Was also tun? – Teil II – „Auflösung“

von Bonald Decker

Vor einiger Zeit hatten wir hier gefragt, wie Sie den gezeigten Fall therapeutisch angehen würden.

Vielen Dank an dieser Stelle für die Kommentare und Therapievorschläge von Dr. Susanne Kirchem und Dr. Guido Vorwerk.

Nachfolgend möchte ich unser Procedere erläutern:

Als Ursache für den Entzündungsprozess im Frontzahnbereich des 1. Quadranten hatten wir primär Zahn 12 verantwortlich gemacht und unser weiteres Vorgehen darauf ausgerichtet. Unsere Diagnose lautete:

Zahn 12:

  • Pulpal: Pulpanekrose
  • Periapikal: apikale Parodontitis
  • Weiteres: Zustand nach Frontzahntrauma (wohl Subluxation) mit nachfolgender Abszessbildung bei nicht abgeschlossenem Wurzelwachstum

Nach eingehender Aufklärung der Eltern und des Patienten über die verschiedenen Therapieoptionen fiel die gemeinsame Entscheidung zu Gunsten eines Revitalisierungsversuches bei Zahn 12 aus.  Ferner wurde die Entfernung des Zahnes 53 (bei vorhandener negativer Sensibilität) vorgesehen.

Unser klinisches Vorgehen der Revitalisierung haben wir in der Vergangenheit u.a. hier bzw. hier bereits beschrieben.

Die nachfolgenden Abbildungen verdeutlichen die Situation direkt nach Behandlungsabschluss:

Und so stellte sich das Ganze in der radiologischen Nachkontrolle durch den Hauszahnarzt ein Jahr später dar:

Ein (für uns) erfreuliches wie erstaunliches Comeback. Insbesondere, wenn man die Ausgangssituation und die 1-Jahres-Kontrolle gegenüberstellt:

 Wir sind auf zukünftige Nachkontrollen sehr gespannt, die dann hoffentlich die Nachhaltigkeit der Therapie untermauern werden…

Oster-„Ei“

von Bonald Decker

Geschickt wurde uns der Patient, weil seinem Hauszahnarzt die Kombination aus großer apikaler Aufhellung und unvollendetem Wurzelwachstum nicht „geheuer“ war.

Einige Tage vor Erstvorstellung bei uns hatte der junge Patient (16 Jahre) eine submuköse Schwellung Regio 12 entwickelt, die sich durch die Trepanation des Zahnes 12 drainieren liess und so schnell rückläufig war. Ferner wurde dem Patienten ein Antibiotikum verschrieben.

Bei der Erstvorstellung in unserer Praxis einige Tage nach Behandlungsbeginn war keine Schwellung mehr ersichtlich. Über den offenen Zahn entleerte sich (weiterhin) geringe Mengen Sekret.

Röntgenologisch zeigte sich folgendes Bild:

Die weitere Untersuchung ergab, dass auch Zahn 11 devital war und eine apikale Parodontitis aufwies. Ferner imponierte ein diskretes Fistelmaul mesio-palatinal (!). Die Zähne 13 und 14 reagierten bei der Sensibilitätsprobe positiv. Anamnestisch lag im Alter von ca. 11 Jahren ein Frontzahntrauma in der entsprechenden Region vor (wahrscheinlich komplizierte Kronenfrakturen).

Folgende erste Therapieschritte wurden von uns nach eingehender Darlegung aller Optionen durchgeführt.

Therapie:
Anästhesie, Gruppen-Kofferdam-Applikation; Trepanation Zahn 11 und Modifikation der Zugangskavität Zahn 12, Ultraschallaktivierte Spülung mit NaOCl, EDTA und CHX, medikamentöse Einlage (CaOH2) nach Trocknung der Kanalsysteme und fehlender Sekretion, provisorischer Verschluss (Cavit&Ketac molar) der Zugangskavitäten.

Leider entwickelte sich bereits einige Tage danach erneut eine Schwellung in Regio 12. Daraufhin wurde Zahn 12 erneut eröffnet und bei fortlaufender Sekretentleerung nicht wieder verschlossen.

Ein Schritt, der bei uns zur absoluten Ausnahme zählt…

Um ein besseres Bild von der tatsächlichen Ausdehnung des Entzündungsprozesses zu haben wurde daraufhin eine DVT-Aufnahme der Region angefertigt.

Schnell scheint (uns) bei der Betrachtung der Bilder klar, dass eine alleinige nicht-chirurgische orthograde Behandlung wenig (bis gar nicht) erfolgsversprechend sein wird.

Daher ist jetzt ein kombiniertes Vorgehen aus „chirurgischer“ Dekompression (wie z.B. hier nachzulesen) und anschließender endodontischer Behandlung geplant. Eine mögliche Penetration des Nasenbodens durch die große Osteolyse hätte diesen Behandlungsplan übrigens (wohl) zunichte gemacht.

Die weiteren Nachuntersuchungen müssen dann zeigen, ob dieser eingeschlagene „konservative“ Weg den gewünschten Erfolg zeigen wird.

Eines scheint aber klar… alle anderen Behandlungsoptionen (z.B. Zystektomie) bedeuten weitreichende und gravierende Konsequenzen für den jungen Patienten.

2D vs. 3D (XIII)

von Ronald Wecker

Das es sich in vorliegendem Fall um eine Invagination handelt wird bereits beim Betrachten des digitalen Einzelbildes klar.

Seit ca. 4 Wochen bemerkt die Patientin eine vestibuläre Druckdolenz. Die apikale Aufhellung lässt auf eine Pulpanekrose schließen.

Die Sensibilitätsprüfung der Zähne 22 bis 11 war …. POSITIV! Ausser einer geringen palpatorischen Druckdolenz zeigten sich keine weiteren klinischen Symptome.

Das angefertigte DVT zeigt einmal wieder die wahre Ausdehnung der knöchernen Destruktion. Es gibt allerdings auch für die Therapie wichtige Hinweise.

Die Invagination ist mesiopalatinal gelegen und reicht, schmelzausgekleidet, bis über das mittlere Wurzeldrittel hinaus. Im DVT deutlich zu erkennen ist eine kleine, an der distalen Wand der Invagination gelegene, Abzweigung, die in der nierenförmigen Einziehung der Wurzelspitze von 22 endet.

Eine Vitalerhaltung der Pulpa des weiter bukkal gelegenen Hauptkanals wird angestrebt.

Ordentliches „Loch“ – Teil II

von Bonald Decker

vor Kurzem hatten wir hier den ersten Teil unseres Fallberichtes veröffentlicht.

So ging`s weiter…

Nach erfolgter Revision, MTA-Perforationsdeckung und chemo-mechanischer Reinigung des Kanalsystems in der ersten Sitzung folgte im zweiten Termin (bei vorhandener Beschwerdefreiheit) der Abschluss der Behandlung.

Zunächst die Kontrolle des MTA auf vollständige Aushärtung:

Anschliessend erfolgte die Wurzelkanalfüllung und die postendodontische Kompositrestauration…

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Wir sind gespannt, wie sich der Zahn zukünftig „bewähren“ wird und hoffen auf einen WURZELSPITZE-Recallbeitrag zu diesem (für uns nicht alltäglichen) Fall

:-)

Licht und ein wenig Schatten

von Ronald Wecker

Die junge Patientin stellte sich erstmals 10 Monate nach einem an Zahn 21 erlittenen Frontzahntrauma vor. Ausser einer unkomplizierten Kronenfraktur, die bereits alio loco mittels Komposit versorgt worden war, zeigte der Zahn eine geringe vestibuläre Druckdolenz und war achsial und lateral perkussionsempfindlich.

Zwei Monate vor der Erstvorstellung hatten starke Beschwerden eingesetzt, woraufhin in der Praxis des Hauszahnarztes nach Trepanation des Zahnes eine Einlage mit CaOH2 und der temporäre Verschluss mit Glasionomerzement erfolgte.

Das präoperativ angefertigte digitale Einzelbild zeigt neben einer apikalen Aufhellung ein im Vergleich zum alio loco angefertigten Bild unmittelbar nach Trauma kein weiteres  Voranschreiten des Wurzelwachstums.

Aufgrund des weit offenen Foramens wurde trotz der bereits erfolgten Applikation von CaOH2 der Versuch einer regenerativen Therapie unternommen.

CaOh2 soll nach den bisher zur Verfügung stehenden Erkenntnissen negative Auswirkungen auf die in der apikalen Papille befindlichen Stammzellen (SCAP) haben. In der ersten Behandlungssitzung zeigte sich nach initialer Irrigation jedoch apikal ein deutlicher „Gewebestumpf“. Da ein Stillstehen des weiteren Wurzelwachstums im jetzigen Stadium die mechanische Prognose des Zahnes langfristig deutlich kompromittieren würde, wurde der Behandlungsplan einer Apexifikation mit MTA nach kurzer Abstimmung mit den Eltern intraoperativ zugunsten einer möglichen Apexogenesis abgeändert.

Nach Entfernung der CaOH2-Reste und intensiver ultraschallunterstützter Irrigation mit NaOCl wurde eine antibiotische Paste, bestehend aus Ciprofloxacin und Metronidazol eingebracht und der Zahn dentinadhäsiv verschlossen.

10 Tage später war der Zahn klinisch vollkommen symptomlos. Nach Spülung mit EDTA und Entfernung der antibiotischen Einlage wurde mit einem Microopener eine Blutung aus der apikalen Papille induziert. Da die Anästhesie bei diesem Vorgehen in der zweiten Sitzung mit adrenalinfreiem Anästhetikum erfolgt, war das Kanallumen bald mit dem aufsteigendem Blut gefüllt.  Bis hier hin schien alles optimal zu verlaufen.

Um die Applikation des MTA zu erleichtern, wurde eine dünne Kollagenabdeckung zugeschnitten und auf das Koagulum platziert. Nach kurzer Zeit war das Kollagen mit Blut durchtränkt. Und jetzt wurde es schattig.

Offensichtlich war das Koagulum noch nicht stabil genug, denn das nach der Erstellung der MTA Abdeckung angefertigte Röntgenbild zeigte eine deutliche, nahezu zylindrische Extrusion des MTA -Plugs in das Koagulum.

4 Monate nach Abschluss der Behandlung war der Zahn weiterhin beschwerdefrei. Ein Voranschreiten des Wurzelwachstums konnte radiologisch nicht beobachtet werden.

Der Schatten schien das anfängliche Licht zu verdrängen.

Heute nun das Recall 14 Monate nach Behandlung. Zur großen Freude des Verfassers zeigte der Zahn neben einem normalen Klopfschall und fehlenden klinischen Symptomen ein deutlich vorangeschrittenes Wurzellängen- und Wurzeldickenwachstum.

Über die weitere Entwicklung wird an dieser Stelle berichtet werden.

Was also tun? – Teil I –

Bonald Decker

Der nachfolgende Fall wurde uns vor einiger Zeit zur weiteren Ursachenabklärung und möglichen Therapie überwiesen. Laut des zuweisenden Kollegen (sowie des ca. 11-jährigen Patienten und Eltern) stellte sich die Situation (anamnestisch) wie folgt dar:

“                                                                                                                                             

  • Z.n. Trauma beim Fußballspielen vor mehreren Wochen; danach habe sich Zahn 12 einige Tage “wie Gummi” angefühlt
  • Aktuell jetzt Taschenabszess Regio 12 mit Sondierungstiefe bis zum „Anschlag“.
  • Radiologisch ausgedehnte Osteolyse zwischen 12 und 53
  • Der Abszess wurde gestern und heute über die Tasche mit CHX gespült, daraufhin war die Schwellung rückläufig. 
  • Der Patient  nimmt seit gestern Isocillin Saft.

Folgende Befunde und Therapievorschläge merkte der Zuweiser an:

  • „Im Zahnfilm meine ich eine Querfraktur an 12 zu erkennen
  • Im OPT sieht Zahn 53 frakturiert aus
  • Vielleicht erst mal 53 raus machen und abwarten? Wäre natürlich besser, wenn dieser die Ursache wäre, aber die buccale Knochenwand über dem 12 ist vollständig aufgelöst….
Hier die Röntgenaufnahmen der entsprechenden Situation:

Klinisch ergab die Erstuntersuchung der Region bei uns als „Besonderheiten“ einzig negative Sensibilitätstests an den Zähnen 53 und 12. Alle anderen Befunde waren zum Untersuchungszeitpunkt unauffällig…

Was also tun?

Wie lautet die Diagnose und wie sehe Ihre Therapie aus ?

Nichts gesagt ist genug gelobt… (Saving hopeless teeth XXV)

von Bostidald Wucker

Nach oben genanntem Spruch läuft das tägliche Arbeitswerk sehr oft ab. Selbst ertappt man sich  dabei, daß über gut gelaufene Behandlungen des Team kaum lobend gesprochen wird. Uns fällt es oftmals schwer ein Lob auszusprechen. Dabei ist die ehrliche Anerkennung des Geleisteten ist genauso wirksam.
Da reicht ein anerkennender Blick oder wie uns passiert einige nette Zeilen in einer Email, wie diese hier:

Sehr geehrter Wucker,

Frau XXXX hat sich am XX.02.12 bei uns zur Kontrolluntersuchung vorgestellt. Wir haben Zahn 36 zur Nachkontrolle geröntgt und sind mit dem Behandlungsergebnis sehr zufrieden. Hiermit übersenden wir Ihnen den Zahnfilm 36.

Mit freundlichen Grüssen

Dr.  YYY

36 Recall Dr. YYYY

36 WF mit MTA

36 Röntgenaufnahmen

Saving hopeless teeth (XVIV)

von Bostidald Wucker

Die Patientin stellte sich erstmals mit akuten Beschwerden an einem rechten oberen Molaren in unserer Praxis vor. Im Beratungsgespräch ergab sich nachfolgend diese Anamnese der beiden ersten unteren Molaren.

36 und 46 wurden vor einigen Jahren behandelt und wahrscheinlich 2007 resiziert. Zur jährlichen Kontrolle 2008 und 2009 wurde jeweils ein Orthopanthomogramm  angefertigt.

Röntgenbefund: Z.n. WSR mit apikaler Aufhellung in Form einer P. apicalis

Klinischer Befund:
36 und 46 zeigen eine aktive Fistel mit chronischer Schwellung und vestibulärer Druckdolenz auf Palpation.  Die Sondierungstiefen sind auf Grund einer chronischen Gingivitis gleichmäßig erhöht. Lockerungsgrade konnten nicht festgestellt werden.

Therapie und Prognose:
Die Patientin hat nach mehreren endodontischen Behandlungen auf den  unbedingten Erhaltungsversuch wert gelegt. Unsere Prognose war sehr verhalten, besser gesagt wir bewerteten diese mit kritisch.

Nach Anästhesie, Kronen- und Kariesentfernung, sowei mpräendodobtischem Aufbau erfolgte die Darstellung und Revision des Wurzelkanalsystems. Die Aufbereitung der Wurzelkanäle erolgte mit Mtwo bis 60.04 und weiterer Ultraschallpräparation. Eine Ca(OH)2 Einlage erfolgte anschließend.
Die Wurzelfüllung gelang mit Pro Root MTA weiss ( Dentsply). Die Kronenversorgung wurde begonnen.

Zum 6 Monats-Recall zeigten sich beide Zähne symptomfrei mit einer erkennbaren Heilungstendenz.

Ordentliches „Loch“ – Teil I

von Bonald Decker

Beim ersten Blick auf das nachfolgende Röntgenbild stelle sich mir sofort die Frage, warum das WF-Material nur bis in das mittlere Wurzeldrittel reicht…

gilt ein Oberkiefer-Frontzahn doch langläufig als endodontisch (vermeintlich) einfach zu behandelnder Zahn…

auf des „Rätsels Lösung“ kam ich erst, nachdem wir das bestehende WF-Material entfernt hatten…bei der damals (vor ca. 9 Jahren) durchgeführten Trepanation des Zahnes wurde das tatsächliche Wurzelkanalsystem „verpasst“ und bei der „Kanalsuche“ ein tiefreichender iatrogener „Schacht“ präpariert. Da dieser quasi parallel zu dem eigentlichen Kanalverlauf  angelegt wurde, stellte sich das 2D-Röntgenbild für mich trügerisch dar…

Hier noch ein paar weitere Informationen zu dem Fall sowie der bisher durchgeführten & geplanten Behandlung….

