) und im Mikrokosmos (Dentintubuli) der Zahnwurzeln ist die Wurzelspitzenresektion ein rein mechanistischer Therapieansatz des vorletzten Jahrhunderts.

Selbst wenn es demnach gelingt die WSR lege artis mikroinvasiv mit adäquater Retropräp durchzuführen. Was nicht ganz so banal ist. Schöner Lappen, parodontalästhetisch schonende Schnittführung und Nähte, dann eine perfekte Blutstillung, die präzise Präparation. Zum Abschluss die Retrofüllung mit sehr verarbeitungssensiblen Zementen. All das in einem Arbeitsbereich von wenigen Quadratmillimetern, der nur mittels Mikrospiegeln indirekt sichtbar wird.

Wenn also all dies bestmöglich gelänge, so bleibt doch die Frage der notwendigen Desinfektion. Wie will man dies im Rahmen der WSR erreichen ? Ist dies rein technisch machbar ? Wie effektiv wäre das, angesichts der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit ?

Und erreicht man ein dauerhaftes Ergebnis?
Werden nicht vielmehr die Bakterien im Laufe der Zeit wieder über den nachwievor vorhandenen Weg sich wieder nach apikal begeben?
Hält dann der antibakterielle Schutzwall aus Portlandzement?
Ich glaube nicht daran.

Dann die Frage – Hätte man nicht vorab in den Zahn hineinschauen können, um dem Patienten die Kosten für die Bohrschablone zu ersparen?

Ich hätte dies getan, wenn es bereits eine Trepanationsöffnung gegeben hätte.
Dies war hier nicht der Fall, der Zahn war noch unberührt.

Und angesichts der Ausgangssituation hier mit extremer Obliteration war es doch wahrscheinlich, dass es nach Trepanation keinen Hinweis für einen ehemaligen Kanalverlauf geben könnte. Eine bohrschablonengestützte Trepanation somit unumgänglich sein könnte. Und dann – wäre mein konventionell geschaffenes Bohrloch mit Sicherheit größer als das navigierte.

Meine Überlegung war also – wenn ich vermutlich sowieso eine Bohrschablone brauche, dann will ich aber auch den Zugang bestmöglich sprich kleinstmöglich halten.

Dann die Frage nach der Wasserkühlung des Bohrers?

Ich glaube, dass der zu erzielende Effekt der Wasserkühlung ein sehr geringer ist.
Man muss sich ja nur mal anschauen, wohin die Düsen der Winkelstücke die Wasserstrahlen hinlenken. Die vorhandenen Wasserführungen sind für die benötigten Bohrerlängen offensichtlich nicht ausgelegt und man erzielt vermutlich – um ein Bonmot von Jörg Schröder umzudichten, der im Zusammenhang mit einer spülspritzengestützten Kanaldesinfektion von „ritueller Waschung“ spricht – nur eine „rituelle Kühlung“. Ich hatte aber bei all meinen Fällen bisher den Eindruck, dass der Bohrer zügig seinen Weg nach unten findet. Viel einfacher als bei den Präparationen für postendodontische Wurzelstifte und die habe ich bislang immer ohne Wasserkühlung durchgeführt. Ein neuer und demnach optimal scharfer Bohrer ist aber meines Erachtens Pflicht.

Abschließend noch ein paar Worte zur Durchführung per se.

Wie bei allen neuen Verfahren herrscht am Anfang eine gewisse Unsicherheit, weil man über keinerlei Erfahrung verfügt. Dann kommt noch hinzu, dass man nicht in den Zahn hineinschauen kann, während man arbeitet. Und es sich ausnahmslos um extrem schwierige Zähne handelt, die es zu behandeln gilt.

Schon blöd. Wäre in etwa so, wenn man für sein allererstes Implantat sich an einen extrem atrophierten Oberkiefer mit Sinuslift in regio 27 heranwagen würde.

Hat man sich aber erst einmal in die Materie eingearbeitet und hat wurde im Vorfeld (DVT, Abformung, Modell- und Schienenherstellung, Planung) alles richtig gemacht, so kommen die Vorzüge der Durchführung zu tragen. Man setzt sich gewissermaßen an den gedeckten Tisch und genießt die Früchte der Vorarbeit.

Aus einer ungewissen, nicht definierbaren, nicht vorhersagbaren Arbeit bei hohem Schwierigkeitsgrad und großem Unsicherheitsfaktor , alles puls- und blutdrucktreibende Parameter ist eine präzis durchgeplante souveräne Verrichtung worden.

Apikaler Fischzug

von Jörg Schröder

Periapikal gelegenes Fremdmaterial zu entfernen, gehört für mich zu den immer wieder spannenden endodontischen Tätigkeiten.

