Mehrfach-Trauma -Recall nach 7,5 Jahren

Von Jörg Schröder

Im September 2015 (unglaublich wie schnell die Zeit vergeht und wie lange wir hier auf Wurzelspitze schon Fälle einstellen) habe ich hier über den Fall eines jungen Patientin berichtet, der mit seinem Fahrrad selbstverschuldet verunfallt war.

Nun erreichte mich am Donnerstag der vergangenen Woche kurz vor dem Ende meines Behandlungstages der Anruf des Patienten: Er war am Vortag erneut mit dem Fahrrad verunfallt. Dieses Mal war er von einem PKW-Fahrer auf der Radspur übersehen worden.

Neben einigen Abschürfungen im Bereich der Narben der aus der ersten Unfall resultierenden Risswunden im Bereich von Ober- und Unterlippe, waren die Zähne 21 und 11 direkt betroffen.

Zahn 21 wies eine Konkussion mit geringer Perkussionsempfindlichkeit auf. Der elektrische Sensibilitätsttest fiel, wie auch 13 Monate nach dem Erst-Trauma, positiv aus. Zahn 22 reagierte ebenfalls positiv auf den elektrischen Reiz.

Der vor 7,5 Jahren avulsierte und 4h trocken gelagerte Zahn 11 war damals von den behandelnden MKG-Chirurgen stark zeitverzögert repartiert worden. Nicht überraschend zeigte Zahn 11 bereits 5 Wochen nach dem Unfall zeigte Zahn 11 erste Anzeichen einer knöchernen Ersatzresorption.

13 Monate nach dem Unfall reagierten die Zähne 21-25 wieder positiv auf den elektrischen Reiz.

Die Ersatzresorption war weiter vorangeschritten. Aufgrund des Lebensalters des Patienten (zum Unfallzeitpunkt 23 Jahre alt) wurde die Empfehlung ausgesprochen, mit einer Implantatversorgung noch einige Jahre zu warten.

Nun gibt der Zustand des 11 nach dem zweiten Trauma den Anlass, die implantologische Versorgung umzusetzen.

Interessant ist, dass es im Röntgenbild so aussieht, als ob die Fraktur innerhalb des knöchern umgewandelten gingivanahen Wurzelanteils erfolgte.

Erfreulich jedoch, dass es zumindest bis jetzt, die Zähne 22 und 21 geschafft haben, ihre Vitalität zu behalten. Erkennbar an der deutlichen Obliteration des Pulpakammerhohlraumes.

Trauma-Recall

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von Jörg Schröder Im Oktober 2022 hatte ich hier über die Folgen eines Unfalls beim Polospiel berichtet. Die Zähne 42 und 42 hatten dabei eine weit apikal gelegene horizontale Wurzelfraktur erlitten. Die Zähne 21 und 11 waren deutlich disloziert gewesen. … Weiterlesen

Avulsiert, reponiert, trepaniert.

Diese heute fast 8-jährige Patientin erlitt vor ca. 6 Monaten eine Avuslion des 21. Sie hatte den Zahn beim Trampolinspringen mit dem eigenen Knie getroffen.

Nach 30 Minuten extraoral (unbekanntes Medium) erfolgte die Reposition und die Schienung für 6 Wochen.

Bereits im Einzelbild nach Schienenentfernung ist die apikale Aufhellung zu erkennen. Die Erstvorstellung in unserer Praxis erfolgte erst 4 Monate nach dem Trauma. Der Grund war eine imposante bukkale Fistelung.

Da der Zahn keine Zeichen einer infektionsbedingten externen Resorption aufwies, habe ich die Möglichkeit des Zahnerhaltes und ein zweizeitiges Vorgehen vorgeschlagen.

Klinisch war der Zahn geradezu beeindruckend fest. Erhöhte Sondierungstiefen fehlten. Der Klopfschall war physiologisch.

In der ersten Sitzung kam die hier bereits von Christoph Kaaden empfohlene Fixierung der Kofferdamklammer mittels RelyXUniCem zum Einsatz. Funktioniert beeindruckend gut. Danke Christoph! Da die Schmelzoberfläche umkonditioniert war, ließ sich der Befestigungszement einfach und vollständig mit der Klammerabnahme entfernen.

Zunächst hatte ich ein regeneratives Vorgehen erwogen. Angesichts der kurzen Wurzellänge entschied ich mich jedoch für den apikalen Plug, da mir das Risiko einer postoperativen Verfärbung zu groß erschien. Um ein ausreichend langes Koagulum zu erzielen, hätte der Plug auf Höhe der Schmerz-Zement-Grenze liegen müssen.

Wie immer werden die Verlaufskontrollen zeigen, ob es ein langfristiger Erfolg sein kann.

Informant Papierspitze

von Jörg Schröder

Obere mittlere Schneidezähne? Kindergeburtstag. No-Brainer. Selbstläufer.

So, oder so ähnlich sind gemein hin die Äußerungen, die man auf die Frage zu hören bekommt, welche Zähne nun wirklich einfache Behandlungsfälle darstellen.

Warum finden sich dann so viele Misserfolge im Bereich oberer 1er? Apikale Aufhellungen, erfolglos durchgeführte Resektionen, unvollständige Wurzelfüllungen.

Eine mögliche Ursache sind endodontische Behandlungen die an Zähnen ausgeführt werden müssen, deren Wurzelanwachstum nicht vollständig abgeschlossen ist. Die besondere Weite des Kanalhohlraums und das weite apikale Foramen können durchaus eine Herausforderung darstellen. Vom jungen Lebensalter der Patienten und der damit manchmal einhergehenden geringeren Compliance einmal ganz abgesehen.

In vorliegendem Fall kam es in Folge zweier im Abstand von 6 Wochen erfolgten Frontzahntraumata zu einer Pulpanekrose an Zahn 21. An Zahn 11 wurde alio loco zunächst die freiliegende Pulpa im Sinne einer Pulpotomie behandelt.

Da sich die Blutung nicht stillen ließ wurde eine Vitalexstirpation durchgeführt. Die Obturation konnte aufgrund einer nicht reproduzierbaren Endometrie nicht ausgeführt werden. Es erfolgte die  Überweisung in unsere Praxis, da eine Horizontalfraktur vermutet wurde.

Klinisch imponierte am Erstuntersuchungstag bei uns eine deutliche Perkussionsempfindlichkeit des Zahnes 21. Das zur Detektion einer möglichen horizontalen Wurzelfraktur an 11 erstellte DVT ließ am 21 eine deutliche apikale Aufhellung erkennen. Der alio loco mit Ledermix versorgte 11 zeigte entzündungsfreie periapikale Strukturen und keinen Hinweis auf eine Wurzelfraktur.

Daher sollte zunächst die endodontische Behandlung es 21 erfolgen. Bei der Trepanation fand sich in den oberen vier Fünftel des Kanalsystems nur nekrotisches Gewebe. Nur im apikalen Fünftel wies die dezente Blutung beim initialen Instrumentieren auf (rest-)vitales Gewebe hin.

Die endometrische Längenbestimmung zeigte reproduzierbar an. Dennoch habe ich sterile Papierspitzen zur Verifizierung der Arbeitslänge eingesetzt. Dazu wird die Papierspitze 0,5 mm länger als die ermittelte Arbeitslänge eingestellt und dann für einen kurzen Moment bis auf volle Länge in den Kanal eingebracht. Dieser Vorgang wird mehrere Male mit jeweils neuen Papierspitzen wiederholt. Bei korrekter Länge sieht der dezente Blutungspunkt dann immer gleich aus.

Auch bei der Obturation mittels MTA kommt die Papierspitze zum Einsatz. Nun wird die Papierspitze 1 mm kürzer als die 0,0 Länge eingestellt und solange kleine MTA-Plugs eingebracht, bis die Papierspitze erst auf und nach dem nächsten Plug gerade nicht mehr auf Arbeitslänge eingebracht werden kann. Nun kann das Auffüllen des apikalen Wurzelanteils mit dieser Technik kontrolliert erfolgen, bis der koronale Teil des MTA Plus visualisiert werden kann. Denn dieser 21 ließ aufgrund der apikale Krümmung und einer Arbeitslänge von 25 mm kein Einbringen des MTA unter Sicht zu.

Das mittlere Drittel wurde anschliessend mittels warmer vertikaler Kompakten mit Sealer und erwärmter Guttapercha, das koronale Drittel adhäsiv mit Komposit gefüllt.

Erschreckend dabei, wie nachlässig mit der Dentinwunde am 21 „umgegangen“ wurde. Seit dem Trauma bis zur Erstvorstellung bei uns mehr als 3 Monate später unterblieb eine Abdeckung derselben. Nicht auszuschliessen, dass eine Pulpanekrose hätte vermieden werden können, denn der 21 reagierte die ersten Wochen nach dem ersten Trauma laut Überweisern reproduzierbar positiv auf den Sensibiltätstest.

 

 

Ditt iss Berlin!

Ein in zweierlei Hinsicht trauriges Beispiel was in Berlin so „abgeht“.

Zunächst einmal hatte dieser 18-jährige Patient zu lange in die falsche Richtung geschaut und schon war die Luft fausthaltig.

Das Resultat?

32 und 42 hingen noch in der Alveole und nur der KFO-Retainer hat die Zähne gehalten. 31 war mehr als 2 mm disloziert und 42 hatte eine geringe laterale Dislokation erfahren. Hinzu kamen Riss-Quetschwunden intra- und extraoral im Bereich der Unterlippe.

Die Dokumentation aller Verletzungen im Unfallkrankenhaus und die Nahtversorgung ist als perfekt zu bezeichnen. Dort wurde der Patient ca. 1 Stunde nach dem Ereignis vorstellig.

Die Erstversorgung – berlintypisch – insuffizient, wobei dem jungen MKG-Kollegen, der den jungen Patienten im Nachtdienst versorgte, kein Vorwurf zu machen ist. Keine Assistenz, kein Material (TTS-Splint)und so wurde der KFO-Retainer zur Schienung umgebaut. Mit mässigem Erfolg, denn bei der Erstvorstellung bei mir waren vier der 6 Klebepunkte gelöst. Nur die nicht betroffenen Eckzähne hielten den Draht. Übrigens: keine systemische Antibiose und der Ratschlag die betroffenen Zähne nicht zu putzen.

Bei der Erstvorstellung erfolgte nach klinischer und radiologischer Diagnostik zunächst eine Reinigung der betroffenen Zähne, das Befestigen eines Titan-Trauma-Splintes und die Entfernung des lingualen KFO-Retainers.

Aufgrund der Beinahe-Avulsion von 31 und 32 und der starken Dislokation von 41 wurden diese Zähne 10 Tage nach Trauma endodontisch behandelt. Der klinisch symptomlose, elektrisch allerdings negativ getestete Zahn 42 wird vielleicht noch folgen.

30 Tage nach dem Trauma zeigt er weiterhin keine Reaktion auf den elektrischen Sensibilitätstest sowie Anzeichen eines Resoptionsprozesses im Foramenbereich, der jedoch nicht zwingend eine Indikation für eine endodontische Behandlung ist. Diese Form der Traumabewältigung wird auch als „transient apical breakdown“ bezeichnet.

Sturz im Bad (III)

Von Christoph Kaaden

Vor ein paar Tagen erreichte uns eine kurz gehaltene E-Mail des Zuweisers zu diesem bzw. diesem Traumafall.

Magdalena war heute bei mir zur Kontrolle. Beschwerdefrei, klinisch fest, keine apikale Druckdolenz“

Hier noch die mitgeschickten Recallaufnahmen.

Alio loco angefertigtes Kontrollröntgenbild ca. 6 Monate nach Trauma

Klinische Situation – alio loco aufgenommen

Ich werde weiter über den Verlauf bei Magdalena berichten…

Trauma nach Radunfall mit Déjà-vu (IV)

Von Christoph Kaaden

Circa acht Monate nach dieser bzw. dieser Behandlung erfolgte heute ein weiteres Recall.

Zahn 21 reagiert weiterhin vital auf Kältestimulation.

Auch klinisch stellt sich die Situation erfreulich dar.

In weiteren sechs Monaten wissen wir mehr…

Frontzahn-„Welle“ (I)

Von Christoph Kaaden

Von der Häufung gleichgearteter Behandlungen innerhalb kurzer Zeitabstände habe ich in der Vergangenheit hier, hier oder hier berichtet.

Insbesondere in dieser Woche erfasst uns die Frontzahn-„Welle“. Ich werde in zukünftigen Beiträgen über die genauen Hintergründe der einzelnen klinischen Fälle berichten.

Hier also schon mal die 10 (!) Situation die wir in dieser Woche behandelt bzw. erstuntersucht haben in der Reihenfolge, wie diese bei uns „stattfanden“.

Ausgangssituation – Rö-Bild alio loco – vor prothetischer Neuversorgung bei Zustand nach endodontischer Behandlung und nachfolgender Resektion mit Beschwerdefreiheit

Leider entwickelte der Zahn kurz nach Eingliederung der definitiven Krone eine Fistel…

Übersehene laterale Aufhellung als Ursache der rekurrenten Beschwerden

Wir führten nach eingehender Beratung der Patientin (ärztliche Kollegin) eine Revision durch. U.a. Corona-bedingt verzögerte sich der Abschluss der Behandlung erheblich.

Positiv zu vermerken ist, dass der lange Zeitraum der Behandlungspause dazu geführt hat, dass bereits eine klare Heilungstedenz erkennbar ist…

Bei dem zweiten Patienten am Montag handelt es sich um den 10-jährigen Carlos.

Hier der sehr umfassende Arztbericht der Überweiserpraxis

Alio loco angefertigtes Diagnose-Röntgenbild

Fall III des Montags war der Behandlungsbeginn einer Revision bei Zustand nach endodontischer Vorbehandlung und Resektion

Alio loco angefertigtes Diagnose-Röntgenbild

Als klinisch etwas „tricky“ gestaltete sich die Entfernung des „unorthodox“ eingebrachten Glasfaserstiftes.

Der „Durchbruch“ gelang mittels diamantiertem Ultraschallansatz der schliesslich zu einer Lockerung des adhäsiven Verbunds führte.

Klinische Impressionen der Revision mit erkennbaren Glasfaser- und Guttaperchaanteilen nach Entfernung mittels Ultraschall

Die nächste Patientin war ein 19-jähriges Mädel, dass vor zwei Jahren beim Skifahren ein Frontzahntrauma erlitten hatte.

Klinischer imponierte mittlerweile eine deutliche Verfärbung die sich auch bei der Trepanation des Dentins deutlich präsentierte…

Diagnose-Röntgenbild (alio loco) und klinischer Blick auf das stark verfärbte Dentin bei der Trepanation

Die nächste 26-jährige Patientin konnte sich an kein Trauma in der jüngeren Vergangenheit erinnern…

während die Nachbarzähne eindeutlich vital reagierten zeigte Zahn 31 alle klinisch-radiologischen Zeichen eine Nekrose mit apikaler Pathologie…

Ausgangsröntgenbild (alio loco)

Bei dem nachfolgenden 67-jährigen Patienten stellte sich die Situation aufgrund seiner Vorerkrankungen (metastasierendes Prostata-CA mit geplanter Bisphosponat-Therapie) als etwas komplizierter dar.

Eine Entfernung weiterer Zähne soll unbedingt vermieden werden…

OPG (alio loco)
Zahn 32 mit apikaler Parodontitis und stark obliterierten Kanalsystemen

Als nächstes in der Woche stand die Behandlung eines 12-jährigen Jungen an, bei dessem Eckzahn eine ungewöhnliche Resorption evident geworden war. Klinisch und radiologisch hätte ich diese eigentlich als primär extern eingestuft… obgleich die „Eintrittspforte“ inzisal zu liegen schien…

Klinische Impressionen der Resorption

Bei dem Eckzahn dieser 66-jährigen Patientin gelang es dem Zuweiser nicht das Kanalsystem aufzufinden…

Diagnose-Röntgenaufnahme (alio loco)

Bevor es zu einer Perforation kam überwies er die Patientin zu uns…

Zustand nach Trepanationsversuch (Röntgenbild alio loco)

Fall Nummer neun ist wieder ein Traumafall.

Leider ist die Prognose der unphysiologisch gelagerten Zähne nicht optimal…

Und auch in dem 10. Fall war eine traumatische Verletzungini Form einer unkomplizierten Kronenfraktur der Grund für eine anstehende Behandlung…

Diagnose-Röntgenbild vor ca. 1 Jahr
12 Monate später zeigt sich eine eindeutige apikale Parodontitis an Zahn 41

Demnächst berichte ich Ihnen also weiter von dieser Frontzahn-„Welle“…

stay tuned…

Aktuelle Traumafälle (I)

Von Christoph Kaaden

Ich möchte heute zwei aktuelle Traumafälle vorstellen die uns beschäftigen.

