Reziprok Blue auf Arbeitslänge – die Entfernung.

Bereits bei den Reziprok-Feilen erster Generation kam es vor, dass die Instrumente laut Aussagen der Überweisenden beim ersten Einsatz in einem Kanalsystem auf voller Länge eingebracht fakturierten.

Was, betrachtet man die Zugangskavitäten (primär und sekundär), eher iatrogen als herstellungsbedingt passiert sei dürfte.

Meine Vorgehensweise ist bei auf voller Arbeitslänge fakturierten Instrumenten immer die Kanülentechnik. Ultradent z.B. bietet viele stumpfe Kanülen in verschiedenen Durchmessern an, die sich dafür hervorragend eignen. Die Lasso-Technik mit einer wie auch immer gearteten Drahtschlinge wird wegen des Eingeschraubtseins des Fragmentes nicht von Erfolg gekrönt sein.

Bemerkenswert der Grad der Kontamination unter der temporären Zementfüllung.

Nach dem zirkumferenten Freilegen des in das Pulpakammerkavum hineinragenden Feilenteils wird eine geradeso ohne Klemmung über den koronalen Fragmentanteil passende Kanüle gewählt, die nach erfolgreicher Einprobe mit einem dualhärtendem Komposit gefüllt wird. Wichtig dabei, dass die zum Befüllen genutzte Spritze – auch hier bei mir ein Ultradent-Produkt (Skinny Syringe) nach dem Befüllen von der Kanüle getrennt wird, damit der beim Aufschieben entstehende Überschuss aus dem Luer-Lock-Teil der Kanüle entweichen kann. Ansonsten läuft man Gefahr die Kanüle durch am Fragmenten der Kanüle austretendes Komposit an der späteren Rotation zu hindern.

Wichtig ist immer, die Drehrichtung des Instrumentes zu kennen, welches fakturiert ist, damit dann die eingeklebte Kanüle in die richtige Richtung gedreht wird.

Während sich die Reziprok-Feilen 1. Generation relativ leicht und mit Handkraft lösen lassen, haben die „Blue“-Varianten ein wesentlich höheres Beharrungsvermögen. Der Grund liegt in der wesentlich höheren Flexibilität der BlueFeilen, die bei jedem Loslassen des Luer-Lock-Adapters um Umzugreifen, wieder auf die Ausgangsposition zurückdrehen, weil sich die Feile nicht dreht, sondern im Material verwunden wird. Irgendwann ist dann der Kunststoff der Kanüle ermüdet und reißt ab.

Die Lösung ist der Einsatz zweier gerader Moskito-Klemmen. Nach der ersten halben Drehung wird die erste Klemme fixiert und die zweite Klemme wird angesetzt. Sobald die zweite Klemme fixiert ist, wird die erste gelöst und die zweite wieder gedreht. Dann wiederholt sich dieses Spiel solange, bis die Feile aus dem Kanal herausgedreht wurde. Im Falle einer Reziprok-Feile also rechts herum gedreht.

Glück gehabt

In nachfolgendem Fall kam zugegebenermaßen ein klein wenig Glück hinzu.

Dass das im MB vorhandene Instrumentenfragment nicht leicht zu entfernen sein dürfte war nach Auswertung des DVT schnell klar. Eine leicht gegenläufige s-förmige Krümmung in bukt-lingualer Richtung erhöht die Friktion erheblich.

Geplant war der Einsatz einer Drahtschlinge zu Fragmententfernung. Da MB und ML getrennte Foramina aufwiesen, wurde zunächst der koronale Teil des MB Kanals tropfenförmig in Richtung ML erweitert und das Fragment freigelegt.

Im zweiten Versuch ließ sich das Fragment entfernen, nur leider nicht in toto.

Also unternahm ich den in meinen Augen wahrscheinlich nicht vielversprechenden Versuch das apikale Fragment mittels Handinstrumenten zu passieren. Und hatte Glück! Nachdem die ISO 008 vorbei war, kamen im weiteren Verlauf der Aufbereitung Feilen der Größe 010, 012, 015 und 017 zum Einsatz. Das Passieren wurde radiologisch verifiziert.

Apikal wurden nur Handinstrumente -hier Pro Taper – bis zu einem Durchmesser von 025 verwendet. Die taktile Rückmeldung beim Kontakt mit dem Fragment schützt vor einer erneuten Fraktur.

Nach schall- und laserunterstützter Irrigation wurden die Masterpoints einprobiert und es zeigte sich, dass das Fragment in Länge und Lage verändert erscheint. Kürzer und rotiert. Erklären kann ich es mir nicht so recht, bin aber mit dem Ergebnis dennoch zufrieden.

Die Lehre für mich: Es ist erst vorbei, wenn alle Möglichkeiten ausgeschöpft sind.

Mit Überlegung (3) und Teamarbeit

von Jörg Schröder

Gerade bei der Fragmententfernung gibt das DVT wertvolle Hinweise auf den einzuschlagenden Weg. Wie muss der Zugang modifiziert werden, damit der koronale Fragmentanteil visualisiert werden kann? In welcher Richtung sollte dem Fragment ein „Angebot“ gemacht werden? Welche Entfernungsmethode ist am besten geeignet, dass Fragment vorhersagbar zu entfernen?

Der schwierige Teil in nachfolgendem Fall?

1. Dass es sich um eine Hedströmfeile handelt, die in den meisten Fällen eine gegenüber einem reamerähnlichen Fragment eine erhöhte Friktion erwarten lässt.

2. Die Länge des fakturieren Instrumentes.

3. Das aufgrund der Vorspannung mesial mit etwas Federkraft anliegende Fragment liess sich nach dem ovalen Erweitern des Kanaleinganges nach palatinal bewegen. Und bewegte sich bei der leichtesten Berührung wieder in die Ausgangslage zurück und verhindert somit das verwerfen der Drahtschlinge.

Nach mehreren Versuchen konnte ich den Fragmentkopf mittels Micropener so positionieren, dass ein kleiner Abstand zwischen Dentin und Fragment entstand. Leider hielt der Microopener nicht von alleine. Also habe ich meine Mitarbeiterin gebeten den Microopener zu übernehmen, nachdem ich ihn positioniert hatte. Kübra kontrollierte die Position über den Bildschirm.

Dann hielten wir beide den Atem an. Das Überstreifen gelang im ersten Versuch. Nun musste nur noch die Schlaufe halten. Was sie tat.

Denn noch am nächsten Morgen sprach Kübra noch mit Glitzern in den Augen von gemeinsam erreichten Erfolg!

Hartnäckig

Dieses Attribut kann in vorliegendem Fall gleich zweimal vergeben werden.

Zum einen an die Vorbehandlerin/den Vorbehandler.

Um in einem Kanalsystem 5 Instrumente zu fakturieren bedarf es einer großen Portion Hartnäckigkeit. Denn die jeweils vorangegangenen Instrumente mit weiteren Instrumenten entfernen/passieren zu wollen macht niemand, der schnell aufgibt.

Zum anderen an des letzte der fünf Fragmente.

Diese lag zunächst einladend vor mir, um nach dem nächsten Eddy-Einsatz in Teilen nach periapikal zu rutschen und sich dorthin meinen Bemühungen zu widersetzen, es aus dem MB1 herauszulösen. Bis es dann mittels Microopener zurecht gelegt und nachfolgend mit der Drahtschlinge im ersten Anlauf entfernt werden konnte.

Die Anzahl der Fragmente hatte ich nach 2D- und 3D-Bildauswertung auf mehr als zwei, aber niemals auf fünf eingeschätzt. Umso erstaunter war ich, als ich bei der allfälligen Röntgenkontrolle ein Fragment sah, welches klinisch nicht visualisierbar war. Ich hatte geglaubt, dass das letzte Fragment aus dem MB1herausgeschleudert worden war und ich es nur nicht gefunden hatte. Merke: Immer schön skeptisch bleiben, solange das Fragment nicht gefunden wurde.

Unzufrieden bin ich am Ende nur mit der deutlichen Sealerextrusion im palatinalen Kanal. Der stellte eigentlich so überhaupt keine Schwierigkeit dar. Um so ärgerlicher die Extrusion, die sich trotz sehr gutem Tug-Back ereignete.

 

Blue(s)

Die Farbe Blau steht bei rotierenden Nickel-Titan-Feilen für besonders flexible und bruchresistente Legierungen. Was nicht heißen soll, dass diesen „Blauen“ sich klaglos um jede Ecke bewegen lassen.

So hat der überweisende Kollege sicher den Blues bekommen als zunächst die rNiTi und nachfolgend die zur „Rettung“ eingesetzte Hedströmfeile im MB1 dieses 16 fakturierten.

Die Ursache? Suboptimale Zugangskavität bei abrupter Krümmung des MB1 nach distopalatinal. Und vielleicht war der ausgewählte Querschnitt der Feile, der Kanalanatomie nicht perfekt angepasst.

Meine Vorgehensweise war aufgrund der Auswertung des DVT klar:

Zunächst den nicht aufbereiteten MB2 darstellen. Nachfolgend die Zugangskavität so optimieren, dass das zunächst das bukkale der beiden Fragmente visualisiert werden konnte. Anschliessend den MB1 nach Palatinale hin tropfförmig erweitern, um das deutlich weiter palatinal gelegene Fragment darstellen zu können.

Nunmehr nur noch die Kanäle P, MB2 und DB mit Schaumstoff abdecken und dann die Fragmente mittels Ultraschall mobilisieren.

Da im DVT klar zu erkennen war, dass MB1 und MB2 konfluierten und apikal einen gemeinsamen Verlauf zeigten, wurde zunächst der sehr enge und deutlich gekrümmte MB2 bis zum Formalen instrumentiert.

Nach initialer Erweiterung bis kurz vor die Konfluation mittels ProFiles erfolgte die primäre Erschliessung mit PathFiles. Die finale Aufbereitung wurde mit HyFlex CM durchgeführt.

Das Obturationsergebnis freut mich insbesondere deshalb, weil der für die lateral vorhandene Aufhellung verantwortliche Seitenkanal obturiert werden konnte.

Praxistauglicher Kompromiss

von Jörg Schröder

Vergangenen Freitag hatte ich hier drei Fälle vorgestellt, bei denen die eigene Diagnostik Komplikationen zu Tage förderte, die in den Überweisungsformularen keine Erwähnung gefunden hatten.

In den nächsten Beiträgen möchte ich nun die Dokumentation der klinischen Behandlung einstellen.

Fall1: Zwei unerwartete Fragmente.

Nach der Auswertung des kleinvolumigen DVT der Regio 27 hatte ich der Patientin bereits gesagt, dass ich die Entfernung des jenseits der apikalen Krümmung gelegenen Fragmentes in MB für eher unwahrscheinlich erachte.

Das Fragment war kurz und nach der s-förmigen apikalen Krümmung verblieben. Ein Eingebolztsein war mehr als wahrscheinlich. Neben der Entfernung durch die schall- oder laseraktivierte Spüllösung, kam noch das Passieren des Fragmentes mittels vorgebogener Handinstrumente bzw. das Belassen des Fragmentes in Betracht. Forcierte Versuche kamen für mich nicht in Frage, da selbst beim Belassen des Fragmentes aufgrund der kurzen Strecke bis zum Foramen mit einer gewissen Desinfektion gerechnet werden kann, da die Spüllösung entlang der Schneidräume des Instrumentes vordringen könnte. Zudem besteht zusätzlich die Option der chirurgischen Intervention, falls sich in der Zukunft eine periapikale Pathologie an der mesialen Wurzel entwickeln sollte.

Das in DB befindliche Instrumentenfragment weist einen schmalen Querschnitt auf. Das weist auf eine Fraktur während der initialen Aufbereitungsphase hin. Von einer Desinfektion der weiter apikal gelegenen Kanalanteile kann – im Gegensatz zur Situation in MB – nicht ausgegangen werden. Zudem ist die apikale Strecke mit fast 3 Millimetern so lang, dass hier nennenswerte Anteile an Pulpagewebe verbleiben könnten.

Nach absoluter Trockenlegung – vielen Dank an dieser Stelle an Olaf Löffler für die Empfehlung der Klammer 27N, die bei trapezoidem Zahnquerschnitten eine sehr gute Retention gewährleistet – konnte die in den mesiale Defekt hinein proliferierte Gingiva verdrängt und der präendodontische Aufbau erstellt werden.

Um eine möglichst lange Einwirkzeit der Spüllösung zu gewährleisten wurde zunächst die Aufbereitung des palatinalen Kanalsystems durchgeführt. Anschliessend kam in MB und DB die ErYAG-Laser-unterstütze Irrigation von MB und DB zum Einsatz. Da das Fragment nicht herauszuspülen war, erfolgte der leider ebenso vergebliche Versuch das Fragment mittels vorgebogener Handinstrumente der Größe 008 zu passieren. Als auch dies nicht gelang wurde der Kanal bis zum instrumentierbaren Ende auf 40/06 erweitert und erneut ausgiebig schall- und laserunterstützt durchgespült.

Nach Erweiterung des Orifiziums des DB konnte kurz darauf das Fragment und die distal davon befindliche Stufe visualisiert werden. Das Fragment selbst war auf voller Länge eingebolzt und musste in zwei Teilen entfernt werden, da sich nach initialer Freilegung nur das obere Drittel löste. Erfreulicherweise konnte der Hartsubstanz auch trotz recht eingeschränkten Platzverhältnissen sehr gering gehalten werden.

Wichtig: die radiologische Kontrolle nachdem es nach visueller Inspektion als sehr wahrscheinlich zu erachten war, dass das Fragment vollständig geborgen werden konnte.

Mittels vorgebogenem Microopener wurde der Originalkanal Taktik erfasst und anschliessend im gekoppeltem Modus (zuerst manuelles Einführen der NiTi-Feile im trockenen Kanal, dann Fluten mit NaOCl und abschliessendes „Koppeln“ = „Überstülpen“ des Endomotors) aufbereitet.

Nach Abschluss der Obturation und adhäsivem Verschluss bleibt jetzt nur zu hoffen, dass die Desinfektionsbemühungen auch im MB trotz Belassen des Fragmentes von Erfolg gekrönt sein werden.

Routine

Im heutigen Fall handelt es sich um eine reine Routinebehandlung.
Entfernung eines Instrumentenfragmentes und Fremdmaterial aus den Kanälen des Zahnes 25.
Vor 20 Jahren war das mal mein Traum…

In den Jahren 2000-2003 kam die Endodontie immer mehr in mein Blickfeld.  Zu viele Misserfolge haben mich gezwungen das ungeliebte Fachgebiet genauer zu betrachten.

Da gab es solche verrückten Kollegen, die mit einem Mikroskop in den Zahn schauten.
Das klang nicht uninteressant, aber die zu erwartenden Investitionskosten waren für mich utopisch. Es musste einfacher gehen.

Deswegen hatte ich einige Alternativen ausprobiert, wie beispielsweise Depotphorese mit Curapal. Aber auch das ließ die MIßerfolge nicht deutlich weniger werden.

Kupfer-Kalziumhydroxid (Cupral) hat einen 400fach höhere, keimtötende Wirkung) gegenüber herkömmlichen Medikamenten, welche im Wurzelkanal zur Anwendung gelangen, betonte Prof. Knappwost. Ihn hatte ich kontaktiert, weil ich wissen wollte, warum meine Misserfolge nicht dramatisch sinken. Er konnte es mir letztendlich nicht erklären.