Anamnese:

Z.n. „Wurzelkanalbehandlung vor ca. 9 Jahren; damalige Diagnose nicht mehr nachvollziehbar; bis vor ca. 7 Tagen schmerzfrei; dann Schmerzen und submuköse Schwellung; Notfallbehandlung und Medikation (Antibiotika-Gabe) durch überweisenden Kollegen;

Röntgendiagnostik: insuffiziente Wurzelkanalfüllung; apikale Aufhellung

Befund (fokussiert auch Zahn 21):

Taschen-Sondierungstiefen: normal

Lockerungsgrad II

geringfügige vestibuläre Schwellung

Perkussion positiv

Unsere Therapie: Anästhesie, Trepanation, Revision, Darstellung des Kanalsystems, endometrische Längenmessung (unproblematisch, da Perforation weiter apikal lag), Präparation bis apikalen Durchmesser von 60.04; med. Einlage Ca(OH)2,Perforationsdeckung mit MTA Angelus, prov. Verschluss (Cavit & Ketac Molar)

Weiteres Procedere: Kontrolle des MTA auf Aushärtung; WF des Kanalsystems mit Guttapercha & Sealer, Verschluss der Zugangskavität mit Komposit; Nachkontrolle in 6 Monaten

Vorläufige Prognose: Gut; die Perforation liegt sehr weit apikal, was sich als günstig erweisen sollte

Teil II der Behandlung dann demnächst hier bei Wurzelspitze…

P.S: Dokumentation: Zeiss Pro Ergo mit Canon Legria am JS Adapter

Saving hopeless teeth XV – Teil I

von Bodald Necker

Der Patient wurde schon einmal zu uns wegen einer Wurzelbehandlung überwiesen. Das zweite Mal kam er selbständig, ohne Überweisung, so wie diesmal auch.
Nur diesmal war der Zahn etwas mehr „mitgenommen“.
Der 26 war schon (insuffizient) wurzelbehandelt, hatte massive Karies von buccal, mesiobuccal und distal unter der Krone.

Das Röntgenbild zeigte noch einen zementierten Metallstift im palatinalen Kanal und eine mesiobuccale Wurzel ohne umgebenden Knochen.

In Anbetracht des röntgenologischen und klinischen Befundes, der „bakteriellen Hemisektion“, wie es ein netter Kollege so schön nannte, habe ich dem Patienten Extraktion ans Herz gelegt.
Er hat das sehr gut verstanden, hat es aber nicht gelten lassen. Weder Implantat, noch Brücke waren eine Option. Eine Erfolgswahrscheinlichkeit von 5 – 10% waren ihm vollkommen ausreichend, um die Behandlung ohne weitere Überlegung zu beginnen.

Also gut, Kostenvoranschlag mit einigen Tagen Bedenkzeit und Termin vereinbart.

Geplantes Vorgehen:

  • Krone entfernen
  • Stiftaufbau entfernen
  • Karies entfernen
  • „Restzahn“ adhäsiv rekonstruieren
  • Entfernung der alten Wurzelfüllung
  • weitere Aufbereitung und Desinfektion
  • med
  • nochmalige Desinfektion
  • Wurzelfüllung
  • adhäsier Verschluss
  • abwarten/provisorische Krone

Nach der Krone wurde der konfektionierte, zementierte SSA entfernt. Der Zement und die Karies wurden mit überlangen Rosenbohrern entfernt, wo es ging, danach wurden der Stift und die Zementreste mittels Ultraschall (Schlumbohm Endopilot mit Copilot, NSK US Spitze E5) gelockert und entfernt.

Im Anschluss erfolgte eine ausgiebige Kariesexcavation

Der „Restzahn“ war noch stabil, d.h. die Karies hat die mesio-buccale Wurzel noch nicht abgetrennt – was für mich eine Indikation zum Behandlungsabbruch gewesen wäre. Also wurde jetzt adhäsiv „geflickt“.
Zuerst habe ich die alte WF der buccalen Wurzel teilweise ausgebohrt, um  Guttaperchastifte mit 06er Taper einbringen zu können, die als Lumen der Wurzelkanäle freihalten sollen. So konnte um die GP herum die Wurzel rekonstruiert werden.

Als Adhäsiv wurde das One-Bottle System G-Bond von GC verwendet. Syntac Classic wäre wahrscheinlich die bessere Alternative gewesen, ich wollte aber jede unnötige Blutung der Gingiva durch Phosphorsäure vermeiden. Die Rekonstruktion erfolgte mit Gradia-Flow von GC.
Wichtig war es, nach jedem gelegtem und gehärtetem Inkrement die GP-Sifte durch ein kurzes Herauszuziehen vom Kompost zu lösen, um ein Verbacken zu verhindern.

Nachdem der buccale Anteil des Zahnes rekonstruiert wurde, war der Rest dran. Der restliche Aufbau erfolgte dem buccalen Anteil.

Da der Patient vor der Behandlung keine Schmerzen hatte, wurde auf eine sofortige Entfernung der alten WF verzichtet und auf die nächste Sitzung verschoben. Der Verschluss des Zahnes erfolgte mit Cavit.

Weiter beim nächsten Mal.

Das nenn` ich mal ne Aufhellung…

von Bonald Decker

an diesem oberen seitlichen Schneidezahn. Vergesellschaftet war diese mit einer ausgeprägten submukösen Schwellung. Die Schmerzbehandlung erfolgte bei dem überweisenden Kollegen; die weitere Therapie in zwei Terminen dann bei uns…

Auch wenn neun Monate postoperativ noch keine vollständige Remission zu verzeichnen ist, kann man von einer bisher erstaunlichen Heilungs“tendenz“ sprechen.

Oder nicht?

P.S.: Natürlich nur in „2D“…

;-))))))))))))))

hopeless teeth…

von Ostidald Wucker

Und nun mal wieder einer dieser (scheinbar*) hoffnungslosen Zähne.

Der Patient wurde uns überwiesen mit der Bitte den Zahn unbedingt zu erhalten.  Es wurden bereits 2 Wurzelbehandlungen durchgeführt. Dabei wurde sehr viel Substanz geopfert. Der Zahn zeigte sich nach Füllungsentfernung wie ausgeschält. Nur unter mikroskopischer Kontrolle, ständiger Trocknung und im Zweifelsfalle anfärben der Kunststoffränder konnte die zahnfarbene Restauration entfernt werden ohne die Bifurcation zu perforieren.

Im Bereich der mesialen und distalen Kanäle zeigte sich eine massive bakterielle Besiedelung des Sealers. Dieser konnte nahezu vollständig entfernt werden indem die Isthmen mit Ultrachsll und dem Endochuck/Endosonore #25 auspräpariert wurden.

Die Behandlung wurde weiterhin durch apikale Resorptionsprozesse und einer damit verbundenen Verlagerung/Erweiterung der apikalen Foramen erschwert.

Diese Kriterien haben uns die Prognose von günstig in Richtung kritisch sehen lassen. Nach nunmehr 12 Monaten ist eine deutliche Ausheilungstendenz erkennbar. Es zeigten sich keine erhöhten Sondierungstiefen und der Zahn klinisch symptomlos.

* Das werden wir hoffentlich in einigen Jahren wissen.

2D vs. 3D (X)

von Ronald Wecker

Nachfolgender Patient stellte sich 15 Jahre nach einer traumatischen Zahnverletzung an 21 in unserer Praxis vor. Der Zahn wurde damals 10 – 14 Tage nach dem Trauma in einer Sitzung sowohl von ortho- als auch von retrograd endodontisch behandelt. Seitdem war der Zahn beschwerdefrei.

Klinisch ist der Zahn vollkommen unauffällig. Der Klopfschall ist normal, ebenso Beweglichkeit als auch Sondierungstiefen. Es fehlen Perkussionsempfindlichkeit,  palpatorische Druckdolenz, Fistelung als auch Schwellung. Es fällt lediglich eine geringfügige Diskoloration der klinischen Krone auf.

Das vor kurzem alio loco angefertigte digitale Einzelbild zeigt folgenden Befund:

Auf einer, allerdings nur analog zur Verfügung stehenden, Röntgenaufnahme aus dem Jahr 2003 zeigt sich die Wurzelfüllung von koronal nach apikal vollkommen durchgängig.

Take Our Poll

Nachfolgend 2 Ausschnitte aus dem angefertigten DVT.

Die erste Abbildung zeigt einen Sagittal- und einen Frontalschnitt durch die Mitte der Wurzelfüllung. Horizontal liegt die Schnittebene etwas oberhalb der apikal vorhandenen Obturationsmasse.

In der zweiten Abbildung befindet der Sagitall-Schnitt distal und der Frontal-Schnitt distal der Wurzelfüllung. Der Horizontal-Schnitt liegt unverändert.

Take Our Poll

Saving hopeless teeth (XVIII) Apikale Aufhellung (23) – Update

von Bonald Decker

Hier ein aktuelles Update unseres Beitrags – Saving hopeless teeth (XVIII)- Apikale Aufhellung, den wir initial im August 2010 hier vorgestellt haben.

Mittlerweile sind gut 2 1/2 Jahre seit Behandlungsbeginn vergangen und die von mir ausgesprochene Hoffnung auf eine weitere Remission der ehemaligen massiven apikalen Parodontitis scheint nun auch den Furkationsbereich zu umfassen…

:-)

PS: Ich habe die Patientin (erneut) darin bestärkt, dass es nun wirklich so was von Zeit für eine prothetische Neuversorgung des Zahnes wird… ;-)

Der Tag im Leben eines Endo-Teams…

von Bonald Decker

eigentlich wollte ich heute einen anderen Beitrag einstellen.

Eigentlich.

Aber im Laufe des Behandlungsabends habe ich mich umentschieden und möchte kurz einen Tag im Leben eines (bzw. unseres) Endo-Teams vorstellen…

Hierzu jeweils die Eckdaten und wichtigsten Informationen zu den einzelnen Situation in Kurzform…(leider war unsere Fotodokumentationsvariante heute umzugsbedingt nicht verfügbar; daher also leider keine klinischen Fotos…)

Behandlungsbeginn 14:00 (Dienstag ist „unser langer Tag“ bis ca. 21:00 )

1. Patient: Nach erfolgter Beratung in Ersttermin über Diagnose, Therapie(optionen) und Prognose nun Behandlungsbeginn…

Lentulo-Entfernung

2. Patient: Zweiter Behandlungstermin (Diagnose: Z.n. Frontzahntrauma; jetzt apikale Parodontitis) nach initialer Trepanation und chemo-mechanischer Reinigung & med. Einlage (CaOH2)/ prov. Füllung. MTA-Plug (ohne Widerlager), Backfill mit Guttapercha / AH Plus; internes Bleaching für Beginn 2012 geplant.

 

3. Patient:

Z.n. Wurzelkanalbehandlung vor ca. 20 Jahren; Z.n. WSR vor ca. 8 Jahren, vor 2 Wochen beginnende Schwellung ausgehend von Zahn 46; Alio loco verordnete orale Antibiose; momentan Beschwerdefreiheit; Im Rahmen des Erstgesprächs Erläuterung der verschiedenen Therapien; Unsere Empfehlung: Entfernung des Zahnes 46 aufgrund von erheblicher Vorschädigung und parodontaler Situation; Patient (Orthopäde) wünscht Zahnerhalt mit allen Mitteln (da er aus eigenem Fachgebiet „Vorbehalte“ gegen Implantate hat!)

Revision bei Z.n. WSR und aktueller apikaler Parodontitis

Eine mögliche Wurzellängsfraktur bestätigte sich intraoperativ nicht. Die geschätzte Resektionswinkel mesial beträgt ca. 45 Grad (!) Die Messaufnahme zeigt die Instrumentenposition im mes-ling. Kanalsystem…

weiteres geplantes Procedere: Verschluss der Neoapices mit MTA (bei kontinuierlicher Beschwerdefreiheit) und weitere WF mit Guttapercha&Sealer sowie Glasfaserstift distal.

4. Patient:

Die „grosse“ Unbekannte…; Auf Wunsch des Vaters und der wohnlichen Situation der Patientin (im Ausland) Behandlungstermin _ohne_ „Erstkontakt“. Bei uns die _absolute_ Ausnahme! Unklarheiten über Ausgangsdiagnose (sowie Zahnart & Anzahl)…

die „Überraschung“ erfolgt nach Erhebung der Anamnese sowie der klinischen und radiologischen Befunde (daher auch eigentlich immer bei uns vorab Befundungs-/Beratungstermin).

Während die Situation von Zahn 17 auf den ersten Blick ggf. aufwändiger erscheinen mag, lag die tatsächliche heutige Herausforderung in der Gestaltung der adhäsiven Aufbaufüllung des Zahnes 15, die gefühlte 2/3 der Behandlungszeit ausmachte.

Später als gedacht war unser Behandlungstag beendet…

morgen (Mittwoch) gehts um 9.00 weiter…

:-)

mal schauen, was der morgige Endo-Tag so bringt…

 

;-)

 

PS: Danke Franzi für Ihren Einsatz :-)))))

Endstation WSR?

von Ronald Wecker

Der nachfolgend vorgestellte Behandlungsfall stellt mittlerweile keine Besonderheit mehr dar, sondern steht exemplarisch für eine zunehmend größer werdende Zahl von oberen Schneidezähnen die nach, manchmal zweimaliger, Wurzelspitzenresektion weiterhin klinische Symptome sowie radiologische Befunde zeigen.

Fragt man im Kollegenkreis so wird die endodontische Behandlung oberer Frontzähne in der Regel für eher einfach gehalten. Warum dann die zumindest in meinen Augen auffällige Häufung solcher Befunde?

Oftmals finden sich in der Weite unvollständig gefüllte Kanalsysteme in Kombination mit koronalem Leakage. In der Mehrzahl der Fälle zeigen die retrograden Verschlüsse deutliche Undichtigkeiten. Mit den zur Verfügung stehenden Techniken sind solche Zähne, die früher als hoffnungslos betrachtet wurden, relativ vorhersagbar behandeln.

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Die Zeit wird`s zeigen…

von Bonald Decker

Vor Kurzem gab es auf Wurzelspitze unterschiedliche Ansichten zu der Therapieplanung und Prognose dieser Zähne.

Nachfolgend ein Fall, der von der „Grunddiagnose“ (Z.n. Wurzelkanalbehandlung mit nachfolgender Wurzelspitzenresektion) der oben erwähnten Situation sehr ähnelt, sich aber (vermeintlich) durch den Resektionswinkel positiv unterscheidet.

Obwohl die Diagnose – apikale Parodontitis – bereits 2010 gestellt wurde, entschied sich der Patient erst kürzlich für die von uns vorgeschlagene Therapie einer Revisionsbehandlung.

Folgende Therapie wurde von uns daraufhin durchgeführt:

1. Termin: Entfernung des bestehenden WF-Materials mit eingehender Desinfektion und nachfolgender Ca(OH)2-Applikation.

2. Termin: Verschluss der Neoapices mit MTA und weitere Wurzelkanalfüllung mit Guttapercha & Sealer. Im distalen Anteil wurde zusätzlich ein resorbierbares Widerlager eingebracht, um ein „grosszügiges Auffüllen“ der apikalen Knochenlakune mit MTA zu vermeiden.

Nachfolgend ein paar Impressionen der Behandlung:

Die Zeit wird zeigen, ob unsere Therapie auch nachhaltig ist. Die Voraussetzungen sehe ich als gut an. Anders als in dem vorab erwähnten Fall…

Neue Visionen – Neue Möglichkeiten

von Christoph Kaaden

Endlich ist er „da“…

der Endodontie Kalender 2012 

Mit neuen Visionen & Möglichkeiten möchte Michael Arnold zusammen mit zahlreichen Autoren über neue Möglichkeiten in der Endodontologie auf der Basis aktueller Forschung informieren.

Dies gelingt nicht nur aufgrund der optisch ansprechenden zwölf Kalenderseiten, sondern insbesondere durch spannende und sehr versiert gelöste Behandlungsfälle eindrucksvoll.

Online zu bestellen gibt es den Kalender hier.

