Kostensteigerung ZE 2012

von Hans – Willi Herrmann

Anbei zwei Links auf die  ich beim „Muffel – Forum“, einer Zahntechnik- Community gestossen bin.

Zum einen ein TV – Beitrag des MDR zum Thema GOZ 2012 und deren prognostizierte Folgen, die Preisentwicklung betreffend, zum anderen eine Gegenüberstellung der Honorare beim Kassenpatienten und beim Privat – Patienten. In Anbetracht der Tatsache, dass ab 2012 der 2,3 fache Satz in fast allen Fällen  die Obergrenze darstellen soll, bedeutet dies, dass jede in dieser Tabelle beim GOZ Satz mit mehr als 2,3 angegebene Honorarposition beim PKV – Patienten schlechter bezahlt wird als beim GKV – Patienten.

Insofern widersprechen sich die Aussagen im TV – Beitrag und die tatsächlichen Zahlen der neuen Gebührenregelung.

Für die Zahntechniker konstatiert der TV – Beitrag im Übrigen deutliche Honorareinbußen  in den letzten Jahren. Gründe hierfür werden nicht genannt, obwohl auf der Hand liegt, dass diese Entwicklung im weiterhin wachsenden Markt des Auslands – Zahnersatzes zu suchen ist.
Auf diese Konsequenzen mir den damit verbundenen Nachteilen für das Zahntechnikhandwerk, die Zahnarztpraxen und vor allem die Patienten haben wir hier an dieser Stelle schon vor fast 3 Jahren (und im Nachfolgenden immer mal wieder unter dem Stichwort „Auslandszahnersatz“)  hingewiesen und bedauerlicherweise ist es genau so gekommen.
Hier trägt die Gesundheitspolitik, unterstützt durch entsprechende Werbemassnahmen der Krankenkassen Früchte.

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Ungarn. Gelobtes Land?

von Christian Danzl

Wenn man zum Zahnarzt muss, wird es teuer.

Die Zahnärzte verdienen zu viel.

Das sind hinlänglich bekannte „Wahrheiten“.
Auch etliche Krankenkassen springen auf diesen Zug auf und empfehlen ihren Patienten Zahnersatz aus den Ausland oder bezuschussen sogar Zahnbehandlungen im Ausland, um Kosten zu sparen.
Ich empfehle den Patienten, die mit so einem Schreiben zu mir kommen, sofort eine billigere Krankenkasse, denn da spart man sicher jeden Monat, und nicht nur im Falle einer aufwändigen Zahnbehandlung.

Ja, Zahnbehandlung im Ausland.

Wo?

Ungarn!

Genau. Für Österreicher immer schon der Geheimtipp, wenn’s um „Zahnsparen“ geht. Auch für Deutsche nicht uninteressant. Ein 14 tätiger Urlaub in einem Hotel mit gehobenem Standard, eine Zahnarztpraxis ist gleich angegliedert, so dass man nicht noch lange suchen muss.
DAS all-in-one Paket. Man fährt in den Urlaub und kommt nach 14 Tagen mit einem neuen Lächeln zurück, ohne dass man sich in der Nachbarschaft mit Provisorien hätte blicken lassen müssen.

Und die neuen Zähne incl. der Implantate (sie wurden während des 14-tägigen Aufenthaltes gesetzt und auch mit dem endgültigen Zahnersatz versehen) sind so viel billiger als daheim in Deutschland, dass auch der Hotelaufenthalt finanziell nicht ins Gewicht fällt.

Sagenhaft!

Und jetzt die entscheidende Frage:

Ist das wirklich so?

Auszuschliessen ist es nicht.

Drei Dinge dazu:

  1. Ein befreundeter Zahnarzt südöstlich von München (also nicht im Grenzgebiet zu Tschechien), nähe Rosenheim, der viel und gut Implantiert wurde von einem Bekannten gebeten, er solle bitte den Zahnersatz seiner Frau reparieren. Dieser ist zwar aus Ungarn, aber als „Freundschaftsdienst“ könne er das ja wohl machen, weil man wegen einer Reparatur nicht noch mal nach Ungarn fahren wolle (eigentlich der Klassiker).
    Er willigte ein. Aber nur unter der Bedingung, dass er Einsicht in alle Rechnungen aus Ungarn bekommt. Rein interessehalber.
    Ergebnis: Der Zahnersatz incl. mehrerer Implantate war in Ungarn lediglich um 500,- billiger als bei ihm.
  2. Ein langjähriger Patient kam zu mir in die Praxis, er brauche eine neue OK-Totale. Er war in Ungarn und hatte sich einen implantatgetragenen ZE machen lassen. Schon nach 3 Wochen waren die Implantate wieder draußen. Er bekam dann eine Totale im OK. Die sah aus, als hätte sie der ZA noch in der Schublade gehabt und passte auch so. Ihm war klar, dass ich ihm keine neue Totale umsonst machen würde.
    Im Unterkiefer sassen de Implantate noch.
    Noch.
    Aber auch denen gebe ich keine 2 Jahre. Dann kommt auch da die Totale. Insgesamt gesehen eine 28er für viel Geld.

    Verstehen sie mich nicht falsch: Ich sage nicht, dass die ungarischen Zahnärzte schlechter sind, auch nicht, dass die Deutschen besser sind.
    SO eine Implantatversorgung bekommen sie in Deutschland auch, aber da haben sie wenigstens einen Gewährleistungsanspruch vor Ort.

  3. Hier die Preisliste einer ungarischen Zahnarztpraxis.
    Machen Sie sich bitte selbst ein Bild.
    Bekommen Sie diese Honorare von der GKK in Deutschland? Verlangen Sie mal 40,- € von einem Kassenpatienten für eine „Erstbesprechung“ mit dem Hinweis, er solle sich seinen Zuschuss danach von der Kasse holen.
    Versuchen sie es einfach nur einmal.
    In etlichen Praxen in Deutschland wird der Patient laut schimpfend die Praxis verlassen, und die Worte „Wucher“ und „Abzocke“ gebrauchen.

    „Analyse ästhetisch“ 260,-
    Wurzelbehandlung, 3-Kanäle 500,-

    Verlangen sie es einfach nur mal, und schauen sie, wie die Patienten reagieren.

    KFO Keramikbrackets, selbstligierend, 2 Jahre Dauer, 4.800,-

    Viele Kieferorthopäden in Deutschland nehmen sie mit Kusshand.

    In Ungarn wird das gerne bezahlt, da ist es ja billiger……Krone und Brücken sind billiger als bei uns?
    Stimmt!
    Beziehen Sie aber die Zahntechnik zum selben Preis, wie der ungarische Kollege, werden sie keine Probleme haben die Preise zu halten.

Fazit:

Wenn die deutschen Krankenkassen weiterhin so mit den Behandlern umgehen, muss man die Praxis nicht immer die Schweiz verlegen, um in Ruhe und ohne Gängeleien seinem Beruf nachgehen zu können.
Auch Ungarn kann die Lösung sein.
Billiges Personal, billige Zahntechnik und Patienten, die während der Gewährleistungszeit mit relativer Sicherheit nicht mehr auftauchen, weil ihnen der Weg zu weit ist (und der „Preisvorteil“ dann weg ist), aber dafür schon bar bezahlt haben. Und zwar einen Preis, der sich oft nicht deutlich vom deutschen Preis unterscheidet.
Und wenn mal was schief läuft, holt schliesslich der deutsche Kassenzahnarzt die Kohlen aus dem Feuer bzw. die Implantate aus dem Eiter. Muss er ja.

