Wann ist ein Instrument ein gutes Instrument ? (4)

Mein Wurzelkanal-Aufbereitungs-System für 2022 ?

Vermutlich ProTaper Ultimate.
Die neueste Inkarnation des legendären ProTaper-Systems.
2001 kam die erste Generation auf dem Markt. Ist nun mehr als 20 Jahre her. Damals eine Revolution. Ich war sehr angetan. Trotzdem bin ich irgendwann davon abgerückt. Genau gesagt 2004. Als ich mit MTwo in Berührung kam. Später kam dann Reciproc dazu. Und in all dieser Zeit hat es das ProTaper – System nicht mehr geschafft, einen Fuss in unsere Praxistür zu bekommen. Und was es alles gab. ProTaper Universal, ProTaper Next, ProTaper Gold. Reizvolle Systeme in verschiedenen Einzelaspekten. In der Summe – unterm Strich – dann aber doch für mich mit gravierenden Nachteilen und Risiken (Bruchrisiko, Starre der Instrumente zu größeren Durchmessern hin) verbunden. Risiken, die so gering sie auch sein möchten, für mich den Ausschlag gaben, Alternativen den Vorzug zu geben.

Jetzt also ProTaper Ultimate.

Und es ist zwar noch nicht ganz Weihnachten, aber es sieht so aus, das Maillefer meine Wünsche erhört hat. Nämlich ein maschinelles Aufbereitungs-System Instrument für Instrument auf seine speziellen Anforderungen im Arbeitsablauf hin zu konzipieren.

Ein Hybrid- System 3.0 sozusagen.
Bei ProTaper Ultimate haben die Maillefer – Ingenieure aus dem mittlerweile sehr großen Konstruktions-Setzkasten an Materialien und Formen für jedes einzelne Instrument die jeweils für seinen spezifischen Aufgabenbereich bestmögliche Kombination herausgegriffen und so ein Sortiment aus deutlich unterschiedlichen Einzelinstrumenten zu einem stimmigen Gesamtkonzept zusammengefügt. Instrumente zur initialen apikalen Erschließung müssen nunmal einen ganz anderen Aufbau haben als Instrumente zur koronale Erweiterung oder zur finalen Ausformung des Wurzelkanals über seine gesamte Länge hinweg. Dem hat man hier Rechnung getragen und zusätzlich noch den meines Erachtens wichtigen Trend nach geringeren Aufbereitungsdimensionen zum koronalen Bereich hin ins Instrumentendesign integriert.

Nachfolgend 2 Zähne 27 und 47, die ich mit ProTaper Ultimate endodontisch behandelt habe.

Es standen mir vorab nur 6 Packungen zur Verfügung. Die hier gezeigten Zähne 27 und 47 sind Zahn 2 und Zahn 4 der Fallreihe. Beide Zähne waren extrem schwierig. Und ich konnte die Behandlungen (wie genau das geschah, kommt in einem weiteren Beitrag) zu meiner Zufriedenheit lösen.

Bei der Bundestagswahl wäre dies eine erste Prognose nach Schluss der Wahllokale. Soll heißen – Viele zu wenig Input bislang, um ein wirkliches Fazit zu ziehen, aber ein Trend ist doch zweifelsohne erkennbar. Ich freue mich auf jeden Fall, sobald das System im Markt erhältlich ist, damit weitere Erfahrungen zu sammeln und die Instrumente in unser Aufbereitungskonzept integrieren zu können. Ich bin schon jetzt zuversichtlich, das diese ihren Platz in unserer Praxis finden werden.

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.

Wer würde nicht auch hier auf die Idee kommen, zur Extraktionszange zu greifen …

Aber es ist kurz vor Weihnachten und ich appelliere an das Gute im Menschen. Und möchte morgen abend zeigen, im letzten Mittwochabend-Endodontiegespräch für 2021, wie man in solchn und viele andere ähnlich gelagerte, scheinbar hoffnungslose Fällen erfolgreich und vor allem vorhersagbar dem Patienten dessen Zähne erhält.

Zum Teilnahmelink geht es hier.

Hartnäckig

Dieses Attribut kann in vorliegendem Fall gleich zweimal vergeben werden.

Zum einen an die Vorbehandlerin/den Vorbehandler.

Um in einem Kanalsystem 5 Instrumente zu fakturieren bedarf es einer großen Portion Hartnäckigkeit. Denn die jeweils vorangegangenen Instrumente mit weiteren Instrumenten entfernen/passieren zu wollen macht niemand, der schnell aufgibt.

Zum anderen an des letzte der fünf Fragmente.

Diese lag zunächst einladend vor mir, um nach dem nächsten Eddy-Einsatz in Teilen nach periapikal zu rutschen und sich dorthin meinen Bemühungen zu widersetzen, es aus dem MB1 herauszulösen. Bis es dann mittels Microopener zurecht gelegt und nachfolgend mit der Drahtschlinge im ersten Anlauf entfernt werden konnte.

Die Anzahl der Fragmente hatte ich nach 2D- und 3D-Bildauswertung auf mehr als zwei, aber niemals auf fünf eingeschätzt. Umso erstaunter war ich, als ich bei der allfälligen Röntgenkontrolle ein Fragment sah, welches klinisch nicht visualisierbar war. Ich hatte geglaubt, dass das letzte Fragment aus dem MB1herausgeschleudert worden war und ich es nur nicht gefunden hatte. Merke: Immer schön skeptisch bleiben, solange das Fragment nicht gefunden wurde.

Unzufrieden bin ich am Ende nur mit der deutlichen Sealerextrusion im palatinalen Kanal. Der stellte eigentlich so überhaupt keine Schwierigkeit dar. Um so ärgerlicher die Extrusion, die sich trotz sehr gutem Tug-Back ereignete.

 

ePA – elektronische Patientenakte

Ein Video zu Haftungsfragen der ePA kann man hier anschauen.

 

Geschichten aus dem Endozän 20211210

Neulich musste ich dann doch bei der Erstvorstellung des Patienten (76 Jahre, ehemaliger Lehrer) innerlich den Kopf schütteln vor Unverständnis.
Er war zur endodontischen Behandlung des Zahnes 26 von Hauszahnarzt überwiesen. Der Patient beklagte sich, dass er von seinem Heimatort 18 km Fahrtweg habe, um zu unserer Praxis zu kommen und das ihm das (eigentlich zu) lästig sei. Soweit nicht Neues, es ist ja ein hinreichend bekanntes Phänomen, das gerade unsere Patienten mit der kürzesten Anreise sich am lautstärksten darüber beklagen. Was der Patient dann aber im Laufe des Gesprächs erzählt, hat mich dann doch innerlich ein wenig sprachlos gemacht. Er erzählte, dass er morgen nach Tschechien unterwegs sei, um für den Weihnachtsmarkt der Heimatgemeinde Waren einzukaufen. „Wie er dort käme?“, fragte ich. „Mit dem Auto“ war die Antwort. 1200 KM Fahrt sind dann offensichtlich kein Problem mehr. Das verstehe, wer will.

Apropos weite Anreise – Wenn ich gut gelaunt bin, dann antworte ich darauf, das nur Patienten, die mit dem Flugzeug zu uns kommen, aus unserer Sicht eine lange Anreise haben, aber das verkniff ich mir hier.

Kurz berichtet – Apikale Aufhellung – ausgeheilt nach Revision eines resezierten Frontzahn

Hier das Zweijahres Recall einer von uns durchgeführten Revision eines bereits vormals resezierten Frontzahns.

Die Behandlung erfolgte nach dem üblichen WURZELSPITZE Protokoll und in zwei Terminen.

Hier die entsprechenden Aufnahmen:

Ausgangssituation 2019 – Röntgenbild alio loco
Ausgangssituation im Einzelzahn-Röntgenbild 2019
Ausgangssituation im DVT
Blick auf blutenden Neoapex nach orthograder Entfernung des retrograden Füllungsmaterials
MTA-Apexifikation zum Verschluss des Neoapex
Post-op Röntgenaufnahme
2-Jahres Recall nach Revision
2 Jahres Recall im DVT
Prä-OP vs. 2-Jahres Recall

So macht Recall Spaß

Frontzahn 22

In unsere Sprechstunde wurde die Patientin mit latenten Beschwerden am Zahn 22 überwiesen. Sie gab an einen Sturz auf den Zahn in der Jugend an. In dem letzten Jahr prägten sich die Beschwerden immer mehr aus. Sie äußerten sich in einem Perkussionsschmerz incisal und lateral. Die Beschwerden waren beim Essen und Abbeißen präsent. In Ruhephasen war der Zahn schmerzfrei.
Auf Kälte reagierte der Zahn nicht sensibel. Die elektronische Testung zeigt ein eindeutig positives Ergebnis. Wert 28 von 65

Die Kollegin, Menschenarzt, beschrieb die Schmerzen als langsam aber sicher nervend. Die Sondierungstiefen sind nicht erhöht. Die vorhandene Kunststoffüllung zeigt ein Leckage.
Klinisch zeigte sich am Zahn 22 eine Attrition in der Laterotrusion links durch eine Steilstellung der Frontzähne und eine Art Gruppenführung mit dem Zahn 23. Es treten keine Beschwerden am Zahn 22 in dieser Bewegung und der Protrusion auf.
Im Röntgenbild zeigte sich eine Obliteration des Wurzelkanals im koronalen und mittleren Wurzeldrittel.

Die Obliteration ist ein Zeichen einer vitalen Pulpa.(1)
Wir haben uns entschieden, die Füllung zu entfernen. Es zeigte sich wenig Sekundärkaries und im Pulpabereich viel Reparaturdentin.  Nach der Desinfektion und Abdeckung mit einem CaOH Liner haben wir den Zahn adhäsiv verschlossen.

Die Beschwerden haben sich in den darauffolgenden Monaten nicht verändert.

Die Patientin wünschte eine weitergehende Behanfdlung. Die Sensibilität war elektronisch bei 30 von 65.
Endo ja oder nein – ist hier die Frage?
Wie würden Sie entscheiden?

(1)“Der genaue Mechanismus der Pulpakanalobliteration ist unbekannt, wird aber mit der beschädigten neurovaskulären Versorgung der Pulpa zum Zeitpunkt der Verletzung in Verbindung gebracht. “
„Die PCO ist ein physiologischer Vorgang und stellte ein nützliches und sicheres Indiz für eine vitale Pulpa und deren Heilungs- bzw. Reparaturprozess dar. “

Quelle: Sebastian Bürklein, Radiologische Diagnostik
Obliteration an einem Zahn mit mehreren Wurzelquerfrakturen und koronaler Wurzelkanalfüllung. Endodontie 2021;30(2):209–213

 

„Aktuelles Urteil zur präendodontischen Entfernung vorhandenen Wurzelfüllmaterials“

„Aktuelles Urteil zur präendodontischen Entfernung vorhandenen Wurzelfüllmaterials“

Die Art der Berechnung der präendodontischen Entfernung vorhandenen Wurzelfüllmaterials wird immer wieder diskutiert. Nun gibt es hierzu ein aktuelles Urteil des Verwaltungsgerichtshofs Baden-Württemberg vom 07.09.2021 (Az.: 2 S 1307/21), das die Richtigkeit der Analogberechnung nach §6 Abs.1 GOZ der präendodontischen Entfernung vorhandenen Wurzelfüllmaterials bestätigt.
Hierzu ein Leitsatz des o.G. Urteils: „Die Entfernung alten Wurzelfüllmaterials im Rahmen einer Wurzelkanalrevision ist eine selbständige nach §6 Abs.1 GOZ als Analogleistung abrechenbare Leistung. Sie ist nicht mit der GOZ-Nummer 2410 (Aufbereitung eines Wurzelkanals) abgegolten.“
Der Behandler hatte die „Entfernung alten Wurzelfüllmaterials“ in analoger Anwendung der GOZ-Nr. 2210 berechnet, da es sich aus seiner Sicht um eine selbständige, nicht im Gebührenverzeichnis der GOZ enthaltene, Leistung handelt. Die Analogberechnung der „Entfernung alten Wurzelfüllmaterials“ nach §6 Abs.1 GOZ entspricht ferner der gebührenrechtlichen Expertise der Bundeszahnärztekammer (BZÄK).

Der Kostenerstatter meinte hierzu, die Entfernung einer alten Wurzelfüllung sei mit der ebenfalls berechneten Wurzelkanalaufbereitung nach GOZ 2410 abgegolten.

Der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg teilte allerdings die Argumentation des Behandlers bzw. der BZÄK.

Aus AEND – Autor Peter Klotz

p.s.: In der DZW findet sich ein ausführlicherer Artikel von Klotz zum Thema.

Informant Papierspitze

von Jörg Schröder

Obere mittlere Schneidezähne? Kindergeburtstag. No-Brainer. Selbstläufer.

So, oder so ähnlich sind gemein hin die Äußerungen, die man auf die Frage zu hören bekommt, welche Zähne nun wirklich einfache Behandlungsfälle darstellen.

Warum finden sich dann so viele Misserfolge im Bereich oberer 1er? Apikale Aufhellungen, erfolglos durchgeführte Resektionen, unvollständige Wurzelfüllungen.

Eine mögliche Ursache sind endodontische Behandlungen die an Zähnen ausgeführt werden müssen, deren Wurzelanwachstum nicht vollständig abgeschlossen ist. Die besondere Weite des Kanalhohlraums und das weite apikale Foramen können durchaus eine Herausforderung darstellen. Vom jungen Lebensalter der Patienten und der damit manchmal einhergehenden geringeren Compliance einmal ganz abgesehen.

In vorliegendem Fall kam es in Folge zweier im Abstand von 6 Wochen erfolgten Frontzahntraumata zu einer Pulpanekrose an Zahn 21. An Zahn 11 wurde alio loco zunächst die freiliegende Pulpa im Sinne einer Pulpotomie behandelt.

Da sich die Blutung nicht stillen ließ wurde eine Vitalexstirpation durchgeführt. Die Obturation konnte aufgrund einer nicht reproduzierbaren Endometrie nicht ausgeführt werden. Es erfolgte die  Überweisung in unsere Praxis, da eine Horizontalfraktur vermutet wurde.

Klinisch imponierte am Erstuntersuchungstag bei uns eine deutliche Perkussionsempfindlichkeit des Zahnes 21. Das zur Detektion einer möglichen horizontalen Wurzelfraktur an 11 erstellte DVT ließ am 21 eine deutliche apikale Aufhellung erkennen. Der alio loco mit Ledermix versorgte 11 zeigte entzündungsfreie periapikale Strukturen und keinen Hinweis auf eine Wurzelfraktur.

Daher sollte zunächst die endodontische Behandlung es 21 erfolgen. Bei der Trepanation fand sich in den oberen vier Fünftel des Kanalsystems nur nekrotisches Gewebe. Nur im apikalen Fünftel wies die dezente Blutung beim initialen Instrumentieren auf (rest-)vitales Gewebe hin.

Die endometrische Längenbestimmung zeigte reproduzierbar an. Dennoch habe ich sterile Papierspitzen zur Verifizierung der Arbeitslänge eingesetzt. Dazu wird die Papierspitze 0,5 mm länger als die ermittelte Arbeitslänge eingestellt und dann für einen kurzen Moment bis auf volle Länge in den Kanal eingebracht. Dieser Vorgang wird mehrere Male mit jeweils neuen Papierspitzen wiederholt. Bei korrekter Länge sieht der dezente Blutungspunkt dann immer gleich aus.

Auch bei der Obturation mittels MTA kommt die Papierspitze zum Einsatz. Nun wird die Papierspitze 1 mm kürzer als die 0,0 Länge eingestellt und solange kleine MTA-Plugs eingebracht, bis die Papierspitze erst auf und nach dem nächsten Plug gerade nicht mehr auf Arbeitslänge eingebracht werden kann. Nun kann das Auffüllen des apikalen Wurzelanteils mit dieser Technik kontrolliert erfolgen, bis der koronale Teil des MTA Plus visualisiert werden kann. Denn dieser 21 ließ aufgrund der apikale Krümmung und einer Arbeitslänge von 25 mm kein Einbringen des MTA unter Sicht zu.

Das mittlere Drittel wurde anschliessend mittels warmer vertikaler Kompakten mit Sealer und erwärmter Guttapercha, das koronale Drittel adhäsiv mit Komposit gefüllt.

Erschreckend dabei, wie nachlässig mit der Dentinwunde am 21 „umgegangen“ wurde. Seit dem Trauma bis zur Erstvorstellung bei uns mehr als 3 Monate später unterblieb eine Abdeckung derselben. Nicht auszuschliessen, dass eine Pulpanekrose hätte vermieden werden können, denn der 21 reagierte die ersten Wochen nach dem ersten Trauma laut Überweisern reproduzierbar positiv auf den Sensibiltätstest.

 

 

Kuhfuß – Munich style (I)

Als hätten Jörg Schröder und ich uns abgesprochen hatte ich vor sehr kurzem einen Fall, bei dem genau diese Kuhfuß-Technik gewinnbringend eingesetzt werden konnte…

zu den Hintergründen:

Die heute 25-jährige Lehramtstudentin hatte vor circa drei Jahren ein Frontzahntrauma (unkomplizierte Kronenfrakturen). In der weiteren Folge musste der Zahn 21 daher endodontisch behandelt werden.

Ausgangssituation Zahn 21 mit ausgeprägter apikaler Parodontitis – Röntgenbild alio loco

Jetzt, circa zwei Jahre nach Ende der Therapie entwickelte die Patientin wieder ein starkes Beschwerdebild.

Situation Zahn 21 circa zwei Jahre nach Behandlung mit deutlich zugenommener apikaler Parodontitis – Röntgenbild alio loco

Das seit einer Woche verordnete Antibiotikum zeigte leider keine positive Wirkung.

Klinisch imponierte eine nicht unerhebliche vestibuläre Schwellung.

Gemeinsam mit der Patientin entschieden wir uns trotz ungünstiger Voraussetzungen für eine Revision.

Wenig überraschend präsentierte sich das Kanalsystem maximal bakteriell kontaminiert.

Mittels Hedström-Instrument und Aterienklemme konnte das WF-Material in toto entfernt werden.

Spontan kam es zu einer beträchtlichen Pus-Entleerung…

Zustand nach vollständiger Entfernung der Wurzelfüllmaterialien

ohne die Kuhfuß-Technik hätte dieser Behandlungsschritt nicht so problemlos funktioniert…

Demnächst mehr zu diesem Fall…

H mit kleiner Tücke

Die Überweisung erfolgte aufgrund der Schwierigkeit, die Kanaleingänge des mit erkennbarer apikaler Pathologie behafteten 14 darzustellen und nachfolgend aufzubereiten.

Das Gute am präoperativen DVT: Es waren im achsialen Schnitt Kanalhohlräume zu erkennen.

Das Schlechte: Der bukkale Kanal kommunizierte h-förmig mit palatinalen krümmte sich jedoch bis zum „H“ von bukkal nach palatinal, um kurz nach der Kommunikation zunächst deutlich nach bukkal und dann ebenso deutlich nach distal zu verlaufen.

Die Darstellung der Kanaleingänge wurde durch die klare endodontische Landkarte vereinfacht.

Jedoch erwies sich das bukkale Kanalsystem ab der Kommunikation als besonders störrisch. Es war nicht möglich eine maschinellen Gleitpfad zu erstellen, da selbst eine 10/02 nicht in den apikalen Kanalabschnitt vordringen konnte.

Die Lösung: Vorgebogene Handinstrumente. Beginnend bei ISO 008 und unter Ausnutzung von Zwischengrößen (12 und 17) gelang es auch das bukkale Kanalsystem bis zum Foramen zu erschliessen. Dabei musste das deutlich vorgebogene Handinstrument bis zum „H“ an der bukkalen Wand nach apikal eingebracht, um dann 90 Grad nach distal gedreht zu werden.

Eine maschinelle Aufbereitung des bukkalen Kanals war erst nach Einsatz einer ProTaper-Handfeile S1 möglich. Und auch nur, da die eingesetzten HyFlex-Instrumente zunächst vorgezogen, anschliessend händisch eingesetzt und dann mit dem kabellosen Handstück gekoppelt wurden.

Am Ende sieht es im Einzelbild recht simpel aus. Das DVT lässt die wahre Schwierigkeit erahnen.

Covid und die Statistik

Auf ein sehr hilfreiches Beispiel zur richtigen Interpretation von Statistiken hat mich ein Kollege aus Hannover, Dr. Arne Neumann hingewiesen.
Das möchte ich der Leserschaft nicht vorenthalten:

 

Wann ist ein Instrument ein gutes Instrument ? (3)

Endlich !!!
Neue Aufbereitungsinstrumente!

Die letzten Jahren war es ziemlich ruhig, was neue Endo-Aufbereitungsinstrumente anging. Klar wurde IDS für IDS immer wieder was Neues auf den Markt geworfen. Zumeist jedoch alter Wein in neuen Schläuchen. Die letzte große Revolution – die reziproken Instrumente – wurden der Öffentlichkeit Anfang 2011 vorgestellt. Gab´s danach noch was Neues ? TruNatomy würde ich nennen, mit dem Fokus auf schmale Präparationen im oberen Wurzelkanalbereich. Ein guter Ansatz, aber in meinem Klientel und unserer Praxis mit rund 90 Prozent Revisionen spielt das Instrument de facto überhaupt keine Rolle. Im September hat die Firma Komet ihr Procodile Q System präsentiert. Und ich gebe zu, auf den ersten Blick fand ich die Änderungen gegenüber der ersten Generation ausgesprochen erfreulich. Änderung 1: Es wird nun eine wärmebehandelte NITI – Legierung verwendet. Bedeutet: Höhere Flexibilität, höhere Ermüdungsbruchresistenz und die Möglichkeit des Vorbiegens. Was hätte ich mir noch gewünscht – einen variablen Taper. Aber genau das ist (noch) patentgeschützt und ich vermute mal, das Komet Lizenzgebühren vermeiden wollte oder andere Gründe gegen die Verwendung dieses Designmerkmals sprachen.

Was nun tun, um die wichtige Flexibilität auch im oberen Teil der Instrumentenschneide sicherzustellen ? Die Lösung – Änderung 2 und zugleich eine echte Neuerung – der Kerndurchmesser des Instrumentes wird zu den breiteren Aussenbereichen hin dünner. Das Instrument ist unten innen im Vergleich zum Aussendurchmesser dick, weiter oben wird dann der Innendurchmesser im Vergleich zum Aussendurchmesser immer kleiner.

