Saving Hopeless Teeth – ein Recall

von Jörg Schröder

Die Durchführbarkeit endodontischer Revisionbehandlungen nach erfolgter Wurzelresektion wurde hier schon oft gezeigt.

Solange eine retrograde Wurzelfüllung noch nicht eine Selbstverständlichkeit, sondern eher eine Seltenheit darstellt, sind Misserfolge nach Resektion nicht verwunderlich.

Denn die Ursache der periapikalen Pathologie, die bakterielle Kontamination des Kanalsystems/der Kanalsysteme und eine Kommunikation zwischen Kanalhohlraum und periapikalem Gewebe, sorgen für das Fortbestehen der apikalen Aufhellung auch nach respektiver Massnahme.

Dass die Resektion bis zum apikalen Teil eines Wurzelstiftes die Etablierung einer retrograden Füllung geradezu artistisch werden lässt, in der Regel aber verunmöglicht, kommt in nachfolgendem Beispiel noch hinzu.

Erfreulich, dass 8 Jahre nach Durchführung der endodontischen Revisionsbehandlung das Recall-DVT klar zeigt, dass die Behandlung ein voller Erfolg gewesen war.

Und bevor ob der Tatsache, dass ich zu Recallzwecken ein DVT angefertigt habe, eine Empörungswelle entsteht, sei erwähnt, dass  der überweisende Kollege aufgrund ab und zu auftretender Missempfindungen an Zahn 21 eine Vertikalfraktur der Wurzel vermutete. Diese konnte sicher ausgeschlossen und die apikale Ausheilung deutlich gemacht werden.

Der Grund für die Beschwerden lag in einer über die Jahre hinweg zunehmenden Rotation des Zahnes 31, sodass es in der Folge zu  protrusiven Frühkontakten und den entsprechenden Missempfindungen kam. Die für eine Vertikalfraktur typischen klinischen Befunde – insbesondere palpatorische Druckdolenz, Schwellung oder isolierte Sondierungstiefen – fehlten.

Hätte ich den Patienten 8 Jahre nach erfolgter Behandlung wiedergesehen, wenn es keine Beschwerden gegeben hätte? Vermutlich nicht.

Dentapen (V)

Wie Olaf Löffler schon in einem Kommentar beschrieb gab es in der Vergangenheit Lieferprobleme mit den Schutzhüllen des Dentapens.

Auf Initiative unserer Septodont-Aussendienstmitarbeiterin erreichte uns gestern eine Packung mit 250 solcher Schutzhüllen.

Der Preis dafür liegt bei 146,37 EUR inkl. Mehrwertsteuer.

Macht also circa 58 Cent pro Stück…

Neustart (VIII) – Bewährte Anschaffungen (I) – update

Quasi zehn Jahre lang war der Jadent Mikroskop Stuhl ERGOsit in unserer Praxis unangefochten.

Leider musste ich für mich persönlich feststellen, dass die Sitzposition auf Dauer ggf nicht optimal ist. Daher beschäftigte ich mich über einen längeren Zeitraum mit Alternativen.

Diese sind allerdings recht rar gesät.

Meine Wahl fiel vor einiger Zeit nun auf der Sally Ergorest.

Hauptunterschied ist die Sitzschale –

ein Sattelsitz.

Im ersten Moment ungewohnt, aber für mich innerhalb von Minuten „gut“.

Grösster Unterschied sind die anderen „Features“ der Armstützen.

Dieses Video verdeutlicht, welche Einstellungsmöglichkeiten es für diese gibt.

Mein bisheriges Fazit nach einer Woche ist sehr positiv. Ich werde die neue Sitzposition und die Armlehnen für ich weiter testen und berichten…

hat jemand ggf. eine Alternative bzw. eine andere Option?

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.

T

21 Recall 14 Jahre – hopeless teeth

Diesen Fall habe ich 2009 vorgestellt. Christoph Kaaden hat für diese Fälle den Begriff „Kanonenrohrfall“ geprägt. Dies drückt auch genau das Problem aus.
Damals hatte ich keine große Hoffnung in das Behandlungsergebniss langfristig gesetzt. Die klinische Ausgangssituation mit viel Pus, hoher intrakanalärer Substanzverlust und Resektion ließen mich keine Prognose wagen.

Nun haben wir ein Recall nach fast 14 Jahren, neben einigen vorher.
Der Zahn ist klinisch symptomlos, zeigt keine erhöhten Sondierungstiefen, der Lockerungsgrad ist 0.

Da die apikale Situation nicht eindeutig röntgenlogisch beurteilter war haben wir uns für eine 3D Aufnahme entschieden. Nun möchte ich der geneigten Leserschaft die Bilder und Aufnahme zur Verfügung stellen.

Apikal ist am Zahn 21 eine stagnierende Regeneration zu erkennen, im Bereich der früheren WSR ist keine vollständige knöcherne Heilung erkennbar. Der Parodontalspalt zeigt sich relativ konstant. Ich sehe eher eine konstante bindegewebige, narbige apikale Situation. Wir haben mit dem Patienten entschieden weiterhin die Situation röntgenlogisch zu kontrollieren und keine chirurgische Intervention zu unternehmen.
Ich werde weiter berichten.
Ist das Ergebnis ein Behandlungserfolg – für den Patienten ja. Wie ist Eure/Ihre Meinung?

Spielzeugboote im Central Park

Schön ist es anzuschauen, wenn die kleinen Kinder mit ihren Eltern oder Grosseltern (oder je nach gesellschaftlichem Status auch Nannies), ihre Spielzeugboote im See des Central Parks zu Wasser lassen. Daran musste ich unwillkürlich denken, als ich das Paket der KZV RLP öffnete und die uns vom Gesundheitsministerium unter Jens Spahn zur Verfügung gestellten (unverpackten) FFP2-Masken in Augenschein nahm.

Spielzeugboote. Wie wir sie früher aus Papier gefaltet haben. Ein nostalgischer Moment aus der Kindheit. Nur – zum mehr als wenige Momente überdauernden Schwimmen waren diese nicht geeignet. Und da ergeht es uns mit diesem Masken-Geschenk nicht anders. Während die gefalteten Schiffchen eine gewisse eigene Ästhetik aufweisen, sieht die FFP2 – Maske (ein wie betont wird ausschließlich in deutschen Landen hergestelltes Qualitätsprodukt, was subliminal als Zeichen für die hohe Güte der Ware wirken soll) einfach nur deppert aus. Bereit für den Ententanz im Altersheim? Jetzt schon?!?

Aber – das sind ja nun wirklich Äußerlichkeiten.
Schwamm drüber. Kaum der Rede wert, angesichts des Ernstes der Lage.

Schlimm hingegen.
Die Masken sind unbequem.

Schlimmer noch- man möge mir vormachen, wie man eine solche Maske mit ihren innenliegenden und um den Kopf herumreichenden Bändern anzieht, ohne diese beim Anziehen zu kontaminieren.

Am schlimmsten – Die Masken schliessen um die Nase nicht genügend ab. In diesem Punkt sind sie schlechter als alle FFP2 – Masken, die wir bisher im Einsatz hatten.

Keiner von uns 5 Praxisangehörigen konnte diese Masken sinnvoll und zweckgemäß einsetzen. Wie Hohn wirkt es daher, wenn die KZV RLP sich freut, uns diese Masken überreichen zu dürfen und hofft, auf diesem Wege uns durch die pandemiebedingte Kostensteigerung etwas entlasten zu können. Hilfe, sehr geehrter Herr Spahn, sieht anders aus. Für mich klingt das wie einem Hund einen abgenagten Knochen hinzuwerfen. Klingt für mich wie das grosse Klatschen auf den Balkonen zu Beginn der Pandemie für die Kranken- und Altenpfleger, deren teils prekäre Situation sich auch im Jahr 3 der Pandemie nicht geändert hat.

p.s.: Das die gelieferten MNS – Masken als Produktionsdatum 12/2023 ausweisen, demnach die Masken via Zeitmaschine aus der Zukunft kommen müssen – trägt nicht unbedingt dazu bei – Produktionsstandort Deutschland hin oder her – das Vertrauen in das Produkt zu stärken.

Viel zu tun …

… gab es bei der nachfolgend beschriebenen Behandlung.

Alio loco waren die Zähne 36 und 37 alio loco im Zuge der Erneuerung der vorhandenen Kronen mit stuhlgefertigten Langzeitprovisorien versorgt worden. Bei der initialen endodontischen Behandlung konnte von den insgesamt 7 Kanalsystemen beider Zähne lediglich der MB des 36 instrumentiert werden.

Bereits das Einzelbild des 37 ließ, gemeinsam mit dem klinischen Befund (Sondierungstiefe mesiolingual 6 mm bei ansonsten gesunden parodontalen Verhältnissen) auf eine oder zwei Perforationen im 37 schliessen.

Im DVT konnte dies Vermutung bestätigt werden.

Es wurde ein zweizeitiges Vorgehen vereinbart. Aufgrund der radiologisch deutlich erkennbaren Randinkongruenz wurde nach Entfernung der temporären Krone, dem Rekonstruieren der Distalfläche der auf 36 verbliebenen Krone (36 und 37 waren verblockt und mittels RelyX-UniCem befestigt gewesen) Zahn 37 zunächst präendodontisch adhäsiv aufgebaut.

Nach absoluter Trockenlegung, Darstellung der Perforationen und Darstellung aller drei Kanaleingänge des 37 wurde die mesiolingual gelegene Perforation adhäsiv verschlossen.

Klinisch war erkennbar, dass es eine Kommunikation zur Mundhöhle gibt und das DVT zeigte eine supracrestale Lage. Ich bevorzuge für den adhäsiven Verschluss ein hochvisköses Flow-Komposit. Die distolinguale Perforation war knöchern begrenzt und wurde nach kollagenem Widerlager mit MTA verschlossen.

Anschliessend konnten alle Kanäle bis zum physiologischen Foramen aufbereitet werden.

Mesial wurden zur Gleitpfaderstellung und zur Aufbereitung ausschliesslich rotierende NiTi-Instrumente eingesetzt. Die Überprüfung der Arbeitslänge erfolgte mit Handinstrumenten der Größe 008.

Abschliessend galt es, nach adhäsivem Verschluss der Zugangskavität, den Aufbau zu präparieren und eine temporäre Krone zu erstellen, die adhäsiv befestigt wurde. So konnte in der zweiten Sitzung der Kofferdam leichter appliziert und die Behandlung beider Zähne (WF 37, WK/WF 36) abgeschlossen werden.

Zu meiner Überraschung erschien im Zahn 36 zwischen MB und ML klinisch eine kleine schmale Struktur, die sich als Middle Mesial erwies. Selbst im hochauflösenden DVT war dort nur im Entferntesten eine Ahnung von Kanaleingang zu vermuten. MB, MM und ML konfluierten kurz vor der deutlichen Distalkrümmung.

Gerne hätte ich auch für den 37 eine Einprobe der Masterpoints vorgenommen, doch musste ich hier, einmal wieder, aufgrund des nicht vorhandenen Platzes zwischen Klammer lingual und Zunge auf ein Röntgenbild unter Kofferdam verzichten. Erst die Abschlussaufnahme gab über das Gelingen Auskunft.

Batterietester

Und hier noch ein Tipp zu meinem Batterietester, welche mir in diesem Beitrag die Erleuchtung brachte.

( https://wurzelspitze.blog/2022/02/16/dumm-gelaufen/ )

Amprobe BAT-250 Batterietester
Marke: AMPROBE
4,6 von 5 Sternen 3.837 Sternebewertungen auf einer großen Einkaufsplattform.

Ich möchte das Teil nicht mehr missen. Nahezu alle herkömmlichen Formate kann man damit testen.

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.

Dentapen (IV)

Der Dentapen ist mittlerweile in einigen Beiträgen bei WURZELSPITZE beschrieben und beurteilt worden.

Hier noch ein aktuelles Video unserer Anwendung im OK:

Kurz zu unserem Vorgehen:

Oberflächenanästhetikum bukkal und palatinal

Trocknung der Einstichstelle mit Watterolle

Spannung der beweglichen Gingiva bei geringer Mundöffnung

Schliff der Kanüle beachten! (Wirkung wie Skalpell wünschenswert)

Minimaler Einstich (Penetrationstiefe max. 1mm) und Applikation eines kleinsten Depots

Kurze Verweildauer mit Warten auf ersten Wirkungseintritt (Somit Vermeidung des pH-Wert bedingten „Brennens“ bei der Applikation)

Weitere langsame Applikation mit kontinuierlich tieferer Penetration der Kanüle ohne Kortikaliskontakt

Penetrationstiefe der Kanüle immer unter Sicht bei unbedingter Beachtung der Sollbruchstelle

Ähnliches Vorgehen palatinal

Hier zusätzliche Druckanästhesie mit Sondenrückseite (ggf. vorab zusätzliche Vereisung der Sonde mittels Kältesprays)

Dentapen-Modus: intraligamentäre Anästhesie:

Folge:deutlich sichtbare Ischämie durch suffiziente Menge an Anästhetikums…

Voila: Schmerzfreie Behandlung und maximal schmerzarme/frei Anästhesie

WURZELSPITZE Qualitätszirkel I 22 16.02.2022 20 Uhr

Heute um 20 Uhr ist das nächste Treffen unseres WURZELSPITZE Qualitätszirkels.
Die Anmeldedaten haben alle Molaren-Patrons per Email bereits gestern erhalten. Falls nicht, im SPAM nachschauen oder mich kontaktieren unter h2w2@gmx.de Das Meeting findet im Übrigen nicht mehr via GOTO Meeting, sondern via Zoom statt. Der Fachvortrag kommt von Jörg Schröder. Das Thema dürfen die Teilnehmer zu Beginn auswählen.

Bis heute abend.

Dumm gelaufen

Seit Jahren benutzen wir den elektronischen Pulptester von Parkell.
Den habe ich seinerzeit mal bei American Dental Systems für eine recht stolze Summe erworben. Er hat uns immens geholfen und war ein verlässliches Gerät.

Jetzt ganz plötzlich nach dem Batterietausch gab er so langsam seinen Geist auf.
Er zählte nur noch bis 2 hoch. Nach mehrmaligem drücken gelang es doch das er wie gewohnt bis 60 hoch zählte. Nun brauchten wir Ersatz.
Hier ein Link zu einer kleinen Marktübersicht.

Diese Geräte gibt es nicht mehr. Also in Deutschland, bzw. Europa. In Asien gibt es die, wie Sand am Meer, wenn einem bekannten Einkaufsportal glauben darf. Sogar mit CE Zeichen und dann noch für kleines Geld. Nigelnagelneu.
Es gibt auch in den USA einen Gebrauchtmarkt für diese Geräte, wo man auch einiges dafür bezahlen muss.
Wir haben uns für die CE gekennzeichnet Ware aus Asien entschieden.

Mich wundert es, daß kein Hersteller in Europa diesen Bedarf erkennt und da einspringt.
Kann man sehr gut vermarkten, mit Traumafortbildung verknüpfen, an den Unis den Studenten dieses Gerät zur Verfügung stellen und es wird gekauft.

Jetzt haben wir den Asienimport. Auch diese Teil läuft mit 9Volt. Die Batterie eingesetzt und los geht es. Aber nichts ging los. Es gab keinen Auslöseknopf. Es leuchtete eine grüne Diode auf, das war es. So hatte ich es mir nicht vorgestellt.
Die Bedienungsanleitung zeigte auch keinen Auslöseknopf. Die Messung erfolgt sobald Kontakt hergestellt ist stand da. Aber es passiert nichts. Im Selbsttest passierte gar nichts.

An dieser Stelle kam mir die Erleuchtung.
Ich habe ein Batteriemessgerät zu Hause. Am nächsten Tag habe ich die gekaufte 9Volt Batterie getestet und sie war nahezu leer.


Mit einem neuen 9Voltblock ging es tadellos. Übrigens auch das Parkell Gerät ging wieder einwandfrei.
Wir werden beide Sensimess-Geräte im Vergleich testen und dann kann ich mehr zu unserer Asieninvestition sagen.

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.

Das 4S – Instrument

Es war wieder einmal soweit.
Ein ThermaFil- Stift sollte aus dem Wurzelkanal entfernt werden.
Hoffentlich keine grosse Sache.
Alle Vorbereitungen sind getroffen.
Es fehlt nur noch der Fragremover, der von uns in einer Box mit allen weiteren Utensilien, die dafür notwendig sind, aufbewahrt wird und die in solchen Behandlungssitzungen auf der Hinterkopfzeile bereit steht, um zu gegebener Zeit hervorgeholt zu werden. Und gerade als ich mir das Gerät anreichen lassen möchte, fällt mein Blick auf das 4S – Instrument.

4S.
Ist die Abkürzung für die Sebastian-Stein-Schlingen-Spritze. Der hier mitliest und mir vor einiger Zeit schon ein Exemplar seines Fragmententferner-Selbstbaus zugeschickt hatte.

Draht, Kanüle und eine Luerlock- Plastik- Spritze und ein wenig Kleber.
Mehr brauchte es nicht.

Da liegt er nun, der 4S, in der Plastikbox und lacht mich an, als wollte er sagen, probier mich doch einfach mal aus. Und irgendwie packt es mich. Ich greif mir das Teil, stülpe die Schlinge über den Kunststoffstift, ziehe am Spritzenkolben im Sinne einer Spritzenaufzugsbewegung, die Schlinge packt zu, ich ziehe an der Spritze und – schwupps – der Stift ist draussen. SO einfach, das nicht nur ich, sondern auch meine beiden Assistentinnen, die bei der Behandlung dabei sind, ein Lob dem Erfinder zukommen lassen möchten.

4S!
Wer nicht auf eine professionelle Lösung zurückgreifen möchte, dem sei der 4S zum Selbstbau ausdrücklich ans Herz gelegt.

Tolle Idee, Sebastian !

Arretierte interne Resorption

Nachdem die Erstbehandlung erhebliche Anteile des durch eine interne Resorption deutlich veränderten Kanalquerschnittes offensichtlich nicht füllen konnte, traten innerhalb von ca. 1,5 Jahren nach der Obturation intermittierende Perkussionsempfindlichkeiten an diesem 12 auf.

Das DVT zeigte den apikalen Anteil des Parodontalspaltes leicht erweitert.

Nachdem die Resorptionslakune vom alten Wurzelfüllmaterial befreit war, galt es den apikalen Guttaperchastift möglichst im Ganzen zu entfernen. Dazu kam die hier schon häufig erwähnte Technik zum Einsatz, bei Hedströmfeilen steigenden Durchmessers jeweils bis zur EFL-Anzeige 0,0 an der Guttapercha vorbeigeführt werden , um sich in die Guttaperchamasse hineinzuschrauben.

Nach ausgiebiger Irrigation und Einsatz eines XP-Finishers wurde der eingepasste Masterpoint so weit gekürzt, dass er nur den rundlichen apikalen Anteil ausfüllen konnte. Die benötigte Länge konnte am DVT bestimmt werden. Nach Bestreichen mit Sealer wurde dieser kleine Guttaperchakorken sodann auf einen Microopener aufgespiesst und in die gewünschte Endposition geschoben.

Die Lakune wurde in Squirting-Technik gefüllt.

Vinzenz – Avulsion Zahn 11 (I)

Der heute achtjährige Vinzenz erlitt im Sommer 2021 beim Fußballspielen ein Frontzahntrauma in Form einer Avulsion des Zahnes 11.

Leider wurde der Zahn vor der Replantation ca. zwei Stunden unphysiologisch in einem Taschentuch gelagert. In der weiteren Folge wurden alio loco wiederholt Nachkontrollen sowie die Schienenentfernung durchgeführt.

Eine erste radiologische Nachuntersuchung erfolgte im Oktober 2021, die ohne weitere Therapie blieb.

Im Januar 2022 bildete sich in der Regio 11 eine vestibuläre Fistel. Nach Anfertigung einer weiteren Röntgenaufnahme erfolgte schließlich die Überweisung zu uns.

In zwei Terminen haben wir kürzlich versucht, „zu retten, was noch (oder nicht mehr?) zu retten ist… (1. Termin Med-Einlage Ledermix; 2. Termin Ca(OH)2)

hier wieder die entsprechenden Röntgenaufnahmen und einige weitere Impressionen.

Alio loco

Fistel Zahn 11 vestibulär
Applikation des Ca(OH)2

Radiologische Darstellung der Ca(OH)2 Einlage

Ich werde weiter berichten…

Spinnen jetzt alle, oder was soll das…

Sorry, für die deftige Titelwahl, aber innerhalb kurzer Zeit hat man mich sprachlos gemacht.

  1. Zurück in die Zukunft

Letzte Woche erhielt ich 3 Schreiben von der BGW.
Verstanden habe ich keines.

Es sind Rechnungen und darauf sind Minusbeträge ausgewiesen. Das heißt für einen mathematisch unbegabten Zahnmediziner: Oh, ich bekomme etwas, oder besser gesagt: „Gehe über Los und ziehe 4000€ ein“. Dem ist nicht so.

Meine Steuerberaterin hat zum Glück mehr Zahlenverstand und mir diese erklärt.
Und auch erklärte Sie mir, daß auf dem Schreiben vom 24.01. steht, daß das Schreiben vom 25. 01. widerrufen wurde. Da stimmt doch was nicht, oder?

Ist das etwa wieder die gelobte Digitalisierung?

Natürlich muss ich die Zeit der Steuerberaterin bezahlen damit sie mir die Zukunft erklärt.

Ich glaube so langsam werde ich zu alt für diese digitale Welt…

2. Ohne Worte…

Ein Paket kommt von unserer KZV in Dresden mit diesem Brief.

Ohne Tassilo gäb´s das hier nicht. DANKE Tassilo !!!!