Zugegeben, diese drei Punkte sind nicht repräsentativ, zeigen aber, dass der billige Zahnersatz im Ausland nicht unbedingt billiger als in Deutschland sein muss

Made in PRC – fünfter und letzter Teil

von Boldald Necker

Mittlerweile ist der ZE aus Fernost eingesetzt. Verspätet. Nochmals. Es kam ein Anruf aus dem Vertragslabor, es täte ihnen fürchterlich leid, aber die Arbeit sei im falschen Flieger und nun in Dubai.

Da fiel es uns wie Schuppen von den Augen: Stimmt! Diese Panne hatten wir noch nicht! Sonst war ja schon alles schief gelaufen.

Jedenfalls kam die Arbeit dann doch noch und wurde nach leichten Korrekturen der Okklusion und Artikulation eingesetzt.

Der Patient kam aber bald wieder. Er wolle die Gaumenplatte im Oberkiefer nicht.
Nach einigen Besprechungen und Aufklärungen, Demonstration der Arbeit im 3D-Programm, mehreren Einproben (alles penibel dokumentiert), hat er plötzlich gemerkt, dass er keine Gaumenplatte will.

Der Bitte, die Gaumenplatte zu entfernen, konnten wir aus verständlichen Gründen leider nicht nachkommen.

Er meinte, dann wolle er sie selber entfernen. Wir haben ihm abgeraten, und ihm erklärt, dass die Arbeit dann kaputt sei. Er hat es uns nicht geglaubt.

Wir haben es jedenfalls dokumentiert.

Sollte er mit zerlegter Teilprothese ankommen werde ich es fotografieren und hier einstellen.

Auslandszahnersatz: „Die Farbe des Geldes“ oder „Schneller als gedacht“

von Hans – Willi Herrmann

Auslandszahnersatz.

In den Anfangstagen von WURZELSPITZE, im Februar 2009,  habe ich zu diesem Thema unter der Überschrift Auslandszahnersatz – Hart aber fair ? geschrieben.
Die Resonanz auf den Blogbeitrag war gering, von Zahntechniker – Seite minimal bis „gefühlt nicht vorhanden“.
Eine erste Entwicklungseinschätzung von offizieller Seite gab es dann  hier im August 2009. Die Zuschriften auf diesen Beitrag  hierzu zumeist von Labors, die mehr oder weniger verdeckt im Sinne eines viralen Guerilla Marketings für ihr Auslandszahnersatz – Engagement  werben wollten.

Und heute ? Knapp 2 Jahre später scheint sich der billigere Zahnersatz bereits etabliert zu haben. Etabliert – nicht nur im Sinne von, „Ja das gibt es“, sondern im Sinne von, „Ja, dass machen wir, Herr Müller Maier Schmidt, selbstverständlich“.

Billigerer Zahnersatz als Verkaufsargument der Praxis,  zumindest als willkommener Türöffner im Sinne einer Fielmann – Preispolitik. Die Gründe hierfür liegen auf der Hand.  Zahntechnik (sofern nicht im Eigenlabor der Zahnarztpraxis hergestellt, an dem der Praxisinhaber gewinnschöpfend partizipieren kann) wird ja,  finanziell gesehen, durchgereicht.
Jede Zahntechnik – Arbeit, ganz gleich ob in Manila  oder Wolfenbüttel gefertigt, generiert allerdings Mehrumsatz auf zahnärztlicher Seite.
Besteht daher in der Zahnarztpraxis  keine Vollauslastung, sind also noch Zuwachsreserven vorhanden,  ist dem Kollegen vielleicht die Butter auf dem Brot näher als die Wurst vor der Nase, zumal  letztere für den Praxisbetreiber scheinbar keinen höheren Nährwert aufweist. Auslandszahnersatz wird heutzutage von einer Reihe von Zahnarztpraxen aktiv beworben, zumindest jedoch auf Wunsch des Patienten als „normale“ Produktvariante geliefert. Und – je mehr gute Erfahrungen der Zahnarzt mit einer solchen Versorgung bislang gemacht hat, umso vorbehaltloser wird er eine solche Variante vertreten, gegebenfalls sogar enthusiatisch anbieten.

„Zahnersatz aus der Mitte“  scheint also in unserer Mitte angekommen.
Als Indiz hierfür  ein Branchenbericht der ortsansässigen Volksbank:

Ich zitiere einen (in sich ungekürzten) Teil des Reports :

„Es scheint sich abzuzeichnen, dass vor allem die Herstellung einfachen, niedrigpreisigen Zahnersatzes nach Asien auswandert. Gleichzeitig hat der „Zahntourismus” nach Osteuropa einen wahrnehmbaren Marktanteil erreicht. Bei hochwertigen und komplexen Versorgungen, vor allem in der Implantologie, wird weiterhin die spezialisierte Arbeitsteilung zwischen Zahnarzt und Zahntechniker im Zentrum prothetischer Dienstleistungen stehen. Das sind neue, aber nicht unbedingt schlechte Voraussetzungen, um in einem umkämpften und im Umbruch befindlichen Markt perspektivisch bestehen zu können.

In erster Linie kommt es für den Zahntechniker darauf an, die Probleme und Erfordernisse seiner Kunden zu kennen und zu überlegen, wie er zum Problemlöser bei der Generierung prothetischer Umsätze werden kann. Hierzu sind ständiger Kontakt und das Gespräch mit den Zahnarztpraxen unabdingbar. So ist z.B. zu erkennen, dass die Zahnärzte besonders beim Zahnersatz einem härteren Wettbewerb ausgesetzt sind. Die Zahl der Patienten, die sich eine hochwertige Zahnersatzlösung nicht leisten können oder wollen, nimmt gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten zu. Hier ist es erforderlich, dem Zahnarzt nicht nur Premiumlösungen, sondern auch für den Großteil der Patienten bezahlbaren Zahnersatz anbieten zu können.

Bisher scheint für viele Zahnärzte die Lösung beim preisgünstigen Zahnersatz aus dem Ausland zu liegen. Doch zunehmend lohnt es sich für Dentallabore, sich mit neuen Technologien und Materialien zu beschäftigen. CAD/CAM-Systeme und Fräszentren bieten mittlerweile den deutschen Labors viele Möglichkeiten, hochwertigen Zahnersatz in Deutschland günstig herzustellen und damit gegen die Auslandskonkurrenz zu bestehen. Darauf zu vertrauen, dass immer wieder gestartete Versuche, Zahnersatz aus Ostasien pauschal als minderwertig dazustellen, ist riskant und wohl auf Dauer nicht tragfähig. Die Anbieter qualifizieren ihre Mitarbeiter nach westlichen Standards. Materialien und Geräte, die dort eingesetzt werden, stammen in der Regel aus Europa oder werden nach europäischen Regeln zertifiziert, sind also auch in deutschen Labors zu finden.

Konkurrenz erwächst den Dentallabors nicht nur aus dem Ausland, sondern auch im Inland durch (industriebasierte) Fräszentren. Sie gehen direkt auf die Zahnärzte mit dem Angebot zu, zahntechnische Wertschöpfung, nicht zuletzt mit Hilfe der digitalen Abformung, in die Zahnpraxis zu verlagern. Ob dieses Angebot für die Zahnärzte lukrativ ist, wird auch vom marktgerechten Alternativangebot der Dentallabors abhängen.“

Und die nächste Runde des Preiskampfes ist bereits eingeleitet.

Vor zwei Wochen brachte ein Privatpatient ein Schreiben einer privaten Krankenversicherung mit, dass dem Kostenvoranschlag des Zahnlabors, der jeder unserer Heil – und Kostenpläne beiliegt, ein Alternativangebot zweier Auslandszahnersatz – Labors gegenüberstellte: Anvisierte Kostenersparnis ? 2 Drittel.

