Horizontale Wurzel-Fraktur (I)

von Christoph Kaaden

Der Anblick solcher klinischer und radiologischer Bilder führt nicht selten dazu, dass entsprechende Zähne als hoffnungslos angesehen werden und daher zur Extraktion „frei gegeben werden“.

Die nächsten Blog-Beiträge zum Thema „horizontale Wurzelfraktur“ (HW#) sollen dazu beitragen, diese häufige (Fehl-) Einschätzung zu korrigieren, da klinische Untersuchungen belegen, dass es sich hierbei um eine sehr beherrschbare Traumafolge mit guter bzw. sehr guter Prognose handelt.

Neben Erläuterungen zu Hintergründen der Entstehungsmechanismen werden ferner adäquate Therapien und Nachsorgeintervalle besprochen.

Hintergründe:

Mit 0,5 – 7% aller Verletzungen zählt die HW# zu den seltenen dentalen Traumaformen. Der Altersgipfel liegt zwischen dem 11. und 20. Lebensjahr. Betroffen sind primär obere Incisivi, die bereits einen vollständigen Durchbruch mit abgeschlossenem Wurzelwachstums aufweisen. Ein Auftreten in der ersten Dentition gilt als sehr selten.

Entsprechend des Fraktur-Ortes ist diese im

  • koronalen
  • mittleren
  • oder apikalen Drittel

lokalisiert.

Aufgrund einiger in der späteren Folge näher zu erläuternden Punkte nimmt die koronale Fraktur eine gewisse Sonderstellung ein. Sie wird mit einer Inzidenz von 6-19 % angegeben.

Ü-Day 2010

von Hans – Willi Herrmann

Es ist schön, wenn Ideen, die man seit langer Zeit mit sich trägt, Realität werden. Und noch besser, wenn alles genau so funktioniert, wie man es sich vorgestellt, erhofft hat.
So geschehen letztes Wochenende in München mit dem Wurzelspitze – Ü – Day 2010, der zeitgleich mit dem Teamday 1/2010 stattfand.

Das „Ü“ steht für Überweiser und charakterisiert eine kostenlose Fortbildungsveranstaltung für die regelmäßigen Überweiser der 5 WURZELSPITZE – Praxen.

Die Fotos sind vom gemütlichen „Come Together“ am Freitagabend im „Wirtshaus in der Au“.
Am Samstag dann, während die Praxisteams sich unter der Leitung von Sebastian Riedel der detaillierten Ausarbeitung der QM – Standards widmeten, Vorträge der Wurzelspitze- Behandler.

Direkte Überkappung mit MTA, Reziproke Aufbereitung, Handhabung dentaler Traumata, die Schwierigkeiten der Revisionsbehandlung, aber auch ein Ausblick in die Zukunft des Wirtschaftsunternehmens „Zahnarztpraxis“ waren die Themen.

Die Resonanz der 25 Ü-Day Teilnehmer: Uneingeschränkt positiv.

Die Konsequenz: Der nächste Ü-Day, 2011 in Leipzig, ist schon festgezurrt.

Schutzbrille reloaded

von Christian Danzl

Endlich habe ich die Schutzbrille gefunden, die ich gesucht habe. Mit meinen 2720 von 3M bin ich sehr zufrieden. Als Standard Schutzbrille zum Arbeiten für die Helferinnen und für mich. Es gab sie nur nicht mit orange-Roter Scheibe zum Ausfiltern des Blaulichtes der Polymerisationslampe. Die Swiss-eye war schon besser als nichts, aber im neuen Ultradent-Katalog (Dan Fischer) ist sie drin: Gleiche Form wie die 3M, aber in orange-rot. Sie filtert das Licht von 290 bis 320 nm Wellenlängen aus.

Wer sie braucht?

Ich nicht, aber Patienten, zum Schutz gegen das grelle blaue Licht der Polymerisationslampe.

Und Helferinnen, die nie dorthin schauen können, wo sie Komposit polymerisieren, und somit nicht immer dass Licht da ankommt, wo es hin soll…..

Ausgebaischt

von Hans – Willi Herrmann

Es gibt Nachrichten, die machen einfach nur nachdenklich.

Diese Woche kam ein Mitarbeiter unseres Dentaldepots in die Praxis.
Wie es so geht, wir redeten über dies und das und irgendwie wie kamen wir drauf  und er berichtete: Die Firma Baisch habe Insolvenz angemeldet.

Ist das zu fassen ?
Baisch  – eine Firma, die mit ihren Stahlmöbeln Dentalgeschichte geschrieben hat, ist selbst Geschichte.
Früher, ja früher haben alle Baisch gekauft.
Weil es auf das Geld nicht so sehr ankam wie heute, jeder wusste, dass die Möbel top sind, ein Zahnarztleben halten und es keine Konkurrenz gab.
Aber irgendwann hat sich die Situation geändert.
Die Konkurrenz ist da, sie ist billiger und, jetzt mal ehrlich, man kann bei einer Behandlungszeile ja so viel nicht falsch machen, denkt der Konsument.
Und kauft die Baisch – Alternative.
Und damit bröckelt der Umsatz, später bricht der Umsatz ein.

Und plötzlich ist Baisch weg.
Qualität alleine nützt nichts, wenn der Preis der angebotenen Ware oder Dienstleistung über dem der  Konkurrenz liegt und ein vorhandener  Mehrwert nicht vermittelt werden kann.

Und das ist auch ein Zahnmedizin – Problem. 

Wieder in München

von Hans – Willi Herrmann

Wir sind wieder in München, von Freitag bis Sonntag.

Zum Teamday 2010.

Wieder ist QM unser Thema und dabei gilt unser Augenmerk  vor allem der konkreten Umsetzung im Hinblick auf die Erstellung von Arbeits- und Verfahrensanweisungen.

Mehr darüber nach Abschluss des Treffens.

Neulich bei Gericht …

von Jörg Schröder

Gelbe Fensterumschläge mit Amtssiegel und förmlicher Zustellung bereiten mir immer ein gewisses Unbehagen. Zu schnell gefahren? GEZ nicht bezahlt oder gar Schlimmeres? Wenn nach dem Urlaub drei Schreiben dieser Art im Poststapel liegen bewegt sich die Gemütslage sehr schnell auf den maximalen Tiefpunkt.

Nach dem Öffnen springt mir das Wort „Vorladung“ entgegen. Schnell den weiteren Inhalt überflogen und:

Entwarnung. Ich sollte als Zeuge gehört werden. Zu einem Sachverhalt der mehr als 5 Jahre zurücklag.

Der Patient kam damals aufgrund funktioneller Beschwerden in meine Praxis. Bei der Befundung fielen, um es mit den Worten eines Freundes zu sagen, die „suboptimalen“ Kronenränder an den Zähnen 23-12 auf. Auf Nachfrage war zu hören, dass diese Kronen gerade einmal 6 Monate im Mund waren. Ich hatte dem Patienten daraufhin empfohlen das Gespräch mit dem Vorbehandler zu suchen und bei der Krankenkasse das weitere Vorgehen zu erfragen.

Nach nun mehr als 5 Jahren sollte ich jetzt vor Gericht eine Aussage zur Qualität der Kronenränder im Jahr 2004 machen. Die drei Umschläge enthielten die erste Ladung sowie je eine Terminänderungsmitteilung. Alle förmlich zugestellt.

Der Gerichtstermin war praxisfreundlich: Montag Vormittag 11.00 am anderen Ende der Stadt. Kein Problem. Bei einem Terminvorlauf von vier Monaten geradezu ein Klacks einen kompletten Vormittag  umzubestellen. Dazu eine ungewisse Dauer der Verhandlung.

Der Inhalt des Beratungsgespräches sowie die erhobenen Befunde waren gut dokumentiert. In einem Anflug unendlicher Kindsköpfigkeit rief ich bei Gericht an und schilderte den Sachverhalt: dass ich meine Aussage nur auf meine Behandlungsdokumentation stützen kann, da der Fall sehr weit zurückliegt und ich angesichts der mir entstehenden wirtschaftlichen Nachteile durch den Praxisausfall von einem Vorlesen aus meinen Behandlungsunterlagen absehen möchte, ich die vollständigen Unterlagen jedoch gerne zur Verfügung stelle.

Nicht unerwähnt soll bleiben, dass sich mittlerweile auch ein Gutachter mit dem Fall beschäftigt hatte, sodass auch noch eine gewichtigere als meine Aussage zur Verfügung stand.

Mein Ansinnen wurde abschlägig beschieden. Also auf zu Gericht. Nach 1,5 Stunden war es vorbei.

Ob ich einen Antrag auf Aufwandsentschädigung stellen möchte. Es gäbe etwas mehr als 17 Euro pro Stunde Aufenthalt bei Gericht dazu An- und Abreise sowie die Fahrtkosten. Zwei Etagen höher im Zimmer xxx. Dort nach Anklopfen eingetreten und mein Anliegen vorgetragen. Für 2,5 Stunden Aufwand inkl. An- und Abreise ein Formular ausgefüllt und dann Entsetzen in den Augen der Mitarbeiterin: „Mit dem Taxi ????“

Warum ich nicht mit den öffentlichen Verkehrsmitteln angereist sei? Da konnte ich nicht anders als ihr zu erläutern, dass mich der heutige Vormittag bereits eine vierstellige Summe  gekostet hatte und ich mir nicht vorschreiben lasse wie ich zu Gericht anzureisen denke. Nach Hinzuziehung der unmittelbaren Vorgesetzten die dann wiederum für weitere 5 Minuten verschwand endlich die gute Nachricht. Man werde eine Ausnahme machen.