Eines meiner wichtigsten Anschaffungen meiner frühen Phase des zahnärztlichen Berufslebens war der Kauf einer Lupenbrille. Zunächst mit 2,5 facher Vergrößerung eine Keeler-Lupenbrille, relativ schnell danach eine Orascoptic TTL, Vergrößerungsfaktor 4,3. Die ich bis heute habe. Und – neben Apexlokator, OP-Mikroskop und DVT zu den besten und unverzichtbaren Investitionen meiner Praxistätigkeit zähle.

Mindestens genauso liebgewonnen- die Lupenbrille betreffend – habe ich jedoch auch die adäquate Beleuchtung. Das war anfangst eine riesiger Kasten mit Halogenlampe. Verbunden mittels Glasfaserkabel. Stand auf der Hinterkopfzeile während der Behandlung, nicht zu übersehen, vor allem aber auch nicht zu überhören, weil der für die Kühlung der Lichtquelle notwendige Lüfter bei einer ZE-Präparationssitzung stundenlang lautstark vor sich hin rotierte.

Was für eine Erleichterung, als dann irgendwann kleine transportable akkubetriebene Lichtquellen ihren Einzug in die Praxis hielten. Von nun an war das Licht auf dem Kopf ständiger Begleiter meines Arbeitsalltags. Selbst oder gerade auch bei einer 01 das schattenfreie, optimal ausgeleuchtete intraorale Sichtfeld ein Traum.

Einziger Wermutstropfen – von Zeit zu Zeit musste das geliebte Hilfsmittel wegen Kabelbruchs zur Reparatur geschickt werden. An dieser Stelle ein Dankeschön an Sigma-Dental, die über viele Jahre hinweg zunächst kostenlos und später für einen angemessenen Betrag die Reparatur durchführten, statt wie heute vielzuoft üblich schulterzuckend auf den Neukauf zu verweisen.

Die Abstände zwischen den Bruchereignissen wurden allerdings im Laufe der Zeit immer kürzer.

Irgendwann habe ich aufgegeben, das kaputte Licht einzuschicken. Zumal seit 2013 die Nutzung der Lupenbrille nur noch marginal vorhanden war, weil nun – solitär intrakanalär – fast ausschliesslich der Blick durch das OP – Mikroskop erfolgte. Das Licht also nur noch selten vermisst wurde.

Trotzdem war ich sehr froh, das Tassilo Hug, ein im 3D-Druck sehr beheimateter Kollege aus Heidelberg mir irgendwann seine Eigenkonstruktion vorstellte. Ein Lupenlicht, zusammengebaut aus Industrie-Teilen, die nur wenige Euro kosteten. Das Gehäuse für die LED-Birne selbst gedruckt mit einem in seiner Praxis vorhandenen Formlabs- 3D – Drucker. Angetrieben durch eine handelsübliche USB-Powerbank.

Die Lichtausbeute ?
Erstaunlich hoch.

Allerdings auch die Hitzeentwicklung über meiner Nase.
Und – Bei mir zumindest brannte die LED nach kurzer Zeit durch.
Ich saß also wieder sprichwörtlich im Dunkeln.

Vor kurzem dann habe ich einen neuen Anlauf unternommen.
Anlass war der Besuch des ortsansässigen Heimwerker-Marktes. Ich kann mich stundenlang dort aufhalten und mit kindlichem Interesse Gang für Gang entlangstreifen. So fand ich auch das Regal mit einer Auswahl an LED-Stirnlampen. Und dachte mir – wie wäre es, statt einer Lupenbrillenbeleuchtung, angefertigt aus Einzelteilen, von denen nicht klar ist, ob sie überhaupt miteinander harmonieren, auf ein solches Gesamtpaket zurückzugreifen und dieses lediglich für meine Belange zu modifizieren.

Gesagt, getan.

Als Proof of Concept habe ich zunächst eine Halterung gedruckt, die es mir erlaubte, die Stirnlampe an meine Lupenbrille anzuschrauben.

Nachdem das die Machbarkeit bewiesen hatte, bin ich im zweiten Schritt hingegangen und habe aus Gründen der Gewichtsreduktion, die Brillenkonstruktion betreffend, die Leuchteinheit von der Batterieeinheit getrennt und mittels Kabel verbunden. Auch hier diente ein in meinem Fall günstiger China- 3D – Drucker als Teilelieferant.

Ich präsentiere nun hier – Voila – mein DIY- Lupenlicht.
Mit Alu- Gehäuse (und dadurch gut wärmeableitend).
Zoom-Funktion der Linse.
4 Beleuchtungs-Betriebsarten (von denen 2 sinnvoll sind)

Die Lichtausbeute ?
Ich sag s mal so.
Mein erstes (teures) Lupenbrillenlicht war nicht so hell.

Das Beste kommt aber noch.
Das Licht hat nur rund 13 Euro gekostet.
Und jeder, der ein wenig handwerkliches Geschick aufweist, sollte in der Lage sein, in weniger als 20 Minuten sich solch ein Licht selbst zu basteln. Für sich selbst. Oder für Andere in der Praxis.

Was man dazu konkret benötigt an Materialien, Geräten und Druckdateien, das erfahren die WURZELSPITZE- Molaren-Patrons in einem Extra – Betrag.

Spätfolge eines Frontzahntraumas

Im November hatte ich an dieser Stelle über die Folgen eines zu langen Blickkontaktes berichtet.

Neben der Fast-Avulsion zweier Unterkieferfrontzähne kam es zur Dislokation zweier weiterer. Insgesamt zeigten drei der in Mitleidenschaft gezogenen Zähne apikale Pathologien und wurden endodontisch behandelt.

Zahn 42 reagierte in den ersten engmaschigen Kontrollen negativ auf den elektrischen Reiz, wies jedoch maximal einen gering verbreiterten Parodontalspalt auf. Klinisch war der Zahn vollkommen beschwerdefrei.

30 Tage nach dem Trauma zeigte sich eine apikale Erweiterung des Kanalhohlraumes, die nunmehr 4 Monate nach dem Trauma deutlich nach koronal vorangeschritten ist.

Nun wird auch der letzte der betroffenen Zähne endodontisch behandelt werden. Interessant wird es zu sehen, ob, wie ich es erwarte, das Gewebe apikal noch durchblutet sein wird.

Schön zu sehen, dass die periapikalen Regionen der endodontisch behandelten Zähne bereits klare Zeichen einer Ausheilung zeigen.

Titel sind Schall und Rauch

Den Begriff des Fremdschämens habe ich hier schon mehrfach erwähnt.

Nachfolgend ein Behandlungsfall der bei mir besonders heftiges inneres Kopfschütteln auslöst. Wurde die Behandlung doch von einer Person durchgeführt, die nach eigener Aussage, große Mühen auf sich genommen hat, um den M.Sc. auf dem Gebiet der Endodontologie zu erwerben.

Nach einer erheblichen Dislokation der Zähne 21 und 11 im Alter von 9 Jahren, erfolgte die Behandlung beider Zähne aufgrund labialer Fistelungen 4 Jahre nach dem Trauma in einer im Bereich der Endodontologie spezialisiert arbeitenden Praxis.

Das Ergebnis möchte ich lieber umkommentiert lassen, spricht es doch für sich selbst.

Horizontale Wurzelfraktur bei Loreen (II)

Letzte Woche habe ich hier über die Verletzung von Loreen berichtet.

Vielen Dank für die Rückmeldungen…

wir haben uns also tatsächlich für den ungewöhnlichen Versuch der Behandlung beider Fragmente entschieden.

Hier ein paar bewegte Bilder der Behandlung…

Ob diese Strategie (einen gewissen) Erfolg zeigt wird die „Reaktion“ der Fistel zeigen müssen.

Abhängig davon entscheiden wir das weitere Procedere…

Ich werde berichten.

Mal wieder einer aus der Rubrik „Rekordhalter“

So ein Fragment aus der oben genannten Kategorie (I & II) hatten wir nun länger nicht…

dieses „Phänomen“ scheint aber weiterhin aufzutreten…

Die Entfernung gelang nach Ultraschall-Darstellung und initialer Freilegung schließlich mittels BTR Pen.

Der Rest war dann eigentlich Routine bei bestehender Konfluation der beiden bukkalen Kanalsysteme…

Masterpoint-Aufnahme
Downpack
Post-OP

ich bin gespannt, wann wir das nächste Mal wieder einen solchen Rekordhalter bei uns begrüssen „dürfen“…

Kommentar zur Auflösung Röntgenrätsel vom 21.01.2022

Die Diagnose interne Resorption ließ sich durch das DVT bestätigen. Eine Destruktion des Wurzelzementes war nicht erkennbar. Deshalb unsere Diagnose Interne Resorption, DD ECR in einer stagnativen Phase durch die vitale Pulpa.

Die externe cervikale Resorption (ECR) ist nahezu immer mit dem Vorhandensein mikrobieller Plaque verbunden, die den pathologischen Prozess stimuliert. Als Ursachen gelten folgende Faktoren:
dentales Trauma, KFO-Behandlung, internes/externes Bleichen, Parodontitisbehandlung, chirurgische Maßnahmen, Durchbruchsdruck retinierter Zähne (3er, 8er), Parafunktionen,
Kofferdamklammer, restaurative Maßnahmen, Blasinstrumente und der damit verbundene Druck auf die Frontzähne.

Die positive Sensibilität ist ebenso bei einer externen Resorption vorhanden.
Die Differenzierung ist an Hand von Röntgenaufnahmen exzentrisch oder einer DVT möglich.

Als Ursache einer internen Resorption werden in der Literatur erwähnt:
akuten traumatischen Verletzungen, chronischen Zahnhartsubstanztraumata, Autotranplantationen, als Folge der Kronenpräparation bei zu geringer Kühlung,
profunder Karies und Pulpaamputation, Dens invaginatus, Revitalisierung, Schilddrüsenfehlfunktion und Herpes-Zoster-Infektion.

Im vorliegenden Patientenfall berichtete die Patientin über ungewöhnliche Schmerzen nach KFO Behandlungsterminen mit Aktivierung. Das entspricht einem chronischen Trauma.

Es ist von keiner Infektion der Pulpa auszugehen. Der Zustand hat sich in den letzten Jahren offensichtlich nicht verändert.

Die Möglichkeit der biologischen Reparatur wurde bereits von Hartness im Jahr 1975 be- schrieben. Bislang wurde davon ausgegangen, dass eine Resorption Phasen der Progression und Stagnation durchläuft, jedoch immer progredient auftritt. Diese Schlussfolgerung scheint unbegründet zu sein. (1)

Auf Grund des nicht weiter bestehenden Traumas besteht unsere Therapie in Kontrolluntersuchungen in 6 Monaten / 12 Monaten /danach alle 24 Monate.

Quelle:
(1) Endodontie 2021;30(3):285–303; Arnold; Interne Resorptionen; Ätiologie, Pathogenese, Diagnostik und Therapie
Endodontie 2021;30(3) 263-272, Haueisen, Rüttermann, Gerhardt-Szép; Externe zervikale Resorptionen: Ätiologie und Prävalenz

Termine 2022 für den endodontischen Qualitätszirkel „WURZELSPITZE “

Die Covid- Pandemie hat neben vielen schlechten Dingen auch ein paar gute Aspekte bereitgehalten. Wir durften feststellen, daß virtuelle Fortbildungen nicht nur machbar sind, sondern sogar einige Vorteile haben. Statt sich nach Praxisschluss abgehetzt ins Auto zu schmeissen, um danach auf bundesdeutschen Straßen möglicherweise die gleiche Zeit wie für die eigentliche Fortbildung hinter dem Lenkrad im Stau zu verbringen, können wir stattdessen bequem von zu Hause aus uns weiterbilden.

Noch besser.
Das geht jetzt auch mit WURZELSPITZE.
Okay, hatten wir vorher schon, aber von nun an sind wir offiziell als Qualitätszirkel zahnärztekammerseitig gelistet und dürfen demnach Fortbildungspunkte vergeben.

Und zwar 3 Punkte pro Qualitätszirkeltreffen, von denen 4 pro Jahr stattfinden.

Hier schon mal die Termine zum Vormerken:

Wir „treffen“ uns 2022 am

Mittwoch
16. Februar 2022 20:00 Uhr

Mittwoch
22. Juni 2022 20:00 Uhr

Mittwoch
21. September 2022 20:00 Uhr

Mittwoch
14. Dezember 2022 20:00 Uhr

4 Kategorien sollen dabei – neben dem informellen Austausch untereinander – fester Bestandteil der WURZELSPITZE Qualitätszirkel- Treffen sein:

Neben einem Thema mit endodontischen Inhalten
eine Literaturbesprechung,
eine Falldarstellung
und eine betriebswirtschaftliche bzw. praxisorganisatorische Fragestellung.

Der Zugang zum Videomeeting erfolgt zu gegebener Zeit via Patreon an alle Molaren – Patrons von WURZELSPITZE.

WCDT – Kongress in Lisabon gecancelt

31 January 2022

WCDT Lisbon 2022 Cancelled
Careful planning for the 21st World Congress on Dental Traumatology in Lisbon has been underway since 2019. The COVID-19 pandemic has caused two postponements. Everything looked promising for a face-to-face meeting in May 2022, but the emergence of the highly contagious Omicron variant and the global disruption it has caused has been significant.

The 2022 abstract deadline was extended to 16th January 2022, however, widespread concerns about travel resulted in registrations remaining less than one third of expected attendance.

The conference organising committee, representing ESE, IADT and PSE, has been meeting regularly and monitoring developments over recent months. It met again, along with our Professional Congress Organiser, on 20th January 2022 to consider multiple options within the context of financial and broad educational and reputational losses.

Having weighed each option carefully, it became clear that the only viable action at this stage was to cancel the congress outright. This reality comes as a huge blow to all of those who have worked so diligently during the last several years to deliver a truly world class event; to our prospective speakers who accommodated earlier cancellations and invested greatly in preparing their presentations; to our sponsors and exhibitors who enthusiastically supported us; to those who engaged in research and then submitted abstracts, and finally to those who registered as delegates.

We communicate our heart-felt disappointment and apologise to all of you as we experience the devastating consequences of the ongoing COVID-19 pandemic on our meeting.

In contrast, we reflect positively on a strong and purposeful collaboration among the ESE, IADT and PSE organizations and sincerely hope that we are able to work jointly again in the future.

Please be assured that we will arrange a refund of registration and sponsorship fees.

Please contact AIM Group International (Lisbon), our professional congress organiser, atwcdt2022@aimgroup.eu , who will facilitate making the appropriate arrangements.

Thank you for your interest and commitment to dental traumatology.

The field remains strong, important and a key component to healthcare worldwide.

Kind regards,

The Congress Organising Committee

Warum nur?

Dass das Wissen um die Behandlung von Zahntraumata nicht weite Verbreitung gefunden hat, ist eine traurige Tatsache, wie der von Christoph gerade eingestellte Fall leider einmal wieder zeigt.

Dass es um das Wissen der Ursache einer periapikalen Pathologie nach erfolgter endodotischer Behandlung mindestens genauso schlecht bestellt ist, zeigen die allwöchentlichen Vorstellungen von Patienten mit Zähnen, die einen Zustand nach erfolgloser Resektion aufweisen.

Wird es jemals möglich sein, dass die eine Resektion ausführenden Kolleginnen und Kollegen vor dem Eingriff ganz kurz nachdenken, warum die Erst- oder Zweitbehandlung fehlgeschlagen ist? Und dass das einfache Abschneiden der Wurzelspitze vollkommen an der Ursache vorbeigeht, die selten in einer extraradikulären, sondern vielmehr in einer intrakanalären bakteriellen Kontamination zu suchen ist.

Und dass es sinnvoll ist eine retrograde Wurzelfüllung anzufertigen, die einen dichten apikalen Verschluss ermöglicht. Auch wenn das heisst, dass die retrograde Füllung eine Schichtstärke von mehr als 0,5 mm aufweisen sollte? Standardwissen. Eigentlich. Und dennoch immer wieder dasselbe Bild:

Die Inhomogenität der Obturation, die hier eher mit dem Glasfaserstift, als mit Guttapercha erfolgte ist bereits im 2D-Bild zu erkennen. Und dass die retrograde Präparation hier eher als anspruchsvoll bezeichnet werden kann, führte wohl zur Abkehr vor derselben.

Da schäme ich mich fremd und wünsche mir am Ende meiner beruflichen Laufbahn, dass es irgendwann einmal in einem Semester des Zahnmedizinstudiums einen Kurs geben wird, der das Erkennen der eigenen Grenzen und den lösungsorientierten Umgang mit der Tatsache vermittelt, dass einfach nicht Jede und Jeder alles machen machen sollte, wozu er qua Approbation berechtigt ist. Und zur ständigen Frage animiert: Kann ICH das Problem vorhersagbar lösen? Und am Ende des Kurses nehmen alle, die teilgenommen haben eines mit: Es ist keine Schande, sondern Größe, zuzugeben, dass man nicht jede Behandlung so ausführen kann, wie es der jeweilige Fall erfordert.

Alio loco war bereits ein DVT erstellt worden, welches jedoch zeigt, wie wichtig die Expositionsparameter für ein hochpräzises Ergebnis sind und was passiert, wenn diese vom Optimum abweichen. Für ein X800 M ein eher mässiges Bild.

Zurück zum Behandlungsfall. Die Behandlung erfolgte aufgrund der klinischen Symptomatik zweizeitig. Eine wenig kniffelig war die Entfernung des apikalen Teils des Glasfaserstiftes. Grundsätzlich entferne ich Glasfaserstifte mittels Munce-Rosenbohrer. Sehr vorhersagbar, wenn es apikal der Stifte noch Obturationsmaterial gibt.

Wenn, wie hier, apikal des Stiftes nur apikale Lyse vorhanden ist, besteht die Gefahr, den apikalen Stiftanteil in den periapikalen Raum zu verbringen. Daher setzte ich hier U-Files ein, deren Arbeitsende ich mit einem Seitenschneider ca. 0,5 mm kürze. Das so geschärfte Arbeitsende zerlegt die Glasfaser erheblich besser, als die nichtmodifizierten U-Files.

Dabei gehe ich vom Rand des Stiftes aus und arbeite ich mich allmählich im Randbereich kreisförmig so lange um den Stift herum, bis sich dieser von der Kanalwand im Stück löst. In der Regel ist ein Freilegen von 240- 270 Grad notwendig, um die Klebung aufzubrechen.

Die Obturation erfolgte aufgrund des weiten Neo-Formens und der apikalen knöchernen Krypte nach Anlegen eines Kollagenen Widerlagers mit MTA.

Horizontale Wurzelfraktur bei Loreen (I)

Heute möchte ich Ihnen die jetzt elfjährige Loreen vorstellen.

Das junge Mädchen erlitt im März 2021 ein Frontzahntrauma an Zahn 11.

Hierbei kam es augenscheinlich zu einer unkomplizierten Kronenfraktur. Der Defekt wurde zeitnah mittels Kompositfüllung versorgt. Eine radiologische Untersuchung des Traumas erfolgte nicht.

Sechs Monate später begann Loreen klinische Symptome in Form von pulsierenden Schmerzen an dem betroffenen Zahn zu entwickeln.

Das alio loco angefertigte Röntgenbild zeigte laut Hauszahnarzt keine sichere Diagnose.

Daraufhin wurde eine abwartende Haltung vereinbart.

Wieder acht Wochen später zeigte sich eine vestibuläre Fistel. Das ebenfalls anfertige Einzelbild zeigte nun eine horizontale Wurzelfraktur mit Osteolyse im Bruchspalt.

Als Aktumaßnahme wurde der Zahn trepaniert und mit einer medikamentösen Einlage versorgt.

Es folgte die Überweisung zur ortsansässigen Kieferchirurgin zur Entfernung des Zahnes.

Diese Kollegin wiederum verwies das Mädchen schliesslich zu uns..

Klinische imponierte eine ausgeprägte vestibuläre Fistel. Es lagen keine erhöhten Sondierungswerte vor. Der Lockerungsgrad betrug Grad I.

Radiologisch stelle sich die Situation im Januar 2022 wie folgt dar…

Zustand nach alio loco begonnener Wurzelkanalbehandlung Zahn 11 bei horizontaler Wurzelfraktur
DVT der Situation

welche Optionen sehen Sie neben der Extraktion des Zahnes?

Neue Dinge werfen ihre Schatten voraus

Fast 27 Jahre lang hat uns unser Sirona Heliodent MD – Kleinröntgengerät hervorragende Dienste geleistet. Plötzlich und unerwartet hat es sich kürzlich von uns verabschiedet. Nun ist die Zeit für etwas Neues.

Auflösung Röntgenrätsel vom 21.01.2022

Vielen Dank für die Antworten.
Auch ich habe getippt und an 16 neben der P. apicalis eine Perforation, eine geknicktes oder fakturiertes Instrument, sowie an 13 eine Resorption gesehen.
Die rechtfertigende Indikation mit diesen Verdachtsdiagnosen für eine DVT zur Abklärung ist gegeben und wir haben dies angefertigt. Unser Vorteil war noch die klinische Untersuchung und dabei ist eine Defekt palatinal subgingival am Zahn 16 aufgefallen.
Der Befund im DVT hat allerdings überrascht.
Die Perforation des Instrumentes geht in die Resorptionslakunen, mittels Elektrometrie UND Kofferdam wäre das sicher vermeidbar.

13 zeigt im DVT eine interne Resorption. Wir konnten keine Verbindung nach extern erkennen und haben ältere Röntgenbilder bei Vorbehandlern angefordert.
Ein OPTG von 2016 haben wir erhalten. Dies ist mit anbei.

13 zeigt eine positive Sensibilität, keine erhöhten Sondierungstiefen und keinen Lockerungsgrad. Anamnestisch ergab sich bei der Patientin eine kieferorthopädische Behandlung vor ca. 15 Jahren über mehrere Jahre. Nach Aktivierung musste die Patientin jedesmal Schmerzmittel nehmen, da starke Zahnschmerzen auftraten.

Nun ist die Frage: 13 behandeln oder sollte man dies auf beobachten setzen?
Wie sieht das die geneigte Leserschaft?