Dann hörte ich von diesen neuen Nickeltitaninstrumenten.
Auf einer Dentalmesse erklärte mir eine nette Dame von Dentsply die Vorzüge. Und ich durfte mal am Stand probieren in einem Plastikblock. Es gab Protaper und Profile. Mit dem Protaper hatte ich ganz schnell eine Instrumentenfraktur geschafft. Die Profile waren deutlich weniger aggressiv. Diese bestellte ich sofort.
Am ersten Zahn, den ich behandelte nach einigen Tests am Plastikblock kam ich nicht wirklich vorwärts. Und meine Schlussfolgerung war, mehr Druck, damit die Feile nach unten geht. Die nachfolgende Fraktur hat mich in meiner ganzen weitern Praxistätigkeit nicht mehr losgelassen. Dieser Zahn war mein 100000 Eurozahn.

Viel mehr als diese Summe investierte ich in die nächsten Jahre an Weiterbildung, Geräten und Instrumenten.
Nach 100000 Euro habe ich aufgehört zu zählen. Danach kam noch eine neue Praxis mit Arbeitsplätzen, die mikroskopergonomisch aufgestellt waren.

Was hätte ich damals gegeben um dieses Fragment entfernen zu können.

Nun gehörte ich zu den Verrückten mit dem Mikroskop. Und die Misserfolge sind deutlich gesunken. Leider muß ich sagen, nicht auf Null. Aber wir behandeln Zähne, die ich früher abgewunken hätte. Aber ich weiß auch besser, wo die Grenzen liegen.

Der Weg war lang und hat mich Demut gelehrt. Jede Phase der Überheblichkeit wurde bitter bestraft.
Um so mehr freue ich mich, wenn so ein Behandlunsgfall erfolgreich ausgeht, wie diese routinemäßige und nicht wirklich schwierige Instrumentenentfernung. Die Stufe in diesem Fall zu überwinden, war eher die Herausforderung.

Prämolaren sind (nicht) einfach!

von Jörg Schröder

Endodontische Behandlungen an Prämolaren? Einfach, oder? Eine Wurzel, ein Kanal oder an oberen 4’ern zwei Wurzeln mit zwei Kanälen.

OK, manchmal eine wenig eng, aber sonst: straight forward.

Das es in Wirklichkeit nicht so ist, wissen alle, die häufig endodontische Behandlungen unter dem Mikroskop durchführen.

Anamnestisch war zu erfahren, dass alio loco die endodontische Behandlung bereits begonnen wurde, aber aufgrund von „Schwierigkeiten“ nicht abgeschlossen werden konnte. zur Beratung brachte die Patientin dieses Bild mit.

Auffällig war die Länge und starke mesiale Krümmung der Wurzel.

Eine über viele Jahre erworbene Skepsis ließ mich ein eigenes Einzelbild anfertigen. Dies zeigte im unteren Wurzeldrittel gleich zwei Instrumentenfagmente, die offenbar die Schwierigkeiten erzeugten, von denen berichtet wurde.

Im DVT war ersichtlich, dass es koronal der beiden, am Beginn der deutlichen mesialen Krümmung gelegenen Fragmente eine Aufgabeln und ein nicht bearbeitetes linguales Kanalsystem gab.

Nach Modifikation der Zugangskavität (Erweiterung und Neigung nach distal) und Darstellung der Kanaleingänge war es möglich, das koronalere der beiden Fragmente zu visualisieren und mittels vorgebogener Endosonore-Feile zu entfernen.

Da das apikale Fragment nur zu tasten war, habe ich, anstatt versuchen es zu entfernen das Fragment vom bisher unaufbereiteten lingualen Kanalsystem aus passieren können.

Die apikale Aufbereitung erfolgte ausschliesslich mit vorgebogenen Handinstrumenten in enger Abfolge (008, 010, 012, 015, ProTaper Hand S1, S2, F1, F2). Trotz intermittierender Schall- und laserunterstützter Irrigation war es mir nicht möglich das Fragment zu entfernen. Die Masterpointaufnahme zeigt, dass ich es zwar lockern konnte, es aber dann weiter nach apikal verbracht hatte, ohne dabei den Kanal zu blockieren. Glück gehabt!

Nachdem der vorgebogene Masterpoint erfolgreich einprobiert worden war, erfolgte die Obturation.

Was die Behandlung deutlich erschwerte war die linguale Neigung und die Kleinheit der klinischen Krone, die das Visualisieren der tieferen Kanalabschnitte deutlich erschwerte.

Ungewöhnliches Metallfragment

von Jörg Schröder

Das präoperative Bild alleine hätte mir niemals Anlass gegeben in den mesialen Kanälen ein Metallfragment zu vermuten. In diesem Fall war es die Information durch den überweisenden Kollegen.

Ein parapulpärer Stift hatte sich am Ende alio loco durchgeführten mechanischen Kanalpräparation gelöst und war in das große mesiale Kanalorifizium verbracht worden.

Dort liess er sich zwar visualisieren, konnte jedoch nicht entfernt werden.

Nach der Darstellung des koronalen Anteils war ich eigentlich ziemlich sicher, dass das Fragment mit dem Microopener entfernt werden könnte. Weit gefehlt. Es ließ sich zwar bewegen, aber nur hin und her und nicht nach koronal.

Was tun? Zunächst wollte ich versuchen das Fragment vorsichtig mit dem Eddy zu passieren und dadurch nach koronal zu bewegen. Zwar konnte ich in der Spüllösung noch deutliche Anteile des CaOH2 wahrnehmen, aber das Fragment bleib wo es war.

Um es nicht durch weitere oszillierende Versuche in die Kanalwand einzuarbeiten, entschloss ich mich, die Spüllösung mittels ErYAG-Laser zu aktivieren. Nach knappen 10 Sekunden schwamm der parapulpäre Stift im Kavum. Und es war klar, dass der Stift fast ideal der Kanalanatomie angepasst gewesen war! Der distale Kanal war übrigens wohlweislich mit einem Schaumstoffpellet abgedeckt worden!

Es ist immer wieder beeindruckend welche Flüssigkeitsdynamik die Lasereinwirkung auslöst. Die Spüllösung strömt regelrecht von apikal nach koronal. Schön, wenn man diesen Pfeil im Köcher hat.

 

4 auf einen Streich (2)

von Ostidald Wucker

An dieser Stelle möchte ich noch der Abschluss des letztens vorgestellten Falles mit multiplen Instrumentenfrakturen vorstellen.

Am Zahn 37 konnten wir das Fragment, wie beschrieben entfernen. Danach zeigte sich eine gewaltige Stufe und Blockierung. Dank der 3 dimensionalen Aufnahme war der weitere Verlauf der an dieser Stelle konfluierenden Kanäle bekannt. Die Blockierung und Stufe wurde mittels vorgebogener Ultraschallfeile (Endochuck + NSK Stahlfeile) überwunden. Die weitere apikale Aufbereitung erfolgte mit Nickeltitaninstrumenten bis #35.04. Die Desinfektion des Kanalsystems erfolgte mit PUI, Eddy und der SAF unter Verwendung von Natriumhypochlorit. Zur Beseitigung von Smearlayer und Debris kam Zitronensäure 10% zum Einsatz.
Abschließend wurde das Kanalsystem thermisch mit Guttapercha und AH Plus obturiert.

Hier die weiteren Bilder.

Standards

von Ronald Wecker

Jeder der hier Mitlesenden hat sich über Jahre hinweg Standards erarbeitet.

Standards helfen, die Behandlungsqualität auf einem bestimmten Niveau zu halten , Komplikationen zu vermeiden und vorhersagbare Behandlungsergebnisse zu erzielen.

Für mich war der hier gezeigte Behandlungsverlauf einmal wieder ein von Zeit zu Zeit offensichtlich notwendiger Fingerzeig, meine selbst gesetzten Standards nicht zu verlassen. Nie. Unter keinen Umständen.

Der Patient hatte eine fast zweijährige endodontische Odyssee hinter sich. Eine nicht erfolgreiche endodontische Erstbehandlung der Zähne 16 und 17 und eine kurz darauf durchgeführte Revision der Erstbehandlung durch denselben Behandler. Dabei kam es an 17 zu einer Extrusion von Obturationsmasse in den Periapikalbereich und an 16 blieben zwei Instrumente kurz vor und deutlich nach der apikalen Krümmung im Zahn zurück. Die Qualität der provisorischen Versorgung spricht für sich.

16d-001

Aufgrund akuter Beschwerden an Zahn 16 wurde der Behandlungstag kurzfristig umgeplant, um ein entsprechendes Zeitfester für den Patienten zu generieren.

Dadurch wurde ein wichtiger Standard unterlaufen:

Immer ein eigenes Bild anfertigen, wenn der Verdacht besteht, dass die aktuelle Situation nicht der im mitgebrachten Röntgenbild entspricht.

Die Erstberatung war zwar an einem getrennten Termin erfolgt, das mitgebrachte Röntgenbild zeigte den Zustand 6 Wochen zuvor und ich hatte ich auf ein eigenes Bild verzichtet.

16d-002

Da der Termin sehr kurzfristig zustande kam, hatte ich auch nicht nachgefragt, ob es in der Zwischenzeit, neben der Versorgung mit einem laborgefertigtem Langzeitprovisorium, auch zu weiteren Massnahmen im Zahninnern gekommen war. War es aber.

Dass die Behandlung dennoch ohne Komplikationen durchgeführt werden konnte, habe ich einem eingehaltenem Standard zu verdanken.

Nachdem neben dem vor, auch das deutlich nach der Krümmung gelegene Fragment entfernt worden war, habe ich, obwohl ich die zwei im Fremd-Röntgenbild zu erkennenden Fragmente entfernt hatte, ein Kontrollbild angefertigt. Zum Glück.

16d-004

Denn offensichtlich war alio loco ein weiteres Instrument im apikalen Drittel frakturiert. Der Versuch, das deutlich gekrümmte Kanalsystem im apikalen Drittel zu erschliessen, hätte vermutlich zu einer weiteren Fraktur, nur dieses Mal meines eigenen Instrumentes geführt.

So konnten die in den anderen Kanalsysteme vor einer Fragmententfernung immer eingebrachten (Standard!) Schaumstoffpellets belassen und das apikal eingebolzte Instrument zunächst mit Handfeilen bis zur ISO-Größe 20 passiert und dann mittels Eddy herausgelöst werden.

MB1 und MB2 konfluierten im apikalen Drittel, P und DB mögen radiologisch kurz wirken, entsprechen jedoch in ihrer Länge der endometrisch bestimmten Arbeitslänge.

Standards zu etablieren ist mitunter anstrengend, sie konsequent einzuhalten offensichtlich aber die schwierigere Übung.

 

4 auf einen Streich

von Ostidald Wucker

Die Patientin wurde uns überwiesen mit der Bitte um endodontische Revision 36, 37, 38 vor prothetischer Rehabilitation. Die Patientin hatte keine Beschwerden an den Zähnen.
Röntgenbefunde, klinische Befunde:
36 Z.n. Wurzelkanalbehandlung, unvollständige Wurzelfüllung, Sekundärkaries, VD Instrumentenfraktur mesial / keine erhöhten Sondierungstiefen, Lockerungsgrad 0, insuff. Kronenversorgung
37 Z.n. Wurzelkanalbehandlung, unvollständige Wurzelfüllung, Sekundärkaries,  Instrumentenfraktur mesial / keine erhöhten Sondierungstiefen, Lockerungsgrad 0,
38 Z.n. Wurzelkanalbehandlung, unvollständige Wurzelfüllung, Sekundärkaries, VD Instrumentenfraktur mesial / keine erhöhten Sondierungstiefen, Lockerungsgrad 0,
insuff. Inlay

Zur Lagebestimmung der Fragmente wurde ein DVT angefertigt.

38 habe ich zur Extraktion empfohlen. 36 und 37 als endodontisch lösbar aber nicht einfach eingestuft. Die Patientin wurde entsprechend beraten und wünschte die Erhaltungsversuche der Zähne 36,37.
36 hatte gleich eine Überraschung parat.
Im Zahn 36 habe ich ein Fragment vermutet, jedoch nicht mit 4 Teilen gerechnet.
Die ersten zwei Fragmente, alles Stahlinstrumente hatten sich inniglich umschlungen und vereint. Diese zu trennen kostete etwas Geduld und damit auch etwas Zeit.
Zur Instrumentendarstellung wurde im Bereich des Isthmusses präpariert um die approximalen Wurzelwände weitestgehend zu schonen.

Nach der Entfernung der 3 Instrumentenfragmente schaute mich noch ein 4. Fragment an. Alle Fragmente wurden mittels Ultraschall und Endochuck NSK Stahlfeile #25 und #20 entfernt. Die Auflösung der Blockierung gelang mittels Profile 15.04.
Danach erfolgte in diesem Fall die Entfernung der Krone, da ein Zahnerhalt nach der Lösung der endodontischen Probleme wahrscheinlicher ist.
Die Wurzelfüllung erfolgte in thermischer Obturationtechnik.
Am Zahn 37 haben wir mesial das Fragment entfernt. Die Behandlung wird noch fortgesetzt.

 

 

Zufallsrecall nach mehr als 10 Jahren

von Ostidald Wucker

Im Zahn 44 steckte ein Instrumentenfragment und es bestanden akute Beschwerden.
Das Röntgenbild zeigte eine P. apicalis und ein Instrumentenfragment am Zahn 44.

Der Patient hatte sich an uns gewandt mit der Bitte um Hilfe. Wir waren gerade in unsere mikroendodontische Kinderschuhe geschlüpft. Derartige Fälle lagen zu diesem Zeitpunkt außerhalb unserer Kompetenz.

Wir hatten auf Fortbildungen gehört, daß man so etwas lösen kann, aber selbst hatten wir so ein Fragment bisher nicht erfolgreich bei einem Patienten entfernt.
In einer von uns genannten Praxis, die diese Fälle lösen konnte wollte der Patient, auf Grund der Entfernung nicht fahren. Er bestand auf der Behandlung bei uns.
Deshalb haben wir nach langem ausführlichen Aufklärungsgespräch einen Termin für die Behandlung mit dem Entfernungsversuch vereinbart.

Die Beschwerden des Patienten kamen jedoch vom Zahn 45.
Dessen Behandlung hat Vorrang. Die Brücke 45-47 konnte entfernt werden und der Zahn 45 endodontisch therapiert werden. Schon in der Zugangskavität kam es dabei fast zu einer Perforation, weil Stumpfpräparation und Zahnstellung abwichen und das von mir nicht erkannt wurde.
Danach haben wir uns an den Zahn 44 gewagt.
Die Entfernung des Fragmentes gelang mittels Ultraschall. Nach Stunden. Auf Grund der schwer einsehbaren Lage und der Unerfahrenheit des Behandlers wurde viel Substanz geopfert. Eine zweite unbehandelte Kanalstruktur konnte ebenfalls aufbereitet und gefüllt werden.
Wir waren zurückhaltend in der Prognoseneinschätzung für den Zahn 44.
Nach 6 Monaten  konnte eine deutliche Heilungstendenz erkannt werden. Wir waren damals trotzdem skeptisch eine zeitnahe Kronenversorgung zu empfehlen und wollten abwarten und kontrollieren…
Erst 12 Jahre später kam es erst wieder zu einem Recall. Anbei die Bilder.

