Kurioses Leakage

von Ronald Wecker

Trotz mehrfacher medikamentöser Einlagen gelang es dem überweisenden Kollegen nicht die klinische Symptomatik dieses oberen seitlichen Schneidezahns zu reduzieren.

Das präoperative Bild zeigt neben einer deutlichen apikalen Aufhellung einige röntgenopake Fremdkörper, die periapikal gelegen sind.

R1

Bereits kurz nach Anlegen der Zugangskavität kam es zu einem Ablösen eines Teils des palatinalen Kronenanteils. Die Bruchfläche weist deutliche Kontaminationsspuren auf. Nach Erstellen einer flüssigkeitsdichten Rückwand konnte das Kanalsystem von Resten des adhäsiv befestigten Glasfaserstiftes befreit werden. Auch diese Materialien waren stark kontaminiert. Nach medikamentöser Einlage für 2 Wochen erfolgte die Obturation mit MTA nach Anlegen eines kollagenen Widerlagers in der zweiten Behandlungssitzung.

Das Recall-Bild nach 18 Monaten zeigt eine weitgehende Konsolidierung der periapikalen Strukturen. Nun bedarf nur die provisorische Krone einer definitiven Lösung.

 

J-förmige Aufhellung

von Ronald Wecker

Vor viereinhalb Jahren stellte sich der Patient mit einer aktiven Fistelung an Zahn 47 vor. Das präoperativ angefertigte Röntgenbild zeigte eine distal der Wurzel gelegene, j-förmige Aufhellung, wie sie auch bei einer Vertikalfraktur der Wurzel zu finden ist.

R1

Die Sondierungstiefen befanden sich im physiologischen Bereich, sodass ein Behandlungsversuch durchaus erfolgversprechend schien.

Bei der intrakanalären Inspektion konnte ein Frakturgeschehen ausgeschlossen werden. Die Behandlung erfolgte zweizeitig und ist, zumindest nach den ersten 4 Jahren, als Erfolg zu werten.

47D Recall.001 47D Recall.002

Wobei sich die Frage aufdrängt, in wie vielen Behandlungs-Fällen es gelingt, ein 4-Jahres-Recall zu „ergattern“. Von einer Kontrolle nach 10-Jahren ganz zu schweigen.

Die nächste Welle (I) – Update Fall IV

Von Bonald Decker

Sie erinnern sich ggf. noch an meinen Beitrag zum Thema „Anhäufungen von Zahnperforationen“ in unserer Praxis.

Heute ein kurzes Update zu dem damals vorgestellten Fall IV.

Der Zahn konnte letzte Woche nach insgesamt drei Behandlungsterminen zu Ende behandelt werden. Der Verschluss der Perforation erfolgte mit MTA, das tatsächliche Kanalsystem wurde nach chemo-mechanischer Reinigung „klassisch“ mit erwärmter Guttapercha und Sealer gefüllt. Den vorläufigen Abschluss der Behandlung stellte eine tief intrakoronal verankerte Kompostfüllung dar.

Zustand nach Wurzelkanalbehandlung Zahn 23 mit MTA-Perforationsdeckung.

Zustand nach Wurzelkanalbehandlung Zahn 23 mit MTA-Perforationsdeckung.

Das von mir bereits herbeigesehnte Recall nach sechs Monaten werde ich Ihnen dann (mit hoffentlich erfreulichem Heilungsergebnis) vorstellen. Bis dahin heisst es sich in Geduld zu üben… aber ich bin guter Dinge für Zahn und Patientin.

:-)

Mikado …

von Ronald Wecker

… an dieses Geschicklichkeitsspiel aus Kindertagen musste ich denken, als ich das Bild der im Pulpakavum versammelten Masterpoints sah.

26D.005

Klinisch fiel nach Anlegen der Zugangskavität der lange und breite Isthmus zwischen DB und P auf. Dort teilten sich DB1 und DB2  auf den letzten drei Millimetern des gemeinsamen Kanalverlaufs in zwei eigenständige Kanalsysteme auf.Dder MB2 zweigte nach einigen Millimetern von MB1 ab. Der MB3 hatte eher eine für einen MB2 typische Lokalisation.

 

 

 

Stillstand nach Revitalisierung

Von Bonald Decker

Nachfolgend unser letztes Recalll nach erfolgter Revitalisierungstherapie. Der Abschluss der Behandlung (nach dem hier auf WURZELSPITZE schon mehrfach beschrieben Vorgehen) war vor zwei Jahren.

Als positiv zu vermerken ist die Tatsache, dass apikal kein Anhalt für eine Osteolyse zu erkennen ist.

Ausgeblieben hingegen ist (bisher) eine Zunahme des Längen- und/oder Dickenwachstums der Wurzel. (Soweit dies aufgrund der unterschiedlichen Aufnahmewinkel sicher vergleichbar ist…)

Nachuntersuchung nach erfolgter Revitalisierungstherapie

Nachuntersuchung nach erfolgter Revitalisierungstherapie

Ist ein zukünftiger „Wachstumsschub“ noch zu erwarten?

Wohl eher nicht.

Was also nun?

Ist Stillstand auch hier gleichzusetzen mit Rückschritt?

Was denken Sie?

Therapie zweier invasiver zervikaler Resorptionen

Von Norwald Wacker

Die Patientin stellte sich erstmals im März 2012 in der Praxis vor. Die Ästhetik der Frontzahnfüllung an Zahn 21 stellte Sie nicht zufrieden und der beginnende Schmelzeinbruch an Zahn 11 veranlasste die behandelnde Kollegin die Patientin zu überweisen. Die klinische Untersuchung zeigte keinerlei Lockerungen an den betroffenen Zähnen und parodontaleinwandfreie Befunde. Lediglich labial an 11 und 21 waren moderate Knochenrückgänge messbar.Zahn 21 reagierte auf den Kältetest negativ und Zahn 11 nur noch minimal und sehr verzögert positiv. Das angefertigte Ausgangsröntgenbild zeigte einen endodontischversorgten Zahn 21 und eine große Resorptionslakune an Zahn 11.

Zahn 11 mir deutlich sichtbarer Resorption

Zahn 11 mir deutlich sichtbarer Resorption

klinischer Ausgangsbefund

klinischer Ausgangsbefund

 

 

 

 

 

 

 

Im weiteren Gespräch erklärte die Patientin, dass Sie vor Jahren bei einem Sturz auf die Frontzähne geschlagen ist. Es erfolgte damals keine weitere Behandlung. Die, vor dem Besuch bei uns, erfolgte Vorstellung in einer chirurgischen Praxis endete mit der Diagnose: nicht erhaltungswürdige Zähne 11 und 21. Therapie: Extraktion und Implantation.
Diese Variante war der Patientin zu radikal. Die Patientin wurde von mir darüber aufgeklärt, das bei einem so massiven Befund ein Zahnerhalt über endodontische Behandlungen und Resorptionsdeckungen mindestens fraglich ist. Die Patientin wollte trotz der offensichtlich schlechten Prognose eine Zahnerhaltende Behandlung. In einer ersten Sitzung wurde eine vestibuläre Aufklappung durchgeführt und die Kompositefüllung an Zahn 21 entfernt. Des weiteren habe ich so gut wie möglich alle resorptiv veränderten Gewebeanteile entfernt und beide Defekte unter relativer Trockenlegung mit Komposite gedeckt. Das Anlegen von Kofferdam war vollkommen unmöglich, wie man den Fotos entnehmen kann.

Zustand nach Entfernung der Kompositefüllung

Zustand nach Entfernung der Kompositefüllung

Mit Komposit gedeckte Resorptionsbereiche

Mit Komposit gedeckte Resorptionsbereiche

 

 

 

 

 

 

In einer zweiten Sitzung zwei Wochen später wurde der Zahn 11 endodontisch therapiert und der Zahn 21 ebenfalls revidiert.

Masterpointaufnahme

Masterpointaufnahme

WF Kontrolle

WF Kontrolle

 

 

 

 

 

 

 

 

Die jetzt erfolgte 34 Monatskontrolle lässt uns optimistisch in die Zukunft blicken und zeigt, dass auch scheinbar hoffnungslose Situationen mit etwas Glück gelöst werden können.

34 Monatskontrolle 2015

34 Monatskontrolle 2015

 

11,21 12 Monatsrecall

11,21 12 Monatsrecall

11,21 34 Monatsrecall

11,21 34 Monatsrecall

Kleiner Vulkan (I)

Von Bonald Decker

Die Anfänge der nachfolgenden Krankengeschichte datieren recht weit zurück.

Nach einem in der dritten Klasse (ca. 1991) erlittenen Frontzahntrauma (die genaue Diagnose liess sich nicht mehr erheben) musste Zahn 22 aufgrund einer Pulpanekrose im Jahr 2004 endodontisch behandelt werden. Das damals angefertigte Orthopantomogramm zeigt ein zum Stillstand gekommenes, nicht abgeschlossenes Wurzelwachstum mit apikaler Transluzens.

Zustand nach Trauma

Zustand nach Trauma Zahn 22 vor vielen Jahren mit daraus resultierendem nicht abgeschlossenen Wurzelwachstum und apikaler Transluzens

Die Therapie des damals  22-jährigen Patienten wurde von dessen als Zahnarzt tätigen Vater durchgeführt. Die Wurzelkanalfüllung erfolgte mittels trägerbasierter Obturationstechnik (wohl Thermafil + Sealer). Seitdem war der Zahn symptomfrei. Die letzte radiologische Kontrolle des Zahnes fand 2011 statt.

Letzte Nachkontrolle (2011)

Alio loco durchgeführte letzte Nachkontrolle  des Zahnes 22 nach endodontischer Behandlung (2011)

Mit Jahresbeginn 2015 beklagte der Patient allerdings zunehmende Beschwerden mit ausgeprägter Klopfempfindlichkeit und erhöhtem Lockerungsgrad (II-III) des Zahnes 22. Auch mit hochdosierten nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR = 600mg Ibuprofen alle 4-6h) liessen sich die Schmerzen nicht mehr vollständig in den Griff bekommen. Das von uns angefertigte Einzelzahnröntgenbild bei Erstvorstellung liess vermuten warum…

Aktuell angefertigtes Einzelzahn-Röntgenbild bei   Vorstellung mit akutem Beschwerdebild

Aktuell angefertigtes Einzelzahn-Röntgenbild bei Vorstellung mit aktuellen Beschwerden

Aufgrund der ausgeprägten apikalen Osteolyse und dem Resorptionsprozess entschieden wir uns gemeinsam mit dem Patienten für die Anfertigung eines DVTs. Nachfolgend hiervon ein paar Screenshots:

Präoperativ angefertigtes DVT Regio 22

Präoperativ angefertigtes DVT Regio 22

Verdacht

weiter apikal

Ca. 10x8 mm grosse Osteolyse

Ca. 10×8 mm grosse Osteolyse, dieVestibulum und Palatum scheinbar verbindet

Nach eingehender Besprechung der Befunde mit Patient und Zuweiser (=Bruder&Zahnarzt) entschieden wir uns zunächst für einen nicht-chirurgischen orthograden Revisionsversuch. Eine ggf. spätere zusätzliche chirurgische Intervention bei unzureichendem orthograden Management der Infektion wurde vorab ebenfalls diskutiert. Die Zahnentfernung oder das primär chirurgische Vorgehen im Sinne einer Wurzelspitzenresektion wurden aufgrund des zu befürchtenden bleibenden Substanzverlustes von allen Beteiligten als Sekundärlösungen angesehen.

Zu Beginn der Revision musste zunächst der (extraaxial eingebrachte) Glasfaserstift entfernt werden.

Intraorale Ansicht vor Revisionsbeginn

Intraorale Ansicht vor Revisionsbeginn

Dies gelang relativ zügig mittels Munce Bohrern. Als nächstes galt es den Kunststoffträger des Wurzelfüllmaterials (möglichst in einem Stück!) zu bergen. Hier hat sich nicht nur bei uns die Anwendung von Hedström-Instrumenten (zum Teil mittels Umschlingungstechnik = Braiding-Technique) bewährt.

Entfernter Thermafil-Stift

Entfernter Thermafil-Stift

Radiologisch vollständig entfernte Wurzelfüllmaterialien

Radiologisch vollständig entfernte Wurzelfüllmaterialien

Kaum war dies gelungen „präsentierte“ sich der Zahn als kleiner Vulkan…

Spontane Plusentleerung nach Entfernung des Wurzelfüllmaterials

Spontane Pusentleerung nach Entfernung der Wurzelfüllmaterialien-nach einiger Zeit stoppte der Prozess und der Zahn konnte nach medikamentöser Einlage temporär verschlossen werden. Der Patient berichtete am nächsten Tag von einer nahezu vollständigen Remission seiner Beschwerden.

Im zweiten Teil dieses Beitrags berichte ich über unser weiteres Procedere…

stay tuned

;-)

Späte Apexogenese

von Ronald Wecker

Vor fast 4 Jahren erlitt der damals 8-jährige Patient bei einem Fahrradsturz eine laterale Dislokation des Zahnes 11. Die Erstversorgung erfolgte im nicht-europäischen Ausland und bestand neben einer medikamentösen Einlage in einem Offenlassen des Zahnes nach Trepanation.

R1

Aufgrund der langen Kontaminationsdauer hatte ich von der ursprünglich geplanten Revitalisierungstherapie Abstand genommen und mich für einen Verschluss mit MTA entschieden. Noch während des Platzieren des ersten MTA-Plugs bemerkte ich ein „Hineinrutschen“ des MTA. Das Kontrollbild gab keinen Anlass zur Freude, zeigte es doch eine deutliche Extrusion in den Periapikalbereich. Die Anästhesie liess nach, der junge Patient und der Behandler wurden etwas unruhig und so wurde die Wurzelfüllung fertiggestellt.

Bereits die ersten Röntgen-Recalls zeigten eine Resolution der apikalen Entzündung. Allerdings „sonderte“ sich das extrudierte Material räumlich etwas von der intrakanalären Wurzelfüllmasse ab. Klinisch war der Zahn vollkommen beschwerdefrei.

Gestern nun das in jeder Hinsicht unerwartete Recall nach 3,5 Jahren. Einen Tag zuvor beim Skateboardfahren gestürzt stellte sich der Patient mit einem Zahn 21 vor, der neben einer kleinen Schmelzfraktur auch einen Zustand nach Konkussion aufwies. Der Klopfschall und die Beweglichkeit war physiologisch. Der Pa-Spalt ist lateral dezent erweitert. Die Sensibilitätsprobe an 21 fiel positiv aus.

Das angefertigte Röntgenbild zeigt aber an Zahn 11 Erstaunliches:

Das Wurzelwachstum war trotz des periapikal gelegenen MTA weiter vorangeschritten. Eine Wurzelspitze mit normalem Parodontalspalt ist vorhanden. Offensichtlich steckt im Periapikalbereich mehr regeneratives Potential als bisher angenommen. Denn dem derzeit gültigen Behandlungsprotokoll für eine Revitalisierung hat der durchgeführte Therapieansatz nur teilweise entsprochen.

Z.n. WSR

von Ostidald Wucker

Der Zahn 21 wurde 2001 nach einer länger zurückliegenden endodontischen Behandlung reseziert und eine Zystektomie vorgenommen. Der 42 jährige Patient gibt als Ursache einen Sportunfall in der Jugend an.

Im Jahr 2014 wurde der Patient uns überwiesen. Er hatte keine Beschwerden. Der Zahn zeigte jedoch seit 2012 eine Fistel. Die Sondierungstiefen waren nicht erhöht. Der Lockerungsgrad war 0.

Ein DVT war angefertigt und lag uns vor.
Die Prognose  für den Zahn schätzen wir mit günstig bis kritisch ein. Unser verhaltener Optimismus hielt den Patient nicht davon ab trotzdem einen Behandlungsversuch zu unternehmen. Die Alternative Implantat wollte der Patient vermeiden. Eine Längsfraktur war in der Behandlung und klinisch nicht zu verifizieren.

Die Revision erfolgte zweizeitig. Nach Entfernung des Wurzelfüllmaterials zeigte sich apikal eine starke puröse Exsuadation. Nach der Desinfektion des Kanalsystems mit Natriumhypochlorit erfolgte eine CaOH Einlage. Das apikale Neoforamen wurde in der zweiten Sitzung mit ProRoot MTA verschlossen. Die prothetische Versorgung steht leider noch aus. Das Recall nach 12 Monaten stimmt uns optimistisch.

 

Die nächste Welle (III)

Von Bonald Decker

Heute also ein weiteres Update zu unserer „Perforationswelle„.

Genauer gesagt zu Fall III. Hier das postoperativ angefertigte Röntgenbild. Es verdeutlicht nochmals den ausgeprägten Verlust an Zahnhartsubstanz, der u.a. für die entstandene Strip-Perforation verantwortlich war.

Zustand nach Perforationsdeckung mittels MTA und nachfolgender WF mittels Guttapercha&Sealer

Zustand nach Perforationsdeckung mittels MTA und nachfolgender WF mittels Guttapercha&Sealer

Zukünftige Nachuntersuchungen müssen zeigen, ob der Wunsch der Patientin nach „heldenhaften Bemühungen“ zur Zahnerhalt nachhaltig ist…

Prä-op vs. post-op

Prä-op vs. post-op

Recalls – Ein UK Prämolar und Einbahnstraße WSR

von Ostidald Wucker

Letzte Woche kamen einige Reclls von hier vorgestellten Fällen. Diese möchte ich Ihnen nicht vorenthalten.

Fall1 Ein UK Prämolar

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Fall2 Einbahnstraße WSR

R13

 

8 auf einen Streich

von Ronald Wecker

Vor etwa 3 Monaten habe ich an dieser Stelle über die etwas überraschend verlaufende Fragmententfernung aus diesem 47 berichtet.

R1

Heute nun das Ergebnis nach zwei Behandlungssitzungen.

Nachdem in der ersten Sitzung 7 von 8 in den mesialen Kanälen befindlichen Instrumentenfragmente entfernt werden konnten, sah es hinsichtlich der Entfernung des letzten verbliebenen Fragmentes nicht sehr rosig aus.

Zwar konnte das Fragment über den ML geradeso mit einer Handfeile ISO 008 passiert werden, das deutlich vernehmbare „Knattern“ während des Passierens führte jedoch zu einem stark erhöhten Ruhepuls beim Behandler. Da die beiden mesialen Kanalsysteme v-förmig konfluieren wurde folgendes Vorgehen geplant:

Zunächst sollte aus ML kommend das Passieren mit vorgebogenen Handinstrumenten weiter fortgesetzt werden. Mit etwas Geduld konnten die Instrumente der Größe 008, 010, 012, 015 und 017 am Fragment vorbeigeführt werden. Anschließend wurde dieser manuelle Gleitpfad mit Hyflex-Instrumenten 15/04, 20/04 und 25/04 vollrotierend erweitert.

Den vorübergehenden Abschluss der rotierenden Aufbereitung in ML bildete die Hyflex 20/06.

Die Idee war, zunächst im ML etwas Raum zu schaffen, die ein geringes Verlagern des Fragmentes aus MB nach ML ermöglicht. Die Verlagerung wurde mit einer vorgebogenen Handfeile ISO 008 erzielt, die nach einigen Versuchen aus MB kommend am Fragment vorbeigeführt werden konnte. Bereits der erste nachfolgende schallunterstützte Spülvorgang war von Erfolg gekrönt: Das stark gebogene Fragment konnte aus den mesialen Kanälen herausgelöst werden.

SANYO DIGITAL CAMERA

Die starke Krümmung des Fragmentes lässt vermuten, dass die apikal der Konfluation befindlichen Fragmente 2-7 das Instrument, aus dem dann Fragment 8 wurde, so deflektiert hatten, dass es aus MB kommend in koronaler Richtung in  ML eingedrungen und anschließend frakturiert ist.

Erfreulich, dass die im präoperativen Bild zu diagnostizierende deutliche apikale Aufhellung bereits nach initialer Behandlung und medikamentöser Einlage mit CaOH2 stark rückgängig ist.

IDS – Neuheiten 2015 (6) – EDDY

Von Christoph Kaaden

Die Schall bzw. Ultraschallaktivierung von Spüllösungen innerhalb des endodontischen Kanalsystems hat in den letzten Jahren zunehmend an Beachtung erlangt. Auch auf der IDS wurden hierzu einige Neuerungen vorgestellt.

Zum Beispiel:

„EDDY“

Nach einer Idee von Dr. Winfried Zeppenfeld bewirkt diese Polyamid-Spitze in Kombination mit einem Airscaler eine Schallirrigation endodontischer Spüllösungen. Wie dieses kleine Video zeigt scheint der Name (Eddy = Wirbel) „Programm“ zu sein

 

In dieser Firmenbroschüre finden sich nähere Einzelheiten zu dieser IDS-Neuheit.

 

IDS- Neuheiten 2015 (5) Meta Biomed Genesys

von Hans – Willi Herrmann

 

Meta_Genesys-1Über das neue kabellose Füllsystem von Sybron Endo hat Oscar von Stetten vor kurzem hier bei WURZELSPITZE berichtet. Auf der IDS präsentierte auch die koreanische Firma Meta Biomed  die neueste Version ihrer akkubetriebenen „System B“ – und „Obtura“ – Clones. Und ich muss anerkennend loben – so gut lag bislang noch keine kabellose, geschweige denn auch noch motorisierte Backfill- Apparatur in der Hand. Nach dem ebenfalls in Köln neu vorgestellten kabellosen Reciproc – Motor von VDW und Maillefer  nun möglicherweise endlich die Möglichkeit, endodontisch rein kabellos zu arbeiten. Unter dem Dentalmikroskop ein Riesenvorteil.

Die am Messestand durchgeführte Übergabe an die Assistenz funktionierte einwandfrei und mit einer Leichtigkeit, das es eine Freude war.

Hoher „Haben Wollen“ – Impuls, zumindest, was die Backfill- Einheit angeht.
Noch widerstehe ich, da ich nicht weiss, wie das Gerät/die Geräte sich im Alltag bewährt/bewähren.

Im nachfolgenden Video aber schon mal vorab ein paar zusätzliche Infos zum Füllsystem.

 

 

7-Jahres-Recall

von Ronald Wecker

Spektakuläre Krümmungen zu instrumentieren und nicht einsehbares, periapikal gelegenes Fremdmaterial zu entfernen macht den endodontischen Alltag bunt.

Den wahren Beifall gibt es allerdings von der Natur: das erfolgreiche Langzeit-Recall.

7 Jahre nach endodontischer Behandlung des Zahnes 44 zeigt das Röntgenbild eine sehr erfreuliche Ausheilung des ausgedehnten periapikalen Prozesses.

Der klinische Lockerungsgrad lag bei Behandlungsbeginn bei 3. Es lag einen aktive Fistelung vor. Der Zahn war zudem endständiger, mit einer Teleskopkrone versorgter Pfeiler einer herausnehmbaren Prothese.

Nach medikamentöser Einlage mit CaOH2 erfolgte in der zweiten Behandlungssitzung die Obturation in warmer vertikaler Kompaktion. 8 Monate später wurde die herausnehmbare prothetische Versorgung nach Insertion von zwei Implantaten in regio 45 und 47 durch eine festsitzende implantatgetragene Brücke, eie Teleskopkrone  44 durch eine Vollkeramikkrone ersetzt.