Dentapen – der erste Kontakt (2)

Was genau ist ein No Brainer ?
Wenn ich nach der deutschen Übersetzung für No Brainer suche, dann erscheint bei der Google-Suche als Antwort „ein Klacks“.

Ich hätte es eher mit „muss ich nicht drüber nachdenken“ ins Deutsche übertragen.
Und ganz ehrlich, ich bin über jede Situation, jede Handlung in der Praxis, die ich bewältigen muss, ohne drüber nachdenken zu müssen, sehr dankbar.

Was das mit dem Dentapen zu tun hat ?
Eine ganze Menge.

Denn natürlich habe ich in diesem Artikel hier geschrieben, das ich sehr gut ohne den Dentapen auskommen kann. Weil es nur sehr wenige Situationen gibt, in denen er in meinen Händen den Unterschied überhaupt ausmachen könnte.

Könnte – man beachte den Konjunktiv. Nicht mal das ist also sicher.

Warum also dann doch der Dentapen ?

Weil ich – in genau diesen, ich sage es jetzt bewusst seltenen Situationen ich froh bin, den Dentapen zu haben. Er beschert mir „No Brainer“ – Momente.

Ich denke an den superängstlichen Patient, die schmerzempfindliche Patientin.
Die einem Puls und Blutdruck hochtreiben.

Das ist der springende Punkt.
Und jetzt wird es fast ein wenig esoterisch.

Was macht in solchen Situationen es mit einem?
Zu wissen, das man mit Hilfe des Dentapen eine schmerzfreie und gut wirksame Anästhesie erzielen kann?
Ohne auch nur einen Gedanken (no brainer also) daran verschwenden zu müssen, ob die gewünschte Schmerzausschaltung erzielt werden könnte.

Wieviel ist mir das wert?
Dieses unbekümmert arbeiten können.
Diese Frage kann nur jeder für sich selbst beantworten.

Bleibt noch der nicht unerhebliche Preis.
Für etwas, auf das ich verzichten könnte.
Nur selten bräuchte.

Das beschäftigt einen.
Soll ich? Soll ich nicht ?
Jetzt ist auch noch eines unserer Kleinröntgen-Geräte kaputt gegangen.
Soll ich also die 1500 – 2000 Euro, die den Dentapen kostet, nicht besser sparen ?

Ist immerhin schon ein Viertel Röntgen-Gerät.
Ich überlege.

Und dann fällt mir ein. Ich habe mehrere intraligamentäre Spritzen in der Praxis. Die ich nur hin und wieder einsetze. Aber trotzdem darauf nicht verzichten kann und möchte. Da hab ich auch nie nach dem Preis gefragt oder aber die Überlegungen angestellt, ob ich mir das Geld sparen könnte.

Der Dentapen ist Luxus für mich.
Ich bräuchte ihn nicht, aber ich leiste ihn mir. Trotz seines Preises.

Ein starkes Indiz für den Nutzen eines solchen Gerätes, oder ?

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.as

Schlaufe oder Kanüle?

Gilt es Silberstifte zu entfernen, stellt sich die Frage mit welchem Verfahren diese am sichersten entfernt werden können.

Schnell ist sicher die Drahtschlaufentechnik. Diese birgt aber auch das Risiko, dass sehr dünne Silberstifte dabei durchtrennt werden können. Wie es sich zum Beispiel bei manchen Thermafill-Trägerstiften andeutet.

Da ich Vorhersagbarkeit liebe, bevorzuge ich die Kanülentechnik.

Der einzig kniffelige Punkt ist das berührungslose Freilegen von ca. 2 mm des Silberstiftes mittels Endosonorefeile. Denn berührt man den Silberstift zu oft oder zu lange mit der Feile, reduziert sich der Stiftquerschnitt mitunter deutlich und führt bei entsprechender Friktion im Kanal zu einem Abriss.

Wichtig bei der Kanülentechnik: Die Kanüle so klein wie möglich auswählen und so vorbiegen, dass das Überstülpen interferenzfrei gelingt.

Ich verwende als Befestigungsmaterial ein dualhärtendes Komposit. Das Einbringen des Komposits erfolgt per Skinny Syringe. Es ist darauf zu achten, dass die Kanüle ohne Spritze eingebracht wird, damit überflüssiger Kleber in die Kanüle zurück gedrückt werden kann.

Das Schwierigste? Das Warten auf die chemische Aushärtung.

Röntgenrätsel

Mal wieder ein kleines Rätsel für das Wochenende.

Auf den Röntgenaufnahmen kann man mehrere mögliche Pathologie erkennen.
Was könnte ich meinen?

Bitte die Kommentarfunktion nutzen.
Aufklärung nächste Woche.

Sturz im Bad (IV)

Wieder ist ein Jahr seit dem letzten Recall vergangen.

Pünktlich zum Jahresende 2021 führte der Zuweiser wieder eine Nachuntersuchung bei Magdalena durch.

Die Situation ist weiterhin stabil und stellt sich sehr erfreulich dar…

So kann und wird es hoffentlich bleiben…

Fortbildungspunkte

Willkommen in der Zukunft!

Gute Nachrichten für alle unsere Molaren – Patrons.
Es gibt Fortbildungspunkte für alle Teilnehmer des WURZELSPITZE – Qualitätszirkels. Das ist nun der offizielle Titel dessen, was einmal als WURZELSPITZE Plus – Live Talk seinen Anfang nahm und erfreulicherweise einen treuen Teilnehmerkreis ausgebildet hat. 4 mal im Jahr, im Februar, Juni, September und Dezember finden die virtuellen Treffen statt. 3 Punkte sind anvisiert pro Sitzung. Die genauen Termine, zum Vorplanen, kommen in den nächsten Tagen.

Grenzen der Physik

Der Patient wurde uns mit der Diagnose Stiftfraktur an 21 überwiesen. Der Zahn war mit einem Provisorium versorgt.
„Die Krone war aus heiterem Himmel beim Essen weggebrochen.“
Die Anamanese ergab, daß der Zahn nach einem Sportunfall erstmals mit einer größeren Füllung versorgt werden musste. 11 zeigte in der Diagnostik keine Sensibilität. Die Sondierungstiefen waren nicht erhöht und die Zähne 11 und 21 symptomfrei. Klinisch imponierrte eine Kopfbißlage. Die daraus resultierende Überbelastung zeigte die mundgeschlossene Aufnahme des DVT eindrucksvoll.
Zusätzlich bestätigte sich im DVT eine apikale Parodontitis am Zahn 11.
Der Patient wünschte den unbedingten Zahnerhalt und Behandlung beider Zähne.

Auf Grund der durch die Beißlage verursachten Belastung des Zahnes 21 wurde die erweiterte palatinale Präparation notwendig. Warum die Grenzen der Physik versucht wurden zu brechen, in dem eine Art „Stiftveneer“ hergestellt wurde, war für mich nicht nachvollziehbar.

Ferrule konnte labial nur eingeschränkt erreicht werden. Das ist der Faktor der zur Prognoseneinschätzung günstig führte.

Die Überraschung war der Zirkonstift, der vom HZA nicht erwähnt wurde. Zum Glück konnte dieser ohne Substanzverlust mit Ultraschall entfernt werden.
Für den präendodontischen Aufbau verwendeten wir nach Sandstrahlung, Ätzung und Bonding EverXFlow und Beautifil BW. Als Distanzhalter zur Erstellung der Zugangskavität haben wir ein Navitipp eingepasst und nach den präendodontischen Aufbau entfernt.
Zur besseren Darstellung der Füllungsgrenzen haben wir ein Composite (Beautifil BW) mit farblichem Kontrast (weiß) verwendet.
Nach einer abschließenden Desinfektion wurde das Kanalsystem gefüllt und ein Glasfaserstift adhäsiv inseriert.
Dem Patienten und HZA haben wir eine Front/Eckzahngeführte Schiene für die nacht empfohlen um Belastungsspitzen am Zahn 21 abzufangen.

„Der Elektrische Reiter“ oder „Kuhfuss unter Strom“

Robert Redfords kommerziell erfolgreichster Film als Schauspieler und Regisseur ist „Der Pferdeflüsterer“, eine anrührende Herz-Schmerz-Geschichte, die 1998 in die Kinos kam. Fast 20 Jahre zuvor und heute weitestgehend vergessen, spielte schon einmal die Kombination Pferd – Redford in einem seiner Filme eine bedeutende Rolle. Robert Redford war damals der „Elektrische Reiter“. Ein ehemals erfolgreicher Rodeo-Cowboy, der nun – durch zahlreiche Verletzungen nicht mehr in der Lage bei Wettkämpfen anzutreten – als Werbefigur für einen Lebensmittelkonzern auftritt. Über und über mit Glühlämpchen behängt, was dem Film seinen Namen gibt. Und an jenen Cowboy, jenen elektrischen Reiter musste ich denken, als Jörg in seinem Beitrag hier vom Cowboy – Style sprach und mit der Metapher eines Kuhfusses die Entfernung von Guttapercha aus dem Wurzelkanal mittels Hedstroem- Feile und Moskito-Klemme präsentierte.

Und ich zeige nun die „elektrische“ Variante. Die sich den gleichen physikalischen Prinzipien wie das manuelle Pendant bedient, die da lauten: Mit der Hedstroem-Feile mit Hilfe der legendären Uhraufzugs/watch winding-Bewegung in die Guttapercha nach apikal vordringen und gleichzeitig für Retention innerhalb der Guttapercha sorgen. Nutzt man dann eine Moskito- Klemme, um über ein Hypomochlion einen lateralen Druck aufzubauen, presst man die Feile noch stärker in die Guttapercha hinein, so dass die Friktion in der Guttapercha größer ist als die Friktion der Guttapercha an der Kanalwand. Gleichzeitig erfolgt nun eine koronal gerichtete Bewegung. Das Resultat ? Wie mit dem Korkenzieher eines Kellnerbestecks wird die Guttapercha aus dem Kanal herausgehebelt.

Möglich wird das mit Hilfe des Morita Tri Auto ZX 2 – Handstückes. Das weist nämlich als einen seiner Arbeits-Modi eine reale Reziprok- Bewegung auf. Heisst 90 Grad hin – 90 Grad zurück. Oder auch 180 Grad hin – 180 Grad zurück – Auf jeden Fall jedoch keine Rotation. Die Guttapercha wird also nicht zerschnitten. Das ist der Trick dabei. Dann nur noch das verwendete VDW Reciproc R25 – Instrument (das ja nichts anders darstellt als eine leicht modifizierte Hedstroem- Feile. maschinell angetrieben, der elektrische Cowbiy eben) bei der Auswärtsbewegung nach lateral drücken.

Das Handstück als Kuhfuss.
Funktioniert.

Natürlich nicht in jedem Fall.
Aber immer wieder.
So dass wir zuallererst einmal auf diese Vorgehensweise zurückgreifen im Sinne von – wenn ´s nicht funktioniert können wir immer noch was anderes machen.

Hier das Video zur Demonstration der Vorgehensweise.

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.

Glück gehabt

In nachfolgendem Fall kam zugegebenermaßen ein klein wenig Glück hinzu.

Dass das im MB vorhandene Instrumentenfragment nicht leicht zu entfernen sein dürfte war nach Auswertung des DVT schnell klar. Eine leicht gegenläufige s-förmige Krümmung in bukt-lingualer Richtung erhöht die Friktion erheblich.

Geplant war der Einsatz einer Drahtschlinge zu Fragmententfernung. Da MB und ML getrennte Foramina aufwiesen, wurde zunächst der koronale Teil des MB Kanals tropfenförmig in Richtung ML erweitert und das Fragment freigelegt.

Im zweiten Versuch ließ sich das Fragment entfernen, nur leider nicht in toto.

Also unternahm ich den in meinen Augen wahrscheinlich nicht vielversprechenden Versuch das apikale Fragment mittels Handinstrumenten zu passieren. Und hatte Glück! Nachdem die ISO 008 vorbei war, kamen im weiteren Verlauf der Aufbereitung Feilen der Größe 010, 012, 015 und 017 zum Einsatz. Das Passieren wurde radiologisch verifiziert.

Apikal wurden nur Handinstrumente -hier Pro Taper – bis zu einem Durchmesser von 025 verwendet. Die taktile Rückmeldung beim Kontakt mit dem Fragment schützt vor einer erneuten Fraktur.

Nach schall- und laserunterstützter Irrigation wurden die Masterpoints einprobiert und es zeigte sich, dass das Fragment in Länge und Lage verändert erscheint. Kürzer und rotiert. Erklären kann ich es mir nicht so recht, bin aber mit dem Ergebnis dennoch zufrieden.

Die Lehre für mich: Es ist erst vorbei, wenn alle Möglichkeiten ausgeschöpft sind.

Nachdenksache des Tages 20211123 – Zahnmediziner – Aufwachen!“

Der Blick in die Tageszeitung bleibt an der Überschrift hängen: Sparkassen laufen Sturm gegen Honorarpflicht – Banken fürchten um abschreckende Wirkung für Kunden

Worum geht´s ? Ich habe keine Vorstellung und lese interessiert nach. Sparkassen warnen die Politik davor, die Beratung für Finanzprodukte gegen Honorar zum Standard zu machen. Hähh ? Der Staat erlaubt euch, Geld für eine bislang kostenlose Dienstleistung zu nehmen und ihr lehnt entrüstet ab ? Ihr dürftest also von nun an eure Aktienfonds und Lebensversicherungen dem Kunden andienen und zusätzlich noch für eure Empfehlung Geld nehmen ? Euch also eure fachliche Expertise bezahlen lassen, unabhängig davon, ob der Kunde dann das empfohlene Produkt kauft oder nicht ?

Und ihr wollt das nicht ?

Die Antwort folgt sogleich. Der Präsident des Deutschen Sparkassen und Giroverbandes klärt auf: Eine verpflichtende Honorarberatung stelle für viel Kleinanleger eine unüberwindbare Hürde dar. Wenn Kleinanleger für eine Erstberatung von 2 Stunden erst einmal die tatsächlichen Kosten von durchschnittlich 360 Euro als Honorar auf den Tisch legen muss, nehmen die meisten keinerlei Beratung mehr in Anspruch. Eine solche Vorgabe schliesst grosse Teile der Bevölkerung vom Zugang zu guter Beratung aus und ist unsolidarisch.

Zorro und Robin Hood in Personalunion bei der Sparkasse ?
Oder Batman und Che Guavara ?

Wird die Finanzwelt nun endlich gut ?
Ein Schelm, wer Arges denkt.

Oder hat man nur Angst, dass man einen grossen Kundenkreis verliert, dem man nun nicht mehr zu irgendwelchen Finanzdeals überreden, nein ,“überzeugen“ kann, auf die er eigentlich von sich aus nie gekommen wäre ?

Sei es drum. Es ist ein anderer Aspekt, den ich so bemerkenswert finde. Die tatsächlichen Kosten, schwarz auf weiss, für die Beratung durch den (einzelnen) Bankmitarbeiter beträgt 180 Euro pro Stunde. So – und jetzt Hand aufs Herz. Wie kann es sein, das wir als Zahnärzte für eine Beratung von einer Stunde beim Kassenpatienten einen Betrag von X Euro und beim Privatpatienten von Y Euro in Rechnung stellen dürfen ? Und wie kann es weiter sein, das Niemand aus der Standespolitik diesen Missstand artikuliert ? Sind wir weniger wert, als ein Bankkaufmann, ein Versicherungskaufmann, beides im Übrigen Ausbildungsberufe. Die Ä3 ist mit 20,11 Euro, die Ä1 mit 10,72 Euro vergütet. Dem Bankkaufmann wird also – durchschnittlich wohlgemerkt – 50 – 200 % mehr Honorar zugestanden, nur um seine Kosten zu decken, von Gewinn ist hier noch gar keine Rede. Auch nicht davon, das bei uns in der Praxis, während wir beraten, ja noch ein ganzes Team von Mitarbeitern um uns herum sich befindet, deren Kosten ja noch zusätzlich in die Berechnung einfliessen müssten.


10-jähriges Praxisjubiläum

Am 09.Januar 2012 haben wir in der Brienner Strasse 5 unsere neugegründete Praxis für Endodontologie und dentale Traumatologie in München eröffnet.

Seitdem haben wir 4974 Patienten untersucht und behandelt.

Der erste Patient war der damals 71-jährige Herr W.F.

Entgegen meines sonstigen Naturells habe ich ihn damals um ein gemeinsames Foto gebeten…

Erster Patient in der Praxis für Endodontologieb & dentale Traumatologie Januar 2012

Die Behandlung seines Zahns 27 verlief dann ohne nennenswerte Besonderheiten.

Ausgangsröntgenbild Januar 2012

Abschluss-Röntgenaufnahme Januar 2012

Vor Kurzem erhielten wir ein Kontrollierter-OPG (mit seehr mässiger Qualität) des Patienten.

Es schein, als wäre die damals erste Behandlung geglückt.

Ebenso wie unsere Praxisneugründung.

Röntgenkontrolle 9 Jahre nach endodontischer Therapie an Zahn 27

Ich möchte mich auf diesem Weg nochmals bei allen Freunden, Beratern, Unterstützern, Helfern und mehr für die grenzenlose Unterstützung bedanken.

Ohne Euch hätte ich diesen Schritt nicht gewagt und gemeistert!

D A N K E

Ich freue mich auf die nächsten hoffentlich 15 Jahre.

Ergebnis 3:3

Es steht Unentschieden.

Nein kein Fussballspiel, das sind die Ergebnisse unserer ersten Woche, oder besser 3 Tagen mit dem DentaPen.
3 Patientinnen und Patienten empfanden dies angenehmer als die bisherige Lokalanästhesie und 3 Patienten konnten keinen Unterschied feststellen. Einige gaben an, daß der Einstich unangenehmer war.
Das hing aber eher mit meiner Ungeschicktheit zusammen, da der Dentalen etwas anders in der Hand liegt als die Zylinderampullenspritze und ich den vorher abgegebenen Lokalanästhesietropfen an anderer Stelle platzierte als den Einstich.
So hat es sich bis heute in der Patienteneinschätzung weiter hingezogen.

Vorgestellt wurde der DentaPen in Wurzelspitze hier.
Gestern hat HaWi bereits etwas dazu berichtet und nun zeitnah sozusagen, mein Kommentar.

Eigentlich wollte ich den DentaPen erstmal testen und bat um eine Leihstellung per Mail. Dazu ist es aber nicht gekommen und ich habe den Dentalen selbst bestellt. Die Lieferzeit betrug 4 Wochen.

Wir haben den DentaPen jetzt 3 Wochen im Einsatz.
Leider fehlen uns jetzt die Hygieneschutzhüllen. Der Lieferant unseres DentaPen Netdental, hat diese (noch) nicht vorrätig und es wurde auch noch nicht nach diesen nachgefragt.
Bei Septodont habe ich die Herstellernummer 0015J erfahren.
In AERA ist diese Herstellernummer bisher nirgendwo gelistet.

Schade, mal sehen, wie schnell wir weiter damit arbeiten können.
Zusammenfassend muss ich sagen, ich hätte mir etwas mehr versprochen. Das Handling, bzw. das design ist noch optimierbar. Die konstante langsame Anästhetikaabgabe empfinde ich als Behandler durchaus sehr hilfreich und werde den Dentalen weiter einsetzen.

Da meine Rechtschreibkorrektur unerbittlich DentaPen zu Dentalen machte habe ich das P einfach groß geschrieben.
Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.

Dentapen – der erste Kontakt

Ich vermute mal jeder von uns kennt so einen Kollegen.
Der jede Neuerung, die in seiner Praxis Einzug hält, hoch euphorisch anpreist.

Sei es ein neues Abformmaterial: „Bombe!“
Oder eine neue Endo- Feile, ein neues Composite- Material: „Sensationell!“.
Wer ihn kennt, weiss aber auch, dass dieses Hochgefühl selten länger als 4- 6 Wochen anhält. Sobald der erste Misserfolg sich einstellt, das erste NiTi – Super Duper- Instrument im Wurzelkanal abgebrochen ist, die erste ZE – Arbeit als nicht passend aus dem Dentallabor zurückkommt, kehrt besagter Zahnmediziner reumütig zum früheren Status Quo zurück. Und nur auf Nachfragen irgendwann gibt er dann kleinlaut zu, daß die Geheimwaffe nun in der Schublade verstaubt.

Ganz anders mein lieber Freund Chris K(ay) aus Munich. Wenn der schon mal in Lobeshymnen ausbricht, dann kann man sicher sein, das es sich wirklich um etwas ganz Aussergewöhnliches handelt, was er uns an Herz legt. Wie kürzlich geschehen beim Dentapen von Septodont. Ich kann mich nicht erinnern, ihn schon mal nach so kurzer Zeit so euphorisch schwärmen gehört zu haben, wenn es um eine eine kleine und banale Sache geht wie ein Hilfsmittel zur dentalen Anästhesie.

Grund genug für mich, das Gerät einmal auszuprobieren. Ich war supergespannt, teilen doch Christoph und ich die gleiche beinahe schon manische Besessenheit, nämlich die orale Anästhesie für den Patienten so angenehm wie möglich durchzuführen.

Wer wissen will, wie der Dentapen funktioniert, dem seien Christophs Beiträge hier und hier und da zur Lektüre empfohlen.

Für nun ist es ausreichend, zu wissen, dass das Gerät motorunterstützt die Anästhesie erleichtert. Gewissermaßen eine Förderpumpe für minimale Mengen Articain etc. . Kennt jemand noch „The Wand“? Diese Mini – PC- Towergehäuse große, schlauchgebundene mehrere tausend Euro teure Maschine macht auch nichts anderes, der Dentapen ist gewissermaßen eine handliche und günstigere Variante.

