Amalgam- Reparatur

von Donald Becker

Keine Ahnung, ob ein/welcher Shitstorm losbricht, wenn nachfolgende Bilderserie gezeigt wird. Der Zeitpunkt der Veröffentlichung, zu Beginn der Sommerferien, wenngleich zufällig,  ist daher gut gewählt.  Weil vermutlich die Zahl der Daheimgebliebenen deutlich geringer sein wird.

Ich stelle nachfolgendes Vorgehen zu Diskussion:
Die vorhandenen Amalgamfüllungen an Zahn 46 und 47 habe ich im Juni 1994 gelegt. Seitdem verblieben diese unverändert im Mund.

Nach nunmehr 19 Jahren zeigt sich an Zahn 47 eine leichte Sekundärkaries vestibulär. Alle anderen einsehbaren Bereiche der großen Füllung waren noch vollkommen intakt.
Alternativ zu Entfernung der vorhandenen Füllung habe ich mich für die Versorgung des Defekts mit einem Flow – Komposit entschlossen. Vorteil für den Patienten – 98 Prozent des Zahnes und der Restrestuarion bleiben unangetastet.

Sicherlich hätte man die Zähne 46 und 47 schon vor rund 20 Jahren mit Kronen versehen können.
Sicherlich könnte man das heute wieder vorschlagen.
Aber der Patient ist problemlos 19 Jahre ohne eine solche deutlich invasivere Versorgung ausgekommen und ich habe die oben beschriebene Reparatur mit der Intention durchgeführt, dass die vorhandenen Amalgamfüllungen noch viele weitere Jahre in voller Funktion und problemlos im Mund verbleiben können. Wie sagt Dan Fischer immer so schön zum Thema Adhäsive Reparatur – Zahnmedizin: „This tooth (mit Komposit repariert, im Sinne von „runderneuert“ wie beim Autoreifen) is good for another 30.000 miles !“

Apropos Amalgam.
Wir legen nur noch sehr selten Amalgamfüllungen (ich kann mich nicht erinnern, ob dies 2013 bislang auch nur einmal der Fall war), aber ich liebe nachwievor (jetzt braut sich vermutlich der nächste Shitstorm  zusammen) dieses Material für die Möglichkeiten der Gestaltung im Mund.
Achtung, liebe Kritiker, es geht hier nicht um Materialverträglichkeiten (BTW wer hier kritisiert, sollte fairerweise Glühbirnen gehortet haben, eine intensive dentale Prophylaxe betreiben, bei vorhandenen Löchern Goldrestaurationen wählen, alles Dinge im Übrigen die ich für gut heiße.  Und – ja, ich bin in der Lage, langfristig haltbare, formschöne, minimalinvasive direkte Kompositrestaurationen anzufertigen. 2 Beispiele in der Galerie).

Nur damit keine Missverständnisse auftauchen.
Aber schon vor 20 Jahren und heute immer noch sage ich, dass die Amalgamphobie in ihrer teilweise vehement propagierten Ausrichtung nur dann akzeptabel ist, wenn man die zur Verfügung stehenden Alternativen mit den selben strengen, zuweilen beckmesserischen Kriterien beurteilt.  Konkret: Wer aus vermeintlich gesundheitlichen Gründen kein Amalgam will, muss die eigene Zahnsubstanz hochhalten, denn jegliches Füllungsmaterial hat Nachteile, die es zu berücksichtigen gilt. Und die Amalgam- Alternativen müssen den Beweis der Gleichwertigkeit in der Gesamtheit ihrer Aspekte  bis heute schuldig bleiben. Kunststoffe, Keramik und Gold sind tolle Materialien und ich liebe diese ebenso wie Amalgam. Aber – „there´s no free lunch“ – jeder dieser Stoffe muss mit der ihm gebührenden Sorgfalt verarbeitet werden, weil er nur dann sein volles Potential entfalten kann und seine prinzipbedingten Nachteile minimiert werden.

Wie weit dies Realität ist in Zahnarztpraxen rund um die Welt, diese Frage taucht im öffentlichen Bewusstsein nicht auch oder verblasst im Hintergund einer Grundsatzdiskussion um Bioverträglichkeit.