Denn nicht in jedem Fall ist das Fremdmaterial vollumfänglich einsehbar oder direkt unter dem apikalen Foramen gelegen. Dann hilft das DVT eine Vorstellung von der Lage  der Fremdmaterialien im Raum zu erhalten.

Für die Entfernung kommen verschiedene Instrumente in Frage:

Microopener: hier sollte das Fremdmaterial gut sichtbar und der Kanalquerschnitt deutlich weiter als das zu entfernende Material sein, da sich mit dem Microopener das Fremdmaterial eher „rollend“ als „ziehend“ entfernen lässt.

Microdebrider: dieser eignet sich, insbesondere exakt vorgebogen, zum Hinterfahren des Fremdmaterials und nachfolgendem Herausziehen. Allerdings weist er eine für mich etwas zu starke Flexibilität auf, sodass die zum Einsatz gebrachten Kräfte manchmal nicht genügen.

Hedströmfeile 31 mm, Griff entfernt, in der Arterienklemme: nach Entfernen des Plastikgriffes per Seitenschneider – Cave! nicht das im Griff enthaltene Metallstück abknipsen sondern nur den Plastikgriff! -erhält man eine extralange Hedströmfeile. Diese ist wie ein Debrider einzusetzen und in den Durchmessern 15-30 deutlich weniger flexibel als der Microdebrider. Ansonsten wird auch bei dieser Technik das Material Hinterfahren.

Guttaperchaentferner (nach Terauchi) /früher von Hartzell& Sons: mit dem am Ende dieses Instrumentes befindlichem kleinen und im Original (Hartzell & Sons) sehr scharfen kleinen Haken wird insbesondere Guttapercha hinterfahren und per Zug entfernt. Die neuerdings erhältlichen mattschwarzen Instrumente (Kohler Medizintechnik) haben nicht die gleiche Wirkung, da die Haken weniger lang und weniger scharf gearbeitet sind. In meinen Augen sehr traurig, da Hartzell & Sons aufgekauft wurden und laut Herrn Hartzell als erstes der Mitarbeiter entlassen wurde, der bis dahin einzig und allein diese Haken hergestellt hatte. Typischer Fall von Verschlimmbesserung.

Warum sollte man überhaupt den Aufwand treiben und periapikal befindliche Materialien entfernen? Betrachtet man die entfernten Materialien, so erkennt man sehr häufig darauf bakteriellen Biofilm, die letztlich ein Ausheilen der periapiaklen Pathologie verhindern.

Kontaminierte Guttapercha

So auch in nachfolgendem Fall. Nachdem bei der Erstbehandlung bereits Guttapercha extrudiert worden war, ist es beim alio loco durchgeführten Revisionsversuch zu einer weiteren Verlagerung der Füllmaterialien gekommen.

Wichtig ist zunächst,dass die Zugangskavität ein Visualisieren des Foarmenbereiches ermöglicht. Oftmals genügen kleine Korrekturen um sogar das gesamte Foramen einzusehen. Dann sollte anhand des DVT die Strecke bis zum oralen ermittelt werden, um dann mittels US oder Eddy bis auf 1mm an das Foramen heran die Spüllösung bewegen zu können. Dabei werden Gewebereste und im Kanal befindliche Sealeranteile entfernt und ein Visualisieren des Formens möglich. Nach vorsichtigem Trocknen mittels Papierspitzen (tupfend!!!) kann nun über das weitere Vorgehen entschieden werden.

In vorliegendem Fall war die Guttapercha beim Verbringen nach apikal gefaltet worden, sodass sie größer als das Foramen war. Die kleine Fuge zwischen Kanalwand und Guttapercha wurde genutzt um das Foramen nach palatinal hin mittels Endosonorefeile zu erweitern. Dann kamen die Hartzell & Sons-Instrumente zum Einsatz, über die wir zum Glück noch verfügen. Nach einigen Versuchen (Debris, wenn auch noch so klein, ist immer zeitnah herauszuspülen!) konnte das deutlich kontaminierte Material nach koronal entfernt werden.

Leider zeigte sich im Kontrollbild immer noch röntgenopakes Material, welches aber nicht mehr sichtbar war. Nach medikamentöser war der Zahn zu Beginn der zweiten Behandlungssitzung vollkommen beschwerdefrei.

Geplant war P mit kollagenem Widerlager und MTA und MB/DB in warmer vertikaler Kompaktion zu füllen. Um ein versehentliches Verbringen von MTA-Anteilen in MB und DB zu verhindern, wurden diese zunächst gefüllt.

Bei der finalen Inspektion von P fiel mir ein gelblicher Schimmer am bukkalen Rand des Foramens auf. Der nach bukkal vorgebogene Microopener brachte dann noch ein Stück kontaminierten Sealer zu Tage, welches dann mit der oben beschriebenen „Rollmethode“ (Microopener hinunterfährt das Stück und mit nach oben streichenden Bewegungen wird das Stück zunächst in den Kanal gedreht und nachfolgend an der Kanalwand nach oben gerollt) entfernt werden konnte.