Man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass eine nicht unbedeutende Zahl von Patienten solche Alternativen in Anspruch nehmen wird und  demnach der Zahnarzt sich mit der Situation konfrontiert sieht, mit besagten Labors zusammenzuarbeiten. Das Problem, daß sich daraus ergibt: Nachwievor rate ich jedem Kollegen, den  Erfolg seiner Zahnarztpraxis  darin zu suchen, eine möglichst hohe Qualität zu liefern. Dies mit einem Labor zu erreichen, daß viele 1000 Kilometer entfernt ist, erscheint mir, zurückhaltend formuliert – schwierig, realistisch eingeschätzt –  unmöglich.

Erschwerend kommt hinzu: Das Preisgefüge in der Zahntechnik wird sich zwangsläufig weiter nach unten bewegen als Folge des Konkurrenzdrucks, ganz gleich ob durch Menschen in Schwellenländern oder CNC Fräsmaschinen verursacht.
Selbst wer es als Zahntechniker schafft, seine Preise zu halten, der sieht sich zumindest einer wesentlich höheren Konkurrenzsituation ausgesetzt.

Der Druck nimmt also weiter zu.

Es wäre naiv, zu glauben, dass dies nicht mit negativen Folgen verbunden wäre, selbst wenn diese sich nicht in Tabellen pressen, sich nicht  aus Statistiken herauslesen lassen.

Und – was für Zahntechniker gilt, das gilt auch, zeitversetzt, für Zahnärzte.
Wer glaubt, dass eine solche Entwicklung isoliert die Zahntechnik betrifft und die Zahnärzte davon verschont bleiben, der hat nicht verstanden, dass es hier um Kostensparmodelle geht, die vollkommen unabhängig von der tatsächlichen Versorgungsituation lediglich an ihrem Einsparbenefit bewertet werden.

Der Grund ist einfach. Die Kostenersparnis ist sofort gegenwärtig und messbar. Damit verbundene Qualitätsdefizite sind  nicht zu erfassen und in ihren Auswirkungen zeitverzögert.

Was resultiert daraus ?
Die Zahnmedizin befindet sich, in ihrer Gesamtheit betrachtet, auf dem Weg zu einem niedrigeren Qualitätslevel.

Die Konsequenz ?
Mut zur Lücke. Und das ist kein flapsiges Bonmot, sondern  schon bald auch bei uns eine ebenso reale Situation wie der Zahntechnikimport.

Wer sind die Verlierer ? Es sind Zahntechniker, Zahnärzte, vor allem jedoch die Patienten. Letztere trifft es am schlimmsten, denn es geht nicht um ihren Geldbeutel, sondern um ihre körperliche Integrität.

Wie immer in solchen Fällen wird die Politik die Eigenverantwortlichkeit der Patienten hervorheben. Soll heißen,wenn Du Löcher hast, Zahnfleischprobleme oder gar ein Gebiss, dann bist du selber schuld daran.

Was soll man darauf antworten ?
Natürlich beinhaltet diese Aussage einen  wahren Kern. Wer allerdings sich mit der Zahnmedizin genauer befasst, der weiss, dass diese monokausale Argumentation an der Pathologie und der Eigendynamik dentaler Erkrankungen vorbeigeht, zu kurz greift.
Und ein fachlich geschulter näherer Blick auf das von Kameras eingefangene Talk Show – Lächeln vieler Politiker entlarvt die in Zeiten knapper Kassen vielbeschworene Eigenverantwortlichkeit als („offensichtlich“ im wörtlichen Sinne) kurz gebeinte Worthülse, die man nur dann so ansatzlos aus der Pistole geschossen heraus  postulieren kann, wenn man sich selbst weit weit auf der sicheren Seite der zahnärztlichen Versorgung positioniert weiß.

Made in PRC – Teil 2

von Bodald Necker

Nun ist der chinesische Zahnersatz per Post gekommen.

Wie ist er geworden?

Meiner Meinung nach sieht er aus wie aus den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts. Nicht schlecht, aber gut auch nicht. Die Verblendungen sind einfach, ohne Struktur und lieblos, die Präzision Aussen- und Innenteleskop ist „poor“, Friktion stimmt zwar, aber wie lange?

Was war auffällig?

Die anfangs gut aussehenden Modelle haben ein wenig gelitten. Einige Gipsteile sind geklebt worden, ein Gips-Zahn mit Klebewachs fixiert. Transportschaden? Oder runtergefallen, wie es halt mal passieren kann? Wir sind gespannt, ob die Arbeit reingeht…

Wir haben also das erhalten, was wir erwartet haben. Wir haben keine tolle Arbeit erwartet und haben sie auch nicht bekommen.

Wird die Arbeit halten?

Ich glaube ja. Mindestens 2 Jahre, wahrscheinlich länger. Auch wenn mal was daran zu reparieren ist.

Wer macht das dann, wenn die 2 Jahre Gewährleistung abgelaufen sind?

Ich weiss es noch nicht, aber wahrscheinlich der Techniker vor Ort. Gegen ganz normale Bezahlung.

Alles entscheidende Frage:

Würden wir es wieder machen?

Nein. Wenn es irgendwie geht.

Wie es dem Patienten gefällt?

Der hat es noch nicht gesehen, eingesetzt ist die Arbeit noch nicht.
Aber ich werde berichten.

Auslandszahnersatz – der erste Kontakt

von Donald Becker

Ich bin schon etwas weiter als Bodald Necker.

Ich habe bereits den ersten Auslandszahnersatz eingesetzt.

Und nicht auf Nachfrage, nicht auf Drängen des Patienten.
Nein, ich habe dies dem Patienten aus freien Stücken vorgeschlagen.

Naja, nicht ganz aus freien Stücken, sondern auf Grund der  Richtlinien, denen die Zahnersatzversorgung in der GKV unterliegt.

Folgende Situation: Der Patient, über 70 Jahre alt. Depressiv und zunehmend dement. Prophylaxebemühungen scheitern nicht am guten Willen, aber doch an der gesundheitlichen Gesamtsituation des Patienten.

Lückengebiss im Oberkiefer und Unterkieferseitenzahnbereich seit etlichen Jahren, keine Probleme damit.
Jetzt geht der Zahn 12 verloren. Die parodontale Situation der Restzähne 11 – 22 in der Oberkieferfront ist nicht sonderlich gut.  Der Patient möchte eigentlich nur einen Lückenschluss 12.

Wie  sähe eine richtlinienkonforme Versorgung aus ?

Interimsprothese 12 ?

OK und UK – Modellgussprothesen ? Zusätzlich Extraktionen weiterer Zähne, mir denen der Patient noch gut kauen kann, nur weil diese für eine ZE – Neuversorgung zu risikoreich sind ?

Wird der Patient sich an einen herausnehmbaren Zahnersatz gewöhnen ? Es wären seine erste Prothesen.

Die Alternative ? Ein festsitzender Zahnersatz. Eine Brücke 15 – 12 mit einem Freiendglied 12 ersetzt die fehlenden Zähne 12 und 14.

Kein Kassenzuschuss, da nicht richtlinienkonform. Als Auslandszahnersatz mit Kosten verbunden, die unter dem der einfachsten herausnehmbaren MG – Lösung made in Germany liegen.

Die Abwicklung. Unproblematisch.

Die Abstände zwischen den einzelnen Behandlungssitzungen nicht länger als bei meinem Labor.

