Tag des Frontzahnes II

Von Bonald Decker

Sieben Frontzahn-Behandlungen waren es gestern „zum Glück“ nicht nochmal.

Aber doch wieder eine ganze Reihe.

Prä-op vs. Post-op

Prä-op vs. Post-op

Auch eine Revision mit Zirkonstift Entfernung war wieder dabei.

Ausgangsröntgenbild (alio loco)

Ausgangsröntgenbild (alio loco)

Auch dieses Mal liess sich dieser (deutlich kürzere Stift) mittels Ultraschallansätzen besser entfernen, als im Vorfeld befürchtet.

Postoperative Aufnahme Zahn 21 nach zweizeitiger Revision

Postoperative Aufnahme Zahn 21 nach zweizeitiger Revision

Und auch eine endodontische Behandlung ohne Traumahistorie galt es zu versorgen:

postoperative Aufnahme von 13 und 14 nach kariesverursachter Endoproblematik

postoperative Aufnahme von 13 und 14 nach kariesbedingter Endoproblematik

Die letzte „Frontzahn-Patientin“ (34 Jahre) des Tages kam gestern zunächst zur Erstuntersuchung und Beratung. Ihre alio loco angefertigten 2D-Röntgenaufnahmen zeugen von einer lang zurückliegenden Historie:

Alio loco präoperativ angefertigtes OPG

Alio loco präoperativ angefertigtes OPG

Einzelzahnaufnahme Regio 22 bei endodontisch insuffizienter Vorbehandlung eines Zahnes mit nicht abgeschlossenem Wurzelwachstum

Einzelzahnaufnahme Regio 22 bei endodontisch insuffizienter Vorbehandlung eines Zahnes mit nicht abgeschlossenem Wurzelwachstum

Aufgrund der DVT-Aufnahme bin ich jedoch zuversichtlich, dass das bakterielle Problem auch bei diesen Zahn durch eine orthograde Revision beherrschbar sein wird.

DVT Regio 22

DVT Regio 22 (FOV 5×5)

DVT Regio 22 (FOV 5x5)

DVT Regio 22 (FOV 5×5)

Eine zentrale Rolle bei der Desinfektion werden hierbei die zu verwendeten Spüllösungen spielen. Insbesondere Natriumhypochlorit.

Bedenken, dass wir aufgrund des offenen Apex einen „Spülunfall“ verursachen habe ich indes nicht. Diese Problematik würde sich nur ergeben, wenn diese Lösung „aktiv“, als mit Druck, in das umliegende Gewebe injiziert wird. Ein schlichtes „Baden“ der Apikalregion hingegen kann gefahrlos erfolgen und wird routinemässig bei uns durchgeführt.

Wieso Natriumhypochlorit zum Teil in „Misskredit“ gerät, zeigen die beiden Zähne der letzten Patientin. Während der alio loco durchgeführten endodontischen „Behandlungen“ war es wiederholt zu „Problemen“ während der Kanalspülungen gekommen. Als Grund hierfür wurde laut behandelnder Zahnärztin eine NaOCl-Allergie der Patientin angesehen…

multiple iatrogene Perforationen zweier Zähne  während alio loco durchgeführten Spuren endodontischer Behandlungen

multiple iatrogene Perforationen zweier Zähne während alio loco durchgeführten „Spuren endodontischer Behandlungen“

Mehrfachtrauma – Update

von Ronald Wecker

Vor 4 Wochen wurde an dieser Stelle über ein Mehrfachtrauma nach einem Fahrradsturz berichtet.

Hier nun ein Zwischenstand.

Der Titan-Trauma-Splint wurde 4 Wochen nach dem Unfall entfernt. Der ursprünglich sehr mobile „Aleveolarblock“ 21-25 zeigt keine  erhöhte Beweglichkeit mehr.

Der avulsierte Zahn 11 und der intrudierte Zahn 12 wurden initial endodontisch behandelt und mit CaOH2 versorgt. Beide Zähne zeigen einen metallischen Klopfschall. Zahn 11 zeigt Anzeichen einer knöchernen Ersatzresorption

Die Zähne 15-13 und der Zahn 25 sind weiterhin sensibel auf elektrischen Reiz. Neu „hinzugekommen“ ist der nach Trauma zunächst nicht sensible Zahn 24.

Die Zähne 23-21 reagieren weiterhin nicht auf elektrischen Reiz. Eine apikale Veränderung ist im Einzelbild nicht zu erkennen. Hier ist ein weiteres Abwarten geplant, da auch noch viele Wochen nach dem Trauma, die Sensibilität wiederkehren kann.

In 4 Wochen erfolgt die Vorstellung beim Kieferorthopäden, um die gestörte Okklusion zu harmonisieren. Für Zahn 11 wird, bei weiter voranschreitender Resorption, die Dekoration in Betracht gezogen.

Multitrauma D.018 Multitrauma D.019

 

Röntgenbefund (2)

von Ostidald Wucker

Das Röntgenbild haben wir hier vorgestellt.

Im Gespräch mit dem Patienten fiel uns auf, daß er sich ununterbrochen die Unterlippe rieb, bzw. die Unterlippe immer hin- und herbewegte. Darauf angesprochen sagte der Patient, dies wäre seit dem Unfall so. Er vermutet, das die Wunde noch nicht richtig abgeheilt ist und deshalb ist es auch noch ein bißchen angeschwollen.

Der Unfall ist ca. 7 Wochen her.

Der Patient wünschte von uns eine Zweitmeinungung zum Zahnerhalt des Zahnes 41.
Sein Zahnarzt hatte ihm die Extraktion und Implantation empfohlen.

Zum Befund: Es wurde ein DVT angefertigt.

In der Unterkiefer Lippe verblieb ein Stück Schneidekante der Oberkieferfrontzähne.
Durch die zufällige achsengleiche Überlagerung konnte zunächst der Verdacht einer Wurzelfraktur mit CaOH Einpressung entstehen. Die metalldichte Struktur (medikamentöse Einlage) im Wurzelkanal reicht nicht an die hyperdense Verschattung des Fragmentes heran. Ein Einpressen in den Frakturspalt ist damit nicht wahrscheinlich.
Eine Perforation labial mit CaOH-Einpressung ins Parodont/Knochen könnte durchaus im Röntgenbild so dargestellt sein.

Im angefertigten DVT ließ sich Lage und Form des Fragmentes feststellen. Die Entfernung desselben wurde dem Patienten unbedingt angeraten.

Die weitere Behandlung des Patienten erfolgt auf Wunsch des Patienten in einer kieferchirurgischen Praxis. Der Zahnerhalt von 41 erschien dem Patienten nicht notwendig.

 

Röntgenbefund

R1von Ostidald Wucker

Das Röntgenbild zeigt einen Unterkieferfrontzahn nach einem Fahrradsturz.

Der Zahn imponiert klinisch mit einen Lockerungsrad 2 und starken Aufbissbeschwerden. Die Sondierungstiefen sind zirkulär 3-4mm. Der Zahn wurde endodontisch notbehandelt und mit CaOH gefüllt.

Wie erklären Sie sich die Verschalung Verschattung im mittleren Wurzeldrittel?

Mehrfach-Trauma

von Ronald Wecker

Drei Tage nach einem Fahrradsturz stellte sich dieser 23-jährige Patient, bislang mit restaurationsfreien Zähnen gesegnet, in unserer Praxis vor.

Multitrauma D.002 In der MKG-Abteilung einer bekannten deutschen Universitätsklinik erfolgte die Erstversorgung der erheblichen Verletzungen des Gesichtsschädels, der umgebenden Weichgewebe sowie der Zahnhartsubstanz.

Im kurz nach dem Unfall angefertigten DVT wurde laut den Eltern des Patienten (beide Mediziner) diagnostiziert: Fraktur des Jochbeins links, Fraktur des Siebbeins links, Alveolarfortsatzfraktur in Regio 24-21 mit Dislokation nach palatinal, Fraktur der lateralen Sinusbegrenzung links und eine nicht dislozierte Nasenbeinfraktur. Hinzu kamen zwei  perforierende Riss-/Platzwunden in Ober- und Unterlippe.

Der Zahn 11 war avulsiert, der Zahn 12 intrudiert, die Zähne 23, 22, 21,11 und 12 wiesen unkomplizierte Kronenfrakturen auf. Die Gingiva distal des 11 wies eine diagonale Risswunde auf. Zahn 11 wurde nach 4 Stunden Trockenlagerung replantiert. Das am Unfalltag angefertigte MRT wurde nicht ausgewertet. Dies ist insofern von Bedeutung, als der Patient einige Tage nach der Entlassung aus der Klinik über Schwindelgefühle berichtete und kurzfristig das Bewusstsein verlor.

Die kontaktierte Klinik schlug eine neurologische Untersuchung vor. Dabei wurde auch die Auswertung des am Unfalltages angefertigten MRT besprochen: Neben einer Dislokation eines cervikalen Wirbelkörpers wurde eine kleine Ruptur der Arteria vertebralis festgestellt, die als Ursache für den Schwindel und den Bewusstseinsverlust verantwortlich gemacht wurde. Wohlgemerkt einige Tage nach dem Erstellen des MRT!

Dass die Versorgung der Verletzungen an Zähnen und Halteapparat angesichts der Schwere der Verletzungen in den Hintergrund tritt, ist vielleicht noch zu verstehen.

Dass jedoch der intrudierte Zahn 12, nicht im frakturierten Alveolarfortsatzbereich gelegen, nicht chirurgisch reponiert wurde, dass die parodontalhygiensch ungeeigneste Schienungsvariante gewählt wurde und dass dem Patienten und den Eltern ein nicht korrekter Schienungszeitraum (2-3 Wochen) genannt wurde, wirft ein ungutes Licht auf den Kenntnisstand des Behandelnden, rundet aber das Gesamtbild ab.

Es wurden definitiv Chancen vergeben, mögliche Folgeschäden von Zähnen, Halteapparat und Alveolarfortsatz ohne großen Aufwand abzuwenden.

Ob einer der Behandelnden sein eigenes Kind in der beschriebenen Weise behandelt wissen möchte, darf stark bezweifelt werden.

Die klinischen Befunde waren: Die Zähne 15,14,13 und 25 reagierten reproduzierbar positiv auf elektrischen Reiz. Die Zähne 24-12 reagierten negativ auf elektrischen Reiz. Die Zähne 15-13 und 24 und 25 zeigten eine normale Beweglichkeit. Die Zähne 23-11 wiesen eine Beweglichkeit Grad 3 auf. Zahn 12 war nicht beweglich und zeigte als einziger einen ankylotischen Klopfschall.

Nach Entfernung der vorhandenen Schienung und nach absoluter Trockenlegung wurde als Erstmaßnahme die aus ästhetischer Sicht vorerst provisorische dentinadhäsive Versorgung der Dentinwunden durchgeführt. Anschließend wurde ein TTS-Splint von 24-15 adhäsiv befestigt.

Zum Abschluss der verzögerten Erstversorgung erfolgte die initiale endodontische Behandlung des avulisierten Zahnes 11 nebst medikamentöser Einlage.

Multitrauma D.006 In der Folge werden die Zähne 24-12 engmaschig klinisch und gegebenfalls radiologisch kontrolliert. Eine endodontische Behandlung des Zahnes 12 scheint unumgänglich, da die Pulpanekrose bei einer Intrusion diesen Ausmaßes so gut wie sicher ist.

Begleitend wird sowohl der behandelnde Kieferorthopäde, als auch ein in freier Praxis niedergelassener MKG konsultiert werden, um die für eine Wiederherstellung normaler funktioneller und ästhetischer Verhältnisse notwendigen Maßnahmen zu erörtern.

Ein fader Beigeschmack bleibt jedoch angesichts der Geschehnisse zurück. Ein Einzelfall? Ich befürchte nicht.

Früher und später Misserfolg

von Ronald Wecker

Der zum Unfallzeitpunkt 8-jährige Patient erlitt eine Avulsion der Zähne 21 und 22. Nachdem die Zähen etwas mehr als eine Stunde trocken lagerten wurden sie nach ca. 20 minütigem „Aufenthalt“ im Dentosafe alio loco deponiert und ein TTS-Splint befestigt. Eine endodontische Therapie wurde nicht angeraten.

3 Wochen nach der Replantation stellte sich der junge Patient vor. Beide Zähne waren perkussionsempfindlich, reagierten nicht auf elektrischen und Kältereiz und waren  palpatorisch deutlich druckdolent.

Nach initialer endodontischer Therapie wurde CaOH2 eingelegt und 2 Wochen später die Obturation mit MTA durchgeführt. Bereits das postoperative Bild zeigt ein resorptives Geschehen am distalen Aspekt der Wurzel des 22. Nach weiteren 8 Monaten musste Zahn 22 aufgrund der deutlich fortgeschrittenen externe Resorption entfernt werden. Zahn 21 wies keine Anzeichen einer Resorption auf.

3 Jahre nach dem Trauma schien es 21 geschafft zu haben.

Gestern nun die traurige Erkenntnis: Auch an 21 haben resorptive Prozesse zu einer starken Schädigung der Wurzel geführt. Die Prognose ist infaust. Die anstehende prothetische Versorgung des heute 14-jährigen Patienten stellt eine große Herausforderung dar.

21D Resorption.001 21D Resorption.002 21D Resorption.003 21D Resorption.004

Leitlinie Therapie des dentalen Traumas bleibender Zähne

von Olaf Löffler

Die aktuelle Leitlinie „Therapie des dentalen Traumas bleibender Zähne “ können Sie hier nachlesen und downloaden:

Klicke, um auf 083-004l_S2k_Dentales_Traume_bleibende_Zähne_Therapie_2015-06.pdf zuzugreifen

Aktuelle Leitlinien der Deutsche Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) und deren Gültigkeit sind auf dieser Seite der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften) nachzulesen:

http://www.awmf.org/leitlinien/aktuelle-leitlinien/ll-liste/deutsche-gesellschaft-fuer-zahn-mund-und-kieferheilkunde.html

 

Röntgenbefund (2)

von Ostidald Wucker

Letzte Woche haben wir diesen Fall hier vorgestellt. Es wurde ein Zahnfilm und ein DVT des Zahnes 11 erstellt.
Der auffällige pulpale Befund lässt eine traumatische Genese vermuten.
Deshalb haben wir noch einmal nachgehakt und den ehemaligen Zahnarzt eruieren können.
Der Kollege hat uns trotz Ruhestand sofort geantwortet und die Röntgenbilder der damaligen Behandlung leihweise zur Verfügung gestellt. Hier die Bilder und die Infos zur damaligen Behandlung. Auf Grund der nicht alltäglichen Therapie, ein interessanter Behandlungsverlauf und Langzeitbefund. Wir werden diesen weiter verfolgen.

( Die erwähnte Behandlung am 18.5.1994 betrifft den Zahn 11 und nicht, wie geschrieben 21. )

Eine endodontische Behandlung ist derzeit nicht indiziert.

 

 

Kleiner Vulkan (I)

Von Bonald Decker

Die Anfänge der nachfolgenden Krankengeschichte datieren recht weit zurück.

Nach einem in der dritten Klasse (ca. 1991) erlittenen Frontzahntrauma (die genaue Diagnose liess sich nicht mehr erheben) musste Zahn 22 aufgrund einer Pulpanekrose im Jahr 2004 endodontisch behandelt werden. Das damals angefertigte Orthopantomogramm zeigt ein zum Stillstand gekommenes, nicht abgeschlossenes Wurzelwachstum mit apikaler Transluzens.

Zustand nach Trauma

Zustand nach Trauma Zahn 22 vor vielen Jahren mit daraus resultierendem nicht abgeschlossenen Wurzelwachstum und apikaler Transluzens

Die Therapie des damals  22-jährigen Patienten wurde von dessen als Zahnarzt tätigen Vater durchgeführt. Die Wurzelkanalfüllung erfolgte mittels trägerbasierter Obturationstechnik (wohl Thermafil + Sealer). Seitdem war der Zahn symptomfrei. Die letzte radiologische Kontrolle des Zahnes fand 2011 statt.

Letzte Nachkontrolle (2011)

Alio loco durchgeführte letzte Nachkontrolle  des Zahnes 22 nach endodontischer Behandlung (2011)

Mit Jahresbeginn 2015 beklagte der Patient allerdings zunehmende Beschwerden mit ausgeprägter Klopfempfindlichkeit und erhöhtem Lockerungsgrad (II-III) des Zahnes 22. Auch mit hochdosierten nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR = 600mg Ibuprofen alle 4-6h) liessen sich die Schmerzen nicht mehr vollständig in den Griff bekommen. Das von uns angefertigte Einzelzahnröntgenbild bei Erstvorstellung liess vermuten warum…

Aktuell angefertigtes Einzelzahn-Röntgenbild bei   Vorstellung mit akutem Beschwerdebild

Aktuell angefertigtes Einzelzahn-Röntgenbild bei Vorstellung mit aktuellen Beschwerden

Aufgrund der ausgeprägten apikalen Osteolyse und dem Resorptionsprozess entschieden wir uns gemeinsam mit dem Patienten für die Anfertigung eines DVTs. Nachfolgend hiervon ein paar Screenshots:

Präoperativ angefertigtes DVT Regio 22

Präoperativ angefertigtes DVT Regio 22

Verdacht

weiter apikal

Ca. 10x8 mm grosse Osteolyse

Ca. 10×8 mm grosse Osteolyse, dieVestibulum und Palatum scheinbar verbindet

Nach eingehender Besprechung der Befunde mit Patient und Zuweiser (=Bruder&Zahnarzt) entschieden wir uns zunächst für einen nicht-chirurgischen orthograden Revisionsversuch. Eine ggf. spätere zusätzliche chirurgische Intervention bei unzureichendem orthograden Management der Infektion wurde vorab ebenfalls diskutiert. Die Zahnentfernung oder das primär chirurgische Vorgehen im Sinne einer Wurzelspitzenresektion wurden aufgrund des zu befürchtenden bleibenden Substanzverlustes von allen Beteiligten als Sekundärlösungen angesehen.

Zu Beginn der Revision musste zunächst der (extraaxial eingebrachte) Glasfaserstift entfernt werden.

Intraorale Ansicht vor Revisionsbeginn

Intraorale Ansicht vor Revisionsbeginn

Dies gelang relativ zügig mittels Munce Bohrern. Als nächstes galt es den Kunststoffträger des Wurzelfüllmaterials (möglichst in einem Stück!) zu bergen. Hier hat sich nicht nur bei uns die Anwendung von Hedström-Instrumenten (zum Teil mittels Umschlingungstechnik = Braiding-Technique) bewährt.

Entfernter Thermafil-Stift

Entfernter Thermafil-Stift

Radiologisch vollständig entfernte Wurzelfüllmaterialien

Radiologisch vollständig entfernte Wurzelfüllmaterialien

Kaum war dies gelungen „präsentierte“ sich der Zahn als kleiner Vulkan…

Spontane Plusentleerung nach Entfernung des Wurzelfüllmaterials

Spontane Pusentleerung nach Entfernung der Wurzelfüllmaterialien-nach einiger Zeit stoppte der Prozess und der Zahn konnte nach medikamentöser Einlage temporär verschlossen werden. Der Patient berichtete am nächsten Tag von einer nahezu vollständigen Remission seiner Beschwerden.

Im zweiten Teil dieses Beitrags berichte ich über unser weiteres Procedere…

stay tuned

;-)

Späte Apexogenese

von Ronald Wecker

Vor fast 4 Jahren erlitt der damals 8-jährige Patient bei einem Fahrradsturz eine laterale Dislokation des Zahnes 11. Die Erstversorgung erfolgte im nicht-europäischen Ausland und bestand neben einer medikamentösen Einlage in einem Offenlassen des Zahnes nach Trepanation.

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Aufgrund der langen Kontaminationsdauer hatte ich von der ursprünglich geplanten Revitalisierungstherapie Abstand genommen und mich für einen Verschluss mit MTA entschieden. Noch während des Platzieren des ersten MTA-Plugs bemerkte ich ein „Hineinrutschen“ des MTA. Das Kontrollbild gab keinen Anlass zur Freude, zeigte es doch eine deutliche Extrusion in den Periapikalbereich. Die Anästhesie liess nach, der junge Patient und der Behandler wurden etwas unruhig und so wurde die Wurzelfüllung fertiggestellt.

Bereits die ersten Röntgen-Recalls zeigten eine Resolution der apikalen Entzündung. Allerdings „sonderte“ sich das extrudierte Material räumlich etwas von der intrakanalären Wurzelfüllmasse ab. Klinisch war der Zahn vollkommen beschwerdefrei.

Gestern nun das in jeder Hinsicht unerwartete Recall nach 3,5 Jahren. Einen Tag zuvor beim Skateboardfahren gestürzt stellte sich der Patient mit einem Zahn 21 vor, der neben einer kleinen Schmelzfraktur auch einen Zustand nach Konkussion aufwies. Der Klopfschall und die Beweglichkeit war physiologisch. Der Pa-Spalt ist lateral dezent erweitert. Die Sensibilitätsprobe an 21 fiel positiv aus.

Das angefertigte Röntgenbild zeigt aber an Zahn 11 Erstaunliches:

Das Wurzelwachstum war trotz des periapikal gelegenen MTA weiter vorangeschritten. Eine Wurzelspitze mit normalem Parodontalspalt ist vorhanden. Offensichtlich steckt im Periapikalbereich mehr regeneratives Potential als bisher angenommen. Denn dem derzeit gültigen Behandlungsprotokoll für eine Revitalisierung hat der durchgeführte Therapieansatz nur teilweise entsprochen.

Horizontalfraktur x 2

von Ronald Wecker

8 Wochen nach den bei einem Sturz  an den Zähnen 21 und 11 erlittenen horizontalen Wurzelfrakturen stellte sich dieser 70-jährige Patientin in unserer Praxis vor.

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Die Erstversorgung mittels palatinal befestigter Metallnetzschienung erfolgte in der MKG-Abteilung eines Universitätsklinikums. Laut kurz gefasstem Arztbericht  war auch der Zahn 12 betroffen gewesen. Dieser erlitt eine nach palatinal gerichtete Dislokation.