Klingt nach einer sinnvollen Maßnahme.
Allerdings „Grau, teurer Freund, ist alle Theorie“, um den Leibhaftigen selbst und Altmeister Goethes bekanntestes Werk zu zitieren. Und so muss sich das neueste Komet – Instrument, welches am Wochenende auf der DGET- Jahrestagung in Berlin den fachkundigen Kollegen präsentiert wurde, aller Vorschusslorbeeren zum Trotz , auch in der Praxis bewähren.

Denn – „Was zählt ist auf ´m Platz“.
Alfred Preißler hat das gesagt. Und sich im Übrigen wie ich auf Goethe bezogen, denn – das korrekte Zitat in voller Länge lautet laut Wikipedia: „Grau is’ im Leben alle Theorie – aber entscheidend is’ auf’m Platz.“

Was mir nun bei meinen Behandlungen aufgefallen ist – Das Instrument ist deutlich flexibler als die VDW Reciproc R25. Das ist definitiv ein Plus. Und in bestimmten Kanälen gibt das Instrument ein taktiles Feedback zurück, dass einen die benötigte Kraft nach apikal gut dosieren lässt. Dieses „angenehme“ Phänomen gibt es bei der R25 nicht.

Aber damit enden leider für mich schon die Vorteile.
Und ich muss mich, wo Licht ist, ist auch Schatten, mit den Nachteilen herumschlagen:

Nachteil 1: Das Instrument ist zu flexibel. Zu flexibel??? Man mag es nicht glauben, aber zuviel Flexibilität ist auch nicht gut. Gar nicht gut. Denn – die gewohnte bürstende Bewegung nach lateral im Kanal fällt in ihrer Abtragsarbeit deutlich geringer aus.
Ist nicht nur ungewohnt, sondern auch wenig effektiv.

Nachteil 2: Im Gegensatz zur VDW R25 zeigt sich eine deutlich geringere Effizienz, was das Entfernen von WF- Material angeht. Beispiel gefällig? Im angefügten Video war es mir nicht möglich, die (zugegeben harte) Guttapercha maschinell zu entfernen. Erst mit der R25 hatte ich Erfolg.

Nachteil Nr. 3: Der geringere Innendurchmesser des Instrumentes erhöht die Frakturanfälligkeit des Instrumentes. Vielleicht war es wirklich nur Zufall. Aber wenn bereits im dritten Behandlungsfall eine Fraktur sich einstellt und dies auch noch relativ weit oben am Instrument stattfindet, dann werte ich dies zumindest als Indiz für eine mögliche höhere Bruchanfälligkeit. Zum Vergleich: Seit 2008 (2 frakturierte Prototypen mitgezählt) sind mir 4 R25-Instrumente frakturiert. Und jedes Mal in Extremsituationen. Die Procodile Q – ein Arbeitstier a la VDW R25 ? Da wäre ich sehr zurückhaltend, eine solche Einschätzung betreffend. Aber genau so ein Arbeitstier brauche ich. Welches im Übrigen nach der Fragmententfernung ohne Probleme (und ohne Bruch) zum Ziel führte.

Mein Fazit:
Ich bin sicher, bei jemandem, der viele Erstbehandlungen macht, ist es möglicherweise anders, aber für mich ist die Procodile Q kein Trauminstrument. Rein subjektive Wertung – die Procodile Q entspricht nicht meinem Anforderungsprofil und nicht meiner Arbeitsweise.

Was für mich bei dieser Einschätzung um so schwerer wiegt – Ich habe vor kurzem ein neues maschinelles Aufbereitungsinstrument kennengelernt, von dem ich sehr angetan bin.
Und das sich anschickt, aus dem Stand heraus, sich in unserer Praxis zu etablieren.

Darüber berichte ich nächste Woche.
Und was die Procodile Q angeht – bis zur Markteinführung wird noch einige Zeit vergehen und vielleicht ändert sich ja noch was. Ich bin gespannt. Und drücke beide Daumen.

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.

Kuhfuß

Der Kuhfuß oder auch Nageleisen genannt ist ein Werkzeug, mit dem sich trefflich hebelnd arbeiten lässt und mit dem Nägel entfernt, oder aber auch widerspenstige Türen und Fenster auch ohne Schlüssel geöffnet werden können. Entscheidend für die Effizienz und das geschmeidige Arbeiten ist dabei die Rundung am kurzen Ende des Nageleisens.

Dieses Prinzip lässt sich auch beim Entfernen alter Guttaperchaspitzen einsetzen. Ich bevorzuge, sofern es die Kanalgeometrie erlaubt, die zu entfernenden Guttapercha nicht zu zerspanen, sondern, wenn möglich, in toto zu entfernen.

Sobald die Guttapercha nicht im Kanal schwimmt, sondern eine Klemmung aufweist und der Kanal auch noch eine Krümmung aufweist, kann die Friktion der Guttapercha im Kanal so groß sein, dass reine Handkraft nicht ausreicht, um die auf EFL= 0,0 eingebrachte Hedströmfeile (ich dazu hier bei Wurzelspitze schon mehrfach berichtet) zu entfernen.Ein grobe Zerren am Instrument wird zudem vom Patienten in den seltensten Fällen als besonders elegant und angenehm empfunden.

Ich nutze daher ab der Hedströmfeile ISO 25 eine über die Fläche gebogene Arterienklemme, um Guttapercha und Hedströmfeile recht geschmeidig zu entfernen.

Zunächst wird die Hedströmfeile unter endometrischer Kontrolle an der Aussenkurvartur des Kanals an der Guttapercha vorbei bis zum Foramen eingebracht. (Silikonstop-Kontrolle) Dannn wird der Stop nach oben zum Handgriff hin geschoben, die Arterienklemme angesetzt und die Hedströmfeile in der höchsten Klemmstufe (3.Raster) gefasst. Die runde Fläche der Arterienklemm nutzt dann die Okklusalfläche bzw. die Randleiste des Zahnes als Hypomochlion. Unter Umständen muss die Klemme ein oder zwei Mal gelöst und wieder – diesmal tiefer -angesetzt werden, um ein gutes Widerlager zu ermöglichen.

In vorliegendem , zweizeitig behandeltem Fall, gelang das Entfernen der Guttapercha sehr vorhersagbar. Beeindruckend, wie lange aus der Periapikalregion im ersten Termin eine pulssynchrone Exsudation persistierte, die erst am Ende des Behandlungstermins aussetzte.

Dentapen (III)

Der Dentapen kommt mittlerweile seit gut sechs Wochen jeden Tag bei uns zum Einsatz.

Für mich DIE Anschaffung des Jahres 2021 für unsere Praxis.

Insbesondere dessen Anwendung bei der palatinalen Anästhesie finde ich besonders bemerkenswert und erzielt in meinen Händen deutlich (deutlich!) bessere Anästhesie-Ergebnisse als durch die von uns bisher angewandte Techniken.

Das nachfolgende Video verdeutlicht die palatinale Wirkung durch die rasch einsätzende Ischämie eindrucksvoll.

Mit dem Pen ist es schlicht möglich druckarmer höhere Mengen des Anästhetikums zu applizieren, um somit eine tiefere Wirkung zu erzielen…

Try it… you’ll like it…

;-)

P.S.: Vor der endodontischen Therapie (und nach der Anästhesie) wurde bei dem Zahn noch eine Zahnreinigung durchgeführt.

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Externe Wurzelresorptionen (VII)

Circa acht Jahre ist es her, dass ich den Fall von Sophia erstmals u.a hier, hier bzw. hier vorgestellt habe.

Heute ein weiteres klinisch-radiologisches Update zu der erfreulichen Entwicklung der Situation…

OPG alio loco
alio loco
Klinische Situation – vorher – nachher – alio loco

Ich werde weiter berichten…

Latente Beschwerden seit Jahren (2).

Über diesen Fall haben wir hier erstmals berichtet.

Im angefertigten Zahnfilm ist die laterale Aufhellung im mittleren Wurzeldrittel, approximal mesial zu erkennen. Im Wurzelkanal imponiert eine inhomogene hyperdense Struktur, die im apikalen Drittel unterdimensioniert erscheint. Der Kronenrand erscheint röntgenlogisch nicht suffizient.

Eine Bereich hat mich allerdings bewogen, zusätzlich zum erhobenen Palpationsbefund auf eine Wurzelfraktur oder unbekannte Wurzelanatomie zu schließen.
(Siehe Bild.)

Meine Indikation lautete:
– komplexe Zahn/Wurzelanatomie 11, DD Wurzelfraktur

Die Darstellung im DVT zeigt einen zweiwurzeligen Zahn 11.
In der Horizontalen Ebene am Zahn 11 im ersten Bild ein Art „Ausstülpung“ erkennen. Ob dies im Zusammenhang mit der Intrusion von 51 steht ist unklar. Man hat keinen wirklichen Interpretationsspielraum da genauere Angaben zu dem Unfall fehlen, bzw. nicht mehr ermittelbar sind.

Behandlungsplanung:
Krone entfernen, Darstellung der Kanaleingänge, präendodontischer Aufbau, Wurzelkanalbehandlung, Wurzelfüllung, postendodontische Restauration mit Glasfaserstift, prov. Krone.

Quintessenz:
Zur Indikationsstellung für ein DVT ist eine hochauflösende und vergrößerbare Einzelaufnahme des Zahnes Voraussetzung.

Übrigens:
Die Bildaufnahme, Betrachtung, Auswertung und Befundung erfordert Zeit.
Das Honorar dafür beträgt €8,00.
Soviel bezahlt man am Passbildautomaten für 1-2 biometrische Passbilder, beim Fotografen bis €25,00.

Wann ist ein Instrument ein gutes Instrument (2)

von Nils Widera

Anwenderbericht Procodile Q

Seit September diesen Jahres ist die neueste Entwicklung von Komet käuflich zu erwerben. Eine Weiterentwicklung der bekannten Procodile durch eine thermische Behandlung hin zur Procodile Q.
Und tatsächlich ist das nicht alter Wein in neuen Schläuchen, sondern für mich die bisher beste Feile die Komet auf die Beine gestellt hat.
Ganz allgemein handelt es sich um eine Reziprok-linksläufig arbeitende Feile. Das Spektrum der angebotenen Instrumente reicht von 20 bis 50. Der Taper wird mit der Zunahme des Spitzendurchmessers kleiner. 20, 25 und 30 weisen einen 6er Taper auf, 35 und 40 einen 5er und schlussendlich 45 und 50 dann nur noch 4 Prozent.
Ich hatte die Möglichkeit, die Instrumente bereits sechs Monate vor Verkaufsstart regelmäßig einzusetzen und die 06/20 und 06/25 haben sich mittlerweile in mein Standardaufbereitungskonzept „gearbeitet“.

Nun wissen alle, die viel und gerne Endo machen, dass es die eine Feile für alles wie von der Industrie immer wieder versprochen und propagiert nicht gibt. Aber mein Fazit ist, das mit den oben genannten zwei Vertreterinnen sehr viel möglich ist.

Wo liegen nun aus meiner Sicht die Vorteile?
Eine sehr gelungene Balance zwischen „Weichheit „und Wiederstand. Will sagen, Vorbiegen ist gut möglich aber auch laterales Ausbürsten im Zug der Aufbereitung bleibt weiterhin sehr gut machbar.

Ich habe apikal in vielen Fällen bis ISO 12 mit einer Handfeile vorgearbeitet und dann direkt die 06/20 Procodile Q auf Arbeitslänge gebracht. Angewendet im E-Connect-S von Eighteeth (ein Testbericht zum diesem Motor folgt demnächst hier bei WURZELSPITZE ) unter direkter Endometriekontrolle im immer flüssigkeitsgefüllten Kanalsystem kam es so gut wie nie zu Problemen bei Erreichen des endometrischen Apex. Der kabellose Motor ist komplett individuell einzustellen und ich habe als Werte 200 ccw 50 cw bei 300 Umdrehungen und 1 Ncm als Belastungsgrenze gewählt. Wer auf einen kabellosen Antrieb umstellen möchte, dem sei der E-Connect S zum Testen sehr ans Herz gelegt. In den letzten 8 Monaten hat er alle anderen Antriebe (Morita TriAuto ZX2, Schlumbohm, VDW Gold) in unserer Praxis aufs Abstellgleis befördert.
Die weitere apikale Ausformung kann dann so gehandhabt werden, wie es jeder möchte. Wie bereits erwähnt, lässt das System alles bis 50 zu. Aber die für mich wichtigste und leistungsstärkste Feile ist die 20iger. Super frakturresistent, sehr flexibel auf den ersten 3-4 Millimetern, großer Spanraum. Und hier gefällt mir der 6er Konus eben besser als die apikal höheren Werte bei Reciproc oder WaveOne Gold.
Wie stark sich die Feile einschraubt, lässt sich über vollkommen drucklose oder eben leicht kraftvolle Aufbereitung sehr gut steuern.

Zwei aktuelle Fälle, gelöst mit oben erwähnter Sequenz und aufbereitet in mb1, mb2 und d bis 25, palatinal bis 35 habe ich mit angehängt. Als Sealer kam hier CeraSeal zum Einsatz.

Also her mit den Fragen oder Testberichten eurerseits! Ich bin gespannt auf eure Einschätzungen.

Wann ist ein Instrument ein gutes Instrument (1) ?

Am 6. April 1962 trat Leonard Bernstein als Dirigent der New Yorker Philharmoniker zu Konzertbeginn vor das Publikum der vollbesetzten Carnegie Hall. Brahms Klavierkonzert Nr. 1 stand auf dem Programm, der junge Glenn Gould sollte der Solist sein. Statt stumm zum Dirigentenpult zu gehen und den Taktstock zum Auftakt des Stückes zu heben, wandte sich überraschend der Maestro in einer Ansprache an das verblüffte Auditorium. Ein ungewöhnlicher Vorgang. Noch ungewöhnlicher war dann aber, was Bernstein kundtat. Er verkündete:

„Don’t be frightened… Mr. Gould is here. He will appear in a moment. I am not, as you know, in the habit of speaking on any concert (…), but a curious situation has arisen, which merits, I think, a word or two. You are about to hear a rather, shall we say, unorthodox performance of the Brahms D Minor Concerto, a performance distinctly different from any I’ve ever heard, (…) in its remarkably broad tempi and its frequent departures from Brahms‘ dynamic indications. I cannot say I am in total agreement with Mr. Gould’s conception.“

Leonard Bernstein distanziert sich öffentlich von Goulds Interpretationsansatz. Ein Skandal. So nachzulesen und anzuhören bei BR Klassik, für deren Rubrik „Was geschah heute“ ich im Übrigen an dieser Stelle nachdrücklich werben möchte, auch wenn ich, die Geschehnisse jenes Tages beurteilend, mit der Redaktion nicht übereinstimme. Was dem Radiobeitrag nämlich fehlt, der die damalige Situation nur verkürzt und damit sinnentstellend wiedergibt, ist die Aussage Bernsteins ein paar Momente später, welcher auf die rhetorische Frage, warum er denn das Konzert überhaupt dirigiere, wenn er mit Gould nicht übereinstimme, Folgendes anführt.

„I am conducting it, because Mr. Gould is so vaild and serious an artist that I must take seriously anything he conceives in good faith. And his conception is interesting enough so that I feel you should hear it, too.“

Bernstein war also weder skandalös noch ehrverletzend, was die Person Goulds oder sein Schaffen als Künstler anging. Im Gegenteil. Selbstverständlich war sich Bernstein bewußt, mit welchem Ausnahmeinterpret er die Freude und das Vergnügen hatte, musikalisch zusammenzuarbeiten. Zwei Titanen der E – Musik. Wie zwei Maler, die beide konträr unterschiedlich das gleiche Sujet auf der Leinwand festhalten, aber dennoch höchsten Respekt für das Werk des Anderen haben, auch wenn sie niemals im Stil des Gegenübers malen wollten, geschweige denn könnten.

Und was hat das Ganze nun mit der Endodontie und WURZELSPITZE zu tun ?

Ende September hat Komet auf der IDS ihr neues maschinelles NITI System Procodile Q dem Fachpublikum vorgestellt. Ich hatte es kurz zuvor zum Testen bekommen. Zu wenig Zeit, um darüber profund zu berichten. Daher habe ich aus diesem Anlaß Nils Widera (von dem ich wusste, dass er seit längerem schon damit arbeitet) gebeten, über seine Erfahrungen zu berichten.

Nils Bericht möchte ich bei WURZELSPITZE wiedergeben.
Und genau wie Bernstein es damals mit Gould getan hat, ihm – höflich und voller Respekt seines Tuns und seiner Expertise gegenüber – widersprechen. Meine eigenen Erfahrungen ebenfalls hier einstellen. Die – man vermutet es nach Erwähnung jener historischen Anekdote – deutlich anders ausfallen.

Aber wer hat nun recht ?
Dirgent oder Interpret?
Nils oder Ha-Wi?

Keiner von uns.
Oder wir beide.
Denn letztendlich muss jeder Behandler für sich selbst entscheiden, welche Instrumente in seinen Händen und in den Zähnen der jeweils eigenen Patienten, das bestmögliche Ergebnis erzielen. Das ist nämlich von vielen individuellen harten und weichen Faktoren abhängig. Ein arrogantes Beharren auf der eigenen Meinung als der einzig richtigen geht nämlich an der Sache vollkommen vorbei. Das wird umso deutlicher, wenn ich im Nachgang ein weiteres brandneues System vorstelle, von dem ich wiederum ich sehr angetan bin. Ich jenes in ebenso höchsten Tönen lobe wie Nils es zuvor getan hat. Wohlwissend, das vermutlich einer anderer Behandler zu gänzlich anderen Einschätzungen und Ergebnissen kommen wird, voller Ungläubigkeit und Unverständnis wiederum, mein Urteil betreffend.

Es bleibt also spannend.
Was gut ist.
Langweilig – die Instrumentenfrage betreffend – war es nämlich viel zu lange.

Hier gehts zum Erfahrungsbericht.

Großer Dentikel, tiefer Split.

Für einen Oberkiefermolaren weist dieser Zahn 27 eine eher ungewöhnliche Anatomie auf.

Ein massiver Dentikel füllt einen schmal-ovalen Kanalquerschnitt aus. Es gibt immer wieder seitliche Aussackungen zwischen den unregelmässigen Dentinstrukturen, die jedoch keine nach apikal gerichtete Präparation zuließen.

Somit wurde der Dentikel mittels Endosonore-Feile zerkleinert und die einzelnen Partikel herausgespült. Nach einer Erweiterung mittels Gates-Glidden-Bohrern der Größe 1 und 2 konnte der apikale Kanalabschnitt visualisiert werden.

Wie im DVT erkennbar gabelte der weite Kanal dort in zwei kleine Kanalabschnitte auf. Diese wurden initial erweitert, sodass eine Obturation mittels Squirting-Technik durchgeführt werden konnte.

Welch ein Unterschied zum Behandeln ohne DVT. Die Hindernisse sind vorher bekannt und können zielgerichtet adressiert werden. Auch die Obturationstechnik kann vorher ausgewählt werden. Vorhersagbarkeit pur.

In eigener Sache – 3000 Plus

Im November 2008, also nunmehr ziemlich genau vor 13 Jahren sind wir gestartet.

Mit jenem Beitrag, dem Stichwort „Babyschritte“ und dem sprichwörtlichen Slogan „Jede noch so lange Reise beginnt mit einem einzigen Schritt“ ging es los .

Diese Tage haben wir die 3000 Beiträge – Grenze überschritten.
3000 mal haben wir in dieser Zeit über die Endodontie geschrieben und ihre Begleitumstände im Praxisalltag dargestellt.

5 Tage die Woche,
Morgen für Morgen.

Von Fachlich Wertvollem, Interessantem, Lustigem, Skurrilem, aber auch Frustranem haben wir berichtet. Zur Weiterbildung und Unterhaltung des Lesers. Bei einer Lesezeit von nur 2 Minuten pro Beitrag sind das immerhin fast 4 Wochen an Lernzeit für den Leser, permanentes Lesen ohne jegliche Pause vorausgesetzt.

Hätten wir gedacht zu Beginn, dass es so viele Beiträge werden würden?
Nicht eine Sekunde.

Würden wir es wieder tun ?
Ich denke, manchmal, nein, oft ist es gut, wenn man nicht im Vorfeld weiss, was Alles auf einen zukommt. Und auch für uns ist es schwer, sich Woche für Woche neu zu motivieren, einen entsprechenden Beitrag zu verfassen. Im Moment jedoch – das ist für alle unsere Leser die gute Nachricht – sind wir jedoch deutlich überdurchschnittlich motiviert, weiterzuschreiben. 2022 zumindest scheint also schon einmal gesichert.

Auf ein Neues also !

„Abtrittsvorlesung“ eines endodontischen Großmeisters

Einen Hinweis von Oscar von Stetten verdanke ich die Tatsache, dass ich online die „Abtrittsvorlseung“ des endodontischen „Großmeisters“ Dr Gary Carr nachverfolgen konnte.

Hier der Link für alle, die dieses Highlight auch erleben wollen.

Die knapp zwei Stunden sind in meinen Augen wirklich gut investiert und ich habe eine Reihe von Dingen für mich mitgenommen…

Latente Beschwerden seit Jahren.

Die junge Patientin (30) kommt mit Beschwerden am Zahn 11.
Es besteht kein Lockerungsgrad, die Krone auf dem Zahn ist suboptimal von der labialen Gestaltung. Die Sondierungstiefen sind nicht größer als 3mm, circumferent. Labial unter dem Kronenrand ist ein kleine Einziehung sonderbar, ohne erhöhte Sondierunsgtiefe.
Es besteht kein Aufbißschmerz. Die Perkussion horizontal und lateral sind unauffällig. Störend ist ein ständiges Druckgefühl.
Auf Palpation labial gibt die Patientin im mittleren bis apikalen Wurzeldrittel ein Schmerzgefühl an.
Im Kindesalter kam es nach einem Unfall zu einer Infusion der Zahnes 51. Der Zahn 11 hat bereits beim Durchbruch „Beschädigungen“ gehabt berichtet die Patientin.
zunächst wurde ein Veneer aufgeklebt, dann kam es zur Pulpitis, danach zur WKB und Krone. Latente Beschwerden waren seit diesen Jahren immer vorhanden.

 

 

 

50 nicht von der Hand zu weisende, ausgesucht gute Gründe, sich auf Endodontie zu spezialisieren“ – Episode 14: Der „Murmeltier Tag – Effekt“

Wir Alle lernen.
Tag für Tag.

Aus den Erfahrungen, die wir in der Praxis machen.

Wie im Film „Groundhog Day“.
Bei uns bekannt unter dem Titel „Und täglich grüßt das Murmeltier“.