Dabei wäre gerade das doch einmal eine genaue Betrachtung wert.

In diesem Sinne „Schöne Ferien !“

Vor der Endo ist nach der Endo: Aufbaumaterialien

von Stefan Verch

Ein suffizienter präendodontischer Aufbau ist die Voraussetzung für eine effektive Wurzelkanalbehandlung. Er erleichtert das Kofferdamanlegen und den zwischenzeitlichen adhäsiven Verschluss genauso wie den postendodontischen Aufbau. Dieser kann i.d.R. direkt in den präendodontischen Aufbau adhäsiv eingefügt werden. Bei uns dient dieser postendodontische Aufbau dann als Langzeitprovisorium, bis nach 6 Monaten ein Recall Röntgenbild der Wurzel angefertigt wird und die Überkronung nach Ausheilung erfolgen kann.
Zähne, die einen präendodontischen Aufbau benötigen sind meist bis zur Gingiva stark zerstört wie Zähne, deren Zahnersatzkrone entfernt werden mußte. Letztere benötigen in einem Phasenkonzept oft eine Langzeit provisorische Versorgung, wenn Heilungen usw. abgewartet werden müssen.
Hier kann man natürlich Langzeitprovisorien labortechnisch herstellen lassen – dies ist jedoch aufwendig und teuer.
Einfacher ist eine direkte Modellation, ähnlich dem präendodontischen Aufbau sehr zerstörter Zähne.
Wir benutzen dafür das neue Aufbaumaterial „Core“, das von Heraeus Kulzer in der Reihe Venus Pearl vermarktet wird. Es ist hellgrün – bietet also farblichen Kontrast, um später Zahnsubstanz von Aufbaumaterial zu unterscheiden. Es hat eine sehr gute Konsistenz: Man kann es zu einer kleinen Wurst rollen , die man dann als Manschette um die cervikalen Anteile des Zahnes legt. Dann „dengelt“ man mit einer Kugel oder feinem Heidemann die Wurst von okklusal an den Kavitätenrand und versäubert die Übergänge mit dem Heidemann (STOMA Instrument 7013.21, sehr fein). Fertig ist die Manschette, die nun mit einer normalen Matrize umspannt werden kann. Der restliche Aufbau kann mit dem Material der eigenen Vorliebe trichterförmig für die Endo oder kompakt als Kronenlangzeitprovisorium aufgefüllt werden.
Mit einem steifen Heidemann kann man man die Approximalräume beim Ausarbeiten separiert halten, um mit einer feinen Soflexscheibe optimale Konturierungen vorzunehmen.
Ist ein Matrizenanlegen an den Stumpf auch ohne Manschette Vorlegen möglich, dann nehmen wir zur farblichen cervikalen Markierung das gefüllte Flow Komposit STAIN BLUE Enamel plus HO von Micerium, das gegenüber durchgefärbten Corematerialien eine zartere Markierung erlaubt, die bei einer späteren Präparation einer Vollkeramikkrone (EMAX z.B.) wegggeschliffen und nicht farblich durchscheinen wird.

wenn’s schnell kleben soll …

von Christian Danzl

Kerr hat mit Vertise Flow ein „selbstklebendes“ lichthärtendes Komposit auf den Markt gebracht und ihm sogar eine Webseite spendiert (ob es von anderen Herstellern ein ähnliches Material gibt, weiss ich nicht).
Wenn ich ehrlich bin, hab ich schon lange auf so ein Material gewartet und sofort mal eine Spritze zum Testen bestellt.

Meine Einsatzgebiete wären:

  • Abdecken bzw. Fixieren von Calciumhydroxid oder MTA bei einer direkten Überkappung. Das wäre deutlich einfacher als mit Harvard oder einem Liner.
    Anschliessend kann man ätzen und bonden, ohne Wartezeit.
  • direktes Abdecken von MTA bei einer WF oder Perforation

Ob sich das – wie gewünscht – durchführen lässt, weiss ich noch nicht, ich werde berichten.

