„Der Elektrische Reiter“ oder „Kuhfuss unter Strom“

Robert Redfords kommerziell erfolgreichster Film als Schauspieler und Regisseur ist „Der Pferdeflüsterer“, eine anrührende Herz-Schmerz-Geschichte, die 1998 in die Kinos kam. Fast 20 Jahre zuvor und heute weitestgehend vergessen, spielte schon einmal die Kombination Pferd – Redford in einem seiner Filme eine bedeutende Rolle. Robert Redford war damals der „Elektrische Reiter“. Ein ehemals erfolgreicher Rodeo-Cowboy, der nun – durch zahlreiche Verletzungen nicht mehr in der Lage bei Wettkämpfen anzutreten – als Werbefigur für einen Lebensmittelkonzern auftritt. Über und über mit Glühlämpchen behängt, was dem Film seinen Namen gibt. Und an jenen Cowboy, jenen elektrischen Reiter musste ich denken, als Jörg in seinem Beitrag hier vom Cowboy – Style sprach und mit der Metapher eines Kuhfusses die Entfernung von Guttapercha aus dem Wurzelkanal mittels Hedstroem- Feile und Moskito-Klemme präsentierte.

Und ich zeige nun die „elektrische“ Variante. Die sich den gleichen physikalischen Prinzipien wie das manuelle Pendant bedient, die da lauten: Mit der Hedstroem-Feile mit Hilfe der legendären Uhraufzugs/watch winding-Bewegung in die Guttapercha nach apikal vordringen und gleichzeitig für Retention innerhalb der Guttapercha sorgen. Nutzt man dann eine Moskito- Klemme, um über ein Hypomochlion einen lateralen Druck aufzubauen, presst man die Feile noch stärker in die Guttapercha hinein, so dass die Friktion in der Guttapercha größer ist als die Friktion der Guttapercha an der Kanalwand. Gleichzeitig erfolgt nun eine koronal gerichtete Bewegung. Das Resultat ? Wie mit dem Korkenzieher eines Kellnerbestecks wird die Guttapercha aus dem Kanal herausgehebelt.

Möglich wird das mit Hilfe des Morita Tri Auto ZX 2 – Handstückes. Das weist nämlich als einen seiner Arbeits-Modi eine reale Reziprok- Bewegung auf. Heisst 90 Grad hin – 90 Grad zurück. Oder auch 180 Grad hin – 180 Grad zurück – Auf jeden Fall jedoch keine Rotation. Die Guttapercha wird also nicht zerschnitten. Das ist der Trick dabei. Dann nur noch das verwendete VDW Reciproc R25 – Instrument (das ja nichts anders darstellt als eine leicht modifizierte Hedstroem- Feile. maschinell angetrieben, der elektrische Cowbiy eben) bei der Auswärtsbewegung nach lateral drücken.

Das Handstück als Kuhfuss.
Funktioniert.

Natürlich nicht in jedem Fall.
Aber immer wieder.
So dass wir zuallererst einmal auf diese Vorgehensweise zurückgreifen im Sinne von – wenn ´s nicht funktioniert können wir immer noch was anderes machen.

Hier das Video zur Demonstration der Vorgehensweise.

https://wurzelspitze.blog/wp-content/uploads/2022/01/Kuhfuss-maschinell.mp4

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Glück gehabt

In nachfolgendem Fall kam zugegebenermaßen ein klein wenig Glück hinzu.

Dass das im MB vorhandene Instrumentenfragment nicht leicht zu entfernen sein dürfte war nach Auswertung des DVT schnell klar. Eine leicht gegenläufige s-förmige Krümmung in bukt-lingualer Richtung erhöht die Friktion erheblich.

Geplant war der Einsatz einer Drahtschlinge zu Fragmententfernung. Da MB und ML getrennte Foramina aufwiesen, wurde zunächst der koronale Teil des MB Kanals tropfenförmig in Richtung ML erweitert und das Fragment freigelegt.

Im zweiten Versuch ließ sich das Fragment entfernen, nur leider nicht in toto.

Also unternahm ich den in meinen Augen wahrscheinlich nicht vielversprechenden Versuch das apikale Fragment mittels Handinstrumenten zu passieren. Und hatte Glück! Nachdem die ISO 008 vorbei war, kamen im weiteren Verlauf der Aufbereitung Feilen der Größe 010, 012, 015 und 017 zum Einsatz. Das Passieren wurde radiologisch verifiziert.

Apikal wurden nur Handinstrumente -hier Pro Taper – bis zu einem Durchmesser von 025 verwendet. Die taktile Rückmeldung beim Kontakt mit dem Fragment schützt vor einer erneuten Fraktur.

Nach schall- und laserunterstützter Irrigation wurden die Masterpoints einprobiert und es zeigte sich, dass das Fragment in Länge und Lage verändert erscheint. Kürzer und rotiert. Erklären kann ich es mir nicht so recht, bin aber mit dem Ergebnis dennoch zufrieden.

Die Lehre für mich: Es ist erst vorbei, wenn alle Möglichkeiten ausgeschöpft sind.

Nachdenksache des Tages 20211123 – Zahnmediziner – Aufwachen!“

Der Blick in die Tageszeitung bleibt an der Überschrift hängen: Sparkassen laufen Sturm gegen Honorarpflicht – Banken fürchten um abschreckende Wirkung für Kunden

Worum geht´s ? Ich habe keine Vorstellung und lese interessiert nach. Sparkassen warnen die Politik davor, die Beratung für Finanzprodukte gegen Honorar zum Standard zu machen. Hähh ? Der Staat erlaubt euch, Geld für eine bislang kostenlose Dienstleistung zu nehmen und ihr lehnt entrüstet ab ? Ihr dürftest also von nun an eure Aktienfonds und Lebensversicherungen dem Kunden andienen und zusätzlich noch für eure Empfehlung Geld nehmen ? Euch also eure fachliche Expertise bezahlen lassen, unabhängig davon, ob der Kunde dann das empfohlene Produkt kauft oder nicht ?

Und ihr wollt das nicht ?

Die Antwort folgt sogleich. Der Präsident des Deutschen Sparkassen und Giroverbandes klärt auf: Eine verpflichtende Honorarberatung stelle für viel Kleinanleger eine unüberwindbare Hürde dar. Wenn Kleinanleger für eine Erstberatung von 2 Stunden erst einmal die tatsächlichen Kosten von durchschnittlich 360 Euro als Honorar auf den Tisch legen muss, nehmen die meisten keinerlei Beratung mehr in Anspruch. Eine solche Vorgabe schliesst grosse Teile der Bevölkerung vom Zugang zu guter Beratung aus und ist unsolidarisch.

Zorro und Robin Hood in Personalunion bei der Sparkasse ?
Oder Batman und Che Guavara ?

Wird die Finanzwelt nun endlich gut ?
Ein Schelm, wer Arges denkt.

Oder hat man nur Angst, dass man einen grossen Kundenkreis verliert, dem man nun nicht mehr zu irgendwelchen Finanzdeals überreden, nein ,“überzeugen“ kann, auf die er eigentlich von sich aus nie gekommen wäre ?

Sei es drum. Es ist ein anderer Aspekt, den ich so bemerkenswert finde. Die tatsächlichen Kosten, schwarz auf weiss, für die Beratung durch den (einzelnen) Bankmitarbeiter beträgt 180 Euro pro Stunde. So – und jetzt Hand aufs Herz. Wie kann es sein, das wir als Zahnärzte für eine Beratung von einer Stunde beim Kassenpatienten einen Betrag von X Euro und beim Privatpatienten von Y Euro in Rechnung stellen dürfen ? Und wie kann es weiter sein, das Niemand aus der Standespolitik diesen Missstand artikuliert ? Sind wir weniger wert, als ein Bankkaufmann, ein Versicherungskaufmann, beides im Übrigen Ausbildungsberufe. Die Ä3 ist mit 20,11 Euro, die Ä1 mit 10,72 Euro vergütet. Dem Bankkaufmann wird also – durchschnittlich wohlgemerkt – 50 – 200 % mehr Honorar zugestanden, nur um seine Kosten zu decken, von Gewinn ist hier noch gar keine Rede. Auch nicht davon, das bei uns in der Praxis, während wir beraten, ja noch ein ganzes Team von Mitarbeitern um uns herum sich befindet, deren Kosten ja noch zusätzlich in die Berechnung einfliessen müssten.


10-jähriges Praxisjubiläum

Am 09.Januar 2012 haben wir in der Brienner Strasse 5 unsere neugegründete Praxis für Endodontologie und dentale Traumatologie in München eröffnet.

Seitdem haben wir 4974 Patienten untersucht und behandelt.

Der erste Patient war der damals 71-jährige Herr W.F.

Entgegen meines sonstigen Naturells habe ich ihn damals um ein gemeinsames Foto gebeten…

Erster Patient in der Praxis für Endodontologieb & dentale Traumatologie Januar 2012

Die Behandlung seines Zahns 27 verlief dann ohne nennenswerte Besonderheiten.

Ausgangsröntgenbild Januar 2012

Abschluss-Röntgenaufnahme Januar 2012

Vor Kurzem erhielten wir ein Kontrollierter-OPG (mit seehr mässiger Qualität) des Patienten.

Es schein, als wäre die damals erste Behandlung geglückt.

Ebenso wie unsere Praxisneugründung.

Röntgenkontrolle 9 Jahre nach endodontischer Therapie an Zahn 27

Ich möchte mich auf diesem Weg nochmals bei allen Freunden, Beratern, Unterstützern, Helfern und mehr für die grenzenlose Unterstützung bedanken.

Ohne Euch hätte ich diesen Schritt nicht gewagt und gemeistert!

D A N K E

Ich freue mich auf die nächsten hoffentlich 15 Jahre.

Ergebnis 3:3

Es steht Unentschieden.

Nein kein Fussballspiel, das sind die Ergebnisse unserer ersten Woche, oder besser 3 Tagen mit dem DentaPen.
3 Patientinnen und Patienten empfanden dies angenehmer als die bisherige Lokalanästhesie und 3 Patienten konnten keinen Unterschied feststellen. Einige gaben an, daß der Einstich unangenehmer war.
Das hing aber eher mit meiner Ungeschicktheit zusammen, da der Dentalen etwas anders in der Hand liegt als die Zylinderampullenspritze und ich den vorher abgegebenen Lokalanästhesietropfen an anderer Stelle platzierte als den Einstich.
So hat es sich bis heute in der Patienteneinschätzung weiter hingezogen.

Vorgestellt wurde der DentaPen in Wurzelspitze hier.
Gestern hat HaWi bereits etwas dazu berichtet und nun zeitnah sozusagen, mein Kommentar.

Eigentlich wollte ich den DentaPen erstmal testen und bat um eine Leihstellung per Mail. Dazu ist es aber nicht gekommen und ich habe den Dentalen selbst bestellt. Die Lieferzeit betrug 4 Wochen.

Wir haben den DentaPen jetzt 3 Wochen im Einsatz.
Leider fehlen uns jetzt die Hygieneschutzhüllen. Der Lieferant unseres DentaPen Netdental, hat diese (noch) nicht vorrätig und es wurde auch noch nicht nach diesen nachgefragt.
Bei Septodont habe ich die Herstellernummer 0015J erfahren.
In AERA ist diese Herstellernummer bisher nirgendwo gelistet.

Schade, mal sehen, wie schnell wir weiter damit arbeiten können.
Zusammenfassend muss ich sagen, ich hätte mir etwas mehr versprochen. Das Handling, bzw. das design ist noch optimierbar. Die konstante langsame Anästhetikaabgabe empfinde ich als Behandler durchaus sehr hilfreich und werde den Dentalen weiter einsetzen.

Da meine Rechtschreibkorrektur unerbittlich DentaPen zu Dentalen machte habe ich das P einfach groß geschrieben.
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Dentapen – der erste Kontakt

Ich vermute mal jeder von uns kennt so einen Kollegen.
Der jede Neuerung, die in seiner Praxis Einzug hält, hoch euphorisch anpreist.

Sei es ein neues Abformmaterial: „Bombe!“
Oder eine neue Endo- Feile, ein neues Composite- Material: „Sensationell!“.
Wer ihn kennt, weiss aber auch, dass dieses Hochgefühl selten länger als 4- 6 Wochen anhält. Sobald der erste Misserfolg sich einstellt, das erste NiTi – Super Duper- Instrument im Wurzelkanal abgebrochen ist, die erste ZE – Arbeit als nicht passend aus dem Dentallabor zurückkommt, kehrt besagter Zahnmediziner reumütig zum früheren Status Quo zurück. Und nur auf Nachfragen irgendwann gibt er dann kleinlaut zu, daß die Geheimwaffe nun in der Schublade verstaubt.

Ganz anders mein lieber Freund Chris K(ay) aus Munich. Wenn der schon mal in Lobeshymnen ausbricht, dann kann man sicher sein, das es sich wirklich um etwas ganz Aussergewöhnliches handelt, was er uns an Herz legt. Wie kürzlich geschehen beim Dentapen von Septodont. Ich kann mich nicht erinnern, ihn schon mal nach so kurzer Zeit so euphorisch schwärmen gehört zu haben, wenn es um eine eine kleine und banale Sache geht wie ein Hilfsmittel zur dentalen Anästhesie.

Grund genug für mich, das Gerät einmal auszuprobieren. Ich war supergespannt, teilen doch Christoph und ich die gleiche beinahe schon manische Besessenheit, nämlich die orale Anästhesie für den Patienten so angenehm wie möglich durchzuführen.

Wer wissen will, wie der Dentapen funktioniert, dem seien Christophs Beiträge hier und hier und da zur Lektüre empfohlen.

Für nun ist es ausreichend, zu wissen, dass das Gerät motorunterstützt die Anästhesie erleichtert. Gewissermaßen eine Förderpumpe für minimale Mengen Articain etc. . Kennt jemand noch „The Wand“? Diese Mini – PC- Towergehäuse große, schlauchgebundene mehrere tausend Euro teure Maschine macht auch nichts anderes, der Dentapen ist gewissermaßen eine handliche und günstigere Variante.

Und wie war es nun ?
Vermutlich so, wie man mit großen Erwartungen als Kind an Heiligabend an den Weihnachtsbaum herantritt, um dann festzustellen, dass man von der Oma nicht die gewünschte Carrera-Auto-Rennbahn (Willkommen im Jahr 1974) sondern nur einen doofen selbstgestrickten und obendrein kratzigen Pullover geschenkt bekommen hat.

Leicht enttäuschend.

Weil der erhoffte Aha- Effekt ausgeblieben ist.
Die Patienten nämlich im Vergleich zu kürzlich erfolgten konventionellen Anästhesien am Gaumen – das ist nämlich der Acid – Test schlechthin – keinen spürbaren Unterschied festzustellen schienen. Diesen Eindruck hatten im Übrigen nicht nur ich, sondern auch meine Assistentinnen. Die übliche Frage: Was kostet das Teil ?“ Und als ich antwortete „1200 Euro“ wurde abgewunken. Zumal die Mikroplastik- Weltmeer und Nahrungs-Diskussion scheinbar in den deutschen Köpfen angekommen zu sein scheint, denn der Gebrauch des Dentapen setzt die Nutzung einer weiteren Einmal-Plastikhülle voraus und auch das wurde im Team kritisch bewertet.

Ist damit unser Beitrag zu Ende?
Keineswegs.

Ist das hier ein Veriß?
Auf gar keinen Fall.

Was ich hier mache, ist das, was wir, das dentale Marketing betreffend, eigentlich wünschenswerterweise immer gerne hätten. Keine unreflektiereten Lobeshymnen, sondern eine differenzierte Betrachtung, das Für und Wider abwägend. Der Dentapen ist nämlich ein wunderbares Hilfsmittel. Punkt. Nicht für jeden, aber für all diejenigen Behandler*innen, die aus welchen Gründen auch immer sich eher schwer damit tun, die Anästhesie am Patienten wirklich schmerzfrei durchzuführen.

Und ich kann jedem nur empfehlen, den Dentapen mal auszuprobieren um sich

a) selbst ein Bild davon zu machen und

b) mit eigenen Augen zu sehen, wie langsam und gefühlvoll man injizieren muss, um eine solche Wirkung zu erzielen. Das dauert nämlich. LANGE. Geduld ist hier der Schlüssel zum Erfolg. Wer sie aufbringt und das Feingefühl bei der Injektion mitbringt, der braucht keinen Dentapen. ABER – jetzt kommt der Moment, bei dem ich mich ertappe, stark mit dem Dentapen zu liebäugeln, obwohl ich ihn eigentlich nicht brauche. WEIL – er mir die ganze Arbeit oder sollte ich besser sagen die Konzentration auf den Vorgang abnimmt. Vorsichtig einstechen, den Knopf drücken und – im Geiste – abschalten. „Den Kopf freimachen“ meine ich damit. Oder in Ruhe dem Patient erzählen, was nun als Nächstes in der Behandlung ansteht.

Das mache ich ohne Dentapen zwar auch.
Aber -das ist nicht das Gleiche.
Das eine mal hochkonzentriert, das andere mal relaxed.
Ich habe jedes Mal diese Momente genossen.

Kann das der mir geneigte Leser nachvollziehen?
Mich verstehen?
Ich schlage vor, den Dentapen zu testen und ein eigenes Urteil zu fällen.

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.

Mit Überlegung (3) und Teamarbeit

von Jörg Schröder

Gerade bei der Fragmententfernung gibt das DVT wertvolle Hinweise auf den einzuschlagenden Weg. Wie muss der Zugang modifiziert werden, damit der koronale Fragmentanteil visualisiert werden kann? In welcher Richtung sollte dem Fragment ein „Angebot“ gemacht werden? Welche Entfernungsmethode ist am besten geeignet, dass Fragment vorhersagbar zu entfernen?

Der schwierige Teil in nachfolgendem Fall?

1. Dass es sich um eine Hedströmfeile handelt, die in den meisten Fällen eine gegenüber einem reamerähnlichen Fragment eine erhöhte Friktion erwarten lässt.

2. Die Länge des fakturieren Instrumentes.

3. Das aufgrund der Vorspannung mesial mit etwas Federkraft anliegende Fragment liess sich nach dem ovalen Erweitern des Kanaleinganges nach palatinal bewegen. Und bewegte sich bei der leichtesten Berührung wieder in die Ausgangslage zurück und verhindert somit das verwerfen der Drahtschlinge.

Nach mehreren Versuchen konnte ich den Fragmentkopf mittels Micropener so positionieren, dass ein kleiner Abstand zwischen Dentin und Fragment entstand. Leider hielt der Microopener nicht von alleine. Also habe ich meine Mitarbeiterin gebeten den Microopener zu übernehmen, nachdem ich ihn positioniert hatte. Kübra kontrollierte die Position über den Bildschirm.

Dann hielten wir beide den Atem an. Das Überstreifen gelang im ersten Versuch. Nun musste nur noch die Schlaufe halten. Was sie tat.

Denn noch am nächsten Morgen sprach Kübra noch mit Glitzern in den Augen von gemeinsam erreichten Erfolg!

Update Stand der Zwiebel Samstag 08.01.2022 11 Uhr 22

Ich habe so wie es jetzt aussieht einen Workaround gefunden, der zumindest für die WURZELSPITZE Patrons den bisherigen Zustand wieder herstellt und ihr wie gewohnt über die WordPress Seite, die nun www.wurzelspitze.blog heisst, mitlesen könnt. Der Support beider millardenschwerer Unternehmen war und ist unterirdisch. Beide Supports schieben das Problem dem jeweilig anderen Partner zu. Beispiel gefällig :
WordPress schreibt: Since this is a third-party plugin, our team has a limited scope of support as we aren’t familiar with the inner workings of their product, but I’ll try my best to point you in the right direction.
Und verweist dann auf Teilnehmer- Selbsthilfeforen.
Patreon schreibt: Hi there,Unfortunately, we are unable to provide support on the API on our end.
Und verweist dann , na , worauf wohl – auf Teilnehmer-Selbsthilfeforen.
Schöne neue Welt!

In unserem Fall kommen mehrere „Zahnräder“ in Betracht, die (knirschend) ineinandergreifen. Die Einbindung des Patreon Plug Ins. Der dafür notwendige Domain-Wechsel. Das bei vielen Teilnehmern vorhandene Cache, die alten Adresse beinhaltend und die mit der alten Adresse besetzten Lesezeichen in den Browsern und Mobile Apps.Dann gab und gibt es allerdings definitive Bugs auf WORDPRESS Seite. Das Backend betreffend, so das der Leser davon verschont bleibt. Die tauchen im täglichen Autoren- Arbeiten auf (Olaf kann davon nicht ein Lied, eher eine ganze Oper singen) allerdings nicht für alle und unregelmäßig, was die Fehlersuche schwierig bis unmöglich macht. Man entwickelt im Laufe der Zeit einen Workaround. Das Wort trifft es in der Übersetzung sehr gut. Geht, ist aber super nervig. Jüngstes Beispiel. Ich habe das Patreon plug in deaktiviert. Und die Seite wieder auf privat gestellt. Zum Jahreswechsel löschen wir hierzu alle Zugangsberechtigungen und laden die Abonnenten des neuen Jahres danach wieder als Leser neu ein. So war es zumindest bisher. Nachdem ich also alle Leser entfernt hatte, wollte ich die aktuellen Leser wieder als solche einladen. Daraufhin gibt WORDPRESS aus, dass diese bereits alle als Leser vorhanden sind. Fakt ist aber. Keiner der Leser kann mitlesen. Und keiner ist als Leser gelistet, die Seite ist und bleibt leer. Stattdessen erscheinen (wie ich zufällig 2 Tage später feststelle) in unserer Teamseite (in der bislang nur die Autoren stehen) nun zwei neue Namen. Als Abonnenten gelistet. Mit der Einbindung des Patreons – plug in wurde eine neue Kategorie eingeführt – Abonnenten. Die zwar auch nur Leser sind, aber nicht bei diesen, sondern bei uns gelistet werden. Unlogisch. Sei es drum. Das bringt mich auf die Idee, alle Leser nicht als Leser, sondern als Abonnenten noch einmal einzuladen. Leider geht die Einladung nicht wie gewohnt in 10er Gruppen. Wenn man es versucht, erscheint eine Fehlermeldung, diese Teilnehmer sind bereits eingeladen. Ich muss also jeden einzelnen händisch einladen.