Bei Fall I kenne ich bisher nur die nachfolgende Beschreibung der Zuweiserin und die alio loco angefertigten Röntgenbilder.

Text und Bilder sprechen leider für sich…

Ausgeprägte infektionsbedingte Resorptionen innerhalb von gut sechs Wochen nach Trauma

Dieser und der nachfolgende Fall bekräftigen mich in meiner Meinung, dass das Thema dentale Traumatologie eine v i e l breitere Bühne bei Fortbildungen eingeräumt werden muss!

Leider ist dies häufig nicht der Fall, wie z.B. die Programme der letzten drei und auch der kommenden DGET Jahrestagung zeigen!

Auch bei dem bayerischen Zahnärztetag der letzten Jahre:

Fehlanzeige!

Dabei könnten schon kleine Maßnahmen häufig eine große Wirkung zeigen.

Leider ist in Fall II auf die kleine Maßnahme der adhäsiven Versiegelung der unkomplizierten Kronenfraktur bei der heute 11-jährigen Laura damals „verzichtet“ worden.

So war das Dentin für zwei Jahre der Mundhöhle ausgesetzt…

und es kam, wie es kommen musste (und in der Literatur eindeutig beschrieben ist)

Ich werde weiter berichten…

Alternativlos

von Jörg Schröder

Nach langem Überlegen hinsichtlich der zur Verfügung stehenden Therapieoptionen erschien mir vor Behandlungsbeginn und erscheint mir auch nach dem ersten Recall die nachfolgend dargestellte Behandlung praktisch alternativlos zu sein.

Nach einem in der Schule erlittenen Frontzahntrauma ( im Rahmen des Werkunterrichtes wurden Steine mit dem Hammer zerkleinert, Augenschutz war vorhanden, eine Gesichtsschutz fehlte) war es beim 8-jährigen Patienten zu einer klinisch in ihrem vollen Umfang nicht klar zu diagnostizierenden komplizierten Kronen-Wurzelfraktur gekommen.

Theoretisch kommen Milchzahntranplantation, Prämolarentransplantation, KFO-Lückenschluss und Offenhalten der Lücke mit späterer Versorgung mittels einflügeliger Klebebrücke als Möglichkeiten in Frage. Unter Berücksichtigung der Compliance der Eltern und die des jungen Patienten und den Chancen, die die hier gezeigte Behandlung bietet, bestand für mich kein Zweifel am Vorgehen. Option 1 und 2 sind in Berlin leider aufgrund fehlender geeigneter und versierter Verhandler nicht erfolgversprechend umsetzbar. Die Reise zu einem Zahnunfallzentrum ist für die Eltern nicht vorstellbar. Der KFO-Lückenschluss kann immer noch erfolgen und auch die prothetische Option läuft nicht weg.

4 Wochen nach der alio loco erfolgten Erstversorgung (labile und palatinale Fragmentfixierung mittels Komposit) erfolgte die Erstvorstellung in unserer Praxis.

Elektrische und thermische Sensibilitätsprüfung waren positiv. Der Zahn war moderat perkussionsempfindlich. Eine erhöhte Mobilität bestand nicht.

Angesichts der vitalen Pulpa des 8 jährigen Patienten galt es für mich diese möglichst vital zu erhalten, um ein Voranschreiten von Wurzellängen- und dickenwachstum möglich zu machen. Um die angestrebte Pulpotomie durchzuführen, war die Entfernung des Fragments unabdingbar. Daraus folgte, dass die relative Trockenlegung so ausreichend gestaltet werden musste, dass sowohl die Pulpotomie, als auch das Reattachment flüssigkeitsfrei durchgeführt werden konnte. Das präoperativ angefertigte DVT war bei der Einschätzung sehr hilfreich, ob die oben genannten Umgebungsbedingungen geschaffen werden könnten.

Nach mehr als ausführlicher Erläuterung der in Frage kommenden Behandlungsoptionen wurde die Behandlung einzeitig durchgeführt.

Dass die überweisende Kollegin der Behandlung beiwohnte stellte sich im Verlauf als mehr als günstig heraus, da neben einer sterilen Assistenz und der unstetigen Mitarbeiterin im Hintergrund eine weitere sterile Hand benötigt wurde, um sowohl die Pulpotomie als auch das Reattachment unter dem Mikroskop durchführen zu können. So war ein zeitgleiches Abhalten des grazilen Mukoperiostlappens und das Abmischen des zur Pulpotomie eingesetzten Materials – hier MTA Angelus – zu realisieren.

Müßig zu erwähnen, dass eine der besonderen Herausforderungen darin bestand, den kleinen Patienten gut durch die Behandlung zu führen und jede gewonnene Minute eine entscheidende sein könnte.

Mittels einer FACE-Lampe von W&H (Fluoresence-Aided-Caries-Excaation)- eine Methode, die von Dr. Thomas Connert vom Zahnunfallzentrum in Basel mitentwickelt wurde-  konnte das bei er Erstbehandlung benutzte Flow-Kompost visualisiert und nachfolgend mittels rotierender Instrumente zum Großteil entfernt werden. Um die Zahnsubstanz maximal zu erhalten, wurde ein Heidemannspatel in den inzisal befindlichen Spalt eingesetzt und das Fragment auf diese Weise mobilisiert.


Nach chirurgischer Darstellung erfolgte die Entfernung der koronalen 2mm des apikal vorhandenen Pulpagewebes mittels diamantiertem hochtourig drehendem zylindrischem Instrument. Die Abdeckung der Pulpa erfolgte mit MTA Angelus. Darüber wurde eine Schicht Ultrablend gelegt.

Nachdem dies geschehen war, konnte nunmehr das bis dahin in steriler Kochsalzlösung geparkte Fragment vorbereitet werden. Das im Fragment vorhanden Pulpagewebe wurde mit einem Exkavator entfernt und der Hohlraum nach Konditionierung mit OptiBond FL mittels Flowkomposit so weit aufgefüllt, dass eher ein Unterschuss bestand, um das Reattachment nicht zu erschweren.

Die Wiederbefestigung erfolgte mittels RelyX Unicem, nachdem auch die Zahnhartsubstanz im Mund entsprechend für die Adhäsivtechnik vorbereitet worden war.

Nach Beseitigung der Überschüsse erfolgte die Lichthärtung und der Nahtverschluss. Okklusionskontrolle und Politur stellten den Abschluss dar.

Die erste Nachkontrolle lässt eine Dickenzunahme der Wurzel erkennen. Eine Sensibilitätsprüfung ist aufgrund der tiefen Lage der Pulpotomie nicht möglich, sodass die Beurteilung der Situation bei fehlender klinischer Symptomatik per Einzelbild erfolgte.

Es wird spannend sein, wie sich die Situation weiterhin entwickelt.

 

Frontzahntrauma – erstes Recall

von Jörg Schröder

Anfang dieses Jahres hatte ich über diesen suboptimal erstversorgten 11 und seinen dislozierten Nachbarn Zahn 21 berichtet.

Fraglich war, ob die Pulpa von Zahn 11 nach Dislokation und undichter „Erstversorgung“ mittels Pulpotomie vital erhalten werden kann. Auch Zahn 21 – nach unkomplizierter Kronenfraktur und lateraler Dislokation – wurde hinsichtlich der Überlebenschancen der Pulpa als gefährdet eingeschätzt.

Durch den elektrische Sensibilitätstest, im Jahr 2020 immer noch nicht Standard in den meisten Praxen, konnte in vorliegendem Fall die Erholung der pulpalen Gewebe gut nachvollzogen werden.

Die zur Erzielung einer positiven Reaktion auf den elektrischen Reiz benötigte Reizintensität sank innerhalb des ersten halben Jahres nach der Behandlung in unserer Praxis auf fast normale Werte.

Die Skala des von mir eingesetzten Elements Dignostic Unit reicht von 0 bis 80. Unverletzte und unrestaurierte Frontzähne reagieren bei Kindern und Jugendlichen üblicherweise innerhalb eines Bereiches zwischen 5 und 25. Nachdem der initiale Wert kurz nach dem Unfall für 21 bei 64 gelegen hatte, reagierte er 6 Monate nach der Zweitversorgung bereits, wie die Zähne 12 und 22 bei Werten von 25 -27.

Das nächste Recall in 6 Monaten wird zeigen, ob sich der gute Anfangsverlauf fortsetzen wird.

Trauma nach Radunfall mit Déjà-vu (II)

Von Christoph Kaaden & Christian Jauernig

 

Letzte Woche habe ich hier von einem Trauma nach Radunfall berichtet.

Trotz tagelang exponierter Pulpa haben wir uns erneut für den Versuch einer Pulpotomie entschieden.

Die Pulpawunde wurde hierbei nach eingehender NaOCl-Desinfektion mit Biodentine abgedeckt. Hierüber platzierten wir zunächst einen selbstadhäsiven Kunststoff.

Pulpotomie nach Radunfall.001

Zustand nach Pulpotomie und Abdeckung der Pulpawunde mit Biodentine

Der notwendige Kompositaufbau wurde im Anschluss von dem WURZELSPITZE Plus Mitglied Dr. Christian Jauernig  gestaltet.

Pulpotomie nach Radunfall.002

Kompositaufbau nach komplizierter Kronenfraktur und Pulpotomie

Pulpotomie nach Radunfall.003

Vorher – Nachher

 

Wir werden berichten, wie es in Zukunft weitergeht

Und nun? Die Auflösung.

von Jörg Schröder

Die Patientin wurde bei ihrer behandelnden Zahnärztin vorstellig, weil sie im linken Oberkiefer seit einigen Wochen diffuse Beschwerden bemerkte. Kein direkter Schmerz, aber ein Unbehagen beim Kauen. Die Patientin empfand Zahn 24 dabei als minmal beweglicher als seine Nachbarn.

Anbei das angefertigte Röntgenbild. Was fällt auf? Wie wäre das Geschehen zu erklären? Was wäre zu tun?

Die Sondierungstiefen der Zähne 23-25 lagen im physiologischen Bereich. Die Beweglichkeit war an Zahn 24 unmerklich größer als an den benachbarten Zähnen. Es bestand keine palpatorische Druckdolenz, keine Fistelung, keine Schwellung. Die elektrische Sensibilität des 24 war von bukkal und von palatinal positiv, wenngleich im oberen mittleren Bereich der Skala des Elements Diagnostic Gerätes. (Maximal-Wert 80, bukkaler Wert 48, palatinaler Wert 52). Es besteht ein mit Transillumination detektierbarer Haarriss in der mesialen Randleiste.

Um einen möglichen Artefakt im Überweiserbild auszuschliessen wurde nach klinischer Inspektion und elektrischem Sensibilitätstest ein eigenes Einzelbild angefertigt.

Der Parodontalspalt erscheint apikal durchgehend. Es imponiert jedoch eine geradlinige Kontinuitätsunterbrechung der Wurzelkontur im mittleren Wurzeldrittel, die nicht vollständig nach distal weiterläuft. Das Pulpakavum erscheint stark obliteriert.

Das angefertigte DVT zeigt das Nachfolgende:

Es besteht eine Horizontalfraktur der palatinalen Wurzel kurz unterhalb des Limbus alveolaris. Zahn 24 ist zudem dreiwurzelig und weist zwei bukkale Wurzeln auf.

Daraufhin nochmals nach einem Unfallgeschehen befragt, gab die Patientin an, dass sie vor 1,5 Jahren auf die rechte! Gesichtshälfte und insbesondere auf den rechten Unterkiefer gestürzt war und sich massive Prellungen und nachfolgende Blutergüsse zu gezogen hatte.

Die Missempfindungen in Regio 24 traten etwa 6 Monate nach dem Unfall auf und wurden nicht mit dem Vorfall in Verbindung gebracht.

Vermutlich entstand die Fraktur, weil die Zahnreihen beim Aufprall in maximaler Interkuspidation standen. Durch die auftretenden Scherkräfte wurde Zahn 24 nach vestibulär ausgelenkt.

Meine Therapieempfehlung an die Patientin war die folgende:

1,5 Jahre nach Auftreten der zervikalen Horizontalfraktur ist eine Schienung nicht mehr sinnvoll. Da sich im DVT keine Aufhellung apikal (bei Horizontalfraktur eher nicht zu erwarten) oder im Bereich des Frakturspaltes zeigt, die Sondierungstiefen eine Kommunikation zwischen Bruchspalt und Mundhöhle unwahrscheinlich erscheinen lassen, ist eine endodontische Intervention nicht indiziert.

Hingegen sollte die Gussrestauration am 24 (mesialer Haarriss) entfernt werden und der Zahn mit einer die Höcker fassenden laborgefertigten Restauration – vorzugsweise einer Teilkrone – versorgt werden, um Kontakte in der dynamischen Okklusion auszuschliessen.

Mit regelmässigen elektrischen Sensibilitätskontrollen und radiologischen Kontrollen sollte der Verlauf kontrolliert werden.

Die alio loco ursprünglich empfohlene implantologische Lösung des Frakturproblems kann so hoffentlich vermieden werden. Kleine Randnotitz: Der alio loco durchgeführte Sensibilitätstest mittels Kälteapplikation verlief mehrmals negativ.

 

Symposien 2018 in Kopenhagen – Save the date

Von Christoph Kaaden

Die Universität Kopenhagen richtet im Mai 2018 zwei interessante Symposien aus.Bildschirmfoto 2017-11-03 um 10.54.25.png

Insbesondere das sechste Kopenhagen Trauma Symposium erscheint mir für unsere Tätigkeit als besonders informativ.

Hier weitere Informationen zu dem Programm.

Anmelden können Sie sich hier

See you in Kopenhagen

:-)

 

P.S.: Mein Wunsch & Vorschlag wäre ferner, dass sich auch einmal eine zukünftige DGET-Tagung ausschliesslich dem Thema Traumatologie widmet.

Komplizierte Kronen-Wurzelfraktur

von Ronald Wecker

Manchmal entwickelt sich ein Behandlungsfall anders, als ursprünglich angenommen.

So ist der nachfolgende Fall trefflich beschrieben.

Im Okober 2015 erreichte mich am Sonntag Nachmittag der Anruf einer Überweiserin. Ihr 11-jähriger Sohn war  ca. 2 Stunden zuvor mit dem Skatebord gestürzt und hatte sich eine Kronen-Wurzelfraktur an Zahn 11 zugezogen. Allerdings verliefen die Frakturlinien stark vertikal, sodass nach Entfernung aller Fragmente nur die labilen zwei Drittel der distalen Ecke übrig blieben. Der Zahn war deutlich nach labial disloziert.

Die Kollegin hatte die freiliegende Pulpa mit CaOH2 abgedeckt und eine Zementfüllung etabliert. In diesem Zustand stellte sich der Junge am nächsten Tag in unserer Praxis vor.

Die Zähne 22,21 und 12 sowie die gesamte UK-Frontzähne reagierten positiv auf Kältereiz. Der Klopfschall aller nicht frakturierten Zähne war normal.

Angesichts der starken Zerstörung des 11 habe ich der Mutter empfohlen sich zunächst kieferorthopädischen Rat (Lückenschluss nach Entfernung des 11) einzuholen. Zusätzlich empfahl ich ihr, sich mit Andreas Filippi in Basel zu beraten, ob eine Prämolarentransplantation in Frage kommt ( in Berlin kenne ich keinen Kollegen, dem ich das zutrauen würde).

Die KFO war der Meinung, die Schliessung der Lücke realisieren zu können. Dann stünde allerdings noch die Umformung der Zähne  12 und 13, sowie evtl. auch des 14 im Raum, um ein akzeptables kosmetisches Ergebnis erzielen zu können.

Aufgrund des noch zu geringen Entwicklungsstandes der in Frage kommenden UK Prämolaren kam die Prämolarentransplantation Ende 2015 bzw. Anfang 2016 noch nicht in Frage, sodass die Zeit ins Land ging. Im November 2016 dann ein erneutes OPG. Der 11 sah apikal so schlecht nicht aus, die Mutter hatte sich jedoch mittlerweile gegen das Unternehmen „Prämolarentransplantation“ entschieden.

Nach klinischer Inspektion – Zahn 11 trug ein stuhlgefertigtes PV, welches mit definitivem Zement befestigt war – und nach einem erneuten Einzelbild, habe ich der Mutter vorgeschlagen, zu versuchen den Zahn soweit aufzubauen, dass eine endodontische Behandlung möglich wäre.