Geradezu betäubt von soviel Entgegenkommen machte ich mich mit einem dauerhaften inneren Kopfschütteln auf den Weg in meine Praxis.

Klar, warum es in diesem Land nicht rund läuft.  Die Nachforschungen zum Thema „Taxifahrt“ kosten mehr Geld als hinterher erstattet werden muss, Bürokratie geht vor Pragmatismus und es dauert 5 Jahre bis ich als Patient zu meinem Recht komme.

Kopfschütteln ist alles was geblieben ist.

Polymerisationslampen im Praxistest (5) – Valo

Valo

von Olaf Löffler

Die Valo haben wir auf eine Empfehlung von Stefan Verch angeschafft.
Sie stammt aus dem Haus Ultradent.

Die Lampe zeichnet sich durch eine besonders schlanke Bauform und ständigen Netzbetrieb aus.

Zunächst die technischen Daten.

Gewicht: 77g
Länge: 20,5 cm
Spektrum: 395 nm – 480 nm

Polymerisationsmodi:

  • Standard: 1000 mW/cm2   5/10/15/20 Sekunden
  • High Power: 1400 mW/cm2   1/2/3/4 Sekunden
  • Xtra Power: 3200 mW/cm2   3 Sekunden

Die Lampe ist ohne Akku und besitzt ein Netzkabel. Zur Funktion ist eine Steckdose erforderlich.
Alugehäuse eloxiert und beschichtet

Für die Valo gibt es Hygieneschutzhüllen. Dabei ist festzustellen, daß die Handhabung der Lampe nicht beeinträchtigt wird.
Die Valo passt in so ziemlich jeden Geräteköcher der Einheit.

Bisher erweist sich die Valo als ergonomisch günstiges und einfach zu nutzendes Gerät. Durch die Netzleitung, welche sich nicht als störend zeigt, ist die Akkuproblematik ausgeschlossen. Ein nicht ablesbares oder reflektierenders Display ist nicht vorhanden. Die Bedienung ist einfach und an Hand der Statuslämpchen erkennbar.

Die Valo hat 4 eingebaute LED für die verschiedensten Farbspektren. Eine davon ist von geringer Leuchtintensität für unser Auge (405 nm). Das ist kein Defekt der LED. Das muss so sein.

Abschließend ist festzustellen, die VALO ist unser persönlicher Favorit. Es werden alle gängige Photoinitiatoren erreicht, die Ergonomie ist hervorragend und das Kabel erwies sich nicht als hinderlich. Letzteres wurde von uns nicht erwartet.

Valo

Mitt-mesiale & distale Kanäle (III)

von Christoph Kaaden


Klinisches Erscheinungsbild und Vorgehen

Bei der Inspektion des Pulpakammerbodens gilt es ein besonderes Augenmerk auf evtl. vorhandene Dentinüberhänge oder Kalzifikationen zwischen den Kanalorifizien zu richten. Diese sollten gezielt entfernt werden (mittels Rosenbohrern oder diamantierten Ultraschallansätzen), um somit eine Sondierung mittels grazilen Handinstrument (ISO 010 oder kleiner) zu erlauben.

Als Faustregel gilt ferner, dass, je weiter die beiden regulären Kanaleingänge voneinander entfernt liegen, desto wahrscheinlicher ist das Vorhandensein eines zusätzlichen mittleren Kanals.

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Mitt-mesialer Kanaleingang nach initialer Darstellung

Nach initialer Sondierung des Kanalverlaufs sollte beim Preflaring von einem übermässigen Instrumenteneinsatz (z.B. Gates-Glidden-Bohrer) Abstand genommen werden, da hierbei eine erhöhte Strip-Perforationsgefahr (zur Furkation hin) besteht.

Ferner sollte vor der Präparation der Wurzelkanäle auf eine mögliche Konfluation der Kanalsysteme hin geprüft werden. Sollte diese bestehen, darf nur ein Wurzelkanal (zumeist der „leichter gängige“ mesio-linguale) bis zur vollen Arbeitslänge bearbeitet werden. Der andere Kanal (bzw. die anderen Kanäle) hingeben dürfen nur bis zu dem Konfluationspunkt bearbeitet werden, um eine mögliche Instrumentenfraktur aufgrund einer evtl. abrupt auftretenden Krümmung und der damit verbundenen Torsionsbelastung des Instrumentes zu umgehen.

Bei der Aspiration der Spüllösung verdeutlicht sich die bestehende Konfluation der drei mesialen Wurzelkanalsysteme

„Life In Plastic, It’s Fantastic“

von Hans – Willi Herrmann

Vor einer Woche sinnierte ich an dieser Stelle über die vielen, vielen NiTi – Systeme im Markt.
Und die wenigen, die aus der Masse herausragen.

Mehr als 15 Jahre nach Markteinführung von RNTI ist der Anforderungsrahmen  vorgegeben. Die Eckwerte dessen, was die Marktführer zu leisten im Stande sind, stehen fest.

Und so ist es  also nicht einfach, für ein neues System im Markt, Zeichen zu setzen. Sich abzusetzen.

Gelungen ist dies dem Alpha Kite – System der Firma Komet.
Ich gebe zu, für mich unerwartet.
Denn um ehrlich zu sein, die beiden bisherigen Systeme, die M – und Alpha – Files konnten mich nicht überzeugen.

Der erste Kontakt mit einem neuen System führt meist über eine Demo im Plastikblock. So auch hier.

Der Acid – Test für jedes NiTi – System.
Der Plastikblock hat mit der Wirklichkeit nichts zu tun. Er  macht dem Instrument das Arbeiten unnötig schwer.
Und verlangt ihm viel, meist sogar zuviel, ab.

Ein schlechtes Abschneiden im Plastikblock kann dennoch mit einem guten Behandlungsergebnis im natürlichen Zahn einhergehen, ist also kein KO – Argument.
Und umgekehrt ?

Gibt es nur ganz ganz wenige Instrumente, mit denen man besagte Plastikblöcke gut bearbeiten kann.

Und damit kommen  wir zum Alpha Kite System.
Mit dem im  Plexiglasblock sich wirklich ausgesprochen angenehm arbeiten lässt.
Ein Aha – Erlebnis.

Zurückzuführen ist dieses auf die asymmetrische Gestaltung der Instrumentenschneide.
Ich spreche in diesem Zusammenhang vom Wendeltreppen – Design.
Und in der letzten Zeit werden die NiTi – Systeme zahlreicher, denen ein solcher Aufbau, auf zum Teil unterschiedlichen Wegen verwirklicht, zugrunde liegt.

Ich kenne 4 solche Systeme  und allen 4 gereicht diese Konstruktion zum Vorteil.
Der Trick:
Die Asymmetrie lässt das Instrument einen größeren Raum präparieren als das Instrument von seinem Körper her einnimmt.

Das Resultat:
Effizienz.
Höhere Flexibilität als konventionelle Instrumente analogen Aufbaus.
Weniger bis kaum bis Null Einschraubeffekt.

Sind schon mal 3 gute Gründe.

Wie das Alpha Kite -System im Zahn abschneidet?
Keine Ahnung.
Vielleicht habe ich irgendwann mal die Gelegenheit, das System ausführlicher zu testen.

Bis dahin bleibt es beim Achtungserfolg.
Und das ist schon mal nicht schlecht.

Ach so, damit ich´s nicht vergesse.
Der Wendeltreppen – Aufbau hat natürlich- kein Licht ohne Schatten – auch seine Details, auf die es zu achten geht.
Geringer Kerndurchmesser bedeutet höhere Flexibilität und damit aber auch höheres Torsionsbruchrisiko. Zumindest der dünnen Instrumente.

Also – immer schön das Instrument auf Aufdrehungen hin untersuchen.

Und noch was – so am Rande – was hier mit der Rotation auf kleinstem Raum passiert, ist nichts anderes als die miniaturisierte „envelope of motion“ -Arbeitsbewegung Herbert Schilders.
Ein vorgebogenes  dünnes und damit flexibles Instrument präpariert durch Rotation mehr Raum als es seinem Nominaldurchmesser entspräche.
Auch in diesem Punkt war Schilder seiner Zeit weit voraus.

Instrumententfernung 1

von Bodald Necker

Eine Bekannte brauchte eine Wurzelkanalbehandlung. Gut. Soll sie eine haben. Aber wie das so ist, wenn man Bekannte, Freunde oder Familienangehörige behandelt: Es geht was schief. Hier war es die ProTaper F2, die den Wurzelkanal nicht mehr vollständig verliess. Egal. Sie muss wieder raus.

Vorgehen war wie folgt:

  • Erweitern des Kanals bis zum Fragment mit Gates-Glidden rot
  • das Arbeitsende (Olive) des GG von der Spitze zur Hälfte wegschleifen
  • mit dem modifizierten GG wieder bis zum Instrument in den Kanal, um ein Plateau um das abgebrochene Instrument zu schaffen
  • mit einer Ultraschall-Spitze das Instrument im oberen Bereich zirkulär freilegen
  • das IRS-System von Maillefer applizieren und Instrument rausdrehen

fertig.

