„Googeln“ mit AI…

Künstliche /Artificial Intelligence dringt ob wir es wollen oder nicht in unser Leben ein und wird es verändern. Die warnenden Stimmen geben zu denken.

Nach unseren ersten Versuchen mit Chat GBT und den damit gemachten Erfahrungen habe ich dem Thema weniger Beachtung geschenkt, es aber nicht ganz aus den Augen verloren.
Inzwischen wird die „künstliche Intelligenz“ unter Anderem auch in Suchmaschienen integriert.
Google hat diesen Trend entweder verschlafen oder weniger Aufmerksamkeit geschenkt.
Vor einiger Zeit habe ich Perplexity entdeckt.
Was macht diese Suchmaschine anders? Das beschreibt Perplexity hier selbst.

Meinen zuletzt vorgestellten Fall habe ich mit Perplexity mal erruiert.
Bzw. die Fragestellung für eine Prognose eingegeben: Perforation mit Zugang zum Sulcus.

Ich habe nicht mit einem schlüssigen Ergebnis gerechnet. Überrascht hat mich das Ergebnis meiner zugegeben recht ungenauen Beschreibung. Ich war überrascht. Zudem wurden die Quellen benannt.
Lesen Sie in den angehängten Folien selbst…

Klein, aber sehr fein.

Besser kann ich die Jahrestagung der französischen Gesellschaft für Endodontie (SFE), die dieses Mal in Saint Malo stattgefunden hat, nicht beschreiben.

Neben der hohen Qualität und der sehr starken klinischen Relevanz der Hauptvorträge (und hier waren nicht nur die üblichen Verdächtigen eingeladen) hat mich besonders der extrem freundschaftliche und respektvolle Umgang der Mitglieder untereinander beeindruckt .

Begünstigt wird dies sicher auch ein wenig durch den Umstand, dass es nur 470 Mitglieder sind, die miteinander umgehen müssen. Aber die brennen wirklich fast alle für Endodontie.

Das war besonders am Samstag zu merken, wo ein, wie ich finde, sehr interessantes Format als einziger Programmpunkt stattfand. Klinische Fallpräsentationen der Mitglieder.

Die Qualität der gezeigten Behandlungen? Herausragend. Von der Dekompression, über Dens invaginatus (die Behandlung desselben wurde an einem zuvor anhand des DVT im 3D-Drucker erstellten Modell geprobt) bis hin zu wirklich anspruchsvollen mikrochirurgischen Fällen war alles vertreten.

Bild des 3-D-gedruckten Zahnes

Von 9.00h-10.30h und von 11.00 bis 13.00 Uhr gab es für jede Fallvorstellung 5 Minuten und anschliessend 10 Minuten Diskussion. Für einen mit Literatur und ausführlicher Erläuterung der klinischen und radiologischen Befunde gespickten Fallbericht keine wirklich allzu lange Zeit, wie ich selbst am eigenen Leib erfahren durfte.

Noch nie habe ich in einer Diskussion in einem Kongress derart klar ausgesprochene, jedoch immer konstruktive Kritik erlebt, wie in Saint Malo. Dabei blieben alle immer respektvoll. Und freundlich. Eine geradezu familiäre Atmosphäre. Es ging um die Sache und das Persönliche stand hintenan.

Die Hauptvorträge drehten sich um den Sinus maxillaris und chirurgische Endodontie. Jérôme DeLattre, ein HNO-Kollege, brachte uns den Sinus näher. Endoskopische Videos zeigten eindrucksvoll, wie es im Inneren aussieht.

Roderick Tataryn aus den USA zeigte anhand vieler klinischer Fälle den gegenwärtigen Stand endodontischer Mikrochirurgie. Gestochen scharfe 3-D-Rekonstruktionen und exzellent ausgeführte apikale Chirurgie waren die Highlights seines Vortrages.

Und dann kam Byron Tvisos. Statisch und dynamisch geführte retrograde Chirurgie, die diese Behandlungen auf ein neues Niveau bringen. Schnell und extrem sicher. Interessant dabei, dass Byron nach Mobilisierung des Mukoperiostlappens die Reduktion des bukkalen Knochens und die Resektion mit einem Trepanbohrer in einem Arbeitsschrittund nicht mit einer Fräse ausführt. In einem Zug. Mit Tiefenanschlag. Eine, wie ich finde, überlegenswerte Vorgehensweise.

Nicola Grande und Gianluca Plotino rundeten den ersten Tag ab und zeigten, wie intentionelle Implantationen genutzt werden können, um komplexe endodontische Herausforderungen zu vereinfachen. Die Wurzelspitze wird um 2-3 mm gekürzt. Die retrograde Präparation erfolgt aus Zeitgründen (der extrahierte Zahn sollte nach 10 Minuten wieder replantiert sein) mit einem diamantierten rotierenden Instrument. Sind die unteren 3 mm retrograd gefüllt, erfolgt die Reposition und die Schienung. Der koronale Teil der Aufbereitung erfolgt dann 2 Wochen später, wenn die Schienung entfernt wird. Bei tiefen kariösen Defekten wird der okklusale Zahnanteil reduziert und der Zahn koronal versetzt reponiert und geschient.

Am Donnerstag Abend fand die wohl aussergewöhnlichste Mitgliederversammlung statt, die man sich vorstellen kann. In der Produktionshalle des Austernfischers, der 2022 die Medaille d’Or in Cancale gewonnen hat, wurde von Präsident und Schatzmeister, auf einer Bierbank stehend, Rechenschaft über die vergangenen 2 Jahre abgelegt. Dann begann die Verkostung. ;)

Mitgliederversammlung SFE
2022
Austern aus Cancale
Blick aus dem Kongresszentrum
Strand vor dem Kongresszentrum
Lunch am Strand

Nächstes Jahr wir die Jahrestagung in Lyon stattfinden. Ob ich hinfahren werde? Mais bien sûr!

änd

der Ärztenachrichtendienst, ist eine Informationsquelle, welche immer wieder Informationen enthält die mir in meinem Praxisalltag nicht unwichtig sind.
Deshalb gebe ich die Empfehlung, welche ich durch Thomas Weber erhielt gerne weiter. Die Beiträge kann man lesen, wenn man sich kostenfrei beim and anmeldet.
Der Blick über den Tellerrand ist sicherlich

Die Beiträge, welche ich in letzter Zeit sehr interessant fand, stelle ich als Link hier ein. Lesen kann man diese nur, wie gesagt, wenn man sich anmeldet.

Interview – Kann sich eine gefährlichere Virusvariante gegen Omikron durchsetzen?

ePA-Opt-Out – Klammheimliche Einführung mit Impfpflichtgesetz gescheitert

IT-Sicherheit – Praxen sollen jederzeit mit einem Cyber-Angriff rechnen

Gematik nennt erstmals Zahlen – 130.000 Konnektoren müssen raus aus den Praxen

Kritik Orthopäden und Unfallchirurgen fordern TI-Betriebsstopp

Gesundheitsaktivitäten von Apple & Co Bertelsmann warnt vor Parallelstrukturen im Gesundheitssystem

Kurz vor Knapp

von Jörg Schröder

Ab und zu bekommen wir Anfragen von Kollegen mit der Bitte um die Anfertigung eines DVT zur implantologischen Diagnostik.

Im heute beschriebenen Fall kam der Patient zum Termin mit je einer Bohrschablone für den Ober- bzw. Unterkiefer. Die Bohrhülsen waren anhand eines OPG und nach der klinischen Situation einpolymerisiert worden. Wohlgemerkt die Bohrhülsen.

Die Artefaktbildung war zum Glück gering genug, um nach Betrachten des DVT die Empfehlung auszusprechen, die Position der Bohrhülse in Regio 47 nochmals zu „überdenken“ und sich vor der Implantation noch einmal mit der zahndichten, rundlichen Struktur im Bereich des geplanten Implantates zu beschäftigen.

Autogene Zahntransplantation

Von Christoph Kaaden

Nachdem ich gestern Abend auf einem gelungenen Vortrag zum Thema „dentales Trauma und Zahntransplantation“ war, möchte ich die Möglichkeit nutzen für diese Therapieform weiter zu sensibilisieren.

Auf WURZELSPITZE war in der Vergangenheit hier und hier über eine Prämolaren-Transplantation geschrieben worden. Weiterführende Literatur zu dieser Thematik finden Sie u.a hier in einer interessanten Dissertation.

Prof. Nolte hob ferner die Therapieoption einer Milchzahntransplantation hervor. Hier ein Fallbericht, der das Vorgehen näher erläutert.

 

Mein Fazit des gestrigen Abends lautet:

  • Man kann nie genügend Wissen über die dentale Traumatologie sammeln (hier der link zu der DGZMK-Leitlinie)
  • Zahntransplantationen (egal ob Zähne der ersten oder zweiten Dentition) bei verloren gegangenen bleibenden Zähnen sind eine Therapieoption, die mehr Beachtung finden sollte.

 

Symposien 2018 in Kopenhagen – Save the date

Von Christoph Kaaden

Die Universität Kopenhagen richtet im Mai 2018 zwei interessante Symposien aus.Bildschirmfoto 2017-11-03 um 10.54.25.png

Insbesondere das sechste Kopenhagen Trauma Symposium erscheint mir für unsere Tätigkeit als besonders informativ.

Hier weitere Informationen zu dem Programm.

Anmelden können Sie sich hier

See you in Kopenhagen

:-)

 

P.S.: Mein Wunsch & Vorschlag wäre ferner, dass sich auch einmal eine zukünftige DGET-Tagung ausschliesslich dem Thema Traumatologie widmet.

Pre Crime

von Olaf Löffler

Pre-Crime der Fim von Monika Hielscher und Matthias Heeder kommt ab heute in die KInos.

Ein sehenswerter Beitrag der gerade im Blickpunkt der Digitalisierung im eigenen und im beruflichen Umfeld einen Blick hinter die Kulissen wirft. Die Macht der Algorithmen im Feld der sich verringernden Sicherheitsstandards der westlichen Welt.

Im Film wird erläutert daß die Basis aller Daten das PROBLEM ist. Wer entscheidet über die Richtigkeit der Daten? Gibt es einen Algorithmus der Wirtschaftsverbrechen erfasst?

Wenn man dies in Parallelen auf die kommende eCard und der damit zustande kommenden Datensammlung projiziert, dann hoffen wir wohl vergebens auf das (vielleicht zu wenig) Gute hinter der Idee.

Mein Tipp: Unbedingt anschauen.

Stillstand (?)-Update-Update

Von Bonald Decker

Und weil es gerade in die Thematik passt hier noch zwei junge Patienten von heute:

Pat A.R: Avulsion Zahn 11 vor 2 (!) Jahren, Lagerung in Zahnrettungsbox nach 5-minütiger Extraoralzeit, keine weitere Behandlung seit Schienenentfernung, da der Zahn positiv auf Kältereiz reagierte. Letzte Woche dann starker apikaler Druckschmerz…daraufhin Vorstellung bei uns…

Trauma aktuell.001

Trauma aktuell.002

 

Pat. D.T.: Avulsion Zahn 22 vor 7 Wochen, Lagerung in Mundhöhle für 45 Minuten vor Replantation, Schienung durch Facharzt für Kieferorthopädie vor 7 Wochen; Schiene aktuell noch in situ, keine Antibiose, keine weitere Behandlung im Sinne einer endodontischen Therapie, da der Zahn positiv auf Kältereiz reagiert. Letzte Woche dann nachfolgendes Kontrollröntgenbild mit Verdacht auf Resorption…

Trauma aktuell.003

es wird nicht „langweilig“

:-((((

 

Aufklärung tut weiterhin dringend Not

Vorgehen bei Revitalisierung – Statement der ESE (I)

Von Bonald Decker

Durch einen Hinweis von Marc I. Semper bin ich kürzlich auf die aktuelle Stellungnahme der europäischen Gesellschaft für Endodontologie (ESE) zur empfohlenen Vorgehensweise bei der Revitalisierung nekrotischer Zähne mit nicht abgeschlossenem Wurzelwachstum gestossen.

Revit ESE.001

Laut der Veröffentlichung ist es das Ziel „entsprechend ausgebildeten Zahnärzten ein Behandlungsprotokoll einschließlich detaillierter Einzelheiten des Verfahrens zu liefern“. Die Aussagen basieren dabei auf aktuellen klinischen und wissenschaftlichen Erkenntnissen sowie dem Know-how des Autoren.

Gemäss der aktuellen Empfehlungen haben wir daraufhin gestern bei dem 8-jährigen Johannes folgende erste Schritte durchgeführt:

Revit ESE.002

 

  1. Behandlungstermin:
  • Anlegen der Zugangskavität
  • Entfernung von losem oder nekrotischen Pulpagewebe mit geeigneten Endodontie-Instrumenten
  • Vermeidung mechanischer Bearbeitung der Wurzelkanalwände
  • Spülung mit 1,5-3 % Natriumhypochlorit (20 ml =5 min) bis 2 mm vor vitalem apikalem Gewebe (bevorzugt Spülkanüle mit seitlichem Ausgang)
  • Spülung mit steriler physiologischer Kochsalzlösung zur Minimierung der zytotoxischen Wirkung von Natriumhypochlorit auf vitales Gewebe  (5 ml)
  • Trocknung mit Papierspitzen
  • Spülung mit 17%iger EDTA-Lösung (20 ml)
  • Applikation einer medikamentösen Einlage:
    • Antibiotikamischung (Ciprofloxacin,Metronidazol (und ggf.Minocyclin)
      • Neuere Veröffentlichungen befürworten stattdessen die Anwendung von Calciumhydroxid
  • Temporärer Verschluss der Zugangskavität (in unserem Fall Cavit & Ketac Molar)

 

Der zweite Termin ist in zwei bis vier Wochen geplant. Über unser weiteres Procedere werde ich dann berichten…

Hier schon mal der Link zu dem vollständigen ESE-Artikel hier bzw. hier.

 

Service

von Olaf Löffler

Eine neu Schreibtischleuchte musste her. Die alte war defekt, ein altgedientes Ikeaprodukt, noch mit Glühbirne. Nun gibt es ja LED. Und genau das sollte es sein.
Die Wahl fiel auf ein Modell von Otto Watt die Tischleuchte Mirror. Der Hersteller ist Luceplan. Die Leuchte lässt sich dimmen. Es ist ein angenehmes Licht und die Haptik ist genauso toll, wie das Aussehen. Leider auch der Preis.

2,5 Jahre hatten wir Freude. Dann auf einen Schlag kam ein stroboskopartiges An-und Ausschalten des Lichtes ohne, daß man die Leuchte berührte. Gekauft hatte ich die Leuchte bei der Berliner Firma Prediger.
Ärgerlich war die kurze Lebenszeit der Leuchte. Deshalb rief ich die Firma Prediger an und bat um eine Kulanzlösung. Lucplan brauchte fast 3 Monate und die reparierte Leuchte zurückzusenden. Es wurde auf Kulanz repariert. Ich war angenehm überrascht und freute mich trotz der langen Leuchtenauszeit.
Nur musste ich feststellen, daß die Leuchte nur noch mit extremen Druck auf den Tippschalter anzuschalten war. Vorher war es nur eine kleine Berührung. Jetzt muss man den ganzen Lampenkörper festhalten und mit der anderen Hand auf den Taster drücken, damit es leuchtete.
Also nochmal per Mail reklamiert.

Eigentlich hatte ich erwartet, daß ich nichts mehr höre und froh sein konnte außerhalb der Garantiezeit die Reparatur zu bekommen. Dann erhielt ich eine Mail von der Firma Prediger, daß sie sich eingesetzt hat, daß ich eine neue Leuchte bekomme und diese kommt in den nächsten Tagen bei mir an.

Das ist Service, wie ich ihn lange nicht mehr erlebt habe. An dieser Stelle ein ein großes Dankeschön.

 

Es besteht beim Autor kein Interessenskonflikt in Form von eigenen finanziellen Interessen oder finanziellen Interessen Dritter, die von einer positiven Berichterstattung profitieren oder eine negative Darstellung behindern.

Externe Wurzelresorptionen (III)

Von Bonald Decker

Heute ein weiteres Update zu dem hier und hier vorgestellten Fall.

Die stark resorbierten/ankylosierten Zähne 11 und 21 wurden vom Kieferchirurgen in Vollnarkose entfernt. Anschliessend erfolgte die Transplantation der Zähne 35 und 45 in die entstandenen Lücken.

Hier die klinische Situation sechs Tage nach dem Eingriff.

Externe Resorption_Sofia nach Transpl.001

Klinische Situation 6 Tage post-operativ. Die Bilder wurden uns freundlicherweise von der behandelnden Kieferorthopädin überlassen

Externe Resorption_Sofia nach Transpl.002

Okklusalansicht sechs Tage nach der Transplantation

Externe Resorption_Sofia nach Transpl.003.jpg

Alio loco angefertigtes OPG nach autogener Transplantation 45 an Position 11 und 35 an Position 21 

 

Ich halte Sie in diesem Fall sicher weiter auf dem Laufenden…

Enterococcus und noch mehr

von Olaf Löffler

Ein interessanter Artikel über Kaffeemaschinen, bzw. über die sogenannten Kapselmaschinen ist auf Nature zu finden.

http://www.nature.com/articles/srep17163

Besonders interessant finde ich die Darstellung der „Fundstücke“ und deren Lokalisation.
http://www.nature.com/articles/srep17163/figures/1

Der Enterococcus mischt mal wieder mit. Pseudonyms ist „koffeinsüchtig“.

Wir haben ein solches Gerät in der Praxis. Die Reinigung wird laut Nestle so durchgeführt.
https://www.nespresso.com/ch/de/machine-assistance

Ob das wirklich reicht. Ich zweifle jetzt.

 

Neustart (XV) – Praxisbekleidung – update

Von Christoph Kaaden

Vor ca. 15 Monaten habe ich hier über unsere neue Praxisbekleidung der Firma Stoiber berichtet. Nach diesem Zeitraum möchte ich ein persönliches Fazit ziehen…

Und dies fällt mehr als positiv aus.

Auch nach über einem Jahr sehen insbesondere die weissen Polohemden inklusive Stickereien (quasi) aus wie neu. Von Verschleiss keine Spur.

Praxisteam -Endodontie in München- mit Praxishemden der Firma Stoiber

Praxisteam -Endodontie in München- mit Praxishemden der Firma Stoiber

Etwas anderes verhält es sich mit den dunkelblauen Hemden (die ich zusätzlich neben gelben für mich bestellt habe). Hier sieht man ein leichtes Verblassen des ursprünglichen Farbtons. Diese Entfärbung fällt aber sehr sehr moderat aus.

Von uns gibt es also – 2 Daumen hoch- für diese spitzen Praxisbekleidung, die wir uneingeschränkt empfehlen können.

 

Quiz du jour -reloaded

von Bonald Decker

Unser letztes Quiz du jour liegt schon einige Jahre zurück. Erinnern Sie sich noch an Teil I und II?

Heute möchte ich Ihnen einen neuen Fall dieser „Quizreihe“ vorstellen und Sie nach Ihrer Diagnose und Therapie fragen.

Der Kurzbrief der Zuweisen liefert einen kleinen Eindruck über die Vorgeschichte:

Kurzbrief der Zuweiserin mit Bitte um  Weiterbehandlung

Kurzbrief der Zuweiserin mit Bitte um
Weiterbehandlung

Hier noch die uns übermittelten Röntgenbilder:

Quiz du jour - reloaded.002

Quiz du jour - reloaded.003

Aufnahmen vor der Replantation wurden uns keine übermittelt.

Laut Anamnese betrug die extraorale Verweildauer mit unphysiologischer Lagerung circa zwei Stunden. Zahn 22 war laut Patient durch das Trauma (Fahrradsturz) um etliche Millimeter Richtung palatinal disloziert.

Bei der Erstvorstellung Anfang November zeigte 21 klinische Anzeichen einer (beginnenden) Ersatzresorption. Die palatinale Zugangskavität war mit Cavit verschlossen. Laut Zuweiserin war am 26.10.2015 Ledermix als medikamentöse Einlage in das Kanalsystem eingebracht worden.

Zahn 22 reagierte negativ auf thermische und elektrische Stimulation bei sonst unauffälligen Befunden.

Anbei noch ein Foto der Mundregion des jungen Patienten…

Extraorale Inspektion nach Avulsion von Zahn 21 und Dislokation von Zahn 22

Extraorale Inspektion nach Avulsion von Zahn 21 und Dislokation von Zahn 22

Was denken Sie über diesen Fall und wie würde Ihr weiteres Vorgehen aussehen?

Gilt es noch Weiteres zu beachten? Brauchen Sie für die weiteren Entscheidungsfindung ggf. weitere Informationen?

Viel Spass beim Quiz du jour reloaded…

;-)

Happy Birthday Sophie

Von Christoph Kaaden

Gestern hatte unsere Tochter Sophie Geburtstag. Vor fünf Jahren kam unser erstes Kind auf die Welt. Sehr zu unserer Freude.

Obgleich alle Anfangsuntersuchungen belegten, dass unsere kleine Prinzessin rundum gesund war stellte insbesondere meine Frau schnell fest, dass ihre Kopfform unnormal war. Ihr Hinterkopf war auffallend abgeflacht und ferner einseitig „unterentwickelt“. Darauf angesprochen beschwichtigten uns die Ärzte und stellten in Aussicht, dass sich dieses „primär ästhetische“ Problem in absehbarer Zeit normalisieren und „verwachsen“ werde.

Die nächsten zwei Monate zeigten indes eine gegenteilige Entwicklung und so begann meine Frau sich im Internet mit dieser Thematik näher zu beschäftigen. Recht schnell konnte sie die Diagnose einer lagerungsbedingten occipitalen Plagiocephali „herausfinden“.

Das Wort Plagiocephalus stammt aus dem Griechischen und bedeutet «schiefer Kopf». Seit der Empfehlung, Neugeborene und Säuglinge im Rahmen der SIDS-Prophylaxe in Rückenlage schlafen zu lassen werden seither sechsmal mehr lagebedingte unnormale Kopfformen registriert. Man unterscheidet die lagebedingte, sekundäre Plagiocephali von der primären Plagiocephali bei einseitiger Coronarnaht- oder Lambdanahtsynostose.

Unsere Tochter war also alles andere als eine Ausnahme. Bereits im Mutterleib hatte diese Fehlentwicklung begonnen und wurde in der weiteren Folge durch die Rückenlage beim Schlafen weiter verstärkt. Unsere „Recherchen“ zur Therapie ergaben, dass eine Helmbehandlung angezeigt war. Die Suche nach einem kompetenten Ansprechpartner hierfür brachte uns schließlich an die Universitätsklinik nach Würzburg. Dort hatte die pädiatrische Neurochirurgie in Zusammenarbeit mit den Abteilungen für Kieferorthopädie und Mund-Kiefer-Gesichts-Chirurgie eine Spezialsprechstunde hierfür eingerichtet.

Eine dort für Sophie individuell angefertigte Kopforthese wurde daraufhin von ihr für die nächsten Monaten konsequent getragen.

Sophie mit Helm

Sophie im Alter von 5 1/2 Monaten mit Kopforthese

Konsequent bedeutete in diesem Zusammenhang 23 Stunden am Tag…

die Eingewöhnung hierfür dauerte keine zwei Tage und verlief unproblematisch.

Drei Monate und einige Kontrolltermine später war die Behandlung abgeschlossen. Die Gegenüberstellung von prä- und postoperativer Situation verdeutlicht das beeindruckende Behandlungsergebnis …

prä- vs postoperative Situation bei ausgangsbedingter

prä- vs postoperative Situation bei lagerungsbedingter Plagiocephalie

Unser besonderer Dank gilt allen beteiligten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Universität Würzburg. Insbesondere Frau S. Habel und Herrn Dr. P. Meyer-Marcotty

Jetzt könnte unsere Tochter auch Super-Modell werden…

;-)

P.S.: Wer sich näher mit dieser Thematik beschäftigen möchte kann dies hier und hier tun

Neustart (VIII) – Kinderkrankheiten (III) – update

Von Christoph Kaaden

Vor gut drei Jahren habe ich hier über unsere Erfahrungen mit der Miscea Armatur berichtet. Es scheint, als wären wir nicht die einzigen gewesen, die zum Teil „Probleme“ mit dieser Armatur hatten. Als Reaktion auf die unzuverlässige Abgabe des Desinfektionsmittels hat uns die Firma auf jeden Fall vor einiger Zeit einen Rückflussverhinderer zugeschickt.

Rückflussverhinderer close-up

Rückflussverhinderer close-up

Dessen Einbau gestallte sich dank Anleitung sehr einfach.

Einbauanleitung Rückflussverhinderer

Einbauanleitung Rückflussverhinderer

Und die Wirkung?

Absolut überzeugend! Seit dem Einbau gehört diese „Neustart-Kinderkrankheit“ der Vergangenheit an.

:-)

 

Off Topic – Internationaler Edelweiß Bergpreis Roßfeld Berchtesgaden

von Christian Danzl

Ich weiss, der heutige Beitrag ist seeeeeehr weit von der Wurzelkanalbehandlung entfernt, auch von der Zahnmedizin.
Auch wurde ich bei einem off-topic Thema schon darauf hingewiesen, dass Bilder vom Privatvergnügen hier fehl am Platz sind.
Dann sehe ich die Bilder diesmal als Beitrag zur work-life-balance.

Vergangenes Wochenende fand in Berchtesgaden – wie jedes letzte Septemberwochenende – auf der Rossfeld Panoramastrasse der Internationale Edelweiß Bergpreis statt.

Hier ein paar Eindrücke.

Zahnärzte als Erfinder

von Hans – Willi Herrmann

Jeder von uns kennt das.
Hat sich schon mal geärgert über eine Unzulänglichkeit im Behandlungsablauf.

Und spontan eine Idee, einen Geistesblitz, wie man mit einem speziell hierfür zugeschnittenen Gerät/Instrument die unbefriedigende Situation verbessern könnte.

Fast immer bleibt es dabei.
Zu schwierig die Umsetzung.

Ganz selten gibt es Kollegen, die ihre Vision soweit vorantreiben, dass diese in dieTat umgesetzt und als fertiges  Produkt auf den Markt gebracht werden kann. Vier davon möchte ich mit ihren Erfindungen hier kurz vorstellen. Erfindungen, die sich in unterschiedlichen Phasen der Produktentwicklung befinden, alle entweder kurz vor oder nach Markteinführung.
KDRGDa wäre zunächst Stephan Gäbler zu nennen, der einen neuartigen Kofferdam- Klapprahmen entwickelt hat. Vermutlich ein typisches „Entweder – Oder“- Produkt.
Entweder man findet es angesichts bereits vorhandener Kofferdamrahmen entbehrlich oder auf Grund seiner Features gegenüber den konventionellen Produkten unverzichtbar. Solche Ideen haben es schwer, einen Industriepartner zu finden. Zu sehr dominieren die „3 D“ („Das haben wir schon immer so gemacht, Das haben wir noch nie so gemacht, Da könnt ja jeder kommen“) in den Köpfen der Entscheidungsträger. Um so größer mein Respekt vor der Leistung Stephan Gäblers, diesen besonderen Kofferdamspannrahmen auf den Weg zu bringen.

Winfried Zeppenfeld konnte hingegen auf  professionelle industrielle Unterstützung zurückgreifen. Sein Instrumentenansatz zur Schallirrigation von Wurzelkanälen  wird in wenigen Wochen von der Firma VDW als „Eddy“ auf den Markt gebracht werden. Ein industrieller Partner ist de facto von großem Vorteil. Dabei geht es nicht nur um die Entwicklung und Herstellung des neuen Instrumentes per se, sondern darüber hinaus um die Erfüllung und Einhaltung der gesetzlich vorgegebenen Auflagen, die zur Produkteinführung notwendig sind. Immerhin handelt es sich zumeist um ein Medizinprodukt, an dessen Zulassung eine Vielzahl von  Reglementationen gebunden sind. Hier ist ein entsprechendes Know How und die zur Abwicklung dafür notwendige Manpower ungeheuer wichtig. Ein „Greenhorn“, und genau zu dieser Personengruppe ist der ideenreiche Zahnarzt zu zählen, wird sich an diesen Formalien extrem schwer tun.

Der Haken an der Sache – eine Beteiligung der Industrie wird umso eher erfolgen, je attraktiver und- machen wir uns nicht vor – damit lukrativer ein neues Produkt erscheinen mag.

Das genau ist das Manko der nächsten Erfindung, die ich vorstellen möchte.

SchlaufeEs ist, um es vorwegzunehmen,  eine tolle Erfindung.

Nils Widera und Marcus Leineweber haben sich ein Hilfsmittel erdacht, das in der Tat bislang einzigartig ist. Weil es im Gegensatz zu den beiden zuvor besprochenen Erfindungen nicht nur etwas besser als bisher bewerkstelligt, sondern etwas zu leisten vermag, für das es bislang  in dieser Form nichts Vergleichbares gab.

Worum handelt es sich ? Um ein Gerät, mit dem es leichter und vor allem selbst in bislang schier hoffnungslosen Fällen möglich ist, Instrumentenfragmente aus Wurzelkanälen zu entfernen.

Die Gretchenfrage ist: Wieviel Geld kann eine Firma mit einem solchen Gerät verdienen ?Wer kauft so ein Gerät ? Wie groß ist überhaupt der Markt für diese Erfindung? Was darf das Instrument kosten, um Marktakzeptanz zu finden ? Ist der Markt groß genug, dass sich eine solche Entwicklung lohnen würde, den Prozess bis zur Marktreife durchzuführen?

Das kann man unterschiedlich sehen.
Die traurige Wahrheit ist allerdings: Bei mehreren Firmen vorgestellt fand sich kein Industriepartner, der das Wagnis der Produktentwicklung eingehen wollte. Nach vielen frustranen Erfahrungen haben die beiden Zahnärzte- Erfinder letztendlich beschlossen, dass Projekt allein auf den Weg zu bringen. Ich drücke beide Daumen, dass es gelingen mag, denn ich würde das Gerät sofort kaufen. Mehr dazu demnächst hier im Rahmen eines Praxis- Erfahrungsberichtes, basierend auf dem Arbeiten mit einem ersten Prototypen.

Einen Ausweg aus diesem Dilemma, zumindest was eine notwendige Startfinanzierung angeht, zeigt die 4. Erfindung auf, die ich hier heute präsentieren möchte.

WWBSimon Prieß steht hinter der Wawibox, einer Online- Materialwirtschaft und Bestellplattform für die Zahnarztpraxis. Seit Donnerstag letzter Woche wirbt die Wawibox bei der Crowdfunding- Plattform „Seedmatch“ um Kapitalgeber.

Auch hier von unserer Seite zweimal Daumen hoch für die Wawibox, damit das Crowdfunding ein Erfolg wird, denn dies wäre ein positives Signal für andere Erfinder, einen gangbarer Weg zu kreieren, die eigenen Visionen Wirklichkeit werden zu lassen.

Wir sind gespannt.

 

 

 

Ein Fall von qualitativer Obsoleszens?

von Olaf Löffler

Obsoleszens – ist ein Wort, welches nicht so häufig gebraucht wird. Aber im Alltag ereilt es uns häufig. Unter Obsoleszens ist die Abnutzung, bzw. Veralterung (Duden) eines Produktes zu verstehen. Hier nun eine kleine Geschichte dazu.

Plötzlich funktionierte das Kodak Röntgengerät nicht mehr. Baujahr 2009. erst vor 2 Jahren haben wir die Hauptplatine erneuern müssen, da beim Auslösen des Gerätes ein Kondensator geplatzt ist, so war die Aussage des Monteurs.
In unserer Praxis haben wir 3 dieser Röntgengeräte. Nur eines funktionierte immer problemfrei. Allerdings wird dieses nur selten genutzt. Als Nutzer ist man auf Grund dieser Erfahrung frustriert.

Dann fiel mir eines Tages das Buch „Geplanter Verschleiss“ von Christian Kreiß in die Hände.
Prof. Kreiß hat in seinem Buch einige Probleme der Kunden beschrieben. Interessant ist die klassische Einteilung von geplantem Verschleiss.

Es wird unterschieden in:
1. Technische und Funktionelle Obsoleszens
Durch technischen Fortschritt wird ein Produkt obsolet – überflüssig, weil das neue Produkt besser ist.
2. Qualitative Obsoleszens
Künstliche, geplante Verkürzung der Lebenszeit durch den Hersteller mit dem Zweck, den Kunden zu Ersatzkäufen zu zwingen.
3. Psychologische Obsoleszens.
Voll funktionsfähige Gegenstände werden durch neue ersetzt, beispielsweise aus Modegründen.

Beispiele zur oben beschriebene Einteilungen kann sicher jeder Leser nennen.

Im anfänglich beschriebenen Fall des Röntgengerätes kommt noch hinzu, daß ein Neukaufzwang durch überteuerte Ersatzteile bzw. Reparaturen entsteht.
Im Falle dieses Gerätes sind für den Strahler € 2589,44 Kosten für die Reparatur fällig.

Dies kann man als eine gewollte Umsatzsteigerung der Firma ansehen. Wenn der Kunde dies bemerkt, wechselt er zu einem Konkurrenzprodukt. Und hofft wenn er wechselt, daß ihm beim Konkurrenten nicht dasselbe wiederfährt. Wenn aber alle Konkurrenten so unfair spielen dann.
Da im o.g. Beispiel keine Kulanz gewährt wird, kommt der Verdacht der qualtitativen Obsoleszens auf.
In Frankreich ist die geplante Obsoleszens zukünftig ein Betrugsdelikt.

 

 

Die Zahnarztpraxis in naher Zukunft – ein mögliches Szenario

von Noel Shabraq

Als ich noch jung war (70er/80er Jahre) ging ich regelmässig zum Zahnarzt und bei Bedarf zum Arzt.

Nein.

Dieser Satz ist KEINE Aufforderung für die Gleichstellungsbeauftragte tätig zu werden.

Ja.

Arzt und Zahnarzt.

Ich wuchs auf dem Land (Kleinstadt) auf.

Da waren Ärzte und Zahnärzte Männer.

Wenn man in eine „größere“ Stadt (Kreisstadt) kam, bemerkte man hin und wieder, dass auch Frauen als Ärztinnen tätig waren. Meist jedoch beschränkt auf Pädiatrie und Gynäkologie.

Dass es auch Zahnärztinnen gab, wurde mir erst später klar. Im Umkreis von 30 km war mir zumindest in der Jugend keine bekannt (was aber nicht heisst, dass es keine gab).

Irgendwann wurde man dann im Zahnmedizinstudium mit einer anderen Realität konfrontiert:

„Was machen die ganzen Mädels hier?“

Es gab also doch einen deutlich höheren Frauenanteil in der Zahnheilkunde, als mir bisher klar war. Uns so war es, dass bei uns im Examen (Mitte der 90er) dann ca. ein Drittel bis die Hälfte der Studierenden Frauen waren.

Niedergelassen hab ich mich in einer Kreisstadt Ende der 90er.
Ca. 17.000 Einwohner, 15 Zahnärzte, 2 Zahnärztinnen.
Mehr dann doch wieder das „klassische“ Verhältnis.

Und ich hab auch noch die „Macho“-Sprüche der alten Kollegen im Ohr:

„Naja. Karies ausbohren können Frauen vielleicht noch, aber denen geht doch die Kraft aus, wenn sie mal einen Weisheitszahn ziehen müssen!“

An den Satz hab ich noch oft denken müssen.
Denn, geschwitzt hab ich oft beim Entfernen von 8ern, aber eine KRAFTanstrengung war es sicherlich nie….

OK, aber, wie war es vorher?