7 Jahre später sind gesunde periapikale Verhältnisse vorhanden. Die medikamentöse Einlage, in der Obturationssitzung periapikal „angereichert“ stellt sich mittlerweile „verteilt“ dar.

Und das Beste kommt wie immer zum Schluss: Die Patientin freute sich laut eigenen Angaben jeden Tag über den nach Neuversorgung gewonnen Kaukomfort.

Manchmal ist Zahnarztsein schön.

44D.001 44D.002

IDS – Neuheiten 2015 (3) – Neues innovatives Endo – Instrument von FKG – XP – Endo Finisher

von Hans – Willi Herrmann

Wenn dieser Artikel erstmalig erscheint, sind es nur noch wenige Stunden, bis die IDS 2015 in Köln  ihre Tore öffnet.
Für den Fachhandel zumindest, morgen dann geht es dann auch offiziell für Alle  los.

Und – gute Nachrichten – von dem, was ich schon jetzt an Info zu Neuerscheinungen für den Endo – Bereich kenne, ist diese IDS wesentlich interessanter als die vorherige.

Die Liste der Neuheiten ist lang (bei mir im Moment schon zweistellig) und über das erste Highlight, einen akkubetriebenen Endo- Motor, der auch Reciproc kann, habe ich bereits hier schon mal geschrieben. Aber auch in der Rubrik „Wurzelkanalinstrumente“ gibt es echte Neuheiten.

Echte Neuheiten ?
Also nicht die 10. Variante eines „Gleitpfad“ – Instrumentes, dessen einzige „wirkliche“ Innovation und größte Schwierigkeit im Entstehungsprozess darin besteht – Achtung Original- Zitat – Marketing- Mitarbeiter einer Herstellerfirma – „einen Namen zu finden, der noch nicht lizenzmäßig geschützt ist…“.

Sondern was grundlegend Neues, das so noch nie da war.

Noch kann, nein darf ich nichts Genaues sagen, aber wenn Sie in Köln sind, dann schauen Sie doch mal bei FKG vorbei, es wäre möglich, dass sie dort ein Endo – Instrument vorfinden werden, dass sie so, in dieser Form bislang live noch nicht gesehen haben.

Vermutlich darf ab Mittwoch offiziell darüber gesprochen werden.

Bis dahin nur soviel – das Instrument wird XP – Endo Finisher heißen, sieht so aus wie unten abgebildet und ich hoffe, sie haben Kältespray in ihrer Praxis.

XP_Endo-1-2

 

2D vs. 3D (XXVIV)

von Ronald Wecker

Zwar zeigten sich schon im zweidimensionalen Röntgenbild an diesem 46 scharf abgegrenzte intrakoronale Aufhellungen.  Auch das resorptive Geschehen an der mesialen Wurzel ist offensichtlich.

46D.001

Die tatsächliche resorptionsbedingte Zerstörung der Zahnhartsubstanz wird erst im DVT ersichtlich.

Statt einer endodontischen Revisionsbehandlung wird nun eine implantologische Versorgung durchgeführt.

Was ist das – apikale Fraktur?

von Ostidald Wucker

An dieser Stelle mal wieder ein Rätselbild mit Auflösung.
Die Aufnahme entstand am Abschluss der Aufbereitung eines vollständig obliterierten Frontzahnes. Die primäre Penetration des verschlossenen Kanallumens gelang mit Profile 15.04. Das Tertiärdentin wurde nahezu vollständig mit Ultraschall entfernt. Die abschließende Desinfektion und Oberflächenglättung erfolgte unter Einsatz der SAF.

Nach Trocknung des Kanals ist das Bild entstanden. Ursprünglich glaubte ich an eine apikale Fraktur. Der Bruch an der SAF war selbst unter Vergrößerung nur schwer zu erkennen.

Die SAF Fragmente lassen sich einfach entfernen. Hier gelang dies mit einer an der Spitze befeuchteten Papierspitze.

 

 

 

Die nächste Welle (II)

Von Bonald Decker

Vor zwei Wochen habe ich hier über die momentan bei uns in der Praxis vorherrschende „Perforationswelle“ berichtet.

Hier ein Update des letzten Falles dieses Berichtes:

Die alio loco angefertigte „Messaufnahme“ ließ mich zunächst nichts Gutes vermuten:

Alio loco angefertigte "Messaufnahme" nach vermuteter Perforation

Alio loco angefertigte „Messaufnahme“ nach vermuteter Perforation

Die von uns (bei solchen Fällen immer vorab) angefertigte Bissflügelaufnahme stimmte mich da schon zuversichtlicher:

Bissflügelaufnahme vor möglicher Perforationsdeckung; u.a. hier erkennbare insuffiziente interdentale  Restaurationen

Bissflügelaufnahme vor möglicher Perforationsdeckung; u.a. hier erkennbare insuffiziente interdentale Restaurationen

Tatsächlich fanden sich intrakoronal „nur“ zwei kleine Perforation…

intrakoronale Perforationen mesio-bukkal/lingual mit zusätzlich stark ausgedünntem Pulpakammerboden

intrakoronale Perforationen mesio-bukkal/lingual mit zusätzlich stark ausgedünntem Pulpakammerboden

Erstaunt war ich, an welcher Position der Behandler die Kanaleingänge vermutet hatte. Die Beachtung der Konzentrizitätsregel hätte dieses Malheur wahrscheinlich verhindern können…

Glücklicherweise liessen sich die beiden Verletzungen des Pulpakammerbodens recht problemlos mit MTA reparieren.

Abfolge der Perforationsdeckung mesio-bukkal nach temporärer Abdeckung der tatsächlichen Orifizien mittels erwärmter Guttapercha

Abfolge der Perforationsdeckung mesio-bukkal nach temporärer Abdeckung der tatsächlichen Orifizien mittels erwärmter Guttapercha

Welchen Einfluss der stark ausgedünnte Pulpakammerboden auf die Stabilität des Zahnes haben wird müssen zukünftige Nachuntersuchungen zeigen…

8-Jahres-Recall

von Ronald Wecker

Das alio loco mit einer in die Fistelöffnung eingebrachten Guttaperchaspitze angefertigte Röntgenbild ließ an diesem unteren Molaren nichts Gutes vermuten.

DSCN8311

Die j-förmig um die Wurzel angeordnete Aufhellung legte den Verdacht einer Vertikalfraktur nahe.

Klinisch konnte dies jedoch bei der im Jahr 2007 zweizeitig durchgeführten Revisionsbehandlung nicht bestätigt werden. Bereits 2 Jahre nach Obturation gab das erste Recall-Bild Grund zu vorsichtigem Optimismus.

8 Jahre und einen Monat nach Abschluss der Revisionsbehandlung zeigen sich apikal recht unauffällige Verhältnisse; der Zahn ist seit Abschluss der Behandlung beschwerdefrei.

Mit einem gewissen Amüsement habe ich allerdings meine damals angestrebten Bemühungen nach großem Taper zur Kenntnis genommen. Die Zeiten ändern sich.

25 Jahre alte WF bei Prämolar

Von Bonald Decker

Die nachfolgende 56-jährige Patientin wurde uns zur Revisionsberatung des Zahnes 34 überwiesen. Im Zuge der kürzlich notwendig gewordenen endodontischen Behandlung des Zahnes 35 durch die Hauszahnärztin war radiologisch aufgefallen, dass der erste untere Prämolar eine apikale Parodontitis aufweist. Laut der Patientin war diese „Wurzelbehandlung“ vor ca. 25 Jahren durchgeführt worden.

UK PM .001

Im ersten Untersuchungs-/Beratungsgespräch erläuterten wir der Patientin wie „immer“  die unterschiedlichen Behandlungsoptionen und besprachen das weitere mögliche Vorgehen. Da radiologisch der Verdacht eines unbehandelten (lingualen) Kanalsystems bestand fiel unsere Empfehlung klar in Richtung Revision aus.

Nicht "mittige" Wurzelkanalfüllung bei doppeltem PA-Spalt können ein starkes Indiz für ein unbehandeltes Kanalsystem sein

Nicht mittenzentrierte Wurzelkanalfüllung bei doppeltem PA-Spalt können ein starkes Indiz für ein unbehandeltes Kanalsystem sein.

Unser „Verdacht“ bestätigte sich intraopertiv schnell. Die beiden Kanalsysteme mündeten ferner jeweils in ein eigens apikales Foramen.

Masterpoint-Aufnahme bzw. Kontrolle nach warm vertikaler Verdichtung von Guttapercha & Sealer

Masterpoint-Aufnahme bzw. Kontrolle nach warm vertikaler Verdichtung von Guttapercha & Sealer

Bei der zweizeitig durchgeführten Behandlung erfolgte nach Wurzelkanalfüllung mit Guttapercha & Sealer die Applikation eines Glasfaserstiftes vor der adhäsiven Deckfüllung.

Post-operative Röntgenaufnahme nach Revisionsbehandlung an Zahn 34

Post-operative Röntgenaufnahme nach Revisionsbehandlung an Zahn 34

Ich hoffe, dass wir durch die Behandlung dem Zahn so weitere 25 Jahre (und mehr) „verschafft“ haben. Die geplante Nachkontrolle in sechs Monaten wird einen ersten Anhalt dafür liefern…

Neuzugang 2014 (2) – Biodentine

von Hans – Willi Herrmann

 

Welle-1-2Wie schrieb Christoph Kaaden letzte Woche – die nächste Welle (an Perforationen) rollt an. Genau zu diesem Zeitpunkt saß eine Patientin bei uns auf dem Stuhl mit der wohl größten Perforation, die jemals den Weg in unsere Praxis gefunden hat. Und ich muss gestehen, dass – obwohl ich ein großer Fan des (Original) MTA bin, ich in solchen Fällen – also bei größeren Perforationen am Pulpakammerboden – froh bin, stattdessen auf Biodentine der Firma Septodont zurückgreifen zu können. Weil – es sich (zumindest an besagter Lokalisation) besser verarbeiten lässt. Nämlich in etwa so, wie wir es von einem Zinkoxid-Eugenol – Zement her gewohnt sind. Am Anfang sehr knatschig- pastig-plastisch, aber noch gut positionierbar und vorsichtig stopfbar, ist das Material nach ca. 15 Minuten soweit ausgehärtet, das man es mit Bohrern bearbeiten, in Form bringen, Überschüsse entfernen kann oder aber – sofern es sich punktgenau platzieren ließ, man nach besagter Viertelstunde direkt mit der Wurzelkanalbehandlung weitermachen kann.

Biodentine besteht aus einem Pulver und einer Flüssigkeit. Das Pulver enthält hauptsäch- lich Tri- und Dikalziumsilikat, die Hauptbestandteile von Portlandzement, sowie Kalziumcarbonat. Als Kontrastmittel dient Zirkondioxid. Die Flüssigkeit ist eine wässrige Lösung von Kalziumchlorid, der ein Polycarboxylat zufügt wurde.  Bei der Abbindung des Zements entsteht Kalziumhydroxid.

Biodentine-1Das Material kommt in Kapselform, 5 Tropfen aus dem beiliegenden Dispenser werden zugegeben, dann das Ganze im „Amalgam“- Kapselmischer 30 Sekunden lang gemischt. Die entstandene teigige weiße Masse wird mit kleinen Plastikspateln entnommen und von mir mit dem vom MTA bekannten „Lee“-  Carver platziert, danach mit den großen „Dovgan“- Pluggern kompaktiert. Dann heißt es warten, 15 Minuten sind nach meiner Erfahrung das Minimum, das man zur Bearbeitung mit Bohrern/Diamanten vergehen lassen sollte, auch wenn der Hersteller optimistisch  kürzere Wartezeiten benennt. Nicht jede Mischung gelingt im Übrigen trotz Kapselmischer. Immer mal wieder erhält man eine krümelige Konsistenz, die man verwerfen sollte. Ein Umstand, den man angesichts des im Vergleich zum MTA deutlich geringeren Preises gut oder zumindest wesentlich besser ertragen kann. Blieben noch die Langzeitergebnisse. Nicht ohne Grund halte ich eisern am „Original“ Pro Root MTA fest, arbeite ich doch mit sehr guten Ergebnissen seit 2000 mit diesem Material (kleine Kuriosität am Rande – die erste Fuhre bekam ich in einem zu drei Vierteln gefüllten Filmdöschen, Material und Preis waren damals unbekannt. Die angelieferte Menge hätte mein für gesamtes weiteres Berufsleben gereicht, aber ich konnte mir nicht vorstellen, dass für das Material solch hohe Grammpreise aufgerufen werden würden und – einem geschenkten Gaul schaut man nichts ins Maul – dementsprechend großzügig bin ich beim Anmischen damit umgegangen). Weit über 1000 Studien zu MTA sind ein gewichtiges Argument, für Biodentine gibt es  nichts auch nur annähernd Vergleichbares, was man in die Waagschale werfen könnte.
Ich beschränke also den Einsatz gegenwärtig auf die klinischen Situationen, in denen MTA eindeutig verarbeitungstechnische Nachteile aufweist, die für Erfolg oder Misserfolg entscheidend sein könnten und habe in diesen Fällen bislang mit Biodentine sehr gute Erfahrungen gemacht.

 

Disclaimer: Die Firma Septodont hat zum Ausprobieren des Materials eine Packung mit 15 Kapseln Biodentine kostenlos zur Verfügung gestellt.

 

Kollagen und MTA

von Riebastian Sedel

Bereits im August 2014 wurden mir der Patient und die Zähne 46 und 47 zur Revision überwiesen.

Zahn 46 zeigt eine ausgedehnte apikale Läsion, mesial imponiert dass frakturierte und über den Apex geschobene Wurzelkanalinstrument, distal liegt periapikal in der knöchernen Lyse ein metallischer Fremdkörper.

Zahn 47 weist eine unvollständige Wurzelfüllung auf, deren mäßiger Desinfektionsgrad mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Grund für die apikale Parodontitis ist.

Ausgangsbild

Beide Zähne wurden jeweils in gleicher Sitzung behandelt, im Abstand von 10 Tagen konnten beide also in insgesamt 2 Sitzungen behandelt werden.

Ich entschied mich vor der Behandlung bewusst gegen ein DVT, da ich die Lage des periapikal liegenden Fremdmaterials erst klinisch einschätzen wollte.

Im Zahn 46 waren mesial klinisch 2 Fragmente erkennen, das transforaminal steckende Fragment konnte mit einer Kanäle verklebt und so herausdrehend entfernt werden.

Das kleine, distal liegende Fragment erschien nach ausgiebiger CHX-Spülung und Anwendung von Endosonore-Feilen, ultraschall- und schallaktiviertem Spülen, so dass es angesaugt und entfernt werden konnte.

Fragmente intrakanalär Fragmente

Zur Obturatio kam in allen Kanalsystemen MTA zum Einsatz, periapikal wurde Kollagen mit mäßigem Druck eingebracht, um einerseits ein Widerlager für die Wurzelfüllung zu ermöglichen, andererseits soll die Kollagen-Packung ein Einbluten, die Gefäßeinsprossung und somit den Umbau zu Knochen ermöglichen.

Die Röntgenkontrolle nach 6 Monaten zeigt apikal bereits gut verknöchernde Strukturen, eine weitere Heilung ist zu erwarten.

Bilder: WF + WF 6 Monate + WF letzte Folie (Galerie)

Temporärer Stiftaufbau – wie es weiterging

von Ronald Wecker

Vor 14 Tagen wurde hier eine Möglichkeit für die temporäre Versorgung von Frontzähnen nach der Entfernung massiver metallischer Aufbauten gezeigt.

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Nachfolgend der zweite Teil. Die durch Abkühlen erzielte Einfärbung der DT Illusion Glasfaserstifte erleichtert das Entfernen (Hohlschleifen) der Glasfaserstifte. Nach erneuter ausgiebiger Irrigation wurde aufgrund der periapikal vorhandenen Knochenkrypte je ein kollagenes Widerlager angelegt, bevor die Obturation mit MTA durchgeführt wurde.

Die Bilder zeigen, dass die temporären Aufbauten nur geringfügig reduziert werden mussten. Der postoperative Verschluss und das Rezementieren der provisorischen Kronen waren daher ohne großen Aufwand durchzuführen.

Die nächste Welle (I)

Von Bonald Decker

Vor zwei Wochen habe ich über die Drei-Strikes-Phase in unserer Praxis berichtet, in der wir aktuell Anhäufungen multipler Fehlschläge der selben Art innerhalb eines Zahnes beobachten.

Mit Bedauern muss ich feststellen, dass bei uns gerade die nächste Welle angerollt ist…

die der Zähne mit Perforationen.

„Beeindruckt“ bin ich von den unterschiedlichen Erscheinungs- und Entstehungsformen dieser Verletzungen. Hier also die ersten Eindrücke anhand von Röntgenbildern und Fotos.

Fall I:

Fall 1: Zustand nach Trepanation des Zahnes 16 im zahnärztlichen Notdienst; Zuweisung durch Hauszahnarzt nach Feststellung einer intrakoronalen Perforation

Fall I: Zustand nach Trepanation des Zahnes 16 im zahnärztlichen Notdienst; Zuweisung durch Hauszahnarzt nach Feststellung einer intrakoronalen Perforation

Fall I: Situation intra-operativ: provisorischer Verschluss der Zugangskavität und intrakoronale Blutung unklarer Herkunft

Fall I: Situation intra-operativ: provisorischer Verschluss der Zugangskavität und intrakoronale Blutung unklarer Herkunft

Fall I: Situation nach Defektdarstellung und provisorischem Verschluss der tatsächlichen Kanaleingänge mittels Guttapercha nach medikamentöser Einlage; Situation nach MTA Deckung und Kunststoffabdeckung

Fall I: Defektdarstellung und provisorischer Verschluss der tatsächlichen Kanaleingänge mittels Guttapercha nach medikamentöser Einlage ; Situation nach MTA-Applikation und Kunststoffabdeckung

Fall II:

Fall II: Zuweisung mit Bitte um Weiterbehandlung nach vergeblicher Kanalsuche disto-bukkal mit Perforation und bereits erfolgter Wurzelkanalfüllung palatinal

Fall II: Zuweisung mit Bitte um Weiterbehandlung nach vergeblicher Kanalsuche disto-bukkal mit Perforation und bereits erfolgter Wurzelkanalfüllung palatinal

Fall II: Intra-operative Situation nach Defektdarstellung bzw. Lokalisation des tatsächlichen disto-bukkalen Systems und nach MTA-Perforationsdeckung bzw. Ca(OH)2-Einlage

Fall II: Intra-operative Situation nach Defektdarstellung bzw. Lokalisation des tatsächlichen disto-bukkalen Systems

Fall III:

Fall III: Zustand nach alio loco durchgeführter Wurzelkanalfüllung Zahn 47 und nachfolgendem Versuch der Revision bei rekurrierenden Beschwerden; Nebenbefund: V.a. Radix relicta Regio 48

Fall III: Zustand nach alio loco durchgeführter Wurzelkanalfüllung Zahn 47 und nachfolgendem  Revisionsversuch bei rekurrierenden Beschwerden; Nebenbefund: V.a. Radix relicta Regio 48

Fall III: Stripperforation mesio-bukkal bei forciertem Entfernungsversuch des Wurzelfüllmaterials

Fall III: Stripperforation mesio-bukkal bei forciertem Entfernungsversuch des Wurzelfüllmaterials

Fall IV:

Fall IV: Alio loco angefertigte "Messaufnahme" bei Zahn 23 mit ausgeprägter apikaler Parodontitis

Fall IV: alio loco angefertigte „Messaufnahme“ bei Zahn 23 mit ausgeprägter apikaler Parodontitis

Fall IV: Screenshot des prä-operativ angefertigten DVTs; bukkale Via falsa mit vestibulärer Perforation

Fall IV: Screenshot des prä-operativ angefertigten DVTs; bukkale Via falsa mit vestibulärer Perforation

 

Fall IV: Messaufnahme nach endometrischer Längenbestimmung des tatsächlichen Kanalsystems

Fall IV: Messaufnahme nach endometrischer Längenbestimmung des tatsächlichen Kanalsystems

Und dieser Patient mit folgender Situation hat nächste Woche einen Termin:

Fall V: Alio loco angefertigte "Messaufnahme" nach vermuteter Perforation des Pulpakammerbodens

Fall V: Alio loco angefertigte „Messaufnahme“ nach vermuteter Perforation des Pulpakammerbodens

„Gefühlt“ haben wir aktuell so viele solcher Fälle wie sonst in sechs bis zwölf Monaten.

Über die genauen Behandlungsabfolgen der einzelnen Situationen berichte ich in den kommenden Beiträgen zu dieser „Welle“… “

 

Comeback nach Perforationsdeckung

Von Bonald Decker

Unbeabsichtigte Zahn- beziehungsweise Wurzelperforationen stellen eine artifizielle Verbindung vom Endodont zum Desmodont oder zur Mundhöhle dar. Sie treten bei bis zu 12 Prozent aller endodontischen Maßnahmen auf und stellen somit keine Ausnahme dar. Wie in dem nachfolgenden Fall. Es handelte sich hierbei um eine Perforation des Pulpakammerbodens bei der vergeblichen Suche nach dem mesio-bukkalen Kanalsystem.

Ausgangssituation: iatrogene Perforation des Pulpakammerbodebs bei erfolgloser Suche des meist-bukkalen Kanalsystems

Ausgangssituation: iatrogene Perforation des Pulpakammerbodens bei erfolgloser Suche des mesio-bukkalen Kanalsystems

Ferner entwickelte sich einige Tage nach dieser ungewollten Komplikation eine zusätzliche vestibuläre Schwellung.

Comeback nach Perforation_Dämmer.001

Trotz dieser multiplen Befunde entschieden wir uns gemeinsam mit dem Patienten (Internist) für einen Versuch der Zahnerhaltung.

Der tatsächliche Eingang zu dem mesio-bukkalen System war mittels Dentalmikroskop schnell identifiziert und lag in unmittelbarer Nähe zu der vermuteten Lokalisation des Vorbehandlers. 

Perforation und tatsächliche Position des meist-bukkalen Kanaleinganges

Perforation und tatsächliche Position des mesio-bukkalen Kanaleinganges mit Micro-Opener

Da es sich um eine knöchern begrenzte Verletzung handelte entschieden wir uns zum Verschluss des Defektes mittels MTA und nachfolgendem chemo-mechanischen Debridement. Obgleich die Lokalisation der Perforation schwieriger zu versorgen war, (da lateral gelegen) als eine direkt am Pulpakammerboden befindliche, (so wie hier) verlief die weitere Therapie (in zwei Terminen) reibungslos.

Abschluss der Behandlung nach MTA-Perforationsdeckung und Wurzelkanalfüllung mit Gutspreche&Sealer

Abschluss der Behandlung nach MTA-Perforationsdeckung und Wurzelkanalfüllung mit Guttapercha & Sealer

Vorgestern erfolgte nun knapp zwei Jahren nach Behandlungsende ein Recall. Zur Freude von Patient und Behandlerteam stellte sich die Situation aufgrund einer deutlichen Remission der ehemals erkennbaren apikalen und interradikulären Aufhellungen sehr erfreulich dar.

