Seiler Mikroskope in Deutschland

von Hans – Willi Herrmann

Vor einiger Zeit wurden bei WURZELSPITZE  hier und hier Seiler – Mikroskope erwähnt.

Sicherlich einer der günstigsten Wege, an ein Mikroskop für die Zahnmedizin heranzukommen.

In Deutschland werden diese Geräte von Cumdente als Cumdente – Mikroskope vertrieben.
Es gibt zur Zeit 2 Varianten, die in Deutschland angeboten werden.

Mal schauen, ob Cumdente bereit ist, eines ihrer Geräte zum Test meinen Zeiss – Mikroskopen beiseite zu stellen.
Ich werde mal den Vorschlag machen und den Link zum Blogbeitrag an Cumdente senden.

Seiler

Gib AIDS keine Chance

von Oscar von Stetten

Mich hat immer wieder die empfindliche Oberfläche der ProErgo-Handgriffe gestört.

Und das diese, egal wie motiviert die Damen pflegen, über kurz oder lang unansehnliche Flecken zeigt.

Zudem die Oberfläche von Kippschaltern und Knöpfen durchbrochen wird, was eine Nischenbildung bedeutet. Da die Griffe elektronische Bauteile enthalten, fällt eine Tauchdesinfektion oder ein TD-Gang leider aus. Bei operativen Eingriffen wollte ich zudem nicht mit meinen evtl. Blut-kontaminierten Handschuhen die Griffe bedienen.

Nach mehreren Versuchen mit z.B. Mikrowellenkochbeuteln, Steri-Schläuchen, Frischhaltefolien kam mir eine andere Idee.
Fingerlinge erwiesen sich als zu klein. Es gibt aber eine andere Art von Fingerlingen, die deutlich grösser sind. Zwar nicht beim Dentaldepot zu erstehen, aber hier:  http://www.kondomotheke.de. Und zwar unter der Bezeichnung Plain-End Silke-Latex. Der Vorteil: Kein Reservoir. Damit nicht direkt als das erkennbar, was es wirklich ist: ein Kondom. Naturgummi, per Wischinfektion desinfizierbar,  kommt morgens auf den Griff, fliegt Abends wieder runter.

Der Preis?
Bei Abnahme einer 100er Packung 0,46€ pro Stück. Verschmerzbar. Neue Griffe für das ProErgo? Ich habe nicht gefragt, aber sicher deutlich mehr als die „Fingerlinge“. Meine Damen haben nach den ersten skeptischen Blicken und Gelächter die  Fingerlinge akzeptiert. Weil es die Rüstzeit für das Zimmer um sicher 2-3 Minuten senkt. Die Zeit, die sie früher mit dem peniblen Wischen der Handgriffe zu gebracht haben.

Macht es mich nun schneller, kann ich mehr Patienten behandeln. Nein, sicher nicht. Aber es entspannt meine Damen ein wenig. Und damit auch mich ;-)

 

Spiegelauflage selbstgemacht

Von Jörg Schröder

Der Einblick in die apikalen Kanalabschnitte unterer Molaren gestaltet sich aus unterschiedlichen Gründen oftmals schwierig: eine reduzierte Mundöffnung, die Lingual- bzw. Mesialkippung des zu behandelnden Zahns oder eine Krümmung im apikalen Kanaldrittel erschweren nicht nur die visuelle Inspektion sondern auch das kontrollierte Arbeiten mit Hand- oder Ultraschallinstrumenten unter Sicht.

Häufig muss aufgrund eingeschränkter Platzverhältnisse auf sehr kleine Spiegel zurück gegriffen werden. Nur eine lagestabile  Positionierung  des Spiegels erlaubt ein kontrolliertes Arbeiten in der Tiefe des Kanals. Kann der Spiegel nicht ruhig gehalten werden, gerät die Instrumentenspitze aus dem Fokus. Gerade die kleinen Spiegel neigen jedoch dazu nach dem „Anlegen“ von der Auflagefläche wegzurutschen.

Abhilfe schafft hier ein einfacher Trick:

1. Der Spiegel wird so platziert, dass der zu bearbeitende Kanalabschnitt scharf dargestellt ist.

2. Das einzusetzende Instrument wird so in den Kanal eingebracht, dass die geplante Bewegung unter Sicht im Spiegel nachverfolgt werden kann.
Spiegel plaziert3. Nach erneuter Überprüfung der Spiegelposition wird unter und hinter dem Spiegel eine kleine Menge Opaldam aufgebracht und lichtgehärtet.

Lager aus Opaldam

4. So entsteht eine stabile Spiegelauflage die ein reproduzierbares Einsetzen ermöglicht.

Spiegel auf Opaldamlager

Kollagenschwämmchen vor dem Einbringen

Das zeitaufwändige und mitunter nervige Korrigieren der Spiegelposition gehört der Vergangenheit an.

Thomas Endo Cart

von Hans – Willi Herrmann

Gestern habe ich das „neue“ Thomas Endo Cart in Augenschein nehmen können.

Ich fand s gut. War positiv überrascht.

Zwar kann man nicht von einem „designten“ Gerät sprechen. Hier ist das Cart 2 Dekaden hinter dem heutigen Standard zurück. Und die Oberflächen / Materialgestaltung ähneln US – Produkten ala Obtura oder ASI.
Soll heißen, wenn wir bei einem Auto wären – Kunstleder, Billig Wurzelholz – Imitat auf dem Armaturenbrett und aussen noch „Woody“ – Plastikfolie in Holzimitat aufgeklebt.

Wollen wir das ?  Beim Auto nicht.

Und beim Cart ?
Ich will es so sagen – ich habe die zwei Vorgänger des Thomas – Carts kennengelernt.
Auch diese eine gute Sache dahingehend, dass sich endlich auch bei uns in Deutschland ein Hersteller gefunden hat, der den Endodontisten eine auf ihr Aufgabengebiet abgestimmte Lösung angeboten hat. Allerdings sahen diese Carts  zusammengestückelt aus. Funktion einwandfrei, professionelle Erscheinung nein.

Und sogesehen ist dieses Cart ein gewaltiger Schritt vorwärts.
Dieses Cart ist professionell, soll heißen „aus einem Guss“. Nicht zusammengenagelt, sondern fugenlos zusammengefügt. Bestückt mit soliden Geräten, die sich im Praxisalltag schon längere Zeit bewährt haben.

Und damit die erste wirkliche Möglichkeit in Deutschland, einen bestehenden Behandungsstuhl zum Endostuhl umzurüsten, upzudaten.

Ich habe bislang keine Ahnung , was das Cart kostet.

Ich werde nachfragen und Herrn Thomas bei der Gelegenheit mitteilen: „Ich finds gut“.

Der erste Geburtstag – Wurzelspitze ist 1 Jahr alt

von Hans – Willi Herrmann

Vor einem Jahr genau startete WURZELSPITZE mit diesem Beitrag.
321 Beiträge und 1030 tags haben sich angesammelt in dieser Zeit.
Wir beenden das erste Jahr mit einem Tageshoch von 895 Besuchen, mehr als 3000 Besuchen pro Woche und über 9000 Besuchen im Monat.
Und freuen uns über das Interesse der Leser, die zustimmenden Zuschriften.

Und wir möchte uns bedanken bei den Gastautoren Andreas Habash, Benno Jaspers, Oscar von Stetten, Stefan Verch und  Harald Vögele für ihre Beiträge zum Blog.

Knapp 60. 0000 Besuche insgesamt.
Das ist mehr, als realistischerweise zu erwarten war.
Das freut uns.
WURZELSPITZE funktioniert. Wie wir es angenommen hatten. Viel viel besser, als uns pessimistische Stimmen beim Start entgegengehalten hatten.
Und  – wir haben durchgehalten. Denn das mit Abstand Schwierigste an einem solchen Blog ist es,  Tag für Tag, ohne Ausnahme einen Beitrag für den Blog bereitzustellen.

60.000 Besuche.
Das klingt viel.

Ist es aber nicht. Es ist ausgesprochen wenig, angesichts der Tatsache, dass selbst belanglose Allerwelts – Blogseiten mit Mainstream- Themen nicht 9000 Besuche im Monat, sondern am Tag aufweisen.

Realistisch betrachtet ist das  Fazit nach dem ersten Jahr, dass das hier Geschriebene (ungeachtet der ausserordentlichen Wachstums) unter Ausschluss der zahnmedizinischen Öffentlichkeit das Licht des Computerbildschirms erblickt.

Aber noch fehlen 40.000 Klicks bis zu unserer selbstgesetzten Marke.
Erst dann wird Bilanz gezogen.

Geburtstag

Apikale Aufhellung (16)

von Bonald Decker

eigentlich ein unspektakulärer Fall.

Apikale Aufhellung_WS.001

Nichtsdestotrotz ein erfreuliches Ergebnis.

Insbesondere für die Patientin.

Wieviele Kanäle…

von Olaf Löffler

Diese Woche hatte ich die Ehre eine Wurzelkanalbehandlung an einem oberen ersten Molaren durchführen zu dürfen. Der Patient war einer meiner Überweiserkollegen.
Neben der Länge der schmerzfreien Behandlung war für den Kollegen am beeindruckensten, daß dieser obere Molare 4 Kanäle hat.

Für mich war das nicht ungewöhnlich. In meinen endodontischen Behandlungen gab es seit Einsatz des Mikroskopes 2 obere Sechsjahresmolare, in welchen ich nur einen mesiobukkalen Kanal gefunden habe.
Vorher gab konnte ich nur im absoluten Einzelfall mal einen mesiobukkalen zweiten Kanal erkennen. Nun interessierte mich, wann wurde erstmals das Vorkommen von mehr als 3 Kanälen beschrieben. Dabei konnte ich in Schuhmachers Anatomie der Zähne lesen, daß der obere erste Molar dreikanalig ist. Witzigerweise waren darüber Bilder von einem 4 kanaligen 6ern, darunter stand ( nach O.Keller 1928) . In Pubmed kam ich dann zu weiteren Ergebnissen.

In der oft zitierten Studie von Hess * 1917 ist zu lesen, daß Preiswerk 1908 und Fischer 1907 bereits eine Differenzierung des mesiobukkalen Kanals vornamen. 1913 beschrieb Hans Moral** den mesiobukkalen zweiten Kanal und die verschiedensten anatomischen Kanaleingänge.
1969 hat Weine***, die bis heute aktuelle Klassifizierung vorgenommen.
Typ I:    ein Kanal, ein Foramen
Typ II: zwei Kanäle, die sich vor dem Apex vereinigen und ein gemeinsames Foramen haben
Typ III:  zwei Kanäle, zwei getrennte Foramina
Typ IV: ein Kanal, der sich vor dem Apex in zwei Kanäle verzweigt (1984)

Vertucci**** hat noch weitere Formen hinzugefügt und Kulid und Peters***** haben 1990 die apikalen Verläufe in ihre Klassifikation mit einbezogen.

Weineklassifikation

Nun noch die Behandlunsgdokumentation dieses Eingangs beschriebenen Falls. Dabei handelt es sich um eine Weineklassifikation Typ II und nach Kulid und Peters um den Typ 2C, welcher in dieser Studie mit einer Häufigkeit von 2,4% innerhalb der Klasse 2 angegeben wird. Die Klasse 2 wird mit einer Häufigkeit von 49,4% beschrieben.