Und wie war es nun ?
Vermutlich so, wie man mit großen Erwartungen als Kind an Heiligabend an den Weihnachtsbaum herantritt, um dann festzustellen, dass man von der Oma nicht die gewünschte Carrera-Auto-Rennbahn (Willkommen im Jahr 1974) sondern nur einen doofen selbstgestrickten und obendrein kratzigen Pullover geschenkt bekommen hat.

Leicht enttäuschend.

Weil der erhoffte Aha- Effekt ausgeblieben ist.
Die Patienten nämlich im Vergleich zu kürzlich erfolgten konventionellen Anästhesien am Gaumen – das ist nämlich der Acid – Test schlechthin – keinen spürbaren Unterschied festzustellen schienen. Diesen Eindruck hatten im Übrigen nicht nur ich, sondern auch meine Assistentinnen. Die übliche Frage: Was kostet das Teil ?“ Und als ich antwortete „1200 Euro“ wurde abgewunken. Zumal die Mikroplastik- Weltmeer und Nahrungs-Diskussion scheinbar in den deutschen Köpfen angekommen zu sein scheint, denn der Gebrauch des Dentapen setzt die Nutzung einer weiteren Einmal-Plastikhülle voraus und auch das wurde im Team kritisch bewertet.

Ist damit unser Beitrag zu Ende?
Keineswegs.

Ist das hier ein Veriß?
Auf gar keinen Fall.

Was ich hier mache, ist das, was wir, das dentale Marketing betreffend, eigentlich wünschenswerterweise immer gerne hätten. Keine unreflektiereten Lobeshymnen, sondern eine differenzierte Betrachtung, das Für und Wider abwägend. Der Dentapen ist nämlich ein wunderbares Hilfsmittel. Punkt. Nicht für jeden, aber für all diejenigen Behandler*innen, die aus welchen Gründen auch immer sich eher schwer damit tun, die Anästhesie am Patienten wirklich schmerzfrei durchzuführen.

Und ich kann jedem nur empfehlen, den Dentapen mal auszuprobieren um sich

a) selbst ein Bild davon zu machen und

b) mit eigenen Augen zu sehen, wie langsam und gefühlvoll man injizieren muss, um eine solche Wirkung zu erzielen. Das dauert nämlich. LANGE. Geduld ist hier der Schlüssel zum Erfolg. Wer sie aufbringt und das Feingefühl bei der Injektion mitbringt, der braucht keinen Dentapen. ABER – jetzt kommt der Moment, bei dem ich mich ertappe, stark mit dem Dentapen zu liebäugeln, obwohl ich ihn eigentlich nicht brauche. WEIL – er mir die ganze Arbeit oder sollte ich besser sagen die Konzentration auf den Vorgang abnimmt. Vorsichtig einstechen, den Knopf drücken und – im Geiste – abschalten. „Den Kopf freimachen“ meine ich damit. Oder in Ruhe dem Patient erzählen, was nun als Nächstes in der Behandlung ansteht.

Das mache ich ohne Dentapen zwar auch.
Aber -das ist nicht das Gleiche.
Das eine mal hochkonzentriert, das andere mal relaxed.
Ich habe jedes Mal diese Momente genossen.

Kann das der mir geneigte Leser nachvollziehen?
Mich verstehen?
Ich schlage vor, den Dentapen zu testen und ein eigenes Urteil zu fällen.

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.

Mit Überlegung (3) und Teamarbeit

von Jörg Schröder

Gerade bei der Fragmententfernung gibt das DVT wertvolle Hinweise auf den einzuschlagenden Weg. Wie muss der Zugang modifiziert werden, damit der koronale Fragmentanteil visualisiert werden kann? In welcher Richtung sollte dem Fragment ein „Angebot“ gemacht werden? Welche Entfernungsmethode ist am besten geeignet, dass Fragment vorhersagbar zu entfernen?

Der schwierige Teil in nachfolgendem Fall?

1. Dass es sich um eine Hedströmfeile handelt, die in den meisten Fällen eine gegenüber einem reamerähnlichen Fragment eine erhöhte Friktion erwarten lässt.

2. Die Länge des fakturieren Instrumentes.

3. Das aufgrund der Vorspannung mesial mit etwas Federkraft anliegende Fragment liess sich nach dem ovalen Erweitern des Kanaleinganges nach palatinal bewegen. Und bewegte sich bei der leichtesten Berührung wieder in die Ausgangslage zurück und verhindert somit das verwerfen der Drahtschlinge.

Nach mehreren Versuchen konnte ich den Fragmentkopf mittels Micropener so positionieren, dass ein kleiner Abstand zwischen Dentin und Fragment entstand. Leider hielt der Microopener nicht von alleine. Also habe ich meine Mitarbeiterin gebeten den Microopener zu übernehmen, nachdem ich ihn positioniert hatte. Kübra kontrollierte die Position über den Bildschirm.

Dann hielten wir beide den Atem an. Das Überstreifen gelang im ersten Versuch. Nun musste nur noch die Schlaufe halten. Was sie tat.

Denn noch am nächsten Morgen sprach Kübra noch mit Glitzern in den Augen von gemeinsam erreichten Erfolg!

Update Stand der Zwiebel Samstag 08.01.2022 11 Uhr 22

Ich habe so wie es jetzt aussieht einen Workaround gefunden, der zumindest für die WURZELSPITZE Patrons den bisherigen Zustand wieder herstellt und ihr wie gewohnt über die WordPress Seite, die nun www.wurzelspitze.blog heisst, mitlesen könnt. Der Support beider millardenschwerer Unternehmen war und ist unterirdisch. Beide Supports schieben das Problem dem jeweilig anderen Partner zu. Beispiel gefällig :
WordPress schreibt: Since this is a third-party plugin, our team has a limited scope of support as we aren’t familiar with the inner workings of their product, but I’ll try my best to point you in the right direction.
Und verweist dann auf Teilnehmer- Selbsthilfeforen.
Patreon schreibt: Hi there,Unfortunately, we are unable to provide support on the API on our end.
Und verweist dann , na , worauf wohl – auf Teilnehmer-Selbsthilfeforen.
Schöne neue Welt!

In unserem Fall kommen mehrere „Zahnräder“ in Betracht, die (knirschend) ineinandergreifen. Die Einbindung des Patreon Plug Ins. Der dafür notwendige Domain-Wechsel. Das bei vielen Teilnehmern vorhandene Cache, die alten Adresse beinhaltend und die mit der alten Adresse besetzten Lesezeichen in den Browsern und Mobile Apps.Dann gab und gibt es allerdings definitive Bugs auf WORDPRESS Seite. Das Backend betreffend, so das der Leser davon verschont bleibt. Die tauchen im täglichen Autoren- Arbeiten auf (Olaf kann davon nicht ein Lied, eher eine ganze Oper singen) allerdings nicht für alle und unregelmäßig, was die Fehlersuche schwierig bis unmöglich macht. Man entwickelt im Laufe der Zeit einen Workaround. Das Wort trifft es in der Übersetzung sehr gut. Geht, ist aber super nervig. Jüngstes Beispiel. Ich habe das Patreon plug in deaktiviert. Und die Seite wieder auf privat gestellt. Zum Jahreswechsel löschen wir hierzu alle Zugangsberechtigungen und laden die Abonnenten des neuen Jahres danach wieder als Leser neu ein. So war es zumindest bisher. Nachdem ich also alle Leser entfernt hatte, wollte ich die aktuellen Leser wieder als solche einladen. Daraufhin gibt WORDPRESS aus, dass diese bereits alle als Leser vorhanden sind. Fakt ist aber. Keiner der Leser kann mitlesen. Und keiner ist als Leser gelistet, die Seite ist und bleibt leer. Stattdessen erscheinen (wie ich zufällig 2 Tage später feststelle) in unserer Teamseite (in der bislang nur die Autoren stehen) nun zwei neue Namen. Als Abonnenten gelistet. Mit der Einbindung des Patreons – plug in wurde eine neue Kategorie eingeführt – Abonnenten. Die zwar auch nur Leser sind, aber nicht bei diesen, sondern bei uns gelistet werden. Unlogisch. Sei es drum. Das bringt mich auf die Idee, alle Leser nicht als Leser, sondern als Abonnenten noch einmal einzuladen. Leider geht die Einladung nicht wie gewohnt in 10er Gruppen. Wenn man es versucht, erscheint eine Fehlermeldung, diese Teilnehmer sind bereits eingeladen. Ich muss also jeden einzelnen händisch einladen.

Egal. So funktioniert es nun.
Toi Toi Toi.

Obliteration als Überweisungsgrund

Wie immer gibt es „dankbare“ und undankbare Überweisungen.

Für mich zählt der Überweisungsgrund: „massive Obliteration – wir finden die Kanäle nicht“

zu der ersten Kategorie.

Hier also so ein Fall der jüngsten Vergangenheit.

Zustand nach alio loco begonnener Behandlung Zahn 16 bei einer 54-jährigen Patientin

Der Zuweiser hatte bisher nur den palatinalen Kanal gefunden. Glücklicherweise hatte er nach einigem „Suchen“ recht schnell aufgegeben…

Alio loco angefertigte Zugangskavität mit Kunststoff-Verschluss

Mit der entsprechenden Sehvergrösserung und LED-Ausleuchtung (I love it :-))), etwas anatomischen Wissen und geeigneten Instrumentarium war die Aufgabenstellung recht gut beherrschbar…

hier die Impressionen des Falls…

Zustand nach Füllungsentfernung. Blick auf Sekundär-und Tertiärdentin mit teilweise erkennbarem Pulpakammerboden
Höhere Vergrösserung der oben genannten Situation
Alio loco aufgefundenes palatinales Orifizium

Beginn der Kanaldarstellung mb1 und mb2 ; distales Kanalsystem bisher nur durch Dentineinpressungen erkennbar, deutlich erkennbare Abgrenzung von dunklem Kammerboden zu heller Wand mit Sekundärdentin
Mesiale Kanalsysteme nach Darstellung und Präparation
Blick auf Initial dargestellten distalen Kanal. Farblich gut erkennbarer Unterschied zwischen Boden und Wand bzw Sekundärdentin
„Danger Zone“ mit vorhandnen Dentintubuli – eine weitere „Kanalsuche“ hier würde sicher zu einer Perforation führen.
Blick auf vollständig dargestellten und präparierten distalen Kanal mit deutlicher Differenzierbarkeit zwischen Pulpakammer-Boden und Wand mit Sekundärdentin mit Tubuli
Vier Kanalsysteme fertig präpariert
Materpoint-Aufnahme
Abschluss-Aufnahme

Die Präparation erfolgte mit folgenden Instrumenten: C-Pilot 006-010; R-Pilot, RECIPROC Blue 25, Wave One Gold 20, 25 und 35 (palatinal); Wurzelkanalfüllung mit Guttapercha & BC Sealer high flow; zwei Termine (a 90 bzw. 60 Minuten)

Ich hoffe 2022 bringt viele dieser „dankbaren“ Zuweisungen…

Happy New Year

:-)

Mit Überlegung (2)

von Jörg Schröder

Auch in folgendem Fall war das DVT entscheidend für das vorhersagbare Aufbereiten dieses 25.

Und wieder ist eine gewisse Skepsis angebracht gewesen, wie mein eigenes präoperatives Einzelbild zeigt. Anders als im übermittelten OPG befanden sich zwei Fragmente in diesem stark nach mesial gekrümmten OK-Prämolaren.

Das DVT zeigt, dass das koronaler gelegene Fragment in P lokalisiert ist und P und B nach dem in B jenseits der Krümmung gelegenen Fragment konferieren um s-förmig nach apikal zu verlaufen.

Also war die Taktik klar:

  • Entfernung des in P befindlichen Fragmentes
  • Belassen des Fragmentes in B und manuelle Patency mit stark vorgenogener Handfeile ISO 008 und 010.
  • Messaufnahme P nach Erzielen von Patency
  • Darstellen des Fragmentes in B und Freilegen des Fragmentes durch Entfernen der koronal des Fragmentes gelegenen Dentinmassen. 

Nachdem beide Fragmente entfernt waren, zeigte der Austausch der Spülflüssigkeit zwischen beiden Kanälen, dass die Kommunikation frei war.


Die Aufbereitung von P wurde nach den Handfeilen ISO 10 mittels EndoWave 10/02, 15/02 und anschliessend HyFlex 15/03 durchgeführt. Nach Einsatz vorgebogener ProTaper-Handinstrumente S1 und S2 in B konnte auch hier die vorhandene iatrogene Stufe überwunden und der Kanal bis auf Patency aufbereitet werden.

Nach medikamentöser Einlage wurden beide Kanalsysteme in der Folgesitzung mittels HyFlex CM-Feilen final erweitert und anschliessend obturiert. Und auch die iatrogene Stufe war vollständig gefüllt.

Am Ende trafen alle nach Auswertung des DVT erstellten Annahmen zu. Ein großer Unterschied zu dem früheren Versuch-und Irrtum-Vorgehen.

 

Das neue Jahr fängt gut an …

Manchmal frage ich mich ob die Digitalisierung nicht uns beherrscht, statt andersherum.
Immer wieder mal verändert WordPress seinen Editor und dazugehörigen Module. Das führt zu plötzlichen nicht erwarteten Problemen bei der Beitragserstellung.
Da sich dadurch der Zeitaufwand zumindest bei mir stark erhöht, stört mich das sehr.

Keiner Ahnung warum man die Kunden verärgert und Frust erzeugt. Das scheint aber heute zum Geschäftsprinzip zu gehören. Oder man möchte die Leute so beschäftigen, daß diese keine Zeit haben, sich nach Alternativen umzuschauen. Ich möchte an dieser Stelle nur um Verständnis bitten, warum jetzt vielleicht das eine oder andere Bild, bzw. Erklärung nicht an der richtigen Stelle platziert ist.

So nun genug herumgenörgelt…

Im heutigen Fall stelle ich einen Fall mit einem Fehler vor, wie ich ihn bisher noch nicht hatte. Da man aus Fehlern mehr lernt, als von toll anzuschauenden Fällen halte ich diese Beiträge für nicht unwichtig.
Eigentlich lief bei der Patientin alles nach Plan.
Akute Beschwerden beginnend in der Adventszeit mit submukösem Abszess.
Der HZA schickte die Patientin umgehend zu uns und die Ursache war röntgenlogisch gut erkennbar. Distal apikal imponierte ein weiter Seitenknanal und ein ausgedehnte P. apicalis.

Die mesial unvollständige Wurzelfüllung ließ eine ausgeprägte Stufenbildung vermuten, was sich klinisch auch so darstellte. Die Überwindung der Stufen gelang mit vorgebogenen Handinstumenten in einer Balance Forced Technik. Die apikale Krümmung war sehr aprupt.
Die maschinelle Aufbereitung mesial erfolgte bis #35.04.
Im Kontrollbild der Wurzelfüllung dann plötzlich die Überraschung. Obwohl die Guttaperchapoints bis zur Markierung entsprechend der Masterpointaufnahme eingebracht wurden, fehlte ein erheblicher Teil der WF apikal.
Wir hatten die Downpackaufnahme eingespart. Es hätte uns Einiges an Arbeit erspart, nicht darauf zu verzichten. Nun erfolgte die Revision der mesialen Kanäle.
Wir verwendeten den Hitzeplugger der Obturation Unit und konnten die weitere GP mit Hedströmfeilen entfernen. Dabei zeigte sich, daß beide apikale Bereiche der GP-Points umgeknickt waren.
Um dies zu vermeiden, werden die Points von uns mit Alkohol benetzt und durch die dabei entstehende Verdunstungskälte etwas stabiler beim Einbringen mit dem Sealer.
Genau das haben wir in diesem Fall versäumt und wurden sofort bestraft. Durch die beschriebenen Fehler haben wir unsere Behandlungszeit um 60 Minuten verlängert.

Hallo 2022 !

Sahen früher irgendwie traurig aus, die Steiff-Tiere. Lag es an den harten Zeiten damals ?

Neues Jahr, neues Glück ?

Das können wir alle für 2022 noch mehr brauchen als in den Jahren zuvor.
Wir von WURZELSPITZE wünschen allen unseren Lesern und vor allem auch unseren Patrons einen guten Start in die noch kommenden 361 Tage.

Womit wir schon bei ersten Änderungen im noch jungen Jahr angekommen sind.

Zum einen. WURZELSPITZE hat eine neue (und kurze) URL.
Wir sind jetzt unter https://www.wurzelspitze.blog zu finden.

Die Änderung war notwendig geworden, weil unsere Seite jetzt mit Patreon verknüpft ist. Diese Plattform erfreut sich zunehmender Beliebtheit bei Webvideoproduzenten, Musikern, Podcastern und Bloggern. Über Patreon, 2013 vom Musiker Jack Conte ins Leben gerufen, können Künstler und Kreative von ihren Unterstützern regelmäßig einen selbstbestimmten Geldbetrag erhalten. Dieser hilft uns , den Blog WURZELSPITZE weiter zu betreiben. Und eine zwar unvollständige, aber zumindest semiquantitative Kompensation darstellt, den Aufwand betreffend, der für uns mit dem Schreiben der vielen Beiträge für WURZELSPITZE verbunden ist.

Für die WURZELSPITZE- Unterstützer ist durch die Patreon- Plattform (die nächsten Tage der Umstellung mal aussen vorgelassen) eine deutliche Vereinfachung verbunden.
Passwörter werden nicht mehr notwendig, weil Patreon automatisch die Freischaltung der jeweiligen Inhalte vornimmt. Auch die notwendigen Belege für den Steuerberater sind ad hoc verfügbar. Von den Inhalten ändert sich nichts Grundlegendes. Allerdings wollen wir ein paar Dinge in 2022 angehen, die noch nicht oder coronabedingt nicht mehr möglich waren bislang.

Zum einen Webinars, also kurze, wenige Minuten lange „How to Do“-Videos zu endodontischen Arbeitsweisen. Ein persönliches Treffen der WURZELSPITZE Community würden wir gerne machen. Sowie die schon seit langem durch unsere Köpfe spukende „Die Drei reden über…“ Fortbildung stattfinden lassen.

Die Drei – das sind Ha-Wi Herrmann, Christoph Kaaden und Jörg Schröder. Und wir versprechen, sofern das Virus uns lässt, eine endodontische Fortbildung, wie es Sie bisher noch nicht gegeben hat.

Wenn das kein guter Auftakt für 2022 ist …

Dummheit gehört bestraft.

von Jörg Schröder

Der Fall fing an, wie so viele. Die alio loco begonnene Erstbehandlung konnte nicht erfolgreich beendet werden. P war überhaupt nicht darzustellen, weil koronal vollkommen obliteriert. In B ging es nicht weiter, weil ein sehr dünnes Instrumentenfragment den Kanal blockierte.

Und es erwies sich einmal mehr als vernünftig, ein eigenes präoperatives Bild zu erstellen, denn in B befand sich ein sehr feines Instrumentenfragment, welches sich im mitgeschickten Einzelbild nicht vorfand.

 

Die Visualisierung und Aufbereitung des P verlief problemlos.

Ganz anders der B. Und dann nahmen das (vorübergehende) Unglück und die Dummheit ihren Lauf.

Da ich den sekundären Zugang etwas nachlässig präpariert hatte, konnte ich zunächst das kleine Fragment nicht sehen und zog es nach manueller Exploration vor, ein Passieren zu versuchen. Dumm. Und das Passieren endete in der Fraktur eines ProFile-Instrumentes. Und das, nachdem zuvor bereits zwei andere ProFiles klar gezeigt hatten, dass es nicht die beste Idee war, hier passieren zu wollen. Doppelt dumm. Und so verbrachte ich, nachdem ich beide Fragmente fotografisch erfasst hatte, die nächsten 10 Minuten damit zunächst mein ProFile Fragment und dann, das fremde Fragment zu entfernen.

Der Rest war wieder Standard. Erstaunlich, wie stark der palatinale Kanal apikal nach palatinal abbiegt. Ein Umstand, der nur in exzentrischer Projektion zu erkennen ist.

Mit Überlegung

Wie hätte ich den nachfolgenden Behandlungsfall wohl angegangen, als ich noch ohne präoperatives DVT behandeln musste?

Meiner Erfahrung gefolgt. Zusammenhänge vermutet und mich mit Hilfe der Mikroskopvergrößerung orientiert.

Und heute? Kann ich die richtigen Entscheidungen treffen, bevor ich den Zahn eröffnet habe.

Welchen der mesialen Kanalsysteme adressiere ich als ersten? Welche Feilensysteme werde ich einsetzen? Was erwartet mich im distalen Kanalsystem?

Das DVT gibt alle Antworten.

Frohe Weihnachten!

Wir wünschen allen WURZELSPITZE – Lesern Frohe Weihnachten und einen guten Start in ein hoffentlich ruhiges und uns von allem Negativen verschonendes Jahr 2022!

Die gute Nachricht zum Fest – auch im kommenden Jahr wird es mit WURZELSPITZE weitergehen.
Dann mit Patreon-Unterstützung. Was hoffentlich für alle Beteiligten – Leser wie Autoren gleichermaßen – eine Erleichterung darstellen wird.

Und – falls uns das Virus nicht einen Strich durch die Rechnung machen wird – dann wird es zur Mitte des Jahres hin die von uns seit 3 Jahren herbeigesehnte WURZELSPITZE Herzblut-Veranstaltung geben. Ein einmaliges Vortragskonzept, wie es dieses bislang in der Endodontie noch nicht stattgefunden hat. Für Einsteiger wie versierte Hasen gleichermaßen nützlich und sinnvoll. Also – Daumen drücken, das sich die Virenlage bessert und schon jetzt freuen wie auf´s Christkind!!!

Letzten Recalls des Jahres 2021

Hallo aus München,

hier noch unsere letzten Recalls bevor wir am Mittwoch die Praxis für 2021 geschlossen haben.

Dies war zugleich der Abschluss unseres zehnten Praxisjahrs.