Nach Einbringen des kollagenen Widerlagers konnte P dann mit MTA gefüllt werden.

Wissen um die Lage des Fremdmaterials, ein wenig räumliches Vorstellungsvermögen, eine ruhige Hand und ein größeres Stück Beharrlichkeit. Mehr ist in den meisten Fällen nicht erforderlich.

 

Prämolaren sind (nicht) einfach. (2)

von Jörg Schröder

Manchmal ist es beinahe schon unheimlich, wenn sich nach einer Falldarstellung wenige Tage später zum gleichen Thema ein weiterer Fall hinzugesellt.

Dieser 34 liess bereits im 2D-Bild ein nicht aufbereitetes linguales Kanalsystem vermuten. Warum lingual? Weil dort die Aufgabelung mitunter sehr rechtwinkelig erfolgt und ein versehentliches Hineingleiten eher unwahrscheinlich ist.

Die grazile Form des 34 und der Umstand, dass es sich auch noch um einen Brückenpfeiler handelt, machte die Behandlung aufgrund der kleinen Zugangsöffnung etwas delikat.

Hinzu kam ein im bukkalen Kanalsystem sehr weit nach apikal reichender Glasfaserstift, den es zuvor zu entfernen gab.

Nach Entfernung der Obturationsmaterialien konnte der linguale Abzweig visualisiert und initial aufbereitet werden. Aufgrund einer deutlichen klinischen Sympotmatik erfolgte die Behandlung zweizeitig.

Da nach der alio loco erfolgten Erstbehandlung in B keine apikale Konstruktion mehr vorhanden war, sollte B nach Anlegen eines kollagenen Widerlagers mit MTA obstruiert werden. Daher musste zuvor das linguale Kanalsystem obturiert werden, um ein versehentliches Verbringen von MTA in L zu verhindern.

Die Obturation von L erfolgte mit Guttapercha und BC Sealer. Nachfolgend konnte B in oben beschriebener Weise gefüllt werden.

Nun hoffe ich auf ein erfolgreiches Recall.

RET mit Verfärbung reloaded (II) & mehr

Von Christoph Kaaden

Letzte Woche habe ich hier von der Nachbehandlung einer vormaligen traumatischen Zahnverletzung berichtet.

Hier noch das bisher schuldig gebliebene Abschlussröntgenbild nach Tausch MTA zu Biodentine.

Ich werde Sie über den weiteren Verlauf auf dem Laufenden halten.

„Passend“ zu diesem Thema müsste ich vorgestern leider erfahren, dass Dr. Jens Ove Andreasen, der „Vater“ der dentalen Traumatologie verstorben ist.

Hier sein letztes, einige Wochen altes Schreiben an Freunde und Kollegen auf der ganzen Welt.

Ich werde seinem Wunsch nachkommen und zeitnah einen Beitrag nach Dänemark überweisen.

Ich bin froh, dass ich eine solche Persönlichkeit vor einigen Jahren selber treffen durfte und werde weiter versuchen insbesondere Kinder und Jugendliche in seinem Sinne zu behandeln….

(augenscheinlich war ich begeisterter als er ;-) )

Hygienepauschale die Zweite

Die Hygienepauschale für Zahnarztpraxen wird verlängert, darauf haben sich am 30.09.2020 Bundeszahnärztekammer (BZÄK), PKV und Beihilfe verständigt. Grund sind die COVID-19-bedingt nach wie vor erhöhten Hygienekosten.

Damit wird dem Umstand Rechnung getragen, dass aufgrund der COVID-19-Pandemie die Kosten für Schutzkleidung und Desinfektionsmaterialien, aber insbesondere auch der administrativen Hygieneaufwand, nach wie vor deutlich erhöht sind.

Pauschale wird zunächst verlängert bis zum 31. Dezember 2020

Ab 1. Oktober bis zunächst 31. Dezember 2020 können Zahnärzte zur Minderung dieser Kostenlast  – neben den weiteren Optionen der GOZ – alternativ eine Hygienepauschale berechnen. Die hierfür vorgesehene Gebühren-Nummer 3010 GOZ analog kann allerdings nur noch zum Einfachsatz (= 6,19 Euro) angesetzt werden.

Quelle: zm online, 30.09.2020

 

Röntgendiagnostik

In dem heute vorgestellten Fall stand die Frage aus einer chirurgischen Praxis:

Können wir 36, 46 behandeln und erhalten. Und wurden die Röntgenbilder zugesendet und es wurde erwähnt, daß sich buccal multiple Fistelbildung Pusexudation zeigt. Die Lockerungsgrade sind 0-1 und die Sondierungstiefen sind erhöht.