Ohne direkte Sicht unter dem Dentalmikroskop wäre dies ein sinnloses Unterfangen gewesen.

Da es eines meiner ersten Instrumente war, die ich entfernt habe, dauerte die Entfernung deutlich länger als das Schreiben dieses Beitrages.

2 Euro 60

von Hans – Willi Herrmann

2 Euro 60 bekommt der indische Zahnarzt für die Entfernung eines unteren Prämolaren.
„Erstaunlich wenig“, findet der Reporter, „selbst für indische Verhältnisse“.

„Aber dafür sind die hygienischen Verhältnisse auch nicht mit unseren Standards vergleichbar“.

Eine zurückhaltende Umschreibung.
Was hier gezeigt wird, ist vorsätzliche Körperverletzung und entspricht seit über 100 Jahren nicht mehr dem ärztlichen Standard und zwar nirgendwo auf der Welt.

Gut, dass wir solche Verhältnisse in Deutschland nicht haben.

Und was zahlen denn die Krankenkassen in Deutschland für eine solche Zahnentfernung ?

8 Euro 81 für die Zahnentfernung. 7 Euro 5 Cent für die Betäubung. 15,86 Euro  ingesamt.

Darin abgegolten alle Kosten für Praxismiete, Praxiseinrichtung, Personal, Material und den Aufwand für Vor/Nachbereitung, Desinfektion und Sterilisation der verwendeten Geräte, Instrumente, Räumlichkeiten.

Was der Reporter wohl dazu sagt ?

Veränderung als Chance ? Die Zukunft im Gesundheitswesen

von Thomas Weber

Christian Danzl berichtete im Februar über die Prognose eines Wirtschaftswissenschaftlers zum deutschen Gesundheitswesen, der ganz klar die weiteren zu erwartenden Veränderungen im Gesundheitswesen formulierte:  Es wird mehr und mehr zentrale Versorgungszentren (MVZ) geben, die Zahnheilkunde wird – zumindest teilweise – langsam aus dem System der gesetzlichen Krankenversicherungen (GKV) ausgegliedert werden, der Beitragssatz der GKV wird, um kostendeckend zu sein, auf ca. 25% steigen müssen, die privaten Krankenversicherer (PKV) werden die Vergütung weiter senken und bei PKV und GKV wird der Trend zu Einzelverträgen gehen und dadurch der Verdrängungswettbewerb stärker werden

Die Analyse ist sehr treffend, denn wir erleben ja bereits das Meiste des Prognostizierten schon heute. Mir fehlt dabei eigentlich nur noch der zu erwartende weitere Anstieg der Mehrwertsteuer um bis zu 3 weiteren Prozentpunkten.

Was wäre dagegen zu tun?

Wie so oft lohnt sich für das Verstehen der Gegenwart der Blick in die Geschichte.
Von jeher war Heilbehandlung Vertrauenssache.
Zunächst vertraute der Patient zu allen Zeiten darauf, sein Arzt werde ihm die „bestmöglich machbare“ Diagnostik und Therapie gegen seine Krankheit bzw. für seine Gesundheit angedeihen lassen.
Das Behandeln nach bestem Wissen und Gewissen ist eine Kernthese des in diesem Kontext immer wieder gern zitierten „Hippokratischen Eides“. Nun klafft heute –2.500 Jahre nach den glücklichen Zeiten des Hippokrates von Kos – eine breite Kluft zwischen dem „Bestmöglichen“ und dem „Machbaren“.

Hippokrates kannte noch keine GKV, keine Chipkarte, keinen EBM, keine BEMA, keine GOÄ oder GOZ.
Er hielt sein Leben und seine Kunst „rein“ und „heilig“ und therapierte allein seiner Kunst und dem Patienten verpflichtet. Dass der Patient auch eine adäquate Gegenleistung zu erbringen hatte, war so selbstverständlich, dass man im berühmten Eid eben keine Silbe über „Gebührenordnung“, „Honorarverteilungsmaßstäbe“ oder Steigerungsfaktoren findet. Der Patient „honorierte“ den Arzt nach dessen Bemühungen. Denn Gesundheit (ein fürwahr hohes Gut, aber nach Meinung vieler Philosophen und Theologen damals und heute sicher nicht das „Wichtigste“) ist unbezahlbar, die Wiederherstellung von Gesundheit folglich auch nicht. Das lateinische Word „Honorar“ – die Bedeutung „Ehrensold“ finde ich treffend – umschreibt nämlich den Versuch etwas eigentlich nicht entlohnbares anerkennend zu würdigen. Das „Honorar“ ist dementsprechend nicht allein „Geld“ sondern vor allem auch „Ansehen“ und „Ruhm“.  So steht es im Eid. Bei Hippokrates honorierte der Patient oder sein Besitzer (wenn es sich um einen Sklaven handelte) die ärztlichen Bemühungen, mit Geld und auch „immateriell“, weshalb Hippokrates zumindest dem Namen nach einer der berühmtesten Ärzte aller Zeiten wurde. Der Patient durfte auf die „bestmögliche“ Behandlung vertrauen, wie der Arzt auf die adäquate Honorierung vertrauen durfte. Das war und ist heute noch die wahre Arzt-Patienten-Beziehung. Grundlage war letztlich der Glaube, Heilung sei göttlichen Ursprungs und so waren die Ärzte seinerzeit irgendwie auch Priester, manchmal beides, die „Krankenhäuser“ Tempel  und aus diesen Zeiten kommt wohl auch die Definition des ärztlichen „Standes“.

Denkwürdigerweise sind es heute nur mehr die Heilpraktiker, die sich nach meist sehr einfachen Grundregeln (z. B. 1 Sitzung = 50 €) im hippokratischen Zeitsinn „honorieren“ lassen und durch die „Gläubigkeit“ ihrer Patienten (und zuweilen gewissen „metaphysischen“  Zubehörs) tatsächliche, wahrhaft hippokratische Heilerfolge erzielen.

Ein großer Zeitsprung führt uns zum Beginn der heute viel beklagten „Merkantilisierung“ der Medizin. Es war die Politik (wahrscheinlich die preußische), die aus „Honoraren“ irgendwann „Gebühren“ formte, die in „Gebührenordnungen“ den Grundstein schufen für das Novum: „Gesundheitsmarkt“. Die Einführung der Krankenkassen durch Bismarck schuf den „Marktplatz“ für das Einkaufen definierter „Leistungen“ oder „Leistungserbringer“ ohne Bezug zu einem Individuum sondern für eine jeweilige Gruppe. Und dies natürlich zum günstigsten Preis. Dies ist bis heute so geblieben.

Dabei geht es eben prinzipiell nicht mehr um bestmögliche Versorgung des Einzelnen sondern um machbare Versorgung möglichst Vieler. Solange der zur Verfügung stehende finanzielle Rahmen groß genug ist, ist dies ja nicht zwangsweise ein Widerspruch. Hier vertraute der Patient auf die Finanzierung seiner bestmöglichen Versorgung durch seine Kasse, und der Arzt auf die adäquate Honorierung durch eigens geschaffene Körperschaften, den Kassenärztlichen Vereinigungen (KV). Und viele tun das heute noch.

Aber längst befindet sich das bismarcksche System in der Schieflage: aus dem Arzt, dem Asklepiaden der hippokratischen Zeit („Halbgott in Weiß“ oder Priester, Mittler zwischen heilendem Gott und leidendem Mensch) ist ein „Dienst-Leistungserbringer“ geworden, noch besser vielleicht: ein Kaufmann im Gesundheitswesen, aus der „Heilkunst“, einer individuellen, freien Therapie eine Behandlung in BEMA-Schema, Richtlinienkorsett und „wirtschaftlich ausreichender“ Qualität, aus dem göttlichen Geschenk der Genesung oder Wiederherstellung der Gesundheit, jederzeit abrufbare, qualitätszertifizierte Dienstleistung, deren Erfolg bzw. Misserfolg justiziabel und einklagbar sind, aus dem „Honorar“, der Anerkennung ärztlicher Mühen, kalkulatorischer Arztlohn, Fallpauschale oder Budget mit floatendem Punktwert.

Politik und Gesellschaft hat uns seit den 80ern zu “Dienstleistungserbringern” degradiert, wir haben es in 20 Jahren nicht geschafft uns zu echten “Dienstleistern” zu entwickeln. Statt Qualität, Preis, Service steht oft immer noch Richtlinienkonformität, Abrechenbarkeit, Erstattungsfähigkeit im Vordergrund. Wir drohen letztlich zu „Dienstboten“ des Systems zu verkommen.

Natürlich bieten die prognostizierten Veränderungen Chancen, denen, die ihre ökologische Nische beizeiten besetzt haben, die so anpassungsfähig sind, dass sie die Veränderungen lebend überstehen oder die stark (intelligent, flexibel) genug sind, einen neuen Lebensraum für sich zu erobern. Die Reaktion auf Veränderungen, die ein Überleben sichert, ist Evolution im Ursinne. Aber es sind eben nicht zwangsläufig die stärksten, die intelligentesten oder die besten, die das Rennen machen: “It is not the strongest of the species that survives, nor the most intelligent that survives. It is the one that is the most adaptable to change.” stellte schon Charles Darwin fest.

Wollen wir das? Was könnte noch eine Antwort auf das prognostizierte Szenario sein?