Kerr empfiehlt das Material jedenfalls unter anderem als

  • Liner
  • Fissurenversiegler
  • Milchzahnfüllungsmaterial
  • Keramikreparatur

Lt. Hersteller soll eine erste dünne Schicht mit einem Pinsel aufgebracht werden, ähnlich einem One-Bottle-Bondingsystem, diese aushärten, dann weiter applizieren (siehe Anwendungsvideos auf der Homepage).

„Donut“-Technik

von Bonald Decker

abhängig von Lokalisation und Ausdehnung einer Perforation gibt es verschiedene Möglichkeiten diese zu decken, falls ein Erhaltungsversuch geplant ist…

obgleich MTA in vielen Fällen_das_ Material der ersten Wahl ist, gilt als eine der Anwendungsvoraussetzungen hierfür, dass es sich um eine subkrestale Perforation handelt, bzw. keine Kommunikation über den Sulkus zur Mundhöhle besteht…

dies war in dem nachfolgenden Fall aufgrund der parodontalen Situation des betroffenen Zahnes nicht gegeben…

daher stellte sich die Frage nach einem alternativen Material.

Wir entschieden uns für Komposit und applizierten diesen nach „relativer Trockenlegung“ der Perforation mittels Kofferdam in einer Donut-Technik („frei“ nach Dipl. Stom M. Arnold-Dresden)

P.S.: Wir sind uns im Klaren darüber, dass die Prognose des Zahnes aufgrund multipler Befunde als nicht optimal anzusehen ist. Trotzdem gab es gute Gründe die Behandlung trotzdem weiterzuführen…

Retro ist angesagt

von Stefan Verch

Schon in den 1920ern waren erstaunliche Grundlagen zur Parodontitis bekannt. Da muß man nur mal die alten Schinken wälzen… War alles schon mal da?

Naja, ich bin auch retro.

Zumindestens , was das Zementieren von Vollkeramiken angeht.

Was habe ich nicht alles genommen: Rely X, Multilink und ach ja – unbedingt Panavia!

Ich habe bei allen diesen Systemen ein riesiges Problem: Wie kontrolliere ich die Überschüsse? Wie nehme ich sie weg? Anhärten, brechen? Aushärten, brechen? Wegwischen – verwischen…

Ich durfte an der FU Berlin Prof Roulet kennenlernen, damals , in den Steinzeit 80ern. Roulet war sicher einer der Adhäsivpäpste, mein heutiges Wissen basiert auf der guten Ausbildung durch Roulets Abteilung.

Roulet propagierte damals – vielleicht erinnert sich noch einer: die Vollkeramiken hießen DICOR und waren aus Glas… – eine neue Art des Zementierens. Ob er es erfunden hat? Weiß ich so nicht mehr. Aber er propagierte es. Statt irgendwelcher flüssigen dualhärtenden Zemente auf Kompositbasis, nahm er auf einmal ein hochvisköses Paste-Paste Kompositgemisch, das als Zement ohne Hilfsmittel nicht anwendbar war. Er wollte so für die Fuge einen hochgefüllten Kompositzement, der sich nicht so leicht auswusch. Mittels einer gummierten Ultraschallspitze , die er auf das zu zementierende Keramikteil setzte, rüttelte er den Zement ein. Dies ging erstaunlich gut. Problem war für mich, dass die Ultraschallaktivierung die oftmals retentionsarmen Teilkronen irgendwohin schwimmen ließ oder der Zement gar durch Wärme, die eigentlich gar nicht von der Gummispitze entstehen konnte (….) vorzeitig erstarrte. Auch die Anmischung der zwei pastösen Komponenten war nicht einfach…

Alles in allem  – nach der ein oder anderen Bisserhöhung durch eingefrorenen Zement oder ungenauen Sitz der Teilkrone – wechselte ich wieder zu den niedrigviskösen Zementen.

Anfang dieses Jahres hatte ich  das Zemententfernen satt: unter der Lupe oder dem Mikroskop konnte einem nur schlecht werden, was Überschüsse anging, die zahnsubstanzschädigend entfernt werden mussten – mit viel Zeit! Irgendwie kam mir der Fortschritt irrwitzig vor: das Zementieren dauerte länger, die Überschussentfernung war ein Graus und die Frage, ob es denn das bessere Zementieren wäre, konnte ich auch nicht beantworten. Harvard Zement hielt ja auch jahrzehntelang und ist erstklassig und substanzschonend zu entfernen!