Der Hauptdarsteller Bill Murray, zu Beginn zynisch und menschenverachtend, durchlebt den gleichen Tag, den 02. Februar, immer und immer wieder.
Und variiert im Verlauf des Filmes seine Tagesabläufe, was am Ende zur Läuterung führt. Ihn zu einem besseren, guten Menschen werden lässt. Und selbstverständlich – es ist Hollywood – endet der Film mit einem Happy End.

Jenseits aller Leinwandklischees – ist das nicht auch eine wunderbare Vorstellung, das Arbeiten in der Praxis betreffend? Dadurch, dass wir nur Endo machen, haben wir Tag für Tag, immer und immer wieder die gleiche Situation vor uns. Nicht wie beim Generalisten, der mit einer bestimmten Problemsituation ( z.B. UK- Prämolaren mit tief abzweigendem lingualen Kanal) nur selten oder gar nicht vertraut ist. Wir hingegen können uns angesichts häufig vorkommender Geschehnisse austoben. Verschiedene Strategien ausprobieren: Wie gehe ich das Problem am Besten an? Hats´geklappt?!? Nicht das gewünschte Ergebnis??? Dann bringt der nächste Tag die Möglichkeit, mit einer geänderten Vorgehensweise auszuprobieren, ob wir auf diese Art und Weise das gewünschte Ergebnis erzielen können. Und das führen wir solange fort, bis wir das optimale Procedere herausgefunden haben.

Der geneigte Leser versteht die Intention ?

Wir hatten diese Woche 2 UK-Prämolaren mit 2 tief aufzweigenden Wurzelkanälen zur endodontischen Behandlung. Ein dritter Zahn mit dieser Kanalkonfiguration wurde uns noch zusätzlich überwiesen, der Patient stellte sich zur Untersuchung vor. Das ist in dieser Häufigkeit zwar nicht die Regel, im Gegenteil, aber immerhin ein Indiz dafür, dass die Situation eine regelmäßig wiederkehrende ist). Und so können wir eine ganze Reihe von unterschiedlichen Vorgehensweisen ausprobieren, so dass sich im Laufe der (überschaubaren) Zeit die erfolgreichen Konzepte herauskristallisieren. In der Generalistenpraxis würde das im Vergleich viel viel länger dauern. Sich möglicherweise der Lerneffekt mangels Gelegenheit gar nicht einstellen.

Und so wird ein Happy End draus.
Wir heiraten zwar nicht Andy Mac Dowell, aber wir verbessern kontinuierlich auch in schwierigen Behandlungssituationen unsere Behandlungsqualität.

Ditt iss Berlin!

Ein in zweierlei Hinsicht trauriges Beispiel was in Berlin so „abgeht“.

Zunächst einmal hatte dieser 18-jährige Patient zu lange in die falsche Richtung geschaut und schon war die Luft fausthaltig.

Das Resultat?

32 und 42 hingen noch in der Alveole und nur der KFO-Retainer hat die Zähne gehalten. 31 war mehr als 2 mm disloziert und 42 hatte eine geringe laterale Dislokation erfahren. Hinzu kamen Riss-Quetschwunden intra- und extraoral im Bereich der Unterlippe.

Die Dokumentation aller Verletzungen im Unfallkrankenhaus und die Nahtversorgung ist als perfekt zu bezeichnen. Dort wurde der Patient ca. 1 Stunde nach dem Ereignis vorstellig.

Die Erstversorgung – berlintypisch – insuffizient, wobei dem jungen MKG-Kollegen, der den jungen Patienten im Nachtdienst versorgte, kein Vorwurf zu machen ist. Keine Assistenz, kein Material (TTS-Splint)und so wurde der KFO-Retainer zur Schienung umgebaut. Mit mässigem Erfolg, denn bei der Erstvorstellung bei mir waren vier der 6 Klebepunkte gelöst. Nur die nicht betroffenen Eckzähne hielten den Draht. Übrigens: keine systemische Antibiose und der Ratschlag die betroffenen Zähne nicht zu putzen.

Bei der Erstvorstellung erfolgte nach klinischer und radiologischer Diagnostik zunächst eine Reinigung der betroffenen Zähne, das Befestigen eines Titan-Trauma-Splintes und die Entfernung des lingualen KFO-Retainers.

Aufgrund der Beinahe-Avulsion von 31 und 32 und der starken Dislokation von 41 wurden diese Zähne 10 Tage nach Trauma endodontisch behandelt. Der klinisch symptomlose, elektrisch allerdings negativ getestete Zahn 42 wird vielleicht noch folgen.

30 Tage nach dem Trauma zeigt er weiterhin keine Reaktion auf den elektrischen Sensibilitätstest sowie Anzeichen eines Resoptionsprozesses im Foramenbereich, der jedoch nicht zwingend eine Indikation für eine endodontische Behandlung ist. Diese Form der Traumabewältigung wird auch als „transient apical breakdown“ bezeichnet.

Das endodontische Mittwochabend-Gespräch IV 15.12.2021 20 Uhr

Noch einmal in diesem Jahr wird es ein endodontisches Mittwochabend – Gespräch geben.
Ich werde sprechen über apikale Aufhellungen.

Grosse apikale Aufhellungen.
Weil – immer noch VIEL VIEL zu VIELE Zähne extrahiert oder wurzelspitzenreseziert werden, obwohl dies gar nicht notwendig wäre.

Ich will Mut machen.
Passt also hervorragend in die Zeit vor Weihnachten.

Also Termin vormerken.
Dabei sein.
Mitmachen.

Hier der Link zur Video-Konferenz

https://global.gotomeeting.com/join/574698293

Erst hatte er kein Glück und dann kam auch noch Pech dazu…

Wieder ein Fall für diese traurige Überschrift.

Bei der Betrachtung der in unserer Praxis auftauchenden Fälle sind manchmal nicht vermeintlich erklärbare Dinge zu sehen. Wir halten uns mit Urteilen vollkommen zurück. Meine Ansicht ist: Niemand macht mit Absicht etwas schlecht.

In diesem Fall kam der Patient mit akuten Beschwerden und nach Abszeßinzision, Kronenex und offener Trepanation zu uns. Der Zahn 45 sollte entfernt werden und ein „schönes neues Implantat“ gesetzt werden.
Der Zahn 45 hat keine Chance mehr. Er ist austherapiert.
Wir haben die Prognose für den Zahn als gut eingestuft und das verwunderte den Patienten. Er hat sich für den Erhalt entschieden. Wie er mir zum ersten Recall mitteilte, hatte er aber dem Vorhaben keine Chance eingeräumt und niemals an einen Erhalt geglaubt. Der Zahn 36 musste nach einer „solchen Wurzelbehandlung“ über 6 Monate trotzdem nach starken Beschwerden extrahiert werden.

Die endodontische Behandlung des Zahnes war nicht wirklich schwierig. Schwierig war die Darstellung der Präparationsgrenze. Durch die ungünstige extrem konvexe Gestaltung der Mesialfläche der Krone 46 war es unmöglich eine Krone bis zur Präparationsgrenze zu inserieren. 
Den meisten Zeitaufwand benötigten wir für die Provisoriumsherstellung. Dank Thomas Seitners Tipp mit der Liquid Strip Isolation hatten wir nach einigen Verrsuchen ein nichtzerbrochenes Provi. Die Einschubrichtung war von lingual nach bukkal kippend und die Präpgrenze konnten wir mit einem Flow (leider nicht radioopak) nur unvollständig abdecken.
Im vorliegendem DVT war am Zahn 46 ein verbreiterter Desmodontalspalt zu erkennen und anamnestisch traten in der Vergangenheit öfters pulpitische Beschwerden am Zahn 46 auf.
Deshalb riet ich dem Patienten nach der Behandlung des Zahnes 45 noch etwas mit der Kronentherapie an 45 abzuwarten. Die Schwiergikeit hatte ich ihm im Röntgenbild gezeigt.

Bis zum Recall nach 6 Monaten mussten wir nicht warten. Der Patient kam schon eher.
Die Behandlung am Zahn 46 war nicht außergewöhnlich schwierig und wir rieten dem Patienten dann zur Erneuerung beider Kronen.
Zum nächsten Recall war wieder alles überkront.
Schwierig war es für mich die Röntgenbilder dem Patienten gegenüber zu kommentieren.

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.

 

Hier ist guter Rat teuer (6) – Es ist einfach MTA zu applizieren, wenn…

Im vorliegenden Fall zweier infauster Frontzähne ( hier und hier sowie hier und hier und da bereits vorgestellt) sind wir immerhin soweit gekommen, die Zähne wieder mit einer Wurzelfüllung versehen zu können. Heisst, da die zweimalige WSR ja 2 Neoapices mit großem Durchmesser zurückgelassen hat, das nun MTA zur Anwendung kommt zum orthograden Verschluss der Resektionsstellen.

Und wir werden nun belohnt für unsere Mühen.
Denn die vorhandene apikale Knochenbarriere lässt das Einbringen des MTA zum Kinderspiel werden, müssen wir doch keine Angst haben, das MTA nach periapikal zu überpressen.

Zum Behandlungsablauf der MTA – Applikation nachfolgend ein paar Fotos und ein Video.

Der Schein trog!

Betrachtete man sich das mitgebrachte DVT erschien die vorhandene Obturation dicht, wandständig und in der Länge optimal. Dennoch ist der Zahn nunmehr fast 2 Jahrzehnte nach dem Trauma im Kindesalter immer noch/wieder beschwerdebehaftet.

Nach dem Frontzahntrauma mit ca. 12 Jahren erfolgte zunächst eine nicht erfolgreiche endodontische Primarbehandlung und mit im Alter von ca. 20 Jahren einen Resektion der Wurzelspitze. Eine Ausheilung der chirurgischen Zugangskavität erfolgte jedoch nicht.

Zudem imponierten wiederkehrende Schwellungen labial und palpatorische Druckdolenzen.

Nach Anlegen der Zugangskavität zeigte sich eine Obturation des sehr weiten Kanalquerschnittes mittels mehrerer eingebrachter Guttaperchaspitzen.

Die gesamten Wurzelfüllmassen wiesen zwischen Kanalwand und Obturationsmaterial deutliche Kontaminationsspuren auf.

Bereits nach Abschluss der ersten Behandlungssitzung war der zuvor schmerzempfindliche Zahn 21 beschwerdefrei gewesen. Die mechanische Bearbeitung der Kanalwände wurde mit einem XP-Finisher durchgeführt. Nach ausgiebiger Irrigation wurde die Obturation nach Anlegen eines kollagenen Widerlagers mit MTA durchgeführt.

Bleibt zu hoffen, dass das Recall eine Ausheilung der apikalen Pathologie zeigen kann.

Übermut tut selten gut.

von Jörg Schröder

Eine der wichtigsten Erkenntnisse meiner über 30-jährigen Praxistätigkeit ist, eine Behandlung nicht durchzuführen oder sie zu unterbrechen, wenn ich meine persönliche Komfortzone verlasse und mir nicht mehr sicher bin, ob ich die Situation noch verbessern kann oder bereits davor stehe, sie durch mein Tun erheblich zu verschlechtern.

Nachdem die für eine erfolgreiche endodontische Schmerzbehandlung notwendigen Behandlungsschritte sicher zahnärztliches Allgemeinwissen darstellen sollten, bin ich über Ausgangssituationen, wie die nachfolgend gezeigten, immer wieder mehr als verwundert.

Hier muss sich jemand unwohl gefühlt haben. Nicht nur, dass eine erhebliche Blutung aus den Zähnen mit erkennbarer Pulpanekrose ein Aufmerksamkeit erregender Umstand sein sollte. Spätestens bei der Beurteilung der Messaufnahme oder der Obturationsbilder muss es doch irgendwo „Klick“ machen. Denkt man. Denke ich. Weit gefehlt.

Nun die Frage an die Wurzelspitzler: Welche der Zähne haben, bei eingeschränkter mechanischer Prognose, noch eine Chance, erfolgreich endodontisch therapiert werden zu können? Welche Probleme sind in den radiologischen Darstellungen zu erkennen?

Hier ist guter Rat teuer (5) Metapex – Alternative

Wie es der Zufall so will…

Vorgestern, am Dienstag

ging hier der Beitrag über die beiden Oberkiefer-Frontzähne mit 2 maliger WSR und dennoch mit großer apikaler Aufhellung und Fistelbildung auf Sendung. Mit sehr erfreulichem Ergebnis. Nämlich Knochenbildung über die Resektionsfläche hinweg, ein Umstand, den ich zu erheblichem Teil dem Einsatz von Metapex (Meta Biomed) zuschreibe. Einem Material, das ich seit vielen Jahren verwende und nicht missen möchte, weshalb ich meine USA-Aufenthalte immer dazu nutze, mir einen größeren Vorrat zuzulegen, der mich übers Jahr bringt. Denn – das Material ist in Deutschland nicht erhältlich. Bis vor kurzem gab es mit Vitapex ein vermutlich ähnliches Präparat, dass, ganz davon abgesehen, dass es empfindlich teurer war, nun auch nicht mehr hierzulande vertrieben wird. Ich griff in Notfällen (die Metapex- Vorräte waren aufgebraucht) darauf zurück, so wie ich auch einmal eine bei WURZELSPITZE in den Kommentaren empfohlene osteuropäische Variante benutzte, die zwar käuflich erhältlich ist, Internet sei Dank, jedoch in ihren physikalischen Produkteigenschaften , ich sach mal, so stark vom Metapex – Original abwich, dass ich nach zweimaligem Einsatz von jeglicher weiterer Verwendung absah.

Was schade ist.
Denn immer nach der Veröffentlichung solcher Beiträge über mit Hilfe von Metapex wundersam gelöster Fälle kommt die Leser-Frage: Wo krieg ich das Zeug her ???? Eine Frage, auf die ich leider keine Antwort geben kann…

Aber dann. Gestern.

Erreicht mich via Email die Nachricht, dass mit Forendo- Paste eine weitere Metapex- Variante offiziell in Deutschland zur Verfügung steht. Vertrieben von der Firma Pulpdent Deutschland, ansässig in Leipzig.

Das wär vielleicht was ?!?!

Wer beisst an?
Wer berichtet?

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Warnung vor dramatischem Personalmangel

Langsam rückt das Problem in dem Mittelpunkt. Jetzt können wir es in der Tagesschau sogar lesen:

Warnung vor dramatischem Personalmangel

Die Lösung mehr Ärzte auszubilden ist schon ein Ansatz, aber trotzdem bleibt noch ein ganz dramatischeres Problem. Im mittleren medizinischem Personal sieht es viel verheerender aus. Ich kenne kaum eine Praxis ohne Personalmangel.

Woran liegt das?

In einer Mail laß ich letztens diese Zeilen:
36% der ZFAs überlegen, ganz aus ihrem Beruf auszusteigen und fast 37% der Teilnehmer einer Umfrage des Verbandes medizinischer Fachberufe e.V. denken darüber nach, den Arbeitgeber zu wechseln. Eine der Hauptursachen für den ZFA-Fachkräftemangel ist Stress.
Meiner Meinung ist der Beruf zudem unattraktiv geworden. Neben Stress sind lange Arbeitszeiten mit Überstunden und keine adäquate Bezahlung ebenso zu erwähnen.

Inzwischen verlangt das Berufsbild medizinisch sehr gut ausgebildete IT Kräfte, die Kenntnisse im Planungs- und QM Management haben, die Hygienevorgaben des RKI kennen müssen und dann noch Kommunikationsexperten sind.

Diese Mitarbeiter brauchen Anerkennung für diese verantwortungsvolle Tätigkeit. Diese Mitarbeiter müssen in der Lage sein, mit ihrem Job ihre Familie gut zu versorgen.

Was nützt uns eine Ärzteschar, wenn das mittlere medizinische Personal weg ist.
zu Krankenkassen, Dentaldepots, Unternehmensberatern etc. sind die Mitarbeiter gewechselt.

Wir müssen JETZT den Beruf attraktiv machen und bewerben.

Wir müssen JETZT Möglichkeiten schaffen Quereinsteiger schnell in den Beruf zu bringen und auszubilden.

Wir müssen JETZT Personalzuschüsse zu JEDER abgerechneten Leistung vereinbaren und diese müssen 100% den Praxismitarbeitern zu Gute kommen.
Alternativ die Honorare betriebswirtschaftlich realen Bedingungen anpassen.

Sonst wird es auch für uns ein mehr oder weniger baldiges Problem geben. Wer soll uns im Alter behandeln?

Hier ist guter Rat teuer (4)

Die Vorgeschichte des Falles findet sich hier und hier und hier.

Am Ende der 2.endodontischen Behandlungssitzung (01.12.2020) erfolgte die Applikation der medikamentösen Langezeiteinlage (Metapex, Meta Biomed).

Danach warte ich in der Regel 12 -16 Wochen ab. Dies erscheint mir als die kürzeste Zeitspanne, in der sich eine Verbesserung zum Positiven hin im konventionellen Röntgenbild, sprich Zahnfilm, eindeutig diagnostizieren lässt. Die Applikation des Calciumhydroxid überprüfe ich im Röntgenbild. Im vorliegenden Fall war ich sehr bemüht, nicht versehentlich zu viel Calciumhydroxid zu überpressen, angesichts des grossen Knochendefektes und vor allem der Tatsache, dass auf Grund der vorangegangenen Wurzelspitzenresektionen nach vestibulär hin kein Knochen mehr vorhanden ist und eine Überpressung ins Weichgewebe hinein zu Gingivanekrosen führen könnte.

Das Resultat war dann prompt eine inhomogene Füllung. Ärgerlich.

Fast forward.
16 Wochen später.

Kontrolle der apikalen Situation am 19.04.2021

Die Wiedereinbestellung der Patientin erfolgte zur Kontrolle der apikalen Situation. Gegenüber der Ausgangssituation zeigt sich das röntgenologische Erscheinungsbild verbessert an beiden Zähnen, jedoch nicht so eindeutig, dass eine Fehlinterpretation auf Grund der unterschiedlichen Projektionswinkel der Aufnahmen ausgeschlossen werden konnte.

Aus diesem Grund wurde in der nächsten Sitzung am 20.05.2021 erneut ausgiebig schall – und laseraktiviert gespült und die Metapex-Einlage erneuert.

Weitere knapp 16 Wochen später.
Die erneute Wiedervorstellung fand Anfang September 2021 statt. Eine eindeutige beginnende Knochenregeneration war nun festzustellen. Daher wurde am 07.09.2021 (Applikation von MTA als apikale Barriere) und am 09.09.2021 (Wurzelkanalfüllung mit Guttapercha und Sealer) die endodontische Behandlung abgeschlossen.

Kontrolle medikamentöse Einlage am 20.05.2021
Kontrolle MTA am 07.09.2021
WF – Kontrolle 09.09.2021

Das Erfreuliche – an beiden Zähnen hatte sich apikal ein knöcherner Verschluss des Periapex gebildet. Eine Applikation des MTA ohne Gefahr des Überpressens war somit leicht durchzuführen. Worauf die Knochenneubildung ausgerechnet in diesem Bereich zurückzuführen ist, bleibt letztendlich ungeklärt, aber man hätte doch bei der bestehenden Ausgangssituation eher ein langsames Wachstum von den Rändern des Defekts zum Zahn hin vermuten dürfen. So ist es aber natürlich noch viel besser und macht Mut für die weitere Entwicklung.

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.

Zugang, Zugang, Zugang.

von Jörg Schröder

Apikale Probleme entstehen koronal. Marginale Probleme auch.

Angesichts der Ausdehnung der bei der Erstbehandlung erstellten Zugangskavität könnte das Wirken des Kollegen beinahe bewundernswert genannt werden, lag er doch beim Versuch, die Kanalsysteme zu erschließen nur knapp daneben.

Mesiobukkal bestand eine iatrogene Perforation, die jedoch kurioserweise in einem ausgedehnten keilförmigen Defekt mündete und von extrakoronal visualisiert werden konnte. Nachdem dieser Defekt, nebst der Perforation, präoperativ adhäsiv verschlossen wurde, konnten nach Modifizierung der Zugangskavität die vorhandenen Kanaleingänge dargestellt werden.

Kurios war der bereits im DVT erkennbare, abrupt nach distobukkal abzweigende Seitenkanal in D.

Die Behandlung der apikalen Pathologie an Zahn 45, die sich als Zufallsbefund zeigte, wird in getrennter Sitzung erfolgen.

Dentapen (II)

Vor zwei Wochen habe ich hier über unsere Neuanschaffung, den Dentapen berichtet.

Hier zwei kurze Videos zur Anwendung und unsere Einschätzung…

PS: Auch bei den Patienten kommt der PEN sehr gut an und wird als “Verbesserung “ empfunden …

PPS: Das Geräusch, dass man hört wenn man die Applikation stoppt ist die „automatische Aspiration“ des Geräts. …

Fragmententfernung mittels BTR Pen

Vor einiger Zeit habe ich hier über unsere ersten Erfahrungen mit dem BTR Pen berichtet.

Nach mehr als sechs Monaten Anwendung hat sich unser erster Eindruck bestätigt.

Dieses Tool ist aus unserer „Werkzeugkiste“ nicht mehr wegzudenken!

Hier ein Fall, bei dem uns der Pen sehr geholfen hat…

der Zuweiserin war eine RECIPROC Blue 25 während der Präparation mesio-lingual frakturiert.

Alio loco angefertigtes Ausgangsröntgenbild
Alio loco angefertigte Aufnahme nach Instrumentenfraktur

Die nachfolgenden Bilder der unzureichenden Zugangskavität vermitteln, warum dies unter anderem „passierte“.

Zugangskavität initial und nach Entfernung der provisorischen Füllung

Ferner ergab die Untersuchung und Beurteilung der Kavität sowie des Bodens, dass ausserdem ein bisher unbehandeltes distales Kanalsystem vorlag.

Anwendung der Symmetrie-Regeln und die Inspektion des Pulpakammerbodens liefern Anhalte zur Darstellung des bisher übersehenen disto-lingualen Kanalsystems
Mittels Ultraschallansätzen dargestellter Instrumentenkopf
Mittels BTR Pen entferntes Fragment
Masterpoint-Aufnahme
Abschluss-Aufnahme – Präparationsdurchmesser 35.06 bzw. 40.06

Ich hoffe darauf, dass ich demnächst das Recall des Falls hier vorstellen kann…

Klammermodifizierung

Über die Kofferdamklammerverwendung der 27N von Hu Friedy hatte ich bereits vor einiger Zeit geschrieben.
Nun kommt es häufig vor, das wir an bereits präparierten Zähnen arbeiten. Butterflyklammern sind ergonomisch meist wenig geeignet. Deshalb suche ich häufig nach Alternativen. In diesem Fall eines unteren Molaren haben wir mal wieder die modifizierte Klammer 27N eingesetzt.
Anbei die Bilder zum Modifizieren und die Klammer im Einsatz.