Ausgangssituation Zahn 26 – Röntgenbild alio loco
Ausgangssituation Zahn 26 – Röntgenbild alio loco
Blick auf palatinalen Kanaleingang mit nicht-ranständiger Einstift-Wurzelkanalfüllung
Abschluss-Röntgenbild
Recall nach sechs Monaten
prä-op vs sechs Monate post-op
Ausgangssituation
Post-op
Sechs Monate post-op
prä-op vs. sechs Monate post-op

Ich wünsche allen WURZELSPITZE-Lesern geruhsame Stunden fernab von Praxis und Alltagsstress.

Frohe Weihnachten

Reparative endodontische Behandlung nach 8 Jahren

Hier wieder einmal eine Nachuntersuchung einer von uns durchgeführten reparativen endodontischen Behandlung.

Zu den Hintergründen:

Der damals achtjährige Oscar erlitt 2013 eine unkomplizierte Kronenfraktur.

Ausgangssituation bei Zustand nach Trauma mit unkomplizierter Kronenfraktur – Rö alio loco

In der weiteren Folge entwickelte sich eine Pulpanekrose bei nicht abgeschlossenem Wurzelwachstum.

Pulpanekrose mit apikaler Aufhellung Zahn 11 bei Zustand nach Trauma

Wieder wurde von uns in drei Terminen eine reparative endodontische Behandlung nach bekanntem Muster zu durchgeführt.

Zustand nach RET mit MTA (2013)

Da das MTA in der weiteren Folge zu einer beträchtlichen Verfärbung des Zahnhalsbereichs führte entschieden wir uns nach einem erfolglosen internen Bleaching für den Wechsel des Zements auf Biodentine.

Zustand nach RET und „Revision“ mit Biodentine

Acht Jahre nach Behandlungsbeginn war der mittlerweile gut 15-jährige Oscar zur Nachkontrolle wieder bei uns.

So stellt sich die Situation mittlerweile dar.

Zustand nach RET und „Revision“ mit Biodentine – acht Jahre nach initialer Therapie

Handelt es sich Ihrer Meinung nach hier um einen Behandlungs- Erfolg oder Misserfolg ?

2013 – vs. – 2021

Frontzahn 22 (4)

Überwiesen Fall berichteten wir bereits hier,  hier und hier.

Unser Plan ging auf. Die Patientin war fast beschwerdefrei.
Sie schilderte ein Taubheitsgefühl bei dem Zahn. Soll heißen er hat nicht mehr auf Manipulation geschmerzt.
Unsere Behandlungstrategie haben wir eingehalten und nach einer abschließenden Desinfektion Mitt Natriumhypochlrit das apikale Foramen mit ProRoot MTA verschlossen.
Nach der Wurzelfüllung mit Guttapercha erfolgte der adhäsive Aufbau mit Composite und einem Glasfaserstift.
14 Tage nach Behandlung berichtete die Patientin, das Sie beschwerdefrei ist.

Wenn wir auf die Leistungen schauen, dann muss ich feststellen, daß die Honorierung völlig an betriebswirtschaftlichen Anforderungen vorbei geht.
Selbst erhöhte Steigerungssätze können nicht der notwendigen betriebswirtschaftlichen Honorierung gerecht werden.
Im Jar 2021 waren knapp ein Drittel aller Überweisungen Frontzähne.

Zahnerhaltung ist im Frontzahnbereich mit viel Idealismus verbunden.
Damit können wir unsere Mitarbeiter nicht bezahlen. Beifall klatschen zählt nicht, das haben wir aus der Coronazeit gelernt.
Die Praxiskosten sind eklatant gestiegen. Wir müssen unseren Idealismus begraben und auf eine betriebswirtschaftlich notwendige Honorierung umstellen.

 

 

Geschichten aus dem Endozän 20211220 – Der Überweiser, der maximal einmal im Jahr überweist

Kennt ihr das ?

Der Überweiser, der maximal einmal im Jahr überweist.

Einen Tag vor seinem Urlaub. Oder – wie jetzt – in der Woche vor Weihnachten.
Dann jedoch muss die Behandlung sofort erfolgen. Heute nachmittag noch. Spätestens morgen.
Ein Ansinnen, dass vermutlich in seiner Praxis, würde es vorgetragen, je nach Naturell des Praxisinhabers auf brüske Ablehnung oder schallendes Gelächter stossen würde.

Ach ja, und wir mögen bitte den Patienten selbst kontaktieren.

Hier der ungekürzte Originaltext:

Patient XXX

Zahn 37 unvollständige WF und Herdverdacht

mit der Bitte um Revision der Wurzelfüllungen

Patient ist antibiotisch abgedeckt (Clindasaar 600 1-1-1)

Mit der Bitte um kurzfristige Terminvereinbarung

mit dem Patienten unter der Telefonnummer XXX

Patient hat Schmerzen am Prothesenankerzahn

Röntgenaufnahme in der Anlage


Mit freundlichen Grüßen

Was sagt ihr ? Wie sollte man in der Sache verfahren?

Ich freue mich über Kommentare zum Thema …

Fluoreszenz

Der nachfolgende Behandlungsfall wurde hier bereits vor zwei Wochen vorgestellt.

Beide obere 1er wurden im August 2021 kurz aufeinander bei zwei verschiedenen „Unfällen“ in Mitleidenschaft gezogen.

Während die Dentinwunde am 21 unversorgt blieb, erfolgte am 11 ein Reattachment des abgebrochenen Kronenfragmentes. Der Versuch der Pulpotomie wurde alio loco abgebrochen, da die Blutung nicht zu stillen war. Die an Zahn 11 eingeleitete Vitalexstirpation konnte aufgrund inkongruenter endometrischer Messwerte nicht beendet werden. Es wurde eine Fraktur mit begleitendem Leakage vermutet und der junge Patient zu uns überwiesen. Der an 11 verbliebene TTS-Rest war „aus Gründen der höheren Stabilität“ belassen worden.

Das endodontische Vorgehen entsprach der Behandlung des 21. Die Endometrie zeigte in der Tat zunächst nicht die im DVT vorab bestimmte Arbeitslänge von 25 mm an, sondern schlug 22 mm als AL vor. Des Rätsels Lösung: ein nach den ersten endodontischen Behandlungsversuchen etwas lädierter Pulpastumpf mit interessanten Gefässzeichnungen hat für die unzuverlässige Längenmessung gesorgt.

Die Obturation erfolgte in bewährter Weise. Da das Foramen nicht visualisierbar war, wurde zunächst eine dem Foramen im Durchmesser angepasste Papierspitz ISO 80 1mm kürzer als die Arbeitslänge eingestellt. Nun wurde solange MTA platziert, bis die Papierspitze bei 24 mm (AL minus 1mm) auf einen festen Widerstand stieß. Dann folgte MTA-Portion auf MTA-Portion. Nach radiologischer Verifizierung konnte Korona mit warmer Guttapercha aufgefüllt und der Zahn adhäsiv verschlossen werden.

Bei der Entfernung des Schienungs-Flowable nutzte ich eine von Thomas Connert beschriebene Vorgehensweise. Mit einer 405 nm emittierenden Lampe kann fluoreszierendes Komponist sehr schön visualisiert und unter Vergrößerung sehr genau entfernt werden. Am Ende zeigt sich nur noch das Komposit im Klebespalt.

 

 

Frontzahn 22 (3)

Überwiesen Fall berichteten wir bereits hier und hier.
Eigentlich alles gut, dachten wir.

Die Patientin kam 14 Tage später zur Kontrolle zu uns.
Die Beschwerden hatten sich dezent verstärkt. Wir baten nochmals um etwas Geduld.
Eine Woche später waren die Beschwerden nicht mehr tollerierbar. Starke Aufbissbeschwerden, Palpationsbeschwerden apikal 22 und natürlich der laterale Perkussionsschmerz. In den letzten Tagen kam noch ein Druckgefühl hinzu.
Wir entschlossen uns zur Revision.

Fehler Nr. 2 – Frontzähne sind nicht einfach.
Die apikale Aufbereitungsgröße aus der Erstbehandlung war #35. Die Ursache der Schmerzen waren uns vor Revisionsbeginn nicht wirklich klar. Das ist eine Situation, die ich versuche unbedingt zu vermeiden. Beim Entfernen der Wurzelfüllung haben wir am Instrument im Spanraum blutige Anteile bemerkt.

Fehler Nr. 3 – Apikale Aufbreitungsgröße und Debris im Spanraum beachten.
Das lässt vermuten, daß die apikale Aufbereitungsgröße nicht ausreichte. Die Sondierung mit Papierspitzen ergab eine einseitige Blutbenetzung von distal apikal. Die weitere Aufbereitung erfolgte bis #50. Wir haben Ledermix eingelegt und die Patientin zur Kontrolle 5 Tage später wieder einbestellt.

Nun waren die Beschwerden nahezu vollständig verschwunden. Lediglich die laterale Perkussion von vestibulär verursachte noch Beschwerden. Um nicht nochmals revidieren zu müssen habe ich mich entschieden die Ledermixeinlage zu entfernen und mit CaOH zu ersetzen um die symptomunterdrückenden Komponenten des Ledermix auszuschalten.
Sollte sich dann Beschwerdefreiheit einstellen, schließen wir die Behandlung ab.
Auf Grund der apikalen Aufbereitungsgröße werden wir mit ProRoot MTA den apikalen Berich füllen.
So ist der Plan. Ob es wieder anders kam berichten wir noch…

„Sargnagel“ Karla – Reparative endodontische Behandlung

Die Behandlung der 8-jährigen Karla zählt sicherlich zu den anspruchsvollsten meiner bisherigen dentalen Laufbahn.

Nicht aufgrund der Komplexizität der Therapie, sondern vielmehr aufgrund ihres Verhaltens…

Eine „Prinzessin auf der Erbse“ mit ausgeprägtem kapriziösen Verhalten.

Leider von der Mutter nicht nur „geduldet“ sondern noch gefördert…

Kurzum: Karla ist ein „kleiner Sargnagel“…

aber genug gejammert…

in drei Terminen gelang es uns gemeinsam eine reparative endodontische Behandlung nach bekanntem Muster zu initiieren.

hier ein paar Behandlungsfakten und die Zuweisung der Kollegin:

„Vielen Dank, dass ich dieses Kind (Karla. M.) so zeitnah zu Ihnen überweisen darf.

Kurze Krankengeschichte: 

Erstvorstellung bei mir war heute.

Laut Mutter erfolgte die Kronenfraktur (mit Pulpeneröffnung) an Zahn 11 Anfang Februar 2021 beim Seilhüpfen im Wohnzimmer. 

Insgesamt wurde der Zahn 3x versorgt, da das angeklebte Fragment 2 x abgegangen ist. Zuletzt war das Kind am Karsamstag im Notdienst bei xxx, wo man laut Mutter jedoch keine Behandlung durchgeführt hat.

Klinischer Befund heute:

Vipr. positiv, leicht klopfempfindlich, V.a. Pulpaeröffnung: austretender Gewebsflüssigkeit, kein Blutungspunkt., 

Behandlung heute:

Röntgenbild, Desinfektion mit NaOCl 3%, Applikation Calcimol und Ionosit, Aufklärung über möglichen Druck/ 

Schmerzen, Überweisung zur Weiterbehandlung.

Bei Rückfragen stehe ich gerne zur Verfügung…

hier die alio loco angefertigten Röntgenbilden:

Intrakanalär zeigte sich bei unseren Behandlungen eine Pulpanekrose… aufgrund des nicht abgeschlossenem Wurzelwachstums entschieden wir uns für eine reparative Therapie…

Abschluss-Röntgenbild nach RET

sechs Monate später scheint es, also ob sich die „Qualen“ für alle „gelohnt haben..

Sechs Monate post-op
Prä-op vs. post-op

ich werde weiter berichten…

Frontzahn 22 (2)

Hier haben wir über diesen Fall erstmals berichtet.

Nach 4 Wochen kam die Patientin wieder.

Sie klagte weiter über die Beschwerden. Wir empfahlen noch weitere 6 Wochen ab zu warten.
Auch nach dieser Zeit zeigte sich keine Änderung der Symptome. Die Patientin wurde inzwischen vom HZA zu einem Implantat beraten.
Dem Ersatz des Zahnes durch ein Implantat konnten wir nicht zustimmen.
Wir haben die Patientin nochmals ausführlich beraten und verwiesen darauf, daß auch nach einer endodontischen Behandlung die Symptome weiter bestehen könnten.

Es wurde ein DVT erstellt. Im DVT konnte man eine Obliteratioin des Kanalsystems erkennen. Im koronalen Wurzeldrittel ist eine kleine lakunenartige Vergrößerung des Kanalsystems zu erkennen.

Für die endodontische Behandlung zu stimmen, habe ich mich schwer getan. Letztendlich habe ich mich dazu entschlossen.

Das ist ein Fehler:
Niemals unter Druck des Patienten oder des Überweisers eine Behandlung beginnen, ohne die klaren und eindeutigen Symptome, bzw. Diagnose zu kennen.

Die Behandlung verlief relativ unkompliziert als Single-Visit. Die Wurzelfüllung war durch das apikal ampullenartige Kanalsystem etwas schwieriger. Da der Extruder der Obturationunit nicht bis zum Downpack reichte habe ich mich hier entschlossen zwei Downpack nacheinander zu machen und danach mit dem Extruder das Backfill.

Wann ist ein Instrument ein gutes Instrument ? (4)

Mein Wurzelkanal-Aufbereitungs-System für 2022 ?

Vermutlich ProTaper Ultimate.
Die neueste Inkarnation des legendären ProTaper-Systems.
2001 kam die erste Generation auf dem Markt. Ist nun mehr als 20 Jahre her. Damals eine Revolution. Ich war sehr angetan. Trotzdem bin ich irgendwann davon abgerückt. Genau gesagt 2004. Als ich mit MTwo in Berührung kam. Später kam dann Reciproc dazu. Und in all dieser Zeit hat es das ProTaper – System nicht mehr geschafft, einen Fuss in unsere Praxistür zu bekommen. Und was es alles gab. ProTaper Universal, ProTaper Next, ProTaper Gold. Reizvolle Systeme in verschiedenen Einzelaspekten. In der Summe – unterm Strich – dann aber doch für mich mit gravierenden Nachteilen und Risiken (Bruchrisiko, Starre der Instrumente zu größeren Durchmessern hin) verbunden. Risiken, die so gering sie auch sein möchten, für mich den Ausschlag gaben, Alternativen den Vorzug zu geben.

Jetzt also ProTaper Ultimate.

Und es ist zwar noch nicht ganz Weihnachten, aber es sieht so aus, das Maillefer meine Wünsche erhört hat. Nämlich ein maschinelles Aufbereitungs-System Instrument für Instrument auf seine speziellen Anforderungen im Arbeitsablauf hin zu konzipieren.

Ein Hybrid- System 3.0 sozusagen.
Bei ProTaper Ultimate haben die Maillefer – Ingenieure aus dem mittlerweile sehr großen Konstruktions-Setzkasten an Materialien und Formen für jedes einzelne Instrument die jeweils für seinen spezifischen Aufgabenbereich bestmögliche Kombination herausgegriffen und so ein Sortiment aus deutlich unterschiedlichen Einzelinstrumenten zu einem stimmigen Gesamtkonzept zusammengefügt. Instrumente zur initialen apikalen Erschließung müssen nunmal einen ganz anderen Aufbau haben als Instrumente zur koronale Erweiterung oder zur finalen Ausformung des Wurzelkanals über seine gesamte Länge hinweg. Dem hat man hier Rechnung getragen und zusätzlich noch den meines Erachtens wichtigen Trend nach geringeren Aufbereitungsdimensionen zum koronalen Bereich hin ins Instrumentendesign integriert.

Nachfolgend 2 Zähne 27 und 47, die ich mit ProTaper Ultimate endodontisch behandelt habe.

Es standen mir vorab nur 6 Packungen zur Verfügung. Die hier gezeigten Zähne 27 und 47 sind Zahn 2 und Zahn 4 der Fallreihe. Beide Zähne waren extrem schwierig. Und ich konnte die Behandlungen (wie genau das geschah, kommt in einem weiteren Beitrag) zu meiner Zufriedenheit lösen.

Bei der Bundestagswahl wäre dies eine erste Prognose nach Schluss der Wahllokale. Soll heißen – Viele zu wenig Input bislang, um ein wirkliches Fazit zu ziehen, aber ein Trend ist doch zweifelsohne erkennbar. Ich freue mich auf jeden Fall, sobald das System im Markt erhältlich ist, damit weitere Erfahrungen zu sammeln und die Instrumente in unser Aufbereitungskonzept integrieren zu können. Ich bin schon jetzt zuversichtlich, das diese ihren Platz in unserer Praxis finden werden.

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.

Wer würde nicht auch hier auf die Idee kommen, zur Extraktionszange zu greifen …

Aber es ist kurz vor Weihnachten und ich appelliere an das Gute im Menschen. Und möchte morgen abend zeigen, im letzten Mittwochabend-Endodontiegespräch für 2021, wie man in solchn und viele andere ähnlich gelagerte, scheinbar hoffnungslose Fällen erfolgreich und vor allem vorhersagbar dem Patienten dessen Zähne erhält.

Zum Teilnahmelink geht es hier.

Hartnäckig

Dieses Attribut kann in vorliegendem Fall gleich zweimal vergeben werden.

Zum einen an die Vorbehandlerin/den Vorbehandler.

Um in einem Kanalsystem 5 Instrumente zu fakturieren bedarf es einer großen Portion Hartnäckigkeit. Denn die jeweils vorangegangenen Instrumente mit weiteren Instrumenten entfernen/passieren zu wollen macht niemand, der schnell aufgibt.

Zum anderen an des letzte der fünf Fragmente.

Diese lag zunächst einladend vor mir, um nach dem nächsten Eddy-Einsatz in Teilen nach periapikal zu rutschen und sich dorthin meinen Bemühungen zu widersetzen, es aus dem MB1 herauszulösen. Bis es dann mittels Microopener zurecht gelegt und nachfolgend mit der Drahtschlinge im ersten Anlauf entfernt werden konnte.

Die Anzahl der Fragmente hatte ich nach 2D- und 3D-Bildauswertung auf mehr als zwei, aber niemals auf fünf eingeschätzt. Umso erstaunter war ich, als ich bei der allfälligen Röntgenkontrolle ein Fragment sah, welches klinisch nicht visualisierbar war. Ich hatte geglaubt, dass das letzte Fragment aus dem MB1herausgeschleudert worden war und ich es nur nicht gefunden hatte. Merke: Immer schön skeptisch bleiben, solange das Fragment nicht gefunden wurde.

Unzufrieden bin ich am Ende nur mit der deutlichen Sealerextrusion im palatinalen Kanal. Der stellte eigentlich so überhaupt keine Schwierigkeit dar. Um so ärgerlicher die Extrusion, die sich trotz sehr gutem Tug-Back ereignete.

 

ePA – elektronische Patientenakte

Ein Video zu Haftungsfragen der ePA kann man hier anschauen.

 

Geschichten aus dem Endozän 20211210

Neulich musste ich dann doch bei der Erstvorstellung des Patienten (76 Jahre, ehemaliger Lehrer) innerlich den Kopf schütteln vor Unverständnis.
Er war zur endodontischen Behandlung des Zahnes 26 von Hauszahnarzt überwiesen. Der Patient beklagte sich, dass er von seinem Heimatort 18 km Fahrtweg habe, um zu unserer Praxis zu kommen und das ihm das (eigentlich zu) lästig sei. Soweit nicht Neues, es ist ja ein hinreichend bekanntes Phänomen, das gerade unsere Patienten mit der kürzesten Anreise sich am lautstärksten darüber beklagen. Was der Patient dann aber im Laufe des Gesprächs erzählt, hat mich dann doch innerlich ein wenig sprachlos gemacht. Er erzählte, dass er morgen nach Tschechien unterwegs sei, um für den Weihnachtsmarkt der Heimatgemeinde Waren einzukaufen. „Wie er dort käme?“, fragte ich. „Mit dem Auto“ war die Antwort. 1200 KM Fahrt sind dann offensichtlich kein Problem mehr. Das verstehe, wer will.

Apropos weite Anreise – Wenn ich gut gelaunt bin, dann antworte ich darauf, das nur Patienten, die mit dem Flugzeug zu uns kommen, aus unserer Sicht eine lange Anreise haben, aber das verkniff ich mir hier.

Kurz berichtet – Apikale Aufhellung – ausgeheilt nach Revision eines resezierten Frontzahn

Hier das Zweijahres Recall einer von uns durchgeführten Revision eines bereits vormals resezierten Frontzahns.

Die Behandlung erfolgte nach dem üblichen WURZELSPITZE Protokoll und in zwei Terminen.

Hier die entsprechenden Aufnahmen:

Ausgangssituation 2019 – Röntgenbild alio loco
Ausgangssituation im Einzelzahn-Röntgenbild 2019
Ausgangssituation im DVT
Blick auf blutenden Neoapex nach orthograder Entfernung des retrograden Füllungsmaterials
MTA-Apexifikation zum Verschluss des Neoapex
Post-op Röntgenaufnahme
2-Jahres Recall nach Revision
2 Jahres Recall im DVT
Prä-OP vs. 2-Jahres Recall

So macht Recall Spaß

Frontzahn 22

In unsere Sprechstunde wurde die Patientin mit latenten Beschwerden am Zahn 22 überwiesen. Sie gab an einen Sturz auf den Zahn in der Jugend an. In dem letzten Jahr prägten sich die Beschwerden immer mehr aus. Sie äußerten sich in einem Perkussionsschmerz incisal und lateral. Die Beschwerden waren beim Essen und Abbeißen präsent. In Ruhephasen war der Zahn schmerzfrei.
Auf Kälte reagierte der Zahn nicht sensibel. Die elektronische Testung zeigt ein eindeutig positives Ergebnis. Wert 28 von 65

Die Kollegin, Menschenarzt, beschrieb die Schmerzen als langsam aber sicher nervend. Die Sondierungstiefen sind nicht erhöht. Die vorhandene Kunststoffüllung zeigt ein Leckage.
Klinisch zeigte sich am Zahn 22 eine Attrition in der Laterotrusion links durch eine Steilstellung der Frontzähne und eine Art Gruppenführung mit dem Zahn 23. Es treten keine Beschwerden am Zahn 22 in dieser Bewegung und der Protrusion auf.
Im Röntgenbild zeigte sich eine Obliteration des Wurzelkanals im koronalen und mittleren Wurzeldrittel.