Als Zahnarzt hat man eine Praxis übernommen oder sich eine neu gegründet. Man hat dort gearbeitet, die Praxis abbezahlt und wenn man sich zur Ruhe gesetzt hat, hat man die Praxis für gutes Geld verkauft und so war für die Altersversorgung auch sicher. Es gab eine Zulassungsbeschränkung, so dass auch immer ein gewisser Preis beim Verkauf erzielbar war.

Irgendwann fiel die Zulassungsbeschränkung.

Was zur Folge hatte, dass Praxen in exponierter Lage oder Praxen mit alter Einrichtung schwer, bis gar nicht mehr zu verkaufen waren. So kam es auch bei uns im Umkreis dazu, dass Praxen, wenn nicht ein Nachfolger in der Familie da war, einfach geschlossen wurden.
Wer noch ein wenig aktiv war konnte die Einrichtung noch bei eBay verkaufen, wer nicht, durfte für die Entsorgung auch noch bezahlen.

Eine gut gehende, zeitgemäss ausgestattete Praxis ist aber immer noch für einigermassen Geld zu verkaufen, da eine Neugründung heutzutage auch keine Zuckerschlecken ist.

Zur Zeit gibt es einen Trend, den ich hier am Ort beobachte:

Da noch genug Arbeit in der ZHK vorhanden ist, und jetzt Zahnärzt/Innen angestellt werden dürfen, geht der Trend auch dahin.
In den letzten 5 Jahren haben am Ort mindestens 5 Praxen Zahnärzte angestellt.
Genau, meistens Zahnärzte. Anfangs.

Jetzt sind es mehr Zahnärztinnen.
Es sind in den letzten Jahren auch einige Praxen von Frauen übernommen worden, aber angestellt sind durch die Bank Frauen (was aber auch nicht verwundert, da zur Zeit die Examensjahrgänge teilweise aus 90% Frauen bestehen).

So auch bei mir.

Meine angestellte ZÄ hat sich nach 6 Jahren in eine andere Praxis/Fachrichtung orientiert und ist noch einen halben Tag in der Woche da.
Also Stellenanzeige aufgegeben. Ersatz suchen.

Kurz:
Eine gleichwertigen (zeitlichen) Ersatz – also Vollzeit – haben wir nicht auf die Schnelle gefunden.
Sondern:
Eine Zahnärztin nach dem Mutterschutz (1. Kind), die Teilzeit arbeitet (16 h/Woche) und eine Zahnärztin nach dem Mutterschutz (nach dem 2. Kind), die auch Teilzeit (12 h/Woche) arbeitet.

Es wird zwar ein wenig komplizierter, aber es wird auch gehen.

So wie es aussieht, ist die ZA-Praxenlandschaft gewaltig im Umbruch.
Der Einzelkämpfer, der Vollzeit arbeitet und nach seiner aktiven Zeit seine Praxis für gutes Geld verkauft, ist eine aussterbende Spezies.
Zahnärzte anstellen wird immer schwieriger (ca. 10% Absolventen), Zahnärztinnen einstellen eher leichter (90% Absolventinnen). Anfangs noch Vollzeit werden nach diversen Schwangerschaften die Frauen in der ZHK hauptsächlich Teilzeit arbeiten (wenn überhaupt noch).

Und so wird ein Teil der Praxisinhaber selber weniger arbeiten, und dafür seine Teilzeitzähnärztinnen verwalten, die er für verschiedene Teilbereiche einstellt.

So kann ich mir durchaus vorstellen, dass man eben mit 55-65 Jahren (oder wann man eben aufhören wollte) die Praxis nicht verkauft, sondern Teilzeit-Zahnärztinnen einstellt und sich selber aus dem operativen Geschäft zurückzieht und nur noch die anfallenden, nicht delegierbaren Verwaltungsaufgaben erledigt.
So eine Praxis ist aber dann natürlich wieder deutlich leichter zu verkaufen.

Leider aber auch an Nicht-Zahnärzte.
Also Investoren, die aus dem medizinischen, oder nichtmedizinischen Umfeld kommen werden.
Privatklinikbetreiber, Pharmafirmen, Dentaldepots, Krankenkassen, aber auch andere, fachfremde Investoren, die nur Geld verdienen wollen.
Wenn das gesetzlich anfangs vielleicht noch nicht möglich sein sollte, wird das über Stohmänner erfolgen. Aber Gesetze werden dahingehend sicherlich noch geändert werden um den Ausverkauf auch der Zahnmedizin an Investoren zu ermöglichen.

Die Preise für den Patienten werden dabei sicher nicht sinken, die Qualität der Behandlung allemal. Dafür werden wir täglich mit Werbung zugerdröhnt werden, in der die höchste Qualität der Versorgung – ermöglicht durch den neuen Träger – angepriesen wird.

Freie Arztwahl?
Man muss kein großer Visionär sein, um sich diese Frage selber zu beantworten.

Wie gesagt, ein mögliches Szenario.
Hoffen wir, dass der Ausverkauf der Zahnheilkunde nicht so erfolgen wird, sondern die ZHK in Händen der Zahnärzte bleibt. Angestellt oder Selbständig.

Artikel in der „Zeit“ – Die Wurzel des Übels

von Hans – Willi Herrmann

OLYMPUS DIGITAL CAMERAEr habe in der „Zeit“ über ein spezielles Wurzelkanalinstrument gelesen.
Ob ich den Artikel kennen würde, fragte der zur Wurzelkanalbehandlung überwiesene Patient beim Aus-der-Tür-Gehen.
Es war seine erste Behandlungssitzung bei uns, ich hatte ihm während unserer Behandlung ein wenig vom Aufbau der von uns verwendeten Instrumente erzählt.

Ich verneinte, aber schnell war klar, im Zeitungsbericht ging es um das Lentulo.

Natürlich wollte ich den Artikel lesen.
Ob er mir die Zeitung mitbringen könne, fragte ich.
Der Patient hielt Wort. Und brachte zur nächsten Behandlungssitzung  die betreffende „Zeit“- Doppelseite mit.

Ein ausführlicher Bericht über die Wurzelkanalbehandlung in der wohl renommiertesten deutschsprachigen Wochenzeitschrift ?

Jeder Lobbyverband wäre froh über soviel kostenlose PR.
Wer nachlesen möchte, was  über Zahnschmerzen und Möglichkeiten des Zahnerhaltes durch Wurzelkanalbehandlung geschrieben wurde, der nutze diesen Link bei „Zeit Online“ zum Nachlesen.

Dem einen oder anderen wird dabei vermutlich gegen Ende der ersten Seite das Lachen spontan aus dem Gesicht verschwinden. Die Autorin wagt es nämlich, das böse C- Wort nicht nur zu erwähnen, sondern darüber hinaus besagtes Desinfektionsmittel als das beste und eindrucksvollste überhaupt anzupreisen. Nur der Vollständigkeit halber. Von Kofferdam, Dentalmikroskop, elektrischer Längenmessung war bis dato  keine Rede, wird auch im Nachfolgenden nicht gesprochen und der Begriff „Spezialist“ wird lediglich im Zusammenhang mit Korallenriffen erwähnt.

Wer nun zum Schluss kommen sollte, die „Zeit“ sei auch nicht mehr das, was sie einstmals war, den möchte ich auf das Erscheinungsdatum des Artikels kurz vor Weihnachten hinweisen. Jahreszeitlich gesehen schwebt über diesem Aufsatz adventsbedingt also nicht nur die auch im Dezember drückend heiße Mittagssonne Timbuktus, sondern auch der zur Versöhnung und Völkerverständigung aufrufende Stern von Bethlehem.

Und daher schlage ich vor –  Friede auf Erden – gewissermaßen als guter Vorsatz für das gerade begonnene Jahr 2015 – einfach mal versuchsweise – rein hypothetisch – anzunehmen, das das in den Artikel Beschriebene wahr ist.

Wie ließ Arthur Conan Doyle seinen Helden Sherlock Holmes einst sagen: „Wenn man das Unmögliche ausgeschlossen hat, muss das, was übrig bleibt, die Wahrheit sein, so unwahrscheinlich sie auch klingen mag.“

Es gab Jahrzehnte,  in denen die Endodontie generell als falsch verschrien war.
Es gibt Vorurteile aus dieser Zeit, die sich bis heute hartnäckig halten.
Die nicht tot zu kriegen, aber dennoch falsch sind.

Das alles im Hinterkopf und  dem entsprechenden zeitlichen Abstand sollte es doch heutzutage möglich sein, CHKM  erneut und vorbehaltlos zu revaluieren.

Was spräche also dagegen, in diesem Jahr einfach mal – von mir aus in den sogenannten hoffnungslosen Fällen – zu eruieren, ob man unter Zuhilfenahme „reinigender Kriechmittel“ die entsprechenden Zähne erhalten kann.

Und nächstes Jahr sprechen wir hier darüber, welche Erfahrungen gemacht wurden.
Einen Versuch wäre es wert und die Patienten  – die Autorin ist das beste Beispiel –  würden es danken.

Neustart (XVI) – Pimp your Behandlungszeile “light” (II)

Von Christoph Kaaden

Auf den Tag genau drei Jahre ist es her, dass wir mit unserer Praxis für Endodontologie & dentale Traumatologie in München gestartet sind. Das erste Dreivierteljahr stand uns zunächst nur ein Behandlungszimmer zur Verfügung. Später wurde dann Therapie-Raum II sukzessive eingerichtet und „aufgerüstet„. Den letzten Bericht hierzu finden sie hier.

Circa 1500 Patienten später erfolgte nun vorgestern mit der Wandmontage der Monitore der (vorerst) letzte Schritt dieser „Instandsetzungsserie“. Unter anderem auf Grund der 5-Jahres-Garantie und dem inkludierten Reparaturservice (mit Leihgerät) habe ich mich für zwei graue Eizo Monitore entschieden.

Mein besonderer Dank gilt auch hier wieder  Dr. „Heimwerker-König“ Florian Krekel, ohne dessen Einsatz mir auch dieses Projekt alleine nicht annähernd möglich gewesen wäre.

Hier die einzelnen Arbeitsschritte anhand zahlreicher Aufnahmen:

Monitormontage.001

 

Monitormontage.002

 

Monitormontage.003Der Durchmesser der Bohrungen (hinter PC-Fach-Wand und Behandlungszeilen-Wand) richtet sich hierbei nach der Steckergröße der Monitore und Anzahl der Kabel (hier vier). Es empfiehlt sich die Kabel mittels Zugseil (hier Nylon- und Drahtvariante) von unten nach oben durchzuziehen.
Monitormontage.004Monitormontage.005Monitormontage.006Um zu verhindern, dass die Kabel durchhängen und ungewollt unterhalb des Monitors sichtbar werden wurden diese mittels Kabelbinder am Monitor fixiert.

Et voila… gut drei Stunden später war das Projekt abgeschlossen und insbesondere Florian hatte sich sein „Belohnungs-Steak“ mehr als verdient!

Monitormontage.007Genau wie in unserem ersten Behandlungszimmer findet sich ferner auf der drei-Uhr-Position des Patienten ein grosser Bildschirm, der mit dem PC Monitor II synchronisiert ist, um so eine umfassende Patientenaufklärung und Beratung durchführen zu können. Die Position des 42 Zoll Flachbild-Fernsehers ist so gewählt, dass dieser nicht versehentlich durch die Tür beschädigt werden kann.

Monitormontage.008

Ich freue mich auf das Arbeiten in diesem Behandlungszimmer und danke Florian für seine großen großen Mühen. Mir hat`s viel Spass gemacht :-)

Mutter aller Fallberichte (III)

Von Bonald Decker

Vor gut zwei Jahren habe ich hier und hier Beiträge über die „Mutter aller Fallberichte“ verfasst.

Heute möchte ich Ihnen das gestern durchgeführte Recall vorstellen:

Klinisch reagiert Zahn 34 negativ auf Kälte und EPT (elektrischer Pulpatest). Radiologisch zeigt sich eine vollständige Remission der apikalen Aufhellung bei deutlicher Obliteration des Wurzelkanalsystem. Das Wurzelwachstum kann als abgeschlossen betrachtet werden, wobei sich die Wurzellänge im Seitenvergleich als verkürzt darstellt.

Mutter aller Fallberichte III.001

 

In meinen Augen stellt die Behandlung einen beachtenswerten Erfolg dar. Wir werden sehen, wie sich die Situation weiter entwickelt und ob zukünftig ggf. unvorhergesehene Komplikationen der gewählten Therapie auftreten…

Der Transparentmacher

Von Christoph Kaaden

In der endodontischen „Szene“ ist der Name – Dr. Holm Reuver – seit Langem ein Begriff. Insbesondere verbindet man mit seinem Namen die von ihm in den letzten Jahren perfektionierte Technik der „Transparentmachung von Zähnen

Transparentmacherb.004

Vor sehr Kurzem hat dieser „Daniel Düsentrieb“ der Zahnheilkunde beschlossen sein Wissen und seine Erkenntnisse der „breiten Masse“ zuteilwerden zu lassen. Mittels einer eigenen Homepage:

Transparentmacher.de

Transparentmacher.001

Die Seite richtet sich primär „an Zahnärzte, die auf Endodontie spezialisiert sind oder ein besonderes Interesse an diesem Fachgebiet haben. Hier können hochwertige Bilder durchsichtiger Zahnpräparate für die Praxis erworben werden.“

Transparentmacher.002

Der zwei Teil der Seite stellt mit „CLEARINGSERVICE ein ganz neuen und besonderen Dienst zur Verfügung. Es ist eine weltweit einmalige Einrichtung zur Untersuchung von Zähnen mit Hilfe der Clearing-Technik. Sie eignet sich besonders zur Untersuchung wurzelbehandelter Zähne. Von Ihnen eingeschickte Zähne werden in transparente Präparate überführt und anschließend mit einer hochwertigen Fotodokumentation ausgewertet.“

Transparentmacher.003

Ich bin mir sehr sicher, dass diese Seite und seine Inhalte ein voller Erfolg werden.

Machen Sie sich selber einen Eindruck!

Es lohnt sich!

Blick über den Tellerrand- Ohrenschmerzen unklarer Genese

Von Bonald Decker

Die Schmerzen fingen in der Nacht von Donnerstag auf Freitag nach dem Fussball-Weltmeisterschaftsspiel gegen Cristiano Ronaldo et al. an. Anders als mir (insbesondere aus der Kindheit) bisher bekannte Ohrenschmerzen lag die Schmerzstelle nicht innerhalb des Ohres bzw. Gehörganges sondern schien primär die (linke) Ohrmuschel zu betreffen. Auf einer Skala von 0 -10 lag die gefühlte Intensität bei 6-7 und führte dazu, dass ich wiederholt aufwachte.

Die (stechenden) Schmerzen steigerten sich innerhalb des Freitags und schlossen nun auch das Ohrinnere mit ein. Subjektiv war das Hörvermögen nicht beeinträchtigt. Eine Erklärung für die Entstehung der Beschwerden hatte ich zu diesem Zeitpunkt nicht. Ich stellte jedoch innerhalb des Tages fest, dass Wäreeinwirkung eine sehr gute Linderung bewirkte.

Im Laufe des Samstags kam ein weiteres Hauptsymptom hinzu. Die Kopfhaut links war nun (plötzlich) extrem berührungsempfindlich, so dass zum Beispiel das Kämmen der Haare beträchtliches Missempfinden verursachte. Auch schienen die Oberkiefer-Seitenzähne im 2. Quadranten zu schmerzen. Die Ohrenschmerzen persistierten auch in dieser Zeit und konnten durch die Einnahme von Schmerzmitteln (Ibuprofen 600mg) nur für wenige Stunden reduziert werden. Die positive Wirkung von Wärmeinwirkung in der Region nahm (leider) stetig ab.

Montagfrüh fielen mir dann am Hals links (Kehlkopfbereich) erstmals rötliche Pusteln auf. Deren Anzahl steigerte sich im Laufe des Tages und zum Abend hin hatte ich einen sehr starken Verdacht, was die Ursache meiner Schmerzen in der linken Gesichtshälfte war.

Meine Verdachtsdiagnose wurde am Dienstagmorgen von der Dermatologin bestätigt:

Herpes Zoster 

Als Therapie wurden mir ein orales Virostatikum (Aciclovir 800mg-5x tägl.) sowie Analgetika (Ibuprofen) verschrieben. Kurzfristig stand auch eine stationäre Aufnahme mit systemischer Gabe des Aciclovirs im Raum. Ich war froh, dass diese Hiobsbotschaft aber nicht eintrat. Auch die empfohlenen Untersuchungen bei Augen- und Ohrenarzt (u.a. zum Ausschluss einer Beteiligung des Sehnerven) blieben zum Glück (!) ohne pathologische Befunde.

Bis Donnerstag verschlechterte sich mein „Erscheinungsbild“ zunehmend und ich sah aus wie ein pubertierender Jugendlicher mit Akne.

Herpes Zoster in linker Gesichtshälfte

Herpes Zoster in linker Gesichtshälfte

Gut zwölf Tage nach meinen ersten Symptomen waren die grössten „Spuren“ der Herpes-Zoster-Erkankung abgeklungen. Was jedoch deutlich länger persistierte war die postherpetische Neuralgie. Eine subjektiv empfundene Mischung aus Juckreiz und starkem Sonnenbrand (Skala 8). Glücklicherweise war auch dieser Spuk einige Zeit nach dem Ende der Fussball-Weltmeisterschaft komplett verflogen. Ob der Gewinn des Fifa-Pokals damit etwas zu tun hatte halte ich für unwahrscheinlich. Geschadet hat er aber sicher nicht ;-)

Wenn ich jedoch im Vorfeld gewusst hätte, dass eine mögliche Herpes-Zoster-Impfung diese „Erfahrung“ verhindert (oder deutlich gelindert) hätte, so wäre diese Massnahme für mich definitiv in Frage gekommen. Eine solch beeinträchtigende Erkrankung (in diesem Fall nur temporär) führt einem sehr deutlich vor Augen, wie kostbar die (eigene) Gesundheit ist.   Vielleicht sprechen Sie diese Thematik also bei Ihrem nächsten Hausarztbesuch an und klären, ob die Impfung für Sie in Frage kommt…

Anders als den 4. Stern kann man eine Herpes-Zoster-Erkrankung nämlich nicht wirklich  „gebrauchen“.

 

Der Widerstand gegenüber der elektronischen Gesundheitskarte nimmt zu

von Olaf Löffler

Vor einiger Zeit wurde hier bereits über die elektronische Gesundheitskarte berichtet. Der Termin zur Einführung rückt immer näher und der Widerstand wächst.
Erstaunlich ist, daß nicht mehr Gegenwind kommt, da gerade jetzt immer mehr sensible Daten an die Öffentlichkeit gelangen und bei Leibe nicht sicher geschützt werden können.

Die möglichen Folgen für Patienten werden in einem Video des Bündnisses „Stoppt die e-Card“ anschaulich dargestellt.

Dem möglichen Nutzen der eCard stehen recht große persönliche Risiken gegenüber.
Darüber muss sich jeder selbst klar werden und kann sich heute auch dazu artikulieren.

http://www.stoppt-die-e-card.de/index.php?/pages/petition.html

Broschüren für Patienten kann man übrigens nicht mehr bestellen.
Diese sind ausverkauft.

 

Wie wär´s mit dem Stanglwirt ?

von Donald Becker
Kitz-1Wir brauchen eine neue Unterkunft.
Hals über Kopf waren wir angereist. Hatten, der ungewissen Lage wegen, solange dies möglich war, Tag für Tag unseren Hotelaufenthalt verlängert.
Nun müssen wir uns eine neue Bleibe suchen.

„Wie wärs mit dem Stanglwirt ?“, sagt die Dame neben mir, die – man kennt sich mittlerweile – ebenfalls allmorgentlich vor der Tür der Intensivstation des österreichischen Krankenhauses darauf wartet, Zugang zu bekommen. „Das ist ein schönes Hotel. Ich war schon dort.“ Und fügt bekräftigend hinzu: „Da sind auch viele Prominente.“

Der Stanglwirt in Kitzbühel.
Gehört hatte ich davon schon des öfteren. Und war daher beim ersten Vorbeifahren auf dem Weg nach St. Johann in Tirol erstaunt darüber, daß Kitzbühel noch  15 – 20 Kilometer entfernt gelegen ist. Der angesichts des Renomees des Hauses vermutlich nicht ganz so durchschnittliche Herbergsgast wird wahrscheinlich den Weg zur Streif nicht zu Fuß zurücklegen wollen.
Aber diese kleine geographische Ungenauigkeit lasse ich durchgehen.
Mehr stört mich, wer alles als prominenter Gast in besagtem Hause in den Blickpunkt der Öffentlichkeit gestellt wird.

Prominent, das habe ich aus der Anatomievorlesung noch in Erinnerung, bedeutet „herausragend, hervorragend“.

Und prompt kommt mir ein Yellowpress- Druckerzeugnis von Anfang des Jahres in den Sinn, welches ausführlich berichtete, daß „unzählige Prominente“ ein gemütliches Jahresend- Zusammensein bei besagtem Stanglwirt feierten.

Eine Person ist mir konkret in Erinnerung geblieben.
Nennen wir sie Frau E. und von Berufs wegen war sie – ihr Noch – Ehemann ist nicht mehr professionell sportlich aktiv – Spielerfrau.

Frau E. stammt aus einer Zeit, in der die Lebensabschnittsgefährtinnen von Fußballbundesliga- Spielern noch nicht den Anspruch hatten, Model und Schmuckdesignerinnen in Personalunion zu sein. Sondern sich darin genügten, als das schöne weibliche Wesen an der Seite des Sportidols in Erscheinung zu treten.

Das sei ihr gestattet, drängt aber die Frage auf, was denn nun an ihr als Projektionsfläche des  längst verblichenen  Ehegattenruhmes so herausragend ist, das Hochglanz- Printmagazine und „Vor 20 Uhr Gossip TV“- Formate mit ihr als Inhalt gefüllt werden.

Kitz-1-2Herausragend hingegen ist das Tun der Frauen und Männer hinter der Tür, vor der ich seit einer Woche sitze, während mein Vater wenige Meter von mir entfernt mit dem Tode ringt. Zustand post OP wegen akutem Abdomen, zunächst unauffälliger Verlauf, 3 Tage später nach paralytischem Ileus Aspirationspneumonie, Sepsis, Herzinfarkt, Reanimation, Niereninsuffizienz mit Dialyse. 14 Perfussoren hängen an. Adrenalin in zunächst hochdramatischen Dosen.

Was niemand nach einer Woche permanent an der Schwelle des Todes auch nur hoffen durfte.
Er überlebt.

Dank der gut eingespielten, unprätenziösen, ruhigen Arbeit der Ärzte und Pfleger.
Die nicht nur ein Leben gerettet, sondern darüber hinaus ein Stück weit das angekratzte Bild der Krankenhausmedizin – Sparwut und Entfremdung haben in den letzten Jahren ihre Spuren prägend hinterlassen- ein wenig korrigiert, es vertrauensbildend wiederaufgebaut haben.
Denn die  Institution Krankenhaus hat sich  in den vergangenen Jahrzehnten nicht zum Vorteil entwickelt. Damit ist nicht der per se de facto vorhandene Fortschritt in der Medizin ist gemeint, sondern die Begleitumstände und Rahmenbedingungen.

Vielleicht ist das alles ja in Österreich deutlich besser als in Deutschland.
Ich habe keine Ahnung.
Aber ich vermute, das dem nicht so ist, denn auch im „Heile Welt Idyll“ – Heimatland von Mozartkugeln und Schlagobers vermisse ich die Wertung, die Würdigung des Geleisteten in der Öffentlichkeit. Da bislang Frauke Ludowig nicht lobend im Fernsehen berichtete,  in der GALA noch kein Beitrag über die heilenden Hände der Intensivpflegerinnen und Pfleger von St. Johann platziert wurde  und ich auch keine Dienstwagen- Armada an Luxusssportwagen in der Tiefgarage des Krankenhauses entdecken konnte, gehe ich, bis das Gegenteil bewiesen wurde, davon aus, das in Österreich weder Ansehen noch Bezahlung positiv von den Rahmenbedingungen in Deutschland abweichen.

Und damit kommen wir zum springenden Punkt.
Wir leben heutzutage in einem Zeitalter, in einer Gesellschaft, die ihre wahren Stützen, ihre real exisitierenden, aber zugegebenen lobbylos und daher still und unbeachtet agierenden Helden ignoriert.
Und sich daher nicht wundern muss, wenn diese irgendwann ausgebrannt die Segel streichen, der dringend benötigte Nachwuchs nachvollziehbar immer schwerer zu finden ist.

Ich möchte also „unzählige“ Kranken- und Altenpfleger sehen, die die Seiten jener „Seht her wie toll“- Hochglanzpostillen füllen, Feuerwehrleute und Polizisten. Polizisten, die gegenwärtig in München so wenig verdienen, dass sie sich das wohlgemerkt ganz normale Leben in dieser Stadt nicht mehr leisten können, während Sie die Sicherheit der in der Maximilianstraße geparkten  Luxuskarossen gewährleisten und damit den reibungslosen Transit ihrer im Überfluß lebenden Besitzer nach Kitzbühel sicherstellen.

Kitz-1-5Ich habe das Gefühl, das ich das nicht mehr erleben werde.
Mein Vater, im Juni 76 Jahre alt geworden, sicherlich nicht.

Aber er ist wieder zu Hause.
Und mäht vielleicht sogar demnächst wieder den Rasen hinter seinem Haus, was familienintern als ultimatives Zeichen dafür gewertet werden könnte, dass er noch einmal dem Tod nicht nur von der Schippe gerutscht, sondern mit beiden Beinen kraftvoll und weit heruntergesprungen ist.

Dafür möchte ich den Frauen und Männern der Intensivstation des Krankenhauses St. Johann in Tirol meinen tiefen Dank aussprechen.

Und sie bitten, nicht nachzulassen in ihrem tagtäglichen Bemühen, Leben zu retten.
Sie leisten Herausragendes.

Und damit etwas unendlich Wertvolleres als viele der Pseudo- Medien- Lichtgestalten, die im Blickpunkt der Öffentlichkeit stehen und sich im potemkinschen Glanz des renommierten Nachbarortes sonnen.

Nicht diese sind die wahren Prominenten, SIE sind es.

Kitz-1-4

„Das allgemeine Berufsbild ist höchst unerfreulich“ oder Früher waren die Patienten noch dankbar und nett

von Hans – Willi Herrmann

OLYMPUS DIGITAL CAMERADie Patienten sind undankbar und früher war alles besser ?

Hierzu ein Auszug aus einem Buch von Dr. Erich Heinrich – Vom Erfolg in der zahnärztlichen Praxis. Von 1949.

Untertitel: Ein Buch über und für Zahnärzte, über die Kunst der Menschenkenntnis und Menschenbehandlung in ihrem Berufe.

p.s.: Und wenn man weiterliest, erfährt man, wer  schuld ist an der Misere. Die Krankenkassen. Dazu nächste Woche mehr.

 

Wurzelspitze Ü-Day 5 2014 München – Nachlese

von Hans – Willi Herrmann

Am 11. und 12. April 2014 fand in München der 5. WURZELSPITZE Ü- Day, der Überweisertag der WURZELSPITZE – Praxen statt.

Nach dem traditionellen freitagabendlichen „Get Together“, dieses Mal im Paulaner- Braukeller am Kapuzinerplatz abgehalten, referierte am Samstag vormittag Jörg Schröder zum Thema Trauma- Erstversorgung, Christoph Kaaden zur Anästhesie in der Endo, Olaf Löffler zur Post- Endo – Versorgung, während ich zum Thema „gesetzeskonforme endodontische Patientenaufklärung und Dokumentation“ vortrug.

Unser besonderer Dank gilt Prof. Reinhard Hickel, der es ermöglichte, dass die Veranstaltungen im großen Hörsaal und Kons- Phantomsaal der LMU München stattfinden konnten. Und unserem externen Referenten Dr. Jan Hajto, der praxisnah das Thema vollkeramische Restaurationen beleuchtete und dabei sogleich einen kritischen und dennoch  unterhaltsam kurzweiligen Blick auf das Reizthema „Werkstoffkunde“ und „Keramikfrakturen“ legte.

Dem Ü- Day angeschlossen war der mittlerweile schon zum 6. Male ausgerichtete WURZELSPITZE- Teamday, welcher der internen Weiterbildung der WURZELSPITZE – Praxen – Mitarbeiter dient.
Während die ersten Jahre Vorträge zum QM und Praxisabläufen im Mittelpunkt des Teamdays standen, wurden beim letzten Teamday in Salzburg zum ersten Mal im Kreise aller Praxen praktische Übungen (Notfallmaßnahmen in der Zahnarztpraxis) durchgeführt. Und in diesem Jahr konnte ein lang gehegter Wunsch der Praxismitarbeiter in die Tat umgesetzt werden, nämlich (am Phantomkopf und mit Frasaco – bzw.extrahierten Zähnen) zahnärztliche Behandlungen einmal selbst vorzunehmen. Insgesamt 4 verschiedene Stationen waren eingerichtet, an denen endodontische Behandlungen unter dem Dentalmikroskop, Composite- Füllungstherapie, sowie  Provisorienherstellung durchgeführt werden konnten. Aus meiner Sicht des Endo- Stations- Betreuer kann ich berichten, dass das angestrebte Ziel, die endodontischer Behandlung aus Behandlerwarte mit allen Höhen und Tiefen (spektakuläre Aufbereitungsergebnisse, Instrumentenbrüche) näherzubringen, als voll und ganz gelungen bezeichnet werden kann. Das die vorgesehenen Frühstückspausen nur rudimentär genutzt wurden, kann als starkes Indiz für das Interesse und den Eifer der Teilnehmer gewertet werden.

Parallel zu den Übungen am Phantom gab es für die administrativ tätigen Mitarbeiter  einen Erfahrungsaustausch, den Verwaltungsworkflow der Endo- Behandlung betreffend.

Mit 93 Teilnehmern erzielte der diesjährige Teamday einen neuen Teilnehmerrekord.
Einige  Impressionen der Veranstaltung liefert die nachfolgende Bilder- Galerie.
Auch für 2015 ist wieder ein Ü- Day/Team-Day vorgesehen.
Er soll am 27. und 28. März 2015 in Leipzig stattfinden.

 

Terminierung von Schmerzpatienten

von Christoph Kaaden

Die zeitnahe und sinnvolle Terminierung von Schmerzpatienten zählt zu  d e n  grossen Herausforderungen einer jeden zahnärztlichen Praxis. Um dieser logistischen Aufgabe gerecht zu werden haben wir zum Beispiel mehrfach die Woche „Schmerz-Zeiten“ für solche Notfall-Patienten geblockt. Dies ist aber sicher kein Patentrezept und ich könnte mir vorstellen, dass „jeder“ Mitleser von Wurzelspitze für sinnvolle Anregungen und Tipps hierzu dankbar wäre.

Daher möchte ich Ihnen solche von Jennifer de St. Georges, einer sehr renommierten und international gefragten Praxismanagerin, „weitergeben“.

In diesem Video gibt sie zahlreiche Anregungen und Sichtweisen zu dieser Thematik. Die gut 20 Minuten dieses Videos sind in meinen Augen sehr gut investierte Zeit und können ggf. helfen das Management und die Terminierung von Schmerzpatienten in Ihrer Praxis zu verbessern bzw. zu optimieren.

Ferner würde mich interessieren, wie Sie diese Problematik in Ihrer Praxis handhaben und welche Tipps Sie weitergeben können… nutzen Sie dazu doch die Kommentar-Funktion.

P.S.:Auf der Homepage von Jennifer de St. Georges finden sich hier noch einige weitere sehenswerten Videomitschnitte einiger ihrer Präsentationen…

 

Es war einmal… in 1896

von Hans – Willi Herrmann

Die folgenden Textzitate verdanke ich Tomas Lang und dessen Vortrag auf einem Endodontie- Expertenforum am vergangenen Freitag. Sie sind dem Buch von W. D. Miller „Lehrbuch der conservirenden Zahnheilkunde“ von 1896 entnommen, das auch heute noch, fast 120 Jahre später ausgesprochen lesenswert ist und darüber hinaus an vielen Stellen den Leser sehr nachdenklich zurücklässt.

Aber sehen sie selbst – Zunächst das im Vortrag von Tomas Lang angeführte Zitat, das er seinem Vortrag über tatsächliche und vermeintliche Neuerungen in der Endodontie voranstellte:

Miller-6

Im Vorwort habe ich die nachfolgenden Sätze gefunden, den Stellenwert der Konservierenden Zahnheilkunde betreffend im Vergleich zur Prothetik:

Miller-1

Und führt weiter aus:

Miller-2

 

Zum Kofferdam schreibt Miller:

Miller-4

 

Aber auch – nachdenklich:

Miller-3

 

Wenn ich jetzt – so wie Tomas Lang bei mir (dem ich an dieser Stelle noch einmal herzlich danken möchte für den Literaturhinweis) ihr Interesse an diesem Buch geweckt haben sollte, dann finden sie im Internet an mehreren Stellen wie z.B. hier das Buch als PDF – Download. Abschließend noch ein weiteres Zitat zum Thema „Endodontie“ zur auch aktuell wieder heiß diskutierten Frage „einzeitig oder zweizeitig“, das zeigt, das in der Endodontie nur sehr sehr wenig wirklich neu ist:

Miller-5

Auf Tuchfühlung

von Jörg Schröder

Anlässlich eines Vortrages für die Studierenden des Postgraduate-Programmes an der ACTA in Amsterdam hatte ich in dieser Woche die Gelegenheit mich in Begleitung des Leiter des Endo-Departments, Dr. Hagay Shemesh, im Klinikgebäude umzusehen.

Mit „stark beeindruckt“ ist das Gesehene nur unzureichend beschrieben.

Das im Jahr 2010 bezogene Gebäude beherbergt auf 13 Stockwerken so ziemlich alles, was das zahnmedizinische Herz begehrt. Neben der Ausstattung der hier Lehrenden und Lernenden, so gibt es neben 3D-Phantomkurs-Simulatoren für die vorklinischen Semester, ein mehr als üppig ausgestattetes mikrobiologisches Labor, eine volldigitale Bibliothek mit Zugang zu allen Journals, fällt vor allem die offene und zur Kommunikation einladende Architektur ins Auge.

Die Studierenden des endodontischen Post-Graduate-Programms haben direkte Tuchfühlung mit den Leitern des Programmes und sitzen gemeinsam in einer kleinen Variante eines Großraumbüros. Ein Austausch der Studierenden unterschiedlicher Jahrgänge ist somit möglich und ausdrücklich erwünscht.

Umgebungsbedingungen wie diese, sowie solch flache Hierarchiestrukturen hätte ich mir während meines Studiums auch gewünscht.

ACTA 2 Klinisch Simodont

Einen guten Eindruck vermittelt folgendes Video:

Top Ten 2013

von Hans – Willi Herrmann

Traditionell zu Beginn des Jahres die „Top Ten“ der meistgelegenen Beiträge in 2013 sowie eine „All Time Greatest“- Liste der meistgelesenen Beiträge (bis 31.12.2013)  insgesamt seit Start des WURZELSPITZE- Blogs am 01. November 2008.

Auch diesmal wieder, wie in den Jahren zuvor und damit unangefochten an der Spitze der Jahres Top Ten wie auch der Gesamtliste stellen Devitalisierungsmittel wie Toxavit und Depulpin  das Top- Thema. Ich denke, man kann sagen, dass diese Nachfrage von Patientenseite herrührt und den offensichtlich stattfindenden regen Gebrauch solcher Mittel wiederspiegelt.