 

Hier ist guter Rat teuer (3)

Über den Fall wurde bislang hier und hier berichtet. Letztendlich habe ich natürlich die endodontische Behandlung der beiden Oberkieferschneidezähne bei der jungen Patientin durchgeführt.

Die erste Behandlungssitzung fand am 24.11.2020 statt.

Zu diesem Zeitpunkt war die Fistel nicht aktiv, ein offener Fistelgang war nicht sichtbar, im Vestibulum liess sich lediglich eine mit Eiter gefüllte, dicht subcutan gelegene Wölbung erkennen. Die Eröffnung durch Anpieksen mit einem EndoExplorer führte zu Pusabfluss.

Wer bis dato noch an die Funktionsfähigkeit der vorhandenen Wurzelkanalfüllungen geglaubt hatte, konnte nach Trepanation nicht schwarz auf weiss aber doch „braun auf orange“ nun das ganze Ausmaß der Insuffizienz in Augenschein nehmen.

Mit der Applikation einer medikamentösen Einlage (Ledermix) und dem Verschluss der Zugangskavität in gewohnter Vorgehensweise (Steriles Teflon, Cavit, Glasionomerzement) wurde die erste Behandlungssitzung beendet. Nach Abnahme des Kofferdams zeigte sich austretendes Ledermix am Fistelmaul.

Die 2. Behandlungssitzung unterschied sich nicht grundlegend von der ersten. Ziel war es, nach adäquater Desinfektion die vorhandene Ledermix- Einlage durch eine Metapex- Langzeiteinlage zu ersetzen, die 16 Wochen in situ verbleiben sollte.

(wird fortgesetzt)

OK Prämolar – 3 Kanäle einmal anders

von Jörg Schröder

Prämolaren mit drei Kanalsystemen stehen in unseren Breitengraden sicher nicht jede Woche auf der Tagesordnung. Üblicherweise – sie werden mitunter auch als Mini-Molaren bezeichnet – weisen sie im Oberkiefer zwei bukkal und ein palatinal gelegenes Kanalsystem auf.

Dass der im Folgenden gezeigte 24 überhaupt drei Kanäle besitzt, fiel zuerst im präoperativ erstellten DVT auf. Mittig zwischen bukkalem und palatinalem Kanal zweigte der dritte Kanal nahezu rechtwinkelig abrupt von palatinal nach bukkal ab, um dann in großem Bogen nach apikal zu verlaufen.

Mittels Endosonorefeile wurde die koronale Dentinschicht über dem hier fast horizontal verlaufenden Kanal abgetragen, bis ein stark vorgebogener Microopener eingeführt werden konnte.

Mit etwas Mühe, viel Geduld und nach dem Entfernen einer bei der Katheterisierung des sehr engen Kanalsystems frakturierten Gleitpfadfeile (Behandlerpuls nahe 200) konnten schliesslich alle Kanäle aufbereitet und in gleicher Sitzung obturiert werden.

Interessant für mich, dass ich beim Durchfahren des Zahnes im DVT den im axialen Schnitt immer wieder aufpoppenden dunklen Punkt zunächst irritiert zur Kenntnis nahm und die Geometrie erst ernst genommen habe, als ich den Abzweig im frontalen Schnitt darstellen konnte.

Zahn 32

Mit einer Häufigkeit von circa 2 Prozent aller notwendigen endodontischen Behandlungen zählt die unterer Frontzähne zu den Ausnahmen.

Bei der uns zugewiesenen 75-jährigen Patientin war eine solche Behandlung als Folge einer sehr ausgeprägten Kompositfülllung mit nachfolgender Nekrose notwendig geworden.

Die alio loco begonnene Behandlung wurde abgebrochen, da es nicht gelang einen Wurzelkanal darzustellen.

Die angefertigten Röntgenbilder zeigten, dass es zu einer Fehleinschätzung der Trepanationsrichtung und Tiefe gekommen war.

Alio loco angefertigtes Röntgenbild nach Trepanationsversuch

Eine Perforation lag nicht vor.

Dafür zählte dieser Zahn aber zu den 40%, die zwei Kanalsysteme in dieser grazilen Radix aufweisen.

Gesucht und gefunden haben wir die fehlenden Strukturen (wie eigentlich immer) deutlich weiter lingual…

In ingesamt zwei Terminen a einer Stunde konnten wir die Behandlung gestern abschliessen.

Bei aller Freude über das Ergebnis bin ich recht froh, dass diese Zahngruppe selten bei uns behandelt werden muss. Auf Grund der grazilen Strukturen und der undankbaren Zugänglichkeit zählen Unterkiefer-Frontzähne zu den eher ungeliebteren Kandidaten bei mir…

hoffentlich war es der letzte für dieses Jahr…

Entscheidungen

Den Fall hatte ich bereits als Recall vorgestellt.

Zufällig bemerkten wir, daß der Zah 14 nicht extrahiert wurde, wie wir vor knapp10 Jahren empfohlen hatten. Nun mussten wir unsere damalige Empfehlung überdenken.
Im Röntgenbild war allerdings der Zahn 15 auffällig und es wurde ein DVT angefertigt.

Die Befunde des DVT möchte ich nun vorstellen und zur Diskussion stellen. 14 zeigt apikal einen verbreiterten Desmodontalspalt und 15 lässt eine P. apicalis mit unvollständiger WF vermuten. Distocoronal imponiert eine Sekundäkaries, buccal eine Karies oder Resorption.

15 ist nicht eihaltbar und damit ist die Zukunft von 14 abhängig von der nun neu zu erstellenden ZE Planung.
Hier die Bilder des DVT.

Als Nebenbefund ist ein P. apicalis am Zahn 21 zu erkennen. Die Patientin erwähnte, daß bereits 2013 oder 14 ein DVT erfolgte, in dem man diesen ´Zahn sah. Nun haben wir nach 7 Jahren eine Verlaufskontrolle. Die apikale Osteolyse zeigt sich dezent vergrößert. Die Patientin hat keine Beschwerden, es besteht kein Lockerungsgrad und die Sondierungstiefen sind nich erhöht. Die Kronenversorgung ist suffizient und optisch nicht zu bemängeln. Wir haben der Patientin die Situation vorgestellt, an Hand der zwei DVT die Entscheidung an heim gestellt, die Therapie der P. apicalis von orthograd durchzuführen oder die Situation unter Beobachten mit jährlichen Röntgenkontrollen zu behalten.

Nun meine Frage:
Wer würde angesichts der Befunde und Zeitverläufe zu einer Behandlung sofort plädieren und wer wäre für ein abwartende Haltung?

 

 

WURZELSPITZE Plus LIVE TALK am 20.10.2021 um 20:00 Uhr

Morgen ist es wieder so weit, ein weiterer WURZELSPITZE Plus Live Talk steht an.

4 Themenvorschläge stehen zur Auswahl.

Endo vs. Implantat ? Wann das eine, wann das andere ?

Stress in der Praxis? Wie damit umgehen ?

Endo-Materialien ? Was gibts Neues, was hat sich bewährt ?

Abrechnung von schwierigen Frontzahn- Fällen


Zur Abstimmung und zu den Zugangsdaten geht es hier.

McFly! Jemand zuhause?

von Jörg Schröder

Das möchte ich so manches Mal laut fragen, wenn ich Bilder wie die nachfolgenden sehe und dazu die schriftlich übermittelten Behandlungsempfehlungen lese.

Dass die hier vor mehr als 30 Jahren durchgeführte endodontische Behandlung am sehr weiten Kanalquerschnitt des noch nicht ausgereiften 11 scheiterte, ist noch fast zu verstehen.

Dass der gegossene Stiftaufbau zwar koronal eine feine Passung aufweist, apikal jedoch in einer Mischung aus Guttapercha, Sealer und Geweberesten schwimmt, schon eher nicht.

Dass vor weniger als 10 Jahren der Zahn wurzelspitzenresiziert wurde, ohne dass eine aushärtende retrograde Füllung eingesetzt worden ist, lässt mich meine Stirn runzeln.

Dass aber ein Kollege mit endodontischem Tätigkeitsschwerpunkt diesem 11 nach Auswertung der auf einer gebogenen Speicherfolie erstellten Einzelbildes ein resorptives Geschehen zuweist und eine erneute chirurgische Intervention empfiehlt lässt mich nur kopfschüttelnd zurück.

Offensichtlich ist die Überlegung, warum die durchgeführte Behandlung nicht erfolgreich gewesen sein mag, eine zu komplexe. Nachfolgend die Auflistung der unglücklichen Umstände die sich in vollem Umfang erst im Laufe der Behandlung offenbarten.

Nach Abnahme der vorhandenen Metallkeramikkrone erwies sich diese bukkal als undicht. Und die tolle Passung des gegossenen Stiftaufbaus war nur vorgetäuscht, löste sich dieser jedoch im Laufe der Reduktion desselben mittels Hartmetallfräser nur aufgrund der Vibration.

Im Kanal liessen sich alle vorhandenen Fremdmaterialien einfach durch Spülen entfernen. Einschließlich des cremigen retrograden Füllmaterials.

Nach ausgiebiger Desinfektion konnte das Neo-Foramen nach Anlegen eines kollagenen Widerlagers mit MTA gefüllt werden. Das von labial in den Defekt hineindrängende Granulationsgewebe habe ich bewusst nicht entfernt, da es mittels steriler Papierspitze (ISO 140) nach labial gedrängt und somit als Widerlager genutzt werden konnte.

Nach Grobpräparation wurde ein stuhlgefertigtes Provisorium erstellt und adhäsiv befestigt.

Bleibt zu hoffen, dass die apikale Pathologie ausheilt und sich das hier sicher vorhandene mechanische Risiko nicht verwirklicht.

Die Revision der Revision… – Recall

Eigentlich wäre kein Recall dieses hier vorgestellten Falles möglich, da die Patientin verzogen ist.
Wir hatten der Patientin gesagt, daß wir den Fall gern weiter verfolgen würden und um Zusendung von gff. zukünftigen Röntgenbildern des Zahnes 12 gebeten.
Sie hat unsere Bitte verstanden und hat uns persönlich 2 Jahre nach der Behandlung besucht.
Hier die aktuelle Situation.

Dentapen (I)

Von Christoph Kaaden

Seit längerer Zeit beschäftige ich mich regelmässig mit dem Thema Lokalanästhesie und dessen Applikation. Im Laufe meiner zahnärztlichen Tätigkeit habe ich gelernt, wie wichtig gerade dieser Schritt für die allermeisten Patienten ist…

vor Kurzem bin ich bei einem Webinar auf den Dentapen gestossen.

Anders, als STA-the wand ist dieser Anästhesiecomputer u.a. kabellos.

Ein riesiger Pluspunkt gleich vorab.

Der Preis von ca. 1100 EUR war aber erstmal abschreckend…

Über die zuständige Aussendienstmitarbeiterin von Septodont hatte ich die Möglichkeit den Dentapen eine Woche kostenfrei zu testen…

meine initialen Erfahrungen damit waren so positiv, dass ich diesen nun für uns bestellt habe.

Ich bin persönlich der Meinung, dass es mir damit noch ein paar Prozentpunkte „besser“ gelingt, eine möglichst schmerzfreie Anästhesie zu applizieren. Insbesondere palatinal

hier ein paar Bilder des Dentapens und ein Kurzvideo „unboxing the dentapen“…

Dentapen mit „Spritzengriff“

Lange Strecke des Zeigefingers zur Aktivierung des Dentapens-in meinen Händen wenig geeignet

Dentapen mit „Stifthalterung“ – für mich ungünstiger Winkel zur Aktivierung mittels Zeigefinger

Um 90 Grad rotierter Dentapen – jetzt ist für mich eine Aktivierung mittels Daumen ergonomisch sehr gut möglich

demnächst berichte ich mehr von unseren klinischen Erfahrungen…

die ersten „Reaktionen“ der Patienten waren auf jeden Fall schon mal positiv.

„Das war aber neu, Dr. Kaaden. Anästhesieren Sie jetzt elektronisch? fragte der Professor für Augenheilkunde bei seinem zweiten Termin…

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.

Schmerzfall (2)

An dieser Stelle habe ich den Fall vorgestellt.

Wie in den Kommentaren richtig beschrieben, war eine Kronen/Wurzelfraktur bereits auf den Ausgangsröntgenbildern zu vermuten. Ebenso eine interne Resorption am Zahn 21 und die P. apicalis am Zahn 11.
Im DVT bestätigte sich der Verdacht und es war die Fraktur deutlich zu erkennen. Am Zahn 21 war eine frühere Wurzelfraktur ebenfalls zu vermuten. Siehe Pfeile.
Eine positive Sensibilität haben wir nicht mit elektrischem und Kältesensitest nachweisen können.

Unsere Therapieplanung:

11 Frakturiertes Fragment mitkochirurgisch darstellen, entfernen, ggf. adhäsiv wiederbefestigen. Falls dies nicht möglich ist. Abdeckung der Dentinwunde mit Composite  für eine Proximal Box Elevation oder auch Marginal Elevation Technik und die endodontische Behandlung. Danach die prothetische Restauration.

21 Entfernung der prov. Füllung, Darstellung der Resorptionslakune und ggf. endodontische Behandlung bis zum früheren Frakturspalt oder Planung einer Guided-Endo.

Die Patientin ist nach Einhaltung einer Zweitmeinung noch unentschlossen, weil ein endodontisch behandelnder Kollege die Belastung des Kronenfragmentes geraten hat.

 

 

Hier ist guter Rat teuer (2)

Eine junge Frau.

Ein tragischer Unfall.

2 Oberkieferschneidezähne, denen die Extraktion droht.

Ganz klar, dass wir spontan unsere Hilfe anbieten.
Was wäre denn die Alternative ? Die Extraktion? Nicht wirklich. Eiine Brückenversorgung oder Implantation zu vermeiden in so frühem Alter in einem ästhetisch anspruchsvollen Bereich ist doch jeden Aufwand wert. Und ist nicht der Satz „Wir schaffen das !“ mittlerweile im Grundkanon deutscher Sprache fest verankert ?

Nur so am Rande – Das war, damals, 2015, keine kreative Eigenschöpfung der Altkanzlerin, sondern dem Obama´schen „Yes, we can!“ entlehnt. Beides jedoch plakativer Ausdruck, scheinbar Unmögliches anzugehen und einem glücklichen Ende zuzuführen.

„Und da bin ich ganz bei Ihnen!“, werter Leser, um eine weitere 2 Euro – Münze ins Phrasenschwein deutscher Aphorismen zu werfen.

Ich verstehe den Wunsch.

Auch in mir ist das ein starkes Gefühl, als Samariter mein Karma zu Positiven hin zu beeinflussen.

Vorbehaltlos zu helfen.

In der idealen Welt würden wir nun erneut voller Elan unserem getreuen Ross Rosinante die Sporen geben und gegen die schnell sich drehenden Windmühlenflügel des drohenden Zahnersatzes anrennen. Ziehen kann man die Zähne ja immer noch, oder ? Warum nicht also einen weiteren ultimativen Versuch des Zahnerhaltes wagen?

HERODONTICS!!!
Rules!!!!

ABER

Die Patientin nimmt nun zum 4. Mal einen Anlauf.
Nach insgesamt 3 erfolglosen Versuchen, die Situation in den Griff zu bekommen.
Wie wahrscheinlich ist es, das WIR nun Erfolg haben werden ? Das eigene, möglicherweise überlebensgrosse Ego mal aussen vorgelassen.

Waren nicht die Kollegen vorab mindestens genauso zuversichtlich, die Sache zum Guten zu wenden ? Zumindest werden Sie dies der Patientin gegenüber und ihren Eltern im persönlichen Gespräch vermittelt haben, da bin ich sicher.

Die nun also möglicherweise zum vierten Mal auf den möglichen Zahnerhalt eingeschworen werden. Und sich sicherlich mit verständlicher Skepsis fragen: Kann ich diesen Verheißungen denn wirklich trauen ? Immerhin geht es ja nicht nur um eine weitere eventuell belastende Behandlung, sondern auch um Einiges an Geld. Und zwar unabhängig davon, ob die Patientin gesetzlich oder privat krankenversichert ist. Klar ist, von der GKV kann es kein Geld mehr für die geplante Behandlung geben, die Patientin ist kassenabrechnungstechnisch zahnerhaltend „austherapiert“. Die Patientin bzw. ihre Eltern müssen die Kosten aus eigener Tasche zahlen. Und werden sicherlich abwägen: „Lohnt sich das?“ Oder sollten wir das Geld nach 3 erfolglosen Versuchen nicht besser in die Implantation stecken? Die vom Kieferchirurgen angeraten wird.

A pro pos Kieferchirurg. Wir haben 3 Arten von Kieferchirurgen vor Ort.

Der eine überweist NIE.
Der zweite löblicherweise in einer ganzen Reihe von Fällen, bevor er chirurgisch tätig werden könnte, um die OP zu vermeiden.
Der dritte, nachdem er mit mehrmaliger WSR gescheitert ist. Wie im vorliegenden Fall. Vermutlich haben die Eltern gefragt „Kann man denn gar nichts mehr machen ???“ Und da wird dann an mich verwiesen: Soll ich doch den Eltern klar machen, dass die Zähne nicht erhaltungsfähig sind. Wir haben Kollegen hier vor Ort, die schicken uns nur die wirklich hoffnungslosen Fälle. Und immer nur dann, wenn der Patient nicht bereit ist, sich den Zahn ziehen zu lassen. Zumeist sind diese Zähne dann wirklich nicht mehr zu retten. Aber nicht, weil der Zahn per se schlecht wäre, sondern vielmehr, weil er durch die Vorbehandlung in einen solch scheinbar hoffnungslosen Zustand versetzt wurde.

Wir stehen gewissermaßen in unserer Praxis am Ende der Behandlungskette.
Was sehr schade ist, weil wir doch im Rahmen der Erstbehandlung so viel mehr und besser etwas hätten tun können. Nun jedoch betrachten wir die kümmerlichen Reste dessen, was früher mal zwei schöne Zähne waren.

Was mich zum Kern der Sache bringt.

Wie wahrscheinlich ist es, das ich Erfolg haben werde ?
Welchen Aufwand muss ich betreiben, um erfolgreich zu sein ?
Was stelle ich dem Patienten in Rechnung für meinen Aufwand bzw. was steht auf dem Heil- und Kostenplan, der der Patientin mitgegeben wurde.

Und was diesen letzten Punkt angeht.
Man möge bitte bedenken, dass die Situation, wie sie sich im vorliegenden Fall widerspiegelt, bei uns nicht äußerst selten, sondern regelmäßig auftaucht. Aus diesem Umstand ergibt sich zwangsläufig irgendwann die Notwendigkeit, solche Behandlungen auch betriebswirtschaftlich adäquat zu betrachten. Herodontics lassen sich nämlich umso einfacher als Non Profit- Maßnahme rechtfertigen, wenn diese eben nur äußerst selten auftauchen. Ein heldenhafter Zahnerhaltungsversuch bei einem Frontzahn eines jungen Menschen einmal pro Jahr ? Da muss ich nicht mal auch nur kurz darüber nachzudenken , „Klar, machen wir !“

Aber wie sieht das aus, wenn Tag für Tag so ein Patient in der Tür steht ?
Bei uns gehören solche Fälle von grundsätzlich schon schwierigen und/oder noch zusätzlich kompromittierten Frontzähnen zum Tagesgeschäft. Und Frontzähne rufen nun mal, weil „einfach“ ein vergleichsweises geringes Honorar auf. Trep, Feile rein, Kanal trocknen, Zentralstiftwurzelfüllung, fertig. Das geht in den sprichwörtlichen paar Minuten möglicherweise, hat aber mit dem, was im vorliegenden Falle gefordert ist, nichts zu tun.

Und da kommt dann zwangsläufig der Moment, dass man überschlägt, wieviel Zeit steckt in einer solchen Behandlung und was bekomme ich dafür ?

In zwei Sitzungen durchgeführt stünden insgesamt 424,3 Euro auf dem GOZ-Abrechnungs- Taxameter. Entspricht diese Summe dem zu leistenden Aufwand, dem zu leistenden Können und Know How, das notwendig ist, um die beiden Frontzähne im Mund zu halten?

Wieviel Zeit müssen wir veranschlagen, um die Behandlung (WF- Revision und orthograder Verschluss eines iatrogenen Neoapex größeren Durchmessers mittels MTA) adäquat durchführen zu können. Und nur so aus Neugier. Wieviele Implantate werden in dieser Zeit gesetzt und was wird dann als Honorar aufgerufen?

Fragen über Fragen.

Wer gibt die Antworten ?

Apikale interne Resorption-das Recall

von Jörg Schröder

Vor sieben Monaten hatte ich hier über eine arretierte interne Resorption berichtet.

Zahn 22 hatte, als das Wurzellängen- und dickenwachstum noch nicht abgeschlossen war zunächst ein Trauma und dann eine unvollständige Wurzelfüllung erlitten.

Offensichtlich hatte apikal vitales Gewebe eine Zeit lang überleben können. Zumindest so lange, dass eine interne Resorption entstehen konnte, für die bekanntlich vitales Gewebe erforderlich ist.

7 Monate nach der Revisionsbehandlung stellte sich der Patient zum Recall vor.

Die bukkale Fistelung ist abgeheilt und radiologisch lässt sich eine deutliche, wenngleich noch nicht vollständige, knöcherne Ausheilung erkennen. Nun bleibt zu hoffen, dass sich das sicher erhöhte Risiko eines mechanischen Versagens nicht verwirklicht.

Danke Olaf !

Nach 3 Jahrzehnten praktischen Arbeitens kommt es eher selten vor, dass man seine gewohnten und bewährten Arbeitsweisen noch abändert. Weil Alles hervorragend funktioniert, Tut man es doch, erhebt man beispielsweise ein neues Material zum Standard, muss schon ein ganz besonderer Grund vorliegen. Dank Olaf ist dies bei uns in diesem Jahr passiert.

Worum es geht ?
Für die Abdichtung des Kofferdams haben wir zu Beginn gefühlt mehr als 10 Jahre lang Oraseal von Ultradent verwendet. Bis wir das Material im März 2013 durch Blockout Resin, ebenfalls von Ultradent, ersetzt haben. Das nehmen wir immer noch. Ab und zu. Routinematerial ist aber nun Clip Flow von Voco geworden. Weil es in der Summe der Eigenschaften noch mal besser ist als die vorgenannten Materialien. Wir wollen es nicht mehr missen.