16.001-001

* Hess, W., Zur Anatomie der Wurzelkanäle des menschlichen Gebisses mit Berücksichtigung der feineren Verzweigung. Schweizerische Vierteljahresschrift für Zahnheilkunde, 1917; 27; 1-53
** Moral, H., Über das Vorkommen eines vierten Kanales im oberen Molaren.  Österr.-Ung. V.f.Z. 1915 H.3
*** Weine FS, Healey HJ, Gerstein H, Evanson L., Canal configuration in the mesiobuccal root of the maxillary first molar and its endodontic significance, Oral Surg Oral Med Oral Pathol. 1969 Sep;28(3):419-25
**** Vertucci FJ.,Root canal anatomy of the human permanent teeth.
Oral Surg Oral Med Oral Pathol. 1984 Nov;58(5):589-99
***** Kulild J C, Peters D D., Incidence and Configuration of Canal Systems in the Mesiobuccal Root of Maxillary First and Second Molars.,Journal of Endodontics July 1990 (Vol. 16, Issue 7, Pages 311-17

Qualitätsprobleme bei UV Lampen (2)

von Olaf Löffler

An dieser Stelle wurde bereits mehrfach über verschiedenste Probleme mit Polymerisationslampen geschrieben. Unter anderem von mir über die Demi der Firma Kerr.

In unserer Praxis ist diese Lampe nunmehr seit einem Jahr im Einsatz. zweimal musste das Gerät wegen Sprüngen im Gehäuse getauscht werden.
Dies geschah anstandlos durch die Firma Henry Schein. Der Hersteller äußerte sich nicht dazu.

Nun bei der dritten Lampe entstand ein neues Phänomen. Die Spaltmaße zwischen dem Gehäuse und dem Akku vergrößerten sich. Die Lampe sitzt während des Ladevorganges mit dem Akku im Ladegerät. Bei Entnahme aus der Ladeschale lockert sich der Akku. Die Demi funktioniert dann nicht mehr.
Wenn man den Akkublock wieder gerade rückt kommt es wieder zur Stromversorgung und das Gerät funktioniert.

Nun wird das Gerät wiederum getauscht.

Ich habe nunmehr zwei andere Lampen in der Praxis und werde diese testen. Natürlich wird dies hier im Blog veröffentlicht.

Interne Resorption… oder doch extern?

von Bonald Decker

dies ist der Fall eines 70-jährigen Patienten, der mit der Diagnose „interne Resorption“ an uns überwiesen wurde.

Nach einigen diagnostischen Schritten war allerdings schnell klar, dass es sich hier um ein externes Geschehen handelte. Somit musste ein komplett anderes Vorgehen zur Zahnerhaltung gewählt werden, als bei einer internen Resorption.

Dies bedeutete in erster erster Instanz, dass wir den externen Defekt zunächst mit einer (Komposit-) Füllung decken mussten, bevor die Wurzelkanalbehandlung abgeschlossen werden konnte. Zum besseren Management der Hämostase empfiehlt sich in so einem Fall die  Anwendung eines Lokalanästhetikums mit höherem Vasokonstriktoranteil (hier 1:50.000) als sonst üblicherweise verwendet. Die in einem späteren Schritt durchgeführte Wurzelkanalbehandlung stellte dann keine übermässige Herausforderung dar (wobei meine Zugangskavität suboptimal war).

8 Wochen nach dem chirurgischen Eingriff stellt sich die Situation bisher als sehr erfreulich dar, wobei zukünftige Nachuntersuchungen die Nachhaltigkeit der Behandlung erst noch belegen müssen.

Fiat lux

von Christian Danzl

In meinem Kaps Dental-Mikroskop arbeiten seit Jahren 150W-Halogenbirnen. Eine nach der anderen. Die eine hält länger die andere weniger lang. Es reicht zum Arbeiten, zum Fotografieren so einigermassen mit der Canon Power Shot G2. Das war alles ausreichend
(das live-Bild der Canon war allerdings nicht ausreichend. 320 x 240 Pixel auf einem 23″-LCD-Fernseher mit PAL-Auflösung macht keinen Spass – aber es war besser als nichts). Und die Alternativen waren teuer, nicht viel besser und/oder nicht mehr im Handel. Ich war im großen und ganzen (mehr oder weniger) zufrieden.

Bis der Stuttgarter Zahnarzt Oscar von Stetten mir anbot, sein Xenon Licht und die Video-Kamera zu testen, weil er es momentan nicht im Gebrauch hat. Ein paar Tage später kam ein Paket mit der Post. Darin waren ein Kaps Xenon samt Lichtleiter und die Videokamera von Kaps. Die Kamera mit ein paar Handgriffen eingebaut – dank des modularen Konzepts von Kaps; Die 180W Xenon-Beleuchtung wurde auf die Wandhalterung gestellt und der Lichtleiter angeschlossen.

Erster Eindruck:

LICHT!

Mit allen Vor- und Nachteilen.

Vorteile:

  • Licht. Bis zum Apex, wenn der  Wurzelkanalverlauf es zu lässt. Man hat das Foramen mit 150W Halogen auch gesehen, aber deutlich schlechter und man musste sich sehr anstrengen
  • Farbtemperatur ist dem Tageslicht ähnlicher
  • Verschlusszeiten beim Fotografieren sind verwacklungsunfreundlicher und man kann abblenden um die Schärfentiefe zu erhöhen

Nachteile:

  • Licht. Das Licht ist sehr hell. Zu hell, wenn die Helferin in das OP-Gebiet schauen muss.
    Ein Mitbetrachter-Tubus oder ein Mitbetrachter-Monitor ist unumgänglich.
  • Licht. Auch das längere Arbeiten unter dem starken Licht macht sich bei mir bemerkbar. Besonders, wenn die Umgebungsbeleuchtung nicht angepasst ist.
  • Licht. Zum Thema UV-Belastung beim Behandler und die Folgen habe ich noch nichts finden können. Aber ich bin nicht scharf darauf, mit einem Katarakt in Rente zu gehen, aber mit der Gewissheit etliche Apices besser gesehen zu haben.
  • Licht. Die Patienten sind nicht begeistert, wenn ihnen mal durch Zufall das Xenon-Licht in die Augen gespiegelt wird. Wir habe dieses gelöst durch eine dunkle Schutzbrille für Patienten.
  • Wenn eine Xenon-Lampe kaputt geht, dann tut sie das meistens mit einem riesigen Knall und vielen Scherben – habe ich mir sagen lassen. Bis jetzt funktioniert noch alles.

Fazit:

Schon nach ein paar Tagen war klar: Der Umstieg auf Xenon wird bei meinem Kaps unumgänglich werden…

2Seal in Easymix – Spritze

von Hans – Willi Herrmann

von Hans – Willi Herrmann

Gute Ideen  bleiben nie lange alleine.
AH Plus in der Automix – Spritze gibt es schon eine ganze Weile. Wir berichteten.

Jetzt hat auch VDW eine solche Applikationsvariante für ihren Epoxid-Amin-Polymer – Sealer „2seal“ im Angebot.
VDW spricht von optimaler Viskosität, die eine schnelle und einfache Anwendung erlaubt, einer Verarbeitungszeit von 4 Stunden und höchster Röntgensichtbarkeit.

Ich kann dazu nichts sagen, denn ich habe noch nie mit dem Material gearbeitet, werde es aber ausprobieren, sobald es im Handel erhältlich ist, was Anfang November der Fall sein soll.

2Seal Spritze

Zahnschmerzen waren Herzinfarkt

von Benno Jaspers

Eine Patientin, 73 Jahre alt, stellte sich mit alio loco eingesetzter Brücke 16-14 und Schmerzen darauffolgend in der Gegenbezahnung 44 bei uns vor. Der Percussionsbefund 44 war positiv, Therapieversuch zunächst mit Einschleifen (neue Brücke Gegenkiefer), dann mit Revision der WF 44 (dazwischen 6 CHKM-Einlagen über 3 Wochen). Zunächst Besserung, danach wieder Verschlechterung.

Eine Leitungsanästhesie aus diagnostischen Zwecken brachte zu diesem Zeitpunkt Schmerzfreiheit am 44, also entschlossen wir uns zu einer WSR an diesem Zahn.

Danach persistierten die Schmerzen,  begleitet von einer Verschlechterung des Allgemeinzustandes (Kurzatmigkeit). Es erfolgte eine Überweisung  zu ihrem Hausarzt, und siehe da: Der Auslöser der Schmerzen war ein Herzinfarkt, der sich offensichtlich in den UK projizierte!

Die Patientin hat Gott sei dank die Intensivstation verlassen und bekommt jetzt Bypässe.

Herzinfarkt

Koryphäenkiller einmal anders

von Rahald Birdele

Der Patient (ein junger Teilhaber einer renommierten Unternehmensberatung) kam zu mir, nachdem er in Köln bei einem ihm wärmstens als äußerst kompetent empfohlenen Zahnarzt war. Eine absolute Koryphäe, wie sein Arbeitskollege ihm wortwörtlich versicherte. Er besuchte diesen Zahnarzt im Juni, da er massiv Zahnschmerzen hatte. Dort wurde eine Wurzelbehandlung begonnen, mit abschliessender Med (CaOH2) und prov. Verschluss (Ketac). Als er wieder zuhause in München war und immer noch starke Schmerzen hatte, rief er seinen Freund an, einen Zahnarzt aus Bad Reichenhall, und bat um ortsansässige Hilfestellung im Raum München.

So kam der Patient zu uns.
Beim ersten Termin fertigte ich ein diagnostisches Röntgenbild vor der Behandlung an (2.jpg). Man erkennt zwar eine Trepanationskavität, aber das eigentliche Pulpakavum vermutet man etwas weiter darunter. Nach Entfernung der Ketacfüllung dann das Bild (1.jpg): Der Vorbehandler hat das Pulpadach an drei Stellen kunstvoll trepaniert, und zwar an genau den Stellen, wo sich der mb1, der db und der pal Kanal darunter befanden. Die waren auch initial instrumentiert, aber es war noch reichlich vitales Gewebe vorhanden. Nach der kompletten Entfernung des Pulpadaches war auch der bislang unentdeckt gebliebene mb2 leicht instrumentierbar. Das orthograde Röntgenbild nach Wurzelfüllung zeigt  eine stark gekrümmte mesiobukkale Wurzel, ein Eindruck, der sich in der exzentrischen Aufnahme noch verstärkt. Der Patient war nach unserer ersten Behandlung vollkommen schmerzfrei und ist es bis heute geblieben.

Sicher wäre es zu einfach, jetzt den Stab über den Erstbehandler zu brechen. Vielleicht kamen mehrere ungünstige Umstände, vor denen keiner gefeit ist, zusammen, so dass ein solch kompromissbehaftetes Ergebnis der Schmerzbehandlung resultierte. Allein – am Ende zählt nur, wer dem Patienten die Schmerzen nimmt und dafür bedurfte es im vorliegenden Fall keiner Koryphäe sondern nur einer stimmigen und stringenten Behandlungssystematik.

19 mm

von Hans – Willi Herrmann

Man wird so alt wie eine Kuh und lernt noch immer was dazu.
Vor ein paar Wochen  habe ich mit einer Produktmanagerin von VDW gesprochen. Es ging um enge Kanäle und darum, dass kürzere Instrumente in solchen Situationen von Vorteil sind.

Bis dato bin ich davon ausgegangen, dass die normalen Feilensortimente in den Längen 21 mm und 25 mm und dann 28 mm und/oder 31 mm erhältlich sind.

