Was passiert bei der Zahnreinigung mit Airflow ?

von Hans – Willi Herrmann

471 Euro + MWS soll die Reparatur unseres Airflow – Gerätes kosten.

In Zeiten globaler Rezession und im Hinblick darauf, dass eventuell neuere, bessere Geräte zwischenzeitlich auf den Markt gekommen sind, ein Grund für eine Internetrecherche zum Thema Airflow.

Dabei habe ich bei Youtube eine  interessante Stellungnahme zum Thema als Video gefunden.

Der Redner, zahnärztlicher Kollege,  führt lt. eigener Aussage eine Zahnarztpraxis für Laserzahnheilkunde in Norddeutschland.

Ich habe viel gelernt, was mir bis dahin unbekannt war (z.B. Zahnhärtung durch Airflow oder bakterielle Zahnvermehrung). Insbesonders vorhandene bakterielle Zahnvermehrungsproblematiken sind offensichtlich  ein Phänomen, dass auch epidemiologisch nicht länger unbeachtet bleiben darf, weil der Volkswirtschaft hierdurch ein erheblicher Schaden entsteht. Hochgerechnet sind es vermutlich knapp 60 – 80 Millionen Euro, pro Jahr wohlgemerkt. Von den individuellen Leidensgeschichten der jeweilig Betroffenen mal ganz abgesehen, die, physiognomisch entstellt mit 2,3 oder noch mehr Zahnreihen pro Kiefer, oft für den Rest ihres Leben dahinvegetierend ein geächtetes Aussenseiterdasein am Rande unserer Gesellschaft führen.

Hier der genaue Wortlaut der Stellungnahme, auszugsweise wiedergegeben.

„Was passiert bei der Zahnreinigung mit Airflow ?

Bei der Zahnreinigung mit Airflow werden die Zähne des Patienten mit einem Luft – Wasserstrahl gereinigt, dem unter Druck ein Spezialsalz zugefügt wird.

Durch den auftretenden Airflow – Strahl werden die Zahnoberflächen von bakteriellen Belägen gereinigt und Zahnverfärbungen werden damit entfernt.

Zusätzlich wird der Zahn gehärtet.

Durch die Flexibilität des Airflow – Strahls erreicht der Zahnarzt auch mehr zugängliche Stellen.

Wir wirken der bakteriellen Zahnvermehrung entgegen.

Die Zahnreinigung mit Air Flow ist ein Mittel zur Vorbeugung von Karies, Parodontitis und anderen Zahnerkrankungen.“

 

Wer hat`s (neu) erfunden…Teil II

von Bonald Decker

Erinnern Sie sich noch an den ersten Teil dieses Artikels?

Obwohl wir üblicherweise mit konventionellen MTA ( z.B. ProRoot oder MTA Angelus) arbeiten, kamen wir heute unverhofft in die Situation, den beschriebenen „Schweizer“ Portland-Zement klinisch einzusetzen.

Warum?

Weil es der eindringliche Wunsch der Patientin, einer Zahnarzt-Kollegin, war.

Allgemein war die Revision des vor einigen Jahren wurzelkanalbehandelten und anschliessend resizierten Zahnes 21 geplant. Unter anderem, um eine mögliche (gravierende) Extrusion des später einzubringenden Wurzelkanalfüllmaterials zu vermeiden war angedacht, den Neoapex mit MTA zu verschliessen. Allerdings befürchtete die Kollegin eine mögliche Verfärbung ihres Zahnes durch das Portlandzement-Derivat.

Nach Erörterung der Situation haben wir dem Wunsch der Patientin entsprochen und den von ihr mitgebrachten medizinische Portlandzement verwendet. Da dieses Material laut Vertreiber auf den Zusatz von Bismuthtrioxid verzichtet, soll es „wenig verfärbende“ Eigenschaften aufweisen.

Während wir in der klinischen Anwendung keine gravierenden Unterschiede zu bisher verwendeten Materialien ausmachen konnten, stellt sich die Situation bei den Betrachtung des röntgenlogischen Ergebnisses der Behandlung anders dar:

Wer hats erfunden.001

 

 

Nach meinem Empfinden liegt der Röntgenkontrast nicht, wie angegeben, über dem von Dentin, und erschwert so eine eindeutige Identifizierung und Beurteilung. Aus diesem Grund wird die Verwendung dieses Produktes zur MTA-Apexifikation bei uns die Ausnahme bleiben.

 

 

Weissabgleich am Dentalmikroskop – Das Outing.

von Hans – Willi Herrmann

Ich oute mich jetzt.

Seit fast  12 Jahren arbeite ich jetzt mit dem Dentalmikroskop.

Und ich habe noch nie einen Weissabgleich vorgenommen.

So. Jetzt ist es raus. Nicht das ich es hätte nicht tun können.

Nein, ich wollte nicht.
Ganz ehrlich, ich sehe wenig Sinn drin in einem solchen Weissabgleich am OPM, auch wenn ich grundsätzlich nichts dagegen habe, Taschentücher unter Mikroskope zu halten. Ist ne gute Sache. Ehrlich. Gibt ein gutes Gefühl.

Jedoch, die Frage sei erlaubt. Warum mache ich einen Weissabgleich ?
Und mindestens genauso wichtig, was mache ich bei einem Weissabgleich in der Dentalfotografie ?

Ketzerische Antwort: ich mache einen Weissabgleich, weil oder sagen wir besser damit ich ein Fotoprofi bin. Oder so ausschaue.  Alle Dentalfotoprofis machen Weissabgleich. Da muss es doch richtig sein. Oder ? Und deshalb macht man es dann auch.

Sie merken, für mich ist das ein wenig ein Reizthema. Warum ? Weil, wenn man die Sache zu Ende denkt, es ein typischer Fall von Guru- Gehabe ist. Viel Lärm um wenig. Weil, um ein wirklich brauchbares Ergebnis zu bekommen, muss ich noch einen weiteren Schritt tun, und wenn ich diesen Schritt tue, dann kann ich mir Schritt 1 sparen.

Ich will versuchen, es zu erklären, aber dazu muss ich weiter ausholen.

Zu Beginn der Fotografie hatte der Fotograf neben der Kamera als Werkzeug keinerlei Hilfsmittel, die ihm eine adäquate Bilderzeugung erleichterten. Entfernung und Belichtung musste er nach eigener Erfahrung und Gutdünken je nach Situation und Sujet einstellen.
Was in Merksätzen wie „Sonne lacht, nimm Blende 8“ seinen Widerhall gefunden hat.

Heute sind in die Kamera integrierte oder externe Belichtungsmesser vorhanden, um die richtige Belichtung zu finden.
Das klappt in den meisten Fällen sehr gut, aber jeder, der schon mal Bilder im Schnee gemacht hat, weiss, dass es Ausnahmesituationen gibt.  Der weisse Hase im Schnee, die schwarze Katze im Kohlenkeller, mal wird das Bild deutlich unter, mal deutlich überbelichtet wiedergegeben.
Warum ? Weil der Belichtungsmesser von einer durchschnittlichen Hell/Dunkelverteilung ausgeht, die fotografiert wird. Der Belichtungsmesser wurde also auf eine bestimmte Standardsituation geeicht. Und immer, wenn das nicht der Fall ist, dann gibt es suboptimale Ergebnisse. Will man diese vermeiden, dann gibt es verschiedene Möglichkeiten. Am gebräuchlichsten ist es in solchen Fällen, eine Spotmessung (idealerweise auf eine 18% Standard Graukarte) durchzuführen. Bei der Spotmessung visiert man ein bildwichtiges Detail an, stellt die Kamera manuell danach ein bzw. speichert den Messwert bei Automatik-Kameras zwischen, richtet danach die Kamera auf den gewünschten Ausschnitt aus und drückt dann ab. Dieses Verfahren hört sich kompliziert an, ist es nach einiger Gewöhnung aber nicht. Die Spotmessung bietet so bei geringem Mehraufwand und mit etwas Erfahrung eine wesentlich bessere Kontrolle über das Belichtungsergebnis.