Danke, Olaf!

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Webinar zum Thema Revitalisierung

Von Christoph Kaaden

Letzte Woche lief ein sehr interessantes Webinar zum Thema Revitalisierung.

Referentin war Prof. Kerstin Galler.

Eine ausgewiesene Expertin (insbesondere forschungsmässig) auf dem Bereich der Pulpabiologie „meiner“ Heimatuniversität Regensburg.

Wer diesen sehr informativen Vortrag verpasst haben sollte kann diesen seit kurzem aber nun hier nochmals anschauen.

Ich finde es lohnt sich

:-)

Schmerzfall

Das hatten wir schon mal.
Hier nun wieder eine Röntgenaufnahme mit so einem typischen Befund.
Die Patientin hatte vor mehreren Jahren einen Unfall mit Beteiligung der oberen Frontzähne. Die Fraktur der Schneidekante wurde versorgt. Die Ästhetik war etwas gewöhnungsbedürftig, aber die Patientin kam damit zurecht.
Nun traten wieder erhebliche Druckbeschwerden in der Region 11 und 21 auf. Diese wurden erfolglos anbehandelt. B ein Blick auf die Röntgenbilder war mir sehr schnell klar warum.

Wir hatten bereits so einen Fall.
Wer sieht das gut versteckte  Hauptproblem? Bitte nutzen Sie die Kommentarfunktion.

Auflösung nächste Woche.

 

 

WURZELSPITZE Plus LIVE TALK im Oktober

Am Mittwoch 20.Oktober 2021um 20:00 Uhr findet unser nächster WURZELSPITZE Plus LIVE TALK statt.

Worüber sollen wir reden?
Was interessiert EUCH?
Wir sind gespannt auf eure Themenwünsche.

Das gesamter Spektrum der Endodontie, vom rein Fachlichen hin zum Betriebswirtschaftlichen, aber auch QM und Praxisführung als mögliches Gesprächsthema steht zur Verfügung.

Kein Thema ist zu groß, kein Detail zu klein, als dass es sich nicht lohnen würde, im WURZELSPITZE Plus LIVE TALK darüber sich auszutauschen.

Schreibt eure Ideen in die Kommentare.

Fremdschämen

von Jörg Schröder

Wir alle sind fehlbar. Behandlungen laufen nicht immer so komplikationsarm wie vorab gewünscht oder geplant. Aber der nachfolgende Fall löst bei mir das sehr starke Gefühl des Fremdschämens aus.

Hier wurde von Hauszahnärztin und Oralchirurg dafür „gesorgt“ dass in einem Karies- und restaurationsfreiem Gebiss ein Zahn (25) so „behandelt“ wurde, dass aufgrund persistierender Beschwerden schliesslich die Extraktion bei dieser 32-jährigen Patientin empfohlen wurde.

Auf die erste Kompositfüllung (klein) folgte eine zweite. Dann die endodontische Behandlung. Die interessierte Patientin fragte nach Internetrecherche nach, ob die nun anstehende endodontische Behandlung unter Kofferraum erfolgen würde. So etwas sei in diesem Fall nicht notwendig, war die Antwort der Kollegin.

Nachdem die endodontische Behandlung nicht zum Erfolg führte, wurde der Zahn ein erstes Mal residiert. Ohne Erfolg, da genau wie beim zweiten Mal, eine retrograde Wurzelfüllung fehlte.

Und die Ursache allen Übels, ein nicht gefüllter palatinal der Guttapercha gelegener Raum, immer noch kontaminiertes Gewebe enthielt.

Die Revisionsbehandlung erfolgte einzeitig. Nach Darstellung des nicht aufbereiteten Kanalabschnittes wurde die vorhandene Obturationsmasse mittels U-File zerkleinert und schliesslich durch Passieren mittels Micro-Debrider nach koronal entfernt.

Um das kollagene Widerlager daran zu hindern, in den palatinalen Kanalanteil hineingedrückt zu werden, wurde als Platzhalter eine Papierspitze ISO 40 in eben jeden Kanalanteil platziert.

Die Obturation wurde mit MTA Angelus durchgeführt und der Zahn adhäsiv verschlossen.

Der schwierigste Teil dieser Behandlung? Die Aufklärung über die Zusammenhänge und Ursachen ruhig und neutral zu gestalten.

Aktuelle Traumafälle September 2021

Letzte Woche habe ich u.a hier über einen unseren aktuellen Traumafällen berichtet.

Gestern kamen zwei weitere Fälle dazu.

Hier die Hintergründe Fall 1:

Fall 1:

Dem siebenjährigen Theo sind folgende traumatische Erfahrung inklusive Folgen widerfahren:

  • Beschreibung des Vaters:
  • 15.08.2021 ca. 20:45 Uhr: Sturz vom Stockbett von oben kopfüber auf die Leiter des Stockbetts. Rechter, bleibender Schneidezahn ist komplett ausgeschlagen mit Wurzel. Der Zahn lag ca. 30 Minuten auf dem Holzboden und wurde dann in einen Plastikbeutel gelegt und gekühlt.
  • 15.08.2021 22:15 Uhr: Wiedereinsetzen des Zahns durch xxx, Der Zahn wurde dort zuvor in eine Zahnrettungsbox eingelegt für ca. 15 Minuten. Der Zahn wurde mit einem gewöhnlichen Draht fixiert. Ein Röntgenbild wurde gemacht vor Einsetzen des Zahns. 
    Arztbericht xxx.

  • 16.08.2021: Praxis xxx in Urlaubsvertretung für unsere normale Zahnärztin Fr. Dr. xxx:
  • Kontrolle und Chlorhexamed. Röntgenbilder wurden gemacht. Siehe Anhang.
  • 18.08.2021: Praxis xxx: Kontrolle und Verschreibung von Antibiotikum. Wegen Lockerung der Schiene weitergeschickt an Zahnklinik xxx

  • 18.08.2021: Zahnklinik xxx: Draht wird weggemacht und neue Schiene drauf, neuer Draht wird an vielen Milchzähnen befestigt um zu vermeiden, dass er sich bald wieder löst
  • 18.08.2021: Abends löst sich der neue Draht bereits wieder
  • 19.08.2021: Praxis xxx, Dr. xxx: Schiene wurde gekürzt und besser geklebt
  • 06.09.2021: Kältetest bei Fr. Dr. xxx ergibt: Kein Gefühl im Zahn. Entzündung wird festgestellt.
  • 15.09.2021: Reparatur Zahnschiene bei Fr. Dr. xxx. Entzündung und Eiter.
  • 20.09.2021: Regulärer Termin bei Kieferorthopädin Fr. Dr. xxx. Gespräch zur weiteren Vorgehensweise zwischen Fr. Dr. xxx und Fr. Dr. xxx.
  • 21.09.2021: Kontrolle bei Dr. xxx. Weiterhin Entzündung, aber kein Eiter mehr. Überweisung an Dr. Kaaden. Zahnschiene bleibt vorerst drauf damit Dr. Kaaden entscheiden kann.

Und hier Fall II:

Der 11-jährige Nico hat auf einer Wasser-Rutsche vor einigen Wochen ein kleines zahnärztliches Polytrauma erfahren.

Hier die klinische Situation circa drei Wochen danach :

Aktuell war unklar, ob sich eine weitere Therapie ergibt…

Spiegelansicht des Zahnes 21

Demnächst mehr zu diesen Fällen…

Komplexe Anatomie 47

von Jörg Schröder

Die Ursache für die bukkal bestehende Fistelung dieses 47 und die damit einhergehenden Beschwerden zeigte sich bereits bei der klinischen Inspektion.

In der mesialen Randleiste imponierte ein Haarriss, die okklusale Gussrestauration wies eine deutlich Randungenauigkeit auf und war ganz offensichtlich nur noch klemmend befestigt.

Innerhalb der zweizeitigen Behandlung wurde zunächst die Gussrestauration entfernt und der Zahn, nach Ausschleifen des Haarrisses adhäsiv aufgebaut.

Das präoperative DVT ließ eine interessante Anatomie erkennen, die aufgrund der apikalen Kommunikation aller drei Kanalsysteme und einer deutlichen Distalkrümmung zurecht als „komplex“ bezeichnet werden kann.

Da die mesialen Kanalsysteme vor dem Zusammentreffen aller Kanalsysteme konfluierten und die apikale Krümmung sich – wie das präoperative DVT deutlich erkennen lässt – von mesial aus sicherer instrumentieren ließ, wurde die distale Krümmung von mesial aus aufbereitet.

Nach schall- und laserunterstützter Spülung wurde CaOH2 eingelegt und der Zahn adhäsiv verschlossen.

Zum Beginn des zweiten Behandlungstermins war der Zahn beschwerdefrei, die bukkale Fistelung vollständig abgeheilt. Nach erneuter ausgiebiger Irrigation erfolgte die Obturation in warmer vertikaler Kompaktion mit AH26 und warmer Guttapercha.

Da es gilt, den Zahn zeitnah mit einer laborgefertigten Restauration zu versorgen, erfolgte das erste Recall bereits nach 3 Monaten.

Unklarer Abszess? (2)

An dieser Stelle berichteten wir erstmals über diesen Fall.

Den Ausschluss eines dentogenen Fokus durch die behandelnden Kieferchirurgen erschien uns nicht sicher. Die CT Daten haben wir leider nicht bekommen.

Für uns und dem Patienten stand die Fragestellung zur Ursache im Vordergrund. Unsere Verdachtsursachen:

  1. Emphysem durch Druckluft im Rahmen der UPT.
  2. P. apicalis mit nicht 2D-röngenologisch erkennbarer Lokalisation.

Wir haben ein DVT angefertigt.

Erkennbar ist, daß sich apikal mesial eine P. apicalis und mesial / lingual im mittleren Wurzeldrittel eine hypodense, weichteildichte, abgegrenzte Struktur im Sinne einer P. apicalis darstellen. Kann über den darüber liegenden verbreiterten Desmodontalspalt im Rahmen einer Glycintherapie in der UPT ein Emphysem entstehen?
Ja. Ist das die Ursache. Schwer zu sagen.

Im Rahmen der UPT wurden die Sondierungtiefen am Zahn 37 mit circulär 4mm in 6 Punktmessung ermittelt, Lockerungsgrad 0.
Behandler und Patient haben sich für die Extraktion des Zahnes entschieden. Mesiolingual stellte sich im Bereich der röngenologisch dargestllten Osteolyse eine Infraktur dar.
Möglich, das beide Komponenten zu diesem lebensbedrohlichen Zustand geführt haben.

Ist nun ein DVT als Recall indiziert, diese Frage stellt sich uns immer öfter.
Wie handhabt das die geneigte Leserschaft?

Geschichten aus dem Endozän 20210928 – „Ist das Wasserstoffperoxid ?“

„Ist das Wasserstoffperoxid ?“ fragt die Patientin, nachdem sie vor der Behandlung eine Minute lang mit der Desinfektionslösung gespült hat. Wir bejahen.

„Und stellen Sie das auch dem Patienten in Rechnung?“ fragt die Patientin weiter.

„Es gibt in der Coronapandemie eine Hygienepauschale, die wir dem Patienten für den erhöhten Aufwand in Rechnung stellen“, antwortet meine Assistentin.

„Sind das die 6 Euro 19 ? Die meine ich nicht“ sagt die Patientin. „Mein Zahnarzt berechnet zusätzlich 16 Euro für die Spüllösung.“

Wir stutzen.
Die Patientin wurde vor 1,5 Jahren von einer Kollegin an uns überwiesen.

„Haben Sie ihren Hauszahnarzt gewechselt ?“ fragen wir nach.

„Ja, ich bin jetzt in einer anderen Praxis. Meine Zahnärztin war zweimal nicht da, als ich sie aufsuchen musste. Einmal war sie in Urlaub und beim zweiten Mal war sie aus irgendeinem anderen Grund auch nicht da. Da habe ich gewechselt.
Jetzt bin ich in einer Praxis, das sind 3 Zahnärzte. Die haben von morgens 7 bis abends 21 Uhr geöffnet. Und sogar Samstags, wenn ich das möchte!“ In der Stimme der Patientin schwingt Anerkennung.

„Meine Krankenkasse (Postbeamtenkasse) will die 16 Euro nicht zahlen. Aber der Zahnarzt berechnet sie trotzdem. Das interpretiert wohl jeder anders. Ich habe dem Zahnarzt gesagt, „Meine Krankenversicherung zahlt das nicht, ich bringe mein eigenes Wasserstoffperoxid mit“.

„Das ginge nicht“, hat der Zahnarzt geantwortet.

Eigentlich wollte ich heute berichten, wie es im „Hier ist guter Rat teuer“ Fall weiterging.
Aber die Geschichte von gestern morgen passte so gut zu unserem „Mittwochabend Endodontie“ – Gespräch von letzter Woche, dass ich diese Geschichte hier einschieben musste.

Hat die Tante Emma – Zahnarztpraxis noch eine Chance ?
Es wird zunehmend enger. Wenn selbst 16 Euro für eine Spüllösung die Patientin nicht davon abhält, der bisherigen Zahnarztpraxis, die sie seit vielen Jahren besucht, den Rücken zuzuwenden.

Wir machen auch Wurzelkanalbehandlungen!“ hat der neue Zahnarzt gesagt. „Auch“ im Sinne von „da müssen Sie nicht ausser Haus“.
Aber die Patientin hat energisch darauf bestanden, uns in der Sache aufzusuchen.

Immerhin.

Saving hopeless teeth

Hoffnungslos. So erscheint dieser 26 auf den ersten Blick.

Insbesondere, wenn man das DVT betrachtet: Die mesiale Wurzel zeigt neben einer vermutlich infektionsbedingten externen Resorption auch eine ungewöhnliche intrakanaläre Erweiterung des Kanalhohlraumes, wie es bei einer internen Resorption der Fall ist.

Die Behandlung erfolgte aufgrund der bestehenden Schmerzsymptomatik mit palpatorischer Druckdolenz und starken Aufbissbeschwerden zweizeitig.

Nach Darstellung der Kanaleingänge wurde zunächst das extrem zähe Wurzelfüllmaterial entfernt. Der unaufbereitete MB2 war durch einen Isthmus mit MB1 verbunden. Nach der chemo-mechanischen Aufbereitung wurde CaOH2 eingelegt und die Zugangskavität adhäsiv verschlossen. Vier Wochen später zeigte sich 26 vollkommen beschwerdefrei.

Die Obturation der mesialen Kanäle erfolgte nach Anlegen eines kollagenen Widerlagers mit MTA. DB und P wurden in warmer vertikaler Kompakten gefüllt. Interessant dabei das sich der Seitenkanal in P erst im zweiten Erwärmungsanlauf füllen ließ.

 

Misserfolg nach Avulsion und RET

Von Christoph Kaaden

Die heute 11-jährie Nelly erlitt im Sommer 2017 ein Frontzahntrauma im Sinne einer Avulsion des Zahnes 11.

Alio loco angefertigtes Röntgenbild nach Avulsion des Zahnes 11

Fünf Minuten nach Avulsion des Zahnes erfolgte zunächst eine ca. 30 minütige Lagerung in Milch, bevor dann der Wechsel in ein Dentosafe-Nährmedium erfolgte.

Der Zahn würde anschliessend unter lokaler Anästhesie reponiert und für 6 Wochen semirigide geschient.

Im Spätherbst 2017 entwickelte Nelly eine kleine Schwellung der betreffenden Region, woraufhin alio loco eine endodontische Therapie eingeleitet wurde.

Apikale Parodontitis an Zahn 11 ca. 4 Monate nach Trauma

Trotz sehr ungünstiger Voraussetzungen entschieden wir uns mit der Patientin und den Eltern für den Versuch einer reparativen endodontischen Therapie.

Zustand nach RET

Die weitere Nachkontrolle verdeutlichte jedoch leider, dass diese nicht erfolgreich war und die apikale Parodontitis zurückgekehrt war.

Wiederkehrende apikale Pathologie

Daraufhin entschieden wir uns die Kompositfüllung und den Biodentine-Verschluss zu entfernen und nach eingehender Desinfektion eine jodoformhaltige Einlage einzubringen.

Leider zeigten diese Maßnahmen auch keine Wirkung und die Entzündung nahm radiologisch zu.

Zunahme der apikalen Osteolyse; Jodoformhaltige Med-Einlage apikal zum Teil ausgewaschen

Zu diesem Zeitpunkt fiel die Entscheidung für eine kieferchirurgische Intervention.

Hier würde alio loco in ITN das entzündliche Gewebe entfernt und das Kanalsystem retrograd verschlossen.

Zustand nach chirurgischer Intervention mit retrograder Füllung

Nachfolgend die Nachkontrollen sechs bzw. zwölf Monate nach dem Eingriff…

6 Monate post-op
12 Monate post-op
prä-op (2017) vs. 1 Jahr post-op (2021)

Was denken Sie über den Fall? Was hätten wir ggf. anders machen können oder müssen?

Fire on…

Sechs Monate nach Intrusion

Von Christoph Kaaden

Die heute fast neunjährige Clea erlitt vor sechs Monaten ein Frontzahntrauma.

Beim Inlineskaten war sie gestürzt und hatte sich insbesondere Zahn 21 deutlich intrudiert (=klinische Krone intraoral nicht mehr erkennbar).

Alio loco erstelltes Foto kurz nach Erstversorgung

Der rechte Inzisivus hatte seiner Zeit „nur“ eine unkomplizierte Kronenfraktur erlitten…

Alio loco angefertigtes OPG kurz nach dem dentalen Trauma

Die weiteren Therapieempfehlungen multipler Kollegen und Kollgeinnen bestand in einer abwartenden Haltung, da es u.a auf eine spontane Reeruption zu warten galt…

sechs Monate nach dem Unfall stellten sich Mutter und Tochter nun bei uns vor.

Anbei ein paar klinische und radiologische Befunde..

wie lautet Ihre Therapieempfelung für Clea?

IDS 2021 – Eröffnungstag

So sah es heute morgen um 10 Uhr in den Eingangshallen der IDS aus.
Auch die Besucherparkplätze waren ziemlich leer.

Unklarer Abszess?

Hier ein Fall der uns ein Rätsel aufgegeben hat.

Es geht um den Zahn 37. Dieser wurde 2014 revidiert, nach kontrolliert und später in der prothetischen Therapie mit einer Krone versorgt.
Patency konnte nicht erreicht werden, die apikale Situation zeigte sich unauffällig und nach dem letzten Röntgenbild 2016 wurde ein 5 jähriges Recall vereinbart.

Plötzlich bekommen wir diesen Arztbrief.

Hier die aktuellen und vorangegangenen Röntgenbilder. Und nun?
Abwarten oder weitere Ursachensuche?

Das endodontische Mittwochabend-Gespräch 22. 09.2021 20:00 Uhr

Morgen abend ist es soweit.

Der zweite Teil des endodontischen Mittwochabend-Gespräch – „Zukunft Zahnarztpraxis“.

Der Plan. 30 Minuten Vortrag zum Thema. Danach Gedankenaustausch und Diskussion.

Anbei wieder ein Trailer zum Thema.

Und die Zugangsdaten für Alle.

Mittwochabend Endodontie Gespräch 3 2021

Zukunft Zahnarztpraxis Teil 2
Mi., 22. Sep. 2021 20:00 Uhr

Nehmen Sie an meinem Meeting per Computer, Tablet oder Smartphone teil.
https://global.gotomeeting.com/join/579402245

Zugangscode: 579-402-245

Selektive Revision

Das DVT dient im Vorfeld einer endodontischen Behandlung nicht nur dem Erkennen besonderer Anatomie, sondern hilft mitunter auch, den notwendigen Behandlungsaufwand so klein wie möglich zu halten.

Denn nicht immer bedürfen alle Kanalsysteme eines mehrwurzeligen Zahnes einer Revision. So kann nicht nur hartsubstanz- und restaurationsschonend behandelt werden. Auch ist der finanzielle Aufwand für den mitunter nicht privat versicherten Patienten deutlich geringer.

So auch in nachfolgendem Behandlungsfall.

Die endodontische Erstbehandlung erfolgte vor 2 Jahren.

Ein MB2 konnte damals vom überweisenden Kollegen nicht dargestellt werden. Im DVT zeigte sich neben dem nicht aufbereiteten MB2 im mittleren Drittel noch eine weitere Kanalstruktur. MB2 und MB3 mündeten in einem gemeinsamen und weiten Foramen. Aufgrund der im frontalen Schnitt deutlich erkennbaren schrägen Wurzelform münden MB2 und MB3 deutlich früher als MB1. Nach Anlegen der Zugangskavität konnte MB2 recht rasch am Ende des von MB1 nach palatinal verlaufenden Isthmus dargestellt werden.

MB3 entsprang demselben Isthmus und konfluierte im mittleren Drittel mit MB2.

Wie immer wird das Recall zeigen, ob die Behandlung am Ende erfolgreich gewesen war.

EverX Flow – Fallbeispiele Recall

Hier nun die aktuellen Recalls der vorgestellten Fälle.
An dieser und dieser Stelle haben wir darüber berichtet.

 

Hier ist guter Rat teuer… Munich style

Vor Kurzem ist hier nach Ihrer Einschätzung gefragt worden.

Heute frage ich Sie bei einem zum Teil ähnlichen Fall um Ihre Meinung.

Die Patientin ist 69 Jahre alt und berichtete, dass bereits wiederholte Male „chirurgische Dinge“ an den Oberkieferfrontzähnen durchgeführt wurden. Genaueres wusste sie nicht.

Die Oberkieferfrontzähne sind gegenwärtig mit einem Langzeitprovisorium versorgt.

Aktuell beklagte die Patientin eine Fistel Regio 21 und 22.

Hier die Einzelröntgenaufnahme und unser Desktop-Mitschnitt…

Nutzen auch Sie wieder die Kommentarfunktion!

Emphysem (2)

In den letzten Beiträgen berichtete ich über ein Emphysem einer Patientin nach einer endodontischen Behandlung.

In einer kurzen Literaturecherche habe ich nach den möglichen Ursachen gesucht.