Egal. So funktioniert es nun.
Toi Toi Toi.

Obliteration als Überweisungsgrund

Wie immer gibt es „dankbare“ und undankbare Überweisungen.

Für mich zählt der Überweisungsgrund: „massive Obliteration – wir finden die Kanäle nicht“

zu der ersten Kategorie.

Hier also so ein Fall der jüngsten Vergangenheit.

Zustand nach alio loco begonnener Behandlung Zahn 16 bei einer 54-jährigen Patientin

Der Zuweiser hatte bisher nur den palatinalen Kanal gefunden. Glücklicherweise hatte er nach einigem „Suchen“ recht schnell aufgegeben…

Alio loco angefertigte Zugangskavität mit Kunststoff-Verschluss

Mit der entsprechenden Sehvergrösserung und LED-Ausleuchtung (I love it :-))), etwas anatomischen Wissen und geeigneten Instrumentarium war die Aufgabenstellung recht gut beherrschbar…

hier die Impressionen des Falls…

Zustand nach Füllungsentfernung. Blick auf Sekundär-und Tertiärdentin mit teilweise erkennbarem Pulpakammerboden
Höhere Vergrösserung der oben genannten Situation
Alio loco aufgefundenes palatinales Orifizium

Beginn der Kanaldarstellung mb1 und mb2 ; distales Kanalsystem bisher nur durch Dentineinpressungen erkennbar, deutlich erkennbare Abgrenzung von dunklem Kammerboden zu heller Wand mit Sekundärdentin
Mesiale Kanalsysteme nach Darstellung und Präparation
Blick auf Initial dargestellten distalen Kanal. Farblich gut erkennbarer Unterschied zwischen Boden und Wand bzw Sekundärdentin
„Danger Zone“ mit vorhandnen Dentintubuli – eine weitere „Kanalsuche“ hier würde sicher zu einer Perforation führen.
Blick auf vollständig dargestellten und präparierten distalen Kanal mit deutlicher Differenzierbarkeit zwischen Pulpakammer-Boden und Wand mit Sekundärdentin mit Tubuli
Vier Kanalsysteme fertig präpariert
Materpoint-Aufnahme
Abschluss-Aufnahme

Die Präparation erfolgte mit folgenden Instrumenten: C-Pilot 006-010; R-Pilot, RECIPROC Blue 25, Wave One Gold 20, 25 und 35 (palatinal); Wurzelkanalfüllung mit Guttapercha & BC Sealer high flow; zwei Termine (a 90 bzw. 60 Minuten)

Ich hoffe 2022 bringt viele dieser „dankbaren“ Zuweisungen…

Happy New Year

:-)

Mit Überlegung (2)

von Jörg Schröder

Auch in folgendem Fall war das DVT entscheidend für das vorhersagbare Aufbereiten dieses 25.

Und wieder ist eine gewisse Skepsis angebracht gewesen, wie mein eigenes präoperatives Einzelbild zeigt. Anders als im übermittelten OPG befanden sich zwei Fragmente in diesem stark nach mesial gekrümmten OK-Prämolaren.

Das DVT zeigt, dass das koronaler gelegene Fragment in P lokalisiert ist und P und B nach dem in B jenseits der Krümmung gelegenen Fragment konferieren um s-förmig nach apikal zu verlaufen.

Also war die Taktik klar:

  • Entfernung des in P befindlichen Fragmentes
  • Belassen des Fragmentes in B und manuelle Patency mit stark vorgenogener Handfeile ISO 008 und 010.
  • Messaufnahme P nach Erzielen von Patency
  • Darstellen des Fragmentes in B und Freilegen des Fragmentes durch Entfernen der koronal des Fragmentes gelegenen Dentinmassen. 

Nachdem beide Fragmente entfernt waren, zeigte der Austausch der Spülflüssigkeit zwischen beiden Kanälen, dass die Kommunikation frei war.


Die Aufbereitung von P wurde nach den Handfeilen ISO 10 mittels EndoWave 10/02, 15/02 und anschliessend HyFlex 15/03 durchgeführt. Nach Einsatz vorgebogener ProTaper-Handinstrumente S1 und S2 in B konnte auch hier die vorhandene iatrogene Stufe überwunden und der Kanal bis auf Patency aufbereitet werden.

Nach medikamentöser Einlage wurden beide Kanalsysteme in der Folgesitzung mittels HyFlex CM-Feilen final erweitert und anschliessend obturiert. Und auch die iatrogene Stufe war vollständig gefüllt.

Am Ende trafen alle nach Auswertung des DVT erstellten Annahmen zu. Ein großer Unterschied zu dem früheren Versuch-und Irrtum-Vorgehen.

 

Das neue Jahr fängt gut an …

Manchmal frage ich mich ob die Digitalisierung nicht uns beherrscht, statt andersherum.
Immer wieder mal verändert WordPress seinen Editor und dazugehörigen Module. Das führt zu plötzlichen nicht erwarteten Problemen bei der Beitragserstellung.
Da sich dadurch der Zeitaufwand zumindest bei mir stark erhöht, stört mich das sehr.

Keiner Ahnung warum man die Kunden verärgert und Frust erzeugt. Das scheint aber heute zum Geschäftsprinzip zu gehören. Oder man möchte die Leute so beschäftigen, daß diese keine Zeit haben, sich nach Alternativen umzuschauen. Ich möchte an dieser Stelle nur um Verständnis bitten, warum jetzt vielleicht das eine oder andere Bild, bzw. Erklärung nicht an der richtigen Stelle platziert ist.

So nun genug herumgenörgelt…

Im heutigen Fall stelle ich einen Fall mit einem Fehler vor, wie ich ihn bisher noch nicht hatte. Da man aus Fehlern mehr lernt, als von toll anzuschauenden Fällen halte ich diese Beiträge für nicht unwichtig.
Eigentlich lief bei der Patientin alles nach Plan.
Akute Beschwerden beginnend in der Adventszeit mit submukösem Abszess.
Der HZA schickte die Patientin umgehend zu uns und die Ursache war röntgenlogisch gut erkennbar. Distal apikal imponierte ein weiter Seitenknanal und ein ausgedehnte P. apicalis.

Die mesial unvollständige Wurzelfüllung ließ eine ausgeprägte Stufenbildung vermuten, was sich klinisch auch so darstellte. Die Überwindung der Stufen gelang mit vorgebogenen Handinstumenten in einer Balance Forced Technik. Die apikale Krümmung war sehr aprupt.
Die maschinelle Aufbereitung mesial erfolgte bis #35.04.
Im Kontrollbild der Wurzelfüllung dann plötzlich die Überraschung. Obwohl die Guttaperchapoints bis zur Markierung entsprechend der Masterpointaufnahme eingebracht wurden, fehlte ein erheblicher Teil der WF apikal.
Wir hatten die Downpackaufnahme eingespart. Es hätte uns Einiges an Arbeit erspart, nicht darauf zu verzichten. Nun erfolgte die Revision der mesialen Kanäle.
Wir verwendeten den Hitzeplugger der Obturation Unit und konnten die weitere GP mit Hedströmfeilen entfernen. Dabei zeigte sich, daß beide apikale Bereiche der GP-Points umgeknickt waren.
Um dies zu vermeiden, werden die Points von uns mit Alkohol benetzt und durch die dabei entstehende Verdunstungskälte etwas stabiler beim Einbringen mit dem Sealer.
Genau das haben wir in diesem Fall versäumt und wurden sofort bestraft. Durch die beschriebenen Fehler haben wir unsere Behandlungszeit um 60 Minuten verlängert.

Hallo 2022 !

Sahen früher irgendwie traurig aus, die Steiff-Tiere. Lag es an den harten Zeiten damals ?

Neues Jahr, neues Glück ?

Das können wir alle für 2022 noch mehr brauchen als in den Jahren zuvor.
Wir von WURZELSPITZE wünschen allen unseren Lesern und vor allem auch unseren Patrons einen guten Start in die noch kommenden 361 Tage.

Womit wir schon bei ersten Änderungen im noch jungen Jahr angekommen sind.

Zum einen. WURZELSPITZE hat eine neue (und kurze) URL.
Wir sind jetzt unter https://www.wurzelspitze.blog zu finden.

Die Änderung war notwendig geworden, weil unsere Seite jetzt mit Patreon verknüpft ist. Diese Plattform erfreut sich zunehmender Beliebtheit bei Webvideoproduzenten, Musikern, Podcastern und Bloggern. Über Patreon, 2013 vom Musiker Jack Conte ins Leben gerufen, können Künstler und Kreative von ihren Unterstützern regelmäßig einen selbstbestimmten Geldbetrag erhalten. Dieser hilft uns , den Blog WURZELSPITZE weiter zu betreiben. Und eine zwar unvollständige, aber zumindest semiquantitative Kompensation darstellt, den Aufwand betreffend, der für uns mit dem Schreiben der vielen Beiträge für WURZELSPITZE verbunden ist.

Für die WURZELSPITZE- Unterstützer ist durch die Patreon- Plattform (die nächsten Tage der Umstellung mal aussen vorgelassen) eine deutliche Vereinfachung verbunden.
Passwörter werden nicht mehr notwendig, weil Patreon automatisch die Freischaltung der jeweiligen Inhalte vornimmt. Auch die notwendigen Belege für den Steuerberater sind ad hoc verfügbar. Von den Inhalten ändert sich nichts Grundlegendes. Allerdings wollen wir ein paar Dinge in 2022 angehen, die noch nicht oder coronabedingt nicht mehr möglich waren bislang.

Zum einen Webinars, also kurze, wenige Minuten lange „How to Do“-Videos zu endodontischen Arbeitsweisen. Ein persönliches Treffen der WURZELSPITZE Community würden wir gerne machen. Sowie die schon seit langem durch unsere Köpfe spukende „Die Drei reden über…“ Fortbildung stattfinden lassen.

Die Drei – das sind Ha-Wi Herrmann, Christoph Kaaden und Jörg Schröder. Und wir versprechen, sofern das Virus uns lässt, eine endodontische Fortbildung, wie es Sie bisher noch nicht gegeben hat.

Wenn das kein guter Auftakt für 2022 ist …

Dummheit gehört bestraft.

von Jörg Schröder

Der Fall fing an, wie so viele. Die alio loco begonnene Erstbehandlung konnte nicht erfolgreich beendet werden. P war überhaupt nicht darzustellen, weil koronal vollkommen obliteriert. In B ging es nicht weiter, weil ein sehr dünnes Instrumentenfragment den Kanal blockierte.

Und es erwies sich einmal mehr als vernünftig, ein eigenes präoperatives Bild zu erstellen, denn in B befand sich ein sehr feines Instrumentenfragment, welches sich im mitgeschickten Einzelbild nicht vorfand.

 

Die Visualisierung und Aufbereitung des P verlief problemlos.

Ganz anders der B. Und dann nahmen das (vorübergehende) Unglück und die Dummheit ihren Lauf.

Da ich den sekundären Zugang etwas nachlässig präpariert hatte, konnte ich zunächst das kleine Fragment nicht sehen und zog es nach manueller Exploration vor, ein Passieren zu versuchen. Dumm. Und das Passieren endete in der Fraktur eines ProFile-Instrumentes. Und das, nachdem zuvor bereits zwei andere ProFiles klar gezeigt hatten, dass es nicht die beste Idee war, hier passieren zu wollen. Doppelt dumm. Und so verbrachte ich, nachdem ich beide Fragmente fotografisch erfasst hatte, die nächsten 10 Minuten damit zunächst mein ProFile Fragment und dann, das fremde Fragment zu entfernen.

Der Rest war wieder Standard. Erstaunlich, wie stark der palatinale Kanal apikal nach palatinal abbiegt. Ein Umstand, der nur in exzentrischer Projektion zu erkennen ist.

Mit Überlegung

Wie hätte ich den nachfolgenden Behandlungsfall wohl angegangen, als ich noch ohne präoperatives DVT behandeln musste?

Meiner Erfahrung gefolgt. Zusammenhänge vermutet und mich mit Hilfe der Mikroskopvergrößerung orientiert.

Und heute? Kann ich die richtigen Entscheidungen treffen, bevor ich den Zahn eröffnet habe.

Welchen der mesialen Kanalsysteme adressiere ich als ersten? Welche Feilensysteme werde ich einsetzen? Was erwartet mich im distalen Kanalsystem?

Das DVT gibt alle Antworten.

Frohe Weihnachten!

Wir wünschen allen WURZELSPITZE – Lesern Frohe Weihnachten und einen guten Start in ein hoffentlich ruhiges und uns von allem Negativen verschonendes Jahr 2022!

Die gute Nachricht zum Fest – auch im kommenden Jahr wird es mit WURZELSPITZE weitergehen.
Dann mit Patreon-Unterstützung. Was hoffentlich für alle Beteiligten – Leser wie Autoren gleichermaßen – eine Erleichterung darstellen wird.

Und – falls uns das Virus nicht einen Strich durch die Rechnung machen wird – dann wird es zur Mitte des Jahres hin die von uns seit 3 Jahren herbeigesehnte WURZELSPITZE Herzblut-Veranstaltung geben. Ein einmaliges Vortragskonzept, wie es dieses bislang in der Endodontie noch nicht stattgefunden hat. Für Einsteiger wie versierte Hasen gleichermaßen nützlich und sinnvoll. Also – Daumen drücken, das sich die Virenlage bessert und schon jetzt freuen wie auf´s Christkind!!!

Letzten Recalls des Jahres 2021

Hallo aus München,

hier noch unsere letzten Recalls bevor wir am Mittwoch die Praxis für 2021 geschlossen haben.

Dies war zugleich der Abschluss unseres zehnten Praxisjahrs.

Ausgangssituation Zahn 26 – Röntgenbild alio loco
Ausgangssituation Zahn 26 – Röntgenbild alio loco
Blick auf palatinalen Kanaleingang mit nicht-ranständiger Einstift-Wurzelkanalfüllung
Abschluss-Röntgenbild
Recall nach sechs Monaten
prä-op vs sechs Monate post-op
Ausgangssituation
Post-op
Sechs Monate post-op
prä-op vs. sechs Monate post-op

Ich wünsche allen WURZELSPITZE-Lesern geruhsame Stunden fernab von Praxis und Alltagsstress.

Frohe Weihnachten

Reparative endodontische Behandlung nach 8 Jahren

Hier wieder einmal eine Nachuntersuchung einer von uns durchgeführten reparativen endodontischen Behandlung.

Zu den Hintergründen:

Der damals achtjährige Oscar erlitt 2013 eine unkomplizierte Kronenfraktur.

Ausgangssituation bei Zustand nach Trauma mit unkomplizierter Kronenfraktur – Rö alio loco

In der weiteren Folge entwickelte sich eine Pulpanekrose bei nicht abgeschlossenem Wurzelwachstum.

Pulpanekrose mit apikaler Aufhellung Zahn 11 bei Zustand nach Trauma

Wieder wurde von uns in drei Terminen eine reparative endodontische Behandlung nach bekanntem Muster zu durchgeführt.

Zustand nach RET mit MTA (2013)

Da das MTA in der weiteren Folge zu einer beträchtlichen Verfärbung des Zahnhalsbereichs führte entschieden wir uns nach einem erfolglosen internen Bleaching für den Wechsel des Zements auf Biodentine.

Zustand nach RET und „Revision“ mit Biodentine

Acht Jahre nach Behandlungsbeginn war der mittlerweile gut 15-jährige Oscar zur Nachkontrolle wieder bei uns.

So stellt sich die Situation mittlerweile dar.

Zustand nach RET und „Revision“ mit Biodentine – acht Jahre nach initialer Therapie

Handelt es sich Ihrer Meinung nach hier um einen Behandlungs- Erfolg oder Misserfolg ?

2013 – vs. – 2021

Frontzahn 22 (4)

Überwiesen Fall berichteten wir bereits hier,  hier und hier.

Unser Plan ging auf. Die Patientin war fast beschwerdefrei.
Sie schilderte ein Taubheitsgefühl bei dem Zahn. Soll heißen er hat nicht mehr auf Manipulation geschmerzt.
Unsere Behandlungstrategie haben wir eingehalten und nach einer abschließenden Desinfektion Mitt Natriumhypochlrit das apikale Foramen mit ProRoot MTA verschlossen.
Nach der Wurzelfüllung mit Guttapercha erfolgte der adhäsive Aufbau mit Composite und einem Glasfaserstift.
14 Tage nach Behandlung berichtete die Patientin, das Sie beschwerdefrei ist.

Wenn wir auf die Leistungen schauen, dann muss ich feststellen, daß die Honorierung völlig an betriebswirtschaftlichen Anforderungen vorbei geht.
Selbst erhöhte Steigerungssätze können nicht der notwendigen betriebswirtschaftlichen Honorierung gerecht werden.
Im Jar 2021 waren knapp ein Drittel aller Überweisungen Frontzähne.

Zahnerhaltung ist im Frontzahnbereich mit viel Idealismus verbunden.
Damit können wir unsere Mitarbeiter nicht bezahlen. Beifall klatschen zählt nicht, das haben wir aus der Coronazeit gelernt.
Die Praxiskosten sind eklatant gestiegen. Wir müssen unseren Idealismus begraben und auf eine betriebswirtschaftlich notwendige Honorierung umstellen.

 

 

Geschichten aus dem Endozän 20211220 – Der Überweiser, der maximal einmal im Jahr überweist

Kennt ihr das ?

Der Überweiser, der maximal einmal im Jahr überweist.

Einen Tag vor seinem Urlaub. Oder – wie jetzt – in der Woche vor Weihnachten.
Dann jedoch muss die Behandlung sofort erfolgen. Heute nachmittag noch. Spätestens morgen.
Ein Ansinnen, dass vermutlich in seiner Praxis, würde es vorgetragen, je nach Naturell des Praxisinhabers auf brüske Ablehnung oder schallendes Gelächter stossen würde.

Ach ja, und wir mögen bitte den Patienten selbst kontaktieren.

Hier der ungekürzte Originaltext:

Patient XXX

Zahn 37 unvollständige WF und Herdverdacht

mit der Bitte um Revision der Wurzelfüllungen

Patient ist antibiotisch abgedeckt (Clindasaar 600 1-1-1)

Mit der Bitte um kurzfristige Terminvereinbarung

mit dem Patienten unter der Telefonnummer XXX

Patient hat Schmerzen am Prothesenankerzahn

Röntgenaufnahme in der Anlage


Mit freundlichen Grüßen

Was sagt ihr ? Wie sollte man in der Sache verfahren?

Ich freue mich über Kommentare zum Thema …

Fluoreszenz

Der nachfolgende Behandlungsfall wurde hier bereits vor zwei Wochen vorgestellt.

Beide obere 1er wurden im August 2021 kurz aufeinander bei zwei verschiedenen „Unfällen“ in Mitleidenschaft gezogen.

Während die Dentinwunde am 21 unversorgt blieb, erfolgte am 11 ein Reattachment des abgebrochenen Kronenfragmentes. Der Versuch der Pulpotomie wurde alio loco abgebrochen, da die Blutung nicht zu stillen war. Die an Zahn 11 eingeleitete Vitalexstirpation konnte aufgrund inkongruenter endometrischer Messwerte nicht beendet werden. Es wurde eine Fraktur mit begleitendem Leakage vermutet und der junge Patient zu uns überwiesen. Der an 11 verbliebene TTS-Rest war „aus Gründen der höheren Stabilität“ belassen worden.

Das endodontische Vorgehen entsprach der Behandlung des 21. Die Endometrie zeigte in der Tat zunächst nicht die im DVT vorab bestimmte Arbeitslänge von 25 mm an, sondern schlug 22 mm als AL vor. Des Rätsels Lösung: ein nach den ersten endodontischen Behandlungsversuchen etwas lädierter Pulpastumpf mit interessanten Gefässzeichnungen hat für die unzuverlässige Längenmessung gesorgt.

Die Obturation erfolgte in bewährter Weise. Da das Foramen nicht visualisierbar war, wurde zunächst eine dem Foramen im Durchmesser angepasste Papierspitz ISO 80 1mm kürzer als die Arbeitslänge eingestellt. Nun wurde solange MTA platziert, bis die Papierspitze bei 24 mm (AL minus 1mm) auf einen festen Widerstand stieß. Dann folgte MTA-Portion auf MTA-Portion. Nach radiologischer Verifizierung konnte Korona mit warmer Guttapercha aufgefüllt und der Zahn adhäsiv verschlossen werden.

Bei der Entfernung des Schienungs-Flowable nutzte ich eine von Thomas Connert beschriebene Vorgehensweise. Mit einer 405 nm emittierenden Lampe kann fluoreszierendes Komponist sehr schön visualisiert und unter Vergrößerung sehr genau entfernt werden. Am Ende zeigt sich nur noch das Komposit im Klebespalt.

 

 

Frontzahn 22 (3)

Überwiesen Fall berichteten wir bereits hier und hier.
Eigentlich alles gut, dachten wir.

Die Patientin kam 14 Tage später zur Kontrolle zu uns.
Die Beschwerden hatten sich dezent verstärkt. Wir baten nochmals um etwas Geduld.
Eine Woche später waren die Beschwerden nicht mehr tollerierbar. Starke Aufbissbeschwerden, Palpationsbeschwerden apikal 22 und natürlich der laterale Perkussionsschmerz. In den letzten Tagen kam noch ein Druckgefühl hinzu.
Wir entschlossen uns zur Revision.

Fehler Nr. 2 – Frontzähne sind nicht einfach.
Die apikale Aufbereitungsgröße aus der Erstbehandlung war #35. Die Ursache der Schmerzen waren uns vor Revisionsbeginn nicht wirklich klar. Das ist eine Situation, die ich versuche unbedingt zu vermeiden. Beim Entfernen der Wurzelfüllung haben wir am Instrument im Spanraum blutige Anteile bemerkt.

Fehler Nr. 3 – Apikale Aufbreitungsgröße und Debris im Spanraum beachten.
Das lässt vermuten, daß die apikale Aufbereitungsgröße nicht ausreichte. Die Sondierung mit Papierspitzen ergab eine einseitige Blutbenetzung von distal apikal. Die weitere Aufbereitung erfolgte bis #50. Wir haben Ledermix eingelegt und die Patientin zur Kontrolle 5 Tage später wieder einbestellt.