Da stieß ich auf mein Uraltwissen: warum nicht ein hochvisköses Komposit nehmen? Paste-Paste? Nein, das nun nicht wieder… aber warum nicht ein Hybridkomposit wie Micerium Enamel HFO?

Micerium Enamel HFO ist selbstglättend ( dafür schätze ich es als Dentinkern, der sich anschmiegt) und ist fast flüssig, wenn ich es auf meine Spezialwärmeplatte bei 55 ° Grad lege. Andere Komposite sind ungeeigneter. Dieses hier jedoch fließt unter Druck hervorragend.

Gedacht, gemacht: eine 2-3 mm dicke grobe Schicht ins Lumen ( die silanisierte Keramikkrone oder Teilkrone benetze ich vorher noch mit Optibond FL Bondig hauchdünn) und dann mit gleichmäßigem Fingerdruck das Zementieren beginnen. Schon fließt unter dem alleinigen Fingerdruck eine schöne Fahne aus der Fuge. Die kann man sehr kontrolliert mit der Sonde oder einer Endonadel wegpuhlen – ohne Reste!!!

Zum Anfang hatte ich auch noch die gummierte Zementierhilfe fürs Sonicsys System benutzt. Aber der alleinige Fingerdruck reicht aus, um die Krone richtig in situ zu bringen. Nach dem finalen letzten Überschussentfernen – ich drücke immer noch einmal nach – bleibt der Finger auf dem Werkstück, bis die Lampe die erste Härtung gemacht hat. So kann nichts mehr verrutschen, denn beim Überschussentfernen zwischendurch kann es durchaus zu einem kleinen „Verschwimmen“ des Werkstückes kommen.

Angst , dass die reine Lichthärtung nicht ausreicht? Nein!

Erstens habe ich zwei Valo LED Lampen… und zweitens leiten die EMAX  Keramiken das LED Licht bis in die Tiefe, auf jeden Fall… ich glaube man könnte noch palatinal Härtung erzielen, wenn man bukkal an der EMAX Keramik die Valo ansetzt…

Der Zahn wird übrigens so konditioniert, wie ich es hier im Blog schon mal beschrieben habe: mit Syntac classic und ausgehärtet- sage einer, Retro sei nicht angesagt!!!!

SDR

von Hans – Willi Herrmann

Es ist schon über 10 Jahre her, aber ich erinnere mich noch immer sehr genau an das Komposit -Debakel mit „Ariston“.

Auch ich hatte damals, auf das gute Renomee der Firma Vivadent und ihre Aussagen vertrauend,  Ariston eingesetzt.
Nur in wenigen Fällen und nicht wie angepriesen „en passant“ sondern in klassischer 3 Schritt Adhäsiv Technik mit Syntac.

Von sichtbar gewordenen Problemen mit dem Material kann ich nicht berichten, aber ich hatte, nachdem sich herausstellte, dass das Material nicht den Anpreisungen der Marketings genügte, auch kein Interesse mehr, das Material einzusetzen. Und, um ehrlich zu sein, kein Interesse mehr, irgendein Vivadent Material zu verwenden, denn wenn man aus Marketinggründen den guten Ruf meiner Behandlung aufs Spiel setzt, reagiere ich nachtragend.

Und jetzt, mit SDR von Dentsply, wieder einmal ein neues, sensationelles Komposit – Material.

Mit professoralem Gütesiegel. Weil es endlich das dringend benötigte „kostenlose“ Budget – Material ist, das die Volkszahnmedizin braucht.

Zwei Dinge dazu: Erstens, wir haben bereits ein solches Material. Es heißt Amalgam und hat für den Patienten den Vorteil, in seinem mechanischen Eigenschaften seit vielen Jahrzehnten bewährt und vollkommen zuzahlungsfrei zu sein.

Zweitens – ein Material, wie SDR, dass okklusal mit einem konventionellen Komposit – Material überschichtet werden kann, ist mir als Füllungsmaterial suspekt. Weil es voraussetzt, dass besagte Schicht immer (und immer in ausreichendem Maße) aufgetragen werden muss.