Das vorhandene, mit definitivem Zement befestigte, PV habe ich durch Präparation entfernt. Dabei fiel mir bereits die Zementfüllung entgegen und es entleerte sich spontan Pus aus dem Kanal.

Nachteilig war es zu diesem Zeitpunkt, dass ich die Defektränder noch nicht freigelegt hatte. Also den Kanal in relativer Trockenlegung mit NaOCl gespült und siehe da: Überraschung.

Das weite Foramen war apikal mit Knochen „gefüllt“. Und das bei normalem Klopfschall. Nach Trocknung und verwackeltem klinischem Bild dann CaOH2 und Abdeckung mit Cavit. Dann mittels Elektrotom (schön, dass wir in der Praxis noch eines haben) die Defektränder freigelegt. Durch entsprechende Anästhesie reichte die Hämostase aus, um den Defekt adhäsiv aufzubauen. Zuvor hatte ich allerdings noch die mesiale Resorptionslakune mittels Elektrotom vom Gewebe befreit.

Der Aufbau erfolgte mittels Optibond FL und Tetric Evo Flow. Im subgingivalen Bereich habe ich auf eine konvexe Kontur geachtet. Die Präparation des Kronenrandes erfolgte nach dem Prinzip der „Margin Elevation“ beinahe äquigingival mittels schallbetriebener Instrumente. Zum Abschluss der Behandlung wurde ein laborgefertigtes Schalen-PV mittels Signum und Struktur unterschichtet und anschliessend rezementiert.

Vor der endodontischen Behandlung erfolgte bei der Mutter des Jungen nach Abheilung der Gingiva eine Abformung des präparierten Zahnes und im Labor die Anfertigung eines in Form und Zahnachse optimierten Langzeit-PV’s aus Komposit.

Die zweite Sitzung war deutlich vorhersagbarer als die erste. Nach absoluter Trockenlegung (Klammer auf 14, Lochung bis 22, keine Klammer an 11), erfolgte nach erneuter Desinfektion die Obturation mittels MTA. Darüber eine Schicht Guttapercha nebst Sealer und der dentinadhäsive Verschluss des Zahnes. Abschliessend wurde das neue PV befestigt.

Kosmetisch stört noch der zu 21 etwas unterschiedliche Gingivaverlauf und die verbesserungsbedürftige Mundhygiene.

Bleibt zu hoffen, dass die Resorption arretiert werden konnte und der Zahn wenigstens das implantationsfähige Alter erreicht.

Tag des Frontzahnes

Von Bonald Decker

Bis zu 50 Prozent aller Kinder und Jugendlichen erleiden ein Frontzahntrauma. Circa 35 Prozent davon betreffen die zweite Dentition. Wie aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen zeigen ist die Zahl stark zunehmend.

Gestern haben wir unseren persönlichen „Praxisrekord aufgestellt“. Bei insgesamt sieben Patienten im Alter vom 7-63 Jahren wurden Direkt- oder Spätfolgen eines ehemals erlittenen Zahntraumas von uns versorgt.

Bei dem ersten Patienten (32 Jahre) ist aufgrund multipler Befunde eine umfangreiche Behandlung in mehreren Terminen vorgesehen. Die Röntgenbilder verdeutlichen, warum:

Alio loco angefertiges Röntgenbild der Regio 11 und 21 mit Guttaperchastiften in vestibulären Fistelgängen

Alio loco angefertiges Röntgenbild der Regio 11 und 21 mit Guttaperchastiften in vestibulären Fistelgängen

DVT Regio 21 mit erkennbarer apikaler Osteolyse

DVT Regio 21 mit erkennbarer apikaler Osteolyse

Gestern starteten wir zunächst mit der endodontischen Therapie des Zahnes 21. Dessen Prognose schätze ich bei normalem Behandlungsverlauf als gut ein.

Masterpoint-Aufnahme von Zahn 21 nach vor ca. 6 Jahren erlittener Dislokation der Zähne 11 und 21

Masterpoint-Aufnahme von Zahn 21 nach vor ca. 6 Jahren erlittener Dislokation der Zähne 11 und 21

Durch die ungünstige Lage der pulpapenetrierenden externen invasiven zervikalen Resorption erscheint der Erhalt des Zahnes 11 hingegen nicht nur anhand des DVTs als weitaus ungewisser.

Externe invasive zervikale Resorption an Zahn 11 nach Dislokation vor ca. 6 Jahren

Externe invasive zervikale Resorption an Zahn 11 nach Dislokation vor ca. 6 Jahren

Einen Erhaltungsversuch erscheint es uns trotzdem „wert“ zu sein.

Bei der nächsten Patientin schlossen wir im gestrigen zweiten Termin die Revisionsbehandlung ab. Die Erstbehandlung und Überkronung war laut Patientin ursprünglich notwendig geworden, nachdem ein Flaschenkopf gegen den Zahn zu einer komplizierten Kronenfraktur geführt hatte.Bei der Erstbehandlung war jedoch u.a. ein lingual gelegenes Kanalsystem übersehen worden.

„Einpressungen“ von Sealer in die koronalen Anteile gaben uns jedoch vorab einen sehr guten Anhalt für dessen Existenz. Nach Wurzelkanalfüllung wurde ferner einen Glasfaserstift mir adhäsiver Aufbaufüllung platziert

Prä- und post operatives Röntgenbild nach zweizeitiger Revisionsbehandlung eines Unterkieferfrontzahnes mit 2 Kanalsystemen

Prä- und post operatives Röntgenbild nach zweizeitiger Revisionsbehandlung eines Unterkieferfrontzahnes mit 2 Kanalsystemen

Die nächste (33jährige) Patientin und ihr Zahn 11 hatten schon eine „bewegtere“ Vergangenheit. Neben einer endodontischen Behandlung war der Zahn in der Vergangenheit bei wiederkehrenden Beschwerden mit Fistelbildung zweimal reseziert worden. Zuletzt vor ca. 18 Monaten. Bei der Erstvorstellung in unserer Praxis imponierte nun erneut eine vestibuläre Schwellung bei apikaler Osteolyse.

Vestibuläre Schwellung nach zweimaliger WSR und wiederkehrender Entzündungsproblematik

Vestibuläre Schwellung nach zweimaliger WSR und wiederkehrender Entzündungsproblematik

Alio loco angefertiges Röntgenbild Regio 11

Alio loco angefertiges Röntgenbild Regio 11 mit Zirkonstift

Palatinate Ansicht vor Revisionsbeginn

Palatinate Ansicht vor Revisionsbeginn

Mit etwas Mühe (u.a.Einsatz von Endoguide-Instrumenten und Ultraschallansätzen) gelang es (besser als gedacht) den Zirkonstift zu entfernen und das Kanalsystem anschliessend chemo-mechanisch zu reinigen.

Schräg resezierter Zirkonstift nach orthograder Entfernung mittels Ultraschallansätzen

Schräg resezierter Zirkonstift nach orthograder Entfernung mittels Ultraschallansätzen. Im ersten Behandlungstermin wurden 90 Minuten eingeplant. Nach 75 Minuten war der erste Termin abgeschlossen.

Gestern erfolgte nun nach erzielter Beschwerdefreiheit und abgeklungener Schwellung der Behandlungsabschluss.

Postoperatives Röntgenbild nach MTA plug und Gutspreche/Sealer-Backfill

Postoperatives Röntgenbild nach MTA plug und Guttapercha/Sealer-Backfill

Als nächstes war Max an der Reihe. Bei dem Siebenjährigen war es vor einigen Monaten traumatisch bedingt zu einer Avulsion des Zahnes 21 gekommen. Leider ist die Prognose des Zahnes aufgrund multipler Befunde als schlecht einzustufen. Nachuntersuchungen werden den weiteren Verlauf verdeutlichen müssen.

Alio loco angefertiges Röntgenbild sowie nach medikamentöser Ca(OH)2-Einlage

Alio loco angefertiges Röntgenbild (links) sowie nach medikamentöser Ca(OH)2-Einlage

Bei dem neunjährigen Felix haben wir uns aufgrund des weit offenen Apex für die Einleitung einer Revitalisierungstherapie entschieden.

Alio loco angefertigtes Röntgenbild nach ehemals erlittener extrusiver Dislokation

Alio loco angefertigtes Röntgenbild nach ehemals erlittener extrusiver Dislokation mit Pulpanekrose und nicht fortschreitendem Wurzelwachstum bei Zahn 11

In diesem Zusammenhang möchte ich einen Hinweis von Dr. Jörg Schröder weitergeben, der mich vor Kurzem auf die aktuellen Therapieempfehlungen der AAE in solchen Fälle hingewiesen hat.

Als sechster Traumapatient konnten wir im zweiten Termin die Behandlung vom Jan (11 Jahre) abschliessen. Da es u.a. durch die Pulpanekrose zu einer Verfärbung der klinischen Krone gekommen war, ist nun im Anschluss an die endodontische Therapie ein intrakoronales Bleaching vorgesehen.

Prä- und postoperatives Röntgenbild nach traumatisch bedingter Pulpanekrose an Zahn 11

Prä- und postoperatives Röntgenbild nach traumatisch bedingter Pulpanekrose an Zahn 11

Der siebte und letzte Patient hat bereits eine ähnliche Leidensgeschichte wie die dritte Patientin hinter sich. Mit dem Unterschied, dass ein Zahn bereits durch ein Implantat ersetzt wurde.

OPG vor endodontischer Revision des Zahnes 12

OPG vor endodontischer Revision des Zahnes 12

Klinisch wird schnell deutlich, warum der Patient unbedingt einen Erhalt durch Revision des Zahnes 12 nach bereits erfolgter Wurzelspitzenresektion wünscht:

Klinische Situation nach Implantation vor circa sechs Jahren Regio  11. mit deutlicher Infraposition

Klinische Situation nach Implantation vor circa sechs Jahren Regio 11 mit deutlicher Infraposition und mässiger Ästhetik

Prä- und intraoperative Situation.

Prä- und intraoperative Situation.

Die insuffiziente Wurzelkanalfüllung konnte mühelos entfernt und das Kanalsystem nachfolgend chemo-mechanisch bearbeitet werden.

Ich halte es für sehr realistisch, dass wir eine weitere Implantation durch die gewählte Therapie vermeiden können.

Über den weiteren Verlauf der heute vorgestellten Behandlungen werde ich Sie zukünftig auf dem Laufenden halten.

Ich bin allerdings froh, dass nicht jeder Tag bei uns von so vielen traumatischen Verletzungen „gepflastert“ ist…

Röntgenbefund

R1von Ostidald Wucker

Das Röntgenbild zeigt einen Unterkieferfrontzahn nach einem Fahrradsturz.

Der Zahn imponiert klinisch mit einen Lockerungsrad 2 und starken Aufbissbeschwerden. Die Sondierungstiefen sind zirkulär 3-4mm. Der Zahn wurde endodontisch notbehandelt und mit CaOH gefüllt.

Wie erklären Sie sich die Verschalung Verschattung im mittleren Wurzeldrittel?

Röntgenbefund (2)

von Ostidald Wucker

Letzte Woche haben wir diesen Fall hier vorgestellt. Es wurde ein Zahnfilm und ein DVT des Zahnes 11 erstellt.
Der auffällige pulpale Befund lässt eine traumatische Genese vermuten.
Deshalb haben wir noch einmal nachgehakt und den ehemaligen Zahnarzt eruieren können.
Der Kollege hat uns trotz Ruhestand sofort geantwortet und die Röntgenbilder der damaligen Behandlung leihweise zur Verfügung gestellt. Hier die Bilder und die Infos zur damaligen Behandlung. Auf Grund der nicht alltäglichen Therapie, ein interessanter Behandlungsverlauf und Langzeitbefund. Wir werden diesen weiter verfolgen.

( Die erwähnte Behandlung am 18.5.1994 betrifft den Zahn 11 und nicht, wie geschrieben 21. )

Eine endodontische Behandlung ist derzeit nicht indiziert.

 

 

Therapie zweier invasiver zervikaler Resorptionen

Von Norwald Wacker

Die Patientin stellte sich erstmals im März 2012 in der Praxis vor. Die Ästhetik der Frontzahnfüllung an Zahn 21 stellte Sie nicht zufrieden und der beginnende Schmelzeinbruch an Zahn 11 veranlasste die behandelnde Kollegin die Patientin zu überweisen. Die klinische Untersuchung zeigte keinerlei Lockerungen an den betroffenen Zähnen und parodontaleinwandfreie Befunde. Lediglich labial an 11 und 21 waren moderate Knochenrückgänge messbar.Zahn 21 reagierte auf den Kältetest negativ und Zahn 11 nur noch minimal und sehr verzögert positiv. Das angefertigte Ausgangsröntgenbild zeigte einen endodontischversorgten Zahn 21 und eine große Resorptionslakune an Zahn 11.

Zahn 11 mir deutlich sichtbarer Resorption

Zahn 11 mir deutlich sichtbarer Resorption

klinischer Ausgangsbefund

klinischer Ausgangsbefund

 

 

 

 

 

 

 

Im weiteren Gespräch erklärte die Patientin, dass Sie vor Jahren bei einem Sturz auf die Frontzähne geschlagen ist. Es erfolgte damals keine weitere Behandlung. Die, vor dem Besuch bei uns, erfolgte Vorstellung in einer chirurgischen Praxis endete mit der Diagnose: nicht erhaltungswürdige Zähne 11 und 21. Therapie: Extraktion und Implantation.
Diese Variante war der Patientin zu radikal. Die Patientin wurde von mir darüber aufgeklärt, das bei einem so massiven Befund ein Zahnerhalt über endodontische Behandlungen und Resorptionsdeckungen mindestens fraglich ist. Die Patientin wollte trotz der offensichtlich schlechten Prognose eine Zahnerhaltende Behandlung. In einer ersten Sitzung wurde eine vestibuläre Aufklappung durchgeführt und die Kompositefüllung an Zahn 21 entfernt. Des weiteren habe ich so gut wie möglich alle resorptiv veränderten Gewebeanteile entfernt und beide Defekte unter relativer Trockenlegung mit Komposite gedeckt. Das Anlegen von Kofferdam war vollkommen unmöglich, wie man den Fotos entnehmen kann.

Zustand nach Entfernung der Kompositefüllung

Zustand nach Entfernung der Kompositefüllung

Mit Komposit gedeckte Resorptionsbereiche

Mit Komposit gedeckte Resorptionsbereiche

 

 

 

 

 

 

In einer zweiten Sitzung zwei Wochen später wurde der Zahn 11 endodontisch therapiert und der Zahn 21 ebenfalls revidiert.

Masterpointaufnahme

Masterpointaufnahme

WF Kontrolle

WF Kontrolle

 

 

 

 

 

 

 

 

Die jetzt erfolgte 34 Monatskontrolle lässt uns optimistisch in die Zukunft blicken und zeigt, dass auch scheinbar hoffnungslose Situationen mit etwas Glück gelöst werden können.

34 Monatskontrolle 2015

34 Monatskontrolle 2015

 

11,21 12 Monatsrecall

11,21 12 Monatsrecall

11,21 34 Monatsrecall

11,21 34 Monatsrecall

Späte Apexogenese

von Ronald Wecker

Vor fast 4 Jahren erlitt der damals 8-jährige Patient bei einem Fahrradsturz eine laterale Dislokation des Zahnes 11. Die Erstversorgung erfolgte im nicht-europäischen Ausland und bestand neben einer medikamentösen Einlage in einem Offenlassen des Zahnes nach Trepanation.

R1

Aufgrund der langen Kontaminationsdauer hatte ich von der ursprünglich geplanten Revitalisierungstherapie Abstand genommen und mich für einen Verschluss mit MTA entschieden. Noch während des Platzieren des ersten MTA-Plugs bemerkte ich ein „Hineinrutschen“ des MTA. Das Kontrollbild gab keinen Anlass zur Freude, zeigte es doch eine deutliche Extrusion in den Periapikalbereich. Die Anästhesie liess nach, der junge Patient und der Behandler wurden etwas unruhig und so wurde die Wurzelfüllung fertiggestellt.

Bereits die ersten Röntgen-Recalls zeigten eine Resolution der apikalen Entzündung. Allerdings „sonderte“ sich das extrudierte Material räumlich etwas von der intrakanalären Wurzelfüllmasse ab. Klinisch war der Zahn vollkommen beschwerdefrei.

Gestern nun das in jeder Hinsicht unerwartete Recall nach 3,5 Jahren. Einen Tag zuvor beim Skateboardfahren gestürzt stellte sich der Patient mit einem Zahn 21 vor, der neben einer kleinen Schmelzfraktur auch einen Zustand nach Konkussion aufwies. Der Klopfschall und die Beweglichkeit war physiologisch. Der Pa-Spalt ist lateral dezent erweitert. Die Sensibilitätsprobe an 21 fiel positiv aus.