Recall 22 Monate nach Behandlungsabschluß mit Remission der apikalen und intraradikulären Aufhellungen

Recall 22 Monate nach Behandlungsabschluß mit Remission der apikalen und intraradikulären Aufhellungen

 

Ein tolles Comeback nach Perforationsdeckung welches Mut zu zahnerhaltenden Massnahmen in solchen Fällen machen sollte…

:-)

wenn man unsere „jüngste“ Zuweisung die unter die Problematik Perforation fällt betrachtet schadet etwas frisch gewonnener „Mut“ sicher nicht…

Überweisung vom 10.Februar 2015 mit Bitte um Perforationsdeckung nach tiefer intrakanalärer Perforation

Überweisung vom 10.Februar 2015 mit Bitte um Perforationsdeckung nach tiefer intrakanalärer Perforation (und Füllung!)

P.S.:Hier noch ein wenig Lektüre zu der Thematik Zahn- und Wurzelperforation.

;-)

Drei Strikes (I)

Von Bonald Decker

Wie auch das „wahre“ Leben scheint ebenfalls der Praxisalltag in Wellen zu verlaufen.

Aktuell erleben wir bei uns die drei „Strikes“-Welle.

Der Begriff Strike kommt vom Baseball, wo ein Schlagmann nach dem dritten Fehlschlag („strike“) ausscheidet und bis zur nächsten Runde nicht mehr am Spielgeschehen teilnehmen darf (Quelle: Wikipedia).

Auf die Endodontologie angewandt bedeutet ein solcher Strike für den Patienten in der Regel nichts Gutes.

So wie in dem ersten Fall auf den ich heute nur kurz anhand des Röntgenbildes eingehen möchte. Wie radiologisch erkennbar zeigen sich in der mesialen Radix drei Instrumenten“fehlschläge“…mehr dazu aber in einem der nächsten Beiträge.

Verdacht auf drei Instrumentenfragmente in der medialen Radix eines zweiten Unterkiefer-Molaren

Verdacht auf drei Instrumentenfragmente in der mesialen Radix eines zweiten Unterkiefer-Molaren

Die nächste Behandlung mit einer solchen Anhäufung an „Strikes“ war auf den ersten Blick für mich nicht erkennbar. Die Patientin wurde uns überwiesen, da es bei der alio loco begonnenen Wurzelkanalbehandlung Probleme beim Auffinden der Wurzelkanäle gab.

Alio loco angefertigtes Ausgangsröntgenbild

Alio loco angefertigtes Ausgangsröntgenbild

Auch hier bewährte es sich abermals vor Therapiebeginn ein eigenes Röntgenbild anzufertigen:

Eigene Röntgenaufnahme vor Therapiebeginn;es besteht der radiologische Verdacht einer Perforation

Eigene Röntgenaufnahme vor Therapiebeginn; die Entfernung der Krone erfolgte durch die Vorbehandlerin

Bei kritischer Betrachtung bestand der radiologische Verdacht einer Perforation. Intrakoronal auch hier drei Fehlschläge anzutreffen hatte ich jedoch nicht vermutet:

Drei erkennbare Perforationen des Pulpakammerbodens

Drei Perforationen des Pulpakammerbodens bei erfolgloser Suche nach den Wurzelkanaleingängen

Klinische Situation nach Kanaldarstellung und Reinigung der Perforationen vor MTA-Deckung

Klinische Situation nach Kanaldarstellungen und Reinigung der Perforationen vor MTA-Deckung

Zum Abschluss des ersten Behandlungstermins erfolgten dann die Perforationsdeckungen. Wie es im nächsten „Inning“ der Behandlung weiterging zeige ich Ihnen in einem späteren Beitrag.

 

Fraktur auf voller Arbeitslänge

von Ronald Wecker

Die Entfernung frakturierter Instrumente, die unglücklicherweise auf voller Länge im Kanal verbliebenen sind, ist bei Instrumenten die über eine effiziente Schneidengeometrie verfügen besonders kniffelig.

36D.002

Zur Entfernung dieser auf voller Arbeitslänge frakturierten fabrikneuen Mtwo 10/04 wurde im Vorfeld der Behandlung ein präoperatives DVT erstellt. Dabei wurde deutlich, dass nur der MB eine Krümmung in allen Ebenen des Raumes vollführte.

Aufgrund der Schneidengeometrie und der Länge des Instrumentes schied ein „Zugversuch“ als Entfernungsmethode von vornherein aus. Auch ein rein ultraschallunterstützter Versuch erschien nicht besonders erfolgsversprechend und ist zudem mit dem Risiko einer erneuten Fraktur des sehr grazilen Instrumentes verbunden.

Nach Entfernung des den Instrumentenkopf umgebenden Wurzelfüllmaterials mittels Endosonore-Feile wurde zunächst das Fragment in Richtung des gedachten Isthmus zu ML hin freigelegt.

In der Folge gelang es den koronalen Teil des Instrumentes aus der Verbolzung zu lösen. Um eine mit dualhärtenden Komposite gefüllte Hohlkanüle der Dimension Gauge 18 sicher über den freigelegten Instrumententeil führen zu können, wurde das Instrument mittels eingeklemmten Microopener von der bukkalen Kanalwand wegbewegt.

Anschliessend wurde die Zugangskavität mit NaOCl geflutet und die Kanüle ohne großen Zug gegen den Uhrzeigersinn gedreht.

Beim ersten Versuch löste sich die eingeklebte Kanüle nach einer Vierteldrehung vom Fragment. Erst der zweite Versuch gelang und das Instrument konnte vollständig aus dem MB entfernt werden. Das Foto des Fragmentes zeigt, dass auch ein wenig Glück dabei gewesen war, denn die unteren 3 mm der Feile wiesen deutliche Spuren von Verwindung auf.

Nach Erlangung von Patency wurden die kommunizierenden Kanäle MB und ML mit CaOH2 gefüllt und der Zahn temporär verschlossen. Spannend wird sein, das noch in ML befindliche kleine Instrumentenfragment darzustellen und hoffentlich zu entfernen. Über den Zustand nach Obturation und das Röntgen-Recall wird an dieser Stelle berichtet werden.

Was ist das – Recall

von Ostidald Wucker

Die Frage im Titel haben wir Im Mai 2014 gestellt. ( Hier, hier und hier die Links dazu. )
Nun war die Patientin in unserem Recall. So richtig hatte Sie anfänglich nicht geglaubt, daß es ohne erneuten chirurgischen Eingriff gut gehen würde.
Nach einem halben Jahr ist die Patientin optimistisch.

Wir sind es auch und sehen ein deutliche Heilungstendenz.

 

 

 

Vertrauensbildende Maßnahmen in der Endodontologie (II) -Behandlung von Unterkiefer-Inzisivi (II)

Von Bonald Decker

Vor einiger Zeit konnten Sie hier einen Beitrag zur Lokalanästhesie-Anwendung bei Unterkier-Inzisivi als vertrauensbildende Maßnahmen bei einer Wurzelkanalbehandlung lesen.

Heute möchte ich Ihnen kurz die Abschluss-Röntgenaufnahme vorstellen und ein paar Beweggründe für das von uns gewählten Vorgehen nennen.

Beide Zähne wiesen zwei Wurzelkanalsysteme auf, die im apikalen Drittel konfluierten. Als Aufbereitungsdurchmesser wurde ISO 35 mit einer Konizität von 6 Prozent gewählt. Bei dem gewählten Füllmaterial handelt es sich um warm vertikal verdichtete Guttapercha und Sealer (AH plus). Die Zugangskavitäten wurden abschliessend mit zwei Kompostfüllungen verschlossen.

Zustand nach Wurzelkanalfüllung mit Gutspreche&Sealer. Zahn 1 zeigt mesial einen Sealer-Austritt

Zustand nach Wurzelkanalfüllung mit Guttapercha & Sealer. Zahn 31 zeigt mesial einen Sealer-Austritt

Auch diese Behandlung erfolgte unter Lokalanästhesie und somit für die Patientin schmerzfrei. Warum aber in beiden Terminen eine Lokalanästhesie? Unter anderem deshalb, weil kaum eine (zahn)ärztliche Behandlung so negativ behaftet ist, wie die „Wurzelbehandlung“.

Nachfolgend also einige Anmerkungen zu den Beweggründen und als Antwort auf einen Kommentar nach dem ersten Beitrag:

Wie jeder Kliniker und somit insbesondere der dann betroffene Patient sicher schon „erfahren“ musste ist Schmerzempfinden während der Behandlung (egal, ob bei der Trepanation oder z.B der Arbeitslängenbestimmung) bei Verzicht auf Lokalanästhesie kein sicheres diagnostisches Zeichen. Leider können z.B. unterschiedliche Zustände der Infektion (und damit der Pulpa-Vitalität) innerhalb der Wurzelkanalsysteme (insbesondere bei mehrwurzligen Zähnen) vorliegen. Eine erkennbare apikale Osteolyse ist kein Garant für eine totale Pulpanekrose und der damit erhofften schmerzfreien Instrumentierbarkeit des Zahnes.

Umgekehrt wird der Patient, der während einer Behandlung (völlig) unerwartet Schmerzen verspürt ab diesem Moment (völlig) verängstig sein und nur noch darauf „warten“, dass es gleich wieder schmerzt. Auch dann, wenn man sich zu diesem Zeitpunkt (wie in dem Kommentar angeführt) nun doch dazu entschliessen sollte unter Lokalanästhesie weiterzubehandeln… dieses Szenario möchte ich meinen Patienten gerne ersparen. Auch aus medizinischen Gründen. Schliesslich werden die meisten zahnärztlichen Notfälle durch Ängste des Patienten ausgelöst. Nicht durch das Lokalanästhetikum.

Die (technischen) Entwicklungen der letzten Jahre erlauben uns in meinen Augen eine sehr zuverlässige Behandlung des „endodontischen Zahnes“. Es ist nicht (mehr) notwendig an der Reaktion des Patienten zu ermitteln, wo im Zahn man sich z.B. mit dem Instrument befindet (Stichwort: Ich sehe es in/an den Augen des Patienten…). Ein Apex-Lokator misst nicht 100%ig exakt, hat aber eine sehr sehr hohe Messgenauigkeit. Wenn es zu einer ungewollten (millimeterlangen) Überinstrumentierung des Kanalsystems gekommen ist sollte in meinen Augen die „Schuld“ hierfür nicht bei dem Gerät, sondern bei dem Anwender gesucht werden.

Das ebenso im Kommentar genannte versehentliche Trepanieren des falschen Zahnes unter Lokalanästhesie lässt sich ferner gut dadurch vermeiden, dass der zu behandelnde Zahn vor Kofferdam-Isolation entsprechend markiert wird (z.B. mit Lebensmittelfarbe ;-) )

Auf das im Kommentar erwähnte Aha-Erlebnis für Patient und Behandler bei erfolgreicher Trepanation mit  Exsudatabfluß und Soforterleichterung ohne vorherige Anästhesie verzichte ich gerne. Vielmehr wünsche ich mir folgende Patientenreaktion nach der  Behandlung:

Patient: „Herr Doktor (oder ggf. auch Herr Decker), dass war die beste Lokalanästhesie die ich je beim Zahnarzt bekommen habe. Ich habe (quasi) nichts gespürt. Auch Ihre Behandlung war sehr einfühlsam. Ich habe mich sehr gut aufgehoben gefühlt und hatte während der Wurzelbehandlung keinerlei Schmerzen. Ich bin sogar (fast) eingeschlafen. Meine Ängste vorab, die durch Horrorgeschichten von Freunden und Verwandten aufgebaut wurden waren völlig unbegründet. Danke, dass Sie meinen Zahn gerettet haben.

 

Temporärer Stiftaufbau

von Ronald Wecker

Nicht immer ist es sinnvoll oder möglich die Revisionsbehandlung resezierter und mit einem Stift- oder Schraubenaufbau versorgter Frontzähne einzeitig durchzuführen.

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Und nicht immer ist es sinnvoll oder möglich die vorhandenen prothetischen Kronen dabei zu belassen.

Um ein unerwünschtes Dezementieren der temporären stuhl- oder laborgefertigten Provisorien und mögliche Frakturen der adhäsiv erstellten Aufbauten mit nachfolgender Kontamination der mühsam gereinigten Kanalsysteme zu verhindern erstellen wir in unserer Praxis temporäre adhäsive Stiftaufbauten. Dazu setzen wir aufgrund der etwas einfacheren Visualisierung die thermosensiblen Quarzfaserstifte DT Illusion von VDW ein.

Diese sind dadurch charakterisiert, dass sie bei Mundtemperatur zahnfarben erscheinen, bei Abkühlung (Wasserkühlung, Luftbläser) einen ihrer Größe entsprechenden Farbumschlag entwickeln.  (z.B. Größe 3 = blau).

Um eine vollständige Konditionierung der Zahnhartsubstanz auch im Wurzelkanal zu ermöglichen ohne dass das zuvor eingebrachte Medikament herausgelöst wird, wird zunächst das CaOH2 mit einem kleinen Stück Schaumstoff und anschließend mit einer kleinen Schicht Cavit abgedeckt.

Nun kann die adhäsive Befestigung eines ausreichend dimensionierten Quarzfaserstiftes in gewohnter Weise durchgeführt werden. Der so erstellte Aufbau wird grob präpariert und ein stuhlgefertigtes Provisorium eingegliedert.

In der zweiten Behandlungssitzung bedarf es dann keines präendodontischen Aufbaus mehr um den Kofferdam zu fixieren. Die Entfernung des Quarzfaserstiftes unter dem Mikroskop erfolgt so, dass der Stift im Inneren durch Beschleifen ausgehöhlt und so nach und nach entfernt werden kann. Nach Abschluss der Wurzelfüllung wird dann ein neuer Quarzfaserstift adhäsiv eingegliedert.

Das gezeigte Verfahren sichert das Ergebnis der Desinfektionsmassnahmen und verringert das Auftreten unerwünschter Komplikationen wie Dezementierung oder Fraktur der Frontzahnaufbauten.

Z.n. Unfall 2005

von Ostidald Wucker

Die junge Patientin hatte 2005 einen Sturz von einem Klettergerüst. Der Zahn wurde in der Folge wurzelbehandelt. In den letzten Jahren fand eine kieferorthopädische Behandlung statt. Innerhalb dieser Behandlung wurde eine Veränderung der apikalen Region am Zahn 11 und eine leichte Verfärbung des Zahnes bemerkt.
Wahrscheinlich bestand die apikale Osteolyse bereits vorher, nur war diese im Orthopantomogram nicht zu erkennen. Es war etwas Glück dabei, dies dann auf dem Kontrollbild nach einem Jahr zu sehen.
Deshalb an dieser Stelle noch einmal den Hinweis traumatische Zahnverletzungen nachzuuntersuchen und ebenso Röntgenkontrollen anzufertigen.

Der Überweisungsgrund war die periapikal extrudierte und nicht entfernbare Wurzelfüllung für den Hauszahnarzt.

Die Nachkontrolle nach einem Jahr zeigt eine positive Entwicklung.

Wie sich die Aufnahmen ähneln…

Von Bonald Decker

Bei der ersten Betrachtung dieses alio loco angefertigten Röntgenbildes hatte ich ein kurzes Déjà-vu.

Prä-op

Prä-op

Die Aufnahme mit den Befunden erinnerte mich stark an diesen zurückliegenden Fall (inkl. Teil II und Recall ).

Tatsächlich waren eine Reihe der „Parameter“ sehr ähnlich. Als entscheidender Unterschied zu dem vorherigen Bericht fand sich in diesen Fall jedoch (zum Glück) keine Perforation des Kanalsystems.

Via falsa mit "beinahe-Perforation" bei zu weit bukkal angulierter Trepanationsöffnung

Via falsa mit „beinahe-Perforation“ bei zu weit bukkal angulierter Trepanationsöffnung

Wie zumeist fand sich der Eingang in das Kanalsystem deutlich weiter palatinal, als von dem Vorbehandler vermutet.

Abfolge der Kanaldarstellung

Abfolge der Kanaldarstellung

Nach Darstellung und initialer Katheterisierung des Kanalsystems erfolgte die weitere Behandlung in insgesamt zwei Terminen dann ohne weitere Besonderheiten.

post-op

post-op

Als Fazit bei einem solchen Oberkiefer-Frontzahn bleibt für mich:

„Sollte es bei Trepanation und Auffinden des Kanalsystems Probleme geben, empfiehlt es sich den Blick Richtung palatinal (statt bukkal) zu richten.“ 

prä-op vs. post-op

prä-op vs. post-op

Zukünftige Nachuntersuchungen müssen noch belegen, welchen Einfluss der deutliche Zahnhartsubstanzverlust durch die initiale „Kanalsuche“auf die langfristige Prognose des Zahnes hat.

Ich werde berichten…

2D vs. 3D (XXVIII) – der Fallbericht

von Ronald Wecker

In der vergangenen Woche wurde an dieser Stelle die Ausgangssituation dieses oberen Eckzahnes beschrieben.

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Die Behandlung konnte aufgrund des präoperativ angefertigten DVT sehr gut geplant werden. Das DVT ermöglicht dabei eine genaue Bestimmung von Abständen bzw. Längen und das in allen Raumebenen.

Die endometrische Längenmessung ist aufgrund der perforierenden Resorption anfänglich nicht verlässlich durchführbar, da der Mess-Strom über die Perforation Kontakt zum Parodont haben würde. Eine falsch positive Messung wäre das Resultat. Um also den apikal der Perforation verbliebenen Originalkanal verlässlich aufbereiten zu können, muss zunächst das in denn Kanal hineinragende Weichgewebe im Perforationsbereich reduziert werden.

Selbst nach sehr ausgiebiger ultraschallunterststützter Irrigation kam es immer noch zu geringfügigem Blutungen aus dem Perforationsbereich, die aufgrund des kleinen Querschnittes des Wurzekanals eine endometrische Längenbestimmung unmöglich machten.

Nachdem die für die Durchführung der Behandlung bedeutsamen Strecken am DVT ermittelt worden waren, konnten in der Folge die zum Einsatz kommenden Instrumente und Hilfsmittel entsprechend individualisiert werden.

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Dazu gehörte das Ablängen und Umbiegen der Anästhesiekanüle (Beginn der Perforation bei ca. 21mm , Tiefe der Perforation etwas weniger als 2 mm) sodass eine für das weitere Vorgehen notwendige Hämostase erzielt werden konnte. Da im Mikroskop durch entsprechende Modifikation der Zugangskavität die koronale, mesiale und apikale Rand der Perforation eingesehen werden konnte, war zu erkennen, dass noch Gewebereste vorhanden waren.

Mittels Endobender wurde eine Endosonore-Feile der Dimension 25 so vorgebogen, dass eine Abknickung über etwas mehr als 1,5 mm entstand. Mit dieser Feile wurde dann im mit NaOCl gefüllten Kanal die Perforation in korono-apikaler Richtung „abgefahren“. Abgelängte und abgeknickte Papierspitzen (auch hier half das DVT) bestätigten die Blutstillung auch in den nicht einsehbaren Bereichen der Perforation (keine Verfärbung der Papierspitzen).

Nun wurde ein auf die am DVT ermittelte Arbeitslänge eingestelltes  NiTi-Instrument der Dimension 30/04 eingbracht und die endometrische Bestimmung der Arbeitslänge duchgeführt.

Nach chemo-mechanischer Aufbereitung das apikalen Kanalanteils war nun noch die Frage nach des in Frage kommenden Obturationsmaterials zu beantworten.

Ich habe mich in diesem Fall für eine Kombination aus modifizierter Schilder-Technik mit Guttapercha und Sealer und anschließendem MTA-Verschluss entschieden.

Nach erfolgter Masterpointeinprobe wurden nur die apikalen 3 mm der Guttaperchaspitze verwendet. Nach Abtrennen derselben unter dem Mikroskop mittels Skalpell wurde ein motivierter (verlängerter) Microopener benutzt um die nun individualisierte Guttaperchaspitze, mit Sealer benetzt) in den apikalen Kanalabschnitt einzubringen. Dies hat den Vorteil, dass bei idealer Sealermenge eine Verunreinigung der Perforationsstelle mit Sealer vermieden werden kann.

Nach radiologischer Kontrolle konnte anschliessend der weiter koronal gelegene Perforationsbereich mit MTA verschlossen werden. Eine reine Warmfülltechnik wurde nicht angewendet, weil hier im Perforationsbereich mit einem Austreten von Sealer und/oder Wurzelfüllmasse in das umliegende Gewebe zu rechnen war.

 

Vertrauensbildende Maßnahmen in der Endodontie (III) – Chronobiologie & Lokalanästhesie

Von Christoph Kaaden

Diverse Faktoren entscheiden darüber, ob ein vom Zahnarzt/ Zahnärztin appliziertes Lokalanästhetikum eine (vollständige) Schmerzausschaltung während der Behandlung bewirkt oder gegebenenfalls auch nicht. Sollte eine unzureichende oder ausbleibende Wirkung eintreten werden in der wissenschaftlichen Literatur u.a. folgende Gründe hierfür angeführt:

  • Pharmazeutische Gründe (überaltert etc.)
  • Behandlungsgründe  
  • Behandlergründe  
  • Anatomische  Gründe (Variationen)
  • Pathologische Gründe (Gewebsstruktur etc.)
  • Psychologische  Gründe                                                                                     (Meechan 2011)

Erst in den letzten Jahren wurde auch der Einfluss der Chronobiologie auf die Wirksamkeit dentaler Lokalanästhetika erkannt. Wie Chassard & Bruguerolle in ihrem Übersichtsartikel eindrucksvoll zusammenfassen konnten scheint die Tageszeit, bei der die Applikation stattfindet, eine beträchtliche Rolle zu spielen.

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Bei schwierig zu anästhesierenden Patienten sollten man daher laut der aufgelisteten Studien ggf. darüber nachdenken, den Behandlungstermin eher in die Nachmittags– statt Morgenstunden zu legen. Eine laut Lemmer & Wiemers bis zu 37% höhere Wirksamkeit für Articain geben hierzu durchaus Anlass. Es scheint sich also „zu lohnen“ dies im Hinterkopf zu haben, wenn die nächste Terminvereinbarung des schwierig zu anästhesierenden Patienten ansteht..

Recall einer wahrscheinlich kombinierten Paro/Endo Läsion

von Ostidald Wucker

Das neue Jahr brachte uns ein erstes Recall. Vor 4 Jahren wurde bei diesem Patienten mit einer kombinierten Ende/Paro Läsion eine endodontische und parosontologische Therapie begonnen. Wir haben dem Patienten damals keine so große Hoffnung gemacht.
Auf Grund der Anamnese ergab sich für uns der verdacht auf eine kombinierte Paro/Endo Läsion.
Klinische Befunde: Lockerungsgrad 0, Sondierungstiefen db 10mm, dl 9mm, b 5mm, li 6mm, ml 4mm, mb 4mm, Taschenexsudat +++, Sensibilität -, Perkussionsschmerz lateral und horizontal, deutliche Aufbissbeschwerden.
Der Zahn war endodontisch anbehandelt, was dem Patienten nicht bekannt war und definitiv mit Amalgam (allerdings insuffizient) verschlossen. Die Behandlung lag bereits längere Zeit zurück.