Nachdem sich die ursprünglich von 12-22 ausgedehnte Schienung immer wieder an 22 löste (offensichtlich war die Glasur der keramischen Krone nicht entfernt worden) wurde die Ausdehnung der Schienung auf die Zähne 12-21 beschränkt.

Klinisch zeigen sich die Zähne 21 und 11 gering perkussionsempfindlich. Palpatorische Druckdolenz fehlt. Die Sondierungstiefen überschreiten 2 mm nicht. Die Beweglichkeit ist erstaunlich gering, obwohl das Metallnetz alles andere als rigide ist.

Der Zahn 12 und 22, sowie die Zähne 13, 23, 42-32 regieren reproduzierbar positiv auf elektrischen Reiz. Die Zähne 21 und 11 reagieren negativ. Der Klopfschall aller Oberkieferfrontzähne ist normal. Es gibt weder Schwellungen noch Fistelungen im Bereich der betroffenen Zähne.

Besonders auffällig ist die deutliche Okklusionsstörung, die insbesondere durch die Überextendierung der Kompositbefestigung der Schienung in regio 12 verursacht worden ist. Die Seitenzähne haben weder links noch rechts Okklusionskontakte. Nach Reduktion der Kompositmassen palatinal an Zahn 12 näherten sich die Seitenzähne zwar, es bestand aber weiterhin Non-Okklusion. Auf der Rückfläche des nach palatinal stehenden 12 zeigte sich weiterhin ein deutlicher Frühkontakt, der auf eine nicht ideale Reponierung während der Erstversorgung schließen lässt.

Die radiologische Diagnostik zeigt im 2D-Bild die für eine schräg verlaufende Horizontalfraktur typische doppelte Frakturlinie. Während der Parodontalspalt an den Zähnen 21 und 11 unverändert erscheint, kann man an 12 apikal eine gewisse Verbreiterung vermuten. Das DVT zeigt den tatsächlichen Verlauf der Fraktur: An 11 im Sagittalschnitt wellenförmig mit verbreitertem Frakturspalt. An 21 schräg verlaufend. Auch im DVT sind die Periapikalregionen unauffällig.

Klinisch konnte nach Rekonturierung der überstehenden Zahnhalsfüllungen bestätigt werden, dass der Bruchspalt labil exakt am Füllungsrand verläuft und somit von einem Kontakt des Bruchspalts und der Mundhöhle auszugehen ist.

Aufgrund der Lage der Fraktur erscheint ein langfristiger Erhalt der Zähne 11 und 21 als unwahrscheinlich. Die endodontische Behandlung des apikalen Wurzelanteils müsste durchgeführt werden um eine Stiftverankerung des koronalen Fragmentes nach Herauslösung desselben aus der koronalen Gingiva zu ermöglichen. Das nachfolgende adhäsive Befestigen des koronalen Fragmentes wäre nur unter relativer Trockenlegung und mit vager mechanischer Prognose durchzuführen. Dieser experimentelle Ansatz weist zudem eine deutlich schlechtere Prognose auf, als eine implantologische Versorgung, wenngleich bei letztgenannter mit gewissen Einbussen in der roten Ästhetik zu rechnen ist.

Um dem Patienten eine normale Okkasion zu ermöglichen wurde als Zwischenversorgung zunächst ein labil befestigter TTS-Splint angebracht. Nachfolgend wurde die palatinale Netz-Schienung nebst Komposit-Resten entfernt und die Seitenzahnkontakte durch schrittweises Einschleifen im Ober- und Unterkieferfrontzahnbereich wieder hergestellt.

Das Ausmass der Einschleifmassnahmen überraschte am Ende ziemlich und lässt sich nur mit einer innerhalb der 8 Wochen stattgefunden Elongation von Zähnen erklären.

Die Zeit bis zum Entfernen der Schienung, in diesem Fall einer Horizontalfraktur im oberen Wurzeldrittel 4 Monate, soll nun zur Klärung der implantologischen und aber auch prothetischen Versorgungsmöglichkeiten genutzt werden.

Revival

von Ronald Wecker

Dieser obere seitliche Schneidezahn hat vor etwas mehr als 8 Monaten während eines „Trampolinaufenthaltes“ des damals 8-jährigen Besitzers eine laterale Dislokation erfahren.

R2

Nach Betrachtung des am Unfalltages angefertigten Röntgenbildes und aufgrund fehlender Kaltsensibilität war alio loco  eine endodontische Behandlung angeraten worden. Es war der Verdacht geäussert worden, dass der Zahn eine Horizontalfraktur erlitten habe.

7 Tage nach dem Unfall stellte sich der junge Patient bei uns vor. Klinisch zeigte sich der 12 leicht mobil, die Sondierungstiefen lagen bei maximal 3 mm, der Klopfschall war normal. Der Zahn war leicht achsial perkussionsempfindlich, eine palpatorische Druckdolenz fehlte. Die Sensibilität auf Kälte und elektrischen Reiz war negativ.

Eine Wurzelquerfraktur konnte nicht bestätigt werden.

Aufgrund fehlender Hinweise auf eine Pulpanekrose und vor dem Hintergrund der Tatsache, dass es nach traumatischen Zahnschädigungen zu transienten Sensisbilitätsverlusten kommen kann, wurde entschieden, den Zahn regelmässig zu kontrollieren und erst dann endodontisch zu intervenieren, wenn es klare Hinweise auf eine Pulpanekrose gibt.

2  Monate nach dem Trauma gab es weder klinische noch radiologische Hinweise auf eine  Pulpanekrose. Zahn 12 reagierte erstmals positiv auf den elektrischen Reiz.

In dieser Woche stellte sich der Patient erneut zur geplanten Kontrolle vor. Zahn 12 reagiert positiv und nicht zeitverzögert auf Kälte und elektrischen Reiz. Das Röntgenbild zeigt ein vorangeschrittenes Wurzelwachstum.

Die Mutter war ob des guten Ausgangs der Geschichte erleichtert und der Behandler sehr zufrieden, durch Nichtstun an der richtigen Stelle das Ergebnis positiv gestaltet zu haben.

Horizontale Wurzelfraktur im oberen Wurzeldrittel

von Bonald Decker

so wie gestern auf WURZELSPITZE stelle auch ich heute einen Fall nach Frontzahntrauma vor. Es handelt sich um die „Geschichte“ des 8-jährigen Khiro, der vor ca. 10 Wochen ein Frontzahntrauma mit daraus resultierender horizontaler Wurzelfraktur erlitten hat. Die Notfallbehandlung mit Reponierung und Schienung des Zahnes (mittels Titan-Trauma-Splint) erfolgte alio loco in einer Kinderzahnarztpraxis. Die weitere Nachfolge sollte bei uns durchgeführt werden.

Zustand nach Frontzahntrauma und daraus resultierender horizontaler Wurzelfraktur bei nicht abgeschlossenem Wurzelwachstum

Zustand nach Frontzahntrauma und daraus resultierender horizontaler Wurzelfraktur bei nicht abgeschlossenem Wurzelwachstum

Leider stellte sich innerhalb der nächsten Wochen eine vestibuläre Fistel ein, die eindeutig dem verunfallten Zahn zugeordnet werden konnte. Daraufhin entschieden wir uns für einen Erhaltungsversuch mittels orthograder Wurzelkanalbehandlung in zwei Terminen.

Als (etwas) „besorgniserregend“ erwies sich hierbei der sehr weit zervikal gelegene Verlauf der Frakturlinie.

Zustand nach medikamentöser Ca(OH)2 Einlage

Zustand nach medikamentöser Ca(OH)2 Einlage

Bereits kurz nach endodontischer „Intervention“ heilte die vestibuläre Fistel jedoch innerhalb weniger Tage ab. Daraufhin entschlossen wir uns zum (vorläufigen) Abschluss der Behandlung mittels MTA plug und adhäsivem Verschluss der Zugangskavität. Aufgrund des weit zervikal gelegenen Frakturspalts ist die Entfernung der semi-rigiden Schiene nach drei Monaten geplant. Die Zeit wird zeigen müssen, was der apikale Resorptionsprozess und der sehr weit zervikal befindliche Frakturspalt für die Prognose des Zahnes bedeutet…

Wurzelfraktur_Khir.004

ich werde berichten.

Z A H N T R A U M A – Aufklärung tut dringend Not (IV) – Update

Von Bonald Decker

Erinnern Sie sich noch an den (damals) sechsjährigen Jonny und die Geschichte rund um seinen Zahn?

Anbei unser letztes Recall gut 14 Monate nach Frontzahntrauma mit Avulsion des Zahnes 31 und sehr verspäteter Replantation.

Aufklärung tut not update.001Leider bestätigt sich, was zu erwarten war. Eine ausgeprägte Ersatzresorption. Deren weitere Progredienz wird maßgeblich bestimmen, wann eine Dekoronation erfolgen wird.

Ich werde weiter berichten…

Comeback nach horizontaler Wurzel-Fraktur – Recall

Von Bonald Decker

 

Vor Kurzem habe ich in diesem Beitrag über ein Comeback nach horizontaler Wurzel-Fraktur berichtet. Letzte Woche war die junge Patientin gut zwei Jahren nach dem erlittenen Unfall zur Nachuntersuchung bei uns in der Praxis. Sowohl klinisch wie radiologisch fanden sich keine Besonderheiten. Einzig eine „Taillierung“ der Wurzel auf Höhe des ehemaligen Frakturspalts läßt die Historie dieses Zahn erahnen…

Radiologisches Recall 25 Monate nach erlittener horizontaler Wurzelfraktur bei ehemals nicht abgeschlossenem Wurzelwachstum; es zeigt sich eine vollständige Remission; einzig eine "Taillierung" auf Höhe des ehemaligen Frakturspalts läßt die Historie dieses Zahn erahnen

Radiologisches Recall 25 Monate nach erlittener horizontaler Wurzelfraktur bei ehemals nicht abgeschlossenem Wurzelwachstum; es zeigt sich eine vollständige Remission

Erfreulich, finden Sie nicht?

Die Milch hat’s gemacht

von Ronald Wecker Kalte H-Milch gilt gemeinhin als das zweitbeste Lagerungsmedium für avulsierte Zähne. Ich erinnere mich noch gut an meine eigene Ungläubigkeit, als ich dies zum ersten Mal gehört habe. Offensichtlich hat auch frische Kuhmilch gewisse Fähigkeiten, die parodontalen Zellen am Leben zu erhalten. Beim zum Unfallzeitpunkt 12 jährigen Patienten kam es nach einem Fahrradsturz neben einer lateralen Dislokation der Zähne 11 und 22 auch zu einer Avulsion von Zahn 21. Da sich der Unfall in der Nähe eines Bauernhofes im deutschsprachigen Ausland ereignete und die Eltern von der Empfehlung wussten, avulsierte Zähne in kalter H-Milch zu lagern, fand sich Zahn 21  bereits 3 Minuten nach dem Unfall in kalter Kuhmilch wieder. Eine Stunde später wurden in der nahem Universitätsklinik die richtigen Erstmassnahmen ergriffen. Dazu gehörten neben der Versorgung diverser extraoraler Riss- und Platzwunden, die radiologische Diagnostik, sowie nach Lagerung in einer Nährlösung (Dentosafe), die Reposition des Zahnes 21 nebst semirigider Schiebung mittels Titan-Trauma-Splint. Zudem wurde eine systematische Antibiose eingeleitet. 10 Tage nach dem Unfall wurde nach Entfernung der semirigiden Schienung die endodontische Behandlung der Zähne 11-22 durchgeführt. 2 Jahre nach dem Trauma sind die Zähne weiterhin beschwerdefrei und zeigen keine Verfärbungen. Der metallische Klopfschall am ehemals avulsierten Zahn 21 lässt eine ankylotische Ausheilung beschädigter Zementoberflächen vermuten. Radiologisch zeigen sich keine Hinweise auf ein voranschreitendes resorptives Geschehen.

Comeback nach horizontaler Wurzel-Fraktur

Von Bonald Decker

Vor längerer Zeit lieferte dieser Beitrag einige Hintergrundinformationen zum Thema horizontale Wurzel-Fraktur. Dort war u.a. zu lesen, dass der Altersgipfel dieser traumatischen Zahnverletzung in der Regel zwischen dem 11. und 20. Lebensjahr liegt.

Was natürlich nicht ausschliesst, dass auch „jüngere“ Zähne betroffen sein können. So wie bei der (zum Unfallzeitpunkt) 8-jährigen Filippa. Das junge Mädchen war beim Spielen frontal gegen eine Glasscheibe gelaufen und hatte sich eine Verletzung an Zahn 21 zugezogen. Wie die Diagnose-Aufnahme zeigte erlitt sie eine Wurzelfraktur im mittleren Drittel.

Horizontale Wurzelfraktur bei einer 8-jährigen Patientin nach Frontzahntrauma

Horizontale Wurzelfraktur bei einer 8-jährigen Patientin nach Frontzahntrauma

Zum Erstuntersuchungszeitpunkt war die Sensibilität des betroffenen Zahnes positiv. Gemäß der internationalen Richtlinien nach Frontzahntrauma erfolgte daraufhin eine 4-wöchige Schienung mit Nachkontrollen in den folgenden Wochen und Monaten.

Bereits acht Wochen später deutete nur noch sehr wenig auf das erlittene Trauma hin.

Radiologische Nachkontrolle 8 Wochen nach Trauma

Radiologische Nachkontrolle 8 Wochen nach Trauma

Noch erfreulicher ist die Situation neun Monate nach dem Unfall zu bewerten.

Recall 9 Monate nach Zahnunfall mit ehemals erlittener Wurzelfraktur

Recall 9 Monate nach Zahnunfall mit ehemals erlittener Wurzelfraktur

Das Wurzelwachstum schreitet weiter voran und der (ehemalige) Frakturspalt ist in meinen Augen nur noch zu erahnen.

Ein tolles Comeback nach horizontaler Wurzelfraktur, bei dem das nicht abgeschlossene Wurzelwachstum und das vorhandene Regenerationspotential hierfür wohl hauptverantwortlich zeichnen.

 

Kieferorthopädisches Trauma?

von Ronald Wecker

5 Jahre nach kieferorthopädischer Behandlung stellte sich der 14-jährige Patient in unserer Praxis aufgrund einer zunehmenden Grau-Verfärbung des Zahnes 21 vor.

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Anamnestisch war keine traumatische Zahnverletzung zu erheben. Allerdings konnte sich sowohl der Patient als auch die Eltern des Patienten daran erinnern, dass nach Aktivieren des herausnehmbaren kieferorthopädischen Gerätes durch den behandelnden Kieferorthopäden die bis dahin bestehende Lücke zwischen 21 und 11 bereits einen Tag später geschlossen und der Zahn deutlich verfärbt war. Zu diesem Zeitpunkt war der Patient 9 Jahre alt.

Die Verfärbung stellte sich in den folgenden Jahren mal abgeschwächter und mal deutlicher dar, bevor sie seit etwa einem halben Jahr deutlich ins Bläulich-Graue tendierte.

Klinisch zeigte sich Zahn 21 vollkommen unversehrt. Ausser einer geringen achsialen und lateralen Perkussionsempfindlichkeit lagen keine weiteren klinischen Symptome vor.

Der Zahn reagierte positiv auf Kältereiz aber deutlich verzögert auf elektrischen Reiz. Das zweidimensionale Röntgenbild lässt im mittleren und unteren Wurzeldrittel eine zahndichte hyperdense Struktur im Kanalhohlraum erkennen. Eine apikale Pathologie war nicht zu erkennen.

Um ein resorptives Geschehen mit großer Sicherheit auszuschliessen wurde ein kleinvolumiges hochauflösendes DVT angefertigt.

Auf diesem zeigt sich der mittlere Kanalquerschnitt stark obliteriert. Der Röntgenkontrast liegt im Bereich des normalen Wurzeldentins. Im horizontalen Schnitt ist in manchen Bereichen das Pulpakavum fast vollständig verschlossen. Die apikalen und koronalen Anteile des Wurzelkanalhohlraumes stellen sich genauso weit dar, wie im nicht betroffenen Zahn 11.

Eine Notwendigkeit zur endodontischen Therapie besteht zur Zeit nicht. Regelmässige Sensibilitätskontrollen sind vorgesehen. Eine Lösung des Verfärbungsproblems steht noch aus.

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Sensibilität negativ, Vitalität positiv!

von Ronald Wecker

Selbst in die bundeseinheitliche Rechtsverordnung der GOZ hat es der falsche Begriff der „Vitalitätsprüfung“ geschafft.

Eine positive Reaktion auf Kälte- oder elektrischen Reiz wird im Allgemeinen und auch leider im Besonderen (zahnärztlich ausgebildete Kolleginnen und Kollegen) als Beweis dafür angesehen, dass die Pulpa des getesteten Zahnes vital ist.

Im Umkehrschluss werden leider immer noch traumatisch geschädigte Zähne einer endodontischen Behandlung unterzogen, die klinisch symptomlos sind, keine radiologische Pathologie aufweisen, aber nicht auf elektrischen oder Kältereiz reagieren.

In vorliegendem Behandlungsfall erlitt der Zahn 11 vor 4 Jahren eine unkomplizierte Kronenfraktur sowie eine Konkussion. Nachdem der Sensibilitätstest unmittelbar nach Trauma negativ ausfiel, konnte 4 Monate nach Trauma mittels EPT eine positive Reaktion ausgelöst werden. Auch Kältereiz erzeugte eine positive Reaktion. 4 Jahre nach dem Trauma „verschwand“ diese positive Reaktion und der Zahn zeigte eine dezente Diskolorierung ins Gelbliche.

Das angefertigte Einzelbild zeigte eine deutliche Obliteration des koronalen Pulpakavum, einen Einengung des weiteren Kanalverlaufs, sowie ein mittlerweile abgeschlossenes Wurzelwachstum. Alles Vorgänge für die es eine vitale Pulpa benötigt.

Ein schönes Beispiel, dass eine fehlende Sensibilität durchaus mit einer vitalen Pulpa einhergehen kann.

R2 R4

Recall nach Frontzahntrauma

von Ronald Wecker

Vor fast einem Jahr wurde die Initialbehandlung des nachfolgenden Behandlungsfalles hier beschrieben.

Neben der endodontischen Behandlung des avulsierten 11 musste auch Zahn 12 drei Wochen nach dem Trauma aufgrund einer Pulpanekrose endodontisch versorgt werden.

11 Monate nach dem Trauma stellt sich die Situation wie folgt dar:

Die Zähne 22, 21 und13, sowie alle Unterkieferfrontzähne reagieren positiv, nicht reizüberdauernd und rasch auf einen Kältereiz. Klinisch weist 11 bereits seit 4 Wochen nach dem Trauma einen ankylotischen, metallischen Klopfschall auf.

Die periapikale Situation an den Zähnen 11 und 12 erscheint im DVT unauffällig, wohingegen das 2D-Bild Raum für Spekulationen lässt (apikale Resorption an 12 ?, fortschreitende knöcherne Ersatzresorption an Zahn 11?).

Ob die Ersatzresorption transienten Charakter hat werden die nachfolgenden Kontrollen ergeben.

Mal wieder Glück gehabt

von Bodald Necker

Freitag Abend:

der 12-jährige Patient legt sich auf die Nase, Frontzahntrauma, die Oma fährt mit dem Jungen in die nächste Kieferchirugie.
Diagnose: unkomplizierte Kronenfraktur (Schmelz-Dentin-Fraktur) an 21.
Therapie: er soll sich bei seinem Hauszahnarzt vorstellen.

Montag Nachmittag:

Der Patient stellt er sich bei uns vor.
Nach Sichtung der mitgebrachten Röntgenaufnahmen der Klinik und klinischer Untersuchung kamen wir zur gleichen Diagnose.
Keine Schmerzen, keine Lockerung mehr, Sensibilität auf Kältespray war vorhanden.
Durch die feste Spange wurde das Fragment mit Bracket in situ gehalten, was heisst, er hatte es dabei und es war nicht ausgetrocknet.
Also Lokalanästhesie, Bogen entfernt und Zähne (inklusive Fragment) gesäubert, denn darauf hatte der Patient über’s Wochenende verzichtet, anschliessend wurde Kofferdam gelegt und die Passform des Fragmentes überprüft.
Da alles gepasst hat, lediglich am Rand fehlten ein paar Schmelzprismen, wurde es mittels SÄT wieder angeklebt. In diesem Fall mit Syntac Classic und Gradia-Flow.

Der Pat. wurde aufgeklärt über Verhaltensregeln und mögliche Schmerzen und der Möglichkeit des Absterbens des Zahnes. WV in 4 Wochen zur Sensibilitätsprüfung.
Anschliessend Überweisung zur KFO zur Eingliederung des Bogens.

Da wir den Jungen schon länger kennen, müssen wir sagen, dass die feste Spange definitiv ein Glück war, denn ohne, hätte er das Fragment sicher nicht mitgebracht.
Wenn der Zahn überlebt – da bin ich zuversichtlich – wird das angeklebte Fragment – auch da bin ich zuversichtlich – lange Jahre halten.

 

 

 

Einbahnstraße WSR

von Ostidald Wucker

Der Patient wurde überwiesen. Eine persistierende Fistel am Zahn 22 war die Ursache.
Zuvor wurde eine WSR mit retrograder Füllung durchgeführt, da ein chronischer apikaler Abszess aufgehend von 22 bestand. Dies geschah in einem Schüleraustauschjahr in Norwegen.

Ursache des Geschehens war ein Unfall mit der Avulsion der Zähne 22 und 21, sowie der Luxation des Zahnes 11. Die Behandlung erfolgte in einer kieferchirurgischen Ambulanz einer Universitätsklinik. Auf die einzelnen Behandlungen kann ich nicht eingehen, da diese unbekannt sind. Den Therapieabschluss bildete offensichtlich die Resektion der Zähne 21,22 und zuvor die endodontische Behandlung der Zähne 11,21,22.
Nach unserer Anamnese war die Lagerung der Zähne nach dem Unfall nicht optimal, zur Dauer der extraoralen Lagerung konnten keine verlässlichen Angaben gemacht werden.