Ein trauriges Resultat, nachwievor.

Sehr erfreulich finde ich persönlich, dass es in diesem Jahr  so viele in 2013 erstmalig gelistete Themen mit hohen Klickzahlen in die Top Ten geschafft haben.
Das zeigt (bei im Übrigen mittlerweile mehr als 1,7 Millionen Besuchen, davon 660.000 in 2013) das nachhaltige Interesse an WURZELSPITZE und das viele, vermutlich die meisten Leser Wiederholungs- und Abonnement- Täter sind.

Interessant auch, daß „Die Mutter aller Fallberichte (!)“ im zweiten Jahr noch höher eingestiegen ist als im Ersterscheinungsjahr 2012.
Getoppt allerdings noch vom Beitrag „Zahnarzt neu in der Schweiz“.

Es scheint, dass das berufspolitische Thema „Auswanderung“ einen nicht unerheblichen Stellenwert hat und die hohe Klickzahl ein Indiz für die Brisanz der Thematik darstellt.

Das Thema Auslandszahnersatz hingegen, vor ein paar Jahren noch ein berufspolitischer Aufreger, scheint nicht mehr nachgefragt zu sein. Man könnte meinen, dass das fehlende Interesse mit einer nicht vorhandenen Nachfrage nach Auslandszahnersatz korreliert. Dabei ist es vermutlich genau umgekehrt und ein Zeichen dafür, dass besagter Auslandszahnersatz sich als Faktum in der deutschen Zahnmedizin etabliert hat.

Mit großem Bedauern stelle ich fest, dass dieser Prozess noch viel viel schneller vorangeschritten ist, als ich es vermutet hatte.

„Where´s the beef“ möchte ich daher heute anführen, als Antwort auf das vor Jahren von mir  diesbezüglich in den Raum gestellte“ Quo Vadis Zahnmedizin“.

Die Zahnmedizin als Spiegel unserer Gesellschaft, unserer Welt, unserer Zeit ?
Davon war auszugehen, aber ich halte nachwievor den Weg, Qualität unreflektiert den vorgegebenen finanziellen Resourcen zu opfern, für den falschen. Dies darüberhinaus schönredend zu negieren, ist nichts Neues und bezeichnend für den Geist, der dies initiiert.

Zugleich aber vielleicht die letzte winzige Chance für eine Wende zum Besseren.
Dann nämlich, wenn der 2013 viel beschworene „Wutbürger“ an Hand der im besagten Zusammenhang verwendeten Neusprech – Paraphrasen die ihm   vorgesetzten Potemkinschen Dörfer als solche entlarvt.  Und erkennt, ähnlich wie in der Banken-  und Euro- Frage, daß die vermeintlichen Interessen des Staates mit dem seinen nicht nur nicht deckungsgleich, sondern diametral entgegenlaufend sind.

In diesem Sinne  -„Geschichte wird gemacht, es geht  voran“ wünsche ich  allen WURZELSPITZE – Leser ein hoffentlich gutes, ausserordentliches Jahr 2014.

Hier kommen die  beiden Top Ten´s :

Top Ten 2013

  1. Toxavitnekrose
  2. Valplast- Prothese
  3. Zahnhals – Füllung
  4. Misserfolg? Zahn 26 mit Fistel
  5. Zahnarzt neu in der Schweiz – die Fortsetzung von: “Zahnarzt in Deutschland- Nichts wie weg”
  6. Misserfolg bei -Grossbaustelle-
  7. Mutter aller Fallberichte (I)
  8. ProTaper NEXT
  9. polar_eyes – Farbbestimmung für Fortgeschrittene
  10. Endodontie 2011 – VDW Reciproc und Re- Dent-Nova SAF – Entdecke die Möglichkeiten

Top Ten 2008 –  2013

  1. Toxavitnekrose
  2. Zahnhals – Füllung
  3. Endodontie 2011 – VDW Reciproc und Re- Dent-Nova SAF – Entdecke die Möglichkeiten
  4. Toxavit – Was in der Zeitung steht, stimmt, oder ?
  5. Wave One- Reziprokes RNiTi- Instrument von Maillefer
  6. Depulpin®-Einlage zur Devitalisierung eines Zahnes
  7. Veränderung als Chance – die Zukunft im Gesundheitswesen
  8. SAF System Video
  9. Was passiert bei der Zahnreinigung mit Airflow 
  10. Leica- M320 Dentalmikroskop – ein erster kurzer Praxistest

Neuer Blog 2014: Kondyläre Asymmetrie

Von Christoph Kaaden

Vor einiger Zeit habe ich über den „neuen“ WordPress Blog VOXELTALK  von Marc I. Semper berichtet….

binnen kürzester Zeit hat dieser (zurecht) bereits breite Akzeptanz und Zusprache gefunden…

heute möchte ich Ihnen einen entsprechenden Ausblick auf 2014 liefern, der allerdings (oder „zum Glück“) primär nicht mit der Endodontologie vergesellschaftet ist.

Ab Januar 2014 wird der international sehr renommierte Prof. Dr. Tore L. Hansson wöchentlich seinen neu gegründeten Blog –  kondyläre Asymmetrie TACAR- (des Kiefergelenks) ins Leben rufen. Gerade für diejenigen, die sich mit dieser sehr komplexen Thematik näher beschäftigen wird dieser sicher ein zukünftiges Highlight darstellen und liefert eine interaktive Plattform mit dieser Thematik …

Z A H N T R A U M A – Aufklärung tut dringend Not (IV)

Von Bonald Decker

Anbei unser jüngstes Beispiel welches leider abermals verdeutlicht, dass noch sehr (sehr) viel Aufklärungsbedarf rund um das Thema Zahntrauma besteht.

Und zwar an „allen Fronten“!

Hier zunächst das Ausgangsröntgenbild:

Zahntrauma_Aufklärung tut Not.001

Zahntrauma_Aufklärung tut Not.001

Man erkennt einen Unterkiefer-Frontzahn 31 mit nicht abgeschlossenem Wurzelwachstum, der mittels Komposit an den Nachbarzähnen befestigt wurde. Ferner erscheint der Zahn im Vergleich zu den Nachbarzähnen in Supraposition zu stehen.

Soweit eigentlich nichts „Besonderes“…

Dies ändert sich (für mich) im Zuge der Anamneseerhebung, bei der Patient (6 Jahre) und Mutter über die Umstände des Zahntraumas berichten.

Es handelte sich um eine vor ca. 3 Wochen im Schulsport erlittene Avulsion des Zahnes. Dieser wurde dann in der weiteren Folge von der Schul-Krankenschwester als Milchzahn „identifiziert“ und daher als nicht replantationsfähig bzw. nötig eingestuft. Insbesondere aus diesem Grund wurde von der Lagerung des verunfallten Zahnes in der vorhandenen (!) Zahnrettungsbox abgesehen.

Erst, als die Mutter (Humanmedizinerin) ihren Sohn einige Stunden später von der Schule abholte, wurde von ihr das wahre Dilemma erkannt.

Die Replantation des für mittlerweile ca. 6 (!) Stunden im Taschentuch trocken gelagerten Zahnes erfolgte dann bei einer Kinderzahnärztin…

Aufgrund der genannten Umstände ist die Prognose dieses Zahnes als schlecht anzusehen. Bei Einhaltung einer optimalen „Rettungskette“ hätte diese (wahrscheinlich) positiver bewertet werden können.

Was bleibt für mich als Fazit?

Alleine die Anschaffung  einer Zahnrettungsbox hilft noch lange nicht verunfallte Zähne zu „retten“. Es Bedarf ferner auch der Aufklärung und Schulung möglicher „Ersthelfer“…

Helfen Sie also mit das Projekt „Zahntrauma- Aufklärung tut Not“ voranzutreiben, damit solche Situationen zukünftig vermieden werden können…

Hygiene in der Praxis

von Olaf Löffler

Aufregung herrscht, wenn Praxisbegehungen angekündigt werden. Grund sind die aktuellen Richtlinien und dazu differierenden Auslegungen von Zahnarztfunkionären und Hygieneexperten, bzw. solcher die meinen dies zu sein.
Der Zahnarzt steckt in einer Zwickmühle. Die Verantwortung trägt er allein.
Die Anforderungen in den letzten Jahren sind geradezu explodiert. Die gegenüberstehende Honorierung wird diesen Kosten in der Praxis nicht gerecht. Nun fragt man sich welche dramatischen Ereignisse liegen vor, daß die plötzlich erhöhten Forderungen notwendig macht.

In der jüngeren Geschichte fällt einem neben der BSE-Kriese vor allem die EHEC Erkrankungen wieder ein. Ein Grund für mich da noch mal nachzuschauen, was war und was wurde getan. Bei der Recherche kommt man unweigerlich bei foodwatch heraus. Thilo Bode, bekannt durch Greenpeace Deutschland ist der Gründer und Geschäftsführer von foodwatch.

Foodwatch prangert die Aufarbeitung der EHEC Epedemie an und bringt einige Hintergundinformationen und Hinweise an die Öffentlichkeit. Für mich ist dies Information genug um die Aktion zu unterstützen und nachdenklich zu werden in Zeiten von QM und RKI Richtlinien…

Der Kutschenprinz – Märchen oder Alptraum… Teil (1)

Bildschirmfoto 2013-06-27 um 13.09.02Es war einmal ein Prinz, der hatte auf Grund einiger größerer Investitionen in Schlossaustattung und Personal nur noch wenige Taler übrig.
Zugleich wurde ihm von einem bösen Räuberer seine Kutsche gestohlen. Der Räuberer und seine Kumpane hatte viel Spaß mit der gestohlenen Kutsche. Nur die Kutsche war nach der Spaßwoche vollkommen unbrauchbar geworden. Der Prinz musste sich nun mit seinen wenigen Talern nach einer neuen Kutsche umsehen.
Die neuen Kutschen waren alle sehr teuer. Deshalb hat der Prinz nach einem gebrauchten Kutschbock, der zudem wenig Reiz für die vielen bösen Räuberer hat gesucht.
Bei einem kleinen Kutschenreparateur hat er eine große, schöne, aber alte Kutsche gefunden. Eine deutsche Kutsche sollte es sein, weil diese den besten Ruf hegten und der Prinz seine Taler im eigenen Land verteilt wissen wollte, damit diese den eigenen Bürgern zugrunde kämen. Eine Garantie für Reparaturen wurde ihm gegeben
Die alte Kutsche schien gut intakt und wurde noch nicht zu viel geritten.
Der Prinz hatte lange Freude an seinen neuen alten Kutsche. Die Räuberer fanden die Kutsche nicht so toll, wie der Prinz. Das war gut für den Prinz. An einem Tag im Frühling wollte die Kutsche nicht mehr fahren. Der Prinz gab die Kutsche bei dem kleinen Kutschenreparateur ab. Der fand keine Ursache und hat den großen Premiumkutschenbauer weiter mit der Reparatur beauftragt.
Der große Premiumkutschenbauer tat sich auch schwer. Das war eine alte Kutsche, keiner wusste mehr so richtig über diese Kutsche bescheid.
Über eine Woche wurde gesucht und dann ein kleines Kästchen namens Steuerteil als Ursache gefunden. Vorsichtshalber sollte noch ein weiteres Kästchen ausgetauscht werden.
Die kleinen Kästchen waren recht teuer. Eines der Kästchen war bereits 2 Jahre vorher vom Premiumkutschenbauer gewechselt worden.
Der Prinz wollte seine Kutsche wieder und sagte „Macht alles bitte wieder ganz.“
Nach 2 Wochen fragte der Prinz beim kleinen Kutschenreparateur nach was mit seiner alten Kutsche ist. Der rief den großen Premiumkutschenbauer an.
Dieser sagte, die Kästchen sind in 2 Tagen da.
Nach einer weiteren Woche rief der Prinz wiederum seinen Kutschenreparateur an. Dieser rief umgehend den großen Premiumkutschenbauer an.
Die Kästchen waren noch immer nicht da. Wann die Kästelchen kommen, konnte niemand sagen.
Zum Glück hat der Prinz vom kleinen Kutschenreparateur eine kleine Ersatzkutsche bekommen. Die war aber sehr klein. Deshalb konnte der Prinz auch nicht
die in diesen Wochen liegenden Feiertage für eine geplante Reise verwenden. Die Ersatzkutsche war zu kurz. Es ging nicht alles hinein.
Nach der 4. Woche hat der Prinz selbst beim großen Premiumkutschenbauerchef nachgefragt. Dieser lies folgendes mitteilen:

Das Büro vom großen Premiumkutschenbauerchef hat uns als zuständige Fachabteilung mit der Bearbeitung beauftragt.
Wir bedauern sehr, dass Sie auf Grund der Ersatzteil-Lieferung Ihre Premiumkutsche 525 nicht nutzen können. Danke für Ihre offenen Worte und für die Gelegenheit, dass wir zu den Lieferschwierigkeiten Stellung beziehen dürfen.
Die aktuellen Lieferengpässe sind durch die weltweite Umstellung von Logistiksystemen geschuldet. Leider gab es einige Herausforderungen, die im Vorfeld trotz guter Planung nicht vorhersehbar waren. Umso mehr bedauern wir, dass gerade Sie durch diese Umstellung betroffen sind.
Sehr geehrter Herr Prinz die aktuelle Situation ist für Sie als Kunde und uns nicht zufriedenstellend. Seien Sie bitte versichert, dass wir unsere Kräfte bündeln, um Ihnen schnellstmöglich den gewohnten Premiumkutschenbauer Service zu bieten.
Sollten Sie zwischenzeitlich auf eine Ersatzkutsche angewiesen sein, werden wir Ihnen schnell und unbürokratisch eine Lösung über uns anbieten können.
Wir danken Ihnen im Voraus für Ihr Verständnis und den offenen Dialog.
Vielen Dank im Voraus für Ihre Unterstützung.

Jetzt wird die kranke Kutsche wieder heil. So dachte der Prinz. Es geht endlich voran.
Nach der 6. Woche fragte der Prinz wieder beim kleinen Kutschenreparateur nach. Dieser rief wieder den großen Premiumkutschenbauer an.
Das Kästchen ist gekommen. Leider war es das falsche Kästchen. Es war die richtige Verpackung. Nur war ein anderes Kästchen drin.
Jetzt wurde der Prinz sehr traurig. Das Bündeln alle Kräfte des großen Premiumkutschenbauers war nicht ausreichend.
Die kleine Kutsche hat er wieder zurückgegeben, da er diese zusätzlich zu seiner alten großen Kutsche bezahlen musste. Unbürokratisch wäre nämlich nur die Bereitstellung gewesen, die anfallenden Kosten hätte der Prinz aus der eigenen Schatulle bezahlen müssen.
Zum Glück war der kleine Kutschenreparateur hundertmal schneller und unbürokratischer als der große Premiumkutschenbauer.
Was ist die Lehre aus der Geschicht?
Glaub niemals was man Dir mit Textbausteinen wohlfeil verspricht.

So geschrieben vom großen Premiumkutschenbauer:

Beim Premiumkutschenbauer sorgen wir dafür, dass die Freude am Fahren mit Ihrem Premiumkutschen lange andauert.

Mitt diesen Worten wird man auf der Premiumkutschenbauer- Seite im Zwischennetz bei Service und Zubehör begrüßt.
Bei Service steht dann weiter: Mit dem Kauf Ihres Premiumkutsche fängt unser Service erst richtig an.

Und demnächst gibt es wohl noch Teil 2, denn die Premiumkutsche war nach einem Wochenende bereits wieder entzwei… :(

Mal ‚was Anderes.

von Jörg Schröder

Nach vielen Jahren der Fokussierung auf rein endodontische Fortbildungen habe ich vor zwei Wochen die Gelegenheit genutzt, mich mit einem, mir bis dahin als völlig praxisfern erscheinendem Thema zu beschäftigen: Lachgassedierung. Genauer: titrierbare Lachgassedierung.

Vor meinem geistigen Auge kann ich schon förmlich die hochgezogenen Augenbrauen oder Mundwinkel sehen, die die ersten Zeilen bei einigen Lesern auslösen. Nicht anders erging es mir als ich vor einigen Wochen von einem meiner Überweiserkollegen die Einladung zu einem 2-Tages-Kurs erhielt.

Zum Thema „Lachgas“ kamen mir bis dahin fast nur negativ besetzte Assoziationen in den Sinn.

Ich kann es kurz machen: Der 2-Tageskurs mit insgesamt 8 Teilnehmern und 2 Referenten war eine tolle Fortbildung.

Neben der Theorie, frisch und kompetent vorgetragen von Prof. Jörg Weimann, Chefarzt der Abteilung für Anästhesie und interdisziplinäre Intensivmedizin am Sankt Gertrauden-Krankenhaus in Berlin konnte Michael Melerski als langjähriger Anwender durch anschauliche  Beispiele aus der täglichen Praxis den Teilnehmern die Vorteile der Lachgassedierung nahe bringen.

Das Highlight war  die unter Supervision durchgeführte Sedierung der einzelnen Kursteilnehmer. Während ich noch am ersten Kurstag lieber zusehen wollte, konnte ich am Samstag einmal selbst die Erfahrung einer Lachgassedierung machen.

Beeindruckend war dabei, wie sich mit langsam steigender N2O-Konzentration die gewünschte Wirkung einstellte. Neben einer Anxiolyse führt Lachgas zu einer zunehmenden „Unempfindlichkeit“ im Mundraum. Ein Vorteil bei Patienten mit Würgereiz. Das Gefühl für die verstrichene Zeit geht verloren, bei langandauernden Behandlungen auch  ein Vorteil. Die Wahrnehmung ist als ein wenig gedämpft zu beschreiben.

Da Lachgas nicht metabolisiert, sondern abgeatmet wird, verschwinden alle Sedierungssymptome ca. 2-3 Minuten nachdem die Lachgaszufuhr gestoppt wurde und 100% Sauerstoff eingeatmet wird. Im Vergleich zu metabolisierten Sedierungsmitteln (z.B. ein großer Vorteil.

Die Sedierung wird unter Kontrolle eines Pulsoximeters durchgeführt, die minimalste Sauerstoffkonzentration des Gemischs beträgt 50%. Das heisst, dass während der Sedierung im Minimum etwas mehr als das Doppelte der in der Umgebungsluft vorhandenen Sauerstoffkonzentration (21%) eingeatmet wird. Bei den meisten Teilnehmern wurde bereits bei einer Lachgasbeimischung von 25-30% die gewünschte Sedierung erreicht.

Die titrierbare Lachgassedierung ist eine relativ zu erlernende und mit den heute zur Verfügung stehenden Geräten sicher anzuwendende Technik um Patienten mit ASA 1 und ASA 2 eine „entspannte“ Behandlungssituation zu ermöglichen.

Weitere Informationen zum Thema findet der interessierte Leser unter F.i.i.S Berlin.

Petition für Netzneutralität

von Olaf Löffler

Die von Johannes Scheller eingerichtete Petition (Download Link) verdient es unterstützt zu werden.

https://epetitionen.bundestag.de/content/petitionen/_2013/_04/_23/Petition_41906.html

Zitat:

Die Petition 41906 fordert ein Gesetz, „das Internetanbieter (‚Provider‘) verpflichtet, alle Datenpakete von Nutzern unabhängig von ihrem Inhalt und ihrer Herkunft gleich zu behandeln. Insbesondere sollen keine Inhalte, Dienste oder Dienstanbieter durch diese Provider benachteiligt, künstlich verlangsamt oder gar blockiert werden dürfen“.

Half Topic

von Jörg Schröder

Gäbe es die Möglichkeit als Tester für Anwendungssoftware sein Geld zu verdienen, wäre ich eine geeignete Person. Das Lesen von Bedienungsanleitungen gehört nämlich nicht zu meinen Stärken. Insofern ist die intuitive Bedienbarkeit einer Software für mich von besonderer Bedeutung.

Das von Apple angebotete Programm „iMovie“ ermöglicht nach kurzem Ausprobieren und unter rudimentärer Nutzung der mitgelieferten „Hilfe“sehr rasch die Erstellung eines kleinen Films, der aufgrund der Verwendung der angebotenen Grundthemen einen zumindest semiprofessionellen Eindruck erwecken kann.

Hier ein kleines Beispiel:

Halbe Rahmen

von Olaf Löffler

Über meine Erfahrungen mit Whitewall habe ich bereits hier geschrieben.

Fotoaufnahmen als Lumasec habe ich in der Praxis hängen. Diese Aufnahmen zeigen eine hohe Farbbrillanz und sind faszinierend. Leider auch sehr kostenintensiv. Allerdings ist dieses Verfahren für Schwarz/Weiss Aufnahmen nicht so gut geeignet. Deshalb habe ich nach der Möglichkeit gesucht entwickelte Bilder in Wechselrahmen selbst austauschen zu können. Mein Anspruch war, dies sollte nicht erkennbar sein und der Rahmen muss perfekt aussehen und er sollte kein Vermögen kosten.
Durch Zufall bin ich an den Hersteller Halbe Rahmen gekommen. Das Magnetrahmenprinzip dieser Firma schien mir vielversprechend. Im Online Shop kann man seinen Rahmen selber entwickeln, Passepartouts schneiden lassen und auch das Glas entsprechend den eigenen Vorstellungen konfigurieren. Heraus kommen perfekt verarbeitete Rahmen. Durch das Metallgerüst absolut stabil. Neben verschiedenen Sicherungen der Rahmen sind auch Speziellösungen für hochwertigste Kunstobjekte zu erhalten.

Ich habe keinen finanziellen oder materiellen Nutzen aus der Empfehlung erhalten. Mich haben die Produkte der Firma Halbe-Rahmen überzeugt und ich empfehle diese gerne weiter.

 

Frühling wird…

von Olaf Löffler

In diesem Jahr ist der Winter unglaublich hartnäckig. Frau Holle scheint mit allen möglichen leistungssteigernden Drogen gedopt zu sein.

Mit einem kleinen Freeware Programm können wir uns zumindest die ersten Vögel aus dem Süden zurückholen.

Julian Opie – st ein britischer Maler, Bildhauer und Videokünstler. Auf seiner Webseite gibt es viele interessante Einblicke und diesen Download.

http://www.julianopie.com/downloads/flock.html

Einigermaßen schneefreie und angenehme Ostern wünschen Ihnen die Wurzelspitzeautoren

Quiz du jour (II)

von Bonald Decker

Als erstes möchte ich mich an dieser Stelle herzlich für die zahlreichen Kommentare (16 um genau zu sein) , (Verdachts-) Diagnosen und Therapievorschläge im gezeigten Fall bedanken.

Hier einige der geäusserten Diagnosen:

  •  „Wurzelrest bzw. Milchzahnrest“
  • „Riss in mp Wurzel 46 mit Fistel“
  • „nekrotischer Knochensequester“
  • „Fremdkörper (Abformmaterial)“
  • „nekrotisierende Sialometaplasie einer kleinen Speichdrüse am Gaumen“
  • „accessorisches Epithelkörperchen“

Als mögliche Therapie wurde wiederholt die diagnostische chirurgische Eröffnung unter Anästhesie genannt, um dann den „Wurzelrest, oder worum es sich auch immer handelt“ zu entfernen.

Den heutigen Beitrag möchte ich dazu nutzen etwas „Licht ins Dunkel“ dieses Falles zu bringen.

Erschwerend für die Diagnosestellung war in dem vorliegenden Fall, dass die Patientin eine ganz wichtige Information zu Ihrer medizinischen Anamnese nicht angab.

Weil sie diese schlicht für nicht (mehr) wichtig erachtete.

Die Tatsache nämlich, dass sie in der jüngeren Vergangenheit für einige Zeit ein Bisphosphonat-Präparat einnehmen musste.

Auch in unserem ganz aktuell erhobenen Anamnesebogen fehlte dieses Detail. Was insbesondere in den Augen der Patientin nicht ganz unlogisch ist, da sie ja schliesslich aktuell dieses Medikament nicht mehr einnimmt…

Erst der von der Hauszahnärztin „eingeschaltete “ Mund-Kiefer-Gesichts-Chirurg (der uns in der weiteren Folge die Patientin überwies) konnte die genaue Anamnese erheben.

Hier ein Auszug aus seinem Arztbericht:

Quiz.001

Wären Sie darauf gekommen?

…“Verdacht auf Bisphosphonat-assoziierte Kiefernekrose“…

Ein sehr gutes Beispiel dafür, wie wichtig die genaue Erhebung der Anamnese sein kann…

Als mögliche Ursache der Osteonekrose wurde der endodontisch insuffizient behandelte Zahn 26 angeführt. Unsere Untersuchungen ergaben ferner eine Behandlungsnotwendigkeit von Zahn 25, die jüngst im zweiten Termin abgeschlossen werden konnte.

Quiz du jour (II).001

Die Revision von Zahn 26 folgt demnächst.

Ich halte Sie über den weiteren Verlauf dieses Falles gerne auf dem Laufenden und hoffe Sie finden diesen nicht ganz alltäglichen Fall so interessant und lehrreich wie wir …

P.S.: @ Axel Blohme:  Bei der vermeintlichen Leukoplakie handelt es sich um das beschlagene Glas unseres Intraoral-Spiegels

P.P.S: @ Markus Thiele: Welchen Fall meinen Sie bei dem “Nashorn-Artefakt”?

Als Zahnarzt in der Schweiz – ein Vierjahres- Rückblick (3)

von Torsten Hatzky

Vier Jahre ist es nun her, dass wir Deutschland verlassen haben, um nach mehr als 20 Jahren zahnärztlicher Tätigkeit in Südwest-Deutschland noch mal einen neuen Anfang in der Schweiz zu versuchen. Nachdem die Gründe für unsere Entscheidung und unsere ersten Erfahrungen hier und hier ausführlich dargelegt wurden, möchte ich nun ein weiteres Fazit und eine Beschreibung des gegenwärtigen Status Quo wiedergeben:

An den Umzug erinnern wir uns noch genau – Chaos und Stress pur! In der damaligen Wohnung haben wir mehr als 17 Jahre gewohnt. Die Praxisräume hatten wir seit 15 Jahren. Mit der Zeit sammelt sich einiges an. Ein Zeitraum von 4 Monaten war sehr knapp bemessen um alles, was nicht mehr gebraucht wurde, auszumisten. Dank professioneller Hilfe durch ein Umzugsunternehmen mit Auslandserfahrung hat letztlich alles gut geklappt.

Aber es gibt noch andere Erinnerungen. Da ist zum Beispiel das Gefühl freudiger Erwartung, gepaart mit einer gehörigen Portion Spannung: Was wird uns erwarten? Wie lang wird es brauchen, bis die neue Praxis läuft? Würden wir den Schritt bereuen? Aber es war keine lähmende Spannung, sondern sondern ein gutes Gefühl, eines, das angespornt und Energie gebracht hat. Die Psychologen nennen es „Flow“.

Wie sieht das heute aus? Die Spannung ist inzwischen weg. Routine ist in den Alltag eingekehrt. Es gibt kaum noch Überraschungen. Allerdings erlebt man ja, wenn man aus Deutschland kommt, nicht den grossen Kulturschock in der Schweiz.

An den Dialekt haben wir uns inzwischen sehr gut gewöhnt. Da „Schwizerdütsch“ aber keine einheitliche Sprache ist, gibt es mit Menschen aus etwas weiter entfernten Regionen schon machmal Verständigungsprobleme. Da geht es aber den Einheimischen auch nicht unbedingt besser als uns. Diese Sprache selbst richtig zu sprechen werden wir wohl nicht lernen. Unsere Tochter (23) hat damit etwas weniger Probleme. Für viele Schweizer ist es relativ anstrengend, Hochdeutsch (hier sagt man Schriftdütsch) zu reden. Sie sind sehr dankbar, wenn man ihnen gleich am Anfang einräumt, Dialekt zu sprechen. Ich sage dann einfach, dass ich mich daran gewöhnen wolle und schon nachfragen werde, wenn ich wirklich mal etwas nicht verstanden habe. So ist die erste Hürde schnell überwunden und unserer Gegenüber zeigt fast immer ein freundliches Lächeln. Auch ausserhalb der Praxis wächst die Anzahl der Kontakte. Dafür muss man natürlich selbst etwas tun. Die Schweizer feiern gern. Wenn man dann, besonders in Vereinen oder anderen Gruppen bereit ist, etwas zur Vorbereitung beizutragen, hier sagt man „sich einzubringen“, wird man sofort überaus herzlich aufgenommen.

Wir haben übrigens niemals irgendwelche Antipathien oder gar Feindseligkeiten wahrgenommen. Leider gibt es hier jedoch eine im ganz rechten Spektrum angesiedelte, populistische Partei, die diese Probleme gern herbeiredet und schürt, um bei einfachen und politisch ungebildeten Menschen daraus politisches Kapital (= Wählerstimmen) zu schlagen. Und so soll es vereinzelt schon zu Aggressionen oder Sachbeschädigungen gegenüber Deutschen gekommen sein. Auch können wir das, was HaWi  in diesem Beitrag geschrieben hat, überhaupt nicht nachvollziehen. Sicherlich wird ein Schweizer Fussballfan, wenn er sich ein Duell zwischen Deutschland und einer kleineren oder schwächeren Fussball-Nation anschaut, nicht für Deutschland Partei ergreifen. Das liegt wahrscheinlich nicht in irgendwelchen Feindseligkeiten begründet, sondern eher in einer Art „Solidarität“ der „Kleinen“, vielleicht aber auch an der Arroganz einiger deutscher Fussballstars. Insgesamt nämlich nehmen die Schweizer viel mehr am deutschen „Fussball-Leben“ teil, als umgekehrt. Über die deutsche Bundesliga wird im Schweizer Fernsehen regelmässig berichtet. Auch in den allgemeinen Nachrichten nimmt die Berichterstattung über die deutsche Politik fast täglich breiten Raum ein. Peinlich für uns Deutsche: Umgekehrt wird in den deutschen Medien nur sehr selten über die Schweiz informiert. Völlig überrascht hat mich aber dies: Ein etwa 10 jähriger Schweizer Schulbub, der bei uns eine kieferorthopädische Behandlung bekommt, wollte seine neue Zahnspange in den Farben schwarz/ gelb mit dem Logo von BVB Dortmund haben.

So fühlen wir uns hier richtig wohl und würden vieles vermissen, wenn wir wieder nach Deutschland zurück müssten. Umgekehrt vermissen wir erstaunlich wenig. Eigentlich bleiben da nur die besseren Einkaufsmöglichkeiten und die meist niedrigeren Preise. Aber dank Internet-Handel ist das eigentlich auch kein Problem, wenn man gelernt hat, die Zollvorschriften zu beachten. Am meisten würde uns in Deutschland die hohe Qualität sowie die grössere Vielfalt, vor allem an hochwertigen Nahrungsmitteln, fehlen. Da wir schon immer gutes Essen mochten und sehr viel selbst kochen, wissen wir das natürlich mehr zu schätzen als manch einer, der andere Vorlieben hat. In diesem Punkt sind wir uns mit vielen anderen deutschen Einwanderern einig und akzeptieren gern die höheren Preise.

Zu den Preisen sei aber noch etwas gesagt: Wir hatten es an unserem früheren Wohnort in Südwestdeutschland (Nähe Karlsruhe) mit einem extrem hohen Preisniveau zu tun und empfanden die Unterschiede zur Schweiz nicht so krass wie zum Beispiel unsere Verwandten in Nordhessen. Wenn man weiter in den Osten (neue Bundesländer) schaut, wird das noch extremer. So ist das auch zu erklären, dass die schleichende Abwertung des zahnärztlichen Honorars in Deutschland uns eher getroffen hat als Kollegen in anderen Regionen.

Eines gleicht die hohen Preise jedoch wieder aus: Die niedrigen Steuern! Laut Bund der Steuerzahler war der „Steuerzahlergedenktag“ 2012 in Deutschland am 8. Juli. (für höhere Einkommen liegt er noch deutlich später im Jahr). Hier ist der Tag, bis zu dem man den finanziellen Teil seiner staatsbürgerlichen Pflicht geleistet hat, zwischen Ende Januar und der zweiten Februarhälfte, je nach Einkommen und Wohnort. Das merkt man schon sehr deutlich in der Geldbörse und es hat wesentlich dazu beigetragen, das die letzte Wirtschaftskrise aufgrund des florierenden Binnenmarktes kaum Schäden gesetzt hat.

Was uns nicht so gut gefällt, ist das „Klima“ im Strassenverkehr. Während das allgemeine Leben hier erheblich „relaxter“ ist, scheint sich das schlagartig zu ändern, wenn der Schweizer hinterm Steuer sitzt: Man wird hier wesentlich mehr als in anderen Ländern durch sehr dichtes Auffahren und massives Lichthupen bedrängt. Vermutlich liegt das an dem sehr niedrigen Tempolimit. Bei Tempo 80/120 kann man eine Verspätung schlechter aufholen. Zum Ausgleich wird erheblich häufiger kontrolliert. Verstösse werden mit vergleichsweise drastischen Strafen belegt: Schon 1 km/h zu viel nach Abzug der Gerätetoleranz (3-5%) kostet CHF 40.-. Ab 16 km/h Überschreitung innerorts bzw. 21km/h ausserorts gibt es ein Gerichtsverfahren und den sofortigen Entzug der Fahrerlaubnis. So habe ich in den ersten Wochen in der Schweiz gleich mehrere Zahlungsbefehle erhalten und musste einmal von einem auf den anderen Tag auf eine Prophylaxe-Assistentin verzichten. Sie hatte beim Überholen eines Traktors innerorts kurzzeitig um 16km/h überschritten und musste auf der Stelle den Führerschein abgeben. Da es keine brauchbaren Nahverkehrsverbindungen gab, konnte sie nicht mehr zur Arbeit kommen. Ich selbst fahre jetzt entweder sicherheitshalber etwas zu langsam (was dann wieder die Drängelei anderer provoziert) oder ich sehe quasi im 5 Sekundentakt auf den Tacho. Das erhöht den Stress beim Fahren und könnte auch ein Grund für das gereizte Verkehrsklima sein.

Vorsicht ist in dem Zusammenhang auch beim Umgang mit der Polizei geboten. Es gibt erheblich mehr Verkehrskontrollen! So wurden wir einmal auf einer Fahrstrecke von 40km gleich drei mal kontrolliert. Ausserordentlich unerfreulich war dabei oft das Auftreten der Polizisten. Von Deutschland habe ist das immer als professionell, korrekt, aber in aller Regel sehr freundlich in der Erinnerung. Hier war war der Tonfall mit wenigen Ausnahmen extrem streng und manchmal erhielt ich die Anweisungen zum Zeigen der Papiere in harschem, militärischem Befehlston. Wohl bemerkt: Bei normalen Verkehrskontrollen ohne irgendein Fehlverhalten meinerseits. Das hat natürlich Folgen: Während die deutsche Polizei allgemein ein sehr hohes Ansehen geniest, hat die hiesige Polizei ein stark angeschlagenes Image: Viele Schweizer mögen ihre Polizei nicht.

Sehr positiv: Die Schweizer Bahn. Sauber und pünktlich – einfach genial. So versuche ich viel mehr als früher, meine Ziele mit der Bahn zu erreichen. Und da bin ich nicht der Einzige. Im Gegenteil: Die Bahn ist oft bis zum Limit und manchmal deutlich darüber hinaus ausgelastet. Aber auch dann: Es funktioniert!