Nach der endodontischen Therapie schloss sich eine parodontalchirurgische Therapie an.
Die aktuellen Sondierungstiefen: Sondieungstiefen db 4mm, dl 5mm, b 3mm, li 2mm, ml 3mm, mb 2mm. Die prophetische Versorgung ist in der Planung.
Die Werte der generalisierten adulten Parodontitis zeigen sich im Verlauf der Behandlung von 2011 verbessert.
Wir sind für den weiteren Verlauf nunmehr optimistisch.

Literaturtip:

Endodontie 13 (2004), Nr. 2, Seite 133-146
Paro-Endo-Läsionen: Ätiologie, Diagnostik und Therapievorschläge – Eine Literaturübersicht
Zehnder, Matthias / Paqué, Frank / Gold, Steve / Hasselgren, Gunnar

2D vs. 3D (XXVIII)

von Ronald Wecker

Nachdem der Patient an diesem 13 in Höhe des apikalen Wurzeldrittels eine druckdolente Vorwölbung bemerkte, suchte er Rat in der konservierenden Abteilung einer deutschen Universitätszahnklinik. Der negative Sensibilitätstest bei gleichzeitigem Vorliegen einer sehr großen Füllungsrestauration ließ eine Pulpanekrose vermuten.

Bei der endometrischen Bestimmung der Arbeitslänge gab es nach Angaben des Patienten leicht ratlose Gesichter beim Behandler. Auch die hinzugezogenen Kollegen konnten sich die Diskrepanz zwischen Lage des Messinstrumentes und der im 2D-Bild zu vermutenden Gesamtlänge der Wurzel dieses 13 nicht erklären.

 

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Nach medikamentöser Einlage mit CaOH2 wurde der Zahn verschlossen und ist seitdem beschwerdefrei.

Das in unserer Praxis angefertigte Einzelbild lässt im unteren Wurzeldrittel eine längsovale Erweiterung des Kanalhohlraumes erkennen. Es wurde die Verdachtsdiagnose interne Resorption gestellt. Klinisch auffällig war ein ankylotischer Klopfschall und eine geringe Perkussionsempfindlichkeit.

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Das 3D zeigt das wahre Ausmass der perforierenden Resorption. Der apikale Teil des Kanalsystems stellt sich normal weit dar, während die bukkale Begrenzung des Kanalsystems in etwa dort fehlt, wo es in der Vergangenheit die Vorwölbung gegeben hatte.

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Über die Durchführung der geplanten orthograden Behandlung wird an dieser Stelle berichtet werden. Eine nachfolgende chirurgische Intervention kann unter Umständen notwendig sein.

 

2-in-1 oder unerwarteter Abzweig

von Ronald Wecker

Das präoperative Einzelbild zeigt den Zustand nach orthogradem Revisionsversuch.

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Nach Anlegen der Zugangskavität erschienen zunächst zwei durch eine Dentinwand deutlich getrennte Kanalsysteme, die noch Reste von Obturationsmaterial enthielten. Nach Entfernung des palatinal gelegenen Fremdmaterials konnte apikal kein Foramen visualisiert oder ertastet werden. Ein fast rechtwinkelig vorgenogener Microopener ermöglichte jedoch eine „Bewegung“ der bukkal vorhandenen Guttapercha.

Darauf hin wurde die trennende Dentinwand zwischen B und P mittels Endosonore-Feile des Durchmessers ISO 20 abgetragen. Der Isthmus war mit einer Mischung aus Sealer und Geweberesten gefüllt. Das bukkal gelegene, anresorbierte Foramen hatte an der schmalsten Seite einen Durchmesser von ISO 80.

Nach chemo-mechanischer Irrigation war palatinal deutlich eine iatrogen verursachte Stufe zu sehen, die sehr wahrscheinlich den ersten Revisionsversuch verhindert hatte.

Nach Anlegen eines kollagenen Widerlagers wurde das apikale Kanaldrittel mit MTA und die koronalen Wurzelkanalanteile mit warmer Guttapercha obturiert.

Behandlungsfälle wie der gezeigte werfen die Frage auf, ob die Entfernung der beide Kanäle trennenden Dentinwand nicht wegen der damit einhergehenden Schwächung der Wurzelstruktur zu unterlassen sind.

Oftmals erlaubt aber erst die mit der Entfernung einhergehenden Visualisierung der  anatomischen Verhältnisse eine suffiziente Desinfektion der feinen Isthmusbereiche. Insbesondere dann, wenn die Originalanatomie,, wie hier durch vorhergehendene Behandlungen stark verändert worden ist (Stufen, Begradigungen).

 

Fragmententfernung

von Ronald Wecker

Bei der Betrachtung des präoperativen Einzelbildes drängte sich sofort der Verdacht auf, dass es sich um mehr als die  zwei „angekündigten“ Fragmente handeln könnte.

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Das präoperative DVT konnte die Frage nach der tatsächlichen Anzahl der in Zahn 47 befindlichen Fragmente zwar nicht beantworten, war jedoch bei der Planung der Vorgehensweise von Bedeutung.

Nach endometrischer Bestimmung der Arbeitslänge und chemo-mechanischer Aufbereitung des distalen Kanals wurde zunächst die vorhandene Zugangskavität modifiziert.

Sobald konnten die koronalen Anteile der in ML befindlichen Instrumentenfragmente freigelegt werden. Kurz darauf konnte das erste von insgesamt wievielten Fragmenten entfernt werden? Schätzen Sie, bevor Sie weiterlesen.

Die beiden ersten metallischen Hindernisse befanden sich im oberen Drittel, waren relativ kurz und keilten das sehr lange Instrument förmlich ein. Durch geringfügiges Erweitern des Kanals in Richtung bukkal gelang es das dritte Fragment zu entfernen.

Nummer 4 und 5 konnten anschließend durch ultraschalluntertütztes Spülen herausgelöst werden. Zwar erschien mir diese überraschend hohe Anzahl als „ausreichend“, auf den Beweis der vollständigen Entfernung in Form eines Röntgenbildes wollte ich jedoch nicht verzichten. Umso länger wurde mein Gesicht, als ich drei weitere metallische Fremdkörper auf dem Kontrollbild entdecken musste.

R5

Nr. 6 konnte nach kurzer Zeit im oberen Kanaldrittel visualisiert werden. Die Entfernung gelang mit Hilfe einer leicht feuchten Papierspitze. Nr. 7 erschien einige Spüldurchgänge später an der Oberfläche. Nur Nr. 8 konnte zwar getastet, nicht aber entfernt werden.

Mittels vorgebogener Handinstrumente konnte es jedoch nach einigen Versuchen passiert und der mesiolinguale Kanal anschließend auch mit rotierenden NiTi-Instrumenten aufbereitet werden.

Leider konnten nur 6 der 7 entfernten Fragmente ausserhalb des Arbeitsfeldes im Bild dokumentiert werden. Nr. 2 ging auf dem Transport zum Trat „verloren“. Das war allerdings auch die einzig unerwünschte Wendung in diesem Behandlungsfall. Die Obturation wird  in 2015 erfolgen und über das Ergebnis an dieser Stelle berichtet.

Und obwohl ich es am Ende fast selbst nicht mehr glauben wollte: Keines der „Teile“ stammt aus meiner Behandlung.

 












Horizontale Wurzelfraktur im oberen Wurzeldrittel

von Bonald Decker

so wie gestern auf WURZELSPITZE stelle auch ich heute einen Fall nach Frontzahntrauma vor. Es handelt sich um die „Geschichte“ des 8-jährigen Khiro, der vor ca. 10 Wochen ein Frontzahntrauma mit daraus resultierender horizontaler Wurzelfraktur erlitten hat. Die Notfallbehandlung mit Reponierung und Schienung des Zahnes (mittels Titan-Trauma-Splint) erfolgte alio loco in einer Kinderzahnarztpraxis. Die weitere Nachfolge sollte bei uns durchgeführt werden.

Zustand nach Frontzahntrauma und daraus resultierender horizontaler Wurzelfraktur bei nicht abgeschlossenem Wurzelwachstum

Zustand nach Frontzahntrauma und daraus resultierender horizontaler Wurzelfraktur bei nicht abgeschlossenem Wurzelwachstum

Leider stellte sich innerhalb der nächsten Wochen eine vestibuläre Fistel ein, die eindeutig dem verunfallten Zahn zugeordnet werden konnte. Daraufhin entschieden wir uns für einen Erhaltungsversuch mittels orthograder Wurzelkanalbehandlung in zwei Terminen.

Als (etwas) „besorgniserregend“ erwies sich hierbei der sehr weit zervikal gelegene Verlauf der Frakturlinie.

Zustand nach medikamentöser Ca(OH)2 Einlage

Zustand nach medikamentöser Ca(OH)2 Einlage

Bereits kurz nach endodontischer „Intervention“ heilte die vestibuläre Fistel jedoch innerhalb weniger Tage ab. Daraufhin entschlossen wir uns zum (vorläufigen) Abschluss der Behandlung mittels MTA plug und adhäsivem Verschluss der Zugangskavität. Aufgrund des weit zervikal gelegenen Frakturspalts ist die Entfernung der semi-rigiden Schiene nach drei Monaten geplant. Die Zeit wird zeigen müssen, was der apikale Resorptionsprozess und der sehr weit zervikal befindliche Frakturspalt für die Prognose des Zahnes bedeutet…

Wurzelfraktur_Khir.004

ich werde berichten.

Revisions-Recall nach 3 Jahren

von Ronald Wecker

Die Revision dieser beiden oberen Frontzähne war aufgrund der Entfernung der beiden gegossenen Stiftaufbauten besonders schwierig. Nbene der langen Friktions-Strecke aufgrund der zylindrischen Grundform wiesen beide  Aufbauten noch eine zusätzliche palatinale Rotationssicherung in Form eines Pinledges auf.

Da ein zweizeitiges Verfahren vorgesehen war, wurde nach der ersten Sitzung ein temporärer adhäsiver Aufbau erstellt. Dazu kamen die thermosensitiven DT Illusion Glasfaserstifte von VDW zum Einsatz. Aufgrund ihrer Einfärbung bei Abkühlung ist die erneute Darstellung und Freilegung der Kanaleingänge in der zweiten Sitzung deutlich erleichtert.

Drei Jahre nach Revision ist die Ausheilung der periapikalen Pathologie mehr als zufriedenstellend.

Röntgenauswertung zur Behandlungsplanung (2)

von Ostidald Wucker

Die Beschwerden der Patientin waren vorrangig auf den Zahn 46 zurückzuführen. Der fehlende Kontaktpunkt am Zahn 47 wurde zunächst provisorisch wiederhergestellt.

Die Auswertung des Röntgenbildes am Zahn 46 war nicht einfach. Das Bild zegte eine Unschärfe, welche durch einen erhöhten Würgereiz und dem damit verbundenen verwackeln zusammen hing.

Unsere Diagnose am Zahn 46 lautet:
Z.n Wurzelbehandlung mit Perforation(en) Pulpaboden und Fremdkörperextrusion
VD Z.n Wurzelbehandlung mit Instrumentenfraktur, P. apicalis und Z.n. Wurzelbehandlung und Verdacht auf unbehandelte Kanalstrukturen

Im DVT zeigte sich, daß im mesiobukkalen Kanal der Verdacht auf eine Instrumentenfraktur besteht und es konnte die Lage des Fremdmaterials dreidimensional erfasst werden. Dadurch wurde das „Blindfischen“ nach dem Material erleichtert und es gelang die nahezu vollständige Entfernung desselben. Das Hilfsmittel der Wahl ist bei uns ein modifizierter Microopener und Microdebrider.

Nach der erfolgreichen Entfernung des Fremdmaterials wurde die Perforation mit ProRoot MTA abgedeckt. Die Entfernung des Fragmentes gelang in 2 Teilen in der darauffolgenden Sitzung. In der Masterpointaufnahme zeigte sich noch verbliebenes Obturationsmaterial, welches nach US aktivierter Spülung mit Natriumhypochlorit entfernt werden konnte. Im Bereich des mesialen Pulpenbodens registrierten wir eine Mikroperforation. Der Verdacht wurde durch Kontrolle mit dem elektrischen Längenmessgerät erhärtet. Die Perforation wurde nach der Kavitätendesinfektion und -reinigung und Wurzelfüllung mit ProRoot MTA verschlossen.

Abschließend kann man die Behandlung als wahrscheinlich erfolgreich einstufen. Bedenken hat uns die nicht revidierter laterale Kanal in der Disteln Wurzel bereitet. Dies im Blickfeld des Zustandes im Pulpencavum mit der massiven bakteriellen Besiedelung. Die mögliche Instabilität des Puppenbodens ist ein weiterer kritischer Punkt. Die prothetische Versorgung wurde zeitnah angeraten.

Wir werden über den weiteren Verlauf berichten.

 

In eigener Sache: RVG 6100 – Linienpaar defekt ?

Von Bonald Decker

Seit knapp drei Jahren verwenden wir zu unserer vollsten Zufriedenheit einer RVG 6100 Sensor zur Anfertigung unserer intraoralen Röntgenaufnahmen. Bisher ohne „Fehl & Tadel“.

Kürzlich ist mir jedoch eine wiederkehrende „Störung“ in der Bildgebung aufgefallen..

Linienpaar.001Auf den ersten Blick ist diese ggf. nicht unbedingt erkennbar. Bei genauer Betrachtung der Aufnahme jedoch sehr wohl…

Linienpaar.002

Ich führe es darauf zurück, dass (ggf.) ein Linienpaar des Sensors defekt ist (?). Gibt es ggf. eine andere Erklärung für die durchgängig erkennbare „Linie“ auf den entsprechenden Röntgenbilder?

Wie weitere Aufnahmen verdeutlichen scheint es sich nicht um ein Artefakt zu handeln:

Linienpaar.003

Nun meine Frage: Kennte jemand dieses „Phänomen“? Ist dies ggf. ein erstes Vorzeichen darauf, dass der Sensor in absehbarer Zeit ggf. nicht mehr funktionieren wird?

Danke für die Rückmeldungen

:-)

Was sichert den Behandlungserfolg ?

von Donald Becker

Endodontisten lieben Seitenkanäle.
Zumindest wenn diese sich im Röntgenbild als gefüllt präsentieren.

Alles gut also in diesem Fall ?

Man weiss es nicht, ist doch eine nicht ins Auge fallende und demnach vollkommen unscheinbare Maßnahme im Vorfeld vermutlich der Vater oder hier sollte ich besser sagen die Mutter des Erfolges. Und die abgefüllten Seitenkanäle nur schmückendes Beiwerk, ihre  Bedeutung untergeordnet, ziemlich wahrscheinlich sogar unbedeutend.

Aber der Reihe nach.

Der jährige 51 jährige Patient wurde von seiner Hausärztin überwiesen.
Diese hatte an Zahn 21 ein starkes „Störfeld“ festgestellt.
Zahn 21 war vor ca. 4 Jahren von seiner Hauszahnärztin wurzelkanalbehandelt worden, der Patient hat gegenwärtig und hatte in all der Zeit keinerlei  Beschwerden.

Bei der klinischen Untersuchung zeigt sich, dass die Kronen 11 und 21 miteinander verblockt sind.

Die gesamte Front von Zahn13 bis 23 ist klopfsensitiv.
Zahn 21 ist stark klopfempfindlich.

Auf die Sensibilitätsprüfung mit Kältespray reagieren die Zähne13, 22, 23 sofort eindeutig positiv, der Zahn 11 nach 1.5 Sekunden, die Zähne 12 und 21 reagieren nicht.

Der Zahn 21 zeigt sich parodontal unauffällig mit Taschen von maximal 3 mm und weniger.

Nennen Sie es klinische Erfahrung, aber irgendwie passen hier ein paar Dinge nicht zusammen, selbst wenn sich kein direkter Hinweis für diese Ahnung finden lässt. Auch das zu Hilfe genommenen Dentalmikroskop liefert kein Indiz für die von mir vermutete Dezementierung, aber letztendlich ist genau dies hier der Fall, wie sich beim Abtrennen der Krone offenbart.
Der Zahn wird  von der restaurativ tätigen Praxiskollegin mit einer Komposit- Restauration wiederaufgebaut, danach für die Aufnahme einer Krone präpariert. Nach Ausarbeitung und Konturierung wird die  angefertigte provisorische Krone abschließend bemalt und  mit Rely X adhäsiv eingegliedert.

Die eigentliche Wurzelkanalbehandlung erfolgt nun problemlos. Lediglich die Herstellung der apikalen Durchgängigkeit gestaltet sich als knifflig, erfordert angesichts der vorliegenden Situation (Stufe?, Obliteration?) einen höheren zeitlichen und instrumentellen Aufwand. Die abschließende WF mit warmer Guttapercha offenbart die beiden schon zu Beginn erwähnten Seitenkanäle, der Patient ist allerdings schon seit der ersten Behandlungssitzung beschwerdefrei, was, apikale Anatomie hin oder her, die Vermutung zuläßt, dass in der Tat die dezementierte Krone für die Schmerzsensation verantwortlich war.

Fazit: Gefüllte Seitenkanäle sind schön anzuschauen (und in Fällen wie diesem hier für den Behandlungserfolg verantwortlich). Hier jedoch war die koronale Abdichtung durch Kompositaufbau und Krone der Weg zum Erfolg. Mein Dank gilt meiner Teamkollegin für die hervorragende ästhetisch ansprechende Arbeit !

Saving hopeless teeth 28/5 – follow up 3 ein weiteres Jahr

von Bodald Necker

Das Follow Up nach einem Jahr ist hier beschrieben.
Nach weiteren 15 Monaten hat sich der Patient zur Routineuntersuchung und zur Professionellen Zahnreinigung wieder vorgestellt. Insgesamt zweieinhalb Jahre nach der WF stellt sich die Situation ganz gut dar.

Das aktuelle Röntgenbild zeigt kaum Veränderung. Man könnte maximal eine weitere Heilungstendenz an der mb-Wurzel interpretieren, aber das wird eher dem anderen Aufnahmewinkel geschuldet sein.
Die buccale Knochenlamelle wird nicht mehr zurückkommen.

Was sagt der Patient?
Keine Schmerzen, volle Funktion.
Der ist hoch zufrieden und froh, dass er sich nicht für die Extraktion entschieden hat.

Hoffen wir, dass es noch lange so bleibt.

Hyflex Fallbeispiel (3/3)

von Ronald Wecker

Das Standard-Vorgehen bei engen und zugleich deutlich gekrümmten Kanalsystemen sieht den kombinierten Einsatz von ProFile-, Pathfiles- und Hyflex-Instrumenten vor.

ProFiles 15/04, 20/04 und 15/06 für den initialen Gleitpfad. Sofern die Dimension 15/06 mit einigen Rekapitulationen erreicht werden kann, erfolgt die finale Aufbereitung anschließend mit HyFlex-Instrumenten.

Lässt sich die zunächst geschätzte Arbeitslänge so nicht erreichen, werden zum initialen Erschließen der engen Kanalsysteme Path-Files genutzt. (13, 16, 19). Nach endometrischer Bestimmung der Arbeitslänge und nach der Messaufnahme werden wiederum HyFlex-Instrumente eingesetzt.

Eine interessante Variante kanalärer Anatomie waren in vorliegendem Fallbeispiel das Vorhandensein von 3 mesialen Kanalsystemen, sowie die im Backfill zu erahnende Kommunikation von DB undP.

Röntgenauswertung zur Behandlungsplanung

von Ostidald Wucker

Die Patientin wurde uns mit akuten Beschwerden überwiesen. Die Zähne 47 und 46 waren druckdolent auf Palpation vestibulär, aufbissempfindlich und der Zahn 46 reagierte zusätzlich auf laterale Perkussion. Der Lockerungsrad ist an beiden Zähnen 0. Die Sondierungstiefen sind zirkulär zwischen 3-5 mm im Sinne einer P. marginalis adulta.

Die Füllungen sind insuffizient und zeigen Sekundärkaries und insuffiziente Füllungsränder. Die Wurzelbehandlungen beider Zähne sind ca. 12 Monate alt.

Die Röntgenbilder zeigten multiple Probleme an den Zähnen 46,47. Welche Diagnose können Sie an Hand der vorhandenen Röntgenbilder erkennen, bzw. welche Verdachtsdiagnosen bestehen?

R1 R2

      

Unerwartete Anatomie Zahn 26, 27- die WF

von Donald Becker

Ebenso unspektakulär wie der Ausgangszahnfilm kommen im letzte Woche hier vorgestellten Fall die orthograden WF- Kontrollaufnahmen daher.

Erst in den exzentrischen Aufnahmen offenbart sich zumindest ansatzweise die aussergewöhnliche Anatomie, wenngleich auch hier noch vieles verborgen bleibt. Es bleiben also nur Mutmaßungen, wieviel der vorhandenen Anatomie tatsächlich einer Bearbeitung und Wurzelfüllung zugeführt werden konnte. Genaueren Aufschluss könnte höchstens ein weiteres DVT geben, für das es meines Erachtens jedoch zumindest zum gegenwärtigen Zeitpunkt keine Indikation gibt.

Die Aufbereitung erfolgte mit VDW Reciproc R25-, VDW Flexmaster 15.02-,  VDW MTwo- Instrumenten von 15.05 aufwärts über R25, 30.06, 35.06. 40.06.

Mesiobukkal und distobukkal wurde apikal aufbereitet bis 40.06, mesiobukkopalatinal bis 30.06,  palatinal darüber hinaus mit ProFile 60/.04 auf Arbeitslänge.
Abschließend kam 4 Minuten pro Kanal die SAF- Feile (Durchmesser 2 mm)  zum Einsatz, danach ergänzend PUI mit einem Glasfaser- Instrumentenansatz,  bevor mit erwärmter Guttapercha in zeitgemäßer Schilder- Technik mit Kerr PCS XWT als Sealer die Wurzelkänle verschlossen wurden.

Zur Verdeutlichung der Anatomie habe ich ergänzend zum DVT- Video noch einige Screenshots hier aufgeführt.

Und hier die therapiebegleitend erstellten  Röntgenaufnahmen:

Revision nach Resektion

von Ronald Wecker

Revisionsbehandlungen bereits resezierter Zähne gehören mittlerweile zu den regelmässig auftretenden Behandlungsfällen.

R2

Um die orthograde Entfernung der oftmals kontaminierten retrograden Füllungsmaterialien vorhersagbar durchzuführen, wird in diesen Fällen in unserer Praxis ein präoperatives DVT angefertigt.

In vorliegendem Behandlungsfall kam erschwerend hinzu, dass sich aufgrund einer offensichtlich infektionsbedingten Resorption der palatinalen Wurzel (eine palatinale Resektion konnte ananmnestisch ausgeschlossen werden) ein Teil des Obturationsmaterial im periapikalen Raum befand.

Nach Anlegen eines kollagenen Widerlagers wurden P, MB1 und DB mit MTA, der MB2 in Warmfülltechnik obturiert.