(Kommender) Misserfolg du Jour (2) – Update

von Bonald Decker

Obgleich wir bereits im Juni 2011 davon ausgegangen waren, dass die damals hier vorgestellte Therapie der traumatischen Zahnverletzungen des 11 jährigen Niklas letztendlich in einem Misserfolg enden würde, betrübt uns die aktuell gewonnene Gewissheit nichtsdestotrotz.

Hier die Röntgenbilder der letzten Monate…
Während Zahn 11 eine zunehmende Ersatzresorption erkennen lässt (und somit spätestens mittelfristig eine schlechte Prognose aufweist), hat sich die Situation bei Zahn 21 in den letzten drei Monaten drastisch verschlechtert.

Leider!

Folgendes Procedere ist daher nun vorgesehen:

  • Kurzfristig: Extraktion  (beider Fragmente) von Zahn 21 mit nachfolgendem Interimsersatz (im Rahmen der KfO-Behandlung)
  • Mittelfristig: Wahrscheinlich Dekoronation von Zahn 11 bei fortschreitender Ersatzresorption und zunehmender Infraoklussion

Extraktion oder Erhaltungsversuch (4)

von Bonidald Wicker
Die endodontische Versorgung verlief reibungslos, das Röntgenbild zeigt das erwartete Ergebnis. Der Patient war beschwerdefrei. Nur die parodontale Situation veränderte sich nicht. Weiterhin Taschentiefen über 10mm, weiterhin eine Taschensekretion.
Nach der bisher durchgeführten Behandlung kamen erste Zweifel auf ob der Erhaltungsversuch in der geplanten und durchgeführten Form erfolgreich sein kann.
Was war falsch gelaufen?
War unsere Diagnosestellung falsch oder haben wir in der Anamnese etwas übersehen.
Die möglichen Erklärungen für uns waren:
1. doch eine kombinierte Paro-Endo Läsion
2. oder eine echte parodontale Läsion mit sekundärere beteiligung des Endodonts
3. eventuell eine nicht erkannte Infaktur
4. und/oder zusätzlich nicht bekannte aber bestehende AllgmeinerkrankungenDie Allgemeinerkrankung konnten anamnestisch ausgeschlossen werden. Funktionelle Überbelastungen ebenso.

Wir haben unsere Erstdiagnose in Frage gestellt.

Welche wichtigen Kriterien gibt  es zur Unterscheidung der parodontalen gegenüber der endodontale Ursache für die Läsion.
endodontische Ursache parodontale Ursache
Schwellung möglich möglich
Sensibilität negativ positiv
Röntgen generalisierte parodontale Befunde  solitäere Knocheneinbrüche ( bsp.weise Furcationsbefall solitär )
Sondierung isoliert punktförmig
Lockerung möglich (Abszeß) möglich (reduziertes parodontales Ligament)
Schmerz heftig, pulpitische Schmerzen selten Schmerzen

(Quelle: Probleme in der Endodontie, Hülsmann, Schäfer)

War es ein Fehler auf die ursprünglich avisierte parodontalchirurgische Intervention zu verzichten?
Der negative Senitest, die begonnene endodontische Behandlung wiesen für uns auf eine endodontische Ursache hin. Das war ein Fehler.
Ein positiver Sensibilitätstest lässt in der Regel eine parodontale Ursache vermuten. Umgekehrt lässt das Fehlen der Sensibilität eine parodontale oder kombinierte Ursache nicht ausschließen.
Röntgenologisch:
Eine solitärer Knocheneinbruch lässt eine parodontale Ursache eher ausschließen. Hier haben wir dies an 37 und 47. Ist das solität?
Was heißt solitär?
„Einen einzeln vorliegenden Befund in der Medizin. Das Gegenteil ist multipel, also mehrfach vorhanden“. (Wikipedia)
Bei zwei Zähnen ist es nicht mehr solitär.
Die Sondierungsbefunde zeigen keinen isolierten, punktförmigen Knocheneinbruch am Zahn 47. Dies spricht für die Beteiligung eines parodontalen Geschehens.
Die Diagnose lautet:
Echte Kombinierte Läsion
Nach einem offenen Vorgehen (modifizierter Widman-Lappen – offene Curettage) und der Verwendung von Emdogain zur Regeneration des parodontalen Ligamentes konnten wir eine Reduzierung der Sondierungstiefen auf 6mm nach 6 Monaten feststellen.
Es besteht keine Taschensekretion und die röntgenlogische Kontrolle lässt hoffen.

Recall

Extraktion oder Erhaltungsversuch (3)

von Bonidald Wicker
Begonnen Haben wir die Fallvorstellung vor 14 Tagen an dieser und dieser Stelle.
Zunächst möchte ich kurz auf die im Kommentar gestellten Fragen eingehen:

„Frage/Kommentar: Warum ist ein SRP geplant, wenn doch richtigerweise erkannt worden ist, dass dieses bei korrekter Diagnose kontraindiziert ist? Ein PZR die das „P“ verdient schließt die Entfernung klinisch erreichbarer subgingivaler Beläge mit ein. Das kann doch parallel laufen?“

Antwort:
Die subginigvalen Konkremente in einer Tiefe von mehr als 1o mm sind kaum im geschlossenen Verfahren zu erreichen. Weiterhin möchten wir die Zementschicht möglichst wenig verletzen. Belassen wir die Konkremente, sind diese
später schwerer zugänglich. In unserer Praxis sind die subgingivale Konkremententfernung in Bereichen mit mehr als 10mm Sondierungstiefe nicht im Aufgabengebiet der DH oder Prophylaxehelferin.

„Frage/Kommentar: Ich würde das schon vor der Behandlung machen lassen, damit im Falle einer Extraktion (kann ja immer mal indiziert sein, falls man eine Fraktur etc. entdeckt)  eine schönere Wundheilung stattfinden kann. Kann auch zur DD bezügl. der Schmerzgenese genutzt werden (-> Ausschlussdiagnostik).“

Antwort:
Wie im beiliegenden Diagnostik Blatt geschrieben bestanden Perkussionsschmerzen. Im Falle dieses akuten Prozesses mit einer Sekretion sollte die PZR mit Konkremententfernung nicht an erster Stelle stehen. Die Entfernung der Konkremente und die damit durchaus verbundene Zerstörung der Zementschicht könnte durchaus auch eine Verschlechterung der Situation bringen.
( Nagaoka S, Miyazaki Y, Liu HJ, Iwamoto Y, Kitano M, Kawagoe M: Bacterial invasion into dentinal tubules of human vital and nonvital teeth. J Endod 1995; 21: 70-73 )
Behandlung:

Auf Grund der akuten Beschwerden an 47 wurde zunächst eine endodontische Notfall-und Schmerztherapie begonnen. Unter mitkoskopischer Kontrolle und Kofferdammisolierung nach lokaler Anästhesie erfolgte die Entfernung der vorhandenen Füllung, der präendodontische Aufbau und die Darstellung der Kanaleingänge. Nach Aufbereitung der Kanäle bis #35.04 erfolgte eine medikamentöse Einlage und der adhäsiver Verschluss. Der Patient war nach 3 Tagen völlig schmerzfrei.

Im Falle einer P. apicalis wird in unserer Praxis im Notfall-/Schmerzmanagement die nahezu vollständige Aufbereitung angestrebt um eine möglichst optimale Desinfektion des Kanalsystems zu erreichen. Nach einer 2 und 4 wöchigen Kontrolle mit weiterhin bestehender aktiver Taschensekretion erfolgte die Konkremententfernung mittels Schallansätzen nach FMD -Therapie und vorangegangener PZR und Mundhygieneinstruktion.
Die Wurzelfüllung erfolgte nach weiteren 2 Wochen. Die Tachsensekretion bestand weiter. Der Zahn war symptomlos. Die Sondierungstiefen waren unverändert. In 4 Wochen ist eine weitere klinische Kontrolle geplant.

Demnächst mehr…

Extraktion oder Erhaltungsversuch (2)

von Bonidald Wicker

Der Patient möchte beide Zähne erhalten. Die Prognose ist kritisch. Würden Sie einen Erhaltungsversuch unternehmen?

Das Ergebniss der Umfrage:

Nein   57%
Ja      43%

Die knappe Mehrheit der Abstimmer haben sich gegen den Zahnerhaltsversuch entschieden.

Zum besseren Verständniss möchte ich nun einzeln auf die Zähne 37 und 47 eingehen. Beginnen möchte ich mit 47 ( Grund: Schmerzsymptomatik) .

Die Diagnose ergab für 47 Endo-Paroläsion (primär endodontische Läsion mit sekundärer parodontaler Läsion*). Es war keine Sensibilität messbar und laut Patientenangaben wurde eine Wurzelbehandlung vor einigen Jahren durchgeführt. Ähnliche vertikale Knocheneinbrüche waren lediglich am Zahn 37 messbar. Der allgemeine parodontale Zustand entsprach einer adulten P. marginalis mit einem generellen PSI Score von 3, außer S6 und S4 mit 4 durch die Zähne 37 und 47.

Die Prognose von 47 wurde von uns als kritisch eingestuft und dem Patienten wurden die möglichen Behandlungen vorgestellt.

  • Extraktion und anschließende Implantation nach Augmentation.
  • Endodontische Therapie und Hemisektion der distalen Wurzel, evtl Extraktion der Weisheitszähne im Falle kritischer Plaquanlagerungen.
  • Endodontische Therapie mit SRP (Scaling und Root Planing) ggf. offenes Verfahren
Der Patient wollte trotz der bedenklichen Prognose alle Möglichkeiten der Zahnerhaltung ohne Hemisektion ausschöpfen.
Scaling und Root Planing sind bei einer Läsion primär endodontalen Ursprungs kontraindiziert. Die massive subgingivale Plaquebesiedelung im vorliegendem Fall bedürfen wahrscheinlich einer zeitnahen Entfernung. Mit einem offenen Verfahren könnte die Schädigung am Wurzelzement geringer ausfallen. Die SRP wird nach der endodontischen Therapie geplant.
Im zeitlichen Zusammenhang sollten individuelle prophylaktische Behandlungen stattfinden.
Demnächst mehr.
* Klassifikationen nach Siomon et al.
(Simon, H.J.; Glick, D.H.; Frank, A.L.:
The relationship of endodontic-periodontic lesions.
J Periodontol 1972; 43:202-208)
  1. Primäre endodontale Läsionen
  2. Primäre endodontale Läsionen mit sekundärer parodontaler Beteiligung
  3. Primäre parodontale Läsionen
  4. Primäre parodontale Läsionen mit sekundärer endodontaler Beteiligung
  5. Echte Kombinierte Läsionen

47

Revaskularisierung – 2 Jahres-Recall

von Bonald Decker

anbei möchte ich unseren ersten jemals in der Praxis durchgeführten Revaskularisierungfall vorstellen.

Mittlerweile sind gut zwei Jahre seit Behandlungsabschluss vergangen.

Folgende Diagnose haben wir damals gestellt:

Apikale Parodontitis bei Zahn 22 mit Invagination und nicht abgeschlossenem Wurzelwachstum.

Rückblickend würde ich einige Dinge heute klinisch anders angehen…

Nach dem ersten Termin, bei dem nach eingehender Spülung die Antibiotika-Mischung eingebracht wurde empfielt es sich im zweiten Termin (in der Regel zwei Wochen später) ein Lokalanästhetikum ohne Vasokontriktor-Anteil zu verwenden. Dies erlaubt es vereinfacht eine apikale Blutung zu provozieren, um in der weiteren Folge ein intrakanuläres Blutkoagulum zu erhalten. Die Anwendung von EDTA zur Spülung scheint den Blutungs-Effekt ferner zu verstärken.

Meine anfängliche Befürchtung, dass die Anästhesielänge ggf. unzureichend ist, hat sich in den von uns seit dem so behandelten Fällen nicht bestätigt.

Als weiteren wichtigen Punkt sehe ich die („unbedingte“) Verwendung eines (kollagenen) Widerlagers auf dem Blutkoagulum an. In dem hier gezeigten Recall-Fall kam ein solches nicht zum Einsatz. Die Folge ist offensichtlich…obwohl ich klinisch der Meinung war, dass das Koagulum eine ausreichende Festigkeit für die „Aufnahme“ des MTAs hatte, belegt das Röntgenbild das Gegenteil. Der Zement sitzt „zu weit“ apikal und befindet sich nun im mittleren (oder gar apikalen) Wurzeldrittel, statt im koronalen…

Auf die Maturogenese (insbesondere im apikalen Drittel) hatte diese Tatsache offenbar wenig Einfluss; trotzdem wäre mein Ziel das MTA weiter koronal zu positionieren.

Anbei ein paar Bilder eines kürzlich durchgeführten Falles mit modifiziertem Behandlungsprotokoll.

Unser aktuelles Behandlungsprotokoll bei diesen Revaskularisierungsfällen erfolgt im Übrigen in Anlehnung an den DG-Endo-Jahrestagungsvortag von Dr. K. Hargreaves (UT-San Antonio) in Berlin 2010.

Wer sich für weiterführende Literatur zu diesem Thema interessiert findet diese u.a. hier oder hier

Interne Resorption… oder doch extern? – Recall

von Bonald Decker

Vor fast 2 Jahren hatten wir hier einen für uns interessanten Resorptionsfall und dessen Therapie vorgestellt…

mittlerweile stellte sich der Patient kürzlich zum Recall bei uns vor und ich möchte das bisherige Behandlungsergebnis mit Ihnen „teilen“.

Gingivanekrose nach medikamentöser Einlage

von Donald Becker

Montag ist unser langer Start in die Woche.
Gestern noch mal 2 Stunden länger als normal – Anruf eines Ehemannes für seine Frau. Sie habe starke Schmerzen, Wurzelkanalbehandlung wurde am Donnerstag durch den Hauszahnarzt durchgeführt, die Schmerzen seien aber unverändert, das Zahnfleisch sei nun blau schwarz und löse sich ab.

In vivo zeigt sich dann ein Zahn 37 mit trepaniertem Cavitverschluss okklusal und unvollständigem Cavitverschluss vestibulär im Bereich einer subgingival reichenden Perforation. Die Patientin weist eine Gingivanekrose im Bereich der vestibulären Gingiva 37 und im Bereich der  – der Perforation aufliegenden – distalen Wangenschleimhaut auf. Der nekrotische Bereich ist nicht schmerzempfindlich, die angrenzenden Gingivabereiche dafür um so mehr.

Zum Einsatz kam zur Schmerzauschaltung „etwas ganz Neues“, sagte die Patientin. „Schlangengift“.

Als dieses bis Samstag keine Wirkung zeigte, beschloss der Behandler, dieses wieder zu entfernen, daher rührte vermutlich die Trepanation des Cavits, die den Blick auf ein Wattepellet freigab, die Schmerzproblematik jedoch nicht reduzieren konnte.

Was tun ?
Ich bitte, die Patientin in Erfahrung zu bringen, worum genau es sich bei besagtem Schlangengift handele. Vielleicht ist „Schlangengift“ ja nur eine Metapher, sage ich ihr.

Sie kontaktiert den Behandler und es stellt sich heraus, dass besagtes „Schlangengift“ keine neuartig innovative, sondern eine in der Zahnmedizin weithin bekannte Substanz ist, die zur Devitalisierung von Zähnen eingesetzt wird.

Ich entferne das Cavit und Wattepellet. Es zeigt sich eine pechschwarze fasrige Substanz mit einem eigentümlichen leicht metallischen Geruch.
Ich entferne auch diese sowie die vorhandene Karies und baue, nachdem ich das Pulpakavum mit Guttapercha aus dem BeeFill ausgeblockt habe, den Zahn mit einer dentinadhäsiven Restauration auf.

Anschließend lege ich Kofferdam, trepaniere, entferne die Guttapercha und stelle unter dem Dentalmikroskop die Kanaleingänge dar. Danach Spülung, Kathederisierung von 3 Wurzelkanälen, initiale reziproke Aufbereitung und abschließend eine Calciumhydroxideinlage und Verschluss der Trepanationsöffnung mit Glasionomerzement.

Und jetzt hoffe ich, dass die Schmerzen der Patientin zurückgehen und der Zahn erhalten werden kann.

Misserfolg du Jour (3)

von Ronald Wecker

Niederlagen schmerzen. Zumindest mich.