Shit happens (3) – Reloaded

Nachdem in der vergangenen Woche die Bilder zu diesem Fall nur für die bei WordPress angemeldeten Nutzer zu sehen war, heute der zweite Versuch.

Bei dem Fall, über den ich heute berichte, lief zwischenzeitlich einiges nicht so wie ich es mir vorgestellt hatte. Der Patient gab Beschwerden regio 47 an. Der Zahn war mit einer Krone als Brückenfeiler versorgt. Klinisch zeigte sich eine erhöhte vertikale und horizontale Perkussionsempfindlichkeit bei normaler Sondierungstiefe.

R1

Bild1

Nach Trepanation konnten zwei mesiale und ein sehr ovaler, distaler Kanal dargestellt werden. Zusätzlich zeigte sich zwischen dem distalen und dem mesio-bukkalen Kanal ein Isthmus in Form eines C-Shape.

Bild2

Bild3

Nach Entfernung des Obturationsmaterials wurde der Isthmus mittels Ultraschall (Endosonorfeilen) sukzessive entfernt.

Bild4

Bild5

Anschließend erfolgte eine medizinische Zwischeneinlage mit Ca(OH)2 und der adhäsive Verschluss mit Komposit. Beim zweiten Termin wollte ich den mesialen Isthmus aufbereiten und die Wurzelfüllung durchführen. Für die Entfernung des mesialen Dentinüberhangs nahm ich bis zu diesem Fall meistens die EndoGuides von SS White (in diesem Fall EG 1).

Bild7

Dabei kam es zur Fraktur des EG 1. Das Bruchstück wurde dann unter dem OPMI mittels Absaugung entfernt und eine Masterpointaufnahme angefertigt. Ich traute meinen Augen nicht was ich da sah!

R3

Der EG war zweimal zerbrochen, eins hatte ich entfernt und das andere war unbemerkt in den distalen Kanal gelangt und wurde dann durch meinen Masterpoint über den Apex geschoben…Mist. Nach ca. 30min Eisatz von Endosonorfeile und Micro-Debrider konnte ich das Bruchstück entfernen.

Bild6

Zur Sicherheit wurde ein Rö-Kontrollbild angefertigt.

R4

Anschließend erfolgte die Wurzelfüllung des distalen Kanals mit MTA und Kollagenwiderlager.

Bild8

Mesial und auch der Isthmusbereich wurden mit Guttapercha und AH26 gefüllt.

Bild9

R6

Ab jetzt schaue ich bei jeder Fraktur noch genauerer hin ob alles entfernt ist…denn das Instrument kann auch mehrmals frakturieren.

Instrumentenfraktur

von Ostidald Wucker

Ein Fall aus dem Jahr 2014 möchte ich Ihnen heute vorstellen.

Die Patientin wurde uns überwiesen mit einer Instrumentenfraktur. In der Hauszahnarztpraxis wurde bereits versucht das Fragment zu entfernen. Es gelang nicht.  Der Versuch ohne optische Vergrößerung (und hier sehe ich nur das Mikroskop als sinnvoll an) zu arbeiten ist ein Blindflug. Im ungünstigsten Fall kann dadurch der Zahn unerhaltbar zerstört oder das Fragment verlagert werden. Das ist auch bei einem Entfernungsversuch unter Sicht nicht ausschließbar, allerdings ersteres ist weniger wahrscheinlich.
Durch den erfolglosen Versuch war die Patientin sehr skeptisch und hatte sich schon für ein Implantat entschieden. Wir konnten ihr auch keine Wunder versprechen, sahen aber die Fragmententfernung und die Erhaltung des Zahnes als lösbar an.
Nach einigen Wochen hatte die Patientin einen Behandlunsgtermin vereinbart. Der Implantologe, bei welchem Sie sich beraten ließ, riet ihr zum Erhalt des Zahnes. Das überraschte die Patientin und sie traf dann die Entscheidung doch den Erhaltungsversucht zu wagen. Das Recall lässt auf ein weiter positives Langzeitergebnis hoffen.
Uns gefreut hat der Hinweis auf die „fachübergreifende“ Entscheidung zum Zahnerhalt.

Fragremover

von Ostidald Wucker

Die Patientin suchte unsere Praxis mit latenten Beschwerden am Zahn 36 auf. Ein Instrument wäre bei ihr abgebrochen und dies sollten wir entfernen.
Die Patientin ist Angstpatientin und gab an unter Kakophonie zu leiden.
Das von uns angefertigte Röntgenbild zeigte ein apikale Periodontits und 2 fakturiert Lentulos. Der Zahn sollte unbedingt erhalten werden.
Die Entfernung der Fragmente schätzten wir als lösbar ein.
Für die optischen Darstellung der Fragmente versuchten wir die das Fragment umgebende Guttapercha mit Ultraschall zu entfernen. Die hochfrequenten Töne des Ultraschalls ließen die Patientin plötzlich zusammenzucken. Der UltraschalleiAnsatz war damit hinfällig.
Mit grazilen Munce Discovery Burs entfernten wir die Guttapercha und versuchten dann mit einer Tubetechnik die Fragmente zu entfernen. Dies gelang nicht, da die Lentulos sehr fest saßen. Letzte Rettung war der Fragremover. Damit gelang die Entfernung der Lentulo-Fragmente unter sehr großem Zugkrafteinsatz.
Die endodontische Behandlung wurde durchgeführt. Mesiobukkal zeigte sich ein nicht überwindbare Stufe/Blockierung. Die vorhandene Restauration wurde provisorisch wieder befestigt. Die Erneuerung war bereits geplant. Nach Abschluss der Behandlung war die Patientin schmerzfrei.

Wir hoffen im Recall weiter über den Fall berichten zu können.

 

 

Wer hätte es gedacht?

von Ronald Wecker

Eigentlich ein recht unspektakulärer oberer Einser. Dachte ich.

R5

Umso erstaunter war ich nach Anlegen der Zugangskavität an diesem 11, als ich auf den oberen Teil einer metallischen Wurzelschraube blickte. Nach Entfernung derselben konnte es dann zügig weitergehen. Dachte ich.

Mein Erstaunen wuchs, als ich auf den oberen Anteil eines frakturierten Reamers blickte. Dieser hatte sich, wie die Röntgenbilder der Wurzelfüllung vermuten lassen, offensichtlich in der nach labial gelegenen Resorptionslakune verfangen, rechtwinkelig abgebogen worden und war anschliessend frakturiert.

Auch apikal war dieser Zahn nicht ohne Hürde: das Foramen mündete nach palatinal und war erst nach recht mühsamen Erweitern mittel vorgebogenem Microopener erreichbar.

Der geneigte Leser möge selbst versuchen, die Erstaufnahme auf das Vorhandensein der „geborgenen“ Metallteile hin zu begutachten.

11D.001 11D.002 11D.003 11D.004

US, SAF, Eddy – oder alles was geht…

Von Ostidald Wucker

Die Patientin kam nach den fruchtlosen Behandlungen bei mehreren Kollegen zu uns. Geraten hatte es ihr mehrere Zahnärzte (7!) aus der Verwandtschaft. Sie hatte ihre Praxis  geschlossen, da sie nicht mehr arbeiten kann wegen der starken Beschwerden.

Die Schmerzen kann sie  nicht lokalisieren. Unten rechts ist es. Am Zahn 47 wurde vom Vorbehandler ein fakturiertes Inlay notdürftig repariert.
Die klinischen Befunde: 44,45,46,47 sensi positiv. Distal 47 erhöhte Sondierungstiefen (5mm). 44-46 keine erhöhten Sondierungstiefen. 17,16,15,14 sensi positiv, keine erhöhten Sondierungstiefen. Lockerungsgrade waren 0.
Der Schmerz lässt sich mit Kälte oder Wärme nicht provozieren. Die sequentielle Anästhesie in intraligamenterer Injektionstechnik im Unterkiefer ergab kein eindeutiges Bild.
Die Beschwerden waren nach der Anästhesie 46 etwas besser. Waren aber doch noch irgendwie vorhanden. Die Anästhesie an 47 zeigte noch weitere leichte Verbesserung. Die Anästhesie 17,16,15,14 brachte keine Veränderung. Nach einer Leitungsanästhesie im UK rechts waren die Schmerzen verschwunden. Es wurde ein DVT angefertigt.

Diagnosen: VD nicht im 2D detektierbare intraradikuläre Pathologie 46, Wurzelrest 48, Diff.-D. / VD Paro Endoläsion 47 mit Pulpanekrose, Sekundärkaries 47, 45, 16, 15

Das DVT zeigte ein apikal verbreitertes parodontales Ligament am Zahn 47. 46 war sehr schwierig zu beurteilen. Die mesiolinguale Wurzel zeigte apikal eine mögliche kleine Pathologie. Der PA Spalt war bis auf diese Stelle durchgehend verfolgbar.

Wir entschlossen uns am Zahn 47 zunächst die Karies zu entfernen und den Zahn adhäsiv aufzubauen für eine mögliche endodontische Behandlung. Nach der Kariesentfernung zeigte sich die punktuell eröffnete Pulpa klinisch als durchblutet. In Absprache mit der Patientin versuchten wir einen Versuch der Vitalerhaltung mit Natriumhypochloritdesinfektion und Abdeckung der Pulpa mit MTA.

Die Beschwerden waren am nächsten Tag noch stärker. Eine vollständige Anästhesie gelang nicht mehr, weder intraligamentär noch intrapulpal. Die Berührung der pluralen Gewebe war unmöglich. Nach einer lokalen Applikation von Ledermix auf die eröffnete Pulpa waren die Beschwerden endlich erträglich geworden.

Das c-förmige Kanalsystem wurde mit Profile und Mtwo Instrumenten aufbereitet. Die Desinfektion und Spülung erfolgte mit Zitronensäure 10% und Natriumhypochlorit 3% unter Einsatz von Ultraschallstahlfeilen NSK und SAF in der ersten Sitzung.
In der zweiten Behandlungssitzung brach die Ultraschallstahlfeile beim ersten Einsatz in der Kavität sofort ab. Eine optische Darstellung war unmöglich. Röntgenaufnahmen zeigten die ständige Lageveränderung des Fragmentes. Eine Entfernungsversuch mit ultraschallaktivierter Spüllösung gelang nicht. Die Patientin wurde über den Umstand aufgeklärt und darauf hingewiesen, daß für die Entfernung die optische Darstellung mit einem erhöhten Substanzverlust einhergeht.
Die Patientin wollte die unbedingte Entfernung. Die 7 verwandten Zahnärzte wollten alle nicht in meiner Haut stecken. Sie waren auch zu weit weg – NRW. Leider nicht weit genug um Tipps abzugeben.

In der nächsten Sitzung habe ich mich entschieden vor dem Substanzverlust noch einen Versuch mit dem Eddy und Natriumhypochlorit und Zitronensäure zur “Blindentfernung” des Fragmentes zu unternehmen. Nach 10 minütiger Beschallung sprang das Fragment aus dem Kanalsystem. Das war pures Glück.
Die weitere Aufbereitung erfolgte mit Profile Instrumenten bis 30.04 und 35.04. Abschließend erfolgte noch die SAF 2.0.
Die elektronische Längenmessung zeigte mir häufig unterschiedliche Längen an, so daß ich die Masterpointaufnahme mit 1mm kürzer Arbeitslänge durchführte. Die distalen Kanalstrukturen habe ich mittels Sqirrttechnik gefüllt, da die Masterpointspitzen nicht mehr auf Arbeitslänge gelangten – sie verbogen sich immer wieder anders an der Spitze. (Wahrscheinlich auf Grund der apikalen Anatomie.)
Mesial wurde mit gewohnter Obtruationstechnik gefüllt.
Die apikalen Verzweigungen im Röntgenbild haben mich dann in ihrer Häufigkeit überrascht. Das Risiko einer apikalen Extrusion von Sealer oder WF Material war bei der gewählten Wurzelfülltechnik sehr groß, daß es so ausging, war noch mal Glück.

Fragmententfernung mit Fragremover

von Donald Becker

Dieses Fragment war ein richtiges Biest.
Und der Kanal, in dem es abgebrochen war, so eng und obliteriert, dass es im nachhinein nicht verwunderte, dass es zum Instrumentenbruch kam.

Hier war guter Rat teuer.
Ein maschinelles Instrument, vermutlich 15.01 oder 15.02,  in Vollrotation in den Kanal eingeschraubt. Auf Kanaleingangsniveau frakturiert.

Anpacken konnte man es nicht. Passieren auf Grund des extrem engen Kanals unmöglich. Nicht mal die Spitze eines ISO 006-, 008-, 010- Instrumentes war noch irgendwo in den Kanal hineinzubekommen.

Und zu versuchen, mittels Ultraschall das Fragment loszubekommen, hätte lediglich zur Zerlegung in kleinere Fragmente geführt.

Bliebe noch die Hohlnadeltechnik, der ich aber in diesem Fall, gerade weil/obwohl ich diesbezüglich über viel Erfahrung verfüge, auf Grund der vorliegenden Besonderheiten wenig Erfolgswahrscheinlichkeit zutraute.

Mit einem Prototyp des Fragremovers gelang die Entfernung.
Es war nicht ganz einfach, diese Schlinge über das Fragment zu ziehen, aber danach gelang die Entfernung sicher und problemlos.

 

Multiple Fragmente

von Ronald Wecker

Das präoperative Röntgenbild ließ einen spannenden Behandlungsfall vermuten.

R1

In der mesialen Wurzel befanden sich 3 Instrumentenfragmente und apikal der palatinalen Wurzel befand sich Obturationmaterial im periapikalen Raum.

Das präoperativ angefertigte DVT ließ erkennen, dass das kurze Fragment in MB2 lag und die in MB1 befindlichen Fragmente einklemmte. Hinzu kam, dass die distobukkale Wurzel mit der palatinalen Wurzel fusioniert war und 2 Kanalsysteme beherbergte.

Die Behandlung erfolgte zweizeitig. Nach präendodontischem Aufbau wurde in der ersten Sitzung zunächst die periapkal gelegene Guttapercha aus P „geborgen“. Nach initialer Darstellung von DB1 und DB2 wurde dann der zwischen MB1 und MB2 gelegene Isthmus mit feinen Ultraschallfeilen erweitert, sodass in der Folge das schräg von palatinal nach bukkal eingeklemmte Fragment entfernt werden konnte.

Anschließend konnte sowohl das innerhalb von MB1 befindliche als auch das teilweise periapikal gelegene Instrument entfernt werden.

In der zweiten Behandlungssitzung war der zuvor deutlich aufbiss- und perkussionsempfindliche Zahn bereits beschwerdefrei. Die Obturation in P und MB erfolgte mit MTA, die übrigen Kanalsysteme wurden in Warmfülltechnik obstruiert.

Mit Hilfe des DVT konnte die Behandlung vorhersagbar ausgeführt werden, da sowohl die Abfolge der Fragmententfernung, als auch die Präparation des Zugangs, sowie die Art der Entfernung des periapikal gelegenen Fremdmaterials im Vorfeld geplant werden konnte.

Das erste Recall nach 6 Monaten zeigt eine deutliche Heilungstendenz. Der Zahn ist seit der endodontischen Behandlung beschwerdefrei. Der Substanzdefekt erscheint aufgrund der Überlagerung der einzelnen Kanalsysteme bzw. des schräg erfassten schmalen Isthmus in der mesialen Wurzel im 2D-Röntgenbild deutlich größer als in Wirklichkeit.