Was ich nicht wusste – die C Pilot – Feilen von VDW gibt es in einer noch kürzeren Version von 19 mm.

In besonders schwierigen Kanälen (und damit meine ich nicht eine eingeschränkte Mundöffnung) sind solche Instrumente von Vorteil, selbst wenn man bei längeren Wurzeln nach dem initialen Einsatz der „19er“ noch einmal längere Instrumente im Anschluss einsetzen muss.

Ich habe jetzt in einer Reihe von Fällen mit diesen Instrumenten gearbeitet, wann immer ich mit obliterierten Kanälen zu tun hatte. Die 19 mm Feilen haben sich für die initiale Penetrierung gut bewährt, wobei „gut“  heißt „besser als die längeren Varianten gleichen Instrumententyps“.

CPilot


Tsunami – Endodontics (3)

von Hans – Willi Herrmann

von Hans – Willi Herrmann

Eigentlich wollte ich an dieser Stelle (ich hatte es hier angekündigt) eine tolle Bauanleitung  eines Kollegen vorstellen für ein Hilfsmittel, ultraschallaktiviert Wurzelkanäle spülen zu können. Das neuartige Hilfsmittel ist effizient, sicher, sowohl im Hinblick auf eine Instrumentenfraktur als auch im Hinblick auf das Unversehrtlassen der Kanalwände.

Alles in allem eines der wenigen Dinge in der Praxis, die 5 „Wurzelspitzen“ (unsere Höchstmenge des internen Qualitätssiegels)  auf  jeden Fall verdient hätte und daher an dieser Stelle mein Dank an den Kollegen, der sich diese hervorragende DIY- Lösung hat einfallen lassen und in die Tat umgesetzt hat.

Es gibt nur ein Problem – und dieses Problem ist der Grund, warum ich dieses tolle Hilfsmittel in der Praxis nicht anwenden darf und das mich davon abhält, diese Lösung hier vorzustellen.
Diese Lösung hat kein CE -Zeichen.

Zwar ist jede einzelne Komponente der zur Anwendung kommenden Produkte ein Medizinprodukt, aber in der Kombination und in ihrer konkreten Anwendung gibt es diese Lösung bisher nicht.
Und daher an dieser Stelle keine Fotos, keine Bauanleitung, keine Namensnennung des Kollegen, sofern er dies nicht selbst tun sollte.

Es ist ein wenig schizophren, aber nicht zu ändern.

Wir nutzen Medizinprodukte, die, wenn wir sie anwenden,  uns zu schlechteren Ergebnissen führen,  als die  Alternativen, denen, weil aus verschiedenenen Komponenten (die für einen anderen Einsatzzweck ursprünglich konzipiert wurden) zusammengestellt, das CE -Zeichen fehlt.

4 Jahres Follow up – apikale Aufhellung (14)

von Bodald Necker

Vor ca. 4 Jahren kam eine neue Patientin zu mir in die Praxis, sie wurde überwiesen vom MKG-Chirurgen zur Wurzelkanalbehandlung.

Die Patientin bekam von ihrem Hauszahnarzt im 4. Quadranten 5 neue Kronen eingesetzt. Soweit so gut. Doch sie konnte nie ohne Schmerzen darauf kauen. Nach einem halben Jahr empfahl ihr der Zahnarzt die Extraktion von 44 – 47 mit anschliessender Implantatinsertation.

Die Begeisterung der Patientin hielt sich in Grenzen. Selbständig suchte sie einen MKG-Chirurgen auf, und fragte, ob man mit einer Wurzelspitzenresektion noch etwas könne, oder ob es noch andere Alternativen gäbe.

Die Antwort war eine Überweisung zur Wurzelkanalbehandlung.

Nach der ersten Sitzung – Trepanation des 44  mit anschliessender WK und Med – war die Patientin für’s erste schmerzfrei. Aber auch die anderen neu überkronten Zähne schmerzten nach und nach. So wurden nach und nach die Zähne 44 bis 46 wurzelbehandelt und der 47 revidiert. Nach einer Wartezeit von ca. 6 Monaten wurden die Zähne wieder überkront.

Seitdem verrichten sie ihren Dienst ohne Probleme.

In meinem diesjährigem Urlaub konsultierte die Patientin die Vertretungspraxis wegen Schmerzen auf der rechten Seite. Röntgenbilder  vom 1. und 4. Quadranten wurden angefertigt. Der Verdacht fiel auf den 17. Dieser wurde – da er noch vital war – erst mal aus der Okklusion genommen.

Wieder bei mir in der Praxis folgte die Endo an 17.

Durch die Bilder vom Kollegen hatten wir wieder ein follow-up vom 4. Quadranten nach ca. 4 Jahren.

3 Beine, sicherer Stand – Apikale Aufhellung (13)

von Rahald Birdele

Die Patientin bekam vor 10 Jahren eine Endo an Zahn 14.
Danach keine Probleme.
Vor ca. 3 Jahren Schmerzen.
Der Hauszahnarzt revidierte seine eigene Endo.
Danach war die Patientin wieder beschwerdefrei.

Jetzt vor einem Monat hatte die Patientin wieder Beschwerden. Der neue Zahnarzt versuchte die Endo zu revidieren, scheiterte aber.
Die Schmerzen persisitierten. Die Patientin wurde zu uns überwiesen. Ausgangsbild dabei das Foto Nr. 1. In der Rö zu sehen diffuse Reste von Guttapercha.

Während der Revision zeigte sich buccal tief intrakanalär, auf ca. 16 mm eine Gabelung in mb und db Kanal. Der mesiobukkale Kanal  war noch nie instrumentiert worden und es kam zum spontanen Pusabfluss. Genauso spontan verlor die Patientin das dauernde Druckgefühl in diesem Bereich, das sie seit einem Monat plagte. In der zweiten Sitzung erfolgte der Verschluss mit Guttapercha und AH plus.
Die Patientin war seit der ersten Behandlung beschwerdefrei.

Größte Schwierigkeit bei der Therapie: Den Masterpoint und den Sealer so in einen buccalen Kanal zu bekommen und zu kondensieren, ohne dass an der Abzweigung der andere Kanal vollläuft.

Endo Kalender 2010

von Hans – Willi Herrmann

von Hans – Willi Herrmann

Der Endodontie – Kalender 2010 ist da.
Pünktlich zur ESE – Zweijahrestagung in Edinburgh, die in wenigen Tagen beginnen wird, wird er verfügbar sein.
Bereits in der 4. Auflage und  – das ist neu – in einer deutschsprachigen und einer englischsprachigen Variante.
Auch dieses Mal wieder geht es im beeindruckenden DIN A2 – Format und bestechender Druckqualität nicht nur um einen endodontisch bebilderten Jahresdurchgang, sondern um viel mehr.

Aber dazu lassen wir am besten den „Vater“ des Endodontie – Kalenders, den Dresdener Endodontie – Spezialisten Michael Arnold zu Wort kommen. Für ihn sind 5 Kernpunkte essentiell für die Konzeption des Kalenders:

1. Exemplarische Information

Jeder Erwachsene weiß heute, was eine „Wurzelbehandlung“ ist. Zumeist sind unangenehme Erfahrungen an die Erinnerung einer Wurzelkanalbehandlung geknüpft. Was heute Endodontie zu leisten im Stande ist, ist jedoch weithin in der Öffentlichkeit unbekannt.
Mit den 12 Kalenderseiten im Querformat A2 werden in optisch ansprechender Weise spannende Behandlungsfälle gezeigt und über neue Möglichkeiten in der Zahnerhaltung auf der Basis aktueller Forschung informiert.

2. Anregung zur Kooperation
In der Zahnarztpraxis gehört die endodontische Diagnostik und Therapie zu einem wesentlichen Schwerpunkt der täglichen Arbeit. Traditionelle und bewährte Behandlungsmethoden ermöglichen den dauerhaften Erhalt von Zähnen mit irreversiblen Schäden der Pulpa. In Fällen mit einer mikrobiell infizierten Pulpanekrose oder einer Revisionsbehandlung mit periapikaler Entzündungsreaktion werden national und international noch immer keine zufrieden stellenden Ergebnisse erreicht.
Die vorgestellten Behandlungsfälle basieren auf der vertrauensvollen Zusammenarbeit von Generalisten und Endodontie-Spezialisten. Diese Kooperationen werden zur Verbesserung der Qualität in der Patientenbetreuung bei ständig zunehmenden Anforderungen unverzichtbar. Mit diesem Kalender soll zu der fachübergreifenden Zusammenarbeit ermutigt werden. Die drei Endodontie-Fachgesellschaften DGZ/AGET, DGEndo und der VDZE vermitteln auf Anfrage den Kontakt zu zertifiziert fortgebildeten Kollegen mit dem Arbeitsschwerpunkt Endodontie.

3. Übersichtliche Präsentation
Der Endodontie-Kalender zeigt seltene und interessante Behandlungsfälle. Anhand der Gegenüberstellung von Ausgangs- und Endbefunden werden die Besonderheiten schnell erkennbar. Bilder aus dem Wurzelkanalsystem zeigen auf eindrucksvolle Weise, welche Details unter Sicht mit einem Dentalmikroskop erkennbar sind. Eine zusammenfassende Kurzdarstellung des Falls ermöglicht das Nachvollziehen von wesentlichen Behandlungsabfolgen.

4. Kompetente Aufklärung
Der Endodontie-Kalender im Behandlungszimmer ermöglicht es, Patienten kompetent zu beraten und auf die Besonderheiten im Wurzelkanalsystem hinzuweisen. Der spezielle Einsatz des Dentalmikroskops zur Darstellung kleinster endodontischer Hohlräume und Korrektur von Problemsituationen wird dem Patienten dadurch besser verständlich und der daraus resultierende höhere Kostenaufwand transparent.

5. Internationaler Austausch
Mit der Sammlung aller nationalen und europäischen Tagungstermine endodontischer Fachgesellschaften besteht für jeden Interessierten die Möglichkeit der Fortbildung auf höchstem Niveau bei gleichzeitigem Kennenlernen benachbarter Länder und fremder Kulturen. Der fachliche nationale und internationale Austausch soll mit dem Endodontie-Kalender auf europäischer Ebene gefördert werden.

Weitergehende Hinweise zu den Autoren, Informationen zu den Behandlungsfällen und Bestellinformationen sind im Internet zu finden unter http://www.endodontie-kalender.de. Der Einzelpreis beträgt  35,00 Euro  zzgl. 7,00 € Versandkosten nach Deutschland. Die Kosten für den internationalen Versand können abweichen.

Und falls nach der Lektüre jemand Lust bekommt, eigene Fälle einzureichen für die nächste Edition 2011,  sei darauf hingewiesen, dass dies rasch erfolgen sollte.
Denn im nächsten Jahr wird zum ersten Mal eine internationale Ausschreibung der 12 Kalenderplätze stattfinden und ich bin sicher, dass dies nicht nur das  ohnehin schon hohe Niveau des Kalenders noch einmal steigern wird, sondern auch die begehrten Monatsblätter werden noch schneller als in diesem Jahr vergeben sein.