Zuletzt noch ein paar Worte zur Entwicklung unserer Praxis: Die ist alles in allem sehr erfreulich. Aber eine so gute Erfolgsbilanz, wie sie in diesem Beitrag von einem deutschen Zahnarzt in Spanien beschrieben wird, kann ich nicht vorweisen. Während der ersten drei Jahre war es finanziell oft sehr eng und wir mussten uns sehr einschränken. Seit etwa einem Jahr hat sich dies so nach und nach entspannt. Es kommen immer mehr Patienten auf Empfehlung und was mich besonders freut: Es kommen jetzt viel mehr solche, die Wert auf eine anspruchsvollere Versorgung legen. So konnten wir inzwischen einige notwendige Anschaffungen tätigen und es besteht die berechtigte Aussicht, das wir in diesem Jahr endlich mal wieder in Urlaub fahren können.

Fazit: Wir haben die Entscheidung zum Auswandern nicht bereut und haben keinerlei Heimweh. Wir konnten unser Leben um viele interessante Erfahrungen und Facetten bereichern. Auch unsere Tochter, die anfangs sehr unter Heimweh gelitten hat, kann sich derzeit eine Rückkehr nach Deutschland kaum noch vorstellen. Und es hat letztlich riesig viel Spass gemacht, noch einmal eine neue Praxis aufzubauen, die ich wahrscheinlich dann in einigen Jahren zu einem guten Preis verkaufen kann, sofern die allgemeinen Rahmenbedingungen so bleiben. Das gelingt wohl in Deutschland derzeit nur wenigen Zahnärzten.

Zitat des Tages

von Hans – Willi Herrmann

Das folgende Zitat habe ich durch Zufall kürzlich auf einer Foto- Homepage gefunden.

Es schrieb der mir bis dato unbekannte Scott Bourne, nach eigenen Beschreibung „Publisher Photofocus, Founder Netradio/First-TV, Owner Bourne Motoro Sports – photographer, social marketer, author, teacher, speaker, race car driver/team owner and guy with gray hair for rent.“ in seinem Resumee „Five Changes For The Worse In Photography“:

5. The advent of naked aggression in the form of vicious critiques by anonymous cowards, attacks by trolls and general nasty behavior toward photographers online have driven many people out. It’s too bad because the Internet could have been used by these people to advance themselves. Instead they used it to destroy others.

It’s not too late to turn these trends around, but I don’t see that as my job. I am retiring so it will be up to whoever else is still standing to decide if they want to make this a better world for photography or not.

 

Und jetzt ersetzen wir „Fotografie“ durch Zahnmedizin und  bekommen so eine treffende Beschreibung des Status Quo des dentalen Internet – Universums.

 

Protein Art

von Hans – Willi Herrmann

Auf das Blog von May K. „Protein Art“ bin ich vor einiger Zeit durch Zufall gestossen. Sie tauchte als Pictogramm in unserer WURZELSPITZE – Familie in der Blog – Sidebar auf.

Ich finde das Gezeigte erfrischend kreativ.

Bildschirmfoto 2013-02-03 um 13.52.26 Bildschirmfoto 2013-02-03 um 13.52.13 Bildschirmfoto 2013-02-03 um 13.51.53

IDS

von Olaf Löffler

IDS -AppAlle 2 Jahre ist die IDS in Köln.
Hier die wichtigsten Kurzinfos.

Tickets für die IDS 2013 ab sofort erhältlich

Die Eintrittskarte (Tageskarte) online im Ticket- Shop 13 Euro statt 16 Euro an der Tageskasse.

Termine & Öffnungszeiten

Die IDS findet von Dienstag, 12. März bis Samstag, 16. März 2013 statt.
Der 1. Messetag (12. März) ist dem Dentalfachhandel und den Importeuren vorbehalten.

Öffnungszeiten für Besucher:  Täglich von 09.00 bis 18.00 Uhr.

Hier weitere Details und unter diesem Link finden Sie das Messe App für iPhone und Android.

 

Adventskalender 2012 (18) – Atul Gawande, Jürgen Thorwald

von Hans – Willi Herrmann

Von Atul Gwande hatte ich immer mal wieder was im „New Yorker“ gefunden.  Er wurde dort in die Nähe des ebenfalls  in diesem Magazin schreibenden, von mir gerne gelesenen  Malcom Gladwell gerückt, konnte mich aber mit seinen bis dato dort veröffentlichten Artikeln nicht in gleicher Weise beeindrucken.

Im Juni diesen Jahres empfahl dann James Gutmann in seinem Vortrag auf dem Quintessenz Endodontie – Symposium in Berlin das Gawande- Buch -„The Checklist Manifesto“.

Ich biss an.

Mittlerweile habe ich alle drei Bücher Gawandes (neben dem oben erwähnten noch „Better“ und „Complications“) gelesen und kann diese jedem Mediziner, Angehörigen des Gesundheitswesens oder auch lediglich  QM – Interessierten nur empfehlen.

Und bei der Gelegenheit noch der Hinweis auf 2 alte, aber dennoch, wie ich finde, sehr interessante Bücher von   Jürgen Thorwald:  Das Jahrhundert der Chirurgen, über die Entwicklung der Medizin im Allgemeinen und der Chirurgie im Speziellen im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert.  Und „Die Entlassung“ – über den beruflichen Niedergangs des mit Demenz (heute würden wir sagen mit „Alzheimer“) gestraften Ferdinand Sauerbruch. Ein drastisches Gegenstück zur von Film und Buch bekannten „Das war mein Leben“ – Darstellung zur Hochzeit seines Wirkens.

Und noch ein Klassiker.
Die Biographie von Ignaz Semmelweis, im Laufe der Jahre von mehreren Autoren vorgelegt. Heutzutage kaum zu glauben, welchen Anfeindungen Semmelweis während seiner Reformtätigkeiten ausgesetzt war.

Sein Scheitern an  der Ignoranz des medizinischen Establishments –  eine  Tragödie.

Ein deutscher Zahnarzt in Madrid (Teil 3)

von Alexander Knobel

Das Jahr 2012 neigt sich dem Ende zu und das Abenteuer Madrid besteht jetzt schon seit 2 1/2 Jahren. UND es läuft gut.

Nein, Spanien geht es nicht gut und auch ich mache mir Sorgen zum Thema Europa und der Zukunft des Landes. Die Eurokrise ist hier allgegenwärtig und schlägt wild um sich. Immer mehr Freunde und Familienangehörige sind betroffen. Städte können ihren Haushalt nicht mehr bestreiten, Gehälter im öffentlichen Dienst werden radikal gekürzt, Sozialleistungen und bereits bewilligte Forschungsgelder ersatzlos gestrichen. Politik ist ein elendiges Geschäft und ich bin froh beruflich damit nichts zu tun zu haben. Keiner wird mir wohl erklären können, wie man ohne Investitionen in die Zukunft (z.B. in die Ausbildung und Forschung) wieder Boden gewinnen will…. nur blindes Sparen und Einkürzen, wie es gerade stattfindet, sehe ich persönlich nichts als sehr erfolgsversprechend. Aber das ist dann ja auch nur meine unbedeutende Meinung.

Ich bin aktuell nicht von alledem betroffen und gehe stur meinen Weg. Es läuft so gut, dass ich bereits vorzeitig meinen Maschinenfuhrpark auf ein DVT (Sirona XG3D) upgraden konnte und ab Januar mir personelle Verstärkung in Form einer Assistenzärztin ins Boot holen werde. Qualitätsoptimierung und moderne Zahnmedizin.

Fortbildung verstehe ich nicht als Zwang sondern als eine willkommene Möglichkeit meine Fertigkeiten zu verbessern. Gerade „Wurzelspitze“ liefert mir hierzu viele kleine nützlichen Tipps, die meinen Alltag deutlich erleichtern. Endo macht einfach auch Spaß! CAD/CAM Dentistry, moderne Endodontie und eine funktionsgerechte und ästhetische Zahnmedizin, alles Schlagworte die man an jeder Ecke hören kann. Ich versuche diese zu leben und jeden Tag ein Stück besser zu werden.

Speziell meiner kleinen Nebentätigkeit als Referent für das CEREC System ist es geschuldet, dass ich mich aktiv mit meiner eigenen Entwicklung beschäftige. Was gestern noch meine Zukunft war und heute vielleicht schon Standard ist, kommt nicht nur dem Patienten zugute. Auch meine Freude an der Zahnmedizin ist seit meiner Selbstständigkeit massiv gestiegen.

Ob man dies nur im Ausland erreichen kann? Sicher nicht, aber vielleicht ist es einfach leichter an sich selbst zu arbeiten und neue Techniken umzusetzen, wenn das Wartezimmer nicht mit 20 Patienten vollgestopft ist. Dazu muss aber keiner ins Ausland. Millionär werde ich wohl auch in Spanien nicht durch meine zahnärztliche Tätigkeit werden.

An der Situation der Zahnmediziner hat sich hier in Spanien nicht viel geändert. Ein brutaler Wettbewerb (Implantation für 250€ – was dübeln die da nur rein? Holzschrauben aus dem Baumarkt???) und Patienten die durch die Bestie Eurokrise eh in finanzieller Not sind.

Doch in der Krise zu starten hat auch gewisse Vorteile: dadurch, dass meine kleine Zahnarztpraxis stetig aber langsam wächst, habe ich deutlich mehr Kontrolle und auch die Gefahr, aus luftiger Höhe tief zu fallen, ist deutlich geringer.

– No hay mal que por bien no venga. –

Ich freu mich auf 2013!!!

Wettbewerbsverbote wurden gelockert

von Olaf Löffler

Ralf Gudden verdanken wir diese Information, bzw. den Link von seiner Liste Kinderzahnheilkunde.

http://www.wettbewerbszentrale.de/de/home/_news/?id=1247

Zitat:

30.10.2012 // Änderungen des Heilmittelwerberechts in Kraft getreten

In der letzten Woche ist das 2.Gesetz zur Änderung arzneimittelrechtlicher
und anderer Vorschriften in Kraft getreten (BGBl. I Nr.50 vom 25.10.2012,
Seite 2192). Neben dem Arzneimittelgesetz wurden zahlreiche andere
Vorschriften, unter anderem das Heilmittelwerbegesetz (HWG) geändert. Zum
Teil handelt es sich nur um redaktionelle Klarstellungen, zum Teil um eine
Anpassung an europäische Vorschriften (Humanarzneimittelrichtlinie
2001/83/EG) oder an die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs.

Die wesentlichsten Änderungen hat dabei der Verbotskatalog des § 11 HWG
erfahren. Einige Verbote wurden ganz gestrichen, etwa das Verbot, für
Arzneimittel oder Verfahren mit Gutachten oder wissenschaftlichen
Veröffentlichungen zu werben, Nummer 1 alter Fassung. Das Verbot für
„Vorher-Nachher-Abbildungen“ gilt nur noch für operative
plastisch-chirurgische Eingriffe, § 11 Absatz 1 Satz 2 HWG. Auch das Verbot,
sich in Berufskleidung oder bei der Arbeit abbilden zu lassen, wurde gekippt
(Nummer 6 alter Fassung). Der Arzt darf jetzt selbst im weißen Kittel werben
und muss nicht seine Ehefrau vorschicken.

Allerdings gilt es hier, die neugefasste Vorschrift des § 11 Absatz 1 Satz 1
Nummer 2 zu beachten: Das generelle Verbot, mit ärztlichen oder anderen
fachlichen Empfehlungen zu werben, gibt es in dieser Form nicht mehr. Das
Verbot in seiner jetzigen Fassung knüpft an die Personengruppe an. Danach
darf mit Angaben oder Darstellungen, die sich auf eine Empfehlung von
Wissenschaftlern, von im Gesundheitswesen tätigen Personen oder anderen
Personen, die aufgrund ihrer Bekanntheit zum Arzneimittelverbrauch anregen
können, nicht geworben werden. Damit dürfte in Zukunft auch die Werbung mit
Prominenten in der Arzneimittelwerbung grundsätzlich unzulässig sein.

Andere Verbote gelten nicht mehr generell, sondern nur dann, wenn die
Darstellung in bestimmter Art und Weise erfolgt. So ist die Wiedergabe von
Krankengeschichten zum Beispiel nur noch dann unzulässig, wenn diese in
„missbräuchlicher, abstoßender oder irreführender Weise erfolgt.“ Erlaubt
dürfte also in Zukunft die sachliche Darstellung eines Krankheitsverlaufes
an einem Patienten sein. Von übertriebenen Darstellungen, die den Eindruck
erwecken, ein bestimmtes Mittel oder Verfahren habe bereits bei einer
Vielzahl von Patienten zu einer Heilung geführt, ist aber weiterhin
abzuraten. Diese Schilderungen erwecken schnell den irreführenden Eindruck,
dass das Mittel oder Verfahren zu einem sicheren Erfolg im Sinne einer
Heilung oder Linderung führt. Gerade im Gesundheitsbereich kann man aber
nicht mit pauschalen Erfolgszusagen werben, da eine Heilung oder Linderung
von zahlreichen Faktoren abhängt.

ck

Roots Summit 2012 Brasilien – Eindrücke abseits der Kongresssäle

von Hans – Willi Herrmann

Auch von meiner Seite ein paar fotografische Impressionen, abseits der ROOTS Summit Kongresssäle, sowohl in Farbe, als auch in Schwarz Weiss.

 

Roots Summit 2012

von Jörg Schröder 

Nach zweijähriger Pause fand das mittlerweile 10. ROOTS Summit in diesem Jahr in Brasilien statt. Das Team um Carlos Murgel und Gustavo de Deus hatten ins im Länderdreieck Brasilien, Argentinien und Paraguay gelegene Foz de Iaguaçu eingeladen.

Den mehr als 600 Teilnehmern aus über 30 Ländern wurde während der dreitägigen Veranstaltung ein abwechslungsreiches Programm geboten. Neben Vorträgen vieler internationaler Top-Referenten aus Wissenschaft und Praxis ( M. Versiani, M. Haapasalo, G. Yared, J. Vera, J. Dovgan, J. Munce, A. Chaniotis, L. Pereira, R. Cristescu, H.W. Herrmann , G. Debelian S. Nallapati, R. Michiels) konnten Workshops zu einer Vielzahl verschiedener endodontischer Themen belegt werden. Eine Posterpräsentation mit neuen Ergebnissen wissenschaftlicher Studien rundete die Veranstaltung ab.

Die Organisation des Events war vorbildlich und braucht den Vergleich mit Großveranstaltungen in Europa nicht zu scheuen. Was mir besonders in Erinnerung bleiben wird, ist die fast familiäre Atmosphäre in der alles ablief. Ob früh am Morgen beim Frühstück – es ging an jedem der drei Tage um 8.30 los – oder beim gemeinsamen Abendessen – um 17.30 Uhr war Schluss – immer fanden sich neue Tischzusammensetzungen mit interessanten Gesprächen.

Als Referent wird man selbst am nächsten Tag noch zum Vortragsthema angesprochen und befragt. Die Scheu Fragen zu stellen ist bei den Teilnehmern deutlich geringer als hierzulande ausgeprägt. Zustimmung aber auch kritische Anmerkungen werden gleich nach dem Vortrag im persönlichen Gespräch geäußert.

Am Donnerstag bot sich die Möglichkeit die zuvor von Dr. José Vega im Zusammenhang mit der Irrigation des Wurzelkanals erläuterten physikalischen Zusammenhänge  des laminaren Flows und des akustischen Streamings durch eine Exkursion zu den weltbekannten Iguaçu-Wasserfällen zu vertiefen.

Wenn es unter den vielen hervorragenden Präsentationen einen zu nennen gibt, der mir besonders gefallen hat, dann ist es der Vortrag von Rafäel Michiels aus Belgien.

Mit seiner unnachahmlichen und sympathischen Art Dinge beim Namen zu nennen ließ er in 45 Minuten die Entwicklungen der Endodontie chronologisch Revue passieren und setzte sich dabei sehr kritisch mit den schon fast inflationär um sich greifenden „Revolutionen“ in der Endodontie auseinander.

Würde sein  Motto „PPC“ Compare the Present with the Past and think Critical“ regelmäßiger zur Anwendung kommen und das bekannte Wissen konsequent in die Behandlung einfliessen, könnte der endodontische Behandlungsstandard mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch ohne monatliche Revolutionen erheblich verbessert werden können.

Das Roots Summit 2012 war für mich einmal mehr Gelegenheit,  alte Freunde zu treffen, neue Freunde zu finden und mit einigen neuen Ideen im Gepäck motiviert nach Hause zurückzureisen.

Neben eigenen Bildern, Fotos von Roberto Cristescu und Rafäel Michiels.

Dentales Trauma Symposium 2012 in Kopenhagen

von Christoph Kaaden

Fortbildungen zum Thema „Dentale Traumatologie“ (insbesondere mit Beiträgen international renommierter Referenten) sind sehr rar.

Um so erfreulicher, dass am 26. und 27.10 2012 eine solche unter der Schirmherrschaft von Professor Jens Ove Andreasen  (dem Initiator des Dental Trauma Guide) in Kopenhagen stattfindet.

Näheres Informationen findet der Interessierte (und ggf. Kurzentschlossene) hier

Mac at Camp

von Olaf Löffler

Auf ein besonderes Event jenseits der Zahnmedizin möchte ich heute hinweisen.

Seit 2006 findet Mac at Camp in Naumburg statt. Aus einer Idee und dem Engagement einiger „mac-verrückter“ Leute ist ein Treffen mit Tradition geworden. Wie beschreiben Sie es so schön auf Ihrer Seite:
„…von Mac-Enthusiasten für Mac-Enthusiasten, die gemeinsam ein paar nette, sonnige und entspannte Tage verbringen möchten.“

Dieses Jahr ist fast ausgebucht. Das Programm ist interessant und sicher für den Einen oder Anderen ein Grund nächstes Jahr mal einige Sommertage an der Saale und ihren Weinbergen zu verbringen.

Trauma App

von Christoph Kaaden

Einem Hinweis von Dr. Fred Barnett (Einstein Institute – Abteilung für Endodontologie –  Philadelphia/USA) verdanke ich den Hinweis auf das Erscheinen einer wertvollen „App“ für Smartphones:

DENTAL TRAUMA

Eine Applikation gedacht als schnelle „Online-Hilfe“ bei der Versorgung von unfallbedingten Zahnverletzungen.

Verfasst wurde das Ganze von Dr. Ulf Glendor und ist bisher in englischer und schwedischer Sprache erhältlich…

Meine persönliche Meinung zu dieser Anwedenung…

wenn nur ein Zahn mehr durch dieses Programm korrekt behandelt wird (und sich dadurch die Prognose verbessern lässt) hat sich die Anschaffung schon gelohnt…

Dafür gibt`s einen „Daumen hoch“ von mir…

Neustart (VI) – Patientenaufklärung und Beratung

von Christoph Kaaden

Mit der Anschaffung einiger technischer Neuerungen (wie z.B. dem 40 Zoll Flachbild-Fernseher zur Übertragung des Mikroskopbildes für die Assistenz) haben sich für uns eine Reihe weiterer Anwendungsmöglichkeiten ergeben.

Als _die_ Beste hat sich binnen kürzester Zeit die Nutzung des Fernsehers für die Patientenaufklärung und Beratung herauskristallisiert.

Während ich „früher“ z.T. kleine Zeichnungen oder Ähnliches zur Erläuterung der Situation und des Vorgehens auf einem Stück Papier (oder „schlimmer“, auf die Trayauflage skizziert habe) nutze ich nun eine Kombination folgender Dinge:

Die Idee ist eigentlich recht simpel.

AppleTV erlaubt eine Synchronisierung von IPad und Fernseher. So ist es mir nun möglich, meine Skizzen auf dem IPad anzufertigen während der Patient diese ganz ungezwungen am TV verfolgen kann.

_Endlich_ ist es nun nicht mehr notwendig, dass der Patient gezwungen ist mir über die Schulter zuschauen, damit er etwas sehen kann…

Wie bei jedem „normalen“ Gespräch kann ich dem Patienten mit dieser Variante gegenübersitzen, während er bei Bedarf ggf. den Blick auf den Beratungsbildschirm richten kann.

Eine, wie ich finde, sehr komfortable wie auch professionelle Lösung.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Die über Adobe Ideas erstelle Datei kann ferner im Anschluss sehr einfach weiterverarbeitet werden (Z.b. Zuordnung in die digitale Patientenakte) und dem Patienten auf Wunsch problemlos mitgegeben werden.

Für uns ist diese Form der Patientenaufklärung binnen kürzester Zeit (quasi) unverzichtbar geworden…

Probieren Sie es aus… Sie (und besonders ihre Patienten) werden es „lieben“

:-)

P.S.:

Vielleicht fragt sich der ein oder andere, wie ich das Röntgenbild („so schnell“) auf`s IPad bekomme…

ganz einfach…

ich fotografiere es mit der integrierten IPad-Kamera von dem PC Monitor ab, um es dann mit dem digitalen Zeichenblock zu verwenden und zu bearbeiten.

Die Qualität reicht (mir) auf alle Fälle spielend aus und übersteigt im Übrigen auch meine Zeichenkünste bei Weitem…

;-)

Neustart (V) – Spiegel

von Christoph Kaaden

Im Zuge einer Praxis-Neugründung bzw. eines Umbaus stehen eine Vielzahl (um nicht zu sagen eine „Unmenge“) an zu treffenden Entscheidungen an. Dazu zählen u.a. auch die Auswahl von diversen Einrichtungsutensilien.

Wie zum Beispiel der Badspiegel… ein nicht unwichtiges, wie sensibles Thema, dass viel mit „Geschmackssache“ zu tun hat

Hier unsere Wahl:

Modell: Vernissage

Bestellt bei Lionidas.

Individuell nach Mass gefertigt.

Kosten pro Stück: 150 Euro
Wie ich finde ein gutes Preis – Leistungsverhältnis

Auch, wenn die Lieferung ein paar Wochen auf sich warten liess… können wir sie uneingeschränkt empfehlen…

P.S.: Den Tipp für diesen Onlineanbieter habe ich (wie könnte es anders sein, Florian Krekel zu verdanken)

Neustart (III) – Kinderkrankheiten (I)

von Christoph Kaaden

Zu unserer “Multi-Media”-Ausstattung des Behandlungszimmers habe ich bereits an dieser Stelle berichtet…

nicht unerwähnt möchte ich lassen, dass eine solche Ausstattung auch eine Kehrseite hat…

eine Kehrseite, die das tägliche Arbeiten (sehr) erschwert oder im schlechtesten Fall unmöglich macht…

in unserem Fall trifft dies z.T. auf die „PC-Anlage“ im Behandlungszimmer zu…

und so kämpfen wir mit den „Kinderkrankheiten“ eines Neustarts…

eine dieser möchte ich heute vorstellen…

Im Rahmen unserer Behandlungszimmerplanung galt es u.a. die „Hinterkopf-Behandlungszeile“ zu konzipieren.

Nach eingehender Beratung und Besprechung über unsere Anforderungen folgten wir den Empfehlungen von Dental-Depot und Möbelfirma (spezialisiert auf die Einrichtung von Zahn-/Arzt-Praxen).

Hierzu zählte u.a., dass man (wir) den PC des Behandlungszimmers in einem der Oberschränke unterbringen solle. Dies schien uns aus diversen Gründen eine gute Idee.

Das Thema „Wärmeentwicklung“ sollte durch die (liebevoll) „ausgeschnittene offene“ Rückwand des Schrankes „gelöst“ werden…

Diese „Lösung“ bzw. „Empfehlung“ erwies sich bereits nach kürzester Zeit als „Wunschdenken“.

Als Konsequenz schaltete sich der PC nach recht kurzer Betriebsdauer automatisch ab, um eine Überhitzung zu vermeiden. Somit war damit u.a. auch das Anfertigen von Röntgenbildern unmöglich.

Ein Punkt, der insbesondere in einer „Endo-Praxis“ von grosser Bedeutung ist…

als „Lösung“ des Problems würde uns von der Einrichtungsfirma vorgeschlagen, weitere „Lüftungsöffnungen“ in Decke und Boden des PC-Fachs bohren zu lassen, um so eine bessere Luftzirkulation zu erlauben…

gesagt, getan…

das Resultat…

fünf Löcher, (quasi) null (positive) Wirkung…

extrem unbefriedigend…

aus verschiedenen Gründen.

Ein „ständig“ abstürzender PC, der z.T. dazu führte, dass man Patienten nicht wunschgemäss behandeln konnte.

Man könnte auch sagen …

„Alptraum“

und das für gut 12.000 Euro, die man in die Behandlungszeile investiert hat…

die Lösung des Problems verdanke ich einem extrem findigen und engagierten Kollegen und Freund der sich eine kleine Ventilator-Einheit für unseren PC-Schrank ausgedacht und dann ge-/eingebaut hat.

Dr. Florian Krekel

Im Zuge unserer Blog-Staffel “ Neustart“ werden Sie diesen Namen noch häufiger lesen… was daran liegt, dass Florian uns nicht nur bei der Bewältigung der PC-Wärmeentwicklungs-Krankheit geholfen hat, sondern auch noch diverse andere kleine und grosse Wunder bei uns vollbracht hat…

hier aber zunächst seine Lösung unseres PC-Wärme-Problems.

Ein Einbau von fünf (vier oben und einen unten) kleinen Ventilatoren zur besseren Luftzirkulation. Um die Geräuschentwicklung möglichst gering zu halten hat Dr. Krekel ferner eine Silikonunterlage zwischen Schrankholz und Lüfter eingelegt.

Die Ventilatoren stammen von der Firma Papst  und haben einem Durchmesser von 60 mm (Typ 612Fl (mit 12 V und 19 m3/h bei gerade mal 16db).

Bestellt hat er diese bei www.pcsilent.de

Und so sieht das Ganze jetzt  fertig aus…

Die Temperatur innerhalb des PC-Fachs misst ein kleiner Thermostat, der bei Übersteigen der eingestellten „Kerntemperatur“ das Lüftersystem aktiviert (und nach Abkühlung auch wieder abschaltet).

Seit dem beschrieben Einbau ist das Wärme-Problem für uns gelöst und erlaubt nun endlich einen reibungslosen Behandlungsablauf.

Eigentlich hätte ich gedacht (oder besser erwartet), dass sich die „Dental-Profis“ im Vorfeld darüber Gedanken gemacht habe (wenn man es so verkauft)…

aber (leider) weit gefehlt…

umso dankbarer bin ich unserem „Retter“ für seinen Erfindungsgeist und sein Engagement…

D A N K E

Florian

und nicht nur dafür…

;-)

Abenteuer Spanien: Bilanz nach 2 Jahren

von Alexander Knobel


Die Zeit rennt.
Vor 1 1/2 Jahren wurde ich von Wurzelspitze gebeten, etwas über meine Erfahrungen aus dem europäischen Ausland zu berichten. Jetzt sind bereits zwei Jahre in der Ferne vergangen und es ist an der Zeit, erneut Bilanz zu ziehen.

Kurz gesagt: das Auf und Ab meines Körpergewichts spiegelt die Höhen und Tiefen der letzten zwei Jahre (+/- 10kg) extrem gut wieder. Während man sich in Deutschland über das kostspielige QM, die neue GOZ oder immer mehr Bürokratie ärgern darf, sorgt in Spanien eine brutale Finanzkrise für leere Wartezimmer. Angestellte Zahnärzte werden schonungslos entlassen und sind froh, wenn sie als „Helferin“ einen Job finden. Alternativ kann bei einer der Zahnarztketten wie z.B. Vitaldent, Unidental… für laue 5-8€/h angeheuert werden. Diese Ketten verhalten sich wie Heuschrecken und verbreiten sich übers komplette Land. Ist ein Gebiet abgegrast wird eingepackt und weitergezogen. Einzig der Aufwand und die Qualität des „product placements“ sind erstklassig und extrem hochwertig. Wirklich bemerkenswert, was da an gelungener Reklame in den Medien rausgehauen wird. Ansonsten ist die dort betriebene Zahnmedizin weder modern noch in vielen Fällen hygienisch. Dafür auf den ersten Blick billig. Auch sprießen immer mehr Versicherungen mit eigenen Praxen auf den Markt. Nicht sehr erfreulich für meine Kollegen, die der Reihe nach ihre Zusammenarbeit mit den Versicherungen aufgekündigt bekommen.

Andere Länder, andere Probleme.
In diesem Fall sind jedoch aus meiner Sicht die Lösungen identisch: Nur mit hochwertiger Zahnmedizin und großem Engagement kann diesem Strudel entkommen werden. Ansonsten sollte man sich den ganzen Aufwand und die vielen Arbeit einfach nicht geben. Im Media Markt ist man wenigsten gegen die drohende Arbeitslosigkeit versichert und kann sich auch mal bei einer Grippe schön umsorgen lassen. Niemand stört einen am WE, die Urlaube sind gesichert und es gibt geregelte Arbeitszeiten…

Meine Strategie ist relativ simpel.
Ich will besser als der Großteil der Zahnmediziner in Madrid sein.
Mich abheben von der breiten Masse Zahnarztpraxis. High-End-Dentistry und moderne Zahnmedizin zu einem angemessenen und fairen Preis.
Den deutschen Qualitätskriterien im Bereich der Hygiene und des Behandlungsmanagements unterwerfe ich mich freiwillig. Nach dem Motto: „form follows function“. Nur so kann ich mich abheben. Und nur so macht auch mir Zahnmedizin wieder Spaß. Kaum vorstellbar wie ich früher im Schnitt 18(+) Patienten pro Tag anständig versorgen konnte.

Täglich findet hier mein CEREC AC, der Laser, meine Lupenbrille und besonders mein wiederbelebter und geliebter Kofferdam Anwendung. Nicht immer schneller und mehr Patienten durchschleusen. Klasse statt Masse. Den Patienten wieder in den Mittelpunkt stellen. Sicherlich: ich wurde hier auch dazu gezwungen, da ich mich nicht auf Kassenpatienten mit der Motivation auf Zuzahlung ausruhen kann. Keiner kommt mal vorbei, nur um zu schauen wie der Deutsche so ist. Mein Patientenstamm wächst langsam, aber er wächst und 80% der Neupatienten kommen einzig durch ausgesprochene Empfehlungen. Meine Rechnung scheint aufzugehen, auch wenn ich hier locker eine 70-80 Stunden Woche habe und wenig vom milden Klima mitbekomme. Nach nur 2 Jahren bin ich hier in Madrid bekannter als ich es hätte jemals in meiner alten Wirkungsstätte hätte werden können. Referent für das CEREC System und Betatester für neue Soft- und Hardware für verschieden namenhafte Hersteller. Nur durch eine Standard- Zahnmedizin, die sich mit Zahnextraktionen und Zementfüllungen über Wasser hält, hätte ich hier keine Chance. Dieser Markt ist gesättigt. Spanien ist aktuell nicht wirklich ein guter Ort für Zahnmediziner. Speziell da zusätzlich zur Immobilien- und Bankenkrise südamerikanische Zahnärzte den Markt überfluten. Die Mentalität und Lebensweise ist eine komplett andere und darf auf keine Fall mit der deutschen Lebensweise verglichen werden. Es ist schwierig zu erklären, aber bereits zu Beginn meines Abenteuers hatte mir eine netter Kollege es versucht so zu erklären: Leben kann man in Spanien besser, aber zum Arbeiten (was die Professionalität und Qualität angeht), wäre man doch lieber in Deutschland geblieben.

Zumindest Eines habe ich aber bereits in Deutschland gelernt: Die Standortfrage wird maximal überbewertet und „wer aufhört, besser zu werden, hat aufgehört, gut zu sein.“ [Philip Rosenthal] Auch ich bin gespannt, was mir die nächsten Jahre bringen werden und ich bin gespannt was es in weiteren 2 Jahren zu berichten gibt.

Neustart (III) – Deutschland vs. Schweden (I)

von Christoph Kaaden

Im Zuge der Praxisplanung standen natürlich auch bei uns ein paar grundlegende Überlegungen und Entscheidungen an.

Unter anderem die Wahl des Autoklaven.

Ein sensibles und heikles Thema.

Wie nicht zuletzt auch der kürzlich hier erschiene Beitrag von Olaf Löffler zeigt…

Die Empfehlung des Depots war eindeutig:

MELAG !

Die Empfehlung von Freunden und Bekannten auch:

_BLOSS KEIN MELAG_ !

An dieser Stelle galt es abzuwägen und sich um mögliche Alternativen zu kümmern.

Erstmal brachte Dr. Thomas Weber (der Autor des – Memorix Zahnheilkunde-)  den Namen – Getinge – für mich „ins Spiel“…

Auch Dr. Andreas Habash hat sich im Kommentar zu diesem Artikel für „seinen“ Getinge K5+ „stark gemacht“. Ebenso wie weitere Kollegen.

Fragt man bei den „üblichen“ Depots (und auch bei Kollegen) hinsichtlich möglicher „Getinge“-Erfahrungen nach, ist die Reaktion (in der Regel) immer die selbe:

GETINGE ?

„Kenn` ich nicht…“ oder „Nie gehört…“

Erstaunlich eigentlich, wenn man sich ein bisschen mit der Materie beschäftigt.

Handelt es sich doch bei dieser schwedischen Firma um alles andere als eine Hinterhof-Firma.

Wie hier nachzulesen ist.

„Vergleichen“ Sie dies mal mit der in Deutschland zumeist bekannten Firma in diesem Bereich der Medizintechnik.

Wer sich näher über die Getinge-Tischsterilisatoren informieren möchte kann dies zunächst einmal hier tun.

Demnächst werden wir von unseren bisherigen praktischen Erfahrungen berichten…

Neustart (II) – Verkabelung

von Christoph Kaaden

Letzte Woche habe ich hier über unseren Praxis-Neustart geschrieben.

Hierzu heute der nächste Beitrag:

Im Zuge der „Multi-Media“-Ausstattung unseres Behandlungszimmers hatte ich recht konkrete Vorstellungen…

Ich wollte gerne 3 Monitore an der Behandlungszeile (12-Uhr Position hinter einer Glasscheibe) zur möglichen Darstellung von

– Abrechnungssoftware

– Röntgensoftware

und

– Mikroskop-Video-Bild

Ferner sollte ein Monitor an der Behandlungseinheit in der Lage sein, dass Mikroskop-Video-Bild bzw. wahlweise das Röntgenbild zeigen zu können (Hiermit hatten wir in den letzten Jahren bei den Patienten sehr gute Erfahrungen gemacht).

Als Röntgensensor haben wir uns im Vorfeld für einen Kodak 6100 Sensor entschieden, der mittels USB-Anschluss an der PC im Behandlungszimmer angeschlossen werden muss.

Zuletzt war auf „9 Uhr“ die Übertragung des Mikroskop-Video-Bildes auf einen Fernseher (zur besseren Mitbetrachtung der Behandlung u.a. für die Assistenz) gewünscht.

Zur vereinfachten Bearbeitung der von uns häufig mitgefilmten Behandlungen hatte mich ferner Oscar von Stetten (Danke Ossi!!!) in der Planungsphase auf die Idee gebracht, einen H264-Recorder „zwischenzuschalten“. Dieser ist in der Lage, das über die HD-Videokamera Aufgenommene gleich in eine MP4-Datei umzuwandeln, um diese dann auf einem Computer zu speichern… somit endlich kein „lästiges“ Auslesen der MC Karte mehr…!!!

Klingt kompliziert das Ganze…???

na ja…

was soll ich sagen…

so sieht die entsprechende Planungsskizze der „Verkabelung“ aus…

Um dies umsetzten zu können, müssen im Vorfeld u.a. einige Leerrohre vorgesehen werden, die einen entsprechenden Durchmesser (u.a. für den HDMI Stecker) aufweisen. Ferner sind z.T. (passive) HDMI bzw. USB Repeater notwendig.

Mein Dank für die quasi reibungslose „Planung und Umsetzung“ geht massgeblich an Holger Stölting (Fa. Advance Computer).