 

Rekordhalter

Von Bonald Decker

Geht es nach einem ansässigen Radiosender, dann ist München nicht nur die schönste Stadt der Welt, sondern auch eine Stadt der Rekorde: Das größte Volksfest, der erfolgreichste Fußballclub…

Ab kommendem Montag sind die Hörer der Station angehalten Rekordhalter zu finden, die bisher noch keiner kennt!

Bei der Behandlung des nachfolgenden Falles musste ich zwangsläufig an diese „Aktion“ denken…

Laut Zuweiser war bei dem Revisionsversuch an Zahn 13 ein Wurzelkanalinstrument frakturiert. Wir wurden daher gebeten dieses zu entfernen und die Behandlung weiterzuführen…

so weit, so gut.

Hier das uns zugesandte Röntgenbild:

Ausgangsröntgenbild (alio loco) - Laut Zuweiser handelt es sich um ein Nickel-Titan-Instrument der Größe 040

Ausgangsröntgenbild (alio loco) – Laut Zuweiser handelt es sich um ein Nickel-Titan-Instrument der Größe 040

Meine erste Reaktion bei dem Anblick des Bildes war:

„Stimmt. Das nenne ich mal ein ordentliches Fragment“.

Für dessen Entfernung war hilfreich, dass es zu grossen Teilen in Guttapercha eingebettet war.

Blick in Zugangskavität mit in Guttapercha eingebettem sichtbarem Fragmentkopf

Blick in Zugangskavität mit in Guttapercha eingebetteten Fragmentkopf

Mittels Ultraschall gelockertes Fragment

Mittels Ultraschall gelockertes Fragment

Entferntes Fragement

Entferntes Fragment

Fragmentlänge 15mm

Fragmentlänge 15mm

Zustand nach Fragmententfernung - Kontrollröntgenaufnahme

Zustand nach Fragmententfernung – Kontrollröntgenaufnahme

Mit einem Fragremover wäre es aber ggf. schneller gegangen… ;-)

Abschlussröntgenbild nach Wurzelkanalfüllung und Glasfaserstift-Kompositversorgung; Arbeitslänge 28mm;apikaler Aufbereitungsdurchmesser ISO 060

Abschlussröntgenbild nach Wurzelkanalfüllung und Glasfaserstift-Kompositversorgung; Arbeitslänge 28mm;apikaler Aufbereitungsdurchmesser ISO 060

Ich bin mir nicht sicher, ob dieser Fall in den Augen der Radiostation als möglicher Rekordhalter in Betracht kommt. In unserer Praxis nimmt die Fragmentlänge von 15 Millimeter auf jeden Fall mit grossem Abstand Platz 1 in der Liste der bisher entfernten Fremdkörper ein…

„bietet“ jemand mehr?

 

Fragremover – Jetzt oder nie !

von Hans – Willi Herrmann

Bei dem Einen oder Anderen mag der Eindruck entstanden sein, durch die Entwicklungen der letzen 10 Jahre sei die Entfernung eines Fremdkörpers (Instrurmentenfragment, Silberstift, Thermafil- Carrier) aus dem Wurzelkanal leicht und vorhersagbar geworden. Sorry, wenn ich jetzt irgendwelche „rosaroten“ Luftblasen platzen lassen muss, aber-  nein, das ist es nicht.

Mag sein, dass man etwas entspannter die Sache angehen kann, wenn es nicht das eigene Instrumentenfragment ist, dass entfernt werden soll, aber selbst für diese Fälle gilt: Niemand weiss und kein präoperatives Röntgenbild gibt auch nur einen arbiträren, ja nicht einmal einen rudimentären Anhaltspunkt, ob die Fragmententfernung gelingen wird oder nicht. Und selbst wenn man nach zum Teil elendig langer Zeit es schaffen sollte, besagten Fremdkörper zu entfernen, dann ist noch nicht gesagt, mit welchem Substanzverlust die „erfolgreiche “ Entfernung verbunden war, welche Kompromititerung sich aus dieser Zahnsubstanzschwächung für die mittel- und längerfristige Prognose des Zahnes ergibt.

Unter diesen Vorzeichen sollten demnach 2 Dinge immer im Bewußtsein sein. Erstens- das von mir seit vielen Jahren den Kollegen auf meinen Fortbildungen ans Herz gelegte bon mot: „Der beste Weg, ein frakturiertes Instrument aus dem Wurzelkanal zu entfernen, ist, es gar nicht erst abzubrechen“ hat weiterhin uneingeschränkte Gültigkeit.

Und zweitens – Sollte uns jedes Mittel recht sein, dass die Fragmententfernung, einfacher, schneller, zuverlässiger, vorhersagbarer macht.

Der Fragremover ist so ein Hilfsmittel.

Man sollte nun meinen, dass es ein Leichtes wäre, die Kollegen für diese Idee zu begeistern und das in der Pipeline befindliche Gerät zur Marktreife zu bringen.

Dem ist leider nicht so.
Die Gründe dafür sind vielfältig und sind zum Teil der Tatsache geschuldet, dass die Entwickler (der Fragremover wurde Marcus Leineweber und Nils Widera erdacht und konzipiert, später trat noch Stephan Gäbler diesem Entwicklerteam bei) halt Zahnärzte sind, Tag für Tag in ihren Praxen stehen und nur in ihrer wie bei jedem von uns viel zu kurz bemessenen Freizeit sich diesem Projekt widmen können. Vorkenntnisse, wie man ein solches Unterfangen sinnvollerweise angeht, fehlen. Die finanziellen und organisatorischen Vorleistungen sind erheblich. Die Unterstützung durch die Industrie ist nicht existent, was der Tatsache geschuldet ist, dass man, vom Gerät selbst abgesehen, keine Verdienstquellen sich verspricht. Und es gibt ähnliche Geräte, bei denen der Hersteller versucht, über den Geräteverkauf hinaus ein Nachfolgegeschäft zu generieren.  Die Kosten für die benötigten Geräteansätze sind exorbitant, entsprechen dem branchenüblichen „Dentalaufschlag“, der Assoziationen mit mittelalterlichen Raubrittergebärden aufkommen lässt.

Hat der Fragremover – alll dies berücksichtigend – eine Chance ?

Eins steht mit Sicherheit fest.
Wird das Projekt heuer nicht zustande kommen, ist das Fragremover Geschichte. Man sollte sich vor Augen halten, dass die Entwickler gebrauchsfähige Prototypen besitzen, die es Ihnen erlauben, in ihrer Praxis vom Nutzen des Geräte zu partizipieren. Wer also jetzt nicht die Chance ergreift, der hat möglicherweise zukünftig keine Gelegenheit mehr dazu. Jede Leidensfähigkeit eines noch so enthusiatischen Erfinders hat irgendwann eine Grenze.

Das Verrückte ist:  Im Rahmen der Crowdfounding – Phase wird das Gerät gegenwärtig zu einem Preis angeboten, der für niemanden ernsthaft einen Grund darstellen kann, das Gerät nicht zu kaufen. Mein Endo- Aktivator – (möchte ihn jemand günstig erwerben)  hat deutlich mehr gekostet. Das Ruddle Post Removal System – das die meiste Zeit einen Platz im „Mohr´schen Praxisschrein“ der nutzlosen Zahnarztpraxisgegenstände belegt – ein Vielfaches. Selbst wenn das Projekt zustande kommen sollte. So günstig wie jetzt wird es den Fragremover nie wieder geben.

Ich bestelle jedenfalls hiermit verbindlich „meinen“ Fragremover. In der Hoffnung, dass sich zumindest 49 andere Kollegen finden lassen, die es mir gleichtun.

Noch eine Anmerkung zum Gerät an sich. Der Fragremover ist keine Wunderwaffe. Sie werden weder jedes Instrument damit entfernen können, noch wird es auf Anhieb  „im Spaziergang“ gelingen. Übung macht auch hier den Meister und ein Mikroskop ist meines Erachtens Grundvoraussetzung. Auch werden gegebenenfalls mehrere Kanülen notwendig sein, um die Entfernung durchführen zu können. Um so mehr ein Grund, auf dieses System zurückzugreifen, dass kostengünstig Kanülen verfügbar macht. Was nützt ein Konkurrenzprodukt, dessen Kanülenbedarf pro Jahr den Kaufpreis eines drakischen Kleinwagens übersteigt. Und noch ein Insider- Tipp. Wer den Fragremover schätzen gelernt hat, der wird sich – sobald er die Vorzüge des Gerätes kennengelernt hat – ein zweites Gerät zulegen, um im Bedarfsfalle ohne Unterbrechung weiterarbeiten zu können. Hier werden vermutlich viele den Kopf schütteln, aber durch den günstigen Preis lässt sich die Mehrinvestition nach kurzer Zeit überkompensieren. Wer weitschauend plant, ordert also jetzt 2 Geräte zum Vorzugspreis.

So – das Thema ist vermutlich durch hier. Vielleicht noch ein paar Fallbeispiele der Erfinder. Die nächste Info zum Gerät an sich wird dann entweder das Gelingen oder Scheitern des Projektes beinhalten.

Kolleginnen und Kollegen – Jetzt oder nie !

Disclaimer
Es besteht beim Autor kein Interessenskonflikt in Form von eigenen finanziellen Interessen oder finanziellen Interessen Dritter, die von einer positiven Berichterstattung profitieren oder eine negative Darstellung behindern.

Fragremover – eine Idee nimmt Formen an

von Jörg Schröder

Die Entfernung von Instrumentenfragmenten gehört in einer Praxis mit endodontischem Schwerpunkt zur Routine. Dabei stellt sich in den meisten Fällen nicht mehr die Frage, ob das Fragment entfernbar ist, sondern wieviel Zahnhartsubstanz für die Entfernung geopfert werden muss. Eine sehr interessante Möglichkeit Fragmente minimalinvasiv zu entfernen stellt der „Fragremover“ dar.

Der von den Entwicklern Nils Widera, Marcus Leineweber und Stephan Gäbler zur Verfügung gestellte Prototyp konnte mich im Praxisgebrauch bereits nach kurzer Zeit überzeugen.

SANYO DIGITAL CAMERA

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Anfangs noch im 3D-Printer aus Kunststoff gefertigt, soll der „Fragremover“ nunmehr mit Hilfe einer Art von Crowd-Funding  in Edelstahl gefertigt werden.

Aber lesen Sie selbst:

N. Widera, Dr. M. Leineweber, Dr. S Gäbler

Fragmententfernung mit dem Fragremover

Vor zweieinhalb Jahren haben wir hier über die mögliche Entfernung von Fragmenten aus Wurzelkanälen mittels der Schlaufentechnik berichtet.

Die Resonanz auf den Artikel war und ist enorm – wir versenden noch immer Draht von England bis in den Kosovo.

Die Technik an sich ist nicht neu. Die erste dokumentierte Anwendung ist aus dem JOE   von 1983 “The Retrieval of Foreign Objects from Root Canals: A Simple Aid” von Josè L. Roig-Greene. In der Beschreibung wurde die Drahtschlinge mit einer Kocherklemme verjüngt.

Uns hat diese Entfernungsmethode danach nicht mehr losgelassen.

Die Technik an sich ist sehr effizient. Beim Arbeiten mit dem Mikroskop stellt sich allerdings die Frage nach der „ dritten Hand“, um Spiegel, Kanüle und Arterienklemme halten zu können. Wir haben erste Prototypen entwickelt, die eine einhändige Arbeitsweise zuließen und diese dem einen oder anderen Endodontologen zum Testen zur Verfügung gestellt. Ebenfalls wieder mit durchweg positiver Resonanz.

Also begannen wir damit, einen Industriepartner für die Vermarktung des ersten Prototypen „ Fraggrabber“ zu suchen.

Der Prozess zog sich über zwei Jahre hin und war für uns sehr frustran, da kein großes oder kleines Unternehmen aus der Dentalbranche zur Produktion bereit war. Die Idee ist gut – der Markt sehr klein – die Kosten viel zu hoch. So unisono waren die Reaktionen. Dr. Hans Willi Herrmann hat hier bereits darüber berichtet.

Am mentalen Tiefpunkt angekommen, hat uns dann Dr. Stephan Gäbler mit neuen Ideen vor dem Abbrechen des Projektes bewahrt. Zu dritt haben wir den Entwicklungsprozess also weiter vorangetrieben und den FragRemover konzipiert.

Der Fragremover wird ein CE –zertifiziertes Gerät aus Edelstahl sein. Auf dem Bild ist die letzte Entwicklungsstufe zu sehen. Das Gerät ist dauerhaft ohne große Folgekosten verwendbar. Man kann normale Spülkanülen und feine Edelstahldrähte zum Fragmententfernen benutzen.

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Im Verlauf der letzten zwei Jahre haben wir diverse Fragmentfälle mit der Schlaufentechnik und unseren Prototypen gelöst und möchten diese Technik nicht mehr missen. Die Vorteile gegenüber anderen Methoden werden im Folgenden noch einmal kurz zusammengefasst.

  1. minimalinvasive Freilegung
  2. gute Entfernbarkeit von langen Fragmenten aus dem Krümmungsbereich
  3. sehr gute visuelle Kontrolle
  4. Vermeidung von Sekundärfrakturen
  5. sicheres Fassen des Fragmentes
  6. geringer Zeitbedarf

Die beiden folgenden Fälle sollen das Beschriebene veranschaulichen.

Im ersten Fall ließ sich das Fragment, obwohl bereits gelockert, nicht um die Krümmung bewegen . Die Entfernung erfolgte mit einer Doppelkanüle und einem 0,075 mm starken Draht.

Ausgangsaufnahme 27 Bild Blick auf Fragmentkopf Fragment in der Doppelkanüle Kombigrafik WF Kontrolle 27

Im zweiten Fall wurde bei einer 30 jährige Patientin der Zahn 16 mit einem ca. 4 mm langen Fragment im mb1 endodontisch behandelt. Nach der Entfernung des verbliebenen Pulpendaches konnten vier Kanaleingänge dargestellt werden.

DSC00001 Kopie 2

 

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Mit U-Feilen (ISO15 und Iso 20) wurden nur ca. 0,5 mm des Fragmentkopfes zirkumferent freigelegt.

Das Fragment war weiterhin hochretentiv und nicht beweglich. Nun konnte die Schlinge mit einem 0,075 mm starken Draht um den Fragmentkopf gelegt und das Fragment allein durch Zug aus dem Wurzelkanal entfernt werden. Die dabei verwendete Kanüle hatte einen Außendurchmesser von 0,3 mm.

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Alle Wurzelkanäle wurden in der Folge aufbereitet und obturiert. Durch den minimalen Substanzabtrag bei der Fragmentfreilegung war eine konische Aufbereitung in üblichen Dimensionen möglich. Die alleinige Ultraschallentfernungstechnik hätte in diesem Fall vermutlich einen höheren Substanzabtrag und mit Sicherheit einen größeren Zeitaufwand zur Folge gehabt.

DSC00002

Unter https://youtu.be/awERGz9jNZk wird die beschriebene Fragmententfernung in einem kurzen Video demonstriert.

Der Fragremover ist für uns, auf Grund der universellen Einsetzbarkeit, zu einem unverzichtbaren Hilfsmittel bei der Fragmententfernung geworden und wir glauben, dass auch andere Kollegen davon profitieren können.

Deshalb haben wir uns jetzt entschieden, dieses Werkzeug selbst auf den Markt zu bringen. Dies soll über ein Crowd-Funding realisiert werden.