Mit der digitalen Fotografie ist noch eine zusätzliche Varianz hinzugekommen.
Bei der analogen Fotografie ist durch die Wahl des Speichermediums Film das Farbergebnis in einem genau definierten Rahmen festgelegt. Auch wenn es unter den verschiedenen Filmmarken teils beachtliche Farbunterschiede gibt und auch die Art der Filmbearbeitung einen großen Einfluss auf das Endergebnis Bild und Dia hat, so kann man doch davon ausgehen, dass bei standardisierter Filmbearbeitung und gleichem Film im Wiederholungsfall mit konstanten Ergebnissen gerechnet werden kann, was die Farbcharakteristik des Bildes angeht.

Dies ist in der digitalen Fotografie in viel viel größerem Rahmen variabel.
Das bietet gerade uns in der Dentalfotografie neue Möglichkeiten, stellt uns aber auch vor neue Probleme.

Jetzt nämlich müssen wir der Kamera nicht nur sagen, was ein „durchschnittliches“ Grau ist, um richtig zubelichten, sondern auch noch, was eigentlich weiss ist, damit die Farben des Bildes korrekt wiedergegeben werden. Die Kamera braucht also gewissermaßen eine Farb – Referenz, an der sie sich ausrichten kann.

Anbei zwei Bilder, geschossen mit einer Profikamera, im Abstand von Zehntelsekunden. Das gleiche Motiv, die gleiche Belichtungsituation, aber zwei vollkommen unterschiedliche Farbstimmungen.

Weissabgleich-2Weissabgleich

Wohlgemerkt, dies kann passieren unabhängig davon, ob ein Weissabgleich gemacht wurde oder nicht.

Fakt ist, der Weissabgleich führt zu einer Änderung der Farbtemperatur, die Aufnahme betreffend. Tageslichtaufnahmen liegen bei 5500 Kelvin, Kunstlicht bei 3400 Kelvin. Arbeite ich unter dem Dentalmikroskop oder mache Fotos im Schein der Halogenlampe meines Behandlungsstuhls, so kann ich mittels Weissabgleich den „Farbstich“ der Lichtquelle kompensieren.

Soweit so gut. Hier hilft ein Weissabgleich mit Taschentuch durch das Dentalmikroskop.

Aber reicht das ? Reicht uns das ? Klare Antwort: Nein, es reicht nicht.

Denn unsere Kamera weiss immer noch nicht, was genau in unserem Bild jetzt nun wirklich „weiss“ ist. Wir können es der Kamera auch nicht sagen, dazu müsste es eine Farb – Spotmessung mit einer Weisskarte geben, die im Bild platziert wird.

Und damit sind wir bei des Pudels Kern, sofern es den ein weißer Pudel wäre.

Mit einem Weissabgleich ala „Taschentuch vor die Linse gehalten“ (der Trick ist ja nicht neu und nicht auf Mikroskope beschränkt) schaltet man zwar idealerweise den Farbstich der Lichtquelle aus, hat aber noch lange keine Gewähr, dass die Farbwiedergabe des jeweiligen Sujets der Realität entspricht.

Und dies gilt umso mehr, je weniger alltäglich die fotografierte Situation ist (und machen wir uns nichts vor, großformatig fotografierte Prämolaren oder kofferdamumrahmte Trepanationseingänge sind weit vom fotografischen Mainstream entfernt.)

Die Lösung ist einfach. Sie lautet: Wenn der Prophet nicht zum Berg kommt, dann kommt der Berg eben zum Propheten.

Wir nehmen Adobe Lightroom, nutzen die Weissabgleich -Funktion der Pipette (siehe Blogbeitrag von Oscar von Stetten) und richten diese auf einen weißen Gegenstand, den wir in unserem Bild platziert haben.

Zu Beginn habe ich weisse Silikonstopps auf die Zähne aufgebracht (die alten Hasen bei ENDO2 wissen es vielleicht noch), aber schnell festgestellt, dass eine weiße Watterolle es noch einfacher und besser tut (siehe auch Kommentar von Andreas Habash zum Blogbeitrag von gestern).

Watterolle einlegen, Foto machen, Watterolle raus, und jetzt kann man soviele Fotos machen wie man will, all diese Fotos können dann im Computer innerhalb von Sekundenbruchteilen angepasst werden über die Synchronisierungsfunktion.

Naja, aber schaden kann ein Weissabgleich mit dem Taschentuch doch nicht, oder ?

Nein, schaden tut es nicht. Insofern – wer es tun möchte, der soll es tun.

Hier noch ein paar Bilder zur Verdeutlichung.

Weissabgleich mit SilikonstopperWeissabgleich WatterolleWeissabgleich Watterolle-2Weissabgleich Watterolle 3

Und hier noch 3 Bilder mit Oraseal. Da ich das eigentlich immer bei der Endo verwende, habe ich immer meine Weiss – Referenz mit im Bild. Bild 1 ist das Original, Bild 3, die Korrektur mittels Oraseal und Lightroom – Pipette, die im Übrigen in allen möglichen und unmöglichen Situationen, wie auch Oscar von Stetten gestern schon schrieb, sensationell funktioniert.

Ja und Bild 2, das ist mein Weissabgleich. Vollautomatisch. Den habe ich nämlich als Vorgabe in Lightroom hinterlegt und beim Import oder auf Knopfdruck wandelt das Programm das Halogenlicht des Dentalmikroskops in Tageslicht um. Nur für den Fall, dass ich mal vergesse, eine Watterolle einzulegen. Die Kamera macht nämlich auch nichts anderes als eine Farbtemperaturverschiebung und so ist es egal, ob es am Mikroskop oder im  Computer geschieht.

Aber ich gebe zu, am Mikroskop ist es beeindruckender.

Weissabgleich der Kamera

von Oscar von Stetten

 

Der Vorschlag des Kollegen Habash zum einfachen Weissabgleich der Kamera beim Fotografieren am Dentalmikroskop hat mich begeistert. So einfach, keine Graukarte o.ä., ein einfaches Taschentuch.

Aber: spielt die Farbe des Kofferdams vielleicht auch eine Rolle?

Flugs eine Sammelaktion gestartet und ein paar Testbilder geschossen. Offensichtlich spielt die Farbe des Kofferdams auch eine Rolle. Alle Bilder sind in Lightroom mit dem Automatischen Farbton korrigiert worden, mehr wurde nicht durchgeführt. Normalerweise ist diese Funktion bei Lightroom sehr gut. Aber in diesem Fall wird die Funktion durch die Farben der Umgebung massiv gestört. Was hilft also in solchen Fällen?

Die Pipette. Mit der Pipette kann man sich einen Bereich im Bild aussuchen, der am weissesten ist. Damit kann man die Tonwertkorrektur manuell und vorhersagbar durchführen. Es wird das „weiss“ in dem individuellen Bild bestimmt und die anderen Tonwerte daran kalibiriert. In schwierigen Fällen hilft diese Methode enorm, einen halbwegs vernünftigen Farbeindruck zu erhalten. Wenn der Bildschirm denn kalibriert ist…. aber das ist ein ganz anderes Thema.

Karies – Behandeln oder noch abwarten ?

von Hans – Willi Herrmann

von Hans – Willi Herrmann

Wenn das hier mal keine gute Gelegenheit ist für ein Votum der Leser.

Anbei 2 Fotos von heute (am Ende des Textes).
Ein jugendlicher Patient, keine 18 Jahre alt.

16 und 26 sind mittelbraun verfärbt, die Schmelzschicht 17,16,26 ist in ihrer Integrität durchbrochen, bei Zahn 17 weißliche Entkalkungen , eine PA- Sonde lässt sich von vestibulär 2 mm tief durch den Zahnschmelz hindurch in den ca. 8 mm breiten  und 3 mm hohen Defekt einführen.