Und hier noch ein paar Impressionen des Ganzen:

Diese Diashow benötigt JavaScript.

2012- Willkommen in der Realität! 4 KO – Kriterien (69 Prozent – Teil 4)

von Hans – Willi Herrmann 

Warum Flugzeuge abstürzen und Zahnarztpraxen pleite gehen“.

So titelte der Wiesbadener Zahnarztkollege und Airbus- Pilot Bernhard Sanecke vor einigen Jahren einen seiner Vorträge.

Auch ich habe hier an dieser Stelle wiederholt den Bezug zum Piloten aufgegriffen, eine abschließende Einschätzung fehlte bislang noch.

Ich möchte diese an den Jahresbeginn 2012 stellen, stellt dieses Jahr doch mit der Einführung einer neuen privatzahnärztlichen Gebührenordnung eine Zäsur dar, deren nachhaltige Konsequenzen sich vermutlich die meisten, weder Patienten noch Anbieter im Gesundheitswesen (damit meine ich die Zahnärzte), gar nicht bewußt sind.

Fest steht: Auch 24 Jahre nach der letzten Änderung der Gebührenordnung, der GOZ 88, ist es zu keiner Anhebung des Punktwertes gekommen.

Für den Laien: Der Punktwert ist so etwas wie der Benzinpreis in der Honorarberechnung. Nur wenn er steigt, erhält ein Zahnarzt für die gleiche Behandlung mehr Geld. Bleibt er hingegen gleich, so hilft nur, mehr zu arbeiten, um den Verdienst zu erhöhen. Steigen die Ausgaben, und wer will bestreiten, dass sich seit 1988 die Kosten (und nicht nur für Benzin, dass damals umgerechnet 47 Cent kostete) teilweise drastisch erhöht haben, so muss mehr gearbeitet werden, allein um das ehemals vorhandene Einkommen auch nur zu halten.

Tut man es nicht, so ist schnell der Bereich des Break Even unterschritten, die Zahnarztpraxis macht Verluste. Längeres Krankbleiben verbietet sich also von selbst, Kontinuität ist angesagt, die Tretmühle Praxis muss ständig in Bewegung bleiben, ein Umstand der paradoxerweise eben gerade nicht gesundheitsfördernd wirkt und Burn Out (ist ein Modewort aber es trifft zu) oder die Flucht in Scheinwelten fördert. Also nicht ganz ohne Grund ist der Anteil suchtkranker Ärzte, aber auch deren Suizidrate, überdurchschnittlich hoch.

Warum aber wurde der Punktwert nicht geändert ?

Die Antwort ist einfach.

Weil keine Notwendigkeit dazu besteht.

Nachfolgend 4 KO – Kriterien, warum es zu keiner Punktwerterhöhung gekommen ist und – schlimmer noch, aber nach der Lektüre dieses Artikels nachvollziehbar – warum es hierzu auch in absehbarer Zeit nicht kommen wird.

KO – Kriterium 1:

Die Deutschen sind ein spendefreudiges Volk.

Das hat auch das Jahr 2011 wieder gezeigt. 
Wenn irgendwo Not in der Welt ist, wird der Geldbeutel geöffnet.

Selbst in den gegenwärtigen Zeiten, in denen die wirtschaftliche Situation bei einer ganzen Reihe von Bürgern nicht rosig daherschaut. Ob Hungersnot, Erdbeben, Flutkatastrophe, es wird gespendet.

Eine Grundvoraussetzung muss allerdings erfüllt sein. 
Es muss den Empfängern der Spenden schlechter gehen als den Spendern.

Je größer die Diskrepanz, umso besser.

Und jetzt mal Hand aufs Herz.

Solange es „dem“ Zahnarzt, seine wirtschaftliche Situation betreffend, besser geht als 90 Prozent seiner Patienten, solange ist kein Verständnis von Seiten der Patienten zu erwarten.

Da hilft auch kein noch so ausdauerndes und monoton wiederholtes Klagen. „Dann heul doch“, dieses legendäre Zitat Gerd Knebels werden ihm die Patienten in Gedanken entgegenrufen, um sich stande pede wieder den eigenen Widrigkeiten des Alltages zu stellen.

Hilfe, aufrichtige Unterstützung von Seiten der Patienten ist demnach erst zu erwarten, wenn sich das Verhältnis deutlich in Richtung 50 % hin wandelt.

Davon sind wir im Moment noch weit entfernt.

Oder -anderes Szenario- sofern im konkreten Einzelfall der jeweilige, von seinen Patienten geschätzte Behandler seine Praxis zuschließt. Dann ist es jedoch zu spät.

KO – Kriterium 2:

Die von Berufsverbänden skizzierten Horrorgeschichten des Not darbenden Zahnarztes entsprechen nicht der Realität.

Natürlich sind die goldenen Zeiten der 70er und frühen 80er Jahre, in denen der Beruf des Zahnarztes (möglicherweise sogar weitestgehend losgelöst vom Können des Tätigen) eine Lizenz zum Gelddrucken darstellte, lange vorbei.

Sie waren schon Vergangenheit, als ich 1993 meine eigene Praxis eröffnete.

Fakt ist aber, dass unabhängig vom Festhalten an der GOZ 88 es Änderungen in der Zahnmedizin gab, die eine Anpassung an die Preisgestaltung ermöglichten und zwar losgelöst vom weiterhin festgeschriebenen Punktwert. Als Beispiele dafür möchte ich die dentinadhäsive Kunststoff – Restaurationen, die Veränderungen im Rahmen der Prophylaxe- Leistungen (ich verabscheue nachwievor den Begriff der „professionellen“ Zahnreinigung, denn auch eine „einfache“ Zahnreinigung ist professionell), die Änderungen im Bereich des Zahnersatzes im Hinblick auf Grund- und Wahlleistungen, sowie zuletzt die Veränderungen im Bereich der Endodontie aufführen. In diesen Bereichen war es dem Zahnarzt zumindest teilweise möglich geworden, seine Honorierung an die situationsbedingte Kostensituation anzupassen. Um auf unser Beispiel mit dem Benzin zurückzukommen, er konnte dem Patienten nun neben Benzin auch noch Super, Bleifrei, und Diesel anbieten und den Preis hierfür in einem gewissen Rahmen eigenverantwortlich festlegen.

So ist es zu erklären, dass, aller in der Realität defacto vorgenommenen Einschneidungen zum Trotz, die Einkommen der Zahnärzte (zumindest im Schnitt) sich auf einem gewiss niedrigeren, aber dennoch solidem Niveau konsolidieren konnten, in anderen Fällen moderat gestiegen sind. Von flächendeckenden Insolvenzen kann also nicht gesprochen werden.

Die Zahnärzte sind demnach zwar nicht die Gewinner dieser Reformen, das sind Politik und Krankenkassen, die in den letzten Jahren Milliardengewinne im Bereich der Zahnmedizin eingefahren haben, sie sind aber auch nicht die großen Verlierer. Das sind zweifellos die Patienten, denn die sind diejenigen, die immer mehr, Jahr für Jahr, aus eigener Tasche für ihre Gesundheit dazuzahlen müssen, und das ja nicht nur in der Zahnmedizin, sondern auch in gleichem oder sogar noch stärkerem Maße für die Bereiche Medizin, Pharmazie, sowie den Bereich der Kuren und der Gesundheitsvorsorge. Und die Patienten haben nur die Wahl, zu zahlen, oder einen Verlust an Gesundheitsqualität in Kauf zu nehmen.

So betrachtet, erscheint die Position der Zahnärzte, denen man zumindest de facto zugestanden hat, gewisse Teilbereiche in der Zahnmedizin marktregulativ anzupassen, nun gar nicht mehr so übel.

KO – Kriterium 3:

Wieviel Piloten kennen Sie ? Und wieviele Zahnärzte ? Was ich nicht weiss, macht mich nicht heiß.

Wir bemühen jetzt ein Vorurteil, aber manchmal hilft es, Dinge durch Überspitzung plastischer darzustellen: Der Lufthansa- Pilot, der wie ich Mitte der 80er Jahre seine Ausbildung gemacht hat, arbeitet 24 Stunden die Woche, ist Porschefahrer, wohnt in einem repräsentativen Bungalow mit Swimmingpool im Vordertaunus, geht mit 160.000 Euro im Jahr nach Hause und mit 55, spätestens 60 Jahren in Rente.

Das neidet ihm aber keiner.

Weil ihn keiner kennt.

Oder ? Wieviel Lufthansa- Piloten kennen Sie persönlich ?

Zahnärzte gibt es dafür eine ganze Menge, die laufen jedem Patienten also zwangsläufig über den Weg. Und wenn das in einem Auto passiert, das größer ist als das eigene, der Urlaub auf den Malediven stattfindet und nicht in Side, der Sonntagsspaziergang durch das Neubaugebiet das schmucke Eigenheim des Dentisten offenbart, dann kommt in Deutschland (denn in diesem Punkt haben wir keine US – Verhältnisse, bei uns wird, anders als in USA eben nicht daran die Qualität des Behandlers gemessen im Sinne eines „Der kann offensichtlich was, sonst hätte er es nicht so weit geschafft…“) ein nicht wegzudiskutierendes Maß an Sozialneid zum Tragen.

Auch das lasse ich, lediglich beobachtend und als deutsche Eigenheit registrierend, unbewertet als Fakt im Raum stehen.

Fest steht jedoch auch hier wieder: Solange noch Insignien eines wie auch immer gearteten Praxiserfolges zu sehen sind, ist an eine vom Patienten sanktionierte Gehaltsanpassung nicht zu denken. Soll heißen, erst wenn das Auto des Zahnarztes deutlich kleiner und älter ist als das eigene und sein Jahresurlaub auf Balkonien in der Mietwohnung stattfindet, darf wieder die Stimme erhoben und eine Gehaltssteigerung postuliert werden.

Siehe KO- Kriterium 1.

Und die Piloten ?  Haben Glück, dass sie gewissermaßen noch unter der Nachweisgrenze laufen.

KO – Kriterium 4:

Wem gehört eigentlich das Flugzeug, dass der Pilot fliegt und wer bezahlt die Flugbegleiter ?

Streiks oder Streikandrohungen von Pilotenseite gab es des öfteren in der Vergangenheit. Und vollkommen unabhängig davon, ob diese berechtigt waren oder nicht, sie waren in der Regel von Erfolg gekrönt.

Wenn die „Pilotengewerkschaft“ zum Streik aufruft, dann lehnt sich der Pilot entspannt zurück und genießt die arbeitsfreie Zeit mit dem sicheren Wissen, bei der Wiederaufnahme seiner Arbeit mit einem satten Plus an Bezügen zum Pilotensitz zurückkehren zu können.

Auflaufende Kosten aus seinem „Kleinunternehmen Flugzeug“ gibt es für ihn nicht. 
Ein entscheidender Unterschied zum Kleinunternehmer „Zahnarzt“.

Der hat nämlich zur Praxisgründung einen Kredit von 350 – 500.000 Euro aufgenommen, den er abbezahlen muss, er hat laufende Kosten für Miete etc. und er zahlt die Gehälter für seine zahnmedizinischen Mitarbeiter in der arbeitsfreien Zeit.

Machen wir uns nichts vor. Wäre der Pilot anteiliger Kreditnehmer für sein Arbeitsgerät „Flugzeug“ und müsste er die Gehälter der Flugbegleiter aus eigener Tasche zahlen, jegliches Streikgebaren wäre sofort und ein für alle mal vom Tisch.

Auch umgekehrt wird ein Schuh draus: Ein Zahnarzt, der in eigener Praxis steht, ist erpressbar. Er ist auf Gedeih und Verderb darauf angewiesen, dass seine Praxis läuft, dass er arbeiten kann.

Oder er geht pleite. Ziemliche ungleiche Hebel, was Gehaltsverhandlungen angeht, zumal die Machtverhältnisse offenliegen.

Ein cooler Bluff a la „Oceans Eleven“ scheidet also von vorne herein aus.

Wer es dennoch tut (oder auch nur andeutet), macht sich lächerlich.

Stellen sie sich einen Pokerspieler vor, der als einziger von allen Spielern von Beginn an seine 5 Karten offen auf den Tisch legen muss.

Ziemlich langweiliges Spiel.

Vorhersagbarer Ausgang.

Ein Ärztestreik mit diesen Voraussetzungen ?

Undenkbar.

Das wissen Gesetzgeber, Ministerialbürokratie und Krankenkassen.

Gibt es ein Ausweg aus diesem Dilemma ?

Einen Königsweg sicher nicht, aber es gibt eine Lösung.

Darüber morgen an dieser Stelle.

Herzschlag eines schwarzen Loches

von Hans – Willi Herrmann

Ohne die Verdienste Darwins schmälern zu wollen, es gibt weitaus größere Mysterien unseres Seins, die nachwievor ungelöst sind.
Ganz gleich, ob es sich dabei um Schwarze Löcher oder um Mitochondrien handelt.

Video via Engadget.

[viddler id=4ad21a40&w=437&h=288]

Skylight

von Christoph Kaaden

einem Hinweis von Florian Grummt verdanke ich den kurzen nachfolgenden Beitrag.

Es handelt sich dabei um einen Adapter für Smart Phones am Mikroskop.

Das nachfolgende hier zu sehende Video stellt die Idee hinter dem Produkt Skylightscope vor…

eine, in meinen Augen, simple, wie brillante Idee, die Unterstützung mehr als verdient.

Off Topic Zahnmedizin

von Olaf Löffler

Kim Holm Digital Artist aus Norwegen beeindruckt mit digitalen Effekten.
Seine Werke sind unter diesem Link auf Vimeo zu sehen.

Viel Spaß beim ansehen.

Endodontie ist der Beweis für die Toleranzfähigkeit des menschlichen Organismus. Aber wie lange noch ?

von Hans – Willi Herrmann

In der Endodontie funktioniert viel.
Eigentlich sogar extrem viel.

Warum dem so ist ? Weil Endodontie  ein Beweis ist für die Toleranzfähigkeit des menschlichen Organismus.

Und genau aus diesem Grund ist die Abwesenheit von Schmerz oder das Fehlen anderer augenfälliger klinischer Symptome aber auch kein Beweis für eine erfolgreiche Therapie, für zielführende Behandlungsansätze.

Leider wurde- in der Vergangenheit und wird – auch heute noch – zu oft genau so argumentierend verfahren.

„Tut nicht mehr weh, freuen wir uns, Stempel drauf, geheilt !“

In der Vergangenheit war eine solche Scheuklappen- Anschauung auch gut vertretbar. Mangels wirklicher Alternativen.
Aber genau das hat sich in den letzten 30 Jahren grundlegend geändert.

Denn der natürliche Feind der Endodontie heutzutage ist nicht länger mehr Zange und Brücke, es ist das Implantat.

Und mehr und mehr in den vergangenen 2 Jahrzehnten, in gleichem Maße in dem die Implantologie Einzug in unsere Praxen gehalten hat,  rächt sich nun diese arrogante Einstellung des „Ich habe ja mein Bestes getan und der Patient hat ja auch keine Schmerzen mehr, quod erat demonstrandum !“

Schmerzfreiheit heißt nicht Heilung.
Nimmt man dies als Kriterium, so birgt dies die  Gefahr, dass mit dem Nichtgelingen einer medioker durchgeführten Behandlung angesichts nun vorhandener „sicherer“ Alternativen eine Therapieform per se ins Abseits gestellt wird:  „Endo ? – Vergiss es- Funktioniert ja doch nicht !“

Die Endodontie – zu Recht oder Unrecht sei zunächst dahingestellt – ist im Begriff, eine Therapieform der Vergangenheit zu werden.

Dies könnte man als evolutionäre Entwicklung werten, als survival of the fittest im Sinne eines „Einfacher, sicherer, zuverlässiger“ der Wurzelkanalbehandlungs – Alternativen.

Und wenn dem so wäre, dann hätte es die Endodontie auch verdient, als – nennen wir es „intrakanaläre Goldhämmerfüllung des neuen Milleniums“- als ein als nicht mehrzeitgemäßes Therapeutikum vereinzelter, nur noch historisch bedeutsamer Wurzelkanal – Dentisten, als Fußnote der Zahnerhaltung, ein Randdasein im Kuriositätenkabinett der Zahnmedizin zu fristen.

Das Problem ist, dass wie allzuoft auch hier Äpfel mit Birnen verglichen werden.

Es gibt sie nicht „DIE Endodontie“, das universelle Abziehbild einer  Wurzelkanalbehandlung, als Blaupause des Wurzelkanal – Prototyps per se.

  • Haben wir es mit einer Erstbehandlung zu tun oder einer Revision ?
  • Ist es ein vitaler oder devitaler, möglicherweise hochgradig infizierter Zahn ?
  • Ein Traumafall ?
  • Wie alt ist der Patient ?
  • Wie ist seine medizinische Allgemeinsituation, wie der generelle Zustand seiner Zähne, der Nachbarzähne, der Antagonisten, wie die Situation des den Zahn umgebenden Knochens ?
  • Welche der unzähligen endodontischen Therapieoptionen sollte im individuellen Einzelfall der Vorzug gegeben werden ?
  • Und welchen Einfluss auf den Behandlungserfolg hat der Behandler ?
  • Wie steht es um die Fähigkeiten des Zahnarztes auf diesem schwierigen Teilgebiet, wie ist seine Ausstattung, was steht ihm an Gerätschaften und Hilfsmittel zur Verfügung, und last but not least wie schätzt er die klinische Situation ein und was ist er bereit, im konkreten Fall an Massnahmen einzusetzen ?

Fakt ist: Die endodontische Behandlung ist die schwierigste und komplizierteste Teilbehandlung im Rahmen der Zahnmedizin.

Insofern kann man es grundsätzlich keinem Behandler verdenken, wenn er sich, auf Grund negativer Erfahrungen auf diesem Gebiet und andererseits positiver Erfahrungen im Hinblick auf die Therapieoptionen „Zahnersatz“und „Implantologie“, gegen eine Wurzelkanalbehandlung entscheidet.

Zumal von Seiten der Wissenschaft keine Evidenz aufgezeigt wurde, welche der vielen, so unterschiedlichen endodontischen Therapiekonzepte denn nun zu favorisieren seien.

Das allerdings wird sich in den nächsten Jahren drastisch ändern.

Mit dem DVT steht uns in der Endodontie ein Medium zur Verfügung, dass in viel viel größerem Maße als bisher den Erfolg einer Wurzelkanalbehandlung beweisen oder in Frage stellen kann.

Die Folge: In den nächsten Jahren wird uns eine apikale Aufhellung nach der anderen um die Ohren gehauen werden.

Wenn wir nicht aufpassen, sind wir auf dem Weg in einen neuen Exodontismus.

Warum dem so sein wird ?

Weil es der Wirklichkeit entspricht.

Machen wir uns doch nichts vor – die Wurzelkanalaufbereitung ist seit Einführung der rotierenden Nickel – Titan – Instrumente vor fast 20 Jahren  in einem Stadium, das als vorhersagbar handhabbar gelten kann. Und der Erfolg einer  Wurzelkanalfüllung  muss nicht an der Anzahl gefüllter  Seitenkanäle oder der Temperatur des Hitzepluggers und der Phasenkonsistenz der verwendeten Guttapercha festgemacht werden.

Soll heißen – Endodontie kann schwierig und kompliziert sein, dies ist aber keine Grundvoraussetzung in jedem Falle.

Sie muss daher auch nicht von vorneherein zum Scheitern verurteilt sein.
Wie es von verschiedenen Seiten aus ganz unterschiedlichem Antrieben heraus postuliert wird.

Es bedarf zu erfolgreichen Handhabung von Wurzelkanälen auch nicht als conditio sine qua non einer mehrjährigen postgradualen Spezialistenausbildung.

Endodontie bedeutet, auf den Kern heruntergebrochen,  die Handhabung einer bakteriellen Infektion in einem extrem schwerzugänglichen Bereich.

Und deshalb ist es  eben nicht damit getan, einzig Wurzelkanäle aufzubereiten und abzufüllen.

Das ist beileibe keine neue Erkennntis. Die endodontische Trias (Aufbereiten,Desinfizieren, Füllen)  ist uns allen seit über 100 Jahren bekannt, aber die Desinfektion wird nachwievor stiefmütterlich behandelt.

Teilweise wird ihre Notwendigkeit, negiert, teilweise wird, guten Willen zeigend, sich in skurrilen Alibi – Handlungen verkünstelt, deren nicht gesicherter Nutzen auch nicht von markigen Marketing-Claims ala „Tsunami-Endodontics“ kompensiert werden kann.

Ist ein Wurzelkanal eines devitalen Zahnes, wenn er  trocken ist, bakterienfrei ?
Genügt die Spülung mit NaOCl oder welcher anderen desinfizierenden Lösung auch immer –  aus einer dünnen Spülkanüle heraus, maximal 1 -2 mm apikal der Kanülenöffnung hinausreichend,  um eine adäquate Desinfektion zu erreichen ?

Keiner von uns kann mit Sicherheit die Antworten auf diese Fragen geben.

Demzufolge kann man im Umkehrschluss aber auch povokant die Frage stellen: Erzielen wir eine Heilung durch oder unabhängig von oder trotz unserer Massnahmen ?

Konkret, kritisch gefragt:

1. Inwieweit ist das Ergebnis der Schmerzfreiheit und einer im Zahnfilm oder OPG sichtbaren apikalen Ausheilung das Resultat eines Fließgleichgewichts, dass die Selbstheilungskräfte des Körpers – unterstützt durch endodontische Massnahmen des Zahnarztes – gegenwärtig zu Gunsten des Patienten verschoben haben ?

Wenn dem so wäre, und es gibt nichts, was angesichts der Mikroanatomie des Wurzelkanals und der Submikroanatomie des Wurzeldentins grundsätzlich dagegen argumentierend angeführt werden könnte, dann ist die von uns so freudig begrüßte Heilung bakteriell infizierter Zähne nur eine Polaroid- Foto eines längerfristig in seinem Ausgang unbestimmten Prozesses, der eine Restitutio ad integrum nur suggeriert, aber vermutlich zu keiner Zeit erreicht hat.

2. Inwieweit ist die apikale Aufhellung nur eine scheinbare, nur auf den Unzulänglichkeiten des 2 D- Röntgens begründet ?

In solchen Fällen besteht die Möglichkeit, dass wir es nicht mal mit einer temporären, vielmehr mit einer vorgespiegelten Heilung zu tun haben.

Wo die Evidenz fehlt, muss der gesunde Menschenverstand her.
Und der sagt, seit dem Jahr der endodontischen Zeitenwende 1917, seit den Präparaten Walter Hess, dass es ungeachtet der großen Erfolge in der Endodontie noch viel zu tun gibt.

Und, angesichts der frustralen Erkenntnis, dass man offensichtlich in vielen Fällen nicht einmal bereit ist, dass essentiell Notwendige zu tun (sonst gäbe es nicht so viele schlechte Wurzelkanalbehandlungen)  auch getan werden muss. Grundsätzlich.

Damit die Endodontie kein Auslaufmodell wird.

Das bedeutet im ersten Schritt: Dokumentation des Status Quo, Analyse der Ist- Situation, Überprüfung unterschiedlicher Therapievarianten, vorbehaltlos.

Und hier haben wir mit dem DVT ein neues Hilfsmittel, dass es uns erlauben wird, den Erfolg unserer Behandlungen viel viel präziser, vielleicht zum ersten Mal überhaupt nachvollziehbar belegen zu können.

Darauf freue ich mich.

Das DVT ist nicht nur ein möglicher Nagel zum Sarg der Endodontie, sondern die Chance, diese Behandlungsform auf ein neues Level zu bringen. Ich bin gespannt, inwieweit sich die Endodontie dadurch in den nächsten 2 Dekaden verändern wird.

Eines muss aber klar sein. Mit dem DVT werden die Karten neu gemischt.  Und deshalb müssen auch liebgewonnene und bequeme Gewohnheiten des „Das haben wir doch immer so gemacht“  hinterfragt werden. NaOCl, CaOH2 ? Ab auf den Prüfstand. Und vermutlich fast alles andere auch.
Das ist mühsam.
Aber tun wir es nicht, werden wir verlieren.
Und die Patienten Zähne.

Die neue GOZ (2)

von Olaf Löffler

Im letzten Beitrag haben wir die Punktezahlen alt gegen neu gegenübergestellt.
Was heißt das nun real in heutiger Zeit?

Der Punktwert entspricht genau 0,0562421€. Dieser bleibt unverändert. Er liegt somit
weiterhin 3,64% unter  dem Punktwert der GOÄ (Gebührenordnung für Ärzte).

Wikipedia führt dazu folgendes auf:
Preisentwicklung
Bezogen auf das Basisjahr 1988 hat es in Deutschland von Januar 1988 bis Januar  2008 einen Preisanstieg um 53% gegeben – was einer durchschnittlichen jährlichen  Steigerung von 2,15% entspricht – während das GOZ-Honorar unverändert blieb und  damit praktisch abgewertet wurde.
Im Gegensatz zu den Ärzten und Zahnärzten haben die Gebührenordnungen anderer  freier Berufe (Rechtsanwälte, Notare, Architekten, Steuerberater) einen Automatismus,  der sie an die allgemeine Preisentwicklung ankoppelt. Die Honorare dieser freien Berufe  errechnen sich überwiegend aus einem Prozentanteil eines Marktwertes (Rechtsanwalt:  Streitwert für ein Auto oder Haus; Notar: Wert des Kaufvertrages; Architekt: Baukosten  für ein Haus; Steuerberater: Betriebsgewinn), der zusammen mit der allgemeinen  Inflation allmählich steigt. So steigen in diesen freien Berufen die Honorare auch ohne Änderung der Honorarordnung mit der allgemeinen Inflation allmählich an.

Das Thema Inflation fällt mit der Gebührenordnung unter den Tisch.  Die Mietverträge, Wartungsverträge, etc. vieler Kollegen führen spezielle Klauseln zur Inflationsanpassung. Das heißt es werden die durchschnittlichen prozentualen Kostensteigerungen jährlich neu eingerechnet und bleiben somit am Unternehmen Zahnarztpraxis hängen. Ähnlich verhält es sich mit den Material- und Anschaffungskosten.

Die Inflation seit 1988, dem Jahr des Inkrafttretens der bis jetzt existierenden GOZ und des weiterhin bestehnden Punktwertes von 0,0562421€, beträgt kumuliert fast 60%. (Quelle: ZAAG)

Die derzeitige internationale Finanzlage lässt inflationäre Erscheinungen nicht ausschließen.
Wird die Einzelpraxis einen deutlichen Anstieg der Inflation überleben?

Feuerlöscherchen?

von Christian Danzl

Nach unserem frisch überstandenem Wasserschaden fragt man sich, was es Schlimmeres gibt?

Die Antwort ist klar:

Feuer.

Nicht umsonst sind Feuerlöscher vorgeschrieben. Die Menge, Löscheinheiten und Wartung sind ja jetzt durch QM kein Problem mehr.  ;-)

Was tun, wenn es dann doch mal zu einem kleinen Feuer kommt?

Feuerlöscher!

Ich schätze, dass aus Kostengründen 80% der Feuerlöscher, die in den Praxen hängen, ABC-Pulver-Löscher sind.
Das heisst im Bandfall bei einem 6-Kg-Löscher: 10 sek. löschen und danach 5 Stunden putzen – wenn man davon ausgeht, dass das (hoffentlich Klein-)feuer gelöscht ist und die Feuerwehr nicht benötigt wird.

Da in einer Zahnarztpraxis ab und zu mit offener Flamme hantiert wird, Spiritusbrenner für das Wachsmesser, Bunsenbrenner im Praxislabor und im Advent der unvermeidliche Adventskranz, usw. ist ein unkontrolliertes Entflammen von leicht brennbaren Materialien nicht ausgeschlossen.

Hilfsmittel zum Feuerlöscher bei einem Entstehungsbrand:

– Löschdecken sind Kleinlöschgeräte aus unbrennbarem Gewebe, um entstehende Feuer durch Luftabschluss zu ersticken.

– Feuerlöschsprays sind Löschhilfen, sie sind keine Feuerlöscher nach Norm, da

  • die Löschmittelmindestmenge nicht erreicht wird
  • die vorgeschriebe Wurfweite nicht erreicht wird
  • der Sprühwinkel zu gering ist
  • die Haltbarkeit mit 3 Jahren weit von den 20 Jahren eines Feuerlöschers entfernt ist
  • das EN3-Niveau unterschritten wird
  • thermische Stabilität unzureichend ist

Trotzdem können sie durchaus Kleinbrände löschen und sie verursachen durch Löschschaum keine löschpulverbedingten Putzorgien.

Sie sind NICHT geeignet und auch NICHT dazu gedacht Feuerlöscher zu ersetzen.
Es kann aber eine Person mit dem griffbereiten Löschspray/Löschdecke einen entstehenden Brand schon eindämmen, evtl. löschen, während eine weitere Person einen Normlöscher zum „Einsatzort“ bringt. So kann durchaus Schlimmeres verhindert werden.

Die Kosten sind mit ca. 15,- bis 25,- Euro überschaubar („Strassenpreis“).

AMED-Tagung

von Christoph Kaaden

Zahnmedizinische Fortbildungen gibt es wie Sand am Meer. Zu jedem erdenklichen Thema…schwieriger, um nicht zu sagen sehr viel schwieriger wird es da schon Veranstaltungen zu finden, die das Dentalmikroskop und dessen Integration in die tägliche Zahnheilkunde als zentrales Thema haben.

Als „Mutter aller Mikroskop-Fortbildungen“weltweit gilt langläufig die AMED-Tagung.

Die –Academy of Microscope Enhanced Dentistry- trifft sich einmal jährlich an (zumeist) wechselnden Orten, um diverse Bereiche mikroskopunterstüzter Zahnheilkunde (z.B. restaurative Mikrozahnheilkunde, parodontale Mikrochirurgie, Mikroendodontologie etc.)
eingehend zu beleuchten.

Mich persönlich hat bisher u.a. die weite Anreise von der Teilnahme an einer solchen Tagung abgehalten. Umso erfreuter war ich vor Kurzem zu erfahren, dass dieses Meeting erstmals als Online-Fortbildung ausgerichtet wird. Im Zeitraum vom 10. bis 12. November 2011.

Erste Informationen hierzu finden sich hier.

Ich freue mich sehr darauf und bin dabei…

:-)

PS: Ein Rückblick auf vergangene Treffen findet sich hier.

Reisebericht – Schottland

von Christian Danzl

Heute mal weg von den Zähnen und ab in den Urlaub.

Diesmal Schottland.

Auf der Suche nach des Ursprüngen des Malt-Whisky hat es uns nach Schottland getrieben.
Ursprünglich wäre der erste Halt auf der Rundreise von und nach Edinburgh die Insel Islay und die darauf angesiedelten Brennereien (Ardbeg, Bowmore, Bruichladdich, Bunnahabhain, Caol Ila, Kilchoman, Lagavulin, Laphroaig, Port Charlotte, Port Ellen) gewesen, passte aber dann, wegen ausgebuchter Fähre nicht in Programm, was aber nicht so schlimm  war, da meine zwei Mitreisenden den sehr torfigen und rauchigen Whisky dieser Insel nicht besonders schätzen.

Also war Oban (Diageo) die erste Brennerei, die sich unserer Besichtigung nicht entziehen konnte. Relativ klein mit einem Ausstoß von 1 Mio Flaschen pro Jahr. Interessante Führung, Verkostung von 2 Whiskys, einer direkt aus dem Fass und der 14-jährige Standard-Whisky.

Weiter führte die Reise durch das Great Glen vorbei Loch Ness über Fort William, Inverness (leider kein Quartier bekommen), Nairn, Forres nach Elgin (Region Moray). Sitz des unabhängigen Abfüllers Gordon & MacPhail.

Von da in Richtung Süden erstreckt sich der Malt-Whisky-Trail. Auf Strassenschildern sind hier die Brennereien ausgeschildert, die zu Besichtigen sind. Ca. 15 km südöstlich von Elgin liegt der kleine Ort Rothes (Speyside). Von hier sind im Umkreis von ca. 10 km viele Brennereien zu besichtigen.

Glen Grant, derzeit im Besitz von Campari. Netter Garten, Café, kurze, übersichtliche Führung, moderner Verkaufsraum, Whisky-Verkostung mit zwei Standardwhiskys. War nicht unser Geschmack.

The Macallan, Edrington Group. Schöne Führung, zeigt viel von der Herstellung der verschiedenen Fässer (Bourbon Cask, Sherry Cask) und deren Einfluss auf Geschmack und Farbe des Whiskys. Enttäuschende Verkostung mit einem 10-Jährigen Sherryfass Whisky ohne Hinweise und Anleitung.

Aberlour, z.Zt. Pernod Ricard, 2-stündige Führung, viel Informationen über Geschichte, Herstellung (verarbeiten 34t Gerste täglich), Lagerung. Mit Abstand die beste Verkostung:
frisch gebrannter Spirit (vor der Fassabfüllung, klar, noch kein Whisky, da der Spirit erst 3 Jahre im Holzfass lagern muss, um sich Whisky nennen zu dürfen); zwei Fassstärken á 16 Jahre, einer Bourbon, einer Sherry; ein 10-järiger; ein 16-jähriger und der a bunadh. Hervorragende Erklärung, auf was zu achten ist, welche Aromen sich wann freisetzen und der Möglichkeit einen, nur in der Brennerei erhältlichen Whisky, selber abzufüllen.
Aberlour war die einzige, von uns besuchte, Brennerei, die ihren Whisky mit Freude und Stolz präsentiert hat.

Von Elgin ging die Fahrt dann über Aberdeen, Stonehaven, Dundee nach St. Andrews, bekannt durch Universität und Golf, und am nächsten Tag weiter über Anstruther, wo es angeblich die besten Fish & Chips gibt, nach Edinburgh.

Tips für die Reise:

  • optimale Reisezeit sind Juli und August
  • es gibt kaum Hotels, aber sehr viele Bed & Breakfast, diese sind aber in der Hauptreisezeit oft voll. Es empfiehlt sich im Voraus zu buchen, wenn man nicht stundenlang suchen will
  • am besten kommt man mit dem Auto voran (Fahrer vorher bestimmen, wenn es zur Brennerei geht ;-), wenn auch im Vergleich zu Deutschland sehr langsam. Die Strassen sind klein, eng und kurvig. Viele Wohnwägen und Wohnmobile in der Hauptreisezeit. Hier also mehr Zeit einplanen
  • es gibt in Schottland auch viele verschiede Brauereien, deren Ales sehr unterschiedlich schmecken
  • unbedingt Haggis probieren, hier war er besonders gut
  • preisgünstig Essen in den Pubs, beim Inder und natürlich Fish & Chips,
    das legendäre „deepfriedmars“ haben wir leider nicht entdeckt ;-(
  • sehr viele verschiede Whiskys zu Preisen von 2,80 Pfund für einen Standard Single Malt wie Highland Park 12y, Laphroaig 10y oder Glenfiddich 12y bis hin zu 50 Pfund für einen Yamazaki, limited Edition von 1984 gibt es im Highlander Inn inCraigellachie. Sehr empfehlenswert!
  • Empfehlenswerte Hotels:
    Mansionhouse Hotel, Elgin
    Dowans Hotel, Aberlour
  • Dank des derzeit guten Wechselkurses zum Englischen Pfund kann man vor Ort gut Whisky kaufen, besonders Raritäten, die auf dem deutschen Markt nicht oder nur sehr schwer erhältlich sind.
  • Easy Jet ist nicht erste Wahl, wenn es ums Fliegen geht

 

Warmwasser von oben

von Christiano de Acqua Alta

Zweiter Tag in meinem Urlaub. 10 vor 8.00 Uhr klingelte das Telefon. Die Praxis war dran.