Die Obliteration ist ein Zeichen einer vitalen Pulpa.(1)
Wir haben uns entschieden, die Füllung zu entfernen. Es zeigte sich wenig Sekundärkaries und im Pulpabereich viel Reparaturdentin.  Nach der Desinfektion und Abdeckung mit einem CaOH Liner haben wir den Zahn adhäsiv verschlossen.

Die Beschwerden haben sich in den darauffolgenden Monaten nicht verändert.

Die Patientin wünschte eine weitergehende Behanfdlung. Die Sensibilität war elektronisch bei 30 von 65.
Endo ja oder nein – ist hier die Frage?
Wie würden Sie entscheiden?

(1)“Der genaue Mechanismus der Pulpakanalobliteration ist unbekannt, wird aber mit der beschädigten neurovaskulären Versorgung der Pulpa zum Zeitpunkt der Verletzung in Verbindung gebracht. “
„Die PCO ist ein physiologischer Vorgang und stellte ein nützliches und sicheres Indiz für eine vitale Pulpa und deren Heilungs- bzw. Reparaturprozess dar. “

Quelle: Sebastian Bürklein, Radiologische Diagnostik
Obliteration an einem Zahn mit mehreren Wurzelquerfrakturen und koronaler Wurzelkanalfüllung. Endodontie 2021;30(2):209–213

 

„Aktuelles Urteil zur präendodontischen Entfernung vorhandenen Wurzelfüllmaterials“

„Aktuelles Urteil zur präendodontischen Entfernung vorhandenen Wurzelfüllmaterials“

Die Art der Berechnung der präendodontischen Entfernung vorhandenen Wurzelfüllmaterials wird immer wieder diskutiert. Nun gibt es hierzu ein aktuelles Urteil des Verwaltungsgerichtshofs Baden-Württemberg vom 07.09.2021 (Az.: 2 S 1307/21), das die Richtigkeit der Analogberechnung nach §6 Abs.1 GOZ der präendodontischen Entfernung vorhandenen Wurzelfüllmaterials bestätigt.
Hierzu ein Leitsatz des o.G. Urteils: „Die Entfernung alten Wurzelfüllmaterials im Rahmen einer Wurzelkanalrevision ist eine selbständige nach §6 Abs.1 GOZ als Analogleistung abrechenbare Leistung. Sie ist nicht mit der GOZ-Nummer 2410 (Aufbereitung eines Wurzelkanals) abgegolten.“
Der Behandler hatte die „Entfernung alten Wurzelfüllmaterials“ in analoger Anwendung der GOZ-Nr. 2210 berechnet, da es sich aus seiner Sicht um eine selbständige, nicht im Gebührenverzeichnis der GOZ enthaltene, Leistung handelt. Die Analogberechnung der „Entfernung alten Wurzelfüllmaterials“ nach §6 Abs.1 GOZ entspricht ferner der gebührenrechtlichen Expertise der Bundeszahnärztekammer (BZÄK).

Der Kostenerstatter meinte hierzu, die Entfernung einer alten Wurzelfüllung sei mit der ebenfalls berechneten Wurzelkanalaufbereitung nach GOZ 2410 abgegolten.

Der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg teilte allerdings die Argumentation des Behandlers bzw. der BZÄK.

Aus AEND – Autor Peter Klotz

p.s.: In der DZW findet sich ein ausführlicherer Artikel von Klotz zum Thema.

Informant Papierspitze

von Jörg Schröder

Obere mittlere Schneidezähne? Kindergeburtstag. No-Brainer. Selbstläufer.

So, oder so ähnlich sind gemein hin die Äußerungen, die man auf die Frage zu hören bekommt, welche Zähne nun wirklich einfache Behandlungsfälle darstellen.

Warum finden sich dann so viele Misserfolge im Bereich oberer 1er? Apikale Aufhellungen, erfolglos durchgeführte Resektionen, unvollständige Wurzelfüllungen.

Eine mögliche Ursache sind endodontische Behandlungen die an Zähnen ausgeführt werden müssen, deren Wurzelanwachstum nicht vollständig abgeschlossen ist. Die besondere Weite des Kanalhohlraums und das weite apikale Foramen können durchaus eine Herausforderung darstellen. Vom jungen Lebensalter der Patienten und der damit manchmal einhergehenden geringeren Compliance einmal ganz abgesehen.

In vorliegendem Fall kam es in Folge zweier im Abstand von 6 Wochen erfolgten Frontzahntraumata zu einer Pulpanekrose an Zahn 21. An Zahn 11 wurde alio loco zunächst die freiliegende Pulpa im Sinne einer Pulpotomie behandelt.

Da sich die Blutung nicht stillen ließ wurde eine Vitalexstirpation durchgeführt. Die Obturation konnte aufgrund einer nicht reproduzierbaren Endometrie nicht ausgeführt werden. Es erfolgte die  Überweisung in unsere Praxis, da eine Horizontalfraktur vermutet wurde.

Klinisch imponierte am Erstuntersuchungstag bei uns eine deutliche Perkussionsempfindlichkeit des Zahnes 21. Das zur Detektion einer möglichen horizontalen Wurzelfraktur an 11 erstellte DVT ließ am 21 eine deutliche apikale Aufhellung erkennen. Der alio loco mit Ledermix versorgte 11 zeigte entzündungsfreie periapikale Strukturen und keinen Hinweis auf eine Wurzelfraktur.

Daher sollte zunächst die endodontische Behandlung es 21 erfolgen. Bei der Trepanation fand sich in den oberen vier Fünftel des Kanalsystems nur nekrotisches Gewebe. Nur im apikalen Fünftel wies die dezente Blutung beim initialen Instrumentieren auf (rest-)vitales Gewebe hin.

Die endometrische Längenbestimmung zeigte reproduzierbar an. Dennoch habe ich sterile Papierspitzen zur Verifizierung der Arbeitslänge eingesetzt. Dazu wird die Papierspitze 0,5 mm länger als die ermittelte Arbeitslänge eingestellt und dann für einen kurzen Moment bis auf volle Länge in den Kanal eingebracht. Dieser Vorgang wird mehrere Male mit jeweils neuen Papierspitzen wiederholt. Bei korrekter Länge sieht der dezente Blutungspunkt dann immer gleich aus.

Auch bei der Obturation mittels MTA kommt die Papierspitze zum Einsatz. Nun wird die Papierspitze 1 mm kürzer als die 0,0 Länge eingestellt und solange kleine MTA-Plugs eingebracht, bis die Papierspitze erst auf und nach dem nächsten Plug gerade nicht mehr auf Arbeitslänge eingebracht werden kann. Nun kann das Auffüllen des apikalen Wurzelanteils mit dieser Technik kontrolliert erfolgen, bis der koronale Teil des MTA Plus visualisiert werden kann. Denn dieser 21 ließ aufgrund der apikale Krümmung und einer Arbeitslänge von 25 mm kein Einbringen des MTA unter Sicht zu.

Das mittlere Drittel wurde anschliessend mittels warmer vertikaler Kompakten mit Sealer und erwärmter Guttapercha, das koronale Drittel adhäsiv mit Komposit gefüllt.

Erschreckend dabei, wie nachlässig mit der Dentinwunde am 21 „umgegangen“ wurde. Seit dem Trauma bis zur Erstvorstellung bei uns mehr als 3 Monate später unterblieb eine Abdeckung derselben. Nicht auszuschliessen, dass eine Pulpanekrose hätte vermieden werden können, denn der 21 reagierte die ersten Wochen nach dem ersten Trauma laut Überweisern reproduzierbar positiv auf den Sensibiltätstest.

 

 

Kuhfuß – Munich style (I)

Als hätten Jörg Schröder und ich uns abgesprochen hatte ich vor sehr kurzem einen Fall, bei dem genau diese Kuhfuß-Technik gewinnbringend eingesetzt werden konnte…

zu den Hintergründen:

Die heute 25-jährige Lehramtstudentin hatte vor circa drei Jahren ein Frontzahntrauma (unkomplizierte Kronenfrakturen). In der weiteren Folge musste der Zahn 21 daher endodontisch behandelt werden.

Ausgangssituation Zahn 21 mit ausgeprägter apikaler Parodontitis – Röntgenbild alio loco

Jetzt, circa zwei Jahre nach Ende der Therapie entwickelte die Patientin wieder ein starkes Beschwerdebild.

Situation Zahn 21 circa zwei Jahre nach Behandlung mit deutlich zugenommener apikaler Parodontitis – Röntgenbild alio loco

Das seit einer Woche verordnete Antibiotikum zeigte leider keine positive Wirkung.

Klinisch imponierte eine nicht unerhebliche vestibuläre Schwellung.

Gemeinsam mit der Patientin entschieden wir uns trotz ungünstiger Voraussetzungen für eine Revision.

Wenig überraschend präsentierte sich das Kanalsystem maximal bakteriell kontaminiert.

Mittels Hedström-Instrument und Aterienklemme konnte das WF-Material in toto entfernt werden.

Spontan kam es zu einer beträchtlichen Pus-Entleerung…

Zustand nach vollständiger Entfernung der Wurzelfüllmaterialien

ohne die Kuhfuß-Technik hätte dieser Behandlungsschritt nicht so problemlos funktioniert…

Demnächst mehr zu diesem Fall…

H mit kleiner Tücke

Die Überweisung erfolgte aufgrund der Schwierigkeit, die Kanaleingänge des mit erkennbarer apikaler Pathologie behafteten 14 darzustellen und nachfolgend aufzubereiten.

Das Gute am präoperativen DVT: Es waren im achsialen Schnitt Kanalhohlräume zu erkennen.

Das Schlechte: Der bukkale Kanal kommunizierte h-förmig mit palatinalen krümmte sich jedoch bis zum „H“ von bukkal nach palatinal, um kurz nach der Kommunikation zunächst deutlich nach bukkal und dann ebenso deutlich nach distal zu verlaufen.

Die Darstellung der Kanaleingänge wurde durch die klare endodontische Landkarte vereinfacht.

Jedoch erwies sich das bukkale Kanalsystem ab der Kommunikation als besonders störrisch. Es war nicht möglich eine maschinellen Gleitpfad zu erstellen, da selbst eine 10/02 nicht in den apikalen Kanalabschnitt vordringen konnte.

Die Lösung: Vorgebogene Handinstrumente. Beginnend bei ISO 008 und unter Ausnutzung von Zwischengrößen (12 und 17) gelang es auch das bukkale Kanalsystem bis zum Foramen zu erschliessen. Dabei musste das deutlich vorgebogene Handinstrument bis zum „H“ an der bukkalen Wand nach apikal eingebracht, um dann 90 Grad nach distal gedreht zu werden.

Eine maschinelle Aufbereitung des bukkalen Kanals war erst nach Einsatz einer ProTaper-Handfeile S1 möglich. Und auch nur, da die eingesetzten HyFlex-Instrumente zunächst vorgezogen, anschliessend händisch eingesetzt und dann mit dem kabellosen Handstück gekoppelt wurden.

Am Ende sieht es im Einzelbild recht simpel aus. Das DVT lässt die wahre Schwierigkeit erahnen.

Covid und die Statistik

Auf ein sehr hilfreiches Beispiel zur richtigen Interpretation von Statistiken hat mich ein Kollege aus Hannover, Dr. Arne Neumann hingewiesen.
Das möchte ich der Leserschaft nicht vorenthalten:

 

Wann ist ein Instrument ein gutes Instrument ? (3)

Endlich !!!
Neue Aufbereitungsinstrumente!

Die letzten Jahren war es ziemlich ruhig, was neue Endo-Aufbereitungsinstrumente anging. Klar wurde IDS für IDS immer wieder was Neues auf den Markt geworfen. Zumeist jedoch alter Wein in neuen Schläuchen. Die letzte große Revolution – die reziproken Instrumente – wurden der Öffentlichkeit Anfang 2011 vorgestellt. Gab´s danach noch was Neues ? TruNatomy würde ich nennen, mit dem Fokus auf schmale Präparationen im oberen Wurzelkanalbereich. Ein guter Ansatz, aber in meinem Klientel und unserer Praxis mit rund 90 Prozent Revisionen spielt das Instrument de facto überhaupt keine Rolle. Im September hat die Firma Komet ihr Procodile Q System präsentiert. Und ich gebe zu, auf den ersten Blick fand ich die Änderungen gegenüber der ersten Generation ausgesprochen erfreulich. Änderung 1: Es wird nun eine wärmebehandelte NITI – Legierung verwendet. Bedeutet: Höhere Flexibilität, höhere Ermüdungsbruchresistenz und die Möglichkeit des Vorbiegens. Was hätte ich mir noch gewünscht – einen variablen Taper. Aber genau das ist (noch) patentgeschützt und ich vermute mal, das Komet Lizenzgebühren vermeiden wollte oder andere Gründe gegen die Verwendung dieses Designmerkmals sprachen.

Was nun tun, um die wichtige Flexibilität auch im oberen Teil der Instrumentenschneide sicherzustellen ? Die Lösung – Änderung 2 und zugleich eine echte Neuerung – der Kerndurchmesser des Instrumentes wird zu den breiteren Aussenbereichen hin dünner. Das Instrument ist unten innen im Vergleich zum Aussendurchmesser dick, weiter oben wird dann der Innendurchmesser im Vergleich zum Aussendurchmesser immer kleiner.

Klingt nach einer sinnvollen Maßnahme.
Allerdings „Grau, teurer Freund, ist alle Theorie“, um den Leibhaftigen selbst und Altmeister Goethes bekanntestes Werk zu zitieren. Und so muss sich das neueste Komet – Instrument, welches am Wochenende auf der DGET- Jahrestagung in Berlin den fachkundigen Kollegen präsentiert wurde, aller Vorschusslorbeeren zum Trotz , auch in der Praxis bewähren.

Denn – „Was zählt ist auf ´m Platz“.
Alfred Preißler hat das gesagt. Und sich im Übrigen wie ich auf Goethe bezogen, denn – das korrekte Zitat in voller Länge lautet laut Wikipedia: „Grau is’ im Leben alle Theorie – aber entscheidend is’ auf’m Platz.“

Was mir nun bei meinen Behandlungen aufgefallen ist – Das Instrument ist deutlich flexibler als die VDW Reciproc R25. Das ist definitiv ein Plus. Und in bestimmten Kanälen gibt das Instrument ein taktiles Feedback zurück, dass einen die benötigte Kraft nach apikal gut dosieren lässt. Dieses „angenehme“ Phänomen gibt es bei der R25 nicht.

Aber damit enden leider für mich schon die Vorteile.
Und ich muss mich, wo Licht ist, ist auch Schatten, mit den Nachteilen herumschlagen:

Nachteil 1: Das Instrument ist zu flexibel. Zu flexibel??? Man mag es nicht glauben, aber zuviel Flexibilität ist auch nicht gut. Gar nicht gut. Denn – die gewohnte bürstende Bewegung nach lateral im Kanal fällt in ihrer Abtragsarbeit deutlich geringer aus.
Ist nicht nur ungewohnt, sondern auch wenig effektiv.

Nachteil 2: Im Gegensatz zur VDW R25 zeigt sich eine deutlich geringere Effizienz, was das Entfernen von WF- Material angeht. Beispiel gefällig? Im angefügten Video war es mir nicht möglich, die (zugegeben harte) Guttapercha maschinell zu entfernen. Erst mit der R25 hatte ich Erfolg.

Nachteil Nr. 3: Der geringere Innendurchmesser des Instrumentes erhöht die Frakturanfälligkeit des Instrumentes. Vielleicht war es wirklich nur Zufall. Aber wenn bereits im dritten Behandlungsfall eine Fraktur sich einstellt und dies auch noch relativ weit oben am Instrument stattfindet, dann werte ich dies zumindest als Indiz für eine mögliche höhere Bruchanfälligkeit. Zum Vergleich: Seit 2008 (2 frakturierte Prototypen mitgezählt) sind mir 4 R25-Instrumente frakturiert. Und jedes Mal in Extremsituationen. Die Procodile Q – ein Arbeitstier a la VDW R25 ? Da wäre ich sehr zurückhaltend, eine solche Einschätzung betreffend. Aber genau so ein Arbeitstier brauche ich. Welches im Übrigen nach der Fragmententfernung ohne Probleme (und ohne Bruch) zum Ziel führte.

Mein Fazit:
Ich bin sicher, bei jemandem, der viele Erstbehandlungen macht, ist es möglicherweise anders, aber für mich ist die Procodile Q kein Trauminstrument. Rein subjektive Wertung – die Procodile Q entspricht nicht meinem Anforderungsprofil und nicht meiner Arbeitsweise.

Was für mich bei dieser Einschätzung um so schwerer wiegt – Ich habe vor kurzem ein neues maschinelles Aufbereitungsinstrument kennengelernt, von dem ich sehr angetan bin.
Und das sich anschickt, aus dem Stand heraus, sich in unserer Praxis zu etablieren.

Darüber berichte ich nächste Woche.
Und was die Procodile Q angeht – bis zur Markteinführung wird noch einige Zeit vergehen und vielleicht ändert sich ja noch was. Ich bin gespannt. Und drücke beide Daumen.

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.

Kuhfuß

Der Kuhfuß oder auch Nageleisen genannt ist ein Werkzeug, mit dem sich trefflich hebelnd arbeiten lässt und mit dem Nägel entfernt, oder aber auch widerspenstige Türen und Fenster auch ohne Schlüssel geöffnet werden können. Entscheidend für die Effizienz und das geschmeidige Arbeiten ist dabei die Rundung am kurzen Ende des Nageleisens.

Dieses Prinzip lässt sich auch beim Entfernen alter Guttaperchaspitzen einsetzen. Ich bevorzuge, sofern es die Kanalgeometrie erlaubt, die zu entfernenden Guttapercha nicht zu zerspanen, sondern, wenn möglich, in toto zu entfernen.

Sobald die Guttapercha nicht im Kanal schwimmt, sondern eine Klemmung aufweist und der Kanal auch noch eine Krümmung aufweist, kann die Friktion der Guttapercha im Kanal so groß sein, dass reine Handkraft nicht ausreicht, um die auf EFL= 0,0 eingebrachte Hedströmfeile (ich dazu hier bei Wurzelspitze schon mehrfach berichtet) zu entfernen.Ein grobe Zerren am Instrument wird zudem vom Patienten in den seltensten Fällen als besonders elegant und angenehm empfunden.

Ich nutze daher ab der Hedströmfeile ISO 25 eine über die Fläche gebogene Arterienklemme, um Guttapercha und Hedströmfeile recht geschmeidig zu entfernen.

Zunächst wird die Hedströmfeile unter endometrischer Kontrolle an der Aussenkurvartur des Kanals an der Guttapercha vorbei bis zum Foramen eingebracht. (Silikonstop-Kontrolle) Dannn wird der Stop nach oben zum Handgriff hin geschoben, die Arterienklemme angesetzt und die Hedströmfeile in der höchsten Klemmstufe (3.Raster) gefasst. Die runde Fläche der Arterienklemm nutzt dann die Okklusalfläche bzw. die Randleiste des Zahnes als Hypomochlion. Unter Umständen muss die Klemme ein oder zwei Mal gelöst und wieder – diesmal tiefer -angesetzt werden, um ein gutes Widerlager zu ermöglichen.

In vorliegendem , zweizeitig behandeltem Fall, gelang das Entfernen der Guttapercha sehr vorhersagbar. Beeindruckend, wie lange aus der Periapikalregion im ersten Termin eine pulssynchrone Exsudation persistierte, die erst am Ende des Behandlungstermins aussetzte.

Dentapen (III)

Der Dentapen kommt mittlerweile seit gut sechs Wochen jeden Tag bei uns zum Einsatz.

Für mich DIE Anschaffung des Jahres 2021 für unsere Praxis.

Insbesondere dessen Anwendung bei der palatinalen Anästhesie finde ich besonders bemerkenswert und erzielt in meinen Händen deutlich (deutlich!) bessere Anästhesie-Ergebnisse als durch die von uns bisher angewandte Techniken.

Das nachfolgende Video verdeutlicht die palatinale Wirkung durch die rasch einsätzende Ischämie eindrucksvoll.

Mit dem Pen ist es schlicht möglich druckarmer höhere Mengen des Anästhetikums zu applizieren, um somit eine tiefere Wirkung zu erzielen…

Try it… you’ll like it…

;-)

P.S.: Vor der endodontischen Therapie (und nach der Anästhesie) wurde bei dem Zahn noch eine Zahnreinigung durchgeführt.

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.

Externe Wurzelresorptionen (VII)

Circa acht Jahre ist es her, dass ich den Fall von Sophia erstmals u.a hier, hier bzw. hier vorgestellt habe.

Heute ein weiteres klinisch-radiologisches Update zu der erfreulichen Entwicklung der Situation…

OPG alio loco
alio loco
Klinische Situation – vorher – nachher – alio loco

Ich werde weiter berichten…

Latente Beschwerden seit Jahren (2).

Über diesen Fall haben wir hier erstmals berichtet.

Im angefertigten Zahnfilm ist die laterale Aufhellung im mittleren Wurzeldrittel, approximal mesial zu erkennen. Im Wurzelkanal imponiert eine inhomogene hyperdense Struktur, die im apikalen Drittel unterdimensioniert erscheint. Der Kronenrand erscheint röntgenlogisch nicht suffizient.

Eine Bereich hat mich allerdings bewogen, zusätzlich zum erhobenen Palpationsbefund auf eine Wurzelfraktur oder unbekannte Wurzelanatomie zu schließen.
(Siehe Bild.)