Und das Ergebnis ?

Genau so, wie ich es mir vorgestellt habe.

Solide Arbeit. Ohne gravierende Mängel. Farbliche Gestaltung sogar besser als erwartet und Kronenränder akzeptabel. Besser als in Bodalds Beispiel von gestern.
Aber kein Vergleich zu dem, was ich an Präzision  kenne.  Was mich am meisten stört, ist die Interdentalgestaltung, nach dem Motto „Hier bricht nichts !“

Alles in Allem sieht die Arbeit so aus, wie ich sie auch aus deutschen Laboren kenne.

Sie halten das für ein Kompliment ?
Für mich ist es dass nicht. Die Arbeit sieht so aus, wie vor 15 – 20 Jahren ZE angefertigt wurde und damit war ich schon damals nicht zufrieden.
Aber machen wir uns nichts vor.
Solche Arbeiten werden heute noch reihenweise eingesetzt und niemanden stört es.

Für dieses Klientel, Patienten wie Behandler wird der Auslandszahnersatz eine Bereicherung darstellen.

Pardon,  falsches Wort, sagen wir lieber, ist Auslandszahnersatz ein Qualitätsgewinn und/oder ein Schnäppchen.

Für mich hieße das, ich müsste die Uhr um 20 Jahre zurückdrehen.
Will ich das ?
Ich will es nicht.

Mein Alzheimer – Patient kommt im Übrigen sehr gut mit der Brücke zurecht. Mit seinen kassenkonformen OK – und UK – Modellgussprothesen, da bin ich mir sicher, hätten er und ich wesentlich mehr Probleme.

Made in PRC – Teil 1

von Bodald Necker

Bisher hatten wir in der Praxis keine Nachfrage nach Auslandszahnersatz. Bis vor 4 Wochen. Ein Patient, der schon seit langen Jahren zu uns in die Praxis kommt – er ist bei meinem Kollegen in Behandlung, wollte endlich seine Lücken versorgt haben. Er hatte Prospekte von einem Labor dabei, das mit Auslands-ZE und den dazugehörigen Preisen wirbt.

Mit diesem Labor könne er sich seine Wunschversorgung leisten. Im Oberkiefer eine Verblendkrone und vier Teleskope und im Unterkiefer zwei Teleskope.

Dieses Labor hätte auch regelmässige Kunden am Ort, wir sollen uns dort nach der Qualität erkundigen.

Jetzt die Frage: Sollen wir uns auf Auslandszahnersatz einlassen oder nicht?

Das Labor hat mir einen Kollegen vor Ort genannt, der sehr guter Kunde sei. Bei ihm sollte ich mich nach der Qualität erkundigen.

Also hab ich zuerst einmal den Kollegen angerufen:  Er hat bis jetzt eine einzige Krone fertigen lassen – auch auf ausdrücklichen Patientenwunsch.

Die Qualität sei ausreichend, man könne dort seine Arbeiten fertigen lassen, man müsse aber nicht…..

Und: Ein Versandgang dauert 14 Tage. Schneller geht es nicht.

So. Mit diesen Informationen ausgerüstet zum Beratungsgespräch mit dem Patienten. Dieser wurde aufgeklärt darüber, dass

  • wir keine Erfahrung über die Qualität haben, die abgeliefert wird
  • die Fertigstellung viel mehr Zeit in Anspruch nehmen wird
  • bei Retouren jeweils die Sache um weitere 2 Wochen verzögert wird
  • die Arbeit unter Umständen aus Qualitätsgründen mehrmals nachgebessert werden muss
  • die angepriesene hochwertige Goldlegierung KEINE hochgoldhaltige, sondern eine goldreduzierte Legierung sein wird
  • eventulle Reparaturen in der Gewährleistungszeit sehr viel Zeit in Anspruch nehmen werden

Der Patient war sich der Sache bewusst und wollte den ausländischen ZE trotzdem.

Was tun? Machen oder ablehnen?

Was dagegen spricht ist schon aufgeführt, aber gibt es was, was dafür spricht?

  • ganz klar der Preis. Nur primär für den Patienten, sekundär aber auch für uns, denn es geht hier um eine Verblendkronerone und 6 Teleskopkronen machen, oder nicht. Denn wenn wir es nicht machen, macht es ein anderer Kollege – denn der Patient gab unmissverständlich zu erkennen, dass der diesen ZE von diesem Labor zu diesem Preis will. Wenn nicht von uns, dann von einer anderen Praxis.
  • Neugier unsererseits. Wenn wir das mal gemacht haben, wissen wir was Sache ist. Wie gut oder schlecht ist die Zahntechnik aus Fernost? Wenn wir es nicht selber ausprobieren werden wir nicht es aus erster Hand erfahren. So können wir, wenn Anfragen kommen, ruhigen Gewissens abwinken oder zustimmen.

Um es kurz zu machen, die Neugier hat gesiegt.

Gewissensfrage:

Sind wir unseren Linien, keinen Auslandszahnersatz anzubieten, treu geblieben?

Jein.

Angeboten haben wir ihn nicht, aber wir haben ihn auf Nachfrage auch nicht kategorisch abgelehnt. Wir haben uns nach ausführlicher Aufklärung des Patienten „breitschlagen lassen“.

Nach genau 14 Tagen kam das erste Paket an, die Innesteleskope und die individuellen Löffel für die Sammelabformung.

Wie war die Qualität?

Gut?

Nein.

Schlecht?

Auch nicht.

Irgendwo dazwischen. Ich würde sagen: Ausreichend.

Alles was gekommen ist, war sehr sauber, die Modelle, die ein bisschen Studentenkurs-Flair aufwiesen, die individuellen Abformlöffel und die Primärkronen.

Die Kronenränder waren nicht messerscharf und lagen nicht überall perfekt an, waren aber an keiner Stelle „unterhakbar“. Die individuellen Löffel passten gut.

Bilder anbei.

Ich werde berichten, wie‘s weitergeht.

„Können wir Ihren kooperativen Dentallabor in China werden?“ -Auslandszahnersatz – Made in China

von Hans – Willi Herrmann

Klappern gehört zum Handwerk.

Ich vermute unter diesem Aspekt ist die folgende Mail zu sehen, die einen Kollegen kürzlich erreichte. Er legt im Übrigen Wert darauf legt, mit diesem Labor nichts zu tun haben zu wollen.
Ich verstehe das. Mir ginge es genauso. Und daran ändert auch die ISO – Zertifizierung nichts.

Aber lassen wir die Mail für sich selbst sprechen:

Sehr geehrter Herr Dr. Müller Maier Schmidt,

ich bin Joe ,der Manager in Creation Dentallabor aus China.

Dr. Müller Maier Schmidt, Zahnarzt, die sehr berühmt für ihre hochwertige Zahnersatz und Service ist, habe ich in einem Dental Forum gehört. Wir freuen uns sehr über einen Zusammenarbeit mit Ihnen. Wir bieten dem Dentallabor und dem Zahnarzt die hochwertigen Zahnersatz zum günstigen Preis an.

Unser Dentallabor sind nach ISO 9001 zertifiziert. Zusammenarbeitet mit deutschem Dentallabor, wird jeder Zahnersatz bei uns streng nach DIN(Deutsch Industrie Norm) aus deutscher Materialien hergestellt. Dank der Hochqualität ist unser Zahnersatz sehr gefragt von deutscher Kunden und aller europärischen Kunden.

Mit rund 300 ausgebildeten erfahrenen Zahntechniker, bieten wir eine große Auswahl von hochwertige Zahnersatz, z.B. Krone & Brücken, Teleskopekrone( sehr gefragt von unsere deutschen Kunden dank der Hochqualität) , Implantaten, Zirkonoxid,Prothese, All Ceramics Restorations usw.