Rohrbruch. Wartezimmer und Backoffice sind unter Wasser.

10 min später stehe ich in der Praxis. Das Wasser läuft aus der Zwischendecke. Eine Warmwasserzirkulationsleitung ist durchgerostet.
Die Helferin, die die Praxis aufgesperrt hat, hat hervorragend gehandelt. Sie hörte etwas plätschern, dachte sofort an einen Rohrbruch, schaltete den Strom mit dem Hauptschalter NICHT ein. Suchte den Ursprung des Geschens, fand ihn im Backoffice, machte die Sicherungen raus und rettete die Rechner. Durch den Server ist das Wasser leider gelaufen, der war nicht mehr zu retten. Dank Datensicherung war es für die Hard/Software-Betreung kein Problem, noch am gleichen Tag einen Ersatzsrever zu installieren, so dass der Kollege am nächsten Tag wieder arbeiten konnte. Somit hatten wir bis jetzt nur einen halben Tagarbeitsausfall.

Dann kommt der Rest von Wasserschaden. Versicherung. Hausversicherung über den Vermieter, für Bodenbeläge, Tapeten, Decken. Eigene Inventarversicherung und Elektronikversicherung für Einrichtung und Hardware.

Warum langweile ich Euch heute mit diesem Thema?

Ich habe letztes Jahr die Praxisversicherungen neu abgeschlossen und auf den neuesten Stand gebracht, da ich zu einem anderen Versicherer gewechselt habe. Ich wollte für die ganzen Versicherungen, privat wie geschäftlich, einen Ansprechpartner haben. Es ist vielleicht nicht unbedingt die billigste Lösung, aber man spart sich sehr viel Lauferei, und im Schadensfall ist es fast unbezahlbar für die Schadenabwicklung nur „über die Strasse“ gehen zu müssen.

Also, wenn die Praxisversicherungen (oder auch die Privaten) schon länger laufen, loht es sich, die Verträge mal wieder durchzuschauen und evtl. auf den neusten Stand bringen. Es kann auch nicht schaden, sich von einem Mitbewerber mal ein Angebot machen zu lassen, was das Versicherungspaket  woanders kostet.
Aber das sollte doch auch im QM-Ordner stehen, „wenn ich mich nich irre“ – um es mit Sam Hawkens zu sagen ;-)

Nach der Abwicklung werde ich die Policen auch nochmal durchgehen und evtl. wieder updaten und auch die Ausfallversicherung auch an nicht-krankheitsbedingte Ausfälle angleichen. Dieser Wasserschaden lief glimpflich ab, da im Urlaub die Praxis nicht auf voller Leistung läuft.

Ob sich ein eventueller nächster Wasserschaden wieder an die Urlaubszeit hält ist nicht sicher.

The Dentist Of Jaipur

von Hans – Willi Herrmann

Für Alle, die am Montagmorgen in eine Wochenbeginn-Depression zu fallen drohen,  ein Kurzfilm von Falk Peplinski.

Spätestens nach 4 Minuten sollte jeder von uns, sowohl Patient als auch im Gesundheitssystem aktiv Mitwirkender, mit großer  Demut zur Arbeit gehen, angesichts des Umstandes, auf dem richtigen Breiten – und Längengrad geboren worden zu sein.

 

Alex Steinweiss

von Hans – Willi Herrmann

Wir sind zurück. Der Urlaub ist vorbei.

Aber bevor es mit der Zahnmedizin weitergeht, gilt es  hier bei WURZELSPITZE noch ein paar Dinge aufzuarbeiten, die sich in den vergangenen 3 Wochen ereignet haben.

Eine winzige Fußnote der Weltgeschichte liegt mir besonders am Herzen.
Vergangenen Sonntag  ist im Alter von 94 Jahren Alex Steinweiss verstorben.

Sagt Ihnen nichts ?
Ich gestehe, ich wusste mit dem  Namen bis dato auch nichts anzufangen.
Aber ich bin sicher jeder von uns hat schon eines seiner Produkte in Händen gehalten und ich ganz besonders, genau gesagt rund 4000 Stück davon, denn Steinweiss war der Erfinder des illustrierten Plattencovers.

Gleich nach seiner Einstellung als Art Director bei der Plattenfirma Columbia im Jahr 1939 schlug der Grafikdesigner vor, die Schallplatten statt wie bisher in triste Schutzeinbände lieber in Papphüllen zu stecken und diese künstlerisch zu gestalten.

Von Steinweiss stammte dann auch die erste derartige Hülle für eine Schallplatte der Songwriter Richard Rodgers und Lorenz Hart mit dem Foto eines New Yorker Theaters und dem Schriftzug Rodgers & Hart in Leuchtschrift. Der Erfolg war durchschlagend.

Die neuen Cover wurden zu Verkaufsschlagern, schon bald über nahmen die  anderen Plattenfirmen die Idee. Steinweiss gestaltete 30 Jahre lang rund tausend Hüllen für Jazz-, Klassik-, und Folkplatten – außer für Columbia auch für andere Labels wie Decca.

Natürlich ist es  toll, im Urlaub, unter dem Sonnenschirm liegend auf  seinem Ipod seine gesamte Musikbilbliothek dabei zu haben. Auch ich habs genossen, allerdings auch darüber sinniert, dass die Haptik eines Schallplatten – Albums, mit seinen phantasievollen Covern, den Booklets, den Fotos und möglichen Gimmicks  vermutlich für alle Zeit  verloren ist. Schon die CD liess fast alles davon vermissen, jetzt im volldigitalen Zeitalters des Ipods ist diese sinnliche Erfahrung vollkommen verschwunden, ausgelöscht. Was früher eine Selbstverständlichkeit war, die Schallplattenhülle während des Musikhörens nach Infos über die Band, die Begleitmusiker, den Produzenten oder  Toningenieur zu durchforsten, die Texte auswendig zu lernen usw. ist vermutlich für immer verloren.

Auch wenn ich seinen Namen erst nach seinem Tod erfahren habe. Mit seiner Erfindung wird der Name Alex Steinweiss für mich unvergessen bleiben und ich werde mich gerne seiner erinnern. Mit jeder schwarzen Scheibe, die ich auf meine Schallplattenspieler lege.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Kostenexplosion im Gesundheitswesen?

von Christian Danzl

Die Erhöhung der Krankenkassenbeiträge von 14% auf 15% ist nicht EIN Prozent.
Das will uns nur die Politik verkaufen. Es ist eine Erhöhung um einen ProzentPUNKT. In Wirklichkeit ist es eine Steigerung von 7%. Aber 1% hört sich besser an.
Und das soll es ja.

„Das Einkommen der Zahnärzte ist in den letzten 8 Jahren um gut 22% gestiegen.“
Hört sich auch gut an. Nur wer kann das nachvollziehen?
Der gemeine Bürger, dem die Regierung wieder einmal erzählt, dass die Ärzte zuviel verdienen.
Nominal (der reine Geldwert) sind die Einkommen gestiegen.
Real (also nach Einberechnung von Inflation und Kaufkraft) sind die Einkommen von 1997 bis 2007 um knapp 6% gesunken.

„Gesundheitsausgaben haben sich 1995 bis 2004 offenbar mehr als verdoppelt.“ Das war, was sich aus der Grafik vom Kölner Stadtanzeiger vom 27.10.2006 auf den ersten Blick erkennen liess.
Warum?
1. eine Zahl von 1995 wurde falsch übertragen
2. eine abgeschnittene y-Achse, d.h. die Säulen in der Grafik werden nicht ganz dargestellt
Dadurch ergibt sich eine starke Verzerrung.
Nach Korrektur Kaufkraft und Inflation ist von der Explosion der Kosten plötzlich nichts mehr zu sehen.

Arbeitslose Stand Mai 2010:

3,242 Mio.

Was ist nicht dabei?
5,834 Mio „Arbeitsuchende“
5,918 Mio erwerbsfähige Empfänger von Geldleistungen (Arbeitslosengeld I und II)

Es kommt noch besser:
seit dem 01.05.2009 werden Jobsucher, die von privaten Trägern wie den Berufsbildungszentren betreut werden, nicht mehr als als Arbeitslose gezählt.

Das, und wie noch mit Statistiken und Zahlen gelogen wird, ist nachzulesen in
„Lügen mit Zahlen“ von Gerd Bosbach und Jens Jürgen Korff.

Nach dieser Lektüre sehen Statistiken definitiv anders aus.
Auch die der eigenen KZVen!

Der Nabel der Welt …


von Jörg Schröder

… scheint zumindest im endodontischen Bereich wie selbstverständlich in Nordamerika und Mitteleuropa angesiedelt zu sein.

Hervorragend ausgebildetete Endodontologen mit ausgezeichnetem Fachwissen, die zudem über das modernste technische Equipment verfügen, gibt es sehr wohl  aber auch in Ländern, in denen die ökonomische Lage des Großteils der Bevölkerung dies nicht unbedingt vermuten lassen würde.

Dies wurde mir anlässlich eines Vortrages auf einem brasilianischen Endodontiekongress einmal mehr klar. Bereits zum 11. Mal hatte Henrique Bassi, ein Kollege, der neben der Tätigkeit als Hochschullehrer auch noch 3 Tage in der Woche praktisch tätig ist, zum „Encontro de Endodontia da Easy“ nach Itaparica im Bundesstaat Bahia geladen.

Im Rahmen eines Workshops hatte ich die Gelegenheit, das auf diesem Kongress erstmals vorgestellte Feilensystem „Pro Design S“ an extrahierten Zähnen auszuprobieren.

Kernstück des Systems ist die Weiterentwicklung eines seit 10 Jahren existierenden drehmomentkontrollierten Motors. Dieser erlaubt die Einstellung sehr geringer Torquewerte (bis unter 0,25 Ncm). Die Torqueeinstellung wird dabei auf den Bereich der Feile abgestimmt, der tatsächlich im Kanal arbeitet, sofern man der von BASSI empfohlenen Behandlungssystematik folgt.

Darüber hinaus erfasst der Motor den Verschleiss bzw. die Beanspruchung jeder eingesetzten Feile und gibt sie kontinuierlich in „% Lebensdauer“ wieder.

Die neu entwickelten Orifice-Shaper haben die Dimensionen 30/10 und 25/08. Die Feilengeometrien sind „Doppelhelix“ für 30/10 und „Triplehelix“ für 25/08.

Überraschend schmal kommt die nächste Feile daher: 25/01 und aufgrund ihres schlanken Aussehens mit dem Namen „Giselle“ bedacht (Giselle Bündchen, brasilianisches Supermodel).

Erstaunlich in wie vielen Kanälen damit Patency erreicht werde konnte. Wenn „Giselle“ nicht erfolgreich ist, wird mit wenigen Tasten der Motor auf reziproke Arbeitsweise umgestellt. Die dann eingesetzte 15/05 kam in allen Fällen (17 von 17 Kanälen) ohne Begradigung bis zum Foramen.

Obwohl es in Brasilien 15.000 Kollegen gibt, die überwiegend endodontisch tätig sind, hatten die meisten ein geradezu familiäres Verhältniss zueinander. In Deutschland auf großen Kongressen auch schwer vorstellbar, das der Vortragende ohne Anzug und Krawatte mit hochgekrempelten Ärmeln auftritt. Dabei hatte der Veranstaltungssaal eine mehr als ausreichende Klimatisierung.

Zwischendrin tritt auch schon einmal ein verdienter und hoch respektierter Kollege vor (53 Berufsjahre in der Endodontie, erfolgreiche Recallbilder die 40 Jahre und älter sind) und kommentiert das eine oder andere Gezeigte wohlwollend.

Neben den fachlichen Eindrücken haben wir eine große Portion Gelassenheit mit nach Hause nehmen können, was sowohl an der fröhlichen Art der brasilianischen Kollegen als auch an der schönen Umgebung lag. Nachfolgend einige Stimmungsbilder:

Diese Diashow benötigt JavaScript.


Tausend Meilen

von Christian Danzl

Heute mal wieder etwas, was mit der Zahnmedizin nur wenig zu tun hat.

Letztes Wochenende fand wieder die Mille Miglia (Storica) statt. Das Revival des legendären Autorennes von 1927 bis 1957.
Das Rennen hatte immer verschiede Routen durch Italien, startete und endete immer in Brescia.

Seit 1977 findet die „Mille Miglia Storica“ statt, die aber jetzt auf Gleichmässigkeit und nicht mehr auf Höchstgeschwindigkeit ausgelegt ist.

Die diesjährige Route ist hier.

Ein Video, aufgenommen am 12. Mai kurz nach dem Start in Sirmione/ Gardasee und am 15. Mai in Brescia beim Zieleinlauf ist hier zu sehen.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Zahntourismus nach Ungarn

von Hans – Willi Herrmann

Ein Artikel in der „Zeit Online“ zum Thema Zahntourismus nach  Ungarn findet sich hier.

Der Hinweis kam aus dem Schweizer Dentoforum.


Wikipedia

von Olaf Löffler

Immer öfters sieht man in Vorträgen Erklärungen, bzw. Definitionen aus Wikipedia. Wikipedia erhebt den Anspruch, die größte, das gesamte Wissen der Welt beinhaltende Enzyklopädie zu werden. Ursprünglich als Jux gedacht ist Wikipedia nun 10 Jahre alt geworden.

Eine unkritische Übernahme der Definitionen aus diesem Wissenfundus ist nicht immer angebracht.

Einen interessanten Artikel habe ich hier gefunden.

Viel Spass beim Lesen und ein herzliches Dankeschön an unsere Schweizer Kollegen, welche Ihre Artikel kostenfrei online zur Verfügung stellen.

… wird nicht mehr repariert

von Christian Danzl

Wie hier schon beschrieben, laufen unsere Optilux Demetron 401 Polymerisationslampen  immer noch.

Alle.

Bis auf eine. Die hat jetzt Aussetzer. Das heisst, die Lampe geht hin und wieder aus. Wahrscheinlich ein Wackelkontakt.

Meine Helferinnen – nicht erst seit QM – angehalten, dass die Geräte in der Praxis funktionieren, haben die Lampe ins Depot geschickt, mit Bitte um Reparatur.

Sie kam postwendend zurück mit der Bemerkung vom Hersteller:

„Dieser Lampentyp wird nicht mehr repariert.“

Das heisst: Die Lampe wurde nicht mal angeschaut, ob es sich um einen Bagatellschaden handelt, der mit ein paar Handgriffen repariert werden kann. Es war auch keine Aussage von fehlenden Ersatzteilen – was ich erwartet hätte. Aber nicht mal die Mühe hat man sich gemacht.

„Dieser Lampentyp wird nicht mehr repariert“, was soviel heisst, wie
„Reparieren – wovon träumen Sie nachts? Ihre Lampe interessiert uns nicht mehr, kaufen Sie uns doch gefälligst eine Neue ab! Da verdienen wir wenigstens was. Da könnte doch jeder daherkommen und das alte Zeug repariert haben wollen.“

Analog:
„Diesem Zahn eine neue Füllung machen???? Den haben Sie doch schon seit 20 Jahrem im Mund!!! Lassen Sie sich doch ein Implantat setzten.

Da ist die Praxis schnell leer…
Ich würde ja nichts sagen, wenn es eine Billig-Lampe wäre, aber für die dieses Polymerisationslicht wurden damals schon 1.600,- DM aufgerufen (wohlgemerkt für 2 Meter Kabel, 1 Trafo, 1 Halogenleuchtmittel, 1 Zeitschalter, 1 Taster, 2 Kunststoffgehäuse, Lüfter und Lichtleiter – Herstellungskosten großzügig bemessen 50 Mark).

Wie schon geschrieben, bin ich mit der Lampe sehr zufrieden gewesen, und ich hätte mich für einen Ersatz beim gleichen Hersteller umgeschaut.

Aber sicher nicht wenn solche Aussagen vom Kundendienst kommen.

Eigentlich muss ich wahrscheinlich auch noch froh sein, dass die Lampe zurückgeschickt, und nicht gleich einbehalten wurde. So wurde sie jetzt dem örtlichen Elektriker/RF-Techniker zur Reparatur übergeben.

69 Prozent (Teil 3) Was Lufthansa – Piloten von Zahnärzten unterscheidet

von Hans – Willi Herrmann

Was haben Lufthansa – Piloten und Zahnärzte gemeinsam ?
Regelmäßig klatschen 400 Leute begeistert, sobald feststeht,  daß die Arbeit erfolgreich zu Ende gebracht wurde.

Und jetzt im Ernst.
Wann hat eigentlich in ihrer Praxis das letzte Mal ein Patient applaudiert, als  er nach Ende der Behandlung vom Zahnarztstuhl aufgestanden ist ?
Machen wir uns nichts vor. Es wäre, wenn es denn vorkäme, ein eher seltenes, vermutlich sogar kurios zu nennendes Ereignis.
Im Flugzeug wird immer noch regelmäßig geklatscht, zumindest auf dem Flug in den Urlaub.

Und damit sind  wir schon bei einem entscheidenden Unterschied in der Wahrnehmung, wenn es um die Wertschätzung geleisteter Arbeit geht, zwischen Piloten von Passagierflugzeugen und Ärzten oder Zahnärzten.

Zwar wird kein Patient müde, zu betonen, wie sehr er dankbar ist, seinen Zahnarzt gefunden zu haben und interessanterweise ist jeder Patient überzeugt davon, dass sein gegenwärtiger Zahnarzt der bestmögliche ist, aber so ganz schlüssig erscheinen diese Aussagen nicht.

Ist es wegen der  Angst vorm Zahnarzt ? Möglicherweise, aber es gibt auch sehr viele Passagiere mit Flugangst und gerade die klatschen am enthusiastischsten, wenn das Flugzeug sicher gelandet ist.  Und es gibt viele Ärzte, bei denen die Behandlung nicht per se potentiell schmerzhaft sein kann und dort klatscht auch keiner.

Am unterschiedlichen Nimbus der beiden  Berufe an sich kann es nicht liegen.
Pilot und Zahnmediziner – das sind beides Berufe mit hohem Sozialprestige. Das Einkommen ist immer noch deutlich überdurchschnittlich hoch, allerdings liegen die goldenen Zeiten beider Zünfte  diesbezüglich bereits 2 Dekaden zurück.

Aufschlussreich in diesem Zusammenhang ist ein Artikel der FAZ Onlineausgabe vom  9. Januar 2006. Darin heißt es …

„Exotische Länder bereisen, das Fernweh befriedigen, stilvolle Berufskleidung tragen. Das sind die landläufigen Vorstellungen über die Mitarbeiter von Fluggesellschaften. Sie rühren vielfach noch aus einer Zeit, als die Besatzungen (Crews) nach einem Langstreckenflug in die Metropolen der Welt Pause machten und sich womöglich an Traumständen erholten.

Die Wirklichkeit sieht anders aus. Flugpläne werden optimiert, weshalb es längere Aufenthalte an einem Zielort nicht mehr gibt. Das fliegende Personal mit Flugbegleitern und Piloten ist aufgeteilt in diejenigen, die auf Langstrecken eingesetzt werden, und jenen, die in Europa auf Kurz- und Mittelstrecken unterwegs sind. Bestenfalls trifft das Klischee noch auf die langgedienten Mitarbeiter zu. Denn bei allen Airlines gilt das Senioritätsprinzip: Man muß sich langsam hocharbeiten.

So nimmt der Flugschüler nach bestandener Prüfung – wenn er sofort eine Anstellung findet – auf dem Copilotensitz Platz. Je nach Arbeitgeber bemißt sich danach auch das Grundgehalt. Dieses ist bei den Regionalfluggesellschaften wie Eurowings mit 1.745 Euro entgegen der allgemeinen Wahrnehmung erstaunlich niedrig. Durch Schichtzulagen und Mehrflugstundenvergütung steigt es auf 3.059 Euro.

Befindet sich der Copilotensitz in einer Maschine der Lufthansa Ctiy Line, werden am Monatsende einschließlich aller Zulagen 4.127 Euro überwiesen. Die Flugkapitäne erhalten als Einstiegsgrundgehalt zwischen 3.252 (Eurowings) bis 5.496 Euro (Lufthansa City Line). Als Copilot bei den Ferienfluggesellschaften reicht die Spanne beim Grundgehalt von 2.389 bis 4.384 Euro, die des Kapitäns von 3.875 bis 8.578 Euro.

Je erfahrener der Pilot ist, desto höher steigt sein Gehalt, so daß bei Linienfluggesellschaften Endgehälter von 250.000 Euro nicht ungewöhnlich sind. Einkalkuliert werden muß allerdings, daß ein Teil der Kosten für die aufwendige Pilotenausbildung zurückzuzahlen ist. Und die ist nicht billig: Der ausgelernte Lufthansa-Pilot etwa hat während seines Berufslebens immerhin ein Ausbildungsdarlehen über rund 41.000 Euro in Raten abzustottern.

Den Piloten geht es also  ähnlich wie den Zahnärzten.
Sie hatten in den 80er und 90er Jahren deutlich mehr Geld als heute, haben zum Teil gegenüber damals empfindliche Einkommenseinbussen hinnehmen müssen. Der junge Pilot von heute verdient, gemessen am Bundesdurchschnitt immer noch deutlich überdurchschnittlich, genau wie ein Zahnarzt, aber beide Berufsgruppen haben ihre goldenen Zeiten schon lange hinter sich.

In diesem Zusammenhang noch eine weitere Stellungnahme, des Sprechers der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit, Jörg Handwerg, angesichts einer Streikdrohung seiner Gewerkschaft:

„Wir fühlen uns nicht unterbezahlt, aber auch nicht überbezahlt. Nach dem Streik 2001 haben wir auch nicht, wie oft geschrieben, 28 Prozent, sondern 18 Prozent mehr Gesamtgehalt bekommen, also immer noch weniger als vor der Krise in den neunziger Jahren – davon ist ein großer Anteil variable Vergütung. In Krisenzeiten wird also unser Lohn sowieso automatisch reduziert. So hatte die Lufthansa im vergangenen Jahr circa zwölf Prozent weniger Cockpitkosten, während der Vorstand sein Gehalt erhöht hat. Natürlich soll jeder, der gute Arbeit leistet, auch gut bezahlt werden, auch der Vorstand. Aber der will sich auf unsere Kosten 20 bis 30 Prozent Kostenvorteile verschaffen, um die Rendite zu steigern – und nicht, um das Überleben der Lufthansa zu sichern. Natürlich wollen auch wir, dass es der Lufthansa gutgeht. Aber wir lassen uns nicht mit unfairen Mitteln um unseren erarbeiteten Anteil bringen.“

Und jetzt tauschen sie bitte in besagtem Handwerg – Zitat  mal die Begriffe „Pilot“ und „Zahnarzt“, sprechen sie statt vom Lufthansavorstand von den Mitgliedern des Bundestages und der Regierung und lesen sie den besagten Absatz noch einmal sorgfältig mit den vorgenommenen Änderungen.

Zu welchem Ergebnis sind sie gekommen ? Richtig – was auf die Piloten zutrifft, gilt in gleichem Maße auch für die Zahnmediziner. Wenn man nonchalant darüber hinwegsieht, das zahnmedizinische Berufseinsteiger von den Einstiegsgehältern der Jungpiloten nur träumen können und als Praxisgründer beim Start in die Selbstständigkeit vermutlich mehr das 6 fache besagter  40.000 Euro als Kredit abzahlen müssen.

Genau wie die Piloten fordern die Zahnärzte immer mal wieder mehr Geld.
Minimal einen Inflationsausgleich, der angesichts  der Tatsache, dass die letzte „Gehaltserhöhung“ lange zurückliegt, zwangsläufig höher zweistellig ausfallen muss.

Seltsamerweise wird eine solche Forderung allerdings nur den Zahnärzten angekreidet.

Kaum veröffentlicht, kommt es schon wenige Stunden später unisono zu einer massiven Schelte.
Von Regierungsseite, Versicherern, Medien und natürlich auch von den Patienten. Das erscheint merkwürdig, denn auch  die Lufthansa – Piloten haben in der jüngeren Vergangenheit deutlich mehr Geld gefordert, ohne das es zu einem solchen medialen Wehklagen der Allgemeinheit kam.
Die Piloten haben sogar mehrmals gestreikt, um ihrer Forderung mehr Nachdruck zu verleihen. Der große Aufschrei der Öffentlichkeit blieb aus, es gab sogar ein gewisses Verständnis für die Forderungen. Alles wird teurer, das weiss der Mann auf der Strasse.

Wird hier mit zweierlei Maß gemessen ?
Offensichtlich.

Hierzu noch zwei weitere Stimmen aus der aktuellen Tagespresse.
Während in einem Interview in der Süddeutschen Zeitung vor wenigen Tagen Michael O’Leary, der Chef der irischen Fluggesellschaft Ryan Air über Piloten von Verkehrsflugzeugen sagte:

„Das sind doch glorifizierte Taxifahrer. In Irland dürfen Piloten nur 900 Stunden pro Jahr fliegen – das sind 18 Stunden pro Woche und sie bekommen 200.000 im Jahr.“

….heißt es in einer  Meldung des GKV – Spitzenverbandes vom 02. April:

„Niedergelassene Ärzte haben ihre Praxen in der Woche durchschnittlich nur knapp über 28 Stunden regulär für die Patienten geöffnet. Das zeigt eine Forsa-Umfrage im Auftrag des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), wie der „Spiegel“ vorab berichtete. 96 Prozent der Hausärzte machen zwar noch Hausbesuche oder bieten Termine nach Vereinbarung an, so dass sie insgesamt auf 36 Stunden kommen. Von den Fachärzten bietet laut Umfrage jedoch nur ein Drittel zusätzliche Sprechstunden an.

Der GKV-Spitzenverband zeigt sich daher unzufrieden mit den Arbeitszeiten der niedergelassenen Mediziner. „Da braucht sich niemand mehr zu wundern, warum viele kranke Menschen so lange auf einen Termin warten müssen, obwohl wir immer mehr Ärzte in Deutschland haben“, kritisierte Verbandschefin Doris Pfeiffer.“

Eine lächerliche, aber bewußt platzierte Verdrehung der Tatsachen, in dem man einfach die Sprechzeiten mit den  Arbeitszeiten gleichsetzt und die Mediziner subliminal als faules Pack abtut.

Upps, ein Versehen ?

Glauben sie das ?  Jemand, der  in leitender Position im Gesundheitswesen tätig ist und den Unterschied zwischen Praxissprechzeiten, Praxisöffnungszeiten und Arbeitszeiten nicht realisiert, ist entweder vollkommen fehl an seinem Platz, weil er die einfachsten Zusammenhänge nicht erkennt. Oder er platziert bewußt eine Meldung, die nicht den Tatsachen entspricht. Entscheiden sie selbst, was schlimmer ist.

Aber kehren wir zum Kernpunkt zurecht.

Fakt ist, dass es einen Unterschied in der Wahrnehmung gibt,  sowohl in der Politik wie in der Öffentlichkeit, was Piloten und Zahnärzte angeht.

In der 4. und abschließenden Folge der Beitragsreihe 69 Prozent widme ich mich daher der Frage, warum Piloten und Zahnärzte so unterschiedlich behandelt werden und warum es so sonnenklar ist, dass sich an dieser Situation in absehbarer Zeit nichts ändern wird.



0 – 800 – ENDO

von Hans – Willi Herrmann

Achtung.
Dieser Blogbeitrag ist kein vorgezogener Aprilscherz.
Besagte Anekdote habe ich letzten Freitag gehört, bei einem OPL – Treffen in der Schweiz. Der Kollege, der sie wiedergab, es ging bei unserem Gespräch um die in den letzten 5 – 7 Jahren sich verschärfende Situation der Endodontisten in USA,  hat lange Jahre dort gearbeitet und nachwievor gute Kontakte dorthin, die Story spielt in  Californien und geht so:

Ein Schmerzpatient sitzt im Behandlungsstuhl der Zahnarztpraxis, irgendwo im Raum Los Angeles.

Der Zahnarzt wählt 0- 800 – ENDO und kündigt bei der freundlichen Dame am Telefon den Patienten an, mit Angabe der Praxisadresse.

„Vielen Dank, dass sie mit uns zusammenarbeiten wollen. Wir rufen sie gleich zurück, sobald ich Genaueres weiss“, sagt die angenehm klingende Stimme am anderen Ende der Leitung.

Keine 5 Minuten später klingelt das Telefon.
„Dr. Muller ist auf dem Weg zu Ihnen , er wird in voraussichtlich 30 Minuten bei Ihnen sein“.

Der mobile Endodontist erscheint nur wenig später.
In seinem Van hat er alles dabei, was man für die Wurzelkanalbehandlung braucht, einschließlich Operationsmikroskop.

„Hello Mrs. Smith, I am your root canal specialist and will do the treatment right now.“

Los geht ´s.

Und weils so schön passt zum Thema, hier noch ein Ausschnitt aus einer Mail von Rob Kaufmann, als Endodontist niedergelassen in Winnipeg/Kanada, ebenfalls über die Änderung der Verhältnisse in den USA in den letzten Jahren.

„After many years on ROOTS, watching it wax and wane,  I am rapidly and sadly losing respect for what is happening on here.

The simplification of our specialty is killing us.  Combine that with the Christensen opinion of endodontics and what you get is „This Endo stuff is TOO HARD….lets just extract and place the implant. Or at LEAST make Endo simpler, faster and easier so that ANYONE can do it after a weekend at the Holiday Inn.“ And as for retreatment?  Its a waste of time…that’s even HARDER ? Why bother? I can keep the money in MY office and not make the endodontist rich.“

Think this isn’t happening NOW?  Check what’s going on in Endo practices in the US. Retreatment practices are down, some as much as 40%. I know guys that have holes in there days that have NEVER had this happen in 20 years. Now Endodontists are scrambling to get into the implant biz. They see the writing on the wall.  And it sure as shit isn’t because they are part of any fancy ‚Endo-Implant Algorithm“. Its survival.“

p.s: Eigentlich sollte an dieser Stelle der Beitrag 69 Prozent (Teil 3) erscheinen.  Er ist leider nicht rechtzeitig fertig geworden, ich hoffe es ist nächste Woche soweit.

69 Prozent (Teil 2) – Força Barça

von Hans – Willi Herrmann

Eine Woche lang war der Kollege in unserer Praxis zu Besuch.
 Er  kommt aus Barcelona und arbeitet dort,  auf Wurzelkanalbehandlung spezialisiert, in 3 verschiedenen Praxen.

Nur in einer dieser Praxen steht ein Mikroskop, und auch das erst seit wenigen Monaten. In den anderen Praxen muss der Kollege ohne Vergrößerungshilfen auskommen.
Eine Lupenbrille nebst LED – Licht besitzt er  nicht, er  konnte sich diese bislang nicht leisten. Denn er verdient deutlich weniger als ein Kollege in Deutschland. Dafür schleppt er   jeden Tag eine ganze Reihe von  Dingen, die man essentiell für eine Wurzelkanalbehandlung braucht, im Koffer mit sich herum von Praxis zu Praxis. Aus eigener Tasche bezahlt: Drehmomentkontrollmotor und Apex- Lokator zum Beispiel und einen Röntgensensor nebst Laptop.

Sein  Gehalt ist rein umsatzabhängig.
Wenn ein Patient absagt, das kommt im Moment bei schlechtem Wetter immer  mal wieder vor,  erfährt er  das erst vor Ort.  Zu spät, um einen anderen Patienten einzubestellen.

Und dann das Krankenversicherungssystem in Spanien.
 Ich gebe mal auszugsweise wieder, was der Kollege erzählt hat, Dr. Knobel, unser  deutscher Zahnarzt vor Ort, der in Madrid seine Praxis eröffnet hat und hier hoffentlich noch mitliest, wird sicherlich eine ganze Reihe von Details ergänzen oder gegebenenfalls auch richtigstellen können.

Umsonst gibt es Extraktionen.

Für den Rest der Zahnmedizin muss sich der Patient privat krankenversichern.

Die Beiträge sind deutlich niedriger als bei uns, die Leistungserstattung der PKV´s allerdings auch. Gefühlsmäßig würde ich sagen, die bezahlten Leistungen liegt deutlich unter dem Niveau unserer gesetzlichen Krankenversicherung.

Eine freie Arztwahl gibt es nicht, wer z. B. bei der AXA versichert ist, muss einen Zahnarzt, der bei der AXA gelistet ist, aufsuchen. Gute Zahnärzte schliessen keine Verträge mit den PKV´s ab, da diese nur sehr wenig für die jeweilige zahnärztliche  Leistung zahlen.

Zahnärztemangel ?

Gibt es in Barcelona nicht.

Und das liegt nicht nur an der Attraktivität der Metropole Barcelona  für Patienten und Zahnärzte. Denn da sind zum einen Zahnärzte aus Südamerika, die für Dumpingpreise arbeiten,  zum anderen gibt es zwei Universitäten vor Ort, eine staatliche und eine private. Die staatliche bildet alleine rund 240 Zahnärzte jedes Jahr aus.

Das Zahnbewußtsein der Patienten scheint geringer entwickelt zu sein als bei uns in Deutschland.

Der Patient kommt weniger prophylaktisch orientiert und damit seltener von sich aus regelmäßig in die Praxis, als vielmehr zielorientiert, auf konkreten Anlass hin.

Lückenversorgungen und suboptimale Zahnersatzlösungen sind häufiger anzutreffen als bei uns. Anfallende Zahntechnik ist (über den Daumen und auf die Gesamtheit bezogen) kostengünstiger. Zahnärztliche Honorare sind nicht geringer als bei uns, zumindest nicht für die vom Patienten nachgefragten Leistungen.

Es fragen halt nur nicht so viele und so oft wie bei uns.

Unser QM – Massnahmen  hat der Kollege im Übrigen  erstaunt bis ungläubig zur Kenntnis genommen. Es scheint, dass dies  im EU – Land Spanien in dieser Form noch nicht bekannt ist oder sich dort noch nicht hat etablieren können.

Das war für mich im Übrigen die nachhaltigste Erfahrung der Woche. Das  Leuchten in den Augen des Kollegen   zu sehen, angesichts der für uns vielen Selbstverständlichkeiten zahnärztlichen Arbeitens, wie wir es in Deutschland haben.  Zu sehen, dass wir hier bei uns mit unserem Standard an Praxisstruktur und Versorgung immer noch weit vorne dabei sind. Mit dem, was unsere Patienten bekommen und mit den Arbeitsbedingungen, unter denen wir hier arbeiten. 
Ich glaube, besagter  Kollege würde sich freuen,  in Barcelona unter solchen Arbeitsbedingungen arbeiten zu können.

Über unseren Grad an notwendigem Bürokratismus z.B. beim Beantragen von Zahnersatz, bei der Mehrkostenvereinbarung bei Füllungstherapie oder im Hinblick auf die bis zu 12 Seiten Papier, die, je nach Situation,  vor einer Wurzelkanalbehandlung ausgedruckt und mit dem Patienten erörtert werden müssen,  hat der Kollege allerdings nur fassungslos den Kopf geschüttelt.

Fassen wir zusammen: Zahnärzteüberschuss, Patienten- bzw. Arbeitsmangel, keine freie Arztwahl, Knebelverträge der Versicherungen, Schwierigkeiten, sich eine eigene Praxis aufzubauen, Patienten mit geringem dentalen Bewußtsein und wenig Geld für die zahnärztliche Versorgung und das alles bei gleichen Materialkosten und in der Gesamtheit wesentlich geringeren Einnahmen.

Das ist genau das Szenario, auf das wir zukünftig in Deutschland in der Zahnmedizin hinsteuern.