Weitere Informationen hierzu finden Sie auf unserer Homepage www.fragremover.com.

Disclaimer: Es besteht beim Autor kein Interessenkonflikt in Form einer finanziellen Beziehung zu Dritten, deren Interessen vom Beitragsinhalt positiv oder negativ betroffen sein könnten.

8 auf einen Streich

von Ronald Wecker

Vor etwa 3 Monaten habe ich an dieser Stelle über die etwas überraschend verlaufende Fragmententfernung aus diesem 47 berichtet.

R1

Heute nun das Ergebnis nach zwei Behandlungssitzungen.

Nachdem in der ersten Sitzung 7 von 8 in den mesialen Kanälen befindlichen Instrumentenfragmente entfernt werden konnten, sah es hinsichtlich der Entfernung des letzten verbliebenen Fragmentes nicht sehr rosig aus.

Zwar konnte das Fragment über den ML geradeso mit einer Handfeile ISO 008 passiert werden, das deutlich vernehmbare „Knattern“ während des Passierens führte jedoch zu einem stark erhöhten Ruhepuls beim Behandler. Da die beiden mesialen Kanalsysteme v-förmig konfluieren wurde folgendes Vorgehen geplant:

Zunächst sollte aus ML kommend das Passieren mit vorgebogenen Handinstrumenten weiter fortgesetzt werden. Mit etwas Geduld konnten die Instrumente der Größe 008, 010, 012, 015 und 017 am Fragment vorbeigeführt werden. Anschließend wurde dieser manuelle Gleitpfad mit Hyflex-Instrumenten 15/04, 20/04 und 25/04 vollrotierend erweitert.

Den vorübergehenden Abschluss der rotierenden Aufbereitung in ML bildete die Hyflex 20/06.

Die Idee war, zunächst im ML etwas Raum zu schaffen, die ein geringes Verlagern des Fragmentes aus MB nach ML ermöglicht. Die Verlagerung wurde mit einer vorgebogenen Handfeile ISO 008 erzielt, die nach einigen Versuchen aus MB kommend am Fragment vorbeigeführt werden konnte. Bereits der erste nachfolgende schallunterstützte Spülvorgang war von Erfolg gekrönt: Das stark gebogene Fragment konnte aus den mesialen Kanälen herausgelöst werden.

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Die starke Krümmung des Fragmentes lässt vermuten, dass die apikal der Konfluation befindlichen Fragmente 2-7 das Instrument, aus dem dann Fragment 8 wurde, so deflektiert hatten, dass es aus MB kommend in koronaler Richtung in  ML eingedrungen und anschließend frakturiert ist.

Erfreulich, dass die im präoperativen Bild zu diagnostizierende deutliche apikale Aufhellung bereits nach initialer Behandlung und medikamentöser Einlage mit CaOH2 stark rückgängig ist.

Kollagen und MTA

von Riebastian Sedel

Bereits im August 2014 wurden mir der Patient und die Zähne 46 und 47 zur Revision überwiesen.

Zahn 46 zeigt eine ausgedehnte apikale Läsion, mesial imponiert dass frakturierte und über den Apex geschobene Wurzelkanalinstrument, distal liegt periapikal in der knöchernen Lyse ein metallischer Fremdkörper.

Zahn 47 weist eine unvollständige Wurzelfüllung auf, deren mäßiger Desinfektionsgrad mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Grund für die apikale Parodontitis ist.

Ausgangsbild

Beide Zähne wurden jeweils in gleicher Sitzung behandelt, im Abstand von 10 Tagen konnten beide also in insgesamt 2 Sitzungen behandelt werden.

Ich entschied mich vor der Behandlung bewusst gegen ein DVT, da ich die Lage des periapikal liegenden Fremdmaterials erst klinisch einschätzen wollte.

Im Zahn 46 waren mesial klinisch 2 Fragmente erkennen, das transforaminal steckende Fragment konnte mit einer Kanäle verklebt und so herausdrehend entfernt werden.

Das kleine, distal liegende Fragment erschien nach ausgiebiger CHX-Spülung und Anwendung von Endosonore-Feilen, ultraschall- und schallaktiviertem Spülen, so dass es angesaugt und entfernt werden konnte.

Fragmente intrakanalär Fragmente

Zur Obturatio kam in allen Kanalsystemen MTA zum Einsatz, periapikal wurde Kollagen mit mäßigem Druck eingebracht, um einerseits ein Widerlager für die Wurzelfüllung zu ermöglichen, andererseits soll die Kollagen-Packung ein Einbluten, die Gefäßeinsprossung und somit den Umbau zu Knochen ermöglichen.

Die Röntgenkontrolle nach 6 Monaten zeigt apikal bereits gut verknöchernde Strukturen, eine weitere Heilung ist zu erwarten.

Bilder: WF + WF 6 Monate + WF letzte Folie (Galerie)

Fraktur auf voller Arbeitslänge

von Ronald Wecker

Die Entfernung frakturierter Instrumente, die unglücklicherweise auf voller Länge im Kanal verbliebenen sind, ist bei Instrumenten die über eine effiziente Schneidengeometrie verfügen besonders kniffelig.

36D.002

Zur Entfernung dieser auf voller Arbeitslänge frakturierten fabrikneuen Mtwo 10/04 wurde im Vorfeld der Behandlung ein präoperatives DVT erstellt. Dabei wurde deutlich, dass nur der MB eine Krümmung in allen Ebenen des Raumes vollführte.

Aufgrund der Schneidengeometrie und der Länge des Instrumentes schied ein „Zugversuch“ als Entfernungsmethode von vornherein aus. Auch ein rein ultraschallunterstützter Versuch erschien nicht besonders erfolgsversprechend und ist zudem mit dem Risiko einer erneuten Fraktur des sehr grazilen Instrumentes verbunden.

Nach Entfernung des den Instrumentenkopf umgebenden Wurzelfüllmaterials mittels Endosonore-Feile wurde zunächst das Fragment in Richtung des gedachten Isthmus zu ML hin freigelegt.

In der Folge gelang es den koronalen Teil des Instrumentes aus der Verbolzung zu lösen. Um eine mit dualhärtenden Komposite gefüllte Hohlkanüle der Dimension Gauge 18 sicher über den freigelegten Instrumententeil führen zu können, wurde das Instrument mittels eingeklemmten Microopener von der bukkalen Kanalwand wegbewegt.

Anschliessend wurde die Zugangskavität mit NaOCl geflutet und die Kanüle ohne großen Zug gegen den Uhrzeigersinn gedreht.

Beim ersten Versuch löste sich die eingeklebte Kanüle nach einer Vierteldrehung vom Fragment. Erst der zweite Versuch gelang und das Instrument konnte vollständig aus dem MB entfernt werden. Das Foto des Fragmentes zeigt, dass auch ein wenig Glück dabei gewesen war, denn die unteren 3 mm der Feile wiesen deutliche Spuren von Verwindung auf.

Nach Erlangung von Patency wurden die kommunizierenden Kanäle MB und ML mit CaOH2 gefüllt und der Zahn temporär verschlossen. Spannend wird sein, das noch in ML befindliche kleine Instrumentenfragment darzustellen und hoffentlich zu entfernen. Über den Zustand nach Obturation und das Röntgen-Recall wird an dieser Stelle berichtet werden.

Fragmententfernung

von Ronald Wecker

Bei der Betrachtung des präoperativen Einzelbildes drängte sich sofort der Verdacht auf, dass es sich um mehr als die  zwei „angekündigten“ Fragmente handeln könnte.

R1

Das präoperative DVT konnte die Frage nach der tatsächlichen Anzahl der in Zahn 47 befindlichen Fragmente zwar nicht beantworten, war jedoch bei der Planung der Vorgehensweise von Bedeutung.

Nach endometrischer Bestimmung der Arbeitslänge und chemo-mechanischer Aufbereitung des distalen Kanals wurde zunächst die vorhandene Zugangskavität modifiziert.

Sobald konnten die koronalen Anteile der in ML befindlichen Instrumentenfragmente freigelegt werden. Kurz darauf konnte das erste von insgesamt wievielten Fragmenten entfernt werden? Schätzen Sie, bevor Sie weiterlesen.

Die beiden ersten metallischen Hindernisse befanden sich im oberen Drittel, waren relativ kurz und keilten das sehr lange Instrument förmlich ein. Durch geringfügiges Erweitern des Kanals in Richtung bukkal gelang es das dritte Fragment zu entfernen.

Nummer 4 und 5 konnten anschließend durch ultraschalluntertütztes Spülen herausgelöst werden. Zwar erschien mir diese überraschend hohe Anzahl als „ausreichend“, auf den Beweis der vollständigen Entfernung in Form eines Röntgenbildes wollte ich jedoch nicht verzichten. Umso länger wurde mein Gesicht, als ich drei weitere metallische Fremdkörper auf dem Kontrollbild entdecken musste.

R5

Nr. 6 konnte nach kurzer Zeit im oberen Kanaldrittel visualisiert werden. Die Entfernung gelang mit Hilfe einer leicht feuchten Papierspitze. Nr. 7 erschien einige Spüldurchgänge später an der Oberfläche. Nur Nr. 8 konnte zwar getastet, nicht aber entfernt werden.

Mittels vorgebogener Handinstrumente konnte es jedoch nach einigen Versuchen passiert und der mesiolinguale Kanal anschließend auch mit rotierenden NiTi-Instrumenten aufbereitet werden.

Leider konnten nur 6 der 7 entfernten Fragmente ausserhalb des Arbeitsfeldes im Bild dokumentiert werden. Nr. 2 ging auf dem Transport zum Trat „verloren“. Das war allerdings auch die einzig unerwünschte Wendung in diesem Behandlungsfall. Die Obturation wird  in 2015 erfolgen und über das Ergebnis an dieser Stelle berichtet.

Und obwohl ich es am Ende fast selbst nicht mehr glauben wollte: Keines der „Teile“ stammt aus meiner Behandlung.

 












Hyflex Fallbeispiel (1/3)

von Ronald Wecker

Im Grunde genommen bin ich hinsichtlich der Implementierung neuer Instrumente und Materialien sehr zurückhaltend, wenn ich es vorsichtig formuliere.

Dies sei nur vorausgeschickt, um zu verdeutlichen, wie hilfreich die von Coltene angebotenen Hyflex-Feilen bei der Aufbereitung sehr stark gekrümmter Wurzelkanalsysteme für mich sein müssen, da sie mittlerweile ins Standardrepertoire aufgenommen worden sind.

Im Gegensatz zu der bis dahin eingesetzten Hybridtechnik mit vorgebogenen NiTi-Handinstrumenten und Race- sowie ProFile Instrumenten ermöglicht mir der Einsatz der Hyflex-Instrumente nach Etablierung eines minimalen Gleitpfades eine sehr zügige Erweiterung stark gekrümmter Kanalsysteme. Und dies auch in Dimensionen, die die anschliessende Warmfülltechnik leichter durchführbar machen.

In vorliegendem Fallbeispiel galt es nach der Entfernung der jenseits der Krümmung des MB1 eingedrehten Hedströmfeile den Originalkanal aufzufinden und zu instrumentieren.

Um die Art der Krümmung (in diesem Fall einen multiplanare Krümmung mit einem relativ langem Verlauf nach der Krümmung) zu eruieren, wurde zunächst der bis dahin nicht aufbereitete MB2 Kahl instrumentiert. Nach Erstellung eines maschinellen Gleitpfades unter Einsatz von PathFiles und vorgebogenen Handinstrumenten (zur Rekapitulation) konnte der MB2 relativ unproblematisch bis auf eine Aufbereitungsgröße von 30/06 gebracht werden.

Das Vorgehen bei der Instrumentierung des MB1 lehnte sich an das hier und hier zur Überwindung iatrogener Stufen beschrieben Vorgehen an. Nach Katheterisieren des MB1 bis zur Patency (die Messaufnahme in MB1 ist viel zu kurz, zeigt aber die „richtige“ Lage des Instrumentes an) kamen wiederum Hyflex-Feilen zum Einsatz. Dabei ist zu erwähnen, dass weder die Entfernung des Instrumentenfragmenets noch die initiale Aufbereitung des MB1 ohne die Extension der Zugangskavität möglich gewesen wäre.

Saving Hopeless Teeth (XXXIII)

von Ronald Wecker

Die Überschrift sagt eigentlich schon alles. Es wäre sicher keine falsche Therapieoption gewesen, den Zahn zu entfernen. Andererseits zeigt das Zwischenergebnis nach etwas mehr als 2 Jahren, zu welchen Dingen die Natur in der Lage ist, wenn wir sie entsprechend unterstützen.

R1

Nach zweimaliger WSR und während der laufenden Multiband-Behandlung stellte sich der Patient vor etwas mehr als 2 Jahren bei mir vor. Neben der bereits im 2D-Röntgenbild beeindruckend erscheinenden periapikalen Lyse imponierte die palatinal gelegene aktive Fistel.

Da der Zahn klinisch keine erhöhten Sondierungstiefen aufwies, wurde mit dem Patienten vereinbart die Machbarkeit durch die Erstellung eines DVT zu beurteilen. Dabei war insbesondere zu klären, ob die potentiell kontaminierten retrograden Füllmaterialien auf orthogradem Weg zu entfernen wären.

Die Behandlung wurde zweizeitig durchgeführt. Bereits in der zweiten Sitzung war die Fistelung verschlossen und die Obturation erfolgte nach Anlegen eines Widerlagers aus Kollagen mit MTA.

Heute dann, 26 Monate postoperativ, das mehr als erfreuliche Recall.

Instrumentenfraktur (3b)

von Ostidald Wucker

An dieser Stelle hatten wir den Fall vorgestellt.
Die Situation war klar und es gab die in der Umfrage gestellten Behandlungsoptionen.

Diese haben wir mit dem Patienten besprochen. Er wollte die Entfernung des Fragmentes  ohne chirurgischen Eingriff.

Die Spitze des Fragmentes war fixiert, das Fragment war nicht verklemmt oder eingeschraubt. Eine geringe, nach lateral gerichtete Krafteinwirkung wird

WS8.013das Fragment lockern und nach koronal transportieren. Sollte dies nicht gelingen wäre die chirurgische Intervention notwendig. Der Patient war mit der Behandlungsplanung einverstanden. Die Gefahr, daß das Instrument beim Entfernungsversuch nach periapikal gelangt haben wir bei dem vorgestellten Entfernungsversuch als wenig wahrscheinlich angesehen.

Die Fragmententfernung gelang, wie geplant. Die Desinfektion des Kanalsystems erfolgte mit ultraschall- und schallunterstützter Natriumhypochloritspülung.

Die Lage des Fragmentes im DVT ließ und den Verdacht einer früheren Kanaltransportation mit Perforation vermuten. Das eigentliche apikale Foramen konnten wir nicht einsehen. Wir haben uns entschlossen die Perforation und den apikalen Verschluss im mesialen Kanalsystem mit ProRoot MTA durchzuführen.

Anbei die klinischen Bilder und Röntgenbilder.

 

Instrumentenfrakturen (2)

von Ostidald Wucker

Fragmente können an den verschiedensten Bereichen lokalisiert sein. In dem hier vorliegenden Fall war ein DVT notwendig um die Lage zu bestimmen und möglichst substanzschonend die Entfernung des Fragmentes zu erreichen.