Die Frage, die im Raum steht: Sollen die vorhandenen Defekte behandelt werden oder nicht ?

Ich habe für eine zeitnahe Kariesentfernung und damit für Füllungen an den Zähnen 17,16,26 plädiert. Ein anderer Kollege dafür, dass nur ein Zahn gefüllt, die beiden anderen beobachtet werden sollen.

Die Mutter des Jugendlichen ist verunsichert  (2 Zahnärzte –  2 Meinungen) und möchte mit weiteren Füllungen erst einmal abwarten.
Ist das eine gute Entscheidung ?

Ganz unten gehts zur Abstimmung.

Artikel – Bewertungen

von Hans – Willi Herrmann

von Hans – Willi Herrmann

Seit ein paar Tagen gibt es die Möglichkeit, ein schnelles Feedback abzugeben zu den WURZELSPITZE – Blogbeiträgen.
1 -5 Sterne können vergeben werden (siehe Beispielbild).

Schneller und einfacher kann niemand seine Meinung kundtun.
Bitte nicht wundern, wenn keine Bewertungszeile zu sehen ist.
Die „Sterne“ tauchen auf der Startseite nicht auf. Wer abstimmen will, muss den Artikel via Überschrift direkt aufrufen.

Blog_feedback

Prothesenreinigung (2): Microclean

von Hans – Willi Herrmannvon Hans – Willi Herrmann

von Hans – Willi Herrmann

Okay, der erste Versuch mit der Gerätegattung „Prothesenreinigungsgerät“ war also ein Flop.

Aber auf das Urteil meiner ZMF, die  für ein solches Gerät plädiert hatte, kann ich mich verlassen. Wenn sie sagt, das Gerät ist gut…

Also – Probieren wir das Original aus. Das Microclean – Gerät der Firma Schütz Dental, das war nämlich das Gerät, von dem sie so angetan war.

Abschreckend wirkt die Geschäftspolitik der Firma, das Gerät nicht ohne weiteres zum Ausprobieren zur Verfügung zu stellen. Es muss gekauft werden bei 4 wöchtigem Rückgaberecht bei Nichtgefallen. Normalerweise wäre das für mich ein KO – Kriterium, aber, ich erwähnte es schon,  meine ZMF … Kurz und gut, ich ordere auf Probe.

Das Gerät kommt wenige Tage später und ist deutlich größer und schwerer als das Speedoclean von Hager und Werken. Form follows function kann man nicht unbedingt sagen.
Einen Design – Preis könnte es nicht gewinnen, was eine zurückhaltende Umschreibung ist dafür, dass das Gerät stockhäßlich darherkommt.
Aber das stört mich nicht, wenn es denn hält, was es verspricht.

Fakt ist.
Das Microclean reinigt gut. Die Prothesen sind sauber, es gab  nichts auszusetzen. Gerne hätte ich es noch etwas länger getestet, ich war positiv angetan, aber noch nicht restlos überzeugt. Doch der Rückgabetermin  rückte zu rasch näher. Und noch ein weiteres Gerät stand bereit zum Ausprobieren.

Kuriosität am Rande. Das Gerät macht im Betrieb ein Geräusch, als liefe die ganze Zeit irgendwo ein vollaufgedrehter Wasserhahn. War das Gerät zu hören, hatte man ständig das Bedürfnis, ins Labor zu gehen, um den Hahn zuzudrehen.

Saving hopeless teeth (X) – „Ofenrohr“

Ausgangsbild

Ausgangsbild

von Wonald Recker

Der Patient stellte sich in unserer Sprechstunde mit dem Wunsch des Zahnerhaltes vor.

Die Anamnese ergab ein traumatisches Ereigniss als Ursache für die Wurzelbehandlung, der sich eine Wurzelspitzenresektion anschloss. Der Zahn war lange vollkommen beschwerdefrei.

In der Umschlagfalte war jetzt eine Fistelbildung erkennbar und der Zahn zeigte eine Schmerzreaktion auf Perkussion horizontal und Palpation apikal bukkal.
Pathologische Sondierungstiefen und Lockerungsgrade waren nicht messbar.

Im Röntgenbild imponiert eine P. apicalis nach Wurzelspitzeresektion. Der Erhalt erschien nach „chirurgischer Vorbehandlung“ fast hoffnungslos.

Nach Aufklärung, Diagnostik, klinischer Inspektion und Kronenentfernung erfolgte die Revision unter Kofferdam und mikroskopischer Kontrolle.

Der Entfernung der Guttapercha schloss sich eine ausgiebige Desinfektion an. Die Kanalwände wurden sonoabrasiv unter Kontrolle mit dem Dentalmikroskop gereinigt.

Einlage CaOH

Einlage CaOH

Danach erfolgte die Applikation von Calciumhydroxid für 14 Tage.
Der Patient berichtete, daß die Fistel sich nach 2-3 Tagen verschlossen hatte und die leichte Schwellung vollkommen verschwunden war. Nach 2 Wochen war keine apikale Druckdolenz palpierbar und kein Perkussionsschmerz auslösbar.

In der nächsten Sitzung wurde das CaOH entfernt und wiederholt der Kanal mit Natriumhypochlorid unter Ultraschsalleinsatz desinfiziert.

Die große apikale Läsion erforderte das Anlegen eines Widerlagers um größere Überstopfungen von Wurzelfüllmaterial zu vermeiden. Das Widerlager erfolgte durch Einbringung eines Kollagenvlies.

Gegen dieses Kollagenwiderlager wurde anschließend ProRoot MTA (Dentsply) geschichtet. Die erste Schichten wurden röntgenologisch kontrolliert und anschließend auf die Länge von 4 mm aufgefüllt und mit Ultraschall verdichtet.
Das MTA wurde mit einer Schicht Glasionomerzement abgedeckt und danach der Zahn adhäsiv unter Verwendung eines Glasfaserstiftes ( DT Light Post – VDW ) schichtweise aufgebaut.

Abschlusskontrolle

Abschlusskontrolle

Kollagen Applikation

von Jörg Schröder

Das Erstellen eines periapikalen Widerlagers aus Kollagen ist eine Massnahme, die in unserer Praxis immer dann zum Einsatz kommt, wenn im periradikulären Raum oder im Bereich von Perforationen größere knöcherne Defekte bestehen, die ein massives Überpressen des Obturationsmaterials (MTA) wahrscheinlich werden lassen.

Da es im Periapikalbereich selten trockene Verhältnisse gibt, scheidet medizinischer Gips als Material für ein Widerlager aus, da die aus dem Gewebe hinzukommende Feuchtigkeit ein Abbinden unmöglich macht. Das Einbringen von kleinen Kollagenvliespartikeln bietet die Möglichkeit ein verlässliches Widerlager zu erstellen, ohne daß selbst nennenswerte Mengen von Feuchtigkeit dies behindern.

Das Einbringen dieser kleinen Kollagenstückchen kann jedoch mitunter sehr zeitaufwändig sein und eine wirkliche Geduldsprobe darstellen. Bereits das Einbringen in die Kavität hat so seine Tücken: das Kollagen klebt sofort am Einbringinstrument an, wenn dieses nicht absolut trocken ist.

Wird das Kollagen mit einer Pinzette eingbracht, so muss darauf geachtet werden, dass der Pinzettendruck nicht zu groß ist, da anderenfalls das Kollagen in den Vertiefungen der Pinzettenbranchen hängen bleibt.

Neben der Methode, die in Christoph Kaadens Video zu sehen ist (er bringt das Kollagen mit Hilfe eines S-Kondensors ein) hat sich in unserer Praxis eine mit einfachen Hilfsmitteln modifizierte College-Pinzette bewährt.College-Pinzette

Ansicht der Brancheninnenseite

Mit Hilfe eines in ein Technik-Handstück eingespannten Heatless-Steins wird die Zahnung der Branchen entfernt und die bearbeitenden Stellen mit einem Gummipolierer geglättet und poliert.