Ich weiss nicht, warum, aber ich befürchte, dass nicht alle Zahnärzte dies in ausreichendem Maße tun werden.
Und was dann ? Wird die oklusale SDR – Füllung den Kaubelastungen standhalten oder was wird passieren ?
Denn dafür scheint sie nicht gemacht zu sein, sonst hätte man nicht besagte Kontraindikation dem Produkt ins Beiheft geschrieben.

Ich habe SDR ausprobiert.

Und nachbestellt.

Für postendodontische Blockstabilisierungen, für endodontische Aufbauten vor WK, für Aufbaufüllungen vor ZE setze ich das Material ein.
Dafür, finde ich, ist es gut geeignet, lässt sich dafür sehr schön verarbeiten. So schön, dass es meine bisher in diesen  Indikationen verwendeten Materialien abgelöst hat.

Für einen kritischen Behandler wie mich schon eine Aussage, oder ?


Zahnhalsfüllung, die Zweite

von Bodald Necker

wie zügig eine Zahnhalsfüllung gelegt werden kann, die ästhetisch überdurchschnittlich ist, wurde hier schon beschrieben. Dentsply hat mit SDR nun eine „Flow-Version“ von Quixfil auf den Markt gebracht. Es ist in einer Farbe – transparent – erhältlich. Man kann es als unterste Schicht für die Zahnhalsfüllung einsetzten, speziell, wenn ein keilförmiger Defekt vorliegt, der schon tief ist und einen kleinen Öffnungswinkel aufweist, da es sehr schön in kleine Ritzen fliesst. Quixfil lässt sich hier nicht immer optimal adaptieren. Da das Material auch sehr schön fliesst, lässt sich auch leicht eine glatte Oberfläche erzielen, die sich ohne großen Aufwand sehr gut polieren lässt.

Schutzbrille reloaded

von Christian Danzl

Endlich habe ich die Schutzbrille gefunden, die ich gesucht habe. Mit meinen 2720 von 3M bin ich sehr zufrieden. Als Standard Schutzbrille zum Arbeiten für die Helferinnen und für mich. Es gab sie nur nicht mit orange-Roter Scheibe zum Ausfiltern des Blaulichtes der Polymerisationslampe. Die Swiss-eye war schon besser als nichts, aber im neuen Ultradent-Katalog (Dan Fischer) ist sie drin: Gleiche Form wie die 3M, aber in orange-rot. Sie filtert das Licht von 290 bis 320 nm Wellenlängen aus.

Wer sie braucht?

Ich nicht, aber Patienten, zum Schutz gegen das grelle blaue Licht der Polymerisationslampe.

Und Helferinnen, die nie dorthin schauen können, wo sie Komposit polymerisieren, und somit nicht immer dass Licht da ankommt, wo es hin soll…..

Neue UV – Lampen Im Praxistest (2) Bluephase II

von Hans – Willi Herrmann

Über meine Probleme mit meiner Bluephase Lampe hatte ich schon berichtet. (1) (2) ,  (3) , (4) , (5)

In Funktion und Handhabung prinziell einwandfrei, machte die Stromversorgung immer wieder rätselhafte Probleme, die auch durch mehrfachen Akkutausch und Reparaturversuche im Werk nicht zu finden und zu beheben waren.
Wenn bereits beim ersten Patienten des Tages die UV – Lampe ihre Funktion einstellt, dann sind Frustrationen vorprogrammiert. Und – machen wir uns nichts vor. So ein Gerät, Montagsgerät hin oder her, kauft man nur einmal. Die nächste Lampe ist von der Konkurrenz.

Das ich heute denoch in der Praxis mit einer Bluephase Lampe (der 2. Generation) arbeite, liegt daran, dass Ivoclar aus eigenem Antrieb auf  Kulanz (die Garantiezeit war vorbei) meine Bluephaselampe zum reduzierten Preis gegen ein Modell der zweiten Generation umgetauscht hat, so dass es für mich günstiger war, auf dieses Gerät upzugraden, statt ein neues Gerät eines anderen Herstellers zu kaufen.