Das Fragment befand sich in diesem Fall im zweiten mesiobukkalen Kanal. Der mesiobukkal erste Kanal war nicht dargestellt und instrumentiert, da die Zugangskavität den Kanaleingang nicht erfasste. Zusätzlich ließ sich noch ein dritter mesiobukkaler Kanal finden.

 

Navigierte Fragmententfernung – das Recall

von Ronald Wecker

Das erfolgreiche Recall ist der stille Beifall für den endodontisch Tätigen.

Und je umfangreicher die bewältigten Probleme waren, umso zufriedener das Lächeln beim Betrachten des Röntgenbildes.

Bereits im März 2014 wurde hier ausführlich berichtet. Nun das Fast-6-Monats-Recall.

Es scheint zu werden. Bei gleichzeitigem Fehlen klinischer Symptomatik zeigt das 2D-Bild bereits deutliche Zeichen einer voranschreitenden Heilung.

27E.013

Instrumentenfrakturen (1)

von Ostidald Wucker

Die Patientin kam mit Beschwerden zu uns. Der Hauszahnarzt informierte uns und die Patientin über eine Instrumentenfraktur in der vorangegangenen Behandlung.  Instrumentenfrakturen gehören zu den Risiken, die man bei einer Wurzelbehandlung eingehen muss. Sie sind nicht 100% auszuschließen. Mit verschiedensten Möglichkeiten kann man diese allerdings so gering wie möglich halten. Dazu gehören zum Beispiel:

  • die Benutzung spezieller drehmomentgesteuerter Motoren,
  • die Einmalverwendung von Wurzelkanalinstrumenten,
  • der sofortige Austausch von maschienell rotierenden Instrumenten mit Formveränderungen nach dem Einsatz im Wurzelkanal und
  • die Krümmungen der Instrumente im Wurzelkanal durch eine optimale Zugangsgestaltung so gering wie möglich zu halten.

Trotz aller Vorsicht kann es zu Frakturen der grazilen Instrumente kommen. Mitunter wird das Problem verschwiegen und der Patient nicht dahingehend aufgeklärt. Das kann zu Problemen führen. Der Patient sollte informiert werden und mit ihm zusammen nach Lösungswegen gesucht werden. Frakturierte Instrumente lassen sich oftmals entfernen oder passieren. Passieren heißt, man kann an dem Instrumentenrest vorbei den Kanal erschließen und desinfizieren.
Diese Therapievarianten gehören in die Hand des routinierten Behandlers, der dies regelmäßig erfolgreich bewältigt.

Zurück zum Fall. Hier gelang die Entfernung der Fragmente und die anschließende Aufbereitung und Versorgung des Zahnes. Nach dem 3 Monatsrecall war bereits eine Heilung der apikalen Region zu erkennen.

„Navigierte“ Fragmententfernung

von Ronald Wecker

Bereits das präoperative Einzelbild liess erahnen, dass die Entfernung des längeren Lentulofragmentes keine einfache sein würde. Das ebenfalls angefertigte DVT ergab zudem ein resorptives Geschehen im Bereich der Wurzelspitze der  mesiobukkalen Wurzel des 27.

Dadurch bestand die Gefahr, dass bei einem ungeplanten Agieren mit Ultraschallansätzen das Fragment nach palatinal in den Bereich der periapikalen Lyse verbracht werden könnte.

In Behandlungsfällen wie dem hier gezeigten bietet das DVT die Möglichkeit das therapeutische Vorgehen noninvasiv zu planen und den Patienten bereits präoperativ eine recht genaue Einschätzung zur Durchführbarkeit der Fragmententfernung zu geben.

Das Vorhandensein eines unbehandelten MB2 und der tief hinabreichende Isthmus zwischen MB1 und MB2 war dabei von entscheidender Bedeutung. Etwas vereinfacht wurde es zudem dadurch, dass das nicht erhaltungswürdige Implantat in regio 26 zwei Wochen vor der endodomtischen Revisionsbehandlung entfernt wurde. Somit war ein geradliniger Zugang zum koronalen Fragmentanteil möglich.

Nach Entfernung der Obturationsmassen wurde zunächst der schlitzförmige Isthmus anfangs hantelförmig und dann bohnenförmig erweitert. Um ein Verbringen nach periapikal zu vermeiden wurde das Fragment immer nur in einem Sektor von ca. 110 Grad und immer in einer nach bukkal gerichteten Bewegung mit Ultraschall bearbeitet.

Nun wird das Röntgen-Recall zeigen müssen, ob die Behandlung auch im biologischen Sinne erfolgreich war.

Röntgenbilder lügen…

von Ostidald Wucker

Röntgenbilder lügen. Das ist nicht neu. Trotzdem ist es immer wieder überraschend, wenn man einer Situation gegenüber steht, die plötzlich anders als erwartet ist.

Im vorliegenden Fall stellte sich die Patientin nach Überweisung in unserer Praxis vor. Zur Vorstellung waren akute Beschwerden vorhanden. Der Zahn 46 zeigte keine erhöhten Sondierungstiefen. Die Patientin gab starke Aufbissschmerzen und Perkussionsschmerzen horizontal an. Die Krone war okklusal provisorisch verschlossen.

Das Röntgenbild zeigt im distalen Kanal Fremdkörper. Diese stammen wahrscheinlich von der Präparation der Zugangskavität durch die Krone hindurch und sind Späne/Partikel der verwendeten Metallegierung. Mesial war ein Fragment im apikalen Drittel zu lokalisieren.

Nach entsprechender Beratung, Aufklärung erfogte die Schmerzbehandlung mit Darstellung des Fragmentes. Es zeigte sich bereits eine Stufe in Höhe des Fragmentkopfes. Nickeltitaninstrumente haben die Eigenschaft sich gerade zu stellen. Damit liegt die Oberkante des Fragmentes immer an der mesialen Wand (Außenkurvatur) des mesiobukkalen Kanales an.  Die Ultraschallpräparation erfolgt an der Innenseite der Kurvatur der Kanalkrümmung. Um das Überstreifen einer Schlinge oder Kanüle zu ermöglichen wurde das Fragment mit einem Kissen aus Teflon dezent aufgerichtet. Durch Ultraschallkontakt entgegen der Uhrzeigerrichtung konnte das Fragmentes mobilisiert und entfernt werden. Eine Kontrollaufnahme zeigte zwei weitere Fragmente. Diese waren im Ausgangs Bild nicht zu erkennen.

Die Länge des Fragmentes 1 lässt einen Ermüdungsbruch vermuten.

War das Fragment 1 durch den Ultraschalleinsatz an der Spitze frakturiert?
Lange festsitzende Fragmente können durch den Ultraschalleinsatz einen weiteren Ermüdungsbruch zeigen. Im vergrößerten Röntgenausgangsbild könnte man eine Unterbrechung des Fragmentes apikal vermuten. Aber sicher sagen lässt sich das nicht.

Mittels DVT wäre die genaue Lage der Fragmente erkennbar gewesen. Im vorliegenden Fall wären diese Informationen hilfreich gewesen. Da es uns nicht in der Praxis zur Verfügung stand, konnte auf diese Diagnostik nicht intra operationem zugegriffen werden.

Die Entfernung des Fragmentes 2 gelang nach weiterer sonoabrasiver Präparation und optischer Darstellung im Isthmus. Die Schaumstoffabdeckung des mesiolingualen Kanales wurde entfernt und mittels hydrodynamischer Bewegung durch wechselseitige Schall- und Ultraschallaktivierung der Spülflüssigkeit konnten beide Fragmente nacheinander entfernt werden. (Der Fremdkörper im distalen Kanal wurde bereits in der ersten Sitzung mit der Mikroabsaugung abgesaugt.)

Die Schumstoffpellets der Abdeckung des distalen Kanales erwiesen sich als Fragmentfänger.
Abschließend wurde das Kanalsystem nach Desinfektion thermisch obtruiert und adhäsiv verschlossen.

Glück gehabt

von Ronald Wecker

Das alio loco angefertigte OPG liess mich die Entfernbarkeit des Instrumentenfragmentes als zumindest fraglich einordnen. Zahn 37 war stark nach mesial geneigt und zudem als Brückenpfeiler für eine unproblematische Optimierung der Zugangskavität nicht unbedingt sonderlich gut geeignet.

Erschwerend hinzu kam, dass es neben der mesio-distalen noch eine ausgeprägte bukko-linguale Krümmung im betroffenen mesiobukkalen Kanalsystem gab.

In Fällen, in denen eine Kommunikation oder Konfluation der mesialen Kanalsysteme nicht unwahrscheinlich ist, bietet das nicht blockierte Kanalsystem eine gute Möglichkeit das apikale Drittel chemo-mechanisch aufzubereiten, ohne dass dabei das frakturierte Instrument entfernt werden muss. Das präoperativ angefertigte DVT zeigte, dass MB nahezu rechtwinkelig in ML mündete.

Bereits das erste Instrumentieren mit vorgebogenen Handinstrumenten zeigte, dass ein Passieren der Kommunikationsstelle problemlos möglich war. Nach initialer Erweiterung des ML wurde begonnen, das Fragment im koronalen Anteil freizulegen. Um eine versehentliches Verbringen des Fragmentes aus MB in ML zu verhindern wurden D und ML mit Schaumstoffpellets abgedeckt. Eine sinnvolle Massnahme, wie ich später noch erfahren sollte.

In der zweiten Behandlungssitzung kam diese Vorsichtsmassnahme leider nicht zum Einsatz und die Strafe folgte auf den Fuss: Nachdem mittels vorgebogener Endosonorefeilen das Fragment zunächst gelockert werden konnte, kam es bei der nächsten „Spülaktion“ zum Lösen des Fragmentes mit zeitgleicher Verbringung in den schon aufbereiteten ML.

Sofort fiel mir die Geschichte von Cliff Ruddle ein, die jener auf der 2. Jahrestagung der DGEndo in Köln im Jahre 2003 zum besten gab. Nachdem ihm dasselbe Missgeschick wie mir passiert war, eröffnete er der Patientin, dass er eine gute und eine schlechte Nachricht für sie hätte: die gute war, dass er das Instrument aus dem einen Kanal entfernen konnte, die schlechte, dass es nun im anderen Kanal verschwunden war.

Ich hatte Glück, da sich das Fragment innerhalb der nächsten Sekunden mit ein wenig Ultraschallunterstützung und einer Endosonorefeile entfernen liess. Freilich erst, nach dem ich diesmal alle anderen Kanäle mit Schaumstoff abgedeckt hatte. Eigene Missgeschicke prägen sich offensichtlich besser ein, als welche die man vom Hörensagen kennt.

Kunst im Zahn

von Jörg Schröder

Es ist schon unglaublich, mit welcher Kunstfertigkeit dieses Instrument  zusammen gefaltet und im palatinalen Kanal eines oberen Molaren platziert worden war.

26D.001

Anatomie eines Feilenbruches – Teil 2

von Noel Schabrack

Hier ging es los. Heute der 2. Teil.
So, die Feile war nun dargestellt. Zumindest der obere Ende war im mesio-buccalen Kanal zu erkennen.

Eine gespitzte NSK E5 Ultraschall-Spitze wurde aufgeschraubt und los ging es mit dem zirkulären Freilegen der Feile. Ich mache es ohne Wasser, die Helferin pustet den entstehenden Staub mit dem Luftbläser weg, so dass ich gut sehen kann, was ich gerade mache.
Schon nach kurzer Zeit war die Feile nicht mehr zu sehen. Also Spülung und wieder trockenen.
Die Feile war immer noch nicht zu sehen.

Mögliche Ursachen:

  • die Feile hat sich schon gelöst und ist herausgeflogen – bei der Lage und Länge der Feile eher unwahrscheinlich, ausserdem sieht man das normalerweise
  • die Feile liegt anders als vermutet

Wenn die Feile anders liegt als vermutet, muss man wieder suchen.
Aber wo?

Erste Frage:
Wo liegt sie sicher nicht?
Das ist relativ leicht zu beantworten.
Sie wird nicht buccal liegen, da im unteren 7er, wenn er zwei Wurzeln hat – und Hinweise auf drei oder mehr Wurzeln gab es auf dem Röntgenbild nicht, der mb Kanal eine starke Krümmung nach zentral aufweist.
Die mesiale und distale Richtung kann man mit dem Röntgenbild ausschliessen.

Also muss ich nach zentral weitersuchen. Der Kanaleingang wurde mit dem Rosenbohrer nach zentral erweitert – und schon war die Feile wieder zu sehen.

Nun musste die Feile weiter freigelegt werden. Es wird wieder zirkulär Dentin abgetragen. Sobald buccal vom Fragment Dentin abgetragen wurde, und ein Freiraum entstand, drückte sich das Fragment wieder nach buccal an die Wand. Das heisst ganz klar, dass das Fragment gebogen ist, und es sich gerade richtet, sobald es die Möglichkeit dazu hat.
Das heisst aber auch, dass, wenn buccal weiter Dentin abgetragen wird bis das Fragment spannungsfrei ist, buccal mit Sicherheit die Wurzel perforiert wird.
Also muss das Dentin dort abgetragen werden, wo die Perforationsgefahr am geringsten ist. Und das ist an der Innenkurvatur des Fragmentes.

So wurde das Fragment freigelegt, indem nach zentral Dentin abpräpariert wurde. Nach einiger Zeit hat sich das Fragment im Kanal entspannt und es lag locker, es kam jedoch nicht um die Kurve, erst nach weiterem Substanzabtrag konnte sich die abgebrochene Feilenspitze ganz lösen.
Im Laufe der Freilegung wurde klar, wie stark die Krümmung des Kanals nach zentral wirklich war.
Anschliessend wurde mit NaOCl desinfiziert und als Medikament Calciumhydroxid eingelegt. Zum nächsten Termin wird nochmals desinfiziert und abgefüllt.

Anatomie eines Feilenbruchs – Teil 1

von Noel Schabrack

Heute mal wieder eine Überweisung zur Fragmententfernung. Die Patientin stand mittags um 12.00 Uhr in der Praxis, sie komme direkt vom Kollegen aus dem Nachbarort, er habe gerade eine Endo-Feile abgebrochen, es sei noch eingespritzt, ob man die gleich entfernen könne. Sie hatte ein Rö dabei.
Theoretisch, ja.
Praktisch eher nicht, obwohl gerade am Spätnachmittag ein 90 min Termin abgesagt wurde.

Zuerst mal Aufklärung.
Risiken, Erfolgschancen, Kosten.
Anschliessend die geforderten 24 h Bedenkzeit.

Da wird es schwierig mit „sofort“.
Die Patientin wurde aufgeklärt und mit einem Termin nach Hause entlassen.

Zum vereinbarten Termin wurde nochmals ein Röntgenbild angefertigt.
Anschliessend erfolgte unter Kofferdam der erneute Zugang, Korrektur der Trepanationsöffnung, da diese viel zu klein war, Darstellung der Kanaleingänge und deren Erweiterung um einen gerade Zugang zu erreichen.
Dabei wurde ausgiebig gespült, um freie Sicht zu haben, denn Debris war auch noch genügend in den Kanälen.
Die Darstellung des Fragmentes erfolgte mit Gates-Bohrern und einem abgeschnittenen Gatesbohrer, um ein Plateau am oberen Ende des Fragmentes zu erreichen.
In keinem Kanal, auch nicht in den schon aufbereiteten konnte Patency hergestellt werden.