Nun waren die Beschwerden nahezu vollständig verschwunden. Lediglich die laterale Perkussion von vestibulär verursachte noch Beschwerden. Um nicht nochmals revidieren zu müssen habe ich mich entschieden die Ledermixeinlage zu entfernen und mit CaOH zu ersetzen um die symptomunterdrückenden Komponenten des Ledermix auszuschalten.
Sollte sich dann Beschwerdefreiheit einstellen, schließen wir die Behandlung ab.
Auf Grund der apikalen Aufbereitungsgröße werden wir mit ProRoot MTA den apikalen Berich füllen.
So ist der Plan. Ob es wieder anders kam berichten wir noch…

„Sargnagel“ Karla – Reparative endodontische Behandlung

Die Behandlung der 8-jährigen Karla zählt sicherlich zu den anspruchsvollsten meiner bisherigen dentalen Laufbahn.

Nicht aufgrund der Komplexizität der Therapie, sondern vielmehr aufgrund ihres Verhaltens…

Eine „Prinzessin auf der Erbse“ mit ausgeprägtem kapriziösen Verhalten.

Leider von der Mutter nicht nur „geduldet“ sondern noch gefördert…

Kurzum: Karla ist ein „kleiner Sargnagel“…

aber genug gejammert…

in drei Terminen gelang es uns gemeinsam eine reparative endodontische Behandlung nach bekanntem Muster zu initiieren.

hier ein paar Behandlungsfakten und die Zuweisung der Kollegin:

„Vielen Dank, dass ich dieses Kind (Karla. M.) so zeitnah zu Ihnen überweisen darf.

Kurze Krankengeschichte: 

Erstvorstellung bei mir war heute.

Laut Mutter erfolgte die Kronenfraktur (mit Pulpeneröffnung) an Zahn 11 Anfang Februar 2021 beim Seilhüpfen im Wohnzimmer. 

Insgesamt wurde der Zahn 3x versorgt, da das angeklebte Fragment 2 x abgegangen ist. Zuletzt war das Kind am Karsamstag im Notdienst bei xxx, wo man laut Mutter jedoch keine Behandlung durchgeführt hat.

Klinischer Befund heute:

Vipr. positiv, leicht klopfempfindlich, V.a. Pulpaeröffnung: austretender Gewebsflüssigkeit, kein Blutungspunkt., 

Behandlung heute:

Röntgenbild, Desinfektion mit NaOCl 3%, Applikation Calcimol und Ionosit, Aufklärung über möglichen Druck/ 

Schmerzen, Überweisung zur Weiterbehandlung.

Bei Rückfragen stehe ich gerne zur Verfügung…

hier die alio loco angefertigten Röntgenbilden:

Intrakanalär zeigte sich bei unseren Behandlungen eine Pulpanekrose… aufgrund des nicht abgeschlossenem Wurzelwachstums entschieden wir uns für eine reparative Therapie…

Abschluss-Röntgenbild nach RET

sechs Monate später scheint es, also ob sich die „Qualen“ für alle „gelohnt haben..

Sechs Monate post-op
Prä-op vs. post-op

ich werde weiter berichten…

Frontzahn 22 (2)

Hier haben wir über diesen Fall erstmals berichtet.

Nach 4 Wochen kam die Patientin wieder.

Sie klagte weiter über die Beschwerden. Wir empfahlen noch weitere 6 Wochen ab zu warten.
Auch nach dieser Zeit zeigte sich keine Änderung der Symptome. Die Patientin wurde inzwischen vom HZA zu einem Implantat beraten.
Dem Ersatz des Zahnes durch ein Implantat konnten wir nicht zustimmen.
Wir haben die Patientin nochmals ausführlich beraten und verwiesen darauf, daß auch nach einer endodontischen Behandlung die Symptome weiter bestehen könnten.

Es wurde ein DVT erstellt. Im DVT konnte man eine Obliteratioin des Kanalsystems erkennen. Im koronalen Wurzeldrittel ist eine kleine lakunenartige Vergrößerung des Kanalsystems zu erkennen.

Für die endodontische Behandlung zu stimmen, habe ich mich schwer getan. Letztendlich habe ich mich dazu entschlossen.

Das ist ein Fehler:
Niemals unter Druck des Patienten oder des Überweisers eine Behandlung beginnen, ohne die klaren und eindeutigen Symptome, bzw. Diagnose zu kennen.

Die Behandlung verlief relativ unkompliziert als Single-Visit. Die Wurzelfüllung war durch das apikal ampullenartige Kanalsystem etwas schwieriger. Da der Extruder der Obturationunit nicht bis zum Downpack reichte habe ich mich hier entschlossen zwei Downpack nacheinander zu machen und danach mit dem Extruder das Backfill.

Wann ist ein Instrument ein gutes Instrument ? (4)

Mein Wurzelkanal-Aufbereitungs-System für 2022 ?

Vermutlich ProTaper Ultimate.
Die neueste Inkarnation des legendären ProTaper-Systems.
2001 kam die erste Generation auf dem Markt. Ist nun mehr als 20 Jahre her. Damals eine Revolution. Ich war sehr angetan. Trotzdem bin ich irgendwann davon abgerückt. Genau gesagt 2004. Als ich mit MTwo in Berührung kam. Später kam dann Reciproc dazu. Und in all dieser Zeit hat es das ProTaper – System nicht mehr geschafft, einen Fuss in unsere Praxistür zu bekommen. Und was es alles gab. ProTaper Universal, ProTaper Next, ProTaper Gold. Reizvolle Systeme in verschiedenen Einzelaspekten. In der Summe – unterm Strich – dann aber doch für mich mit gravierenden Nachteilen und Risiken (Bruchrisiko, Starre der Instrumente zu größeren Durchmessern hin) verbunden. Risiken, die so gering sie auch sein möchten, für mich den Ausschlag gaben, Alternativen den Vorzug zu geben.

Jetzt also ProTaper Ultimate.

Und es ist zwar noch nicht ganz Weihnachten, aber es sieht so aus, das Maillefer meine Wünsche erhört hat. Nämlich ein maschinelles Aufbereitungs-System Instrument für Instrument auf seine speziellen Anforderungen im Arbeitsablauf hin zu konzipieren.

Ein Hybrid- System 3.0 sozusagen.
Bei ProTaper Ultimate haben die Maillefer – Ingenieure aus dem mittlerweile sehr großen Konstruktions-Setzkasten an Materialien und Formen für jedes einzelne Instrument die jeweils für seinen spezifischen Aufgabenbereich bestmögliche Kombination herausgegriffen und so ein Sortiment aus deutlich unterschiedlichen Einzelinstrumenten zu einem stimmigen Gesamtkonzept zusammengefügt. Instrumente zur initialen apikalen Erschließung müssen nunmal einen ganz anderen Aufbau haben als Instrumente zur koronale Erweiterung oder zur finalen Ausformung des Wurzelkanals über seine gesamte Länge hinweg. Dem hat man hier Rechnung getragen und zusätzlich noch den meines Erachtens wichtigen Trend nach geringeren Aufbereitungsdimensionen zum koronalen Bereich hin ins Instrumentendesign integriert.

Nachfolgend 2 Zähne 27 und 47, die ich mit ProTaper Ultimate endodontisch behandelt habe.

Es standen mir vorab nur 6 Packungen zur Verfügung. Die hier gezeigten Zähne 27 und 47 sind Zahn 2 und Zahn 4 der Fallreihe. Beide Zähne waren extrem schwierig. Und ich konnte die Behandlungen (wie genau das geschah, kommt in einem weiteren Beitrag) zu meiner Zufriedenheit lösen.

Bei der Bundestagswahl wäre dies eine erste Prognose nach Schluss der Wahllokale. Soll heißen – Viele zu wenig Input bislang, um ein wirkliches Fazit zu ziehen, aber ein Trend ist doch zweifelsohne erkennbar. Ich freue mich auf jeden Fall, sobald das System im Markt erhältlich ist, damit weitere Erfahrungen zu sammeln und die Instrumente in unser Aufbereitungskonzept integrieren zu können. Ich bin schon jetzt zuversichtlich, das diese ihren Platz in unserer Praxis finden werden.

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.

Wer würde nicht auch hier auf die Idee kommen, zur Extraktionszange zu greifen …

Aber es ist kurz vor Weihnachten und ich appelliere an das Gute im Menschen. Und möchte morgen abend zeigen, im letzten Mittwochabend-Endodontiegespräch für 2021, wie man in solchn und viele andere ähnlich gelagerte, scheinbar hoffnungslose Fällen erfolgreich und vor allem vorhersagbar dem Patienten dessen Zähne erhält.

Zum Teilnahmelink geht es hier.

Hartnäckig

Dieses Attribut kann in vorliegendem Fall gleich zweimal vergeben werden.

Zum einen an die Vorbehandlerin/den Vorbehandler.

Um in einem Kanalsystem 5 Instrumente zu fakturieren bedarf es einer großen Portion Hartnäckigkeit. Denn die jeweils vorangegangenen Instrumente mit weiteren Instrumenten entfernen/passieren zu wollen macht niemand, der schnell aufgibt.

Zum anderen an des letzte der fünf Fragmente.

Diese lag zunächst einladend vor mir, um nach dem nächsten Eddy-Einsatz in Teilen nach periapikal zu rutschen und sich dorthin meinen Bemühungen zu widersetzen, es aus dem MB1 herauszulösen. Bis es dann mittels Microopener zurecht gelegt und nachfolgend mit der Drahtschlinge im ersten Anlauf entfernt werden konnte.

Die Anzahl der Fragmente hatte ich nach 2D- und 3D-Bildauswertung auf mehr als zwei, aber niemals auf fünf eingeschätzt. Umso erstaunter war ich, als ich bei der allfälligen Röntgenkontrolle ein Fragment sah, welches klinisch nicht visualisierbar war. Ich hatte geglaubt, dass das letzte Fragment aus dem MB1herausgeschleudert worden war und ich es nur nicht gefunden hatte. Merke: Immer schön skeptisch bleiben, solange das Fragment nicht gefunden wurde.

Unzufrieden bin ich am Ende nur mit der deutlichen Sealerextrusion im palatinalen Kanal. Der stellte eigentlich so überhaupt keine Schwierigkeit dar. Um so ärgerlicher die Extrusion, die sich trotz sehr gutem Tug-Back ereignete.

 

ePA – elektronische Patientenakte

Ein Video zu Haftungsfragen der ePA kann man hier anschauen.

 

Geschichten aus dem Endozän 20211210

Neulich musste ich dann doch bei der Erstvorstellung des Patienten (76 Jahre, ehemaliger Lehrer) innerlich den Kopf schütteln vor Unverständnis.
Er war zur endodontischen Behandlung des Zahnes 26 von Hauszahnarzt überwiesen. Der Patient beklagte sich, dass er von seinem Heimatort 18 km Fahrtweg habe, um zu unserer Praxis zu kommen und das ihm das (eigentlich zu) lästig sei. Soweit nicht Neues, es ist ja ein hinreichend bekanntes Phänomen, das gerade unsere Patienten mit der kürzesten Anreise sich am lautstärksten darüber beklagen. Was der Patient dann aber im Laufe des Gesprächs erzählt, hat mich dann doch innerlich ein wenig sprachlos gemacht. Er erzählte, dass er morgen nach Tschechien unterwegs sei, um für den Weihnachtsmarkt der Heimatgemeinde Waren einzukaufen. „Wie er dort käme?“, fragte ich. „Mit dem Auto“ war die Antwort. 1200 KM Fahrt sind dann offensichtlich kein Problem mehr. Das verstehe, wer will.

Apropos weite Anreise – Wenn ich gut gelaunt bin, dann antworte ich darauf, das nur Patienten, die mit dem Flugzeug zu uns kommen, aus unserer Sicht eine lange Anreise haben, aber das verkniff ich mir hier.

Kurz berichtet – Apikale Aufhellung – ausgeheilt nach Revision eines resezierten Frontzahn

Hier das Zweijahres Recall einer von uns durchgeführten Revision eines bereits vormals resezierten Frontzahns.

Die Behandlung erfolgte nach dem üblichen WURZELSPITZE Protokoll und in zwei Terminen.

Hier die entsprechenden Aufnahmen:

Ausgangssituation 2019 – Röntgenbild alio loco
Ausgangssituation im Einzelzahn-Röntgenbild 2019
Ausgangssituation im DVT
Blick auf blutenden Neoapex nach orthograder Entfernung des retrograden Füllungsmaterials
MTA-Apexifikation zum Verschluss des Neoapex
Post-op Röntgenaufnahme
2-Jahres Recall nach Revision
2 Jahres Recall im DVT
Prä-OP vs. 2-Jahres Recall

So macht Recall Spaß

Frontzahn 22

In unsere Sprechstunde wurde die Patientin mit latenten Beschwerden am Zahn 22 überwiesen. Sie gab an einen Sturz auf den Zahn in der Jugend an. In dem letzten Jahr prägten sich die Beschwerden immer mehr aus. Sie äußerten sich in einem Perkussionsschmerz incisal und lateral. Die Beschwerden waren beim Essen und Abbeißen präsent. In Ruhephasen war der Zahn schmerzfrei.
Auf Kälte reagierte der Zahn nicht sensibel. Die elektronische Testung zeigt ein eindeutig positives Ergebnis. Wert 28 von 65

Die Kollegin, Menschenarzt, beschrieb die Schmerzen als langsam aber sicher nervend. Die Sondierungstiefen sind nicht erhöht. Die vorhandene Kunststoffüllung zeigt ein Leckage.
Klinisch zeigte sich am Zahn 22 eine Attrition in der Laterotrusion links durch eine Steilstellung der Frontzähne und eine Art Gruppenführung mit dem Zahn 23. Es treten keine Beschwerden am Zahn 22 in dieser Bewegung und der Protrusion auf.
Im Röntgenbild zeigte sich eine Obliteration des Wurzelkanals im koronalen und mittleren Wurzeldrittel.

Die Obliteration ist ein Zeichen einer vitalen Pulpa.(1)
Wir haben uns entschieden, die Füllung zu entfernen. Es zeigte sich wenig Sekundärkaries und im Pulpabereich viel Reparaturdentin.  Nach der Desinfektion und Abdeckung mit einem CaOH Liner haben wir den Zahn adhäsiv verschlossen.

Die Beschwerden haben sich in den darauffolgenden Monaten nicht verändert.

Die Patientin wünschte eine weitergehende Behanfdlung. Die Sensibilität war elektronisch bei 30 von 65.
Endo ja oder nein – ist hier die Frage?
Wie würden Sie entscheiden?

View Poll

(1)“Der genaue Mechanismus der Pulpakanalobliteration ist unbekannt, wird aber mit der beschädigten neurovaskulären Versorgung der Pulpa zum Zeitpunkt der Verletzung in Verbindung gebracht. “
„Die PCO ist ein physiologischer Vorgang und stellte ein nützliches und sicheres Indiz für eine vitale Pulpa und deren Heilungs- bzw. Reparaturprozess dar. “

Quelle: Sebastian Bürklein, Radiologische Diagnostik
Obliteration an einem Zahn mit mehreren Wurzelquerfrakturen und koronaler Wurzelkanalfüllung. Endodontie 2021;30(2):209–213

 

„Aktuelles Urteil zur präendodontischen Entfernung vorhandenen Wurzelfüllmaterials“

„Aktuelles Urteil zur präendodontischen Entfernung vorhandenen Wurzelfüllmaterials“

Die Art der Berechnung der präendodontischen Entfernung vorhandenen Wurzelfüllmaterials wird immer wieder diskutiert. Nun gibt es hierzu ein aktuelles Urteil des Verwaltungsgerichtshofs Baden-Württemberg vom 07.09.2021 (Az.: 2 S 1307/21), das die Richtigkeit der Analogberechnung nach §6 Abs.1 GOZ der präendodontischen Entfernung vorhandenen Wurzelfüllmaterials bestätigt.
Hierzu ein Leitsatz des o.G. Urteils: „Die Entfernung alten Wurzelfüllmaterials im Rahmen einer Wurzelkanalrevision ist eine selbständige nach §6 Abs.1 GOZ als Analogleistung abrechenbare Leistung. Sie ist nicht mit der GOZ-Nummer 2410 (Aufbereitung eines Wurzelkanals) abgegolten.“
Der Behandler hatte die „Entfernung alten Wurzelfüllmaterials“ in analoger Anwendung der GOZ-Nr. 2210 berechnet, da es sich aus seiner Sicht um eine selbständige, nicht im Gebührenverzeichnis der GOZ enthaltene, Leistung handelt. Die Analogberechnung der „Entfernung alten Wurzelfüllmaterials“ nach §6 Abs.1 GOZ entspricht ferner der gebührenrechtlichen Expertise der Bundeszahnärztekammer (BZÄK).

Der Kostenerstatter meinte hierzu, die Entfernung einer alten Wurzelfüllung sei mit der ebenfalls berechneten Wurzelkanalaufbereitung nach GOZ 2410 abgegolten.

Der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg teilte allerdings die Argumentation des Behandlers bzw. der BZÄK.

Aus AEND – Autor Peter Klotz

p.s.: In der DZW findet sich ein ausführlicherer Artikel von Klotz zum Thema.

Informant Papierspitze

von Jörg Schröder

Obere mittlere Schneidezähne? Kindergeburtstag. No-Brainer. Selbstläufer.

So, oder so ähnlich sind gemein hin die Äußerungen, die man auf die Frage zu hören bekommt, welche Zähne nun wirklich einfache Behandlungsfälle darstellen.

Warum finden sich dann so viele Misserfolge im Bereich oberer 1er? Apikale Aufhellungen, erfolglos durchgeführte Resektionen, unvollständige Wurzelfüllungen.

Eine mögliche Ursache sind endodontische Behandlungen die an Zähnen ausgeführt werden müssen, deren Wurzelanwachstum nicht vollständig abgeschlossen ist. Die besondere Weite des Kanalhohlraums und das weite apikale Foramen können durchaus eine Herausforderung darstellen. Vom jungen Lebensalter der Patienten und der damit manchmal einhergehenden geringeren Compliance einmal ganz abgesehen.

In vorliegendem Fall kam es in Folge zweier im Abstand von 6 Wochen erfolgten Frontzahntraumata zu einer Pulpanekrose an Zahn 21. An Zahn 11 wurde alio loco zunächst die freiliegende Pulpa im Sinne einer Pulpotomie behandelt.

Da sich die Blutung nicht stillen ließ wurde eine Vitalexstirpation durchgeführt. Die Obturation konnte aufgrund einer nicht reproduzierbaren Endometrie nicht ausgeführt werden. Es erfolgte die  Überweisung in unsere Praxis, da eine Horizontalfraktur vermutet wurde.

Klinisch imponierte am Erstuntersuchungstag bei uns eine deutliche Perkussionsempfindlichkeit des Zahnes 21. Das zur Detektion einer möglichen horizontalen Wurzelfraktur an 11 erstellte DVT ließ am 21 eine deutliche apikale Aufhellung erkennen. Der alio loco mit Ledermix versorgte 11 zeigte entzündungsfreie periapikale Strukturen und keinen Hinweis auf eine Wurzelfraktur.

Daher sollte zunächst die endodontische Behandlung es 21 erfolgen. Bei der Trepanation fand sich in den oberen vier Fünftel des Kanalsystems nur nekrotisches Gewebe. Nur im apikalen Fünftel wies die dezente Blutung beim initialen Instrumentieren auf (rest-)vitales Gewebe hin.

Die endometrische Längenbestimmung zeigte reproduzierbar an. Dennoch habe ich sterile Papierspitzen zur Verifizierung der Arbeitslänge eingesetzt. Dazu wird die Papierspitze 0,5 mm länger als die ermittelte Arbeitslänge eingestellt und dann für einen kurzen Moment bis auf volle Länge in den Kanal eingebracht. Dieser Vorgang wird mehrere Male mit jeweils neuen Papierspitzen wiederholt. Bei korrekter Länge sieht der dezente Blutungspunkt dann immer gleich aus.

Auch bei der Obturation mittels MTA kommt die Papierspitze zum Einsatz. Nun wird die Papierspitze 1 mm kürzer als die 0,0 Länge eingestellt und solange kleine MTA-Plugs eingebracht, bis die Papierspitze erst auf und nach dem nächsten Plug gerade nicht mehr auf Arbeitslänge eingebracht werden kann. Nun kann das Auffüllen des apikalen Wurzelanteils mit dieser Technik kontrolliert erfolgen, bis der koronale Teil des MTA Plus visualisiert werden kann. Denn dieser 21 ließ aufgrund der apikale Krümmung und einer Arbeitslänge von 25 mm kein Einbringen des MTA unter Sicht zu.

Das mittlere Drittel wurde anschliessend mittels warmer vertikaler Kompakten mit Sealer und erwärmter Guttapercha, das koronale Drittel adhäsiv mit Komposit gefüllt.

Erschreckend dabei, wie nachlässig mit der Dentinwunde am 21 „umgegangen“ wurde. Seit dem Trauma bis zur Erstvorstellung bei uns mehr als 3 Monate später unterblieb eine Abdeckung derselben. Nicht auszuschliessen, dass eine Pulpanekrose hätte vermieden werden können, denn der 21 reagierte die ersten Wochen nach dem ersten Trauma laut Überweisern reproduzierbar positiv auf den Sensibiltätstest.

 

 

Kuhfuß – Munich style (I)

Als hätten Jörg Schröder und ich uns abgesprochen hatte ich vor sehr kurzem einen Fall, bei dem genau diese Kuhfuß-Technik gewinnbringend eingesetzt werden konnte…

zu den Hintergründen:

Die heute 25-jährige Lehramtstudentin hatte vor circa drei Jahren ein Frontzahntrauma (unkomplizierte Kronenfrakturen). In der weiteren Folge musste der Zahn 21 daher endodontisch behandelt werden.

Ausgangssituation Zahn 21 mit ausgeprägter apikaler Parodontitis – Röntgenbild alio loco

Jetzt, circa zwei Jahre nach Ende der Therapie entwickelte die Patientin wieder ein starkes Beschwerdebild.

Situation Zahn 21 circa zwei Jahre nach Behandlung mit deutlich zugenommener apikaler Parodontitis – Röntgenbild alio loco

Das seit einer Woche verordnete Antibiotikum zeigte leider keine positive Wirkung.

Klinisch imponierte eine nicht unerhebliche vestibuläre Schwellung.