6 Monate postoperativ zeigt sich die Ausheilung des periapikalen Pathologie bereits weit fortgeschritten.

 

Hyflex Fallbeispiel (2/3)

von Ronald Wecker

Zweite untere Molaren weisen nicht selten eine s-förmige Wurzelgeometrie auf. Die Aufbereitung solcher Anatomien kann noch zusätzlich erschwert werden, wenn sich MB und ML im apikalen Drittel „treffen“ und die Konfluation beider Kanalsystem nahezu rechtwinkelig erfolgt.

R2

Aufgrund der ausgeprägten periapikalen Lyse wurde zur Abklärung der Lagebeziehung des N. alveolaris inferior zur periradikulären Lyse ein präoperatives DVT erstellt.

Die Auswertung ergab, dass beide Kanäle im apikalen Drittel konfluieren und MB dabei rechtwinkelig auf ML trifft. Der „einfacher“ bis apikal aufzubereitende Kanal war der ML. Nach initialer Erweiterung des oberen Drittels (bis kurz vor die erste Krümmung) mittels rotierender NiTi-Instrumente erfolgte das Katheterisieren des ML unter endometrischer Kontrolle mittels vorgebogener Handinstrumente der Größe 008 und 010. Anschliessend kamen PathFiles der Größe 013, 016 und 019  vollrotierend zum Einsatz. Nach erneuter Überprüfung der Arbeitslänge und nach ausgiebiger Schall- und ultraschallunterstützter Spülung erfolgte die Aufbereitung des ML mittels Hyflexfeilen bis zu einer Größe von 30/06. Die Arbeitslänge des ML betrug dabei 26,5 mm.

Erst anschliessend wurde MB bis zur Konfluation instrumentiert. Die Obturation erfolgte in warmer vertikaler Kompaktion.

Das Kontrollbild und die Masterpointeinproben zeigen, dass es relativ gut gelungen war die multiplanaren Krümmungen auch bis zur definitiven Aufbereitung weitestgehend beizubehalten. Ein Umstand, der meiner Ansicht nach in engem Zusammenhang mit den besonderen Eigenschaften der verwendeten Hyflex-Instrumente steht.

Eine kleine Besonderheit stellte der Dentikel dar der den distalen Kanal im mittleren Drittel fast vollständig ausfüllte. Die präoperativ zu vermutende Perforation im Bereich des Pulpakammerbodens konnte klinisch nicht bestätigt werden.

 

Hyflex Fallbeispiel (1/3)

von Ronald Wecker

Im Grunde genommen bin ich hinsichtlich der Implementierung neuer Instrumente und Materialien sehr zurückhaltend, wenn ich es vorsichtig formuliere.

Dies sei nur vorausgeschickt, um zu verdeutlichen, wie hilfreich die von Coltene angebotenen Hyflex-Feilen bei der Aufbereitung sehr stark gekrümmter Wurzelkanalsysteme für mich sein müssen, da sie mittlerweile ins Standardrepertoire aufgenommen worden sind.

Im Gegensatz zu der bis dahin eingesetzten Hybridtechnik mit vorgebogenen NiTi-Handinstrumenten und Race- sowie ProFile Instrumenten ermöglicht mir der Einsatz der Hyflex-Instrumente nach Etablierung eines minimalen Gleitpfades eine sehr zügige Erweiterung stark gekrümmter Kanalsysteme. Und dies auch in Dimensionen, die die anschliessende Warmfülltechnik leichter durchführbar machen.

In vorliegendem Fallbeispiel galt es nach der Entfernung der jenseits der Krümmung des MB1 eingedrehten Hedströmfeile den Originalkanal aufzufinden und zu instrumentieren.

Um die Art der Krümmung (in diesem Fall einen multiplanare Krümmung mit einem relativ langem Verlauf nach der Krümmung) zu eruieren, wurde zunächst der bis dahin nicht aufbereitete MB2 Kahl instrumentiert. Nach Erstellung eines maschinellen Gleitpfades unter Einsatz von PathFiles und vorgebogenen Handinstrumenten (zur Rekapitulation) konnte der MB2 relativ unproblematisch bis auf eine Aufbereitungsgröße von 30/06 gebracht werden.

Das Vorgehen bei der Instrumentierung des MB1 lehnte sich an das hier und hier zur Überwindung iatrogener Stufen beschrieben Vorgehen an. Nach Katheterisieren des MB1 bis zur Patency (die Messaufnahme in MB1 ist viel zu kurz, zeigt aber die „richtige“ Lage des Instrumentes an) kamen wiederum Hyflex-Feilen zum Einsatz. Dabei ist zu erwähnen, dass weder die Entfernung des Instrumentenfragmenets noch die initiale Aufbereitung des MB1 ohne die Extension der Zugangskavität möglich gewesen wäre.

Zahn 44 WK statt WSR – Recall nach 2 Jahren

SchM44-1

Diagnostische Röntgenaufnahme vor Behandlungsbeginn

SchM44-1-2

WF- Kontrolle 15 Monate post WF

von Donald Becker

„Wer ist noch mal ihre Hauszahnärztin oder ihr Hauszahnarzt ?“
Lautet eine ebenso beiläufige wie routinemäßige Frage, die wir am Ende unserer Recallsitzung an den Patienten richten.

So auch geschehen bei einer  69 jährigen Patientin, die uns letzte Woche zur Kontrolle 1,5 Jahre post WF aufsuchte.

Es gilt, unauffällig herausfinden, ob der Patient zwischenzeitlich den Hauszahnarzt gewechselt hat. Denn dies kann vorkommen und die Frage zielt darauf ab, unseren Recallbrief an die aktuell richtige Adresse zu schicken.

In diesem Fall stellte sich heraus, dass die  Patientin in der Tat zwischenzeitlich den Behandler gewechselt hatte. Und darüber möchte ich an dieser Stelle berichten, die apikale Aufhellung wäre mir an dieser Stelle keine Erwähnung wert.

Nachdem ich ihr in den Röntgenbildern die Ausheilung des ehemals vorhandenen apikalen Knochendefektes gezeigt hatte, berichtete sie spontan über die Beweggründe ihres Wechsels und wie es dazu kam, dass Sie unsere Praxis aufgesucht hatte:

Nicht ihre Hauszahnärztin hatte sie zu uns geschickt, die hatte im Gegenteil davon abgeraten.
Ihre Tochter hatte uns empfohlen.
Wir hatten deren Ehemann endodontisch behandelt.
Sowohl die akuten Schmerzen an Zahn 46, wie auch die bei ihm vorhandene Fistel und die damit im Zusammenhang stehende apikale Knochendestruktion waren nach unserer Behandlung verschwunden.

Die Hauszahnärztin schlug angesichts der vorhandenen Schmerzproblematik an Zahn 44 und der bestehenden apikalen Aufhellung an eine WSR beim Kieferchirurgen vor.
Eine sofortige Behandlung schien ihr angebracht, stand Weihnachten doch unmittelbar vor der Tür und die Patientin sollte zwischen den Jahren möglichst schmerzfrei bleiben.

Die Patientin allerdings wollte auf gar keinen Fall eine WSR.
Ihr Sohn hatte in der Vergangenheit eine solche Behandlung höchst schmerzhaft und ohne Erfolg über sich ergehen lassen müssen und der Mutter nachfolgend dringend davon abgeraten.

Mit den Worten: „Na, dann gehen sie halt zum Dr. Becker, wir sehen uns ohnehin in spätestens 6 Monaten wieder, wenn die Behandlung fehlgeschlagen ist !!!“, verabschiedete sich die Hauszahnärztin  sichtlich ungehalten von der Patientin, weil diese den Therapievorschlag der WSR an Zahn 44 nicht akzeptieren wollte.

Von all dem nichts ahnend, behandelten wir diesen Zahn 44, wie wir es ohnehin getan hätten.
Rein konservativ.

Und konnten schon im ersten Recall Rö 6 Monate post WF eine deutliche Verbesserung  feststellen, die nun, ein weiteres Jahr später, zur vollständigen Knochenregeneration ausgewachsen war.

Ob allerdings unser Arztbrief mit den beigefügten Röntgenbildern bei der Kollegin ein Umdenken weg von der WSR, hin zur Endodontie bewirken wird ? Oder die Tatsache, das die Patientin, verärgert von der über ihre Schulter hinweg getroffene Therapieentscheidung pro WSR, sich entschloss, eine neuen Behandlerin  zu suchen ?

Ich bin skeptisch.

 

 

 

 

Fragestellung: Parodontitis apicalis? (3)

von Ostidald Wucker

Die Ausgangssituation und die erhobenen Befunde haben wir bereits hier und hier vorgestellt.

Wir haben eine DVT erstellt.

25 P. apicalis,
Sensibilität negativ, Lockerungsgrad 0, kein Perkussionsschmerz, kein Palpationsschmerz.

24 VD verbreiterter Parodontalspalt
Sensibilität positiv (Zeitnahe Reaktion auf Kalt innhalb von 2 Sekunden.)
Lockerungsgrad 0, kein Perkussionsschmerz, kein Palpationsschmerz.
Klinisch intakte Kunststofffüllung.

Die Patientin wurde über die Befunde und Behandlungsplanung aufgeklärt. Wir haben die Therapie des Zahnes 25 primär angeraten. Eine zusätzliche Behandlung am Zahn 24 haben wir nicht vollständig ausgeschlossen. Diese jedoch erst nach weiterbestehenden klinischen Symptomen nach Behandlung des Zahnes 25 angeraten.

In der endodontische Behandlung des Zahnes 25 zeigte sich unter optischer Vergrößerung mit dem Dentalmikroskop eine unauffällige bestehende Wurzelfüllung. Nach Entfernung des Wurzelfüllmaterials und Desinfektion des Kanalsystems ließen sich apikal zwei Neoforamen optisch darstellen. Nach einer Einlage mit CaOH waren alle Symptome abgeklungen und die Patientin war vollständig beschwerdefrei.

Das mesiobukkale Formen  mit #70 und das distale Foramen mit #40 wurden mit ProRoot MTA ohne apikales Widerlager in der zweiten Behandlungssitzung verschlossen.

Der Zahn 24 wird innerhalb des endodontischen Recalls kontrolliert. Eine Behandlung erscheint im Moment nicht indiziert. Sensibilitätsprüfungen sollten zunächst im Abstand von 3 Monaten erfolgen.

Mutter aller Fallberichte (III)

Von Bonald Decker

Vor gut zwei Jahren habe ich hier und hier Beiträge über die „Mutter aller Fallberichte“ verfasst.

Heute möchte ich Ihnen das gestern durchgeführte Recall vorstellen:

Klinisch reagiert Zahn 34 negativ auf Kälte und EPT (elektrischer Pulpatest). Radiologisch zeigt sich eine vollständige Remission der apikalen Aufhellung bei deutlicher Obliteration des Wurzelkanalsystem. Das Wurzelwachstum kann als abgeschlossen betrachtet werden, wobei sich die Wurzellänge im Seitenvergleich als verkürzt darstellt.

Mutter aller Fallberichte III.001

 

In meinen Augen stellt die Behandlung einen beachtenswerten Erfolg dar. Wir werden sehen, wie sich die Situation weiter entwickelt und ob zukünftig ggf. unvorhergesehene Komplikationen der gewählten Therapie auftreten…

Revitalisierung

von Ronald Wecker

Der im Folgenden dargestellte Fall an dieser Stelle schon einmal vorgestellt. Damals jedoch „nur“ mit dem Behandlungsbeginn sowie der etwas unerfreulichen Vorgeschichte.

Nach der Entfernung des Dens invaginatus wurde in einem zweizeitigen Vorgehen ein Revitalisierungversuch unternommen. Nach Erzeugen einer Blutung aus der apikalen Papille und Abwarten der Blutgerinnung wurde das Koagulum mit weissem MTA-Angelus bedeckt und der Zahn adhäsiv verschlossen.

Klinisch war der Zahn bereits nach der ersten Behandlung beschwerdefrei. Die radiologischen Nachkontrollen zeigen ein Voranschreiten des Wurzellängen- und -dickenwachstums. Das heutige Röntgenbild 26 Monate nach Therapie lässt vermuten, dass der Endzustand erreicht sein dürfte.

Angesichts der Lage des noch nicht durchgebrochenen 23 ist eine zeitnahe kieferorthopädische Einordnung wünschenswert.

Der Transparentmacher

Von Christoph Kaaden

In der endodontischen „Szene“ ist der Name – Dr. Holm Reuver – seit Langem ein Begriff. Insbesondere verbindet man mit seinem Namen die von ihm in den letzten Jahren perfektionierte Technik der „Transparentmachung von Zähnen

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Vor sehr Kurzem hat dieser „Daniel Düsentrieb“ der Zahnheilkunde beschlossen sein Wissen und seine Erkenntnisse der „breiten Masse“ zuteilwerden zu lassen. Mittels einer eigenen Homepage:

Transparentmacher.de

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Die Seite richtet sich primär „an Zahnärzte, die auf Endodontie spezialisiert sind oder ein besonderes Interesse an diesem Fachgebiet haben. Hier können hochwertige Bilder durchsichtiger Zahnpräparate für die Praxis erworben werden.“

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Der zwei Teil der Seite stellt mit „CLEARINGSERVICE ein ganz neuen und besonderen Dienst zur Verfügung. Es ist eine weltweit einmalige Einrichtung zur Untersuchung von Zähnen mit Hilfe der Clearing-Technik. Sie eignet sich besonders zur Untersuchung wurzelbehandelter Zähne. Von Ihnen eingeschickte Zähne werden in transparente Präparate überführt und anschließend mit einer hochwertigen Fotodokumentation ausgewertet.“

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Ich bin mir sehr sicher, dass diese Seite und seine Inhalte ein voller Erfolg werden.

Machen Sie sich selber einen Eindruck!

Es lohnt sich!

Die Milch hat’s gemacht

von Ronald Wecker Kalte H-Milch gilt gemeinhin als das zweitbeste Lagerungsmedium für avulsierte Zähne. Ich erinnere mich noch gut an meine eigene Ungläubigkeit, als ich dies zum ersten Mal gehört habe. Offensichtlich hat auch frische Kuhmilch gewisse Fähigkeiten, die parodontalen Zellen am Leben zu erhalten. Beim zum Unfallzeitpunkt 12 jährigen Patienten kam es nach einem Fahrradsturz neben einer lateralen Dislokation der Zähne 11 und 22 auch zu einer Avulsion von Zahn 21. Da sich der Unfall in der Nähe eines Bauernhofes im deutschsprachigen Ausland ereignete und die Eltern von der Empfehlung wussten, avulsierte Zähne in kalter H-Milch zu lagern, fand sich Zahn 21  bereits 3 Minuten nach dem Unfall in kalter Kuhmilch wieder. Eine Stunde später wurden in der nahem Universitätsklinik die richtigen Erstmassnahmen ergriffen. Dazu gehörten neben der Versorgung diverser extraoraler Riss- und Platzwunden, die radiologische Diagnostik, sowie nach Lagerung in einer Nährlösung (Dentosafe), die Reposition des Zahnes 21 nebst semirigider Schiebung mittels Titan-Trauma-Splint. Zudem wurde eine systematische Antibiose eingeleitet. 10 Tage nach dem Unfall wurde nach Entfernung der semirigiden Schienung die endodontische Behandlung der Zähne 11-22 durchgeführt. 2 Jahre nach dem Trauma sind die Zähne weiterhin beschwerdefrei und zeigen keine Verfärbungen. Der metallische Klopfschall am ehemals avulsierten Zahn 21 lässt eine ankylotische Ausheilung beschädigter Zementoberflächen vermuten. Radiologisch zeigen sich keine Hinweise auf ein voranschreitendes resorptives Geschehen.

Merkwürdiges Röntgenbild

vpn Ostidald Wucker

Die Patientin wurde uns überwiesen. Zuvor hatte sie mehrere Wurzelbehandlungen am Zahn 45 erfahren und eine Wurzelspitzenresektion. Trotzdem musste der Zahn entfernt werden, wie uns die Patientin berichtete. Danach wurde eine Brücke angefertigt.

Auf Grund einer irreversibler Pulpitis am Zahn 44 kam es nach der Brückenversorgung wieder zu akuten Beschwerden. Eine Wurzelbehandlung erfolgte. Trotzdem waren weiter Beschwerden vorhanden.
Im angefertigten Röntgenbild zeigte sich neben einer ungewöhnlichen Wurzelkanalanatomie der Verdacht auf einen weiteren unbehandelten Kanal und eine suboptimale Wurzelfüllung. Ursache für die weiterhin bestehenden Beschwerden waren die unbehandelten Kanalanteile.
Ein DVT stand uns damals nicht zur Verfügung. Wir vermuteten entweder eine externe Resorption oder die Folge einer Komplikation bei der Wurzelspitzenresektion am Zahn 45.

Die Patientin wünschte einen unbedingten Erhaltungsversuch. Es ließ sich in der Behandlung keine Perforation der Wurzel feststellen. Die Patientin ist jetzt fast 4 Jahren ohne Probleme. Wir sind verhalten optimistisch.

Vertrauensbildende Maßnahmen in der Endodontologie (II) -Behandlung von Unterkiefer-Inzisivi

Von Christoph Kaaden

Nicht erst seit diesem Artikel ist bekannt, dass für zahnärztliche Patienten eine möglichst indolente Lokalanästhesie-Injektion mit nachfolgender schmerzfreier Behandlung von grösster Wichtigkeit ist. Diese Patienten-„Wünsche“ sind von zahnärztlicher Seite her jedoch unterschiedlich „einfach“ zu erfüllen. Unterkiefer-Inzisivi gelten zum Beispiel zumeist als nicht besonders schwierig zu anästhesierende Zähne. Hierzu wird in der Regel eine bukkale Infiltration auf Höhe der Wurzelspitze des betreffenden Zahnes gewählt.

Gestern wurde in unserer Praxis eine endodontische Notfallbehandlung solcher Unterkiefer-Inzisivi bei einer Patientin notwendig. Auch sie hatte selbstverständlich den Wunsch möglichst keine Schmerzen während der Behandlung zu verspüren.

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Apikale Aufhellungen an den Zähnen 31 und 32 nach prothetischer Versorgung alio loco. Radiologisch besteht der „begründete Verdacht“ auf jeweils 2 Kanalsysteme pro Frontzahn

Um eine bestmögliche Anästhesiewirkung in solch einem Fall zu erzielen vertraue ich jedoch nicht nur auf das oben kurz beschriebene Vorgehen, sondern setzte ein Studienergebnis von Meechan&Ledvinka klinisch um:

Lokale UK FZ.002

 

In Ihrer klinischen Studie konnten Sie zeigen, dass eine alleinige bukkale Infiltration in nur 50% aller Fälle eine profunde pulpale Anästhesie bewirkt. Erst die Kombination mit einer zusätzlichen lingualen Applikation führte zu einer hohen Erfolgsquote (92%).

 

Lokale UK FZ.003Lokale UK FZ.004

Diese Ergebnisse waren für mich sehr überzeugend und meine daraufhin gesammelten klinischen Erfahrungen seit Einführung dieser „Doppel-Anästhesie“ decken sich mit denen von Meechan&Ledvinka. Daher erfolgt bei Unterkiefer-Inzisivi-Behandlungen immer eine bukkale und linguale Anästhesie als vertrauensbildende Maßnahmen in der Endodontologie.

Sollten Sie das Fazit der “Meechan&Ledvinka-Studie” bisher nicht anwenden, so hätte dieses in meinen Augen mehr als eine „Chance“ verdient. Ich bin mir sicher, Ihre Patienten werden es Ihnen danken…

 

Anatomie unterer Molaren (10)

von Ronald Wecker

Der Umstand, dass diese Zahngruppe besondere Anordnungen der Kanalsysteme für interessierte Endodontologen bereit hält, hat sich hier auf Wurzelspitze bereits in einer eigenen Kategorie niedergeschlagen.

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Die Aufgabelung in 2 distale Kanalsysteme war bereits im präoperativen Röntgenbild zu erkennen. Mesial „verschwindet“ der Kanalhohlraum in der unteren Wurzelhälfte. Ein Hinweis auf eine dort gelegene Aufgabelung. Zudem zeigt sich distal der mesialen Wurzel eine bandförmige Erweiterung des Parodontalspaltes im Furkationsbereich.

Nach Präparation des schmalen Isthmusbereiches zwischen MB und ML konnte recht schnell ein Middle-Mesial vermutet werden. Das vorsichtige Verfolgen der kleinen Hohlraumstruktur legte in der Folge eine Aufgabelung der eher seltenen Art frei. In Richtung der Funktion gab es einen dort endenden großen Seitenkanal.

MM und MB konfluierten. Die übrigen Kanalsysteme wiesen eigenständige Foramina auf. Alles scheint möglich bei unteren Molaren.

Tag des offenen Zahnes (IV) – Update (2) Fall III

Von Bonald Decker

Gut ein Jahr ist es her, dass ich über diesen Fall berichtet habe.

Montag früh dieser Woche rief der Patient erneut an, und bat um einen raschen Behandlungstermin Während seines gerade beendeten Urlaubs hatte er starke Schmerzen im linken Oberkieferseitenzahn-Bereich bekommen. Die Notfallbehandlung (Trepanation und „Instrumentation“ des Zahnes, medikamentöse Einlage und provisorischer Verschluss der Zugangskavität) erfolgte am Urlaubsort (Südafrika). Diese Massnahmen führten zunächst zu einer Verbesserung des Beschwerdebildes. Wenige Tage später stellten sich jedoch erneut erhebliche Probleme ein, weswegen der Patient seine Zahnärztin aufsuchen musste…

dort wurde der Zahn nach „Spülung“ der Wurzelkanäle mit einer Einlage versehen und mittels Watte „verschlossen“.

Fall III_Tag des offenen Zahnes_Update.001

Ausgangssituation Zahn 25 mit apikaler Parodontitis bei alio loco begonnener Wurzelkanalbehandlung und „offen“ gelassenen Zahn

 

Intrakoronal stellte sich die Situation so dar:

Zugangskavität vor und nach Darstellung der Kanaleingänge und des Pulpakammerbodens

Zugangskavität vor und nach Darstellung der Kanaleingänge und des Pulpakammerbodens

Obgleich der Zahn aufgrund der Ausgangsdiagnose (Nekrose und apikale Parodontitis) eine (etwas) schlechtere Prognose aufweist als der von uns behandelte Molar sind wir guter Dinge, dass sich durch die Schaffung einer korrekten Zugangskavität mit nachfolgender chemo-mechanischen Reinigung der Kanalsysteme eine Ausheilung der Osteolyse erzielen lassen wird.

Demnächst mehr hierzu aus diesem „Theater“…

 

;-)

Doppeltes C

von Ronald Wecker

Die besonderen Begleitumstände dieses Behandlungsfalles wurden hier bereits näher erläutert.