Wir haben um die Vorstellung des Patienten zur klinischen Untersuchung gebeten.

Was für endodontische Probleme könnte man auf den Bildern erahnen?

Die Gretchenfrage oder Wie hältst Du es mit dem DVT ? Teil 3

Zahn 11 – Diagnostische Röntgenaufnahme vor der endodontischen Behandlung

Ohne DVT würde man hier scheitern.
Man glaube mir bitte.

Ein Zahn 11 mit leichter Dunkelverfärbung der klinischen Krone. Ein angefertigtes Röntgenbild offenbart einen vermutlichen Zustand nach Trauma in der Jugend, eine vorhandene apikale Aufhellung, der Wurzelkanal ist fast vollständig obliteriert.

Hier einen Versuch der Trepanation wagen würde zwangsläufig in einer Perforation enden.
Knapp 20 mm Blindbohrung, um dann in den unteren 2- 3 Millimetern den Kanal zu finden und nicht eine Via falsa zu produzieren, an einem solchen Tag könnte ich auch 10 Rubbellose kaufen und auf den großen Jackpot hoffen.

Das sind die harten Fakten.
Ein paar weiche kommen noch dazu.
Der Patient 26 Jahre alt, finanziell auf eigenen und vermutlich eher dünnen Beinen stehend. Die Anreise ? Rund 100 Kilometer. Die Behandlung aus Sicht der gesetzliche Krankenversicherung ein Behandlungsversuch , demnach vom Patenten aus eigener Tasche zu zahlen.

Was tun ?
Der Versuch des Zahnerhaltes ist angesichts des Alter des Patienten meines Erachtens diskussionlos zu bejahen, die uns seit ein paar Jahren zur Verfügung stehende Option der DVT – gestützten computergestützten Navigation unter Verwendung einer Bohrschablone die Methode der Wahl. Bliebe noch die Frage, ob man vorher mal den Versuch wagen sollte, zu trepanieren und in den Zahn hineinzuschauen ?

Könnte man dem Patienten doch vielleicht mit geringem Aufwand einen nicht unbeträchtlichen Geldbetrag sparen.
Angesichts des DVT – Befundes entscheide ich mich dagegen.

Es erfordert immer etwas Überwindung, blind in einen Zahn hineinzubohren.
Besonders, wenn man, wie ich, seit nunmehr fast einem Vierteljahrhundert gewohnt ist, 100 Prozent der endodontischen Arbeit unter Zuhilfenahme eines Operationsmikroskopes durchzuführen. Also taste ich mich vorsichtig heran. Der aufgesetzte Gummistopper signalisiert mir immer wieder die jeweilgen Teilschritte, dann ist Abnehmen der Schablone und in den Zahn hineinschauen angesagt. Das Bohren geht im Übrigen sehr leicht, ohne grosse Kraftanstrengung vonstatten, die Bohrer sind offensichtlich ausreichend scharf. Nur die Initialbohrung muss mittels Diamant und unter Wasserkühlung im roten Winkelstück erfolgen. Mittels wasserfester schwarzer Farbe markiere ich mir mit dem Trepanationsbohrer die Positionierung des Pilotloches.

Farbmarkierung des Pilotbohrers zur Visualisierung der Bohrstelle
Farbmarkierung des Pilotbohrers zur Visualisierung der Bohrstelle
Farbmarkierung des Pilotbohrers zur Visualisierung der Bohrstelle
Zahn 11 – Zustand nach Durchdringung des Zahnschmelzes

Im Falle des besagten Zahnes 11 war zwischendrin kein Hinweis auf die ursprüngliche Lage des Wurzelkanals zu sehen und keine noch so kleine Öffnung zu ertasten, es bewahrheitete sich also die Vorgehensweise, auf einen nicht bohrschablonengestützten ersten Versuch zu verzichten.

Schablonengestützte Trepanation, Vorsichtiges Herantasten

Ich führte die Bohrung in 3 Etappen durch. Nachdem ich die vorgesehene Bohrtiefe erreicht hatte, konnte der Wurzelkanal penetriert werden.

Zustand nach Trepanation
Zustand nach Trepanation

Der Rest war Routine. Zumindest bis zur Wurzelkanalfüllung. Das DVT hatte ja die verzweigte Anatomie des Wurzelkanalsystems in den unteren 2-3 Millimetern gezeigt mit einer horizontalen astartigen Spreizung. Jetzt galt es, diese Verzweigungen bestmöglich zu füllen ohne bei vorhandenem großem apikalen Foramen zuviel Überpressung von WF- Material zu verursachen.