Gemeinsam mit der Patientin entschieden wir uns trotz ungünstiger Voraussetzungen für eine Revision.

Wenig überraschend präsentierte sich das Kanalsystem maximal bakteriell kontaminiert.

Mittels Hedström-Instrument und Aterienklemme konnte das WF-Material in toto entfernt werden.

Spontan kam es zu einer beträchtlichen Pus-Entleerung…

Zustand nach vollständiger Entfernung der Wurzelfüllmaterialien

ohne die Kuhfuß-Technik hätte dieser Behandlungsschritt nicht so problemlos funktioniert…

Demnächst mehr zu diesem Fall…

H mit kleiner Tücke

Die Überweisung erfolgte aufgrund der Schwierigkeit, die Kanaleingänge des mit erkennbarer apikaler Pathologie behafteten 14 darzustellen und nachfolgend aufzubereiten.

Das Gute am präoperativen DVT: Es waren im achsialen Schnitt Kanalhohlräume zu erkennen.

Das Schlechte: Der bukkale Kanal kommunizierte h-förmig mit palatinalen krümmte sich jedoch bis zum „H“ von bukkal nach palatinal, um kurz nach der Kommunikation zunächst deutlich nach bukkal und dann ebenso deutlich nach distal zu verlaufen.

Die Darstellung der Kanaleingänge wurde durch die klare endodontische Landkarte vereinfacht.

Jedoch erwies sich das bukkale Kanalsystem ab der Kommunikation als besonders störrisch. Es war nicht möglich eine maschinellen Gleitpfad zu erstellen, da selbst eine 10/02 nicht in den apikalen Kanalabschnitt vordringen konnte.

Die Lösung: Vorgebogene Handinstrumente. Beginnend bei ISO 008 und unter Ausnutzung von Zwischengrößen (12 und 17) gelang es auch das bukkale Kanalsystem bis zum Foramen zu erschliessen. Dabei musste das deutlich vorgebogene Handinstrument bis zum „H“ an der bukkalen Wand nach apikal eingebracht, um dann 90 Grad nach distal gedreht zu werden.

Eine maschinelle Aufbereitung des bukkalen Kanals war erst nach Einsatz einer ProTaper-Handfeile S1 möglich. Und auch nur, da die eingesetzten HyFlex-Instrumente zunächst vorgezogen, anschliessend händisch eingesetzt und dann mit dem kabellosen Handstück gekoppelt wurden.

Am Ende sieht es im Einzelbild recht simpel aus. Das DVT lässt die wahre Schwierigkeit erahnen.

Covid und die Statistik

Auf ein sehr hilfreiches Beispiel zur richtigen Interpretation von Statistiken hat mich ein Kollege aus Hannover, Dr. Arne Neumann hingewiesen.
Das möchte ich der Leserschaft nicht vorenthalten:

 

Wann ist ein Instrument ein gutes Instrument ? (3)

Endlich !!!
Neue Aufbereitungsinstrumente!

Die letzten Jahren war es ziemlich ruhig, was neue Endo-Aufbereitungsinstrumente anging. Klar wurde IDS für IDS immer wieder was Neues auf den Markt geworfen. Zumeist jedoch alter Wein in neuen Schläuchen. Die letzte große Revolution – die reziproken Instrumente – wurden der Öffentlichkeit Anfang 2011 vorgestellt. Gab´s danach noch was Neues ? TruNatomy würde ich nennen, mit dem Fokus auf schmale Präparationen im oberen Wurzelkanalbereich. Ein guter Ansatz, aber in meinem Klientel und unserer Praxis mit rund 90 Prozent Revisionen spielt das Instrument de facto überhaupt keine Rolle. Im September hat die Firma Komet ihr Procodile Q System präsentiert. Und ich gebe zu, auf den ersten Blick fand ich die Änderungen gegenüber der ersten Generation ausgesprochen erfreulich. Änderung 1: Es wird nun eine wärmebehandelte NITI – Legierung verwendet. Bedeutet: Höhere Flexibilität, höhere Ermüdungsbruchresistenz und die Möglichkeit des Vorbiegens. Was hätte ich mir noch gewünscht – einen variablen Taper. Aber genau das ist (noch) patentgeschützt und ich vermute mal, das Komet Lizenzgebühren vermeiden wollte oder andere Gründe gegen die Verwendung dieses Designmerkmals sprachen.

Was nun tun, um die wichtige Flexibilität auch im oberen Teil der Instrumentenschneide sicherzustellen ? Die Lösung – Änderung 2 und zugleich eine echte Neuerung – der Kerndurchmesser des Instrumentes wird zu den breiteren Aussenbereichen hin dünner. Das Instrument ist unten innen im Vergleich zum Aussendurchmesser dick, weiter oben wird dann der Innendurchmesser im Vergleich zum Aussendurchmesser immer kleiner.

Klingt nach einer sinnvollen Maßnahme.
Allerdings „Grau, teurer Freund, ist alle Theorie“, um den Leibhaftigen selbst und Altmeister Goethes bekanntestes Werk zu zitieren. Und so muss sich das neueste Komet – Instrument, welches am Wochenende auf der DGET- Jahrestagung in Berlin den fachkundigen Kollegen präsentiert wurde, aller Vorschusslorbeeren zum Trotz , auch in der Praxis bewähren.

Denn – „Was zählt ist auf ´m Platz“.
Alfred Preißler hat das gesagt. Und sich im Übrigen wie ich auf Goethe bezogen, denn – das korrekte Zitat in voller Länge lautet laut Wikipedia: „Grau is’ im Leben alle Theorie – aber entscheidend is’ auf’m Platz.“

Was mir nun bei meinen Behandlungen aufgefallen ist – Das Instrument ist deutlich flexibler als die VDW Reciproc R25. Das ist definitiv ein Plus. Und in bestimmten Kanälen gibt das Instrument ein taktiles Feedback zurück, dass einen die benötigte Kraft nach apikal gut dosieren lässt. Dieses „angenehme“ Phänomen gibt es bei der R25 nicht.

Aber damit enden leider für mich schon die Vorteile.
Und ich muss mich, wo Licht ist, ist auch Schatten, mit den Nachteilen herumschlagen:

Nachteil 1: Das Instrument ist zu flexibel. Zu flexibel??? Man mag es nicht glauben, aber zuviel Flexibilität ist auch nicht gut. Gar nicht gut. Denn – die gewohnte bürstende Bewegung nach lateral im Kanal fällt in ihrer Abtragsarbeit deutlich geringer aus.
Ist nicht nur ungewohnt, sondern auch wenig effektiv.

Nachteil 2: Im Gegensatz zur VDW R25 zeigt sich eine deutlich geringere Effizienz, was das Entfernen von WF- Material angeht. Beispiel gefällig? Im angefügten Video war es mir nicht möglich, die (zugegeben harte) Guttapercha maschinell zu entfernen. Erst mit der R25 hatte ich Erfolg.

Nachteil Nr. 3: Der geringere Innendurchmesser des Instrumentes erhöht die Frakturanfälligkeit des Instrumentes. Vielleicht war es wirklich nur Zufall. Aber wenn bereits im dritten Behandlungsfall eine Fraktur sich einstellt und dies auch noch relativ weit oben am Instrument stattfindet, dann werte ich dies zumindest als Indiz für eine mögliche höhere Bruchanfälligkeit. Zum Vergleich: Seit 2008 (2 frakturierte Prototypen mitgezählt) sind mir 4 R25-Instrumente frakturiert. Und jedes Mal in Extremsituationen. Die Procodile Q – ein Arbeitstier a la VDW R25 ? Da wäre ich sehr zurückhaltend, eine solche Einschätzung betreffend. Aber genau so ein Arbeitstier brauche ich. Welches im Übrigen nach der Fragmententfernung ohne Probleme (und ohne Bruch) zum Ziel führte.

Mein Fazit:
Ich bin sicher, bei jemandem, der viele Erstbehandlungen macht, ist es möglicherweise anders, aber für mich ist die Procodile Q kein Trauminstrument. Rein subjektive Wertung – die Procodile Q entspricht nicht meinem Anforderungsprofil und nicht meiner Arbeitsweise.

Was für mich bei dieser Einschätzung um so schwerer wiegt – Ich habe vor kurzem ein neues maschinelles Aufbereitungsinstrument kennengelernt, von dem ich sehr angetan bin.
Und das sich anschickt, aus dem Stand heraus, sich in unserer Praxis zu etablieren.

Darüber berichte ich nächste Woche.
Und was die Procodile Q angeht – bis zur Markteinführung wird noch einige Zeit vergehen und vielleicht ändert sich ja noch was. Ich bin gespannt. Und drücke beide Daumen.

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.

Kuhfuß

Der Kuhfuß oder auch Nageleisen genannt ist ein Werkzeug, mit dem sich trefflich hebelnd arbeiten lässt und mit dem Nägel entfernt, oder aber auch widerspenstige Türen und Fenster auch ohne Schlüssel geöffnet werden können. Entscheidend für die Effizienz und das geschmeidige Arbeiten ist dabei die Rundung am kurzen Ende des Nageleisens.

Dieses Prinzip lässt sich auch beim Entfernen alter Guttaperchaspitzen einsetzen. Ich bevorzuge, sofern es die Kanalgeometrie erlaubt, die zu entfernenden Guttapercha nicht zu zerspanen, sondern, wenn möglich, in toto zu entfernen.

Sobald die Guttapercha nicht im Kanal schwimmt, sondern eine Klemmung aufweist und der Kanal auch noch eine Krümmung aufweist, kann die Friktion der Guttapercha im Kanal so groß sein, dass reine Handkraft nicht ausreicht, um die auf EFL= 0,0 eingebrachte Hedströmfeile (ich dazu hier bei Wurzelspitze schon mehrfach berichtet) zu entfernen.Ein grobe Zerren am Instrument wird zudem vom Patienten in den seltensten Fällen als besonders elegant und angenehm empfunden.

Ich nutze daher ab der Hedströmfeile ISO 25 eine über die Fläche gebogene Arterienklemme, um Guttapercha und Hedströmfeile recht geschmeidig zu entfernen.

Zunächst wird die Hedströmfeile unter endometrischer Kontrolle an der Aussenkurvartur des Kanals an der Guttapercha vorbei bis zum Foramen eingebracht. (Silikonstop-Kontrolle) Dannn wird der Stop nach oben zum Handgriff hin geschoben, die Arterienklemme angesetzt und die Hedströmfeile in der höchsten Klemmstufe (3.Raster) gefasst. Die runde Fläche der Arterienklemm nutzt dann die Okklusalfläche bzw. die Randleiste des Zahnes als Hypomochlion. Unter Umständen muss die Klemme ein oder zwei Mal gelöst und wieder – diesmal tiefer -angesetzt werden, um ein gutes Widerlager zu ermöglichen.

In vorliegendem , zweizeitig behandeltem Fall, gelang das Entfernen der Guttapercha sehr vorhersagbar. Beeindruckend, wie lange aus der Periapikalregion im ersten Termin eine pulssynchrone Exsudation persistierte, die erst am Ende des Behandlungstermins aussetzte.

Dentapen (III)

Der Dentapen kommt mittlerweile seit gut sechs Wochen jeden Tag bei uns zum Einsatz.

Für mich DIE Anschaffung des Jahres 2021 für unsere Praxis.

Insbesondere dessen Anwendung bei der palatinalen Anästhesie finde ich besonders bemerkenswert und erzielt in meinen Händen deutlich (deutlich!) bessere Anästhesie-Ergebnisse als durch die von uns bisher angewandte Techniken.

Das nachfolgende Video verdeutlicht die palatinale Wirkung durch die rasch einsätzende Ischämie eindrucksvoll.

Mit dem Pen ist es schlicht möglich druckarmer höhere Mengen des Anästhetikums zu applizieren, um somit eine tiefere Wirkung zu erzielen…

Try it… you’ll like it…

;-)

P.S.: Vor der endodontischen Therapie (und nach der Anästhesie) wurde bei dem Zahn noch eine Zahnreinigung durchgeführt.

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.

Externe Wurzelresorptionen (VII)

Circa acht Jahre ist es her, dass ich den Fall von Sophia erstmals u.a hier, hier bzw. hier vorgestellt habe.

Heute ein weiteres klinisch-radiologisches Update zu der erfreulichen Entwicklung der Situation…

OPG alio loco
alio loco
Klinische Situation – vorher – nachher – alio loco

Ich werde weiter berichten…

Latente Beschwerden seit Jahren (2).

Über diesen Fall haben wir hier erstmals berichtet.

Im angefertigten Zahnfilm ist die laterale Aufhellung im mittleren Wurzeldrittel, approximal mesial zu erkennen. Im Wurzelkanal imponiert eine inhomogene hyperdense Struktur, die im apikalen Drittel unterdimensioniert erscheint. Der Kronenrand erscheint röntgenlogisch nicht suffizient.

Eine Bereich hat mich allerdings bewogen, zusätzlich zum erhobenen Palpationsbefund auf eine Wurzelfraktur oder unbekannte Wurzelanatomie zu schließen.
(Siehe Bild.)

Meine Indikation lautete:
– komplexe Zahn/Wurzelanatomie 11, DD Wurzelfraktur

Die Darstellung im DVT zeigt einen zweiwurzeligen Zahn 11.
In der Horizontalen Ebene am Zahn 11 im ersten Bild ein Art „Ausstülpung“ erkennen. Ob dies im Zusammenhang mit der Intrusion von 51 steht ist unklar. Man hat keinen wirklichen Interpretationsspielraum da genauere Angaben zu dem Unfall fehlen, bzw. nicht mehr ermittelbar sind.

Behandlungsplanung:
Krone entfernen, Darstellung der Kanaleingänge, präendodontischer Aufbau, Wurzelkanalbehandlung, Wurzelfüllung, postendodontische Restauration mit Glasfaserstift, prov. Krone.

Quintessenz:
Zur Indikationsstellung für ein DVT ist eine hochauflösende und vergrößerbare Einzelaufnahme des Zahnes Voraussetzung.

Übrigens:
Die Bildaufnahme, Betrachtung, Auswertung und Befundung erfordert Zeit.
Das Honorar dafür beträgt €8,00.
Soviel bezahlt man am Passbildautomaten für 1-2 biometrische Passbilder, beim Fotografen bis €25,00.

Wann ist ein Instrument ein gutes Instrument (2)

von Nils Widera

Anwenderbericht Procodile Q

Seit September diesen Jahres ist die neueste Entwicklung von Komet käuflich zu erwerben. Eine Weiterentwicklung der bekannten Procodile durch eine thermische Behandlung hin zur Procodile Q.
Und tatsächlich ist das nicht alter Wein in neuen Schläuchen, sondern für mich die bisher beste Feile die Komet auf die Beine gestellt hat.
Ganz allgemein handelt es sich um eine Reziprok-linksläufig arbeitende Feile. Das Spektrum der angebotenen Instrumente reicht von 20 bis 50. Der Taper wird mit der Zunahme des Spitzendurchmessers kleiner. 20, 25 und 30 weisen einen 6er Taper auf, 35 und 40 einen 5er und schlussendlich 45 und 50 dann nur noch 4 Prozent.
Ich hatte die Möglichkeit, die Instrumente bereits sechs Monate vor Verkaufsstart regelmäßig einzusetzen und die 06/20 und 06/25 haben sich mittlerweile in mein Standardaufbereitungskonzept „gearbeitet“.

Nun wissen alle, die viel und gerne Endo machen, dass es die eine Feile für alles wie von der Industrie immer wieder versprochen und propagiert nicht gibt. Aber mein Fazit ist, das mit den oben genannten zwei Vertreterinnen sehr viel möglich ist.

Wo liegen nun aus meiner Sicht die Vorteile?
Eine sehr gelungene Balance zwischen „Weichheit „und Wiederstand. Will sagen, Vorbiegen ist gut möglich aber auch laterales Ausbürsten im Zug der Aufbereitung bleibt weiterhin sehr gut machbar.

Ich habe apikal in vielen Fällen bis ISO 12 mit einer Handfeile vorgearbeitet und dann direkt die 06/20 Procodile Q auf Arbeitslänge gebracht. Angewendet im E-Connect-S von Eighteeth (ein Testbericht zum diesem Motor folgt demnächst hier bei WURZELSPITZE ) unter direkter Endometriekontrolle im immer flüssigkeitsgefüllten Kanalsystem kam es so gut wie nie zu Problemen bei Erreichen des endometrischen Apex. Der kabellose Motor ist komplett individuell einzustellen und ich habe als Werte 200 ccw 50 cw bei 300 Umdrehungen und 1 Ncm als Belastungsgrenze gewählt. Wer auf einen kabellosen Antrieb umstellen möchte, dem sei der E-Connect S zum Testen sehr ans Herz gelegt. In den letzten 8 Monaten hat er alle anderen Antriebe (Morita TriAuto ZX2, Schlumbohm, VDW Gold) in unserer Praxis aufs Abstellgleis befördert.
Die weitere apikale Ausformung kann dann so gehandhabt werden, wie es jeder möchte. Wie bereits erwähnt, lässt das System alles bis 50 zu. Aber die für mich wichtigste und leistungsstärkste Feile ist die 20iger. Super frakturresistent, sehr flexibel auf den ersten 3-4 Millimetern, großer Spanraum. Und hier gefällt mir der 6er Konus eben besser als die apikal höheren Werte bei Reciproc oder WaveOne Gold.
Wie stark sich die Feile einschraubt, lässt sich über vollkommen drucklose oder eben leicht kraftvolle Aufbereitung sehr gut steuern.

Zwei aktuelle Fälle, gelöst mit oben erwähnter Sequenz und aufbereitet in mb1, mb2 und d bis 25, palatinal bis 35 habe ich mit angehängt. Als Sealer kam hier CeraSeal zum Einsatz.

Also her mit den Fragen oder Testberichten eurerseits! Ich bin gespannt auf eure Einschätzungen.

Wann ist ein Instrument ein gutes Instrument (1) ?

Am 6. April 1962 trat Leonard Bernstein als Dirigent der New Yorker Philharmoniker zu Konzertbeginn vor das Publikum der vollbesetzten Carnegie Hall. Brahms Klavierkonzert Nr. 1 stand auf dem Programm, der junge Glenn Gould sollte der Solist sein. Statt stumm zum Dirigentenpult zu gehen und den Taktstock zum Auftakt des Stückes zu heben, wandte sich überraschend der Maestro in einer Ansprache an das verblüffte Auditorium. Ein ungewöhnlicher Vorgang. Noch ungewöhnlicher war dann aber, was Bernstein kundtat. Er verkündete:

„Don’t be frightened… Mr. Gould is here. He will appear in a moment. I am not, as you know, in the habit of speaking on any concert (…), but a curious situation has arisen, which merits, I think, a word or two. You are about to hear a rather, shall we say, unorthodox performance of the Brahms D Minor Concerto, a performance distinctly different from any I’ve ever heard, (…) in its remarkably broad tempi and its frequent departures from Brahms‘ dynamic indications. I cannot say I am in total agreement with Mr. Gould’s conception.“

Leonard Bernstein distanziert sich öffentlich von Goulds Interpretationsansatz. Ein Skandal. So nachzulesen und anzuhören bei BR Klassik, für deren Rubrik „Was geschah heute“ ich im Übrigen an dieser Stelle nachdrücklich werben möchte, auch wenn ich, die Geschehnisse jenes Tages beurteilend, mit der Redaktion nicht übereinstimme. Was dem Radiobeitrag nämlich fehlt, der die damalige Situation nur verkürzt und damit sinnentstellend wiedergibt, ist die Aussage Bernsteins ein paar Momente später, welcher auf die rhetorische Frage, warum er denn das Konzert überhaupt dirigiere, wenn er mit Gould nicht übereinstimme, Folgendes anführt.

„I am conducting it, because Mr. Gould is so vaild and serious an artist that I must take seriously anything he conceives in good faith. And his conception is interesting enough so that I feel you should hear it, too.“

Bernstein war also weder skandalös noch ehrverletzend, was die Person Goulds oder sein Schaffen als Künstler anging. Im Gegenteil. Selbstverständlich war sich Bernstein bewußt, mit welchem Ausnahmeinterpret er die Freude und das Vergnügen hatte, musikalisch zusammenzuarbeiten. Zwei Titanen der E – Musik. Wie zwei Maler, die beide konträr unterschiedlich das gleiche Sujet auf der Leinwand festhalten, aber dennoch höchsten Respekt für das Werk des Anderen haben, auch wenn sie niemals im Stil des Gegenübers malen wollten, geschweige denn könnten.

Und was hat das Ganze nun mit der Endodontie und WURZELSPITZE zu tun ?

Ende September hat Komet auf der IDS ihr neues maschinelles NITI System Procodile Q dem Fachpublikum vorgestellt. Ich hatte es kurz zuvor zum Testen bekommen. Zu wenig Zeit, um darüber profund zu berichten. Daher habe ich aus diesem Anlaß Nils Widera (von dem ich wusste, dass er seit längerem schon damit arbeitet) gebeten, über seine Erfahrungen zu berichten.

Nils Bericht möchte ich bei WURZELSPITZE wiedergeben.
Und genau wie Bernstein es damals mit Gould getan hat, ihm – höflich und voller Respekt seines Tuns und seiner Expertise gegenüber – widersprechen. Meine eigenen Erfahrungen ebenfalls hier einstellen. Die – man vermutet es nach Erwähnung jener historischen Anekdote – deutlich anders ausfallen.

Aber wer hat nun recht ?
Dirgent oder Interpret?
Nils oder Ha-Wi?

Keiner von uns.
Oder wir beide.
Denn letztendlich muss jeder Behandler für sich selbst entscheiden, welche Instrumente in seinen Händen und in den Zähnen der jeweils eigenen Patienten, das bestmögliche Ergebnis erzielen. Das ist nämlich von vielen individuellen harten und weichen Faktoren abhängig. Ein arrogantes Beharren auf der eigenen Meinung als der einzig richtigen geht nämlich an der Sache vollkommen vorbei. Das wird umso deutlicher, wenn ich im Nachgang ein weiteres brandneues System vorstelle, von dem ich wiederum ich sehr angetan bin. Ich jenes in ebenso höchsten Tönen lobe wie Nils es zuvor getan hat. Wohlwissend, das vermutlich einer anderer Behandler zu gänzlich anderen Einschätzungen und Ergebnissen kommen wird, voller Ungläubigkeit und Unverständnis wiederum, mein Urteil betreffend.