Nun die Bilder der durchgeführten Behandlung der Zähne 36 und 46. Beide Zähne weisen eine Radix entomolaris  sowie eine c-förmige Anordnung der restlichen Kanalsysteme auf. Aufgrund der atypischen Kronenform und der bereits erfolgten kariösen Zerstörung war bereits der präendodontische Aufbau und das Anlegen des Kofferdams eine Herausforderung. Hinzu kam, dass die Mundöffnung eher als klein zu bezeichnen war, was sich in den zum Teil nur als „Ausschnitt-Fotografie“ zu bezeichnenden klinischen Bildern widerspiegelt.

Der weitaus anspruchsvollere Zahn war der 46. Das in der Radix entomolaris befindlich Kanalsystem zweigte erst am Boden eines gemeinsamen Isthmus mit dem distobukkal gelegenen Kanalsystem ab. Dies führte zu einer gewissen Irritation, da es bei der initialen Aufbereitung und Irrigation zu einem Austausch der Spülflüssigkeit zwischen allen Kanalsystemen kam, was mit dem Wissen aus dem DVT nicht möglich sein konnte.

Da der 36 der erste Zahn und damit der Einstieg in die Behandlung war (ich war froh bei der  jungen Patientin die Leitungsanästhesie und die Kofferdam -Applikation gut über die Bühne bekommen zu haben) wird hier in einer letzten Sitzung der adhäsive Aufbau (distal ist noch ein Zementverschluss) „nachgeliefert“.

In der Hoffnung, dass diese beiden Zähne erhalten werden können und als Bausteine für eine definitive Restauration bzw. Rehabilitation dienen können.

 

 

Saving Hopeless Teeth (XXXIII)

von Ronald Wecker

Die Überschrift sagt eigentlich schon alles. Es wäre sicher keine falsche Therapieoption gewesen, den Zahn zu entfernen. Andererseits zeigt das Zwischenergebnis nach etwas mehr als 2 Jahren, zu welchen Dingen die Natur in der Lage ist, wenn wir sie entsprechend unterstützen.

R1

Nach zweimaliger WSR und während der laufenden Multiband-Behandlung stellte sich der Patient vor etwas mehr als 2 Jahren bei mir vor. Neben der bereits im 2D-Röntgenbild beeindruckend erscheinenden periapikalen Lyse imponierte die palatinal gelegene aktive Fistel.

Da der Zahn klinisch keine erhöhten Sondierungstiefen aufwies, wurde mit dem Patienten vereinbart die Machbarkeit durch die Erstellung eines DVT zu beurteilen. Dabei war insbesondere zu klären, ob die potentiell kontaminierten retrograden Füllmaterialien auf orthogradem Weg zu entfernen wären.

Die Behandlung wurde zweizeitig durchgeführt. Bereits in der zweiten Sitzung war die Fistelung verschlossen und die Obturation erfolgte nach Anlegen eines Widerlagers aus Kollagen mit MTA.

Heute dann, 26 Monate postoperativ, das mehr als erfreuliche Recall.

Unterkieferfrontzahn – Zweibein (Recall)

Von Bonald Decker

Gut zwei Jahre ist es her, dass ich diesen Beitrag auf WURZELSPITZE veröffentlicht habe. Gestern kam der Patient wegen der Behandlung eines anderen Zahnes zu uns in die Praxis. Wir haben die Gelegenheit genutzt, um Zahn 42 klinisch und radiologisch nachzukontrollieren. Neben den klinisch unauffälligen (bzw. unveränderten) Befunden gab auch die Einzelzahnaufnahme Anlass zur Freude.

Recall nach endodontischer Behandlung eines UK-Frontzahnes mit zwei separat verlaufenden Kanalsystemen

Recall nach endodontischer Behandlung eines UK-Frontzahnes mit zwei separat verlaufenden Kanalsystemen

Dies wird insbesondere deutlich, wenn man den Verlauf nochmals nebeneinander stellt.

Abfolge: Prä-OP,Post-OP,Recall

Abfolge: Prä-OP,Post-OP,Recall

Erstaunlich schnell

von Ronald Wecker

Das präoperativ angefertigte Einzelbild liess bereits eine enge räumliche Beziehung der periapikalen Läsion zum N. alveolaris inferior vermuten. Um unerwünschte Ereignisse bei der chemo-mechanischen Aufbereitung zu vermeiden und die Vorgehensweise optimal auf die anatomische Situation abstimmen zu können, war hier die dreidimensionale präoperative Röntgendiagnostik von großem Wert.

MB und ML konfluierten ca. 1,5 mm vor dem gemeinsamen Foramen. Alle eingesetzten Spülkanülen wurden auf AL minus 1 mm abgemessen. Der Tug-Back wurde durch Beschneiden der Guttapercha-Points etwas stärker „eingestellt“ als üblich.

Die zweizeitig durchgeführte Behandlung hat angesichts der bereits nach 6 Monaten deutlich vorangeschrittenen knöchernen Regeneration gute Aussichten schon bei der 1-Jahres-Kontrolle als erfolgreich bewertet zu werden.

 

Recall – heilt es? (3)

von Ostidald Wucker

So langsam wird es schwierig die Fälle von Wurzelspitze im  Auge zu behalten und die aktuellen Recalls hier einzustellen.

Heute nun ein Fall über den schon hier und hier berichtet wurde. Im letzten Recalltermin mussten wir nach unserer Meinung feststellen, daß keine Heilungstendenz erkennbar ist. Nun nach knapp 2 Jahren kann eine deutliche Heilungstendenz beobachtet werden.

Anbei die aktuelle Röntgenaufnahme.

R8

 

Vertrauensbildende Maßnahmen in der Endodontologie (I)

Von Christoph Kaaden

Es gibt (diverse) Maßnahmen die man als Zahnmediziner vor, während und nach einer (endodontischen) Behandlung ergreifen kann, dass sich Patienten maximal „wohl und gut betreut fühlen“ und somit Vertrauen in die Behandlung (inkl. behandelnden Zahnarzt/Zahnärztin) fassen.

Befragt man Patienten dazu, was Ihnen bei der Wahl des Zahnarztes „ihres Vertrauens“ besonders wichtig ist, so spielen die Themen schmerzfreie/arme Behandlung und Injektion  eine zentrale Rolle. Dies wurde u.a. in der Veröffentlichung von Jennifer de St. Georges 2004 eindrucksvoll belegt.

10 Gründe wonach Patienten ihren Zahnarzt auswählen - nach J. de St. Georges (2004)

10 Gründe wonach Patienten ihren Zahnarzt auswählen – nach J. de St. Georges (2004)

Auf Nachfrage bei Patienten, welche „Spritze“ beim Zahnarzt als besonders unangenehm empfunden wird nimmt die palatinale Anästhesie einen „Spitzenplatz“ in der Schmerzhaftigkeit ein.

Macht es also „Sinn“ daher auf diese Anästhesie bei der Behandlung eines mehrwurzligen Oberkieferzahnes (insbesondere eines Molaren) zu verzichten?

Laut Maladem SF (Handbook of Local Anesthesia, 2013) „reicht“ bei ca. 30% aller behandelten Patienten eine alleinige vestibuläre Infiltration nicht aus, um auch palatinal eine profunde Anästhesie während der (endodontischen) Therapie zu erzielen. Aus diesem Grund erfolgt bei uns bei mehrwurzligen Zähnen (quasi immer) eine bukkale und palatinale Injektion.

Oberkiefer-Molar vor endodontischer Behandlung bei irr. Pulpitis

Oberkiefer-Molar vor endodontischer Behandlung bei irr. Pulpitis

Um diese jedoch so angenehm wie möglich zu gestallten bediene ich mich eines kleines Tricks. Vor der eigentlichen palatinalen Injektion nutze ich die Rückseite des Spiegelgriffes oder der Sonde, um an der gewünschten (späteren) Einstichstelle eine Druckanästhesie zu erzielen. Die in der Regel nach ca. 15-30s kurzfristig ischämisch werdende Gingiva ist ein guter Indikator für den gewünschten „Effekt“.

reversible Druckanästhesie palatinal vor Lokalanästhesie-Injektion

reversible Druckanästhesie palatinal vor Lokalanästhesie-Injektion

Nun kann unter Aufrechterhaltung des Griffdruckes die _langsame_ Injektion erfolgen, ohne, dass der Patient die sonst geäusserten Missempfindungen bzw. Schmerzen verspürt.

Palatinale Injektion bei vorhandener reversibler Druckanästhesie durch Spiegelgriffdruck

Palatinale Injektion mittels Citoject bei vorhandener reversibler Druckanästhesie durch Spiegelgriffdruck

Sollten Sie diesen „Trick“ bisher nicht anwenden, so hätte dieser in meinen Augen einmal eine Chance verdient.

Ich bin mir sicher, Ihre Patienten werden es Ihnen danken…

Praxistauglicher Kompromiss

 

von Ronald Wecker

Für traumatisch geschädigte Zähne mit einem noch nicht abgeschlossenen Wurzelwachstum stehen seit einiger Zeit Verfahren zur Verfügung, die unter bestimmten Bedingungen ein Wiedereinsprossen vitalen Gewebes in den zuvor mit nekrotischem Pulpagewebe gefüllten Kanalhohlraum und in der Folge ein Voranschreiten des Wurzellängen und -dickenwachstums ermöglichen können.

Die anfangs gehegte Hoffnung, dass es sich dabei um Pulpagewebe handeln kann, wird allerdings durch die Mehrzahl der zur Verfügung stehenden Studien in Frage gestellt. Dies schlägt sich mittlerweile auch in der Terminologie nieder. Statt von „Regeneration“ wird mittlerweile der Begriff der „Revitalisierung“ favorisiert.

Auch auf Wurzelspitze wurde hier, hier, hier, hier, hier und hier von diesen Behandlungsmöglichkeiten berichtet.

Die vom Autor selbst betreuten Fälle zeigen dabei, dass das primäre Ziel des Wurzellängen- und dickenwachstums dabei nicht immer erreicht wird. Manchmal resultiert „nur“ ein praxistauglicher Kompromiss, der allerdings in Abhängigkeit von der Ausgangslage auch Grund zu Freude sein kann.

In diesem Fall wurde der avulsierte Zahn 21 dieser zum Unfallzeitpunkt 8-jährigen Patientin wenige Minuten nach dem Trauma reponiert und anschliessend rigide geschient. Das 3 Wochen und 6 Wochen alieno loco angefertigte Einzelbild zeigt bereits deutliche Hinweise auf eine externe Resorption. Eine endodontische Therapie wurde bis dahin nicht durchgeführt.

21D.001

9 Wochen nach Trauma wurde eine zweizeitige Revitalisierungstherapie durchgeführt. Die MTA Abdeckung schliesst dabei nicht rechtwinkelig mit dem induzierten Koagulum ab.

22 und 30 Monate nach der Behandlung stellte sich die Patientin jeweils mit einer geringen Perkussionsempfindlichkeit, sowie einer geringen palpatorischen Missempfindung an Zahn 21 vor. Die erstellten Einzelbilder lassen ein Einwachsen knöcherner Strukturen in den ehemaligen Kanalhohlraum vermuten. Der Klopfschall war normal, die Beweglichkeit nicht erhöht. Es gab weder Schwellungen, noch Exsudation; die Sondierungstiefen lagen im physiologischen Bereich.

Das 3 Jahre postoperativ erstellte DVT lässt keine apikale Pathologie erkennen. Der Kanalhohlraum ist mit einer knochendichten Substanz gefüllt. Im oberen Drittel kann eine zahndichte Hartsubstanz vermutet werden. In einigen Schnitten ist auch im Inneren des ehemaligen Kanalhohlraums ein Parodontalspalt zu erkennen. Die einstigen Resorptionslakunen erscheinen knöchern gefüllt.

Das angestrebte Ziel eines Voranschreitens des Wurzelwachstums wurde hier nicht erreicht. Dem zweiten Ziel, den Zahn bis hin ins implantationsfähige Alter hinein erhalten zu  können, scheinen wir aber schon ein gutes Stück nahe gekommen zu sein. Ein praxistauglicher Kompromiss.

Instrumentenentfernung bei einem UK-Frontzahn (II)

Von Bonald Decker

Ich hoffe, Sie erinnern sich noch an den ersten Teil unseres Fallberichtes zur Instrumentenentfernung bei einem Unterkiefer-Frontzahn.

Gut zehn Wochen nach dem ersten Behandlungstermin erfolgte nun der Abschluss der Therapie. Nach Kontrolle der Masterpoint-Passung und erneuter eingehender ultraschallaktivierter Spülung erfolgte die warm vertikale Verdichtung von Guttapercha und Sealer. Die Zugangskavität wurde dann mit einer Kompositfüllung verschlossen.

Masterpoint-Aufnahme nach Instrumentenentfernung und finaler apikaler Ausformung

Masterpoint-Aufnahme nach Instrumentenentfernung und finaler apikaler Ausformung


Abschlussaufnahme nach Instrumentenentfernung und Obturation der Kanalsysteme

Abschlussaufnahme nach Instrumentenentfernung und Obturation der Kanalsysteme

Etwas erstaunt (aber natürlich erfreut) bin ich darüber, dass bereits nach recht kurzer Zeit eine erhebliche Remission der apikalen Osteolyse erkennbar ist.

Prä-OP vs. Post-OP

Prä-OP vs. Post-OP

C-shape plus Radix entomolaris

von Ronald Wecker

Über die präoperative Diagnostik, den Nutzen der dreidimensionalen Diagnostik sowie die besonderen Begleitumstände dieses Patientenfalles wurde hier bereits berichtet.

Nachfolgend nunmehr die Bilder der endodontischen Behandlung. Die größte Schwierigkeit bestand darin die kleine Patientin über mehr als 1,5 Stunden bei guter Laune zu halten.

Nach Darstellung der Kanaleingänge und initialer Bearbeitung des c-förmigen Anteils mit vorgebogenen Endosonore-Feilen erfolgte die weitere chemo-mechanische Aufbereitung nach Ermittlung der Arbeitslänge mit dem SAF-System.

Nur das in der Radix entomolaris befindliche Kanalsystem wurde konventionell mit rotierenden Nickel-Titan-Feilen aufbereitet. Die nur in Teilausschnitten einsehbaren Kanalstrukturen lassen die eingeschränkten interokklusalen Platzverhältnisse erahnen.

Das Recall wird einen ersten Hinweis darauf geben, ob der Zahn langfristig erhalten werden kann.

 

Instrumentenfraktur (3b)

von Ostidald Wucker

An dieser Stelle hatten wir den Fall vorgestellt.
Die Situation war klar und es gab die in der Umfrage gestellten Behandlungsoptionen.

Diese haben wir mit dem Patienten besprochen. Er wollte die Entfernung des Fragmentes  ohne chirurgischen Eingriff.

Die Spitze des Fragmentes war fixiert, das Fragment war nicht verklemmt oder eingeschraubt. Eine geringe, nach lateral gerichtete Krafteinwirkung wird

WS8.013das Fragment lockern und nach koronal transportieren. Sollte dies nicht gelingen wäre die chirurgische Intervention notwendig. Der Patient war mit der Behandlungsplanung einverstanden. Die Gefahr, daß das Instrument beim Entfernungsversuch nach periapikal gelangt haben wir bei dem vorgestellten Entfernungsversuch als wenig wahrscheinlich angesehen.

Die Fragmententfernung gelang, wie geplant. Die Desinfektion des Kanalsystems erfolgte mit ultraschall- und schallunterstützter Natriumhypochloritspülung.

Die Lage des Fragmentes im DVT ließ und den Verdacht einer früheren Kanaltransportation mit Perforation vermuten. Das eigentliche apikale Foramen konnten wir nicht einsehen. Wir haben uns entschlossen die Perforation und den apikalen Verschluss im mesialen Kanalsystem mit ProRoot MTA durchzuführen.

Anbei die klinischen Bilder und Röntgenbilder.

 

Unterkiefer-Prämolar mit Perforation

Von Bonald Decker

Hier ein in meinen Augen interessanter Fall, der uns seit einiger Zeit begleitet hat.

Kurz zu den Hintergründen: Aufgrund von klinischen und radiologischen Befunden wurde bei diesem 76-jährigen Patienten alio loco die (berechtigte) Notwendigkeit einer endodontischen Intervention an Zahn 35 im Sinne der Zahnerhaltung gestellt.

UK - Prämolar mit Perforation.001

Leider kam es in einer sehr frühen Phase der Therapie zu einer Behandlungskomplikation im Sinne einer Perforation. Daher wurde der Patient an uns verwiesen.

UK - Prämolar mit Perforation.002

Bei der Erstvorstellung im April 2014 präsentierte sich die Situation als klinisch unauffällig. Nachdem mit dem Patienten die verschiedenen Behandlungsoptionen besprochen wurden entschied sich dieser zur Fortführung der endodontischen Therapie. Im ersten Termin sollte dann eine intrakoronale Diagnostik darüber Aufschluss geben, ob weitere therapeutische Maßnahmen im Sinne der Zahnerhalt erfolgsversprechend wären.

Leider kam es aus persönlichen Gründen des Patienten erst gut 4 (!) Monate später zu einer Behandlung bei uns. Zu diesem Zeitpunkt imponierte nun ein zwischen 33 und 34 gelegenes Fistelmaul. Zur näheren Klärung der Ursache fertigten wir ein Röntgenbild mit Guttaperchastift im Fistelgang an. Dieses verdeutlichte abermals, dass die alleinige klinische Position der Fistel (ggf.) wenig über den Ursprung der Ursache aussagt.

UK - Prämolar mit Perforation.003

Intrakoronal stellte sich die Situation des Zahnes 35 wie folgt dar:

UK - Prämolar mit Perforation.004Klinisch und radiologisch kamen wir zu dem Urteil, dass es sich um eine (knapp) intraalveolär gelegene Perforation handelte. Aus diesem Grund wurde diese nach eingehender Desinfektion mit MTA (Fa.Angelus) abgedeckt. Eine darüber geschichtete Kompositfüllung sollte ferner verhindern, dass der (mühevoll) platzierte Verschluss während der weiteren Therapie wieder (versehentlich) verletzt wird.

Das weiter distal gelegene Kanalsystem konnte in der weiteren Folge recht schnell aufgefunden und chemo-mechanisch gereinigt werden. Die dann angefertigte Masterpointaufnahme kontrollierte den MTA Verschluss sowie die bestimmte Arbeitslänge inklusive Passung des Guttapercha-Meisterstiftes (ISO 35).

UK - Prämolar mit Perforation.005Gut drei Wochen später stellte sich der Patient nun gestern zum Abschluss der Behandlung erneut vor. Bei Beschwerdefreiheit und geschlossener Fistel (nach Ca(OH)2-Einlage) erfolgte daher der Verschluss des Kanalsystems mittels warm vertikal verdichteter Guttapercha und Sealer. Die Zugangskavität wurde mittels intrakanalär verankerter Kompositrestauration versorgt.

Es scheint als wäre es gelungen der komplexen (apikalen) Anatomie dieses Zahnes gerecht geworden zu sein.

UK - Prämolar mit Perforation.006

Zukünftige („langfristige“) Kontrollen müssen die Nachhaltigkeit der Behandlung dieses kompromittierten Zahnes jedoch erst noch belegen…

UK - Prämolar mit Perforation.007

 

Instrumentenfrakturen (2)

von Ostidald Wucker

Fragmente können an den verschiedensten Bereichen lokalisiert sein. In dem hier vorliegenden Fall war ein DVT notwendig um die Lage zu bestimmen und möglichst substanzschonend die Entfernung des Fragmentes zu erreichen.

Das Fragment befand sich in diesem Fall im zweiten mesiobukkalen Kanal. Der mesiobukkal erste Kanal war nicht dargestellt und instrumentiert, da die Zugangskavität den Kanaleingang nicht erfasste. Zusätzlich ließ sich noch ein dritter mesiobukkaler Kanal finden.

 

Erster Tag nach der Sommerpause

Von Bonald Decker

Montag war unser erster Behandlungstag nach der WURZELSPITZE Sommerpause.

Es ging gleich wieder ordentlich „rund“ bei uns und es war eine Menge geboten:

– Revisionsbehandlung bei wiederauftretenden Beschwerden trotz multipler Vorbehandungen

Zahn 16: Wiederauftretende Beschwerden bei Zustand nach alio loco durchgeführter Wurzelkanalbehandlung und nachfolgender Wurzelspitzenresektion inkl. retrogradem Verschluss bukkal mittels Amalgam

Zahn 16: Wiederauftretende Beschwerden bei Zustand nach alio loco durchgeführter Wurzelkanalbehandlung und nachfolgender Wurzelspitzenresektion inkl. retrogradem Verschluss bukkal mittels Amalgam; apikale Parodontitis mesio-bukkal; Karies 25 distal, 26 mesial

– Beratung hinsichtlich möglicher Erhaltungswürdigkeit eines bereits endodontisch behandelten Zahnes 37 mit rekurrierenden Beschwerden

Zahn 37: Zustand nach zweimaliger endodontischer Behandlung (zuletzt vor 2,5a) und wiederauftretenden Schmerzen

Zahn 37: Zustand nach zweimaliger endodontischer Behandlung (zuletzt vor 2,5a) und wiederauftretenden Schmerzen

– Kanalsuche und Präparation von vier Kanalsystemen bei massiver Obliteration

Ausgangssituation: Zustand nach alio loco begonnener Behandlung mit Abbruch der Therapie bei mangelnder Darstellbarkeit aller Kanalsysteme

Ausgangssituation: Zustand nach alio loco begonnener Behandlung mit Abbruch der Therapie bei mangelnder Darstellbarkeit aller Kanalsysteme

Dokumentation der Orifiziendarstellung disto-bukkal

Dokumentation der Orifiziendarstellung disto-bukkal

– Therapie einer iatrogenen Perforation bei Trepanationsversuch

Ausgangssituation Zahn 36: Zustand nach Pulpakammerbodenperforation während der Suche nach "fehlendem" mesio-lingualem Kanalsystem;zusätzliche insuffiziente Restauration distal

Radiologische Ausgangssituation Zahn 36: Zustand nach Pulpakammerbodenperforation während der Suche nach „fehlendem“ mesio-lingualem Kanalsystem; insuffiziente Restauration distal

– Weiterbehandlung zweier Überweiser nach alio loco begonnenen endodontischen Behandlungen (Zahn 45 bzw. 16 und 17)

Zahn 45: Zustand nach alio loco begonnener Behandlung und persistierenden Beschwerden;radiologisch imponiert eine insuffiziente Restauration distal mit Sekundärkaries sowie apikal verbrachtes Ca(OH)2

Ausgangssituation Zahn 45: Zustand nach alio loco begonnener Behandlung und persistierenden Beschwerden;radiologisch imponiert eine insuffiziente Restauration distal mit Sekundärkaries sowie ungewollt extraradikulär verbrachtes Ca(OH)2; Karies 46 distal

 

Ausgangssituation Zähne 16 und 17 mit pulpitischen Beschwerden nach Kariesexkavation&Aufbaufüllung sowie nachfolgender Hohlkehl-Präparation

Ausgangssituation Zähne 16 und 17: Pulpitische Beschwerden nach Kariesexkavation&Aufbaufüllungen mit nachfolgenden Hohlkehl-Präparationen

– Schmerzbehandlung bei irreversibler Pulpitis

Ausgangssituation Zahn 26: Pulpapenetrierende Sekundärkaries distal

Ausgangssituation Zahn 26: Pulpapenetrierende Sekundärkaries distal

Obgleich es ein anstrengender erster Tag war fällt unser Fazit „trotzdem“ positiv aus:

9. fol.009

 

Navigierte Fragmententfernung – das Recall

von Ronald Wecker

Das erfolgreiche Recall ist der stille Beifall für den endodontisch Tätigen.