Das angefertigte Röntgenbild zeigt aber an Zahn 11 Erstaunliches:

Das Wurzelwachstum war trotz des periapikal gelegenen MTA weiter vorangeschritten. Eine Wurzelspitze mit normalem Parodontalspalt ist vorhanden. Offensichtlich steckt im Periapikalbereich mehr regeneratives Potential als bisher angenommen. Denn dem derzeit gültigen Behandlungsprotokoll für eine Revitalisierung hat der durchgeführte Therapieansatz nur teilweise entsprochen.

Horizontalfraktur x 2

von Ronald Wecker

8 Wochen nach den bei einem Sturz  an den Zähnen 21 und 11 erlittenen horizontalen Wurzelfrakturen stellte sich dieser 70-jährige Patientin in unserer Praxis vor.

R1

Die Erstversorgung mittels palatinal befestigter Metallnetzschienung erfolgte in der MKG-Abteilung eines Universitätsklinikums. Laut kurz gefasstem Arztbericht  war auch der Zahn 12 betroffen gewesen. Dieser erlitt eine nach palatinal gerichtete Dislokation.

Nachdem sich die ursprünglich von 12-22 ausgedehnte Schienung immer wieder an 22 löste (offensichtlich war die Glasur der keramischen Krone nicht entfernt worden) wurde die Ausdehnung der Schienung auf die Zähne 12-21 beschränkt.

Klinisch zeigen sich die Zähne 21 und 11 gering perkussionsempfindlich. Palpatorische Druckdolenz fehlt. Die Sondierungstiefen überschreiten 2 mm nicht. Die Beweglichkeit ist erstaunlich gering, obwohl das Metallnetz alles andere als rigide ist.

Der Zahn 12 und 22, sowie die Zähne 13, 23, 42-32 regieren reproduzierbar positiv auf elektrischen Reiz. Die Zähne 21 und 11 reagieren negativ. Der Klopfschall aller Oberkieferfrontzähne ist normal. Es gibt weder Schwellungen noch Fistelungen im Bereich der betroffenen Zähne.

Besonders auffällig ist die deutliche Okklusionsstörung, die insbesondere durch die Überextendierung der Kompositbefestigung der Schienung in regio 12 verursacht worden ist. Die Seitenzähne haben weder links noch rechts Okklusionskontakte. Nach Reduktion der Kompositmassen palatinal an Zahn 12 näherten sich die Seitenzähne zwar, es bestand aber weiterhin Non-Okklusion. Auf der Rückfläche des nach palatinal stehenden 12 zeigte sich weiterhin ein deutlicher Frühkontakt, der auf eine nicht ideale Reponierung während der Erstversorgung schließen lässt.

Die radiologische Diagnostik zeigt im 2D-Bild die für eine schräg verlaufende Horizontalfraktur typische doppelte Frakturlinie. Während der Parodontalspalt an den Zähnen 21 und 11 unverändert erscheint, kann man an 12 apikal eine gewisse Verbreiterung vermuten. Das DVT zeigt den tatsächlichen Verlauf der Fraktur: An 11 im Sagittalschnitt wellenförmig mit verbreitertem Frakturspalt. An 21 schräg verlaufend. Auch im DVT sind die Periapikalregionen unauffällig.

Klinisch konnte nach Rekonturierung der überstehenden Zahnhalsfüllungen bestätigt werden, dass der Bruchspalt labil exakt am Füllungsrand verläuft und somit von einem Kontakt des Bruchspalts und der Mundhöhle auszugehen ist.

Aufgrund der Lage der Fraktur erscheint ein langfristiger Erhalt der Zähne 11 und 21 als unwahrscheinlich. Die endodontische Behandlung des apikalen Wurzelanteils müsste durchgeführt werden um eine Stiftverankerung des koronalen Fragmentes nach Herauslösung desselben aus der koronalen Gingiva zu ermöglichen. Das nachfolgende adhäsive Befestigen des koronalen Fragmentes wäre nur unter relativer Trockenlegung und mit vager mechanischer Prognose durchzuführen. Dieser experimentelle Ansatz weist zudem eine deutlich schlechtere Prognose auf, als eine implantologische Versorgung, wenngleich bei letztgenannter mit gewissen Einbussen in der roten Ästhetik zu rechnen ist.

Um dem Patienten eine normale Okkasion zu ermöglichen wurde als Zwischenversorgung zunächst ein labil befestigter TTS-Splint angebracht. Nachfolgend wurde die palatinale Netz-Schienung nebst Komposit-Resten entfernt und die Seitenzahnkontakte durch schrittweises Einschleifen im Ober- und Unterkieferfrontzahnbereich wieder hergestellt.

Das Ausmass der Einschleifmassnahmen überraschte am Ende ziemlich und lässt sich nur mit einer innerhalb der 8 Wochen stattgefunden Elongation von Zähnen erklären.

Die Zeit bis zum Entfernen der Schienung, in diesem Fall einer Horizontalfraktur im oberen Wurzeldrittel 4 Monate, soll nun zur Klärung der implantologischen und aber auch prothetischen Versorgungsmöglichkeiten genutzt werden.

Revival

von Ronald Wecker

Dieser obere seitliche Schneidezahn hat vor etwas mehr als 8 Monaten während eines „Trampolinaufenthaltes“ des damals 8-jährigen Besitzers eine laterale Dislokation erfahren.

R2

Nach Betrachtung des am Unfalltages angefertigten Röntgenbildes und aufgrund fehlender Kaltsensibilität war alio loco  eine endodontische Behandlung angeraten worden. Es war der Verdacht geäussert worden, dass der Zahn eine Horizontalfraktur erlitten habe.

7 Tage nach dem Unfall stellte sich der junge Patient bei uns vor. Klinisch zeigte sich der 12 leicht mobil, die Sondierungstiefen lagen bei maximal 3 mm, der Klopfschall war normal. Der Zahn war leicht achsial perkussionsempfindlich, eine palpatorische Druckdolenz fehlte. Die Sensibilität auf Kälte und elektrischen Reiz war negativ.

Eine Wurzelquerfraktur konnte nicht bestätigt werden.

Aufgrund fehlender Hinweise auf eine Pulpanekrose und vor dem Hintergrund der Tatsache, dass es nach traumatischen Zahnschädigungen zu transienten Sensisbilitätsverlusten kommen kann, wurde entschieden, den Zahn regelmässig zu kontrollieren und erst dann endodontisch zu intervenieren, wenn es klare Hinweise auf eine Pulpanekrose gibt.

2  Monate nach dem Trauma gab es weder klinische noch radiologische Hinweise auf eine  Pulpanekrose. Zahn 12 reagierte erstmals positiv auf den elektrischen Reiz.

In dieser Woche stellte sich der Patient erneut zur geplanten Kontrolle vor. Zahn 12 reagiert positiv und nicht zeitverzögert auf Kälte und elektrischen Reiz. Das Röntgenbild zeigt ein vorangeschrittenes Wurzelwachstum.

Die Mutter war ob des guten Ausgangs der Geschichte erleichtert und der Behandler sehr zufrieden, durch Nichtstun an der richtigen Stelle das Ergebnis positiv gestaltet zu haben.

Erstaunlich lange

von Bodald Necker

Der 71-jährige Patient kam in die Praxis, da der 21 wackelt.
Die klinische Untersuchung ergab Lockerungsgrad 2, Perkussion negativ, Vitalität positiv.
Ein Röntgenbild wurde angefertigt.
Eindeutig: Querfraktur.

aktuell

aktuell

Erstaunlich nur, dass der Zahn auf Kälte positiv reagiert.
Machte jetzt aber von der Therapie keinen Unterschied, der Zahn steht an zur Extraktion.
Und nicht nur dieser, auch am 11 ist ein Frakturspalt zu erkennen.

Da aber der 22 eine Wurzelkanalbehandlung, wollte ich nachsehen, wie alt diese ist. Sie weist apikal ein kleines Sealerpuff  und eine  Aufhellung ist nicht direkt zu sehen, der PA-Spalt ist ein wenig vergrößert.
Die Endo wurde 2004, also vor 10 Jahren gemacht.
Keine Beschwerden bisher, also kein direkter Handlungsbedarf.

Erschrocken hat mich allerdings, dass am 21 die Querfraktur – wenn auch der Spalt nicht sofort zu erkennen war – auch 2004 schon bestand.

 

2014-10-02-X5773
Die Kontrolle noch älterer Bilder ergab, dass die Frakturen auch 2002 schon bestanden.
Mit dem Wissen aus dem aktuellen Röntgenbild sind, sind eindeutig Frakturlinien zu erkennen.
Das Trauma, aus dem die Querfrakturen bei 11 und 21 stammen, muss also noch älter sein.
Leider sind bei uns keine älteren Röntgenbilder vorhanden. Sei es, dass sie bereits vernichtet wurden sind, sei es, dass – und das kommt mir wahrscheinlicher vor – keine angefertigt werden konnten, da der Patient nicht beim Zahnarzt (bei uns oder woanders) vorstellig wurde.

Möglicherweise hat der damalige Zahnarzt auch auf „aggressives Abwarten“ gesetzt.

Für ein „unbehandeltes“ Trauma hatte der Patient erstaunlich lange keine Probleme.

Recall nach Frontzahntrauma

von Ronald Wecker

Vor fast einem Jahr wurde die Initialbehandlung des nachfolgenden Behandlungsfalles hier beschrieben.

Neben der endodontischen Behandlung des avulsierten 11 musste auch Zahn 12 drei Wochen nach dem Trauma aufgrund einer Pulpanekrose endodontisch versorgt werden.

11 Monate nach dem Trauma stellt sich die Situation wie folgt dar:

Die Zähne 22, 21 und13, sowie alle Unterkieferfrontzähne reagieren positiv, nicht reizüberdauernd und rasch auf einen Kältereiz. Klinisch weist 11 bereits seit 4 Wochen nach dem Trauma einen ankylotischen, metallischen Klopfschall auf.

Die periapikale Situation an den Zähnen 11 und 12 erscheint im DVT unauffällig, wohingegen das 2D-Bild Raum für Spekulationen lässt (apikale Resorption an 12 ?, fortschreitende knöcherne Ersatzresorption an Zahn 11?).

Ob die Ersatzresorption transienten Charakter hat werden die nachfolgenden Kontrollen ergeben.

Mal wieder Glück gehabt

von Bodald Necker

Freitag Abend:

der 12-jährige Patient legt sich auf die Nase, Frontzahntrauma, die Oma fährt mit dem Jungen in die nächste Kieferchirugie.
Diagnose: unkomplizierte Kronenfraktur (Schmelz-Dentin-Fraktur) an 21.
Therapie: er soll sich bei seinem Hauszahnarzt vorstellen.

Montag Nachmittag:

Der Patient stellt er sich bei uns vor.
Nach Sichtung der mitgebrachten Röntgenaufnahmen der Klinik und klinischer Untersuchung kamen wir zur gleichen Diagnose.
Keine Schmerzen, keine Lockerung mehr, Sensibilität auf Kältespray war vorhanden.
Durch die feste Spange wurde das Fragment mit Bracket in situ gehalten, was heisst, er hatte es dabei und es war nicht ausgetrocknet.
Also Lokalanästhesie, Bogen entfernt und Zähne (inklusive Fragment) gesäubert, denn darauf hatte der Patient über’s Wochenende verzichtet, anschliessend wurde Kofferdam gelegt und die Passform des Fragmentes überprüft.
Da alles gepasst hat, lediglich am Rand fehlten ein paar Schmelzprismen, wurde es mittels SÄT wieder angeklebt. In diesem Fall mit Syntac Classic und Gradia-Flow.

Der Pat. wurde aufgeklärt über Verhaltensregeln und mögliche Schmerzen und der Möglichkeit des Absterbens des Zahnes. WV in 4 Wochen zur Sensibilitätsprüfung.
Anschliessend Überweisung zur KFO zur Eingliederung des Bogens.

Da wir den Jungen schon länger kennen, müssen wir sagen, dass die feste Spange definitiv ein Glück war, denn ohne, hätte er das Fragment sicher nicht mitgebracht.
Wenn der Zahn überlebt – da bin ich zuversichtlich – wird das angeklebte Fragment – auch da bin ich zuversichtlich – lange Jahre halten.

 

 

 

Neue Wege gehen

von Hans – Willi Herrmann

Ich bin mir bewusst, dass dieser Beitrag gegebenenfalls kontrovers diskutiert werden wird. So wie es immer ist, wenn man etwas neu und anders macht als bisher.
Ich möchte niemanden bekehren, viele Wege führen nach Rom, lediglich auf neue und – wie ich finde – interessante Möglichkeiten hinweisen, wie sie bislang in dieser Form nicht zur Verfügung standen.

Nachfolgend  zwei Fälle der letzten Woche: KU13R-1Während man beim ersten Fall (einem devitalen Zahn 13 bei einer 74 jährigen Patientin) sicher darüber streiten kann, ob die gezeigte Vorgehensweise zwingend notwendig wäre (sie ist es nicht, zeigt aber dennoch die Möglichkeiten einer minimalinvasiven Vorgehensweise bei der Trepanation), so liegt im zweiten Fall HH11R-1bei einem 13 jährigen Mädchen eine starke Obliteration des Wurzelkanals vor als Folge eines Traumas in jungen Jahren. Erst bei 13 mm lässt sich mit dem Dentalmikroskop ein erster Hinweis auf den ehemals vorhandenen Wurzelkanal erkennen, ein Befund, den ich auf Grund des geringen Alters und der großen Ausdehnung der apikalen Pulpa nicht erwartet hätte. Ohne die angewandte Vorgehensweise hätte ich Blut und Wasser geschwitzt.  Auch wenn ich bislang schon eine ganze Reihe ähnlich schwierige Zähne (mit tiefen Obliterationen bei selbst unter Dentalmikroskopkontrolle nicht  sichtbarem ursprünglichen Kanalverlauf) behandelt habe, stellen doch solche Ausnahmesituationen jedes Mal wieder eine  Herausforderung dar, über der das Damoklesschwert der Perforation und des Zahnverlustes schwebt.

Umso mehr freut es mich, dass wir in diesem Fall vorhersagbar und mit sehr geringem Substanzverlust die Trepanation des Zahnes durchführen konnten.

Trauma-„Zweitversorgung“ (2)

von Ronald Wecker

Vier Wochen nach Avulsion von Zahn 11 und unkomplizierter Kronenfraktur an den Zähnen 21 und 12 zeigen sich folgende Befunde. Den gesamten Behandlungsverlauf kann der geneigte Leser hier nachlesen.

Die Zähne 22 und 21 sind reproduzierbar kaltsensibel. 31 und 41 reagieren nicht auf Kältereiz, sind jedoch sensibel auf elektrischen Reiz. Dabei gibt es keinen Unterschied in der elektrischen Reizintensität zwischen den normal kaltsensiblen Zähnen 42 und 32 und den Zähnen 31 und 41.

Zahn 12 und Zahn 11 wurden inzwischen endodontisch behandelt. Zahn 11 zeigt einen metallischen / ankylotischen Klopfschall. Radiologisch gibt es keinen Hinweis auf eine entzündlich bedingte externe Resorption der Wurzel, die aufgrund der ermittelten trockenen Lagerung nach Avulsion von ca. einer Stunde nicht ungewöhnlich wäre. Die folgenden Nachkontrollen werden zeigen, ob ein Zahnerhalt möglich sein wird.

Die semirigide Schienung wird in einer Woche entfernt werden. Bei der Kofferdam-Applikation wurde ein Splitdam verwendet. Nach herkömmlicher Lochung wurde mittels Schere ein Langloch erstellt.  Die sekundäre Abdichtung erfolgte mittels Opaldam. Zahn 21 wurde mit einer Brinker-Klammer belegt.

Bierflasche 1

von Bodald Necker

Der junge Mann kam zur Routineuntersuchung in die Praxis.
„Ach ja, vor ein paar Tagen hab ich beim Trinken aus der Bierflasche einen Schlag bekommen. Aber, jetzt tut es nicht mehr weh.“
Er gab den 11 an als den betroffenen Zahn.
Lockerung war mehr 0 als 1. Perkussion negativ. Sensibilität auf Kälte positiv.
Sonst keine Auffälligkeiten. Anamnestisch war nichts mehr in Erfahrung zu bringen, ob Blutung, Dislokation, oder größere Lockerung. Auf Nachfragen ernteten wir nur ein „Keine Ahnung“.
Ein Röntgenbild wurde angefertigt.
Der PA-Spalt war vergrößert. Eine Querfraktur im apikalen Drittel konnte nicht ausgeschlossen werden

3-4 Tage posttraumatisch

3-4 Tage posttraumatisch

Da keine Beschwerden mehr bestanden, die Lockerung sich sehr in Grenzen hielt, wurde der Pat. über noch mögliche Komplikationen und engmaschige Kontrollen aufgeklärt und mit Termin zur WV in einer Woche zur VitPr entlassen.