Meine Indikation lautete:
– komplexe Zahn/Wurzelanatomie 11, DD Wurzelfraktur

Die Darstellung im DVT zeigt einen zweiwurzeligen Zahn 11.
In der Horizontalen Ebene am Zahn 11 im ersten Bild ein Art „Ausstülpung“ erkennen. Ob dies im Zusammenhang mit der Intrusion von 51 steht ist unklar. Man hat keinen wirklichen Interpretationsspielraum da genauere Angaben zu dem Unfall fehlen, bzw. nicht mehr ermittelbar sind.

Behandlungsplanung:
Krone entfernen, Darstellung der Kanaleingänge, präendodontischer Aufbau, Wurzelkanalbehandlung, Wurzelfüllung, postendodontische Restauration mit Glasfaserstift, prov. Krone.

Quintessenz:
Zur Indikationsstellung für ein DVT ist eine hochauflösende und vergrößerbare Einzelaufnahme des Zahnes Voraussetzung.

Übrigens:
Die Bildaufnahme, Betrachtung, Auswertung und Befundung erfordert Zeit.
Das Honorar dafür beträgt €8,00.
Soviel bezahlt man am Passbildautomaten für 1-2 biometrische Passbilder, beim Fotografen bis €25,00.

Wann ist ein Instrument ein gutes Instrument (2)

von Nils Widera

Anwenderbericht Procodile Q

Seit September diesen Jahres ist die neueste Entwicklung von Komet käuflich zu erwerben. Eine Weiterentwicklung der bekannten Procodile durch eine thermische Behandlung hin zur Procodile Q.
Und tatsächlich ist das nicht alter Wein in neuen Schläuchen, sondern für mich die bisher beste Feile die Komet auf die Beine gestellt hat.
Ganz allgemein handelt es sich um eine Reziprok-linksläufig arbeitende Feile. Das Spektrum der angebotenen Instrumente reicht von 20 bis 50. Der Taper wird mit der Zunahme des Spitzendurchmessers kleiner. 20, 25 und 30 weisen einen 6er Taper auf, 35 und 40 einen 5er und schlussendlich 45 und 50 dann nur noch 4 Prozent.
Ich hatte die Möglichkeit, die Instrumente bereits sechs Monate vor Verkaufsstart regelmäßig einzusetzen und die 06/20 und 06/25 haben sich mittlerweile in mein Standardaufbereitungskonzept „gearbeitet“.

Nun wissen alle, die viel und gerne Endo machen, dass es die eine Feile für alles wie von der Industrie immer wieder versprochen und propagiert nicht gibt. Aber mein Fazit ist, das mit den oben genannten zwei Vertreterinnen sehr viel möglich ist.

Wo liegen nun aus meiner Sicht die Vorteile?
Eine sehr gelungene Balance zwischen „Weichheit „und Wiederstand. Will sagen, Vorbiegen ist gut möglich aber auch laterales Ausbürsten im Zug der Aufbereitung bleibt weiterhin sehr gut machbar.

Ich habe apikal in vielen Fällen bis ISO 12 mit einer Handfeile vorgearbeitet und dann direkt die 06/20 Procodile Q auf Arbeitslänge gebracht. Angewendet im E-Connect-S von Eighteeth (ein Testbericht zum diesem Motor folgt demnächst hier bei WURZELSPITZE ) unter direkter Endometriekontrolle im immer flüssigkeitsgefüllten Kanalsystem kam es so gut wie nie zu Problemen bei Erreichen des endometrischen Apex. Der kabellose Motor ist komplett individuell einzustellen und ich habe als Werte 200 ccw 50 cw bei 300 Umdrehungen und 1 Ncm als Belastungsgrenze gewählt. Wer auf einen kabellosen Antrieb umstellen möchte, dem sei der E-Connect S zum Testen sehr ans Herz gelegt. In den letzten 8 Monaten hat er alle anderen Antriebe (Morita TriAuto ZX2, Schlumbohm, VDW Gold) in unserer Praxis aufs Abstellgleis befördert.
Die weitere apikale Ausformung kann dann so gehandhabt werden, wie es jeder möchte. Wie bereits erwähnt, lässt das System alles bis 50 zu. Aber die für mich wichtigste und leistungsstärkste Feile ist die 20iger. Super frakturresistent, sehr flexibel auf den ersten 3-4 Millimetern, großer Spanraum. Und hier gefällt mir der 6er Konus eben besser als die apikal höheren Werte bei Reciproc oder WaveOne Gold.
Wie stark sich die Feile einschraubt, lässt sich über vollkommen drucklose oder eben leicht kraftvolle Aufbereitung sehr gut steuern.

Zwei aktuelle Fälle, gelöst mit oben erwähnter Sequenz und aufbereitet in mb1, mb2 und d bis 25, palatinal bis 35 habe ich mit angehängt. Als Sealer kam hier CeraSeal zum Einsatz.

Also her mit den Fragen oder Testberichten eurerseits! Ich bin gespannt auf eure Einschätzungen.

Wann ist ein Instrument ein gutes Instrument (1) ?

Am 6. April 1962 trat Leonard Bernstein als Dirigent der New Yorker Philharmoniker zu Konzertbeginn vor das Publikum der vollbesetzten Carnegie Hall. Brahms Klavierkonzert Nr. 1 stand auf dem Programm, der junge Glenn Gould sollte der Solist sein. Statt stumm zum Dirigentenpult zu gehen und den Taktstock zum Auftakt des Stückes zu heben, wandte sich überraschend der Maestro in einer Ansprache an das verblüffte Auditorium. Ein ungewöhnlicher Vorgang. Noch ungewöhnlicher war dann aber, was Bernstein kundtat. Er verkündete:

„Don’t be frightened… Mr. Gould is here. He will appear in a moment. I am not, as you know, in the habit of speaking on any concert (…), but a curious situation has arisen, which merits, I think, a word or two. You are about to hear a rather, shall we say, unorthodox performance of the Brahms D Minor Concerto, a performance distinctly different from any I’ve ever heard, (…) in its remarkably broad tempi and its frequent departures from Brahms‘ dynamic indications. I cannot say I am in total agreement with Mr. Gould’s conception.“

Leonard Bernstein distanziert sich öffentlich von Goulds Interpretationsansatz. Ein Skandal. So nachzulesen und anzuhören bei BR Klassik, für deren Rubrik „Was geschah heute“ ich im Übrigen an dieser Stelle nachdrücklich werben möchte, auch wenn ich, die Geschehnisse jenes Tages beurteilend, mit der Redaktion nicht übereinstimme. Was dem Radiobeitrag nämlich fehlt, der die damalige Situation nur verkürzt und damit sinnentstellend wiedergibt, ist die Aussage Bernsteins ein paar Momente später, welcher auf die rhetorische Frage, warum er denn das Konzert überhaupt dirigiere, wenn er mit Gould nicht übereinstimme, Folgendes anführt.

„I am conducting it, because Mr. Gould is so vaild and serious an artist that I must take seriously anything he conceives in good faith. And his conception is interesting enough so that I feel you should hear it, too.“

Bernstein war also weder skandalös noch ehrverletzend, was die Person Goulds oder sein Schaffen als Künstler anging. Im Gegenteil. Selbstverständlich war sich Bernstein bewußt, mit welchem Ausnahmeinterpret er die Freude und das Vergnügen hatte, musikalisch zusammenzuarbeiten. Zwei Titanen der E – Musik. Wie zwei Maler, die beide konträr unterschiedlich das gleiche Sujet auf der Leinwand festhalten, aber dennoch höchsten Respekt für das Werk des Anderen haben, auch wenn sie niemals im Stil des Gegenübers malen wollten, geschweige denn könnten.

Und was hat das Ganze nun mit der Endodontie und WURZELSPITZE zu tun ?

Ende September hat Komet auf der IDS ihr neues maschinelles NITI System Procodile Q dem Fachpublikum vorgestellt. Ich hatte es kurz zuvor zum Testen bekommen. Zu wenig Zeit, um darüber profund zu berichten. Daher habe ich aus diesem Anlaß Nils Widera (von dem ich wusste, dass er seit längerem schon damit arbeitet) gebeten, über seine Erfahrungen zu berichten.

Nils Bericht möchte ich bei WURZELSPITZE wiedergeben.
Und genau wie Bernstein es damals mit Gould getan hat, ihm – höflich und voller Respekt seines Tuns und seiner Expertise gegenüber – widersprechen. Meine eigenen Erfahrungen ebenfalls hier einstellen. Die – man vermutet es nach Erwähnung jener historischen Anekdote – deutlich anders ausfallen.

Aber wer hat nun recht ?
Dirgent oder Interpret?
Nils oder Ha-Wi?

Keiner von uns.
Oder wir beide.
Denn letztendlich muss jeder Behandler für sich selbst entscheiden, welche Instrumente in seinen Händen und in den Zähnen der jeweils eigenen Patienten, das bestmögliche Ergebnis erzielen. Das ist nämlich von vielen individuellen harten und weichen Faktoren abhängig. Ein arrogantes Beharren auf der eigenen Meinung als der einzig richtigen geht nämlich an der Sache vollkommen vorbei. Das wird umso deutlicher, wenn ich im Nachgang ein weiteres brandneues System vorstelle, von dem ich wiederum ich sehr angetan bin. Ich jenes in ebenso höchsten Tönen lobe wie Nils es zuvor getan hat. Wohlwissend, das vermutlich einer anderer Behandler zu gänzlich anderen Einschätzungen und Ergebnissen kommen wird, voller Ungläubigkeit und Unverständnis wiederum, mein Urteil betreffend.

Es bleibt also spannend.
Was gut ist.
Langweilig – die Instrumentenfrage betreffend – war es nämlich viel zu lange.

Hier gehts zum Erfahrungsbericht.

Großer Dentikel, tiefer Split.

Für einen Oberkiefermolaren weist dieser Zahn 27 eine eher ungewöhnliche Anatomie auf.

Ein massiver Dentikel füllt einen schmal-ovalen Kanalquerschnitt aus. Es gibt immer wieder seitliche Aussackungen zwischen den unregelmässigen Dentinstrukturen, die jedoch keine nach apikal gerichtete Präparation zuließen.

Somit wurde der Dentikel mittels Endosonore-Feile zerkleinert und die einzelnen Partikel herausgespült. Nach einer Erweiterung mittels Gates-Glidden-Bohrern der Größe 1 und 2 konnte der apikale Kanalabschnitt visualisiert werden.

Wie im DVT erkennbar gabelte der weite Kanal dort in zwei kleine Kanalabschnitte auf. Diese wurden initial erweitert, sodass eine Obturation mittels Squirting-Technik durchgeführt werden konnte.

Welch ein Unterschied zum Behandeln ohne DVT. Die Hindernisse sind vorher bekannt und können zielgerichtet adressiert werden. Auch die Obturationstechnik kann vorher ausgewählt werden. Vorhersagbarkeit pur.

In eigener Sache – 3000 Plus

Im November 2008, also nunmehr ziemlich genau vor 13 Jahren sind wir gestartet.

Mit jenem Beitrag, dem Stichwort „Babyschritte“ und dem sprichwörtlichen Slogan „Jede noch so lange Reise beginnt mit einem einzigen Schritt“ ging es los .

Diese Tage haben wir die 3000 Beiträge – Grenze überschritten.
3000 mal haben wir in dieser Zeit über die Endodontie geschrieben und ihre Begleitumstände im Praxisalltag dargestellt.

5 Tage die Woche,
Morgen für Morgen.

Von Fachlich Wertvollem, Interessantem, Lustigem, Skurrilem, aber auch Frustranem haben wir berichtet. Zur Weiterbildung und Unterhaltung des Lesers. Bei einer Lesezeit von nur 2 Minuten pro Beitrag sind das immerhin fast 4 Wochen an Lernzeit für den Leser, permanentes Lesen ohne jegliche Pause vorausgesetzt.

Hätten wir gedacht zu Beginn, dass es so viele Beiträge werden würden?
Nicht eine Sekunde.

Würden wir es wieder tun ?
Ich denke, manchmal, nein, oft ist es gut, wenn man nicht im Vorfeld weiss, was Alles auf einen zukommt. Und auch für uns ist es schwer, sich Woche für Woche neu zu motivieren, einen entsprechenden Beitrag zu verfassen. Im Moment jedoch – das ist für alle unsere Leser die gute Nachricht – sind wir jedoch deutlich überdurchschnittlich motiviert, weiterzuschreiben. 2022 zumindest scheint also schon einmal gesichert.

Auf ein Neues also !

„Abtrittsvorlesung“ eines endodontischen Großmeisters

Einen Hinweis von Oscar von Stetten verdanke ich die Tatsache, dass ich online die „Abtrittsvorlseung“ des endodontischen „Großmeisters“ Dr Gary Carr nachverfolgen konnte.

Hier der Link für alle, die dieses Highlight auch erleben wollen.

Die knapp zwei Stunden sind in meinen Augen wirklich gut investiert und ich habe eine Reihe von Dingen für mich mitgenommen…

Latente Beschwerden seit Jahren.

Die junge Patientin (30) kommt mit Beschwerden am Zahn 11.
Es besteht kein Lockerungsgrad, die Krone auf dem Zahn ist suboptimal von der labialen Gestaltung. Die Sondierungstiefen sind nicht größer als 3mm, circumferent. Labial unter dem Kronenrand ist ein kleine Einziehung sonderbar, ohne erhöhte Sondierunsgtiefe.
Es besteht kein Aufbißschmerz. Die Perkussion horizontal und lateral sind unauffällig. Störend ist ein ständiges Druckgefühl.
Auf Palpation labial gibt die Patientin im mittleren bis apikalen Wurzeldrittel ein Schmerzgefühl an.
Im Kindesalter kam es nach einem Unfall zu einer Infusion der Zahnes 51. Der Zahn 11 hat bereits beim Durchbruch „Beschädigungen“ gehabt berichtet die Patientin.
zunächst wurde ein Veneer aufgeklebt, dann kam es zur Pulpitis, danach zur WKB und Krone. Latente Beschwerden waren seit diesen Jahren immer vorhanden.

 

 

 

50 nicht von der Hand zu weisende, ausgesucht gute Gründe, sich auf Endodontie zu spezialisieren“ – Episode 14: Der „Murmeltier Tag – Effekt“

Wir Alle lernen.
Tag für Tag.

Aus den Erfahrungen, die wir in der Praxis machen.

Wie im Film „Groundhog Day“.
Bei uns bekannt unter dem Titel „Und täglich grüßt das Murmeltier“.

Der Hauptdarsteller Bill Murray, zu Beginn zynisch und menschenverachtend, durchlebt den gleichen Tag, den 02. Februar, immer und immer wieder.
Und variiert im Verlauf des Filmes seine Tagesabläufe, was am Ende zur Läuterung führt. Ihn zu einem besseren, guten Menschen werden lässt. Und selbstverständlich – es ist Hollywood – endet der Film mit einem Happy End.

Jenseits aller Leinwandklischees – ist das nicht auch eine wunderbare Vorstellung, das Arbeiten in der Praxis betreffend? Dadurch, dass wir nur Endo machen, haben wir Tag für Tag, immer und immer wieder die gleiche Situation vor uns. Nicht wie beim Generalisten, der mit einer bestimmten Problemsituation ( z.B. UK- Prämolaren mit tief abzweigendem lingualen Kanal) nur selten oder gar nicht vertraut ist. Wir hingegen können uns angesichts häufig vorkommender Geschehnisse austoben. Verschiedene Strategien ausprobieren: Wie gehe ich das Problem am Besten an? Hats´geklappt?!? Nicht das gewünschte Ergebnis??? Dann bringt der nächste Tag die Möglichkeit, mit einer geänderten Vorgehensweise auszuprobieren, ob wir auf diese Art und Weise das gewünschte Ergebnis erzielen können. Und das führen wir solange fort, bis wir das optimale Procedere herausgefunden haben.

Der geneigte Leser versteht die Intention ?

Wir hatten diese Woche 2 UK-Prämolaren mit 2 tief aufzweigenden Wurzelkanälen zur endodontischen Behandlung. Ein dritter Zahn mit dieser Kanalkonfiguration wurde uns noch zusätzlich überwiesen, der Patient stellte sich zur Untersuchung vor. Das ist in dieser Häufigkeit zwar nicht die Regel, im Gegenteil, aber immerhin ein Indiz dafür, dass die Situation eine regelmäßig wiederkehrende ist). Und so können wir eine ganze Reihe von unterschiedlichen Vorgehensweisen ausprobieren, so dass sich im Laufe der (überschaubaren) Zeit die erfolgreichen Konzepte herauskristallisieren. In der Generalistenpraxis würde das im Vergleich viel viel länger dauern. Sich möglicherweise der Lerneffekt mangels Gelegenheit gar nicht einstellen.

Und so wird ein Happy End draus.
Wir heiraten zwar nicht Andy Mac Dowell, aber wir verbessern kontinuierlich auch in schwierigen Behandlungssituationen unsere Behandlungsqualität.

Ditt iss Berlin!

Ein in zweierlei Hinsicht trauriges Beispiel was in Berlin so „abgeht“.

Zunächst einmal hatte dieser 18-jährige Patient zu lange in die falsche Richtung geschaut und schon war die Luft fausthaltig.

Das Resultat?

32 und 42 hingen noch in der Alveole und nur der KFO-Retainer hat die Zähne gehalten. 31 war mehr als 2 mm disloziert und 42 hatte eine geringe laterale Dislokation erfahren. Hinzu kamen Riss-Quetschwunden intra- und extraoral im Bereich der Unterlippe.

Die Dokumentation aller Verletzungen im Unfallkrankenhaus und die Nahtversorgung ist als perfekt zu bezeichnen. Dort wurde der Patient ca. 1 Stunde nach dem Ereignis vorstellig.

Die Erstversorgung – berlintypisch – insuffizient, wobei dem jungen MKG-Kollegen, der den jungen Patienten im Nachtdienst versorgte, kein Vorwurf zu machen ist. Keine Assistenz, kein Material (TTS-Splint)und so wurde der KFO-Retainer zur Schienung umgebaut. Mit mässigem Erfolg, denn bei der Erstvorstellung bei mir waren vier der 6 Klebepunkte gelöst. Nur die nicht betroffenen Eckzähne hielten den Draht. Übrigens: keine systemische Antibiose und der Ratschlag die betroffenen Zähne nicht zu putzen.

Bei der Erstvorstellung erfolgte nach klinischer und radiologischer Diagnostik zunächst eine Reinigung der betroffenen Zähne, das Befestigen eines Titan-Trauma-Splintes und die Entfernung des lingualen KFO-Retainers.

Aufgrund der Beinahe-Avulsion von 31 und 32 und der starken Dislokation von 41 wurden diese Zähne 10 Tage nach Trauma endodontisch behandelt. Der klinisch symptomlose, elektrisch allerdings negativ getestete Zahn 42 wird vielleicht noch folgen.

30 Tage nach dem Trauma zeigt er weiterhin keine Reaktion auf den elektrischen Sensibilitätstest sowie Anzeichen eines Resoptionsprozesses im Foramenbereich, der jedoch nicht zwingend eine Indikation für eine endodontische Behandlung ist. Diese Form der Traumabewältigung wird auch als „transient apical breakdown“ bezeichnet.

Das endodontische Mittwochabend-Gespräch IV 15.12.2021 20 Uhr

Noch einmal in diesem Jahr wird es ein endodontisches Mittwochabend – Gespräch geben.
Ich werde sprechen über apikale Aufhellungen.

Grosse apikale Aufhellungen.
Weil – immer noch VIEL VIEL zu VIELE Zähne extrahiert oder wurzelspitzenreseziert werden, obwohl dies gar nicht notwendig wäre.

Ich will Mut machen.
Passt also hervorragend in die Zeit vor Weihnachten.

Also Termin vormerken.
Dabei sein.
Mitmachen.

Hier der Link zur Video-Konferenz

https://global.gotomeeting.com/join/574698293

Erst hatte er kein Glück und dann kam auch noch Pech dazu…

Wieder ein Fall für diese traurige Überschrift.

Bei der Betrachtung der in unserer Praxis auftauchenden Fälle sind manchmal nicht vermeintlich erklärbare Dinge zu sehen. Wir halten uns mit Urteilen vollkommen zurück. Meine Ansicht ist: Niemand macht mit Absicht etwas schlecht.

In diesem Fall kam der Patient mit akuten Beschwerden und nach Abszeßinzision, Kronenex und offener Trepanation zu uns. Der Zahn 45 sollte entfernt werden und ein „schönes neues Implantat“ gesetzt werden.
Der Zahn 45 hat keine Chance mehr. Er ist austherapiert.
Wir haben die Prognose für den Zahn als gut eingestuft und das verwunderte den Patienten. Er hat sich für den Erhalt entschieden. Wie er mir zum ersten Recall mitteilte, hatte er aber dem Vorhaben keine Chance eingeräumt und niemals an einen Erhalt geglaubt. Der Zahn 36 musste nach einer „solchen Wurzelbehandlung“ über 6 Monate trotzdem nach starken Beschwerden extrahiert werden.

Die endodontische Behandlung des Zahnes war nicht wirklich schwierig. Schwierig war die Darstellung der Präparationsgrenze. Durch die ungünstige extrem konvexe Gestaltung der Mesialfläche der Krone 46 war es unmöglich eine Krone bis zur Präparationsgrenze zu inserieren. 
Den meisten Zeitaufwand benötigten wir für die Provisoriumsherstellung. Dank Thomas Seitners Tipp mit der Liquid Strip Isolation hatten wir nach einigen Verrsuchen ein nichtzerbrochenes Provi. Die Einschubrichtung war von lingual nach bukkal kippend und die Präpgrenze konnten wir mit einem Flow (leider nicht radioopak) nur unvollständig abdecken.
Im vorliegendem DVT war am Zahn 46 ein verbreiterter Desmodontalspalt zu erkennen und anamnestisch traten in der Vergangenheit öfters pulpitische Beschwerden am Zahn 46 auf.
Deshalb riet ich dem Patienten nach der Behandlung des Zahnes 45 noch etwas mit der Kronentherapie an 45 abzuwarten. Die Schwiergikeit hatte ich ihm im Röntgenbild gezeigt.