Und je umfangreicher die bewältigten Probleme waren, umso zufriedener das Lächeln beim Betrachten des Röntgenbildes.

Bereits im März 2014 wurde hier ausführlich berichtet. Nun das Fast-6-Monats-Recall.

Es scheint zu werden. Bei gleichzeitigem Fehlen klinischer Symptomatik zeigt das 2D-Bild bereits deutliche Zeichen einer voranschreitenden Heilung.

27E.013

Instrumentenfrakturen (1)

von Ostidald Wucker

Die Patientin kam mit Beschwerden zu uns. Der Hauszahnarzt informierte uns und die Patientin über eine Instrumentenfraktur in der vorangegangenen Behandlung.  Instrumentenfrakturen gehören zu den Risiken, die man bei einer Wurzelbehandlung eingehen muss. Sie sind nicht 100% auszuschließen. Mit verschiedensten Möglichkeiten kann man diese allerdings so gering wie möglich halten. Dazu gehören zum Beispiel:

  • die Benutzung spezieller drehmomentgesteuerter Motoren,
  • die Einmalverwendung von Wurzelkanalinstrumenten,
  • der sofortige Austausch von maschienell rotierenden Instrumenten mit Formveränderungen nach dem Einsatz im Wurzelkanal und
  • die Krümmungen der Instrumente im Wurzelkanal durch eine optimale Zugangsgestaltung so gering wie möglich zu halten.

Trotz aller Vorsicht kann es zu Frakturen der grazilen Instrumente kommen. Mitunter wird das Problem verschwiegen und der Patient nicht dahingehend aufgeklärt. Das kann zu Problemen führen. Der Patient sollte informiert werden und mit ihm zusammen nach Lösungswegen gesucht werden. Frakturierte Instrumente lassen sich oftmals entfernen oder passieren. Passieren heißt, man kann an dem Instrumentenrest vorbei den Kanal erschließen und desinfizieren.
Diese Therapievarianten gehören in die Hand des routinierten Behandlers, der dies regelmäßig erfolgreich bewältigt.

Zurück zum Fall. Hier gelang die Entfernung der Fragmente und die anschließende Aufbereitung und Versorgung des Zahnes. Nach dem 3 Monatsrecall war bereits eine Heilung der apikalen Region zu erkennen.

Schlüsselloch-Endodontie – reloaded (II)

Von Bonald Decker

 

Letzte Woche haben wir Ihnen den ersten Teil dieser Berichtreihe hier vorgestellt.

Hier nun also die weiteren Bilder der Behandlung…

Abschluss_Schlüsselloch-Endodontie reloaded Kopie.001

Recall nach Frontzahntrauma

von Ronald Wecker

Vor fast einem Jahr wurde die Initialbehandlung des nachfolgenden Behandlungsfalles hier beschrieben.

Neben der endodontischen Behandlung des avulsierten 11 musste auch Zahn 12 drei Wochen nach dem Trauma aufgrund einer Pulpanekrose endodontisch versorgt werden.

11 Monate nach dem Trauma stellt sich die Situation wie folgt dar:

Die Zähne 22, 21 und13, sowie alle Unterkieferfrontzähne reagieren positiv, nicht reizüberdauernd und rasch auf einen Kältereiz. Klinisch weist 11 bereits seit 4 Wochen nach dem Trauma einen ankylotischen, metallischen Klopfschall auf.

Die periapikale Situation an den Zähnen 11 und 12 erscheint im DVT unauffällig, wohingegen das 2D-Bild Raum für Spekulationen lässt (apikale Resorption an 12 ?, fortschreitende knöcherne Ersatzresorption an Zahn 11?).

Ob die Ersatzresorption transienten Charakter hat werden die nachfolgenden Kontrollen ergeben.

Ein UK Prämolar

von Ostidald Wucker

Eine Brücke sollte erneuert werden. Der HZA hat die Behandlung begonnen und kam nicht weiter. Der Patientin wurden zwei Möglichkeiten zur Behandlungsfortführung angeboten. Sie konnte zwischen WSR (Wurzelspitzenresektion) und endodontischer Behandlung bei uns wählen. Der WSR Termin war bereits ausgemacht. Trotzdem wollte sie noch uns als Zweitmeinung hören.

Wir waren optimistisch den Fall besser ohne chirurgische Intervention lösen zu können. Spannend war die Darstellung der Aufzweigung. Dank des angefertigten DVT konnte dies dann auch reibungslos erfolgen. Ohne dieser Röntgeninformationen wären Kanalstrukturen sehr wahrscheinlich unentdeckt und damit unbehandelt geblieben.
Die Aufbereitung gelang in diesem Fall mit Profile (15.04, 20.02 – 35.04) und Mtwo (15.05 ) und unter  SAF-Einsatz.

 

Ausgedehnte apikale Lyse

von Ronald Wecker

In nachfolgend dargestellten Behandlungsfall lautete meine erste Empfehlung nach eingehender klinischer und radiologischer Diagnostik wie folgt:

Entfernung Zahn 37 mit anschliessender implantologischen Versorgung und orthograde Revision Zahn 36. Mit ein Grund dafür war, dass die Situation so bereits seit 3 Jahren bestanden haben soll und ich die Möglichkeit einer extraradikulären Infektion an 37 als deutlich erhöht eingeschätzt hatte. Der einzige klinische Pluspunkt war das Fehlen von erhöhten Sondierungstiefen. Ansonsten hatte der 37 alle Merkmale eines Zahnes, der die Erfolgsstatistik in den Keller ziehen wird.

Dass ich dennoch die endodontische Behandlung „gewagt“ hatte war im Umstand begründet, dass für den Patienten eine Zahnentfernung mit der Gefahr einer bis zur implantologischen Versorgung andauernden Arbeitsunfähigkeit einhergegangen wäre:

Er ist Mitglied eines bekannten Symphonieorchesters und spielt ein Blasinstrument, bei dem Ansatz und Druckaufbau nur mit vollständiger Zahnreihe möglich ist.

Die Behandlung erfolgte für jeden der beiden Zähne zweizeitig. In beiden Fällen war die bestehende Kompositrestauration massiv undicht. In beiden Zähnen war das Pulpakammerdach nicht entfernt worden; die Obturationsmassen waren deutlich kontaminiert. Zudem wies 37 einen fast bis apikal hinab reichenden Isthmus auf, der mittels vorgebogener Endosonore-Feilen „instrumentiert“ werden konnte. Genügend Gründe also für die deutliche apikale Aufhellung.

Das während der Liegedauer der medikamentösen Einlage aus 37 ausgetretene CaOH2 schmälert die radiologische Ästhetik ein wenig. Angesichts des bisherigen Heilungsverlaufs, bin ich aber zuversichtlich, dass der Patient damit gut leben kann.

Ich jedenfalls bin mit dem bisherigen Ergebnis sehr zufrieden und hoffe, den weiteren Verlauf verfolgen zu können.

 

 

 

Einbahnstraße WSR (2)

von Ostidald Wucker

An dieser Stelle haben wir bereits über den Fall berichtet.
Nach intensiver Beratung mit dem Patienten haben wir uns für den Erhaltungsversuch entschieden. Ein weiterer chirurgischer Eingriff war unerwünscht. Die Situation war in Anbetracht der Ausgangssituation mit dem Trauma und der angegebenen Therapie nicht optimal. Trotzdem sollte der Versuch zum Erhalt beider Frontzähne durchgeführt werden.

Die Entfernung des Wurzelfüllmaterials gelang an beiden Zähnen, das retrograde Verschlussmaterial konnte nach Teilung nahezu vollständig entfernt werden.

Das apikale Neoforamen am Zahn 22 war umfänglich nur schwer zu ermitteln.
(A tactile method for canal length determination in teeth with open apices
A. ElAyouti, E. Dima & C. Loest
Department of Conservative Dentistry and Endodontology, University of Tübingen
International Endodontic Journal, 42, 1090–1095, 2009)

Ohne ein orthograd eingebrachtes Kollagenwiderlager war der Verschluss mit MTA nicht möglich. Den Gegendruck des Widerlagers haben wir genutzt um das MTA apikal etwas überdimensioniert zu platzieren. Davon versprachen wir uns einen dichten Verschluss des Neoforamens.

Anbei klinische Bilder und Röntgenbilder des Falles.

 

 

 

Instrumentenentfernung bei einem UK-Frontzahn (I)

von Bonald Decker

Endodontische Behandlungen unterer Frontzähnen zählen bei uns eher zu den Ausnahmen. Gleichwohl sind diese gerne für gewisse „Überraschungen“ gut. So wie hier in der Vergangenheit beschreiben.

Nachfolgend unserer jüngster Fall. Bei der 71-jährigen Patientin wurde alio loco eine endodontische Behandlung aufgrund einer akuten apikalen Parodontitis eingeleitet. Leider kam es in einer frühen Phase der Behandlung zu Komplikationen. Das Röntgenbild zeigt das Fragment einer Hedström-Feile sowie ein zweites weiter koronal gelegenes dünnes Instrument unklarer Art.

Unterkiefer-Frontzahn mit zwei Intrumentenfragmenten

Unterkiefer-Frontzahn mit zwei Intrumentenfragmenten

Nach eingehender Aufklärung der Patientin über die verschiedenen Behandlungsoptionen entschieden wir uns für den Versuch der Fragmententfernung mit nachfolgender chemo-mechanischer Reinigung der Kanalsysteme. Anhand der radiologisch erkennbaren Lage des „großen“ Fragmentes (nicht mittige Position in der Wurzel) ging ich im Vorfeld von zwei Kanalsystemen aus. Sollte es sich ferner um konfluierende Systeme handeln könnte dies einen positiven Einfluss auf die Entfernbarkeit des Fragmentes haben, da somit mehr Präparations-Spielraum bei der Freilegung gegeben wäre.

Intraoral wurde schnell klar, dass zunächst die Zugangskavität in bukko-oraler Richtung modifiziert werden musste:

Zugangskavität

Zugangskavität:unzureichende Dimensionierung bei suboptimaler Position

Nach dieser Modifikation konnte das erste kleine Fragment bereits kurze Zeit später entfernt werden.

Erstes Fragment nach Entfernung

Erstes Fragment nach Entfernung

Die weitere intrakoronale bzw. intrakanaläre Inspektion bestätigte das Vorhandensein eines zweiten (lingual gelegenen) Kanalsystems.

Micro-Opener in lingualem Kanaleingang

Micro-Opener in lingualem Kanaleingang

Nach weiterer Darstellung und initialer lingualer Instrumentation wurde von uns eine Messaufnahme angefertigt. Diese lässt eine Konfluation der beiden Kanalsysteme vermuten.

Messaufnahme nach Darstellung des lingualen Kanalsystems;radiologisch besteht der Verdacht einer Konfluation der Kanalsysteme

Messaufnahme nach Darstellung des lingualen Kanalsystems;radiologisch besteht der Verdacht einer Konfluation der Kanalsysteme

Nach vollständiger Instrumentation des lingualen Kanals (CAVE ! :Erhöhte Vorsicht zur Vermeidung einer weiteren Instrumentenfraktur durch bukkal gelegenes Fragment, welches mit lingual eingesetzten Aufbereitungsinstrumenten „konkurrieren“ kann!) gelang es in der weiteren Folge auch das Feilenfragment zu lockern und zu entfernen.

Entferntes Fragment einer Hedström-Feile (ISO 025)

Entferntes Fragment einer Hedström-Feile (ISO 025)

Im zweiten Teil des Beitrages stellen wir Ihnen die weitere Behandlungsabfolge und den Therapieabschluss vor…

Was ist das (3)

von Ostidald Wucker

Über den Fall haben wir bereits hier und hier  berichtet.
Dank der 3 dimensionalen Röntgendarstellung fand die Behandlung geplant und ohne unerwartete Überraschungen statt. Was uns nicht ganz gelang war das DVT optimal für eine möglichst substanzschonenede Zugangsgestaltung anzuwenden.
Auf Grund der Krümmung des Zahnes opferten wir etwas mehr Substanz als geplant. Neben dem Isthmus mussten wir etwas an der mesialen Wurzelkanalwand mit Ultraschall präparieren um das apikale Neoforamen einsehen zu können.

Die Fistel verschwand nach der ersten Sitzung.

Die Therapie haben wir versucht in den Bildern darzustellen.

Licht und Schatten …

von Ronald Wecker

… liegen auch in der Endodontie oftmals dicht beieinander.

Einen Teil der zu erwartenden Schwierigkeiten lässt bereits der intensive Blick auf das präoperative Röntgenbild vermute. Der in der distalen Wurzel zu erkennende Kanalhohlraum „verschwindet“ im apikalen Drittel. MB und ML konfluieren im Beginn des unteren Wurzeldrittels.

Klinisch erschien der distale Kanal bis weit nach apikal stark schlitzförmig und erst nach Austasten mit einer stark nach distal vorgebogenen Handfeile der Größe ISO 008 konnte die Durchgängigkeit des Kanalsystems endometrisch verifiziert werden. Die maschinelle Aufbereitung wurde mit vorgebogenen Hyflex-Instrumenten durchgeführt. Umso größer war das Erstaunen, als die Masterpointaufnahme einen nach mesial abweichenden Guttaperchastift erkennen liess.

Neben dem Licht des Füllens der distalen Kanalanatomie lag der Schatten dieses Behandlungsfalles in der Aufbereitung des MB.

Das Orifizium des ML war problemlos aufzufinden und der Kanal bis nach apikal aufzubereiten. Ganz anders der MB. Die im Mikroskop zu erkennende Kanaleingangsstruktur entpuppte sich nach initialer Erweiterung endometrisch als lupenreine Via falsa. Erst nach Einschalten des Behandlergehirns wurde die an der bukkalen Wand befindliche Kompositrestauration wahrgenommen, die als Ursache für eine entsprechende Obliteration des Pulpahohlraums angesehen werden kann. Nach Extension der Zugangskavität nach bukkal und Entfernung von Tertiärdentin mittels Munce-Instrumenten konnte der sehr kleine Kanaleingang relativ weit unter Pulpakammerbodenniveau freigelegt werden.

Die Obturation der Via falsa erfolgte mit einem individuell angeformten Guttaperchastift. D und MB wurden in Squirtingtechnik, ML in modifizierter Schilder-Technik gefüllt.

Revitalisierungstherapie – Recall – Reloaded

Von Bonald Decker

Anbei unser jüngster Recall-Fall nach Revitalisierungstherapie…

mit einem ähnlichen Ergebnis wie in diesem Beitrag 2012.

Revitalisierungstherapie – Recall - Reload.001

Revitalisierungstherapie – Recall – Reload.001

Neben der Remission der apikalen Aufhellung scheint es zusätzlich noch zu einer geringfügigen Dickenzunahme des apikalen Wurzelbereichs gekommen zu sein. Ferner fällt auf, dass sich auch bei dem „gesunden“ Zahn 21 in den 6 Monaten keine signifikante Zunahme des Wurzelwachstums verzeichnen lässt. Unter anderem aus diesem Grund haben wir uns gemeinsam mit Patient und Eltern auf eine abwartende Haltung geeinigt…

ich berichte über das weitere Procedere.

 

Apikale Aufhellung Zahn 12

von Donald Becker

BL12-6Die 23 jährige Patientin war von ihrer Hauszahnärztin wegen eines therapieresistenten Zahnes 12 überwiesen worden.
Die Patientin verspürte seit etwa 4 Wochen eine Druckempfindlichkeit im Bereich der rechten Nasenwurzel. Die Palpation der Wurzelspitze des Zahnes 12 ergab vestibulär eine Druckdolenz bei vorhandener mehr als linsengroßer derber weicher Schwellung.

Der Zapfenzahn 12, dunkel verfärbt, intrakanalär mit einer medikamentösen Einlage und einem Wattepellet sowie einer Kompositdeckfüllung versehen, war im Verlauf der nunmehr schon 8 Monate andauernden Behandlung immer wieder symptomatisch geworden. Und die im Röntgenbild sichtbare ausgeprägte apikale Aufhellung hatte sich in dieser Zeit nicht verkleinert – im Gegenteil. Mittlerweile schien es sogar möglich, das der Zahn 11 ebenfalls betroffen sein könnte.

Sollte der Zahn 12 entfernt werden ?
Wurzelspitzenreseziert werden ?
Oder würde ein weiterer rein konservativer Behandlungsversuch noch Sinn machen ?

Die eher ängstliche und schmerzempfindliche Patientin , wie auch ihre sie begleitende Mutter waren skeptisch.
Aber wenn es eine Möglichkeit gäbe, die WSR zu vermeiden, dann wäre Ihnen das doch lieber.

Was folgte, war eine ganze Reihe von Behandlungssitzungen über das in unserer Praxis in solchen Fällen übliche Maß von 3 Behandlungsterminen hinaus. Die Behandlung per se war nicht sonderlich schwierig, allerdings gab der Zahn zunächst nach Erstsitzung am 23.08.2013 nicht vollständig Ruhe. Am 26. 08. suchte die Patientin wegen einer diffusen Beschwerdeproblematik erneut die Praxis auf. Die Inspektion ergab einen sauberen Wurzelkanal ohne unangenehmen Geruch, ohne Sekret im Kanal.

In der nächsten regulären Sitzung am 21.10.2013 zeigte sich vestibulär eine 2 mm große weiche und druckdolente Weichteilauftreibung. Am 24.10. wurde zusätzlich zur konservativen endodontischen Therapie eine Inzision vorgenommen, bei der sich kein Pus,  lediglich ein rosafarbenes Sekret entleerte. Auch im Kanal fand sich kein Eiter oder auch nur ein anderes irgendwie geartetes eitriges Entzündungszeichen.  Auf Grund der zwar unterschwelligen, jedoch noch immer nicht vollständig verschwundenen Beschwerdeproblematik wurde vorgeschlagen, die medikamentöse CaOH2 – Zwischeneinlage für 12 Wochen zu belassen, BL12-1um dann, nach Röntgenverlaufskontrolle zu entscheiden, ob der Zahn mit der WF rein konservativ behandelt werden kann oder ob gegebenfalls darüber hinausgehende Maßnahmen notwendig seien.

BL12-1-3Besagte radiologische Verlaufskontrolle am 12.02. 2014 ergab eine im Röntgenbild sichtbare Heilungstendenz. Da der noch immer skeptischen Patientin jedoch bei der Größe des ehemaligen vorhandenen Defektes nicht zugesichert werden konnte, dass diese Tendenz sicher zur vollständigen Ausheilung führen würde, wurde mit der Patientin vereinbart, für weitere 16 Wochen mit applizierter medikamentöser Einlage der Ausheilung zuzuwarten.

BL12-1-4Am 16.06. 2014 konnte im Röntgenbild eine fast vollständige Knochenregeneration nachgewiesen werden. Die Behandlung wurde daher mit der Wurzelkanalfüllung abgeschlossen.

Was tun?

von Ronald Wecker

3 Jahre nach Wurzelspitzenresektion stellte sich die Patientin mit folgender Situation vor.

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Seither rezidivierende Aufbissbeschwerden. Klinisch zeigt sich 36 mässig achsial und lateral perkussionsempfindlich. Im Bereich der medialen Wurzel besteht zudem eine palpatorische Druckdolenz.

Die Krone an 37 ist erneuerungsbedürftig, die Lücke 35 soll implantologisch versorgt werden.

Welche Therapieempfehlungen kommen in Frage?

Bitte um Zahnerhalt (2)

von Ostidald Wucker

An dieser Stelle haben wir erstmals von diesem Fall berichtet.
Wir haben uns für das Anfertigen eines DVT in Beratung und Entscheidungseinbeziehung mit dem Patienten entschieden. Auf diesem ist erkennbar, daß distoapikal und mesioapikal eine besonders enge Beziehung zum Mandibularkanal besteht.
Die Literatur findet man folgende Situationen:
„Liftner et al.6 führten an 46 Mandibeln eine röntge- nologische Untersuchung zum Verlauf des Canalis mandibularis durch. Dieser verlief bei den zweiten Molaren fast immer bukkal, bei den ersten Molaren in der Hälfte der Fälle lingual der Apizes.“*

„Denio et al. untersuchten anhand von 22 Humanmandibeln die Lage des Mandibularkanals. Sie stell-ten dabei in einem Drittel der Fälle einen S-förmigen Verlauf des Nervkanals fest. Dieser verlief zunächst unterhalb der Weisheitszahnapizes und setzte sich dann bukkal der zweiten Molaren, lingual der ersten Molaren und direkt unterhalb der zweiten Prämolaren fort.“*

Die apikalen Foramen in distalen Wurzeln unterer Moralen finden wir häufig apikal-distal, mit unter rechtwinklig abknickend und dadurch schwer zu instrumentieren. Eine mögliche geringe Sealerüberpressung (Puff) wird wahrscheinlich nicht in den Bereich des Manidibularkanals gelangen. Im mesialen Kanalsystem muss man mit dieser Situation eher rechnen.
Wenn man mal die Literatur betrachtet scheint die häufigste Ursache für eine Nervschädigung die Sealerüberpressung zu sein.
(*, **. Endodontie 8 (1999), Nr. 4, Seite 323
Schädigung des Nervus alveolaris inferiordurch überfülltes Wurzelkanalfüllmaterial
Teeuwen, R. )

Die Möglichkeit die Behandlung etwas weniger „apexnahe“ zu beenden kam für uns nicht in Betracht da es sich um eine infizierte Pulpanekrose handelte.
( Endodontie 10 (2001), Nr. 1,  Seite 9-18,  Überlegungen zum apikalen Endpunkt der Wurzelkanalbehandlung,  Wu, Min-Kai/Wesselink, Paul R. )
In nekrotischen Fällen setzen wir möglichst immer die SAF ein um ein Einpressen von Debris und Smearlayer möglichst gering zu halten.
Die Behandlung selbst zeigte kein außergewöhnlichen Besonderheiten. Das distale Wurzelkanalsystem zeigte einen ausgeprägten Isthmus und eine Verzweigung im apikalen Drittel. Die Aufbereitung erfolgte mit Mtwo- und Profile-Instrumenten. Nach der Aufbereitung bis #30 wurde die SAF mit NaOCl Spülung eingesetzt. Die apikale Aufbereitung wurde 
medial bis 35.06 durchgeführt, distal bis 35.04 und danach thermoplastisch vertikal mit Guttapercha gefüllt. Durch die geringere Taperung distal ist die Gefahr der Sealerüberpressung höher. Der apikale Kanalverlauf hat eine größere Taperung nicht zugelassen.

 

Schlüsselloch-Endodontie – reloaded

Von Bonald Decker

Erinnern Sie sich noch an unseren Bericht zur Schlüsselloch-Endodontie inklusive Abschlussbericht. Den ersten Teil hatte ich im Mai 2012 veröffentlicht.