Bei uns besteht ein ausgerüstes CAD/CAM Fräszentrum, in der mann NEM, Zirkon, PMMA, Nano-Composites fräszen kann. Wir benutzten die Dental Wings CAD/CAM open System.

Eine Keramikverblendkrone kostet bei uns 22.5 EU. Eine Zirkonoxidkrone mit Verblendung wird in 2 Tage gefertigt,und kostet 65 EU. Eine Primärteleskope und Sekundärteleskope mit Verblendung wird in 4 Tagen gefertigtkostet 65 EU.

Sehr geehrter Herr Dr. Müller Maier Schmidt, Ihr Vertrauen betrachen wir als unsere Ziel. Ein Testarbeit, mit dem Sie uns testen, ist uns sehr willkommen und kostenlos.

Für Ihre baldige Antwort wären wir sehr dankbar.

Mit freudlichen Grüßen

Herr Joe

Auslandszahnersatz – Erste Zahlen

von Hans – Willi Herrmann

Jetzt ist es amtlich.
In der „ZM“, den zahnärztlichen Mitteilungen (das  ist das offizielle Organ der Bundeszahnärztekammer  und der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung) stand Anfang diesen Monats zu lesen:

Eine knappe Mehrheit der Zahnärzte (51%) nutzt bereits die Option des Auslandszahnersatzes. 10 % des eingegliederten Zahnersatzes stammt bereits aus dem Ausland.

Das ging schnell.
Und da diese Studie auf Ergebnissen des Vorjahres basiert, ist davon auszugehen, dass die aktuellen Zahlen noch höher ausfallen werden.

Hier die Kernergebnisse der Studie (Dentaltourismus und Auslandszahnersatz – Empirische Zahlungsbereitschaftsanalysen auf der Grundlage repräsentativer Stichproben im Jahre 2008″): Befragt wurden Patienten und Zahnärzte. Von den befragten Personen gaben 2,3 Prozent an, bereits im Ausland gefertigten Zahnersatz zu tragen. Unter den Zahnärzten gaben 12,3 Prozent an, „häufig“ Auslandszahnersatz einzugliedern. 15,3 Prozent tun dies „gelegentlich“, 23,4 Prozent „eher selten“ und 49 Prozent „gar nicht“. Über alle Zahnärzte gerechnet beträgt der Anteil des Auslandszahnersatzes an den Prothetikfällen im Durchschnitt rund 10 Prozent. Für die Untersuchung, die vom Institut der Deutschen Zahnärzte (IDZ) in Köln in Zusammenarbeit mit dem Institut für empirische Gesundheitsökonomie (IfEG) durchgeführt wurde, waren insgesamt 1 368 Versicherte und 300 Zahnärzte befragt worden.

Aufschlussreich waren auch die Ergebnisse sogenannter „Bidding Games“:
Dabei ging man der Frage nach, bei welchem Preisnachlass die Patienten bereit wäre, zu Auslandszahnersatz zu wechseln.

Bei den Szenarien „Kronenversorgung“ und „Implantatversorgung“ lag der Durchschnittspreis, ab den die Befragten sich für Auslandszahnersatz entscheiden würden, bei 30 bis 35 Prozent unterhalb des Preises in Deutschland.
Die Zahnärztebefragung – durchgeführt im Spätsommer 2008 – ergab, dass die Zahnärzteschaft die Versorgung mit Zahnersatz aus dem Ausland differenziert mit Vor- und Nachteilen sieht. 49 Prozent nutzen ausländischen Zahnersatz gar nicht, eine knappe Mehrheit von 51 Prozent greift grundsätzlich darauf zurück. Dabei liegt der Anteil derer, die dies nach eigenen Angaben häufig tun, bei 12,3 Prozent. Im Schnitt griffen die befragten Zahnärzte bei etwa jedem zehnten Prothetikfall teilweise oder vollständig auf Auslandszahnersatz zurück. Von denjenigen Zahnärzten, die grundsätzlich Auslandszahnersatz verwenden, gaben knapp 57 Prozent an, diesen im Jahr 2008 häufiger eingegliedert zu haben als in 2004.

Aufbauend auf diesen Zahlen fällt es nicht schwer, die weitere zukünftige Entwicklung zu skizzieren.
Der Markt für Auslandszahnersatz wird weiter wachsen.

Leidtragenden sind die deutschen Zahntechniker, denen ein wichtiger Umsatzmarkt wegbricht.
Es sei denn, sie wären bereit, für deutlich weniger Geld die gewünschten Arbeiten zu erbringen.
Dann bricht ihr Gewinn ein.
Tun Sie es nicht, werden zukünftig immer häufiger ihre Arbeiten sich auf das unterste und oberste Therapiesegment beschränken. Reparaturen und hochwertigste Arbeiten, wobei letztere wiederum nur von einer sehr geringen Zahl von Anbietern überhaupt in qualitativ zufriedenstellendem Maße bewältigt werden können.

Und das obere Therapiesegment wird zukünftig ausserdem für die große Zahl an Laboren weiter schwinden. Denn es ist ein Irrglaube, zu denken, dass ein größeres Risiko des Misserfolges bei höherer Komplexität des Zahnersatzes lediglich eine Grundlage in der Arbeit des Zahntechnikers hat.
Soll heißen: Ein Zahnarzt, der die Voraussetzungen für eine gescheiten Zahnersatz abliefert, bekommt ein adäquates Ergebnis zurück, ganz gleich, ob es sich dabei um 1 oder 10 Kronen handelt. Er kann und wird also, gute Erfahrungen vorausgesetzt,  mehr und mehr auch bei größeren Arbeiten  Auslandszahnersatz anbieten  und dadurch einen noch deutlicheren Wettbewerbsvorteil erreichen.

Auf der anderen Seite werden High Tech – Labore die Möglichkeiten computergestützten Zahnersatzes zur Kostenreduktion einsetzen. Dieser Weg dürfte vielen Zahntechnikern auf Grund der hohen Investitionskosten verwehrt bleiben. Auch diese Kunden, diese Arbeiten gehen verloren und es dürfte wenig trösten, dass dieser Zahnersatz nicht nach China, sondern an ein Fräszentrum in Hanau vergeben wurde.

Was bleibt ?
Die Hoffnung, dass der Welle der Euphorie eine Phase der Ernüchterung folgen wird und sich der Auslandszahnersatz als qualitativ unterlegen herausstelllen wird ?

Ich wäre nicht optimistisch diesbezüglich.

Denn es ist ein Irrglaube, zu denken, dass Auslandszahnersatz billiger, weil schlechter ist.
Auslandszahnersatz ist billiger, weil die Lohnkosten, die Lohnnebenkosten und sonstigen Ausgaben die Logistikkosten deutlich überkompensieren. Und nicht, weil da irgendwelche unterqualifizierten Pfuscher irgendwelchen Schund „dahinsauen“. Im Gegenteil. Ich würde die Qualität der Ausbildung nicht in Frage stellen. Und die Motivation des Zahntechnikers ist vermutlich eine viel höhere, weil existentiellere als es bei uns, im Sozialparadies Deutschland je sein könnte.

Auslandszahnersatz – Sie sind unter uns….

von Hans – Willi Herrmann

Wie ich schon vermutet hatte, das Thema Auslandszahnersatz wird uns weiterhin beschäftigen.

Vor 2 Tagen  berichtete ein Zahnarzt unter Kollegen in einer Mailing – Liste von folgender Situation, die sich in den letzten Tagen in seiner Praxis zugetragen hatte.