Ergonomie

von Olaf LöfflerErgonomie

Eines der am wenigsten beachteten Gebiete einer zahnärztlichen Berufskarriere ist die Ergonomie.
Am Anfang des Berufslebens sind Kredite zu tilgen, sind Mitarbeiter zu bezahlen, Umsatzzahlen der Banken zu erfüllen. In der knapp bemessenen Freizeit wird Weiterbildung notwendig um am Ball zu bleiben. Die Familie leidet am darunter, eigene Freiräume werden aufgegeben.
Im Laufe des Berufslebens wird, neben diesem seelischen Stress, der überbelastete Körper reagieren. Bei dem einen kommen die ersten Warnsiganle eher, beim anderen später.
In der Regel werden diese nicht erkannt oder wahrgenommen, jedoch nicht beachtet.

Sehr ernst wird dieses Thema, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, wenn die tägliche Behandlung zur Schmerztortur wird, wenn die Beschwerden auch außerhalb der Arbeitszeit auftreten.
Nun wird nach verschiedensten Therapiemöglichkeiten geforscht. Die Ursache wird oftmals nicht erkannt und nur symptomatisch therapiert. Die Ursachenbeseitigung ist oftmals mit erheblichen Investitionen verbunden.

Die Gedanken dazu sollten jedoch schon beim Kauf von Einrichtungen und Instrumenten aufkommen. Die Industrie zeigt verhaltene Ansätze zur ergonomischen Gestaltung von Geräten und Arbeitsplätzen. Anregungen von Zahnärzten werden jedoch kaum oder spärlich wahrgenommen, oder umgesetzt.
Häufig wird mit einer Namensgebung, wie bei einem großen Mikroskophersteller, das Produkt schon „ergonomisch“. Leider erfüllte es dies im täglichen Einsatz nicht.

Auch wir Zahnärzte müssen umdenken und gezielt die Produkte hinterfragen. Industriemessen bieten die Möglichkeit Produkte optisch und haptisch zu erfassen. Jedoch kaum diese zu erproben.

Wer kauft heute ein Auto ohne dies probegefahren zu haben?

Im Juli  habe ich einen Ergonomie-Kurs besuchen dürfen, welcher von der Firma Morita ausging.
Dr. Neddermeyer stellte das Konzept von Dr.D. Beach vor. An Hand von Phantomköpfen und Behandlungseinheiten ( Morita ) wurde das Beach-Konzept demonstriert und erste Behandlungsversuche damit unternommen. Hauptmerkmal ist die optimale physiologische Positionierung des Behandlers und die konsequent abgestützte Arbeitsweise. Es ist in meinen Augen ein ernsthaftes und sinnvolles ergonomisches Konzept. Allerdings verlangt es eine konsequent indirekte Arbeitsweise. Diese muss erlernt und geübt werden.
Für mich als Dentalmikroskopnutzer war die Umsetzung weniger schwierig, da meine hauptsächliche Behandlungsposition (11-12Uhr) bereits gleich war.

Die Quintessenz des Kurses war:

– Es muss Ergonomie mehr in unser Praxiskonzept einfließen.
– Das Berufsleben wird nicht kürzer und mit konsequenter zahnärztlicher Ergonomie bleibt die Freude am beruf länger erhalten.

Sprechen Sie also beim nächsten Kauf über Ergonomie. Verlangen Sie eine Testmöglichkeit. Ein seriöser Verkäufer ist an einer langfristigen Kundenbindung interessiert und wird diesen Punkten nicht verschlossen bleiben.

Tsunami Endodontics (1)

von Hans – Willi Herrmann

von Hans – Willi Herrmann

Kurz nach Markteinführung habe ich den Ruddle Endo Activator gekauft.
Den Einsatz eines dicken Kunststoff- Fadens als Irrigationsansatz fand ich konsequent.
Keine Beschädigung der Kanalwände, keine Stufen, keine Fraktur von Instrumentenspitzen, die nur schwierig oder gar nicht aus dem Kanal zubekommen wären.
Genug Gründe, das Gerät zu kaufen, dass so plakativ mit dem Slogan „Tsunami Endodontics“ seine Spülwirkung bewarb.
Ob es das tut, das sei dahingestellt.
Ich habe meine Zweifel, jedoch“in dubio pro reo“ setze ich wohlwollend voraus, dass es zumindest genausoviel oder zumindest nicht weniger tut, als die Geräte und Spitzen, die wir bis dato im Einsatz hatten.
Aber – und das ist leider ein großes „Aber“, das sich nach kurzer Zeit schon zeigte.
Die Batterien entluden sich sehr rasch.
Selbst wenn das Gerät nicht benutzt wurde.
Schleichende Entladung.
Es kam sogar vor, dass wir Freitag mittags eine neue Batterie einfüllten und montags, wenn wir das Gerät nutzen wollten, war die Batterie leer.
Ärgerlich.
Noch ärgerlicher war, dass nach etwa einem halben Jahr, durch das häufigere Auf und Zuschrauben das sehr dünne Plastikgehäuse, das einem 400 Dollar – Gerät nicht gut zu Gesicht steht, Risse zeigte.
Das Ende vom Lied.
Der Endo – Activator verschwand in der Schublade und ward nicht mehr rausgeholt.
Sehr sehr ärgerlich.

Apikale Aufhellung (11,12)

von Donald Becker

Zahnschmerzen tauchen ja immer dann auf, wenn man sie gar nicht gebrauchen kann.

Zum Beispiel im Urlaub wie bei diesem Patienten.

Unterwegs in Oberbayern musste er wegen starker Schmerzen in Regio 47 einen Kollegen aufsuchen.

Zwei verblockte Kronen auf Zahn 46 und 47  1,5 Jahre alt, vor Überkronung durchgeführte WF.
Apikale Aufhellungen an beiden Zähnen.
6 Monate nach Überkronung Schmerzen im rechten Unterkieferseitenzahnbereich.
Inzision und Antibiotika- Gabe ohne dauerhaften Erfolg.
Es folgte zunächst die Extraktion des Zahnes 16 und des Zahnes 48 als vermutete Schmerzauslöser.
Die Schmerzen blieben.


Therapieempfehlung des Hauszahnarztes: Extraktion 46 durch Oralchirurg.
Doch vor dem vereinbarten Termin fuhr der Patient noch in Urlaub….

Der Kollege im Urlaubsort entfernte zunächst die Kronen, ermittelte dann den Zahn 47 als alleinigen Schmerzauslöser, revidierte mit viel Enthusiasmus soweit es ihm möglich war das alte WF -Material in 47, sorgte für weitgehende, den Urlaub wieder lebenswert erscheinen lassende Schmerzfreiheit und gab dem Patienten zu guter  Letzt mit auf den Weg, dass es in Heimatnähe des Patienten (Nähe ist relativ, es waren rund 120 km)  jemanden gäbe, an den er sich zur Weiterbehandlung wenden könne.

So kam der Patient zu uns.

Wir führten im November 2007 eine WF – Revision an Zahn 47 und 46 durch.

Die Schmerzen verschwanden und kamen nicht wieder. Die apikalen Aufhellungen bildeten sich zurück.

Im Februar 2009 kam der Patient wieder.

Mit Zahnschmerzen im Unterkiefer links an Zahn 37.

Zahn 37 und 36 waren kurz zuvor (von einem neuen Behandler) wurzelkanalbehandelt worden, jedoch waren die Zähne (zumindest der Zahn 37) weiterhin nicht schmerzfrei.

Ich habe beide Wurzelfüllungen revidiert, woraufhin Schmerzfreiheit eintrat.

Kinderspielzeug

von Oscar von Stetten


In unserem Urlaub hat mir mein Sohn ganz aufgeregt einen Karton gebracht mit den Worten „Papa, schau mal. Ein Molar. Wäre das nicht etwas für Dich?“

Ich fragte mich, ob er mich wohl auf den Arm nehmen will, was der Schlawiner gerne macht.

Aber nein, tatsächlich, es war ein Modell eines OK-Molaren mit einer wohl penetrierenden cp. Es war als 3D-Puzzle ausgezeichnet, die Altersangabe spielt für uns keine Rolle (wir haben es gemeinsam geschafft, es zusammen zu bauen ;-) ).

Baff und sprachlos packte ich das Spielzeug ein. Für nicht einmal 3€ hatte ich nun ein Zahnmodell, welches ich in Deutschland bis dato nicht gesehen habe. Vielleicht habe ich an den falschen Orten gesucht. Zumindest habe ich nun ein Zahnmodell für einen Spottpreis, mit dem man einem Patienten anschaulich erklären kann, was denn nun die Probleme verursacht. Als Bonbon werde ich noch eine apikale Aufhellung in den Knochen präparieren.

Die Website des Herstellers lautet: www.tiger.dk. Es gibt auch zwei Filialen in Deutschland. Vielleicht kann man das Spielzeug bei Interesse über den Hersteller beziehen. Vielleicht kann man auch eine Grossbestellung mit grösseren Chancen der Lieferung absetzen.

Schon aus diesem Grund hat sich der Urlaub sehr gelohnt.

Shit happens: Das Rätselbild – Die Auflösung

von Hans – Willi Herrmann

von Donald Becker

Erinnern Sie sich noch an die Rätselaufgabe von neulich ?
Hier nun die Auflösung.
Eine haarsträubende Geschichte.

Zahn 46, seit mehr als 12 Jahren mit einer Teilkrone versehen.

Immer unauffällig, jetzt zunehmende Symptomatik beim Kauen und auf Wärme / Kälte.

Nach der Trepanation erfolgt die Freilegung und Darstellung der Kanaleingänge.

Distal schwieriger Zugang.
Der Neigungswinkel ist für den schmalen überlangen Rosenbohrer nicht geeignet, also Wechsel zu diamantierten Ultraschallansätzen.
Eigentlich eine gute Gelegenheit, die neuen Satelec – Spitzen, die mir zum Test zur Verfügung stehen, auszuprobieren.

Gesagt, getan.
Ich wähle eine schmale Kugel, die innerhalb von wenigen Sekunden bei der Freilegung des zweiten distalen Kanals  frakturiert. Zu starke Intensität des Ultraschallgerätes, zweifellos war das die Ursache, aber die Schwingungsamplitude war schon bewußt niedrig eingestellt. Kein Vergleich zu den Carr – Spitzen, die ich normalerweise verwende.
Schlimmer noch als der Verlust der teuren Spitze bei der Erstbenutzung wiegt, dass das Fragment (murphys law) in den distalen Kanal gefallen ist.

Noch schlimmer wiegt, dass es mit der diamantierten Kugelseite nach oben im Kanal sich befindet, was die Entfernung sehr schwierig werden lässt.
Denn die Kugel widersetzt sich zunächst allen Versuchen, sie in irgendeiner Art zu packen, um sie dann aus dem Wurzelkanal entfernen zu können.
Es wird ohne Frage gelingen, dieses Fragment zu entfernen, aber der Weg dorthin, er scheint möglicherweise steinig zu werden.

Zunächst der Versuch, mit Ultraschall und einem Slim Jim – Ansatz, das Fragment herauszuvibrieren.
Schlechte Idee, es wandert nur weiter nach apikal.

Neuer Plan. Über den Isthmus das Fragment freilegen und dann aus dem Kanal befördern.

Ich wechsel jetzt doch zum ultralangen Mini – Rosenbohrer.
Anfangs geht alles gut, aber dann verkantet der Rosenbohrer  und frakturiert sofort (ich lag leider richtig mit meiner Vermutung, was den Zugangswinkel angeht).
Und das  Fragment ?  Landet  im distolingualen Kanal.

Und das ist genau das Foto unseres Rätselbildes. Im distobukkalen Kanal steckt die diamantierte Ultraschallkugel, Kugel nach oben, im distolingualen Kanal der Rosenbohrer mit der Knospe nach apikal.