Zahn 11 – Röntgenmessaufnahme 30.06.2020
Zahn 11 – Masterpointaufnahme 27.07.2020

Die WF- Kontrollaufnahme lässt mich in diesem Fall mit gemischten Gefühlen zurück. Einerseits können wir uns freuen, den Fall zunächst erfolgreich abgeschlossen und den Zahn erhalten zu haben. Aber ist das Ergebnis im Hinblick auf die apikalen Verzweigungen des Wurzelkanals adäquat ? Einzelne sichtbare Seitenkanäle reichen nicht aus, um Absolution zu erteilen.
Wird es genügen, eine Heilung zu erzielen ?

Zahn 11 – WF – Kontrolle 13.08.2020

Die Zeit muss es zeigen.

Hygienepauschale – nur für Ärzte?

Neue Abrechnungsempfehlung ab dem 01.10.2020:

Gemeinsame Analogabrechnungsempfehlung von BÄK, PKV-Verband und den Trägern der Kosten in Krankheits-, Pflege- und Geburtsfällen nach beamtenrechtlichen Vorschriften des Bundes und der Länder für die Erfüllung aufwändiger Hygienemaßnahmen im Rahmen der COVID-19-Pandemie vom 01.10.2020 bis zum 31.12.2020:

Erfüllung aufwändiger Hygienemaßnahmen im Rahmen der COVID-19-Pandemie, je Sitzung
analog Nr. 245 GOÄ, erhöhte Hygienemaßnahmen, zum 1,0fachen Satz

Die Abrechnungsempfehlung gilt ab dem 01.10.2020 bis zum 31.12.2020 und ist nur bei unmittelbarem, persönlichen Arzt-Patienten-Kontakt anwendbar. Bei Berechnung der Analoggebühr nach Nr. 245 GOÄ kann ein erhöhter Hygieneaufwand nicht zeitgleich durch Überschreiten des 2,3fachen Gebührensatzes für die in der Sitzung erbrachten ärztlichen Leistungen berechnet werden. Die Nr. 245 GOÄ analog ist nicht berechnungsfähig, sofern eine stationäre Behandlung in einem zugelassenen Krankenhaus nach § 108 SGB V erfolgt und für diese Krankenhäuser nach Maßgabe des Krankenhauszukunftsgesetzes entsprechende Hygienezuschläge vereinbart worden sind.

 

Quelle: https://www.bundesaerztekammer.de/aerzte/gebuehrenordnung/geaenderter-geltungszeitraum-und-gebuehrensatz-der-nr-245-goae-analog-fuer-die-erfuellung-aufwaendiger-hygienemassnahmen-im-rahmen-der-covid-19-pandemie-sowie-verlaengerung-der-telemedizin-psychotherapie-abrechnungsempfehlungen/

Prämolaren sind (nicht) einfach!

von Jörg Schröder

Endodontische Behandlungen an Prämolaren? Einfach, oder? Eine Wurzel, ein Kanal oder an oberen 4’ern zwei Wurzeln mit zwei Kanälen.

OK, manchmal eine wenig eng, aber sonst: straight forward.

Das es in Wirklichkeit nicht so ist, wissen alle, die häufig endodontische Behandlungen unter dem Mikroskop durchführen.

Anamnestisch war zu erfahren, dass alio loco die endodontische Behandlung bereits begonnen wurde, aber aufgrund von „Schwierigkeiten“ nicht abgeschlossen werden konnte. zur Beratung brachte die Patientin dieses Bild mit.

Auffällig war die Länge und starke mesiale Krümmung der Wurzel.

Eine über viele Jahre erworbene Skepsis ließ mich ein eigenes Einzelbild anfertigen. Dies zeigte im unteren Wurzeldrittel gleich zwei Instrumentenfagmente, die offenbar die Schwierigkeiten erzeugten, von denen berichtet wurde.

Im DVT war ersichtlich, dass es koronal der beiden, am Beginn der deutlichen mesialen Krümmung gelegenen Fragmente eine Aufgabeln und ein nicht bearbeitetes linguales Kanalsystem gab.

Nach Modifikation der Zugangskavität (Erweiterung und Neigung nach distal) und Darstellung der Kanaleingänge war es möglich, das koronalere der beiden Fragmente zu visualisieren und mittels vorgebogener Endosonore-Feile zu entfernen.

Da das apikale Fragment nur zu tasten war, habe ich, anstatt versuchen es zu entfernen das Fragment vom bisher unaufbereiteten lingualen Kanalsystem aus passieren können.

Die apikale Aufbereitung erfolgte ausschliesslich mit vorgebogenen Handinstrumenten in enger Abfolge (008, 010, 012, 015, ProTaper Hand S1, S2, F1, F2). Trotz intermittierender Schall- und laserunterstützter Irrigation war es mir nicht möglich das Fragment zu entfernen. Die Masterpointaufnahme zeigt, dass ich es zwar lockern konnte, es aber dann weiter nach apikal verbracht hatte, ohne dabei den Kanal zu blockieren. Glück gehabt!