Eine 28jährige Patientin, seit vielen Jahren in der Praxis. Nie Karies oder sonstwas.

Dann das  Malheur: Neben einer großen Amalgamfüllung „von früher“ ist ein Höcker abgebrochen. Rein mechanisch. Keine Karies drunter. Empfehlung des Zahnarztes: Schutz der verbliebenen Zahnsubstanz mit einer Teilkrone. Die Patientin geht mit dem entsprechenden Heil – und Kostenplan zur Krankenkasse.
Wenige Tage später ein Anruf einer benachbarten Zahnarztpraxis: Wir hätten gerne die Röntgenbilder von Frau XY.

Was war passiert ?
Offensichtlich erfolgte bei der Krankenkasse der Hinweis auf die Möglichkeit eines billigeren Auslands – Zahnersatzes. Die Krankenkasse wirbt auf ihrer Homepage mit zuzahlungsfreiem Zahnersatz und 2 maliger kostenloser professioneller Zahnreinigung pro Kalenderjahr bei bestimmten Zahnärzten. Dort heißt es:

„Zahnersatz und Zahnreinigung ohne Eigenanteil“:

Bei ausgewählten Zahnarztpraxen Zahnersatz ohne Eigenanteil, Hersteller Fa. Imex, Partnerlabore in China und Singapur, 5 Jahre Garantie, wir (Name der Krankenkasse) übernehmen zusätzlich zweimal jährlich die Kosten für eine professionelle Zahnreinigung.

Der Kollege, der die Röntgenaufnahmen anforderte, ist als Kooperationszahnarzt der Krankenkasse auf besagter Homepage gelistet.

Es kann vermutet werden, dass die Patientin dessen Praxis aufgesucht hat und nun dort die Zahnersatzversorgung durchführen lassen wird.

Interessant waren für mich die Reaktionen von Zahnärzten und Zahntechnikern auf dieses Vorkommnis.

So schrieb Zahnarzt A, dass die Patientin wieder in die Praxis zurückkehren würde, sobald sie die erste Zahnreinigung dort erfahren habe. Und Zahntechniker B meinte, dass eine Einzelkrone nur sehr schwer  gewinnbringend herzustellen sei für ein deutsches Zahnlabor und daher der Verlust nicht so problematisch sei.

Wird sich also nach einer Phase der ersten Euphorie mit Auslandszahnersatz eine Ernüchterung einstellen ?

Angesichts  nach und nach sich einstellender Unzulänglichkeiten.
Und werden die Patienten wieder zu heimischem Zahnersatz zurückkehren ?

Ich bin skeptisch diesbezüglich, denn die bestehende Regelung stellt für Krankenkassen, Auslands-Zahnlabor, Kooperations – Zahnarzt und für rund 80 Prozent der Patienten (Pareto – Regel)  eine Win Win – Situation dar.
Das allein ist ausreichend, dieser Entwicklung zum Erfolg und weiterer Verbreitung zu verhelfen.

Was die Krankenkassen angeht, ist klar: Deutlich geringere Kosten sind das Argument schlechthin.
Das gilt natürlich auch für Diejenigen, die an der Herstellung des Auslandszahnersatzes verdienen.
Doch wie sieht es mit den Zahnärzten aus ?
Sind sie Gewinner oder Verlierer dieser Entwicklung ?
Man kann dies nicht pauschal beantworten, aber der überwiegende Teil der Zahnärzte kann zumindest vordergründig durchaus  positiv partizipieren. Für die gegenwärtig an dem Modell der Krankenkassen beteiligten Zahnärzte gilt: Ihr Honorar bleibt gleich, jedoch geringere Gesamtkosten lassen den Zahnersatz erschwinglicher und damit für Patienten finanzierbar erscheinen, die bisher sich dies nicht leisten konnten oder wollten.

Aber es kommt noch viel besser.

Die Festlegung auf ein bestimmtes Zahnlabor, dass von der Krankenkasse (nicht dem Zahnarzt) ausgewählt wurde, lässt den Zahnarzt lässig zurücklehnend die Zahnersatzarbeit eingliedern. Sollte es Probleme geben, wird er dem Patienten gegenüber schulterzuckend darauf hinweisen, dass er für die Auswahl des Labors nicht verantwortlich war in diesem Falle. Und 5 Jahre Garantie ist bei weitem mehr, als normalerweise gegenwärtig in Deutschland der Zahnarzt von seinem Dentallabor erwarten kann und ein zusätzliches  Argument für den Patienten, anstehenden Zahnersatz anzugehen.

Jetzt mal ganz ehrlich, das sind schon verlockende Argumente.
Es bedarf keiner großen hellseherischen Fähigkeiten, um vorherzusehen, das Auslandszahnersatz bleiben und seine Marktposition  weiter ausbauen wird.

Wer sind die Verlierer ?

  • Die Zahntechniker, die man, wie bereits im Blogbeitrag: „Auslandszahnersatz – hart aber fair“ dargestellt, einem globalen Wettbewerb ausliefert, den sie nicht bestehen können. Und machen wir uns nichts vor: Bei der Einzelkrone, die nach China geht, wird es nicht bleiben. Warum sollte ein Patient den Kostenvorteil, der ihm durch Auslandszahnersatz entsteht, nur auf kleine Arbeiten beschränken. Fällt die Ersparnis nicht umso größer aus, je ausgedehnter der Zahnersatz ist ? Und nirgendwo habe ich bisher von Krankenkassenseite einen Hinweis gelesen, dass es sinnvoll sei, größeren Zahnersatz vom heimischen Zahntechniker durchführen zu lassen, auch wenn dieser deutlich teurer ist als der Import – ZE aus China.
  • All diejenigen Patienten, die aus Kostengründen einen suboptimalen Zahnersatz erhalten, unabhängig davon, ob sie es bemerken oder nicht. Und bemerken werden es nur die wenigsten.
  • Die Zahnärzte, die sich dem Auslandszahnersatz verweigern. Sie erlangen einen Wettbewerbsnachteil auf Grund der höheren Zahnersatzpreise  und werden obendrein als Abzocker dargestellt.
  • Und später, wenn die gegenwärtigen Konditionen der Krankenkassen im Sinne einer Optimierung von Resourcen (man könnte es auch nennen, die Daumenschrauben anziehen) nach und nach in der Zukunft verschärft werden, werden es alle Zahnärzte sein. Naja, nicht alle, aber gemäß dem Pareto Prinzip, das auch hier gilt,  etwa 80 Prozent.

Noch  sieht alles jedoch rosig aus.
Und daher wage ich die Behauptung, dass die Zahl der  Kooperationszahnärzte der Krankenkassen weiter zunehmen wird.

Bad Kreuznach, mein Praxisstandort,  ist nicht gerade eine Metropole und, ich formuliere es zurückhaltend, idyllisch gelegen, sicherlich nicht der Nabel der Welt.
Dennoch sind bereits zwei Zahnärzte auf der Hompage der  Krankenkasse gelistet und drei weitere im Umkreis von 15 Kilometern sind ebenfalls aufgeführt.

Kann es ein besseres Indiz dafür geben, dass der Auslandszahnersatz aus dem Reich der Mitte schon längst in unserer Mitte  angekommen ist ?

Auslandszahnersatz – der erste Kontakt

von Hans – Willi Herrmann

Die Patientin kommt zur Erstuntersuchung.
Eher beiläufig, im Nebensatz  mache ich die Bemerkung, dass die Brücke im Unterkiefer schon etwas älter ist.