Diese wurden in der Literatur erwähnt:

  • Wasserstoffperoxid
  • Natriumhypochlorit
  • Druckluft (Luftemphysem)

Die Therapie:

Die meisten endodontisch bedingten Emphyseme sind bei geringer Ausdehnung selbst- limitierend und es kommt zu einer schnellen Remission innerhalb von 2 bis 5 Tagen. Dennoch wird die prophylaktische Gabe eines Antibiotikums empfohlen4. Es sind aber auch weitreichendere Ausdehnun- gen möglich3,14. Über miteinander in Verbindung stehende Gesichts- und Halslogen kann das Media- stinum über para- und retropharyngeale Passagen erreicht werden3. Als Folge der hier dargestellten weitreichenden Extrusion von Spülmedien ist auch die Verschleppung oraler Keime in die retro- und parapharyngealen Weichteile sowie in das Mediastinum möglich.

In Anbetracht des Gesamtumfangs der zahnärztlich- konservierenden Behandlungen in Deutschland sind die Weichteilemphyseme nach endodontischer Behandlung selten. Noch seltener sind durch die Keimverschleppung bedingte Komplikationen, wie zum Beispiel eine Mediastinitis oder Abszesse im Bereich der Halslo- gen und Spatien. Dennoch darf die Gefahr einer systemischen Infektion in Anbetracht der oben beschriebenen Ausbreitungen nicht unterschätzt werden. Daher sollten Folgebehandlungen immer stationär in einer Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie erfolgen und gehören nicht in die ambulant geführte Therapie.

Quelle: Daniel Reymann; Zerviko-faziale Weichteilemphyseme nach endodontischer Behandlung; Endodontie 2013;22(2):147–151

Therapieempfehlungen nach Extrusion von NaOCl in die periradikulären Gewebe

• In schweren Fällen Überweisung an Facharzt oder Klinik.
• Analgetika und/oder Anästhesie zur Schmerzkontrolle.
• Extraorale kalte Kompressen zur ReduktionderSchwellung.
• Nach einem Tag warme Kompressen und häufige warme
Mundspülungen zur Stimulation der lokalen Zirkulation.
• TäglicheKontrollendesVerlaufs.
• Antibiotika:nichtobligatorisch!
Nur in Fällen mit hohem Risiko oder Evidenz sekundärer Infektionen.
• Antihistaminika: nichtobligatorisch!
• Kortikosteroide: Anwendung wird kontrovers bewertet.
• Eine Weiterführung der endodontischen Therapie mit steriler Kochsalzlösung, Jod-Jodkalium oder Chlorhexidin als
Spüllösungen ist in vielen Fällen möglich.
• Bei Perforationen der Wurzel ist die Möglichkeit der Zahnerhaltung kritisch zu prüfen!
• Bei massiver Extrusion unter Umständen chirurgische Entfernung des nekrotischen Gewebes indiziert.
• Bei Atemwegsobstruktion und schwerer Einschränkung des Allgemeinzustands: Hospitalisierung!

Quelle: Michael Hülsmann; Symptomatologie und Therapie
von Zwischenfällen bei der Wurzelkanalspülung mit Natriumhypochlorit; Endodontie 2008;17(3):251-253

Luftemphyseme
Luftemphyseme sind selten vorkommende, unerwünschte Ereignisse, die auf verschiedenste Weise im Rahmen zahnärztlicher Behandlungen auftreten können. In dem Beitrag werden zunächst vier Fälle von Luftemphysemen beschrieben. Die erste Kasuistik zeigt ein Luftemphysem nach parodontaler Befundung, das vermutlich durch die Luft-Wasser-Spritze der zahnärztlichen Einheit ausgelöst wurde. In den anderen Fällen werden Luftemphyseme nach Anwendung der niedrigabrasiven Glycin-Pulverstrahltechnik dokumentiert. Bei allen Patienten klangen die Beschwerden ohne weitere Therapie innerhalb von 1 bis 5 Tagen folgenlos ab.

Die Literaturübersicht zum Thema zeigt, dass trotz der meist unkritischen Ausheilung dem richtigen Umgang mit Luftemphysemen eine große Bedeutung zukommt. Differenzialdiagnostisch müssen z. B. Allergien, Hämatome oder Angioödeme ausgeschlossen werden. Da zwischen dem Auftreten eines Luftemphysems und den – wenn auch selten beschriebenen – schweren Folgeerscheinungen wie Pneumomediastinum oder Nervschädigungen mehrere Tage vergehen können, ist eine adäquate Aufklärung des Patienten entscheidend für den fachgerechten Umgang mit dieser Komplikation.
Eine prophylaktische Antibiotikagabe zur Vermeidung von Sekundärinfektionen wird kontrovers diskutiert. Stationäre Aufnahmen und bildgebende Diagnostik sind im seltenen Fall einer Beeinträchtigung des Allgemeinzustandes des Patienten wie z. B. Atemnot oder Herzproblemen jedoch klar angezeigt.

SEITEN: 297-307, Endodontie
Petersilka, Gregor J. / Panitz, Wolfgang / Weresch, Rainer / Eichinger, Manuel
Luftemphyseme und zahnärztliche Behandlung

Hier ist guter Rat teuer…

Ein Reitunfall in der Kindheit.
Das war 2008 und die heute 21 jährige Patientin war acht Jahre jung damals. Die Zähne 11 und Zahn 21 erlitten eine Schmelz- Dentin – Fraktur ohne Pulpabeteiligung.
Ein paar Jahre später erfolgte die Wurzelkanalbehandlung der symptomatisch gewordenen devitalen Zähne durch die Hauszahnärztin. Eine Zeitlang war Ruhe, dann traten erneut Probleme auf. Es folgte eine WSR durch den Chirurgen, allerdings ohne dauerhaften Erfolg, weshalb ca. 2 Jahre später erneut reseziert wurde. Jetzt stellt sich die Patientin mit einer Beschwerdeproblematik (starkes Druckgefühl OK – Front im Kieferbereich) und vorhandener Fistel bei uns vor.

Und ich gebe die an mich gerichtete Frage der Patientin und ihrer als Begleitung anwesenden Mutter an das Auditorium weiter: „Kann man hier noch was machen ?“

Ist man geneigt, an Hand des vorliegenden Zahnfilmes eine Erhaltungsfähigkeit noch unbedingt zu befürworten, zeigt das DVT ein deutlich differenzierteres Bild. Neben den unregelmäßigen schrägen Resektionflächen imponiert vor allem die fehlende vestibuläre Lamelle als Folge der Resektions – OPs.

Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein konservatives endodontisches Vorgehen eine ausreichende Knochenregeneration bewirken könnte ?

Muss nicht zwingend eine chirurgische Intervention erfolgen und welche Folgen und welche Folgen hätte dies für Restknochen und Restwurzelsubstanz ?

Und die wichtigste Frage: Lebt das Pferd noch oder sollte man nicht besser absteigen anstatt weiter auf es einzuprügeln ? Ist hier nicht die Grenze der Zahnerhaltung längst erreicht oder bereits überschritten, die Implantatversorgung nicht nur aus Kostengründen die bessere Wahl ?

Wie immer der Aufruf – Bitte zahlreich und ausführlich zum Feedback in der Sache die Kommentar – Funktion nutzen !

Herausgeschält

von Jörg Schröder

Nicht immer verfügen Patienten über ausreichend finanzielle Mittel, um neben der endodontischen Behandlung auch gleich eine mehrgliedrige Brücke erneuern zu lassen. Daher kann es ab und zu notwendig sein, gegossene Stiftaufbauten förmlich aus der Krone herauszuschälen, sofern der Kronenrandschluss akzeptabel ist.

Das zweidimensionale Röntgenbild und der sagittale Schnitt im DVT liessen ein nach distal mündendes Foramen oder einen dort mündenden Seitenkanal vermuten. Die endodontische Herausforderung erschien überschaubar. Die Schwierigkeit bestand darin, den koronalen Anteil des gegossenen Stiftaufbaus so zu reduzieren, dass im Anschluss der sehr kurze und konische Stiftaufbau unter Erhalt der prothetischen Krone entfernt werden konnte.

Zunächst wurde der Stiftaufbau von Korona so reduziert, dass die Zementfuge zwischen Aufbau und Krone zirkumferent sichtbar wurde. Anschliessend war es einfach, den kurzen und konischen Aufbau aus dem Zahn herauszulösen.

Das pastöse Wurzelfüllmaterial war deutlich kontaminiert und konnte schallunterstützt entfernt werden.

Nach Obturation in warmer vertikaler Kompaktion wurden die metallischen Kronenanteile vor der adhäsiven Restauration mit einem opaken Liner abgedeckt. Anschliessend wurde die Kaufläche mit einem Hybridkomposit restauriert. Das Abschluss-Bild zeigt (leider) den Zustand vor der okklusalen Ausarbeitung und Politur.

Insgesamt ein Behandlungskompromiss, aber unter Umständen einer, der viele Jahre funktionieren wird.

50 nicht von der Hand zu weisende, ausgesucht gute Gründe, sich auf Endodontie zu spezialisieren“ – Episode 13: „“Wenn ich etwas ausschliesslich machen möchte, muss ich es ausschliesslich machen !““

„Wenn ich etwas ausschliesslich machen möchte, muss ich es ausschliesslich machen !“

Diesen Satz muss man erläutern.
Denn auf den ersten Blick klingt das jetzt erst mal banal-schwachsinnig, diese Aussage.

Was also ist gemeint?
Endo war immer schon mein Steckenpferd.
Naja, fast die ganze Zeit.

Am Anfang hatte ich einen Höllenrespekt vor jeder Endo (Frontzähne vielleicht ausgenommen, denn die sind ja einfach, wie hier zu sehen. Dycal war mein Freund, wenn es um eine ausgedehnte Karies an Zahn 37 ging.

Irgendwann ging diese Angst vor der Endo verloren.
Kehrte sich ins Gegenteil.
Endo macht Spass.
Aus vielen unterschiedlichen Gründen.
Und wenn etwas Spass macht, dann macht man es mehr und mehr.

Über viele Jahre haben wir in unserer Praxis 80 – 90 Prozent unser Behandlungstätigkeit der Endodontie gewidmet. Wir sind ja als Generalisten- Praxis gestartet und es fiel mir aus sentimentalen Gründen schwer, diese gänzlich aufzugeben. 2013 habe ich dann meine Tätigkeit endgültig auf Endodontie limitiert.

Und seitdem festgestellt: „Wenn ich etwas ausschliesslich machen möchte, muss ich es ausschliesslich machen !“

Denn erst seit dieser Zeit wird offensichtlich, wieviel Zeit dann doch immer noch für endoferne Behandlungen draufgegangen sind.
Es kommt halt immer doch was dazu.
So nebenher.
Und lenkt ab.
Und hält auf.

Am Ende des Tages kommt so einiges zusammen an Zeit, die ich seither zusätzlich – weil ausschliesslich – der Endo widmen kann.

Das bringt zusätzliche Kapazitäten und Entspannung in den Behandlungsablauf. „Herr Dr. Hermann, könnten Sie mal kurz…“ Herr Dr. Herrmann, ich hätte da noch eine Frage…“ Sagt der Patient bei der 01. Herr Dr. Herrmann Frau Müller Maier Schmidt ist die Prothese runtergefallen …“, fragt die Assistentin. Und trägt für alle 3 Ereignisse Behandlungstermine ein.

Alles Sätze, die nun nicht mehr fallen und alles Situationen, die nun nicht mehr aufhalten und ablenken.

Herrlich.

Kann man allerdings nur beurteilen, wenn man die Behandlungstätigkeit wirklich limitiert.
Ohne Wenn und Aber.

90 Prozent Endo ?
Das ist wie bei der totalen Sonnenfinsternis.
Das unglaubliche Schauspiel der Corona zeigt sich erst bei vollständiger Abdeckung.

Wenn auch nur wenige Prozent fehlen, dann stellt sich dieser einzigartige Eindruck nicht ein. Natürlich kann auch eine partielle Sonnenfinsternis faszinierend sein. Aber dann doch nicht annähernd so beeindruckend wie die Totale. Sollte man mal in ruhiger Stunde drüber nachdenken …

Zahn 14 mit …(II)

hier also die „Auflösung“.

Es handelte sich „natürlich um einen 14 mit drei Kanalsystemen…

hier einige Impressionen und die entsprechenden Röntgenbilder

Zahn 14 mit …

Heute möchte ich Sie zunächst für ein paar Stunden auf „die Folter spannen“ …

Zur Vorgeschichte:

Bei der 30-jährigen Patientin war vor der geplanten Implantation Regio 16 aufgefallen, dass der zuvor endodontisch behandelte Zahn 14 eine apikale PA aufwies. Daher erfolgte die Überweisung zu uns mit der Bitte um Revision.

hier schon mal das Ausgangsröntgenbild des Falles..

man kann bereits erkennen, dass dieser Zahn mal wieder etwas „mehr Anatomie“ zu bieten hat, als ein „normaler“ Prämolar…

stay tuned…

mehr dazu in ein paar Stunden…

Zahn 16 (2) – Emphysem postendodontisch

Das war das erste mal, daß ich eine Patientin sah, welche nach einer endodontischen Behandlung ein Wangenemphysem hatte.

Die Patientin brachte dies in Zusammenhang mit der Anästhesie in Verbindung und hat die Schwellung während der Behandlung bemerkt. Das Knistern in der Wange hat sie panisch werden lassen. Bis heute ist sie dadurch „traumatisiert“.
Was in der Behandlung gemacht wurde, weiß sie nicht mehr. Die Ursache ist im Nachgang nur schwer zu bestimmen.

Sie hat sich selbst in einer Universitätsklinik vorgestellt.
Es wurde eine Antibiose mit Amoxicillin 1000mg 3×1 für 7tage verordnet und eine Überweisung zu uns ausgestellt (?).
Wir haben den Zahn 16 klinisch und röntgenologisch betrachtet.

Eine Schwellung oder Hämatom war nicht zu erkennen. Ein Knistern nicht zu hören. Es waren inzwischen ca. 8 Tage vergangen.
Auf Grund der massiven intrakanalären Substanzverluste, fehlender Ferrule und der inzwischen vollständig verängstigten und panisch reagierenden Patientin haben wir uns gegen eine Fortführung der Revision entschieden.

Anbei Röntgenaufnahmen und das DVT.

In einem der nächsten Beiträge werde ich noch etwas zum Emphysem und den möglichen Ursachen zusammentragen.

Das Mittwochabend Endodontie Gespräch (III) Zukunft Zahnarztpraxis – Teil 2 – Lösungen

22. September.
20 Uhr.

Das nächste Mittwochabend Endodontie Gespräch.
Ein wichtiges und spannendes.
Weil es um betriebswirtschaftliche Belange geht.


Beim letzten MAEG habe ich ausführlich über den Status Quo der politischen Willensbildung gesprochen, die Zukunft der Zahnarztpraxen betreffend. In vielen Details. Damit eins klar rüberkommt : Die Politik hat die Medizin (und damit auch die Zahnmedizin) aufgegeben.

Warum ?
Weil man keine Lösung gefunden hat in all den Jahren.
Und die Rahmenbedingungen (für die Politik) immer schlechter und schlechter werden. Immer ältere und damit chronisch kranke Patienten. Teurer medizinischer (Apparate) Fortschritt. Höhere Kosten, immer weniger Beitragszahler.

Ergo. Die Politik hat die Medizin/Zahnmedizin, so wie sie gegenwärtig existiert, innerlich verabschiedet. Punkt.
Heilsbringer ist nun eine Ambulatorien- Staats- oder Ambulatorien-Privatmedizin.

Das ist keine schöne Nachricht.
Aber es ist Fakt.
Und wird sich nicht mehr ändern.

Was tun ?
Jammern? Wehklagen?
Nützt nix.
Interessiert niemanden. NIEMANDEN. „“Hallo ?!?!?! Mc Fly ?!?!?!? Keiner Zu Hause ?????“. Nur für Alle, die es immer noch nicht kapiert haben, das nicht Gutes mehr zu erwarten ist.

Es sei denn – wir nehmen unser Glück selbst in die Hand.

Und darüber möchte ich sprechen.
Im nächsten WURZELSPITZE – Live Talk. An dem noch einmal alle WURZELSPITZE- Teilnehmer teilnehmen dürfen.

Ich möchte 4 Wege zum Praxiserfolg (auch oder gerade) in der Zukunft vorstellen.

Natürlich sprechen wir auch über den einen fünften Weg, der garantiert in den Untergang führen wird. Dummerweise der Weg, der gegenwärtig von fast allen beschritten wird.

Also – spannendes Thema.
Ich wünsche mir eine ausgiebige Teilnahme und eine intensive Diskussion.

Bis dann. Mittwoch in 2 Wochen.
22. September
20 Uhr.

Guided Endo – das Recall

Vor 7 Monaten habe ich hier über die endodontische Behandlung eines 21 berichtet, der eine starke Obliteration aufwies. Und über meine Lehre, die ich für mich aus meiner gescheiterten Erstbehandlung gezogen hatte.


Nachdem der Zahn (erwartungsgemäss) 6 Monate nach versuchter handgeführter Aufbereitung eine apikale Pathologie entwickelt hatte, erfolgte die zweite Aufbereitung schablonenunterstützt.

Heute nun das erfreuliche Recall. Die klinische Symptomatik ist vollständig abgeklungen und radiologisch erscheint die Heilung der apikalen Pathologie voranzuschreiten.

 

26 mit vielen Hürden

Vor knapp 2 Wochen hatte ich hier die Ausgangssituation geschildert und um Therapievorschläge und Empfehlungen für eine (etwaige) Behandlung geben.

Nachfolgend nun die Behandlungsdokumentation.

Wie schon im Kommentar geschrieben mochte der Patient der ursprünglichen Empfehlung der Zahnentfernung nicht folgen und wünschte einen Erhalt des 26, wenn technisch möglich.

Nach Entfernung der langzeitprovisorischen Brücke 23-25,26 erfolgte zunächst der dentinadhäsive zirkumferente Aufbau, um unter absoluter Trockenlegung arbeiten zu können.

Nach Entfernung des in DB vorhandenen Wurzelstiftes mit Hilfe des Thomas-Systems konnten anschliessend alle Kanaleingänge dargestellt werden. Im Anschluss ließ sich der die Perforation verursachende Stift mit Ultraschall entfernen. Soweit lief alles nach Plan.

Nun wurden die Perforationsränder gesäubert und die in der Funktion befindliche knöcherne Lakune drucklos mit NaOCl durchspült. Und dann löste sich der Kofferdam nebst Aufbau.

Da der Zahn auch ohne Kofferdam trocken zu legen und die Perforation gesäubert war, erfolgte das Anlegen des kollagenen Widerlagers und der Verschluss mit MTA in relativer Trockenlegung.

Anschliessend wurde das MTA mit Ultrablend abgedeckt, die gesamte Zahnhartsubstanz mit rotierenden Instrumenten angefrischt und ein „verstrebter“ Aufbau erstellt. Durch das Verstreben können auch Teile des Pulpakammerbodens zur Retention genutzt werden. Die Kanaleingänge wurden ausgespart und mit Schaumstoff und Cavit verschlossen. Nach Präparation des Zahnes wurde die Krone des 26 von dem dem vorhandenen PVabgetrennt, dasselbe rezementiert, an 26 eine temporäre Krone erstellt und mit RelyXUniCem befestigt.

Nun konnte nach erneuter Trepanation die chemo-mechanische Aufbereitung der Kanalsysteme erfolgen. Während MB1 in starker Krümmung nach distal verlief überraschte MB2 mit einem deutlich geringer gekrümmten Verlauf. Das Foramen mündet in einer ungewöhnlichen Einziehung der mesialen Wurzel, die im achsialen Schnitt imponiert.

Da die apikale Aufhellung an DB sehr gering war, wurde aus Zeitgründen auf das Entfernen der Guttapercha in DB verzichtet.

Nach medikamentöser Einlage mit CaOH2 wurde die Zugangskavität bis zur zweiten Behandlungssitzung adhäsiv verschlossen.

Nach erneuter Trepanation konnten in der zweiten Sitzung alle Kanalsysteme bis zum Foramen instrumentiert werden.


Die Obturation erfolgte mit BC Sealer. Nach dem ersten Recall in 6 Monaten soll der Ferrule mittels chirurgischer Kronenverlängerung hergestellt werden.

Ein Grenzfall der Zahnerhaltung, sicher. Nun wird die Zeit es zeigen.

Schraube vs. Zahn – reloaded (III)

Hier ein weiteres Kapitel dieser bzw dieser Geschichte.

Gestern stellte sich die Patientin mit neuerlichen Beschwerden in Regio 37 vor. Insbesondere dieser Zahn war seit der Metallplatten-Entfernung vor ca. einer Woche sehr klopf- und aufbissempfindlich.

Mit der bekannten Vorgeschichte war die Patientin verständlicherweise sehr beunruhigt.

Das angefertigte DVT zeigte Folgendes:

Glücklicherweise konnte dieses Mal eine endodontische Genese der Beschwerden durch eine Schraubenperforation ausgeschlossen werden…

leider gibt es aber ein weiteres Kapitel zu dem von uns behandelten Zahn 16…

aber mehr dazu in Kürze…

Zahn 16

Die Patientin stellte sich bei uns vor. Der Zahn 16 wurde anbehandelt.

Dabei hatte die Patientin starke Beschwerden. Bereits bei der Anästhesie war es sehr unangenehm. Nach der Behandlung hatte sie Beschwerden und eine Schwellung rechts und berichtete über ein „Knistern“ in der Wange.
Anbei das Ausgangsbild und ein DVT Screenshot.
Wer hat die mögliche Diagnose parat?

 

Geschichten aus dem Endozän – Der Blutdruck spinnt

Samstagmorgen.
Mein Nachbar von schräg gegenüber, ein Bäckermeister. Geschätzt 10 Jahre jünger als ich. Eigener Betrieb mit 3 Verkaufsstellen. Er hat Probleme mit dem Blutdruck, wir kommen ins Gespräch. Irgendwie haben die Tabletten nicht mehr richtig funktioniert. Er hatte geschwollene Beine rund um die Socken. Jetzt – mit einem neuen Medikament – ist wieder alles gut. „Aber, wissen Sie was mich erstaunt hat ? Ich war bestimmt eine halbe Stunde im Behandlungszimmer und auf der Rechnung standen 32 Euro. Ich weiss gar nicht, wie das gehen soll. Wenn ich ein Buffet ausrichte, für eine Familienfeier dann kostet das, sagen wir 1300 Euro. Das sind für mich 4 Stunden Arbeit und 300 Euro Materialkosten. Bleiben 1000 Euro für mich übrig. Aber 30 Euro für eine halbe Stunde ? Er schüttelt den Kopf.

„Und jetzt sind sie privatversichert“, antworte ich. „Beim Kassenpatienten gäbe es für die Beratung knapp 11 Euro.“

Er lacht.
Ungläubig.