Die Zähne 11,21,22,23 zeigen derzeit einen normalen Klopfschall, keine Lockerungsgrade, keine erhöhten Sondierungstiefen und keine Perkussionsempfindlichkeit. 23 zeigt eine Reaktion auf Kälte.

Kritisch zu Sehen ist die klinischen Situation unter der die letzte WSR erfolgte. Der Zahn 22 war mit einer insuffizienten Zementfüllung versorgt war. Am Rande der Füllung imponierte ein Teil der Guttapercha der Wurzelfüllung.

Die Behandlung ist geplant und wir werden hier weiter über den Fall berichten. Wir haben noch etwas Hoffnung die Zähne zu erhalten. Der Patient ist 19 Jahre alt.

 

Revitalisierungstherapie – Recall – Reloaded

Von Bonald Decker

Anbei unser jüngster Recall-Fall nach Revitalisierungstherapie…

mit einem ähnlichen Ergebnis wie in diesem Beitrag 2012.

Revitalisierungstherapie – Recall - Reload.001

Revitalisierungstherapie – Recall – Reload.001

Neben der Remission der apikalen Aufhellung scheint es zusätzlich noch zu einer geringfügigen Dickenzunahme des apikalen Wurzelbereichs gekommen zu sein. Ferner fällt auf, dass sich auch bei dem „gesunden“ Zahn 21 in den 6 Monaten keine signifikante Zunahme des Wurzelwachstums verzeichnen lässt. Unter anderem aus diesem Grund haben wir uns gemeinsam mit Patient und Eltern auf eine abwartende Haltung geeinigt…

ich berichte über das weitere Procedere.

 

Kanonenrohre – Recall

Von Bonald Decker

Erinnern Sie sich noch an unseren „Kanonenrohre“-Fall ?

Falls nicht, hier ein kleiner Rückblick:

Im Januar 2011 starteten wir damals mit der Behandlung von stark kompromittierter Frontzähne und hatten hier den ersten Teil vorgestellt.

Der Abschluss der Behandlung war schliesslich im Sommer 2011 und ist in diesem damaligen Beitrag nachzulesen.

Durch regelmässigen Kontakt mit dem Patienten (und Kollegen) wusste ich von ihm, dass mit den Zähnen seiner Meinung nach „alles in Ordnung“ war. Fistelbildung oder Schwellung waren seither nicht mehr aufgetreten. Trotzdem war ich auf das Ergebnis des für Mai 2014 angedachten ersten radiologischen Recalls gespannt.

 

Zustand nach Revisionsbehandlung mit apikalen MTA plugs von ehemals resezierten Frontzähnen

Zustand nach Revisionsbehandlung mit apikalen MTA plugs von ehemals resezierten Frontzähnen

 

Und hier noch mal die Gegenüberstellung der unterschiedlichen Therapiestadien:

Kanonenrohre_Recall.002Ich bin gespannt, wie es weitergeht…

 

 

Ersatzresorption als Folge einer Avulsion

Von Bonald Decker

Gut 15 Monate ist es her, dass hier über den damals 16-jährigen Moritz und die Umstände seines Zahnunfalls berichtet wurde. Seit dieser Zeit erfolgten regelmässige Nachkontrollen, um die weitere Entwicklung der ursprünglich nach Avulsion replantierten (aber zuvor nicht physiologisch gelagerten) Zähne 11 und 21 zu beobachten.

Wie die klinische Untersuchung mit fehlender Zahnbeweglichkeit bei metallischem Klopfschall vermuten liess, zeigt sich radiologisch mittlerweile eine Ankylose mit fortgeschrittener Ersatzresorption.

Ausgeprägte Ersatzresorption bei Zustand nach Avulsion der Zähne 11 & 21 und nachfolgender Replantation bei unphysiologischer Lagerung

Ausgeprägte Ersatzresorption bei Zustand nach Avulsion der Zähne 11 & 21 und nachfolgender Replantation bei unphysiologischer Lagerung

Dies war leider u.a. laut Dental Trauma Guide unter diesen Umständen so zu erwarten. In absehbarer Zeit wird daher wahrscheinlich eine Dekoronation die weitere Therapie der Wahl darstellen, um für eine spätere Implantation möglichst gute Voraussetzungen zu schaffen…

Ich werde weiter berichten…

P.S.: Wie beurteilen Sie die radiologische Situation von 12 und 22 approximal, soweit beurteilbar? Klinisch finden sich keine Auffälligkeiten…

Zahnerhalt mit allen Mitteln? (2)

von Ostidald Wucker

Vorgestellt haben wir den Fall hier.
Der Patient wünschte den unbedingten Versuch des Zahnerhaltes trotz unserer kritischen Einschätzung.
Nach dem präendodontischem Aufbau, der Defektdarstellung und Kariesentfernung erfolgte die Aufbereitung des Zahnes mittels microabrsasiver Ultraschallpräparation. Das eingebrachte Ultracal (Ultradent) zeigte sich im Fistelmaul. Nach der ersten Behandlung hatte sich die Fistel verschlossen. Der apikale Defekt war größer Iso 120.
Das ProRoot MTA haben wir ohne kollagenes Widerlager eingebracht, da der mehr labial gelegene Defekt nicht vollständig einsehbar war. Weitere Zahnsubstanz wollten wir nicht opfern. Das Überpressen von MTA Überschüssen haben wir als notwendiges Übel akzeptiert.

Wir werden über den weiteren Verlauf berichten.

 

Kleines Wunder?

Von Bonald Decker

Der Wunsch nach „Zahnerhalt mit allen Mitteln“ bei zum Teil hoffnungslosen Fällen wird von Patienten (und Zuweisern) regelmässig geäussert. Nachfolgend möchte ich Ihnen in dem heutigen Beitrag einen solchen Patientenfall vorstellen.

Im Sommer 2012 wurden wir gebeten eine Einschätzung zur Prognose eines Zahnes 12 vor geplanter kieferorthopädischer Behandlung abzugeben. Die damals 11-jährige „Besitzerin“ des Zahnes gab (im Beisein ihre Mutter) an, dass sie vor einigen Jahren einen Schulunfall erlitten habe. Hierdurch sei der kleine rechte obere Schneidezahn in Richtung Gaumen verschoben worden. Ferner habe das Zahnfleisch in dieser Gegend stärker geblutet.

Laut weiterer Anamnese sei der Zahn daraufhin von einem Zahnarzt wieder in Position gedrückt und für einige Zeit geschient worden. Eine weitere Therapie schloss sich nach Schienenentfernung nicht an. Im Zuge einer kieferorthopädischen Erstuntersuchung im Sommer 2012 sei dann aufgefallen, dass der beschriebene Zahn eine sehr kurze Wurzel aufweisen würde. Weitere Angaben liessen sich nicht erheben.

Alio loco angefertigtes OPG vor geplanter KFO-Behandlung

Alio loco angefertigtes OPG vor geplanter KFO-Behandlung

Anhand des alio loco angefertigten OPGs bestand der Verdacht, dass damals eine horizontale Wurzelfraktur vorlag, wobei sich die beiden Fragmente stark disloziert darstellten.

Bei unserer klinischen Untersuchung zeigte Zahn 12 einen Lockerungsgrad II bei unauffälligen Taschensondierungswerten. Die Sensibilitätstestungen waren nicht aussagekräftig. Dafür der radiologische Befund umso mehr:

Einzelzahn-Röntgenaufnahme Regio 12 bei Z.n. Frontzahntrauma mit nachfolgender Wurzelresorption

Einzelzahn-Röntgenaufnahme Regio 12 bei Z.n. Frontzahntrauma mit nachfolgender Wurzelresorption

Radiologisch macht es den Anschein, dass die klinische Krone einzig von einem kleinen mesialen Wurzelanteil noch in situ „gehalten“ wird. Mit etwas „Phantasie“ erkennt man ferner noch die stark resorbierten apikalen Wurzelanteile.

Meine Empfehlung fiel damals daher eindeutig aus. Unter keinen Umständen sollte der Zahn kieferorthopädisch bewegt werden. Ferner machte ich Kind und Mutter wenig Hoffnung auf einen (langfristigen) Zahnerhalt.

Vorgestern stellte sich die junge Patientin gemeinsam mit ihrer Mutter erneut vor, um die Situation neu bewerten zu lassen. Ihrem eigenen Empfinden nach gab die nun 12-Jährige an, dass der Zahn (subjektiv) fester geworden sei und sie keine Einschränkungen in der täglichen Nutzung empfand.

Die klinischen Untersuchungsergebnisse unterschieden sich nicht signifikant von denen im Sommer 2012. Einzig der Zahnbeweglichkeit war nun Grad I(-II). Richtig erstaunt war ich dann beim Anblick des aktuellen Röntgenbildes:

Situation 9 Monate nach Erstuntersuchung; es scheint als wäre eine knöcherne Einsprossung in die klinische Krone erfolgt

Situation 9 Monate nach Erstuntersuchung

9 Monate nach unserer Erstuntersuchung scheint es, als wäre es zu einer Art knöchernen „Einwachsung“ in die klinische Krone gekommen. Klinisch und radiologisch gab es keine akuten Entzündungszeichen.

Für mich ein „kleines Wunder“ dessen Nachhaltigkeit ich nicht abschätzen kann. Aber mit jedem Monat oder Jahr, die dieser für mich zunächst schier hoffnungslose Zahn weiter problemlos und funktionstüchtig im Mund verbleiben kann, ist viel gewonnen.

Von dem Wunsch der jungen Patientin nach „perfekter“ kieferorthopädischer Einordnung des Zahnes in den Zahnbogen habe ich dennoch abgeraten. Man sollte sein Glück nicht herausfordern.

Ich bin gespannt, wie es weitergeht…

Obturation statt Revitalisierung

von Ronald Wecker

Vor ca. 1 Jahr erlitt dieser 8,5 jährige Patient eine unkomplizierte Kronenfraktur an den Zähnen 11 und 21.

Die Dentinwunden waren also loco adhäsiv abgedeckt  worden, regelmässige Sensibiltätsprüfungen wurden durchgeführt. Seit etwa 3 Wochen reagierte 11 nicht mehr positiv auf Kälte. Auch hatte sich die  Kompositversorgung  an 11 mittlerweile gelöst. Die  vorhandene „Zugangskavität“,  vom Behandler ohne Lokalanästhesie durchgeführt, war nicht geeignet eine endodontische Therapie durchzuführen.

Angesichts des Lebensalter des Patienten, ein Röntgenbild lag zu dieser Zeit noch nicht vor, zog Herr Wecker zunächst ein Revitalisierungsverfahren in Betracht.

Radiologisch und klinisch zeigte sich das apikale Formen mit ISO 90 jedoch als zu klein für ein solches Verfahren. Desinfektion und Obturation mit MTA erfolgten einzeitig. Der dentinadhäsive Aufbau wird, da die Compliance des jungen Patienten nach 1.15h etwas nachliess, in einer zweiten Sitzung erfolgen.

Neue Wege gehen

von Hans – Willi Herrmann

Ich bin mir bewusst, dass dieser Beitrag gegebenenfalls kontrovers diskutiert werden wird. So wie es immer ist, wenn man etwas neu und anders macht als bisher.
Ich möchte niemanden bekehren, viele Wege führen nach Rom, lediglich auf neue und – wie ich finde – interessante Möglichkeiten hinweisen, wie sie bislang in dieser Form nicht zur Verfügung standen.

Nachfolgend  zwei Fälle der letzten Woche: KU13R-1Während man beim ersten Fall (einem devitalen Zahn 13 bei einer 74 jährigen Patientin) sicher darüber streiten kann, ob die gezeigte Vorgehensweise zwingend notwendig wäre (sie ist es nicht, zeigt aber dennoch die Möglichkeiten einer minimalinvasiven Vorgehensweise bei der Trepanation), so liegt im zweiten Fall HH11R-1bei einem 13 jährigen Mädchen eine starke Obliteration des Wurzelkanals vor als Folge eines Traumas in jungen Jahren. Erst bei 13 mm lässt sich mit dem Dentalmikroskop ein erster Hinweis auf den ehemals vorhandenen Wurzelkanal erkennen, ein Befund, den ich auf Grund des geringen Alters und der großen Ausdehnung der apikalen Pulpa nicht erwartet hätte. Ohne die angewandte Vorgehensweise hätte ich Blut und Wasser geschwitzt.  Auch wenn ich bislang schon eine ganze Reihe ähnlich schwierige Zähne (mit tiefen Obliterationen bei selbst unter Dentalmikroskopkontrolle nicht  sichtbarem ursprünglichen Kanalverlauf) behandelt habe, stellen doch solche Ausnahmesituationen jedes Mal wieder eine  Herausforderung dar, über der das Damoklesschwert der Perforation und des Zahnverlustes schwebt.

Umso mehr freut es mich, dass wir in diesem Fall vorhersagbar und mit sehr geringem Substanzverlust die Trepanation des Zahnes durchführen konnten.

Entwarnung

von Ronald Wecker

Beim 18-Monats-Recall an diesem oberen Schneidezahn fiel sofort eine scharf abgegrenzte, homogene und weichteildichte Aufhellung im unteren Drittel der Wurzel auf, die bei keinem der Ausgangsbilder festzustellen war.

Da die Pulpanekrose einer Dislokationsverletzung folgte, bestand der Verdacht eines resorptiven Geschehens. Das angefertigte DVT zeigte klar, dass es sich bei der weniger röntgendichten Struktur um den Canalis incisivus und nicht um ein Resorptionsgeschehen handelt.

Folgen eines Milchzahntraumas (3)

von Ronald Wecker

Nachdem die erste der beiden Behandlungssitzungen vergangene Woche dargestellt wurde, folgt heute der zweite Teil.

Beim Verfolgen der sehr unregelmässig verlaufenden Strukturen des Pulpakammerhohlraums des 11 (kleine punktförmige Vertiefungen, kleine schlitzförmige Hohlräume ) kristallisierte sich neben einem zentral und parallel zur Zahnlängsachse verlaufenden  Kanalsystem ein weiteres, deutlich bukkal gelegenes Kanalsystem heraus.

Während der angenommene Originalkanal stark obliteriert war, zeigte der bukkale Kanal ein eher weites Lumen. Als weitere Besonderheit ist zu erwähnen, dass  der bukkale Kanal als eine Art blind endende „Sackgasse erwies. Eine Kommunikation zum Parodont bestand im Gegensatz zum Hauptkanal nicht.

Während der Hauptkanal zunächst nur als feiner weisser Punkt zu erkennen war, weitete er sich im apikalen Drittel deutlich und enthielt hier nur putrides Sekret.

Die Lage der im DVT zu erkennenden knöchernen Lyse auf Höhe des Überganges von mittlerem zu unterem Wurzeldrittel korreliert mit der Lage der Sealer-Extrusion im postoperativem Röntgenbild und erklärt als Portal of Exit den labial eingetretenen Knochenverlust.

Hinsichtlich der Gestaltung der Zugangskavität half das präoperativ angefertigte DVT den Zugang zu diesem ungewöhnlich geformtem Pulpakavum recht genau anzulegen. Eine noch konischere Ausformung war aufgrund der verzweigten Lagunen im mittleren Drittel nicht möglich.

Die kommenden Recalls werden zeigen, ob es zu einer vollständigen Remission der periapikalen Aufhellung kommen wird.

Folgen eines Milchzahntraumas (2)

von Ronald Wecker

Die Veröffentlichung dieses Behandlungsfalles hatte neben fachlich weiterführenden auch  zum Teil  sehr emotionale Kommentare zur Folge.

Bei der fachlichen Diskussion stand unter anderem die Frage im Vordergrund ob der auf elektrischen Reiz negativ reagierende Zahn 11 nicht doch vitale Gewebereste enthalten könne. Ausserdem wurde diskutiert, ob die im DVT zu erkennende Osteolyse dentalen Ursprungs war oder nicht.

Heute kann hier ein wenig Licht ins Dunkel gebracht werden.

Die im DVT intraradikulär zu erkennenden Hohlraume enthielten nur putride zerfallenes nekrotisches Gewebe. Ein durchgehender Kanalhohlraum fehlte.

Die Hohlräume wechselten, wie bereits im DVT zu erkennen, ihre Lage von palatinal nach bukkal und zeigten mehrere seitliche Abzweigungen. Anbei die ersten klinischen Bilder.

Der zweite Teil der zweizeitigen Behandlung wird an dieser Stelle in Kürze veröffentlicht.

Z A H N T R A U M A – Aufklärung tut dringend Not (IV)

Von Bonald Decker

Anbei unser jüngstes Beispiel welches leider abermals verdeutlicht, dass noch sehr (sehr) viel Aufklärungsbedarf rund um das Thema Zahntrauma besteht.

Und zwar an „allen Fronten“!

Hier zunächst das Ausgangsröntgenbild:

Zahntrauma_Aufklärung tut Not.001

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Man erkennt einen Unterkiefer-Frontzahn 31 mit nicht abgeschlossenem Wurzelwachstum, der mittels Komposit an den Nachbarzähnen befestigt wurde. Ferner erscheint der Zahn im Vergleich zu den Nachbarzähnen in Supraposition zu stehen.

Soweit eigentlich nichts „Besonderes“…

Dies ändert sich (für mich) im Zuge der Anamneseerhebung, bei der Patient (6 Jahre) und Mutter über die Umstände des Zahntraumas berichten.

Es handelte sich um eine vor ca. 3 Wochen im Schulsport erlittene Avulsion des Zahnes. Dieser wurde dann in der weiteren Folge von der Schul-Krankenschwester als Milchzahn „identifiziert“ und daher als nicht replantationsfähig bzw. nötig eingestuft. Insbesondere aus diesem Grund wurde von der Lagerung des verunfallten Zahnes in der vorhandenen (!) Zahnrettungsbox abgesehen.

Erst, als die Mutter (Humanmedizinerin) ihren Sohn einige Stunden später von der Schule abholte, wurde von ihr das wahre Dilemma erkannt.

Die Replantation des für mittlerweile ca. 6 (!) Stunden im Taschentuch trocken gelagerten Zahnes erfolgte dann bei einer Kinderzahnärztin…

Aufgrund der genannten Umstände ist die Prognose dieses Zahnes als schlecht anzusehen. Bei Einhaltung einer optimalen „Rettungskette“ hätte diese (wahrscheinlich) positiver bewertet werden können.

Was bleibt für mich als Fazit?

Alleine die Anschaffung  einer Zahnrettungsbox hilft noch lange nicht verunfallte Zähne zu „retten“. Es Bedarf ferner auch der Aufklärung und Schulung möglicher „Ersthelfer“…

Helfen Sie also mit das Projekt „Zahntrauma- Aufklärung tut Not“ voranzutreiben, damit solche Situationen zukünftig vermieden werden können…

Trauma-„Zweitversorgung“ (2)

von Ronald Wecker

Vier Wochen nach Avulsion von Zahn 11 und unkomplizierter Kronenfraktur an den Zähnen 21 und 12 zeigen sich folgende Befunde. Den gesamten Behandlungsverlauf kann der geneigte Leser hier nachlesen.

Die Zähne 22 und 21 sind reproduzierbar kaltsensibel. 31 und 41 reagieren nicht auf Kältereiz, sind jedoch sensibel auf elektrischen Reiz. Dabei gibt es keinen Unterschied in der elektrischen Reizintensität zwischen den normal kaltsensiblen Zähnen 42 und 32 und den Zähnen 31 und 41.

Zahn 12 und Zahn 11 wurden inzwischen endodontisch behandelt. Zahn 11 zeigt einen metallischen / ankylotischen Klopfschall. Radiologisch gibt es keinen Hinweis auf eine entzündlich bedingte externe Resorption der Wurzel, die aufgrund der ermittelten trockenen Lagerung nach Avulsion von ca. einer Stunde nicht ungewöhnlich wäre. Die folgenden Nachkontrollen werden zeigen, ob ein Zahnerhalt möglich sein wird.

Die semirigide Schienung wird in einer Woche entfernt werden. Bei der Kofferdam-Applikation wurde ein Splitdam verwendet. Nach herkömmlicher Lochung wurde mittels Schere ein Langloch erstellt.  Die sekundäre Abdichtung erfolgte mittels Opaldam. Zahn 21 wurde mit einer Brinker-Klammer belegt.

Trauma-„Zweitversorgung“

von Ronald Wecker

Fünf Tage nach einem umfangreichen Frontzahntrauma stellte sich dieser Patient mit einer suboptimalen Erstversorgung bei uns vor.

Die Zähne 12,11 und 21 wiesen unkomplizierte Kronenfrakturen auf. Zahn 11 war nach Avulsion und  50-minütiger Trockenlagerung zunächst in einem Dento-Safe gelagert worden und nach Inspektion von Alveole undWeichgeweben reponiert worden. Die Dentinwunden der Zähne 12-21 blieben unversorgt. Zahn 11 wurde in eine glasfaserverstärkte rigide Kompositschienung  einbezogen. Eine systemische Antibiose wurde auf 2 Einzelgaben beschränkt. Instruktionen zu Mundhygiene waren nicht gegeben worden. Es war empfohlen worden die endodontische Therapie von Zahn 11 in frühestens 3 Wochen durchzuführen.

Die Zähne 41 und 42 reagierten verzögert/negativ auf Kältereiz. Die elektrische Sensisbilität war jedoch vorhanden. Die Zähne 23-21 und 12-13 reagierten positiv auf Kältereiz. Die elektrische Sensibilitätsprüfung war verzögert bei Zahn 21 und Zahn 12. Der Klopfschall, getestet nach Entfernung der parodontalhygienisch insuffizienten Schienung, war normal und nicht ankylotisch. Die Zähne 21,11 und 12 zeigten Lockerungsgrad 1.