Normalerweise ist das der Zeitpunkt, an dem man seine Sachen zusammenpacken und für diesen Tag  nach Hause gehen sollte, um bewusstseinstrübende legale oder illegale Drogen gleich welcher Art  zu sich zu nehmen. Diese Option fällt   leider in meinem Falle flach.
Deshalb gehe ich  erst mal nach draussen und informiere persönlich den nächsten Patienten, dass wir nicht pünktlich beginnen werden und dass es geraume Zeit dauern kann, bis er an der Reihe ist.

Dann entferne ich die beiden Fragmente, eins nach dem anderen.
Am Ende der Sitzung, 60 Minuten über die Zeit, sind wir in etwa soweit wie zu dem Zeitpunkt, als wir mit der Bearbeitung der distalen Wurzel begonnen hatten, kurz bevor das erste Fragment in den Kanal fiel. Ein extrem unproduktiver Vormittag.
Shit happens.

In der darauffolgenden Sitzung wird die Wurzelkanalbehandlung mit der Aufbereitung der distalen Kanäle und der Wurzelfüllung aller Kanäle abgeschlossen.
Die WF – Kontrolle 6 Monate später ist unauffällig.

GYT

von Hans – Willi Herrmann

„Hallo Kollege Herrmann,

habe Ihren Beitrag in der Wurzelspitze gelesen und kann bestätigen, dass die Pathfile eine gute Ergänzung für die Gleitpfaderschließung ist. Was ist allerdings GYT? Kann mit diesem Begriff noch nichts anfangen? Vielleicht könnten Sie eine kurze Auskunft geben bzw. ein Link mit Info`s dazu!“

Diese Mail erreichte mich letzte Woche und ich bin mir ziemlich sicher, dass es bislang über „GYT“ wenig zu googlen gibt, denn es ist ein Begriff, der vollkommen unbekannt sein dürfte.

Daher hier ein paar kurze Infos.

Bei „GYT“ handelt es sich um eine neuartige Art des maschinellen Antriebs von Nickel – Titan – Instrumenten.
In die Zahnmedizin eingeführt von Ghassan Yared werden die Instrumente nicht in einer kontinuierlichen rotierenden Bewegung eingesetzt, wie wir es bislang kannten, sondern reziprok.
So bezeichnet zumindest Yared diese Technik.

“ reciprocation“.

Meines Erachtens ist der Begriff  ein wenig unglücklich gewählt , denn traditionell ist dieser Begriff bei uns zumindest besetzt durch eine gleichmäßige Rechts / Links –  Bewegung, seit vielen Jahren von der guten alten Giromatic her bekannt.

Ghassan Yared´s Bewegung sieht ein wenig anders aus.
Einer Rotation im Uhrzeigersinn von sagen wir 140 Grad folgt eine Rotation kleineren Winkels (z.B. 90 Grad) im Gegenuhrzeigersinn.
Von daher würde ich eher von einer nichtkontinuierlichen rotierenden Bewegung sprechen oder noch besser von einer teilweise rückgeführten rotierenden Bewegung.

Beides ist zu lang.
Daher habe ich entschieden, in der Kurzform zu Ehren des Erfinders von der Ghassan Yared Technik (GYT) zu sprechen.

Eine solche Bewegung bietet 3 wichtige Vorteile gegenüber den bisherigen Vorgehensweise:

1. Die Gefahr des Torsionsbruches wird vollkommen ausgeschaltet oder zumindest deutlich reduziert. Eine Spitze, die nicht fortwährend weitergedreht wird, sondern wieder ein wenig zurückgedreht wird, kann sich im Wurzelkanal nicht festfressen und abdrehen.

2. Die Gefahr des Ermüdungsbruches wird reduziert. Weniger Rotationen pro Zeiteinheit bedeutet weniger Materialermüdung.

3. Es ist in einer Reihe von Fällen möglich mit wenigen oder sogar nur einen einzigen Instrument einen Wurzelkanal vollständig aufzubereiten.

Der Haken: Es gibt gegenwärtig nur 2 Motoren, die eine solche Bewegung anbieten.
Und beide Motoren sind schon seit langer Zeit nicht mehr im Handel.

Es ist der ATR (grün) und der ATR Vision (blau), beide wurden in Deutschland von Maillefer angeboten, der eine vor der Milleniumswende, der andere kurz danach.

Glücklich daher ist der, der noch so einen Motor in der Praxis hat.

Apikale Aufhellung (11)

von Donald Becker

Eine Patientin, Anfang Zwanzig, kommt auf Rat ihrer Arbeitskollegin in unsere Praxis.

Zahn 46 ist für die Patientin klinisch unauffällig.
Er weist jedoch eine Fistel auf vestibulär.

Auf Sensibilitätsprüfung mit Kälte reagiert der Zahn nicht.

Die Messung der Taschentiefen ergibt:

mv 2 mm
v 2 mm
dv 2 mm
dl 3 mm
l 3 mm
ml 3 mm

Die diagnostische Röntgenaufnahme vom 29.09.2008 ergibt eine apikale Aufhellung jeweils an der distalen und an der mesialen Wurzel, die Aufhellung an der distalen Wurzel ist überdurchschnittlich groß.

Therapie:
Wurzelkanalbehandlung, 3 Sitzungen.

In der Röntgenkontrollaufnahme unmittelbar nach WF vom 26.01.2009 findet sich eine deutliche Reduktion der apikalen Aufhellungen, die Röntgenkontrolle 7 Monate nach WF vom 18.08.2009 zeigt eine vollständige Rückbildung der beiden apikalen Läsionen.


Wieviel Mikroskop braucht der Zahnarzt ?

von Hans – Willi Herrmann

Ich bin mir bewußt, dass der heutige Beitrag sehr kontrovers diskutiert werden wird, aber ich frage trotzdem: „Wieviel Dentalmikroskop braucht der Zahnarzt ?“

Grund für die Frage sind die exorbitant hohen Preise der Dentalmikroskop- Flagschiffe.
60.000 Euro  stehen im Raum und nach oben hin ist noch deutlich mehr möglich.
Angemessen oder nicht, dass sei dahingestellt und jeder muss für sich selbst diese Frage beantworten.

Etwas anders ist es jedoch, wenn der Eindruck erweckt wird, ohne eine solche Investition seien die Vorteile der Dentalmikroskops nicht oder nur stark eingeschränkt nutzbar.

Im Juni war ich in Moskau und der Kollege Ilya Mer, den Jörg Schröder und ich besuchten,  arbeitete mit einem Seiler Mikroskop.
Mal abgesehen davon, dass die optische Qualität nicht augenscheinlich schlecht war, was per se schon eine lobende Erwähnung wert ist  (es gibt andere Mikroskope gleichen Investitionsvolumens, die unter die Rubrik optische Körperverletzung fallen), so war es letztendlich der Kollege, der mit seinem Können, seinem Willen,seiner Geduld einen vermeintlich extraktionswürdigen Zahn erfolgreich endodontisch behandeln konnte.
Nicht das Mikroskop brachte den Erfolg, es war der Behandler.

Szenenwechsel.

Gerade mal 2 Wochen später, in Nordamerika.

Ich besuche einen international renommierten Kollegen in seiner Praxis.
Im Zimmer steht besagtes Seiler – Mikroskop. Sogar in noch deutlich geringerer Ausrüstung als in Moskau.
Er kaufte es, weil es bei guter optische Qualität das preisgünstigste war, dass er kriegen konnte.
Seine Fälle leiden nicht darunter und vermutlich käme niemand auf die Idee, das diese Koryphäe mit einem der preisgünstigsten Dentalmikroskope überhaupt auf dem Markt arbeitet.

Also – mein Rat an all diejenigen Behandler, die bei beschränktem Budget in die Dentalmikroskopie einsteigen wollen.
Nicht verrückt machen lassen.
Es gibt ein Leben vor  Pro Ergo und Pentero und das muss kein schlechtes sein.

Und ein Bonmot habe ich noch, aus Moskau mitgebracht, das kannte ich noch nicht: Wie nennen die Zeiss – Mitbewerber in Russland das Zeiss – Top – Modell  ?
„Pro EGO.“

Neuwagen verwettet, und die E – Gitarre dazu

von Hans – Willi Herrmann

„Ich habe sehr starke Schmerzen und jetzt kann ich auch genau sagen, wo sie herkommen“.
Sagt der Schmerzpatient, männlich, Mitte 20.
Wir sind mitten im Notdienst.
Es ist Samstag abend, um uns rum tobt der Bär in der Stadt. Rheinland Pfalz – Tag,  Polarkreis 18 und DSDS – Sieger für die Jüngeren, Foreigner und ACDC Coverband für deren Eltern. Das Wetter ist traumhaft und alle Leute, die uns kennen, bedauern uns, dass wir so gar nichts mitbekommen von all dem, was so abgeht in der Stadt, aber wir haben uns das ja nicht ausgesucht.
Der junge Mann sicherlich auch nicht, denn er hat seit 3 Monaten Schmerzen, aber bisher konnte nicht herausgefunden werden, wo diese herkommen.

Seine Stationen der Schmerzsuche waren: Hauszahnarzt, Kieferchirurg, Hausarzt, HNO – Arzt.

Von Letzterem bringt er uns eine Schädelaufnahme mit in den Notdienst, wegen der Kieferhöhlen. Nichts zu sehen, alles okay.
Ein paar Wochen alt, aber da konnte er auch noch nicht genau angeben, wo die Schmerzen herkommen.

Jetzt ist das anders.

Er zeigt auf den Zahn 24, der eine Krone trägt. „Der ist es !“, sagt er.
Er ist sich ganz sicher.

Ich klopfe auf den Zahn.
Keine Schmerzreaktion. Hätte ich angesichts seiner Schilderung anders erwartet.
Ein Kältetest fällt negativ aus. Das spricht für den Zahn als Übeltäter, allerdings hätte dann besagter Klopftest eigentlich positiv ausfallen müssen.

Die klinische Untersuchung des Oberkiefers bringt keine Hinweise.
Die klinische Erfahrung sagt, irgendwas stimmt hier nicht, auch wenn der Patient sich seiner Sache sicher ist.
Was tun ?
Ganz klar, misstrau der Aussage des Patienten.
Wie sieht es im Unterkiefer aus ?
Aber auch der linke Unterkiefer ist unauffällig, von einer insuffizienten Kunststofffüllung an Zahn 36 abgesehen.
Aber die Schmerzen kommen ja eindeutig aus dem Oberkiefer.

„Welcher Zahn macht die Schmerzen ?“ Ich frage noch einmal.
Der Patient zeigt wieder auf den Zahn 24 mit der Krone.

Ich fertige ein Röntgenbild an  von Zahn 24 und, weil ich der Sache nicht traue, auch noch eins von Zahn 36.

Wie stark sind die Schmerzen auf einer Skala von Null bis Zehn ? „Null“ heißt gar keine Schmerzen, „Zehn“ heißt die Schmerzen sind so stark, dass sie am liebsten hier aus dem Fenster springen wollen, um ihrem Leben ein Ende zu setzen.

„Acht“.

Das ist eine Ansage.
Dann muss es ja wirklich schlimm sein. Und ein Zahn muss der Schmerzauslöser sein.

Die Röntgenbilder sind da.