Doch genauso ernst, wie er das Trauma und seine möglich Folgen nahm, so ernst nahm er auch seinen nächste Termin. Er kam nicht.

Es ging ein mehr als ein halbes Jahr ins Land, bis er sich wieder blicken liess. Nicht wegen des 11, sondern wegen eines anderen Problems.
„Ach ja, und der da vorne vom letzten Mal ist dunkel geworden. Kann man den überziehen?“

2013-08-09-AuJa. Das hätten wir verhindern können.
Kältetest, wie erwartet, negativ, sonst klinisch keine Auffälligkeiten. Perkussion negativ, keine Schmerzen. Lockerung 0.
Eine kleine apikale Aufhellung ist zu erahnen, evtl. auch ein Resorptionsprozess oder die Dislokation eines apikalen Fragmentes.
Vielleicht bringt ein DVT mehr Klarheit.

ca. 8 Monate posttraumatisch

ca. 8 Monate posttraumatisch

Mit der geplanten engmaschigen Kontrolle hätten wir die Endo, die jetzt nächste Woche ansteht, nicht verhindern können, aber zumindest die Verfärbung.
Naja, er ist nicht der einzige Patient, den seine Zähne nur dann interessieren, wenn etwas nicht gut aussieht oder wenn etwas weh tut.

Trauma-„Zweitversorgung“

von Ronald Wecker

Fünf Tage nach einem umfangreichen Frontzahntrauma stellte sich dieser Patient mit einer suboptimalen Erstversorgung bei uns vor.

Die Zähne 12,11 und 21 wiesen unkomplizierte Kronenfrakturen auf. Zahn 11 war nach Avulsion und  50-minütiger Trockenlagerung zunächst in einem Dento-Safe gelagert worden und nach Inspektion von Alveole undWeichgeweben reponiert worden. Die Dentinwunden der Zähne 12-21 blieben unversorgt. Zahn 11 wurde in eine glasfaserverstärkte rigide Kompositschienung  einbezogen. Eine systemische Antibiose wurde auf 2 Einzelgaben beschränkt. Instruktionen zu Mundhygiene waren nicht gegeben worden. Es war empfohlen worden die endodontische Therapie von Zahn 11 in frühestens 3 Wochen durchzuführen.

Die Zähne 41 und 42 reagierten verzögert/negativ auf Kältereiz. Die elektrische Sensisbilität war jedoch vorhanden. Die Zähne 23-21 und 12-13 reagierten positiv auf Kältereiz. Die elektrische Sensibilitätsprüfung war verzögert bei Zahn 21 und Zahn 12. Der Klopfschall, getestet nach Entfernung der parodontalhygienisch insuffizienten Schienung, war normal und nicht ankylotisch. Die Zähne 21,11 und 12 zeigten Lockerungsgrad 1.

Die angefertigten Einzelbilder gaben keine Hinweise auf eine Horizontalfraktur der Wurzeln der beteiligten Zähne. Das angefertigte DVT liess an Zahn 11 einen Verlust der labialen knöchernen Lamelle und eine nicht ganz optimale Reposition erkennen. Da es beim „Durchscrollen“ durch die Sagittalschnitte Hinweise auf kleine Frakturen der labialen Alveolenwand der Zähne 21 und 12 gab, wird die semirigide Schiene für 4 Wochen belassen werden.

Der hier schon oft erwähnte Dental-Trauma-Guide wäre eine gute Hilfe für eine zeitgemäße Erstversorgung gewesen.

Nach lokaler Anästhesie wurde zunächst die vorhandene Kompositschienung entfernt. Nach Reinigung der Zahnoberflächen wurde anschliessend das mitgebrachte Zahnfragment an Zahn 12  adhäsiv wiederbefestigt. Es folgte die Versorgung der Dentinwunden an den Zähnen 11 und 21 mittels Komposit. Nach Applikation eines Titan-Trauma-Splints von 13 nach 22 wurde an Zahn 11 die notwendige endodontische Therapie eingeleitet und  der Zahn nach Applikation von CaOH2 adhäsiv verschlossen.

Die etwas gingivanahe Lage der Schienung an den Zähnen 12 und 11 ist dem Verlauf der Frakturlinie geschuldet.

Die erste Kontrolle erfolgte 14 Tage nach Trauma. Zahn 12 war nicht mehr sensibel auf elektrischen Reiz, zeigte eine apikale palpatorische Druckdolenz und eine apikale Aufhellung im angefertigten Röntgenbild. Eine endodontische Therapie wird zeitnah eingeleitet.

Die Prognose für Zahn 11 ist aufgrund der langen trockenen Lagerung stark eingeschränkt. Es wird engmaschig kontrolliert, ob es zu Wurzelresorptionen kommt.

Die Zähne 31-42 und 21 reagierten wieder reproduzierbar positiv auf Kälte- und elektrischen Reiz.

Die größte Herausforderung war rückblickend das für die erforderliche Diagnostik und Therapie notwendige Zeitfenster kurzfristig zu realisieren.

Wie würden Sie entscheiden?

von Ostidlald Wucker

Dreidimensionale Röntgenaufnahmen sind für die verschiedensten Indikationen im Bereich der Zahnerhaltung wichtig.
Sie können uns Aufschlüsse zur geplanten Behandlung geben.
In diesem Fall wurde für den Zahn 21 ein DVT angefertigt. Die Fragestellung lautet: Ist ein Zahnerhalt möglich und sinnvoll?
Z.n. Trauma (Fussball kontra 21) vor mehr als 5 Jahren. Der Patient wurde über einen längeren Zeitraum an diesem Zahn endodontisch behandelt. Die nicht nachlassenden Beschwerden führten zu einer Vorstellung in unserer Praxis.
Perkussionsschmerz horizontal und lateral, erhöhte Sondierungstiefen circulär zwischen 9-6mm, Lockerungsgrad I.
Wie würden Sie entscheiden?
Diagnose: invasive cervikale Resorption 21und
( Schreiben Sie in den Kommentaren Ihre Entscheidung. )
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R1 R2

Wo ist der Kanal?

von Bodald Necker

Freitag, 10.30 Uhr.
Anruf vom Kollegen. Er hat einen 21 zur Wurzelkanalbehandlung, findet aber den Kanal nicht. Ob wir den Zahn noch anschauen könnten, die Patientin hat Schmerzen.

Können wir. Selbstverständlich auch noch vor dem Wochenende.

Hat mich gewundert, da dies ein Kollege ist, der sehr gut und sorgfältig arbeitet. Und der Kanal am oberen 1er ist in der Regel zu finden.

Nach 45 min war die Patientin (23 J) da. Aktuelles Röntgenbild vor der Trepanation war anbei. Dass der Kollege den Kanal nicht fand, hat mich nicht gewundert.

Der Kanal war auf dem Bild nur im unteren Kanaldrittel erahnbar. Da der Kollege schon am Zahn gearbeitet hatte, wurde ein aktuelles Bild angefertigt (allein schon aus forensischen Gründen, denn sollte ein Instrument im Zahn abgebrochen sein, weiss sonst niemand von wem es war).

Der Kollege hatte eindeutig die Schmelz-Dentin-Grenze passiert, die mesio-distale Ausrichtung war gut.

Wie sieht es nun im Original aus?

Zahn 21, Lockerung 0, keine auffälligen Sondierungstiefen.
Z.n. Trauma vor ca. 1/2 Jahr. Patientin wusste nicht mehr, ob der Zahn damals locker war, oder weh getan hat, sie sei nur „drangestossen“, unternommen hätte sie nichts. Der Zahn wurde nur dunkler, und jetzt tat er weh. Auf die Frage, ob die beiden Frontzähne ursprünglich gleich lange gewesen waren, kam nur ein verwundertes „keine Ahnung“, also bleibt die Intrusion als Ursache nur eine Vermutung.

Also Cavit entfernt und gesucht. Die Richtung der Trepanationöffnung schien nicht so schlecht, jedoch konnte ich auch unter Vergrößerung kein Orifizium entdecken. Mit dem überlangen Rosenbohrer wurde zunächst die Kavität geglättet um feine Strukturen besser erkennen zu können.

Nichts zu erkennen, also lag es nahe, dass die Trepöffnung zu weit nach palatinal inkliniert war. Die ursprünglich sehr kleine Öffnung wurde vergrößert, um auch am Bohrer vorbei schauen zu können.  Beim Dentinabtrag palatinal kam eine dunklere Struktur zum Vorschein.

Mit der 006er K-File wurde ein Eingang (oder Ausgang?) ertastet, die gleich angeschlossene elektrische Längenmessung brachte Gewissheit, es war kein Perforation. Es sollte dann doch der Kanal sein. Bestätigung auf dem Röntgenbild.

Sobald die Feile tiefer im Kanal war, wurde ein Schmerz ausgelöst. Nach einer weiteren Injektion (die erste war noch vom Kollegen verabreicht worden), wurde der Kanal katheterisiert. Die 006 Hand-Feile ging nicht auf Länge. Dies wurde dann ohne Probleme maschinell bewerkstelligt mit einer Maillefer Pathfile 13/02 im Schlumbohm Endopilot unter simultaner ELM und EDTA-Spülung. Weitere Öffnung des sehr engen Kanals mit ProFile 15/04, 20/04 und  FlexMaster 15/06, anschliessend Mtwo 26/06 in Pendelbewegung – auch hier unter simultaner Längenmessung.

Anschliessende Rö-Kontrolle.

Provisorische Versorgung erfolgte mit Ledermix und Cavit. Die Patientin wurde noch über mögliche Schmerzen und Komplikationen aufgeklärt und ins – hoffentlich schmerzfreie – Wochenende entlassen.

Normalerweise stellt die Trepanation eines oberen 1ers kein Problem dar, besonders bei einem jungen Patienten, da des Pulpacavum noch sehr groß ist.

Wenn aber, wie hier, fast das gesamte Cavum obliteriert ist, kann eine minimale Abweichung von der optimalen Trepanationsrichtung zum Misserfolg führen.
Denn wenn hier auf der weiteren Suche in der falschen Richtung der Zahn buccal perforiert wird, sind die Folgen bei einer 23-jährigen Frau mit kurzer Oberlippe und Hang zum gummy-smile weithin ein Leben lang sichtbar.

Und wieder ein Recall…

von Ostidald Wucker

Diesen komplexen Fall hatten wir in Wurzelsttze vor einigen Monaten vorgestellt.

Die Patientin ist inzwischen vollkommen beschwerdefrei. Es bestand, bzw. besteht neben der Schmerzbehandlung und Zahnerhaltung auch eine ästhetische Problematik. Zuvor erfolgten, wie hier beschrieben, die endodontische und parodontologische Behandlungen.

Der mesiolabiale knöcherne Defekt wurde noch nicht sondiert. Der papilläre Verlust  zwischen 11, 21 war auf Grund des ausgeprägten Knochendefektes nicht unerwartet. Die rötlichen Verfärbungen wurden mit dem kleinsten Muncebohrer exkaviert.

Anbei nochmal die Bilder des Falles.

Zwei unterschiedliche Aussagen – erster Recall

von Bodald Necker

Vielleicht erinnern Sie sich noch, an diesen Fall.
An 11 und 21 jeweils eine komplizierte Schneidekantenfraktur, passiert am Abend, erst am nächsten Nachmittag in der Praxis erschienen.

Versorgung der eröffneten Pulpen mit MTA, Fragmente wieder angeklebt.
Letzte Woche war der Patient wieder zur „01“ da.

Keinerlei Schmerzen, keine Verfärbungen, beide Zähne vital, Klebestelle fast unsichtbar.
Besser hätte es bis jetzt nicht laufen können. Hoffentlich bleibt es so.

Held der Zahnbürste ist der junge Mann jedoch immer noch nicht :-(

Wie ist es seinerzeit passiert?

Laut Auskunft des Patienten ist er auf den Boden gestürzt. Auf die Frage, welcher Boden es gewesen sei, antwortete er: „Es wird wohl ein Holzboden gewesen sein.“

Alles etwas schwammig. An den Boden, auf den er gefallen war, konnte er sich nicht mehr erinnern, Kinn und Nase waren auch komplett frei von Blessuren. Spricht alles gegen einen Sturz.

Die Mutter fragte jetzt bei der Kontrollte, wie lange die Aufbauten halten würden. Hier eine richtige Antwort zu geben ist etwas schwierig:
„Sie können jahrelang halten, aber sie können auch ganz schnell abbrechen, wenn man zum Beispiel aus der Flasche trinkt und man bekommt einen Schlag auf die Flasche.“
Bei dieser Aussage mussten Mutter und auch Sohn grinsen und drehten den Kopf leicht weg. Somit war es klar, wie es passiert ist.

Meiner Mutmassung nach, war es eine Bierflasche, weil es keinen Grund gäbe, bei einem 15 -Jährigen den Hergang mit einer Wasserflasche zu verschweigen.

Reunited

von Ronald Wecker

2 Monate nach einem Freizeitunfall stellte sich der 8 jährige Patient mit einer akuten symptomatischen apikalen Parodontitis an Zahn 21 in unserer Praxis vor.

Die Erstversorgung erfolgte damals in einer Universitätszahnklinik. Zahn 21 zeigte eine komplizierte, Zahn 11 eine unkomplizierte Kronenfraktur. Nach radiologischem Ausschluss einer Querfraktur wurden die Dentinwunden an beiden Zähnen mittel Glasionomerzement versorgt. Die freiliegende Pulpa wurde mit CaOH2 abgedeckt.

Klinisch zeigte sich eine deutliche Schwellung des Vestibulums an Zahn 21. Der Zahn war stark berührungsempfindlich. Die mit Kälte und elektrischem Reiz durchgeführte Sensibilitätsprüfung fiel an 21 negativ aus. Die Zähne 32-42 sowie Zahn 11 reagierten reproduzierbar positiv.

Das angefertigte Röntgenbild lässt ein nicht abgeschlossenes Wurzelwachstum an 11 und 21 sowie eine infektionsbedingte externe Resorption distal an Zahn 21 erkennen.

Nach Erläutern der zur Verfügung stehenden Behandlungsoptionen stimmten die Eltern dem Vorschlag einer regenerativen Behandlung von 21 zu.

In Lokalanästhesie wurde der Zahn eröffnet; das gesamte Pulpakavum war mit zähem putriden Sekret gefüllt. Nach ausreichender Irrigation wurde eine „Double-Mix“-Einlage bestehend aus Ciprofloxacin und Metrondiazol eingebracht und der Zahn adhäsiv verschlossen.

Bei der Wiedervorstellung eine Woche später war Zahn 21 völlig symptomfrei. In der etwas gelösteren Atmosphäre des zweiten Termins kam die Sprache noch einmal auf den Unfallhergang. Beiläufig fragte ich, ob denn damals irgendwelche Zahnfragmente aufgefunden worden waren.

„Ja, und die haben wir zu Hause in einer Dose mit steriler Kochsalzlöung nass gelagert.“

So kam es, dass eine weitere Woche später, nachdem in Lokalanästhesie unter optischer Vergrößerung vorsichtig die vorhandene GIZ-Füllung von Zahn 11 entfernt werden konnte, das Bruchstück und der Zahn wieder adhäsiv vereint werden konnten.

In der Zukunft werde ich auch bei länger zurückliegenden Fraktur-Verletzungen der Zahnhartsubstanz nach dem Verbleib der Fragmente fragen.

Über den Verlauf der Regenerationsbehandlung von 21 und das Behandlungsergebnis wird an dieser Stelle berichtet werden.

DVT oder kein DVT?

von Christian Danzl

Hier auf Wurzelspitze erscheinen regelmässig Artikel, die die Vorteile eines Dentalen Volumentomographen im Bereich der Endodontie aufzeigen.
Wir alle hier sind von den Möglichkeiten, die so ein Gerät für die Diagnosenstellung bringt, begeistert. Es lassen sich Behandlungen, bei denen 2D-Röntgenbilder zu wenig Informationen bieten, einfach besser planen – oder eben auch vermeiden.
Neben den Vorteilen gibt es aber auch Nachteile, von denen die Strahlenbelastung mittlerweile eher zu den geringeren Übeln zählt. Ich sehe als den größten Nachteil momentan noch den Anschaffungspreis für ein gutes Gerät – aber auch das wird besser.