Die Zahnung ist entfernt

Die so modifizierte Pinzette ermöglicht ein sicheres Fassen der Kollagenstücke, ohne dass diese an der Pinzette anhaften.

Detailansicht der modifizierten Pinzette

Insbesondere bei der Anreichung durch die Mitarbeiterin ein großer Vorteil, da hier die sichere Übergabe der das Kollagen haltenden Pinzette im Vordergrund stehen muss.

Eugen Roth – oder Dinge, die sich nie ändern….

von Hans – Willi Herrmann

von Hans – Willi Herrmann

„Kennst Du dieses Gedicht von Eugen Roth schon ?“ fragte mich Harald Vögele heute mittag.
Ich kannte es, hatte es aber nicht in meiner Erinnerung präsent.
Vermutlich hatte ich es  verdrängt angesichts der beschriebenen Situation. Jammerschade, denn es ist es wert, immer und immer wieder rezitiert zu werden.

Es geht darin um Krankenkassen und deren Erstattungsverhalten.
Und das Bemerkenswerteste ist nicht der Inhalt per se, sondern der Zeitpunkt seiner Entstehung.

Die Lyrik ist von 1935.

Zeitlos ? Aktueller denn je ? Das mag jeder selbst beurteilen:

Ärger mit der Krankenkasse
Eugen Roth, 1935

Ein Mann, der eine ganze Masse

Gezahlt hat in die Krankenkasse,

Schickt jetzt die nötigen Papiere,

Damit auch sie nun tu‘ das ihre.

Jedoch er kriegt nach längrer Zeit

Statt baren Gelds nur den Bescheid,

Nach Paragraphenziffer X

Bekomme er vorerst noch nix,

Weil, siehe Ziffer Y,

Man dies und das gestrichen schon,

So dass er nichts laut Ziffer Z

Beanzuspruchen weiter hätt‘.

Hingegen heißt’s nach Ziffer A,

Dass er vermutlich übersah,

Dass alle Kassen, selbst in Nöten,

Den Beitrag leider stark erhöhten

Und dass man sich mit gleichem Schreiben, Gezwungen säh ihn einzutreiben.

Besagter Mann denkt, krankenkässlich,

In Zukunft ausgesprochen hässlich.

Sollten wir nicht vielleicht jeder Rechnung diese Zeilen beilegen ?

Hälfe vermutlich mehr als alle von Abrechnungs- und Beilhilfestellen geforderten seitenlangen Erklärungen des Arztes,wo doch von vorneherein feststeht, dass dem Patienten die entsprechende Leistung nicht gezahlt werden wird, egal was und wieviel der Arzt schreibt.
Ich glaube ich werde das mal tun und schauen, was passiert.

Prothesenreinigung, Teil 1: Speedo-Clean

von Hans – Willi Herrmann

von Hans – Willi Herrmann

Ich hatte es ja schon kurz erwähnt.

Ich habe mich breitschlagen lassen, Prothesenreinigungsgeräte in unserer Praxis auszuprobieren.
Diese Geräte arbeiten mit säurebasierenden Lösungen und Metallnadeln, die durch einen Magneten bewegt werden. Die Reinigung wird also erzielt durch chemische Vorgänge, kombiniert mit einer physikalisch – mechanischen Reinigung.

Das erste Gerät, dass zum Einsatz kam, war das Speedo- Clean – Gerät der Firma Hager und Werken.
Um es kurz zu machen.
Das Gerät bestätigte alle Vorurteile, die ich gegenüber solchen Geräten hegte.

Warum ? Ganz einfach. Weil es die Prothesen nicht vollkommen von Verunreinigungen (sprich Verfärbungen und Zahnstein befreien konnte.

Natürlich gab es Prothesen, die sehr sauber aus dem Gerät herauskamen.

Aber es gab auch andere, wo das nicht der Fall war. Wo noch Zahnstein auf der Prothese zurückgeblieben war. Auch noch, nachdem wir die Reinigungszeit auf mehr als das Doppelte des eigentlich Notwendigen erhöht hatten.
Für mich ein KO – Kriterium für den Kauf.
Leider. Ich hätte mir gewünscht, dass es anders gewesen wäre.

Wie war es bisher ?  Wenn ein Patient den Wunsch nach einer Prothesenreinigung äußerte, haben wir die Prothesen ins Zahnlabor gegeben. Keine Ahnung, welcher Aufwand damit im Einzelfalle  verbunden war und ob die Laborrechnung diesen Aufwand entsprechend wiederspiegelte oder nicht. Fest stand auf jeden Fall immer: Die Prothesen kamen zurück und waren sauber. Blitzeblank.

Das ist also sozusagen der Goldstandard.
Und wenn ich ein Prothesenreinigungsgerät kaufe, dann nur unter der Bedingung, dass es ebenfalls in jedem Falle saubere Prothesen liefert. Es kann von mir aus 2 Stunden vor sich hin surren, aber hinterher muss die Prothesen richtig glänzend sauber sein.
Falls nicht. Same procedure as every year, gehen die Prothesen wieder ins Zahnlabor und das Gerät kommt in unserer Praxis nicht zum Einsatz.

Nach kurzer Zeit stand fest: Das Speedo – Clean kann unsere Anforderungen an ein solches Reinigungsgerät nicht erfüllen.

Wir haben es nicht gekauft.

Speedoclean

Apikale Aufhellung (16)

von Bonald Decker

eigentlich ein unspektakulärer Fall.

Apikale Aufhellung_WS.001

Nichtsdestotrotz ein erfreuliches Ergebnis.

Insbesondere für die Patientin.

Quecksilberbelastung

von Christian Danzl

In den letzten Tagen bekamen wir eine telefonische Anfrage, ob wir extrahierte Zähne mit Amalgamfüllungen in der Praxis hätten.
Haben wir. Sobald ein Molar der Parodontitis zu Opfer fällt, wird er desinfiziert und aufgehoben. Man braucht sie eben hin und wieder um neue Feilensysteme zu testen oder ähnliches.

Die Firma Grimm Aerosol Technik – die eigentlich spezialisiert ist auf Feinstaubmessung – war auf der Suche nach Möglichkeiten um Quecksilberbelastung zu testen. Eine Zahnarztpraxis bietet sich hier natürlich an.

Am nächsten Tag kam ein Techniker der Firma mit einem Messgerät, welches die Quecksilberkonzentration der Luft messen kann.

Der erste Test war ein kleiner Plastikbeutel 4×6 cm mit 2 Zähnen darin. Einer davon hatte eine sehr große Amalgam-Füllung.
Wert: 0,14 mg/cbm
Nach kurzem Reiben der Zähne aneinander stieg der Wert auf 0,688 mg/cbm. Nach ca. 15 min war der Wert wieder auf auf 0,140 gefallen.

2. Test: Raumluft eines Behandlungszimmers, wo vor ca. 15 min eine Amalgamfüllung ausgebohrt wurde.
Wert: 0,006 mg/cbm, eine weitere Messung nach 5 min ergab noch einen Wert von 0,003.

3. Test: Die Schublade wo der Duomat Amalgamanmischer bis vor 5 Jahren ca.20 Jahre seinen Dienst verrichtete.
Klappe auf, Messschlauch eingeführt, Klappe zu.
Ergebnis: 0,01 mg/cbm
Wohlgemerkt: Seit 3 Jahren wird in dieser Praxis kein Amalgam mehr gelegt, und der Duomat ist seit mindestens 5 Jahren nicht mehr in der Praxis.

Wenn ich mir die Werte so ansehe, bin ich nicht sonderlich beruhigt. Zumal der Quecksilberdampf sich sehr schnell verflüchtigt, wie auch der Techniker bestätigte.
Die Spitzenwerte beim Entfernen einer Füllung wären durchaus noch interessant, und zwar da gemessen, wo der Behandler und die Helferin die Luft zum Atmen „absaugen“.