Zahn 24 ist wurzelbehandelt.
Daher auch der negative Kältetest. Eventuell hat der Zahn eine diffuse apikale Aufhellung, eventuell ist die WF zu lang und eventuell steckt ein Instrument im Wurzelkanal. Oder ist es ein Stift ? Auf jeden Fall nichts im Röntgenbild zu sehen, was die These des Patienten vollends bestätigen würde, der Zahn sei der Schmerzauslöser, aber auch nichts, was grundsätzlich dagegen spricht.

Der Zahn 36 hat eine tiefe Karies unter der Füllung, die zumindest bis in unmittelbare Nähe der Pulpa reicht.

Ich bin sicher, der Zahn 36 ist der Schmerzauslöser.
Aber der Patient will sein fast neues Auto und seine E- Gitarre verwetten, dass die Schmerzen aus dem Oberkiefer kommen.

Ich überzeuge ihn, den behandlungsbedürftigen Zahn 36 anzugehen.

„Lassen Sie mich diesen Zahn betäuben“, schlage ich vor.  „Wenn er der Schmerzauslöser ist, werden die Schmerzen durch die Anästhesie verschwinden“.

Er ist einverstanden.
Ich setze die Lokalanästhesie.
2 Minuten später sind die Schmerzen verschwunden.

Es folgt die Kariesexkavation, dann eine Kunststoffüllung zur bakteriendichten Abschluss, danach Kofferdam und die Wurzelkanalbehandlung.

Am nächsten Tag kommt der Patient zur Nachkontrolle.
Die Schmerzen sind weg.

Was lernen wir ?
Bei länger vorhandenen Zahnschmerzen, deren Ursache nicht gefunden werden kann, immer dran denken, dass Zähne aus dem Gegenkiefer die Schmerzauslöser sein können und gezielt diese in Augenschein nehmen. Und – nicht immer ist der Zahn, den der Patient als Schmerzursache wähnt, der wahre Übeltäter. Es kann ein ganz anderer Zahn sein, der weit weg ist von der vermeintlichen Ursache und der kann sogar in einem anderen Kiefer beheimatet sein.

Sekundärkaries 36

Sekundärkaries 36

Diffuse apikale Aufhellung 24

Diffuse apikale Aufhellung 24

Saving hopeless teeth (VII), apikale Aufhellung, Regeneration des Septums,

von Bodald Necker

Die 35-jährige Patientin kam zur Routine-Untersuchung.
„Da unten links ist das Zahnfleisch ab und zu ein wenig komisch“, sagte sie zu mir.
Am 36 war nichts groß auffällig auf den ersten Blick. Buccal im Bereich der Furkation war die Gingiva leicht verdickt und gerötet.
Sondierungstiefen alle unauffällig bis 3 mm.
Nur bukkal an der veränderten Gingiva „fiel“ die Sonde drucklos bis 13mm.
Sensibilitätsprüfung auf Kältespray negativ.

Die Röntgenaufnahme zeigte dann das ganze Mass des Knochenabbaus:
Deutliche Aufhellung an beiden Wurzeln, röntgenologisch kompletter Verlust des interradikulären Septums

Nach Aufklärung über den Zustand und die Überlebenswahrscheinlichkeit die alles entscheidende Frage an die Patientin:
Erhaltungsversuch oder Implantat ?

Die Patientin  wollte den Versuch des Zahnerhaltes.
Und auch ich war der Meinung, das dieser Zahn erhaltungswürdig und erhaltungsfähig ist.

Es folgten maschinelle Aufbereitung, reichlich Spülung mit den entsprechenden Desinfizientien, Kontrolle auf Frakturen oder Cracks mit dem Dentalmikroskop, medikamentöse Einlage mit Calciumhydroxid, provisorischer Verschluss mit Cavit.

Nach einer Woche nach wie vor keine Schmerzen oder andere Beschwerden. Die Gingiva hatte sich bukkal normalisiert.
Die Sondierungstiefe hatte sich erstaunlicherweise von 13mm auf 3mm  reduziert (allerdings wollte ich das nicht mit aller Kraft wissen).
Medwechsel.
Wieder Calciumhydroxid, Cavit und jetzt Harvardzement  oben drauf.

Nach einem Vierteljahr – bei der nächsten Kontrolle  – wie gehabt – keine Schmerzen, keine auffällige Sondierung. Die Kontrollaufnahme liess eine Heilungstendenz erkennen.
WF mit SystemB und koronalem adhäsivem Verschluss.

Letzte Woche, ein halbes Jahr nach WF, ist durchaus eine deutliche Knochenregeneration zu erkennen.
Die Furkation ist noch nicht ganz knöchern regeneriert, wir werden aber dennoch zur Überkronung schreiten.

DGZ GABA Praktikerpreis

von Hans – Willi Herrmann
Schon zum zweiten Mal innerhalb von kurze Zeit bin ich in der dentalen Regenbogenpresse auf folgende Meldung gestoßen.
Sie verfolgt mich gewissermaßen.
Beim ersten Mal habe ich noch geschwiegen, aber jetzt muss es raus.
Doch zunächst der Tatbestand:

DGZ und GABA verleihen Praktikerpreis

Auszeichnung geht an Dr. Stefan Rupf für seinen Vortrag zum Thema Wurzelkanalbehandlungen

Hannover, 18. Mai 2009 – Erneut hat die Deutsche Gesellschaft für Zahnerhaltung (DGZ) auf ihrer Jahrestagung den GABA Praktikerpreis der DGZ für herausragende praxisorientierte Arbeiten auf dem Gebiet der Zahnerhaltung verliehen. Die Auszeichnung ging diesmal an PD Dr. Stefan Rupf aus Homburg/Saar für seinen Vortrag „Diagnose und Behandler bezogene Erfolgsrate von Wurzelkanalbehandlungen“, präsentiert auf der Jahrestagung der DGZ im vergangenen Jahr. Der Preis ist mit 2.500 Euro dotiert.

9 Kurzvorträge hatte die Jury, bestehend aus Hochschullehrern und Praktikern, zu bewerten. „Dr. Rupf beschäftigte sich in seiner sehr klaren und sachlichen Präsentation mit der in der Praxis vom Behandler und Patienten immer wieder gestellten Frage nach der Erfolgsprognose einer Wurzelkanalbehandlung (WKB)“, heißt es in der Begründung der Jury. Rupf war zu dem Fazit gelangt, dass der Erfolg einer WKB unabhängig von der Tatsache sei, ob die Behandlung von einem Studenten oder einem approbierten Zahnarzt durchgeführt wurde. Er wies nach, dass 62% der Behandlungen nach 3 Jahren erfolgreich abgeschlossen werden konnten und nur 18% als Misserfolg bewertet werden mussten. Selbst bei Zähnen mit nachgewiesener apikaler Läsion konnte laut Rupf fast die Hälfte (47%) erfolgreich therapiert werden.

Der Praktikerpreis wird jährlich von der DGZ in Zusammenarbeit mit GABA, Spezialist für orale Prävention, vergeben. Die Auszeichnung der besten Falldemonstration eines approbierten Zahnarztes oder Studierenden der Zahnheilkunde im Praktikerforum der DGZ erfolgt immer im Rahmen der DGZ-Jahrestagung im Folgejahr. Wichtige Kriterien für die Vergabe sind nicht nur die Qualität der Dokumentation, die Komplexität der Problemdarstellung und der Vortragsstil, sondern auch die Praxisrelevanz. „Mit dem Praktikerpreis wollen wir die klinische Tätigkeit auf dem gesamten Gebiet der Zahnerhaltung unterstützen und den Austausch zwischen Praxis und Wissenschaft fördern“, erläutert Dr. Andrea Engl, Direktorin Medizinische Wissenschaften bei GABA.

Soweit die Pressemeldung.

Und jetzt ein paar Gedanken von Jemandem, der sich seit einer Reihe von Jahren mit der Endodontie beschäftigt.
Herausragend und praxisorientiert, das sind die ersten Schlagworte, die mir ins Auge fallen.

Hohe Messlatte.
Erfolgsprognose von Wurzelkanalbehandlungen, ich stimme zu, dass interessiert jeden Patienten.
Die Frage kommt eigentlich immer: „Wie gut sind meine Chancen, den Zahn zu erhalten, Herr Doktor ?“

Soweit bin ich noch  d´ accord.
Aber jetzt kommt das erste KO – Argument.
Der Erfolg der WK ist unabhängig davon, ob die Behandlung von einem Studenten oder Praktiker durchgeführt wurde.
Hallo ? Zwickt mich, wenn ich träumen sollte…

Was sind das für Studenten ?
Die fantastischen Vier ?
Die Liga der aussergewöhnlichen Gentlemen ?
Die Unglaublichen ?
Alvin und die Chipmonks ?

Es muss sich sehr viel verändert haben an den deutschen Unis in den letzten 19 Jahren.
Denn zu meiner Zeit hätte sich kein Student auf die Fahnen geschrieben, erfahrenen Zahnärzten im Bereich der Endodontie auch nur annähernd das Wasser reichen zu können.
Hut ab also vor dem, was heute den Studenten geboten wird.

Komisch nur, dass man, wenn man mit frischgebackenen Zahnärzten, direkt von der Uni, spricht, von dieser Einschätzung nicht viel zu spüren ist.
Und vielmehr der Eindruck entsteht, dass nach wievor im Bereich der Endodontie universitärer Nachholbedarf besteht.

Gut, die andere Schlussfolgerung wäre, dass die Praktiker, die als Vergleich herangezogen wurden, nicht viel dazugelernt haben im Laufe ihres Berufslebens, also auf dem Niveau der Studenten stehengeblieben sind.

Auch keine besonders prickelnder Gedanke.

Wie groß war denn nun die Erfolgsquote ?
62 % Erfolg nach 3 Jahren ?
Hab ich richtig gelesen ?
Nicht einmal 2 von 3 Zähnen erfolgreich behandelt ?
Nach 3 Jahren ?

So dass davon auszugehen ist, dass diese schon jetzt schlechte Quote, im Laufe der nächsten Jahre sich noch weiter verschlechtern wird.

Au Backe. Im wortwörtlichen Sinne.
Und im Falle von von nachgewiesenen apikalen Läsionen nur 47 Prozent Erfolgsquote.

Da kann ich ja gleich Roulette spielen und auf Rot oder Schwarz setzen.
Das ist unterirdisch, um Herrn Bohlen zu zitieren.

Und eine Steilvorlage für jeden Implantologen.

Take them out.
Raus damit. Und rein mit dem Titandübel.
Der hält wenigstens.
So schlecht kann man so gut wie  kein Implantat setzen, dass es nicht mindestens in 62  % der Fälle 3 Jahre lang durchhält.

Und ich kann es keinem Patienten verübeln, der zu solchen Schlüssen kommt.
Offensichtlich kann man sein Geld verbrennen oder in wurzelzubehandelnde Zähne stecken.

Beides kommt vermutlich aufs selbe raus.

Fakt ist.
Es geht besser als die anvisierten 62 %.
Deutlich besser.

Ich sage sogar, dass bei Zähnen mit „nachgewiesener apikaler Läsion“ nach 3 Jahren eine deutlich höhere Erfolgsquote erzielt werden kann als jene 62 %, die hier als „herausragender“ Maßstab insgesamt vorgestellt wurden.

Kann ich den Beweis erbringen ?
Noch nicht.

Aber als Erstes werde ich versuchen, an die Studie im Original heranzukommen, um zu schauen, ob das Studiendesign für eine weitere Untersuchung im eigenen Klientel durchführbar ist.