Nachfolgender Fall schmerzt mich ganz besonders, da das „Aus“nach einem Beobachtungszeitraum von 4 Jahren kam. Irgendwie hatte ich damit nicht mehr gerechnet. Und wieviele unserer zumeist überwiesenen Patienten können wir überhaupt über einen solchen oder längeren Zeitraum nachuntersuchen?

Wieder einmal kommt mir Terry Pannkuk in den Sinn, der weitab jeglicher politischen Korrektheit auf ROOTS seine nicht sehr wohlmeinende Ansicht zu kurzfristigen (einstellige Jahreszahl) Recalls kundtat. Recht hat er.

Kanonenrohre (II)

von Bonald Decker

vor einiger Zeit habe ich auf Wurzelspitze über den ersten Teil unseres Kanonenrohr-Falles berichtet.

Persönlich hätte ich mir ein paar mehr Kommentare von Lesern zu diesem Fall gewünscht. Aber das, was als Feedback kam hat mich darin bestätigt einen Erhaltungsversuch durchzuführen.

Hier also das von uns durchgeführte Vorgehen:

Nach Entfernung des alten WF-Materials folgte eine Ca(OH)2-Einlage. Da die Fistel an Zahn 21 zunächst persistierte, entschieden wir uns für wiederholte medikamentöse Einlagen, bis diese abgeheilt war. Anschliessend erfolgte der Verschluss der Apices mittels weissem MTA Angelus. Aufgrund der ausgeprägten apikalen Osteolyse an Zahn 21 applizierten wir vorab ein resorbieres Widerlager (Colla Cote), um so eine massive Extrusion des MTAs zu umgehen. Im nachfolgenden Kontrolltermin mussten wir dann jedoch leider feststellen, dass das MTA in Zahn 21 nicht abgebunden hatte und ein neuer „Anlauf“ von Nöten war. Diesmal entschieden wir uns für die Anwendung von grauem MTA Angelus, da hier in der Vergangenheit von anderen Anwendern ein solches „Problem“ nicht festgestellt wurde. Tatsächlich stellte sich die weitere Nachkontrolle als positiv dar und somit konnte der Patient zur Weiterbehandlung (adhäsive Stiftversorgung und Kronenversorgung nach Langzeit-PV-Eingliederung) an den weiterführenden Kollegen übergeben werden…

nachfolgend einige Impressionen der bisherigen Behandlungsergebnisse:

Nichts ist zählebiger …

von Ronald Wecker

… als ein Provisorium. Sagt ein altes französisches Sprichwort.

Dieser Patient stellte sich mit einer seit ca. vier Wochen bestehenden Fistelung distal von Zahn 45 vor. Klinisch zeigte sich ein vestibulär „instandgesetzter“ Brückenpfeiler 45 der radiologisch deutliche Zeichen einer chronischen apikalen Parodontitis zeigte.

Zudem lag eine deutliche Aufbiss- und Perkussionsempfindlichkeit vor. Meine Empfehlung war, die Brücke 44-48 zwischen 44 und 45 zu trennen und dabei die Krone an 44 zu belassen. Die zeitgleich durchgeführte endodontische Initialbehandlung sollte klinische Beschwerdefreiheit herbeiführen und nach adhäsivem Aufbau von 47 und 45 und anschliessender Versorgung mit stuhlgefertigten Langzeitprovisorien zumindest einen minimalen Kaukomfort zu ermöglichen.

Langfristig war geplant 45 aufgrund seiner ungünstigen mechanischen Prognose zu entfernen und, wie auch die Region 46 und 47, implantologisch zu versorgen. Die überweisende Kollegin wurde entsprechend informiert.

1 Woche nach der Erstbehandlung war die Fistelung vollständig abgeheilt. Da sich die geplante implantologische Versorgung noch über mindestens 4 Monate hinziehen sollte, ein herausnehmbares Provisorium  auf der „Wunschliste“ des Patienten nicht gerade ganz oben stand und die Lücke 46/47 ästhetisch kaum ins Gewicht fiel, wurde die zunächst getroffene Entscheidung 45 zu entfernen hinten angestellt und dem Patienten vorgeschlagen die endodontische Behandlung an 45 zu Ende zu führen.

Im Zuge der prothetischen Versorgung der Implantate in regio 46 und 47 sollte er dann entfernt und durch einen mesialen Brückenanhänger ersetzt werden.

4 Monate später stellte sich der Patient zur klinischen und radiologischen Kontrolle vor:

Die periapikale Osteolyse an Zahn 45 stellte sich deutlich verkleinert vor. Die Freilegung der mittlerweile osseointegrierten Implantate stand unmittelbar bevor. Das stuhlgefertigte Provisorium war unverändert in situ und wies noch immer die gleichen Imperfektionen im Randbereich auf. Patienten und Überweiserin wurde erneut die Entfernung von 45 aufgrund der eingeschränkten mechanischen Prognose empfohlen.

Umso erstaunter war ich als ich, nach mehreren Versuchen den Patienten zum Recall einzubestellen, 18 Monate postoperativ auf dem Röntgenbild sah, dass 45 wie auch die Implantate in regio 46 und 47 mit einer neuen Metallkeramikkrone versorgt worden war.

4 / 7

Kanonenrohre (I)

von Bonald Decker

Meinen ganz persönlichen „Glauben“ daran, was durch endodontische Behandlungen im Sinne der Zahnerhaltung auch scheinbar hoffnungsloser Zähne möglich ist, habe ich vor einigen Jahren u.a. bei diesem „Ofenrohr-Fall„gefunden“. Das war vor circa sechs Jahren.

Aber allen endodontischen Bemühungen sind natürlich auch Grenzen gesetzt… selbst wenn man es noch so sehr „versucht“…

Nachfolgend möchte ich den ersten Teil einer Revisionsbehandlung vorstellen, die aktuell von uns durchgeführt wird. Dieser Fall trägt intern den Arbeitstitel „Kanonenrohre“ (wahlweise auch „E.T.“-Fall). Insbesondere beim Blick der klinischen Bilder werden Sie wissen, warum… ;-)

Ich bin auf Ihre Kommentare und Anmerkungen in diesem Fall _sehr_ gespannt. Macht ein Revision in Ihren Augen Sinn? Würden Sie es „versuchen“? Was würden Sie machen, wenn es Ihre Zähne wären?

Tatsächlich habe ich bis dato ein mässig gutes Gefühl bei dieser Therapie und sehe die Prognose dieser Zähne langfristig als suboptimal an…

aber in diesem Fall gibt es eine zusätzliche Hintergrundgeschichte.

Diese beiden Zähne „gehören“ nämlich zu einem Patienten, der selber Zahnarzt  (genauer gesagt Prothetiker) ist. Und trotz moderner Implantat-Techniken hat er den innigen Wunsch der Zahnerhaltung mit allen Mitteln…

kurz zur Anamnese dieses Falles:

  • Z.n. Frontzahntrauma im Alter von circa 9 Jahren
  • multiple endodontische „Therapieansätze“ im Laufe der letzten Jahre
  • rezidivierende submuköse Schwellungen Regio 11 & 21
  • z.N. Wurzelspitzenresektion an Zahn 21
  • z.N. mehrmaliger prothetischer Neuversorgung der Zähne 11 & 21

Aktuell fiel klinisch insbesondere eine vestibuläre Fistel  Regio 21 bei normaler Taschensondierungstiefe auf. Radiologisch zeigten beide Zähne eine chronische apikale Parodontitis.

Nach eingehender Beratung und Abwägung der Vor- und Nachteile einer Revision folgten wir dem Wunsch des Patienten nach einem Erhaltungsversuch.

Während die Schrauben aus den Zähnen mühelos entfernt werden konnten stellte sich die weitere Therapie, insbesondere des Zahnes 21, als komplizierter dar…

 mehr dazu im zweiten Teil…

Indikation verpasst?

von Ronald Wecker

Was den ehemaligen Behandler vor vielen Jahren bewogen hat den Zahn 36 sofort chirurgisch zu behandeln wird nicht mehr zu ergründen sein. Die distal schlecht passende Inlayrestauration war im Laufe der Zeit durch eine distobukkal gelegene insuffiziente Komposit-Füllung „ergänzt“ worden.

Da der Zahn im Rahmen einer Erstuntersuchung keine Reaktion auf Sensibilitätstests (Kälte & elektrisch) zeigte, wurde ein Einzelbild erstellt.

Neben von orthograd unangetasteten Kanalsystemen fielen in beiden Wurzeln retrograde Wurzelfüllungen auf. Das der Zahn keine klinischen Symptome zeigt, noch nicht einmal geringfügig gelockert ist und die apikalen Lysen im 2D-Bild als eher moderat zu bezeichnen sind erscheint angesichts des seit mindestens 15 Jahren bestehenden Situation geradezu erstaunlich.

Der Patient ist 82 Jahre alt und wird dauerhaft mit Antikoagulantien therapiert. (INR 2,6)

Die Sondierungstiefen sind unauffällig, die Gingiva selbst im Bereich der subgingivalen Füllung nicht entzündlich verändert. Es gibt weder Fistelung, noch Schwellung, noch palpatorische Druckdolenz noch zeigt sich der Zahn beweglich.

Welche Therapieempfehlungen würde der geneigte Wurzelspitzenleser geben?

Take Our Poll

(Kommender) Misserfolg du Jour (2)

von Bonald Decker 

Vor einigen Tagen ist mit dieser neuen Rubrik angefangen worden und ich möchte aus aktuellem Anlass einen Fall hierzu beisteuern…eigentlich könnte dieser Beitrag auch unter der Überschrift „Es geht den Bach runter…“ veröffentlicht werden.

Nachfolgend möchten wir gerne unseren jüngsten Trauma-Behandlungsfall und dessen aktuellen Entwicklungen vorstellen…

Kurz zur Vorgeschichte:

Der 11 Jahre alte Patient erlitt Anfang März ein Frontzahntrauma. Die zu diesem Zeitpunkt gestellten Diagnosen lauteten:

11: Z.n. Avulsion

21: horizontale Wurzelfraktur

22: Subluxation

Nach erfolgter Erstversorgung alio loco (Replantation bzw. Repositionierung und semirigide Schienung) wurde der Patient mit seinen Eltern an den Hauszahnarzt bzw. Kinderzahnarzt zur Weiterbehandlung verwiesen. In den nachfolgenden ca. 4 Wochen erfolgte allerdings keine weitere Behandlung. In der weiteren Folge entwickelte der junge Patient jedoch einen submukösen Abszess Regio 21. Nachdem zuvor die Schiene entfernt wurde erfolgte als weitere Therapie eine Inzision, Kürettage und Einlage eines Streifens in dieser Region.

Zum Zeitpunkt der Erstvorstellung bei uns fand sich eine deutliche Rezession an diesem Zahn. Ferner fiel Zahn 11 durch einen metallischen Klopfschall auf, der eine beginnende Ersatzresorption vermuten ließ. Die daraufhin angefertigte DVT-Aufnahme verdeutlichte den vollen Umfang der Problematik. Bei beiden Zähnen war es in den posttraumatischen Wochen zu erheblichen Entzündungsprozessen mit nachfolgenden Resorptionsprozessen gekommen.

5 / 6

Obgleich wir bei beiden Zähnen trotz der schlechten Prognose eine endodontische Therapie empfohlen haben, sehen wir den (langfristigen) Erhalt als fraglich an. Es ist zu befürchten, dass sich trotz aller Bemühungen ein Misserfolg einstellen wird.

Die Hoffung auf eine Verbesserung der Situation „stirbt jedoch zuletzt…“

 

P.S.: Als (mögliche) Ursache für die rapide Verschlechterung der intal guten Ausgangslage (nach nahezu optimaler Lagerung des avulsierten Zahnes in einer Zahnrettungsbox etc und anschliessend gut durchgeführter Erstversorgung) ist der erheblich verzögerte Behandlungsbeginn  zu sehen. 

Ferner würde zunächst wohl auch nicht realisiert, dass eine pulpale Nekrose des Zahnes 21 und nicht, wie vermutet, ein Kompositrest die Ursache für den submukösen Abszess war. Die suboptimale Compliance von Patient und Eltern tat ferner ihr Übriges, um sich nun in der gezeigten Situation zu befinden…  

Misserfolg du Jour (1)

Von Ronald Wecker

Auf ROOTS, einem englischsprachigen Internetforum rund um Endodontie, gibt es eine , wie ich finde, schöne Tradition:

Fred Barnett, Chairman & Program Director, IB Bender Division of Endodontics, Albert Einstein Medical Center stellt in regelmäßigen Abständen das CBCT du Jour ein. Besondere Behandlungsfälle, deren ganze Komplexität erst mit Hilfe eines DVT zum Vorschein kommt.

Der nachfolgende Fall hat mich veranlasst eine neue Kategorie ins Leben zu rufen:

Der Misserfolg des Tages.

Denn bei aller Freude über die Präsentation erfolgreich verlaufener endodontischer Behandlungen bringen mich gerade eigene Misserfolge zum Nachdenken und regen zum kritischen Hinterfragen an.

Die Patientin stellte sich vor etwas mehr als eineinhalb Jahren mit einem seit ca. 6 Monaten suboptimal temporär versorgten Zahn 21 vor. Die klinischen Beschwerden klangen nach medikamentöser Einlage ab, sodass nach dentinadhäsivem Aufbau in einer zweiten Sitzung die Obturation mit MTA erfolgte. Vor einigen Wochen kam die Patientin, die mittlerweile beruflich bedingt umgezogen war, zum Röntgenrecall. Sie berichtete über das Wiederauftreten der bereits abgeheilten Fistelung vor ca. 2 Monaten.

Am heutigen Tag zeigte sich nach Darstellung der labialen Wurzeloberfläche eine Vertikalfraktur der Wurzel, die offensichtlich von apikal nach koronal voran geschritten war, da klinisch, auch bei forcierter Sondierung, keine erhöhten Sondierungstiefen zu diagnostizieren waren. Das Recallbild konnte keine Verkleinerung der apikalen Aufhellung erkennen lassen.

Werde ich in Zukunft die Behandlung ähnlich kompromittierter Zähne unterlassen? Nein.

Allerdings führt mir dieser Fall vor Augen, dass der Anfangserfolg zwar erfreulich ist, sich  die Nachhaltigkeit meiner Bemühungen aber erst nach mehreren Jahren
zeigen wird, ein Gedanke dem ich in Zukunft wieder mehr Raum geben werde.

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…tiefer Fall (4)

von Bigidald Wucker

Die letzte Röntgenaufnahme zeigte, daß sich das Instrumentenfragment im Kanal bewegen lässt. Die Viskösität des Ultracals (Calziumhydroxidpräparat von Ultradent) ermöglichte das „Aufschwimmen“ des Fragmentes.

Durch eine geeigneten Applikationstechnik wäre eine Lifttechnik zum Fragmenttransport vorstellbar. Dabei könnte die Konfluation der mesialen Kanäle hilfreich sein. Kritisch war der breite Isthmus zu sehen, da das Fragment in diesem hängen bleiben könnte.

Welche Probleme außer dem „Hängenbleiben“ könnten entstehen?

  • Das Überpressen von Calziumhydroxid.
  • Das Calziumhydroxid nicht vollständig entfernt werden könnte.
  • Das im „falschen Kanal“ eingesetzt, daß Fragment periapikal landet. Dies insbesondere, wenn die Konfluation oberhalb des Instrumentenfragmentes liegt.
  • Das Calziumhydroxid darf nicht zu schnell appliziert werden, damit der „Auftrieb“ funktioniert.

Das letzte Röntgenbild lies die Lifttechnik als wahrscheinlich funktionierend erscheinen.

CaOH Einlage

Wir setzten dazu Ultracal aus der Spritze ein. Als Applikationskanüle diente ein Capillarytip, ebenfalls von Ultradent. Diese wurde  möglichst passgenau an den Kanalwänden anliegenden in den mesionlingualen Wurzelkanal, den Kanal ohne Instrument, eingesetzt. Die Kanäle wurden zuvor nicht getrocknet um eine bessere Gleitwirkung des Ultracals an den Kanalwänden zu erhalten. Mit leichtem Druck wurde nun Ultracal langsam appliziert bis sich dies im benachbarten Wurzelkanal zeigte. Danach sollte eine Röntgenaufnahme zur Lagebestimmung des Fragmentes erfolgen. Wir haben diese nicht angefertigt, da das Instrumentenfragment in der Mikroskopvergrößerung zu sehen war. Mittels eines leicht an der Spitze angulierten und individualisierten Mircoopeners haben wir das Fragement entfernen können.