Es bleibt also spannend.
Was gut ist.
Langweilig – die Instrumentenfrage betreffend – war es nämlich viel zu lange.

Hier gehts zum Erfahrungsbericht.

Großer Dentikel, tiefer Split.

Für einen Oberkiefermolaren weist dieser Zahn 27 eine eher ungewöhnliche Anatomie auf.

Ein massiver Dentikel füllt einen schmal-ovalen Kanalquerschnitt aus. Es gibt immer wieder seitliche Aussackungen zwischen den unregelmässigen Dentinstrukturen, die jedoch keine nach apikal gerichtete Präparation zuließen.

Somit wurde der Dentikel mittels Endosonore-Feile zerkleinert und die einzelnen Partikel herausgespült. Nach einer Erweiterung mittels Gates-Glidden-Bohrern der Größe 1 und 2 konnte der apikale Kanalabschnitt visualisiert werden.

Wie im DVT erkennbar gabelte der weite Kanal dort in zwei kleine Kanalabschnitte auf. Diese wurden initial erweitert, sodass eine Obturation mittels Squirting-Technik durchgeführt werden konnte.

Welch ein Unterschied zum Behandeln ohne DVT. Die Hindernisse sind vorher bekannt und können zielgerichtet adressiert werden. Auch die Obturationstechnik kann vorher ausgewählt werden. Vorhersagbarkeit pur.

In eigener Sache – 3000 Plus

Im November 2008, also nunmehr ziemlich genau vor 13 Jahren sind wir gestartet.

Mit jenem Beitrag, dem Stichwort „Babyschritte“ und dem sprichwörtlichen Slogan „Jede noch so lange Reise beginnt mit einem einzigen Schritt“ ging es los .

Diese Tage haben wir die 3000 Beiträge – Grenze überschritten.
3000 mal haben wir in dieser Zeit über die Endodontie geschrieben und ihre Begleitumstände im Praxisalltag dargestellt.

5 Tage die Woche,
Morgen für Morgen.

Von Fachlich Wertvollem, Interessantem, Lustigem, Skurrilem, aber auch Frustranem haben wir berichtet. Zur Weiterbildung und Unterhaltung des Lesers. Bei einer Lesezeit von nur 2 Minuten pro Beitrag sind das immerhin fast 4 Wochen an Lernzeit für den Leser, permanentes Lesen ohne jegliche Pause vorausgesetzt.

Hätten wir gedacht zu Beginn, dass es so viele Beiträge werden würden?
Nicht eine Sekunde.

Würden wir es wieder tun ?
Ich denke, manchmal, nein, oft ist es gut, wenn man nicht im Vorfeld weiss, was Alles auf einen zukommt. Und auch für uns ist es schwer, sich Woche für Woche neu zu motivieren, einen entsprechenden Beitrag zu verfassen. Im Moment jedoch – das ist für alle unsere Leser die gute Nachricht – sind wir jedoch deutlich überdurchschnittlich motiviert, weiterzuschreiben. 2022 zumindest scheint also schon einmal gesichert.

Auf ein Neues also !

„Abtrittsvorlesung“ eines endodontischen Großmeisters

Einen Hinweis von Oscar von Stetten verdanke ich die Tatsache, dass ich online die „Abtrittsvorlseung“ des endodontischen „Großmeisters“ Dr Gary Carr nachverfolgen konnte.

Hier der Link für alle, die dieses Highlight auch erleben wollen.

Die knapp zwei Stunden sind in meinen Augen wirklich gut investiert und ich habe eine Reihe von Dingen für mich mitgenommen…

Latente Beschwerden seit Jahren.

Die junge Patientin (30) kommt mit Beschwerden am Zahn 11.
Es besteht kein Lockerungsgrad, die Krone auf dem Zahn ist suboptimal von der labialen Gestaltung. Die Sondierungstiefen sind nicht größer als 3mm, circumferent. Labial unter dem Kronenrand ist ein kleine Einziehung sonderbar, ohne erhöhte Sondierunsgtiefe.
Es besteht kein Aufbißschmerz. Die Perkussion horizontal und lateral sind unauffällig. Störend ist ein ständiges Druckgefühl.
Auf Palpation labial gibt die Patientin im mittleren bis apikalen Wurzeldrittel ein Schmerzgefühl an.
Im Kindesalter kam es nach einem Unfall zu einer Infusion der Zahnes 51. Der Zahn 11 hat bereits beim Durchbruch „Beschädigungen“ gehabt berichtet die Patientin.
zunächst wurde ein Veneer aufgeklebt, dann kam es zur Pulpitis, danach zur WKB und Krone. Latente Beschwerden waren seit diesen Jahren immer vorhanden.

 

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50 nicht von der Hand zu weisende, ausgesucht gute Gründe, sich auf Endodontie zu spezialisieren“ – Episode 14: Der „Murmeltier Tag – Effekt“

Wir Alle lernen.
Tag für Tag.

Aus den Erfahrungen, die wir in der Praxis machen.

Wie im Film „Groundhog Day“.
Bei uns bekannt unter dem Titel „Und täglich grüßt das Murmeltier“.

Der Hauptdarsteller Bill Murray, zu Beginn zynisch und menschenverachtend, durchlebt den gleichen Tag, den 02. Februar, immer und immer wieder.
Und variiert im Verlauf des Filmes seine Tagesabläufe, was am Ende zur Läuterung führt. Ihn zu einem besseren, guten Menschen werden lässt. Und selbstverständlich – es ist Hollywood – endet der Film mit einem Happy End.

Jenseits aller Leinwandklischees – ist das nicht auch eine wunderbare Vorstellung, das Arbeiten in der Praxis betreffend? Dadurch, dass wir nur Endo machen, haben wir Tag für Tag, immer und immer wieder die gleiche Situation vor uns. Nicht wie beim Generalisten, der mit einer bestimmten Problemsituation ( z.B. UK- Prämolaren mit tief abzweigendem lingualen Kanal) nur selten oder gar nicht vertraut ist. Wir hingegen können uns angesichts häufig vorkommender Geschehnisse austoben. Verschiedene Strategien ausprobieren: Wie gehe ich das Problem am Besten an? Hats´geklappt?!? Nicht das gewünschte Ergebnis??? Dann bringt der nächste Tag die Möglichkeit, mit einer geänderten Vorgehensweise auszuprobieren, ob wir auf diese Art und Weise das gewünschte Ergebnis erzielen können. Und das führen wir solange fort, bis wir das optimale Procedere herausgefunden haben.

Der geneigte Leser versteht die Intention ?

Wir hatten diese Woche 2 UK-Prämolaren mit 2 tief aufzweigenden Wurzelkanälen zur endodontischen Behandlung. Ein dritter Zahn mit dieser Kanalkonfiguration wurde uns noch zusätzlich überwiesen, der Patient stellte sich zur Untersuchung vor. Das ist in dieser Häufigkeit zwar nicht die Regel, im Gegenteil, aber immerhin ein Indiz dafür, dass die Situation eine regelmäßig wiederkehrende ist). Und so können wir eine ganze Reihe von unterschiedlichen Vorgehensweisen ausprobieren, so dass sich im Laufe der (überschaubaren) Zeit die erfolgreichen Konzepte herauskristallisieren. In der Generalistenpraxis würde das im Vergleich viel viel länger dauern. Sich möglicherweise der Lerneffekt mangels Gelegenheit gar nicht einstellen.

Und so wird ein Happy End draus.
Wir heiraten zwar nicht Andy Mac Dowell, aber wir verbessern kontinuierlich auch in schwierigen Behandlungssituationen unsere Behandlungsqualität.

Ditt iss Berlin!

Ein in zweierlei Hinsicht trauriges Beispiel was in Berlin so „abgeht“.

Zunächst einmal hatte dieser 18-jährige Patient zu lange in die falsche Richtung geschaut und schon war die Luft fausthaltig.

Das Resultat?

32 und 42 hingen noch in der Alveole und nur der KFO-Retainer hat die Zähne gehalten. 31 war mehr als 2 mm disloziert und 42 hatte eine geringe laterale Dislokation erfahren. Hinzu kamen Riss-Quetschwunden intra- und extraoral im Bereich der Unterlippe.

Die Dokumentation aller Verletzungen im Unfallkrankenhaus und die Nahtversorgung ist als perfekt zu bezeichnen. Dort wurde der Patient ca. 1 Stunde nach dem Ereignis vorstellig.

Die Erstversorgung – berlintypisch – insuffizient, wobei dem jungen MKG-Kollegen, der den jungen Patienten im Nachtdienst versorgte, kein Vorwurf zu machen ist. Keine Assistenz, kein Material (TTS-Splint)und so wurde der KFO-Retainer zur Schienung umgebaut. Mit mässigem Erfolg, denn bei der Erstvorstellung bei mir waren vier der 6 Klebepunkte gelöst. Nur die nicht betroffenen Eckzähne hielten den Draht. Übrigens: keine systemische Antibiose und der Ratschlag die betroffenen Zähne nicht zu putzen.

Bei der Erstvorstellung erfolgte nach klinischer und radiologischer Diagnostik zunächst eine Reinigung der betroffenen Zähne, das Befestigen eines Titan-Trauma-Splintes und die Entfernung des lingualen KFO-Retainers.

Aufgrund der Beinahe-Avulsion von 31 und 32 und der starken Dislokation von 41 wurden diese Zähne 10 Tage nach Trauma endodontisch behandelt. Der klinisch symptomlose, elektrisch allerdings negativ getestete Zahn 42 wird vielleicht noch folgen.

30 Tage nach dem Trauma zeigt er weiterhin keine Reaktion auf den elektrischen Sensibilitätstest sowie Anzeichen eines Resoptionsprozesses im Foramenbereich, der jedoch nicht zwingend eine Indikation für eine endodontische Behandlung ist. Diese Form der Traumabewältigung wird auch als „transient apical breakdown“ bezeichnet.

Das endodontische Mittwochabend-Gespräch IV 15.12.2021 20 Uhr

Noch einmal in diesem Jahr wird es ein endodontisches Mittwochabend – Gespräch geben.
Ich werde sprechen über apikale Aufhellungen.

Grosse apikale Aufhellungen.
Weil – immer noch VIEL VIEL zu VIELE Zähne extrahiert oder wurzelspitzenreseziert werden, obwohl dies gar nicht notwendig wäre.

Ich will Mut machen.
Passt also hervorragend in die Zeit vor Weihnachten.

Also Termin vormerken.
Dabei sein.
Mitmachen.

Hier der Link zur Video-Konferenz

https://global.gotomeeting.com/join/574698293

Erst hatte er kein Glück und dann kam auch noch Pech dazu…

Wieder ein Fall für diese traurige Überschrift.

Bei der Betrachtung der in unserer Praxis auftauchenden Fälle sind manchmal nicht vermeintlich erklärbare Dinge zu sehen. Wir halten uns mit Urteilen vollkommen zurück. Meine Ansicht ist: Niemand macht mit Absicht etwas schlecht.

In diesem Fall kam der Patient mit akuten Beschwerden und nach Abszeßinzision, Kronenex und offener Trepanation zu uns. Der Zahn 45 sollte entfernt werden und ein „schönes neues Implantat“ gesetzt werden.
Der Zahn 45 hat keine Chance mehr. Er ist austherapiert.
Wir haben die Prognose für den Zahn als gut eingestuft und das verwunderte den Patienten. Er hat sich für den Erhalt entschieden. Wie er mir zum ersten Recall mitteilte, hatte er aber dem Vorhaben keine Chance eingeräumt und niemals an einen Erhalt geglaubt. Der Zahn 36 musste nach einer „solchen Wurzelbehandlung“ über 6 Monate trotzdem nach starken Beschwerden extrahiert werden.

Die endodontische Behandlung des Zahnes war nicht wirklich schwierig. Schwierig war die Darstellung der Präparationsgrenze. Durch die ungünstige extrem konvexe Gestaltung der Mesialfläche der Krone 46 war es unmöglich eine Krone bis zur Präparationsgrenze zu inserieren. 
Den meisten Zeitaufwand benötigten wir für die Provisoriumsherstellung. Dank Thomas Seitners Tipp mit der Liquid Strip Isolation hatten wir nach einigen Verrsuchen ein nichtzerbrochenes Provi. Die Einschubrichtung war von lingual nach bukkal kippend und die Präpgrenze konnten wir mit einem Flow (leider nicht radioopak) nur unvollständig abdecken.
Im vorliegendem DVT war am Zahn 46 ein verbreiterter Desmodontalspalt zu erkennen und anamnestisch traten in der Vergangenheit öfters pulpitische Beschwerden am Zahn 46 auf.
Deshalb riet ich dem Patienten nach der Behandlung des Zahnes 45 noch etwas mit der Kronentherapie an 45 abzuwarten. Die Schwiergikeit hatte ich ihm im Röntgenbild gezeigt.

Bis zum Recall nach 6 Monaten mussten wir nicht warten. Der Patient kam schon eher.
Die Behandlung am Zahn 46 war nicht außergewöhnlich schwierig und wir rieten dem Patienten dann zur Erneuerung beider Kronen.
Zum nächsten Recall war wieder alles überkront.
Schwierig war es für mich die Röntgenbilder dem Patienten gegenüber zu kommentieren.

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.

 

Hier ist guter Rat teuer (6) – Es ist einfach MTA zu applizieren, wenn…

Im vorliegenden Fall zweier infauster Frontzähne ( hier und hier sowie hier und hier und da bereits vorgestellt) sind wir immerhin soweit gekommen, die Zähne wieder mit einer Wurzelfüllung versehen zu können. Heisst, da die zweimalige WSR ja 2 Neoapices mit großem Durchmesser zurückgelassen hat, das nun MTA zur Anwendung kommt zum orthograden Verschluss der Resektionsstellen.

Und wir werden nun belohnt für unsere Mühen.
Denn die vorhandene apikale Knochenbarriere lässt das Einbringen des MTA zum Kinderspiel werden, müssen wir doch keine Angst haben, das MTA nach periapikal zu überpressen.

Zum Behandlungsablauf der MTA – Applikation nachfolgend ein paar Fotos und ein Video.

Der Schein trog!

Betrachtete man sich das mitgebrachte DVT erschien die vorhandene Obturation dicht, wandständig und in der Länge optimal. Dennoch ist der Zahn nunmehr fast 2 Jahrzehnte nach dem Trauma im Kindesalter immer noch/wieder beschwerdebehaftet.

Nach dem Frontzahntrauma mit ca. 12 Jahren erfolgte zunächst eine nicht erfolgreiche endodontische Primarbehandlung und mit im Alter von ca. 20 Jahren einen Resektion der Wurzelspitze. Eine Ausheilung der chirurgischen Zugangskavität erfolgte jedoch nicht.

Zudem imponierten wiederkehrende Schwellungen labial und palpatorische Druckdolenzen.

Nach Anlegen der Zugangskavität zeigte sich eine Obturation des sehr weiten Kanalquerschnittes mittels mehrerer eingebrachter Guttaperchaspitzen.

Die gesamten Wurzelfüllmassen wiesen zwischen Kanalwand und Obturationsmaterial deutliche Kontaminationsspuren auf.

Bereits nach Abschluss der ersten Behandlungssitzung war der zuvor schmerzempfindliche Zahn 21 beschwerdefrei gewesen. Die mechanische Bearbeitung der Kanalwände wurde mit einem XP-Finisher durchgeführt. Nach ausgiebiger Irrigation wurde die Obturation nach Anlegen eines kollagenen Widerlagers mit MTA durchgeführt.

Bleibt zu hoffen, dass das Recall eine Ausheilung der apikalen Pathologie zeigen kann.

Übermut tut selten gut.

von Jörg Schröder

Eine der wichtigsten Erkenntnisse meiner über 30-jährigen Praxistätigkeit ist, eine Behandlung nicht durchzuführen oder sie zu unterbrechen, wenn ich meine persönliche Komfortzone verlasse und mir nicht mehr sicher bin, ob ich die Situation noch verbessern kann oder bereits davor stehe, sie durch mein Tun erheblich zu verschlechtern.

Nachdem die für eine erfolgreiche endodontische Schmerzbehandlung notwendigen Behandlungsschritte sicher zahnärztliches Allgemeinwissen darstellen sollten, bin ich über Ausgangssituationen, wie die nachfolgend gezeigten, immer wieder mehr als verwundert.

Hier muss sich jemand unwohl gefühlt haben. Nicht nur, dass eine erhebliche Blutung aus den Zähnen mit erkennbarer Pulpanekrose ein Aufmerksamkeit erregender Umstand sein sollte. Spätestens bei der Beurteilung der Messaufnahme oder der Obturationsbilder muss es doch irgendwo „Klick“ machen. Denkt man. Denke ich. Weit gefehlt.

Nun die Frage an die Wurzelspitzler: Welche der Zähne haben, bei eingeschränkter mechanischer Prognose, noch eine Chance, erfolgreich endodontisch therapiert werden zu können? Welche Probleme sind in den radiologischen Darstellungen zu erkennen?

Hier ist guter Rat teuer (5) Metapex – Alternative

Wie es der Zufall so will…

Vorgestern, am Dienstag

ging hier der Beitrag über die beiden Oberkiefer-Frontzähne mit 2 maliger WSR und dennoch mit großer apikaler Aufhellung und Fistelbildung auf Sendung. Mit sehr erfreulichem Ergebnis. Nämlich Knochenbildung über die Resektionsfläche hinweg, ein Umstand, den ich zu erheblichem Teil dem Einsatz von Metapex (Meta Biomed) zuschreibe. Einem Material, das ich seit vielen Jahren verwende und nicht missen möchte, weshalb ich meine USA-Aufenthalte immer dazu nutze, mir einen größeren Vorrat zuzulegen, der mich übers Jahr bringt. Denn – das Material ist in Deutschland nicht erhältlich. Bis vor kurzem gab es mit Vitapex ein vermutlich ähnliches Präparat, dass, ganz davon abgesehen, dass es empfindlich teurer war, nun auch nicht mehr hierzulande vertrieben wird. Ich griff in Notfällen (die Metapex- Vorräte waren aufgebraucht) darauf zurück, so wie ich auch einmal eine bei WURZELSPITZE in den Kommentaren empfohlene osteuropäische Variante benutzte, die zwar käuflich erhältlich ist, Internet sei Dank, jedoch in ihren physikalischen Produkteigenschaften , ich sach mal, so stark vom Metapex – Original abwich, dass ich nach zweimaligem Einsatz von jeglicher weiterer Verwendung absah.

Was schade ist.
Denn immer nach der Veröffentlichung solcher Beiträge über mit Hilfe von Metapex wundersam gelöster Fälle kommt die Leser-Frage: Wo krieg ich das Zeug her ???? Eine Frage, auf die ich leider keine Antwort geben kann…

Aber dann. Gestern.

Erreicht mich via Email die Nachricht, dass mit Forendo- Paste eine weitere Metapex- Variante offiziell in Deutschland zur Verfügung steht. Vertrieben von der Firma Pulpdent Deutschland, ansässig in Leipzig.

Das wär vielleicht was ?!?!

Wer beisst an?
Wer berichtet?

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.

Warnung vor dramatischem Personalmangel

Langsam rückt das Problem in dem Mittelpunkt. Jetzt können wir es in der Tagesschau sogar lesen:

Warnung vor dramatischem Personalmangel

Die Lösung mehr Ärzte auszubilden ist schon ein Ansatz, aber trotzdem bleibt noch ein ganz dramatischeres Problem. Im mittleren medizinischem Personal sieht es viel verheerender aus. Ich kenne kaum eine Praxis ohne Personalmangel.

Woran liegt das?

In einer Mail laß ich letztens diese Zeilen:
36% der ZFAs überlegen, ganz aus ihrem Beruf auszusteigen und fast 37% der Teilnehmer einer Umfrage des Verbandes medizinischer Fachberufe e.V. denken darüber nach, den Arbeitgeber zu wechseln. Eine der Hauptursachen für den ZFA-Fachkräftemangel ist Stress.
Meiner Meinung ist der Beruf zudem unattraktiv geworden. Neben Stress sind lange Arbeitszeiten mit Überstunden und keine adäquate Bezahlung ebenso zu erwähnen.

Inzwischen verlangt das Berufsbild medizinisch sehr gut ausgebildete IT Kräfte, die Kenntnisse im Planungs- und QM Management haben, die Hygienevorgaben des RKI kennen müssen und dann noch Kommunikationsexperten sind.

Diese Mitarbeiter brauchen Anerkennung für diese verantwortungsvolle Tätigkeit. Diese Mitarbeiter müssen in der Lage sein, mit ihrem Job ihre Familie gut zu versorgen.

Was nützt uns eine Ärzteschar, wenn das mittlere medizinische Personal weg ist.
zu Krankenkassen, Dentaldepots, Unternehmensberatern etc. sind die Mitarbeiter gewechselt.

Wir müssen JETZT den Beruf attraktiv machen und bewerben.

Wir müssen JETZT Möglichkeiten schaffen Quereinsteiger schnell in den Beruf zu bringen und auszubilden.

Wir müssen JETZT Personalzuschüsse zu JEDER abgerechneten Leistung vereinbaren und diese müssen 100% den Praxismitarbeitern zu Gute kommen.
Alternativ die Honorare betriebswirtschaftlich realen Bedingungen anpassen.

Sonst wird es auch für uns ein mehr oder weniger baldiges Problem geben. Wer soll uns im Alter behandeln?

Hier ist guter Rat teuer (4)

Die Vorgeschichte des Falles findet sich hier und hier und hier.

Am Ende der 2.endodontischen Behandlungssitzung (01.12.2020) erfolgte die Applikation der medikamentösen Langezeiteinlage (Metapex, Meta Biomed).

Danach warte ich in der Regel 12 -16 Wochen ab. Dies erscheint mir als die kürzeste Zeitspanne, in der sich eine Verbesserung zum Positiven hin im konventionellen Röntgenbild, sprich Zahnfilm, eindeutig diagnostizieren lässt. Die Applikation des Calciumhydroxid überprüfe ich im Röntgenbild. Im vorliegenden Fall war ich sehr bemüht, nicht versehentlich zu viel Calciumhydroxid zu überpressen, angesichts des grossen Knochendefektes und vor allem der Tatsache, dass auf Grund der vorangegangenen Wurzelspitzenresektionen nach vestibulär hin kein Knochen mehr vorhanden ist und eine Überpressung ins Weichgewebe hinein zu Gingivanekrosen führen könnte.