Ich schätze, es werden weitere Messungen folgen…

„Entran“-Erfahrungen nach 12+ Monaten

von Christoph Kaaden

mit dem Beginn meiner rein endodontisch-ausgerichteten Praxistätigkeit vor gut einem Jahr habe ich einige Dinge in meinem Behandlungsablauf verändert.

Als wohl bis dato beste Neuerung hat sich für uns die Anwendung des akkubetriebenen Endo-Winkelstücks „Entran“ der Firma W&H erwiesen. Genauer gesagt zweier dieser Winkelstücke. Endlich ist es uns ohne lästigen Fussanlasser und „Kabelsalat“ erlaubt, eine möglichst ergonomische Wurzelkanal-Präparation durchzuführen.

Nähere Informationen zu dem Winkelstück finden sich auf der Firmen-Homepage.

Als besonders positiv möchte ich einige Punkte hervorheben:

  • keine Wartung & Reparatur in der bisherigen Nutzungsphase
  • subjektiv empfundene sehr gleichmässige Laufleistung und „Durchzugskraft“
  • sehr gute Akku-Leistung
  • auch nach einjähriger Anwendungszeit keine (bzw. kaum) Abnutzungserscheinungen an den Winkelstücken

Eine zusätzliche Ausstattung des Entran, die z.B. andere bzw. höhere Umdrehungszahlen erlauben würde, vermisse ich im klinischen Alltag (quasi) nicht, da die überwiegende Mehrzahl der Kanal-Präparationen mit der gegebenen Umdrehungszahl bewältigt werden. Einzig ein akustisches, anstelle eines rein optischen „Warnsignals“ beim Erreichen des eingestellte Drehmoments würde ich mir für zukünftige Weiterentwicklungen wünschen.

Unser persönliches Fazit steht daher fest. Der Entran ist ein „must buy“ und für uns ein unverzichtbares Gadget im täglichen endodontischen „Alltag“.

securedownload

Wattestäbchen

von Christian Danzl

In einer Kurstadt wie Bad Reichenhall sind Kinder seltener zu behandeln, als Menschen im fortgeschrittenen Alter. So kommt es auch, dass in unserer Praxis mehr Teleskoparbeiten als Fissurenversiegelungen anfallen. Die Teleskope passen eigentlich immer ganz gut, nur hin und wieder gehen etwas zu streng. Zum Erweitern der Sekundärteleskope funktioniert die Jelenko-Polierpaste ganz gut. Probleme macht eigentlich nur hin und wieder das Säubern der Innenseite. Abhilfe gab’s für mich im Drogeriemarkt:

Watte-Stäbchen.

Genau die zum Reinigen der Ohren. Das Stäbchen hat ziemlich genau den Durchmesser von 2,35 mm für das Technik-Handstück. In der Mitte auseinander geschnitten, eingspannt in das Handstück und eingetaucht in Alkohol oder ein anderes Lösungsmittel lassen sich die Teleskope wunderbar von innen reinigen. Und noch dazu preiswert.

Wieviele Kanäle…

von Olaf Löffler

Diese Woche hatte ich die Ehre eine Wurzelkanalbehandlung an einem oberen ersten Molaren durchführen zu dürfen. Der Patient war einer meiner Überweiserkollegen.
Neben der Länge der schmerzfreien Behandlung war für den Kollegen am beeindruckensten, daß dieser obere Molare 4 Kanäle hat.

Für mich war das nicht ungewöhnlich. In meinen endodontischen Behandlungen gab es seit Einsatz des Mikroskopes 2 obere Sechsjahresmolare, in welchen ich nur einen mesiobukkalen Kanal gefunden habe.
Vorher gab konnte ich nur im absoluten Einzelfall mal einen mesiobukkalen zweiten Kanal erkennen. Nun interessierte mich, wann wurde erstmals das Vorkommen von mehr als 3 Kanälen beschrieben. Dabei konnte ich in Schuhmachers Anatomie der Zähne lesen, daß der obere erste Molar dreikanalig ist. Witzigerweise waren darüber Bilder von einem 4 kanaligen 6ern, darunter stand ( nach O.Keller 1928) . In Pubmed kam ich dann zu weiteren Ergebnissen.

In der oft zitierten Studie von Hess * 1917 ist zu lesen, daß Preiswerk 1908 und Fischer 1907 bereits eine Differenzierung des mesiobukkalen Kanals vornamen. 1913 beschrieb Hans Moral** den mesiobukkalen zweiten Kanal und die verschiedensten anatomischen Kanaleingänge.
1969 hat Weine***, die bis heute aktuelle Klassifizierung vorgenommen.
Typ I:    ein Kanal, ein Foramen
Typ II: zwei Kanäle, die sich vor dem Apex vereinigen und ein gemeinsames Foramen haben
Typ III:  zwei Kanäle, zwei getrennte Foramina
Typ IV: ein Kanal, der sich vor dem Apex in zwei Kanäle verzweigt (1984)

Vertucci**** hat noch weitere Formen hinzugefügt und Kulid und Peters***** haben 1990 die apikalen Verläufe in ihre Klassifikation mit einbezogen.

Weineklassifikation

Nun noch die Behandlunsgdokumentation dieses Eingangs beschriebenen Falls. Dabei handelt es sich um eine Weineklassifikation Typ II und nach Kulid und Peters um den Typ 2C, welcher in dieser Studie mit einer Häufigkeit von 2,4% innerhalb der Klasse 2 angegeben wird. Die Klasse 2 wird mit einer Häufigkeit von 49,4% beschrieben.

16.001-001

* Hess, W., Zur Anatomie der Wurzelkanäle des menschlichen Gebisses mit Berücksichtigung der feineren Verzweigung. Schweizerische Vierteljahresschrift für Zahnheilkunde, 1917; 27; 1-53
** Moral, H., Über das Vorkommen eines vierten Kanales im oberen Molaren.  Österr.-Ung. V.f.Z. 1915 H.3
*** Weine FS, Healey HJ, Gerstein H, Evanson L., Canal configuration in the mesiobuccal root of the maxillary first molar and its endodontic significance, Oral Surg Oral Med Oral Pathol. 1969 Sep;28(3):419-25
**** Vertucci FJ.,Root canal anatomy of the human permanent teeth.
Oral Surg Oral Med Oral Pathol. 1984 Nov;58(5):589-99
***** Kulild J C, Peters D D., Incidence and Configuration of Canal Systems in the Mesiobuccal Root of Maxillary First and Second Molars.,Journal of Endodontics July 1990 (Vol. 16, Issue 7, Pages 311-17

Bewegte Bilder (3)

von Christoph Kaaden

Dank des Adapters von Jörg Schröder bin ich seit sehr kurzem auch in der Lage meine ersten Erfahrungen mit einer HD Kamera am Mikroskop zu machen…

Obwohl noch (viel) Luft nach oben ist, bin ich mit den ersten „Gehversuchen“ zufrieden. Insbesondere, weil ich eigentlich ein echter Foto-„Dummy“ bin.

Bei der von mir verwendeten Kamera handelt es sich um eine Canon Legria HF 20, die mir für erste Tests freundlicherweise von meinem Kollegen Christian Diegritz ausgeliehen wurde. Als Vorteilhaft erweist es sich, dass diese ohne einen weiteren Zwischenring auf den Adapter geschraubt werden kann und so bei vollen Zoom (bis 15x möglich) keine Vignettierung auftritt. Ferner imponiert mit die Tiefenschärfe, die mit diesem Gerät erreichbar ist.

Aus  Zeitgründen habe ich die Aufnahmen bisher nur  im Autofokus-Modus erstellt, was einige Probleme mit sich bringt. In nächster Zeit gilt es daher für mich Erfahrungen mit der manuellen Fokus-Einstellung zu sammeln. Selbiges gilt für die Foto-Funktion der Canon.