Wie schlägt sich nun die neue Bluephase ? Wie die alte, möchte ich sagen, allerdings gibt es für mich 3 Verbesserungen:

1. Sie ist leiser, kaum hörbar.

2. Sie hat keine Belüftungsschlitze und dadurch ist es möglich, Einmalhüllen zu verwenden.
Für mich der wichtigste Unterschied zum Vorgängermodell. Zum Schutz vor Kreuzkontaminationen halte ich die Verwendung von Schutzhüllen für die sinnvolle Vorgehensweise. Für mich auch der Grund, warum ich kabellose Geräte bevorzuge. Die althergebrachten Zuleitungen wie auch die Gehäuse per se lassen sich, genau betrachtet, doch nur schwer und zeitaufwändig desinfizieren. Und nicht sterilisieren.

3. Der Informationsgehalt des Displays ist deutlich höher.

Und wie wäre die Entscheidung ausgefallen, wenn ich mich nun zwischen der Radii Plus und der Bluephase hätte entscheiden müssen ?

Darüber erzähle ich morgen.

Zweckentfremdete Heizgeräte (2)

von Harald Vögele

Bezugnehmend auf den Blogbeirtrag von Stefan Verch zum Thema zweckentfremdeter Brutofen möchte ich folgende Ergänzung machen.

Es gibt nämlich

1. einen guten Grund, den von Stefan erwähnten Ofen in der abgebildeten Art nicht zu benutzen. Er erwärmt das Komposit in Drehspritzen. Nach drei bis viermaligem Erwärmen verändert sich die Morphologie des Komposits und es verliert teilweise seine Eigenschaften. Es wird porös, schlechter polierbar, spaltet sich in seine Phasen wieder auf, usw. (Ich zitiere dabei die Erfahrungen von Prof. Ernst aus Mainz, der ebenfalls empfiehlt, manche Komposite zur leichteren Verarbeitung vorzuwärmen, aber nicht in der Drehspritze, sondern nur in Compules, die nach ein- bis zweimaligem Einsatz aufgebraucht sind.)

2. eine billigere Alternative zu diesem Ofen, nämlich einen USB-Tassenwärmer, z.B. von Pearl.de, für derzeit sagenhafte 4,95EUR, der an den USB-Anschluß des Computers im Behandlungsraum angeschlossen wird, auf ca. 55°C hochheizt und so das auf die Heizplatte gelegte Composite innerhalb kürzester Zeit erwärmt. Ich mache das seit einigen Monaten, da ich begeisterter Venus-Anwender bin. Ein Komposit, das nach Erwärmung sich optimal modellieren lässt, sonst aber eher hart und schwer adaptierbar ist.

Die wahre Bestimmung von Keimbestimmungsöfen (Brutschränken):

von Stefan Verch

Speicheltest? Kariesbestimmung? Lactobazillen? Streptokokken?

Wird im Mund gemacht, also klinisch beurteilt – Bakterien anzüchten macht wenig Sinn.

Und was mache ich mit meinem alten Ofen zur Bakterientestanzucht?

Nicht wegwerfen!

Kompositmaterialien sollten als hochvisköse Massen entweder bis zu einem gewissen Maße trotzdem fließend  und selbstglättend sein oder genau invers fest und modellierbar.

Erste benutze ich sehr gern als Dentimassen, die sich Nischen und Winkeln anschmiegen sollen ( Enamel Plus HFO Micerium) ; zweitere benutze ich als Schmelzmassen ( und hier Micerium Enamel Plus HRi), wenn die Modellierfähigkeit und Standfestigkeit im Vordergrund stehen. Schmelzmassen müssen und dürfen nicht mehr fließend und selbst glättend sein, da man mit ihnen Höcker oder Schneidekanten modellieren will. Das Anschmiegen an den Zahn und die Dentinmassen kann durch den Modellierdruck erwirkt werden .

Leider nimmt bei den Schmelzmassen auch die Tendenz zu, Blaseneinschlüsse und Inhomogenitäten zu erzeugen, je modellierfähiger und hochvisköser die Massen werden – also auch schlechte Verbundzonen zu tieferen Schichten.