Einige Leser jedoch sind der Meinung dass ein DV-Tomogramm für eine Wurzelkanalbehandlung/Revision keine entscheidenden Vorteile bringt, die die Nachteile – welche auch immer – aufwiegen.

Heute nun eine Frage an Sie, liebe Leser, wann halten Sie den Einsatz für ein DVT in der Zahnheilkunde für gerechtfertigt?

vor 7 Jahren

von Bodald Wecker

Vor 7 Jahren kam der Junge mit der Schneidekante seines 11 in der Hand zu mir in die Praxis. Sein Blick war etwas betrübt, der der Mutter eher verzweifelt.

Diagnose: Schneidekantenfraktur, keine Plupabeteiligung
klinisch nur eine minimale Lockerung, röntgenologisch keine Fraktur zu erkennen.

In der Praxis mit vollen Terminplan freut man sich dann nur bedingt, wenn solche Fälle dazwischengeschoben werden müssen. Das Schöne allerdings war, dass es nur ein Fragment war, und das liess sich exakt reponieren.

Also das Fragment gewässert, Anästhesie (im Foramen infraorbitale ein kleines Depot, dann springt indem der 12-jährige nicht an die Decke, wenn man direkt am oberen Einer infiltriert), Kofferdam, Zahn und Fragment am Schmelz geätzt, mit Syntac (jetzt classic, damals nur Syntac) Primer, Adhesive, Heliobond und einem Tropfen Tetric Flow beschickt und zusammengeführt, was zusammen gehört.
40 sek. Licht und die Überschüsse entfernt und poliert.

Nach der Behandlung hat der Junge wieder gestrahlt, die Mutter war noch skeptisch.

Und heute, nach 7 Jahren, sieht es so aus:

Die Klebestelle ist nach Lufttrockung und guter Beleuchtung eindeutig zu erkennen.
Aber auch nur da, im normalen Leben ist nichts davon zu erkennen. Ich schätze, das eine oder andere Jahr wird es noch halten.

Mittlerweile dufte der skeptische Blick der Mutter wieder vergangen sein ;-)

2D vs. 3D (X)

von Ronald Wecker

Nachfolgender Patient stellte sich 15 Jahre nach einer traumatischen Zahnverletzung an 21 in unserer Praxis vor. Der Zahn wurde damals 10 – 14 Tage nach dem Trauma in einer Sitzung sowohl von ortho- als auch von retrograd endodontisch behandelt. Seitdem war der Zahn beschwerdefrei.

Klinisch ist der Zahn vollkommen unauffällig. Der Klopfschall ist normal, ebenso Beweglichkeit als auch Sondierungstiefen. Es fehlen Perkussionsempfindlichkeit,  palpatorische Druckdolenz, Fistelung als auch Schwellung. Es fällt lediglich eine geringfügige Diskoloration der klinischen Krone auf.

Das vor kurzem alio loco angefertigte digitale Einzelbild zeigt folgenden Befund:

Auf einer, allerdings nur analog zur Verfügung stehenden, Röntgenaufnahme aus dem Jahr 2003 zeigt sich die Wurzelfüllung von koronal nach apikal vollkommen durchgängig.

Nachfolgend 2 Ausschnitte aus dem angefertigten DVT.

Die erste Abbildung zeigt einen Sagittal- und einen Frontalschnitt durch die Mitte der Wurzelfüllung. Horizontal liegt die Schnittebene etwas oberhalb der apikal vorhandenen Obturationsmasse.

In der zweiten Abbildung befindet der Sagitall-Schnitt distal und der Frontal-Schnitt distal der Wurzelfüllung. Der Horizontal-Schnitt liegt unverändert.

Zwei unterschiedliche Aussagen

von Bodald Necker

„…ein Schmerzpatient ist noch da! Schneidekantenaufbau.“, war die Antwort meiner Helferin auf die Frage, ob für heute Schluss sei.

Der 15-Jährige hat gesagt, er sei gestern Abend daheim gestürzt. Auf den Boden. Holzboden.

Intraorale Befunde:
Die Schneidekanten an 11 und 21 fehlen. Komplizierte Fraktur, an beiden Einsern war jeweils die Pulpa an zwei Stellen eröffnet. Die komplette OK-Front hatte Lockerung 0 bis 1, keine Dislokationen, keine sichtbare Blutung oder Hämatome. Keine pathologischen Sondierungstiefen. Saubere Bruchkanten, kaum lose Schmelzlamellen, keine erkennbaren Schmelzrisse. Keine Schmerzen, ausser bei Berührung oder thermisch/chemischen Reiz der Dentinwunde.

Extraoral:
Keinerlei Traumata erkennbar. Weder an Nase, Lippen noch am Kinn irgendwelche Aufschürfungen, Schwellungen oder Hämatome.

Röntgenbefund:
Hartsubstanzverlust im Bereich der Schneidekanten, keine Hinweis auf Bruchspalt oder Dislokation, PA-Spalt evtl. bei 11 leicht vergrössert. Wurzelwachstum abgeschlossen.
Das Trauma muss sehr genau und direkt, ohne Lippenbeteiligung, kurz und fest auf die Zähne gewirkt haben. Der Sturz, wie ihn der Jugendliche beschrieben hatte, kann so eigentlich nicht Ursache der Fraktur gewesen sein.

Das war jetzt jedenfalls egal, momentan stand die Rettung der Zähne im Vordergrund.

Auf die Frage, ob er die abgebrochenen Stücke noch hätte, zog er ein Tupperdöschen aus der Hosentasche. Darin waren zwei Schneidekanten. Komplett. Auch ohne Schmelzrisse. Diese wanderten als erstes in die Zahnrettungsbox zur Rehydrierung.

Vorgehen:

  • Anästhesie
  • Kofferdam
  • Desinfektion der Bruchstellen mit NaOCl
  • Zurückschleifen der überstehenden Pulpa mit einem Diamanten
  • ausgiebige Spülung mit NaOCl
  • Auftragen von MTA weiss
  • Fixierung dessen mit Harvard-Zement
  • Entfernung von Zementüberschüssen und lockerer Schmelzkristalle mit dem Sandstahler
  • Konditionierung der Bruchstellen mit Phosphorsäure
  • Bonden, Überschüsse verblasen und aushärten
  • Auftragen eine dünnen Schicht Flow-Komposit
  • Reponieren der Fragmente
  • Entferung von Überschuss und Lichthärten
  • Entfernung des restl. Überschusses
  • WV am nächsten Tag zur Kontrolle

Was folgt sind regelmässige Sensibilitätskontrollen.
Die Prognose ist als gut einzuschätzen.

Nach der Behandlung hat mich sein Vater gefragt, ob sein Sohn mir erzählt habe, wie es passiert sei, denn dieser habe letzte Nacht bei einem Freund übernachtet und sei morgens mit den Schneidekanten in Tasche nach Hause gekommen.

Da haben wir doch zwei verschiedene Aussagen zum selben Trauma.

Mein Verdacht: aus der Flasche getrunken, und dabei einen Schlag auf die Flasche bekommen. Spätestens bei der nächsten Nachkontrolle, werden wir es herausbekommen, was wirklich war.

Dies war jetzt ein „einfaches Trauma“, also eines, mit dem man öfters im Praxisalltag konfrontiert wird. Trotzdem kann ein Blick auf den „Spickzettel“ nicht schaden, und sei es nur um ein sichereres Gefühl zu haben.

Eine ganz dicke Empfehlung an dieser Stelle ist – mal wieder – der Dental Trauma Guide von Jens Ove Andreasen, Kopenhagen.

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Ein Unglück …

von Ronald Wecker

… kommt bekanntlich selten allein.

Selten allerdings auch, dass dasselbe Unglück gleich zweimal kommt.

9-jähriger Patient, Erstvorstellung vor 5 Wochen einige Monate nach Frontzahntrauma mit komplizierter Kronenfraktur. Alio loco wurde unmittelbar nach dem Trauma zunächst nur das koronale Schmelzfragment adhäsiv befestigt. Einige Wochen später wurde dort, nach Auftreten von Perkussionsbeschwerden das Pulpakavum eröffnet und ein nicht röntgenopakes Medikament eingebracht.

Die Erstvorstellung in unserer Praxis erfolgt aufgrund zunehmender palpatorischer Druckdolenz vestibulär. In einer ersten Behandlungssitzung erfolgte die Optimierung der Zugangskavität sowie die initiale chemomechanische Aufbereitung.

Apikal zeigte sich stark blutendes Gewebe, sodass das CaOH2 nicht bis zum Foramen apikale eingebracht werden konnte.

In der zweiten Behandlungssitzung konnte das noch intrakanalär befindliche Gewebe entfernt und das Kanalsystem mit MTA obturiert werden. Der koronale Anteil des Kanals wurde unter Verwendung eines Quarzfasertstiftes adhäsiv verschlossen.

Die Überraschung für mich kam 4 Wochen später als ich den Namen des Patienten erneut mit dem Vermerk „Frontzahntrauma Zahn 21“ im Tagesplan erblickte. Nach Sturz zu Hause war es zu einer erneuten Fraktur des koronalen Zahnfragmentes gekommen.

Das angefertigte Röntgenbild ergab keinen Hinweis auf eine Fraktur, klinisch war der Zahn symptomlos.

Das mitgebrachte Fragment wurde daraufhin nach 20-minütiger Wässerung und Abstrahlen der Bruchflächen mit Aluminiumoxid dentinadhäsiv wiederbefestigt. Es ist zu erwarten, dass sich die durch die dreitägige Trockenlagerung entstandene „Aufhellung“ des Fragmentes in den nächsten Wochen wieder zurückbilden wird.

Trauma-Erstversorgung – Wunsch und Wirklichkeit

von Ronald Wecker

Zwei Fälle von dieser Woche die einen ins Nachdenken bringen und mir exemplarisch für den Zustand der Trauma-Erstversorgung in unserem Land zu stehen scheinen.

Fall1:

Zustand 7 Wochen nach Fahrradunfall und chirurgischer Versorgung in einer Universitätsklinik. Vollständige Fraktur des Unterkiefers in Regio 31 mit Avulsion des Zahnes 31, Längsfraktur des Zahnes 15 (dieser wurde am Unfalltag entfernt) sowie einer Reihe unkomplizierter Kronenfrakturen im Front- und Seitenzahnbereich beider Kiefer. Die Reposition der Fragmente erscheint nicht vollständig gelungen zu sein.

Klinisch imponiert ein knöcherner Sequester im Bereich des avulsierten Zahnes 31.

Auf Nachfrage berichtet der Patient, dass es vor einem Tag eine Nachkontrolle gegeben hatte. Seine Frage was denn mit dem Sequester geschehen müsse wurde mit einem „da muss sich Ihr Zahnarzt kümmern“ beantwortet. Da war selbst ich sprachlos.

Auf die Versorgungsnotwendigkeit der multiplen unkomplizierten Kronenfrakturen mit zum Teil erheblichen Dentinfreilegungen ist zu keiner Zeit hingewiesen worden. Eine regelmässige Sensibilitätskontrolle der teilfrakturierten Zähne erfolgte nicht.

Fall 2:

9-jährige Patientin nach komplizierter Kronenfraktur an 21 vor ca. 8 Monaten. Die Erstversorgung in einer auf Kinderbehandlung spezialisierten Praxis erfolgte noch am Unfalltag: Inhomoge Obturation mit Extrusion in den Periapikalbereich und dentinadhäsiver Aufbau.

Seit 2 Wochen zeigt sich eine bukkale Fistelung, die 9mm tief verfolgbar ist. Radiologisch imponiert eine lateral der Wurzel gelegene Aufhellung.

Die den Eltern alio loco gegebene Therapieempfehlung lautet: Wurzelspitzenresektion.

Wünschenwert wäre, wenn die Kenntnise über eine adäquate Erstversorgung nach traumatischen Zahnverletzungen und die in der Folge durchzuführenden Behandlungsmassnahmen eine größere Verbreitung erfahren würden. Der hier schon mehrfach erwähnte DentalTraumaGuide ist eine der einfachsten Möglichkeiten sich zu auf den aktuellen Wissenstand zu bringen.

Die Wirklichkeit sieht – leider- anders aus.

Sturz mit Folgen

von Ronald Wecker

Der siebenjährige Patient glitt bei einem Schwimmbadbesuch aus ca. 2 Meter Höhe von der Sprungbrettleiter ab und schlug ungebremst mit dem Kinn auf. In der Folge kam es zu einer lingual gelegenen Sagittalfraktur des Unterkieferkörpers im Bereich des Zahnes 41.

Aufgrund der anhaltenden starken Beschwerden im Bereich des Unterkiefers wurde der kleine Patient stationär aufgenommen und ein CT angefertigt.

Aus den Beschreibungen der Mutter liess sich für Zahn 41 zumindest eine Subluxation ableiten. Eine gingivale Blutung und eine Beweglichkeit des Zahnes 41 war zu beobachten.

Die chirurgische Behandlung erfolgte in einer großen deutschen MKG-Klinik. Neben einer Osteosyntheseplatte wurden Ober-und Unterkiefer nach Schienung über intermaxilläre Gummizüge ruhig gestellt.

4 Wochen nach dem Sturz stellte sich der Patient bei uns vor:

Das Erstellen eines aussagekräftigen Einzelbildes wird durch die lingual gelegene Osteosysntheseplatte erschwert. Der Apikalbereich von 41 ist aufgrund einer Überlagerung nicht eindeutig zu beurteilen. Aufgrund der noch sehr geringen Mundöffnung gestaltete sich zudem die Positionierung des digitalen Röntgensensors als äussert schwierig.

Klinisch zeigen mit Ausnahme von Zahn 41 alle Frontzähne des Ober- und des Unterkiefers eine eindeutige Kaltsensibilität.

Zahn 41 ist weder auf Kälte noch auf elektrischen Stimulus sensibel. Der Zahn ist weder perkussionsempfindlich noch beweglich. Die Sondierungstiefen liegen innerhalb physiologischer Grenzen. Der Klopfschall ist normal, der Zahn ist nicht diskoloriert.

Nach der Materialentfernung in 8 Wochen wird ein erneuter elektrischer Sensibilitätstest und gegebenenfalls ein weiteres Einzelbild Aufschluss über die zu ergreifenden therapeutischen Massnahmen geben.

Eine Entfernung des im Bruchspalt stehenden Zahnes 41 ist nicht zwingend indiziert.

Weitere Informationen gibt es hier.

Traurig … (2)

von Jörg Schröder

Es scheint die Woche der Trauma-Fälle zu sein.

Vor einer Woche hatte ich an dieser Stelle die Röntgenbilder einer jungen Patientin 3 Jahre nach horizontaler Wurzelfraktur der beiden zentralen Inzisiven eingestellt.

Heute wieder ein Fall, der zeigt, welche dramatische Folgen eine nicht adäquate Initialtherapie in Kombination mit einem nicht erfolgten Follow-Up haben kann.

1998 kam es bei der damals 9-jährigen Patientin in Folge eines Sportunfalls zu einer Luxationsverletzung der Zähne 12-22. Die Zähne 11 und 22 zeigten zudem unkomplizierte Kronenfrakturen. Nach Entfernung der posttraumatisch durchgeführten Schienung erfolgten keine weiteren klinischen Kontrollen.

Im Jahr 2002 kam es an den Zähnen 12 und 22 zu Fistelungen und Schwellungen im Vestibulum. Die Therapie bestand in einer intraoperativ durchgeführten orthograden Wurzelfüllung mit anschliesender Resktion der Wurzelspitzen beider Zähne. Im Röntgenbefund der Universitätsklinik werden die Resorptionserscheinungen an den Zähnen 11 und 21 erwähnt. Eine Therapieempfehlung blieb aus.

Die nunmehr 23-jährige Patientin stellte diese Woche sich mit folgendem Röntgenbefund vor.

Die Zähne 21 und 11 zeigen klinisch ausgedehnte subgingival gelegene externe Resorptionen. Zahn 22 weist mesial eine 5 mm tiefe Rezession und eine Sondierungstiefe von weiteren 5 mm auf. Zahn 12 ist alio loco trepaniert und nach Entfernung der bestehenden Wurzelfüllung mit einer medikamentösen Einlage versehen worden.

Zahn 21 ist nicht erhaltungsfähig, 11 aufgrund der ebenfalls weit vorangeschrittenen palatinalen Wurzelresorption mehr als fraglich, Zahn 22 ist ästhetisch mehr als suboptimal. Nur 12 scheint einigermassen vorhersagbar therapierbar zu sein.

Traurig.