Die angefertigten Einzelbilder gaben keine Hinweise auf eine Horizontalfraktur der Wurzeln der beteiligten Zähne. Das angefertigte DVT liess an Zahn 11 einen Verlust der labialen knöchernen Lamelle und eine nicht ganz optimale Reposition erkennen. Da es beim „Durchscrollen“ durch die Sagittalschnitte Hinweise auf kleine Frakturen der labialen Alveolenwand der Zähne 21 und 12 gab, wird die semirigide Schiene für 4 Wochen belassen werden.

Der hier schon oft erwähnte Dental-Trauma-Guide wäre eine gute Hilfe für eine zeitgemäße Erstversorgung gewesen.

Nach lokaler Anästhesie wurde zunächst die vorhandene Kompositschienung entfernt. Nach Reinigung der Zahnoberflächen wurde anschliessend das mitgebrachte Zahnfragment an Zahn 12  adhäsiv wiederbefestigt. Es folgte die Versorgung der Dentinwunden an den Zähnen 11 und 21 mittels Komposit. Nach Applikation eines Titan-Trauma-Splints von 13 nach 22 wurde an Zahn 11 die notwendige endodontische Therapie eingeleitet und  der Zahn nach Applikation von CaOH2 adhäsiv verschlossen.

Die etwas gingivanahe Lage der Schienung an den Zähnen 12 und 11 ist dem Verlauf der Frakturlinie geschuldet.

Die erste Kontrolle erfolgte 14 Tage nach Trauma. Zahn 12 war nicht mehr sensibel auf elektrischen Reiz, zeigte eine apikale palpatorische Druckdolenz und eine apikale Aufhellung im angefertigten Röntgenbild. Eine endodontische Therapie wird zeitnah eingeleitet.

Die Prognose für Zahn 11 ist aufgrund der langen trockenen Lagerung stark eingeschränkt. Es wird engmaschig kontrolliert, ob es zu Wurzelresorptionen kommt.

Die Zähne 31-42 und 21 reagierten wieder reproduzierbar positiv auf Kälte- und elektrischen Reiz.

Die größte Herausforderung war rückblickend das für die erforderliche Diagnostik und Therapie notwendige Zeitfenster kurzfristig zu realisieren.

Stillstand (?)

von Bonald Decker

Wieder handelt unser Beitrag heute über das Thema Frontzahntrauma.

Es scheint, als wurde uns der Stoff für diese Art WURZELSPITZE-Artikel nicht ausgehen….

Leider!

Heute berichte ich Ihnen von dem 11-jährigen Rudy.

Auch er erlitt ein Frontzahntrauma in Form einer Avulsion des Zahnes 21.

Alio loco angefertigtes OPG nach Avulsion des Zahnes 21

Alio loco angefertigtes OPG nach Avulsion des Zahnes 21

Leider wurde der Zahn nach dem Auffinden initial nicht physiologisch (z.B.in einer Zahnrettungsbox) gelagert.

Somit musste von einer zusätzlichen (irreversiblen) Schädigung der Wurzelhaut ausgegangen werden. Über die genaue extraorale Verweildauer des Zahnes vor Replantation durch eine kieferchirurgische Klinik liessen sich leider keine genauen Aussagen einholen.

Leider nicht förderlich für den weiteren Heilungsverlauf war ferner die Tatsache, dass auf eine endodontische Intervention verzichtet wurde. Grund hierfür war die Hoffnung der Eltern (und der Behandlerin), dass ggf. eine Revitalisierung des Zahnes vonstatten gehen könnte.

Leider ein (zu erwartender) Trugschluss (wie das Alter des Patienten und der Stand des Wurzelwachstums vermuten lassen).

Radiologisch erkennbare Entzündungsprozesse nach unterlassener Wurzelkanalbehandlung nach Avulsion

Radiologisch erkennbare Entzündungsprozesse nach unterlassener Wurzelkanalbehandlung nach Avulsion

In der weiteren Folge wurden wir daraufhin gebeten die Behandlung fortzuführen.

Glücklicherweise scheinen die durchgeführten endodontischen Massnahmen dazu beigetragen zu haben, dass es im Nachuntersuchungszeitraum von gut neun Monaten zum Stillstand der Resorptionsprozesse gekommen ist.

Radiologische Kontrollen nach endodontischer Therapie und medekamentöser Ca(OH)2-Einlage

Radiologische Kontrollen nach endodontischer Therapie und medikamentöser Ca(OH)2-Einlage

Daraufhin erfolgte gestern der (vorläufige) Behandlungsabschluss mit MTA-Apexifikation (bei einer Foramengrösse von ca. ISO 060) und Guttapercha/Sealer Backfill.
Vorläufiger Behandlungsabschluss nach Avulsion des Zahnes 21 mit MTA Plug und Guttapercha&Sealer Wurzelkanalfüllung incl. koronaler adhäsiver Restrauration

Vorläufiger Behandlungsabschluss nach Avulsion des Zahnes 21 mit MTA Plug und Guttapercha&Sealer Wurzelkanalfüllung incl. koronaler adhäsiver Restrauration

Nachdem im bisherigen Untersuchungszeitraum für uns keine (weiteren) klinischen und radiologischen Anzeichen einer progredienten (Ersatz)Resorption zu erkennen waren sind wir für die Prognose des Zahnes guter Hoffnung.
Manchmal ist Stillstand nicht gleichbedeutend mit Rückschritt
;-)
P.S.: Zahn 11 reagierte in der gesamten Zeit auf wiederholt durchgeführte Sensibilitätsprüfungen (Kälte und EPT) durchweg positiv.

Z A H N T R A U M A – Aufklärung tut dringend Not (III)

Von Bonald Decker

Heute ein kurzes Update zum aktuellen Stand der Behandlung von Jan, dessen Schicksal  wir in den letzten Beiträgen dieser Reihe hier und hier vorgestellt hatten.

Leider ein (weiteres) sehr trauriges Kapitel seiner Krankengeschichte:

Drama.001

P.S.: Das Foto wurde mir „freundlicherweise“ von einem weiterbehandelnden Kollegen überlassen…

Z A H N T R A U M A – Aufklärung tut dringend Not (II)

Von Bonald Decker

Bereits letzte Woche war das Thema meines Beitrags „traumatische Zahnverletzungen“.

Einer der „Auslöser“ für den Artikel war der Fall des 11-jährigen Jan, der sich einige Tage zuvor bei uns vorstellte.

Jan hatte vor circa fünf Wochen einen Unfall erlitten. Dabei hatte er eigentlich noch „Glück im Unglück“ und überstand eine Kollision seines Kinderrollers gegen ein Auto verhältnismässig gut. Vor dem Abtransport vom Unfallort mittels Rettungshubschrauber wurden seine avulsierten Zähne fachgerecht in einer Zahnrettungsbox gelagert. Die weitere Versorgung (Replantation, Schienung der Alveolarfortsatzfraktur und Zähne mittles Mini-Osteosyntheseplatten/schrauben bzw. Titan-Trauma-Splint (TTS)) erfolgte kurz darauf durch eine Mund-Kiefer-Gesichtschirurgische Klinik. Soweit, so gut…

Bei der Entfernung aller Schienungen vier Wochen später wurde dann allerdings festgestellt, dass die betroffenen Zähne einen massiven Lockerungsgrad aufwiesen, woraufhin diese erneut mittels TTS versorgt wurden. Als letzten Rettungsversuch für die Zähne wurden Jan und seinen Eltern daraufhin die Augmentation von aus der Hüfte entnommen Knochen in Regio 12-22 genannt. Vorab wäre aber laut Behandlern ein endodontisches Konsil zur Beurteilung der Erhaltungsfähigkeit der Zähne empfehlenswert…

und so kamen wir ins „Spiel“.

Leider war zu keinem Zeitpunkt (idealerweise laut Dental Trauma Guide 7-10 Tage nach Replantation) mit einer endodontischen Behandlung der betroffenen Zähne angefangen worden. Erschwerend kam hinzu, dass es an drei Zähnen durch die Osetosysntheseschrauben zur Eröffnungen der Wurzelkanalsysteme gekommen war.

Das ganze Ausmass der Situation verdeutlicht das angefertigte DVT:

Die Summe der diversen Befunde hat uns dazu veranlasst die Prognose der Zähne 12-21 als infaust anzusehen.

Obgleich also die Erstversorgung und Lagerung der Zähne in diesem Fall (quasi) optimal waren hat die nicht eingeleitete endodontische Therapie (wie laut Dental Trauma Guide notwendig) sicher nicht zu einer Verbesserung der Situation geführt…

Mein Fazit daher: Aufklärung von Patienten, Eltern, Lehrern, Kollegen etc etc hinsichtlich der richtigen Vorgehensweisen nach Frontzahntrauma tut _dringend_ Not…

Helfen Sie mit!

Ungewöhnliches Frontzahntrauma

von Ronald Wecker

4 Jahre nach einem Hundebiss im Bereich der Oberkieferfront stellte sich die junge Patientin erstmalig bei uns vor. Ausser einem Röntgenbild und einer ersten klinischen Inspektion waren  keine weiteren therapeutischen Massnahmen möglich. Zahn 11 zeigte eine irreguläre Oberfächenstruktur. Die beiden in den Jahren 2011 und 2012 angefertigten Einzelbilder dokumentieren neben dem zunehmenden Hartsubstanzverlust eine sich entwickelnde apikale Aufhellung.

Im präoperativ angefertigten DVT ist eine für einen Oberkiefer-Schneidezahn ungewöhnliche Anatomie zu erkennen. Anstelle des zu erwartenden rundlichen Wurzelquerschnitts zeigt sich eine Aufteilung in eine bukkale und eine palatinale Wurzel.

Der Wurzelkanalhohlraum des bukkalen Anteils erscheint deutlich und unregelmässig erweitert. Palatinal ist eine apikale Aufhellung zu erkennen.

Die Behandlung konnte aufgrund der anfänglichen schlechten Compliance erst 6 Jahre nach dem Frontzahntrauma durchgeführt werden und erfolgte zweizeitig. Der alio loco angefertigte Kompositaufbau erleichterte das Anlegen des Kofferdams. Während die Zahnhartsubstanz im Bereich des palatinalen Kanaleingangs ein sehr  homogenes Erscheinungsbild hatte, konnten im bukkalen Anteil deutliche Resorptionslakunen visualisiert werden. Durch intensive ultraschallunterstützte Irrigation konnte das vorhandene Gewebe entfernt und nach anschliessender Trocknung eine medikamentöse Einlage mit CaOH2 durchgeführt werden.

In der zweiten Behandlungssitzung waren im Pulpakavum und in den Wurzelkanälen keine vaskularisierte Gewebereste mehr vorhanden. Die Obturation im bukkalen Kanalanteil erfolgte in warmer vertikaler Kompaktion. Aufgrund des großen Querschnitts des Foramens und der fehlenden Konstriktion wurde der palatinale Kanalanteil  mit MTA obturiert. Nach Insertion eines Quarzfaserstiftes wurde die Zugangskavität dentinadhäsiv verschlossen.

Das primäre  Behandlungziel ist der Erhalt des Zahnes bis zum implantationsfähigen Alter. In der Zwischenzeit soll der Zahn nach neuem dentinadhäsivem Aufbau kieferorthopädisch eingeordnet und anschliessend mit einem laborgefertigten Langzeitprovisorium versorgt werden.

Das präoperativ angefertigte DVT ermöglichte neben der exakten Planung der einzelnen Therapieschritte auch das fast schon „navigierte“ Ducrhführen der endodontischen Behandlung.

Widerlager – ja oder nein ?

von Bonald Decker

Es vergeht kaum einmal ein Tag in unserer Praxis, an dem wir kein MTA verwenden (müssen).

Die Anwendungsbereiche sind dabei mannigfaltig. Von der (bei uns sehr selten durchgeführten) direkten Pulpaüberkappung über Apexifikationen, Perforationsdeckungen bis hin zur Revitalisierungstherapien.

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MTA Anwendung Perforationsdeckung

MTA Anwendung Perforationsdeckung

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MTA Apexifikation

MTA Apexifikation

Revitalisierungstherapie

Revitalisierungstherapie

Insbesondere bei der Perforationsdeckung sowie Apexifikationen stellt sich dabei ggf. die Frage nach einem notwendigen (resorbierbaren) Widerlager. Dessen Verwendung soll helfen eine Materialextrusion zu Vermeidung. Hierfür kommen primär (xenogenes) Kollagen oder Kalzium-Sulfat in Frage.

Laut Torabinejad et al. (1995) verschlechtert eine Material-Extrusion von MTA dessen Abdichtungseigenschaften nicht signifikant und erlaubt trotzdem eine Zementogenese. Unter anderem aus diesen Gründen verzichten wir zumeist auf ein Widerlager.

Anbei unser jüngster Recall-Fall, bei dem ich unabsichtlich etwas MTA über den offenen Apex verbracht habe.

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Die Studienergebnisse von Torabinejad et al. scheinen sich hier auch klinisch/radiologisch zu bestätigen und wir werden weiterhin nur sehr selektiv ein Widerlager verwenden…

Letzte Ausfahrt Regeneration – Recall

von Ronald Wecker

vor über einem Jahr wurde an dieser Stelle der Behandlungsfall zweier Oberkieferfrontzähne 3 Jahre nach horizontaler Wurzelfraktur vorgestellt.

Eine zahnärztliche Therapie war trotz, im alio loco angefertigten DVT zu erkennenden, apikaler Parodontitiden und  klinisch imponierenden Fistelungen nicht eingeleitet worden.

13 Monate nach Durchführung einer Regenerations- bzw. Revitalisierungstherapie stellt sich die Situation wie folgt dar:

Beide Zähne zeigen keinerlei klinische Symptomatik. Die Fistelungen sind abgeheilt. Der Klopfschall ist unauffällig.

Radiologisch zeigt sich innerhalb des Wurzekanalhohlraums in Zahn 21 eine röntgendichte  Struktur. Die Wurzelkanalwand erscheint insbesondere nach mesial dicker.

Zahn 11 weist deutlich erkennbar ein Wurzeldickenwachstum auf. Apikal ist eine röntgendichte „Barriere“ zu erkennen.

Somit scheint zumindest das Primärziel, beide Zähne bis ins implantationsfähige Alter erhalten zu können, in greifbarere Nähe zu rücken.

Traumaspätfolge

von Ronald Wecker

Der Patient stellte sich in unserer Praxis 11 Monate nach einem an den Zähnen 11 und 22 erlittenen Trauma aufgrund einer Fistelung in regio 11 vor.

R1

Zahn 21 wurde an einer deutschen Universitätszahnklinik 8 Wochen nach dem Trauma endodontisch behandelt. Die restaurative Behandlung – adhäsive Versorgung der unkomplizierten Kronenfraktur der Zähne 11 und 21 – war ebenfalls in dieser Klinik erfolgt.

De Kronenwurzelfraktur des Zahnes 21 wurde erst am Tag nach der Erstversorgung erkannt, da der Röntgenentwickler den Zahnfilm über Stunden nicht freigeben wollte.

Bei der Erstvorstellung in unserer Praxis zeigte sich an Zahn 11 eine labial gelegene aktive Fistelung, die nach Aussagen des Patienten dort seit ungefähr 4 Wochen bestand. Der palatinal gelegene kieferorthopädische Retainer hatte sich an 11 gelöst. Aus den mitgebrachten Kopien der Behandlungsunterlagen war ersichtlich, dass Zahn 11 in den ersten Monaten nach dem Trauma reproduzierbar positiv auf Kältereiz reagiert hatte.

Der durchgeführte Kältetest und der elektrische Sensibilitätstest fielen für Zahn 11 negativ aus. Zahn 21 wies eine Kompositrestauration der klinischen Krone auf. Distobukkal an Zahn 22 betrug die Sondierungstiefe 3 mm. Die Gingiva war in der Mikrostruktur blumenkohlartig verändert, jedoch ohne entzündliche Zeichen.

Das angefertigte Einzelbild liess an 11 eine ausgeprägte apikale Aufhellung sowie Anzeichen einer vermutlich entzündlich bedingten externen Resorption der Wurzel erkennen. 21 zeigte apikal ebenfalls eine Aufhellung. Die Wurzelfüllung erschien inhomogen und insbesondere im koronalen Anteil nicht wandständig.

Um den Verlauf des Bruchspaltes der Kronen-Wurzelfraktur beurteilen zu können sollte ein DVT erstellt werden. Da die vorhandenen Obturationsmaterialien zu Artefakten im DVT führen können, wurde geplant das DVT erst nach Entfernung des KFO-Retainers und der intrakanalären Fremmaterialien in Zahn 21 anzufertigen.

Nach initialer endodontischer Therapie an Zahn 11 erfolgte in der ersten Behandlungssitzung die Entfernung der Wurzelfüllung in Zahn 21. Die koronalen Anteile des Füllmaterials wiesen erhebliche Kontaminationsspuren auf. Der Kanalquerschnitt schien überwiegend mit Sealer gefüllt zu sein. Bei der Entfernung des apikalen Anteils der Wurzelfüllmasse wurde versehentlich ein kleines Stück nach periapikal verbracht. Aufgrund der nachlassenden Anästhesiewirkung, der damit auftretenden Missempfindung und der zunehmenden Blutung von periapikal, wurde nach temporären Verschluss der ungefüllten Kanäle das DVT erstellt. Anschliessend erfolgte die Einlage von CaOH2 und der adhäsive Verschluss der Zugangskavitäten. Das periapikal befindliche Material sollte in der zweiten Behandlungssitzung entfernt werden.

Aufgrund der aus 21 aufsteigenden Blutung konnte kein homogenes Einbringen des CaOH2 realisiert werden.

Das DVT lässt distolabial an Zahn 21 eine ca. 4 mm unter Knochenniveau endende Kronen-Wurzelfraktur erkennen. Klinisch war intrakanalär keine Rissbildung zu erkennen. Apikal des Foramens und leicht mesial davon ist deutlich der nach periapikal evrbarchte Guttapercharest zu erkennen.

Zahn 11 weist einen fast vollständigen Verlust der labialen Knochenlamelle und eine ausgedehnte apikale Lyse auf.

In der zweiten Behandlungssitzung war die Fistelung an Zahn 11 abgeheilt. Die Entfernung des Guttaperchastücks gelang innerhalb kurzer Zeit mittels Microdebrider und Ultraschallansätzen.

Da beide Zähne periapikale knöchere Krypten aufwiesen, wurde vor Obturation mit MTA je ein periapikales Widerlager angelegt.

Langfristig stellt die ästhetische Versorgung sowie die parodontale Prognose im Bereich der Kronen-Wurzelfrakturdes Zahns 21 eine große Herausforderung dar.

Zahnschutz

von Christoph Kaaden

„So etwas“ will Moritz nicht, dass ihm noch mal passieren…

ein Zahnunfall beim Basketballspielen.

Zahnschutz.002

Zahnschutz.001

„Gemeinsam“ mit Moritz und seinen Eltern haben wir daher entschieden nach der ersten Behandlungsphase einen individuellen Zahnschutz anzufertigen.

Die Wahl fiel auf einen individuellen Mulit-Layer-Zahnschutz.

Das klinische Vorgehen hierfür ist recht schnell erläutert:

  • Abformungen von Ober- und Unterkiefer inklusive Bissnahme

Da der Zahnschutz in den allermeisten Fällen im Oberkiefer getragen wird (Ausnahme bei ausgeprägter Progenie) sollte darauf geachtet werden, dass Umschlagfalte, Lippen- und Wangenbändchen sowie Gaumen bis zum 1. Molaren gut dargestellt sind.

Die eigentliche Herstellung erfolgt in einem zahntechnischen Labor. Im Vorfeld gilt es dabei zu berücksichtigen, bei welcher Sportart (mit damit ggf. verbundenen Krafteinwirkungen auf die Zähne) der Zahnschutz getragen werden soll. Dies hat einen entscheidenden Einfluss auf die Wahl der verschiedenen Kunstoffschichten. Da beim Basketball mit einer flächigen Krafteinwirlung zu rechnen ist wurde bei Moritz ein Multi-Layer Zahnschutz mit 2 und 4 mm Schichten hergestellt.

Zahnschutz.003

Dieser macht das erste Zahntrauma zwar nicht unvergessen und rückgängig, sollte aber verhindern, dass ähnliches wieder passiert…

Dem interessierten Leser sei an dieser Stelle der sehr gelungene Artikel von Lang & Filippi zu dieser Thematik ans Herz gelegt.

Frontzahntrauma & „Kloß im Hals“ (I)

von Bonald Decker

Die Behandlung von Kindern und Jugendlichen nach Frontzahntrauma stellt einen unserer Praxisschwerpunkte dar. Neben den zahnärztlichen Problemstellungen solcher Fälle sind die damit einhergehenden „kleinen und grossen“ Schicksale der Patienten häufig eine besondere Herausforderung. Durch meine eigenen Unfallerfahrungen inklusive Verlust zweier Scheidezähne im Alter von 13 Jahren ist mir dies alles leider selbst „bestens“ bekannt…

in diesem Zusammenhang möchte ich heute den 12 jährigen Marc und die Umstände seiner vor einiger Zeit erlittenen Zahnverletzung vorstellen.

Marc gab bei unserer Befragung an vor circa sechs Monaten beim Spielen einen Schlag auf einen oberen Schneidezahn erhalten zu haben, durch dessen Folge ein Stück Zahnkrone abgebrochen sei. Ferner habe es leicht aus dem Zahn geblutet und dieser war sehr kälteempfindlich. Die daraufhin aufgesuchte Zahnärztin habe dann die „Zahnwunde“ mit einem Zement abdeckt und den Zahn mit einer Kunstofffüllung aufgebaut.

Marc berichtete, dass er seit dieser Zeit zunehmende Schmerzen an dem betreffenden Zahn verspüre, die sich insbesondere beim Trinken und Essen erheblich verstärkten. Ferner fiel im auf, dass das Zahnfleisch zum Teil erheblich gerötet sei und immer wieder mal blutete. Grosse Sorge bereitete ihm ausserdem das zunehmende Schwarz werden des Zahnes und die damit einhergehenden Hänseleien in der Schule.