Und darauf muss sich die Zahnärzteschaft einstellen. Jeder einzelne von uns. Die Zeichen sind da und sie zeigen nicht nur aussenpolitisch und währungstechnisch, nein, auch zahnmedizinisch auf die  PIGS – Staaten und damit nach unten.

Auf eine kompakte Weltformel gebracht: Es ist nicht mehr genügend  Geld da.  Und es wird zukünftig nicht mehr, sondern weitaus weniger Geld für/in der Zahnmedizin geben.

Das sind die Fakten.

Und jetzt ? Folgt zwangsläufig die Analyse der Ist – Situation:
Was wir Zahnärzte mit den Airbus – Piloten gemeinsam haben und was uns von ihnen trennt.
Was zukünftig aus uns  wird und warum wir es sind, die ohne Fallschirm aus dem Flugzeug geworfen werden,  während der Lufthansa – Kapitän die Maschine sicher landet und dafür den Applaus der Passagiere erhält.

Darüber mehr im dritten Teil der Beitragsreihe 69 Prozent, am nächsten Dienstag.

DVT auf dem iPad

von Christian Danzl

OsiriX als kostenloser open-source DICOM-Viewer für Mac OS wurde hier schon beschrieben. Momentan ist die Version 3.8.1 aktuell. Auf dem Mac Book, iMac oder MacPro installiert ist es ein ausgezeichnetes Werkzeug zum Darstellen, Befunden, Bearbeiten und Weitergeben von DICOM Dateien.

Das klappt sehr gut.

Oft ist es aber ganz nützlich, wenn man das Volumen „mitnehmen“ kann, um es mit dem Patienten direkt zu besprechen, es bei der OP dabei zu haben oder wenn man es mit Kollegen besprechen will. Das funktioniert nur eingeschränkt, wenn man es auf einem stationären Rechner installiert hat.

Abhilfe gibt es seit dieser Woche.

Pixmeo hat nun einen mobilen DICOM-Viewer für iPhone, iPod touch und iPad herausgebracht: OsiriX HD

Leider ist dieser nicht mehr kostenlos und mit 23,99 € auch nicht sonderlich billig.

Vorraussetzungen um es zum Laufen zu bringen ist ein Netzwerk mit Zugriff auf die DICOM-Dateie über W-LAN oder 3G. Man kann entweder vom mobilen Gerät aus das DICOM-Bildarchiv durchsuchen und die gewünschten Daten übertragen, oder von der DICOM-Quelle die Daten per „drag and drop“ auf das mobile Gerät senden.

Einschränkungen:

  • Bildgröße maximal 1024 x 1024 Pixel, was größer ist, wird runtergerechnet
  • keine Zulassung als Diagnose-tool

Praxistest:

Um es vorauszuschicken, es ist noch nicht optimal.

Man kann das Volumen nur von oben nach unten und umgekehrt scannen, die 3 Ansichten wie in einem normalen Viewer sind noch nicht realisiert.
Das Volumen lässt sich  zoomen und drehen (im und gegen den Uhrzeigersinn, aber nicht 3-dimensional), Längen lassen bestimmen und Flächen markieren. Helligkeits- und Kontrastveränderungen sind beliebig möglich, Voreinstellungen sind vorhanden.
Einzelne Bilder können unter „Fotos“ abgespeichert werden. Von dort können sie dann mit geeigneten Programmen beschriftet oder anderweitig verarbeitet werden.

Fazit:

Nicht annähernd ausgereift.


Die Mindestanforderung, um es im laufenden Praxisbetrieb sinnvoll einsetzen zu können, wäre, das Volumen in 3 Dimensionen durchscrollen zu können. Es müssen ja nicht 3 Ebenen gleichzeitig dargestellt werden. Wahrscheinlich wird aber die Rechenleistung des A4-Prozessors im iPad die Darstellungsmöglichkeiten begrenzen.

Warten wir also auf updates.

Bei OsiriX HD und beim iPad.
Der Ansatz ist auf alle Fälle vielversprechend.

Zahnmedizin-Studium

von Christoph Kaaden

Das nachfolgende Video zauberte ein kleines Lächeln auf mein Gesicht und erinnerte mich doch sehr daran wie der Alltag im Zahnmedizin-Studium so war (und wohl immer noch ist)…

und eines wurde mir hier auch klar… es scheint (bzw. schien) keine Rolle zu spielen, ob man in Freiburg oder wie ich, in Regensburg studiert hat…

;-)

Online für unterwegs

von Olaf Löffler

Wie kann man aus einem iPad ein iPad 3G (ohne GPS) machen?

Mit einem mobilen WLAN UMTS/HSDPA Modem. Zusätzlich können sich noch 4 andere Geräte per WLAN einloggen. Damit sind die Web`walk USB Sticks nicht mehr nötig und man hat auch die Möglichkeit sich mit dem Laptop ( insofern dieser WIFI oder WLAN unterstützt) einzuklinken.

Wie einfach ist das?
Ziemlich einfach. Man muss nur seine UMTS Karte UF ohne PIN Zugnag setzen und dann nach dem Netzwerknamen der auf der Rückseite des Routers steht ausschau halten. Dann das Password, welches ebenso dort steht eingeben und schon ist man online.

Besonders hilfreich im Ausland. Wenn man sich dort einen kurzzeitigen localen Daten-Flatereta-Account kaufen kann. In das Gerät passen MicroSIM und normale SIM Karten.

Der Akku hält ca. 4 Stunden und kann auch per USB am Rechner aufgeladen werden.

Auslandszahnersatz: „Die Farbe des Geldes“ oder „Schneller als gedacht“

von Hans – Willi Herrmann

Auslandszahnersatz.

In den Anfangstagen von WURZELSPITZE, im Februar 2009,  habe ich zu diesem Thema unter der Überschrift Auslandszahnersatz – Hart aber fair ? geschrieben.
Die Resonanz auf den Blogbeitrag war gering, von Zahntechniker – Seite minimal bis „gefühlt nicht vorhanden“.
Eine erste Entwicklungseinschätzung von offizieller Seite gab es dann  hier im August 2009. Die Zuschriften auf diesen Beitrag  hierzu zumeist von Labors, die mehr oder weniger verdeckt im Sinne eines viralen Guerilla Marketings für ihr Auslandszahnersatz – Engagement  werben wollten.

Und heute ? Knapp 2 Jahre später scheint sich der billigere Zahnersatz bereits etabliert zu haben. Etabliert – nicht nur im Sinne von, „Ja das gibt es“, sondern im Sinne von, „Ja, dass machen wir, Herr Müller Maier Schmidt, selbstverständlich“.

Billigerer Zahnersatz als Verkaufsargument der Praxis,  zumindest als willkommener Türöffner im Sinne einer Fielmann – Preispolitik. Die Gründe hierfür liegen auf der Hand.  Zahntechnik (sofern nicht im Eigenlabor der Zahnarztpraxis hergestellt, an dem der Praxisinhaber gewinnschöpfend partizipieren kann) wird ja,  finanziell gesehen, durchgereicht.
Jede Zahntechnik – Arbeit, ganz gleich ob in Manila  oder Wolfenbüttel gefertigt, generiert allerdings Mehrumsatz auf zahnärztlicher Seite.
Besteht daher in der Zahnarztpraxis  keine Vollauslastung, sind also noch Zuwachsreserven vorhanden,  ist dem Kollegen vielleicht die Butter auf dem Brot näher als die Wurst vor der Nase, zumal  letztere für den Praxisbetreiber scheinbar keinen höheren Nährwert aufweist. Auslandszahnersatz wird heutzutage von einer Reihe von Zahnarztpraxen aktiv beworben, zumindest jedoch auf Wunsch des Patienten als „normale“ Produktvariante geliefert. Und – je mehr gute Erfahrungen der Zahnarzt mit einer solchen Versorgung bislang gemacht hat, umso vorbehaltloser wird er eine solche Variante vertreten, gegebenfalls sogar enthusiatisch anbieten.

„Zahnersatz aus der Mitte“  scheint also in unserer Mitte angekommen.
Als Indiz hierfür  ein Branchenbericht der ortsansässigen Volksbank:

Ich zitiere einen (in sich ungekürzten) Teil des Reports :

„Es scheint sich abzuzeichnen, dass vor allem die Herstellung einfachen, niedrigpreisigen Zahnersatzes nach Asien auswandert. Gleichzeitig hat der „Zahntourismus” nach Osteuropa einen wahrnehmbaren Marktanteil erreicht. Bei hochwertigen und komplexen Versorgungen, vor allem in der Implantologie, wird weiterhin die spezialisierte Arbeitsteilung zwischen Zahnarzt und Zahntechniker im Zentrum prothetischer Dienstleistungen stehen. Das sind neue, aber nicht unbedingt schlechte Voraussetzungen, um in einem umkämpften und im Umbruch befindlichen Markt perspektivisch bestehen zu können.

In erster Linie kommt es für den Zahntechniker darauf an, die Probleme und Erfordernisse seiner Kunden zu kennen und zu überlegen, wie er zum Problemlöser bei der Generierung prothetischer Umsätze werden kann. Hierzu sind ständiger Kontakt und das Gespräch mit den Zahnarztpraxen unabdingbar. So ist z.B. zu erkennen, dass die Zahnärzte besonders beim Zahnersatz einem härteren Wettbewerb ausgesetzt sind. Die Zahl der Patienten, die sich eine hochwertige Zahnersatzlösung nicht leisten können oder wollen, nimmt gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten zu. Hier ist es erforderlich, dem Zahnarzt nicht nur Premiumlösungen, sondern auch für den Großteil der Patienten bezahlbaren Zahnersatz anbieten zu können.

Bisher scheint für viele Zahnärzte die Lösung beim preisgünstigen Zahnersatz aus dem Ausland zu liegen. Doch zunehmend lohnt es sich für Dentallabore, sich mit neuen Technologien und Materialien zu beschäftigen. CAD/CAM-Systeme und Fräszentren bieten mittlerweile den deutschen Labors viele Möglichkeiten, hochwertigen Zahnersatz in Deutschland günstig herzustellen und damit gegen die Auslandskonkurrenz zu bestehen. Darauf zu vertrauen, dass immer wieder gestartete Versuche, Zahnersatz aus Ostasien pauschal als minderwertig dazustellen, ist riskant und wohl auf Dauer nicht tragfähig. Die Anbieter qualifizieren ihre Mitarbeiter nach westlichen Standards. Materialien und Geräte, die dort eingesetzt werden, stammen in der Regel aus Europa oder werden nach europäischen Regeln zertifiziert, sind also auch in deutschen Labors zu finden.

Konkurrenz erwächst den Dentallabors nicht nur aus dem Ausland, sondern auch im Inland durch (industriebasierte) Fräszentren. Sie gehen direkt auf die Zahnärzte mit dem Angebot zu, zahntechnische Wertschöpfung, nicht zuletzt mit Hilfe der digitalen Abformung, in die Zahnpraxis zu verlagern. Ob dieses Angebot für die Zahnärzte lukrativ ist, wird auch vom marktgerechten Alternativangebot der Dentallabors abhängen.“

Und die nächste Runde des Preiskampfes ist bereits eingeleitet.

Vor zwei Wochen brachte ein Privatpatient ein Schreiben einer privaten Krankenversicherung mit, dass dem Kostenvoranschlag des Zahnlabors, der jeder unserer Heil – und Kostenpläne beiliegt, ein Alternativangebot zweier Auslandszahnersatz – Labors gegenüberstellte: Anvisierte Kostenersparnis ? 2 Drittel.

Man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass eine nicht unbedeutende Zahl von Patienten solche Alternativen in Anspruch nehmen wird und  demnach der Zahnarzt sich mit der Situation konfrontiert sieht, mit besagten Labors zusammenzuarbeiten. Das Problem, daß sich daraus ergibt: Nachwievor rate ich jedem Kollegen, den  Erfolg seiner Zahnarztpraxis  darin zu suchen, eine möglichst hohe Qualität zu liefern. Dies mit einem Labor zu erreichen, daß viele 1000 Kilometer entfernt ist, erscheint mir, zurückhaltend formuliert – schwierig, realistisch eingeschätzt –  unmöglich.

Erschwerend kommt hinzu: Das Preisgefüge in der Zahntechnik wird sich zwangsläufig weiter nach unten bewegen als Folge des Konkurrenzdrucks, ganz gleich ob durch Menschen in Schwellenländern oder CNC Fräsmaschinen verursacht.
Selbst wer es als Zahntechniker schafft, seine Preise zu halten, der sieht sich zumindest einer wesentlich höheren Konkurrenzsituation ausgesetzt.

Der Druck nimmt also weiter zu.

Es wäre naiv, zu glauben, dass dies nicht mit negativen Folgen verbunden wäre, selbst wenn diese sich nicht in Tabellen pressen, sich nicht  aus Statistiken herauslesen lassen.

Und – was für Zahntechniker gilt, das gilt auch, zeitversetzt, für Zahnärzte.
Wer glaubt, dass eine solche Entwicklung isoliert die Zahntechnik betrifft und die Zahnärzte davon verschont bleiben, der hat nicht verstanden, dass es hier um Kostensparmodelle geht, die vollkommen unabhängig von der tatsächlichen Versorgungsituation lediglich an ihrem Einsparbenefit bewertet werden.

Der Grund ist einfach. Die Kostenersparnis ist sofort gegenwärtig und messbar. Damit verbundene Qualitätsdefizite sind  nicht zu erfassen und in ihren Auswirkungen zeitverzögert.

Was resultiert daraus ?
Die Zahnmedizin befindet sich, in ihrer Gesamtheit betrachtet, auf dem Weg zu einem niedrigeren Qualitätslevel.

Die Konsequenz ?
Mut zur Lücke. Und das ist kein flapsiges Bonmot, sondern  schon bald auch bei uns eine ebenso reale Situation wie der Zahntechnikimport.

Wer sind die Verlierer ? Es sind Zahntechniker, Zahnärzte, vor allem jedoch die Patienten. Letztere trifft es am schlimmsten, denn es geht nicht um ihren Geldbeutel, sondern um ihre körperliche Integrität.

Wie immer in solchen Fällen wird die Politik die Eigenverantwortlichkeit der Patienten hervorheben. Soll heißen,wenn Du Löcher hast, Zahnfleischprobleme oder gar ein Gebiss, dann bist du selber schuld daran.

Was soll man darauf antworten ?
Natürlich beinhaltet diese Aussage einen  wahren Kern. Wer allerdings sich mit der Zahnmedizin genauer befasst, der weiss, dass diese monokausale Argumentation an der Pathologie und der Eigendynamik dentaler Erkrankungen vorbeigeht, zu kurz greift.
Und ein fachlich geschulter näherer Blick auf das von Kameras eingefangene Talk Show – Lächeln vieler Politiker entlarvt die in Zeiten knapper Kassen vielbeschworene Eigenverantwortlichkeit als („offensichtlich“ im wörtlichen Sinne) kurz gebeinte Worthülse, die man nur dann so ansatzlos aus der Pistole geschossen heraus  postulieren kann, wenn man sich selbst weit weit auf der sicheren Seite der zahnärztlichen Versorgung positioniert weiß.

Weihnachtsgeschenktip Nr. 2

von Christian Danzl

Man möge mir verzeihen, dass mein Tip auch in die Jazz-Ecke zeigt, wie auch von der Tip von Olaf Löffler.

Bei einem großen Versandhändler ist mir diese Box mit 25 Jazz CD aufgefallen.

La Discotheque Ideale en 25 Albums Originaux

25 Originalaufnahmen von Louis Armstrong über Miles Davis, Thelonious Monk, Chet Baker, Herbie Hancock und Weather Report bis Wynton Marsalis.

Gott sei Dank nicht „digital remastered“.

Für deutlich unter 50,- für den Jazz-Interessierten ein „must have“.

 

Paradigma und der Wechsel

von Jörg Schröder

Manche Ereignisse gewinnen erst mit etwas Abstand an Bedeutung. Der Vortrag von Prof. Kenneth Hargreaves (San Antonio, Texas) gehört in diese Kategorie. Für mich persönlich war es rückblickend das absolute Fortbildungsglanzlicht der letzten Jahre. Das Wort Paradigmenwechsel wurde auf dieser Jahrestagung häufig verwendet. Verdient hat es in  meinen Augen das von Professor Hargreaves in einem sehr gut gegliederten Vortrag vorgestellte Regenerationsverfahren.

Seit dem späten 18. Jahrhundert verwendet man das Wort „Paradigma“, um damit eine bestimmte wissenschaftliche Denkweise oder eine bestimmte Art der Weltanschauung zu bezeichnen. Ein Paradigmenwechsel wäre also gleichbedeutend mit einem Wechsel der Weltanschauung.

Statt Aufbereiten und Obturieren erscheint es nun möglich, wenn auch vorerst nur in Zähnen mit nicht abgeschlossenem Wurzelwachstum, vitales Gewebe im zuvor desinfizierten Kanalhohlraum entstehen zu lassen und somit ein Fortschreiten des Wurzeldicken- und -längenwachstums zu ermöglichen. Darüber hinaus zeigen viele der so „regenerierten“ Zähne nach 2-3 Jahren wieder eine positive Reaktion auf einen elektrischen Reiz (EPT).

Stammzellen, Wachstumsfaktoren, Zelldifferenzierung, Tissue Engeneering heissen die Schlagworte die unter Umständen in der Lage sind die Zukunft solcher Zähne rosig erscheinen zu lassen.

Auf den Hund gekommen

von Hans – Willi Herrmann

Es gibt viele Aspekte, unter denen man diese Homepage einer Zahnarztpraxis in USA betrachten kann. La Jolla ist ein „Vorort“ von San Diego. Ich war dort vor einigen Jahren, als ich, um Fotos zu machen, mit einem Freund und Kollegen zusammen zu Louis Kahn ´s  Salk Institute pilgerte. Ich möchte daher aus eigener Erfahrung sagen, La Jolla ist ganz gewiss „keine schlechte Gegend“, sicherlich aber auch ein Flecken auf dieser Erde, in der die Zahnärztedichte deutlich  überdurchschnittlich  ist.
Die Konkurrenz ist also nicht unbedeutend und Service ist gefragt.
Oder gefordert.
Aber manchmal treiben solche  Entwicklungen  skurrile Blüten.  Ob das hier der Fall ist, kann nur jeder für sich selbst entscheiden.

Für mich ist die gesamte Homepage – und die Zahnmedizin, die dort beschrieben wird in ihrem Äußeren, ihrem Tun und  der Resonanz auf das dort Beschriebene und Praktizierte – gewissermaßen einen Blick in die Zukunft, die deutsche Zahnmedizin betreffend. Und dabei geht es mir nicht um das Video per se. Wer die Homepage sorgfältig studiert, der wird viele Dinge entdecken, die, vielleicht in abgeschwächter Form, aber dennoch nachhaltig unsere Profession betreffend, in ein paar Jahren Einzug halten werden in deutschen Praxen.

Eine gute Entwicklung ?
Werden wir  sie aufhalten können ?
Selbst wenn man sich im Einzelfall dagegen stemmen kann, in der Masse sicherlich nicht.

Brave new world ?
Wenn ich dran denke, wie immer mehr wichtige Aspekte, elementare Dinge, den wahren Wert ärztlichen Handelns betreffend, in den Hintergund treten gegenüber Äußerlichkeiten, dann möchte ich Max Liebermann  zitieren, mit einem Satz, der oft Kurt Tucholsky zugeschrieben wird.

Aber natürlich wäre das viel zu hart formuliert. Und daher sage ich, ich mag diese Entwicklung nicht und werde sie auch nie gutheißen.

Kann aber sein, dass es einfach nur daran liegt,  dass ich langsam alt werde.

Endodontist vs. Endodontist Video

von Hans – Willi Herrmann

Keine  Ahnung, wer der Autor besagter Videos ist, aber er ist definitiv ein feinsinniger Kenner der Materie.

Video als  Tipp von Winfried Zeppenfeld, Flensburg, via ROOTS.

Deutscher Zahnarzt in Madrid gestrandet!

von Alexander Knobel

Ja, auch ich habe den Schritt gewagt und alles, was ich die letzten 10 Jahre beruflich aufgebaut hatte, einfach über Bord geworfen.

Wir sind vor 1 1/2 Jahren nach Spanien ausgewandert und ich habe seit 7 Monaten eine Clinica Dental im Herzen von Madrid.

So, in der Regel wird hier erst einmal im deutschen Kollegenkreis lautstark applaudiert….

Was hat nun mich aus dem beschützten Schoß deutscher Sicherheit getrieben? Als Partner einer sehr gut funktionierenden 3-Behandler-Praxis?

War es so schlecht in Deutschland? Flucht vor der KZV, der Reglementierung, Budgetierung und dem behandlungsfeindlichen Regelwerk deutscher Kassen, gar dem schlechten Wetter entflohen?

Nein, die Gründe sind viel simpler: Wie bei einer Vielzahl der Deutschen, die ich hier kennengelernt hab, gaben rein familiäre Gründe den Ausschlag diesen Schritt zu wagen.

Einfacher ausgedrückt, ich bin mit einer Spanierin verheiratet und derjenige, der mit einem gebürtigen Spanier verheiratet ist, wird über kurz oder lang in Spanien stranden.

Die familiären Wurzel der Spanier sind sehr stark ausgeprägt. Eine Eigenschaft, die in Deutschland wohl weniger zu finden ist.

Ok, die Gründe sind dann ja erst einmal egal, denn: jetzt wird ja alles besser!!!

…. das würde ich so nicht unterschreiben wollen.

Eines ist sicher, es ist definitiv anders als in Deutschland! Nicht nur das Wetter.

In Spanien ist jeder gesetzlich versichert und es gibt keine Trennung in gesetzlich oder privat versichert. Der Umfang der zahnmedizinischen Leistungen umfasst dabei einzig die Kontrolle, einfache Schmerzbehandlung und Extraktionen.

Möchte man mehr Leistungen erhalten, so kann man sich natürlich zusätzlich privat versichern.

Diese sind relativ günstig und daher fallen die entsprechenden Leistungen eher gering (mager) aus.

Eine Krone geht hierbei dann auch mal für 60€ über den Tisch. Wir reden vom Komplettpreis incl. Labor. Über die Möglichkeiten, die man dafür hat, kann sich jeder selber seine Gedanken machen.

Weiterhin bleibt einem dabei in der Regel die freie Arztwahl verwehrt und man ist somit gezwungen zu einem Arzt, der das Vertrauen der Versicherung genießt, zu gehen.

An einer massiven Zuzahlung kommt man aber auch hier für  eine vernünftige Zahnmedizin nicht herum.

Zuzahlung als Standard, keine Versicherung im Rücken. Erstmal ganz toll, aber:

Zahnmedizin hat in Spanien keine Tradition, soll heißen, dass ein Großteil der Bevölkerung nur bei akuten und starken Beschwerden den Zahnarzt aufsucht. Routinekontrollen und Prophylaxe sind für die meisten ein Fremdwort.

Jeder Besucht kostet direkt Geld und man muss wie beim Metzger direkt nach Erhalt der Leistung bezahlen. Garantien gibt es eigentlich keine, wobei man natürlich seitens des Arztes alles versprochen bekommt.

Naja, anderes Thema.

Es ist also erst einmal wirklich schwer, als Neugründer Leute in die Praxis zu bekommen. Und Zahnärzte gibt es hier auch mehr als genug.

Gefühlt mehr als Patienten.

Aber davor steht erst einmal die Praxisgründung an. Was ich hier zur Übernahme gesehen habe, hat mir wirklich umgehauen:

Rostige Autoklaven, nicht vorhandene Steris…aber das Wartezimmer war immer Top ausgestattet!

In Spanien ist es übrigens völlig egal, ob man vor hat, eine Zahnarztpraxis oder eine Wurstfabrik (nein, ich bin kein Vegetarier!) zu gründen. Man benötigt einen Kredit und dieser muss komplett gedeckt werden können. Ohne anderweitige materielle Sicherheiten  bekommt man hier keinen Cent von der Bank. Gott sei Dank ist der familiäre Zusammenhalt sehr groß, so dass man hierbei immer auch auf die Familie zählen kann. Es wird geholfen.

Sollte die Hürde Papier und Zulassung, was recht einfach, aber zeitaufwendig ist, der Kredit und das Auffinden geeigneter Räumlichkeiten überwunden sein, geht es ans Eingemachte.

Der Umbau.
Hierfür gibt es erst einmal keine Beteiligung des Vermieters. Ich war schon glücklich, dass ich einen 10 Jahres – Vertrag bekommen habe, was so nicht üblich ist. Das spanische Mietrecht ist dabei auch eher mieterunfreundlich (immer im direkten Vergleich zu Deutschland).

Und spätestens, wenn der erste Bauarbeiter den Hammer schwingt, treibt das einen deutschen Zahnarzt, der auch gerne zur Optimierung der Qualität mit Lupenbrille arbeitet, in den Wahnsinn.

Mir ist in meinem Leben noch nie soviel Pfusch und Dummheit begegnet. Auch wenn irgendwann einmal eine ordentliche Planung stattgefunden hat, so ist diese bei den ersten Maßnahmen nur noch Vergangenheit. Es existieren ab jetzt keine detaillierten Pläne mehr, alles wird nur noch so ungefähr, aus dem Bauch heraus, erledigt. Es gibt für jeden Pfusch eine Lösung und, auch wenn später alles ganz nett aussieht, ist alles mehr Schein als Sein. Bereits nach zwei Wochen zeigen die ersten Wände Risse und in den ersten zwei Monaten hatten wir drei Wasserschäden, aufgrund mangelnder Bauqualität. Von meinen Stromausfällen möchte ich hier jetzt nicht berichten. Wer braucht schon Strom in einer modernen Zahnarztpraxis ?!?

Alleine zum Thema Umbau bzw. Aufbau meiner kleinen (100qm) Clinica Dental könnte ich eine Buchserie starten ….. behalte ich zumindest im Hinterkopf, falls das hier nichts mehr wird.

Sollte man es mir bis jetzt noch nicht angemerkt haben,  ich habe das Trauma „obra“ (Baustelle)  immer noch nicht ganz verwunden. Ich hatte noch nicht einen Patienten gesehen und bereits mehr Abenteuer, als zu verkraften war.

Wir hatten übrigens eine spanische Firma  beauftragt, die sich auf den Aufbau von Arztpraxen spezialisiert hat. Stress wollten wir unbedingt vermeiden.

Dagegen war zumindest der Erwerb des spanischen Röntgenscheines (3 Tage Seminar mit Prüfung auf spanisch), welcher mich nun zum spanischen Kernphysiker ausweist, ein Klacks.

Besteht man übrigens auch mit geringen Sprachkenntnissen, da man ja dafür privat bezahlen muss. Ist nur schade um die 3 Tage. Mitgenommen habe ich nichts.

Aber jetzt rollt der Rubel….
Nicht ganz.

Zahnmedizin ist hier ein Geschäft und man handelt definitiv selbstständig. Ich darf meine Preise bestimmen und muss dementsprechend auch etwas dafür bieten. Die mittleren Preise liegen im Übrigen ungefähr auf Höhe der GOZ. Labore sind deutlich günstiger, allerdings qualitativ auch mit Abstrichen.

Ein großes Problem in den Großstädten sind Zahnärzte aus Südamerika, die hier den Markt völlig kaputt machen und in Zahnarztketten (wie z.B. VitalDent…60€ für die Versorgung mit einer Krone stehen im Raum) für Hungerlöhne arbeiten. Auch die Privatversicherungen betreiben hier ihre eigenen Zahnkliniken (man bedenke dabei immer die nicht bestehende freie Arztwahl)

Warten und hoffen das jemand kommt funktioniert also nicht. Nur mal schnell schauen, wie der Neue so ist, kostet gleich Geld und da wird dann doch eher mal abgewartet! Werbung ist erlaubt und auch notwendig. Wenn niemand von einem hört, kommt auch niemand.

Mundpropaganda ist wie überall auf der Welt die beste Werbung und das dauert nun einmal. Nach nun 6 Monaten kann ich natürlich noch recht wenig zu meiner Zukunft sagen, aber eins ist sicher. Das Leben ist auch unter der spanischen Sonne kein Ponyhof.

Es wird einem nirgendwo etwas geschenkt und mehr als einmal habe ich bisher den Schritt hinterfragt. Es ist schwierig, von 15-20 Patienten pro Tag plötzlich auf 0-5 Patienten runterzufahren.

Die Kosten sind dabei ähnlich hoch wie in Deutschland. Es erscheint einem nur erst alles etwas günstiger, dem ist definitiv nicht so.
Materialien und Geräte sind in Deutschland oft günstiger zu erwerben.

Auch wenn  man nun versucht ist, zur Steigerung der Patientenzahl sich einer der privaten Versicherungen anzuschliessen, ist das nicht wirklich ratsam. Dagegen erscheint einem die Bema wie ein Selbstbedienungsladen.

Hört sich ja furchtbar an ? Wird schon, wenn´s dann mal läuft, dann läuft´s, aber davor steht nun einmal viel Arbeit und Schweiß.

Eins muss gesagt werden: Die Versorgung der Patienten ist in Deutschland immer noch auf einem hohen Level, wenn auch nicht mehr wie früher. Was mir schwerfällt zu beurteilen. Mir wurde auch als Kassenpatient immer eine anständige Medizin angeboten.

Ist man bereit für eine hochwertige Arbeit und Service eine Zuzahlung zu Verlangen, so sind gute Patienten immer dazu bereit. Nur muss dazu selbst und ständig viel für getan werden.

In meiner ehemaligen Wirkstätte hatte der Senior-Partner schon früh den Trend erkannt und gegengesteuert. Eine Mehrbehandlerpraxis, ein Eigenlabor mit angestelltem Techniker zur Reduktion der Fremdkosten. Zuzahlung für qualitativ hochwertige Arbeiten und das Umsetzen einer modernen Zahnmedizin waren angesagt.

Die Patienten sind bereits in der Praxis, nur von alleine ist natürlich Niemand bereit Qualität zu bezahlen, dies muss sicher extremer als noch vor 20 Jahren kommuniziert werden.

Die Konkurrenz ist auch in Madrid extrem gross, wirbt mit Dumpingpreisen (Erstuntersuchung, Zahnreinigung, OPG und Kostenvoranschlag komplett kostenlos) und man kann sich auch hier nur mit dem Streben nach qualitativ hochwertiger Arbeit von der Masse abheben. Mit dem südamerikanischen Preisdumping kann und will ich nicht Schritt halten.

Ich persönlich versuche mich dabei, auf die hier lebenden deutschen Patienten zu konzentrieren und Ihnen die Zahnmedizin anzubieten, die sie von einer qualitätsorientierten deutschen Zahnarztpraxis erwarten. Dazu gehört auch der Luxus einer GOZ Abrechnung, die fast immer bzw. immer häufiger gewünscht wird und von den deutschen Kostenträger soweit auch erstattet wird.

Ob Madrid die richtige Wahl war. Schwierig aktuell zu sagen, aber sicherlich ist es aufgrund der Ausländerschwemme an den spanischen Küsten deutlich einfacher.

Egal wie das Abenteuer ausgeht, ich werde berichten.

FORTSETZUNG FOLGT…….

Why I’m closing my practice

von Hans – Willi Herrmann

Es passt zum Artikel vom Samstag.
Und ist aktuell.

Aus der Online -Ausgabe der Irish Times vom 27.09.2010 kommt folgender Bericht des irischen Kollegen Paul O’Dwyer, der nach 10 Jahren seine Praxis schließt (Danke an Wolfgang Schmid für den Hinweis via Zahnmed – Liste  von Michael Logies):

„NEXT MONTH, after a decade serving the community in rural Co Tipperary, my dental practice will close.

When I graduated from UCC in 1997 I could not have foreseen this sad day. I hardly expected that over the coming years the State would sequentially cut the levels of financial support for patients in need of procedures, and thereby put them out of reach.

So how has it come to this?

Dentistry in Ireland is at a crossroads. This time last year, two State-sponsored dental schemes operated in this State and covered dental bills, at least in part, for 80 per cent of the adult population here.

That is not a typo. Eight out of every 10 Irish adults who attended their dentist could seek benefit under one or both of these two schemes.

The Dental Treatment Benefit Scheme (DTBS) allowed employed PRSI-entitled patients and their dependent spouses to attend their dentist for an annual free check-up and scale and polish per year. They could also be subsidised for routine procedures such as fillings, extractions and dentures, where the service was provided by their local dentist who was paid on a fee-per-item basis.

Meanwhile, the Dental Treatment Services Scheme (DTSS) allowed medical card holders to attend their dentist free of charge for routine examination, scale and polish and general dental procedures without the burden of expense to them. Again the service was provided by the patient’s local dentist and he/she was remunerated on a fee-per-item basis.

The obvious advantage to the patient was not alone costs – it also encouraged patients to attend their dentist, leading to improved dental health for the population as a whole.

Then came the clouds. Last year, An Bord Snip Nua recommended that the PRSI scheme be downgraded. Efforts by the dental profession and considered opinion from health experts were ignored. An independent economist’s study showed that the PRSI scheme gave a three-to-one saving in real terms – in other words €3 saved for every €1 spent. But that too fell on deaf ears.

The scheme was effectively collapsed, apart from the free examination. This token concession was left as a political gesture to assure patients that the scheme was “still there” and to assuage (very real) fears from health experts that oral cancer rates would increase if patients failed to present for routine check-ups.

The effect of this draconian measure saw patient attendance plummet in dental practices. With almost every incentive removed, patients started to postpone treatment and ultimately stopped attending for routine examination and scale and polish.

The dental profession sought urgent meetings to discuss this savage cut affecting two million patients. Patients were ill-informed of the move, hearing only about the cut from their practitioners. Long-standing preventive treatment started to be missed and literally the rot set in. It also had this cohort of patients (quite rightly) asking: why do we pay PRSI?

In my own practice, this led to some 40 per cent of my patient base evaporating overnight. From a business perspective, this led to significantly reduced and unpredictable revenue, but with operating costs remaining the same.

Just as the PRSI scheme collapsed and dentists were living in this new reality, the unemployment figures showed an all too familiar trend: a steady climb. With growing unemployment, more and more patients became eligible for medical cards, and most dental practices saw their medical card patient numbers swell.

This “re-distribution” of a new patient base meant that my own practice now became heavily dependent on medical card patients’ attendance. Previously this cohort of patients would have represented some 45-50 per cent of my patient base. It now represented 70-80 per cent of the overall reduced patient core.

Then, in April of this year, literally weeks after the budget, a circular was issued by the HSE – without any consultation with the contracting dentists who provide dental services – stating that medical card patients who presented for dental treatment should be treated on an “emergency basis” only.

The (as yet) undefined language of “emergency” and the unilateral imposition of a change in the DTSS contract led to mass confusion. Patients again were not informed, but rather the contracting dentists were left in the position of explaining to their medical card patients that they were no longer eligible for routine dental treatment under the DTSS.

This muddled picture of exactly what constitutes an “emergency” alone has led to patients staying away from dental surgeries. Clarification of this measure, urgent meetings to discuss its implications and the obvious hardship caused to medical card patients have been ignored. Meanwhile, 1.9 million patients cannot access routine dental treatment.

This then led to an extraordinary step taken by two dentists: Drs Reid and Turner. They brought High Court proceedings against the HSE seeking to injunct the circular indicating that the move was a breach of contract. They were successful.

Then, in what can only be described as a bizarre turn of events, rather than negotiate with the profession, the HSE appealed the decision to the Supreme Court.

Let’s step back for just a moment and think about that. The HSE spent taxpayers’ money in court proceedings to prevent 1.9 million patients receiving dental treatment! I thought the Marx Brothers were out of business, but apparently I stand corrected.