Das Resultat war dann prompt eine inhomogene Füllung. Ärgerlich.

Fast forward.
16 Wochen später.

Kontrolle der apikalen Situation am 19.04.2021

Die Wiedereinbestellung der Patientin erfolgte zur Kontrolle der apikalen Situation. Gegenüber der Ausgangssituation zeigt sich das röntgenologische Erscheinungsbild verbessert an beiden Zähnen, jedoch nicht so eindeutig, dass eine Fehlinterpretation auf Grund der unterschiedlichen Projektionswinkel der Aufnahmen ausgeschlossen werden konnte.

Aus diesem Grund wurde in der nächsten Sitzung am 20.05.2021 erneut ausgiebig schall – und laseraktiviert gespült und die Metapex-Einlage erneuert.

Weitere knapp 16 Wochen später.
Die erneute Wiedervorstellung fand Anfang September 2021 statt. Eine eindeutige beginnende Knochenregeneration war nun festzustellen. Daher wurde am 07.09.2021 (Applikation von MTA als apikale Barriere) und am 09.09.2021 (Wurzelkanalfüllung mit Guttapercha und Sealer) die endodontische Behandlung abgeschlossen.

Kontrolle medikamentöse Einlage am 20.05.2021
Kontrolle MTA am 07.09.2021
WF – Kontrolle 09.09.2021

Das Erfreuliche – an beiden Zähnen hatte sich apikal ein knöcherner Verschluss des Periapex gebildet. Eine Applikation des MTA ohne Gefahr des Überpressens war somit leicht durchzuführen. Worauf die Knochenneubildung ausgerechnet in diesem Bereich zurückzuführen ist, bleibt letztendlich ungeklärt, aber man hätte doch bei der bestehenden Ausgangssituation eher ein langsames Wachstum von den Rändern des Defekts zum Zahn hin vermuten dürfen. So ist es aber natürlich noch viel besser und macht Mut für die weitere Entwicklung.

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Zugang, Zugang, Zugang.

von Jörg Schröder

Apikale Probleme entstehen koronal. Marginale Probleme auch.

Angesichts der Ausdehnung der bei der Erstbehandlung erstellten Zugangskavität könnte das Wirken des Kollegen beinahe bewundernswert genannt werden, lag er doch beim Versuch, die Kanalsysteme zu erschließen nur knapp daneben.

Mesiobukkal bestand eine iatrogene Perforation, die jedoch kurioserweise in einem ausgedehnten keilförmigen Defekt mündete und von extrakoronal visualisiert werden konnte. Nachdem dieser Defekt, nebst der Perforation, präoperativ adhäsiv verschlossen wurde, konnten nach Modifizierung der Zugangskavität die vorhandenen Kanaleingänge dargestellt werden.

Kurios war der bereits im DVT erkennbare, abrupt nach distobukkal abzweigende Seitenkanal in D.

Die Behandlung der apikalen Pathologie an Zahn 45, die sich als Zufallsbefund zeigte, wird in getrennter Sitzung erfolgen.

Dentapen (II)

Vor zwei Wochen habe ich hier über unsere Neuanschaffung, den Dentapen berichtet.

Hier zwei kurze Videos zur Anwendung und unsere Einschätzung…

https://videos.files.wordpress.com/JQ1aGAAf/img_0684.mp4
https://videos.files.wordpress.com/Abrarj2a/img_0686.mp4

PS: Auch bei den Patienten kommt der PEN sehr gut an und wird als “Verbesserung “ empfunden …

PPS: Das Geräusch, dass man hört wenn man die Applikation stoppt ist die „automatische Aspiration“ des Geräts. …

Fragmententfernung mittels BTR Pen

Vor einiger Zeit habe ich hier über unsere ersten Erfahrungen mit dem BTR Pen berichtet.

Nach mehr als sechs Monaten Anwendung hat sich unser erster Eindruck bestätigt.

Dieses Tool ist aus unserer „Werkzeugkiste“ nicht mehr wegzudenken!

Hier ein Fall, bei dem uns der Pen sehr geholfen hat…

der Zuweiserin war eine RECIPROC Blue 25 während der Präparation mesio-lingual frakturiert.

Alio loco angefertigtes Ausgangsröntgenbild
Alio loco angefertigte Aufnahme nach Instrumentenfraktur

Die nachfolgenden Bilder der unzureichenden Zugangskavität vermitteln, warum dies unter anderem „passierte“.

Zugangskavität initial und nach Entfernung der provisorischen Füllung

Ferner ergab die Untersuchung und Beurteilung der Kavität sowie des Bodens, dass ausserdem ein bisher unbehandeltes distales Kanalsystem vorlag.

Anwendung der Symmetrie-Regeln und die Inspektion des Pulpakammerbodens liefern Anhalte zur Darstellung des bisher übersehenen disto-lingualen Kanalsystems
Mittels Ultraschallansätzen dargestellter Instrumentenkopf
Mittels BTR Pen entferntes Fragment
Masterpoint-Aufnahme
Abschluss-Aufnahme – Präparationsdurchmesser 35.06 bzw. 40.06

Ich hoffe darauf, dass ich demnächst das Recall des Falls hier vorstellen kann…

Klammermodifizierung

Über die Kofferdamklammerverwendung der 27N von Hu Friedy hatte ich bereits vor einiger Zeit geschrieben.
Nun kommt es häufig vor, das wir an bereits präparierten Zähnen arbeiten. Butterflyklammern sind ergonomisch meist wenig geeignet. Deshalb suche ich häufig nach Alternativen. In diesem Fall eines unteren Molaren haben wir mal wieder die modifizierte Klammer 27N eingesetzt.
Anbei die Bilder zum Modifizieren und die Klammer im Einsatz.

 

Hier ist guter Rat teuer (3)

Über den Fall wurde bislang hier und hier berichtet. Letztendlich habe ich natürlich die endodontische Behandlung der beiden Oberkieferschneidezähne bei der jungen Patientin durchgeführt.

Die erste Behandlungssitzung fand am 24.11.2020 statt.

Zu diesem Zeitpunkt war die Fistel nicht aktiv, ein offener Fistelgang war nicht sichtbar, im Vestibulum liess sich lediglich eine mit Eiter gefüllte, dicht subcutan gelegene Wölbung erkennen. Die Eröffnung durch Anpieksen mit einem EndoExplorer führte zu Pusabfluss.

Wer bis dato noch an die Funktionsfähigkeit der vorhandenen Wurzelkanalfüllungen geglaubt hatte, konnte nach Trepanation nicht schwarz auf weiss aber doch „braun auf orange“ nun das ganze Ausmaß der Insuffizienz in Augenschein nehmen.

Mit der Applikation einer medikamentösen Einlage (Ledermix) und dem Verschluss der Zugangskavität in gewohnter Vorgehensweise (Steriles Teflon, Cavit, Glasionomerzement) wurde die erste Behandlungssitzung beendet. Nach Abnahme des Kofferdams zeigte sich austretendes Ledermix am Fistelmaul.

Die 2. Behandlungssitzung unterschied sich nicht grundlegend von der ersten. Ziel war es, nach adäquater Desinfektion die vorhandene Ledermix- Einlage durch eine Metapex- Langzeiteinlage zu ersetzen, die 16 Wochen in situ verbleiben sollte.

(wird fortgesetzt)

OK Prämolar – 3 Kanäle einmal anders

von Jörg Schröder

Prämolaren mit drei Kanalsystemen stehen in unseren Breitengraden sicher nicht jede Woche auf der Tagesordnung. Üblicherweise – sie werden mitunter auch als Mini-Molaren bezeichnet – weisen sie im Oberkiefer zwei bukkal und ein palatinal gelegenes Kanalsystem auf.

Dass der im Folgenden gezeigte 24 überhaupt drei Kanäle besitzt, fiel zuerst im präoperativ erstellten DVT auf. Mittig zwischen bukkalem und palatinalem Kanal zweigte der dritte Kanal nahezu rechtwinkelig abrupt von palatinal nach bukkal ab, um dann in großem Bogen nach apikal zu verlaufen.

Mittels Endosonorefeile wurde die koronale Dentinschicht über dem hier fast horizontal verlaufenden Kanal abgetragen, bis ein stark vorgebogener Microopener eingeführt werden konnte.

Mit etwas Mühe, viel Geduld und nach dem Entfernen einer bei der Katheterisierung des sehr engen Kanalsystems frakturierten Gleitpfadfeile (Behandlerpuls nahe 200) konnten schliesslich alle Kanäle aufbereitet und in gleicher Sitzung obturiert werden.

Interessant für mich, dass ich beim Durchfahren des Zahnes im DVT den im axialen Schnitt immer wieder aufpoppenden dunklen Punkt zunächst irritiert zur Kenntnis nahm und die Geometrie erst ernst genommen habe, als ich den Abzweig im frontalen Schnitt darstellen konnte.

Zahn 32

Mit einer Häufigkeit von circa 2 Prozent aller notwendigen endodontischen Behandlungen zählt die unterer Frontzähne zu den Ausnahmen.

Bei der uns zugewiesenen 75-jährigen Patientin war eine solche Behandlung als Folge einer sehr ausgeprägten Kompositfülllung mit nachfolgender Nekrose notwendig geworden.

Die alio loco begonnene Behandlung wurde abgebrochen, da es nicht gelang einen Wurzelkanal darzustellen.

Die angefertigten Röntgenbilder zeigten, dass es zu einer Fehleinschätzung der Trepanationsrichtung und Tiefe gekommen war.

Alio loco angefertigtes Röntgenbild nach Trepanationsversuch

Eine Perforation lag nicht vor.

Dafür zählte dieser Zahn aber zu den 40%, die zwei Kanalsysteme in dieser grazilen Radix aufweisen.

Gesucht und gefunden haben wir die fehlenden Strukturen (wie eigentlich immer) deutlich weiter lingual…

In ingesamt zwei Terminen a einer Stunde konnten wir die Behandlung gestern abschliessen.

Bei aller Freude über das Ergebnis bin ich recht froh, dass diese Zahngruppe selten bei uns behandelt werden muss. Auf Grund der grazilen Strukturen und der undankbaren Zugänglichkeit zählen Unterkiefer-Frontzähne zu den eher ungeliebteren Kandidaten bei mir…

hoffentlich war es der letzte für dieses Jahr…

Entscheidungen

Den Fall hatte ich bereits als Recall vorgestellt.

Zufällig bemerkten wir, daß der Zah 14 nicht extrahiert wurde, wie wir vor knapp10 Jahren empfohlen hatten. Nun mussten wir unsere damalige Empfehlung überdenken.
Im Röntgenbild war allerdings der Zahn 15 auffällig und es wurde ein DVT angefertigt.

Die Befunde des DVT möchte ich nun vorstellen und zur Diskussion stellen. 14 zeigt apikal einen verbreiterten Desmodontalspalt und 15 lässt eine P. apicalis mit unvollständiger WF vermuten. Distocoronal imponiert eine Sekundäkaries, buccal eine Karies oder Resorption.

15 ist nicht eihaltbar und damit ist die Zukunft von 14 abhängig von der nun neu zu erstellenden ZE Planung.
Hier die Bilder des DVT.

Als Nebenbefund ist ein P. apicalis am Zahn 21 zu erkennen. Die Patientin erwähnte, daß bereits 2013 oder 14 ein DVT erfolgte, in dem man diesen ´Zahn sah. Nun haben wir nach 7 Jahren eine Verlaufskontrolle. Die apikale Osteolyse zeigt sich dezent vergrößert. Die Patientin hat keine Beschwerden, es besteht kein Lockerungsgrad und die Sondierungstiefen sind nich erhöht. Die Kronenversorgung ist suffizient und optisch nicht zu bemängeln. Wir haben der Patientin die Situation vorgestellt, an Hand der zwei DVT die Entscheidung an heim gestellt, die Therapie der P. apicalis von orthograd durchzuführen oder die Situation unter Beobachten mit jährlichen Röntgenkontrollen zu behalten.

Nun meine Frage:
Wer würde angesichts der Befunde und Zeitverläufe zu einer Behandlung sofort plädieren und wer wäre für ein abwartende Haltung?

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WURZELSPITZE Plus LIVE TALK am 20.10.2021 um 20:00 Uhr

Morgen ist es wieder so weit, ein weiterer WURZELSPITZE Plus Live Talk steht an.

4 Themenvorschläge stehen zur Auswahl.

Endo vs. Implantat ? Wann das eine, wann das andere ?

Stress in der Praxis? Wie damit umgehen ?

Endo-Materialien ? Was gibts Neues, was hat sich bewährt ?

Abrechnung von schwierigen Frontzahn- Fällen


Zur Abstimmung und zu den Zugangsdaten geht es hier.

McFly! Jemand zuhause?

von Jörg Schröder

Das möchte ich so manches Mal laut fragen, wenn ich Bilder wie die nachfolgenden sehe und dazu die schriftlich übermittelten Behandlungsempfehlungen lese.

Dass die hier vor mehr als 30 Jahren durchgeführte endodontische Behandlung am sehr weiten Kanalquerschnitt des noch nicht ausgereiften 11 scheiterte, ist noch fast zu verstehen.

Dass der gegossene Stiftaufbau zwar koronal eine feine Passung aufweist, apikal jedoch in einer Mischung aus Guttapercha, Sealer und Geweberesten schwimmt, schon eher nicht.

Dass vor weniger als 10 Jahren der Zahn wurzelspitzenresiziert wurde, ohne dass eine aushärtende retrograde Füllung eingesetzt worden ist, lässt mich meine Stirn runzeln.

Dass aber ein Kollege mit endodontischem Tätigkeitsschwerpunkt diesem 11 nach Auswertung der auf einer gebogenen Speicherfolie erstellten Einzelbildes ein resorptives Geschehen zuweist und eine erneute chirurgische Intervention empfiehlt lässt mich nur kopfschüttelnd zurück.

Offensichtlich ist die Überlegung, warum die durchgeführte Behandlung nicht erfolgreich gewesen sein mag, eine zu komplexe. Nachfolgend die Auflistung der unglücklichen Umstände die sich in vollem Umfang erst im Laufe der Behandlung offenbarten.

Nach Abnahme der vorhandenen Metallkeramikkrone erwies sich diese bukkal als undicht. Und die tolle Passung des gegossenen Stiftaufbaus war nur vorgetäuscht, löste sich dieser jedoch im Laufe der Reduktion desselben mittels Hartmetallfräser nur aufgrund der Vibration.

Im Kanal liessen sich alle vorhandenen Fremdmaterialien einfach durch Spülen entfernen. Einschließlich des cremigen retrograden Füllmaterials.

Nach ausgiebiger Desinfektion konnte das Neo-Foramen nach Anlegen eines kollagenen Widerlagers mit MTA gefüllt werden. Das von labial in den Defekt hineindrängende Granulationsgewebe habe ich bewusst nicht entfernt, da es mittels steriler Papierspitze (ISO 140) nach labial gedrängt und somit als Widerlager genutzt werden konnte.

Nach Grobpräparation wurde ein stuhlgefertigtes Provisorium erstellt und adhäsiv befestigt.

Bleibt zu hoffen, dass die apikale Pathologie ausheilt und sich das hier sicher vorhandene mechanische Risiko nicht verwirklicht.

Die Revision der Revision… – Recall

Eigentlich wäre kein Recall dieses hier vorgestellten Falles möglich, da die Patientin verzogen ist.
Wir hatten der Patientin gesagt, daß wir den Fall gern weiter verfolgen würden und um Zusendung von gff. zukünftigen Röntgenbildern des Zahnes 12 gebeten.
Sie hat unsere Bitte verstanden und hat uns persönlich 2 Jahre nach der Behandlung besucht.
Hier die aktuelle Situation.

Dentapen (I)

Von Christoph Kaaden

Seit längerer Zeit beschäftige ich mich regelmässig mit dem Thema Lokalanästhesie und dessen Applikation. Im Laufe meiner zahnärztlichen Tätigkeit habe ich gelernt, wie wichtig gerade dieser Schritt für die allermeisten Patienten ist…

vor Kurzem bin ich bei einem Webinar auf den Dentapen gestossen.

Anders, als STA-the wand ist dieser Anästhesiecomputer u.a. kabellos.

Ein riesiger Pluspunkt gleich vorab.

Der Preis von ca. 1100 EUR war aber erstmal abschreckend…

Über die zuständige Aussendienstmitarbeiterin von Septodont hatte ich die Möglichkeit den Dentapen eine Woche kostenfrei zu testen…

meine initialen Erfahrungen damit waren so positiv, dass ich diesen nun für uns bestellt habe.

Ich bin persönlich der Meinung, dass es mir damit noch ein paar Prozentpunkte „besser“ gelingt, eine möglichst schmerzfreie Anästhesie zu applizieren. Insbesondere palatinal

hier ein paar Bilder des Dentapens und ein Kurzvideo „unboxing the dentapen“…

Dentapen mit „Spritzengriff“

Lange Strecke des Zeigefingers zur Aktivierung des Dentapens-in meinen Händen wenig geeignet

Dentapen mit „Stifthalterung“ – für mich ungünstiger Winkel zur Aktivierung mittels Zeigefinger

Um 90 Grad rotierter Dentapen – jetzt ist für mich eine Aktivierung mittels Daumen ergonomisch sehr gut möglich

demnächst berichte ich mehr von unseren klinischen Erfahrungen…

die ersten „Reaktionen“ der Patienten waren auf jeden Fall schon mal positiv.

„Das war aber neu, Dr. Kaaden. Anästhesieren Sie jetzt elektronisch? fragte der Professor für Augenheilkunde bei seinem zweiten Termin…

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Schmerzfall (2)

An dieser Stelle habe ich den Fall vorgestellt.

Wie in den Kommentaren richtig beschrieben, war eine Kronen/Wurzelfraktur bereits auf den Ausgangsröntgenbildern zu vermuten. Ebenso eine interne Resorption am Zahn 21 und die P. apicalis am Zahn 11.
Im DVT bestätigte sich der Verdacht und es war die Fraktur deutlich zu erkennen. Am Zahn 21 war eine frühere Wurzelfraktur ebenfalls zu vermuten. Siehe Pfeile.
Eine positive Sensibilität haben wir nicht mit elektrischem und Kältesensitest nachweisen können.

Unsere Therapieplanung:

11 Frakturiertes Fragment mitkochirurgisch darstellen, entfernen, ggf. adhäsiv wiederbefestigen. Falls dies nicht möglich ist. Abdeckung der Dentinwunde mit Composite  für eine Proximal Box Elevation oder auch Marginal Elevation Technik und die endodontische Behandlung. Danach die prothetische Restauration.

21 Entfernung der prov. Füllung, Darstellung der Resorptionslakune und ggf. endodontische Behandlung bis zum früheren Frakturspalt oder Planung einer Guided-Endo.

Die Patientin ist nach Einhaltung einer Zweitmeinung noch unentschlossen, weil ein endodontisch behandelnder Kollege die Belastung des Kronenfragmentes geraten hat.

 

 

Hier ist guter Rat teuer (2)

Eine junge Frau.

Ein tragischer Unfall.

2 Oberkieferschneidezähne, denen die Extraktion droht.

Ganz klar, dass wir spontan unsere Hilfe anbieten.
Was wäre denn die Alternative ? Die Extraktion? Nicht wirklich. Eiine Brückenversorgung oder Implantation zu vermeiden in so frühem Alter in einem ästhetisch anspruchsvollen Bereich ist doch jeden Aufwand wert. Und ist nicht der Satz „Wir schaffen das !“ mittlerweile im Grundkanon deutscher Sprache fest verankert ?

Nur so am Rande – Das war, damals, 2015, keine kreative Eigenschöpfung der Altkanzlerin, sondern dem Obama´schen „Yes, we can!“ entlehnt. Beides jedoch plakativer Ausdruck, scheinbar Unmögliches anzugehen und einem glücklichen Ende zuzuführen.

„Und da bin ich ganz bei Ihnen!“, werter Leser, um eine weitere 2 Euro – Münze ins Phrasenschwein deutscher Aphorismen zu werfen.

Ich verstehe den Wunsch.

Auch in mir ist das ein starkes Gefühl, als Samariter mein Karma zu Positiven hin zu beeinflussen.

Vorbehaltlos zu helfen.

In der idealen Welt würden wir nun erneut voller Elan unserem getreuen Ross Rosinante die Sporen geben und gegen die schnell sich drehenden Windmühlenflügel des drohenden Zahnersatzes anrennen. Ziehen kann man die Zähne ja immer noch, oder ? Warum nicht also einen weiteren ultimativen Versuch des Zahnerhaltes wagen?

HERODONTICS!!!
Rules!!!!

ABER

Die Patientin nimmt nun zum 4. Mal einen Anlauf.
Nach insgesamt 3 erfolglosen Versuchen, die Situation in den Griff zu bekommen.
Wie wahrscheinlich ist es, das WIR nun Erfolg haben werden ? Das eigene, möglicherweise überlebensgrosse Ego mal aussen vorgelassen.

Waren nicht die Kollegen vorab mindestens genauso zuversichtlich, die Sache zum Guten zu wenden ? Zumindest werden Sie dies der Patientin gegenüber und ihren Eltern im persönlichen Gespräch vermittelt haben, da bin ich sicher.

Die nun also möglicherweise zum vierten Mal auf den möglichen Zahnerhalt eingeschworen werden. Und sich sicherlich mit verständlicher Skepsis fragen: Kann ich diesen Verheißungen denn wirklich trauen ? Immerhin geht es ja nicht nur um eine weitere eventuell belastende Behandlung, sondern auch um Einiges an Geld. Und zwar unabhängig davon, ob die Patientin gesetzlich oder privat krankenversichert ist. Klar ist, von der GKV kann es kein Geld mehr für die geplante Behandlung geben, die Patientin ist kassenabrechnungstechnisch zahnerhaltend „austherapiert“. Die Patientin bzw. ihre Eltern müssen die Kosten aus eigener Tasche zahlen. Und werden sicherlich abwägen: „Lohnt sich das?“ Oder sollten wir das Geld nach 3 erfolglosen Versuchen nicht besser in die Implantation stecken? Die vom Kieferchirurgen angeraten wird.