Transportieren wir hippokratische Tugenden in unsere Zeit, dann wären drei Punkte sicher hilfreich, um ein tatsächlich echtes Arzt-Patientenverhältnis aufzubauen:

Abschaffung (oder Zuständigkeitsreduktion) der  berufsständischen Körperschaften mit Fall vieler, meist bereits von der Realität überholter berufsrechtlicher Beschränkungen und Rückgabe des “Sicherstellungsauftrages” an die gesetzlichen Krankenkassen bzw. an die staatlichen Organe.

Möglichkeit des freien Agierens auf einem freien Markt (z. B. zeitlich unbeschränkte Tätigkeit in mehren Praxen, Bildung von Kapitalgesellschaften (AG), Bildung von Gesellschaften mit einer Rechtsform, die  Haftungsbegrenzung ermöglicht(GmbH, Ltd.), um gegenüber MVZentren “Waffengleichheit” in unternehmerischer Hinsicht zu erreichen, einfachere Bildung überörtlicher Berufsausübungsgemeinschaften oder kooperierender Netzwerke spezialisierter Kollegen).

Abschaffung amtlicher oder pseudo-amtlicher “Gebührenordnungen”  und damit einer „Erstattungsfähigkeitstherapie“, Einführung einer freien Honorarkalkulation, auch mit Möglichkeit zur Vereinbarung von Pauschal- oder Stundenhonoraren.

Ich würde selber noch einen Punkt hinzusetzen, um die so oft geforderte „Betriebswirtschaftlichkeit“ in der Praxis ankommen zu lassen:

Abschaffung des “Umsatzsteuerprivilegs”, damit Öffnung des Vorsteuerabzugs und Anerkennung der Praxis als Unternehmen.

Radikale Forderungen in unserem Land, die in vielen Ländern der Welt Normalität sind.

Aber in Deutschland geht es eben auch heute nicht ohne…

-gigantische Umverteilungsorganisationen, die von vornherein das eine oder andere Prozent des zur Verfügung stehenden Geldes für die eigene Verwaltung verbrauchen, und dies auf Seiten der Versicherten in Form von 169 gesetzlichen Krankenkassen und einem Gesundheitsfond, von dem keiner wirklich weiß, zu was er gut sein soll, auf Seiten der Ärzte und Zahnärzte durch Kassen(zahn)ärztliche Vereinigungen,

-exorbitante Bürokratie, die so essentielle Dinge wie die Größe eines Praxisschildes oder die rechtlich einwandfreie Form eines Kostenvoranschlages oder selbst einer „freien“ Vereinbarung zwischen Patient und Arzt festschreibt, und sich an die von der Realität überholten Fiktion immer gleich guter, gleich sorgfältiger, gleich kompetenter Kammermitglieder klammert, die sich natürlich alle in herzlicher Kollegialität verbunden sind,

-die unbeschränkte persönliche Haftung, die es zukünftig immer schwerer machen wird, ohne erhebliches Eigenkapital Investitionen zu tätigen oder gar Praxen neu zu gründen, mit der gleichzeitigen Verpflichtung der stetigen persönlichen Leistungserbringung, die verhindern soll, den Leistungsumfang einer Praxis durch Anstellung von Mitarbeitern zu steigern (und dadurch echtes unternehmerisches Handeln konterkarriert).

– “amtliche Gebührenordnung”, die mittlerweile versucht, den eigentlichen Grundgedanken der Einzelleistungsvergütung, nämlich das Kostenrisiko sowohl bezüglich der Häufigkeit wie auch dem Schweregrad einer Erkrankung beim Patienten bzw. der Versicherung anzusiedeln, durch Nichtanpassung an den medizinischen Fortschritt (bisherige GOZ) oder durch „Versozialrechtlichung“ – auch BEMAisierung genannt (GOZ-Referentenentwurf 2009)- zu pervertieren und  neue Wege vereinfachter Abrechnung zu verhindern. Und auch die von den zahnärztlichen Körperschaften selbst erarbeitete neue „Honorarordnung“ (HOZ)  basiert im Wesentlichen auf dem Prinzip der „Rechtfertigung eines Preises“ durch die zur Kostendeckung erforderlichen Arbeitszeit eines fiktiven „Durchschnittszahnarztes“.

Fides obligat fidem.
Vertrauen bewirkt Vertrauen.

Aber ein undurchsichtiges Gesundheitssystem, das den Patienten viel Geld in Beitragsform abverlangt, aber gleichzeitig keine Kenntnis über das dafür an den Arzt weitergeleitete Honorar gibt, ist nicht vertrauensbildend. Auch intransparente Richtlinien, Verordnungs-, Zuzahlungs- oder auch Zuschussregelungen im System sind nicht vertrauensbildend. Auch das Vertrauen der Zahnärzte  in die Anerkennung ihrer Leistungen durch Politik und Kostenträger, ja durch die Standesvertretung selbst,  ist nachhaltig erschüttert.  Es ist nicht vertrauensbildend, wenn der Zahnarzt bei jeder zweiten Behandlung (sei es Prophylaxe, PAR, Kons, Endo, Prothetik) ein Mehrkostenformular zücken muss, weil eben das Mögliche und Wünschenswerte, das Machbare und Bezahlbare meilenweit auseinander liegen, in der Öffentlichkeit aber das Stereotyp „die Kasse-bezahlt-ja-alles“ unwidersprochen hingenommen oder gar noch abgenickt wird.

Der Beitrag von Hans-Willi Hermann „Germany – the mystery country“ , der den  Health Consumer Powerhouse Euro Health Consumer Index 2009 Report zitiert, zeigt deutlich:

Wir haben in Deutschland bestimmte Sozialrechts-Prinzipien, “ethische Verpflichtungen” und den Glauben an den allvermögenden, es immer besser machenden Staat bereits so internalisiert, dass wir z. B. so unzureichende Dinge wie BEMA und GOZ tagtäglich zur Bewertung unserer Arbeit nutzen, sei es völlig unkritisch (“die Leistung A können sie aber neben Leistung B nicht abrechnen, auch wenn sie sie erbracht haben…”), sei es durch den Versuch des “Hinbiegens” über Zuzahlungsklauseln oder wildeste Analogzifferkonstruktionen oder gar der Verwendung bzw. der Kombination von 50 Gebührenziffern zur Abgeltung einer einzigen komplexen Leistung, damit es in der Abrechnung „einfach besser aussieht“. Aber wenn es sein muss, bringen deutsche Ärzte zur Behandlung eines Patienten sogar noch Geld mit:  denn in Deutschland hat der einzelne Vertragsarzt nach ständiger Rechtsprechung in der Tat keinen subjektiven Anspruch darauf, dass ihm jede vertragsärztliche Leistung kostendeckend und angemessen vergütet wird.

Darüber kann Europa nur süffisant grinsen. Ja, in der Tat, es ist schwer einen deutschen Zahnarzt vom Arbeiten abzuhalten, selbst wenn sein Budget verbraucht und seine Arbeit nicht mehr bezahlt wird.

„Wenn wir wollen, dass alles so bleibt, wie es ist, müssen wir zulassen, dass sich alles verändert.“

Dieses altbekannte Zitat des italinischen Schriftstellers Giuseppe Tomasi di Lampedusa (1896-1957), weist uns den Weg.
Die Veränderungen, die uns treffen, können nur durch Veränderungen aufgefangen werden, die wir selbst politisch anregen oder durchsetzen.

Denn die Systemfrage ist längst gestellt und das Bismarcksche Erfolgsmodell“ Sozialstaat“ schon lange auf dem Weg zum Pflegefall „Wohlfahrtsstaat“  unterwegs.

Saving Hopeless Teeth (XIV) – Apikale Aufhellung (20)

von Ronald Wecker

Fragt man im Kollegenkreis welche Zähne endodontisch am einfachsten zu behandeln seien, so wird man in der Regel als Antwort “ Oberkiefer Frontzähne“ hören. Eigentlich ein No-Brainer. Oder? Offensichtlich nicht.

Denn gleichzeitig finden sich gerade in dieser Zahngruppe erstaunlich viele resizierte Zähne. Was zum Teil damit zusammen hängen mag, dass diese Zähne für einen endochirurgischen Eingriff gut zugänglich sind. Andererseits muss die vorangegangene Primärbehandlung an diesen „einfachen“ Zähnen fehlgeschlagen sein. Zumindest ist dies zu vermuten, da sich die meisten Patienten einem solchen Procedere nicht aus reiner Vergnügungssucht aussetzen werden.

Folgender Behandlungsfall zeigt, dass auch nach einer nicht erfolgreichen chirurgischen Revisionstherapie der Erhalt von stark kompromitierten Zähnen mit den derzeit zur Verfügung stehenden Techniken und Materialien möglich ist.

Zahn 22 wurde vor ca. 6 Jahren aufgrund persistierender Beschwerden resiziert. Klinisch und radiologisch zeigten sich dennoch Zeichen einer chronischen apikalen Parodontitis. Die orthograde Revisionstherapie erfolgte in 2 Sitzungen. Aufgrund der ausgedehnten apikalen Knochenkrypte wurde vor der Obturation mit MTA ein kollagenes Widerlager eingebracht.

Das Röntgen-Recall  zeigt bereits nach  7 Monaten eine deutliche Ausheilungtendenz. Beide Zähne sind seit der orthograden Revision klinisch vollkommen beschwerdefrei.