PV Deluxe

Freitagvormittag. Fast geschafft die Woche. Da kommt der Anruf einer entfernten Bekannten.

Ein Frontzahn ist auf Gingivaniveau abgebrochen. Die endodontische Behandlung dieses 12 liegt laut Patientin mehr als 14 Jahre zurück.

Zum Glück hat sie das Fragment aufgehoben und – Dr. Google sei Dank – in Wasser gelagert.

Die Ursprungsidee der Anfertigung einer provisorischen Krone nach Befestigung eines Glasfaserstiftes und Etablierung eines adhäsiven Aufbaus habe ich spontan verworfen, als ich beim Einprobieren des Zahnfragmentes vor Abformnahme sah, wie gut sich das Fragment reponieren ließ.

Also Plan B.

Retraktion der Gingiva. Reduktion des Thermafill-Carriers. Abstrahlen des Fragmentes mit Al2O3 und Präparation eines zylindrischen Raumes zur Aufnahme eines Glasfaserstiftes. Einprobe der Kombination Glasfaserstift/Zahnfragment und Kontrolle des spaltfreien Sitzes. Konditionieren der Zahnhartsubstanz unter relativer Trockenlegung. Konditionieren des Fragmentes. Adhäsives Reattachment.

Für den weiteren Verlauf habe ich der Patientin empfohlen zunächst die Möglichkeit der Extrusion der Zahnwurzel nach Neumeyer klären zu lassen und bis dahin die momentane Lösung als semipermanente Versorgung zu betrachten.

 

Umstellungsosteotomie und mehr (I)

Von Christoph Kaaden

In der Vergangenheit habe ich hier und hier über zwei Fälle mit Komplikationen nach bzw. durch eine Umstellungsosteotomie berichtet.

Heute ein neues Kapitel in dieser Rubrik.

Allerdings bei einer anderen Patientin… was die Situation allerdings nicht wirklich besser macht.

Zu den Hintergründen:

Bei der heute 22-jährigen Patientin war Anfang 2020 eine bignathe Umstellungsosteotomie durchgeführt worden. Mit dem operativen Ergebnis war und ist die Patientin sehr zufrieden.

Einige Zeit nach dem Eingriff kam es allerdings zu einer starken Bordeauxrot-Färbung des Zahnes 21, der im weiteren Verlauf dann laut Patientin „schwarz“ wurde.

Das Ergebnis der daraufhin durchgeführten endodontischen Behandlung sehen Sie hier:

Leider ereilte Zahn 13 kurze Zeit danach laut Patientin ein ähnliches Schicksal.

Diese Behandlung, sowie die Revision von 21, wurde anschliessend von einem anderen Kollegen durchgeführt.

Da das mehrfach durchgeführte interne Bleaching der beiden Zähne immer nur ca. 10-12 Wochen stabil blieb, entschied sich die Patientin zur Erzielung einer permanent guten Ästhetik für eine prothetische Versorgung der Zähne (21: Vollkrone; 13: Veneer).

Leider erfüllte sich der ästhetische Wunsch der jungen Dame nicht und sie hadert sehr mit dem Ergebnis…

Es wurde ihr vermittelt, dass sie sich mit dem Ergebnis anfreunden müsse. Alternativ wurde auch eine mögliche Implantation besprochen.

Uns wurde die Patientin nun zugewiesen, weil es bei der ebenfalls kürzlich initiierten endodontischen Therapie des 23 Probleme bei der Auffindung des Kanalsystems gab.

und nun?

Misserfolg Zahn 17

Von Christoph Kaaden

Zumeist berichten wir von erfreulichen Ergebnissen unserer endodontischen Bemühungen. Heute möchte ich Ihnen ein gestriges Recall zeigen, welches einen Misserfolg zu Tage brachte.

Zur Vorgeschichte:

Ich sah den 56-jährigen Patienten erstmals im September 2019. Alio loco war an Zahn 16 mit einer endodontischen Behandlung begonnen worden.

Unser „Auftrag“ war es die Behandlung zu Ende zu führen. Die Therapie erfolgte zweizeitig und konnte ohne Besonderheiten im November 2019 abgeschlossen werden.

Im August 2020 stellte sich der Patient erneut mit Schmerzen im Seitenzahngebiet des Oberkiefers rechts vor. Diesmal wurde Zahn 17 als ursächlich diagnostiziert.

Apikale Parodontitis Zahn 17, Zustand nach WF Zahn 16 November 2019

Auch hier zeigten sich im ersten Termin keine nennenswerten Besonderheiten. Allerdings gab der Patient im weiteren Verlauf an, dass das Beschwerdebild persistierte (Druckgefühl; Verstärkung durch körperliche Aktivitäten wie Treppensteigen). Wir führten daraufhin eine weitere Behandlung durch, bei der die Aufbereitungsdurchmesser der Kanalsysteme vergrössert wurden und ferner eine jodoformhaltige medikamentöse Einlage eingebracht wurde. Etliche Wochen später war der Patient beschwerdefrei und es erfolgte der Abschluss der Therapie mittels Wurzelkanalfüllung (BC Sealer High flow) und postendodontischem adhäsiven Verschluss der Zugangskavität.

Anfang dieser Woche rief der Patient nun an und berichtete von erheblichen Aufbißbeschwerden und vestibulären Druckempfindlichkeit an Zahn 17.

Hier das daraufhin angefertigte Kontrollbild.

Meine erste Reaktion war zunächst „positiv“, schien es doch so, als wäre die vormals sichtbare apikale Parodontitis rückläufig….

Prä-op vs. 6 Monate post-op

Woher aber die beschriebenen Symptome und die vestibuläre Rötung?

Das daraufhin anfertige DVT zeigte eine bukkale Osteolyse bis in die Trifurkation.

Insbesondere im Verlaufvergleich war diese anfänglich nicht vorhanden gewesen…

Ich habe den Patienten darüber informiert, dass ich keine weitere Chance der Zahnerhaltung sehe…

Wie schätzen Sie die Situation (soweit für Sie beurteilbar) ein?

PS: SO macht Recall KEINEN Spaß!

Ich bin dann mal weg…

Eine kurze Auszeit muss ich dieses Jahr machen.
Mal 1 Woche ohne Internet, um wieder zum inneren Frieden finden.

Danke für Euer Verständnis.

 

 

HEPI – Index (2) – Im täglichen Ablauf

Ich möchte auf 2 Dinge eingehen, die im Nachgang der Vorstellung des HEPI – Index angesprochen wurden.

Zunächst, der HEPI-Index erhebt nicht den Anspruch ein wissenschaftlicher Index zu sein.

Ich verstehe die Intention, eine endodontische Situation in all ihren Facetten abbilden zu wollen. Natürlich wäre es möglich, einen detaillierten, 30 Punkte umfassenden Index zu erstellen.

Aber – was würde es im Alltag bringen?
An tatsächlichem Nutzen für den Behandler ???

Leute, nicht mal der Nutzen des Kofferdams ist in der Zahnmedizin zweifelsfrei belegt. Es ist an der Zeit, die althergebrachten Denkstrukturen zu hinterfragen, wenn diese seit Jahrzehnten offensichtlich keinen oder einen nur sehr geringen, den Aufwand nicht rechtfertigenden Grenznutzen liefern. Von daher stimme ich zwar den Überlegungen von Andras Csoegor vollkommen zu. Es wäre interessant, einen Prognose-Index zu haben, der möglichst viele Parameter beinhaltet. Allerdings – dies ist (nicht nur in unserer Praxis) nicht durchführbar. Der benötigte Zeitaufwand für die aufgeführten Parameter ist schlicht und einfach zu groß.

Ich suche etwas anderes.
Mittwoch ist unser Untersuchungstag.
Ich sehe in der Zeit von 8 Uhr bis 13 Uhr 10 -12 Personen zur Diagnose/Beratung. Da ist es zwingend notwendig, effizient und resourcenschonend zu verfahren, was die Beratungszeit angeht. Und genau da setzt der HEPI – Index an. Als Screening- Instrument, das problematische und damit beratungsaufwändige Situationen herausfiltert, und in diesen Fällen eine Hilfestellung in der Beratung darstellt.

Betrachten wir erläuternd die 10 Fälle von letztem Mittwoch.

Patientin 1 CG Zahn 26 – 2 Kanäle nicht gefunden

Zahn 26


Prognose 90
Aufwand 60

Überschlag => HEPI Index größer 1
Patient will Behandlung
Behandler will Behandlung

=> Behandlung okay, Erwähnung des HEPI – Index nicht notwendig

Zeitaufwand HEPI – Index 10 Sekunden

Patientin 2 SSch Zahn 16

Zahn 16


Prognose 90
Aufwand 60

Überschlag => HEPI Index größer 1
Patient will Behandlung
Behandler will Behandlung

=> Behandlung okay, Erwähnung des HEPI – Index nicht notwendig

Zeitaufwand HEPI – Index 10 Sekunden

Patientin 3 JPF 25 26 Zweitmeinung

Zahn 25 26


Prognose 60
Aufwand 120

Überschlag HEPI Index kleiner 1
Patient will Behandlung 8
Behandler will Behandlung 1

Überschlag HEPI Index > 1

=> Behandlung okay, Erwähnung des HEPI – Index nicht notwendig

Zeitaufwand HEPI – Index 10 Sekunden

Patientin möchte unbedingt Versuch Zahnerhalt => in der ersten Behandlungssitzung soll die Erhaltungsfähigkeit des Zahnes hergestellt werden

Patient 4 UW Zahn 25

Zahn 25

Prognose 90
Aufwand 60

Überschlag HEPI Index größer 1 –
Patient will Behandlung
Behandler will Behandlung

=> Behandlung okay, Erwähnung des HEPI – Index nicht notwendig

Zeitaufwand HEPI – Index 10 Sekunden

Patientin 5 AF 27


Prognose 60
Aufwand 120

Überschlag => HEPI Index kleiner 1
Patient will Behandlung? 10
Behandler will Behandlung 1

Überschlag HEPI Index größer 1

=> Behandlung okay, Erwähnung des HEPI – Index nicht notwendig

Zeitaufwand HEPI – Index 10 Sekunden

Patientin 6 EF 26 27


Prognose 90
Aufwand 90

Überschlag HEPI Index gleich 1
Patient will Behandlung
Behandler will Behandlung

=> Behandlung okay, Erwähnung des HEPI – Index nicht notwendig

Zeitaufwand HEPI – Index 10 Sekunden

Patientin 7 UD Zahn 24

Zahn 24

Prognose 90
Aufwand 60

Überschlag HEPI Index größer 1
Patient will Behandlung
Behandler will Behandlung

=> Behandlung okay, Erwähnung des HEPI – Index nicht notwendig

Zeitaufwand HEPI – Index 10 Sekunden

Patientin 8 SA Zahn 17


Prognose 60
Aufwand 60

Überschlag HEPI Index gleich 1
Patient will Behandlung
Behandler will Behandlung

=> Behandlung okay, Erwähnung des HEPI – Index nicht notwendig

Zeitaufwand HEPI – Index 10 Sekunden

Patientin 9 BH Zahn 14


Prognose 30
Aufwand 90

Überschlag => HEPI Index kleiner 1
Patient will Behandlung? 10
Behandler will Behandlung -10

Überschlag HEPI Index kleiner 1

=> Genaue Erörterung der Situation notwendig unter Zuhilfenahme des HEPI – Index
Gegenüberstellung HIPI – Index (Herrmann Implantologie Prognose Index)


Prognose 90
Aufwand 30

0,33 vs 3

Patientin möchte unbedingt Versuch Zahnerhalt => in der ersten Behandlungssitzung soll die Erhaltungsfähigkeit des Zahnes hergestellt werden

Patient 10 VT Zahn 15

Zahn 15

Prognose 30
Aufwand 150 (Revision + obliterierte Kanäle + Fragment + besondere Anatomie)

Überschlag => HEPI Index kleiner 1
Patient will Behandlung? 3
Behandler will Behandlung -10

HEPI – Index 0,06

=> Genaue Erörterung der Situation notwendig unter Zuhilfenahme des HEPI – Index
Gegenüberstellung HIPI – Index (Herrmann Implantologie Prognose Index)

Prognose 90
Aufwand 30

0,06 vs 3

Patient möchte zunächst Versuch Zahnerhalt => in der ersten Behandlungssitzung soll die Erhaltungsfähigkeit des Zahnes hergestellt werden

Interessant bei den letzten beiden Fällen. Ähnliche Situation, zumindest auf den ersten Blick im Zahnfilmvergleich. Aber deutlicher Unterschied im HEPI. Viel wichtiger jedoch. Von den 10 Fällen sind 7 auf Grund des HEPI- Screenings unproblematisch in der Patientenaufklärung. Das spart viel Zeit und Mühen. Die Beratungstage sind sehr anstrengend und gegen Ende des Vormittags wird es zunehmend zäher und zäher. Letztendlich waren es 3 Patientengespräche, in denen die vorliegende Situation eine besonders aufwändige Aufklärung bedurfte, die Risiken und die Behandlungsalternativen betreffend. Der HEPI – Index hilft hier, daß man sich auf die schwierigen Situationen fokussiert und er illustriert den Sachverhalt für den Patienten und beschleunigt so ebenfalls die Beratungssituation.

Weiter geht es nächste Woche.
Mit der Frage, inwieweit der HEPI – Index bei unterschiedlichen Behandlern variiert, ob es überhaupt eine gemeinsame Basis geben kann und falls nicht, was dies für die Anwendbarkeit solch eines Indices in der Praxis bedeutet.

Tiefe apikale Aufgabelung

Solange tiefe Aufgabelungen unter dem Mikroskop visualisierbar sind, ist es nur eine Frage der Geduld, bis ich die einzelnen Kanalsysteme gezielt instrumentieren und nachfolgend desinfizieren und füllen kann.

In nachfolgendem Behandlungsfall lag die tiefe Aufgabelung weit jenseits einer deutlichen Krümmung nach distal.

Selbst nach Aufrichten der Zugangskavität gelang es nicht, die Teilungsstelle einzusehen oder sie mit vorgebogenen Handinstrumenten taktil zu erfassen.

Der mesiobukkale Kanal ließ sich bis zum Foramen instrumentieren. Die Aufbereitung des MB2 erfolgte mittels schall- und laserunterstützter Irrigation.

Schön zu sehen, dass es mit entsprechend aktivierten Spüllösungen und einer entsprechender Obturationstechnik möglich ist auch nicht einsehbare Kanalabschnitte zu reinigen und zu füllen.

Warum Kofferdam?

Darüber sind wir alle hinweg.
Über die Notwendigkeit es Kofferdams zu sprechen, meine ich.

Nun ist mir eine, bisher gar nicht in den Sinn gekommene Indikation, untergekommen.
Dieses Röntgenbild erreichte uns.

Flying Points…
Jeder Sportfotograf wäre neidisch geworden. So ein Augenblick fotografisch festzuhalten ist sehr schwierig. Röntgenlogisch ist das eine ähnliche Herausforderung.

Kofferdam hilft auch in der Meßaufnahme und vor der möglichen Aspiration von Guttaperchaspitzen.

 

Schienung und mehr (I)

Neben Vincent haben wir in unserer letzten Arbeitswoche vor den Sommerferien „leider“ auch den 11-jährigen Jakob behandeln müssen. Ein Jahr zuvor haben wir bereits seinen zwei Jahre älteren Bruder nach Trauma (Intrusion) behandelt…

Jakob hatte sich Zahn 11 in einem Rutschenparadies avulsiert.

Auf den Knien-rutschend hatte er das Gleichgewicht verloren und war vornüber auf die Rutsche geknallt.

Der Zahn war anschliessend circa 45 Minuten unphysiologisch (Wasser) gelagert worden.

Danach folgte die „Umsetzung“ in Milch.

Nach der circa zweistündigen Wartezeit in dem grossen Münchner Versorgungszentrum erfolgte vor der „Erstversorgung“ eine weitere Zwischenlagerung in einer Zahnrettungsbox…

Vor der dann ohne Lokalanästhesie durchgeführten Replantation würde der Zahn extraoral „trepaniert“ und abschliessend mittels Komposit an den Nachbarn „geschient“…

DIe beschriebene „Behandlung“ erfolgte an einem Freitag; wir sahen Jakob am darauffolgenden Montag…

hier ein paar Impressionen der vorgefundenen Situation…

Prognose – das Recall, Zahn 46

Nach endodontischer Behandlung 46.

MTA Fall im Recall

Dies war einer der ersten Fälle mit ProRoot MTA in unserer Praxis.
Um 1990 hat Professor M. Torabinejad ProRoot zur Marktreife geführt. Um 2000 kam es dann über Dentsply nach Deutschland.
Anfänglich habe ich das Material mit größter Skepsis gesehen. Insbesondere, wenn man erfuhr, das es nichts weiter als Portlandzement ist.
Inzwischen ist es ein nicht mehr weg zu denkendes Material in unserer Praxis. Inzwischen kommt Konkurenz durch biokeramische Materialien auf, aber das MTA hat so eine Art Goldstandardfunktion bei uns erreicht.

Hier nun ein Recall von einer der ersten Fälle aus unserer Praxis. Das ist nun fast 15 Jahre her.
Das Recall war nur entstanden, weil die Patientin sich an uns erinnerte und wegen einem neuen Behandlungsfall auftauchte.
Damals hatten wie die Zähne 21 und 14 im Überweisungsauftrag.
Diese Zähne waren bereits reseziert.
14 habe ich damals nach der WF Entfernung und der geringen Restzahnsubstanz zur Extraktion und Implantation empfohlen. Letzte Woche war der Zahn noch immer da. Ohne Beschwerden und wir hatten das auch nicht mehr auf dem Plan und haben ein Röntgenbild erstellt. Erstaunt waren wir, daß keine WF zu sehen war und dann wurde die Kartei durchsucht. Mit dem HZA hatten wir damals besprochen, daß der Zahn nicht als prothetischer Pfeilerzahn funktionieren wird und entfernt werden sollte.
Er war immer noch da und apikal scheint die Aufhellung zumindest deutlich reduziert.
Nun werden wir nochmals prüfen ob doch ein Erhalt möglich ist und wie stellt sich 15 apikal im DVT dar.

 

Taktikbesprechung (2) – Der HEPI-Index in der Patientenberatung

Es ist noch gar nicht solange her, da hätte ich mir die Röntgenbilder der gestrigen „Taktikbesprechung“ angeschaut und dann, man nenne es Intuition oder auch klinische Erfahrung, aber letztendlich aus dem Bauch heraus meine Aussage getroffen:

Behandlung => Ja oder Nein ?

Dann kam Thomas Seitner und gab – hier bei WURZELSPITZE – zu bedenken, es wäre gut, es gäbe eine auf fallbezogenen Faktoren beruhende Beurteilung, die endodontische Behandlung betreffend.

Kennen Sie das ?
Wenn einer mit einer Idee rüberkommt, die so klar und auf der Hand liegend ist, dass man sich fragt, warum man nicht selbst und vor allem nicht schon viel viel früher selbst drauf gekommen ist.

So ging es mir damals.
Eine blitzartige Erkenntnis, dass wir genau so etwas wirklich gut gebrauchen könnten. Eine Möglichkeit der Kommunikation mit dem Patienten, einen komplexen Sachverhalt auf möglich einfache Art und Weise herunterzubrechen.

Ich fing, an mir Gedanken zu machen.
Wie müsste so etwas aussehen ?

Einfach, schnell und unkompliziert durchzuführen sollte es sein.
Am Behandlungsstuhl.
Mit einem Ad Hoc-Ergebnis, dass ohne grosse Rechenoperationen (kein Rechner, kein Blatt Papier, keine Tabellen, im Kopf demnach) erstellt und dem Patienten sofort und gegebenenfalls ohne grafische Hilfsmittel das Resultat präsentiert werden kann und er ad hoc in der Lage ist, die Situation zu bewerten und danach stande pede seine Entscheidung treffen zu können.

Herausgekommen ist das Nachfolgende. Und Jörg Schröders Fall ist ein schöne Möglichkeit, meine Vorgehensweise am konkreten Beispiel vorzustellen:

Prinzipiell gilt es zwei Dinge miteinander in Relation zu stellen. Die Prognose des Zahnes auf der einen Seite und der zum Zahnerhalt notwendige Aufwand auf der anderen.

Das Ergebnis ist ein Index, der dem Patienten präsentiert werden kann. Als einfach zu kommunizierendes Hilfsmittel zur Entscheidungsfindung pro/contra Zahnerhalt.

Wie es geht ?

Wir beurteilen zunächst die Prognose des Zahnes. Einfacher Zahn, Erstbehandlung. Dann würde ich (nicht 100%, das wäre aus strategischer Sicht unklug, aber doch minimal) 95 (Prozent) als Wert voraussetzen.

Als nächstes geht es um die Beurteilung des Arbeitsaufwandes, der zum Zahnerhalt notwendig ist. Hier gehe ich in 30er Schritten vor und addiere die jeweiligen Schwierigkeiten. OK -Frontzähne 30, Molaren 60. Eine Revision ? Weitere 30 Punkte. Wie auch jede weitere Schwierigkeit. Extreme Obliterationen oder exotische Anatomieen ? + 30 Perforation ? + 30. Frakturiertes Instrument ? + 30. Sie verstehen das Prinzip.

Setzt man nun beide Werte – Prognose und Aufwand – in Bezug zueinander,

Prognose
_________

Aufwand

erhält man im positiven Falle eine Verhältniszahl, die gleich/größer als Eins ist. Im negativen Fall ist die Verhältniszahl kleiner als 1.

Das bedeutet nicht, dass der Zahn nicht zu erhalten ist, aber für die weitere Beurteilung ist es nun wichtig, zu wissen, welchen Aufwand und welches Risiko des Misserfolges der Patient mitzutragen bereit ist.

Dies gilt es im nächsten Schritt zu erfragen. „Wie sehr (auf einer Skala von 1 – 10) hängen Sie an diesem Zahn?“ lautet folgerichtig unsere Frage an den Patienten.

Gleiches gilt für den Behandler. Dieser hat auf einer Skala von + 10 bis – 10 die Möglichkeit, eine subjektive strategische Einschätzung vorzunehmen. Hier fliessen alle „weichen“ Faktoren ein, die einen einer Behandlung in all ihrem Facettenreichtum innerlich zustimmen oder gegebenenfalls auch davon Abstand nehmen lassen.