Nachdem der vorgebogene Masterpoint erfolgreich einprobiert worden war, erfolgte die Obturation.

Was die Behandlung deutlich erschwerte war die linguale Neigung und die Kleinheit der klinischen Krone, die das Visualisieren der tieferen Kanalabschnitte deutlich erschwerte.

RET mit Verfärbung reloaded

Von Christoph Kaaden

Vor Kurzem habe ich hier einen Fall nach reparativer endodontischer Behandlung vorgestellt, bei dem wir zusätzlich ein Bleaching durchgeführt haben.

Heute also ein weiterer Fall, bei dem diese Therapie „notwendig“ wurde…

interessant fand ich, wie sich das MTA intrakanalär darstelle…

MTA während der Entfernung mit Rosenbohrern; obgleich die koronale Schicht komplett abgebunden hatte war das darunterlegende Material zum Teil noch „weich“. Wenn man die Röntgenbilder genau betrachtet kann man meinen, dass das MTA zum Teil resorbiert bzw. ausgewaschen wurde…
Intrakanaläres vitales Gewebe nach RET
Biodentine intrakoronal nach Kunststoffabdeckung

Das anschliessende Bleaching erfolgte wieder mit Opalescence Endo. Laut Patientin war die Verfärbung innerhalb von Stunden entfernt…

Patientin happy

Behandler Team happy

:-)

Marktwirtschaft

Spiegel Online hat es letztens in einer Schlagzeile berichtet.

Handschuhe werden knapp…
https://www.spiegel.de/wirtschaft/service/corona-engpass-einmalhandschuhe-werden-knapp-a-46fa3084-646f-4479-bdc8-3b86f6aee9c5

Das Material knapp ist und man improvisieren muss, habe ich im Rahmen der zahnmedizinischen Ausbildung und Tätigkeit im real existierenden Sozialismus erleben dürfen.
Niemals hätte ich damit gerechnet, daß mich diese Erfahrungen wieder einholen.

Nun ist es soweit. Einmalhandschuhe sind rar. Bestellungen werden automatisch gekürzt. Es gibt Zuteilungen. Das sind dann, wenn man Glück hat noch Vinylhandschuhe.

Das ist wie Schlangestehen nach Bananen und wenn man dran ist gibt es keine mehr, dafür aber Äpfel.

Für mich stellt sich die Frage, was überblicken die Gesundheitspolitiker und Standesvertreter noch?
Wozu brauchen wir ein QM, wenn einfachste Dinge im Arbeitsschutz nicht gewährleistet sind.

Handschuhe gibt es jetzt als Schnäppchen. 100 Stck. für 18,80€+Ust. – Netdental.

Wer seine Angestellten und sich selbst schützen will, der zahlt das schon. Für die Gesundheit ist nichts zu teuer.

 

27 P. apicalis

Der Patient wurde uns überwiesen und betonte, daß er nun alle Zähne unbedingt erhalten will. Er möchte keinen Zahn verlieren und erwartet, daß wir ihm dabei helfen werden.

4 Zähne standen auf der Wunschliste des Überweisers.
27 stand dabei an erster Stelle. Im Zahnfilm und im OPTG erschien der Zahn apikal nicht beurteilbar. Im angefertigten DVT stellte sich pal. eine apikale Veränderung nahe an die Conchae nasales inf. dar. die buccalen Wurzeln zeigten sich apikal an der raumgreifenden Veränderung pal. apikal beteiligt. Der Zahn 27 war umsymptomatisch, die Sondierungstiefen erhöht und der Lockerungsgrad war 0. Die prothetische Versorgung  wurde als Langzeitprov. benutzt.

Postendodontisch ist geplant, das Brückenglied 26 mit einem Implantat zu ersetzen.
Die Behandlung wurde durch geringe die Mundöffnung bei einer Arbeitslänge von knapp 25mm erschwert. Die Aufbereitung, Desinfektion und Füllung erfolgte in 2 Sitzungen.

In den Röntgenrecalls war eine Beurteilung der apikalen Veränderung nicht möglich. Der Patient war beschwerdefrei. Für die Implantation 26 wurde ein DVT notwendig. Deshalb konnten wir die apikale Situation am 27 kontrollieren.
In diesen Aufnahmen war eine deutliche Heilungstendenz erkennbar.
Hätten wir dies ohne DVT erkannt – eindeutig nein.

Teflon

Seit vielen Jahren nutze ich Teflon als Isolierungsmaterial in der Endo. So lange schon, daß ich mich nicht einmal mehr erinnern kann, ob ich die Idee dazu von einer Fortbildung in USA mitgebrachte habe. Eher glaube ich, das mir die Idee von Winfried Zeppenfeld zugetragen wurde und das Ganze muss mehr als 12 Jahre her sein.