Bis zum Recall nach 6 Monaten mussten wir nicht warten. Der Patient kam schon eher.
Die Behandlung am Zahn 46 war nicht außergewöhnlich schwierig und wir rieten dem Patienten dann zur Erneuerung beider Kronen.
Zum nächsten Recall war wieder alles überkront.
Schwierig war es für mich die Röntgenbilder dem Patienten gegenüber zu kommentieren.

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.

 

Hier ist guter Rat teuer (6) – Es ist einfach MTA zu applizieren, wenn…

Im vorliegenden Fall zweier infauster Frontzähne ( hier und hier sowie hier und hier und da bereits vorgestellt) sind wir immerhin soweit gekommen, die Zähne wieder mit einer Wurzelfüllung versehen zu können. Heisst, da die zweimalige WSR ja 2 Neoapices mit großem Durchmesser zurückgelassen hat, das nun MTA zur Anwendung kommt zum orthograden Verschluss der Resektionsstellen.

Und wir werden nun belohnt für unsere Mühen.
Denn die vorhandene apikale Knochenbarriere lässt das Einbringen des MTA zum Kinderspiel werden, müssen wir doch keine Angst haben, das MTA nach periapikal zu überpressen.

Zum Behandlungsablauf der MTA – Applikation nachfolgend ein paar Fotos und ein Video.

Der Schein trog!

Betrachtete man sich das mitgebrachte DVT erschien die vorhandene Obturation dicht, wandständig und in der Länge optimal. Dennoch ist der Zahn nunmehr fast 2 Jahrzehnte nach dem Trauma im Kindesalter immer noch/wieder beschwerdebehaftet.

Nach dem Frontzahntrauma mit ca. 12 Jahren erfolgte zunächst eine nicht erfolgreiche endodontische Primarbehandlung und mit im Alter von ca. 20 Jahren einen Resektion der Wurzelspitze. Eine Ausheilung der chirurgischen Zugangskavität erfolgte jedoch nicht.

Zudem imponierten wiederkehrende Schwellungen labial und palpatorische Druckdolenzen.

Nach Anlegen der Zugangskavität zeigte sich eine Obturation des sehr weiten Kanalquerschnittes mittels mehrerer eingebrachter Guttaperchaspitzen.

Die gesamten Wurzelfüllmassen wiesen zwischen Kanalwand und Obturationsmaterial deutliche Kontaminationsspuren auf.

Bereits nach Abschluss der ersten Behandlungssitzung war der zuvor schmerzempfindliche Zahn 21 beschwerdefrei gewesen. Die mechanische Bearbeitung der Kanalwände wurde mit einem XP-Finisher durchgeführt. Nach ausgiebiger Irrigation wurde die Obturation nach Anlegen eines kollagenen Widerlagers mit MTA durchgeführt.

Bleibt zu hoffen, dass das Recall eine Ausheilung der apikalen Pathologie zeigen kann.

Übermut tut selten gut.

von Jörg Schröder

Eine der wichtigsten Erkenntnisse meiner über 30-jährigen Praxistätigkeit ist, eine Behandlung nicht durchzuführen oder sie zu unterbrechen, wenn ich meine persönliche Komfortzone verlasse und mir nicht mehr sicher bin, ob ich die Situation noch verbessern kann oder bereits davor stehe, sie durch mein Tun erheblich zu verschlechtern.

Nachdem die für eine erfolgreiche endodontische Schmerzbehandlung notwendigen Behandlungsschritte sicher zahnärztliches Allgemeinwissen darstellen sollten, bin ich über Ausgangssituationen, wie die nachfolgend gezeigten, immer wieder mehr als verwundert.

Hier muss sich jemand unwohl gefühlt haben. Nicht nur, dass eine erhebliche Blutung aus den Zähnen mit erkennbarer Pulpanekrose ein Aufmerksamkeit erregender Umstand sein sollte. Spätestens bei der Beurteilung der Messaufnahme oder der Obturationsbilder muss es doch irgendwo „Klick“ machen. Denkt man. Denke ich. Weit gefehlt.

Nun die Frage an die Wurzelspitzler: Welche der Zähne haben, bei eingeschränkter mechanischer Prognose, noch eine Chance, erfolgreich endodontisch therapiert werden zu können? Welche Probleme sind in den radiologischen Darstellungen zu erkennen?

Hier ist guter Rat teuer (5) Metapex – Alternative

Wie es der Zufall so will…

Vorgestern, am Dienstag

ging hier der Beitrag über die beiden Oberkiefer-Frontzähne mit 2 maliger WSR und dennoch mit großer apikaler Aufhellung und Fistelbildung auf Sendung. Mit sehr erfreulichem Ergebnis. Nämlich Knochenbildung über die Resektionsfläche hinweg, ein Umstand, den ich zu erheblichem Teil dem Einsatz von Metapex (Meta Biomed) zuschreibe. Einem Material, das ich seit vielen Jahren verwende und nicht missen möchte, weshalb ich meine USA-Aufenthalte immer dazu nutze, mir einen größeren Vorrat zuzulegen, der mich übers Jahr bringt. Denn – das Material ist in Deutschland nicht erhältlich. Bis vor kurzem gab es mit Vitapex ein vermutlich ähnliches Präparat, dass, ganz davon abgesehen, dass es empfindlich teurer war, nun auch nicht mehr hierzulande vertrieben wird. Ich griff in Notfällen (die Metapex- Vorräte waren aufgebraucht) darauf zurück, so wie ich auch einmal eine bei WURZELSPITZE in den Kommentaren empfohlene osteuropäische Variante benutzte, die zwar käuflich erhältlich ist, Internet sei Dank, jedoch in ihren physikalischen Produkteigenschaften , ich sach mal, so stark vom Metapex – Original abwich, dass ich nach zweimaligem Einsatz von jeglicher weiterer Verwendung absah.

Was schade ist.
Denn immer nach der Veröffentlichung solcher Beiträge über mit Hilfe von Metapex wundersam gelöster Fälle kommt die Leser-Frage: Wo krieg ich das Zeug her ???? Eine Frage, auf die ich leider keine Antwort geben kann…

Aber dann. Gestern.

Erreicht mich via Email die Nachricht, dass mit Forendo- Paste eine weitere Metapex- Variante offiziell in Deutschland zur Verfügung steht. Vertrieben von der Firma Pulpdent Deutschland, ansässig in Leipzig.

Das wär vielleicht was ?!?!

Wer beisst an?
Wer berichtet?

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.

Warnung vor dramatischem Personalmangel

Langsam rückt das Problem in dem Mittelpunkt. Jetzt können wir es in der Tagesschau sogar lesen:

Warnung vor dramatischem Personalmangel

Die Lösung mehr Ärzte auszubilden ist schon ein Ansatz, aber trotzdem bleibt noch ein ganz dramatischeres Problem. Im mittleren medizinischem Personal sieht es viel verheerender aus. Ich kenne kaum eine Praxis ohne Personalmangel.

Woran liegt das?

In einer Mail laß ich letztens diese Zeilen:
36% der ZFAs überlegen, ganz aus ihrem Beruf auszusteigen und fast 37% der Teilnehmer einer Umfrage des Verbandes medizinischer Fachberufe e.V. denken darüber nach, den Arbeitgeber zu wechseln. Eine der Hauptursachen für den ZFA-Fachkräftemangel ist Stress.
Meiner Meinung ist der Beruf zudem unattraktiv geworden. Neben Stress sind lange Arbeitszeiten mit Überstunden und keine adäquate Bezahlung ebenso zu erwähnen.

Inzwischen verlangt das Berufsbild medizinisch sehr gut ausgebildete IT Kräfte, die Kenntnisse im Planungs- und QM Management haben, die Hygienevorgaben des RKI kennen müssen und dann noch Kommunikationsexperten sind.

Diese Mitarbeiter brauchen Anerkennung für diese verantwortungsvolle Tätigkeit. Diese Mitarbeiter müssen in der Lage sein, mit ihrem Job ihre Familie gut zu versorgen.

Was nützt uns eine Ärzteschar, wenn das mittlere medizinische Personal weg ist.
zu Krankenkassen, Dentaldepots, Unternehmensberatern etc. sind die Mitarbeiter gewechselt.

Wir müssen JETZT den Beruf attraktiv machen und bewerben.

Wir müssen JETZT Möglichkeiten schaffen Quereinsteiger schnell in den Beruf zu bringen und auszubilden.

Wir müssen JETZT Personalzuschüsse zu JEDER abgerechneten Leistung vereinbaren und diese müssen 100% den Praxismitarbeitern zu Gute kommen.
Alternativ die Honorare betriebswirtschaftlich realen Bedingungen anpassen.

Sonst wird es auch für uns ein mehr oder weniger baldiges Problem geben. Wer soll uns im Alter behandeln?

Hier ist guter Rat teuer (4)

Die Vorgeschichte des Falles findet sich hier und hier und hier.

Am Ende der 2.endodontischen Behandlungssitzung (01.12.2020) erfolgte die Applikation der medikamentösen Langezeiteinlage (Metapex, Meta Biomed).

Danach warte ich in der Regel 12 -16 Wochen ab. Dies erscheint mir als die kürzeste Zeitspanne, in der sich eine Verbesserung zum Positiven hin im konventionellen Röntgenbild, sprich Zahnfilm, eindeutig diagnostizieren lässt. Die Applikation des Calciumhydroxid überprüfe ich im Röntgenbild. Im vorliegenden Fall war ich sehr bemüht, nicht versehentlich zu viel Calciumhydroxid zu überpressen, angesichts des grossen Knochendefektes und vor allem der Tatsache, dass auf Grund der vorangegangenen Wurzelspitzenresektionen nach vestibulär hin kein Knochen mehr vorhanden ist und eine Überpressung ins Weichgewebe hinein zu Gingivanekrosen führen könnte.

Das Resultat war dann prompt eine inhomogene Füllung. Ärgerlich.

Fast forward.
16 Wochen später.

Kontrolle der apikalen Situation am 19.04.2021

Die Wiedereinbestellung der Patientin erfolgte zur Kontrolle der apikalen Situation. Gegenüber der Ausgangssituation zeigt sich das röntgenologische Erscheinungsbild verbessert an beiden Zähnen, jedoch nicht so eindeutig, dass eine Fehlinterpretation auf Grund der unterschiedlichen Projektionswinkel der Aufnahmen ausgeschlossen werden konnte.

Aus diesem Grund wurde in der nächsten Sitzung am 20.05.2021 erneut ausgiebig schall – und laseraktiviert gespült und die Metapex-Einlage erneuert.

Weitere knapp 16 Wochen später.
Die erneute Wiedervorstellung fand Anfang September 2021 statt. Eine eindeutige beginnende Knochenregeneration war nun festzustellen. Daher wurde am 07.09.2021 (Applikation von MTA als apikale Barriere) und am 09.09.2021 (Wurzelkanalfüllung mit Guttapercha und Sealer) die endodontische Behandlung abgeschlossen.

Kontrolle medikamentöse Einlage am 20.05.2021
Kontrolle MTA am 07.09.2021
WF – Kontrolle 09.09.2021

Das Erfreuliche – an beiden Zähnen hatte sich apikal ein knöcherner Verschluss des Periapex gebildet. Eine Applikation des MTA ohne Gefahr des Überpressens war somit leicht durchzuführen. Worauf die Knochenneubildung ausgerechnet in diesem Bereich zurückzuführen ist, bleibt letztendlich ungeklärt, aber man hätte doch bei der bestehenden Ausgangssituation eher ein langsames Wachstum von den Rändern des Defekts zum Zahn hin vermuten dürfen. So ist es aber natürlich noch viel besser und macht Mut für die weitere Entwicklung.

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.

Zugang, Zugang, Zugang.

von Jörg Schröder

Apikale Probleme entstehen koronal. Marginale Probleme auch.

Angesichts der Ausdehnung der bei der Erstbehandlung erstellten Zugangskavität könnte das Wirken des Kollegen beinahe bewundernswert genannt werden, lag er doch beim Versuch, die Kanalsysteme zu erschließen nur knapp daneben.

Mesiobukkal bestand eine iatrogene Perforation, die jedoch kurioserweise in einem ausgedehnten keilförmigen Defekt mündete und von extrakoronal visualisiert werden konnte. Nachdem dieser Defekt, nebst der Perforation, präoperativ adhäsiv verschlossen wurde, konnten nach Modifizierung der Zugangskavität die vorhandenen Kanaleingänge dargestellt werden.

Kurios war der bereits im DVT erkennbare, abrupt nach distobukkal abzweigende Seitenkanal in D.

Die Behandlung der apikalen Pathologie an Zahn 45, die sich als Zufallsbefund zeigte, wird in getrennter Sitzung erfolgen.

Dentapen (II)

Vor zwei Wochen habe ich hier über unsere Neuanschaffung, den Dentapen berichtet.

Hier zwei kurze Videos zur Anwendung und unsere Einschätzung…

PS: Auch bei den Patienten kommt der PEN sehr gut an und wird als “Verbesserung “ empfunden …

PPS: Das Geräusch, dass man hört wenn man die Applikation stoppt ist die „automatische Aspiration“ des Geräts. …

Fragmententfernung mittels BTR Pen

Vor einiger Zeit habe ich hier über unsere ersten Erfahrungen mit dem BTR Pen berichtet.

Nach mehr als sechs Monaten Anwendung hat sich unser erster Eindruck bestätigt.

Dieses Tool ist aus unserer „Werkzeugkiste“ nicht mehr wegzudenken!

Hier ein Fall, bei dem uns der Pen sehr geholfen hat…

der Zuweiserin war eine RECIPROC Blue 25 während der Präparation mesio-lingual frakturiert.

Alio loco angefertigtes Ausgangsröntgenbild
Alio loco angefertigte Aufnahme nach Instrumentenfraktur

Die nachfolgenden Bilder der unzureichenden Zugangskavität vermitteln, warum dies unter anderem „passierte“.

Zugangskavität initial und nach Entfernung der provisorischen Füllung

Ferner ergab die Untersuchung und Beurteilung der Kavität sowie des Bodens, dass ausserdem ein bisher unbehandeltes distales Kanalsystem vorlag.

Anwendung der Symmetrie-Regeln und die Inspektion des Pulpakammerbodens liefern Anhalte zur Darstellung des bisher übersehenen disto-lingualen Kanalsystems
Mittels Ultraschallansätzen dargestellter Instrumentenkopf
Mittels BTR Pen entferntes Fragment
Masterpoint-Aufnahme
Abschluss-Aufnahme – Präparationsdurchmesser 35.06 bzw. 40.06

Ich hoffe darauf, dass ich demnächst das Recall des Falls hier vorstellen kann…

Klammermodifizierung

Über die Kofferdamklammerverwendung der 27N von Hu Friedy hatte ich bereits vor einiger Zeit geschrieben.
Nun kommt es häufig vor, das wir an bereits präparierten Zähnen arbeiten. Butterflyklammern sind ergonomisch meist wenig geeignet. Deshalb suche ich häufig nach Alternativen. In diesem Fall eines unteren Molaren haben wir mal wieder die modifizierte Klammer 27N eingesetzt.
Anbei die Bilder zum Modifizieren und die Klammer im Einsatz.

 

Hier ist guter Rat teuer (3)

Über den Fall wurde bislang hier und hier berichtet. Letztendlich habe ich natürlich die endodontische Behandlung der beiden Oberkieferschneidezähne bei der jungen Patientin durchgeführt.

Die erste Behandlungssitzung fand am 24.11.2020 statt.

Zu diesem Zeitpunkt war die Fistel nicht aktiv, ein offener Fistelgang war nicht sichtbar, im Vestibulum liess sich lediglich eine mit Eiter gefüllte, dicht subcutan gelegene Wölbung erkennen. Die Eröffnung durch Anpieksen mit einem EndoExplorer führte zu Pusabfluss.

Wer bis dato noch an die Funktionsfähigkeit der vorhandenen Wurzelkanalfüllungen geglaubt hatte, konnte nach Trepanation nicht schwarz auf weiss aber doch „braun auf orange“ nun das ganze Ausmaß der Insuffizienz in Augenschein nehmen.

Mit der Applikation einer medikamentösen Einlage (Ledermix) und dem Verschluss der Zugangskavität in gewohnter Vorgehensweise (Steriles Teflon, Cavit, Glasionomerzement) wurde die erste Behandlungssitzung beendet. Nach Abnahme des Kofferdams zeigte sich austretendes Ledermix am Fistelmaul.

Die 2. Behandlungssitzung unterschied sich nicht grundlegend von der ersten. Ziel war es, nach adäquater Desinfektion die vorhandene Ledermix- Einlage durch eine Metapex- Langzeiteinlage zu ersetzen, die 16 Wochen in situ verbleiben sollte.

(wird fortgesetzt)

OK Prämolar – 3 Kanäle einmal anders

von Jörg Schröder

Prämolaren mit drei Kanalsystemen stehen in unseren Breitengraden sicher nicht jede Woche auf der Tagesordnung. Üblicherweise – sie werden mitunter auch als Mini-Molaren bezeichnet – weisen sie im Oberkiefer zwei bukkal und ein palatinal gelegenes Kanalsystem auf.

Dass der im Folgenden gezeigte 24 überhaupt drei Kanäle besitzt, fiel zuerst im präoperativ erstellten DVT auf. Mittig zwischen bukkalem und palatinalem Kanal zweigte der dritte Kanal nahezu rechtwinkelig abrupt von palatinal nach bukkal ab, um dann in großem Bogen nach apikal zu verlaufen.

Mittels Endosonorefeile wurde die koronale Dentinschicht über dem hier fast horizontal verlaufenden Kanal abgetragen, bis ein stark vorgebogener Microopener eingeführt werden konnte.

Mit etwas Mühe, viel Geduld und nach dem Entfernen einer bei der Katheterisierung des sehr engen Kanalsystems frakturierten Gleitpfadfeile (Behandlerpuls nahe 200) konnten schliesslich alle Kanäle aufbereitet und in gleicher Sitzung obturiert werden.

Interessant für mich, dass ich beim Durchfahren des Zahnes im DVT den im axialen Schnitt immer wieder aufpoppenden dunklen Punkt zunächst irritiert zur Kenntnis nahm und die Geometrie erst ernst genommen habe, als ich den Abzweig im frontalen Schnitt darstellen konnte.

Zahn 32

Mit einer Häufigkeit von circa 2 Prozent aller notwendigen endodontischen Behandlungen zählt die unterer Frontzähne zu den Ausnahmen.

Bei der uns zugewiesenen 75-jährigen Patientin war eine solche Behandlung als Folge einer sehr ausgeprägten Kompositfülllung mit nachfolgender Nekrose notwendig geworden.

Die alio loco begonnene Behandlung wurde abgebrochen, da es nicht gelang einen Wurzelkanal darzustellen.

Die angefertigten Röntgenbilder zeigten, dass es zu einer Fehleinschätzung der Trepanationsrichtung und Tiefe gekommen war.

Alio loco angefertigtes Röntgenbild nach Trepanationsversuch

Eine Perforation lag nicht vor.

Dafür zählte dieser Zahn aber zu den 40%, die zwei Kanalsysteme in dieser grazilen Radix aufweisen.

Gesucht und gefunden haben wir die fehlenden Strukturen (wie eigentlich immer) deutlich weiter lingual…

In ingesamt zwei Terminen a einer Stunde konnten wir die Behandlung gestern abschliessen.

Bei aller Freude über das Ergebnis bin ich recht froh, dass diese Zahngruppe selten bei uns behandelt werden muss. Auf Grund der grazilen Strukturen und der undankbaren Zugänglichkeit zählen Unterkiefer-Frontzähne zu den eher ungeliebteren Kandidaten bei mir…

hoffentlich war es der letzte für dieses Jahr…

Entscheidungen

Den Fall hatte ich bereits als Recall vorgestellt.

Zufällig bemerkten wir, daß der Zah 14 nicht extrahiert wurde, wie wir vor knapp10 Jahren empfohlen hatten. Nun mussten wir unsere damalige Empfehlung überdenken.
Im Röntgenbild war allerdings der Zahn 15 auffällig und es wurde ein DVT angefertigt.

Die Befunde des DVT möchte ich nun vorstellen und zur Diskussion stellen. 14 zeigt apikal einen verbreiterten Desmodontalspalt und 15 lässt eine P. apicalis mit unvollständiger WF vermuten. Distocoronal imponiert eine Sekundäkaries, buccal eine Karies oder Resorption.

15 ist nicht eihaltbar und damit ist die Zukunft von 14 abhängig von der nun neu zu erstellenden ZE Planung.
Hier die Bilder des DVT.

Als Nebenbefund ist ein P. apicalis am Zahn 21 zu erkennen. Die Patientin erwähnte, daß bereits 2013 oder 14 ein DVT erfolgte, in dem man diesen ´Zahn sah. Nun haben wir nach 7 Jahren eine Verlaufskontrolle. Die apikale Osteolyse zeigt sich dezent vergrößert. Die Patientin hat keine Beschwerden, es besteht kein Lockerungsgrad und die Sondierungstiefen sind nich erhöht. Die Kronenversorgung ist suffizient und optisch nicht zu bemängeln. Wir haben der Patientin die Situation vorgestellt, an Hand der zwei DVT die Entscheidung an heim gestellt, die Therapie der P. apicalis von orthograd durchzuführen oder die Situation unter Beobachten mit jährlichen Röntgenkontrollen zu behalten.

Nun meine Frage:
Wer würde angesichts der Befunde und Zeitverläufe zu einer Behandlung sofort plädieren und wer wäre für ein abwartende Haltung?