Zweckentfremdete Heizgeräte (2)

von Harald Vögele

Bezugnehmend auf den Blogbeirtrag von Stefan Verch zum Thema zweckentfremdeter Brutofen möchte ich folgende Ergänzung machen.

Es gibt nämlich

1. einen guten Grund, den von Stefan erwähnten Ofen in der abgebildeten Art nicht zu benutzen. Er erwärmt das Komposit in Drehspritzen. Nach drei bis viermaligem Erwärmen verändert sich die Morphologie des Komposits und es verliert teilweise seine Eigenschaften. Es wird porös, schlechter polierbar, spaltet sich in seine Phasen wieder auf, usw. (Ich zitiere dabei die Erfahrungen von Prof. Ernst aus Mainz, der ebenfalls empfiehlt, manche Komposite zur leichteren Verarbeitung vorzuwärmen, aber nicht in der Drehspritze, sondern nur in Compules, die nach ein- bis zweimaligem Einsatz aufgebraucht sind.)

2. eine billigere Alternative zu diesem Ofen, nämlich einen USB-Tassenwärmer, z.B. von Pearl.de, für derzeit sagenhafte 4,95EUR, der an den USB-Anschluß des Computers im Behandlungsraum angeschlossen wird, auf ca. 55°C hochheizt und so das auf die Heizplatte gelegte Composite innerhalb kürzester Zeit erwärmt. Ich mache das seit einigen Monaten, da ich begeisterter Venus-Anwender bin. Ein Komposit, das nach Erwärmung sich optimal modellieren lässt, sonst aber eher hart und schwer adaptierbar ist.

Die wahre Bestimmung von Keimbestimmungsöfen (Brutschränken):

von Stefan Verch

Speicheltest? Kariesbestimmung? Lactobazillen? Streptokokken?

Wird im Mund gemacht, also klinisch beurteilt – Bakterien anzüchten macht wenig Sinn.

Und was mache ich mit meinem alten Ofen zur Bakterientestanzucht?

Nicht wegwerfen!

Kompositmaterialien sollten als hochvisköse Massen entweder bis zu einem gewissen Maße trotzdem fließend  und selbstglättend sein oder genau invers fest und modellierbar.

Erste benutze ich sehr gern als Dentimassen, die sich Nischen und Winkeln anschmiegen sollen ( Enamel Plus HFO Micerium) ; zweitere benutze ich als Schmelzmassen ( und hier Micerium Enamel Plus HRi), wenn die Modellierfähigkeit und Standfestigkeit im Vordergrund stehen. Schmelzmassen müssen und dürfen nicht mehr fließend und selbst glättend sein, da man mit ihnen Höcker oder Schneidekanten modellieren will. Das Anschmiegen an den Zahn und die Dentinmassen kann durch den Modellierdruck erwirkt werden .

Leider nimmt bei den Schmelzmassen auch die Tendenz zu, Blaseneinschlüsse und Inhomogenitäten zu erzeugen, je modellierfähiger und hochvisköser die Massen werden – also auch schlechte Verbundzonen zu tieferen Schichten.

Eigentlich fand ich bei jeder Schmelzschichtung solche unzufriedenstellenden Bereiche –  Abhilfe schafft Wärme.

Man erhitzt das Komposit einfach vor, Micerium empfiehlt zwischen 39 bis 46 ° Celsius. Die Dentinmassen werden noch fließender und selbstglättender – fast wie ein Flow. Und die Schmelzmassen haben eine tolle homogene Konsistenz, die man bei Andrücken in die Kavität regelrecht spürt und auch beim Bedecken der Anschrägungen, weil die dünn ausgedrückten Ränder nicht mehr abreißen wie beim unerhitzten Komposit .  Die Blasenbildung ist deutlich reduziert!

Zum Aufheizen der Massen kann man einen unhandlichen, unhygienischen Ofen für 400 Euro von Micerium kaufen – oder einen großen für 270 €, der eigentlich für Bakterientest Bebrütungen gedacht ist ( Cultura M).

Im zweiten Fall ist man alle Platzsorgen los: er bietet Platz für alle Farben. Im oberen Fach lagern die Auswahlfarben; im unteren werden die spezifischen Farben jedes Mal nach Portionsentnahme zwischengelagert. So bleiben die oberen Farben unkontaminiert und die unteren Tuben kann man abwischen und auch das Fach desinfizieren.

Und wenn man dabei ein „Kellerkind“ (dort lag er jahrelang)wie meinen alten Speicheltestbrutschrank reanimieren kann – dann freut man sich über die neue Bestimmung des Gegenstandes!