Insgesamt steht mein Fazit aber schon fest. Innerhalb der nächsten Wochen werde ich mir eine HD Kamera anschaffen und in den Praxisalltag integrieren. Die Investitionsumfang ist überschaubar, der Nutzen hingegen gewaltig.

Zu sehen ist das erste Video übrigens hier.


Wohlgeruch?

von Christian Danzl

Neulich war es wieder soweit. Ich ging von einem Behandlungszimmer auf den Gang und…
…ich habe schon gerochen wer gerade die Praxis betreten hat. Wahrscheinlich bin ich nicht der einzige Zahnarzt, der Patienten mit (tw. seeeehr aufdringlichem) Körpergeruch hat. Bei uns werden diese Patienten normalerweise schnell ins Behandlungszimmer verfrachtet – damit die Patienten im Wartezimmer nicht allzusehr belastet werden – und bei offenem Fenster behandelt. Alle sind froh wenn diese, Gottseidank wenigen Patienten, die Praxis wieder verlassen haben. Mit großzügigem Lüften ist meist in 15 min der größte Mief draussen. Das klassische Flieder-Raumspray sorgt auch nicht schneller für Wohlgeruch.

Bei dem letzten „schweren Fall“ habe ich an die Räucherstäbchen gedacht, die schon länger in der Praxis liegen: Innerhalb von 10 min war die gesamte Praxis von üblen Gerüchen befreit.

Wenn Sie das nächste mal an einem Laden vorbeikommen, wo Räucherstäbchen angeboten werden (gibt es auch in Einrichtungshäusern als Raumparfum, z.B. Interio, oder bei Amazon), gehen Sie ruhig rein. Es gibt Unmengen von verschiedenen Düften, es ist bestimmt einer dabei, der Ihnen gefällt und zur Praxis passt. Lassen Sie sich beraten, es gibt bestimmt auch Düfte die „angstlösend“ sein sollen. Schaden kann es nicht. Und vielleicht gefällt es auch den Patienten, wenn es nicht immer penetrant „nach Zahnarzt“ riecht in der Praxis.

Bewegte Bilder (2)

von Jörg Schröder

Aller Anfang ist schwer. Weiss man, vergisst man aber auch gerne immer wieder.

So ging es mir bei der „Einführung“ der Videodokumentation meiner endodontischen Behandlungen in den täglichen Praxisablauf. Ungewohnte Bedienungsabläufe, neue Kamera und ein nicht zu unterschätzender Archivierungsaufwand. Diese Stressfaktoren führen anfangs dazu, dass die noch nicht verinnerlichten Abläufe einfach ausgelassen werden und „nur“ fotografiert wird. Es gilt einmal mehr den inneren Schweinehund zu überwinden.

Doch auch hier wird Hartnäckigkeit belohnt. Bereits die ersten Versuche zeigen, dass mit wenigen simplen Massnahmen ein deutlich verbessertes Endprodukt entsteht: Der Ausschnitt ist besser zentriert, der Spiegel wird ruhiger gehalten, das Bild ist besser fokussiert. Und durch entsprechendes Arrangieren der einzelnen Filmsequenzen , hier in iMovie 09, nimmt sowohl der Informationsgehalt als auch die Betrachtungsqualität zu.

Zu sehen auf YouTube. Zahn 27 mit ungewöhnlicher Anatomie (2-in 1-in 4)  und einem Instrumentenfragment.

Toxavit – Was in der Zeitung steht, stimmt, oder ?

von Hans – Willi Herrmann

von Hans – Willi Herrmann

Ich wollte vorgestern die (zahnmedizinische) Zeitung, die in der Post war,  schon ungelesen wegwerfen, aber dann hab ich doch zumindest mal durchgeblättert.

Und bin auf den Artikel über Toxavit gestossen, in dem ein Zahnarzt den Nutzen dieses Medikamentes ausdrücklich hervorhebt.

Seine Intention ?

Vermutlich ein Gegengewicht schaffen zu den kritischen Stimmen, dieses Mittel betreffend.
Kernaussagen seines Beitrags: Das berühmte Zitat von Paracelsus, jedes Ding sei Gift, es sei alles nur eine Frage der Dosierung und  – richtig angewandt, sei das Risiko, das dem Mittel ausgehen könne, extrem gering, demnach vernachlässigbar, oder akzeptierbar im Hinblick auf den Nutzen, den dieses Mittel biete.

Folge ich dieser Kausalkette, dann ist:

1.Der Hersteller  für Schäden, die durch das Präparat entstehen, nicht verantwortlich.

Denn diese Schäden entstehen nur bei unsachgemäßer Anwendung. Dafür kann das Präparat ja nichts, oder ?

2. Wenn Schäden entstehen sollten, dann ist demnach der Anwender dafür verantwortlich.

Und verantwortlich heißt dann aber auch, er muss diese Schäden und die negativen Konsequenzen für den Patienten, die daraus entstehen, verantworten. Dafür geradestehen.

Und solche Schäden treten auf.

Tag für Tag in Deutschland.

Nicht ohne Grund gehören  die Toxavit –  Artikel die meistgelesenen Artikel dieses Blogs.

Gerade mal einen Tag später wird in einer zahnmedizinischen Mailingliste folgender Fall eingestellt:

Der Kollege, auf einer berühmten Nordseeinsel beheimatet, schreibt: „Der Patient, Rollstuhlfahrer,  ist auf Urlaub hier. Schmerztherapie vor 7 Tagen in einer Berliner Klinik am Zahn 38 .“

Die Fotos zeigen eine massive Gingivanekrose (für den Laien, das Zahnfleisch ist abgestorben) nach Einsatz eines Devitalisierungsmittels (auf Hinweis der Firma „Lege Artis“ weise ich an dieser Stelle ausdrücklich darauf hin, dass es sich nicht um   Toxavit handelt). Es kann mit ziemlicher Sicherheit davon ausgegangen werden, dass auch der darunterliegende Knochen von der Nekrose betroffen ist.

In einer idealen Welt, das stimme ich dem Autor zu, hätte es diesen Schaden für den Patienten nicht gegeben.

Aber in der realen Welt, in der wir leben, passiert dies Tag für Tag.

Und DIES müsste nicht sein.
Wer die Verantwortung hierfür übernimmt, ob Hersteller oder Behandler,  ist mir egal.

Aber einer muss es tun.

Ihr Zeuge, Herr Kollege.

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09.10.2009

IMG_0181von Olaf Löffler

20 jahre sind vergangen. Dabei erschien sie doch noch nicht soweit weg, die erste Demonstration um den gesamten Innenstadtring in Leipzig.
Vor 20 Jahren bin ich durch einen puren Zufall Ende August in die erste Demonstration von eingen wenigen Hanseln geraten. Es hat mich fasziniert. Die Zeit zur Veränderung musste endlich gekommen sein. Die Gefahr wurde ignoriert.

Am 09.10.1989 lag eine beklemmende Schleier über der Stadt. Es war wohl so ziemlich allen bewusst, daß es nun zu der Konfrontation kommen musste. Länger konnte sich der Staat nicht mehr zurückhalten. Mir selbst die dramatische Ernsthaftigkeit der Lage nicht klar. Ich war der Meinung dieser Wandel sei inzwischen unaufhaltsam. Die Anzahl der Teilnehmer seit der ersten Ansammlung erhöhte sich doch exponentiell.

Die Situationsverschäfung erkannte erst ich auf dem Weg zur Nikolaikirche. So viele Militärfahrzeuge waren noch nie hier. Die Anzahl der bewaffneten Uniformträger war beängstigend. Gemeinsam mit einem Freund und Kollegen habe ich diese Runde als extrem beklemmend empfunden. Als die Runde geschafft war, löste sich die Anspannung. Was würde nun kommen?
Wir hatten etwas bewegt, von dem wir noch nicht ahnten, wie es unser Leben verändern würde.