Polymerisationslampen im Praxistest (4) – Bluephase

Bluephase

 

von Olaf Löffler

Die Bluephase ist in 3 verschiedenen Versionen am Markt.  Es gibt die Bluephase G8, die Bluephase und die Bluephase 20i.  Zunächst eine Kurzvorstellung:

  • Bluephase C8      800 mW/cm2 (± 10% ± 10%)  10 mm Lichtleiter*
  • Bluephase         1.200 mW/cm2 (± 10% ± 10%)  10 mm Lichtleiter*
  • Bluephase 20i  2.000 –2.200 mW/cm2    10>8 mm Lichtleiter*

In diesem Artikel konzentrieren wir uns auf die Bluephase.

Die Bluephase zeichnet sich durch gefällige Details aus. Im Falle eines Akkuzusammenbruchs kann die Bluephase mit dem Netzstecker der Ladeschale verbunden werden und funktioniert als kabelgebundenes Gerät weiter. Die Emissionsspektrum ist ausgesprochen breit. Die Lampe hat mehrere Programme, welche an einem Display ablesbar sind.

Die technischen Daten:

Wellenlängenbereich:      380-515 nm
Lichtintensität:                1.200 mW/cm2 ± 10%
Belichtungsprogramme:   High Power, Soft Start, Low Power
Stromversorgung:           Lithium-Polymer-Akku ca. 60 Minuten  Kapazität (Belichtungszeit) ca. 2 h Ladezeit
Spannungsversorgung:    100-240 VAC / 50-60 Hz
Gewicht: 256g

Handling: Das ist in unseren Händen das Problem der Bluephase. Eine gezielte Polymerisation des mesialen Kontaktpunktaufbaus gegen die Garrisonmatritze von distal am unteren zweiten Molaren bei etwas eingeschränkter Mundöffnung ist nicht möglich. Die pistolenartige Lampenform findet befürwortende und ablehnende Meinungen bei unseren Mitarbeiterinnen. Die Auslösen der Polymerisation über den Schalter an der Unterseite der Lampe ist nicht immer einfach. Dieser ist zu klein und in manchen Situationen schwer zu erreichen.

Für die Bluephase sind Einweg-Hygienehüllen erhältlich.

Die technischen Daten sind grandios. Ergonomisch kann die Lampe nicht überzeugen.

* Bei parallelwandigen Lichtleitern (10 mm) ist der Durchmesser beim Lichteintritt und der am Lichtaustrittsfenster gleich. Bei der Verwendung von fokussierenden Lichtleitern (10>8 mm Lichtleiter, Pin-Point Lichtleiter 6>2 mm) ist der Durchmesser beim Lichteintritt grösser als der am Lichtaustrittsfenster. Das einfallende Blaulicht wird so auf eine kleinere Fläche gebündelt. Dadurch erhöht sich die abgegebene Lichtintensität.

Problem Defokussierung: Bei allen Lichtgeräten wird mit zunehmendem Abstand vom Austrittsfenster die belichtete Fläche größer. Die Lichtleistung pro Fläche sinkt.  Die Defokussierung hängt  von der Konstruktion der Lampe und dem dazugehörigen Lichtleiter ab. Bei Turbo Lichtleitern ist der innere Durchmesser größer als der äußere. Das Licht wird am ALichtleiteraustritt gebündelt, und durch die höhere  Intensität pro Fläche Intensität erreicht. Die Polymeristaionszeit wird verkürzt werden. Diese Auffächerung des Licht (Defokussierung) ist um so stärker ausgeprägt, je größer das Verhältnis von innerem zu äußerem Lichtleiterdurchmesser ist.

Ein Lichtleiter mit Innen-Durchmessern von 13 mm und Außendurchmesser von 8 mm erzeugt nur bei Abständen von weniger als 4 mm eine höhere Strahlungsflußdichte als ein linearer Lichtleiter. Bei mehr als 4 mm Abstand ist der lineare Lichtleiter dem „Turbo-Tip“ sogar überlegen.

Geräte der neuesten Generation ohne Lichtleiter weisen häufig eine besonders starke Defokussierung auf.

Bluephase

Mitt-mesiale & distale Kanäle (II)

von Christoph Kaaden


Entstehungsmechanismus


Als möglicher Entstehungsmechanismus für überzählige Kanäle wird diskutiert, dass es durch Sekundärdentinbildung während der Zahnentwicklung zur vertikalen Dentinaufteilung innerhalb des Wurzelkanalsystems kommt, wodurch separate Kanäle entstehen. Diese (dritten) Kanäle sind in der Regel zentral zwischen bukkalem und lingualem Kanal lokalisiert. Sie weisen einen deutlich geringeren Durchmesser auf, der aufgrund von Dentinapposition außerdem altersabhängig ist. Als eigenständiger Wurzelkanal wird der mitt-mesiale (oder mitt-distale) Kanal dann angesehen, wenn er ein eindeutiges Kanalorifizium aufweist und im weiteren Verlauf in einem eigenen apikalen Foramen mündet bzw. mit einem der beiden anderen „Hauptkanäle“ konfluiert. Sollte es allerdings möglich sein, ein endodontisches Instrument zwischen den betreffenden Kanälen hin- und her zu bewegen, so handelt  es sich definitionsgemäß um eine transversale Anastomose und nicht um einen eigenständigen Kanal.

Der dritte Teil dieses Beitrages wird sich mit dem klinischen Erscheinungsbild & Handling dieser anatomischen Variationen beschäftigen…

Dauerhaft

von Hans – Willi Herrmann

Wie lange arbeite ich eigentlich schon mit rotierenden Nickel – Titan – Instrumenten ?

14  Jahre. Zu Beginn, 1996, 1997  kannte ich 4 unterschiedliche Systeme.
ProFile, Quantec, Lightspeed, Miti Rotofile.

Wieviele verschiedene RNTI – Instrumentensysteme gibt es heute auf dem deutschen Markt ?

Keine Ahnung, aber sicherlich mehr als 30.

Wieviele davon habe ich bereits getestet ?

Fast alle.

Soweit sogut.

Aber nur ganz ganz wenige davon habe ich auf einer wiederkehrenden Basis längere Zeit benutzt.

Eigentlich nur 4 Stück.

ProFile.
Damit habe ich angefangen.
Und – ich finde es immer noch gut und setze es – zumindest in bestimmten Fällen – nach 14 Jahren immer noch und gerne ein.

Zeitweilig habe ich ProFile und Lightspeed – Instrumente miteinander kombiniert.
1997 habe ich damit begonnen, bis 2001 so gearbeitet. Zu einer Zeit also, da Hybrid – Technik noch kein feststehender und allgemeingültiger Begriff war, geschweige denn es alle“immer schon so gemacht haben“.
2001 kam Protaper auf den Markt und hat einen großen Teil der Aufbereitungsarbeit der Kombi /ProFile und Lightspeed übernommen.
Lightspeed wurde fast immer hinfällig.
Ich nutzte nach 2001  die Lightspeed – Instrumente nur noch selten zur Aufbereitung, aber noch – immer mal wieder – als Apical Gauging – Instrument.
Die Anwendung von ProFile wurde auf die initiale koronale und apikale und die finale apikale Aufbereitung reduziert.

2004 dann kam ich in Kontakt mit Mtwo.
Und setzte die Instrumente zunächst in der Kombi ProFile und ProTaper, mit Auftauchen der Mtwo 35/.06 und 40/.06 dann weitestgehend allein ein.

Und dabei ist es bis heute geblieben.

Für irgendein anderes der Systeme gab es nie eine ausgeprägte individuelle Indikation. Kein besonderes Qualitäts- oder sogar Alleinstellungsmerkmal, dass es gerechtfertigt hättte, dieses System zusätzlich aufzunehmen oder gar eines der bewährten Systeme dagegen einzutauschen.
Das ist  keine Wertung per se und soll keines der nichtgenannten Instrumentensysteme abwerten.
Viele Wege führen nach Rom , aber in meiner Arbeitsumgebung muss ein neues System  besser sein als das bestehende, sonst macht es keinen Sinn, zu wechseln.

Und warum schreibe ich das ?

Weil es für RNTI – Einsteiger sicherlich nicht das dümmste ist, mit einem dieser bewährten Systeme anzufangen.
Ganz gleich mit welchen Marketing-Getöse  Hersteller für ihre neuen, innovativen Produkte werben.

ProTaper. Mtwo.
Damit würde ich als Einsteiger meine ersten Erfahrungen sammeln.
Wenn etwas über viele Jahre vorne dabei war, dann kann es nicht ein totaler Fehlgriff sein.

Try  the best, forget about the rest.

Schutzhüllen für Mikroskopgriffe – Gib AIDS keine Chance (2)

von Christian Danzl

Einfache, preisgünstige Schutzhüllen für das Zeiss Pro Ergo Dentalmikroskop hat Oscar von Stetten an dieser Stelle schon vorgestellt. Leider sind diese Überzieher nicht für die kleinen Griffe von Kaps geeignet. Hier bin ich bei Praxisdienst fündig geworden. Latex-Fingerlinge 100 Stück zu 0,89 €.

Die Zukunft wird nicht rosig, davon können wir ausgehen.

von Hans – Willi Herrmann

Die Zukunft wird nicht rosig, davon können wir ausgehen.