A pro pos Kieferchirurg. Wir haben 3 Arten von Kieferchirurgen vor Ort.

Der eine überweist NIE.
Der zweite löblicherweise in einer ganzen Reihe von Fällen, bevor er chirurgisch tätig werden könnte, um die OP zu vermeiden.
Der dritte, nachdem er mit mehrmaliger WSR gescheitert ist. Wie im vorliegenden Fall. Vermutlich haben die Eltern gefragt „Kann man denn gar nichts mehr machen ???“ Und da wird dann an mich verwiesen: Soll ich doch den Eltern klar machen, dass die Zähne nicht erhaltungsfähig sind. Wir haben Kollegen hier vor Ort, die schicken uns nur die wirklich hoffnungslosen Fälle. Und immer nur dann, wenn der Patient nicht bereit ist, sich den Zahn ziehen zu lassen. Zumeist sind diese Zähne dann wirklich nicht mehr zu retten. Aber nicht, weil der Zahn per se schlecht wäre, sondern vielmehr, weil er durch die Vorbehandlung in einen solch scheinbar hoffnungslosen Zustand versetzt wurde.

Wir stehen gewissermaßen in unserer Praxis am Ende der Behandlungskette.
Was sehr schade ist, weil wir doch im Rahmen der Erstbehandlung so viel mehr und besser etwas hätten tun können. Nun jedoch betrachten wir die kümmerlichen Reste dessen, was früher mal zwei schöne Zähne waren.

Was mich zum Kern der Sache bringt.

Wie wahrscheinlich ist es, das ich Erfolg haben werde ?
Welchen Aufwand muss ich betreiben, um erfolgreich zu sein ?
Was stelle ich dem Patienten in Rechnung für meinen Aufwand bzw. was steht auf dem Heil- und Kostenplan, der der Patientin mitgegeben wurde.

Und was diesen letzten Punkt angeht.
Man möge bitte bedenken, dass die Situation, wie sie sich im vorliegenden Fall widerspiegelt, bei uns nicht äußerst selten, sondern regelmäßig auftaucht. Aus diesem Umstand ergibt sich zwangsläufig irgendwann die Notwendigkeit, solche Behandlungen auch betriebswirtschaftlich adäquat zu betrachten. Herodontics lassen sich nämlich umso einfacher als Non Profit- Maßnahme rechtfertigen, wenn diese eben nur äußerst selten auftauchen. Ein heldenhafter Zahnerhaltungsversuch bei einem Frontzahn eines jungen Menschen einmal pro Jahr ? Da muss ich nicht mal auch nur kurz darüber nachzudenken , „Klar, machen wir !“

Aber wie sieht das aus, wenn Tag für Tag so ein Patient in der Tür steht ?
Bei uns gehören solche Fälle von grundsätzlich schon schwierigen und/oder noch zusätzlich kompromittierten Frontzähnen zum Tagesgeschäft. Und Frontzähne rufen nun mal, weil „einfach“ ein vergleichsweises geringes Honorar auf. Trep, Feile rein, Kanal trocknen, Zentralstiftwurzelfüllung, fertig. Das geht in den sprichwörtlichen paar Minuten möglicherweise, hat aber mit dem, was im vorliegenden Falle gefordert ist, nichts zu tun.

Und da kommt dann zwangsläufig der Moment, dass man überschlägt, wieviel Zeit steckt in einer solchen Behandlung und was bekomme ich dafür ?

In zwei Sitzungen durchgeführt stünden insgesamt 424,3 Euro auf dem GOZ-Abrechnungs- Taxameter. Entspricht diese Summe dem zu leistenden Aufwand, dem zu leistenden Können und Know How, das notwendig ist, um die beiden Frontzähne im Mund zu halten?

Wieviel Zeit müssen wir veranschlagen, um die Behandlung (WF- Revision und orthograder Verschluss eines iatrogenen Neoapex größeren Durchmessers mittels MTA) adäquat durchführen zu können. Und nur so aus Neugier. Wieviele Implantate werden in dieser Zeit gesetzt und was wird dann als Honorar aufgerufen?

Fragen über Fragen.

Wer gibt die Antworten ?

Apikale interne Resorption-das Recall

von Jörg Schröder

Vor sieben Monaten hatte ich hier über eine arretierte interne Resorption berichtet.

Zahn 22 hatte, als das Wurzellängen- und dickenwachstum noch nicht abgeschlossen war zunächst ein Trauma und dann eine unvollständige Wurzelfüllung erlitten.

Offensichtlich hatte apikal vitales Gewebe eine Zeit lang überleben können. Zumindest so lange, dass eine interne Resorption entstehen konnte, für die bekanntlich vitales Gewebe erforderlich ist.

7 Monate nach der Revisionsbehandlung stellte sich der Patient zum Recall vor.

Die bukkale Fistelung ist abgeheilt und radiologisch lässt sich eine deutliche, wenngleich noch nicht vollständige, knöcherne Ausheilung erkennen. Nun bleibt zu hoffen, dass sich das sicher erhöhte Risiko eines mechanischen Versagens nicht verwirklicht.

Danke Olaf !

Nach 3 Jahrzehnten praktischen Arbeitens kommt es eher selten vor, dass man seine gewohnten und bewährten Arbeitsweisen noch abändert. Weil Alles hervorragend funktioniert, Tut man es doch, erhebt man beispielsweise ein neues Material zum Standard, muss schon ein ganz besonderer Grund vorliegen. Dank Olaf ist dies bei uns in diesem Jahr passiert.

Worum es geht ?
Für die Abdichtung des Kofferdams haben wir zu Beginn gefühlt mehr als 10 Jahre lang Oraseal von Ultradent verwendet. Bis wir das Material im März 2013 durch Blockout Resin, ebenfalls von Ultradent, ersetzt haben. Das nehmen wir immer noch. Ab und zu. Routinematerial ist aber nun Clip Flow von Voco geworden. Weil es in der Summe der Eigenschaften noch mal besser ist als die vorgenannten Materialien. Wir wollen es nicht mehr missen.

Danke, Olaf!

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Webinar zum Thema Revitalisierung

Von Christoph Kaaden

Letzte Woche lief ein sehr interessantes Webinar zum Thema Revitalisierung.

Referentin war Prof. Kerstin Galler.

Eine ausgewiesene Expertin (insbesondere forschungsmässig) auf dem Bereich der Pulpabiologie „meiner“ Heimatuniversität Regensburg.

Wer diesen sehr informativen Vortrag verpasst haben sollte kann diesen seit kurzem aber nun hier nochmals anschauen.

Ich finde es lohnt sich

:-)

Schmerzfall

Das hatten wir schon mal.
Hier nun wieder eine Röntgenaufnahme mit so einem typischen Befund.
Die Patientin hatte vor mehreren Jahren einen Unfall mit Beteiligung der oberen Frontzähne. Die Fraktur der Schneidekante wurde versorgt. Die Ästhetik war etwas gewöhnungsbedürftig, aber die Patientin kam damit zurecht.
Nun traten wieder erhebliche Druckbeschwerden in der Region 11 und 21 auf. Diese wurden erfolglos anbehandelt. B ein Blick auf die Röntgenbilder war mir sehr schnell klar warum.

Wir hatten bereits so einen Fall.
Wer sieht das gut versteckte  Hauptproblem? Bitte nutzen Sie die Kommentarfunktion.

Auflösung nächste Woche.

 

 

WURZELSPITZE Plus LIVE TALK im Oktober

Am Mittwoch 20.Oktober 2021um 20:00 Uhr findet unser nächster WURZELSPITZE Plus LIVE TALK statt.

Worüber sollen wir reden?
Was interessiert EUCH?
Wir sind gespannt auf eure Themenwünsche.

Das gesamter Spektrum der Endodontie, vom rein Fachlichen hin zum Betriebswirtschaftlichen, aber auch QM und Praxisführung als mögliches Gesprächsthema steht zur Verfügung.

Kein Thema ist zu groß, kein Detail zu klein, als dass es sich nicht lohnen würde, im WURZELSPITZE Plus LIVE TALK darüber sich auszutauschen.

Schreibt eure Ideen in die Kommentare.

Fremdschämen

von Jörg Schröder

Wir alle sind fehlbar. Behandlungen laufen nicht immer so komplikationsarm wie vorab gewünscht oder geplant. Aber der nachfolgende Fall löst bei mir das sehr starke Gefühl des Fremdschämens aus.

Hier wurde von Hauszahnärztin und Oralchirurg dafür „gesorgt“ dass in einem Karies- und restaurationsfreiem Gebiss ein Zahn (25) so „behandelt“ wurde, dass aufgrund persistierender Beschwerden schliesslich die Extraktion bei dieser 32-jährigen Patientin empfohlen wurde.

Auf die erste Kompositfüllung (klein) folgte eine zweite. Dann die endodontische Behandlung. Die interessierte Patientin fragte nach Internetrecherche nach, ob die nun anstehende endodontische Behandlung unter Kofferraum erfolgen würde. So etwas sei in diesem Fall nicht notwendig, war die Antwort der Kollegin.

Nachdem die endodontische Behandlung nicht zum Erfolg führte, wurde der Zahn ein erstes Mal residiert. Ohne Erfolg, da genau wie beim zweiten Mal, eine retrograde Wurzelfüllung fehlte.

Und die Ursache allen Übels, ein nicht gefüllter palatinal der Guttapercha gelegener Raum, immer noch kontaminiertes Gewebe enthielt.

Die Revisionsbehandlung erfolgte einzeitig. Nach Darstellung des nicht aufbereiteten Kanalabschnittes wurde die vorhandene Obturationsmasse mittels U-File zerkleinert und schliesslich durch Passieren mittels Micro-Debrider nach koronal entfernt.

Um das kollagene Widerlager daran zu hindern, in den palatinalen Kanalanteil hineingedrückt zu werden, wurde als Platzhalter eine Papierspitze ISO 40 in eben jeden Kanalanteil platziert.

Die Obturation wurde mit MTA Angelus durchgeführt und der Zahn adhäsiv verschlossen.

Der schwierigste Teil dieser Behandlung? Die Aufklärung über die Zusammenhänge und Ursachen ruhig und neutral zu gestalten.

Aktuelle Traumafälle September 2021

Letzte Woche habe ich u.a hier über einen unseren aktuellen Traumafällen berichtet.

Gestern kamen zwei weitere Fälle dazu.

Hier die Hintergründe Fall 1:

Fall 1:

Dem siebenjährigen Theo sind folgende traumatische Erfahrung inklusive Folgen widerfahren:

  • Beschreibung des Vaters:
  • 15.08.2021 ca. 20:45 Uhr: Sturz vom Stockbett von oben kopfüber auf die Leiter des Stockbetts. Rechter, bleibender Schneidezahn ist komplett ausgeschlagen mit Wurzel. Der Zahn lag ca. 30 Minuten auf dem Holzboden und wurde dann in einen Plastikbeutel gelegt und gekühlt.
  • 15.08.2021 22:15 Uhr: Wiedereinsetzen des Zahns durch xxx, Der Zahn wurde dort zuvor in eine Zahnrettungsbox eingelegt für ca. 15 Minuten. Der Zahn wurde mit einem gewöhnlichen Draht fixiert. Ein Röntgenbild wurde gemacht vor Einsetzen des Zahns. 
    Arztbericht xxx.

  • 16.08.2021: Praxis xxx in Urlaubsvertretung für unsere normale Zahnärztin Fr. Dr. xxx:
  • Kontrolle und Chlorhexamed. Röntgenbilder wurden gemacht. Siehe Anhang.
  • 18.08.2021: Praxis xxx: Kontrolle und Verschreibung von Antibiotikum. Wegen Lockerung der Schiene weitergeschickt an Zahnklinik xxx

  • 18.08.2021: Zahnklinik xxx: Draht wird weggemacht und neue Schiene drauf, neuer Draht wird an vielen Milchzähnen befestigt um zu vermeiden, dass er sich bald wieder löst
  • 18.08.2021: Abends löst sich der neue Draht bereits wieder
  • 19.08.2021: Praxis xxx, Dr. xxx: Schiene wurde gekürzt und besser geklebt
  • 06.09.2021: Kältetest bei Fr. Dr. xxx ergibt: Kein Gefühl im Zahn. Entzündung wird festgestellt.
  • 15.09.2021: Reparatur Zahnschiene bei Fr. Dr. xxx. Entzündung und Eiter.
  • 20.09.2021: Regulärer Termin bei Kieferorthopädin Fr. Dr. xxx. Gespräch zur weiteren Vorgehensweise zwischen Fr. Dr. xxx und Fr. Dr. xxx.
  • 21.09.2021: Kontrolle bei Dr. xxx. Weiterhin Entzündung, aber kein Eiter mehr. Überweisung an Dr. Kaaden. Zahnschiene bleibt vorerst drauf damit Dr. Kaaden entscheiden kann.

Und hier Fall II:

Der 11-jährige Nico hat auf einer Wasser-Rutsche vor einigen Wochen ein kleines zahnärztliches Polytrauma erfahren.

Hier die klinische Situation circa drei Wochen danach :

Aktuell war unklar, ob sich eine weitere Therapie ergibt…

Spiegelansicht des Zahnes 21

Demnächst mehr zu diesen Fällen…

Komplexe Anatomie 47

von Jörg Schröder

Die Ursache für die bukkal bestehende Fistelung dieses 47 und die damit einhergehenden Beschwerden zeigte sich bereits bei der klinischen Inspektion.

In der mesialen Randleiste imponierte ein Haarriss, die okklusale Gussrestauration wies eine deutlich Randungenauigkeit auf und war ganz offensichtlich nur noch klemmend befestigt.

Innerhalb der zweizeitigen Behandlung wurde zunächst die Gussrestauration entfernt und der Zahn, nach Ausschleifen des Haarrisses adhäsiv aufgebaut.

Das präoperative DVT ließ eine interessante Anatomie erkennen, die aufgrund der apikalen Kommunikation aller drei Kanalsysteme und einer deutlichen Distalkrümmung zurecht als „komplex“ bezeichnet werden kann.

Da die mesialen Kanalsysteme vor dem Zusammentreffen aller Kanalsysteme konfluierten und die apikale Krümmung sich – wie das präoperative DVT deutlich erkennen lässt – von mesial aus sicherer instrumentieren ließ, wurde die distale Krümmung von mesial aus aufbereitet.

Nach schall- und laserunterstützter Spülung wurde CaOH2 eingelegt und der Zahn adhäsiv verschlossen.

Zum Beginn des zweiten Behandlungstermins war der Zahn beschwerdefrei, die bukkale Fistelung vollständig abgeheilt. Nach erneuter ausgiebiger Irrigation erfolgte die Obturation in warmer vertikaler Kompaktion mit AH26 und warmer Guttapercha.

Da es gilt, den Zahn zeitnah mit einer laborgefertigten Restauration zu versorgen, erfolgte das erste Recall bereits nach 3 Monaten.

Unklarer Abszess? (2)

An dieser Stelle berichteten wir erstmals über diesen Fall.

Den Ausschluss eines dentogenen Fokus durch die behandelnden Kieferchirurgen erschien uns nicht sicher. Die CT Daten haben wir leider nicht bekommen.

Für uns und dem Patienten stand die Fragestellung zur Ursache im Vordergrund. Unsere Verdachtsursachen:

  1. Emphysem durch Druckluft im Rahmen der UPT.
  2. P. apicalis mit nicht 2D-röngenologisch erkennbarer Lokalisation.

Wir haben ein DVT angefertigt.

Erkennbar ist, daß sich apikal mesial eine P. apicalis und mesial / lingual im mittleren Wurzeldrittel eine hypodense, weichteildichte, abgegrenzte Struktur im Sinne einer P. apicalis darstellen. Kann über den darüber liegenden verbreiterten Desmodontalspalt im Rahmen einer Glycintherapie in der UPT ein Emphysem entstehen?
Ja. Ist das die Ursache. Schwer zu sagen.

Im Rahmen der UPT wurden die Sondierungtiefen am Zahn 37 mit circulär 4mm in 6 Punktmessung ermittelt, Lockerungsgrad 0.
Behandler und Patient haben sich für die Extraktion des Zahnes entschieden. Mesiolingual stellte sich im Bereich der röngenologisch dargestllten Osteolyse eine Infraktur dar.
Möglich, das beide Komponenten zu diesem lebensbedrohlichen Zustand geführt haben.

Ist nun ein DVT als Recall indiziert, diese Frage stellt sich uns immer öfter.
Wie handhabt das die geneigte Leserschaft?

Geschichten aus dem Endozän 20210928 – „Ist das Wasserstoffperoxid ?“

„Ist das Wasserstoffperoxid ?“ fragt die Patientin, nachdem sie vor der Behandlung eine Minute lang mit der Desinfektionslösung gespült hat. Wir bejahen.

„Und stellen Sie das auch dem Patienten in Rechnung?“ fragt die Patientin weiter.

„Es gibt in der Coronapandemie eine Hygienepauschale, die wir dem Patienten für den erhöhten Aufwand in Rechnung stellen“, antwortet meine Assistentin.

„Sind das die 6 Euro 19 ? Die meine ich nicht“ sagt die Patientin. „Mein Zahnarzt berechnet zusätzlich 16 Euro für die Spüllösung.“

Wir stutzen.
Die Patientin wurde vor 1,5 Jahren von einer Kollegin an uns überwiesen.

„Haben Sie ihren Hauszahnarzt gewechselt ?“ fragen wir nach.

„Ja, ich bin jetzt in einer anderen Praxis. Meine Zahnärztin war zweimal nicht da, als ich sie aufsuchen musste. Einmal war sie in Urlaub und beim zweiten Mal war sie aus irgendeinem anderen Grund auch nicht da. Da habe ich gewechselt.
Jetzt bin ich in einer Praxis, das sind 3 Zahnärzte. Die haben von morgens 7 bis abends 21 Uhr geöffnet. Und sogar Samstags, wenn ich das möchte!“ In der Stimme der Patientin schwingt Anerkennung.

„Meine Krankenkasse (Postbeamtenkasse) will die 16 Euro nicht zahlen. Aber der Zahnarzt berechnet sie trotzdem. Das interpretiert wohl jeder anders. Ich habe dem Zahnarzt gesagt, „Meine Krankenversicherung zahlt das nicht, ich bringe mein eigenes Wasserstoffperoxid mit“.

„Das ginge nicht“, hat der Zahnarzt geantwortet.

Eigentlich wollte ich heute berichten, wie es im „Hier ist guter Rat teuer“ Fall weiterging.
Aber die Geschichte von gestern morgen passte so gut zu unserem „Mittwochabend Endodontie“ – Gespräch von letzter Woche, dass ich diese Geschichte hier einschieben musste.

Hat die Tante Emma – Zahnarztpraxis noch eine Chance ?
Es wird zunehmend enger. Wenn selbst 16 Euro für eine Spüllösung die Patientin nicht davon abhält, der bisherigen Zahnarztpraxis, die sie seit vielen Jahren besucht, den Rücken zuzuwenden.

Wir machen auch Wurzelkanalbehandlungen!“ hat der neue Zahnarzt gesagt. „Auch“ im Sinne von „da müssen Sie nicht ausser Haus“.
Aber die Patientin hat energisch darauf bestanden, uns in der Sache aufzusuchen.

Immerhin.

Saving hopeless teeth

Hoffnungslos. So erscheint dieser 26 auf den ersten Blick.

Insbesondere, wenn man das DVT betrachtet: Die mesiale Wurzel zeigt neben einer vermutlich infektionsbedingten externen Resorption auch eine ungewöhnliche intrakanaläre Erweiterung des Kanalhohlraumes, wie es bei einer internen Resorption der Fall ist.

Die Behandlung erfolgte aufgrund der bestehenden Schmerzsymptomatik mit palpatorischer Druckdolenz und starken Aufbissbeschwerden zweizeitig.

Nach Darstellung der Kanaleingänge wurde zunächst das extrem zähe Wurzelfüllmaterial entfernt. Der unaufbereitete MB2 war durch einen Isthmus mit MB1 verbunden. Nach der chemo-mechanischen Aufbereitung wurde CaOH2 eingelegt und die Zugangskavität adhäsiv verschlossen. Vier Wochen später zeigte sich 26 vollkommen beschwerdefrei.

Die Obturation der mesialen Kanäle erfolgte nach Anlegen eines kollagenen Widerlagers mit MTA. DB und P wurden in warmer vertikaler Kompakten gefüllt. Interessant dabei das sich der Seitenkanal in P erst im zweiten Erwärmungsanlauf füllen ließ.

 

Misserfolg nach Avulsion und RET

Von Christoph Kaaden

Die heute 11-jährie Nelly erlitt im Sommer 2017 ein Frontzahntrauma im Sinne einer Avulsion des Zahnes 11.

Alio loco angefertigtes Röntgenbild nach Avulsion des Zahnes 11

Fünf Minuten nach Avulsion des Zahnes erfolgte zunächst eine ca. 30 minütige Lagerung in Milch, bevor dann der Wechsel in ein Dentosafe-Nährmedium erfolgte.

Der Zahn würde anschliessend unter lokaler Anästhesie reponiert und für 6 Wochen semirigide geschient.

Im Spätherbst 2017 entwickelte Nelly eine kleine Schwellung der betreffenden Region, woraufhin alio loco eine endodontische Therapie eingeleitet wurde.

Apikale Parodontitis an Zahn 11 ca. 4 Monate nach Trauma

Trotz sehr ungünstiger Voraussetzungen entschieden wir uns mit der Patientin und den Eltern für den Versuch einer reparativen endodontischen Therapie.

Zustand nach RET

Die weitere Nachkontrolle verdeutlichte jedoch leider, dass diese nicht erfolgreich war und die apikale Parodontitis zurückgekehrt war.

Wiederkehrende apikale Pathologie

Daraufhin entschieden wir uns die Kompositfüllung und den Biodentine-Verschluss zu entfernen und nach eingehender Desinfektion eine jodoformhaltige Einlage einzubringen.

Leider zeigten diese Maßnahmen auch keine Wirkung und die Entzündung nahm radiologisch zu.

Zunahme der apikalen Osteolyse; Jodoformhaltige Med-Einlage apikal zum Teil ausgewaschen

Zu diesem Zeitpunkt fiel die Entscheidung für eine kieferchirurgische Intervention.

Hier würde alio loco in ITN das entzündliche Gewebe entfernt und das Kanalsystem retrograd verschlossen.