Klinisch stellte sich die Situation bei der Erstvorstellung bei uns wie folgt dar:

1.001

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Eingeholte Informationen über die alio loco durchgeführte Behandlung besagten, dass es sich bei Marcs Zahnverletzung um eine komplizierte Kronenfraktur gehandelt habe. Die Pulpawunde sei daraufhin vor der Kompositrestauration mittels MTA abgedeckt worden.

Das von uns angefertigte Röntgenbild stellte die Situation so dar:

Radiologische Ausgangssituation

Radiologische Ausgangssituation

Radiologisch schien es sich um eine komplizierte Kronen-Wurzel-Fraktur mit disloziertem distalen Fragment zu handeln.

Wir entschlossen uns daher nach Absprache mit Patient und Mutter sämtliche zahnärztliche Füllungsmaterialien inklusive Zahnfragment zu entfernen. Danach sollte die weitere Beurteilung der Situation erfolgen.

Klinische Situation nach begonnener Materialentfernung

Klinische Situation nach begonnener Materialentfernung

Das nach Abschluss dieser Behandlungsschritte angefertigte Röntgenbild (zusammen mit der klinischen Evaluation) führte dazu, dass sich ein grosser Kloß in meinem Hals bildete…

Radiologische Situation post-operativ

Radiologische Situation post-operativ

Alle von uns in Betracht gezogenen Behandlungsoptionen zur Zahnerhaltung (u.a. kieferorthopädische Extrusion oder chirurgische „Repostionierung“) wurden aufgrund der Schwere der Zahnhartsubstanzverletzungen und der Tiefe der Defekte verworfen…

sehr sehr schade für Marc!

Wo ist der Kanal?

von Bodald Necker

Freitag, 10.30 Uhr.
Anruf vom Kollegen. Er hat einen 21 zur Wurzelkanalbehandlung, findet aber den Kanal nicht. Ob wir den Zahn noch anschauen könnten, die Patientin hat Schmerzen.

Können wir. Selbstverständlich auch noch vor dem Wochenende.

Hat mich gewundert, da dies ein Kollege ist, der sehr gut und sorgfältig arbeitet. Und der Kanal am oberen 1er ist in der Regel zu finden.

Nach 45 min war die Patientin (23 J) da. Aktuelles Röntgenbild vor der Trepanation war anbei. Dass der Kollege den Kanal nicht fand, hat mich nicht gewundert.

Der Kanal war auf dem Bild nur im unteren Kanaldrittel erahnbar. Da der Kollege schon am Zahn gearbeitet hatte, wurde ein aktuelles Bild angefertigt (allein schon aus forensischen Gründen, denn sollte ein Instrument im Zahn abgebrochen sein, weiss sonst niemand von wem es war).

Der Kollege hatte eindeutig die Schmelz-Dentin-Grenze passiert, die mesio-distale Ausrichtung war gut.

Wie sieht es nun im Original aus?

Zahn 21, Lockerung 0, keine auffälligen Sondierungstiefen.
Z.n. Trauma vor ca. 1/2 Jahr. Patientin wusste nicht mehr, ob der Zahn damals locker war, oder weh getan hat, sie sei nur „drangestossen“, unternommen hätte sie nichts. Der Zahn wurde nur dunkler, und jetzt tat er weh. Auf die Frage, ob die beiden Frontzähne ursprünglich gleich lange gewesen waren, kam nur ein verwundertes „keine Ahnung“, also bleibt die Intrusion als Ursache nur eine Vermutung.

Also Cavit entfernt und gesucht. Die Richtung der Trepanationöffnung schien nicht so schlecht, jedoch konnte ich auch unter Vergrößerung kein Orifizium entdecken. Mit dem überlangen Rosenbohrer wurde zunächst die Kavität geglättet um feine Strukturen besser erkennen zu können.

Nichts zu erkennen, also lag es nahe, dass die Trepöffnung zu weit nach palatinal inkliniert war. Die ursprünglich sehr kleine Öffnung wurde vergrößert, um auch am Bohrer vorbei schauen zu können.  Beim Dentinabtrag palatinal kam eine dunklere Struktur zum Vorschein.

Mit der 006er K-File wurde ein Eingang (oder Ausgang?) ertastet, die gleich angeschlossene elektrische Längenmessung brachte Gewissheit, es war kein Perforation. Es sollte dann doch der Kanal sein. Bestätigung auf dem Röntgenbild.

Sobald die Feile tiefer im Kanal war, wurde ein Schmerz ausgelöst. Nach einer weiteren Injektion (die erste war noch vom Kollegen verabreicht worden), wurde der Kanal katheterisiert. Die 006 Hand-Feile ging nicht auf Länge. Dies wurde dann ohne Probleme maschinell bewerkstelligt mit einer Maillefer Pathfile 13/02 im Schlumbohm Endopilot unter simultaner ELM und EDTA-Spülung. Weitere Öffnung des sehr engen Kanals mit ProFile 15/04, 20/04 und  FlexMaster 15/06, anschliessend Mtwo 26/06 in Pendelbewegung – auch hier unter simultaner Längenmessung.

Anschliessende Rö-Kontrolle.

Provisorische Versorgung erfolgte mit Ledermix und Cavit. Die Patientin wurde noch über mögliche Schmerzen und Komplikationen aufgeklärt und ins – hoffentlich schmerzfreie – Wochenende entlassen.

Normalerweise stellt die Trepanation eines oberen 1ers kein Problem dar, besonders bei einem jungen Patienten, da des Pulpacavum noch sehr groß ist.

Wenn aber, wie hier, fast das gesamte Cavum obliteriert ist, kann eine minimale Abweichung von der optimalen Trepanationsrichtung zum Misserfolg führen.
Denn wenn hier auf der weiteren Suche in der falschen Richtung der Zahn buccal perforiert wird, sind die Folgen bei einer 23-jährigen Frau mit kurzer Oberlippe und Hang zum gummy-smile weithin ein Leben lang sichtbar.

Und wieder ein Recall…

von Ostidald Wucker

Diesen komplexen Fall hatten wir in Wurzelsttze vor einigen Monaten vorgestellt.

Die Patientin ist inzwischen vollkommen beschwerdefrei. Es bestand, bzw. besteht neben der Schmerzbehandlung und Zahnerhaltung auch eine ästhetische Problematik. Zuvor erfolgten, wie hier beschrieben, die endodontische und parodontologische Behandlungen.

Der mesiolabiale knöcherne Defekt wurde noch nicht sondiert. Der papilläre Verlust  zwischen 11, 21 war auf Grund des ausgeprägten Knochendefektes nicht unerwartet. Die rötlichen Verfärbungen wurden mit dem kleinsten Muncebohrer exkaviert.

Anbei nochmal die Bilder des Falles.

Trauma App

von Christoph Kaaden

Einem Hinweis von Dr. Fred Barnett (Einstein Institute – Abteilung für Endodontologie –  Philadelphia/USA) verdanke ich den Hinweis auf das Erscheinen einer wertvollen „App“ für Smartphones:

DENTAL TRAUMA

Eine Applikation gedacht als schnelle „Online-Hilfe“ bei der Versorgung von unfallbedingten Zahnverletzungen.

Verfasst wurde das Ganze von Dr. Ulf Glendor und ist bisher in englischer und schwedischer Sprache erhältlich…

Meine persönliche Meinung zu dieser Anwedenung…

wenn nur ein Zahn mehr durch dieses Programm korrekt behandelt wird (und sich dadurch die Prognose verbessern lässt) hat sich die Anschaffung schon gelohnt…

Dafür gibt`s einen „Daumen hoch“ von mir…

Horizontale Wurzelfraktur (II) – Recall

von Bonald Decker

Heute möchte ich mal wieder den Recall eines „Wurzelspitze“-Falles veröffentlichen…

Erinnern Sie sich noch daran?

Fast zwei Jahre ist der Beginn der Behandlung her.

In der weiteren Folge direkt nach dem damaligen Unfall hatte sich noch einiges „getan“.

Die regelmässig durchgeführten Nachkontrollen ergaben in der weiteren Folge auch die Notwendigkeit einer endodontische Behandlung des Zahnes 21.

Das klinische Procedere unterschied sich nicht signifikant von dem des Zahnes 11.

Nachfolgend die radiologischen Aufnahmen.

In dem Nachuntersuchungszeitraum stellt sich die Situation klinisch (Lockerungsgrad I; Taschensondierung ohne pathologischen Befund,Klopfschall normal) wie radiologisch bisher als positiv dar. Die Fragmente sind in engem Kontakt; die Frakturspalten sind nicht oder gering sichtbar, was auf eine hartgewebige Ausheilung hoffen lässt.

All dies scheint den damaligen Therapieansatz zu unterstützen und lässt uns in diesem Fall positiv in die Zukunft blicken…

Fifty-Fifty oder doch mehr?

von Ronald Wecker

3 Wochen nach Avulsion der Zähne 11 und 12 stellte sich dieser Patient vor 2 Jahren bei uns vor. Die Zähne  11, 21 und 22 waren weder kaltsensibel noch reagierten sie auf elektrischen Reiz.

Ausser einer semirigiden Schienung wurden keine weiteren therapeutischen Schritte eingeleitet. Das Wurzelwachstum war schon soweit fortgeschritten, dass von einem regenerativen Ansatz abgesehen wurde.

Bereits zu Beginn der Aufbereitung war im distalen Anteil der Wurzel an Zahn 22 ein externes resorptives Geschehen zu beobachten. Ob dieses durch eine Schädigung der Wurzeloberfläche während der Avulsion oder in Folge der Pulpanekrose und der verspätet durchgeführten endodontischen Therapie ausgelöst wurde kann nicht sicher beurteilt werden.

6 Monate nach der endodontischen Therapie zeigt sich auch klinisch das deutliche Voranschreiten der externen Resorption. Das angefertigte Röntgenbild zeigt die traurige Wahrheit. Ein Zahnerhalt war nicht möglich.

24 Monate postoperativ zeigt sich zumindest Zahn 21 in bester Verfassung. Klinisch beschwerdefrei und radiologisch unauffällig. Besonders erfreulich ist jedoch, dass der anfänglich nicht auf Kälte und elektrischen Reiz reagierende Zahn 11 wieder eindeutig positiv reagiert.

Der Verzicht auf eine sofortige endodontische Therapie des Zahnes 21 war bei fehlender klinischer und radiologischer Symptomatik die richtige Entscheidung. Insofern eher ein 70/30 – als ein 50/50 – Ergebnis.

Die Lücke in regio 22 wird kieferorthopädisch offen gehalten und soll bei abgeschlossenem Wachstum entweder implantologisch oder prothetisch versorgt werden.

Oster-”Ei” – Update (I)

von Bonald Decker

Kurz vor Ostern diesen Jahres haben wir hier über einen Patientenfall mit einer enormen Osteolyse im Oberkiefer-Frontzahn-Bereich berichtet.

Hier ein kurzes Update zum Stand der Behandlung.

Wenige Tage nach dem Wurzelspitze-Beitrag erfolgte unter lokaler Anästhesie bei dem Patienten der Eingriff der Dekompression.

Intra- und post-operative Fotos der Dekompression

Seit diesem Zeitpunkt ist keine neuerliche Schwellung aufgetreten und der Patient ist beschwerdefrei.

Folgendes weitere Procedere durch den Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen ist vorgesehen:

  • Geplante Verweildauer des Röhrchen voraussichtlich 9 Monate (ggf. länger).
  • Voraussichtliche Dauer der Behandlung  bis zu 1,5 Jahren
  • Nach ca. 6 Monaten Anfertigung eines „Kontroll DVT`s“ zur Beurteilung des Behandlungsverlaufes
  • bis dahin 4-wöchentliche Kontrolle

Aus endodontischer Sicht ist demnächst die Obturation der Kanalsysteme vorgesehen.

Ich werde weiter berichten…

Horizontale Wurzelfraktur und späte Folgen

von Ronald Wecker

Ungefähr 15 Jahre ist es her, dass dieser 21 einen ungewünschten Kontakt mit einem Hockeyball hatte.

Die Erstversorgung bestand damals in einer sofortigen orthograden Wurzelfüllung mit Wurzelspitzenresektion in gleicher Sitzung. Vor einigen Monaten traten labial von 21 Druckmissempfindungen im Vestibulum auf. Das von der überweisenden Kollegin angefertigte Einzelbild zeigt unregelmässig begrenzte Aufhellungen innerhalb der Wurzelstruktur, eine in ihrer Kontinuität unterbrochene Wurzelfüllung, sowie mesial ein schräg verlaufender Frakturspalt.

Das DVT lässt im Sagittalschnitt deutlich eine schräge Horizontalfraktur erkennen, die labial am Übergang mittleres zu unterem Wurzeldrittel beginnt und palatinal kurz vor dem Limbus alveolaris endet. Das koronale Fragment zeigt unregelmässig begrenzte, weichteildichte Aufhellungen innerhalb der Wurzelstruktur. Das apikale Fragment erscheint unauffällig. Der dezent verbreiterte Parodontalspalt ist wohl eher als narbige Abheilung nach WSR als als apikale Pathologie zu interpretieren.

Klinisch zeigt sich der Zahn bis auf einen leicht metallischen Klopfschall und die labiale Druckmissempfindung unauffällig. Es besteht im Vergleich zum kontralateralen Zahn 11 eine deutliche inzisale Stufe, die sich nach Auskunft des Patienten erst im Laufe der Jahre entwickelt hat.

In der ersten Behandlungssitzung kam es bereits bei leichter Manipulation der vorhandenen, mit nekrotischen Geweberesten durchsetzten Obturationsmaterialien zu einer starken Blutung aus dem Kanal.

Die Kanalwand war in verschiedener Höhe von gut vaskularisiertem Gewebe perforiert worden. Nach großvolumiger ultraschallunterstützter Spülung mit NaOCl konnte de Blutung deutlich reduziert und anschliessend die im koronalen Fragment befindlichen Obturationsmaterialien unter Sicht entfernt werden. Apikal war die Blutung nicht zu stillen, sodass der Zahn nach Einbringen von CaOH2 adhäsiv verschlossen wurde.

In der zweiten Sitzung, 14 Tage später, konnte das Kanalsystem nach Anästhesie mit Lidocain 1:50000 ohne störende Blutung inspiziert werden. Der Zahn war vollkommen beschwerdefrei.

Die Resorptionslakunen waren deutlich an der Kanalwand zu erkennen. Apikal konnte nun auch das verbliebene Guttaperchastück visualisiert und anschliessend entfernt werden. Die Obturation erfolgte mit MTA. Beim Anmischen wurde, um das Einbringen in die Resorptionslakunen zu erleichtern, eine geringfügig feuchtere Konsistenz gewählt. Somit wird das Eindringen des MTA in die Lakunen mit Hilfe eines ultraschall“aktivierten“ Pluggers ermöglicht. Anschliessend wurde der Zahn dentinadhäsiv verschlossen.

Es ist bekannt, dass die knöchernen Strukturen der Kiefer auch im Erwachsenenalter gewissen Umbau-/“Wachstumsvorgängen“ unterliegen.

Aus der Implantologie gibt es Berichte, dass es auch bei Erwachsenen nach Implantation im Frontzahnbereich im Verlauf von Jahren zu einem „Zurückbleiben“ des Implantates nebst umgebenden Knochen kommt. Offensichtlich hat im vorliegenden Fall posttraumatisch eine teilweise Ankylose eingesetzt und das „Mitwachsen“ des den Zahn umgebenden Alveolarfortsatzanteils verhindert.

Die damals gewählte Therapie ist nach heutigen Erkenntnissen sicher als suboptimal zu bezeichnen. Eine Pulpanekrose nach Horizontalfrakturen wird in weniger als 50% der Fälle auftreten. Eine endodontische Therapie kurz nach dem Trauma ist daher primär nicht indiziert. Die aktuellen Empfehlungen zur Versorgung von Zähnen mit Wurzelfraktur findet der interessierte Leser im Dental-Trauma-Guide.

Was also tun? – Teil II – „Auflösung“

von Bonald Decker

Vor einiger Zeit hatten wir hier gefragt, wie Sie den gezeigten Fall therapeutisch angehen würden.

Vielen Dank an dieser Stelle für die Kommentare und Therapievorschläge von Dr. Susanne Kirchem und Dr. Guido Vorwerk.

Nachfolgend möchte ich unser Procedere erläutern:

Als Ursache für den Entzündungsprozess im Frontzahnbereich des 1. Quadranten hatten wir primär Zahn 12 verantwortlich gemacht und unser weiteres Vorgehen darauf ausgerichtet. Unsere Diagnose lautete:

Zahn 12:

  • Pulpal: Pulpanekrose
  • Periapikal: apikale Parodontitis
  • Weiteres: Zustand nach Frontzahntrauma (wohl Subluxation) mit nachfolgender Abszessbildung bei nicht abgeschlossenem Wurzelwachstum

Nach eingehender Aufklärung der Eltern und des Patienten über die verschiedenen Therapieoptionen fiel die gemeinsame Entscheidung zu Gunsten eines Revitalisierungsversuches bei Zahn 12 aus.  Ferner wurde die Entfernung des Zahnes 53 (bei vorhandener negativer Sensibilität) vorgesehen.

Unser klinisches Vorgehen der Revitalisierung haben wir in der Vergangenheit u.a. hier bzw. hier bereits beschrieben.

Die nachfolgenden Abbildungen verdeutlichen die Situation direkt nach Behandlungsabschluss:

Und so stellte sich das Ganze in der radiologischen Nachkontrolle durch den Hauszahnarzt ein Jahr später dar:

Ein (für uns) erfreuliches wie erstaunliches Comeback. Insbesondere, wenn man die Ausgangssituation und die 1-Jahres-Kontrolle gegenüberstellt:

 Wir sind auf zukünftige Nachkontrollen sehr gespannt, die dann hoffentlich die Nachhaltigkeit der Therapie untermauern werden…

Reunited – die Fortsetzung

von Ronald Wecker

Vor kurzem wurde hier folgender Fall eines Frontzahntraumas vorgestellt:

Einige Wochen nach einer unkomplizierten Kronenfraktur an Zahn 11 konnte das Fragment adhäsiv wiederbefestigt werden.

Zahn 21 hatte eine komplizierte Kronenfraktur mit nachfolgender Pulpanekrose erlitten. Aufgrund des nicht abgeschlossenen Wurzelwachstums wurde ein Therapieansatz gewählt, der nach Desinfektion des Wurzelkanalsystems ein Voranschreiten des Wurzeldicken- und Wurzelängenwachstums ermöglichen soll.

Um eine absolute Trockenlegung zu ermöglichen wurde zunächst das seit dem Trauma nass gelagerte inzisale Kronenfragment adhäsiv wiederbefestigt. Um eine sichere Kofferdamapplikation zu gewährleisten wurde zeitgleich palatinal ein ausgedehnter Komposit-„bauch“ hergestellt. Da der unvollständig durchgebrochene Zahn 21 geringe Unterschnitte bot, wurde die Kofferdamklammer labial durch Auftragen einer geringen Menge Flow-Komposites „gesichert“.

Anschliessend erfolgte nach Entfernung der medikamentösen Einlage und Stimulation einer Blutung aus der apikalen Papille das Abdecken des Koagulums mit Kollagen und MTA.

Über die klinische Vorgehensweise  und die grundsätzliche Idee von Regenerations- bzw. Revitalisierungsverfahren wurde bereits berichtet.

Die im Ausgangsbild zu erkennende infektionsbedingte bedingte externe Resorption scheint nicht weiter voran zu schreiten. Die weiteren radiologischen Kontrollen werden zeigen, ob das Wurzelwachstum fortgesetzt werden konnte.

Oster-„Ei“

von Bonald Decker

Geschickt wurde uns der Patient, weil seinem Hauszahnarzt die Kombination aus großer apikaler Aufhellung und unvollendetem Wurzelwachstum nicht „geheuer“ war.

Einige Tage vor Erstvorstellung bei uns hatte der junge Patient (16 Jahre) eine submuköse Schwellung Regio 12 entwickelt, die sich durch die Trepanation des Zahnes 12 drainieren liess und so schnell rückläufig war. Ferner wurde dem Patienten ein Antibiotikum verschrieben.

Bei der Erstvorstellung in unserer Praxis einige Tage nach Behandlungsbeginn war keine Schwellung mehr ersichtlich. Über den offenen Zahn entleerte sich (weiterhin) geringe Mengen Sekret.

Röntgenologisch zeigte sich folgendes Bild:

Die weitere Untersuchung ergab, dass auch Zahn 11 devital war und eine apikale Parodontitis aufwies. Ferner imponierte ein diskretes Fistelmaul mesio-palatinal (!). Die Zähne 13 und 14 reagierten bei der Sensibilitätsprobe positiv. Anamnestisch lag im Alter von ca. 11 Jahren ein Frontzahntrauma in der entsprechenden Region vor (wahrscheinlich komplizierte Kronenfrakturen).

Folgende erste Therapieschritte wurden von uns nach eingehender Darlegung aller Optionen durchgeführt.

Therapie:
Anästhesie, Gruppen-Kofferdam-Applikation; Trepanation Zahn 11 und Modifikation der Zugangskavität Zahn 12, Ultraschallaktivierte Spülung mit NaOCl, EDTA und CHX, medikamentöse Einlage (CaOH2) nach Trocknung der Kanalsysteme und fehlender Sekretion, provisorischer Verschluss (Cavit&Ketac molar) der Zugangskavitäten.

Leider entwickelte sich bereits einige Tage danach erneut eine Schwellung in Regio 12. Daraufhin wurde Zahn 12 erneut eröffnet und bei fortlaufender Sekretentleerung nicht wieder verschlossen.

Ein Schritt, der bei uns zur absoluten Ausnahme zählt…

Um ein besseres Bild von der tatsächlichen Ausdehnung des Entzündungsprozesses zu haben wurde daraufhin eine DVT-Aufnahme der Region angefertigt.

Schnell scheint (uns) bei der Betrachtung der Bilder klar, dass eine alleinige nicht-chirurgische orthograde Behandlung wenig (bis gar nicht) erfolgsversprechend sein wird.