Eigentlich fand ich bei jeder Schmelzschichtung solche unzufriedenstellenden Bereiche –  Abhilfe schafft Wärme.

Man erhitzt das Komposit einfach vor, Micerium empfiehlt zwischen 39 bis 46 ° Celsius. Die Dentinmassen werden noch fließender und selbstglättender – fast wie ein Flow. Und die Schmelzmassen haben eine tolle homogene Konsistenz, die man bei Andrücken in die Kavität regelrecht spürt und auch beim Bedecken der Anschrägungen, weil die dünn ausgedrückten Ränder nicht mehr abreißen wie beim unerhitzten Komposit .  Die Blasenbildung ist deutlich reduziert!

Zum Aufheizen der Massen kann man einen unhandlichen, unhygienischen Ofen für 400 Euro von Micerium kaufen – oder einen großen für 270 €, der eigentlich für Bakterientest Bebrütungen gedacht ist ( Cultura M).

Im zweiten Fall ist man alle Platzsorgen los: er bietet Platz für alle Farben. Im oberen Fach lagern die Auswahlfarben; im unteren werden die spezifischen Farben jedes Mal nach Portionsentnahme zwischengelagert. So bleiben die oberen Farben unkontaminiert und die unteren Tuben kann man abwischen und auch das Fach desinfizieren.

Und wenn man dabei ein „Kellerkind“ (dort lag er jahrelang)wie meinen alten Speicheltestbrutschrank reanimieren kann – dann freut man sich über die neue Bestimmung des Gegenstandes!

They just fade away – Garrison die Dritte

von Christian Danzl

Von den Garrison 3-D Matritzen wurde hier schon berichtet. Auch über die Möglichkeit, weit offene Approximalräume wieder ordentlich mit Komposit zu versorgen. Inclusive strammem Kontakt.
Wie aber schon früher beschrieben ist die Verbindung von hartem Kunststoff zum weichen Material an den Arbeitsenden dem Praxisalltag nur bedingt gewachsen. Schon nach wenigen Sterilisationsvorgängen löste sich die Verbindung der beiden Kunststoffe schleichend, was durch weitere Aufenthalte im Autoklaven zum Totalverlust der Verbindung führte. Leider.

Man kann die Spannringe zwar noch einsetzen, aber der Approximalraum wird nicht mehr sauber gestaltet und für einen strammen Kontakt muss man ein wenig tricksen.
Schade eigentlich.

Sie läuft und läuft und läuft…

von Christian Danzl

Weil sich in letzter Zeit die Einträge über Polymerisationslampen häufen, hier unsere (zugegeben ziemlich alte) Lösung.
Optilux Demetron 401.
Seit 15 Jahren.

Ohne Verluste.

Lichtleistung ist gut, Gehäuse äußerst robust, obwohl nach einigen Abstürzen Risse im Kunststoffgehäuse zu erkennen sind.

Allerdings ist es nicht so, dass es hier nur Vorteile gibt.

  1. Die Polymerisationslampe ist unhandlich groß und ist mit einem dicken schweren Kabel mit dem Steuergerät verbunden. Das Steuergerät enthält das Netzgerät und dort wird auch die Polymerisationszeit eingestellt.
  2. Innen sitzt hinter einem bichromatischen Filter eine 90 W – Halogenlampe, und die will gekühlt sein – und das ist laut.
  3. Der Lichtleiter ist dick und hat nur eine Kröpfung von 60°, was eine Polymerisation im Molarenbereich nicht begünstigt – bringt allerdings viel Licht.

Aber sie läuft und läuft und läuft.

5 Lampen sind in meiner Praxis im Einsatz, jede braucht ca. 1-2 Jahre eine neue Halogenlampe.

Ausser wenn sie mal wieder runterfallen, dann vielleicht eher.

Keine der Lampen war je zur Reparatur.

Und deshalb sei die Frage erlaubt, ob das Neue wirklich immer das Bessere ist.
Ich würde wechseln.

Aber solange meine Lösung funktioniert, ist mein Leidensdruck, auf eine eventuell wesentlich fehleranfälligere Lösung umzusteigen, extrem gering.