Fragment

Die Sekretion apikal war verschwunden. Das Calziumhydroxid wurde mittels EDTA- und Natriumhypochlorid-Spülungen und der Verwendung von Ultraschall aus den Kanälen entfernt. Im Anschluss wurden die Kanäle weiter aufbereitet und der Spanraum auf Calziumhydroxidreste kontrolliert. Nachdem saubere und calziumhydroxidfreie Dentinspäne im Spanraum der Nickeltitanfeilen an der Instrumentenspitze wiederholt vorhanden waren wurde die Aufbereitung beendet. Im Anschluss an eine abschließende ultraschallgestützte Desinfektion der Wurzelkanäle wurde thermisch vertikal obturiert.

Anbei die Röntgenaufnahmen und Recallaufnahmen dieses Falles.

Kritisch sehe ich die Überpressung des CaOH. Das nahezu unkontrollierte Applizieren mit leichtem Druck sollte wohlüberlegt und nur im absoluten Ausnahmefall erfolgen. Eine Kontrolle der klinischen Darstellungsmöglichkeit des Fragemntes mit dem Dentalmikroskop muss Bedingung vor Einsatz dieser Technik stattgefunden haben. Eine Überpressung durch unangebracht hohen Druck des CaOH in den Kanal des N. mandibularis oder im Oberkiefer in den Sinus muss ausgeschlossen werden.
Diese Technik sollte nur in Ausnahmesituation wohlüberlegt in der Hand erfahrener Endodontologen erfolgen.

„Donut“-Technik

von Bonald Decker

abhängig von Lokalisation und Ausdehnung einer Perforation gibt es verschiedene Möglichkeiten diese zu decken, falls ein Erhaltungsversuch geplant ist…

obgleich MTA in vielen Fällen_das_ Material der ersten Wahl ist, gilt als eine der Anwendungsvoraussetzungen hierfür, dass es sich um eine subkrestale Perforation handelt, bzw. keine Kommunikation über den Sulkus zur Mundhöhle besteht…

dies war in dem nachfolgenden Fall aufgrund der parodontalen Situation des betroffenen Zahnes nicht gegeben…

daher stellte sich die Frage nach einem alternativen Material.

Wir entschieden uns für Komposit und applizierten diesen nach „relativer Trockenlegung“ der Perforation mittels Kofferdam in einer Donut-Technik („frei“ nach Dipl. Stom M. Arnold-Dresden)

P.S.: Wir sind uns im Klaren darüber, dass die Prognose des Zahnes aufgrund multipler Befunde als nicht optimal anzusehen ist. Trotzdem gab es gute Gründe die Behandlung trotzdem weiterzuführen…

Von Würmern und Löchern (II)

von Bonald Decker

Vor zwei Wochen berichteten wir hier von der Perforationsdeckung eines Oberkiefer-Frontzahnes…

mittlerweile ist die Behandlung abgeschlossen. Die Patientin ist beschwerdefrei, die Fistel verschlossen…

Zukünftige Nachuntersuchungen müssen die Nachhaltigkeit der Behandlung bestätigen. Bis jetzt fällt das Fazit aber mehr als positiv aus…

:-)

Saving hopless teeth (XXIII) – Apikale Aufhellung (24)

von Bonald Decker

vor circa 1 1/2 Jahren hatte Christoph Kaaden hier über seine ersten Erfahrungen mit einer HD-Video-Lösung am Dentalmikroskop berichtet und diese mit einem Patientenfall einer Revisionsbehandlung incl. Perforationsdeckung verdeutlicht.

Wie es der Zufall nun so wollte stellte sich eben dieser Patient wegen eines anderen Anliegens nun bei uns vor. Wir nutzen die Gelegenheit ein Recall durchzuführen und sind sicher, dass das Ergebnis Patient und Behandler sehr erfreut.

PS: Laut Anamnese ist der alio loco behandelte Zahn 16 aufgrund einer Längsfraktur verloren gegangen…

Beinahe 6 Jahre – Saving hopeless teeth (IV) – update

von Bonald Decker

wäre es in dem vorliegenden Fall nach einem sehr (sehr) renommierten bayrischen Implantologen gegangen wäre dieser Zahn sicherlich schon „damals“ durch ein Implantat ersetzt worden. Schliesslich vertritt der Kollege nach aussen hin die Meinung, dass jeder Zahn extrahiert werden sollte, falls dieser nicht noch mindestens 10 Jahre „hält“…

diese (subjektive) „magische“ Grenze haben wir zwar noch nicht erreicht, aber fast 6 Jahre nach Behandlungsbeginn bin ich weiterhin zuversichtlich, dass die Zahnerhaltung auch in diesem Fall der „richtige“ Weg war…

und mit dieser Behandlungsvariante hat man sich schliesslich „nichts“ vergeben, oder?

PS: Was kommt eigentlich nach einem Implantat, wenn dies wegen fehlender Einheilung oder Periimplantitis verloren geht?

ICR Recall

von Bonidald Wecker

Diese Woche habe ich ein Recallbild einer Behandlung aus 2008 erhalten.

Ausgangssituation damals war ein Röntgenbild, welches klassisch eine invasive cervikale Resorption Typ 3 nach Heithersay zeigte. Der Patient wollte den Zahn unbedingt erhalten. Das Resorptionsgewebe reichte bis zur Pulpa, so daß nach Entfernung dessen eine Wurzelbehandlung notwendig wurde.

Die klinische Inspektion zeigte neben einer generalisierten P. marginalis und Gingivitis keine kariöse Läsion des Zahnes. Ein Traumageschehen wurde durch den Patienten ausgeschlossen. Die funktionelle Untersuchung ergab eine Überbelastung des Zahnes. Dies könnte in Zusammenhang mit der P.marginalis als auslösender Faktor in Betracht kommen.

Nach 2 Jahren zeigt sich ein stabiler und schmerzfreier Zustand.

 

ICR Recall

ICR Recall

Deep split

von Bonald Decker

anbei ein Kurzvideo eines aktuellen Behandlungsfalles, der für uns sicher nicht alltäglich war…

enjoy…

 

:-)

Update Saving hopeless teeth (XII) – apikale Aufhellung (18)

von Bonald Decker

Vor knapp einem Jahr habe ich hier über einen „Herodontics“-Fall berichtet.

Per Zufall wurde mir heute die 30 Monats-Kontrolle zugesandt…

Beim Anblick der Aufnahme wünschte ich, dass sich in der weiteren Zukunft bei diesem Patienten einmal die Notwendigkeit einer DVT-Aufnahme ergibt (natürlich für eine andere Region & Fragestellung ;-) ) um so weitere Informationen über den tatsächlichen Heilungsverlauf zu erlangen.

Aber auch in „2-D“ stellt sich die Situation in meinen Augen bisher als Behandlungserfolg dar…

Spätfolgen eines Frontzahntraumas (1)

von Ronald Wecker

Überwiesener Patient mit Zufallsbefund bei Erstuntersuchung:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zahn 21 leicht diskoloriert, fehlende Kaltsensibilität, normale Beweglichkeit, normaler Klopfschall, keine Perkussionsempfindlichkeit, keine erhöhten Sondierungstiefen, keine palpatorische Druckdolenz. Auf Befragen erinnerte sich der Patient daran, dass beim Kampfsporttraining vor ca. 18 Jahren der Zahn deutlich lateral disloziert worden war. Ein zufällig anwesender Kollege reponierte den Zahn. Seitdem erfolgte keine weitere Therapie.

Distal exzentrische Aufnahme:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Welche Therapieansätze erscheinen erfolgsversprechend?

Take Our Poll

Interne Resorption

von Ronald Wecker

Die  Primärbehandlung liegt ca. 8 Jahre zurück. In Folge eines Frontzahntraumas mit komplizierter Kronenfraktur wurde an diesem mittleren Schneidezahn 1 Jahr nach dem Trauma eine tiefe Pulpotomie durchgeführt. Der koronal des vitalen Pulpagewebes gelegene Kanalhohlraum wurde alio loco in lateraler Kompaktion und unter Verwendung von viel Sealer mit Guttapercha gefüllt, der Zahn koronal in Adhäsivtechnik aufgebaut.

Im Rahmen der Versorgung des Zahnes mit einer vollkeramischen Teilkrone wurden Röntgenbilder angefertigt, die im Vergleich zu den regelmässig durchgeführten radiologischen Kontrollen neben einer apikalen Aufhellung und einer anresorbierten Wurzelspitze auch eine kugelige Erweiterung des Kanalhohlraumes im unteren Wurzeldrittel zeigen. Abgesehen von einer geringen achsialen Perkussions-empfindlichkeit lagen keine weiteren klinische Symptome vor.

Nach dem Entfernen der vorhandenen Obturationsmaterialien konnte etwas oberhalb des Foramens im Bereich der kugeligen Kanalerweiterung ein gut vaskularisiertes Weichgewebe dargestellt werden. Unter großvolumiger Spülung mit NaOCl und dem Einsatz von Handinstrumenten konnte das Gewebe entfernt und apikal ein unregelmässiges Foramen mit einem minimalen Durchmesser von ISO 120 dargestellt werden.

Auf eine zweiwöchige Einlage mit CaOH2 erfolgte die Obturation des Kanalsystems mit kollagenem Widerlagers und MTA. Anschliessend wurde der Zahn unter Verwendung eines Quarzfaserstiftes  adhäsiv restauriert.

Unter Berücksichtigung der Anamnese und aller erhobenen Befunde scheint es durch den langandauernden infektiösen Reiz zu einer internen Resorption gekommen sein, die ihren Ausgang im verbliebenen apikalen Pulpastumpf genommen hat.

Die Resorption der Wurzelspitze  hingegen ging von peripikalem Gewebe aus; eine Reaktion wie man sie häufig an Zähnen mit apikalen Parodontitiden findet.

8 / 7

Saving hopeless teeth (XXII)

von Bonald Decker

Im endodontischen Alltag erscheinen manche Zähne aufgrund der Ausgangssituation als besonders fraglich. Und auch nach erfolgter Therapie haben solche Fälle ggf. nicht den „Look“…

so wie auch in dem nachfolgenden Fall.

Es handelte sich um die Revisionsbehandlung eines Zahnes 46 mit Perforationsdeckung nach Schraubenentfernung. Erschwerend kam hinzu, dass die Verläufe der Wurzelkanalsysteme zusätzlich mühsam mittels Ultraschallansätze freipräpariert werden mussten…

Die Einjahreskontrolle stimmt trotz aller Unwegsamkeiten, fraglicher Ausgangssituation und fehlendem „Look“ zuversichtlich…

Treat the tooth with sunshine

von Christoph Kaaden

eigentlich hatte ich für heute einen anderen Beitrag vorgesehen….

eigentlich…

aber beim Anblick des heute Abend zu begutachteten Zahnes habe ich meine Meinung kurzfristig geändert.

Obwohl in diesem Blog häufiger von der „Rettung“ (vermeintlich) hoffnungsloser Zähne berichtet wird, war hier beim besten Willen keine Zahnerhaltung mehr sinnvoll möglich…

und so fiel mein Therapievorschlag „neudeutsch“ formuliert so aus:

„Treat the tooth with sunshine…“

;-)

PS: Irgendwie erinnert mich dieser Zahn doch sehr an das hier vorgestellte „Objekt“

PPS: Ist es nicht immer wieder erstaunlich, was der menschliche Körper über Jahre toleriert?

Lentuloentfernung Frontzahn- leider kein Routinefall

von Donald Becker

Eigentlich hätte alles ganz schnell gehen müssen…

Denn ein abgebrochenes Lentulo aus einem Oberkieferfrontzahn zu entfernen, gehört normalerweise, was Fragmententfernung angeht, zu den einfachen Sachen.

Hier, bei dieser Überweisung nach Wurzelkanalbehandlung 21 und initialer Wurzelkanalbehandlung an Zahn 11 war alles ganz anders.

Was vermutlich damit zusammenhing, dass sich 2 Lentulos ineinander verkeilt hatten und die Beweglichkeit der Einzelfragmente fast vollständig hemmten.

Mehr als 90 Minuten dauerte es, bis beide Fragmente entfernt werden konnten. Tube -Technik, Fragmentpinzette, ein  selbstgebautes IRS – Instrument, all diese Massnahmen scheiterten und so halfen nur Geduld und zielgerichtetes Arbeiten unter dem Dentalmikroskop mit Ultraschall und Komet – Rosenbohrern.

Was im Video letztendlich so spielerisch leicht aussieht, ist das Ergebnis von 1,5 Stunden Vorarbeit.

Die notwendig gewordenen Wurzelkanalbehandlungen an Zahn 11 und 21 sind im Übrigen das Resultat eines ein paar Wochen zurückliegenden Arbeitsunfalls. Beide Zähne sind schmerzfrei.

Was wäre die Alternative gewesen zur Fragmententfernung ?
In diesem Falle die Extraktion, denn eine suffiziente Wurzelkanalbehandlung mit den beiden Fragmenten in situ wäre nicht möglich gewesen. So gesehen rechtfertigt der Zahnerhalt den in diesem Falle extrem  hohen Zeitaufwand.

Saving hopeless teeth (XXI)

von Ronald Wecker

Beim Anblick des Röntgenbildes des überweisenden Kollegen kamen mir starke Zweifel, ob sich der Stift an 11 entfernen lässt, ohne dass es zu einer den Zahnerhalt gefährdeten Längsfraktur kommt. Die Krone nebst sporadisch auftretender Fistelung war schon einige Jahre in situ.

Nach Vorgespräch und Rücksprache seinem Behandler entschied sich der Patient zu einem Erhaltungsversuch. Das kurzfristige Ein-Jahres-Ergebnis lässt hoffen.

Zur Entfernung des Stifts kam das an dieser Stelle schon öfters beschrieben Thomas-System zum Einsatz. Aufgrund einer im apikalen Drittel befindlichen lateralen Perforation gestaltete sich das Einbringen des kollagenen Widerlagers und des MTA besonders schwierig. Eine kleine laterale Extrusion liess sich nicht vermeiden.

Die provisorische Versorgung erfolgte mittels dentinadhäsivem Stiftaufbau, durch den hindurch in der Obturationssitzung der erneute Zugang gelegt wurde.

Auch hier, wie im Fall von letzter Woche erwähnt, ist es die mechanische Prognose die über Wohl oder Wehe entscheiden wird.

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Saving hopeless teeth (XX)

von Ronald Wecker

Die Ausgangssituation erschien alles andere als rosig: massive Metallstifte, 11 und 21 bereits 2x resiziert, seit ca. 6 Monaten zunehmende Druckdolenzen vestibulär.

Zudem an 21 vestibulär eine isolierte Sondierungstiefe von 7mm. Eine vertikale Wurzelfraktur erschien sehr wahrscheinlich und damit der Erhalt zumindest von 21 sehr fraglich.

Die alio loco ausgesprochene Empfehlung von 2 Einzelimplantaten ist angesichts der präoperativ zu stellenden endodontischen Prognose nachzuvollziehen, birgt allerdings bei relativ hoher Lachlinie ästhetische Risiken.

Nach ausführlicher Beratung entschied sich der Patient für einen Erhaltungsversuch. Nach nunmehr 6 Monaten scheint es die richtige Entscheidung gewesen zu sein:

Beide Stifte „schwammen“ präoperativ in den Kavitäten. Am Herausfallen wurden sie nur durch den als Aufbaumaterial verwendeten Laborkunststoff (im Bild rot) gehindert. Periapikal zeigten sich ausgedehnte knöcherne Krypten. Zahn 21 war zudem bei der Präparation des Stiftbettes nach palatinal perforiert worden.

Beide Zähne wurden zweizeitig behandelt. Als temporäre Versorgung diente unter dem stuhlgefertigten Provisorium ein adhäsiv befestigter Glasfaserstift sowie ein dentinadhäsiver Aufbau. In der 2. Behandlungssitzung wurde der erneute Zugang zum Kanalsystem durch diesen Aufbau hindurch angelegt. Die Obturation wurde nach Anlegen eines periapikalen kollagenen Widerlagers mit MTA Angelus durchgeführt.