Daher ist jetzt ein kombiniertes Vorgehen aus „chirurgischer“ Dekompression (wie z.B. hier nachzulesen) und anschließender endodontischer Behandlung geplant. Eine mögliche Penetration des Nasenbodens durch die große Osteolyse hätte diesen Behandlungsplan übrigens (wohl) zunichte gemacht.

Die weiteren Nachuntersuchungen müssen dann zeigen, ob dieser eingeschlagene „konservative“ Weg den gewünschten Erfolg zeigen wird.

Eines scheint aber klar… alle anderen Behandlungsoptionen (z.B. Zystektomie) bedeuten weitreichende und gravierende Konsequenzen für den jungen Patienten.

Reunited

von Ronald Wecker

2 Monate nach einem Freizeitunfall stellte sich der 8 jährige Patient mit einer akuten symptomatischen apikalen Parodontitis an Zahn 21 in unserer Praxis vor.

Die Erstversorgung erfolgte damals in einer Universitätszahnklinik. Zahn 21 zeigte eine komplizierte, Zahn 11 eine unkomplizierte Kronenfraktur. Nach radiologischem Ausschluss einer Querfraktur wurden die Dentinwunden an beiden Zähnen mittel Glasionomerzement versorgt. Die freiliegende Pulpa wurde mit CaOH2 abgedeckt.

Klinisch zeigte sich eine deutliche Schwellung des Vestibulums an Zahn 21. Der Zahn war stark berührungsempfindlich. Die mit Kälte und elektrischem Reiz durchgeführte Sensibilitätsprüfung fiel an 21 negativ aus. Die Zähne 32-42 sowie Zahn 11 reagierten reproduzierbar positiv.

Das angefertigte Röntgenbild lässt ein nicht abgeschlossenes Wurzelwachstum an 11 und 21 sowie eine infektionsbedingte externe Resorption distal an Zahn 21 erkennen.

Nach Erläutern der zur Verfügung stehenden Behandlungsoptionen stimmten die Eltern dem Vorschlag einer regenerativen Behandlung von 21 zu.

In Lokalanästhesie wurde der Zahn eröffnet; das gesamte Pulpakavum war mit zähem putriden Sekret gefüllt. Nach ausreichender Irrigation wurde eine „Double-Mix“-Einlage bestehend aus Ciprofloxacin und Metrondiazol eingebracht und der Zahn adhäsiv verschlossen.

Bei der Wiedervorstellung eine Woche später war Zahn 21 völlig symptomfrei. In der etwas gelösteren Atmosphäre des zweiten Termins kam die Sprache noch einmal auf den Unfallhergang. Beiläufig fragte ich, ob denn damals irgendwelche Zahnfragmente aufgefunden worden waren.

„Ja, und die haben wir zu Hause in einer Dose mit steriler Kochsalzlöung nass gelagert.“

So kam es, dass eine weitere Woche später, nachdem in Lokalanästhesie unter optischer Vergrößerung vorsichtig die vorhandene GIZ-Füllung von Zahn 11 entfernt werden konnte, das Bruchstück und der Zahn wieder adhäsiv vereint werden konnten.

In der Zukunft werde ich auch bei länger zurückliegenden Fraktur-Verletzungen der Zahnhartsubstanz nach dem Verbleib der Fragmente fragen.

Über den Verlauf der Regenerationsbehandlung von 21 und das Behandlungsergebnis wird an dieser Stelle berichtet werden.

Licht und ein wenig Schatten

von Ronald Wecker

Die junge Patientin stellte sich erstmals 10 Monate nach einem an Zahn 21 erlittenen Frontzahntrauma vor. Ausser einer unkomplizierten Kronenfraktur, die bereits alio loco mittels Komposit versorgt worden war, zeigte der Zahn eine geringe vestibuläre Druckdolenz und war achsial und lateral perkussionsempfindlich.

Zwei Monate vor der Erstvorstellung hatten starke Beschwerden eingesetzt, woraufhin in der Praxis des Hauszahnarztes nach Trepanation des Zahnes eine Einlage mit CaOH2 und der temporäre Verschluss mit Glasionomerzement erfolgte.

Das präoperativ angefertigte digitale Einzelbild zeigt neben einer apikalen Aufhellung ein im Vergleich zum alio loco angefertigten Bild unmittelbar nach Trauma kein weiteres  Voranschreiten des Wurzelwachstums.

Aufgrund des weit offenen Foramens wurde trotz der bereits erfolgten Applikation von CaOH2 der Versuch einer regenerativen Therapie unternommen.

CaOh2 soll nach den bisher zur Verfügung stehenden Erkenntnissen negative Auswirkungen auf die in der apikalen Papille befindlichen Stammzellen (SCAP) haben. In der ersten Behandlungssitzung zeigte sich nach initialer Irrigation jedoch apikal ein deutlicher „Gewebestumpf“. Da ein Stillstehen des weiteren Wurzelwachstums im jetzigen Stadium die mechanische Prognose des Zahnes langfristig deutlich kompromittieren würde, wurde der Behandlungsplan einer Apexifikation mit MTA nach kurzer Abstimmung mit den Eltern intraoperativ zugunsten einer möglichen Apexogenesis abgeändert.

Nach Entfernung der CaOH2-Reste und intensiver ultraschallunterstützter Irrigation mit NaOCl wurde eine antibiotische Paste, bestehend aus Ciprofloxacin und Metronidazol eingebracht und der Zahn dentinadhäsiv verschlossen.

10 Tage später war der Zahn klinisch vollkommen symptomlos. Nach Spülung mit EDTA und Entfernung der antibiotischen Einlage wurde mit einem Microopener eine Blutung aus der apikalen Papille induziert. Da die Anästhesie bei diesem Vorgehen in der zweiten Sitzung mit adrenalinfreiem Anästhetikum erfolgt, war das Kanallumen bald mit dem aufsteigendem Blut gefüllt.  Bis hier hin schien alles optimal zu verlaufen.

Um die Applikation des MTA zu erleichtern, wurde eine dünne Kollagenabdeckung zugeschnitten und auf das Koagulum platziert. Nach kurzer Zeit war das Kollagen mit Blut durchtränkt. Und jetzt wurde es schattig.

Offensichtlich war das Koagulum noch nicht stabil genug, denn das nach der Erstellung der MTA Abdeckung angefertigte Röntgenbild zeigte eine deutliche, nahezu zylindrische Extrusion des MTA -Plugs in das Koagulum.

4 Monate nach Abschluss der Behandlung war der Zahn weiterhin beschwerdefrei. Ein Voranschreiten des Wurzelwachstums konnte radiologisch nicht beobachtet werden.

Der Schatten schien das anfängliche Licht zu verdrängen.

Heute nun das Recall 14 Monate nach Behandlung. Zur großen Freude des Verfassers zeigte der Zahn neben einem normalen Klopfschall und fehlenden klinischen Symptomen ein deutlich vorangeschrittenes Wurzellängen- und Wurzeldickenwachstum.

Über die weitere Entwicklung wird an dieser Stelle berichtet werden.

Fortsetzung (Das Jahr des DVT)

von Bostidald Wucker

Bereits hier haben wir den Fall vorgestellt. Die Patientin suchte unsere Praxis erstmals auf Grund akuter Beschwerden Ende 2011 auf. Die Behandlung erstreckte sich über einen längeren Zeitraum, da die Patientin im Ausland arbeitete.

Nach Abschluss den endodontischen und parodontologischen Behandlung Zeit für eine Zwischenvorstellung.

Die begonnene Wurzelbehandlung zeigt keine Verbesserung der Symptome. Deshalb wurde ein DVT angefertigt. Auf dem DVT konnte ein frakturiertes, jedoch noch verbliebenes Wurzelzementfragment erkannt werden. Dieses wurde operativ entfernt und mit Komposit der Defekt verschlossen. Die Fistel verschwand innerhalb von wenigen Tagen. Ein vertikaler und lateraler Perkussionsschmerz verblieb. Nach apikaler Aufbereitung auf #60 (Mtwo 60.04) infolge chronischer Sekretion und Einlage von Pulpomixine ( leider nicht mehr lieferbar) konnte eine rasche Besserung der Symptomatik beobachtet werden. Abschließend erfolgte die Wurzelfüllung und der adhäsive Verschluss.

Die konservierend/prothetische Versorgung wird nach parodontologischem 6 Monatsrecall geplant. Die Ästhetik ist deshalb derzeit ein Kompromiss. Es gelang zumindest die rosafarbene Verfärbung großteils mechanisch zu entfernen.

Die Patientin ist schmerz- und symptomfrei. Sondierungstiefen wurden p.o. noch nicht ermittelt.

Was also tun? – Teil I –

Bonald Decker

Der nachfolgende Fall wurde uns vor einiger Zeit zur weiteren Ursachenabklärung und möglichen Therapie überwiesen. Laut des zuweisenden Kollegen (sowie des ca. 11-jährigen Patienten und Eltern) stellte sich die Situation (anamnestisch) wie folgt dar:

“                                                                                                                                             

  • Z.n. Trauma beim Fußballspielen vor mehreren Wochen; danach habe sich Zahn 12 einige Tage “wie Gummi” angefühlt
  • Aktuell jetzt Taschenabszess Regio 12 mit Sondierungstiefe bis zum „Anschlag“.
  • Radiologisch ausgedehnte Osteolyse zwischen 12 und 53
  • Der Abszess wurde gestern und heute über die Tasche mit CHX gespült, daraufhin war die Schwellung rückläufig. 
  • Der Patient  nimmt seit gestern Isocillin Saft.

Folgende Befunde und Therapievorschläge merkte der Zuweiser an:

  • „Im Zahnfilm meine ich eine Querfraktur an 12 zu erkennen
  • Im OPT sieht Zahn 53 frakturiert aus
  • Vielleicht erst mal 53 raus machen und abwarten? Wäre natürlich besser, wenn dieser die Ursache wäre, aber die buccale Knochenwand über dem 12 ist vollständig aufgelöst….
Hier die Röntgenaufnahmen der entsprechenden Situation:

Klinisch ergab die Erstuntersuchung der Region bei uns als „Besonderheiten“ einzig negative Sensibilitätstests an den Zähnen 53 und 12. Alle anderen Befunde waren zum Untersuchungszeitpunkt unauffällig…

Was also tun?

Wie lautet die Diagnose und wie sehe Ihre Therapie aus ?

Letzte Ausfahrt „Regeneration“

von Ronald Wecker

im Herbst 2011 kam dieser Patient zum ersten Mal in unsere Praxis. 3 Jahre nach horizontaler Wurzelfraktur beider mittlerer Oberkiefer-Inzisivi. Die Ausgangssituation wurde hier bereits eingestellt.

Mittlerweile konnten beide Zähne initial behandelt werden. Die lange Zeit bestehenden Fistelungen heilten bereits 1 Woche nach Erstbehandlung ab.

Im Vorfeld der Behandlung wurden mit der Mutter des Patienten zwei Vorgehensweisen erörtert.

1. Nach ultraschallunterstützter Irrigation (NaOCl ) eine Einlage mit CaOH2 bis zur Abheilung der Fistelungen und anschliessende Obturation des koronalen Wurzelanteiles mit MTA.  Beide Zähne könnten vorhersagbar in je zwei Behandlungssitzungen versorgt werden.

Für den schon bei der Erstvorstellung sehr ängstlichen kleinen Patienten (9 Jahre) schien dies zunächst das Vorgehen der Wahl zu sein. Als Nachteil ist zu nennen, dass es dabei mit Sicherheit zu keinem weiteren Wurzeldickenwachstum kommen würde. Angesichts der dünnen Wurzelwände und der daher stark erhöhten Frakturgefahr war es fraglich, ob so das primäre Behandlungsziel, die Zähne bis zum 18. Lebensjahr zu erhalten, erreicht werden würde.

2. Nach ultraschallunterstützer Irrigation mit NaOCl Einlage eines Antibiotikamixes bis zur Abheilung der Fistelungen und Versuch einer Regenerationstherapie. Verläuft diese erfolgreich, so ist mittelfristig mit einem Wurzeldickenwachstum und einer geringeren Frakturgefahr zu rechnen. Als Nachteil ist zu nennen, dass bei einem Fehlschlag dieser Therapie je Zahn ein weiterer Behandlungstermin erforderlich wäre. (Obturation mit MTA wie unter 1.)

Ausserdem ist das „Kreieren“ des Blutkoagulums, das Abdecken desselben mit einer Kollagenmembran und die Erstellung eines MTA Verschlusses technisch aufwendig und aufgrund der Notwendigkeit mit einem Anästhetikum ohne Vasokonstringens zu arbeiten einem gewissen Zeitdruck ausgesetzt. Bei einem Patienten mit unsicherer Compliance zudem dem Risiko eines Behandlungsabbruches unterworfen.

Gemeinsam mit der Mutter wurde verabredet, die Therapie von der „Mitarbeit“ des Patienten abhängig zu machen.

Nachdem die Anästhesie und das Anlegen des Kofferdams an 21 problemlos gelang wurde nach ultraschallunterstützter Irrigation das in Kapseln vorgehaltene Antibiotikumpulver mit steriler Kochsalzlösung angemischt und per Centrix-Kanüle blasenfrei in den Kanal eingebracht. Der Verschluss der Zugangskavität erfolgte adhäsiv.

Zur Behandlung des zweiten Zahnes war die Fistelung an 21 bereits abgeheilt. Die Erstbehandlung von 11 wurde in gleicher Weise wie bei 21 durchgeführt. Auch hier heilte die Fistelung innerhalb einer Woche ab.

Im dritten Termin wurde versucht entsprechend dem von Prof. Kenneth Hargreaves (San Antonio, Texas) auf der 10. DGEndo-Jahrestagung in Berlin vorgestellten Regenerationsverfahren Stammzellen aus der apikalen Papille bzw. der Hertwig’schen Epithelscheide dazu zu bewegen ein Wurzeldickenwachstum zu initiieren.

Wichtig dabei ist, dass weder eine Einlage mit CaOH2 erfolgt, noch mit CHX gespült wird, da diese Agentien Stammzellen schädigen können. Während in der ersten Sitzung nur mit NaOCl gespült wird, empfiehlt Prof. Hargraves in der 2. Sitzung nur EDTA einzusetzen.

Mittels eines Microopeners wird nach dem Entfernen der medikamentösen Einlage eine Blutung aus der Periapikalregion provoziert. Bei Verwenden eines vasokonstringensfreien Anästhetikums lässt sich dies einfach bewerkstelligen. Nunmehr wartet man das Ansteigen der „Blutsäule“ bis zur Schmelzzementgrenze ab. Nach wenigen Minuten beginnt die Koagulation.

In der Zwischenzeit kann eine etwas 0,5- 0,7 mm dünne Kollagen-„abdeckung“ zugeschnitten werden, die wie ein Deckel auf das Koagulum plaziert wird . Nach kurzer Zeit ist sie mit Blut gesättigt. Nun wird der koronale Abschluss mit MTA hergestellt. Die Kontrolle überschüssiger Flüssigkeit ist von großer Bedeutung, da es ansonsten zu einer starken Verdünnung des MTA und einem Wegschwemmen desselben kommt.

Nach Aushärtung des MTA (hier, MTA Angelus) erfolgt der dentinadhäsive Verschluss unter Verwendung eines Glasfaserstiftes als Makrofüller.

Die nachfolgenden Kontrollen werden zeigen, ob es wie beabsichtigt zu einem weiteren Wurzeldickenwachstum kommen wird.

Warme Guttapercha …

von Ronald Wecker

… scheint für Zähne mit nicht abgeschlossenem Wurzelwachstum ein wenig optimales Füllmaterial zu sein.

Erstvorstellung des 9-jährigen Patienten ca. 5 Monate nach komplizierter Kronenfraktur und Sofortversorgung mit Vitalexstirpation, Wurzelfüllung in Warmfülltechnik und Kompositaufbau in einer auf Kinderbehandlung spezialisierten Praxis.

3 Wochen nach der Wurzelfüllung trat erstmals eine labial gelegene Fistelung auf. Eine daraufhin verordnete systemische Antibiose führte zu einer geringen Verbesserung der klinischen Beschwerden. Die Fistel persistierte. Als Behandlungsoption wurde den Eltern die Resektion der Wurzel von Zahn 21 empfohlen.

Das vorhandene Wurzelfüllmaterial war großvolumig in Sealer eingebettet. Aufgrund einem raschen Abklingen der Anästhesiewirkung gelang es in der ersten Sitzung nicht das Obturationsmaterial vollständig aus dem Kanal zu entfernen. Ein Passieren der Guttapercha war jedoch möglich.

Dennoch war die Fistelung zu Beginn der zweiten Behandlungssitzung abgeheilt.

Nach vielen Versuchen gelang es in dieser Sitzung den Großteil des stark mit dem periapikalen Gewebe verbackenen Wurzelfüllmaterials zu entfernen. Kleine Reste konnten nicht visualisiert und auch nicht „blind“ geangelt werden.

Trotz dem Anlegen eines periapikalen Widerlagers aus Kollagen konnte eine geringe Extrusion des MTA nicht verhindert werden. Nach der Obturation wurde die Zugangskavität nach Insertion eines Quarzfaserstiftes adhäsiv verschlossen.

Die radiologischen Recalls werden zeigen ob der anfängliche Behandlungserfolg von langfristiger Dauer ist.

Dental Traumatology – freebie

von Christoph Kaaden

dem Hinweis von Marc Semper verdanke ich den heutigen Blogbeitrag.

Er war es, der mich darauf aufmerksam machte, dass die aktuelle Ausgabe des Journals Dental Traumatology frei zugänglich ist und die entsprechenden Artikel kostenfrei heruntergeladen werden können.

Hauptthemen sind aktuelle Empfehlungen zur dentalen Traumatologie sowie der regenerativen Endodontologie.

Zu finden ist das Ganze hier.

Danke Marc für den Hinweis

:-)

vor 7 Jahren

von Bodald Wecker

Vor 7 Jahren kam der Junge mit der Schneidekante seines 11 in der Hand zu mir in die Praxis. Sein Blick war etwas betrübt, der der Mutter eher verzweifelt.

Diagnose: Schneidekantenfraktur, keine Plupabeteiligung
klinisch nur eine minimale Lockerung, röntgenologisch keine Fraktur zu erkennen.

In der Praxis mit vollen Terminplan freut man sich dann nur bedingt, wenn solche Fälle dazwischengeschoben werden müssen. Das Schöne allerdings war, dass es nur ein Fragment war, und das liess sich exakt reponieren.

Also das Fragment gewässert, Anästhesie (im Foramen infraorbitale ein kleines Depot, dann springt indem der 12-jährige nicht an die Decke, wenn man direkt am oberen Einer infiltriert), Kofferdam, Zahn und Fragment am Schmelz geätzt, mit Syntac (jetzt classic, damals nur Syntac) Primer, Adhesive, Heliobond und einem Tropfen Tetric Flow beschickt und zusammengeführt, was zusammen gehört.
40 sek. Licht und die Überschüsse entfernt und poliert.

Nach der Behandlung hat der Junge wieder gestrahlt, die Mutter war noch skeptisch.

Und heute, nach 7 Jahren, sieht es so aus:

Die Klebestelle ist nach Lufttrockung und guter Beleuchtung eindeutig zu erkennen.
Aber auch nur da, im normalen Leben ist nichts davon zu erkennen. Ich schätze, das eine oder andere Jahr wird es noch halten.

Mittlerweile dufte der skeptische Blick der Mutter wieder vergangen sein ;-)

2D vs. 3D (X)

von Ronald Wecker

Nachfolgender Patient stellte sich 15 Jahre nach einer traumatischen Zahnverletzung an 21 in unserer Praxis vor. Der Zahn wurde damals 10 – 14 Tage nach dem Trauma in einer Sitzung sowohl von ortho- als auch von retrograd endodontisch behandelt. Seitdem war der Zahn beschwerdefrei.

Klinisch ist der Zahn vollkommen unauffällig. Der Klopfschall ist normal, ebenso Beweglichkeit als auch Sondierungstiefen. Es fehlen Perkussionsempfindlichkeit,  palpatorische Druckdolenz, Fistelung als auch Schwellung. Es fällt lediglich eine geringfügige Diskoloration der klinischen Krone auf.

Das vor kurzem alio loco angefertigte digitale Einzelbild zeigt folgenden Befund:

Auf einer, allerdings nur analog zur Verfügung stehenden, Röntgenaufnahme aus dem Jahr 2003 zeigt sich die Wurzelfüllung von koronal nach apikal vollkommen durchgängig.

Nachfolgend 2 Ausschnitte aus dem angefertigten DVT.

Die erste Abbildung zeigt einen Sagittal- und einen Frontalschnitt durch die Mitte der Wurzelfüllung. Horizontal liegt die Schnittebene etwas oberhalb der apikal vorhandenen Obturationsmasse.

In der zweiten Abbildung befindet der Sagitall-Schnitt distal und der Frontal-Schnitt distal der Wurzelfüllung. Der Horizontal-Schnitt liegt unverändert.

Frontzahntrauma – Wurzelkanalbehandlung: Ja oder Nein ?

von Stefan Verch

Befund:
Junge, 10,5 Jahre alt:
FZ Trauma 1,5 Jahre zuvor: schwere Intrusion, so daß 21 völlig und 11 fast unter Gingiva verschwunden
Rotation 11,21 um 90 Grad
21 und 11 tiefe Kronenfraktur ohne Pulpenexposition

Therapie bis heute:
Spontandurchbruch 11
Danach Freilegung (Laser) 21 und Brackettklebung an 21 und 11 und kieferorthopädische Extrusion
21 und 11 stehen derotiert und nahezu harmonisch im Zahnbogen
11 EPT positiv – 21 EPT negativ
Keinerlei klinische Beschwerden ( Fistel/Schnerzen usw.)

Keine unterschiedliche Colorierungen 21,11

Rö-Befund:
PAR- Spalt scheinbar durchgehend
Keine Anzeichen für Resorptionen
Dezente Dentin Verengung des Orificiums 21
Normale Wurzellängen

Therapiemöglichkeiten:
• WKB 21 , weil nach 1,5 Jahren die Vitalität nicht wiedergekommen sein kann bei einer derartig heftigen Intrusion
• 21 ist Sensibiltitäts negativ; die Vitalität ist aufgrund der verschiedenen Indizien(keine Verfärbung, keine klinischen Problem, Dentinneubildung Orificiumbereich, keine Resorptionen) wohl positiv: es ist von einer natürlichen Revaskularisierung auszugehen: daher Recall Röntgen jährlich und zuwarten.