„Wieso ?“ fragt die Patientin, leicht gedehnt.

Ich merke sofort, es wäre besser gewesen, nichts zu sagen.
Autsch, Fettnäpfchen.

„Die ist vom Januar“, sagt die Patientin mit irritierter Stimme.
Wir haben September.  Die Brücke von 35 auf 37  also gerade mal 9 Monate alt.

Aussehen tut sie, als ob sie in den 70er  Jahren gemacht worden wäre, die Ästhetik ist grottenschlecht. Okklusal  und an den Kronenrändern schimmert der Opaker durch. Dicke Kronenränder, überstehend.

In Malaysia wurde sie angefertigt. Der Patientin war dies offensichtlich egal, vermutlich weil der Zahnersatz günstiger angeboten werden konnte.

Jetzt ist die Patientin wieder da. Von der Brücke ist an 37 okklusal die Verblendung weitestgehend abgeplatzt.

Die Patientin möchte eine neue Brücke.
Gerade mal 3 Jahre hat diese Brücke gehalten.
Hat es sich gelohnt, auf Auslandszahnersatz zu setzen ? Sicherlich nicht.

Das wir uns nicht mißverstehen: Mit Sicherheit gibt es auch deutschen Zahnersatz, der so aussieht.

Aber in diesem Fall bin ich sicher, dass der Behandler (im Kollegenkreis bekannt für sein markiges Auftreten)   seinem deutschen Labor so einen Murks nicht durchgehen lassen würde. Im Gegenteil, er hätte die Brücke  dem Zahntechniker um die Ohren gehauen.

Und das ist die Crux an der Sache.

Machen wir uns nichts vor. Wenn mein Labor 8000 Km weit weg ist – werde ich dann die Zahnersatzarbeit wegen irgendeiner Kleinigkeit noch einmal zurückschicken zur Abänderung ?

Oder werde ich diese Arbeit einsetzen nach dem Motto, die nächste Arbeit wird besser, Augen zu und durch.
Das wird natürlich keiner zugeben. Aber gemacht werden wird es so  in Deutschland.

Fakt ist: Es wird Qualität auf der Strecke bleiben, wie bei allen Einsparmaßnahmen.
Pekuniäre Vorteile werden mit Abstrichen in anderen Bereichen erkauft werden.

Das ist genauwie mit dem Toxavit, über das gestern berichtet wurde. Die Indikation, es zu benutzen,  besteht – wenn überhaupt – nur in ganz ganz wenigen Ausnahmesituationen.
Aber in Wirklichkeit wird Toxavit  in Deutschland jedes Jahr  viele 100.000 mal angewendet.

Und in 5 Jahren soll Schätzungen zufolge 30% des Zahnersatzes aus Kostengründen im Ausland hergestellt werden. Wieviel Tausende von Zahnersatzarbeiten werden dann eingesetzt werden, in einer Qualität, die nicht dem Optimum entspricht ?
Das möglich wäre, wenn eine direkte Zusammenarbeit zwischen Zahnarzt und Zahntechniker vor Ort dies zuließe ?

Auslandszahnersatz – zum Nutzen des Patienten ?

Auslandszahnersatz – Hart, aber fair ?

von Hans – Willi Herrmann

In einem Artikel der Süddeutschen Zeitung vom 02.01.2009 mit der Überschrift „Der Lückenfüller“ gibt es ein paar interessante Zahlen und auch Denkweisen zu Auslandszahnersatz.

Wer ihn liest, der wird nicht umher kommen, zu realisieren, dass Auslandszahnersatz angesichts  knapper Geldbeutel bei Krankenkassen und Versicherten die  Schmuddelecke des Globudent – Skandals vergleichsweise schnell verlassen hat.

Man muss kein großer Prophet sein, um vorherzusagen, dass Auslandszahnersatz seinen Platz in der deutschen Zahnmedizin beibehalten und darüber hinaus noch deutlich stärkere Verbreitung finden wird. Alle Zeichen, sogar die Stimmen in der Zahnärzteschaft, weisen in diese Richtung.

Was in dem Artikel steht, klingt vordergründig gut.
Eine ganze Reihe von positiv besetzten Schlüsselworten tragen subliminal dazu bei, Vertrauen in diese Art von Gesundheitsdienst aufzubauen. Ob geschicktes Marketing oder Fakten, ich kann es nicht beurteilen, denn ich habe noch nie Auslandszahnersatz in Auftrag gegeben und war auch noch nicht vor Ort in einer solchen Produktionsstätte. Aber ich weiss,  auf jeden Fall wird der Artikel in der Tageszeitung weiter dazu beitragen, dass die Hersteller von Auslandszahnersatz neue Kunden gewinnen werden, sowohl Zahnärzte als auch Patienten.

Es ist die Macht des Faktischen, des pekuniären Vorteils, die letztendlich dazu führen wird.
So sicher wie das Amen in der Kirche.

Nun ist also auch die Zahntechnik in Deutschland letztendlich im globalen Zeitalter angekommen.
Schöne Neue Welt.

Ich zitiere den Beitrag aus der „Süddeutschen“ bewusst nicht. Weil ich nicht mehr als notwendig dazu betragen will, einen Trend zu unterstützen, von dem ich nicht weiss, inwieweit er zum Vorteil gereicht.

Dass wir uns nicht falsch verstehen.
Natürlich wird diese Entwicklung einer ganzen Reihe von Patienten, Zahnärzten, Zahntechnikern, Kaufleuten und anderen beruflich an dieser Entwicklung Beteiligten (bis hin zum Mediengestalter, der die Werbebroschüren entwirft und dem Flughafenmitarbeiter, der den Container aus dem Jumbo rollt)  zum wirtschaftlichen Vorteil gereichen.
Aber er wird auch Nachteile mit sich bringen.
Für Andere.

Und keiner von uns weiss, was unter dem Strich dabei rauskommt. 

Wir sind dabei, eine Überraschungstüte aufzumachen.
Wir wissen nicht, was drin ist.
Ich hoffe, dass es nicht eine Büchse der Pandora ist, die wir öffnen.

Wer aber auf jeden Fall Verlierer dieser Entwicklung ist, dass kann ich schon heute sagen. 

Es sind die deutschen Zahntechniker.

Denn diese kämpfen einen ungleichen Kampf.

Analysieren wir einmal ganz nüchtern: Warum wird Auslandszahnersatz nachgefragt ?

Er ist billiger. Ein einfacher, aber nachhaltiger Grund.

Ist er für den Zahnarzt billiger ? Nein, dass ist er nicht. 
Ein Zahnarzt gewinnt gegebenenfalls einen Wettbewerbsvorteil dahingehend, dass er gegenüber seinem Kollegen vor Ort kostengünstiger eine Leistung anbieten oder Patienten als Kunden gewinnen kann, die nicht soviel Geld ausgeben wollen oder können.
Ein Zahnarzt verdient jedoch per se kein Geld daran, dass er dem Patienten billigeren Zahnersatz anbieten kann. 

Verdienen, also Geld sparen demnach die Patienten, die Krankenkassen, der Staat.

Warum ist Auslandszahnersatz billiger ?
Im vorliegenden Fall einer Firma, die Zahnersatz in China herstellen lässt, sind es nicht die Materialkosten.
Denn das Material wird laut Aussage der Betreiber aus Deutschland bezogen.

Man spart also bei den Lohnkosten und den Produktionskosten.
Die Gehälter der Mitarbeiter sind niedriger.
Die Kosten für die Errichtung und den Unterhalt der Produktion.
Man muss weniger Abgaben an den Staat zahlen als bei uns.