Wir nutzen zwei Arten von Teflon.
Deutsches und italienisches.

Wobei der Name nichts darüber aussagt wo das Material hergestellt wurde. Vielmehr, dass das eine immer im BAUHAUS Heimwerkermarkt in Bad Kreuznach, das andere im OBI in Brixen/Südtirol gekauft wird. Letzeres ist feiner und kommt daher meist in filigranen Zugangskavitäten zum Einsatz.

Dann kam der Lock Down und unsere Vorräte an italienischem Teflon gingen zu Ende. Ohne Chance des Nachkaufs. Wir nutzten notgedrungen ausschließlich das deutsche Teflon, aber in den entsprechenden Situationen fehlte sein südländliches Pendant und wurde schmerzlich vermisst.

Jetzt habe ich bei Amazon ein Material gefunden, das dem italienischen Teflon entspricht. Zehn Rollen für unter 9 Euro, was den ohnehin günstigen Preis des Originals sogar noch unterbietet. Viel wichtiger ist aber, dass nun vermutlich das Material permanent zur Verfügung steht.

Nach Südtirol fahren werden wir weiterhin.
Nur die OBI Besuche werden weniger werden.

Saving hopeless Teeth – Grenzfall

von Jörg Schröder

Dieser 11 wurde durch mehrere endodontische Behandlungsversuche und die nachfolgenden restaurativen Massnahmen in seiner Hartsubstanz sehr stark reduziert.

Nach der Neuversorgung mit einer vollkeramischen Krone und der in diesem Zusammenhang erfolgten Insertion eines Glasfaserstiftes entwickelte die Patientin eine palatinal gelegene Schwellung und eine bukkale Fistelung.

Nach der Auswertung der klinischen und radiologischen Befunde sprach ich die Empfehlung aus, den Zahn aus Gründen der besseren Vorhersagbarkeit entfernen zu lassen und eine implantologische Behandlung durchführen zu lassen. Die Frage der Patientin, ob den nicht irgendeine Möglichkeit bestünde den Zahn zu erhalten, beantwortete ich à la Radio Eriwan: Im Prinzip ja, aber … .

Die bei der Präparation des Stiftbettes aufgetreten Perforation nach palatinal lag subcrestal und wäre mit MTA vorhersagbar zu verschliessen.

Die Obturationsmassen sollten angesichts der Weite des Kanalsystems zu entfernen und die nachfolgende Desinfektion problemlos möglich sein.

Unter Umständen liesse sich das kranial und palatinal der Wurzelspitze gelegene Fremdmaterial orthograd entfernen. Falls nicht und würde sich beim Reclam eine fehlende Ausheilung im Periapkalbereih zeigen, so wäre das Fremdmaterial durch einen mikrochirurgischen Eingriff zu entfernen.

Die Empfehlung meinerseits lautete jedoch : implantologische Versorgung.

Nach einer Woche teilte uns die Patientin mit, dass sie den Erhaltungsversuch wünsche.

Derselbe erfolgte zweizeitig. Zu meiner großen Überraschung fehlte intrakanalär jegliches Obturationsmaterial. Stattdessen gab es zwei Glasfaserstifte, die beide bis ins Parodont reichten. Während sich der palatianl perforierende Stift noch recht angenehm entfernen liess, war das Reduzieren des bis apikal reichenden Stiftes mittels Muncebohrern und Endosonore-Feile schon ein blutdrucksteigerndes Unterfangen.

Aus der palatinalen Perforation trat spontan Pus aus. Apikal kam es nur zu einer kurzfristigen Blutung. Nach ausreichender Irrigation wurde CaOH2 eingelegt und der Zahn adhäsiv verschlossen.

Zu Beginn der zweiten Sitzung zeigte sich der Zahn 11 beschwerdefrei. Somit stand der Obturation nichts mehr im Weg. Zunächst wurde die apikale Perforation nach Anlegen eines kollagenen Widerlagers mit MTA verschlossen. Nachfolgen wurde die palatinale Perforation in gleicher Weise versorgt. Das Entfernen des periapikalen Fremdmaterials gelang weder in der ersten, noch und er zweiten Behandlungssitzung. Die Patientin wurde daher nochmals auf die mögliche Notwendigkeit eines chirurgischen Eingriffs hingewiesen und angehalten, sich mit dem behandelnden Kieferorthopäden in Verbindung zu setzen, um den palatinalen Retainerdraht erneuern zu lassen.