6 Monate postoperativ zeigen sich bereits deutlich verbesserte periapikale Verhältnisse. Die Sondierungstiefe vestibulär an 21 beträgt nunmehr 3 mm.

Hinsichtlich der röntgenologischen „Ästhetik“ stören nur die bei der Unterschichtung der laborgefertigten Schalenprovisorien reichlich in den Provisorienkunststoff  „eingegliederten“ Luftblasen.

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Saving hopeless teeth (XIV) Knochenersatzmaterial

von Bodald Necker

OK. Um eines gleich voraus zu schicken:

Die endodontische Behandlung erfolgte in diesem Fall nicht nur von orthograd.
Ein Chirurg war auch dabei. Allerdings nur, um das Knochenersatzmaterial wieder zu entfernen, welches der Vorbehandler alio loco großzügig eingebracht hat.

Die 25 jährige Patientin kam im September letzten Jahres auf Empfehlung eines MKG-Chirurgen zu mir in die Praxis mit Bitte um eine orthograde Revision. Klinisch war buccal 22 nicht nur ein Fistelmaul erkennbar, röntgenologisch zeigte sich ein unzureichend wurzelgefüllter 22 mit einer gut 1 cm großen apikalen Aufhellung, die ihrerseits wieder unregelmässig verschattet war. Mein Verdacht auf früher eingebrachtes Knochenersatzmaterial wurde von der Patientin bestätigt.

Vorgehen:

Die alte WF wurde entfernt. Durch den vom Vorbehandler großzügig erweiterten Apex drohte ein Guttaperchastück in die Läsion zu rutschen, es konnte aber mit etwas Glück doch noch orthograd entfernt werden. Nach weiter Aufbereitung und chemischer, us-gestützter Desinfektion wurde Calciumhydroxid eingebracht und mit Cavit verschlossen.

WV in 14 Tagen, zur Kontrolle, ob sich die Fistel verschlossen hat. Wenn ja könnte man über eine orthograde WF nachdenken, wenn nicht würde ich ein kombiniertes ortho- und retrogrades Vorgehen bevorzugen.

Zu nächsten Termin war die Fistel unverändert. Der Verdacht drängte sich auf, dass in diesem apikalen Prozess, welcher das Knochenersatzmaterial beherbergt auch noch diverse Bakterien ihr Unwesen treiben und eine Ausheilung verhindern.

Durch die großzügige Eröffnung des Apex schien mir ein apikaler MTA-Plug angemessen, der Rest des Kanals wurde konventionell mit Guttapercha obturiert. Koronal erfolgte ein adhäsiver Kompositverschluss.

Am nächsten Tag hat der Chirurg meines Vertrauens unter dem Mikroskop (wie immer) das Knochenersatzmaterial und die Wurzelspitze entfernt und trotz des MTA-Plugs zur Sicherheit nochmal eine retrograde Füllung gelegt.

Nach 8 Monaten stellte sich die Patientin bei mir komplett fistel- und beschwerdefrei vor.

Die Rö-Kontrolle zeigt eine deutliche Heilungstendenz, so dass eine Kronenversorgung des Zahnes demnächst in Frage kommen wird.

Saving hopeless teeth (XVIII) Apikale Aufhellung (23)

von Bonald Decker

Zugegebenermaßen könnte ich bei der initialen Befundung und Beratung der nachfolgenden Patientin keine absolute Einschätzung über die Erfolgswahrscheinlichkeit einer Revisionsbehandlung geben. Die Ausdehnung der apikalen Aufhellung und die bestehende Furkationsbeteiligung hätten auch eine Extraktion ohne Zweifel gerechtfertigt.

Nachdem prä- wie intraoperativ u.a. eine vertikale Wurzelfraktur als Ursache für den massiven Entzündungsprozess sehr unwahrscheinlich erschien konnten wir die Behandlung nach zweimaliger Ca(OH)2-Einlage mit der Wurzelkanalfüllung und postendodontischen adhäsiven Füllung abschliessen.

Circa 18 Monate postoperativ zeigt die klinische und radiologische Nachuntersuchung ein positives Bild. Während die apikale Parodontitis quasi ausgeheilt erscheint, liegt nach wie vor eine Beteiligung der Furkation vor. Gemessen an der Ausgangssituation besteht allerdings eine nicht unbegründete Hoffnung, dass auch hier eine weitere Remission zu verzeichnen sein wird.

Externe Resorption

von Ronald Wecker

Rückblickend hatte ich mich schon länger gewundert, warum sich bei diesem Patienten seit geraumer Zeit die Gingiva im Interdentalraum 15/16 als deutlich gerötet gezeigt hatte. Die Sondierungstiefen betrugen maximal 3mm, die Mundhygiene war gut. Dennoch kam es reproduzierbar zu Sondierungsblutungen, die der etwas engen Zahnstellung zugeordnet wurden.

Vor 2 Wochen berichtete der Patient über zunehmende Missempfindungen in regio 16. Bei der genauen Inspektion fiel eine kleine Unregelmässigkeit im Gingivalsaum von Zahn 16 auf. Die Parodontalsonde verschwand auf Anhieb mehrere Millimeter in Richtung palatinal. Das angefertigte Röntgenbild liess ein resorptives Geschehen vermuten.

Nach Entfernung der mit 17 verblocken Metallkeramikkrone zeigte sich das wahre Ausmass der Zerstörung. Die komplette Bukkalfläche sowie die Hälfte der mesialen Randleiste waren der Resorption bereits zum Opfer gefallen.

Nach Lappenbildung und relativer Trockenlegung konnte der Defekt dentinadhäsiv mit einem hochviskösen Komposit aufgebaut werden. Die Pulpa war großflächig durch das resorptive Geschehen eröffnet worden und wurde im Sinne einer Pulpotomie temporär versorgt. Die definitive endodontische Therapie wird folgen. Bereits nach 3 Tagen konnten die Nähte entfernt werden. Der Zahn ist seitdem vollkommen beschwerdefrei.

Ein präoperatives DVT hätte hier nach Entfernung der Metallkeramikkrone sicherlich genauere Auskunft über das wahre Ausmass der resorptiven Zerstörung geben können und die Entscheidung von Behandler und Patient zu Gunsten der prognostisch günstigeren implantologischen Versorgung beeinflusst. Über den weiteren Behandlungsverlauf wird hier an dieser Stelle berichtet.

Saving hopeless teeth (XVII) Apikale Aufhellung (22)

von Ronald Wecker

Zustand nach zweimaliger Resektion, starker Substanzverlust, Sekundärkaries: eine Ausgangssituation, wie man sie sich „besser“ nicht wünschen könnte.

Die Frage des vom Oralchirurgen überwiesenen Patienten, ob dieser Zahn erhaltungsfähig wäre, liess sich nur Schritt für Schritt klären. Die Ursachen für die persistierende apikale Parodontitis waren schnell gefunden:

Die stark randspaltige Goldgussfüllung mit ausgedehnter Sekundärkaries harmonierte gut mit der nicht wandständigen Wurzelfüllung. Zudem war ein mesiobukkales Kanalsystem unaufbereitet geblieben. Nach dentinadhäsivem Aufbau, chemo-mechanischer Aufbereitung und einer CaOH2-Einlage heilte die mesiobukkal gelegene Fistelöffnung vollständig ab.

Die Obturation der Kanalsysteme mit MTA erfolgte aufgrund ausgedehnter apikaler Lysen nach Anlegen eines kollagenen Widerlagers.

Die röntgenologische Kontrolle nach einem Jahr zeigt eine fast vollständige Ausheilung der apikalen Parodontitis.

Saving hopeless teeth (XVI) – Apikale Aufhellung (21)

von Ronald Wecker

Hoffnungslos, das war das Wort das mir spontan beim Betrachten des Röntgenbildes von Zahn 45 einfiel. Ein Wort das auch sehr gut zu 46 und 47 passen würde.

Zahn 47 wies eine Vertikalfraktur der mesialen Wurzel auf, 46 war tief zerstört und Zahn 45 ….

Zustand nach WSR vor ca. 8-9 Jahren. Seitdem beschwerdefrei, nun aber seit 2 Wochen eine Fistelung mesial von 45 . Das retrograde Verschlussmaterial war deutlich disloziert. Der Zahn zeigte nur eine geringe Lockerung jedoch eine  deutliche Aufbissempfindlichkeit. Meiner Empfehlung einer implantologischen Lösung des Problems wollte der fast 80-jährige Patient nicht folgen ohne vorher einen Erhaltungsversuch unternommen zu haben.

Nach Entfernung der prothetischen Krone konnte der massive Stiftaufbau mit Hilfe des Thomas-Systems problemlos entfernt werden. Nach großvolumiger Spülung mit CHX gelang es das dislozierte retrograde Verschlussmaterial unter dem Dentalmikroskop zu visualisieren.

Da die Zementpartikel größer als der apikale Kanaldurchmesser waren, wurden die Zementpartikel mittels Ultraschall zerteilt. Trotz hartnäckigem Bemühen gelang es nicht alle Partikel aus dem Periapikalbereich zu entfernen.

Die Idee einer adhäsiven provisorischen Versorgung des Zahns um eine medikamentöse Einlage zu ermöglichen wurde nach kurzem Abwägen der Vor- und Nachteile verworfen.  Der ausgedehnte knöcherne Defekt birgt die Gefahr einer Verschleppung von CaOH2 in das periapikale Gewebe, das erneute Anlegen der Zugangskavität führt zu, wenn auch geringfügigem, erneutem Hartsubstanzverlust. Daher wurde die Behandlung in einer Sitzung durchgeführt.

Nach Erstellen eines kollagenen Widerlagers erfolgte die Obturation mit MTA Angelus. Anschliessend wurde der Zahn unter Verwendung eines Quarzfaserstiftes  dentinadhäsiv aufgebaut und mit einer provisorischen Krone versorgt.

In weiteren Behandlungssitzungen wurde Zahn 46 adhäsiv aufgebaut und endodontisch versorgt, die mesiale Wurzel von Zahn 47 entfernt, die distale Wurzel ebenfalls endodontisch behandelt und laborgefertigte Langzeitprovisorien eingegliedert.

Das 14 Monatsrecall zeigt eine deutliche Reduktion der apikalen Aufhellung. Der Zahn zeigt keine erhöhte Beweglichkeit und normale Sondierungstiefen. Die Fistelung war 1 Woche postoperativ verschlossen.

Sicherlich kein Behandlungsfall aus dem geschlossen werden kann, dass stark kompromittierte Zähne in jedem Fall erhalten werden können. Darüber hinaus ist die Nachbeobachtungszeit als kurz zu bezeichnen und das Risiko einer Längsfraktur sicherlich hoch.

Aber der Fall zeigt zu welchen regenerativen Leistungen unser Organismus in der Lage ist, wenn wir die entsprechenden Umgebungsbedingungen schaffen können.

Und ich hoffe der Patient erscheint regelmässig zum Recall.

Saving hopeless teeth?

von Lodlan Reckleb

Der Patient kam mit Beschwerden.
Eine Zahnfleischtasche an 27 war akut.

Wir fertigten ein Röntgenbild an – und fanden neben dem parodontalen Befund noch weitere Probleme, welchen den Zahnerhalt beeinträchtigen könnten. Der Wunsch des Patienten lautete: Alles machen, damit der Zahn erhalten werden kann, auch wenn die Prognose des Zahnes insgesamt auf Grund der Ausgangslage ungünstig ist.

Das verbliebene abgebrochene Instrument war dem Patienten nicht bekannt.

Verwunderlich, denn bei der Größe des Fragmentes kann es dem Behandler schwerlich unbemerkt geblieben sein. Warum wurde nicht aufgeklärt? Dass Instrumente frakturieren können, ist selbst bei höchster Sorgfalt nicht grundsätzlich vermeidbar. Insbesondere im vorliegenden  Fall mit abrupten Richtungsänderungen im Kanalverlauf oder anderen schwierigen anatomischen Strukturen.

Der Patient sollte unbedingt im Sitzungsabschluss auf dieses Problem aufmerksam gemacht werden und diese Aufklärung sollte dokumentiert werden. Oftmals sind Instrumente entfernbar und der Zahn erhaltbar. In Ausnahmefällen kann man kleinere nicht entfernbare Fragmente passieren und belassen.

In diesem Fall war ein Passieren nicht möglich.
Nach Darstellung des Instruments konnte mit der Kanülenklebe-Technik das abgebrochene Lentulo entfernt werden.

Nun das Recall nach 2 Jahren.
Leider war der Patient zwischenzeitlich nicht wieder beim Zahnarzt und kam auch nicht auf unseren Recallbrief, sondern weil er erneut parodontale Beschwerden hatte.

Die Tasche mesial an 27 war wieder akut… :(

Hopless

Saving hopeless teeth (XV)

von Bonald Decker

Dieser Patienten wurde uns zur weiteren Therapie überwiesen, nachdem es in einem sehr (sehr) frühen Stadium der notwendig gewordenen endodontischen Therapie zu einer Komplikation gekommen war…

Bei näherer Betrachtung der von uns angefertigten Röntgenbilder fallen ein paar Dinge auf:

Die suboptimal angelegte primäre und sekundäre Zugangskavität mit dem sich daraus ergebendem nicht geradlinigen Zugang zu den Kanalsystemen führte in der weiteren Folge zu einer Instrumentenfraktur.

Genauer, zu zwei Frakturen.

Nach Entfernung der mesialen Karies und Optimierung der Zugangskavität richtete sich unser Augenmerk zunächst auf das Management der drei „komplikationslosen“ Kanalsysteme (ml, db & dl). Nach deren chemo-mechanischen Reinigung folgte die Darstellung des ersten Instrumentenfragmentes. In der weiteren Folge gelang es zunächst das eine, und schliesslich auch das zweite Bruchstück mittels Ultraschallansätze zu entfernen.

Die finale Präparation der vier Kanäle erfolgte bis zu den Grössen 35.06 (mesial) bzw. 40.06 (distal). Während distal im apikalen Anteil eine Konfluation der Systeme bestand, mündeten die beiden mesialen jeweils in separaten apikalen Foramina.

Die abschliessende Obturation der Wurzelkanäle erfolgte mit Guttapercha und 2Seal in mod. Schilder Technik. Abschliessend wurde die Zugangskavität adhäsiv mit Komposit versiegelt.



Abschliessende Gedanken:

Die Instrumentenfraktur zählt zu einer der möglichen Komplikationen während der Wurzelkanalbehandlung und stellt per se keinen Behandlungsfehler dar. Trotzdem gilt es vorab zu überlegen, wie solche Negativerlebnis zu vermeiden sind.

In dem vorliegenden Fall muss neben der suboptimal gestalteten Zugangskavität die Wahl der Hedströminstrumente zur initialen Bearbeitung der Kanalsysteme als mögliche Ursache angesehen werden. Diese sind aufgrund des größen Schneidekantewinkels bei der initialen Wurzelkanalinstrumentation als ungeeignet anzusehen.

Ausserdem empfiehlt es sich bei dem Verdacht von evtl. konfluierenden Kanalsystemen dies frühzeitig zu überprüfen, um eine Instrumentenfraktur aufgrund einer plötzlich auftretenden (massiven) Krümmung am Konfluationspunkt zu vermeiden.

Apikale Aufhellung (19)

von Ronald Wecker

Interessanter Recall von dieser Woche:

Zahn 35, Brückenpfeiler seit mehr als 15 Jahren. Im Rahmen einer Erstuntersuchung zeigte sich eine ausgedehnte apikale Veränderung.

Das Entfernen des gegossenen Stiftaufbaus gelang unter Erhalt der Krone. Das Kontrollbild nach Obturation lässt eine geringe Extrusion von Sealermaterial vermuten.

Nach 3,5 Monaten heute der erste Röntgenrecall. Ich staunte nicht schlecht als ich den ersten Blick auf das Röntgenbild warf. Hatte jemand erneut obturiert? Der Sealer war deutlicher zu erkennen als im Abschlussbild. Die Periapikalregion stellte sich deutlich röntgendichter dar als in der Ausgangssituation. Im Zuge der von peripher nach zentral voranschreitenden Ausheilung ist der Sealer offensichtlich zusammen geschoben worden.

Ordnet man die Bilder in anderer Abfolge an, kann man schnell falsche Rückschlüsse ziehen: initialer Sealerüberschuss wird im Verlauf der sich langsam ausbreitenden Infektion „abgebaut“, die apikale Veränderung wird größer: Misserfolg.