Das alio loco angefertigte DVT lässt den Erhalt der Zähne 11-22 als nicht sehr wahrscheinlich erscheinen.


Traurig …

von Jörg Schröder

… wird mir um’s Herz wenn Patienten wie diese Jahre nach einer nicht adäquat behandelten traumatischen Zahnverletzung zur Beratung kommen.

Anamnestisch zeigt sich dabei immer wieder, dass das minimale Basiswissen zur Behandlung traumatischer Verletzungen der Zähne und des Alveolarfortsatzes keine allgemeine Verbreitung gefunden hat.

Wie sollte es sonst zu erklären sein, dass die Mutter der hier vorgestellten kleinen Patientin (9 Jahre alt) angibt, dass ausser einer Konsultation am Tag des Unfalls und dem Rat die Zähne zu schonen keine Therapie der nach einem Sturz deutlich dislozierten und stark beweglichen Zähne 21 und 11 keine weitere Therapie oder Nachkontrolle erfolgte.

3 Jahre nach einer offensichtlich erlittenen horizontalen Wurzelfraktur der Zähne 21 und 11 zeigen sich die apikalen Fragmente mit fast durchgängigem Parodontalspalt und vorangeschrittenem Wurzeldickenwachstum, während die koronalen Fragmente deutliche Zeichen einer chronischen apikalen Parodontitis aufweisen.

Die Zähne 21 und 11 zeigen weder auf Kälte noch auf elektrischen Reiz eine Sensibilität. Es gibt keine Lockerung, keine erhöhten Sondierungstiefen, keine Schwellungen oder palpatorische Druckdolenzen. Der Klopfschall ist normal.

Einfachste Massnahmen wie im DentalTraumaGuide beschrieben und für jedermann nachzulesen hätten die Prognose dieser Zähne erheblich verbessern können. Das koronale Fragment hätte reponiert und bei Frakturen im mittleren oder unteren Wurzeldrittel für die Dauer von 4 Wochen semirigide geschient werden sollen.

Anschliessend erfolgen klinische und radiologische Kontrollen 4 Wochen, 6-8 Wochen, 4 Monate, 6 Monate, 1 Jahr und 5 Jahre.

Bei nicht abgeschlossenem Wurzelwachstum besteht nach 3 Monaten immerhin ein mehr als 50%-iges Risiko einer Pulpanekrose bei vorangegangener lateraler Dislokation. Nach 12 Monaten beträgt die Wahrscheinlichkeit einer Pulpanekrose bereits 75%. Ob die entzündlich bedingten Resorptionen der koronalen Fragmente durch eine endodontiche Behandlung noch zum Stillstand gebracht werden können ist unsicher.

Und wenn nicht, nimmt das Drama seinen Lauf. Traurig.

Spülprotokoll bei Revaskularisierungstherapie

von Christoph Kaaden

Letzte Woche wurde hier über das mögliche klinische Vorgehen bei der Revaskularisierungstherapie von nekrotischen Zähnen mit nicht abgeschlossenem Wurzelwachstum berichtet.

Da passt es gut, dass Trevino et al. in der aktuellen Ausgabe des Journal of Endodontics ihre Ergebnisse zu unterschiedlichen Spülprotokollen in solchen Fällen veröffentlicht haben.

Als Quintessenz dieser in-vitro-Untersuchung  leitet sich folgendes mögliche klinische Vorgehen ab:

Erster Behandlungstermin: Spülung mit NaOCl gefolgt von EDTA (17%)-Anwendung. Danach Applikation der Antibiotika-Mixtur.

Zweiter Behandlungstermin: Alleinige Anwendung  von EDTA zur Ausspülung des Antibiotikums. Von einer NaOCl- oder CHX-Spülung wird aufgrund der abtötenden Wirkung auf mögliche Stammzellen abgeraten.

Näheres zu dieser Studie und dem Abstract findet der interessierte Leser hier.

Trauma de Jour – Reloaded (1)

von Ronald Wecker

Vor 2 Wochen hatte ich an dieser Stelle die Bilder eines Traumafalles eingestellt. Durch einen Sturz auf eine Bordsteinkante erlitt die Patientin multiple Verletzungen im Bereich des linken Oberkiefers:

Zahn 11: Vertikalfraktur mit Verlust der prothetischen Krone einschliesslich Stiftaufbau

Zahn 21-23: Laterale Dislokation mit Alveolarfortsatzfraktur

Zahn 22 & 23 : Unkomplizierte Kronenfraktur

Nachdem die einzelnen Verletzungsarten, nicht zuletzt durch die Anfertigung eines DVT, diagnostiziert werden konnten, erfolgte zunächst eine semirigide Schienung mittels Titan-Trauma-Splint. Eine Reposition der Zähne war nur teilweise möglich da sich die Patientin nach einem 2-tägigen Klinikaufenthalt erst 4 Tage nach dem Sturz in unserer Praxis vorstellte. Die noch verbliebene Okklusionstörung wurde durch Einschleifen der betroffenen Zähne und deren Antagonisten behoben.

Da sich die Patientin in einem schlechten Allgemeinzustand befindet (Herz-Kreislaufbeschwerden unklarer Genese, erhöhter Augeninnendruck) kann die notwendige Therapie nur in mehreren Behandlungssitzungen durchgeführt werden.

Nach der semirigiden Schienung wurde zunächst der längsfrakturierte Zahn 11 entfernt. Um der Patientin einen gewissen ästhetischen Komfort zu ermöglichen war geplant die TTS-Schiene als Verankerungsmöglichkeit für eine temporäre Versorgung der entstandenen Zahnlücke heranzuziehen.

Dazu wurde eine passende Frasacco-Hülse ausgewählt und in Mehrschichttechnik mit einem Frontzahnkomposit gefüllt. Der entstandene Kompositzahn wurde dann in die Lücke eingepasst, apikal als „Ovate Pontic“ gestaltet und in die TTS Schiene eingeklebt.

Um einen vorzeitigen Verlust des „Brückengliedes“ zu vermeiden, wurde die Inzisalkante leicht eingekürzt; ein Umstand der der Patientin beim erstmaligen Betrachten auch sofort auffiel!

Als nächster Behandlungsschritt wird die endodontische Therapie der Zähne 21-23 erfolgen. To be continued.

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2D vs. 3D (III)

von Ronald Wecker

3 Tage nach einem Sturz auf eine Bordsteinkante stellte sich diese Patientin in unserer Praxis vor. Die ersten zwei Tage verbrachte sie zur Abklärung eines Schädel-Hirn-Traumas stationär in einer Klinik.

Neben dem Verlust einer ca. 40 Jahre alten Stiftkrone an Zahn 11 fiel besonders eine starke Okklusionsstörung im Bereich der Zähne 21 -23 auf.

Zahn 23 zeigt eine kleine Schmelzaussprengung an der mesialen Labialfläche mit deutlichen Spuren des Aufpralls auf die Bordsteinkante. Zahn 23 weist keine Beweglichkeit dafür aber einen metallischen Klopfschall auf. Dies ist ein deutliches Anzeichen einer lateralen oder auch intrusiven Dislokationsverletzung, da es in beiden Fällen zu einer zumindest partiellen Kompression des Parodontalspaltes kommt.

Zahn 22 zeigt eine Beweglichkeit Grad 1, eine Schwellung der palatinalen Gingiva sowie einen normalen Klopfschall. Mesial zeigen sich ebenfalls Spuren des Aufpralles sowie eine unkomplizierte Kronenfraktur.

Zahn 21 ist stärker beweglich (Grad 2), perkussionsempfindlich, zeigt eine ausgeprägte labiale Druckdolenz und weist einen normalen Klopfschall auf.

Zahn 11 hat durch den Aufprall eine Vertikalfraktur erlitten. Die Wucht war so groß, dass es zu einem Verbiegen des Siftaufbaues kam.

Die Zähne 21-23 sind weder kaltsensibel, noch reagieren sie auf einen elektrischen Reiz. Die Zähne 12 und 13 , sowie alle Unterkieferfrontzähne sind kalt- und elektrisch sensibel. Verletzungen der Zahnhartsubstanz liegen nicht vor.

Das zweidimensionale Röntgenbild zeigt keine Hinweise auf eine Horizontalfraktur. Zahn 21 zeigt einen unilateral verbreiterten Parodontalspalt. Bei 23 könnte man eine Intrusion vermuten. Das wahre Ausmass der Verletzungen zeigt sich im DVT.

21 und 22 zeigen beide deutliche Dislokationen sowie Frakturen des labialen Teils des Alveolarfortsatzes. An 23 ist eine geringe Dislokation zu erkennen. Die Vertikalfraktur an Zahn 11 ist in ihrem Verlauf deutlich zu erkennen.

Die Zähne 21-23 werden , da das Wurzelwachstum abgeschlossen ist, bei dieser Art der Verletzung mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit endodontisch behandelt werden müssen, da es in Folge der Dislokation zu einem Abriss des Nerv-Gefässbündels gekommen ist.

Die Zähne 23 -13 wurden in gleicher Sitzung mit einem Titan-Trauma-Splint semirigide geschient. Eine minimale Reposition war noch möglich. Die nach Schienung noch bestehende Okklusionsstörung wurde durch Einschleifen behoben. Die Schienungszeit beträgt aufgrund der Fraktur im Bereich des Alveolarfortsatzes 4 Wochen.

Zahn 11 ist nicht erhaltungsfähig . Es ist geplant ihn nach endodontischer Behandlung der Zähne 21 bis 23 durch ein Einzelimplantat zu ersetzen.

Die Bilder zur durchgeführten Therapie werden hier in den nächsten Wochen eingestellt.

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Kleines Trauma

von Bodald Necker

Junge,  12 Jahre. Schwimmbad. Irgendwo war es glatt.
Die komplette Schneidekante am 11 war abgebrochen, die Pulpa gerade nicht eröffnet, Gott sei Dank.
Und die Mutter war so gut, und hat das abgebrochene Fragment gesucht, gefunden, mitgenommen und ist gleich mit ihrem Sohn in die Praxis gekommen.

Wir haben das abgebrochene Stück gewässert, mit Syntac und Tetric-Flow wieder angeklebt.
Die Mutter war überglücklich. Der Sohn auch.

Nach 5 Jahren sieht es so aus.

Der Zahn ist immer noch vital.
Und hält.

Wir sind zufrieden.
Von Sohn und Mutter kamen bis jetzt auch keine Beschwerden.

Spätfolgen eines Frontzahntraumas (2)

von Ronald Wecker

Vor 2 Wochen wurden an dieser Stelle die präoperativ angefertigten Röntgenbilder eines Behandlungsfalles eingestellt, bei dem 18 Jahre nach dem Trauma im Rahmen einer Routineuntersuchung ein resorptives Geschehen diagnostiziert wurde.

Da eine kombiniert chirurgisch/kieferorthopädische Therapie mit Rückverlagerung des Oberkiefers geplant ist, sollte, wenn möglich, eine implantologische „Lösung“ vorerst vermieden werden. Angesichts der nicht exakt abzuschätzenden Dauer der kieferorthopädischen Therapie und eines sehr tiefen Überbisses schieden sowohl das herausnehmbare Provisorium als auch eine adhäsiv befestigte Brücke als Versorgungsform aus.

Die Behandlung erfolgte zweizeitig. Nach Anlegen der Zugangskavität zeigte sich der koronale Anteil der Pulpa vollkommen nekrotisch. Darunter war ein sehr gut durchblutetes Weichgewebe darstellbar, welches nach ausgiebiger ultraschallunterstützter Irrigation mit NaOCl und gleichzeitigem mechanischen Einwirken  (Microopener, Microdebrider) entfernt werden konnte. Es erfolgte das Einbringen von CaOH2 und der dentinadhäsive Verschluss.

Am 2. Termin war die Resorptionslakune vollständig frei von Gewebe, Unter dem Mikroskop konnte apikal der ca. 2,5 mm lange Originalkanal visualiert und instrumentiert werden. Nach der Einprobe des Masterpoints wurde dieser mit einem Skalpell 3 mm von der Spitze entfernt gekürzt, mit wenig Sealer bestrichen und unter Sicht auf der Spitze eines durch Aufbiegen „verlängerten“ Microopeners in den apikalen Kanalanteil eingebracht.

Sodann wurde die Resorptionslakune unter Zuhilfenahme einer Dovgan-MTA-Gun (2,2 mm) mit MTA gefüllt. Um das MTA durch Ultraschallaktivierung in die Lakune einzubringen musste ein schöner S-Kondensor ISO 120 gerade gebogen werden, da der tiefste Punkt der Lakune bei 21 mm lag.

Abschliessend wurde der Zahn unter Verwendung eines Quarzfaserstiftes dentinadhäsiv verschlossen. Die geringe seitliche Extrusion des MTA hat vermutlich keinen nennenswerten Einfluss auf die Prognose und stellt eher eine röntgenästhetische Unzulänglichkeit dar.

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Paradigma und der Wechsel

von Jörg Schröder

Manche Ereignisse gewinnen erst mit etwas Abstand an Bedeutung. Der Vortrag von Prof. Kenneth Hargreaves (San Antonio, Texas) gehört in diese Kategorie. Für mich persönlich war es rückblickend das absolute Fortbildungsglanzlicht der letzten Jahre. Das Wort Paradigmenwechsel wurde auf dieser Jahrestagung häufig verwendet. Verdient hat es in  meinen Augen das von Professor Hargreaves in einem sehr gut gegliederten Vortrag vorgestellte Regenerationsverfahren.

Seit dem späten 18. Jahrhundert verwendet man das Wort „Paradigma“, um damit eine bestimmte wissenschaftliche Denkweise oder eine bestimmte Art der Weltanschauung zu bezeichnen. Ein Paradigmenwechsel wäre also gleichbedeutend mit einem Wechsel der Weltanschauung.

Statt Aufbereiten und Obturieren erscheint es nun möglich, wenn auch vorerst nur in Zähnen mit nicht abgeschlossenem Wurzelwachstum, vitales Gewebe im zuvor desinfizierten Kanalhohlraum entstehen zu lassen und somit ein Fortschreiten des Wurzeldicken- und -längenwachstums zu ermöglichen. Darüber hinaus zeigen viele der so „regenerierten“ Zähne nach 2-3 Jahren wieder eine positive Reaktion auf einen elektrischen Reiz (EPT).

Stammzellen, Wachstumsfaktoren, Zelldifferenzierung, Tissue Engeneering heissen die Schlagworte die unter Umständen in der Lage sind die Zukunft solcher Zähne rosig erscheinen zu lassen.

Spätfolgen eines Frontzahntraumas (1)

von Ronald Wecker

Überwiesener Patient mit Zufallsbefund bei Erstuntersuchung:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zahn 21 leicht diskoloriert, fehlende Kaltsensibilität, normale Beweglichkeit, normaler Klopfschall, keine Perkussionsempfindlichkeit, keine erhöhten Sondierungstiefen, keine palpatorische Druckdolenz. Auf Befragen erinnerte sich der Patient daran, dass beim Kampfsporttraining vor ca. 18 Jahren der Zahn deutlich lateral disloziert worden war. Ein zufällig anwesender Kollege reponierte den Zahn. Seitdem erfolgte keine weitere Therapie.

Distal exzentrische Aufnahme:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Welche Therapieansätze erscheinen erfolgsversprechend?

Interne Resorption

von Ronald Wecker

Die  Primärbehandlung liegt ca. 8 Jahre zurück. In Folge eines Frontzahntraumas mit komplizierter Kronenfraktur wurde an diesem mittleren Schneidezahn 1 Jahr nach dem Trauma eine tiefe Pulpotomie durchgeführt. Der koronal des vitalen Pulpagewebes gelegene Kanalhohlraum wurde alio loco in lateraler Kompaktion und unter Verwendung von viel Sealer mit Guttapercha gefüllt, der Zahn koronal in Adhäsivtechnik aufgebaut.

Im Rahmen der Versorgung des Zahnes mit einer vollkeramischen Teilkrone wurden Röntgenbilder angefertigt, die im Vergleich zu den regelmässig durchgeführten radiologischen Kontrollen neben einer apikalen Aufhellung und einer anresorbierten Wurzelspitze auch eine kugelige Erweiterung des Kanalhohlraumes im unteren Wurzeldrittel zeigen. Abgesehen von einer geringen achsialen Perkussions-empfindlichkeit lagen keine weiteren klinische Symptome vor.

Nach dem Entfernen der vorhandenen Obturationsmaterialien konnte etwas oberhalb des Foramens im Bereich der kugeligen Kanalerweiterung ein gut vaskularisiertes Weichgewebe dargestellt werden. Unter großvolumiger Spülung mit NaOCl und dem Einsatz von Handinstrumenten konnte das Gewebe entfernt und apikal ein unregelmässiges Foramen mit einem minimalen Durchmesser von ISO 120 dargestellt werden.