Tischtennis

von Bodald Necker

Freitag, große Pause in der Schule, die Jungs spielen draußen Tischtennis.

„Der Junge vor mit wollte Schmettern, aber mein Zahn war im Weg.“

Mit diesen Worten stellte sich der 10-jährige Patient bei mir vor. Die Krone des 11 um ca. 1/2 cm gekürzt.
Pulpa weit offen.

Anamnese:
– keine Schmerzen, ausser bei Berührung
– keine Lockerung
– Fragment wurde nicht mehr gefunden
– Sensibilitätsprüfung auf Kältespray positiv

Vorgehen:
– Voranästhesie an rechten Foramen infraorbitale
– dann schmerzfrei mögliche Terminalanästhesie  an 11
– Kofferdam
– Zahn und Umfeld desinfiziert mit CHX 2%
– die exponierte Pulpa wurde für ca. 5 min mit 5% NaOCl gespült
– vorsichtige Lufttrocknung
– MTA weiss appliziert und mit sterilem Wattepellet angedrückt
– MTA wurde mit iBond „fixiert“
– Schmelz und Dentin wurde mit Diamantschleifer wieder angefrischt
– Ätzen mit Phosphorsäure, Bonding mit Prime&Bond, Kompositaufbau

Patient und Mutter wurden über das Vorgehen aufgeklärt, und auch explizit darüber, dass es nur ein Versuch ist die Pulpa vital zu erhalten und sehr wahrscheinlich Schmerzen auftreten werden.

So behandelt und aufgeklärt wurden der Junge und seine Mutter in Wochenende geschickt.
Beide froh, dass der 11 – zumindest optisch – wieder hergestellt wurde.

Wiedervorstellungstermin am Montag zur Vitalitätsprüfung – oder zur Wurzelkanalbehandlung.

Montag:

– Zahn ist vital
– hin und wieder leichte Schmerzen

14 Tage post OP:

– Zahn ist vital
– die leichten Schmerzen wurden weniger

WV in 14 Tagen.

Wir hoffen das Beste

11 mit offener Pulpa

bereits gespült mit NaOCl

abgedeckt mit ProRoot MTA weiss

MTA fixiert mit iBond

fertiger Aufbau mit Komposit

Inzwischen ist es Montag geworden…
Der Patient war hier zur Wiedervorstellung:
– keine Schmerzen
– Sensibilität positiv, weder verspätet noch verfrüht, analog dem 21
Das lässt uns hoffen.
WV in 14 Tagen.
…übrigens A2 war viel zu dunkel.
Farbkorrektur folgt.

3 Tage post Op

Haltbarkeit von Komposit

von Bodald Necker

Vor über 10 Jahren stand in der „ZM“ ein Artikel zum Thema Haltbarkeit von Füllungen.

Wenn ich mich richtig erinnere, schrieb dort ein bekannter Professor einer deutschen Universität, dass eine für Füllungen geforderte Haltbarkeit bzw. Liegedauer von 7 Jahren bei Komposit – Füllungen nicht erreicht werde und somit diese Material nicht standardmäßig als Alternative zu Amalgamfüllungen im Seitenzahnbereich  eingesetzt werden könne.
Seitdem ist viel Wasser Rhein und Donau hinuntergeflossen und Komposit – Füllungen haben bewiesen, dass sie eine Alternative zu Amalgam -Füllungen im Seitenzahnbereich sein können.

Hier eine Füllung, die ich immer wieder, wenn der Patient den Weg in unsere Praxis findet – und das tut er nicht regelmässig – zur Dokumentation fotografiere. Die Bilder zeigen die unter Kofferdam gelegte Füllung nach 2 und 6 Jahren Liegerdauer.

Noch sind die geforderten  7 Jahre nicht erreicht.
Aber – ich bin zuversichtlich, dass  es  7 Jahre werden, die diese Füllung im Mund ihren Dienst tun wird. Und bei den 7 Jahren wird es nicht bleiben…

Allerdings wird irgendwann eine neue Füllung hinzu kommen, denn der Zahnhalsdefekt wird größer.

Composite-Füllung an 16 nach 2 Jahren Liegedauer

... und nach 6 Jahren