Zustand nach chirurgischer Intervention mit retrograder Füllung

Nachfolgend die Nachkontrollen sechs bzw. zwölf Monate nach dem Eingriff…

6 Monate post-op
12 Monate post-op
prä-op (2017) vs. 1 Jahr post-op (2021)

Was denken Sie über den Fall? Was hätten wir ggf. anders machen können oder müssen?

Fire on…

Sechs Monate nach Intrusion

Von Christoph Kaaden

Die heute fast neunjährige Clea erlitt vor sechs Monaten ein Frontzahntrauma.

Beim Inlineskaten war sie gestürzt und hatte sich insbesondere Zahn 21 deutlich intrudiert (=klinische Krone intraoral nicht mehr erkennbar).

Alio loco erstelltes Foto kurz nach Erstversorgung

Der rechte Inzisivus hatte seiner Zeit „nur“ eine unkomplizierte Kronenfraktur erlitten…

Alio loco angefertigtes OPG kurz nach dem dentalen Trauma

Die weiteren Therapieempfehlungen multipler Kollegen und Kollgeinnen bestand in einer abwartenden Haltung, da es u.a auf eine spontane Reeruption zu warten galt…

sechs Monate nach dem Unfall stellten sich Mutter und Tochter nun bei uns vor.

Anbei ein paar klinische und radiologische Befunde..

wie lautet Ihre Therapieempfelung für Clea?

IDS 2021 – Eröffnungstag

So sah es heute morgen um 10 Uhr in den Eingangshallen der IDS aus.
Auch die Besucherparkplätze waren ziemlich leer.

Unklarer Abszess?

Hier ein Fall der uns ein Rätsel aufgegeben hat.

Es geht um den Zahn 37. Dieser wurde 2014 revidiert, nach kontrolliert und später in der prothetischen Therapie mit einer Krone versorgt.
Patency konnte nicht erreicht werden, die apikale Situation zeigte sich unauffällig und nach dem letzten Röntgenbild 2016 wurde ein 5 jähriges Recall vereinbart.

Plötzlich bekommen wir diesen Arztbrief.

Hier die aktuellen und vorangegangenen Röntgenbilder. Und nun?
Abwarten oder weitere Ursachensuche?

Das endodontische Mittwochabend-Gespräch 22. 09.2021 20:00 Uhr

Morgen abend ist es soweit.

Der zweite Teil des endodontischen Mittwochabend-Gespräch – „Zukunft Zahnarztpraxis“.

Der Plan. 30 Minuten Vortrag zum Thema. Danach Gedankenaustausch und Diskussion.

Anbei wieder ein Trailer zum Thema.

Und die Zugangsdaten für Alle.

Mittwochabend Endodontie Gespräch 3 2021

Zukunft Zahnarztpraxis Teil 2
Mi., 22. Sep. 2021 20:00 Uhr

Nehmen Sie an meinem Meeting per Computer, Tablet oder Smartphone teil.
https://global.gotomeeting.com/join/579402245

Zugangscode: 579-402-245

Selektive Revision

Das DVT dient im Vorfeld einer endodontischen Behandlung nicht nur dem Erkennen besonderer Anatomie, sondern hilft mitunter auch, den notwendigen Behandlungsaufwand so klein wie möglich zu halten.

Denn nicht immer bedürfen alle Kanalsysteme eines mehrwurzeligen Zahnes einer Revision. So kann nicht nur hartsubstanz- und restaurationsschonend behandelt werden. Auch ist der finanzielle Aufwand für den mitunter nicht privat versicherten Patienten deutlich geringer.

So auch in nachfolgendem Behandlungsfall.

Die endodontische Erstbehandlung erfolgte vor 2 Jahren.

Ein MB2 konnte damals vom überweisenden Kollegen nicht dargestellt werden. Im DVT zeigte sich neben dem nicht aufbereiteten MB2 im mittleren Drittel noch eine weitere Kanalstruktur. MB2 und MB3 mündeten in einem gemeinsamen und weiten Foramen. Aufgrund der im frontalen Schnitt deutlich erkennbaren schrägen Wurzelform münden MB2 und MB3 deutlich früher als MB1. Nach Anlegen der Zugangskavität konnte MB2 recht rasch am Ende des von MB1 nach palatinal verlaufenden Isthmus dargestellt werden.

MB3 entsprang demselben Isthmus und konfluierte im mittleren Drittel mit MB2.

Wie immer wird das Recall zeigen, ob die Behandlung am Ende erfolgreich gewesen war.

EverX Flow – Fallbeispiele Recall

Hier nun die aktuellen Recalls der vorgestellten Fälle.
An dieser und dieser Stelle haben wir darüber berichtet.

 

Hier ist guter Rat teuer… Munich style

Vor Kurzem ist hier nach Ihrer Einschätzung gefragt worden.

Heute frage ich Sie bei einem zum Teil ähnlichen Fall um Ihre Meinung.

Die Patientin ist 69 Jahre alt und berichtete, dass bereits wiederholte Male „chirurgische Dinge“ an den Oberkieferfrontzähnen durchgeführt wurden. Genaueres wusste sie nicht.

Die Oberkieferfrontzähne sind gegenwärtig mit einem Langzeitprovisorium versorgt.

Aktuell beklagte die Patientin eine Fistel Regio 21 und 22.

Hier die Einzelröntgenaufnahme und unser Desktop-Mitschnitt…

Nutzen auch Sie wieder die Kommentarfunktion!

Emphysem (2)

In den letzten Beiträgen berichtete ich über ein Emphysem einer Patientin nach einer endodontischen Behandlung.

In einer kurzen Literaturecherche habe ich nach den möglichen Ursachen gesucht.

Diese wurden in der Literatur erwähnt:

  • Wasserstoffperoxid
  • Natriumhypochlorit
  • Druckluft (Luftemphysem)

Die Therapie:

Die meisten endodontisch bedingten Emphyseme sind bei geringer Ausdehnung selbst- limitierend und es kommt zu einer schnellen Remission innerhalb von 2 bis 5 Tagen. Dennoch wird die prophylaktische Gabe eines Antibiotikums empfohlen4. Es sind aber auch weitreichendere Ausdehnun- gen möglich3,14. Über miteinander in Verbindung stehende Gesichts- und Halslogen kann das Media- stinum über para- und retropharyngeale Passagen erreicht werden3. Als Folge der hier dargestellten weitreichenden Extrusion von Spülmedien ist auch die Verschleppung oraler Keime in die retro- und parapharyngealen Weichteile sowie in das Mediastinum möglich.

In Anbetracht des Gesamtumfangs der zahnärztlich- konservierenden Behandlungen in Deutschland sind die Weichteilemphyseme nach endodontischer Behandlung selten. Noch seltener sind durch die Keimverschleppung bedingte Komplikationen, wie zum Beispiel eine Mediastinitis oder Abszesse im Bereich der Halslo- gen und Spatien. Dennoch darf die Gefahr einer systemischen Infektion in Anbetracht der oben beschriebenen Ausbreitungen nicht unterschätzt werden. Daher sollten Folgebehandlungen immer stationär in einer Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie erfolgen und gehören nicht in die ambulant geführte Therapie.

Quelle: Daniel Reymann; Zerviko-faziale Weichteilemphyseme nach endodontischer Behandlung; Endodontie 2013;22(2):147–151

Therapieempfehlungen nach Extrusion von NaOCl in die periradikulären Gewebe

• In schweren Fällen Überweisung an Facharzt oder Klinik.
• Analgetika und/oder Anästhesie zur Schmerzkontrolle.
• Extraorale kalte Kompressen zur ReduktionderSchwellung.
• Nach einem Tag warme Kompressen und häufige warme
Mundspülungen zur Stimulation der lokalen Zirkulation.
• TäglicheKontrollendesVerlaufs.
• Antibiotika:nichtobligatorisch!
Nur in Fällen mit hohem Risiko oder Evidenz sekundärer Infektionen.
• Antihistaminika: nichtobligatorisch!
• Kortikosteroide: Anwendung wird kontrovers bewertet.
• Eine Weiterführung der endodontischen Therapie mit steriler Kochsalzlösung, Jod-Jodkalium oder Chlorhexidin als
Spüllösungen ist in vielen Fällen möglich.
• Bei Perforationen der Wurzel ist die Möglichkeit der Zahnerhaltung kritisch zu prüfen!
• Bei massiver Extrusion unter Umständen chirurgische Entfernung des nekrotischen Gewebes indiziert.
• Bei Atemwegsobstruktion und schwerer Einschränkung des Allgemeinzustands: Hospitalisierung!

Quelle: Michael Hülsmann; Symptomatologie und Therapie
von Zwischenfällen bei der Wurzelkanalspülung mit Natriumhypochlorit; Endodontie 2008;17(3):251-253

Luftemphyseme
Luftemphyseme sind selten vorkommende, unerwünschte Ereignisse, die auf verschiedenste Weise im Rahmen zahnärztlicher Behandlungen auftreten können. In dem Beitrag werden zunächst vier Fälle von Luftemphysemen beschrieben. Die erste Kasuistik zeigt ein Luftemphysem nach parodontaler Befundung, das vermutlich durch die Luft-Wasser-Spritze der zahnärztlichen Einheit ausgelöst wurde. In den anderen Fällen werden Luftemphyseme nach Anwendung der niedrigabrasiven Glycin-Pulverstrahltechnik dokumentiert. Bei allen Patienten klangen die Beschwerden ohne weitere Therapie innerhalb von 1 bis 5 Tagen folgenlos ab.

Die Literaturübersicht zum Thema zeigt, dass trotz der meist unkritischen Ausheilung dem richtigen Umgang mit Luftemphysemen eine große Bedeutung zukommt. Differenzialdiagnostisch müssen z. B. Allergien, Hämatome oder Angioödeme ausgeschlossen werden. Da zwischen dem Auftreten eines Luftemphysems und den – wenn auch selten beschriebenen – schweren Folgeerscheinungen wie Pneumomediastinum oder Nervschädigungen mehrere Tage vergehen können, ist eine adäquate Aufklärung des Patienten entscheidend für den fachgerechten Umgang mit dieser Komplikation.
Eine prophylaktische Antibiotikagabe zur Vermeidung von Sekundärinfektionen wird kontrovers diskutiert. Stationäre Aufnahmen und bildgebende Diagnostik sind im seltenen Fall einer Beeinträchtigung des Allgemeinzustandes des Patienten wie z. B. Atemnot oder Herzproblemen jedoch klar angezeigt.

SEITEN: 297-307, Endodontie
Petersilka, Gregor J. / Panitz, Wolfgang / Weresch, Rainer / Eichinger, Manuel
Luftemphyseme und zahnärztliche Behandlung

Hier ist guter Rat teuer…

Ein Reitunfall in der Kindheit.
Das war 2008 und die heute 21 jährige Patientin war acht Jahre jung damals. Die Zähne 11 und Zahn 21 erlitten eine Schmelz- Dentin – Fraktur ohne Pulpabeteiligung.
Ein paar Jahre später erfolgte die Wurzelkanalbehandlung der symptomatisch gewordenen devitalen Zähne durch die Hauszahnärztin. Eine Zeitlang war Ruhe, dann traten erneut Probleme auf. Es folgte eine WSR durch den Chirurgen, allerdings ohne dauerhaften Erfolg, weshalb ca. 2 Jahre später erneut reseziert wurde. Jetzt stellt sich die Patientin mit einer Beschwerdeproblematik (starkes Druckgefühl OK – Front im Kieferbereich) und vorhandener Fistel bei uns vor.

Und ich gebe die an mich gerichtete Frage der Patientin und ihrer als Begleitung anwesenden Mutter an das Auditorium weiter: „Kann man hier noch was machen ?“

Ist man geneigt, an Hand des vorliegenden Zahnfilmes eine Erhaltungsfähigkeit noch unbedingt zu befürworten, zeigt das DVT ein deutlich differenzierteres Bild. Neben den unregelmäßigen schrägen Resektionflächen imponiert vor allem die fehlende vestibuläre Lamelle als Folge der Resektions – OPs.

Wie groß ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein konservatives endodontisches Vorgehen eine ausreichende Knochenregeneration bewirken könnte ?

Muss nicht zwingend eine chirurgische Intervention erfolgen und welche Folgen und welche Folgen hätte dies für Restknochen und Restwurzelsubstanz ?

Und die wichtigste Frage: Lebt das Pferd noch oder sollte man nicht besser absteigen anstatt weiter auf es einzuprügeln ? Ist hier nicht die Grenze der Zahnerhaltung längst erreicht oder bereits überschritten, die Implantatversorgung nicht nur aus Kostengründen die bessere Wahl ?

Wie immer der Aufruf – Bitte zahlreich und ausführlich zum Feedback in der Sache die Kommentar – Funktion nutzen !

Herausgeschält

von Jörg Schröder

Nicht immer verfügen Patienten über ausreichend finanzielle Mittel, um neben der endodontischen Behandlung auch gleich eine mehrgliedrige Brücke erneuern zu lassen. Daher kann es ab und zu notwendig sein, gegossene Stiftaufbauten förmlich aus der Krone herauszuschälen, sofern der Kronenrandschluss akzeptabel ist.

Das zweidimensionale Röntgenbild und der sagittale Schnitt im DVT liessen ein nach distal mündendes Foramen oder einen dort mündenden Seitenkanal vermuten. Die endodontische Herausforderung erschien überschaubar. Die Schwierigkeit bestand darin, den koronalen Anteil des gegossenen Stiftaufbaus so zu reduzieren, dass im Anschluss der sehr kurze und konische Stiftaufbau unter Erhalt der prothetischen Krone entfernt werden konnte.

Zunächst wurde der Stiftaufbau von Korona so reduziert, dass die Zementfuge zwischen Aufbau und Krone zirkumferent sichtbar wurde. Anschliessend war es einfach, den kurzen und konischen Aufbau aus dem Zahn herauszulösen.

Das pastöse Wurzelfüllmaterial war deutlich kontaminiert und konnte schallunterstützt entfernt werden.

Nach Obturation in warmer vertikaler Kompaktion wurden die metallischen Kronenanteile vor der adhäsiven Restauration mit einem opaken Liner abgedeckt. Anschliessend wurde die Kaufläche mit einem Hybridkomposit restauriert. Das Abschluss-Bild zeigt (leider) den Zustand vor der okklusalen Ausarbeitung und Politur.

Insgesamt ein Behandlungskompromiss, aber unter Umständen einer, der viele Jahre funktionieren wird.

50 nicht von der Hand zu weisende, ausgesucht gute Gründe, sich auf Endodontie zu spezialisieren“ – Episode 13: „“Wenn ich etwas ausschliesslich machen möchte, muss ich es ausschliesslich machen !““

„Wenn ich etwas ausschliesslich machen möchte, muss ich es ausschliesslich machen !“

Diesen Satz muss man erläutern.
Denn auf den ersten Blick klingt das jetzt erst mal banal-schwachsinnig, diese Aussage.

Was also ist gemeint?
Endo war immer schon mein Steckenpferd.
Naja, fast die ganze Zeit.

Am Anfang hatte ich einen Höllenrespekt vor jeder Endo (Frontzähne vielleicht ausgenommen, denn die sind ja einfach, wie hier zu sehen. Dycal war mein Freund, wenn es um eine ausgedehnte Karies an Zahn 37 ging.

Irgendwann ging diese Angst vor der Endo verloren.
Kehrte sich ins Gegenteil.
Endo macht Spass.
Aus vielen unterschiedlichen Gründen.
Und wenn etwas Spass macht, dann macht man es mehr und mehr.

Über viele Jahre haben wir in unserer Praxis 80 – 90 Prozent unser Behandlungstätigkeit der Endodontie gewidmet. Wir sind ja als Generalisten- Praxis gestartet und es fiel mir aus sentimentalen Gründen schwer, diese gänzlich aufzugeben. 2013 habe ich dann meine Tätigkeit endgültig auf Endodontie limitiert.

Und seitdem festgestellt: „Wenn ich etwas ausschliesslich machen möchte, muss ich es ausschliesslich machen !“

Denn erst seit dieser Zeit wird offensichtlich, wieviel Zeit dann doch immer noch für endoferne Behandlungen draufgegangen sind.
Es kommt halt immer doch was dazu.
So nebenher.
Und lenkt ab.
Und hält auf.

Am Ende des Tages kommt so einiges zusammen an Zeit, die ich seither zusätzlich – weil ausschliesslich – der Endo widmen kann.

Das bringt zusätzliche Kapazitäten und Entspannung in den Behandlungsablauf. „Herr Dr. Hermann, könnten Sie mal kurz…“ Herr Dr. Herrmann, ich hätte da noch eine Frage…“ Sagt der Patient bei der 01. Herr Dr. Herrmann Frau Müller Maier Schmidt ist die Prothese runtergefallen …“, fragt die Assistentin. Und trägt für alle 3 Ereignisse Behandlungstermine ein.

Alles Sätze, die nun nicht mehr fallen und alles Situationen, die nun nicht mehr aufhalten und ablenken.

Herrlich.

Kann man allerdings nur beurteilen, wenn man die Behandlungstätigkeit wirklich limitiert.
Ohne Wenn und Aber.

90 Prozent Endo ?
Das ist wie bei der totalen Sonnenfinsternis.
Das unglaubliche Schauspiel der Corona zeigt sich erst bei vollständiger Abdeckung.

Wenn auch nur wenige Prozent fehlen, dann stellt sich dieser einzigartige Eindruck nicht ein. Natürlich kann auch eine partielle Sonnenfinsternis faszinierend sein. Aber dann doch nicht annähernd so beeindruckend wie die Totale. Sollte man mal in ruhiger Stunde drüber nachdenken …

Zahn 14 mit …(II)

hier also die „Auflösung“.

Es handelte sich „natürlich um einen 14 mit drei Kanalsystemen…

hier einige Impressionen und die entsprechenden Röntgenbilder

Zahn 14 mit …

Heute möchte ich Sie zunächst für ein paar Stunden auf „die Folter spannen“ …

Zur Vorgeschichte:

Bei der 30-jährigen Patientin war vor der geplanten Implantation Regio 16 aufgefallen, dass der zuvor endodontisch behandelte Zahn 14 eine apikale PA aufwies. Daher erfolgte die Überweisung zu uns mit der Bitte um Revision.

hier schon mal das Ausgangsröntgenbild des Falles..

man kann bereits erkennen, dass dieser Zahn mal wieder etwas „mehr Anatomie“ zu bieten hat, als ein „normaler“ Prämolar…

stay tuned…

mehr dazu in ein paar Stunden…

Zahn 16 (2) – Emphysem postendodontisch

Das war das erste mal, daß ich eine Patientin sah, welche nach einer endodontischen Behandlung ein Wangenemphysem hatte.

Die Patientin brachte dies in Zusammenhang mit der Anästhesie in Verbindung und hat die Schwellung während der Behandlung bemerkt. Das Knistern in der Wange hat sie panisch werden lassen. Bis heute ist sie dadurch „traumatisiert“.
Was in der Behandlung gemacht wurde, weiß sie nicht mehr. Die Ursache ist im Nachgang nur schwer zu bestimmen.

Sie hat sich selbst in einer Universitätsklinik vorgestellt.
Es wurde eine Antibiose mit Amoxicillin 1000mg 3×1 für 7tage verordnet und eine Überweisung zu uns ausgestellt (?).
Wir haben den Zahn 16 klinisch und röntgenologisch betrachtet.

Eine Schwellung oder Hämatom war nicht zu erkennen. Ein Knistern nicht zu hören. Es waren inzwischen ca. 8 Tage vergangen.
Auf Grund der massiven intrakanalären Substanzverluste, fehlender Ferrule und der inzwischen vollständig verängstigten und panisch reagierenden Patientin haben wir uns gegen eine Fortführung der Revision entschieden.

Anbei Röntgenaufnahmen und das DVT.

In einem der nächsten Beiträge werde ich noch etwas zum Emphysem und den möglichen Ursachen zusammentragen.

Das Mittwochabend Endodontie Gespräch (III) Zukunft Zahnarztpraxis – Teil 2 – Lösungen

22. September.
20 Uhr.

Das nächste Mittwochabend Endodontie Gespräch.
Ein wichtiges und spannendes.
Weil es um betriebswirtschaftliche Belange geht.


Beim letzten MAEG habe ich ausführlich über den Status Quo der politischen Willensbildung gesprochen, die Zukunft der Zahnarztpraxen betreffend. In vielen Details. Damit eins klar rüberkommt : Die Politik hat die Medizin (und damit auch die Zahnmedizin) aufgegeben.

Warum ?
Weil man keine Lösung gefunden hat in all den Jahren.
Und die Rahmenbedingungen (für die Politik) immer schlechter und schlechter werden. Immer ältere und damit chronisch kranke Patienten. Teurer medizinischer (Apparate) Fortschritt. Höhere Kosten, immer weniger Beitragszahler.

Ergo. Die Politik hat die Medizin/Zahnmedizin, so wie sie gegenwärtig existiert, innerlich verabschiedet. Punkt.
Heilsbringer ist nun eine Ambulatorien- Staats- oder Ambulatorien-Privatmedizin.

Das ist keine schöne Nachricht.
Aber es ist Fakt.
Und wird sich nicht mehr ändern.

Was tun ?
Jammern? Wehklagen?
Nützt nix.
Interessiert niemanden. NIEMANDEN. „“Hallo ?!?!?! Mc Fly ?!?!?!? Keiner Zu Hause ?????“. Nur für Alle, die es immer noch nicht kapiert haben, das nicht Gutes mehr zu erwarten ist.

Es sei denn – wir nehmen unser Glück selbst in die Hand.

Und darüber möchte ich sprechen.
Im nächsten WURZELSPITZE – Live Talk. An dem noch einmal alle WURZELSPITZE- Teilnehmer teilnehmen dürfen.

Ich möchte 4 Wege zum Praxiserfolg (auch oder gerade) in der Zukunft vorstellen.

Natürlich sprechen wir auch über den einen fünften Weg, der garantiert in den Untergang führen wird. Dummerweise der Weg, der gegenwärtig von fast allen beschritten wird.

Also – spannendes Thema.
Ich wünsche mir eine ausgiebige Teilnahme und eine intensive Diskussion.

Bis dann. Mittwoch in 2 Wochen.
22. September
20 Uhr.