Durchgeführte Therapie:
Die immer noch bestehenden Kronenfrakturen sollen zeitnah mit Komposit rekonstruiert werden; 21 hat mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Vitalität, die durch Revaskularisierung nach der schweren Intrusion durch das weite Foramen apicale wiederhergestellt wurde.

2011 – Das Jahr des DVT

von Bostidald Wucker

Das beeindruckendste Bild des Jahres 2011 aus meiner Praxis möchte ich kurz vor Weihnachten vorstellen. Die Patientin stellte sich mit akuten Beschwerden in unserer Sprechstunde vor.

Zustand nach Trauma vor einigen Jahren mit Kronenfraktur und folgender Wurzelbehandlung. Das damals angeklebte Zahnfragment brach in Folge eines erneuten Zahnunfalls ab und wurde wieder adhäsiv reponiert.

Kurz danach traten Beschwerden auf.
Zudem zeigte sich ein rötliche Verfärbung unter dem Fragment.
Die Sondierungstiefen waren erhöht, mesiolabial 6mm, labial 6mm, distolabial 3mm, distopaltinal, palatinal 3mm, mesiopalatinal 5mm.
Klopfschall unauffällig.
Perkussionsschmerz war lateral und inzisal vorhanden und im Vestibulum zeigte sich eine Fistel.

Eine endodontische Notfallbehandlung mit Entfernung des Wurzelfüllmaterials und Einlage von CaOH2 zeigte keine Besserung der Symptomatik bei fortbestehender Fistelbildung.

Ein nun angefertigtes DVT zeigte die teilweise Absprengung eines Wurzelzementfragmentes.
Die Fistelbildung könnte nun möglicherweise Ursache einer parodontalen Infektion im Fragmentspalt sein.

Über den weiteren Verlauf in diesem Fall werden wir 2012  berichten.

Zwei unterschiedliche Aussagen

von Bodald Necker

„…ein Schmerzpatient ist noch da! Schneidekantenaufbau.“, war die Antwort meiner Helferin auf die Frage, ob für heute Schluss sei.

Der 15-Jährige hat gesagt, er sei gestern Abend daheim gestürzt. Auf den Boden. Holzboden.

Intraorale Befunde:
Die Schneidekanten an 11 und 21 fehlen. Komplizierte Fraktur, an beiden Einsern war jeweils die Pulpa an zwei Stellen eröffnet. Die komplette OK-Front hatte Lockerung 0 bis 1, keine Dislokationen, keine sichtbare Blutung oder Hämatome. Keine pathologischen Sondierungstiefen. Saubere Bruchkanten, kaum lose Schmelzlamellen, keine erkennbaren Schmelzrisse. Keine Schmerzen, ausser bei Berührung oder thermisch/chemischen Reiz der Dentinwunde.

Extraoral:
Keinerlei Traumata erkennbar. Weder an Nase, Lippen noch am Kinn irgendwelche Aufschürfungen, Schwellungen oder Hämatome.

Röntgenbefund:
Hartsubstanzverlust im Bereich der Schneidekanten, keine Hinweis auf Bruchspalt oder Dislokation, PA-Spalt evtl. bei 11 leicht vergrössert. Wurzelwachstum abgeschlossen.
Das Trauma muss sehr genau und direkt, ohne Lippenbeteiligung, kurz und fest auf die Zähne gewirkt haben. Der Sturz, wie ihn der Jugendliche beschrieben hatte, kann so eigentlich nicht Ursache der Fraktur gewesen sein.

Das war jetzt jedenfalls egal, momentan stand die Rettung der Zähne im Vordergrund.

Auf die Frage, ob er die abgebrochenen Stücke noch hätte, zog er ein Tupperdöschen aus der Hosentasche. Darin waren zwei Schneidekanten. Komplett. Auch ohne Schmelzrisse. Diese wanderten als erstes in die Zahnrettungsbox zur Rehydrierung.

Vorgehen:

  • Anästhesie
  • Kofferdam
  • Desinfektion der Bruchstellen mit NaOCl
  • Zurückschleifen der überstehenden Pulpa mit einem Diamanten
  • ausgiebige Spülung mit NaOCl
  • Auftragen von MTA weiss
  • Fixierung dessen mit Harvard-Zement
  • Entfernung von Zementüberschüssen und lockerer Schmelzkristalle mit dem Sandstahler
  • Konditionierung der Bruchstellen mit Phosphorsäure
  • Bonden, Überschüsse verblasen und aushärten
  • Auftragen eine dünnen Schicht Flow-Komposit
  • Reponieren der Fragmente
  • Entferung von Überschuss und Lichthärten
  • Entfernung des restl. Überschusses
  • WV am nächsten Tag zur Kontrolle

Was folgt sind regelmässige Sensibilitätskontrollen.
Die Prognose ist als gut einzuschätzen.

Nach der Behandlung hat mich sein Vater gefragt, ob sein Sohn mir erzählt habe, wie es passiert sei, denn dieser habe letzte Nacht bei einem Freund übernachtet und sei morgens mit den Schneidekanten in Tasche nach Hause gekommen.

Da haben wir doch zwei verschiedene Aussagen zum selben Trauma.

Mein Verdacht: aus der Flasche getrunken, und dabei einen Schlag auf die Flasche bekommen. Spätestens bei der nächsten Nachkontrolle, werden wir es herausbekommen, was wirklich war.

Dies war jetzt ein „einfaches Trauma“, also eines, mit dem man öfters im Praxisalltag konfrontiert wird. Trotzdem kann ein Blick auf den „Spickzettel“ nicht schaden, und sei es nur um ein sichereres Gefühl zu haben.

Eine ganz dicke Empfehlung an dieser Stelle ist – mal wieder – der Dental Trauma Guide von Jens Ove Andreasen, Kopenhagen.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Ein Unglück …

von Ronald Wecker

… kommt bekanntlich selten allein.

Selten allerdings auch, dass dasselbe Unglück gleich zweimal kommt.

9-jähriger Patient, Erstvorstellung vor 5 Wochen einige Monate nach Frontzahntrauma mit komplizierter Kronenfraktur. Alio loco wurde unmittelbar nach dem Trauma zunächst nur das koronale Schmelzfragment adhäsiv befestigt. Einige Wochen später wurde dort, nach Auftreten von Perkussionsbeschwerden das Pulpakavum eröffnet und ein nicht röntgenopakes Medikament eingebracht.

Die Erstvorstellung in unserer Praxis erfolgt aufgrund zunehmender palpatorischer Druckdolenz vestibulär. In einer ersten Behandlungssitzung erfolgte die Optimierung der Zugangskavität sowie die initiale chemomechanische Aufbereitung.

Apikal zeigte sich stark blutendes Gewebe, sodass das CaOH2 nicht bis zum Foramen apikale eingebracht werden konnte.

In der zweiten Behandlungssitzung konnte das noch intrakanalär befindliche Gewebe entfernt und das Kanalsystem mit MTA obturiert werden. Der koronale Anteil des Kanals wurde unter Verwendung eines Quarzfasertstiftes adhäsiv verschlossen.

Die Überraschung für mich kam 4 Wochen später als ich den Namen des Patienten erneut mit dem Vermerk „Frontzahntrauma Zahn 21“ im Tagesplan erblickte. Nach Sturz zu Hause war es zu einer erneuten Fraktur des koronalen Zahnfragmentes gekommen.

Das angefertigte Röntgenbild ergab keinen Hinweis auf eine Fraktur, klinisch war der Zahn symptomlos.

Das mitgebrachte Fragment wurde daraufhin nach 20-minütiger Wässerung und Abstrahlen der Bruchflächen mit Aluminiumoxid dentinadhäsiv wiederbefestigt. Es ist zu erwarten, dass sich die durch die dreitägige Trockenlagerung entstandene „Aufhellung“ des Fragmentes in den nächsten Wochen wieder zurückbilden wird.

(Kommender) Misserfolg du Jour (2) – Update

von Bonald Decker

Obgleich wir bereits im Juni 2011 davon ausgegangen waren, dass die damals hier vorgestellte Therapie der traumatischen Zahnverletzungen des 11 jährigen Niklas letztendlich in einem Misserfolg enden würde, betrübt uns die aktuell gewonnene Gewissheit nichtsdestotrotz.

Hier die Röntgenbilder der letzten Monate…
Während Zahn 11 eine zunehmende Ersatzresorption erkennen lässt (und somit spätestens mittelfristig eine schlechte Prognose aufweist), hat sich die Situation bei Zahn 21 in den letzten drei Monaten drastisch verschlechtert.

Leider!

Folgendes Procedere ist daher nun vorgesehen:

  • Kurzfristig: Extraktion  (beider Fragmente) von Zahn 21 mit nachfolgendem Interimsersatz (im Rahmen der KfO-Behandlung)
  • Mittelfristig: Wahrscheinlich Dekoronation von Zahn 11 bei fortschreitender Ersatzresorption und zunehmender Infraoklussion

Trauma-Erstversorgung – Wunsch und Wirklichkeit

von Ronald Wecker

Zwei Fälle von dieser Woche die einen ins Nachdenken bringen und mir exemplarisch für den Zustand der Trauma-Erstversorgung in unserem Land zu stehen scheinen.

Fall1:

Zustand 7 Wochen nach Fahrradunfall und chirurgischer Versorgung in einer Universitätsklinik. Vollständige Fraktur des Unterkiefers in Regio 31 mit Avulsion des Zahnes 31, Längsfraktur des Zahnes 15 (dieser wurde am Unfalltag entfernt) sowie einer Reihe unkomplizierter Kronenfrakturen im Front- und Seitenzahnbereich beider Kiefer. Die Reposition der Fragmente erscheint nicht vollständig gelungen zu sein.

Klinisch imponiert ein knöcherner Sequester im Bereich des avulsierten Zahnes 31.

Auf Nachfrage berichtet der Patient, dass es vor einem Tag eine Nachkontrolle gegeben hatte. Seine Frage was denn mit dem Sequester geschehen müsse wurde mit einem „da muss sich Ihr Zahnarzt kümmern“ beantwortet. Da war selbst ich sprachlos.

Auf die Versorgungsnotwendigkeit der multiplen unkomplizierten Kronenfrakturen mit zum Teil erheblichen Dentinfreilegungen ist zu keiner Zeit hingewiesen worden. Eine regelmässige Sensibilitätskontrolle der teilfrakturierten Zähne erfolgte nicht.

Fall 2:

9-jährige Patientin nach komplizierter Kronenfraktur an 21 vor ca. 8 Monaten. Die Erstversorgung in einer auf Kinderbehandlung spezialisierten Praxis erfolgte noch am Unfalltag: Inhomoge Obturation mit Extrusion in den Periapikalbereich und dentinadhäsiver Aufbau.

Seit 2 Wochen zeigt sich eine bukkale Fistelung, die 9mm tief verfolgbar ist. Radiologisch imponiert eine lateral der Wurzel gelegene Aufhellung.

Die den Eltern alio loco gegebene Therapieempfehlung lautet: Wurzelspitzenresektion.

Wünschenwert wäre, wenn die Kenntnise über eine adäquate Erstversorgung nach traumatischen Zahnverletzungen und die in der Folge durchzuführenden Behandlungsmassnahmen eine größere Verbreitung erfahren würden. Der hier schon mehrfach erwähnte DentalTraumaGuide ist eine der einfachsten Möglichkeiten sich zu auf den aktuellen Wissenstand zu bringen.

Die Wirklichkeit sieht – leider- anders aus.

Sturz mit Folgen

von Ronald Wecker

Der siebenjährige Patient glitt bei einem Schwimmbadbesuch aus ca. 2 Meter Höhe von der Sprungbrettleiter ab und schlug ungebremst mit dem Kinn auf. In der Folge kam es zu einer lingual gelegenen Sagittalfraktur des Unterkieferkörpers im Bereich des Zahnes 41.

Aufgrund der anhaltenden starken Beschwerden im Bereich des Unterkiefers wurde der kleine Patient stationär aufgenommen und ein CT angefertigt.

Aus den Beschreibungen der Mutter liess sich für Zahn 41 zumindest eine Subluxation ableiten. Eine gingivale Blutung und eine Beweglichkeit des Zahnes 41 war zu beobachten.

Die chirurgische Behandlung erfolgte in einer großen deutschen MKG-Klinik. Neben einer Osteosyntheseplatte wurden Ober-und Unterkiefer nach Schienung über intermaxilläre Gummizüge ruhig gestellt.

4 Wochen nach dem Sturz stellte sich der Patient bei uns vor:

Das Erstellen eines aussagekräftigen Einzelbildes wird durch die lingual gelegene Osteosysntheseplatte erschwert. Der Apikalbereich von 41 ist aufgrund einer Überlagerung nicht eindeutig zu beurteilen. Aufgrund der noch sehr geringen Mundöffnung gestaltete sich zudem die Positionierung des digitalen Röntgensensors als äussert schwierig.

Klinisch zeigen mit Ausnahme von Zahn 41 alle Frontzähne des Ober- und des Unterkiefers eine eindeutige Kaltsensibilität.

Zahn 41 ist weder auf Kälte noch auf elektrischen Stimulus sensibel. Der Zahn ist weder perkussionsempfindlich noch beweglich. Die Sondierungstiefen liegen innerhalb physiologischer Grenzen. Der Klopfschall ist normal, der Zahn ist nicht diskoloriert.

Nach der Materialentfernung in 8 Wochen wird ein erneuter elektrischer Sensibilitätstest und gegebenenfalls ein weiteres Einzelbild Aufschluss über die zu ergreifenden therapeutischen Massnahmen geben.

Eine Entfernung des im Bruchspalt stehenden Zahnes 41 ist nicht zwingend indiziert.

Weitere Informationen gibt es hier.

Traurig … (2)

von Jörg Schröder

Es scheint die Woche der Trauma-Fälle zu sein.

Vor einer Woche hatte ich an dieser Stelle die Röntgenbilder einer jungen Patientin 3 Jahre nach horizontaler Wurzelfraktur der beiden zentralen Inzisiven eingestellt.

Heute wieder ein Fall, der zeigt, welche dramatische Folgen eine nicht adäquate Initialtherapie in Kombination mit einem nicht erfolgten Follow-Up haben kann.

1998 kam es bei der damals 9-jährigen Patientin in Folge eines Sportunfalls zu einer Luxationsverletzung der Zähne 12-22. Die Zähne 11 und 22 zeigten zudem unkomplizierte Kronenfrakturen. Nach Entfernung der posttraumatisch durchgeführten Schienung erfolgten keine weiteren klinischen Kontrollen.

Im Jahr 2002 kam es an den Zähnen 12 und 22 zu Fistelungen und Schwellungen im Vestibulum. Die Therapie bestand in einer intraoperativ durchgeführten orthograden Wurzelfüllung mit anschliesender Resktion der Wurzelspitzen beider Zähne. Im Röntgenbefund der Universitätsklinik werden die Resorptionserscheinungen an den Zähnen 11 und 21 erwähnt. Eine Therapieempfehlung blieb aus.

Die nunmehr 23-jährige Patientin stellte diese Woche sich mit folgendem Röntgenbefund vor.

Die Zähne 21 und 11 zeigen klinisch ausgedehnte subgingival gelegene externe Resorptionen. Zahn 22 weist mesial eine 5 mm tiefe Rezession und eine Sondierungstiefe von weiteren 5 mm auf. Zahn 12 ist alio loco trepaniert und nach Entfernung der bestehenden Wurzelfüllung mit einer medikamentösen Einlage versehen worden.

Zahn 21 ist nicht erhaltungsfähig, 11 aufgrund der ebenfalls weit vorangeschrittenen palatinalen Wurzelresorption mehr als fraglich, Zahn 22 ist ästhetisch mehr als suboptimal. Nur 12 scheint einigermassen vorhersagbar therapierbar zu sein.

Traurig.

Das alio loco angefertigte DVT lässt den Erhalt der Zähne 11-22 als nicht sehr wahrscheinlich erscheinen.


Traurig …

von Jörg Schröder

… wird mir um’s Herz wenn Patienten wie diese Jahre nach einer nicht adäquat behandelten traumatischen Zahnverletzung zur Beratung kommen.

Anamnestisch zeigt sich dabei immer wieder, dass das minimale Basiswissen zur Behandlung traumatischer Verletzungen der Zähne und des Alveolarfortsatzes keine allgemeine Verbreitung gefunden hat.

Wie sollte es sonst zu erklären sein, dass die Mutter der hier vorgestellten kleinen Patientin (9 Jahre alt) angibt, dass ausser einer Konsultation am Tag des Unfalls und dem Rat die Zähne zu schonen keine Therapie der nach einem Sturz deutlich dislozierten und stark beweglichen Zähne 21 und 11 keine weitere Therapie oder Nachkontrolle erfolgte.

3 Jahre nach einer offensichtlich erlittenen horizontalen Wurzelfraktur der Zähne 21 und 11 zeigen sich die apikalen Fragmente mit fast durchgängigem Parodontalspalt und vorangeschrittenem Wurzeldickenwachstum, während die koronalen Fragmente deutliche Zeichen einer chronischen apikalen Parodontitis aufweisen.

Die Zähne 21 und 11 zeigen weder auf Kälte noch auf elektrischen Reiz eine Sensibilität. Es gibt keine Lockerung, keine erhöhten Sondierungstiefen, keine Schwellungen oder palpatorische Druckdolenzen. Der Klopfschall ist normal.

Einfachste Massnahmen wie im DentalTraumaGuide beschrieben und für jedermann nachzulesen hätten die Prognose dieser Zähne erheblich verbessern können. Das koronale Fragment hätte reponiert und bei Frakturen im mittleren oder unteren Wurzeldrittel für die Dauer von 4 Wochen semirigide geschient werden sollen.

Anschliessend erfolgen klinische und radiologische Kontrollen 4 Wochen, 6-8 Wochen, 4 Monate, 6 Monate, 1 Jahr und 5 Jahre.

Bei nicht abgeschlossenem Wurzelwachstum besteht nach 3 Monaten immerhin ein mehr als 50%-iges Risiko einer Pulpanekrose bei vorangegangener lateraler Dislokation. Nach 12 Monaten beträgt die Wahrscheinlichkeit einer Pulpanekrose bereits 75%. Ob die entzündlich bedingten Resorptionen der koronalen Fragmente durch eine endodontiche Behandlung noch zum Stillstand gebracht werden können ist unsicher.

Und wenn nicht, nimmt das Drama seinen Lauf. Traurig.

Kanonenrohre (I)

von Bonald Decker

Meinen ganz persönlichen „Glauben“ daran, was durch endodontische Behandlungen im Sinne der Zahnerhaltung auch scheinbar hoffnungsloser Zähne möglich ist, habe ich vor einigen Jahren u.a. bei diesem „Ofenrohr-Fall„gefunden“. Das war vor circa sechs Jahren.

Aber allen endodontischen Bemühungen sind natürlich auch Grenzen gesetzt… selbst wenn man es noch so sehr „versucht“…

Nachfolgend möchte ich den ersten Teil einer Revisionsbehandlung vorstellen, die aktuell von uns durchgeführt wird. Dieser Fall trägt intern den Arbeitstitel „Kanonenrohre“ (wahlweise auch „E.T.“-Fall). Insbesondere beim Blick der klinischen Bilder werden Sie wissen, warum… ;-)

Ich bin auf Ihre Kommentare und Anmerkungen in diesem Fall _sehr_ gespannt. Macht ein Revision in Ihren Augen Sinn? Würden Sie es „versuchen“? Was würden Sie machen, wenn es Ihre Zähne wären?

Tatsächlich habe ich bis dato ein mässig gutes Gefühl bei dieser Therapie und sehe die Prognose dieser Zähne langfristig als suboptimal an…

aber in diesem Fall gibt es eine zusätzliche Hintergrundgeschichte.

Diese beiden Zähne „gehören“ nämlich zu einem Patienten, der selber Zahnarzt  (genauer gesagt Prothetiker) ist. Und trotz moderner Implantat-Techniken hat er den innigen Wunsch der Zahnerhaltung mit allen Mitteln…

kurz zur Anamnese dieses Falles:

  • Z.n. Frontzahntrauma im Alter von circa 9 Jahren
  • multiple endodontische „Therapieansätze“ im Laufe der letzten Jahre
  • rezidivierende submuköse Schwellungen Regio 11 & 21
  • z.N. Wurzelspitzenresektion an Zahn 21
  • z.N. mehrmaliger prothetischer Neuversorgung der Zähne 11 & 21

Aktuell fiel klinisch insbesondere eine vestibuläre Fistel  Regio 21 bei normaler Taschensondierungstiefe auf. Radiologisch zeigten beide Zähne eine chronische apikale Parodontitis.

Nach eingehender Beratung und Abwägung der Vor- und Nachteile einer Revision folgten wir dem Wunsch des Patienten nach einem Erhaltungsversuch.

Während die Schrauben aus den Zähnen mühelos entfernt werden konnten stellte sich die weitere Therapie, insbesondere des Zahnes 21, als komplizierter dar…

 mehr dazu im zweiten Teil…

Traumatische Zahnverletzung – 2D & 3D (II)

von Bonald Decker

vor ein paar Tagen haben wir hier über den ersten Teil der Behandlung des jungen Toni berichtet. Nachfolgend möchten wir die 3D-Aufnahmen der Oberkier-Frontzahnregion vorstellen, die das Ausmass der knöchernen Osteolyse eindrucksvoll darstellt…

Vielleicht geht es Ihnen ferner wie uns und Sie sind von der Qualität (und „Zeichengenauigkeit“) dieser neuen DVT-Generation ähnlich beeindruckt

2D vs. 3D (III)

von Ronald Wecker

3 Tage nach einem Sturz auf eine Bordsteinkante stellte sich diese Patientin in unserer Praxis vor. Die ersten zwei Tage verbrachte sie zur Abklärung eines Schädel-Hirn-Traumas stationär in einer Klinik.

