Unvollendete

von Jörg Schröder

Ein Patient, zwei Prämolaren mit unterschiedlicher Ausgangssituation.

Gemeinsamkeit bestand nur hinsichtlich der Anbehandlung in einer Universitätszahnklinik.

Während die beiden Kanalsysteme des 14 im koronalen Drittel instrumentiert waren, stellten sich die weiteren Kanalverläufe als multiplanar gekrümmt und extrem obliteriert dar.

Meine Lieblingsvorgehensweise: die beinahe schon antiquiert zu bezeichnenden ProFile-Instrumente in der Abfolge 15/04, 20/04 15/06. Nach Erreichen des Foramens erfolgte die finale Aufbereitung mit HyFlex CM. Da die erste Messaufnahme zeigte, dass das in P eingebrachte Instrument (bei mir in P oder L immer eine M2-Feile) bei der Aufnahme dissoziiert worden sein könnte, wurde eine zweite Aufnahme mit um eine ISO-Größe größerer ProFile angefertigt. Mehr Durchmesser, besserer Halt.

Auch 15 wies 2 Kanalsysteme auf. Die Obturation endete am Beginn der nach mesiopalatinal verlaufenden aikalen Krümmung. Angesichts der an dieser Stelle konferierenden Kanalsystem keine Überraschung, konnte doch der apikale Kanalabschnitt erst nach „Auflösen“ der Dentinbrücke zwischen B und P instrumentiert werden. Zudem wurde die Zugangskavität nach distal erweitert. Der ebenfalls stark eingeengte apikale Kanalabschnitt konnte so wiederum mit der ProFile-Sequenz aufbereitet werden.

Zuvor wurde der merkwürdigerweise nur in P vorhandene Thermafill-Carrier mit der „Braiding-Technik“ entfernt.

 

 

Harte Nuss

Von Bonald Decker

In diesem Blog sind in der Vergangenheit schon zahlreiche Fallbeispiele mit außergewöhnlicher Anatomie oberer Prämolaren vorgestellt worden. Hilfreich waren hier in der Regel klinische Indizien, die Anhalt für diese Launen der Natur waren.

Anders in dem nachfolgenden Fall.

Ohne das alio loco angefertigte DVT (Planmeca- genaues Modell ist mir unbekannt) hätte ich diese sehr tiefe Aufgabelung in ein weiteres bukkales Kanalsystem niemals vermutet und folglich auch nicht vorhersagbar behandeln können.

Prä-OP nach WF alio loco

Ausschnitt aus alio loco angefertigtem DVT; übersehenes Kanalsystem bukkal mit apikaler Parodontitis

Angefertigt worden war diese Aufnahme, weil die Patientin einige Wochen zuvor das recht frisch inserierte Implantat Regio 26 inklusive Augmentat infektionsbedingt verloren hatte…

da eine erneute Implantation für die Patientin nicht in Frage kam sollten daher nun die Revisionsbehandlungen an 25 und 27 erfolgen. Die Diagnose apikale Parodontitis wurde bei beiden Zähne erst im DVT ersichtlich…

Auch Zahn 27 zeigt eine apikale PA; ferner bekommt man einen Eindruck des Knochendefektes nach Verlust von Augmentat und Implantat

Die sehr mühsame Erschliessung des bisher unbehandelten bukkalen Kanalsystems gelang durch rein manuelle Instrumentation mittels vorgebogener Hand-Instrumente.

Thermafil-Revision mit sehr tiefer Aufteilung in ein weiteres bukkales Kanalsystem

Post OP nach Revision und erneuter WF von drei Kanalsystemen

Prä-OP vs. Post-OP

Demnächst folgt die Revision des zweiten Molaren. Wie das DVT zeigt hält dieser zum Glück nicht ähnliche anatomische Überraschungen parat…