The Supreme Court ruled in favour of the two dentists. However, the remaining 1,000 other contracting dentists are still affected by the unilaterally imposed circular.

More court proceedings followed (in a separate but related case) leading to a decision by another High Court judge, this time in favour of the HSE.

The continuing confusion surrounding these two dental benefit schemes has had two significant effects. Firstly, the most vulnerable in our society are being denied basic dental treatment – something I personally find shameful in a supposed civilised society.

Secondly, dentists have seen up to 80 per cent of their business simply disappear. The substantive issue of medical card treatments will not be heard in court until December. The PRSI scheme remains effectively collapsed.

Throughout Ireland, dentists are working three-day weeks, putting nurses on part-time and, in some cases, shuttering up for good.

This current situation, with PRSI patients disincentivised from maintaining adequate oral health and medical card patients denied basic dental services, sounded the death knell for my single-handed country practice whose life-blood was the two State benefit schemes.

My practice, situated in rural Tipperary, provided dental services in a town serviced by two GPs and two pharmacies. Over the 10 years I have worked there, the community has had access to dental services in my surgery. From next month, these patients will now have to travel significant distances to attend a dentist.

Perhaps dentistry is not at a crossroads but rather in a cul-de-sac.“

Resistenzen

von Christian Danzl

Der Einsatz von Antibiotika in der Medizin bringt uns nicht nur Vorteile. Außer mit Nebenwirkungen haben wir auch mit Resistenzen zu kämpfen, die die Wirksamkeit der Therapie in Frage stellen.

Wer wissen will, welche Bakterienstämme gegen welche Antibiotika resistent sind wird hier fündig.

Das aktuelle AVP-Bulletin (in der Print-Version, Band 37, Ausgabe 5, September 2010) hat wieder die aktuelle Liste zur Resistenzenlage veröffentlicht. Wer das AVP-Bulletin nicht in der Print-Version abonniert hat, kann es – sobald die nächste Ausgabe erschienen ist, hier downloaden.

Die letzte Liste der Antibiotika-Resistenzen zum Download finden sie hier, auf Seite 49.

Zahnarzt in Deutschland — Nichts wie weg!

von Torsten Hatzky

Ich bin einer von den vielen Zahnärzten, die Deutschland den Rücken gekehrt haben. Wie kam es dazu? Zunächst erst mal etwas zu mir, meiner Berufsauffassung, meiner Zeit in Deutschland.

Ich bin als Mensch sehr freiheitsliebend, halte mich aber trotzdem genau an Regeln.  Nur müssen die Regeln für mich nachvollziehbar und vernünftig sein. Im Beruf gilt deshalb nur das, was man gemeinhin als „lege artis“ bezeichnet. Auch habe ich die Macke, dass ich mich gern über die Ergebnisse meiner Arbeit freue. Hier und da Kompromisse einzugehen, bereitet mir immer Bauchweh und ich vermeide es vorzugsweise. Da ich seit 1993 eine reine Privatpraxis führte, konnte ich mir das leisten. Fachlich bin ich Generalist, praktiziere eine sehr systematische Zahnheilkunde, bin stark zahnerhaltend tätig, etwas Paro, etwas KFO. Ich arbeite gnathologisch und auch ein klein wenig „ganzheitlich“ orientiert. Wenig Chirurgie, keine Implantate. Einen ganz wesentlichen Schwerpunkt bildet natürlich die Endodontie.

Bis Ende 2008 ging das über fast 15 Jahre sehr gut. Finanziell sah es jedoch in den letzten Jahren schon nicht mehr so gut aus. Der Praxisgewinn sank kontinuierlich, trotz stetig gestiegener Patienten- und Umsatzzahlen.

Als dann der Steuerberater immer deutlicher mahnte und wir feststellten, dass immer mal wieder am Ende vom Geld noch relativ viel Monat übrig war, haben wir zunächst bei den Privat- und Praxisausgaben einen rigiden Sparkurs eingeschlagen. Die Zahl der wöchentlichen Behandlungsstunden wurde erhöht, der Urlaub gekürzt. Leider war der Erfolg nur von kurzer Dauer. Dann haben wir über allerlei Maßnahmen wie z.B. Zusatzeinkommen außerhalb der Praxis nachgedacht – leider erfolglos! Eine Honoraranpassung über §2Absatz3 GOZ  erwies sich als Flop. Da offenbar viele meiner Patienten selbst am finanziellen Limit lebten, reagierten sie oft recht unerfreut, wenn die Krankenversicherung nicht alles übernahm. Es deutete für mich vieles darauf hin, dass in Deutschland vor allem der Mittelstand, und dazu gehörten nahezu alle meiner Patienten, finanziell nicht weiter belastbar war. Schließlich haben wir sogar einen Unternehmensberater zu Rate gezogen. Sein Rezept: die Kassenverträge, die ich Ende1992 freiwillig gekündigt hatte, wieder aufzunehmen,  sonst sei nichts zu machen. Alles andere sei ausgereizt.  Aber wann sollte ich die zusätzlichen Patienten behandeln?  Ich war ja bereits zu fast 100% ausgebucht. Also zukünftig Sprechzeiten bis 22 Uhr? Auch samstags? Und  das Behandlungstempo massiv erhöhen, selbst wenn es zu Lasten der Qualität ginge?

Nun war also endgültig Schluss mit lustig. Und Schuld hatte die Politik.

Ich konnte mir ausrechnen: hätte man die GOZ  über die vielen Jahre seit 1988, wie ursprünglich versprochen, an die Teuerungsrate und die beträchtliche Steigerung der Praxiskosten angepasst, hätte ich keinerlei Sorgen. Hoffen auf eine Änderung?  Mit etwas Nachdenken, wurde mir klar: Vergebens! Zu hoch ist der Schuldenberg bei Bund, Ländern, Gemeinden sowie bei der gesetzlichen Krankenversicherung. Kein Interesse seitens der PKV. Und da es offensichtlich kaum noch Politiker mit wirklichen Visionen, sondern überwiegend profillose Sachwalter gibt, die vor allem Anderen an Ihrem Amt kleben, wird wohl frühestens etwas passieren, wenn es zu spät ist, d.h. wenn ein deutlicher Mangel an Zahnärzten herrscht und Unmut in der Bevölkerung  aufkommt. Erst dann macht es ja aus der Sicht eines  Politikers Sinn, tätig zu werden. Denn nun kann er sich profilieren, kann seine Wichtigkeit unter Beweis stellen. Das wird bei der derzeitigen Versorgungslage wohl noch 10 Jahre dauern. Eigentlich traurig, aber so funktioniert Politik in Deutschland. Siehe hierzu auch diese lesenswerten Beiträge bei Wurzelspitze:

„must have“ oder „want have“ ? Zahnmedizin ist wichtig, keine Frage….

Veränderung als Chance ? Die Zukunft im Gesundheitswesen

Prognose eines Wirtschaftswissenschaftlers

Germany – the „Mystery Country“

So lang konnte ich nicht mehr warten. Also blieb nur noch die Möglichkeit des Auswanderns!

Es gab auch noch weitere Gründe für diesen Schritt. Einer war, dass meine Frau und ich uns für unsere Tochter, die damals kurz vor dem Abitur stand, ein Land für Ihren weiteren Lebensweg wünschten, in dem sie bessere Möglichkeiten für ein erfolgreiches und glückliches Leben hatte. Stattdessen war immer öfter in den Medien zu hören und zu lesen, dass gerade die jetzt heranwachsende junge Generation in Deutschland ganz besonders schlechte Rahmenbedingungen für ihr Vorrankommen hat.  Sie sind diejenigen, die am meisten unter den gigantischen Schuldenbergen leiden müssen, die ihre Vorgängergeneration aufgetürmt hatten.

Aber auch das allgemeine gesellschaftliche Klima in Deutschland hat unsere Entscheidung mit beeinflusst. Ich bin nämlich ein Mensch, der sehr aufmerksam die Stimmung seiner Mitmenschen registriert. Auch lasse ich mich leicht mitziehen, was nicht gerade dienlich ist, zumindest, wenn es bergab geht. Ich beobachtete schon seit Ende der 90er Jahre, dass die Stimmung  in Deutschland kontinuierlich schlechter wurde. In diesem Zusammenhang ist wohl der schon oft zitierte „Niedergang der Mittelklasse“ als Hauptstütze der deutschen Gesellschaft von großer Bedeutung.

Im Übrigen stand ich ja nicht allein mit dieser Auffassung da. Mittlerweile gab es schon zahlreiche Fernsehbeiträge zum Thema Auswanderung, die wir mit großem Interesse verfolgten. Die Protagonisten der Serien sind teilweise schon richtige Fernsehstars. Konny Reimann ist zum Urvater einer neuen Auswanderungswelle avanciert. Viele der Beiträge zeigten:  Wenn man es richtig macht und bereit ist, etwas dafür zu tun, kann man an vielen Orten der  Welt den Erfolg haben, der einem in Deutschland aufgrund schlechter Rahmenbedingungen versagt bleibt.

So fing ich an, nach Möglichkeiten in anderen Ländern zu suchen.  Dank Internet ist das leicht vom heimischen Schreibtisch aus möglich. Immer öfter erschienen auch  in der zahnmedizinischen Fachpresse Artikel über die Zahnmedizin in anderen Ländern. Ergebnis: es gibt in vielen Regionen der Welt Möglichkeiten, als Zahnarzt tätig zu werden. Der Ruf deutscher Mediziner ist dank hoher Ausbildungsstandards generell sehr gut.

Doch leider bin ich sprachlich ziemlich unbegabt. Und Zahnmedizin in einer ungewohnten Sprache auszuüben, stelle ich mir sehr schwer vor. Zu sehr kommt es bei der Befragung der Patienten auf feine sprachliche Nuancen an. Zudem bin ich inzwischen nicht mehr der Jüngste und es stellt sich die Frage: Lohnt sich das eigentlich? Da aber laut Aussage meines Steuerberaters meine Lage  in den kommenden Jahren doch recht zielstrebig in Richtung Insolvenz steuerte, bestand Handlungsbedarf.

Es blieb also für mich nur das deutschsprachige Ausland: Österreich und die Schweiz. Recht schnell fiel Österreich raus. Die zahnärztliche Besiedelung ist mehr als reichlich. Nicht einmal jeder österreichische Zahnarzt bekam eine Zulassung zum staatlichen Gesundheitswesen, ohne die es wohl dort kaum möglich ist zu überleben. Als reiner Privatzahnarzt hat man ganz besonders geringe Chancen.

Fortan lag mein Fokus also auf der Schweiz. Zahnmedizin dort ist überwiegend Privatsache, d.h. die Patienten bezahlen aus eigener Tasche. Nur wenige haben eine private Zahnversicherung. Das dortige Gebührensystem, der „Schweizer Zahntarif“, ist genial, fachlich topaktuell!  Die Preise sind nach betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten kalkuliert. Bei den wesentlichen Leistungen kann das Honorar nach individuellem Schwierigkeitsgrad  vom Zahnarzt in gewissen Grenzen angepasst werden. PZR, Deep Scaling und Endo-Revisionen werden rein nach Zeitaufwand berechnet.  Darüber hinaus legt jeder Zahnarzt den Taxpunktwert, mit dem die für jede Leistung festgelegte Punktzahl multipliziert wird, als praxisspezifische Kalkulationsgrundlage selbst fest.

Nur Sozialhilfeempfänger und wenige, finanziell  besonders schlecht gestellte Rentner bekommen Zuschüsse von der öffentlichen Hand oder von der Rentenversicherung.  Dieser Personenkreis, sowie Patientenfälle, die infolge von Unfallschäden zulasten einer Unfallversicherung abgerechnet werden, müssen zu einem deutlich niedrigeren Taxpunktwert, der zurzeit nicht mehr ganz kostendeckend ist, behandelt werden. Glücklicherweise sind es nur wenige Prozent des Behandlungsaufkommens, für die diese Regeln gelten. Das alles überzeugte mich und es begann die Suche nach einer geeigneten Praxis.

Recht schnell war klar: Für eine Praxisübernahme hatte ich nicht mehr genug Geld, denn die Hoffnung  auf einen Verkauf meiner bisherigen Praxis war gering. Es gab zu wenig Interessenten  für die große Zahl der angebotenen Praxen. Zu diesem Zeitpunkt wurden in Deutschland Praxisübernahmen von Banken nur noch in seltenen Fällen finanziert. Dafür waren die Praxen in der Schweiz dank großer Nachfrage von deutschen Zahnärzten sehr teuer.

Es blieb für mich also nur die Neugründung als einzige Lösung.

Immerhin konnte ich in diesem Fall meine recht gute Praxiseinrichtung  weiter verwenden. So habe ich die zuständigen Kantonszahnärzte (ein wenig vergleichbar mit  der Stellung der Landeszahnärztekammer in Deutschland) angeschrieben und nach eventuell noch unterversorgten Gebieten nachgefragt. Man riet mir überall ab und empfahl mir, wenn überhaupt, nur eine Praxisübernahme anzustreben. Auch einige mir bekannte Kollegen, die schon früher in die Schweiz gegangen waren, haben uns gewarnt: Die Schweiz ist kein unterversorgtes Gebiet! Eine Neugründung ist in aller Regel nicht zu empfehlen, je nach Region sei  sie sogar finanzieller Selbstmord.

Trotzdem ließ ich mich nicht gleich entmutigen. Ich recherchierte auf eigener Faust im Internet. Ich habe Zahnarztdichte und Bevölkerungszahlen für alle wesentlichen Regionen der Deutschschweiz  abgeglichen. Es galt nun eine Gegend zu finden, in der inklusive einer weiteren Praxis möglichst mehr als 2000 Einwohner auf einen Zahnarzt kamen. Nach wochenlanger Suche habe ich dann tatsächlich eine kleine Region gefunden, die noch Potential zu haben schien. Telefonate mit den Finanzierungsberatern zweier Banken der Region brachten die Bestätigung. Ich hatte einen Platz gefunden, an dem  eine Neugründung Sinn machte und man zeigte sogar Bereitschaft mit einer Kreditvergabe, den eventuell nötigen Umbau  vorhandener Räumlichkeiten zu finanzieren.  Einer der freundlichen Bankberater gab mir sogar einen Tipp, in welchem der Dörfer dank hoher Einkommensstruktur der Bevölkerung die besten Aussichten bestehen würden und konnte mir sogar geeignete Räumlichkeiten nennen, da seine Bank im selben Haus gerade eine neue Filiale eröffnet hatte.  Weitere eigene Recherchen sowie eine Fahrt dorthin bestätigten: Ich hatte die berühmte Stecknadel im Heuhaufen, wahrscheinlich den letzten noch möglichen Standort  für eine neue Praxis gefunden.

Dann ging alles ganz schnell. Als erstes erfolgte die Kontaktaufnahme mit der örtlichen Gemeindeverwaltung per Email. Die Antwort kam umgehend. Man schien sehr erfreut über unseren Wunsch, dort eine Praxis zu eröffnen. Gleichzeitig erhielt ich eine genaue Auflistung aller Verwaltungsschritte, die wir  dafür unternehmen mussten.  Man hatte sogar alle Links zum Herunterladen der benötigten Formulare  und die Email-Adressen der Ämter und Behörden beigefügt. So konnten wir nahezu alles von Deutschland aus erledigen. Für die wenigen dann noch verbliebenen Behördengänge genügte eine einzige Fahrt in die Schweiz.

Es folgte die Prüfung und Planung durch einen Praxiseinrichter aus der näheren Umgebung, der Abschluss der Mitverträge für Praxis und Wohnung, sowie die Planung und Durchführung des Umzugs. Schon drei Monate später waren wir in der Schweiz. Doch darüber demnächst mehr.

Andere Länder, andere Zähne

von Hans – Willi Herrmann

Wir starten eine neue Rubrik bei „WURZELSPITZE“.

„Andere Länder, andere Zähne“.

Kollegen, die nicht (mehr) in Deutschland arbeiten, berichten.
Von den Gründen, warum sie Deutschland als Arbeitsstätte den Rücken gekehrt haben.

Was Sie vorgefunden, wie sie aufgenommen wurden.
Wie es um die Zahnmedizin in ihrer neuen Heimat bestellt ist.

Den Anfang macht ein Kollege, der jetzt in der Schweiz behandelt.
Kollegen aus Spanien und Großbritannien werden ebenfalls berichten.  Und – wer in der großen weiten Welt dies liest und sich angesprochen fühlt, zu schreiben…nur zu, wir würden uns freuen.

Hübscher Schnickschnack

von Jörg Schröder

Mittlerweile gibt es auch für nicht in Forschung und Lehre hauptberuflich Engagierte ausreichende Gelegenheiten moderne Präsentationstechnik einzusetzen.

Ob zu Großmutter 80. Geburtstag, anlässlich eines Studiengruppentreffens oder auf großer Bühne – nie war es leichter nahezu professionelle Präsentationen zu erstellen.

Zwar ist es richtig, dass der Informationsgehalt einer Präsentation nicht davon abhängt, ob der Folienhintergrund unifarben  oder im feinen Look gebürsteten Titans daherkommt.

Klar ist aber auch, dass eine Stunde gelbe Schrift auf blauem Grund die Zuhörer schneller ermüdet als eine etwas abwechslungsreichere Darbietung desselben Inhaltes.

Eine Mail in einer internationalen Endodontie-Newsgroup weckte meine Neugier und ich klickte auf www.keynotethemepark.com . Für Benutzer der Präsentationssoftware „Keynote“ stehen hier für relativ wenig Geld recht interessante Themen und Elemente zum Download bereit.

Wobei es nicht unbedingt Titan sein muss.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Was darf eine PZR kosten?

von Christian Danzl

Samstag Vormittag, Radio Bayern 3. Hier wird der Bürger regierungsnah informiert (vgl. „Democracy„, Gerhard Polt, Der Standort Deutschland).

Und hier wurde informiert!

Klare Aussage:

Eine professionelle Zahnreinigung darf 60,- € kosten.

Mehr nicht.

Und wer mehr zahlt, zahlt definitiv zu viel! Und wird mal wieder vom geldgierigen Zahnarzt über den Tisch gezogen (es gibt ja auch Zahnarztpraxen, die sogar 80,- bis 180,- Euro verlangen sollen!!!).

Bestandaufnahme, Plaqueindex, Blutungsindex, Beläge anfärben, Aufklärung, Munghygieneinstruktion, Unterweisung in Putztechnik, Zahnseide, Interdentalbürsten, Taschentiefenmessung, 32 Zähne von Ablagerungen sub- und supragingival, von harten und weichen Belägen befreien, dunkle Verfärbungen wegpolieren, Sandstrahlen, Intensivflouridierung ……

Was erzähl ich hier? Wer hier mitliest, weiss, was es für ein Aufwand ist, ein Gebiss auf Hochglanz zu bringen.
Nicht nur Arbeitsaufwand. Auch materieller Aufwand. Verbrauchsmaterialien, Verschleissteile…

Klar. 60,- € mag durchaus ein reeller Preis sein für eine PZR, aber nicht für für das volle Programm und nicht in jedem Gebiss und in jeder Praxis.

Ich würde sagen, dass 60,- € OK sind für 5 min bis zu 45 min Behandlungsdauer, je nach Praxisstruktur und -lage. Da kann man sich selber ausrechnen, wieviel von der o.g. Liste abgearbeitet werden kann.

Aber, wer mehr als 60,- zahlt, zahlt zuviel!
Das war die klare Aussage.

Und da sind wir wieder bei der deutschen Gleichmacherei. Egal wie lange, egal wie viel, und Hauptsache billig.

Und ganz wichtig: der Arzt/Zahnarzt verdient sowieso zuviel. Schon mal ganz pauschal.

Auf welche Aussagen werden wir wohl vergeblich warten:

  • ein Friseurbesuch darf nicht mehr kosten als 40,- €
  • ein Neuwagen darf nicht teuerer sein als 8.000,- €
  • Steuersätze dürfen nicht höher sein als 15 %
  • eine Krankenkasse darf mehr als 150,- € im Monat kosten
  • die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte darf nicht mehr als 200.000,- € kosten

Auf welche Aussagen wir wetten können:

  • alle Ärzte/Zahnärzte rechnen falsch ab
  • Zahnersatz ist billiger aus dem Ausland, der Zahntechniker vor Ort ist zu teuer
  • Krankenkassen haben Milliardendefizit, Behandlungen zu teuer

So, und jetzt ab zur Verwaltungshelferin und die PZR billiger machen!!!
Nicht, dass nächste Woche im Radio die Praxen verlesen werden, wo die PZR zu teuer ist ;-)


Um das Heute zu verstehen, kann ein Blick auf das Gestern oft hilfreich sein.

von Thomas Weber

Hallo HaWi,

vielen Dank für einen absolut lesenswerten Beitrag, der  zu einigen Kommentaren geradezu herausfordert:

1883 schlug die Geburtsstunde der Bismarckschen Gesetzlichen Krankenversicherung, die der Absicherung elementarer Gesundheitsrisiken diente. Die Zahnbehandlung gehörte damals folgerichtig nicht dazu. Erst 1917 wurde Karies durch eine Entscheidung des Reichsversicherungsamtes als behandlungsbedürftige Erkrankung anerkannt und das Füllen von Zähnen Pflichtleistung der Krankenkassen. Unter dem Reichsarbeitsminister Franz Seldte führte erst 1943 der sogenannte „Verbesserungserlass“ erstmals zur Möglichkeit für Krankenkassen, in ihren Satzungen die Gewährung von Zuschüssen für Zahnersatz zu verankern. Aber erst 30 Jahre später beurteilte des Bundessozialgericht das Fehlen von Zähnen als behandlungsbedürftige Krankheit. In der Folge wurden zahnprothetische Behandlungen im „Rehabilitationsangleichungsgesetz“ vom 07. August 1974 unter Bundesgesundheistministerin Katharina Focke (SPD) in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung aufgenommen. Nahezu alle Krankenkassen übernahmen damals die Kosten für Zahnersatz vollständig, was zu einer erheblichen Kostenbelastung führte.

Die „want-have-“Leistungen der Zahnmedizin wurden also in Deutschland historisch zu „must-have“-Leistungen institutionalisiert. Ein fataler Irrweg.

Schauen wir auf dem Bereich der zahnärztlichen Honorare: Elisabeth Schwarzhaupt (CDU) ist im Jahre 1964 Ministerin für das Gesundheitswesen. Ihr Ministerium erarbeitet eine Bundes-Gebührenordnung für Ärzte und Zahnärzte. Denn die Honorare, die Mediziner von ihren Privatpatienten erhalten, berechnen sie bislang nach der schon 70 Jahre alten Preußischen Gebührenordnung, kurz „Preugo“ genannt. Deren Sätze wurden zwar 1957 etztmalig erhöht, aber die Listen ärztlicher Leistungen sind völlig veraltet. (Kommt einem dieses Szenario nicht irgendwie sehr vertraut vor?)

Es beginnt die „Bugo“-Zeit, die ihre Wirkung auf die GKV entfaltet: es entwickelt sich 1977 daraus der altevertraute BEMA zur Honorierung der Leistungen bei GKV-Patienten.

Mit BUGO-Z, BEMA und der 100%-Prothetik beginnt das „goldene Zeitalter“ der deutschen Kassenzahnheilkunde. Alles wünschenswerte und machbare wird bezahlt.

Unterhält man sich mit alten Landzahnärzten, die schon vor dieser Zeit praktizierten, wird klar, wie es vorher war: zum Zahnarzt ging man nur, wenn man musste: das Zahnziehen war die Regel, ein Röntgenbild musste bei der Krankenkasse zuvor beantragt werden, Wurzelkanalbehandlungen wurden, wenn überhaupt, nur an Frontzähnen und nur als „Vitalexstirpationen“ durchgeführt und das Herausreissen aller Zähne mit anschliessender Totalprothese war schon bei jungen Patienten eine oft gewählte Therapieform. Sicher gab es auch Patienten, die hochwertigere Versorgungen wünschten und zu zahlen bereit waren, die Prophylaxe wünschten und zahlten, doch dieses „Segment“ war sehr klein.

Als Landzahnarzt heute sieht man genau solche Tendenzen: die Zahl der Extraktionen aus „wirtschaftlicher Indikation“ steigt wieder an, kostenfreie Amalgamfüllungen ersetzen mehrkostenpflichtige Kompositfüllungen im Seitenzahnbereich, die Regelversorgung schlägt die höherwertige „Andersartige Versorgung“ und NE-Kronen solche aus Empress-Vollkeramik, professionelle Zahnreinigungen werden ausgesetzt, kieferorthopädische Behandlungen „geschoben“, bis eine Verschlimmerung der Anomalie eine Kostenübernahme der Krankenkasse garantiert.

Die gern gehörte Behauptung, das deutsche Gesundheitswesen sei eines der besten der Welt, erscheint so als eine Petitio principii. Wir laufen nach meiner Einschätzung nicht so sehr Gefahr, unser „gutes“ System gegen ein „postkapitalistisches“ einzutauschen (- das wir in sehr vielen Bereichen der Medizin längst haben -), als es in einem staatlichen „Bürgerversicherungsmodell“ aufgehen zu sehen, das – natürlich mit moderner Etikettierung – zur Einheitsversicherung (wahrscheinlich „Bundesagentur für Gesundheit“), zu Poliklinik-Strukturen (vielleicht „öffentlich-rechtliches Medizinisches Versorgungszentrum“) und zur Einheitsdiagnostik und- Therapie nach Einheitskatalogen und Einheitspositivliste (und das absolut positiv belegt: „Einklassenmedizin“) führt. Dabei kann es gut sein – und nach Ansicht vieler Medizinökonomen muss es so sein – , daß die Zahnmedizin, wie wir sie heute kennen, aus diesem Modell hinausfällt, und allenfalls rudimentäre „must-have“-Therapien verbleiben, deren Honorierung dann vielleicht wieder auf einem „vor-BEMA“- Niveau erfolgt.

Denn die Chance auf eine progressive Reform des Gesundheitssystems wurde auch unter dem FDP-Minister Dr. Rösler vertan. Der Versuch, die jetzt kommende Beitragserhöhung als „kleine Kopfpauschale“ zu etikettieren umd den Schein einer liberalen Position aufrechtzuerhalten ist – mit Verlaub – lächerlich. Und auch Zwangsrabatte der Pharmaindustrie sind kein geeignetes Mittel der Anpassung des Symstems an heutige Erfordernisse. Zwei Milliarden Euro Steuergelder Zuschuss werden auch nur maximal ein Jahr lang reichen.

Und die ersten drohenden Kasseninsolvenzen zeigen, dass selbst der palliativen prämortalen Schmerzlinderung „Gesundheitsfond“ das Morphium ausgeht.

„must have“ oder „want have“ ? Zahnmedizin ist wichtig, keine Frage….

Zahnärztliche Leistungen sind wichtig. Keine Frage.

Aber je mehr der Patient aus eigener Tasche zahlen muss, um so mehr konkurriert die Zahnmedizin  mit allen anderen Dingen des täglichen Bedarfs.

Zahnmedizin ist ein „must have“ – Artikel.

„Must have“ ? Darunter verstehe ich Dinge, die man notwendigerweise zum Leben braucht.

„Want have“ im Gegensatz dazu sind Dinge, die man eigentlich nicht zum Leben braucht, aber trotzdem gerne hätte.

Eigentlich sollte klar sein, was am dringlichsten gekauft wird. Die Dinge, die unter „must have“ eingeordnet werden.

Interessanterweise ist es aber (von elementaren Grundbedürfnissen wie Wohnen, Essen, Kleidung  abgesehen (und manchmal nicht einmal da)) sehr oft genau anders rum.

Nicht das, was eigentlich dringend benötigt wird, wird gekauft.
Sondern stattdessen unnötige Dinge. 
Eine Playstation oder Xbox, das neue Handy (obwohl das jetzige erst 2 Jahre alt ist und gut funktioniert), ein teures Kleidungsstück, Schmuck.

Viele andere Dinge des täglichen Bedarfs sind ebenfalls „want have“ – Artikel: Der Urlaub, denn zu Hause ist es auch schön. Das neue Auto, solange das alte noch fährt. Der neue Fernseher, wenn der alte noch nicht kaputt, sondern lediglich kleiner und dicker ist.

„Must have“ – Artikel sind Dinge, die man kauft, wenn man die Notwendigkeit des Erwerbs erkannt hat. Durchdacht hat. Für sich selbst als sinnvoll befunden hat.

Das sind dann alles gute Argumente, die zu einer Kaufentscheidung führen können.

Aber jeder gute Verkäufer weiss, dass das Gefühl, die Emotion den notwendigen Anstoß zum Kauf gibt. Ich möchte nicht wissen, wieviele Autos spontan, aus einer Laune heraus, nach einer Probefahrt  gekauft werden.

Eine solche emotionale Spontanentscheidung gibt es in der Zahnmedizin nicht, denn „must have“- Artikel vermitteln per se keinen Lustgewinn.

Die Konsequenz ?

In der Konkurrenz mit den „want have“ – Artikeln wird die Zahnmedizin verlieren. Da dürfen wir uns keinen Illusionen hingeben. Zahnmedizin ist nicht sexy, da können noch soviele Marketing-Fachleute den Begriff „dental wellness“ auf durchgestylte  Hochglanzflyer drucken.

Und so ist ein Rückgang der Nachfrage nach Zahnmedizin im selben Maße, mit dem die Selbstzahlungsquote steigt, vorprogrammiert.

Auch wenn im Anfang diese Entwicklung nicht augenscheinlich wird. Denn zunächst sind die Patienten noch bereit, die Mehrkosten aus eigener Tasche zu tragen.

Deshalb wird diese Abwärtsentwicklung zu Beginn nicht in vollem Maße sichtbar werden.

Erst wenn die Tragbarkeitsgrenze der Zuzahlung für die jeweiligen Patienten erreicht ist, wird die Abwärtsspirale in ihrem gesamten Ausmaß erkennbar werden.

Dann jedoch wird dieser Trend deutlich  durchschlagen, denn die Reaktion des jeweiligen Patienten wird zunächst eine Totalverweigerung sein, zahnmedizinische Leistungen betreffend.

Wer nicht mehr bereit ist, die Kosten für eine professionelle Zahnreinigung, eine Krone, eine Prothese zu tragen, der kommt erst mal gar nicht mehr zum Zahnarzt für die nächste Zeit. Und wenn, dann sucht er nicht selten einen anderen Zahnarzt auf, weil es ihm peinlich ist,  zum seinem bisherigen  Zahnarzt zurückzugehen.

Da eine Reihe von  Patienten die Wichtigkeit der zahnmedizinischen Leistungen für ihr Wohlbefinden nicht in ihrer Tragweite erkennen können, wird alles in allem, in erster Näherung, zukünftig das Geld das wichtigste Argument sein, ob man sich Zahnmedizin leistet oder nicht.

Ist es in mehr als ausreichendem Maße vorhanden, muss man sich also über Geld keine Gedanken machen,  wird Zahnmedizin weiter nachgefragt werden. Ist dies nicht der Fall, wird sich die Zahnmedizin  mit anderen Dingen des täglichen Lebens messen müssen. Infolgedessen wird die Nachfrage zurückgehen. Und der Preis der Leistung, je billiger, umso besser, wird immer mehr in den Vordergrund rücken.

Der zwangsläufig eintretende Nachfrageeinbruch in den Praxen wird mittelfristig  einen Preisverfall nachsichziehen.

In solchen Zeiten werden Zahnarztpraxispleiten sich einstellen. In einem Ausmaß, wie es in der Vergangenheit bislang unbekannt war.

Es ist besser, wenn sich die Ärzte und Zahnärzte auf ein solches Szenario einstellen.
Denn es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis wir damit konfrontiert werden. Als Fanal könnte man einen vor kurzem in den Tagesthemen gesendeten Beitrag über Kosteneinsparungen im Gesundheitswesen werten. Durch eine Mail in der zahnmedizinischen newsgroup „Zahnmed“ des Kollegen Michael Logies wurde ich darauf aufmerksam.  Eine belgische Arztpraxis wurde vorgestellt. Die Ärztin beschäftigt keine Mitarbeiter. Sie schreibt ihre Rezepte und Rechnungen selbst. Der Patient zahlt sofort bar. Fazit des Tagesthemen – Kommentators  „Ein Erfolgsmodell ! Der Arzt hat so viel mehr Zeit für den Patienten!“

Machen wir uns nichts vor. Der Kleinbetrieb Zahnarztpraxis sieht ungewissen Zeiten entgegen. Denn das was sich am Zeithorizont der nächsten Dekade abzeichnet, hat mit „der Zahnarztpraxis“, so wie wir diese aus den letzten 40 Jahren kennen, nichts mehr zu tun. Stattdessen wird es 4 oder  5 unterschiedliche Praxis „Business“-Modelle geben, die mehr oder weniger gut im Markt zu bestehen versuchen.

Was tun ?

Aus der Wirtschaft wissen wir – in  wirtschaftlich schwierigen Zeiten überleben Firmen am besten im Luxussegment und im Billigsegment.

Wenn eine Zahnarztpraxis in solchen Zeiten demnach sicher überleben will, sollte sie sich sich, ihre Praxisauslegung betreffend, für ein sehr hochwertiges Tätigkeitsfeld oder für das absolute Billigsegment entscheiden.

Im mittleren Segment wird jede Praxis mit einer Vielzahl vom Mitbewerbern kämpfen müssen, die jeweils versuchen werden (müssen), über einen möglichst niedrigen Preis Marktanteile zu verteidigen oder hinzuzugewinnen.

Ein solcher Kampf, bei dem der Preis als letztlich kaufentscheidendes  Kriterium im Vordergrund steht, ist auf Dauer nicht zu gewinnen. 
Die mittelfristige Entwicklung führt in eine Abwärtsspirale, das Honorar betreffend, und letztendlich in den wirtschaftlichen Untergang einer Reihe von Arztpraxen, wobei jede Praxis bis zuletzt hofft, daß die anderen Praxen früher pleite gehen und man so dem Untergang entgehen kann weil sich der Markt auf niedrigem Niveau wieder stabilisieren wird.

Die größten Verlierer sind jedoch die Patienten.
Ich sage es gerne immer wieder, wir haben noch immer das beste Gesundheitssystem der Welt.
Weil nachwievor jedem Bürger unseres Landes ein extrem hohes Maß an Gesundheitsleistung zu einem global unerreicht niedrigen Preis zur Verfügung steht.

Umso bedauerlicher ist es, daß wir Gefahr laufen, dieses Modell gegen ein „postkapitalistisches“  Gesundheitssystem einzutauschen, dessen medizinisches Optimum auf einen solventen Personenkreis beschränkt ist,  für die Mehrzahl der Bürger jedoch unerreichbar bleiben wird. Zukünftig wird man also wieder verstärkt den sozialen Status des Gegenübers am Gebisszustand erkennen können.

Das müsste nicht sein. Es gäbe die Möglichkeit, das bestehende Gesundheitssystem progressiv zu reformieren und es damit in seinen Grundwerten zu bewahren, gleichzeitig jedoch behutsam und damit stabil und tragbar an  heutige Rahmenbedingungen anzupassen. Stattdessen verliert sich seit Jahrzehnten die Politik aus falschem Populismus heraus und als Reaktion auf eine massiv infiltrierende und indoktrinierende Lobbyarbeit unterschiedlichster pekuniär geprägter Interessengruppen in einer palliativen Hospizbegleitung, der es  nicht mehr um die Genesung, sondern bestenfalls um eine möglichst langanhaltende prämortale Schmerzlinderung für den Patienten „Volksgesundheit“ geht.