Neben dem Verlust einer ca. 40 Jahre alten Stiftkrone an Zahn 11 fiel besonders eine starke Okklusionsstörung im Bereich der Zähne 21 -23 auf.

Zahn 23 zeigt eine kleine Schmelzaussprengung an der mesialen Labialfläche mit deutlichen Spuren des Aufpralls auf die Bordsteinkante. Zahn 23 weist keine Beweglichkeit dafür aber einen metallischen Klopfschall auf. Dies ist ein deutliches Anzeichen einer lateralen oder auch intrusiven Dislokationsverletzung, da es in beiden Fällen zu einer zumindest partiellen Kompression des Parodontalspaltes kommt.

Zahn 22 zeigt eine Beweglichkeit Grad 1, eine Schwellung der palatinalen Gingiva sowie einen normalen Klopfschall. Mesial zeigen sich ebenfalls Spuren des Aufpralles sowie eine unkomplizierte Kronenfraktur.

Zahn 21 ist stärker beweglich (Grad 2), perkussionsempfindlich, zeigt eine ausgeprägte labiale Druckdolenz und weist einen normalen Klopfschall auf.

Zahn 11 hat durch den Aufprall eine Vertikalfraktur erlitten. Die Wucht war so groß, dass es zu einem Verbiegen des Siftaufbaues kam.

Die Zähne 21-23 sind weder kaltsensibel, noch reagieren sie auf einen elektrischen Reiz. Die Zähne 12 und 13 , sowie alle Unterkieferfrontzähne sind kalt- und elektrisch sensibel. Verletzungen der Zahnhartsubstanz liegen nicht vor.

Das zweidimensionale Röntgenbild zeigt keine Hinweise auf eine Horizontalfraktur. Zahn 21 zeigt einen unilateral verbreiterten Parodontalspalt. Bei 23 könnte man eine Intrusion vermuten. Das wahre Ausmass der Verletzungen zeigt sich im DVT.

21 und 22 zeigen beide deutliche Dislokationen sowie Frakturen des labialen Teils des Alveolarfortsatzes. An 23 ist eine geringe Dislokation zu erkennen. Die Vertikalfraktur an Zahn 11 ist in ihrem Verlauf deutlich zu erkennen.

Die Zähne 21-23 werden , da das Wurzelwachstum abgeschlossen ist, bei dieser Art der Verletzung mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit endodontisch behandelt werden müssen, da es in Folge der Dislokation zu einem Abriss des Nerv-Gefässbündels gekommen ist.

Die Zähne 23 -13 wurden in gleicher Sitzung mit einem Titan-Trauma-Splint semirigide geschient. Eine minimale Reposition war noch möglich. Die nach Schienung noch bestehende Okklusionsstörung wurde durch Einschleifen behoben. Die Schienungszeit beträgt aufgrund der Fraktur im Bereich des Alveolarfortsatzes 4 Wochen.

Zahn 11 ist nicht erhaltungsfähig . Es ist geplant ihn nach endodontischer Behandlung der Zähne 21 bis 23 durch ein Einzelimplantat zu ersetzen.

Die Bilder zur durchgeführten Therapie werden hier in den nächsten Wochen eingestellt.

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Sicher ist sicher!

von Ronald Wecker

Die endodontische Therapie unterer Frontzähne hält einige Stolpersteine bereit. Anatomische Variationen, eingeschränkte Sichtverhältnisse, schwieriger Zugang zu den Kanalsystemen sind nur einige Punkte.

Bereits das sichere Verankern des Kofferdams kann bei besonders grazilen Zähnen mit flacher oro-vestibulärer Ausdehnung eine Herausforderung sein. Um das Abhebeln von Butterflyklammern zu verhindern hat Olaf Löffler hier bereits ein Verfahren vorgestellt.

In unserer Praxis kommt zum Erstellen eines Kippmeiders ein schnellhärtendes Bissregistratmaterial (Registrado, Fa. Voco) zum Einsatz.

Da während der Kofferdamapplikation die Orientierung erschwert sein kann und sich sowohl natürliche als auch mit Kronen versorgte untere Frontzähne sehr ähnlich sehen können, markieren wir vor dem Legen des Kofferdams den zu behandelnden Zahn mit einem wasserfesten Filzstift.

Verwechselungen sind damit ausgeschlossen. Wäre nämlich ziemlich unangenehm den falschen Zahn zu trepanieren.

In vorliegendem Fall hatten die unteren Inzisivi aufgrund von Abrasionen ein sehr ähnliches Erscheinungsbild. Die apikale Aufhellung ist Spätfolge eines Frontzahntraumas vor ca. 5 Jahren. Schön zu sehen wie bereits 6 Monate postoperativ eine deutliche Heilungstendenz zu beobachten ist.

Und die Abfolge der Röntgenbilder lässt insbesondere am letzten Bild erkennen, das die Positionierung des Röntgensensors in engen Kieferbögen durch die Verwendung eines Haltersystems verbessert wird.  ;)

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Kleines Trauma

von Bodald Necker

Junge,  12 Jahre. Schwimmbad. Irgendwo war es glatt.
Die komplette Schneidekante am 11 war abgebrochen, die Pulpa gerade nicht eröffnet, Gott sei Dank.
Und die Mutter war so gut, und hat das abgebrochene Fragment gesucht, gefunden, mitgenommen und ist gleich mit ihrem Sohn in die Praxis gekommen.

Wir haben das abgebrochene Stück gewässert, mit Syntac und Tetric-Flow wieder angeklebt.
Die Mutter war überglücklich. Der Sohn auch.

Nach 5 Jahren sieht es so aus.

Der Zahn ist immer noch vital.
Und hält.

Wir sind zufrieden.
Von Sohn und Mutter kamen bis jetzt auch keine Beschwerden.

Spätfolgen eines Frontzahntraumas (2)

von Ronald Wecker

Vor 2 Wochen wurden an dieser Stelle die präoperativ angefertigten Röntgenbilder eines Behandlungsfalles eingestellt, bei dem 18 Jahre nach dem Trauma im Rahmen einer Routineuntersuchung ein resorptives Geschehen diagnostiziert wurde.

Da eine kombiniert chirurgisch/kieferorthopädische Therapie mit Rückverlagerung des Oberkiefers geplant ist, sollte, wenn möglich, eine implantologische „Lösung“ vorerst vermieden werden. Angesichts der nicht exakt abzuschätzenden Dauer der kieferorthopädischen Therapie und eines sehr tiefen Überbisses schieden sowohl das herausnehmbare Provisorium als auch eine adhäsiv befestigte Brücke als Versorgungsform aus.

Die Behandlung erfolgte zweizeitig. Nach Anlegen der Zugangskavität zeigte sich der koronale Anteil der Pulpa vollkommen nekrotisch. Darunter war ein sehr gut durchblutetes Weichgewebe darstellbar, welches nach ausgiebiger ultraschallunterstützter Irrigation mit NaOCl und gleichzeitigem mechanischen Einwirken  (Microopener, Microdebrider) entfernt werden konnte. Es erfolgte das Einbringen von CaOH2 und der dentinadhäsive Verschluss.

Am 2. Termin war die Resorptionslakune vollständig frei von Gewebe, Unter dem Mikroskop konnte apikal der ca. 2,5 mm lange Originalkanal visualiert und instrumentiert werden. Nach der Einprobe des Masterpoints wurde dieser mit einem Skalpell 3 mm von der Spitze entfernt gekürzt, mit wenig Sealer bestrichen und unter Sicht auf der Spitze eines durch Aufbiegen „verlängerten“ Microopeners in den apikalen Kanalanteil eingebracht.

Sodann wurde die Resorptionslakune unter Zuhilfenahme einer Dovgan-MTA-Gun (2,2 mm) mit MTA gefüllt. Um das MTA durch Ultraschallaktivierung in die Lakune einzubringen musste ein schöner S-Kondensor ISO 120 gerade gebogen werden, da der tiefste Punkt der Lakune bei 21 mm lag.

Abschliessend wurde der Zahn unter Verwendung eines Quarzfaserstiftes dentinadhäsiv verschlossen. Die geringe seitliche Extrusion des MTA hat vermutlich keinen nennenswerten Einfluss auf die Prognose und stellt eher eine röntgenästhetische Unzulänglichkeit dar.

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Paradigma und der Wechsel

von Jörg Schröder

Manche Ereignisse gewinnen erst mit etwas Abstand an Bedeutung. Der Vortrag von Prof. Kenneth Hargreaves (San Antonio, Texas) gehört in diese Kategorie. Für mich persönlich war es rückblickend das absolute Fortbildungsglanzlicht der letzten Jahre. Das Wort Paradigmenwechsel wurde auf dieser Jahrestagung häufig verwendet. Verdient hat es in  meinen Augen das von Professor Hargreaves in einem sehr gut gegliederten Vortrag vorgestellte Regenerationsverfahren.

Seit dem späten 18. Jahrhundert verwendet man das Wort „Paradigma“, um damit eine bestimmte wissenschaftliche Denkweise oder eine bestimmte Art der Weltanschauung zu bezeichnen. Ein Paradigmenwechsel wäre also gleichbedeutend mit einem Wechsel der Weltanschauung.

Statt Aufbereiten und Obturieren erscheint es nun möglich, wenn auch vorerst nur in Zähnen mit nicht abgeschlossenem Wurzelwachstum, vitales Gewebe im zuvor desinfizierten Kanalhohlraum entstehen zu lassen und somit ein Fortschreiten des Wurzeldicken- und -längenwachstums zu ermöglichen. Darüber hinaus zeigen viele der so „regenerierten“ Zähne nach 2-3 Jahren wieder eine positive Reaktion auf einen elektrischen Reiz (EPT).

Stammzellen, Wachstumsfaktoren, Zelldifferenzierung, Tissue Engeneering heissen die Schlagworte die unter Umständen in der Lage sind die Zukunft solcher Zähne rosig erscheinen zu lassen.

Spätfolgen eines Frontzahntraumas (1)

von Ronald Wecker

Überwiesener Patient mit Zufallsbefund bei Erstuntersuchung:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Zahn 21 leicht diskoloriert, fehlende Kaltsensibilität, normale Beweglichkeit, normaler Klopfschall, keine Perkussionsempfindlichkeit, keine erhöhten Sondierungstiefen, keine palpatorische Druckdolenz. Auf Befragen erinnerte sich der Patient daran, dass beim Kampfsporttraining vor ca. 18 Jahren der Zahn deutlich lateral disloziert worden war. Ein zufällig anwesender Kollege reponierte den Zahn. Seitdem erfolgte keine weitere Therapie.

Distal exzentrische Aufnahme:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Welche Therapieansätze erscheinen erfolgsversprechend?

Interne Resorption

von Ronald Wecker

Die  Primärbehandlung liegt ca. 8 Jahre zurück. In Folge eines Frontzahntraumas mit komplizierter Kronenfraktur wurde an diesem mittleren Schneidezahn 1 Jahr nach dem Trauma eine tiefe Pulpotomie durchgeführt. Der koronal des vitalen Pulpagewebes gelegene Kanalhohlraum wurde alio loco in lateraler Kompaktion und unter Verwendung von viel Sealer mit Guttapercha gefüllt, der Zahn koronal in Adhäsivtechnik aufgebaut.

Im Rahmen der Versorgung des Zahnes mit einer vollkeramischen Teilkrone wurden Röntgenbilder angefertigt, die im Vergleich zu den regelmässig durchgeführten radiologischen Kontrollen neben einer apikalen Aufhellung und einer anresorbierten Wurzelspitze auch eine kugelige Erweiterung des Kanalhohlraumes im unteren Wurzeldrittel zeigen. Abgesehen von einer geringen achsialen Perkussions-empfindlichkeit lagen keine weiteren klinische Symptome vor.

Nach dem Entfernen der vorhandenen Obturationsmaterialien konnte etwas oberhalb des Foramens im Bereich der kugeligen Kanalerweiterung ein gut vaskularisiertes Weichgewebe dargestellt werden. Unter großvolumiger Spülung mit NaOCl und dem Einsatz von Handinstrumenten konnte das Gewebe entfernt und apikal ein unregelmässiges Foramen mit einem minimalen Durchmesser von ISO 120 dargestellt werden.

Auf eine zweiwöchige Einlage mit CaOH2 erfolgte die Obturation des Kanalsystems mit kollagenem Widerlagers und MTA. Anschliessend wurde der Zahn unter Verwendung eines Quarzfaserstiftes  adhäsiv restauriert.

Unter Berücksichtigung der Anamnese und aller erhobenen Befunde scheint es durch den langandauernden infektiösen Reiz zu einer internen Resorption gekommen sein, die ihren Ausgang im verbliebenen apikalen Pulpastumpf genommen hat.

Die Resorption der Wurzelspitze  hingegen ging von peripikalem Gewebe aus; eine Reaktion wie man sie häufig an Zähnen mit apikalen Parodontitiden findet.

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Akutes Zahntrauma mit Pulpaeröffnung

von Tomas Lang

Der hier vorgestellte Fall ist nunmehr ca. 2,5 Jahre her. Ein Kollege, welcher damals kurz zuvor eine meiner Fortbildungen besucht hatte, rief mich an und bat mich, einen Fall für ihn zu übernehmen.

Der Patient lebt in Afrika mit seinen Eltern und hat sich beim Wasserrutschen auf dem Schulgelände einen Zahn ausgeschlagen. Die Eltern saßen zu der Zeit bereits im Flugzeug auf dem Weg nach Deutschland, da sowohl der lokale Zahnarzt als auch die nächstgelegene Zahnklinik sagten, dass sie nicht die richtigen Materialien zur Versorgung vorrätig hätten.

Und so schlug der damals 8jährige Junge ca. 24h nach dem Unfall in meiner Praxis auf. Zu meiner großen Verwunderung war das herausgeschlagene Zahnfragment in einer Zahnrettungsbox (Dentosafe). Diese hatte die Schule in Afrika vorrätig!

Da die Pulpa seit 24h exponiert war, imponierte bereits eine ödematöse Schwellung mit beginnender oberflächlicher Nekrose. Daher habe ich in diesem Fall eine partielle Pulpotomie durchgeführt.

Die Pulpa wurde anschließend mit MTA überkappt mit Zinkoxid-Phosphat-Zement überschichtet und das koronale Fragment adhäsiv wiederbefestigt. Wie man in dem unteren Video erkennen kann, ist der Junge bei der Behandlung eingeschlafen – war er doch in den letzten 24h in Dauerstress gewesen. Ein besonders erhebender Moment für mich war, als ich ihn nach der Behandlung aufweckte ,ihm den Spiegel gab und sein eigener Zahn wieder hergestellt war.

Mittlerweile ist der kleine Junge gewachsen und war bisher nach einem und zwei Jahren zur Kontrolle erschienen. Der betroffene Zahn ist wieder normal vital und die Apexifikation verläuft regelrecht.

Lediglich, wenn man genau hinschaut, erkennt man das MTA als leicht dunklen Schatten unter der Zahnoberfläche.

Hier würde ich, wenn ich den Fall noch einmal machen könnte, dass weisse MTA verwenden.

Die Versorgung von Traumata ist diffizil und nur erfolgreich, wenn man sofort die richtigen Entscheidungen trifft. Dazu kommt, dass solche Fälle recht selten in der Praxis aufschlagen.

Der Dänische Kollege Ove Andreasen hat daher eine exzellente Homepage zur Entscheidungsfindung aufgestellt, welche zu jedem Traumafall evidenzbasiert die richtige Entscheidungskette vorgibt. Ich kann nur jedem Kollegen empfehlen, vor Therapiebeginn einen Blick auf die Homepage zu werfen.

Frontpage

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Und hier ein Video von der Behandlung.

Horizontale Wurzelfraktur (II)

von Bonald Decker

Im Rahmen der Blogreihe „horizontale Wurzelfraktur“ möchte ich heute den klinischen Fall einer jungen Patientin vorstellen.

Diese 15-Jährige hatte am Tag zuvor ein Frontzahntrauma erlitten. Sie war auf einem Hindernisparcour von ihrem Pferd abgeworfen worden und anschliessend frontal mit dem Gesicht gegen eine Hindernisstange geschlagen.

Bei der am Unfalltag alio loco durchgeführten Notfallbehandlung wurden zunächst die stark nach palatinal dislozierten Zähne 12-21 reponiert und mittels Titan-Trauma-Splint (TTS) geschient. Anschliessend erfolgte die Versorgung der Risswunden mittels Einzelknopfnähte. Da für den Ausschluss möglicher (Mittelgesichts-) Frakturen eine CT-Aufnahme geplant war, wurde bei der Behandlung auf die Anfertigung dentaler Röntgenaufnahmen verzichtet.

Abb.1/2.: Intra- und extraorale Situation ein Tag nach Erstversorgung alio loco

Abb.3/4.: Einzelzahnaufnahmen Regio 13-22 ein Tag nach Erstversorgung alio loco

Bei Betrachtung der von uns angefertigten Einzelzahn-Aufnahmen imponiert neben dem radiologischen Verdacht einer horizontalen Wurzelfraktur an den Zähnen 12-21 eine röntgenopake Substanz im Wurzelkanallumen des Zahnes 11 bei fehlender palatinaler Zugangskavität…

Die Erklärung hierfür lieferte die Auskunft des Erstbehandlers, der angab bei der Erstversorgung den stark dislozierten und extrem gelockerten Zahn 11 komplett aus der Alveole entnommen zu haben, um so extraoral eine Wurzelkanalbehandlung initiieren zu können. Nach Inspektion des Zahnes fiel dann allerdings auf, dass eine horizontale Wurzelfraktur vorlag…im Anschluss wurde daraufhin das pulpale Gewebe „retrograd“ extipiert, das Wurzelkanallumen gespült und dieses schliesslich mit einer medikamentösen Einlage (CA(OH)2) versorgt. Anschliessend wurde der Zahn reponiert und geschient.

Die bestehenden Befunde und Diagnosen sowie die bereits durchgeführten Behandlungen veranlassten uns zu folgendem weiteren Vorgehen:

  • Reevaluation nach 7 Tagen
  • Belassung der Schienung des Zahnes 11 für insgesamt 2 Wochen
  • Anschliessend orthograd durchzuführende Wurzelkanalbehandlung des Zahnes 11 mit MTA-Verschluss der Apikalregion
  • „Herausnahme“ des Zahnes 11 aus dem Schienungsverbundes bei Belassung der Schienung
  • Entfernung der TTS nach 4 Wochen
  • Regelmässige Reevaluation der Zähne 12 und 21 hinsichtlich Sensibilität und klinischer Symptome…

Abb.5/6.: Intra- und extraoral Situation 7 Tage nach Erstversorgung

Abb. 7-9.: Zahn 11: Blick in Wurzelkanallumen nach Trepanation und anschliessendem Verschluss des Neoapex mit MTA

Abb.10/11.: Einzelzahnaufnahmen der Regio 11 intraoperativ (nach medikamentöser Einlage) bzw. postoperativ nach Verschluss des Kanallumens an Zahn 11 mittels MTA, Guttapercha/Sealer sowie adhäsivem Verschluss der Zugangskavität.

Die retrospektive Analyse dieses Falles fällt prinzipiell sehr vielschichtig und umfassend aus, welche den Umfang des heutigen Beitrages ggf. sprengen würde.

Eine Nachbetrachtung ist daher für einen späteren Zeitpunkt geplant… über Kommentare und Anmerkungen zu diesem Fall würde ich mich freuen…

Trauriges Ende

von Ronald Wecker

eines Traumafalles.

Der 10 jährige Patient kam 3 Wochen nachdem in der Notaufnahme die avulsierten Zähne 21 und 22 reponiert und mittels TTS semirigide geschient worden waren erstmalig in unsere Praxis. Die extraorale Verweildauer beider Zähne betrug ca. 40 Minuten.

Die Zähne 11-22 waren nicht sensibel auf Kälte und EPT. 11 hatte zumindest eine Subluxation erfahren und war leicht diskloriert. Die Zähne 11-22 waren achsial perkussionsempfindlich. 12 war beschwerdefrei und reagierte normal auf Kälte und EPT.

Nach Entfernung der TTS wurde zeitnah die endodontische Behandlung der Zähne 21 und 22 eingeleitet, da eine Pulpanekrose bei der Dauer der extraoralen Lagerzeit (ca. 40 Minuten) sehr wahrscheinlich war und Zahn 21 im Apikalbereich bereits Anzeichen einer Resorption vermuten liess.

Nach einer CaOH2-Einlage erfolgte aufgrund der großen Foraminadurchmesser die Obturation mit MTA. Ein periapikales Widerlager wurde nicht angelegt. An 21 kam es bei der ultraschallunterstützten Verdichtung des MTA-Plug zu einer unbeabsichtigten Extrusion von MTA in den Periapikalbereich. Bei der Messaufnahme fällt distal an 22 bereits ein resorptive Veränderung auf.

Klinisch zeigte sich in den folgenden Wochen eine langsam wiederkehrende Sensibilität auf elektrischen Reiz sowie eine Rückbildung der Zahnverfärbung an Zahn 11.

21 imponierte mit einem metallischen Klopfschall, der jedoch beim 3-Monats-Recall vollkommen verschwunden war.

Röntgenologisch erscheint im mittleren Wurzeldrittel von 22 nach 3 Monaten das resorptives Geschehen bereits vergrößert. Das 6-Monats-Recallbild zeigt eine fast vollständige Zerstörung der Wurzel von Zahn 22. Der Bereich des mit MTA gefüllten Apex bleibt davon völlig unberührt.

Ob es eine nur durch das Ausmass der Schädigung der Wurzeloberfläche verursachte Resorption oder eine Kombination aus beschädigter Wurzeloberfläche und Durchbruchsbegehren von Zahn 23 war, wird wohl ein Rätsel bleiben.

Es bleibt zu hoffen, dass Zahn 21 von Ähnlichem verschont bleibt.

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