Wie wird sich das Unternehmen „Zahnarztpraxis“ entwickeln in der nächsten Dekade ?

Keiner weiss es.

Wagen wir einen Blick über den Tellerrand, riskieren wir einen Blick auf andere Geschäftsbereiche, suchen wir nach Anhaltspunkten.

Nehmen wir die Hotelerie.

Zu weit hergeholt ?
Vielleicht, vielleicht auch nicht.

Seit Jahren bin ich, beruflich bedingt, regelmäßig im In- und Ausland unterwegs.

Und kenne eine Reihe von Hotels  der gehobenen Kategorie. National, international.

Bleiben wir im Land. Nehmen wir München, wo ich gerade herkomme.

In der dortigen Hotelszene hat sich eine Menge getan in den letzten Jahren.

Natürlich gibt es immer noch die Platzhirsche.

Wie den „Bayrischen Hof“ , das „Vier Jahreszeiten“. Neue sind dazugekommen, wie das von mir sehr geschätzte „Sofitel Bayerpost“ oder das mir bislang unbekannte  „Rocco Forte“.

All diese Häuser werden, Wirtschaftskrisen zum Trotz,  ohne Frage auch zukünftig ihre Klientel haben. Die bereit ist, für den entsprechenden Standard (ganz gleich, ob als Luxus empfunden oder als Selbstverständlichkeit vorausgesetzt) den entsprechenden Preis zu zahlen.

Aber – ebenso ausser Frage steht, dass diese Option, weil mit entsprechend hohen Übernachtungskosten verbunden, nur von einem verschwindend kleinen Teil der Bevölkerung genutzt werden kann.

Nur wenige Jahre zurück klaffte ein große Lücke zwischen den Luxusherbergen auf der einen Seite und den Budgethotels andererseits, deren zum Teil schon längst in die Jahre gekommene, angeranzte, verwohnte Erscheinung ich unter der Rubrik “Tod eines Handlungsreisenden“ verbuche.

Negativer Höhepunkt in der bayrischen Landeshauptstadt war für mich eine runtergekommene Absteige mit feudalem Namen in der Nähe der LZK. Dies wurde von meiner (allenthalben als extrem höflich bekannten) Tochter, damals 6 Jahre alt, beim Betreten des Zimmers mit der treffenden, aber vollkommen unerwarteten, (weil bislang aus ihrem Mund unbekannten)  Floskel kommentiert:  „Das ist aber ein Kackzimmer !“.
Recht hatte sie.

Es kam noch schlimmer.
Am Abend, als wir  aus der Stadt zurückkehrten, wurden wir mit den Folgen eines   15 Minuten zuvor  erfolgten  bewaffneten Raubüberfall in der Eingangshalle konfrontiert. Und nur damit keine Missverständnisse aufkommen, die LZK hatte das Hotel als „gehobene Mittelklasse“ tituliert, in dem viele der Referenten absteigen würden und es steht nicht am Hasenbergl, sondern auf dem Weg nach Solln und Pullach.

Wir zogen „spontan“ um. Aber die Alternativen waren zu dieser Zeit begrenzt.

Konkret – Sehr hohe Preise, hoher Komfort, niedrige Preise, (für mich) zu  wenig Komfort.

In den letzten Jahren hat sich das geändert.
Ein neuer Typus Hotel hat sich etabliert und immer mehr Exemplare  kommen hinzu, alle mit ähnlichem Schema.

Modernes geradliniges Design ohne Schnickschnack, Tendenz – im Zweifelsfall eher leicht spartanisch als zu üppig.

Eingangsbereich mit Loungecharakter, frei zugängliche  Apple – Rechner für die Gäste zur Benutzung, kostenloses Wifi im gesamten Haus, auf den Zimmern läuft im Fernsehen kostenlos SKY TV.

Und  – es verwundert nicht – der Erfolg ist da, zumal  die Zimmer nicht oder nur unwesentlich teurer sind als dies bisher für Zimmer (scheinbar)  gleicher Kategorie der Fall war.

In einem Hotel dieses Typus steige ich seit bald 2 Jahren, wann immer möglich, ab, wenn ich in München bin.
Durch Zufall kam ich dort hin.
Auf dem Weg zur Fortbildung fuhr das Taxi am Hotel vorbei.
Offensichtlich nagelneu, interessanter Anblick. Und im Internet dann der für örtliche Verhältnisse günstige Preis.

Ich buchte für meinen nächsten Besuch in der Stadt.
Und buchte immer wieder.

Anfangs, unmittelbar nach Eröffnung, waren Bar und Frühstückssaal relativ leer, wenn ich dort abstieg. Heute ist das Hotel voll besetzt zu allen möglichen und unmöglichen Zeiten.

Das Hotel boomt und das ist kein Wunder, denn zur vorhandenen Ausstattung und dem für Münchner Verhältnisse günstigen Preis kommt noch das durch die Bank ausgesprochen nette und hilfsbereite Personal  hinzu. Das im Übrigen der eigentliche Grund war, warum ich immer wieder hier abgestiegen bin.
Eine Frau Günther, ein Herr Aßmann, König oder Singer. Stellvertretend für viele andere. Nett, hilfsbereit, locker.

Und damit hätten wir die Brücke zur Zahnmedizin.

Natürlich wird es auch zukünftig weiter  Zahnarztpraxen geben können, die eine Top- Leistung in Top- Ambiente für einen Top – Preis anbieten können.
Exzellenter Service und ebensolche Qualität vorausgesetzt.
Das ist und bleibt weiterhin ein Erfolgsmodell,  erkennbar daran, dass  in diesen Sphären sogar mit einer Aura von  Arroganz gearbeitet werden kann, die akzeptiert und von einer bestimmten Klientel nicht selten sogar eingefordert wird.

Aber diese Kundengruppe ist begrenzt, die Standortfrage strategisch von großer Bedeutung.

Wie viel mehr Potential hat eine Praxis, die es schafft, eine adäquate Leistung auf einem deutlich niedrigeren Preislevel anzubieten.
Die Zutaten: Moderne Arbeitsumgebung, wenngleich ohne Schnickschnack und vordergründlich beeindruckende potemkinische Fassaden.
Gutes Serviceangebot, dass in seinem Ergebnis den Vergleich mit den Top – Riegen nicht scheut und im praktischen Nutzen übertrifft.

Zurück zum Hotel, dass die Möglichkeiten aufzeigt.
Keine teuren Pay TV Programme, sondern kostenfreies interessantes TV – Angebot, das über die gewohnten frei öffentlich zugänglichen Satellitenkanäle hinausgeht.
Kein teueres Internet, sondern Wifi umsonst, und keine Parkgarage, deren Tagesgebühr einer 6 köpfigen Familie in Zentralafrika 4 Woche lang Essen, Kleidung und Unterkunft sichern würde, sondern kostenneutrale moderate Gebühren.

Und – freundliche und kompentete Mitarbeiter.

All diese Dinge vorausgesetzt, muss niemandem bange sein, auch in der Zukunft.
Im Gegenteil. Denn die eigentlichen Verlierer, in der Hotelerie wie in der Zahnmedizin werden die Anbieter am unteren Ende der Preis- und Qualitätsskala sein.
In diesem Segment werden zukünftig die Gewinnmargen immer mehr aufgefressen werden. Und zwar von ganz unterschiedlichen Enden her. Ein Teufelskreis: Niedriger Servicelevel, niedrige Qualität, der zwangsläufig bei wirtschaftsbedingt wegbrechendem Absatzmarkt geringere Einnahmen mitsichzieht und dadurch die Investition in Modernisierung und kompetentes Personal verringert, vielleicht sogar  unmöglich macht.

Abwanderung von Patienten und Personal wird die Folge sein, mit einer dadurch wiederum sich verschärfenden Einnahmesituation.

Grund genug, den Kopf hängen zu lassen ?
Keineswegs.
Nur Mut.
Bieten sie Qualität und Service.  Und sie werden immer gut zu tun haben.
Vielleicht sogar die unerwartete Entdeckung machen, das in schlechten Zeiten ihr Zulauf nicht ab- sondern zunimmt und ihre Praxis gegen den allgemeinen Trend hin sich positiv entwickelt.

Noch was vergessen ?
Ja, der Name des Hotels in München, das zwar nicht meine erste Wahl, aber  – fast immer die rational gesehen günstigste Wahl ist, wenn ich beruflich in München bin

Ich sollte ihn besser nicht nennen. Weil dadurch die Wahrscheinlichkeit, dass ich zum Frühstück vielleicht irgendwann im vollbesetzten Restaurant keinen Platz mehr bekomme, größer wird.
Und – Vollauslastung bedeutet steigende Zimmerpreise.
Will ich eigentlich auch nicht.

Ich nenne den Namen trotzdem.
Design Hotel Angelo, Leuchtenbergring 21, München.

Positive Dinge sollte man beim Namen nennen. Das motiviert andere, es dem Vorbild gleichzutun.
In der Hotelerie wie in  der Zahnarztpraxis.

Blogbewertung

von Hans – Willi Herrmann

Diese Woche war für mich nicht wie jede andere.
Und sie  ist es immer noch nicht ganz.

Normalerweise messe ich den Blogbewertungen keine große Bedeutung bei.