Das Lichfest am 09.10.2009 ließ nun diese Stimmung wieder aufkeimen. Die Teilnehmer, die Gäste, die Menschen dieser Stadt, die Initiatoren von damals und heute, sie alle verdienen ein besonderes Lob. Es war ein Abend voller Emotionen und ein Abend wie er nur in Leipzig stattfinden konnte. Danke.

Kurt Masur sagte am Anfang: Wir müssen uns auf die Kraft besinnen, die von Leipzig ausgeht. Die Stadt ist es wert.

Es ist an dem.

Was kostet die Cleankeys -Tastatur ?

von Hans – Willi Herrmann

Das ist ein Nachteil eines Blogs.
Einstmals Geschriebenes  (ganz im Gegensatz zu Konrad Adenauers berühmter Bemerkung vom dummen Geschwätz von gestern) bleibt „ewig“ bestehen.

Der Importeur der Cleankeys – Tastatur, Alain Neuens,  hat mich darauf hingewiesen, dass der in unserem Blog gelistete Preis für die Cleankeys – Tastatur der IDS Messepreis war und nach  der IDS nicht mehr gültig ist.

Der reguläre Preis beträgt 390 Euro + MWS.

Für das tapfere Schneiderlein

von Christian Danzl

Wie versprochen – was Neues von Hilmar O. Kirchner/HK instruments:

Für alle die weiter um die Ecke schneiden wollen wie die Anderen. Eine Mikroschere für schlecht zugängliche Stellen. Kröpfung 45° und Innenfeder. Der Preis – 185 Euro.

Qualitätsprobleme bei UV Lampen (2)

von Olaf Löffler

An dieser Stelle wurde bereits mehrfach über verschiedenste Probleme mit Polymerisationslampen geschrieben. Unter anderem von mir über die Demi der Firma Kerr.

In unserer Praxis ist diese Lampe nunmehr seit einem Jahr im Einsatz. zweimal musste das Gerät wegen Sprüngen im Gehäuse getauscht werden.
Dies geschah anstandlos durch die Firma Henry Schein. Der Hersteller äußerte sich nicht dazu.

Nun bei der dritten Lampe entstand ein neues Phänomen. Die Spaltmaße zwischen dem Gehäuse und dem Akku vergrößerten sich. Die Lampe sitzt während des Ladevorganges mit dem Akku im Ladegerät. Bei Entnahme aus der Ladeschale lockert sich der Akku. Die Demi funktioniert dann nicht mehr.
Wenn man den Akkublock wieder gerade rückt kommt es wieder zur Stromversorgung und das Gerät funktioniert.

Nun wird das Gerät wiederum getauscht.

Ich habe nunmehr zwei andere Lampen in der Praxis und werde diese testen. Natürlich wird dies hier im Blog veröffentlicht.

Xerox – Monitor ? Läuft wieder ….

von Hans – Willi Herrmann

von Hans – Willi Herrmann

4 Monitore defekt, alle mit dem gleichen Fehler. Der letzte nach gerade mal 14 Monaten.

Kurze Recherche im Internet, wohin wendet man sich, wenn der Xerox – Monitor defekt ist ?
Ich wurde schnell fündig, ermittelte eine Emailadresse und eine Telefonnummer (im Ausland).

Schnell also eine Email geschrieben, denn auf stark akzentgeprägte Callcenter, stundenlange fahrstuhlmusikbelegte Warteschleifen oder Computerstimmen hatte ich weder Zeit noch Lust.

3 Wochen später – noch immer keine Antwort auf die Mail. Schlechtes QM.

Okay, ich wähle die Telefonnummer in den Niederlande.

Ein kurzes Gespräch, freundlicher Mitarbeiter, ich muss die Seriennummer des Monitors nennen, kurzes Nicken am anderen Ende der Leitung und die Sache ist auf dem Weg.

Per Email kommt der Aufkleber für UPS, ich schraube den Fuß des Monitors ab,verpacke den Rest, ein Abholtermin wird vereinbart (und von UPS verschlammt, aber das ist eine andere Sache).

2 Wochen später ist der Monitor wieder da.

Und funktioniert.

Okay, dass alles ist  selbstverständlich, sollte selbstverständlich sein, ist es aber heute bei weitem nicht mehr.

Daher – ein Lob an Xerox für die problemlose Abwicklung.
Gutes QM.

Neue Geräte in der Test – Pipeline

von Hans – Willi Herrmann

von Hans – Willi Herrmann

Wie es halt immer so ist: Die neue Mitarbeiterin schwärmt von einem Gerät, mit dem sie in der vorherigen Praxis gute, nein, nur beste Erfahrungen gemacht hat.

Und irgendwie war man je selbst schon immer mal kurz davor solch ein Gerät  auszuprobieren und es hat nur der letzte Anstoss gefehlt.

Kürzlich war es wieder mal soweit.
Im konkreten Falle geht es diesmal um Geräte zur Reinigung von Prothesen. Nicht die mittlerweile selbst bei Tschibo erhältlichen Ultraschallbäder, sondern „professionelle“ Geräte, die mit magnetbewegten Nadeln und speziellen Reinigungslösungen arbeiten.

Meine Bedenken (die mich all die Jahre davon abhielten, mich näher mit der Sache zu beschäftigen)  waren bislang  folgende:

1. Reinigt der Gerät wirklich gut ?

2. Bleibt der Reinigungseffekt längere Zeit oder ist er nur von kurzer Dauer ?

3. Wird die Oberfläche aufgerauht, was eine schnelle erneute Schmutzanlagerung sogar begünstigen würde ?

Wir haben in den letzten Wochen 2 unterschiedliche Geräte (Hager und Werken und Schütz Dental) in der Praxis getestet, ein drittes Gerät (der Firma Renfert)  ist im Moment gerade im Testbetrieb.

Ich werde berichten.


50.000 Klicks – Halbzeit

von Hans – Willi Herrmann

von Hans – Willi Herrmann

Manche Leute schreiben einen Blog, weil Sie zuviel Zeit haben und ihnen langweilig ist.
Wir nicht. Wir haben eher zu wenig Zeit. Genügend zu tun.

Wir begannen zu bloggen, um über moderne Zahnmedizin zu berichten.

Ein Experiment.

Und als wir damit angefangen haben, war unsere Richtschnur, nach 2 Jahren 100.000 Besuche erreichen zu haben.
Gestern hat dieser Blog die 50.000 Klicks – Marke übersprungen.
Das freut uns.

Knapp einen Monat früher, als der Zeitplan es vorgesehen hat.
Es scheint also im Bereich des Möglichen, das gesteckte Ziel innerhalb der nächsten knapp 13 Monate zu erreichen.

Und was kommt dann ?

Das hängt vermutlich davon ab, ob es weiterhin gelingt, mehr  Kollegen diesem Info – Medium zuzuführen.
Ich hatte nie Zweifel, dass wir die Hunderttausend – Marke nicht erreichen könnten.
Aber so sicher ich mir bin, dieses Ziel „in time“ zu erreichen, so unsicher bin ich, wie es mit diesem Blog weitergehen wird., wenn diese Marke fallen wird.

Wer will dieses Medium ?

Der Leser ? Sicherlich.
Aber wie sehr will er, wie sehr braucht er diesen Blog.
Vermutlich nicht genug, um seine Trägheit zu überwinden, die Botschaft weiterzutragen, Farbe zu bekennen.
Wir (und mit „wir“ meine ich unsere Gesellschaft) sind heute zu Konsumenten degeneriert. Wir sind passiv. Und Zahnärzte machen da keine Ausnahme. Unsere Abstimmung zum Thema „Nadelvernichter“ spricht eine deutliche Sprache.

Ein schwaches Echo bislang.
Zu schwach. Gegenwärtig mit Sicherheit.