Schön, dass die digitalen Bilder automatisch mit dem Aufnahmedatum versehen werden.

Saving Hopeless Teeth (XIV) – Apikale Aufhellung (20)

von Ronald Wecker

Fragt man im Kollegenkreis welche Zähne endodontisch am einfachsten zu behandeln seien, so wird man in der Regel als Antwort “ Oberkiefer Frontzähne“ hören. Eigentlich ein No-Brainer. Oder? Offensichtlich nicht.

Denn gleichzeitig finden sich gerade in dieser Zahngruppe erstaunlich viele resizierte Zähne. Was zum Teil damit zusammen hängen mag, dass diese Zähne für einen endochirurgischen Eingriff gut zugänglich sind. Andererseits muss die vorangegangene Primärbehandlung an diesen „einfachen“ Zähnen fehlgeschlagen sein. Zumindest ist dies zu vermuten, da sich die meisten Patienten einem solchen Procedere nicht aus reiner Vergnügungssucht aussetzen werden.

Folgender Behandlungsfall zeigt, dass auch nach einer nicht erfolgreichen chirurgischen Revisionstherapie der Erhalt von stark kompromitierten Zähnen mit den derzeit zur Verfügung stehenden Techniken und Materialien möglich ist.

Zahn 22 wurde vor ca. 6 Jahren aufgrund persistierender Beschwerden resiziert. Klinisch und radiologisch zeigten sich dennoch Zeichen einer chronischen apikalen Parodontitis. Die orthograde Revisionstherapie erfolgte in 2 Sitzungen. Aufgrund der ausgedehnten apikalen Knochenkrypte wurde vor der Obturation mit MTA ein kollagenes Widerlager eingebracht.

Das Röntgen-Recall  zeigt bereits nach  7 Monaten eine deutliche Ausheilungtendenz. Beide Zähne sind seit der orthograden Revision klinisch vollkommen beschwerdefrei.

Pink Spot

Von Ronald Wecker

Es ist zum Teil schon erstaunlich was im Mund wieder zusammenwächst und heilt. Klassischer Pink Spot der sich von November 2009 an doch recht schnell zu einem großen Resorptionsdefekt entwickelt hat.

Nach einem Fahrradunfall vor 6 Jahren wurde die unkomplizierte Kronenfraktur alio loco mit einer Kompositrestauration versorgt. Der Zahn reagierte bei den nachfolgenden Routineuntersuchungen immer positiv auf den Kältereiz.

So auch vor ca. 14 Tagen als sich der Patient erstmals vorstellte. Der Zahn war minimal perkussionsempfindlich und zeigte nur labial gering erhöhte Sondierungstiefen. Eine erhöhte Beweglichkeit war nicht gegeben.

Aufgrund des röntgenologisch sehr ausgedehnten Resorptionsgeschehens war in meinen Augen die Entfernung des Zahns mit anschliessender Implantatversorgung die Therapie mit der günstigsten Langzeitprognose.

Da der Patient jedoch alle Möglichkeiten des Zahnerhaltes ausschöpfen wollte habe ich ein exploratives Vorgehen mit Lappenbildung und Beurteilung des Defekts sowie gegebenenfalls einer adhäsiven Restauration vorgeschlagen. Eine unter Umständen notwendige endodontische Therapie sollte später erfolgen.

Das im Defekt befindliche Gewebe wies eine gestielte Verbindung zum mesialen Pa-Spalt auf und konnte fast vollständig exkochleiert werden. Die Schaffung eines blutungsarmen bzw. -freien Arbeitsfeldes war Vorraussetzung für den dentinadhäsiven Verschluss des Defekts. Die Pulpa wurde beim Entfernen des im Zahn befindlichen Weichgewebes mit einem Exkavator eröffnet und vor dem Defektverschluss mit CaOH2 abgedeckt. Das röntgenologische Erscheinungsbild mit einer erhaltenen Begrenzung des Pulpakammerhohlraums sowie die Gefässstielung aus dem Parodontalspalt  erlauben die Annahme, dass es sich um eine externe Resorption handelt, die sich in Folge des vor 6 Jahren erlittenen Traumas entwickelt hat.

Bei der  Nahtentfernung nach 3 Tagen zeigte deine sehr gute Wundheilung der Patient ist vollkommen beschwerdefrei.

Eine endodontische Therapie wird sich nach Abschluss der parodontalen Heilung anschliessen. Weitere Nachkontrollen werden zeigen, ob das resorptive Geschehen zum Stillstand gekommen ist.

Saving hopeless teeth (XIII) – Apikale Aufhellung (19)

von Ronald Wecker

Externe Resorptionen können nicht nur in Folge eines traumatischen Geschehens beobachtet werden, sondern treten auch häufig bei Zähnen auf, die ausgedehnte apikale Parodontitiden aufweisen. Der Verlust der apikalen Konstriktion durch Resorptionsvorgänge kann häufig beobachtet werden. In vorliegendem Fall wurde bei einer Routinekontrolle  an Zahn 15 eine ausgedehnte periapikale Läsion entdeckt die mit einem Verlust eines Großteils der mesialen Kanalwand einher ging. Der  Zahn war bislang noch nicht endodontisch behandelt worden.

Bereits auf dem von der überweisenden Kollegin mitgeschickten Messaufnahme ist ein resorptives Geschehen zu vermuten.

Nach Anlegen der Zugangskavität und Darstellung des Kanalverlaufs konnte unter dem Dentalmikroskop recht schnell die durch das resorptive Geschehen verursachte Perforation visualisiert werden. Aufgrund einer schwer zu stillenden Blutung erfolgte zunächst eine medikamentöse Einlage mit CaOH2.

Beim zweiten Behandlungstermin 2 Wochen später, kam es zu keiner Blutung mehr. Mit einem vorgebogenem Microopener wurde versucht unter Kontakt zur distalen Kanalwand einen eventuell noch vorhandenen Originalkanal zu instrumentieren. An dieser Stelle wird deutlich, wie hilfreich an dieser Stelle eine dreidimensionale Darstellung gewesen wäre, die mit großer Wahrscheinlichkeit bereits präoperativ das Ausmass der resorptiven Zerstörung hätte erkennen lassen.

Nachdem klar wurde, dass apikal der Perforation kein Wurzelkanal mehr existierte, wurde nach Erstellen eines kollagen Widerlagers bis zur Perforationsstelle mit MTA obturiert. Das Gestalten eines Widerlagers bei lateralen Defekten gestaltet sich technisch recht schwierig. Eine ausreichende Verdichtung des Kollagens ist nicht immer zu erreichen, sodass es in der Folge zu einer geringen Extrusion von MTA kommen kann.

Der Patient wurde bereits präoperativ darüber informiert, dass es sich um einen Erhaltungsversuch handelt und unter Umständen ein chirurgischer Eingriff folgen muss.

Das Röntgenbild nach 8 Monaten zeigt eine in Ausheilung begriffene Läsion. Der Zahn ist klinisch symptomlos. Weitere Kontrollen werden zeigen, ob es gelungen ist, das resorptive Geschehen vollständig zu stoppen.

Überraschung!

von Ronald Wecker

Erst kürzlich wurde hier auf Wurzelspitze über den geringen Standard in der präendodontischen temporären Versorgung berichtet.

Hier ein weiteres Beispiel. Angesichts der ausgedehnten Sekundärkaries aufgrund einer suboptimalen temporären Versorgung der palatinalen Zugangskavität mittels Fermit (weichbleibendes Komposit) verwundert das periapikale Geschehen nicht. Bei der 24-jährigen Patientin war vor 1 Jahr Zahn 21 endodontisch versorgt worden. Wegen anhaltender Beschwerden erfolgte eine Wurzelspitzenresektion. Zahn 21 war weiterhin druckdolent und zeigte eine zunehmende Grauverfärbung.

Nach Entfernung der provisorischen Verschlussfüllung, die sich nach ca. 0,3 Sekunden zusammen mit dem rotierenden Instrument in der Zugangskavität drehte stellte sich der Zahn im Inneren vollkommen kariös dar.

Nach Kariesentfernung und dentinadhäsiver Verstärkung der klinischen Krone erfolgte die Revision der Wurzelfüllung und eine medikamentöse Einlage mit CaOH2.

In einer zweiten Behandlungssitzung erfolgte nach Erstellen eines periapikalen kollagenen Widerlagers die Obturation mit MTA sowie der dentinadhäsive Verschluss bis ca. 1 mm unterhalb des Gingivaniveaus.

Der koronale Hohlraum wurde teilweise mit Cavit verschlossen um in einer weiteren Sitzung die Möglichkeit einer internen Aufhellung zu erhalten. Eine Beurteilung der Zahnfarbe war in der Obturationssitzung nicht möglich. Der temporäre Verschluss erfolgte anschliessend wieder adhäsiv.

Saving hopeless teeth (XII) – apikale Aufhellung (18)

von Bonald Decker

Dieser Fall könnte sicher auch der Kategorie „Herodontics“ zugeordnet werden.

Es handelt sich um die Revision eines bereits vor Jahren alio loco resezierten Zahnes 47, der im Sommer 2008 erneut eine symptomatische apikale Parodontitis entwickelte…

Nach Aufklärung des Patienten über die möglichen Behandlungsoptionen entschied sich dieser für die Revision. Hierbei wurde die Schraube, das WF-Material sowie das retrograde WF-Material orthograd entfernt (mittels Ultraschallansätze & rotierender NiTi-Instrumente) und der Zahn nach eingehender chemo-mechanischer Desinfektion mit einer medikamentösen Ca(OH)2-Einlage versorgt. Während der distale Neoapex anschliessend mit MTA verschlossen wurde, konnte das mesiale Kanalsystem „konventionell“ mit Guttapercha&Sealer obturiert werden.

Etwa 18 Monate postoperativ zeigt sich radiologisch eine deutliche Remission der apikalen Transluzenz bei völliger klinischer Beschwerdefreiheit. Auch die periapikal befindlichen Ca(OH)2 Anteile (dies ist kein Sealer) scheinen sich nicht negativ auszuwirken.

Zur Sicherung eines möglichst langfristigen Erfolges der Behandlung wurde dem Patienten eine prothetische Neuversorgung des Zahnes 47 (und Evaluation des alio loco endodontisch & prothetisch versorgten Zahnes 46) empfohlen.

Anatomie eines Notdienstes (2)

von Donald Becker

Gleich der erste Endo -Patient des Notdienstes stellt eine Besonderheit dar.

Nicht was den Fall angeht, der wäre für uns Routine.
Es geht um die Richtlinien, die in einem engen Korsett vorgeben, wie bzw. was genau im Rahmen eines Notdienstes an zahnärztlichen Behandlungsschritten durchgeführt werden darf. Und was nicht, um nicht als unwirtschaftlich eingestuft zu werden oder als unkollegial zu gelten.

Im vorliegenden Fall müsste ich (folgte ich den Anweisungen der Kammer, die sogar auf ein LSG – Gerichtsurteil verweist) den Zahn des Patienten, einen Oberkiefereckzahn, ziehen. Der Zahn ist devital und die Pulpakammer ist bereits eröffnet. Eigentlich dürfte der Patient, dies wurde in einer jüngsten offiziellen Stellungnahme der Zahnärztekammer impliziert, gar keine Zahnschmerzen haben, daher sind  weitere Massnahmen zur Wurzelkanalbehandlung nicht notwendig und dürfen nicht durchgeführt werden.

Der Patient weiss nichts von diesem Schreiben und stellt sich daher trotzdem mit starken Zahnschmerzen bei uns vor.

Der Eckzahn steht sehr gut im Knochen, dass angefertigte Röntgenbild ergibt ausserdem, dass nicht einmal eine über das Maß einer Vermutung hinausgehende apikale Aufhellung an diesem Zahn im Röntgenbild festzustellen ist. Eine stärkere gingivale oder gar extraorale Schwellung, die eine Inzision rechtfertigen würde, ist ebenfalls nicht aufzufinden.

Es gibt aus medizinischer Sicht keinen Grund, diesen Zahn zu entfernen, ganz abgesehen davon, dass diese Extraktion hohe Folgekosten mitsichbringen würde. Schließlich müsste die entstandene Lücke, die im deutlich sichtbaren Bereich ist, mit einem Zahnersatz gleichwelcher Art verschlossen werden.

Aus medizinischer Sicht sieht die Behandlung folgender Maßen aus: Versorgung des vorhandenen kariösen Defektes mit einer Füllung. Trepanation des Zahnes, Kofferdam, Wurzelkanalaufbereitung, zusätzliche desinfizierende Maßnahmen, medikamentöse Einlage, Verschluss der Trepanationsöffnung mit einer bakteriendichten und die Zahnrestsubstanz stabilisierenden Füllung.

Es erhebt sich die Frage: Darf die Art einer Behandlung davon abhängig gemacht werden, ob der Patient einen Zahnarzt während der Woche oder  am Wochenende aufsucht ?

Darf die Art einer Behandlung davon abhängig gemacht werden, ob diese vom Hauszahnarzt oder von einem Zahnarzt im Rahmen des Notdienstes durchgeführt wird, wenn das Ergebnis im Zweifelsfall dem Patienten zum Nachteil gereicht ?

Ist es zulässig, dass eine Behandlungsmaßnahme, die vom Hauszahnarzt ohne Erfolg durchgeführt wurde und diesem erstattet wurde, einem Zahnarzt, der durch adäquate Massnahmen eine Schmerzbeseitigung erreicht, vorzuenthalten ?

Passt gut zu Weihnachten…


Extraorale Fistel (1)

von Hans – Willi Herrmann

Dies ist eine nicht alltägliche Begebenheit.

Eine Patientin, an der Uniklinik Mainz initial wurzelkanalbehandelt,  suchte unsere Praxis auf. Ihr Zahn 14, mit deutlicher apikaler Aufhellung, Brückenpfeiler in einer den gesamten Oberkiefer umfassenden Brückenversorgung, gilt als austherapiert. Die Wurzelkanäle konnten nicht gefunden werden. Der Zahn soll entfernt werden, was eine herausnehmbare Oberkieferversorgung notwendig machen würde.

Im mitgebrachten DVT zeigt sich, das der Zahn 14 beim erfolglosen Versuch, die Wurzelkanäle aufzufinden, fast perforiert worden war. Die Wurzel ist stark geschwächt.

Und die Patientin weist auf einen eiterabsondernden Pickel an der rechten Nasiolabialfalte hin.
Zweimal schon sei sie operiert worden deshalb.
Ohne dauerhaften Erfolg.

Heute war die Patientin wieder da. Mehr als ein Jahr nach unserer ersten Begegnung.

Die Fistel, denn dabei handelte es sich bei besagtem Pickel,  ist verschwunden. Nicht  die geringste Spur davon ist noch zu erkennen. 

Saving hopeless teeth (XI) – apikale Aufhellung (17)

von Bonald Decker

diese Patientin stellte sich erstmals im Sommer 2004 mit Beschwerden an Zahn 36 bei einer Zahnärztin vor. Nach einigen klinischen Untersuchungen und dem Anfertigen einer Röntgenaufnahme wurde der Patientin mitgeteilt, dass der Zahn aufgrund der ausgeprägten apikalen Parodontitis nicht erhaltungsfähig sei. Daher erfolgte die Überweisung zu einem Oralchirurgen mit der Bitte um Entfernung des Zahnes.

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Entgegen des ursprünglichen Therapievorschlages liess die Patientin über 3 Jahre verstreichen, bevor sie sich im Herbst 2007 bei uns vorzustellen. Zu diesem Zeitpunkt imponierte klinisch eine bukkale Fistel; radiologisch musste eine sehr deutliche Progredienz der apikalen Parodontitis diagnostiziert werden.

Obwohl eine deutliche Verschlechterung der Situation seit 2004 offensichtlich war, sahen wir trotzdem eine berechtigte Möglichkeit, den Zahn durch eine Wurzelkanalbehandlung erhalten zu können. Diese wurde in anschliessenden Terminen durchgeführt, bei denen der Zahn chemo-mechanisch gereinigt wurde. Nach einer mehrmonatigen medikamentösen Einlage mit Ca(OH)2 erfolgte anschliessend die Wurzelkanalfüllung und der adhäsive Verschluss der Zugangskavität.