Zahnersatz ist ein arbeitsintensives Produkt, dass individuell hergestellt werden muss.

Das bedeutet gegenüber standardisiert zu fertigenden Produkten einen hohen Lohnkostenanteil. Durch deutlich niedrigere Lohnkosten und die generell niedrigere Gesamtkostenstruktur lassen sich  bei Auslandszahnersatz höhere Versandkosten und die dafür notwendige Vetriebs – und Managementstrukturen aus den Ersparnissen überkompensieren.

Und der Zahntechniker in Deutschland ?
Produziert hier.
In „Good Old Germany“.
Bei ortsansässigen Kosten. Seinen Lebensunterhalt betreffend, seine sozialen Abgaben. 

Egal, wen kümmerts ?
Wer Auslandszahnersatz gut findet, dem sei gesagt, dass dies sein gutes Recht ist. 
„Der Preis ist heiss“, „Geiz ist geil !“ und „Ich bin ja nicht blöd“.  
Und warum sollte ein Zahnersatz aus dem Ausland per se schlechter sein als aus Deutschland.
Wer dies unterstellt, der verhält sich im höchsten Maße weltfremd, überheblich, arrogant.

Aber.
Jeder, der Auslandszahnersatz fordert.
Oder sogar einfordert.
Der sei angehalten, sich vor Augen zu halten.
Was ist, wenn das Produkt meines täglichen Arbeitens und damit mein Gelderwerb plötzlich von Jemandem deutlich kostengünstiger hergestellt wird, weil man ihm weniger Kosten aufbürdet.
Finde ich das dann immer noch so toll ? 

Wenn man nur ein wenig Phantasie aufbringt, dann kann man für viele viele Bereiche Szenarien konstruieren, die dem nahe kommen. 

Ich denke zum Beispiel an den  Automobilbauer bei Audi, dem gesagt wird, wir können das Auto, dass Du baust, in Ungarn billiger produzieren. Wir legen nun dein Werk in Deutschland still.

Wird nicht kommen ?
Hoffentlich. Aber wie war das mit dem Handyproduzenten, der seine Produktion nach Rumänien verlegt hat ?

Okay, Produktion ist ein einfaches Beispiel. Wird mich schon nicht treffen, denkt Derjenige vielleicht, der  nicht in der Produktion arbeitet. Sondern im Dienstleistungsbereich.
Und Deutschland wird dann einfach immer mehr  zu einem  Dienstleistungsland.

Funktioniert aber nur, wenn irgendjemand noch bereit und in der Lage ist, diese Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen und zu bezahlen. Wird schwierig mit Hartz 4.
Und – auch Dienstleistungsbereiche kann man outsourcen.
Callcenter im Ausland. Kein Problem. Hatte ich schon des öfteren in den letzten 2,3 Jahren am Telefon.

Was gegenwärtig in der Zahntechnik passiert, ist nur ein Puzzlesteinchen einer Entwicklung, die langsam und schleichend zu einem weiteren Ausbluten und mit gewisser zeitlicher Verzögerung nachfolgend als nächste Stufe eine Eskalationskaskade zu einer weiteren Destablisierung unseren sozialen Systems und letztendlich unserer Gesellschaft führen wird.

Wer denkt, dass wir Geld sparen werden durch diese Entwicklungen, der irrt.

Wir werden Geld verlieren auf längere Sicht.
Und noch viel viel mehr als Geld.

Nämlich wieder ein weiteres Stückchen an Sicherheit.

„Die fetten Jahre sind vorbei“.
Nichts mehr wird so sein wie früher.  Auch dass war schon immer so.
„Die einzige Konstante ist der  Wandel“.

Aber früher hatten wir mehr Grund zur Annahme, dass das Neue das Bessere sein wird.

Wie immer in solchen Situationen rufen viele Leute nach dem Staat.
Der es richten soll.
Ich persönlich sehe die Aufgabe des Staates nicht darin, Jemandem, der selbst verschuldet  (und wie im Falle der gegenwärtigen Bankenkrise aus Gewinnmaximierung und Habgier, weil er den Hals nicht vollkriegen konnte) sich in wirtschaftliche Schwierigkeiten gebracht hat, auf Kosten der Allgemeinheit unter die Arme zu greifen.
Damit er, stande pede wieder zu gewohnten Verhaltensmustern zurückkehren kann.

Die Aufgabe des Staates ist es jedoch, seine Bürger zu protektieren.

Es darf nicht sein, dass ein Staat seine Steuerzahler, also diejenigen, die ihn unterhalten, durch die Auflagen, die er Ihnen macht, die Lebensumstände, die er Ihnen auferlegt, dazu bringt, dass Sie nicht mehr in der Lage sind, ihrer Arbeit nachzukommen.

Soll der Staat also Auslandszahnersatz verbieten ?
Das wäre lächerlich.

Oder zumindest zu einem Protektionismus der Schutzzölle zurückkehren ?
Der Gedanke  ist vordergründig, in bierseliger Stammtischatmosphäre  sicherlich reizvoll, aber nicht machbar. 
Aber lassen sie uns einen Moment darüber nachzudenken, die Idee als Gedankenmodell aufgreifend, Augen öffnend.
Wie wäre es im  Umkehrschluss, wenn der Staat seinen einheimischen Bürgern die gleichen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen anzubieten würde wie den Leistungserbringern im Ausland. 

Ach, das geht nicht, sagen Sie. Der Staat hat Kosten, die er tragen muss, und wenn er den Preis für seine Leistung  (nicht anders sind ja Steuern) senkt, dann ginge er pleite.
Dann sagen Sie  dass bitte auch mal dem  Zahntechniker, der sich im heimischen Bad Irgendwo bemüht, seinen Betrieb am Laufen zu halten.  Der gerade von seinem langjährigen Geschäftspartner, einem ortsansässigen Zahnarzt, mitgeteilt bekommen hat, dass sich der Patient für die günstigere Brücke aus China entschieden hat. Und dass davon auszugehen ist, dass von nun an der Satz  „Tut mir leid, aber sie waren zu teuer“ noch deutlich öfters zu hören sein wird  in nächster Zukunft.

Was also ist zu tun ?
Pflicht ist ein hartes Wort. Ein altmodisches Wort. Ein ungeliebtes Wort. Und in diesem unserem Lande, historisch bedingt, negativ besetzt. Dem bin ich mir bewußt, wenn ich sage: Es ist die Pflicht des Staates, seinen Bürgern gegenüber, diese nicht Situationen auszusetzen oder von diesen einzufordern, die ungleich schlechter sind als die Derjenigen, die dem Staate nicht angehören.

Auf ein kleinsten Nenner gebracht, auf eine Mindestmaß, dass nicht unterschritten werden darf, bedeutet dies, im Hinblick auf die Zahntechnik: Der Staat sollte sich jeder Forderung nach billigerem Auslandszahnersatz enthalten. Er sollte dies weder propagieren, noch es zulassen, dass andere Institionen dies propagieren. 

Und auf keinen Fall, wie gegenwärtig dies defacto der Fall ist, gesetzliche  Strukturen schaffen, die einen solchen Auslandszahnersatz fördern oder mittlerweile sogar, betrachtet man die suggestiven Schriftstücke der Krankenkassen, zwischen den Zeilen dies einfordern. Das geht zu weit. Ist nicht fair.

Mag sein, dass dies hart ist für den Staat, dem damit kurzfristig Geld verloren geht.

Aber es wäre fair, seinen Bürgern gegenüber. 
Denn Zahntechnik „ist überall“. 
Und auch Zahntechniker sind Bürger.