Latexfrei und durchsichtig

von Christian Danzl

Dieses Jahr auf der IDS habe ich ihn zum ersten Mal gesehen.
Den transparenten latex-freien Kofferdam von Hager & Werken, Duisburg.
Fit-Transpadam.
Latexfrei und durchsichtig.
Auf den ersten Blick kein „must-have“.
Ich hab ihn auch wieder vergessen.

Vor 2 Wochen kam eine Kollegin zu mir in die Praxis.
Komposit-Füllungen sind zu machen.
Aber Vorsicht!
Latex-Allergie.
Da fiel mir als Erstes die angebrochene Packung Flexi-Dam von Roeko ein.
Und auch, dass er mir persönlich zu wenig Spannkraft hat – also nicht ideal zum Abdichten für Zahnhalsfüllungen.

Da kam mir der „Durchsichtige“ von Hager & Werken wieder in den Sinn.
Ich dachte, es könne auch nicht schaden, wenn man bei der ZH-Füllung sieht, was sich unter der Klammer abspielt. Ein kurzer Anruf beim Depot, kurze Zeit später war er da:
Glasklar, ziemlich dick, wenig flexibel.

Test beim ersten Patienten: 42, Frontzahnklammer, 2 Versuche, 2 Tücher gerissen. Daraufhin bin ich umgestiegen auf Roeko FlexiDam

2. Patient:  47, Klammer 12A, Tuch vorher über den präparierten Zahnstumpf gezogen, danach die Klammer. Ging so eben. Die Klammer wurde mit Flow-Komposit gesichert.

Fazit nach 2 Patienten:

– zu wenig flexibel (Aufspannen auf dem Rahmen geht schlecht)
– reisst seeehr leicht (KD mit Klammer auf den Zahn wird nicht funktionieren)
– Rückstellkraft mässig (Abdichtung um den Zahnhals suboptimal).
– die Sicht in die Mundhöhle bei angelegtem KD kann manchmal von Vorteil sein.

Kurz: In meinen Augen (und Händen) definitiv KEIN „must have“ zumal es latexfreie Alternativen gibt, die „weniger techniksensitiv“ sind.

Und bei der Kollegin mit der Latex-Allergie werde ich definitiv auf den Flexi-Dam von Roeko ausweichen.

C wie Cäsar III

von Wonald Recker

Ein weiterer oberer zweiter Molar mit einem c-shaped Kanalsystem. Die mesialen und distalen Kanäle sind in diesem Fall verbunden, während der palatinale Kanal separat verläuft.

Aufbereitung mit Niti- Instrumenten in Hybridtechnik und sonoabrasiver Mikropräparation der Isthmen im Sichtbereich. Die Wurzelkanalfüllung nach Schilder erfolgte in thermisch vertikaler Obturation. Die hydrodynamische Präparation erfolgte schallgestützt mit dem Plastikendosystem von Winfried Zeppenfeld.

Saving hopeless teeth (VI), Apikale Aufhellung (9) – Zahn 21 mit Fistel, WSR, SSA, tiefen Taschen und Resorption

von Donald Becker

Der Patient, männlich, Ende 40 kam zu uns mit Beschwerden und einer zeitweilig auftretenden Fistel an Zahn 21.

Der Zahn war überkront, mit SSA.

Im Röntgenbild zeigte sich eine insuffiziente WF und apikal  war vermutlich Zustand nach WSR.

Was tun mit dem Zahn ?
Extrahieren ?

Vieles sprach dafür, eigentlich fast alles.

Die missglückte WSR.
Die Fistel.
Die Resorption.
Der vorhandene SSA.
Die tiefen Taschen.

Der Patient wünschte dennoch unbedingt den Versuch des Zahnerhaltes und so entfernte ich zunächst die Krone.
Anschließend den Stiftstumpfaufbau.
Wäre früher undenkbar gewesen, heute und in diesem Falle dank Dentalmikroskop und spezieller Ultraschallinstrumente kein Problem.

Danach wurde die insuffiziente Wurzelfüllung entfernt.
Die vorhandene Infektion war nun offensichtlich, angesichts der  schmierigen Pampe im Wurzelkanal.

Abschließend erfolgte eine medikamentöse Einlage mit Calciumhydroxid.
Die sich, unerwartet, aus dem Sulcus unter dem Kofferdam rausdrückte.

Grund dafür war offensichtlich ein Defekt in der Wurzel.
Gott sei Dank keine vertikale Wurzelfraktur, wie im ersten Moment vermutet.

Nach Aufklappung zeigte sich palatinal ein Riss und Resorptionen. Unerheblich ob primär extern oder intern.
Fakt war, es bestand eine Verbindung zwischen Sulkus und Zahninnerem.

Mit mikrochirurgischen Ultraschallansätzen wurde im Bereich der Frakturlinie und der Resorptionen eine Kavitätenpräparation durchgeführt und der Defekt adhäsiv mit Flow – Komposit verschlossen.

Im Rahmen der WF  – Sitzung wurde zunächst apikal  Pro Root MTA white eingebracht. Weiter koronal erfüllte die Defektfüllung im Bereich der internen Resorption mit Guttapercha aus der Beefill – Injektionspistole, abschließend wurde ein Glasfaserstift als Makrofüller und Retentionsgeber in eine Kompositmatrix eingebettet.

Es erfolgte eine Präparation für die provisorische Krone und die Eingliederung dieser markierte das Ende der Behandlung,

Heute. mehr als 12 Monate später ist die Krone immer noch in situ.
Sie kann sich, obwohl für dieses langen Zeitraum nicht konzipiert, immer noch  noch sehen lassen.

Die Taschentiefen sind zirkulär auf 2 mm zurückgegangen, die Fistel, die über Jahre hinweg bestanden hatte, verschwand schnell und tauchte nie wieder auf.

Der Zahn ist nun bereit für die definitive Kronenversorgung, die im Laufe des Jahre erfolgen soll.

Saving hopeless teeth (V) – Frontzahn mit Seitenkanal – Verlaufkontrolle nach 3,5 Jahren

von Donald Becker

Vor einiger Zeit habe ich an dieser Stelle über einen wurzelgefüllten Frontzahn berichtet, der auf Grund eines großen Seitenkanals eine klinische Problematik entwickelte und eigentlich auf Grund der vorhandenen Situation hätte entfernt werden müssen.

Die Situation wurde chirrugisch angegangen und der vorhandene Seitenkanal nach Darstellung und Retropräparation mit Ultraschall mit einem Flow – Komposite in Adhäsivtechnik verschlossen.

An diesem Zahn 21 wurde nun, nach 3,5 Jahren, eine Verlaufskontrolle gemacht.

Der Zahn ist klinisch unauffällig, die Taschentiefe beträgt statt vormals mehr als 6 mm nun gerade noch  1 mm und das seit über 3 Jahren.
In der Röntgenaufnahme zeigt sich, dass die in der Ausgangsaufnahme (links) festgestellte knöcherne Läsion nach 2,5 Jahren (Mitte) und nach 3,5 Jahren (rechts) sich knöchern konsolidiert hat.

Die Patientin ist jedenfalls froh, dass ihr der eigene Zahn erhalten werden konnte.

Saving hopeless teeth (IV)

von Bonald Decker

Die Behandlung dieses (radiologisch) nicht ganz zu unrecht als hoffnungslos eingestuften Zahnes erfolgte vor einiger Zeit…

Das aktuelle Recall-Bild nach 54 Monaten bestätigt allerdings, dass Einsatz und Aufwand moderner zahnmedizinischer Behandlungsoptionen wie z.B. MTA, individuellem Glasfaserstift und Vollkeramik-Restauration auch (vermeintlich) hoffnungslosen Zähnen „neues Leben einhauchen können“.

Wurzelkanalbehandlung in der Bierwerbung

von Hans – Willi Herrmann

Zum ersten Mal sah ich diese Werbung Ende April bei Dr. Christoph Kaaden in der Münchner Uniklinik an der Wand hängen.

Und – man möge es mir verzeihen, vielleicht, weil ich keinen Alkohol trinke, habe ich diese Werbung missverstanden.
Fand sie aber trotzdem gut.

Ich dachte (nicht lachen bitte),  das Bier ist die Belohnung dafür, dass man so lange hat die Behandlung hat über sich ergehen lassen.

Aber weit gefehlt.
Wie mich Christoph aufklärte, geht es in der Werbung darum, gemütlich im Biergarten zu sitzen und die Bedienung oder der Biergartenbesucher selbst  liefert die Ausrede für Zuhause, das Büro oder wo auch immer.
In Wirklichkeit war der Biertrinker und Radi – Esser gar nicht beim Zahnarzt.

Ach so ist das. Jetzt hab ichs also auch kapiert.

Zwischenzeitlich war ich mehrmals in München und habe nicht nur diese Werbung, sondern auch andere Motive der Kampagne gesehen. Wenn man diese ebenfalls kennt, erschließt sich der Sinn von selbst.

Aber so ganz falsch lag ich nicht.
Auch die Ausrede „Ich brauchte eine Wurzelkanalbehandlung und konnte deshalb erst jetzt nach Hause kommen“ funktioniert natürlich nur, wenn eine solche Behandlung in der Tat nicht in wenigen Minuten über die Bühne geht.
Mit „Ich musste zum Blutdruckmessen, das hat 3 Stunden gedauert“ hätte die Kampagne sicherlich nicht funktioniert.

Offensichtlich ist bei der Paulaner- Brauerei, ihrer Werbeagentur und  vor allem der Bevölkerung (sonst würde die Kampagne nicht funktionieren) angekommen, dass eine Wurzelkanalbehandlung mit einem nicht unerheblichen Zeitaufwand verbunden ist.
Insofern sind die drei Stunden Zeitlimit, die von Fachfremden veranschlagt wurden, wesentlich näher dran an der Realität als die maximal etwas mehr als  30 Minuten, die die Zeitmessstudien der gesetzlichen Krankenkassen als für eine solche Behandlung notwendig angesehen haben, und die gegenwärtig als Grundlage des Zahnarzthonoras dienen.

Machen wir uns nichts vor: Genauso wenig wie dieser halbstündige Zeitrahmen als Ausrede für den Biergartenbesucher funktionieren würde, genauso wenig ist eine schwierige  Wurzelkanalbehandlung in dieser Zeit machbar.

Wäre das nicht ein wenig des Nachdenkens wert, sehr geehrte Entscheidungsträger im Gesundheitswesen? Ist die Diskrepanz zwischen 3 Stunden mindestens auf der einen Seite und 32 Minuten maximal auf der anderen Seite nicht doch deutlich zu groß ? Einfach mal drüber nachdenken.

Diese Werbung würde nicht funktionieren, wenn sie die Realität nicht in nennenswertem Maße wiederspiegeln würde.

Ich werde auf jeden Fall bei meinem nächsten Münchenbesuch dem Nockherberg und der Paulaner -Brauerei einen Besuch abstatten und versuchen, herauszufinden, wer für diese einprägsame Werbekampagne verantwortlich war.

Bierwerbung

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Was tun, wenn ´s Licht ausfällt… oder bürokratisieren wir uns zu Tode

von Hans – Willi Herrmann

Eine Frage:
Können Arbeitnehmer(
innen)
bei Ausfall der allgemeinen Beleuchtung die Arbeitsplätze gefahrlos verlassen bzw. führt dies zur Unfallgefahr ?