Bereits ein Jahr nach Therapiebeginn zeigte sich bei der Nachkontrolle im Herbst 2008 eine deutliche Heilungstendenz, woraufhin die Patienten einer prothetischen Neuversorgung des Zahnes zustimmte.


Auch bei der weiteren Nachkontrolle 2009 scheint die gewählte Therapie erfolgsversprechend zu sein. Bei absoluter klinischer Beschwerdefreiheit zeigt sich radiologisch (trotz geringfügigem Sealer Puff) eine fast vollständige Remission der apikalen Aufhellung.

Als kleiner „Nebenbefund“ (s.h. Pfeil) sieht man besonders in dieser exzentrischen Kontrollaufnahme, dass es während der Präparation des Wurzelkanalsystems zu einer ungewollten Stufenbildung gekommen ist. Durch den Einsatz eines vorgebogenen Nickel-Titan-Instrumentes im manuellen Einsatz gelang es damals, die Stufe soweit zu nivellieren, dass eine weitere maschinelle Präparation der Apikalregion möglich wurde. Aber mehr zu dieser Vorgehensweise in einem späteren Beitrag… ;-)

Jetzt gilt es erst einmal sich über das bisherige Therapieergebnis zu freuen…




Hoffnungsloser Eckzahn – Verlaufskontrolle nach 22 Monaten

von Hans – Willi Herrmann

von Donald Becker

Erinnern Sie sich noch an diesen Fall ?

Der Patient mit dem nicht erhaltungsfähigen Zahn 33, dem Zahn, der  als Sofortmaßnahme nach Extraktion adhäsiv wiederbefestigt wurde.

Der Patient war am Freitag im Rahmen eines Routinetermins in der Praxis, 22 Monate nach Akutversorgung.

Der Zahn 33 ist immer noch in Position, die Brücke voll belastbar.

Der Patient ist informiert darüber, dass sich dies jederzeit ändern kann, aber im Moment gilt, wie in der Käfer – Werbung: „Und läuft und läuft und läuft…“


Saving hopeless teeth VIII – Lentulo & WSR

von Bonald Decker

diesen Fall „verdanke“ ich einem Oral-Chirurgen, mit dem unsere Praxis in anderen Belangen regelmässig zusammenarbeitet.

Dieser Kollege sah keine Indikation für die ihm von einem anderen Zahnarzt „angewiesene“  WSR an Zahn 27. Aus diesem Grund riet er dem Patienten an, weitere Meinungen hinsichtlich anderer Therapieoptionen bei qualifizierten Kollegen einzuholen.

Bis zur  Erstvorstellung in unserer Praxis war sich der Patient zu keinem Zeitpunkt über die (gravierenden) Befunde seines Zahnes (und der benachbarten Strukturen) bewusst, war jedoch Willens, auf unseren Therapievorschlag einer nicht-chirurgischen Revisionsbehandlung des Zahnes 27 einzugehen.

Das hier gezeigte Endergebnis konnte in zwei Terminen erreicht werden und  lässt auf eine gute Langzeitprognose des Zahnes hoffen.

 

 

PS: Die Krone an Zahn 26 ist laut des Patienten brandneu        :-/

OK Molar mit 10 Kanälen

Von Ronald Wecker

Schmerzpatient von dieser Woche.

Im Notdienst (Praxis in einer großen deutschen Stadt) wurde der Zahn 16 trepaniert.
Eigentlich sollte der Zahnnerv abgestorben sein. Trotzdem blutete es massiv nach Trepanation.
Immerhin konnten  3 Kanäle „gefunden“ werden.

Wieder zu Hause Vorstellung beim Hauszahnarzt.
Hier erneute Trepanation und die Vermutung dass etwas nicht stimmt. Überweisung wegen Verdacht auf das Vorliegen einer Perforation.
So kam der Patient zu uns.

Die mitgeschickten Röntgenbilder sprechen eine deutliche  Sprache:

Im Vergleich zum Bild von 2008 liegt eine völlige Zerstörung des Pulpakammerbodens vor, das alio loco eingebrachte Messinstrument zeigt eine nicht mittenzentrierte Lage.

Nach entsprechender Aufklärung, Erläuterung des Heil-und Kostenplans wurde durch Umorganisieren noch am gleichen Tag ein Behandlungstermin ermöglicht.

Das ganze Ausmass der Perforation zeigt sich nach der Entfernung der provisorischen Verschlussfüllung .
Der Pulpakammerboden fehlt vollkommen, alle Kanaleingänge weisen Überhänge des Pulpakammerdachs auf. Instrumentiert scheint lediglich der palatinale Kanal zu sein.

Der Knochen im Bereich der Perforation säuberlich an 5 Stellen perforiert. Zum Teil ISO Durchmesser 50, wie die später zur Schaffung eines kollagenen Widerlagers verwendeten Plugger zeigen.

Nach Reinigung der Perforationsränder, großvolumiger CHX-Spülung und Entfernung der in den periapikalen Knochen eingepressten Reste der medikamentösen Einlage wurden die Perforationen im Knochen mit Kollagen verschlossen, um eine Extrusion des MTA zu verhindern.

Es erfolgte die Abdeckung der Perforation mit MTA.

Ein Folgetermin wurde ebenfalls kurzfristig vereinbart.

Der Anruf am nächsten Tag beim Patienten ergab eine völlige Beschwerdefreiheit des behandelten Zahns. „Vielen Dank für die hervorragende  Behandlung“.

Soweit, so gut.

Dann die Mitteilung des Patienten, er wünsche die weitere Wurzelkanalbehandlung von seinem Hauszahnarzt durchführen zu lassen.
Die Überweisung habe nur die  Perforationsdeckung zum Ziel gehabt.
Und ob ich versichern könne, dass  es  nun gefahrlos möglich sei, mit der Wurzelkanalbehandlung weiterzumachen.
Und ob es nicht die Möglichkeit gäbe, daß ich in der geplanten Sitzung den 4. Kanal gerade soweit darzustelle, dass dann der Hauszahnarzt die eigentliche Wurzelkanalbehandlung durchführen könne.

Der Hauszahnarzt, der kein Mikroskop besitzt.

Gefrustet gehe ich nach Hause.

Saving hopeless teeth (VII), apikale Aufhellung, Regeneration des Septums,

von Bodald Necker

Die 35-jährige Patientin kam zur Routine-Untersuchung.
„Da unten links ist das Zahnfleisch ab und zu ein wenig komisch“, sagte sie zu mir.
Am 36 war nichts groß auffällig auf den ersten Blick. Buccal im Bereich der Furkation war die Gingiva leicht verdickt und gerötet.
Sondierungstiefen alle unauffällig bis 3 mm.
Nur bukkal an der veränderten Gingiva „fiel“ die Sonde drucklos bis 13mm.
Sensibilitätsprüfung auf Kältespray negativ.

Die Röntgenaufnahme zeigte dann das ganze Mass des Knochenabbaus:
Deutliche Aufhellung an beiden Wurzeln, röntgenologisch kompletter Verlust des interradikulären Septums

Nach Aufklärung über den Zustand und die Überlebenswahrscheinlichkeit die alles entscheidende Frage an die Patientin:
Erhaltungsversuch oder Implantat ?

Die Patientin  wollte den Versuch des Zahnerhaltes.
Und auch ich war der Meinung, das dieser Zahn erhaltungswürdig und erhaltungsfähig ist.

Es folgten maschinelle Aufbereitung, reichlich Spülung mit den entsprechenden Desinfizientien, Kontrolle auf Frakturen oder Cracks mit dem Dentalmikroskop, medikamentöse Einlage mit Calciumhydroxid, provisorischer Verschluss mit Cavit.

Nach einer Woche nach wie vor keine Schmerzen oder andere Beschwerden. Die Gingiva hatte sich bukkal normalisiert.
Die Sondierungstiefe hatte sich erstaunlicherweise von 13mm auf 3mm  reduziert (allerdings wollte ich das nicht mit aller Kraft wissen).
Medwechsel.
Wieder Calciumhydroxid, Cavit und jetzt Harvardzement  oben drauf.

Nach einem Vierteljahr – bei der nächsten Kontrolle  – wie gehabt – keine Schmerzen, keine auffällige Sondierung. Die Kontrollaufnahme liess eine Heilungstendenz erkennen.
WF mit SystemB und koronalem adhäsivem Verschluss.

Letzte Woche, ein halbes Jahr nach WF, ist durchaus eine deutliche Knochenregeneration zu erkennen.
Die Furkation ist noch nicht ganz knöchern regeneriert, wir werden aber dennoch zur Überkronung schreiten.

Saving hopeless teeth (VI), Apikale Aufhellung (9) – Zahn 21 mit Fistel, WSR, SSA, tiefen Taschen und Resorption

von Donald Becker

Der Patient, männlich, Ende 40 kam zu uns mit Beschwerden und einer zeitweilig auftretenden Fistel an Zahn 21.

Der Zahn war überkront, mit SSA.

Im Röntgenbild zeigte sich eine insuffiziente WF und apikal  war vermutlich Zustand nach WSR.

Was tun mit dem Zahn ?
Extrahieren ?

Vieles sprach dafür, eigentlich fast alles.

Die missglückte WSR.
Die Fistel.
Die Resorption.
Der vorhandene SSA.
Die tiefen Taschen.

Der Patient wünschte dennoch unbedingt den Versuch des Zahnerhaltes und so entfernte ich zunächst die Krone.
Anschließend den Stiftstumpfaufbau.
Wäre früher undenkbar gewesen, heute und in diesem Falle dank Dentalmikroskop und spezieller Ultraschallinstrumente kein Problem.

Danach wurde die insuffiziente Wurzelfüllung entfernt.
Die vorhandene Infektion war nun offensichtlich, angesichts der  schmierigen Pampe im Wurzelkanal.

Abschließend erfolgte eine medikamentöse Einlage mit Calciumhydroxid.
Die sich, unerwartet, aus dem Sulcus unter dem Kofferdam rausdrückte.

Grund dafür war offensichtlich ein Defekt in der Wurzel.
Gott sei Dank keine vertikale Wurzelfraktur, wie im ersten Moment vermutet.

Nach Aufklappung zeigte sich palatinal ein Riss und Resorptionen. Unerheblich ob primär extern oder intern.
Fakt war, es bestand eine Verbindung zwischen Sulkus und Zahninnerem.

Mit mikrochirurgischen Ultraschallansätzen wurde im Bereich der Frakturlinie und der Resorptionen eine Kavitätenpräparation durchgeführt und der Defekt adhäsiv mit Flow – Komposit verschlossen.

Im Rahmen der WF  – Sitzung wurde zunächst apikal  Pro Root MTA white eingebracht. Weiter koronal erfüllte die Defektfüllung im Bereich der internen Resorption mit Guttapercha aus der Beefill – Injektionspistole, abschließend wurde ein Glasfaserstift als Makrofüller und Retentionsgeber in eine Kompositmatrix eingebettet.

Es erfolgte eine Präparation für die provisorische Krone und die Eingliederung dieser markierte das Ende der Behandlung,

Heute. mehr als 12 Monate später ist die Krone immer noch in situ.
Sie kann sich, obwohl für dieses langen Zeitraum nicht konzipiert, immer noch  noch sehen lassen.

Die Taschentiefen sind zirkulär auf 2 mm zurückgegangen, die Fistel, die über Jahre hinweg bestanden hatte, verschwand schnell und tauchte nie wieder auf.

Der Zahn ist nun bereit für die definitive Kronenversorgung, die im Laufe des Jahre erfolgen soll.

Saving hopeless teeth (IV)

von Bonald Decker

Die Behandlung dieses (radiologisch) nicht ganz zu unrecht als hoffnungslos eingestuften Zahnes erfolgte vor einiger Zeit…

Das aktuelle Recall-Bild nach 54 Monaten bestätigt allerdings, dass Einsatz und Aufwand moderner zahnmedizinischer Behandlungsoptionen wie z.B. MTA, individuellem Glasfaserstift und Vollkeramik-Restauration auch (vermeintlich) hoffnungslosen Zähnen „neues Leben einhauchen können“.

Saving hopeless teeth (3), apikale Aufhellung (8)

von Bodald Necker

Eine 67-jährige Patientin stellte sich montags ohne Termin vor. Schwellung an der Oberlippe links. Ein diagnostische Röntgenbild bestätigte die Vermutung. Der Zahn 22 war der Übeltäter. Da die Patientin den Zahn unbedingt erhalten wollte, wurde der Versuch einer Wurzelkanalbehandlung unternommen.
Trepanation durch die Krone. Das Foramen wurde eröffnet, große Mengen Pus traten aus, zusätzlich wurde labial inzidiert. Die Patientin wurde nach Antibiose-Verordnung entlassen. Der Zahn blieb offen. Bis zur nächsten Sitzung war der wieder aufgeflammte Abszess zusätzlich palatinal durchgebrochen.
Die Schwellung war aber deutlich zurückgegangen. Es folgte Wurzelkanalaufbereitung und Calciumhydroxideinlage. Schwellung und Schmerz waren zur 3. Sitzung komplett verschwunden. Nach abermaliger CaOH-Einlage – diesmal für 8 Wochen – war röntgenologisch eine Heilungstendenz zu vermuten. Die Wurzelfüllung folgte. Die Heilung schritt fort, so dass 15 Monate post -OP eine neue Krone angefertigt wurde. 22 Monate post-OP ist die apikale Aufhellung fast ganz verschwunden.

Nach Inzision und zusätzlichem Durchbruch schien der Zahn eine eher schlechte Prognose zu haben. Er hat es trotzdem geschafft.

Der Blick auf die anderen wurzelgefüllten Zähne zeigt durchaus Handlungsbedarf. Die Patientin sieht es – wie viele andere auch – nicht so. Es tut ja nichts weh.

Ausgangszustand

Foramen eröffnet

Masterpoint

WF-Kontrolle

15 Monate post-OP

26 Monate post-OP

Saving hopeless teeth (I)

von Bonald Decker

Zähne, die infolge eines Traumas eine horizontale Wurzelfraktur erleiden gelten langläufig als „hoffnungslose Kandidaten“ und werden daher nicht selten entfernt…

dies ist umso bedauerlicher (insbesondere für den Patienten!), als das diese Art der Zahnverletzung als therapeutisch _sehr gut_ beherrschbares Zahntrauma gilt  (s.h. Andreasen et al. & Cvek et al.).

Oftmals ist eine vierwöchige Schienung nach Repositionierung des Zahnes ausreichend, um eine Heilung der verletzen Hart- und Weichgewebe zu erlauben.

In nur etwa 25 Prozent aller Fälle entsteht als Traumafolge eine Nekrose des koronalen Zahnsegmentes, welches dann einer endodontischen Therapie zugeführt werden muss. Es gilt zu unterstreichen, dass das apikale Fragment, entgegen früherer Therapieversuche (Zugschraube etc. etc.), belassen wird und dies in aller Regel vital bleibt!!!

Anbei der Fall eines Patienten mit erlittener horizontaler Wurzelfraktur der Zähne 11 und 21 im März 2008.

Die Zähne wurden im kieferchirurgischen Notdienst lege artis geschient und der Patient zur weiteren Therapie an seinen Hauszahnarzt verwiesen. Hier sollten die betroffenen Zähne allerdings entfernt und mit zwei Implantaten ersetzten werden…

Auf Eigeninitiative des Patienten erfolgte die Vorstellung in unserer Behandlung. Zu diesem Zeitpunkt reagierten die Zähne 11 und 21 sensibel (thermischer & elektrischer Reiz). Gemäss der internationalen Trauma-Richtlinien (s.h. IADT- trauma guidelines) erfolgte ein regelmässiges Recall.

In der weiteren Folge zeigten sich insbesondere klinische Anzeichen einer Nekrose an Zahn 11, welche eine endodontische Therapie nach sich zogen. Es erfolgte eine in drei Terminen durchgeführte Behandlung, bei der der Neoapex mittels MTA verschlossen wurde. Laut Cvek et al. (Dental Trauma 2004) liegt die Erfolgsprognose einer Apexifikation bei 88 Prozent.

Ein Jahr nach dem Unfall zeigen sich beide Zähne klinisch und radiologisch unauffällig… bisher sind also beide Zähne alles andere als „hopeless teeth“ bzw. „hoffnungslose Kandidaten“…