Mit der 100.000er Marke stehen und fallen weitere „benchmarks“ für die Zukunft dieses Blogs. Man wird sehen.

Auf in die zweite Halbzeit.

Interne Resorption… oder doch extern?

von Bonald Decker

dies ist der Fall eines 70-jährigen Patienten, der mit der Diagnose „interne Resorption“ an uns überwiesen wurde.

Nach einigen diagnostischen Schritten war allerdings schnell klar, dass es sich hier um ein externes Geschehen handelte. Somit musste ein komplett anderes Vorgehen zur Zahnerhaltung gewählt werden, als bei einer internen Resorption.

Dies bedeutete in erster erster Instanz, dass wir den externen Defekt zunächst mit einer (Komposit-) Füllung decken mussten, bevor die Wurzelkanalbehandlung abgeschlossen werden konnte. Zum besseren Management der Hämostase empfiehlt sich in so einem Fall die  Anwendung eines Lokalanästhetikums mit höherem Vasokonstriktoranteil (hier 1:50.000) als sonst üblicherweise verwendet. Die in einem späteren Schritt durchgeführte Wurzelkanalbehandlung stellte dann keine übermässige Herausforderung dar (wobei meine Zugangskavität suboptimal war).

8 Wochen nach dem chirurgischen Eingriff stellt sich die Situation bisher als sehr erfreulich dar, wobei zukünftige Nachuntersuchungen die Nachhaltigkeit der Behandlung erst noch belegen müssen.

Internationale Trauma-Tagung 2010

von Christoph Kaaden

Italien ist immer eine Reise wert…

insbesondere dann, wenn dort eine internationale zahnmedizinische Tagung stattfindet. Im kommenden Sommer (13. – 15. Juni 2010) ist Verona Gastgeber der „Internationalen Trauma-Tagung“. Anbei der link zu dem vorläufigen Programm mit weiteren Informationen zu einer ganz sicher sehr informativen Veranstaltung mit den „who`s who“ der dentalen Traumatologie:

http://www.iadt-dentaltrauma.org/web/

Bewegte Bilder

von Jörg Schröder

Schon seit längerer Zeit habe ich mir gewünscht,  bewegte Bilder aus dem Wurzelkanal aufzunehmen. Zum einen um Behandlungsabläufe besser erläutern zu können, zum anderen um den Workflow bei der Bilddokumentation zu vereinfachen. Denn das Erstellen guter Photos ist in unserer Praxis mit einem gewissen Zeitaufwand verbunden: Entfernen des Spritzschutzes vom Mikroskopobjektiv, Austauschen der Spiegel (Carr-Spiegel statt oberflächenverspiegelte Rhodium-Spiegel) erneutes Fokussieren, Erhöhen der Xenon-Lampenleistung und Fernauslösung durch die Mitarbeiterin.

Wäre es nicht schön, wenn die Kamera, die das Livebild auf dem Mitbeobachterbildschirm erzeugt gleichzeitig auch die Dokumentation bewältigen kann? Und das in Full-HD. Und für relativ kleines Geld zu haben. Die in meinem Pro-Ergo eingebaute 1CCD Videokamera hat keine ausreichende Bild-Qualität und das Geld für eine 3CCD Kamera möchte ich nicht ausgeben. Im Elektronikfachmarkt meines Vertrauens entdeckte ich beim Rumstöbern einen Full-HD-Camcorder der während der Aufnahme auch ein Livebild auswerfen kann.

Auf der letzten SSE- Tagung in Basel erzählte ich Oscar von Stetten von dieser Idee. „So eine Kamera gibt’s noch nicht“ . Da ich nicht locker liess und Oscar noch Geschenke für seinen Sohn brauchte, betraten wir das nächste MANOR-Kaufhaus. 30 Minuten und eine Livevorführung später  war ich Besitzer einer Sony HDR SR 10E.

Erste Versuche an Oscar’s ProErgo und das Experimentieren mit verschiedenen Adaptern führten zu einer recht simplen Lösung: das Anflanschen der Kamera direkt an den Strahlenteiler. Den Rest erledigte mein Vater: er zeichnete meinen Wunschadapter und liess ihn in einer auf Kleinserien spezialisierten CAD-CAM-Firma herstellen.

Adapter mit montiertem Camcorder

Vor 2 Wochen dann der erste Einsatz,  der recht viel versprechende  Ergebnisse brachte. An einigen Details muss noch gefeilt werden. Das Schneiden des Films und das Hinzufügen von Musik war fast das größte Vergnügen. Mit iMovie 09 dauerte es gute 30 Minuten und der Film war fertig.

Einziger Wermutstropfen: beim Hochladen auf YouTube gab es offenbar urheberrechtliche Probleme mit den von mir gewählten Musiktiteln. Zu sehen auf YouTube.

Fiat lux

von Christian Danzl

In meinem Kaps Dental-Mikroskop arbeiten seit Jahren 150W-Halogenbirnen. Eine nach der anderen. Die eine hält länger die andere weniger lang. Es reicht zum Arbeiten, zum Fotografieren so einigermassen mit der Canon Power Shot G2. Das war alles ausreichend
(das live-Bild der Canon war allerdings nicht ausreichend. 320 x 240 Pixel auf einem 23″-LCD-Fernseher mit PAL-Auflösung macht keinen Spass – aber es war besser als nichts). Und die Alternativen waren teuer, nicht viel besser und/oder nicht mehr im Handel. Ich war im großen und ganzen (mehr oder weniger) zufrieden.

Bis der Stuttgarter Zahnarzt Oscar von Stetten mir anbot, sein Xenon Licht und die Video-Kamera zu testen, weil er es momentan nicht im Gebrauch hat. Ein paar Tage später kam ein Paket mit der Post. Darin waren ein Kaps Xenon samt Lichtleiter und die Videokamera von Kaps. Die Kamera mit ein paar Handgriffen eingebaut – dank des modularen Konzepts von Kaps; Die 180W Xenon-Beleuchtung wurde auf die Wandhalterung gestellt und der Lichtleiter angeschlossen.

Erster Eindruck:

LICHT!

Mit allen Vor- und Nachteilen.

Vorteile:

  • Licht. Bis zum Apex, wenn der  Wurzelkanalverlauf es zu lässt. Man hat das Foramen mit 150W Halogen auch gesehen, aber deutlich schlechter und man musste sich sehr anstrengen
  • Farbtemperatur ist dem Tageslicht ähnlicher
  • Verschlusszeiten beim Fotografieren sind verwacklungsunfreundlicher und man kann abblenden um die Schärfentiefe zu erhöhen

Nachteile:

  • Licht. Das Licht ist sehr hell. Zu hell, wenn die Helferin in das OP-Gebiet schauen muss.
    Ein Mitbetrachter-Tubus oder ein Mitbetrachter-Monitor ist unumgänglich.
  • Licht. Auch das längere Arbeiten unter dem starken Licht macht sich bei mir bemerkbar. Besonders, wenn die Umgebungsbeleuchtung nicht angepasst ist.
  • Licht. Zum Thema UV-Belastung beim Behandler und die Folgen habe ich noch nichts finden können. Aber ich bin nicht scharf darauf, mit einem Katarakt in Rente zu gehen, aber mit der Gewissheit etliche Apices besser gesehen zu haben.
  • Licht. Die Patienten sind nicht begeistert, wenn ihnen mal durch Zufall das Xenon-Licht in die Augen gespiegelt wird. Wir habe dieses gelöst durch eine dunkle Schutzbrille für Patienten.
  • Wenn eine Xenon-Lampe kaputt geht, dann tut sie das meistens mit einem riesigen Knall und vielen Scherben – habe ich mir sagen lassen. Bis jetzt funktioniert noch alles.

Fazit:

Schon nach ein paar Tagen war klar: Der Umstieg auf Xenon wird bei meinem Kaps unumgänglich werden…