Kaum wartet man zwei Jahre, schon treffe ich gestern auf einen sehr sehr ähnlichen Fall…:

Schlüsselloch-Endodontie reloaded -- Ausgangssituation

Schlüsselloch-Endodontie reloaded — Ausgangssituation

Bei aller Ähnlichkeit zum damaligen Fall kann ich nicht sagen, ob die selbe Person die endodontische Behandlung durchgeführt hat…was ich aber festhalten kann ist, dass sich unser Procedere nicht grossartig von dem damals Berichteten unterschieden hat:

Schlüsselloch-Endodontie reloaded -- klinische Situation

Schlüsselloch-Endodontie reloaded — klinische Situation

Im zweiten Teil dieses Beitrages stellen wir dann demnächst wieder die Röntgenbilder der Therapie vor…

 

Konfluierende Kanäle

von Ronald Wecker

Bei der Aufbereitung und der Obturation konfluierender Kanalsysteme kann die Frage, welches Kanalsystem zuerst erweitert oder gefüllt werden soll, einen entscheidenden Einfluss auf das Behandlungsergebnis haben.

In vorliegendem Fall waren die Kanäle MB und P durch den überweisenden Kollegen bereits initial aufbereitet und mit einer medikamentösen Einlage versehen worden. Das distobukkale Kanalsystem war im oberen Drittel erweitert worden.

Nach Wiedereröffnen der Zugangskavität und initialer Irrigation wurde zunächst das noch wenig bearbeitete distobukkale Kanalsystem erweitert, da davon auszugehen war hier apikal noch nicht erschlossene Kanalanteile anzutreffen. Unter endometrischer Kontrolle wurde DB bis zu einem apikalen Querschnitt von 0,25 mm erweitert. Das anschliessende ultraschallunterstützte Spülen liess erkennen, dass MB und DB eine Kommunikation aufwiesen.

Um zu beurteilen, ob eine Konfluation vorliegt und in welchem Winkel die beiden Kanäle aufeinandertreffen, wurde eine Guttaperchaspitze in den DB eingebracht und aus MB eine NiTi-Instrument der Dimension 20/06 per Hand soweit eingebracht, bis ein weicher Widerstand zu spüren war.

Nach Entfernen von Instrument und Guttaperchaspitze konnte an der Einkerbung der Guttaperchaspitze die Art und Weise des Aufeinandertreffens „abgelesen“ werden. Eine in MB eingebrachte Papierspitze liess über den Blick in DB den weiteren Verlauf von MB erahnen.

Daraufhin wurde das weitere Vorgehen angepasst. Während die Messaufnahme noch mit einem Instrument in DB auf Arbeitslänge und in MB bis zur Konfluation angefertigt wurde, wurde nun zunächst der gemeinsame Kanalanteil von MB aus final aufbereitet, da die Krümmung aus MB kommend weniger abrupt verlief. Die Masterpointaufnahme mit einer Guttaperchaspitze in MB auf Arbeitslänge und einer Guttaperchspitze in DB bis zur Konfluation zeigt den räumlichen Zusammenhang beider Kanalsysteme.

In der Folge wurden MB und P in warmer vertikaler Kompaktion (modifizierte Schildertechnik) und der DB in Squirting-Technik obturiert. Dabei erfolgte nach Einbringen von Sealer und Guttapercha in MB zuerst das Obturieren des DB um auch den Konfluationsbereich vollständig füllen zu können.

Wie definiert man einen „Gleitpfad “ in der Endodontie ?

von Hans – Willi Herrmann

Gleitpfad-1„Maschinelle Gleitpfad- Feilen“ sind in aller Munde.
Soll heißen, es wird immer häufiger unter Endointeressierten darüber gesprochen.

Macht man sich die Mühe, einmal ein wenig genauer über den Ausdruck selbst und das, was diese Instrumente im Wurzelkanal an Aufbereitungsarbeit verrichten, nachzudenken, wird schnell offenbar, das die Namensgebung für die verwendeten Instrumente unpräzise und widersprüchlich gewählt ist.

Nachdenklich sollte auch machen, dass, obwohl viel darüber geredet wird, eigentlich niemand genau stande pede eine Definition des Begriffs „Gleitpfad“ geben kann. Auf meine Frage an diejenigen, die den zwischenzeitlich schon zur Mode gewordenen Begriff „Gleitpfad“ im Gespräch verwenden, wie denn bitte schön ein solcher „Gleitpfad“ zu definieren sei, habe ich bis heute nur in den seltensten Fällen eine adäquate Antwort bekommen.

Nachfolgend also eine/meine Definition des Begriffs Gleitpfad:

Ein „Gleitpfad“ ist demnach…
… der Zustand eines Wurzelkanals, der es ermöglicht, ein vollrotierendes Nickel- Titan- Instrument ohne Fraktur, Stufenbildung oder Verblockung  auf Arbeitslänge zu bringen.

Solch ein Gleitpfad kann von Natur aus existieren oder er muss manuell präpariert werden.“

Hans- Willi Herrmann

 

Gleitpfad-1-2Was bewirken nun „maschinelle Gleitpfad“- Instrumente ?

Ihre Verwendung soll den gefahrlosen Einsatz nachfolgend zu benutzender größerer vollrotierender Nickel – Titan – Instrumente ermöglichen.

Genaugenommen sicherstellen, dass diese  Instrumente nicht frakturieren.

Denn darum geht es hauptsächlich (oder eigentlich sogar ausschließlich), da dürfen wir uns nichts vormachen.

Ein wenig schizophren ist das schon, dass wir die im apikalen Bereich frakturierte (und wenn auch noch so kleine) Instrumentenspitze als Behandlungsfehler anprangern (was sie nicht sein muss), ein verblockter Wurzelkanal jedoch weitestgehend in der zahnärztlichen Öffentlichkeit und darüber hinaus erst recht unbeachtet bleibt.
Aber das ist eine andere Baustelle, zurück zum frakturierten Instrument.

Legt man die oben genannte Definition des Gleitpfades als Basis weiterer Ausführungen zugrunde, wird klar, dass ein „Gleitpfad – Instrument“ immer dann gefahrlos den Weg nach apikal findet, wenn der Wurzelkanal als solcher dies zulässt.

Der Erfolg eines Gleitpfad – Instrumentes ist also nicht die Folge der Erschaffung eines solchen, sondern vielmehr lediglich das Resultat und defacto der Beweis der Existenz eines bereits vorab vorhandenen Gleitpfades per se.

Denn- auch Gleitpfad- Instrumente können frakturieren.
Grundsätzlich kennen wir Torsionsbrüche und Ermüdungsbrüche. Letztere sind auf Grund der hohen Flexibiliät der Gleitpfad- Instrumente zu vernachlässigen. Wenn demnach ein Instrumentenbruch auftaucht, dann können wir hier von einem Torsionsbruch ausgehen. Die Spitze des Instrumentes klemmt sich irgendwo ein, der Aufbereitungsmotor, dessen niedrigster  Drehmomentgrenzwert viel zu hoch ist für die äußerst fragile Insturmentenspitze ist, dreht weiter, in Sekundenbruchteilen frakturiert das Instrument.

Warum ich das schreibe ?
Nennen sie es das Wort zum Pfingstmontag.

Maschinelle Gleitpfadinstrumente sind kein Allheilmittel.
Und folgt man unreflektiert ihrem Namen und den Versprechungen der Hersteller so lässt man sich ein auf eine vermeintliche, eine  falsche Sicherheit, die das Instrument im Zweifelsfalle nicht liefern kann.

Wer also meint, auf Handinstrumente zur initialen Erschließung von Wurzelkanälen verzichten zu können, geht zwangsläufig ein höheres Risiko ein, Instrumente zu frakturieren. Punkt. Mag sein, dass der Einsatz eines Gleitpfadinstrumentes das Risiko des Bruchs eines konventionellen Nickel- Titan – Instrumentes verringert.  Und in der Hand eines Erfahrenen mag das Bruchrisiko so oder so gering sein. Aber das war es bislang auch schon. Diese Zielgruppe wusste vorher schon, wie im Einzelfalle, einfach oder schwierig, zu verfahren sei.

Problematisch hingegen erscheint mir der Trend, diese „maschinellen Gleitpfad – Instrumente“ (sie merken im Übrigen, das mir nicht nur der Begriff „maschineller Gleitpfad“ sondern auch der Terminus Gleitpfad- Feile fast schon körperliche Schmerzen bereitet, denn das vollrotierend eingesetzte Instrument ist keine Feile, sondern ein Bohrer) Zahnärzten als besseres Hilfsmittel gegenüber Handinstrumenten zur initialen Erschließung von Wurzelkanälen anzudienen.

Gewiss, die initiale Erschließung von Wurzelkanälen ist techniksensitiv.
Aber gerade deshalb muss es das Ziel sein, den Kollegen diese Arbeitsschritte so nahezubringen, dass ein gleichermaßen sicheres wie effizientes Arbeiten möglich ist, statt ihnen ersatzweise ein vermeintliches „todsicheres“ und „kinderleichtes“ Ersatzinstrument anzudienen.

Wer weiß,  was und wie etwas im Wurzelkanal zu tun ist, für den sind solche Instrumente zur „Initialen Rotierenden Aufbereitung“ eine sinnvolle Ergänzung des Einsatzinstrumentariums.
Wer nicht über ein solches Wissen verfügt, aber glaubt, von nun an auf das kleine ABC der Wurzelkanalaufbereitung verzichten zu können, wird erneut frustran scheitern.

Uuups!

von Ronald Wecker

Eigentlich verlief die Behandlung dieses 36 sehr vorhersehbar. Nach initialer Kanaldarstellung konnte der zwischen MB und ML bis nach apikal verlaufende Isthmus mittels vorgebogener Endosonore-Feile bis zur Konfluation aufbereitet werden.

Auch der in D befindliche Dentikel konnte mittels Ultraschall „zerlegt“ und anschliessend herausgespült werden. Alles ging seinen geplanten Gang. Bis beim letzten ultraschallunterstützten Spülen vor der Messufnahme etwas feines Silbriges meinen Blick kreuzte.

Die Inspektion unter dem Mikroskop ließ ein im Pulpakavum kurz über dem Pulpakammerboden schwimmendes sehr feines Instrumentenfragment erkennen.

Der Versuch das kleine Stück abzusaugen endete damit, dass das Fragment dem fallenden Flüssigkeitspegel in den distalen Kanal folgte. Um ein Instrumenten-Ping-Pong von D nach MB/ML zu verhindern wurde daraufhin erst einmal das mesiale Orifizium mit Schaumstoff abgedeckt.

Anschliessend wurde der distale Kanal erneut durchgespült und so landete das kleine Instrumentenfragment glücklicherweise wieder am Pulpakammerboden. Um ein erneutes Abtauchen zu vermeiden, wurde ein Schaumstoffpellet so klein gezupft, dass es ohne im Fragment zu verfangen, in den distalen Kanal eingebracht werden konnte. Nun konnte das kleine Teil nach Absaugen der Flüssigkeit mit dem Microopener an den Rand der Zugangskavität bewegt und daraufhin entfernt werden.

Die nach erfolgreicher Entfernung durchgeführte Kontrolle aller eingesetzten Aufbereitungsinstrumente konnte keinen „Längenverlust“ nachweisen, sodass dieses kleine Stück eines Reamers ISO 008 oder 010 wohl aus der Notfallbehandlung stammen musste.

Nach warmer vertikaler Kompaktion erfolgte der dentinadhäsive Verschluss der Zugangskavität.

 

Bitte um Zahnerhalt

von Ostidald Wucher

Der Patient hatte bereits einige Zähne verloren. Bedingt war dies durch eigenes Verschulden, so sagte er es uns und deshalb wollte er jetzt alles tun um die restlichen Zähne zu erhalten. Er nahm eine längere Anreise zu uns gern in Kauf.
Der Hauszahnarzt hatte ihn zu uns überwiesen mit der Bitte um Zahnerhalt 36. Auf Grund der  engen Lagebeziehung zum Mandibularkanal und den darin liegenden Strukturen sollten wir die Behandlung fortführen. Zudem gelang es nicht den Zahn für längere Zeit zu verschließen ohne das erneute Beschwerden entstanden.

Im ersten Termin stellte sich folgender Befund dar:
Keine Lockerungsgrade, erhöhte Sondierungstiefen von 4-5mm zirkulär, Perkussionsschmerz vertikal und horizontal, Karies.
Diagnose: infizierte Pulpanekrose

 

Zum „Abschuss“ freigegeben

Von Bonald Decker

Eine 39-jährige promovierte Juristin und ihr endodontisches „Problem“ wurde uns von einem MKG-Chirurgen überwiesen. Dieser hatte ursprünglich von der Hauszahnärztin der Patientin den „Auftrag“ erhalten an den Zähnen 36 und 46 eine Wurzelspitzenresektion nach „erfolglos durchgeführter“ endodontischer Therapie durchzuführen. Bei Betrachtung der Röntgenbilder war er jedoch der Meinung, dass diese gewünschte Therapieoption wenig (bis gar nicht) erfolgsversprechend sein würde.

Zum Abschuss freigegeben.001

Zum Abschuss freigegeben – Präoperative Situation

Nach Erläuterung der Vor- und Nachteile einer nicht-chirurgischen Revisionsbehandlung war es nicht schwer die Patientin von den „Vorzügen“ dieser Option zu überzeugen.

So führten wir diese in der weiteren Folge durch.

Zum Abschuss freigegeben Postoperative Situation

Zum Abschuss freigegeben – Postoperative Situation

Vor Kurzem stellte sich die Patientin zum Recall nach 6 Monaten wieder bei uns vor. Wie ich finde mit erfreulichen Ergebnissen. Und nicht nur ich bin dieser Meinung. Insbesondere die Patientin ist mehr als glücklich mit dem Verlauf. Schliesslich waren die beiden Zähne ihrer Aussage nach bereits zum „Abschuss“ freigegeben…

Zum Abschuss freigegeben- Recall nach 6 Monaten

Zum Abschuss freigegeben- Recall nach 6 Monaten

Nun ist die prothetische Neuversorgung geplant.

Geht´s auch ohne DVT – Die Fortsetzung

 von Donald Becker

Im letzte Woche hier vorgestellten Patientenfall zeigte das angefertigte DVT eine ausgeprägte interne Resorption in der palatinalen Wurzel. Die knöcherne Begrenzung zur Kieferhöhle im Bereich der palatinalen Wurzel war aufgelöst.

Beides zusammen könnte unangenehme Folgen haben im Rahmen der Wurzelkanalbehandlung. Klinisch war die Resorption nicht auszumachen, denn auch ein OP -Mikroskop vermag nicht, bildlich gesprochen, die Ausdehnung einer Höhle auszumachen, die sich hinter dem schmalen Höhleneingang verbirgt.

Die Behandlung verlief problemlos, die Patientin war nach der ersten Behandlung schmerzfrei und ist es bis heute geblieben. Der apikale Part des palatinalen Kanals (Durchmesser > 1 mm) wurde mit MTA gedeckt, der Resorptionsdefekt mit erwärmter Guttapercha in Squirt- Technik.

Anbei Röntgenbilder der Behandlung und eine erste Röntgenkontrolle 7 Monate post WF. Der im Röntgenbild (Zustand nach MTA – Applikation) sichtbare Materialüberschuss ist im Übrigen zum größten Teil kein MTA, sondern Calciumhydroxid.

Wie wäre es ohne DVT?

von Ronald Wecker

Die Besonderheit in diesem Behandlungsfall liegt in der systematischen Grunderkrankung in Form einer ektodermalen Dysplasie. Die dentalen Auswirkungen bestehen in einer Hypodontie, verzögertem Zahndurchbruch sowie dysplastischen Zähnen. Der Schmelz ist teilweise nur sehr dünn oder fehlt völlig. Häufig kommt es daher schon recht früh zu kariösen Defekten die eine endodontische Intervention notwendig werden lassen.

Das OPG (hier ein Ausschnitt) zeigt den Zahn 36 nach initialer Karietherapie.

Die Wurzel erscheinen wenig gespreizt. Erst das DVT lässt die endodontische Herausforderung erkennen: Ein c-förmiges Kanalsystem aus welchem im mittleren Wurzeldrittel eine Radix entomolaris nach distolingual abzweigt. Der weiterhin als „C“ nach apikal verlaufende bukkale Wurzelanteil gabelt sich zudem ca. 3 mm vor dem Foramen erneut in 2 Kanalanteile auf, um  schliesslich in einem gemeinsamen Foramen zu münden.

Über den weiteren Therapieverlauf wird an dieser Stelle berichtet werden.

 

Thunderstruck

Von Bonald Decker

Das auch eine vermeintlich „einfache“ Behandlung ihren Reiz haben kann zeigte mir diese Woche der nachfolgende Fall:

Es handelte sich um einen einwurzligen unteren Prämolaren mit einem Wurzelkanalsystem, bei dem eine ehemals pulpapenetrierende Karies ursächlich für eine irreversible Pulpitits war.

Ausgangssituation-Aufnahme alio loco

Ausgangssituation-Aufnahme alio loco

Auch während der Behandlung imponierte der Fall nicht durch irgendwelche Besonderheiten.

Masterpoint-Röntgenaufnahme

Masterpoint-Röntgenaufnahme

Erst die Abschlussaufnahme liess mich „frohlocken“. Schliesslich ist es mit „lateraler Anatomie“ wie mit Sternen. Obgleich man weiss, dass sie da sind, sieht man sie nicht immer (bzw. sind wir leider nicht immer in der Lage sie darzustellen)

Abschluss-Röntgenbild nach warm-vertikal verdichteter Wurzelkanalfüllung mit Guttapercha&2Seal

Abschluss-Röntgenbild nach warm-vertikal verdichteter Guttapercha & 2Seal

Beim Anblick der Abschluss-Röntgenaufnahme musste ich spontan an eines meiner Lieblingslieder denken.

Geht´s auch ohne DVT ?

von Donald Becker

In der letzten Zeit kommt es jetzt dann doch immer mal wieder vor, dass Patienten zur endodontischen Behandlung DVT´s mitbringen, die aktuell gemacht wurden. Diese zeichneten sich fast ausnahmslos dadurch aus, dass sie zu einer aussagekräftigen Beurteilung der Behandlungssituation nicht geeignet waren, dafür aber, gewissermaßen „kompensatorisch“,  das gesamte Gebiss umfassten.  Pauschale Verunglimpfung einer neuen Technologie mit der Totschlagkeule „medizinisch nicht notwendig“, wie es die PKVen gegenwärtig tun, ist sicherlich nicht der richtige Weg, aber besagte mir  vorliegende Ergebnisse (und nur auf diese bezieht sich meine nachfolgende Aussage) kann ich nur als „sinnfreie Verstrahlung“ des Patienten bezeichnen. Und warum man diese dann nicht wenigsten auf das kleinstmögliche field of view beschränkt, ist für mich ebenfalls nicht nachvollziehbar.

Oder doch ?
Wie sagte der Kollege, den ich im Rahmen des DGET – Curriculums bei seiner Falldarstellung eines endodontisch zu behandelnden Zahnes 45 fragte, warum das angefertigte (nicht aussagekräftige) DVT nicht auf den kleinstmöglichen Bereich beschränkt wurde. „Ich hatte Angst, dass der benötigte Kieferbereich nicht auf dem DVT zu sehen sei.“  Man merke – Nicht nur die DVT – Qualität per se, sondern auch die Möglichkeiten der „Zielvisierung“ haben einen in der Praxis nicht unerheblichen Einfluss auf das Endresultat.

Es tut mir in der Seele weh, wenn ich solche DVT´s in Händen halte.

Dabei gäbe es eine Reihe von klinischen Situationen, in denen ein DVT in der Endodontie einen mehr als deutlichen und hochwillkommenen Erkenntnisgewinn bringen könnte.

Anbei ein Röntgenbild eines Zahnes 27.

Die heute 48 jährige Patientin hatte 2011 ihren Hauszahnarzt wegen starker Beschwerden im linken OK -Seitenzahnbereich aufgesucht. Nach Eingliederung einer Aufbisschiene verschwanden die Schmerzen, tauchten dann 2013 wieder auf. Es folgte die endodontische Behandlung an Zahn 27 mit Pusentleerung bei Trepanation, daraufhin Antibiotikagabe. Der Zahn wurde aber in der Folgezeit nicht schmerzfrei, weshalb die Patientin dann auf Überweisung des Hauszahnarztes im Oktober 2013 unsere Praxis zur Weiterbehandlung des Zahnes 27 aufsuchte.

Das in der Untersuchungssitzung erstellte Röntgenbild habe ich hier eingefügt.

KC27-1

Die Frage (liebe Leser, nutzen Sie bitte ausgiebig die Kommentarfunktion): Welche verborgenen Schwierigkeit(en) lauert/lauern in diesem Zahn ?

 

 

 

Unerwartetes

von Ronald Wecker

Bereits das initiale Instrumentieren dieses 26 lies erahnen, dass die Kanäle deutliche, zum Teil multiplanare Krümmungen aufzuweisen hatten.  MB2 zeigte sich umaufbereitet, in MB1 war unmittelbar nach Beginn der Krümmung eine deutlich Stufe zu überwinden.

Nachdem die Zugangskavität nach mesial in die vorhandene Kompositrestauraion hinein extendiert wurde, gelang es die noch jenseits der Krümmung befindliche Guttapercha mit einer vorgebogenen Endosonore-Feile zu entfernen. Anschliessend konnte mit der bewährten ProFile-Sequenz (15/04, 20/04 und 15/06) das stark eingeengte MB1-Kanalsystem instrumentiert werden. Allerdings war ein Einführen von Istrumenten größer als 25/06 nicht möglich.

Bei der Inspektion des palatinalen Kanalsystems fiel zu Beginn der Behandlung eine kleine, nach mesial gerichtete Finne auf, die sich im weiteren Verlauf als tiefe, an dieser Stelle für mich unerwartete Aufgabelung herausstellte. Nach Einsatz vorgebogener Handinstrumente und vorgebogener Hyflex-Feilen liess sich diese Aufgabelung unter endometrischer Kontrolle bis zum physiologischen Foramen aufbereiten.

Die hier dargestellte Aufgablung ist Ansporn genug um auch in Zukunft kleinsten Hinweisen auf zusätzliche Anatomie nachzugehen.

Schmerzpatient (2)

von Ostidald Wucker.

bereits hier haben wir über den Fall geschrieben.

Der Patient war nach der ersten Sitzung vollständig beschwerdefrei.

Nach der Instrumentenentfernung, Aufbereitung und Spülung mit NaOCL (PUI) und Zitronensäure haben wir das vergrößerte apikale Foramen mit ProRoot MTA (Dentsply) verschlossen. Zuvor erfolgte der in der ersten Sitzung auf Grund von Zeitmangel nicht gemachte präendodontischen Aufbau des Zahnes. Die Wurzelfüllung erfolgte in mittels modifizierter thermischer Obturation nach Schilder. Der schichtweise adhäsive Verschluss mit Composite und Glasfaserstift bildete den Abschluss der Behandlung.

Hier nun die weitere Bilder als „selbstsprechende“ Galerie.

WS2

 

R3 R6