Wenn man liest wieviel Vorbereitung noch notwendig war, nur um das Fragment darzustellen, fragt an sich, ob diese Arbeiten nicht schon vor der Aufbereitung notwendig gewesen wären.
Sagen wir mal so:
Wenn die Vorarbeiten gemacht worden wären, wäre die Feile – wahrscheinlich – nicht gebrochen.

So wie es aussieht wurden hier grundliegende Regeln nicht beachtet, was dann in der Summe – und vielleicht auch noch in Kombination mit einem wiederaufbereitetem Instrument – zur Fraktur führte:

  • die Trepanationöffnung war zu klein, sie war zwar lang, aber viel zu schmal
  • die Kanaleingänge waren somit auch nicht begradigt
  • es wurde zu wenig gespült, sodass noch viel Debris im Kanal war und man nichts sehen konnte

Die Feile musste schon um zwei starke Kurven um überhaupt in den Kanal zu gelangen. Zuerst nach mesial, um den Eingang zu erreichen, dann nach lateral, um in den Kanal zu kommen.
Man kann davon ausgehen, dass ein so einem Fall (endständiger Zahn 47, aufgrund der zu kleinen Trepanationsöffnung muss die Feile von distal eingeführt werden, um nur in die Nähe des mesiobuccalen Ofificiums zu kommen, keine Sicht, somit keine Kontrolle) die Feile erst nach mehrmaligen Fehlversuchen in den Kanal eingeführt werden kann. Dies bringt zusätzlichen Stress auf die Feile und begünstigt einen Ermüdungsbruch.

Dann kommt noch die eigentliche Kanalkrümmung dazu, die bei diesem Zahn stark Richtung zentral geht.
Eigentlich hatte die Feile keine Chance.

Drahtschlingentechnik zur Entfernung von Instrumentenfragmenten aus dem Wurzelkanal

von Nils Widera 
Die Entfernung frakturierter Instrumente stellt im Alltag der endodontischen Tätigkeit (für mich) eine besondere Herausforderung dar.Auf der einen Seite erwarten Überweiser und Patient das gerade dieses Missgeschick vom „spezialisierten“ Kollegen mit seinem Wundermikroskop gelöst werden müsste. Auf der anderen Seite wissen wir selbst nicht immer genau, unter welchen Umständen die Fraktur zu Stande kam.

Handelt es sich um ein neues Instrument welches sich eingeschraubt hat oder führte Materialermüdung aufgrund mehrfacher Aufbereitungszyklen zum Worst Case?

Schließlich sitzt man vor dem Mikroskop und hofft das Altmetall mit etwas Glück und Geschick nach 30 Minuten entfernt zu haben. Und dann stellt man fest – Torsionsfraktur – das Instrument sitzt unter Spannung im Kanal und auch noch von bukkal nach oral gekrümmt.

Jeder der oft endodontisch tätig ist, hat eine solche oder eine ähnliche Situation schon einmal erlebt.

Es gibt diverse Hilfsmittel und Techniken  die ich hier nicht alle erwähnen möchte. Die Schlingentechnik nach M. Arnold brachte einen Kollegen aus Ohorn/ Sachsen auf den Gedanken, diese Schlinge irgendwie flexibler zu gestalten. Und so kamen wir auf die Idee, einen Draht durch eine möglichst dünne Spülkanüle zu führen. Wenn man das zweimal schafft, entsteht am Austrittsende der Kanüle eine flexible Schlaufe, die man dann in der Art eines Lassos um dass Fragment legen kann und durch Zug an den beiden Enden strafft. Das Fragment drückt sich gegen das Ende der Kanüle und kann mit etwas Gefühl herausgezogen werden .

Soweit die Theorie.

In der Praxis stellten sich folgende Fragen:  1. Gibt es einen Stahldraht in entsprechend feiner Ausführung? 2. Kann dieser extrem dünne Draht eine ausreichende Zugfestigkeit aufweisen?

Die Recherche im Internet und Anrufe bei diversen Herstellern führten schließlich zur Firma „Feindrahtwerk Sassenscheid“. Dort wird ein säure – und rostbeständiger Sonderstahldraht mit dem Namen  „W.-Nr. 1.4301“ und einem Durchmesser  von unglaublichen 0,05 mm hergestellt. Das entspricht in etwa der Dicke eines menschlichen Haares. Die Zugfestigkeit wird mit ca. 2200 N/qmm angegeben.

Nachdem also ein entsprechendes Muster in der Praxis angekommen war, machte ich mich unter zu Hilfenahme des Mikroskops an das Fädeln. Die dünnste Kanüle mit der es gelang, war eine 0.3 mm Spülkanüle. Die Sterilisierbarkeit stellt so kein Problem dar und es ist sehr gut möglich, leichte Krümmungen oder Biegungen  in die Kanüle zu bekommen. Die Größe der „ Lasso – Schlaufe“ lässt sich sehr gut regulieren.

Im nachfolgend dargestellten Fall handelte es sich um eine Torsionsfraktur einer Feile im mesiolingualen Kanal des Zahnes 47. Längeres Arbeiten mit dem US brachte keine Bewegung und da der Kanal und damit auch das Fragment stark nach bukkal gekrümmt war, führte die Spannung dazu, dass das sichtbare Fragmentende permanent gegen die linguale Kanalwand drückte.

So startete ich also einen Versuch mittels Lassoschlaufe. Da der Draht so super fein ist, liess er sich erstaunlich gut um den sichtbaren Fragmentanteil legen. Danach wird der Draht mit sehr viel Gefühl von der Assistenz mittels eines chirurg. Nadelhalters vorgespannt. Dann muss man leider ohne Sicht selbst vorsichtig eine ausreichende Spannung erzeugen und die Kanüle aus dem Kanal ziehen. Nach dem zweiten Versuch hat das im vorliegenden Fall zum Erfolg geführt und ich war sehr erstaunt, wie viel Zugkraft der Feindraht aushält.

Natürlich ist diese Methode der Fragmententfernug nur eine von vielen Möglichkeiten, aber – die entsprechende Situation vorausgesetzt –  ist es sicherlich sinnvoll, sie einmal auszuprobieren.

2D zuzüglich 3D (III)

von Ronald Wecker

Die endodontische Revisionsbehandlung bereits resizierter Zähne stellt immer dann besondere Anforderungen an die Behandlungsplanung, wenn die Entfernung retrograder Füllmaterialien vorgesehen ist.

Um die oftmals nicht unter dem Neo-Foramen gelegenen retrograden Füllmaterialien  auch ohne direkte Sicht entfernen zu können, ist es hilfreich deren genaue Lage durch eine dreidimensionale präoperative Diagnostik bestimmen zu können. Die zweidimensionale Diagnostik alleine reicht dazu nicht aus.

Wenngleich die Entfernungsnotwendigkeit mitunter kontrovers diskutiert wird, befürwortet der Autor den Entfernungsversuch in jedem Fall zu unternehmen, da sich auf den retrograden Füllmaterialien einer nicht erfolgreichen Resektionsbehandlung in den meisten Fällen deutliche Spuren einer bakteriellen Kontamination zeigen.

Nach der Entfernung der intrakanalär vorhandenen Obturationsmaterialien und eventuell vorhandener Fremdmaterialien (in diesem Fall ein Amalgampartikel und eine frakturierte Hedströmfeile) kann in aller Regel das Neo-Foramen unter dem Dentalmikroskop visualisiert werden.

Anhand des DVT ist eine Lagebestimmung einfach möglich. Die zur Entfernung eingesetzte Endosonore-Feile der Größe ISO 20 wird im apikalen Anteil entsprechend vorgebogen um quasi „um die Ecke“ arbeiten zu können. Mit geringer Energieeinstellung (VDW Ultra Stufe 20, P5 Stufe 2) wird mit kurzen Ultraschallimpulsen das Retrofüllmaterial gelöst und anschliessend nach koronal herausgespült.

Um einen gewissen Spüldruck zu erzeugen zu können ohne das Risiko eines NaOCl-Spülzwischenfalls zu provozieren, empfiehlt es sich, mit CHX zu spülen. Gelöste Teile können mit ebenfalls vorgebogenen Microopenern oder Microdebridern aus dem Periapikalbereich herausbewegt werden.

In vorliegendem Fall wurde die Behandlung zweizeitig durchgeführt. Nach Fragmententfernung und Entfernung aller Obturationsmaterialien wurden alle Kanäle nach Erstellen eines kollagenen Widerlagers mit MTA obturiert. Die präoperativ vorhandene Fistelung war nach medikamentöser Einlage bereits nach der ersten Sitzung verschlossen, der Zahn beschwerdefrei.

Die Verlaufskontrolle wird zeigen, ob es zu einer Ausheilung der periapikalen Lyse kommen wird.

Die Mutter aller WF – Revisionen – Recall nach 5,5 Jahren

von Donald Becker

Den nachfolgenden Fall habe ich immer „die Mutter aller WF – Revisionen“ genannt, weil er eigentlich alle Schwierigkeiten, die es im Rahmen einer WF Revisionen geben könnte, auch wirklich enthält.

11 an der Zahl.

Der überwiesene Patient, GKV versichert, hatte , nachdem wir den Zahn 37 wurzelkanalbehandelt hatten, mehrmals nachdrücklich darum gebeten, den vor etwa 8 – 10 Jahren endodontisch behandelten und zeitweilig symptomatischen Zahn 36 mit

  • Fistel
  • Apikalen Aufhellungen
  • Lateraler Aufhellung
  • Interradikulärer Aufhellung
  • Wurzelstift
  • Via Falsa / Perforation
  • Vorhandenes Instrumentenfragment
  • insuffizienter Wurzelfüllung
  • Stufen, Verblockungen,Obliterationen
  • 9 mm Tasche

durch eine Wurzelkanalrevision zu erhalten.

Ich hatte dies, mit Hinweis auf ein Implantat als in diesem Fall vorhersagbarerer und sichererer Versorgungsform 3 mal nacheinander abgelehnt, aber der Patient kam immer wieder, so dass ich schließlich in den Versuch des Zahnerhaltes einwilligte.

Mittlerweile sind 5,5 Jahre seit WF vergangen.
Die Zähne 37 und 36 sind mit Metallkeramikkronen und der Zahn 35 ist mit einer direkten Kompositrestauration versehen.

Das aktuelle Kontrollröntgenbild von vorletzter Woche zeigt eine vollkommene knöcherne Ausheilung aller ehemals vorhandener Knochendefekte.

Ein schönes Ergebnis und ein wirklicher Grund zur Freude für Patient und Behandler.

Nur eines macht mich nachdenklich.
Wäre es nicht fair, wenn der Patient, der die gesamte endodontische Behandlung aus eigener Tasche gezahlt hat, von seiner Krankenkasse angesichts des Heilungserfolges den Teil der Kosten übernommen bekäme, der in der der GKV für die endodontische Behandlung eines solchen Zahnes vorgesehen ist ?

2D zuzüglich 3D

von Ronald Wecker

Die Planung der praktischen Herangehensweise wurde in vorliegendem Behandlungsfall entscheidend durch die Auswertung des angefertigten DVT beeinflusst.

Zahn 27 zeigte klinisch eine zunehmende Aufbiss- und Perkussionsempfindlichkeit. Die Wurzelfüllung lag laut Patient mehr als 10 Jahre zurück. Das präoperativ angefertigte digitale Einzelbild lässt ein apikal der Krümmung in der mesialen Wurzel gelegenes Instru-mentenfragment, sowie eine unvollständige Wurzellfüllung erkennen.

PräOp

Das angefertigte DVT lässt neben einer apikalen Aufhellung an der mesialen Wurzel noch eine Perforation der knöchernen Begrenzung des Sinusbodens erkennen.

PreOp DVT

Für die Herangehensweise konnten dem DVT weitere wichtige „Hinweise“ entnommen werden:

– die palatinale Wurzel weist im apikalen Drittel eine deutliche Krümmung nach bukkal auf.    Die Zugangskavität wird in der Folge nach palatinal ausgedehnt. Es werden bei der initialen Aufbereitung nach bukkal vorgebogene Handinstrumente engesetzt um die zu erwartende iatrogene Stufe am Übergang vom mittleren zum apikalen Wurzeldrittel zu überwinden.

– Apikal des Fragmentes in der mesialen Wurzel stellt sich der Kanal recht weit dar um im sich im apikalen Drittel deutlich zu verengen. Dies liess vermuten, dass die beiden in der mesialen Wurzel befindlichen Kanäle  im apikalen Drittel kommunizierten u.U. konfluierten.

Sagittalebene

Es erschien daher sinnvoll nach der initialen Darstellung des Fragmentes zunächst zu versuchen, das Fragment über den nicht aufbereiteten MB2 zu passieren. Mit einem vorgebogenen Microopener gelang es das Fragment seitlich zu passieren. Mit zunehmender Aufbereitungsgröße konnte schliesslich das Fragment ultraschallunterstützt entfernt werden. Dazu wurde mittel Endosonore-Felen der Größe ISO 20 das mesiobukkale Kanalsystem tropfenförmig in Richtung palatinal erweitert.

PräOp, Messaufnahme
Nach der definitiven Aufbereitung erfolgte die Obturation in warmer vertikaler Kompaktion.
Masterpoint, Downpack, WF Kontrolle

Apikales Angeln

von Ronald Wecker

Es ging eigentlich um Zahn 46. Dieser zeigte 12 Jahre nach der alio loco durchgeführten endodontischen Behandlung eine zunehmende Perkussions- und Aufbissempfindlichkeit.

Das angefertigte digitale Einzelbild zeigte eine apikale Aufhellung im Bereich der mesialen Wurzel. Bereits wenige Wochen nach der Erstvorstellung erschien der Patient erneut, diesmal mit einer auf Höhe des mittleren Wurzeldrittels gelegenen bukkalen Schwellung der marginalen Gingiva und isolierten Sondierungstiefen bukkal und lingual von mehr als 8 mm.

Das mit in die isolierten Taschen eingebrachten Guttaperchaspitzen angefertigte Röntgenbild erhärtet den Verdacht auf eine Vertikalfraktur der mesialen Wurzel. Dem Patient wurde die Entfernung des Zahnes 46 und spätere implantologische Versorgung nahe gelegt.

Einige Wochen nach der Zahnentfernung stellte sich der Patient mit einer lingualen Druckdolenz an Zahn 45 auf. Das angefertigte DVT lässt eine deutliche bandförmige Osteolyse der lingualen Alveolenwand erkennen. Das bereits im 2D-Bild zu diagnostizierende im Periapikalbereich gelegene Fremdmaterial liegt bukkal.

Nachdem in einer ersten Behandlungssitzung das alte Obturationsmaterial entfernt und eine Vertikalfraktur ausgeschlossen werden konnte, erfolgte eine Einlage mit CaOH2 für 3 Wochen. In der zweiten Sitzung, der Zahn war mittlerweile beschwerdefrei, zeigte sich nach chemo-mechanischer Aufbereitung apikal ein Foramen der ISO-Größe 70. Das apikal befindliche Fremdmaterial konnte nicht visualisiert werden. Ein stark vorgebogener Microopener wurde intentionell durch das Foramen bewegt um im seitlichen Periapikalbereich zu versuchen das Fragment orthograd zu entfernen.

Nach einigen Versuchen gelang es das Fragment ein wenig in das Foramen hinein zu bewegen. Unglücklicherweise lag das Fragment nahezu horizontal unter der apikalen Kanalöffnung, Nach ultraschallunterstützter Modifikation des Foramens konnte das Fragment schliesslich nach koronal bewegt werden. Die Obturation erfogte mit MTA. Die Zugangskavität wurde dentinadhäsiv verschlossen.