Aber irgendjemand hat den RIP – Blogbeitrag, der ja nur aus 3 Buchstaben und einem Foto besteht,  mit 5 Sternen bewertet.

Heißt ja eigentlich „Sehr interessant“.

Aber in diesem Falle gab es ja nichts, was man als interessante Message hätte bewerten können.

5 Sterne heißt also, wir haben Irgendjemandem aus der Seele gespochen.

Das hat mich sehr gefreut.

Anatomie unterer Molaren (2)

von Ronald Wecker

Ein weiteres Beispiel für die Variabilität der Kanalanatomie:

Zahn 36, Revisionsbehandlung vor prothetischer Neuversorgung. Beide mesialen Kanäle konfluieren im mittleren Drittel und dann, weiter apikal auch noch mit dem distalen Kanalsystem, welches kurz darauf abrupt nach bukkal „abbiegt“.

Zunächst ungläubiges Staunen beim Betrachten der Messaufnahme: Das unter endometrischer Kontrolle eingebrachte, vorgebogene NiTi-Instrument erscheint deutlich zu kurz zu sein. Die Längenmessung ist jedoch reproduzierbar, Patency vorhanden und der Papierspitzentest bestätigt die gemessene Arbeits- bzw. 0-Länge.

Die Röntgenkontrolle nach 6 Monaten zeigt unauffällige periapikale Verhätnisse. Der Zahn ist klinisch symptomlos.

Allerdings verbleibt bei mir ein komisches Gefühl zurück. Interessant wie beharrlich sich das im Studium eingetrichterte Vertrauen auf die röntgenologisch „richtige“ Arbeitslänge weigert „Abweichungen“ von der Norm hinzunehmen.

Mitt-mesiale & distale Kanäle (I)

von Christoph Kaaden


Ich habe in vorherigen Beiträgen (I & II), wenn auch mit einem kleinen „Augenzwinkern“, über das Vorhandensein zusätzlicher Wurzelkanäle bei unteren Molaren berichtet.

Heute möchte ich diese Thematik mit mehr „Ernsthaftigkeit“ angehen und weitere Informationen zu diesen anatomischen Besonderheiten liefern.

Es gilt als Allgemein anerkannt, dass die Mehrzahl kaukasischer erster und zweiter UK-Molaren zwei Wurzeln mit zwei mesialen und einem distalen Wurzelkanal besitzen. Eine Untersuchung zur Anzahl der zu erwartenden Wurzelkanäle zeigte, dass 8% zwei, 56% drei und 36% vier Kanäle aufwiesen. Allerdings sind in der Literatur auch eine Vielzahl anatomischer Variationen unterer Molaren beschrieben worden zu denen u.a. drei mesiale bzw. distale Wurzelkanäle zählen.

In einer röntgenologischen Untersuchung extrahierter erster Unterkiefermolaren fanden sich in 13,3% aller Zähne drei und in 3,3% des Untersuchungsgutes sogar vier mesiale Kanäle. Ferner zeigte diese Studie, dass in 30% ein mesiales apikales Foramen vorlag, zwei in 60%, drei in 6,7% und vier in 3,3% der Fälle.

In einer klinischen Erhebung von 145 ersten Unterkiefer Molaren wurde von vier Molaren (2%) mit fünf Wurzelkanälen (drei mesiale und zwei distale) berichtet. Hervorgehoben wurde hierbei, dass in keinem dieser Fälle ein separates apikales Foramen des mittleren Kanals vorlag. Einige andere Fallberichte konnten jedoch belegen, dass neben der zumeist zu erwartenden Konfluation der Kanalsysteme auch das Auftreten vollständig separat verlaufender Wurzelkanalverläufe mit apikalem Foramen möglich ist.

Das Vorhandensein dritter mesialer Kanäle ist bei Unterkiefer 6-Jahr-Molaren häufiger, als bei zweiten Molaren und wird mit 2% bis 12% angegeben. Als noch unwahrscheinlicher ist das Auftreten dieser Besonderheit in distalen Wurzeln zu erwarten und wird mit einer Häufigkeit von lediglich 1,7% angegeben.

UK-Molar mit drei distalen Kanalorifizien

Der zweite Teil dieses Beitrages wird sich mit dem Enstehungsmechanismus dieser anatomischen Variationen beschäftigen…

PS: Die Literaturliste kann beim Autor angefordert werden ;-)

RIP

Globuli

von Knic Soman

Die Patientin kam im April 2009 mit starken Zahnschmerzen zu mir.
Sie musste ihren Afrika-Urlaub früher abbrechen, sie hatte es vor Schmerzen nicht mehr ausgehalten.

Ihr Mann, ein alter Freund von mir, wir hatten uns seit Jahren nicht mehr gesehen.
Nun rief er an. Samstags abends. Und fragte, ob er mit seiner Frau bei mir vorbeikommen könne, da die Zahnschmerzen unerträglich seien.

Wir trafen uns in der Praxis.
Die Patientin  war in der Woche vor dem Urlaub wegen bereits vorhandener Beschwerden zu ihrem Hauszahnarzt gegangen.
Dieser trepanierte den Zahn 22, ohne ein Röntgenbild anzufertigen. Und liess den Zahn offen.
Die Schmerzen hielten weiter an, darauf hin trepanierte der Hauszahnarzt den Zahn 21.
Auch dieser wurde  offen gelassen.

Als ich an jenen Samstagabend die Patientin zu ersten Mal sah (sie hatte eine Anreise von ca. 150 km hinter sich) fand ich zwei trepanierte, unverschlossene Zähne vor mit, salopp ausgedrückt, „reichlich Schmodder drin“.

Ich bereitete beide Zähne auf und machte eine medikamentöse Einlage mit CaOH2, die für einen Monat belassen wurde.
Dann folgte im Mai – die  Patientin war nach unserer Erstbehandlung schmerzfrei und blieb es –  die WF.

Februar 2010.

Die  Familie kam zur Routinekontrolle wieder und ich fertigte ein neues Röntgenbild von 21 und 22 an.
Und es hat mich sehr gefreut, dass im Röntgenbild  eine klare Heilungstendenz nach relativ überschaubarer Zeit bei so einem doch größeren Knochendefekt  zu sehen war.

Um so härter und unerwartet traf mich die Reaktion der Patientin, als ich ihr das Röntgenbild zeigte:  „Puuh, da bin ich aber froh, dass mir meine Heilpraktikerin die richtigen Globuli gegeben hat.“
Hatte ich richtig gehört ? Ich fragte nach. „Wie meinen Sie das ?“

Die Antwort: „Ich bin sicher, dass es ohne die Globuli niemals so geworden wäre!“

wieder mal Garrison (4)

von Christian Danzl

Dass die Garrison 3-D Spannringe für die 3D-Matritzen gut sind, um große Defekte im Approximalraum sauber  und einfach zu rekonstruieren, wurde hier schon beschrieben.
Dass sie das Standard Hygieneverfahren in einer Zahnarztpraxis nicht lange aushalten, auch.

Da mir die Spannringe, nachdem sich die elastischen Kunststoffteile verabschiedet haben, zu schade waren zum Wegwerfen, habe ich sie modifiziert. Die harte Retention für das weiche Kunststoffteil habe ich weggefräst und die Kanten geglättet. Die vorher sehr gute Adaption der Matritze ist nicht mehr 100%ig gewährleistet, aber immer noch besser als mit den Standard-Ringen. Und jetzt definitiv zu schade zum Wegwerfen.

Wenn´s schnell gehen soll…

von Mick Nason

Schmerzbehandlung wie man sie nicht machen sollte ;-( .
Oder schnell, schnell klappt doch nicht.
Hier die Geschichte.

Eine Patientin mit Schmerzen, sehr ängstlich,  und natürlich unangemeldet zwischen 2 regulären Terminen drangenommen.

Okay, also nur excavieren und bis kurz vor Apex und Größe 25/06 aufbereiten, spülen und medikamentöse Einlage mit Ledermix.

Beim Einbringen der Ledermix-Paste mit dem Lentulo zwei kurze Bewegungen in den Kanal hinein, aber warum ist das Lentulo so kurz?

Na super,  die Einheit war verstellt, auf Linkslauf. Selber nicht gesehen und die  neue Mitarbeiterinnen hat auch nicht drauf geachtet.

Daraus resultierte viel „Spaß“ beim Entfernen der Fragmente.
Diesmal dann auch mit ordentlicher präendodontischer Aufbaufüllung und der notwendigen Ruhe.


Warum ich glaube, dass das Ipad ein Erfolg werden wird…

von Hans – Willi Herrmann

Warum ich glaube, dass das Ipad ein Erfolg werden wird ?

Nun, gestern saß ich in einer Endo – Fortbildung.
Und fragte via Iphone meine Emails ab.

Ich blickte nach rechts und neben mir saßen 5 andere Iphonebenutzer, die sich im selben Moment allesamt mit ihrem Iphone beschäftigten.
Und dann drehte ich mich nach links um und sah, der Nachbar neben mir tippt ebenfalls auf einem Iphone herum.

7 auf einen Streich. In einer ununterbrochenen Reihe. Was für ein Bild. Die Apple-Werbeabteilung hätte es sich  nicht besser ausdenken können.

Das Ipad ist sicherlich verbesserungsfähig.
Aber auch der Ipod und das Iphone waren in erster Generation nicht das NonPlus Ultra. Doch selbst in diesen Urversionen haben diese Geräte Zeichen gesetzt und  das Ipad wird dies auch tun.