Auf eine zweiwöchige Einlage mit CaOH2 erfolgte die Obturation des Kanalsystems mit kollagenem Widerlagers und MTA. Anschliessend wurde der Zahn unter Verwendung eines Quarzfaserstiftes  adhäsiv restauriert.

Unter Berücksichtigung der Anamnese und aller erhobenen Befunde scheint es durch den langandauernden infektiösen Reiz zu einer internen Resorption gekommen sein, die ihren Ausgang im verbliebenen apikalen Pulpastumpf genommen hat.

Die Resorption der Wurzelspitze  hingegen ging von peripikalem Gewebe aus; eine Reaktion wie man sie häufig an Zähnen mit apikalen Parodontitiden findet.

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Akutes Zahntrauma mit Pulpaeröffnung

von Tomas Lang

Der hier vorgestellte Fall ist nunmehr ca. 2,5 Jahre her. Ein Kollege, welcher damals kurz zuvor eine meiner Fortbildungen besucht hatte, rief mich an und bat mich, einen Fall für ihn zu übernehmen.

Der Patient lebt in Afrika mit seinen Eltern und hat sich beim Wasserrutschen auf dem Schulgelände einen Zahn ausgeschlagen. Die Eltern saßen zu der Zeit bereits im Flugzeug auf dem Weg nach Deutschland, da sowohl der lokale Zahnarzt als auch die nächstgelegene Zahnklinik sagten, dass sie nicht die richtigen Materialien zur Versorgung vorrätig hätten.

Und so schlug der damals 8jährige Junge ca. 24h nach dem Unfall in meiner Praxis auf. Zu meiner großen Verwunderung war das herausgeschlagene Zahnfragment in einer Zahnrettungsbox (Dentosafe). Diese hatte die Schule in Afrika vorrätig!

Da die Pulpa seit 24h exponiert war, imponierte bereits eine ödematöse Schwellung mit beginnender oberflächlicher Nekrose. Daher habe ich in diesem Fall eine partielle Pulpotomie durchgeführt.

Die Pulpa wurde anschließend mit MTA überkappt mit Zinkoxid-Phosphat-Zement überschichtet und das koronale Fragment adhäsiv wiederbefestigt. Wie man in dem unteren Video erkennen kann, ist der Junge bei der Behandlung eingeschlafen – war er doch in den letzten 24h in Dauerstress gewesen. Ein besonders erhebender Moment für mich war, als ich ihn nach der Behandlung aufweckte ,ihm den Spiegel gab und sein eigener Zahn wieder hergestellt war.

Mittlerweile ist der kleine Junge gewachsen und war bisher nach einem und zwei Jahren zur Kontrolle erschienen. Der betroffene Zahn ist wieder normal vital und die Apexifikation verläuft regelrecht.

Lediglich, wenn man genau hinschaut, erkennt man das MTA als leicht dunklen Schatten unter der Zahnoberfläche.

Hier würde ich, wenn ich den Fall noch einmal machen könnte, dass weisse MTA verwenden.

Die Versorgung von Traumata ist diffizil und nur erfolgreich, wenn man sofort die richtigen Entscheidungen trifft. Dazu kommt, dass solche Fälle recht selten in der Praxis aufschlagen.

Der Dänische Kollege Ove Andreasen hat daher eine exzellente Homepage zur Entscheidungsfindung aufgestellt, welche zu jedem Traumafall evidenzbasiert die richtige Entscheidungskette vorgibt. Ich kann nur jedem Kollegen empfehlen, vor Therapiebeginn einen Blick auf die Homepage zu werfen.

Frontpage

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Und hier ein Video von der Behandlung.

Frontzahn(alb)traum(a)

von Ronald Wecker

16-jähriger Patient, Frontzahntrauma vor 5 Tagen,

11 Avulsion, Lagerung in Wangentasche über mehr als 60 Minuten

12  Intrusion mit unkomplizierter Kronenfraktur,

13 Konkussion,

Erstversorgung alio loco: unvollständige Reposition 11, rigide Schienung 11/21 mit Metallnetz und Komposit palatinal, Nahtversorgung der Gingiva in regio 12, keine systemische Antibiose

Klinischer Befund:

Verlust von mehr als 50% der klinischen Krone von 12, subgingivale Lage der Restzahnsubstanz, 12 hat mesial Kontakt zur Wurzelfläche von 11,

Infrakturen an distaler Inzisalkante 11, 11 zeigt sich klinisch ca. 2mm länger als 21.

Palatinal keine Formkongruenz zwischen Alveole und Wurzeloberfläche

EPT und Kaltsensibilität negativ für 11 und 12, positiv für 13, 21, 22 und alle UK-Frontzähne

normaler Klopfschall 11 und 12, keine Mobilität an 11 und 12

Horizontale Wurzel-Fraktur (I)

von Christoph Kaaden

Der Anblick solcher klinischer und radiologischer Bilder führt nicht selten dazu, dass entsprechende Zähne als hoffnungslos angesehen werden und daher zur Extraktion „frei gegeben werden“.

Die nächsten Blog-Beiträge zum Thema „horizontale Wurzelfraktur“ (HW#) sollen dazu beitragen, diese häufige (Fehl-) Einschätzung zu korrigieren, da klinische Untersuchungen belegen, dass es sich hierbei um eine sehr beherrschbare Traumafolge mit guter bzw. sehr guter Prognose handelt.

Neben Erläuterungen zu Hintergründen der Entstehungsmechanismen werden ferner adäquate Therapien und Nachsorgeintervalle besprochen.

Hintergründe:

Mit 0,5 – 7% aller Verletzungen zählt die HW# zu den seltenen dentalen Traumaformen. Der Altersgipfel liegt zwischen dem 11. und 20. Lebensjahr. Betroffen sind primär obere Incisivi, die bereits einen vollständigen Durchbruch mit abgeschlossenem Wurzelwachstums aufweisen. Ein Auftreten in der ersten Dentition gilt als sehr selten.

Entsprechend des Fraktur-Ortes ist diese im

  • koronalen
  • mittleren
  • oder apikalen Drittel

lokalisiert.

Aufgrund einiger in der späteren Folge näher zu erläuternden Punkte nimmt die koronale Fraktur eine gewisse Sonderstellung ein. Sie wird mit einer Inzidenz von 6-19 % angegeben.

Pink Spot

Von Ronald Wecker

Es ist zum Teil schon erstaunlich was im Mund wieder zusammenwächst und heilt. Klassischer Pink Spot der sich von November 2009 an doch recht schnell zu einem großen Resorptionsdefekt entwickelt hat.

Nach einem Fahrradunfall vor 6 Jahren wurde die unkomplizierte Kronenfraktur alio loco mit einer Kompositrestauration versorgt. Der Zahn reagierte bei den nachfolgenden Routineuntersuchungen immer positiv auf den Kältereiz.

So auch vor ca. 14 Tagen als sich der Patient erstmals vorstellte. Der Zahn war minimal perkussionsempfindlich und zeigte nur labial gering erhöhte Sondierungstiefen. Eine erhöhte Beweglichkeit war nicht gegeben.

Aufgrund des röntgenologisch sehr ausgedehnten Resorptionsgeschehens war in meinen Augen die Entfernung des Zahns mit anschliessender Implantatversorgung die Therapie mit der günstigsten Langzeitprognose.

Da der Patient jedoch alle Möglichkeiten des Zahnerhaltes ausschöpfen wollte habe ich ein exploratives Vorgehen mit Lappenbildung und Beurteilung des Defekts sowie gegebenenfalls einer adhäsiven Restauration vorgeschlagen. Eine unter Umständen notwendige endodontische Therapie sollte später erfolgen.

Das im Defekt befindliche Gewebe wies eine gestielte Verbindung zum mesialen Pa-Spalt auf und konnte fast vollständig exkochleiert werden. Die Schaffung eines blutungsarmen bzw. -freien Arbeitsfeldes war Vorraussetzung für den dentinadhäsiven Verschluss des Defekts. Die Pulpa wurde beim Entfernen des im Zahn befindlichen Weichgewebes mit einem Exkavator eröffnet und vor dem Defektverschluss mit CaOH2 abgedeckt. Das röntgenologische Erscheinungsbild mit einer erhaltenen Begrenzung des Pulpakammerhohlraums sowie die Gefässstielung aus dem Parodontalspalt  erlauben die Annahme, dass es sich um eine externe Resorption handelt, die sich in Folge des vor 6 Jahren erlittenen Traumas entwickelt hat.

Bei der  Nahtentfernung nach 3 Tagen zeigte deine sehr gute Wundheilung der Patient ist vollkommen beschwerdefrei.

Eine endodontische Therapie wird sich nach Abschluss der parodontalen Heilung anschliessen. Weitere Nachkontrollen werden zeigen, ob das resorptive Geschehen zum Stillstand gekommen ist.

Hand-Plugger (II)

von Christoph Kaaden


neben den zuletzt erwähnten BL Hand-Plugger haben wir vor einiger Zeit ein weiteres Instrument in unseren Behandlungsablauf integriert.

In diesem Fall handelt es sich um einen Condenser nach Dr. Joseph S. Dovgan. Besonders bei der Behandlung juveniler Oberkieferincisivi (nach Trauma) wird der grosse Nutzen schnell erkennbar, da dieses Handinstrument zwei „stattliche“ ISO-Grössen aufweist. Ferner kommt dieser Plugger bzw. Condenser auch bei Perforationsdeckungen mit MTA (z.B. im Pulpakavum) zum Einsatz.

Und anders, als die Instrumente des ersten Blogbeitrages zu diesem Thema, ist dieses in Deutschland bereits problemlos erhältlich. Die genaue Typenbezeichnung lautet: Dovgan Condenser NiTi 0,2 ISO100-140

Top 2009 (5) SOS Zahnbox

von Hans – Willi Herrmann

Kennen Sie den Dentosafe ?

Dieses Döschen für avulsierte Zähne oder Zahnfragmente, dass dem Zahn eine höhere Wiedereingliederungschance ermöglicht.

Natürlich kennen Sie das. So wie ich auch. Gibt´s ja schon länger.

Und ? Haben Sie welche in der Praxis ? Für den Fall, dass mal ein Unfallpatient in der Tür steht, mit seinem Zahn in der Hand ?

Also ich hatte bis letztes Jahr nichts Derartiges in petto. Nicht, dass ich es nicht gewollt hätte. 
Ich wollte schon. Aber ich hatte keine Bezugsadresse. Nur die Info, dass es sowas in der  Apotheke geben soll. In unserer nicht. Also gut, ich hätte es ordern können, aber wie das so ist, man will gleich morgen damit anfangen. Oder übermorgen. Mit dem Freizeitsport, will mehr Zeit mit der Familie verbringen. Vielleicht auch mit dem Rauchen aufhören. Und tut es dann doch nicht. Ich bin nie in die Apotheke gegangen, habe nie zum Telefonhörer gegriffen. War immer was anderes, kam immer was dazwischen, vergessen, nicht dran gedacht.

Seit einiger Zeit gibt es nun die Miradent SOS Zahnbox. Keine Ahnung, ob die besser oder schlechter ist als der Dentosafe, aber sie hatte für mich einen entscheidenden Vorteil. Ich wusste, wo ich sie bestellen konnte. Bei Hager und Werken. Über mein Dentaldepot.

Ich orderte. Und spendete ein paar der Boxen der Schule meiner Tochter. Die kam im Sommer letzten Jahres in die 5. Klasse. Sportgymnasium. Jeden Tag Sport. Und damit besteht ein potentielles Risiko für Zahnunfälle.

Dann der erste Klassenausflug. Zwei Tage ins Landschulheim, einer Jahrhunderte alten Burg abseits vom Schuss. 
Ausflug vielleicht das falsche Wort für einen 23 Kilometer Fussmarsch bei brütender Hitze querfeldein, ohne Hilfe, nur mit Karte und Kompass. Warum macht man so was ? Das schweisst die Klassengemeinschaft zusammen.

Das Resultat ? Am Ende des Tages belagert eine hitzegeschwächte Truppe die Aussenanlage des mittelalterlichen Schlosses, dass als Refugium dient. Alle haben Durst und Hunger. Mit dem Vater einer Klassenkameradin, wir sind ein gutes Team,  stelle ich am Grill das Abendessen der Kinder sicher. Die Meute stürmt derweil die Spielanlagen.

Plötzlich lautes Geschrei und Weinen. Ein Kind war beim Schaukeln auf der grossen Holzwippe verunfallt. Das Kinn geprellt, die Frontzähne ebenfalls. Herzzerreissendes Weinen, das mir mitten ins Herz geht. Weil ich dieses Weinen genau kenne. Es ist meine Tochter, die den Unfall hatte. Gott sei Dank ist nichts Ernsthaftes passiert. Aber, was wenn ? In der unbekannten Einöde, der nächste Zahnarzt vielleicht weit weg. Die SOS – Zahnbox, meiner Tochter nebst detailierter Anweisung in den Rucksack gepackt, wäre Retter in der Not gewesen.

Heute empfehle ich die  SOS Zahnbox unseren Patienten für ihre Kinder.

Und ich werde das Kontingent für die Schule aufstocken. Man weiss nie, wofür es gut ist und unverhofft kommt oft.

Internationale Trauma-Tagung 2010

von Christoph Kaaden

Italien ist immer eine Reise wert…

insbesondere dann, wenn dort eine internationale zahnmedizinische Tagung stattfindet. Im kommenden Sommer (13. – 15. Juni 2010) ist Verona Gastgeber der „Internationalen Trauma-Tagung“. Anbei der link zu dem vorläufigen Programm mit weiteren Informationen zu einer ganz sicher sehr informativen Veranstaltung mit den „who`s who“ der dentalen Traumatologie:

http://www.iadt-dentaltrauma.org/web/

Tischtennis

von Bodald Necker

Freitag, große Pause in der Schule, die Jungs spielen draußen Tischtennis.

„Der Junge vor mit wollte Schmettern, aber mein Zahn war im Weg.“

Mit diesen Worten stellte sich der 10-jährige Patient bei mir vor. Die Krone des 11 um ca. 1/2 cm gekürzt.
Pulpa weit offen.

Anamnese:
– keine Schmerzen, ausser bei Berührung
– keine Lockerung
– Fragment wurde nicht mehr gefunden
– Sensibilitätsprüfung auf Kältespray positiv

Vorgehen:
– Voranästhesie an rechten Foramen infraorbitale
– dann schmerzfrei mögliche Terminalanästhesie  an 11
– Kofferdam
– Zahn und Umfeld desinfiziert mit CHX 2%
– die exponierte Pulpa wurde für ca. 5 min mit 5% NaOCl gespült
– vorsichtige Lufttrocknung
– MTA weiss appliziert und mit sterilem Wattepellet angedrückt
– MTA wurde mit iBond „fixiert“
– Schmelz und Dentin wurde mit Diamantschleifer wieder angefrischt
– Ätzen mit Phosphorsäure, Bonding mit Prime&Bond, Kompositaufbau

Patient und Mutter wurden über das Vorgehen aufgeklärt, und auch explizit darüber, dass es nur ein Versuch ist die Pulpa vital zu erhalten und sehr wahrscheinlich Schmerzen auftreten werden.

So behandelt und aufgeklärt wurden der Junge und seine Mutter in Wochenende geschickt.
Beide froh, dass der 11 – zumindest optisch – wieder hergestellt wurde.

Wiedervorstellungstermin am Montag zur Vitalitätsprüfung – oder zur Wurzelkanalbehandlung.

Montag:

– Zahn ist vital
– hin und wieder leichte Schmerzen

14 Tage post OP:

– Zahn ist vital
– die leichten Schmerzen wurden weniger

WV in 14 Tagen.

Wir hoffen das Beste

11 mit offener Pulpa

11 mit offener Pulpa

bereits gespült mit NaOCl

bereits gespült mit NaOCl

abgedeckt mit ProRoot MTA weiss

abgedeckt mit ProRoot MTA weiss

MTA fixiert mit iBond

MTA fixiert mit iBond

fertiger Aufbau mit Komposit

fertiger Aufbau mit Komposit

Inzwischen ist es Montag geworden…
Der Patient war hier zur Wiedervorstellung:
– keine Schmerzen
– Sensibilität positiv, weder verspätet noch verfrüht, analog dem 21
Das lässt uns hoffen.
WV in 14 Tagen.
…übrigens A2 war viel zu dunkel.
Farbkorrektur folgt.

3 Tage post Op

3 Tage post Op