Ein wenig Glück gehörte sicherlich dazu, aber der gezeigte Fall lehrt mich einmal mehr, auch in scheinbar wenig verheissungsvollen Situationen zumindest zu versuchen periapikal gelegenes Fremdmaterial zu entfernen.

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Entfernung eines SSA und einer Feile

von Bodald Necker

Der Patient wurde überwiesen zur Endo-Revision.
So weit, so gut.

Sichtbare Hürden:

ein Stumpf-Stift-Aufbau distal und eine abgebrochene Feile mesial.

Ein geschraubter Stift stellt meist keine große Hürde dar, wenn es um dessen Entfernung geht. Dieser hier war mit mit einem Kunststoff eingeklebt, und der distale Kanal war im Eingangsbereich schon weit eröffnet, so dass die kleinen Gewinde-Schneiden, die der Para-Post Stift in der Mitte des apikalen Teil aufweist, und seine länglichen Aussparungen, komplett mit Kunststoff zugeklebt waren und sich nicht ins Dentin geschnitten haben. Somit mussten die Gewinde-Schneiden mit Ultraschall ganz freigelegt werden, bevor sich der Stift rausdrehen ließ.
Das war

Um mesial die Feile zu entfernen wurde zuerst ein gradliniger Kanaleingang geschaffen, die scharfe Kurve am Kanaleingang wahrscheinlich auch ein Grund für die Franktur des Instrumentes. Das obere Ende der Feile wurde mittels rotem Gates-Bohrer dargestellt, mit einem abgeschnittenem Gates-Bohrer wurde ein Plateau geschaffen und mit Ultraschall freipräpariert.
Eigentlich wollte ich die Feile mittels IRS fassen und rausgrehen, aber dazu war der Kanal noch viel zu eng und für Komet Endo-Rescue war die Feile zu schräg im Kanal (wie so oft bei den Feilen-Entfernungs-Systemen).
Also wieder klassisch mit US-Spitze freigelegt – hauptsächlich an der Innenkurvatur, um peripher nicht zu perforieren. Das Feilenfragment war nicht festgeklemmt, so dass es sich, nach ausreichender Präparation des umgebenden Dentins, durch einen gezielten Luftstoss aus dem Luftbläser herausblasen liess.
Die anderen Kanaleingänge wurde vorher mit kleinen Kügelchen aus Teflon-Band verschlossen, um zu verhindern, dass das Feilen-Stückchen in einen anderen Kanal fällt.

Das Metall wurde aus dem Zahn entfernt, wir werden sehen, welche Überraschungen der Zahn noch bereit hält.

Nachteil des IRS- und des Endo-Rescue-Systems sind eindeutig der Platzbedarf und/oder die Richtung in der das Instrument im Kanal liegt. Wenn sich die Fragmente im oberen viertel oder Drittel des Kanals befinden, kann mit so einem System durchaus eine Feile gut und sicher entfernt werden. Tiefer im Kanal komme ich persönlich schneller mit einem spitzen US-Tip ans Ziel.

Vorteil der Entfernungssysteme kann sein, dass die Kanalwand weniger in Mitleidenschaft gezogen wird und der weitere Kanalverlauf wieder einfacher katheterisiert werden kann.

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Altmetallsammlung…

von Sebastian Riedel

Vor einigen Wochen wurde hier schon unter dem Stichwort Rumpelkammer Prof.Dr. Louis I. Grossman zitiert.

Beim folgenden Fall kam mir seine Redewendung wieder in den Sinn.

Die Patientin suchte uns auf, nachdem alio loco, auch unter Zuhilfenahme eines Operationsmikroskopes, versucht wurde, den Zahn 37 zu behandeln. Die Kollegin entschied sich während der Revision, die Behandlung nicht fortzusetzen und in unsere Hände zu empfehlen.

Vorweg : alles, was ausgegraben werden konnte, muss lange zurückliegenden Behandlungen zugeordnet werden. Sagt die Patientin.

Das mitgebrachte Röntgenbild, eine Mikroskop-Standbildaufnahme und unsere diagnostische Aufnahme mit GuttaPercha im vorhandenen Fistelmaul zeigten eine ausgedehnte interradikuläre knöcherne Lyse als auch metallische Fremdkörper im Bereich eines Kanaleingangs. Der Zahn wies klinisch keine Lockerung auf und verfügte über genügend koronale Restsubstanz, die Erhaltungswürdigkeit war gegeben.

Eine Perforation des Pulpakammerbodens konnte nicht festgestellt werden , jedoch förderte ich außer den röntgenologisch sichtbaren noch einige separierte Fragmente zu Tage. Allein aus dem distobukkalen Kanal konnten  3 Fragmente entfernt werden, die nacheinander an einer Stufe vom Rest des Wurzelkanalinstruments separiert worden waren. Zusätzlich sieht man neben den 7 metallischen Trophäen auch einen winzigen Dentikel.

Im Laufe der Erschließung der Kanalsysteme formte sich koronal eine deutliche C-Struktur, die in der Tiefe in vier getrennte Kanalsysteme und Foramen verzweigte.

Fast hätte es die nicht entfernte Luftblase noch geschafft, mich vom Vorzeigen abzuhalten, die Freude über den Fall ist aber größer als der Ärger über meine offensichtliche Inkonsequenz in diesem Punkt. Trotzdem ein wenig schade.

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Lentuloentfernung Frontzahn- leider kein Routinefall

von Donald Becker

Eigentlich hätte alles ganz schnell gehen müssen…

Denn ein abgebrochenes Lentulo aus einem Oberkieferfrontzahn zu entfernen, gehört normalerweise, was Fragmententfernung angeht, zu den einfachen Sachen.

Hier, bei dieser Überweisung nach Wurzelkanalbehandlung 21 und initialer Wurzelkanalbehandlung an Zahn 11 war alles ganz anders.

Was vermutlich damit zusammenhing, dass sich 2 Lentulos ineinander verkeilt hatten und die Beweglichkeit der Einzelfragmente fast vollständig hemmten.

Mehr als 90 Minuten dauerte es, bis beide Fragmente entfernt werden konnten. Tube -Technik, Fragmentpinzette, ein  selbstgebautes IRS – Instrument, all diese Massnahmen scheiterten und so halfen nur Geduld und zielgerichtetes Arbeiten unter dem Dentalmikroskop mit Ultraschall und Komet – Rosenbohrern.

Was im Video letztendlich so spielerisch leicht aussieht, ist das Ergebnis von 1,5 Stunden Vorarbeit.

Die notwendig gewordenen Wurzelkanalbehandlungen an Zahn 11 und 21 sind im Übrigen das Resultat eines ein paar Wochen zurückliegenden Arbeitsunfalls. Beide Zähne sind schmerzfrei.

Was wäre die Alternative gewesen zur Fragmententfernung ?
In diesem Falle die Extraktion, denn eine suffiziente Wurzelkanalbehandlung mit den beiden Fragmenten in situ wäre nicht möglich gewesen. So gesehen rechtfertigt der Zahnerhalt den in diesem Falle extrem  hohen Zeitaufwand.

Wenn´s schnell gehen soll…

von Mick Nason

Schmerzbehandlung wie man sie nicht machen sollte ;-( .
Oder schnell, schnell klappt doch nicht.
Hier die Geschichte.

Eine Patientin mit Schmerzen, sehr ängstlich,  und natürlich unangemeldet zwischen 2 regulären Terminen drangenommen.

Okay, also nur excavieren und bis kurz vor Apex und Größe 25/06 aufbereiten, spülen und medikamentöse Einlage mit Ledermix.

Beim Einbringen der Ledermix-Paste mit dem Lentulo zwei kurze Bewegungen in den Kanal hinein, aber warum ist das Lentulo so kurz?

Na super,  die Einheit war verstellt, auf Linkslauf. Selber nicht gesehen und die  neue Mitarbeiterinnen hat auch nicht drauf geachtet.

Daraus resultierte viel „Spaß“ beim Entfernen der Fragmente.
Diesmal dann auch mit ordentlicher präendodontischer Aufbaufüllung und der notwendigen Ruhe.


Vertrackt!

von Ronald Wecker

Fragmente im mittleren Kanaldrittel mit einer Länge von 3-4 mm stellen normalerweise kein wirkliches Problem dar. Schon gar nicht unter Zuhilfenahme eines Dentalmikroskopes. Und erst recht nicht an einem unteren Eckzahn.

Normalerweise.

Nicht jedoch wenn das Kanalsystem eng und schlitzförmig gestaltet ist und zudem nach distal und bukkal gekrümmt verläuft. Und erst recht nicht, wenn das Instrumentenfragment die Spitze eines diamantiertern Ultraschallansatzes ist.

So geschehen am heutigen Tag. Zahn 33 mit einer recht ungewöhnlichen Kanalgeometrie. Es sah zunächst nach 2 Kanalsystemen aus. Nachdem die Zugangskavität des Überweisers verändert war, konnten 2 durch einen schmalen Isthmus getrennte Kanäle sondiert werden.

Die vorgebogene Endosonor-Feile vermochte den koronalen Teil des Schlitzes jedoch nach meinem Dafürhalten nicht rasch genug zu erweitern. Also musste ein diamantierter Ansatz her. Der erst Kontakt mit dem Dentin war das Aus für die Arbeitspitze. Die Schwerkraft tat ihr Übriges und das Teil stürzte kopfüber nach apikal. Der Microopener konnte das Teil bewegen und so war es schnell  nach oben gezogen. Das Vorhaben es nun mit einem leicht forcierten Spüleinsatz mit CHX nach koronal zu befördern war nicht von Erfolg beschieden. Statt bukkal saß das Fragment jetzt lingual und noch etwas tiefer.

Die Idee es nun mit Ultraschall zu entfernen war prinzipiell richtig, jedoch sollte man a) vorher koronal so viel Platz schaffen daß das Fragment auch in leicht schräger Lage entfernt werden kann und b) das diamantierte Fragment tunlichst nicht so mit dem Ultraschallansatz treffen, daß es noch weiter nach apikal rutscht. Weil sich dann nämlich die Diamantierung als wenig hilfreich entpuppt. Sie sorgt für einen hervorragenden TugBack der unschönen Art. Die starke Lingualkippung des Zahns erschwerte zudem den Zugang. Nach ca. 40 Minuten hatte ich es dann endlich geschafft. Das Stück war mittlerweile 3x „Aufzug“ gefahren und hatte sich um 180 Grad gedreht. Das dünne Teil nach oben gerichtet konnte es wenigstens nicht mehr ganz so tief fallen und liess sich am Ende widerstandslos mit einer feuchten Papierspitze an der Kanalwand hochziehen.

Dies übrigens ein Vorgehen, welches ich vor wenigen Tagen in einem Fragment-Entfernungskurs von Michael Arnold gelernt habe.

Fortbildung kann nützlich sein.

Wenns mal richtig eng ist

von Hans – Willi Herrmann

Schwierige Wurzelkanäle sind ja unser täglich Brot, aber der erste Kanal von heute morgen hatte es richtig in sich. Es war der wohl am schwierigsten zu instrumentierende Kanal (per se, also ohne Fremdeinwirkung) seit langem.

Ein Zahn 27.
Brückenpfeiler, der Überweiser erhofft den Zahnerhalt, denn die Brücke ist neu und beim Verlust wäre die Verstimmung des Patienten vorprogrammiert.

Wenig interokklusale Distanz.
Handinstrumente müssen vorgebogen werden, um überhaupt in die Kanäle eingeführt werden zu können.

Der distobukkale Kanal ist so eng, dass es nicht möglich ist, auch nur ein ISO 010 – Instrument mehr als 2  mm einzuführen. Also maschinell erweitern ? Immerhin geht ein ISO 006 –  Instrument 6 mm tief.
Aber wie ?
Ein ProFile 25.04 dringt nicht weit genug vor, ein Mtwo 25.06 in GYT frakturiert unmittelbar nach initialem Einführen.

Danach erst mal 23 Minuten (für die Kanalaufbereitung unproduktive)  Fragmententfernung.
Dann ist der Kanal wieder frei.

Nun aber stellt sich die Frage – Wie weiter vordringen  ?

Zunächst der Versuch der GYT mit einer ProTaper F2, wie es Yared propagiert.
„Bricht nicht“, sagt Ghassan.
Mag sein.
Aber es gibt auch kein Vorankommen. Nicht einmal annähernd auf Arbeitslänge.

Nächster Versuch: Single Length.

3 Instrumententypen stehen zur Auswahl: Mtwo, Flexmaster und PathFile.
Ich wähle eine PathFile, weil diese  mir am wenigsten bruchgefährdet erscheint.
Sie erreicht mühelos ihr Ziel.

Wie weiter ?
Bei der Mtwo 10.04 oder 15.05, mit denen ich gut koronal erweitern könnte, ist mir das Frakturrisiko in diesem Fall zu groß.

Eine Mtwo 20.06 muss schon relativ weit oben schwere Aufbereitungsarbeit leisten.
Ich breche ab und wechsele zu Bio Race. Dieser Zahn erscheint mir ideal, um die verschiedenen Systeme miteinander zu vergleichen.
Wie werden sich  die Race – Instrumente  im Kanal schlagen ?

Feile 1 geht gut auf Arbeitslänge.
Feile 2 dringt nicht automatisch auf Arbeitslänge vor.
3 mm vor dem Ende  müsste ich abrupt deutlichen Druck aufwenden, ein größerer Widerstand ist spürbar.

Zu groß.
Ich ziehe das Instrument zurück.

Und kehre zurück zu Mtwo.
Und siehe da, die 15.05 und 20.06 läuft, zwar nachhaltig im Kanal arbeitend, aber ohne Schwierigkeiten bis auf Arbeitslänge. Danach ist alles kein Problem mehr. Mtwo 25.06 und 30.05 vollrotierend, Mtwo 35.06 reziprok in GYT.

Fazit:

1. Die PathFiles haben wie nicht selten in der letzten Zeit bewiesen, dass sie eine Erweiterung des Instrumentensortiments sind und in bestimmten Fällen eine entscheidende Erleichterung sein können. Sie sind mittlerweile fester Bestandteil meines Erschließungskonzeptes in den entsprechenden Fällen.

2. GYT schützt nicht grundsätzlich vor Instrumentenbruch und kann in sehr engen Kanälen ineffizient sein.

3. Die Mtwo – Feilen haben letzendlich den Erfolg gebracht. Ihre Effizienz ist auch nach der langen Zeit, in der ich mit diesen Instrumenten arbeite, noch  beeindruckend und es zeigt sich nachwievor die Ausnahmestellung dieser Instrumente. Die Race – Feilen konnten im vorliegenden Fall die Chance nicht nutzen, sich  gegenüber den Mtwo -Instrumenten vorteilhaft in Szene setzen.

Apikale Aufhellung (10)

Von Ronald Wecker

Überweisungsfall mit einem in den Periapikalbereich hineinragenden Instrumentenfragment.

Medikamentöse Einlage CaOH2 für 2 Wochen, kollagenes Widerlager, MTA Angelus und adhäsiver Verschluss. Das röntgenologische Recall nach 6 Monaten zeigt eine deutliche Heilungstendenz.

Ach ja, den Stiftaufbau habe ich mit dem Thomas-System entfernen können.

PreOp
MTA Plug

WF KontrolleRecall 6 Monate