Mehr als drei Jahre nach Abschluss der Behandlung stellte sich die mittlerweile ins Ausland gezogene Patientin erneut in unserer Praxis vor. Während das 2D-Kontrollbild nur das mittlerweile lageverändete Fremdmaterial, jedoch keine apikale Aufhellung erkennen liess, zeigte das kleinvolumige DVT eine deutliche Aufhellung um das Fremdmaterial herum und eine vollständige knöcherne Ausheilung im Bereich der palatinalen Perforation. Klinische ar der Zahn vollkommen beschwerdefrei, hatte sich jedoch – ein Retainerdraht wurde von kieferorthöpädischer  Seite als nicht notwendig erachtet – mangels Retention um ca. 1mm elongiert.

Beim kurz auf das Recall durchgeführten mikrochirurgischen Eingriff wurde, um das palatinal des Apex vorhandene Fremdmaterial zu erreichen, die Wurzelspitze um ca. 1 mm gekürzt. Zusammen mit der Breite der Free ergab sich ein ausreichend weiter Zugang, um mittels feiner Handinstrumente die periapkal vorhandenen Fremdmaterialien zu entfernen.

Hierbei handelt es sich nicht, wie von mir vermutet um Guttapercha, sondern um ein anthrazitfarbenes zementähnliches Material, vielleicht ein MTA-ähnliches Material.

Beeindruckend finde ich den Umstand, dass im postoperativen Einzelbild vom im OP-Situs deutlich sichtbaren knöchernen Defekt so gut wie nichts zu erkennen ist. Und jetzt beurteile jeder für sich selbst, wie verlässlich die Beurteilung der periapikalen Knochenstrukturen im Einzelbild ist.

Aus Coliquio – Praxis geöffnet trotz Corona? Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Arzt

Praxis geöffnet trotz Corona?
Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Arzt

Weil er trotz Corona-Symptomen in seiner Praxis weiter Patienten behandelt – und angesteckt – haben soll, ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen einen Arzt aus dem Kreis Deggendorf (Bayern). Im Raum steht der Vorwurf der versuchten gefährlichen Körperverletzung.

Während er auf das Testergebnis wartete, behandelte der Arzt weiter Patienten. Das wird ihm nun vorgeworfen.

Der Fall machte in dieser Woche Schlagzeilen: Zunächst musste eine Realschule geschlossen werden, weil eine Schülerin positiv auf das Coronavirus getestet worden war. Dann stellte sich heraus: Sie hat sich vermutlich in einer Arztpraxis angesteckt. Ihr Hausarzt hatte seine Praxis weiterhin geöffnet, während er auf das Ergebnis eines Corona-Tests wartete. Dieser fiel positiv aus – die Praxis wurde daraufhin geschlossen. Doch da hatten sich die Schülerin und vier weitere Patienten bereits angesteckt. Mehr als 270 Menschen mussten in Quarantäne.

Der Landrat Christian Bernreiter (CSU) zeigte sich gegenüber den Medien empört, hat bereits Strafanzeige gestellt. „Das ist natürlich verantwortungslos, mir fehlen die Worte“, sagte er dem „Bayerischen Rundfunk“. Anfang September soll der Arzt nach Erkenntnissen der Gesundheitsbehörden typische Corona-Krankheitsanzeichen an sich bemerkt haben. Bis zum Vorliegen des positiven Corona-Tests habe er jedoch den Praxisbetrieb nicht eingestellt, sondern lediglich im Praxisbetrieb „eine FFP2-Maske verwendet“ haben, berichtet die „Süddeutsche Zeitung“. Der Arzt habe sich, so heißt es, bei einer Feier oder einem Chorwochenende in Tschechien angesteckt.

Gegenüber der „Passauer Neuen Presse“ wies der Internist die schweren Vorwürfe des Landratsamts zurück. „Ich kann mir das nicht erklären. Ich habe mehr getan, als eigentlich vorgeschrieben ist“, wird er zitiert.

Das Landratsamt geht davon aus, dass der Arzt trotz eines konkreten Verdachts weiter praktiziert habe. Doch genau das weist der Arzt zurück: Es habe zwar in seinem Bekanntenkreis einen Corona-Fall gegeben, woraufhin er sich und seine Familie habe testen lassen. Symptome habe er aber nicht gehabt. „Ich wollte ohne konkreten Verdacht auf der sicheren Seite sein“, erklärte er dem Blatt. Erst nach dem positiven Testergebnis sei ihm aufgefallen, dass er sich in den Tagen zuvor leicht abgeschlagen gefühlt habe.

Die Bayerische Landesärztekammer kritisierte gegenüber dem „BR“ das Verhalten des Arztes. Auch Ärzte sollen sich bei Corona-Verdacht oder einem positiven Test isolieren, betonte die Kammer. Abweichungen seien nur bei Kontaktpersonen der Kategorie 1 möglich, etwa in Betrieben der kritischen Infrastruktur. Sollte der Arzt gegen die Berufsordnung verstoßen haben, könne der Ärztliche Bezirksverband eine Rüge aussprechen und eine Geldbuße verhängen.