Mögliche Antworten:

a) Ja
b) ?
c) Nein

Eine einfache Frage.

Aus einem QM – Fragebogen für die Zahnarztpraxis.

Eine von 240 Fragen, die wiederum nur die Spitze des Eisbergs markieren, von Fragen die aufgeworfen werden, wenn es um die Umsetzung eines Qualitätsmanagements in der Zahnarztpraxis geht.

Und – mit Verlaub gesagt- definitiv keine Frage, die ich jemals in diesem Zusammenhang gestellt hätte, aber sie steht nun mal im Raum und so hat sich unser Team in der gestrigen Mittagspause mit diesem Problemkreis auseinandergesetzt.

Zunächst einmal ist anzumerken, dass diese Frage überhaupt nicht mit „Ja“ oder „Nein“ beantwortet werden kann.

Rein formal, weil die Frage 2 Fragen enthält, wobei die jeweilige Antwort konträr zu Antwort der zweiten Frage steht. Ein klassisches Paradoxon, dass jedem im Team sofort offensichtlich wurde.
Wie konnte dies nur der Ausmerksamkeit des Fragestellers entgehen ? Aber lassen wir das.

Fakt ist: Es kommt der Moment und das Licht geht unvermittelt aus.
Und zumindest an Winterabenden stehen wir dann im Dunkeln in der Praxis. Denn es ist gegebenenfalls davon auszugehen, dass die Strassenbeleuchtung, die durch die Fenster scheint, durch den Stromausfall ebenfalls betroffen ist und sich das Ganze gegebenenfalls an einem regnerischen Neumondabend ereignet.

Ausserdem gibt es Räume in der Praxis, die fensterlos sind, zum Beispiel der Röntgenraum, der Umkleideraum oder die Patiententoilette.

Was tun also, wenn´s Licht ausfällt ?

„Taschenlampen !“, fällt Einem spontan ein.

Löst das Problem aber nur unvollkommen, da im Dunkeln erst einmal auch die Taschenlampe gefunden werden muss. Vermutlich müsste in jedem Raum mindestens eine solche deponiert werden, was zumindest auf der Patiententoilette ein wenig bizarr wirkt.

Aber selbst auf dem Weg zur Taschenlampe könnte sich ja noch ein schwerwiegender Unfall ereignen, er wäre  zumindest nicht auszuschliessen.

Dies ginge nur, wenn jeder Mitarbeiter von nun an eine Taschenlampe jeder Zeit mit sich trüge.

Der spassige Kommentar meiner Mitarbeiter, von nun an Kopfleuchten zu tragen, wie Jogger in der Nacht oder Bergarbeiter, erscheint absurd, würde das Problem aber lösen.
Wäre aber unbequem und sieht ziemlich behämmert aus.

Alternative ?
Die Taschenlampe an einem Band um den Hals tragen.
Dem kann aus hygienischen Gründen nicht entsprochen werden.
Also in die Hosentasche damit.

Setzt eine weitere neue Arbeitsanweisung voraus: Von nun an hat  jeder Mitarbeiter Arbeitshosen oder Kittel mit Taschen zu tragen, die Taschenlampen problemlos aufnehmen können.

Wäre nur noch ein Problem zu lösen.
Taschenlampen gehen meistens nicht, wenn man sie braucht, die Batterie ist leer.
Wir entschließen uns deshalb für  Taschenlampen von Muji, die per Handdynamo und damit batterieunabhängig betrieben werden können.

Nächste Arbeitsanweisung: Jeder Mitarbeiter hat sich vor Arbeitsbeginn von der ordnungsgemäßen Taschenlampenfunktion zu überzeugen.

Und was ist zu tun, wenn wider Erwarten die Taschenlampe nicht funktionieren sollte im Ernstfall oder nicht verfügbar ist ?

Schon folgt die nächste Arbeitsanweisung:  Bewegungslos stehen bleiben, bis das Licht wieder angeht. Oder jemand mit einer Taschenlampe herbeigeeilt ist.
Um sich kenntlich zu machen, sollte der/die Arbeitnehmer(in), dessen/deren Taschenlampe nicht funktioniert, laut „Hilfe Hilfe, Taschenlampe !“rufen.

Oder zumindest „Kleine Taschenlampe brenn“ (von „Ich will Spass“ Markus aus den 80ern)  singen.

Sollte das Licht längere Zeit ausbleiben, so kann, aber nur sofern die Beine anfangen weh zutun und die Kräfte schwinden, gegebenenfalls sich vorsichtig auf den Boden gesetzt werden.
Allerdings nur unter  langsamen Bewegungen und erst nachdem der Boden mit den Füssen vorsichtig dahin untersucht worden ist, dass keinerlei Gegenstände dort herumliegen, die eine Verletzung hervorrufen könnten.

Von Patienten, die sich beim Stromausfall in der Praxis aufhalten können, war im Übrigen nie die Rede. Rein gefühlsmäßig stufe ich bei diesen die Unfallgefahr wesentlich höher ein als beim Praxispersonal, dass ja wenigstens seine Taschenlampen immer bei sich trägt.

Sollten wir also von nun an jeden Patienten, sobald er die Praxis betritt eine Taschenlampe aushändigen ?
Oder nur, sobald er die Patiententoilette betreten möchte, weil dies der einzige für ihn zugängliche fensterlose Raum der Praxis ist.

Es ist an der Zeit für eine weitere Arbeitsanweisung: Beim erstmaligen Betreten der Praxis ist darauf hinzuweisen, dass der Patient vor Betreten der Toiletten eine im Wartezimmerbereich ausliegende Taschenlampe an sich zu nehmen hat.
Und wäre es nicht sinnvoll, mir vom Patienten schriftlich bestätigen zu lassen, dass er über diese Vorgehensweise informiert wurde ?

Fragen über Fragen.

Letztendlich wird es aber auf etwas ganz anderes hinauslaufen: Per gesetzlicher Bestimmung werden zukünftig Zahnarztpraxen dazu verpflichtet werden, eine unterbrechungsfreie Stromversorgung sicherzustellen.
Das bedeutet Akkumulatoren, Schwungscheibendynamos im Keller, die permanent laufen und für längere Ausfallzeiten ein Diesel – Notstrom  -Aggregat als Back Up.
Reichen 20.000 Euro  pro Praxis ? Vermutlich nicht. Aber die Sicherheit muss uns schon Einiges wert sein, oder ?

Falls Sie dies alles jetzt als maßlos übertrieben und unrealistisch halten.
Genau das ist es.

Aber die QM -Checkliste existiert und diese Frage ist Realität.
Und mit ihr noch 239 weitere Fragen, die uns nur zu einem geringen Teil wirklich weiterbringen, uns aber maßgeblich davon abhalten, unserer eigentlichen Arbeit, dem Behandeln kranker Menschen, nachzukommen.

Damit wir uns nicht missverstehen.
Ich bin ein absoluter QM – Fan.

Aber das hier hat nichts mit QM zu tun, sondern nur damit, dass an entscheidender Stelle eine Reihe von Leuten offensichtlich jeden Bezug zur Wirklichkeit verloren haben.

Saving hopeless teeth (3), apikale Aufhellung (8)

von Bodald Necker

Eine 67-jährige Patientin stellte sich montags ohne Termin vor. Schwellung an der Oberlippe links. Ein diagnostische Röntgenbild bestätigte die Vermutung. Der Zahn 22 war der Übeltäter. Da die Patientin den Zahn unbedingt erhalten wollte, wurde der Versuch einer Wurzelkanalbehandlung unternommen.
Trepanation durch die Krone. Das Foramen wurde eröffnet, große Mengen Pus traten aus, zusätzlich wurde labial inzidiert. Die Patientin wurde nach Antibiose-Verordnung entlassen. Der Zahn blieb offen. Bis zur nächsten Sitzung war der wieder aufgeflammte Abszess zusätzlich palatinal durchgebrochen.
Die Schwellung war aber deutlich zurückgegangen. Es folgte Wurzelkanalaufbereitung und Calciumhydroxideinlage. Schwellung und Schmerz waren zur 3. Sitzung komplett verschwunden. Nach abermaliger CaOH-Einlage – diesmal für 8 Wochen – war röntgenologisch eine Heilungstendenz zu vermuten. Die Wurzelfüllung folgte. Die Heilung schritt fort, so dass 15 Monate post -OP eine neue Krone angefertigt wurde. 22 Monate post-OP ist die apikale Aufhellung fast ganz verschwunden.

Nach Inzision und zusätzlichem Durchbruch schien der Zahn eine eher schlechte Prognose zu haben. Er hat es trotzdem geschafft.

Der Blick auf die anderen wurzelgefüllten Zähne zeigt durchaus Handlungsbedarf. Die Patientin sieht es – wie viele andere auch – nicht so. Es tut ja nichts weh.

Ausgangszustand

Ausgangszustand

Foramen eröffnet

Foramen eröffnet

Masterpoint

Masterpoint

WF-Kontrolle

WF-Kontrolle

15 Monate post-OP

15 Monate post-OP

26 Monate post-OP

26 Monate post-OP

Thermafil – Revision (2)

von Donald Becker

Nach Freilegung kann der Carrier mit einer Stieglitzzange (modifiziert) oder einer ähnlich grazilen, aber fest fassenden Zange durch Zug entfernt werden. Dazu sollte die Guttapercha noch erwärmt sein. Im vorliegenden Fall gelang dies nach der geduldigen und schonenden Präparation. Jedoch war ein Rest Guttapercha oberhalb des Foramen apikale im Granulationsgewebe verblieben. Die Entfernung von orthograd erweist sich oftmals als sehr schwierig, jedoch nicht unlösbar. Mittels eines apikalen Gauging sollte annähernd die Foramengröße ermittelt werden. Im vorliegenden Fall betrug diese 0.6 mm. Um den Guttapercharest zu erangeln, habe ich einen Microopener #10 (Maillefer) verwandt. Leider ist das Instrument in seiner Originalform nicht lang genug, um daran vorbeischauen zu können. Deshalb sollte dieses Instrument modifiziert werden.  Mit einer Flachzange wird das Arbeitsende direkt hinter dem Schaft abgebogen. Anschließend kann die vorhandene Krümmung begradigt werden. So erhält man ein deutlich längeres Instrument mit einer Arbeitslänge des Microopeners von 31 mm. Die Spitze habe ich leicht angewinkelt auf 1,5 mm Länge in Richtung der Lage des apikalen Fremdkörpers. Vor dem Einsatz des modifizierten Microopeners trockne ich den Wurzelkanal mit Microabsaugung, Papierspitze und anschließend mit einer Kanüle 30 an einem Stropkoirrigator. Jetzt ist es möglich, unter mittlerer – maximaler Mikroskopvergrößerung den Fremdkörper zu lokalisieren und zu erangeln. Dies sollte mit sehr leichtem Druck auf den Fremdkörper von apikal nach koronal erfolgen. Diese Technik funktioniert bei geringerem Durchmessser des Fremdkörpers zum apikalen Foramen. Nach einigen Versuchen konnte die Guttapercha entfernt werden. Anschließend erfolgte die weitere Aufbereitung und Desinfektion des Kanalsystems. Die abschließende apikale Wurzelfüllung erfolgte mit weißem ProRoot MTA (Densply)  auf 4mm Länge.

Anmerkung: Das Biegen des Microopeners wurde mir von Michael Arnold, Dresden vorgestellt.

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