Ich jedenfalls sehe eine ganze Reihe von sinnvollen Anwendungsmöglichkeiten für das Ipad in der Zahnmedizin. Jede Wette, es wird schon bald eine Reihe von Apps geben, welche die Möglichkeiten des Ipads voll ausschöpfen werden. Und irgendwann werden wir das Ipad (oder einen Clone,der das Benutzerkonzept aufgreift) auch zahnmedizinisch nutzen.

Werde ich das Ipad sofort kaufen, wenn es (am 03.04.2010 in USA) auf den Markt kommen wird ?

Vermutlich nicht. Das habe ich beim Ipod oder beim Iphone auch nicht gemacht, sondern zumindest die erste Verbesserungswelle abgewartet.

Aber ich werde mir das Gerät genau anschauen. Und ich glaube, spätestens beim Ipad Generation 2 bin ich dabei.

Anatomie unterer Molaren (1)

von Ronald Wecker

An dieser Stelle berichtete Christoph Kaaden kürzlich über anatomische Besonderheiten.

Nachfolgendes Beispiel zeigt eine weitere Spielart.

Bereits bei der initialen Instrumentierung zeigte sich eine Kommunikation zwischen MB und ML. Das Besondere dabei war eine wirkliche X-Bein-Konfiguration, das heißt daß es eine wirkliche Kreuzung beider Kanäle mit getrennten Foramina gab.

Der distale Kanal zeigte neben dem apikalen Knick eine breite Kommunikation zu beiden mesialen Kanalsystemen, die während der ultraschallgestützten Irrigation nicht aufgefallen war.

Erst nach der Obturation beider mesialer Kanäle zeigte sich plötzlich an der mesialen Kanalwand des distalen Kanalsystems eine kleine Menge Guttapercha.

Da es sich um eine Primärbehandlung handelte konnte die Guttapercha nur aus einer Kommunkation zu den mesialen Kanälen stammen.

Die Röntgenkontrolle 6 Monate postoperativ zeigt dies deutlich.

Amalgam – Auflösung

von Christian Danzl

Ob man diese Lösung als Erfolg bewertet oder nicht, diese Brücke war 15 Jahre im Mund. Punkt.

Und es gibt genügend „bessere“ Brücken, die NICHT so lange halten.

Trotzdem distanziere ich mich von so einer Zahnheilkunde.

Die Brücke wurde angefertigt von einem Zahnarzt im deutschsprachigen Ausland.

Und eine Frage sollte an die „Amalgam-Hardliner“ gestellt werden dürfen:

Hätten Sie Ihrer Tochter diese Versorgung angedeihen lassen?

Polymerisationslampen im Praxistest (3) – Demi

Demi

von Olaf Löffler

über die Demi habe ich bereits hier und dort berichtet. Diese Lampe gab mit den beschriebenen Mängeln letztendlich den Anlass,  nach anderen Modellen zu suchen. Die geschilderten Mängel wurden alle auf Kulanz repariert, bzw. das Gerät wurde ausgetauscht. Seit dem letzten Tausch sind einige Monate vergangen. Es gab keine Probleme mehr. Insgesamt haben wir die Demi jetzt 2 Jahre unter Beobachtung.

Die technischen Daten:
Wellenlängenbereich: 450 – 470 nm*
Ausgangsleistung von 1100 mW/cm2 auf eine Höchstleistung von 1330 mW/cm2
Gewicht: 154 Gramm mit Akku.
Akku: Wir haben die Grenzen noch nie erfahren. ( Zweimal wurde die Lampe wegen Verarbeitungsproblemen mit Akku getauscht. )

Die Bedienung ist intuitiv und es ist die Lampe mit der einfachsten Bedienung im Test. Die 4 Tasten sind schnell erfühlbar, zuordenbar und ergonomisch angeordnet. Der Lichtleiter (8mm) kann gedreht werden. Es gehört ein Lichtschutzschild zur Ausstattung. Die Ergonomie der Lampe ist vorbildlich.

Für die Demi werden Einmalschutzhüllen angeboten und sind empfehlenswert, da das Gehäuse der Lampe kiemenartige Kühlungsöffnungen zeigt. Das ist ein Minuspunkt, da zum einen die Oberflächendesinfektion dadurch deutlich erschwert ist, andererseits die angebotenen Schutzhüllen, sofern eingesetzt, die Luftzufuhr, die zur Kühlung benötigt wird, beeinträchtigen.

Fazit: Wir setzen die Lampe in allen nichtkritischen Behandlungen, wie Versiegelungen ein. Die Demi hat auf Grund der ausgewogenen Ergonomie nur positive Noten von der Assistenz bekommen. Sie steht bei uns jetzt im Prophylaxezimmer. Hat aber das Zeug, den kompletten Zahnarztalltag zu meistern. Das Hygienedefizit verhindert die Bewertung: Absolut empfehlenswert.

* Ausschlaggebend für eine schnelle und vollständige Polymerisation ist nicht allein die Lichtleistung einer (LED)Lampe. Entscheidend ist der Anteil der Überschneidung der Absorptionskurve des Photoinitiators mit dem Emissionsspektrum der LED-Lampe. Kampherchinon (häufigster Fotoinitiator) hat eine maximales Absorption bei 468 nm.  Einige Hersteller benutzen  zusätzliche Fotoinitiatoren, welche bei Wellenlängen kleiner als 450 nm absorbieren, besonders bei bei hellen, transluzenten Farbtönen.

Demi

Demi

Amalgam? – Amalgam!

von Christian Danzl

Beim Durchforsten meiner Festplatte habe ich durch Zufall diese Bilder wieder gefunden. Ich wollte sie Euch nicht vorenthalten. Es ist eine Brücke, besser gesagt, der distale Teil einer Brücke, die ich schon vor Jahren aus dem Patientenmund entfernt habe.

Mit was macht man die Aufbaufüllung unter eine Krone? – Mit Amalgam selbstverständlich?

Was macht man, wenn der untere Achter als Brückenanker eigentlich zu dünn ist? – Man macht den Aufbau dicker!

Und mit was macht man ihn dicker? – Mit Amalgam selbstverständlich!

Und wie weit soll das Amalgam reichen? – Bis es auf der Gingiva steht selbstversändlich!

Und das soll wie lange halten?

Tja, was glauben Sie? Wie lange war diese Brücke in situ?

Auflösung folgt…

Berlin – Untersuchung zur Aufbereitung von Wurzelkanalinstrumenten

von Hans – Willi Herrmann

Ich bin extrem irritiert.
Gerade eben habe ich das hier im Netz gefunden.
Einziger Trost: Die beiden Zahnarztpraxen in Berlin, die ich kenne, sterilisieren schon immer ihre Wurzelkanalinstrumente, so wie wir alle es an der Universität gelernt haben.

Hier das Zitat:

„Eine Untersuchung aus dem Jahre 2002 hat festgestellt, dass 81% der 129 befragten Berliner Zahnärzte Wurzelkanalinstrumente nach jedem Einsatz am Patienten der Reinigung und Desinfektion zugeführt haben; eine Sterilisation wurde anschließend nicht durchgeführt. Lediglich 10% der befragten Zahnarzte reinigten, desinzierten und sterilisierten die Wurzelkanalinstrumente nach jeder zahnärztlichen Behandlung [73].“

Zitiert aus :

Aus dem Institut für Technische Hygiene

der Medizinischen Fakultät Charite – Universitätsmedizin Berlin

DISSERTATION

Vorgaben zur manuellen Aufbereitung von

Wurzelkanalinstrumenten

zur Erlangung des akademischen Grades

Doctor medicinae dentariae (Dr. med. dent.)

vorgelegt der Medizinischen Fakultat

Charite – Universitatsmedizin Berlin

von

Min-Jung Oh

aus Taegu

George Clooney, David Letterman, Endo, Ex,dry socket, Implantat, Marathon Man, say „Dalai Lama“

„Hätte er  mal lieber jemanden fragen sollen , der sich damit auskennt !“
Wer kennt ihn nicht, diesen Werbeslogan für die „gelben Seiten“.

Armer George.
Erst die Endo, dann das frakturierte Instrument, die Extraktion mit Hammer und Meisel, die schmerzhafte trockene Alveole, das Implantat.

Was David Letterman zum trockenen Kommentar veranlasste: „Ich weiss nicht, ob das der richtige Behandler war“

Nicht destotrotz Realität weltweit.
Und wenn schon ein Top Hollywood Schauspieler davon nicht verschont geblieben ist, dann kann man daraus zwei Dinge als Schlussfolgerung ziehen.

Zum einen, dass es Dinge gibt in der Medizin, die sich nicht grundsätzlich und ausnahmlos vermeiden  lassen. Der Mensch ist kein Auto, bei dem man lediglich ein kaputtes altes Teil austauschen und durch ein neues ersetzen muss und hinterher läuft´s  wieder wie neu. Wobei man ja nicht mal beim Auto sicher sein kann, dass dies immer so ist.

Und zum andern aber auch, dass vielleicht noch Platz nach oben ist, was die flächendeckende endodontische Versorgung angeht, um auch in schwierigen Fällen einen Zahnerhalt zu ermöglichen.

In Kentucky wie auch anderswo auf der Welt.

Zum Video gehts hier.