Beispiel gefällig ?
Ein sehr netter Patient, der seit vielen Jahren in die Praxis kommt und ein strategisch wichtiger Zahn, der eine vorhandene Zahnersatzversorgung stabilisiert? Eine glatte +10. Ein sehr unangenehmer Patient, der gleich bei seinem ersten Besuch in der Praxis an Allem etwas herumzumeckern hat, der Meinung ist, die Behandlung sei für ihn, weil Privatpatient, sofort und kostenfrei durchzuführen, im Vorfeld schon eine mannigfaltiger Schriftverkehr mit den Kostenträgern notwendig war, und es um einen Zahn geht, der eigentlich unter die Rubrik „Herodontics“ fällt? Im schlimmsten Fall ist das eine – 10!

Wie geht das Alles nun in die Formel ein ?

Die Einschätzungen werden mit dem Quotienten aus Prognose und Aufwand multipliziert.

Prognose.
_________ * Einschätzung Patient * Einschätzung Behandler

Aufwand

Und letztendlich soll – wie der Volksmund sagt – unterm Strich – als Resultat ein positives Ergebnis herauskommen. Was immer dann der Fall ist, wenn der ermittelte Wert => 1 ist.

Nehmen wir als Positiv-Beispiel einen endodontisch zu behandelnden Oberkieferfrontzahn bei einer 21 Jährigen. Prognose? 99 Prozent. Aufwand? 30 Prozent. Ergibt 3,3. Die Patientin mit sehr gepflegtem, kariesfreiem, kfo – reguliertem Gebiss möchte den Zahn auf jeden Fall erhalten. Eine glatte 10. Das sehe ich genauso und ziehe, meine Einschätzung in die Waagschale werfend, ebenfalls die Höchstnote 10. Ergibt einen Index-Wert von 330. Ab einem Index- Wert von 1 würden wir behandeln, 330 ist exorbitant höher, man sieht also sofort, dass wir hier es mit einem extrem erhaltungswürdigen Zahn zu tun haben.

Wie sieht es nun mit Jörg Schröders Taktikbesprechungszahn aus ? Klar kann ich sagen, lohnt sich nicht mehr, aber geht es auch ein wenig weniger eminenzbasiert?

Betrachten wir zunächst den zu veranschlagenden Aufwand

Molar 60
Revision 30
Wurzelstift 30
Perforation 30
Fehlender Ferrule 30
herausforderende Anatomie 30

Und wie sieht es mit der Prognose (Erfolgswahrscheinlichkeit in Prozent) aus ?

Revision 80
Perforation – 30
mangelhafter Ferrule – 30

Dann sind wir bei einer Erfolgswahrscheinlichkeit von 20 Prozent, der ein Arbeitsaufwand von 210 Prozent gegenübersteht. ergibt 0,095 als Index-Wert. Und bei Alles unter 1 gehe ich als Behandler auf Distanz. The odds are against us – die Gewinnchancen sind gegen uns.

Das heisst jetzt nicht, dass wir solche Fälle grundsätzlich niemals nicht behandeln. Was noch fehlt, sind die Einschätzungen von Patient und Behandler. Wie sehr hängt der Patient an diesem Zahn ? Wie stufe ich als Behandler den Zahn ein ? Unbedingt behandlungswürdig oder würde ich leichten Herzens auf diesen Zahn verzichten? Wenn Patient und Behandler gleichermaßen Höchstnoten vergeben, kämen wie immerhin auf einen Wert von 11.

Auf der anderen Seite würde im vorliegenden Fall selbst ein Patient mit Höchstbewertung 10 keine ausreichende Punktewertung erzielen können, sofern der Behandler nicht von der Sinnhaftigkeit der Behandlung überzeugt ist. Eine Minuswert bei seinen Beurteilungen bedeutet nämlich, dass der entsprechende Wert vom Zähler in den Teiler der Gleichung rückt.

20/210*10*10 = 9,5

Im vorliegenden Fall bin ich persönlich stark gegen eine endodontische Behandlung dieses Zahnes. Ich kenne nicht alle Faktoren, aber von dem, was ich sehe, wäre mein Votum eine -8.

Bedeutet

20/210*10/8 = 0,12

Klingt das jetzt kompliziert ?

Das ist es aber nicht.

Im Gegenteil.

Seit das Thema (Danke Thomas!) aufkam, nutze ich dieses Hilfsmittel für mich selbst, um in wenigen Sekunden in Gedanken mich klar aufzustellen, ob es für mich (und den Patienten) Sinn macht, eine endodontische Behandlung durchzuführen. Das geht rasend schnell. Molar, Revision, grosse apikale Aufhellung, stark obliterierte Kanäle. Aufwand 120. Prognose? 60 Prozent ?

Und schon kommst darauf an, was der Patient sagt: Wie sehr hängen Sie an diesem Zahn, „Naja wenns sein muss, muss er raus. Sagen wir eine 3.“

60/120 = 0,5* 3 Ergibt 1,5. Also ganz knapp schon an der unteren Grenze. Und wie beurteile ich den Fall ? Im günstigsten Fall *10, dann wären wir bei 15, im schlechtesten Fall /10, dann wären wir bei 0,15

Alles im Kopf leicht zu rechnen.

Und wir sind gerüstet für die Kardinalfrage des Patienten. Was tun mit dem Zahn ? In einer Reihe von Fällen nutze ich nun den HEPI-Index auch zur Patienteninformation. „Schauen Sie Herr Müller Maier Schmidt, zur Verdeutlichung ihrer speziellen Situation ist es hilfreich, den sogenannten HEPI – Index heranzuziehen. Wir müssen lediglich 4 Parameter zur Beurteilung in Bezug setzen. Die Überlebenswahrscheinlichkeit des Zahnes, den Arbeitsaufwand, der notwendig ist, ihr persönlicher Wille zum Zahnerhalt und die zahnmedizinisch-strategische Einstufung. Alles über 1 ist okay, je höher der Wert umso besser und alles unter 1 ist so, dass sie ihr Geld besser sparen und in etwas anderes investieren sollten.

Meine Erfahrung soweit: Mehr als mit vielen Worte erkennt der Patient sofort, wo er steht mit seinem Zahn. Und ist beeit, dem fachlichen Rat zu folgen. Gerade die Zauderer (die ewig lange im Stuhl hin und her überlegen, sind mit dem HEPI – Index viel schneller als bisher in der Lage, einer Entscheidung zu treffen.

Mein Tipp.
EInfach ein paar Mal ausprobieren.
Ich verspreche.
Es hilft.

Achja.
HEPI steht für Herrmann Endodontie Progose Index, aber das bleibt unter uns.
Auch das ist Psychologie. Man muss dem Kind einen Namen geben, das beeindruckt subliminal und verstärkt die Wirkung.

Prognose?

Anlässlich des Beitrages „Taktikbesprechung“ hier das Ausgangsbild eines unteren Prämolarens.

Wie lauten hier die Empfehlungen?

Taktikbesprechung

Wie hättet Ihr entschieden? Erhaltungsversuch oder Zahnentfernung?

Wenn Erhaltungsversuch, wie wäret Ihr vorgegangen? 1.2.3. usw.

Was wäre Plan A, wie sehe der Plan B (C, D, …) aus?

Die Ausgangssituation:

Im Zuge einer prothetischen Neuversorgung sind alle Zähne und die Implantate mit laborgefertigten Langzeitprovisorien versorgt worden.

Zahn 26 ist mit einer mit Zahn 25 vorblockten Krone versorgt und soll endodontisch behandelt werden. Das Langzeitprovisorium reicht von 23-26 und ist mit Temp Bond NE befestigt.

Der Zahn 26 zeigt im DVT folgende Befunde:

Nicht aufbereiteter MB2, MB1 unvollständig aufbereitet, apikale Aufhellung an der sehr stark nach distal gekrümmten Wurzel.

Unvollständige Wurzelfüllung in DB, durchgehender Parodontalspalt DB, massiver Wurzelstift in DB

Unvollständige Wurzelfüllung in P, apikale Aufhellung apikal von P, Kanalkrümmung apikal nach distal

Perforation im Bereich der Furkaktion durch ausserhalb der Zahnachse gesetzten Wurzelstift

Sekundärkaries der palatinalen Hartsubstanz, sehr konische Pfeilerpräparation an Zahn 26.

Wie geht Ihr es an?

PV belassen und definitiv zementieren oder Ekr und präendodontischer Aufbau?

Zuerst den perforierenden Stift entfernen oder den Stift in DB? Oder DB belassen?

Zuerst die Perforation verschliessen oder die Kanäle aufbereiten?

Womit wird der Perforationsverschluss durchgeführt? Wird das Verschlussmaterial vor dem Weiterarbeiten so belassen oder abgedeckt?

Zuerst MB1 oder MB2 instrumentieren? Welche Instrumente kommen in welcher Reihenfolge zum Einsatz?

Wer erinnert sich noch an die Fallserie mit den Prämolaren mit besonderer Wurzelkanalanatomie ? (Teil 2)

Wer von den Lesern hat den Beitrag am Dienstag überflogen und ist zu dem Ergebnis gekommen, das besagter Zahn 34 ja jetzt nicht SO aussergewöhnlich ist. Das passiert schnell (auch meinem früheren Ich) und in der Vor DVT – Zeit gab es denn auch nur wenig Hinweise auf die vielen exotischen Kanalstrukturen, die solche UK – Prämolaren in sich verbergen.

Aber auch dieser Zahn stützt meine These, dass es sich bei UK -Prämolaren um die schwierigsten endodontisch zu behandelnden Zähen im gesamten Gebiss handelt.

Nur das (hochauflösende) DVT offenbart die Komplexität des Falles.
Klinisch sieht man auch im Dentalmikroskop einen schmalen Zentralkanal, was eine euphemistische Beschreibung darstellt, in Wirklichkeit ist ein kleines dunkles Loch.

Und im DVT ?

Ich sehe etwa in der Mitte des Kanalverlaufes eine Aufzweigung nach bukkal und lingual, kurz darauf zweigt im bukkalen Kanal eine Anastomose ab, die sich beim Durchscrollen von cervical nach apikal als Seitenkanal entpuppt.

Schwellung und RET in bewegten Bildern

Vor einigen Wochen habe ich hier über die Behandlung des achtjährigen Vincent berichtet.

Letzte Woche kontaktierte uns die Mutter, weil ihr Sohn über Nacht eine nicht unerhebliche Schwellung im Oberkiefer-Frontzahnbereich entwickelt hatte:

Das am Vortag alio loco angefertigte Röntgenbild brachte die Erklärung für das Leid:

Zahn 11 hatte seit unserer Behandlung von 21 eine apikale Parodontitis entwickelt und war ursächlich für die Schwellung.

Die weitere Therapie unterschied sich nur geringfügig von der bereits vorgestellten.

Zur Akutbehandlung trepanierten wir den Zahn und liessen diesen für circa vier Stunden „offen“. Nach dieser Zeit war die Schwellung deutlich rückläufig und wir plazierten die bekannte Antibiotikum-Mischung intrakanalär.

Als letzter Patient vor unserem Urlaub kam Vincent für die RET-Behandlung.

Hier die entscheidenen Schritte als Kurzvideo:

Hier das Abschlussröntgenbild:

Ich bin maximal gespannt, wie es in diesem Fall weitergeht…

und Sie?

Fire on…

Medizinprodukteverordnung – wird Geschichte fürs Endozän?

Nun ist  es da – MDR (Medical Device Regulation).

Die neue EU-Verordnung zu Medizinprodukten (Medical Device Regulation Nummer 2017/745) ersetzt zwei Medizinprodukte-Richtlinien, die
Richtlinie 93/42/EWG über Medizinprodukte (Medical Device Directive, MDD) und die
Richtlinie 90/385/EWG über aktive implantierbare Medizinprodukte (Active Implantable Medical Devices, AIMD).

Einige Kollegen, welche ich zu dem Thema ansprach zuckten nur mit den Schultern, ist mehr für die Labore interessant, meinten diese. Die Dentallabore schicken nun seit MDR ganzseitige Listen zu ihren Arbeiten.

Da täuschen sich die Kollegen sehr.
MDR schlägt bereits bei uns zu – gnadenlos.

In einem Gespräch mit einem Dentalhändler habe ich letztens erfahren, daß er fast täglich seitenlange Listen von ausgelitsteten Medizinprodukten erhält. Diese werden nicht mehr in die EU geliefert oder vorhandene nicht mehr repariert oder gewartet!
Wir wollten von einer unserer Sybronendo Obturation Unit’s den Extruder reparieren lassen. Das geht nicht mehr. Kerr hat den Service wegen MDR eingestellt.
Kerr ist jetzt mit KAVO ein Tochterunternehmen der Envista Corporation/ USA.

Auf deren Webseite kann man lesen:

Aufgestellt für anhaltenden Erfolg

2017 entsteht KaVo Kerr – zwei führende, globale Dentalunternehmen, synergetisch vereint, um dem Dentalmarkt ein komplementäres Angebot von der Praxisausstattung bis hin zu Verbrauchsmaterialien aus einer Hand zu bieten. KaVo Kerr verbindet eine gemeinsame Vision, die unsere Kunden, deren Patienten und unsere eigenen Mitarbeiter inspiriert und unterstützt, ihr gesamtes Potential zu verwirklichen.

Das hat nun ein schnelles Ende gefunden, mit dem Potential verwirklichen, weil die EU Bürokratie neue Regeln erstellt und die Firmen diese nicht umsetzen und lieber nicht mehr in die EU verkaufen. Dabei ist MDR eine Folge des Brustimplantateskandals (Die französische Firma Poly Implant Prothèse (PIP) hat Brustimplantate mit Industriesilikon befüllt.).

Und wenn man nun im Netz etwas zum MDR googelt, dann kommen auch solche Stimmen zu Wort, die uns nachdenklich lassen werden sollten.

Zitat Johner Institut:

  1. Kritik an der MDR

a) Gefahr für Patientensicherheit
Durch die erhöhten Anforderungen, die gestiegenen Kosten und die unzureichende Anzahl und Kapazität Benannter Stellen besteht zu befürchten, dass Medizinprodukte nicht mehr in ausreichendem Maße zur Verfügung stehen.
Die Neue Zürcher Zeitung übertitelt einen Artikel zur MDR mit „Wenn die Politik ein Monster gebiert“. Die Zeitung hat leider Recht: „Es wird unweigerlich zu einer Konsolidierung kommen. Entweder werden die Kleinen aus dem Markt gedrängt oder zu Zulieferern der Grosskonzerne degradiert.„
In einem weiteren Artikel vom 12.02.2018 äußert die Zeitung sogar die Bedenken, dass notwendige Produkte nicht mehr im Markt verfügbar sein werden. Die Autoren schlussfolgern: „Das ursprüngliche Ziel der neuen Regulierung, die Patientensicherheit bei Medtech-Produkten zu erhöhen, dürfte verfehlt werden.„
b) Gefährdung der KMUs
Die Medical Device Regulation ist völlig an ihrem selbstgesetzten Ziel gescheitert, eine Regelung zu schaffen, die auch für kleine und mittlere Unternehmen beherrschbar ist.
Wie soll ein solches KMU ein 175-seitiges Werk lesen und verstehen können?
Woher soll ein KMU die Mittel nehmen, um eine weitere Rolle, den „Compliance Officer“ zu besetzen?
Weshalb werden die meisten Apps in die Klassen IIa und höher klassifiziert, was eine Benannte Stelle erfordert und die Kosten explodieren lässt? (Lesen Sie hierzu einen separaten Artikel)
Weshalb bedarf es neben den harmonisierten Normen nun zusätzlich der Common Specifications? Waren die Normen wirklich unzureichend? Oder wollte die Kommission sich nur ein Instrument schaffen, um lästige Diskussion mit den Normengremien mit Gewalt zu zu beenden? Weshalb maßt sich die Kommission ein besseres Fachwissen an? Dass Sie auf diese Weise quasi beliebig neue Anforderungen formulieren kann, verwundert. Alles vorbei an jedem parlamentarischen Prozess …
c) Wettbewerbsnachteile durch Kosten
Die Hersteller müssen mit höheren Kosten rechnen, die entstehen durch
gestiegenen Anforderungen an die Dokumentation,
die Pflicht zur erneuten Zulassung, d. h. ein erneutes Durchlaufen der Konformitätsbewertungsverfahren von bereits unter der MDD zugelassenen Produkten
die höheren Aufwände für die Marktbeobachtung (Post-Market Surveillance und Post-Market Clinical Follow-up),
zusätzliche Meldungen, z. B. an die EUDAMED,
Systeme zum Erstellen und Nachverfolgen der UDI,
die Pflicht zur Einführung eines Compliance Officers.
Die Komplexität der Materie zwingt viele Hersteller dazu, vor einer Inverkehrbringung externe Beratung in Anspruch zu nehmen.
Das Johner Institut ist sich dieser Problematik bewusst und bietet im Rahmen des Micro-Consultings in eingeschränkten Umfang sogar kostenlose Unterstützung an.
Die NZZ befürchtet 18 Mrd. EUR an Kosten für die Medizintechnikfirmen, um die Anforderungen der MDR zu erfüllen.
Auch der BVMed klagt in seinen „BVMedNews“ 41/17 und 42/17 gar von einem sinkenden Innovationsklima wegen der Regularien. Man schreibt zudem „in Kombination mit einer tiefen Verunsicherung hinsichtlich der MDR-Umsetzung für KMU eine tödliche Kombination, da sie mittel- und langfristig den Wirtschaftsstandort Deutschland schwächen, zu reduzierten Investitionen sowie dem Verlust von sozialversicherungspichtigen Arbeitsplätzen führen!“
Daher fordert der BVMED, dass der „kleine Mittelstand auch durch die umfassenden neuen klinischen Anforderungen […] besonders hart getroffen werde“ und „ein nationales Förderprogramm für diese KMUs ist für das Überleben des Klein-Mittelstandes dringend notwendig“ sei.
d) Es gab keinen Grund
Auch der BVMed, der Bundesverband Medizintechnologie, scheint Bedenken zu haben. In einer Pressemitteilung gibt der Verband seine Sicht der Dinge wider:
„Bei Medizinprodukten gibt es kein Regelungsdefizit, sondern eher ein Vollzugsdefizit. Daher sind bessere Kontrollen durch die Benannten Stellen und die zuständigen Aufsichtsbehörden bei Herstellern und im Markt sinnvoll.“
Dieser Aussage kann man absolut zustimmen: Wenn man sieht, welche Unterlagen bei Audits durchgewunken wurden, wie häufig und wie intensiv die Behörden prüfen, fragt man sich manchmal schon, ob da überhaupt eine Prüfung stattfand. Eben ein Vollzugsdefizit.
Den Beweis, dass wir ein regulatorisches Problem hatten, das die MDR lösen müsste, ist die EU-Kommission schuldig geblieben.
e) Fazit
Auch wenn wir als Beratungsunternehmen vielleicht von den neuen Regularien profitieren: Freuen können wir uns darüber nicht. Denn mit der MDR schaden wir den Bürgern mehr, als wir ihnen nützen. Die horrenden Kosten, die letztlich das Gesundheitswesen zu begleichen hat, die Toten, die es geben kann weil Medizinprodukte nicht verfügbar sind, all das zählt niemand.

Was man unbedingt hinzufügen muss. Es fehlen in den medizinischen Einrichtungen die MItarbeiter, die diese gutgemeinten Vorgaben umsetzen können.

Es ist an der Zeit in den politischen Entscheidungsgremien ein zertifiziertes QM System zu installieren, welches die praktische Umsetzung der eigenen Regelungen überprüft und in Testläufen kritisch begleitet.

Wer erinnert sich noch an die Fallserie mit den Prämolaren mit besonderer Wurzelkanalanatomie ? (Teil 1)

Ich habe keine Ahnung, ob ich diesen Zahn 34 hier bei WURZELSPITZE gezeigt habe. Aber er passt absolut in diese Reihe. Der Patient kam vor kurzem zum Recall 7 Monate nach WF. Die Schwierigkeit lag im tiefliegend sich erst aufteilenden lingualen Kanalsystem, welches ich ohne DVT nie gefunden hätte. Koronal vollkommen obliteriert. Kein Hinweis auf das okkulte Kanalsystem in der Dentalmikroskopansicht. Und man diagnostiziert dank 3D – Röntgen an der Teilungsstelle einen lateralen Kanal, der sich erfreulicherweise nach WF röntgensichtbar gefüllt zeigt. Sowohl die laterale wie auch die apikale Knochendestruktion präsentieren sich in der ersten Nachkontrolle schon schon deutlich verbessert.

Es geht also.
Auch in schwierigen Fällen.

Bild 1: Zahn 34 vor endodontischer Behandlung
Bild 2: Zahn 34 post WF
Bild 3: Zahn 34 WF- Kontrolle 7 Monate post WF

Ausschlussdiagnostik

Immer häufiger kommen Patienten zur Beratung, denen bei der Suche nach der Ursache einer Autoimmunerkrankung seitens der behandelnden Humanmediziner Zähne und ehemals zahntragende Alveolarfortsätze als Verursacher genannt werden.

Häufig werden erhöhte Thioether und Methylmercaptanwerte als Bestätigung für diese Vermutung herangezogen und auch endodontisch erfolgreich behandelte Zähne entfernt.

Die DGET hat zu diesem Thema eine Stellungnahme herausgegeben. Die für mich wichtigsten Aussagen dabei: Es gibt einige natürliche Quellen für Methylmercaptane und Thioether. Die zur Verfügung stehenden Tests sind unspezifisch und können die Herkunft der Methylmercaptane und Thioether nicht detektieren.

wm_relevanz-von-mercaptane_thioether

Auch die NICO (Neuralgia Inducing Cavitational Osteonecrosis) oder auf Deutsch die fettig degenerative Osteonekrose wird als Verursacher mannigfacher Beschwerden in Erwägung gezogen.

Beim nachfolgenden Beratungspatienten wurde beides als Ursache vermutet und die Zähne 36, 37 und 47, da endodontisch behandelt, entfernt. Leider ohne Auswirkung auf die Laborwerte. Im Anschluss wurden die Region 38 und 48 chirurgisch revidiert und fettig degenerierter Knochen entfernt. Dennoch lagen die Werte weiterhin deutlich über dem Normbereich.

Nun geriet aufgrund diffuser Missempfindungen im Bereich des linken Oberkiefers der Zahn 26 in Verdacht. OPTG und Einzelbild liessen den Verdacht einer apikalen Aufhellung aufkommen.

Und wieder einmal freue ich mich über die Auflösung unseres Morita X800M. Die Parodontalspalten zeigen sich in allen Ebenen gleichmässig und durchgängig. Eine endodontische Ursache für die Beschwerden im linken Oberkiefer kann – zumindest zur Zeit – ausgeschlossen werden.