Trickkiste

von Ronald Wecker

Dieser obere Eckzahn verlangte einen tieferen Griff in die endodontische Trickkiste.

Zustand nach perforierender externer Resorption 2 Jahre nach operativer Entfernung von Zahn 22 mit gleichzeitiger Zystektomie. Pulpanekrose und stark obliterierter koronaler Kanalanteil. Hinzu kam, daß die Kronenachse nach langzeitprovisorischer Versorgung deutlich von der Zahnachse abweicht.

Bereits der Zugang erforderte ein wenig mehr Überlegung als sonst. Um die Zugangskavität zahnachsengerecht anlegen zu können wurde die Zahnachse präoperativ mit einem Permanentmarker auf die Labialfläche der provisorischen Krone aufgezeichnet.

Um den Zahn, der der distale Brückenpfeiler einer dreigliedrigen Brücke ist,  zu isolieren  wurde das Kofferdamgummi von 24 bis 21 gelocht und die gestanzten Löcher von 23 bis 21 durch Durchtrennen der Stege zu einem einzigen „Langloch“ erweitert. Die Befestigung des Gummis erfolgte durch 2 Klammern: Eine „2A“ auf 24 und eine „1“ auf 21. Das „Langloch“ wurde mittels Opaldam abgedichtet.

Die Zugangskavität führte geradewegs zum stark obliterierten koronalen Kanalanteil. Anhand der endodontischen Landkarte war der Kanaleingang recht schnell aufgefunden. Bereits nach initialer Erweiterung  imponierte eine Blutung aus dem Resorptionsbereich die nach Spülung mit erwärmtem NaOCl recht schnell zum Erliegen kam.

Die endometrische Bestimmung der Arbeitslänge konnte nur mittels Isolierung des Handinstrumentes durch eine abgeschnittene und über den mittleren bis koronalen Teils des Instrumentes geschobenen „Capillary Tip“ durchgeführt werden, einen Tip den ich von Hans-Willi Herrmann erhalten hatte. Der Kontakt des unisolierten Handinstrumentes mit der Resorptionslakune führte nämlich immer wieder zu Fehlmessungen.

Da die Blutung weiterhin sistierte und die Resorptionslakune halbkreisförmig um den Originalkanal angeordnet war beschloss ich zunächst die Aufbereitung des Kanals zu beenden und dann diesen zu obturieren, bevor ich die Resorptionslakune nebst Perforation mit MTA verschliessen würde.

Die Arbeitslänge betrug 27 mm, sodaß eine Verlängerung der Guttaperchaspitze gefragt war. Dies geschah in der an dieser Stelle schon einmal beschriebenen Art und Weise.

Um die Guttaperchaspitze so abzulängen, daß sie gerade ein wenig unterhalb des Kanaleingangs endet, musste zunächst die Strecke vom Referenzpunkt bis zum Kanaleingang ermittelt werden. Dies geschah mit Hilfe eines auf einem Plugger aufgebrachten Silikonstopps. Von der Gesamtlänge der Guttapercha (27mm) wurde daraufhin oben genannte Strecke abgezogen (16 mm) sodaß die apikal benötigte Guttaperchaspitze eine Länge von 11 mm besitzen musste. Das Einbringen erfolgte indem der gekürzte Masterpoint auf die Spitze eines Microopener platziert wurde. Nur so war zu verhindern, daß Guttapercha und /oder Sealer in die Resorptions- bzw. Perforationslakune verbracht wurde.

Nachdem dies erfolgt war wurde der apikale Guttaperchteil warm vertikal kompaktiert. Anschliessend erfolgte eine inkrementelles Backfill bis knapp unterhalb des Kanaleingangs. Darauf hin wurde MTA Angelus in mehreren Portionen eingebracht und durch indirekte Ultraschallaktivierung kompaktiert. Nach Aushärtung des MTA erfolgte der dentinadhäsive Verschluss der Zugangskavität.

Ich bin gespannt wie  sich der Zahn in den mittel- und langfristigen Recalls zeigen wird.

Endox

von Olaf Löffler

Endox – Gewitter im Wurzelkanal – für Sie hier aufgezeichnet.

Das Gerät haben wir neu. War so ein Spontankauf. Wobei, getragen hatte ich mich schon länger damit. Die verschiedensten Anwender hatte ich dazu befragt um mir ein Bild zu machen.
Die Literaturlage ist sehr dünn.
Ich benutze das Gerät seit knapp 2 Monaten und weiß noch nicht, ob ich es standardmäßig in mein Behandlungsprotokoll integrieren werde.

Es erinnert mich an die Zeit nach dem Kauf meines ersten Mikroskops. Anfangs dachte ich das war deine größte Fehlinvestition… Nun nach vielen Jahren kann ich resümieren – das war die Investition überhaupt.

Ob ich das vom Endox auch sagen kann? Schaun mer mal.

Frei zugängliche Literatur gibt es unter diesen Links:

http://www.blzk.de/archiv/zbay/1_2_00/001-2s60.html
http://www.endopedia.de/Weitere_physikalisch-chemische_Methoden
http://www.db-thueringen.de/servlets/DocumentServlet?id=12910
http://edoc.ub.uni-muenchen.de/6868/
https://www.thieme-connect.com/ejournals/abstract/zwr/doi/10.1055/s-2004-823091

Saving hopeless teeth (XV)

von Bonald Decker

Dieser Patienten wurde uns zur weiteren Therapie überwiesen, nachdem es in einem sehr (sehr) frühen Stadium der notwendig gewordenen endodontischen Therapie zu einer Komplikation gekommen war…

Bei näherer Betrachtung der von uns angefertigten Röntgenbilder fallen ein paar Dinge auf:

Die suboptimal angelegte primäre und sekundäre Zugangskavität mit dem sich daraus ergebendem nicht geradlinigen Zugang zu den Kanalsystemen führte in der weiteren Folge zu einer Instrumentenfraktur.

Genauer, zu zwei Frakturen.

Nach Entfernung der mesialen Karies und Optimierung der Zugangskavität richtete sich unser Augenmerk zunächst auf das Management der drei „komplikationslosen“ Kanalsysteme (ml, db & dl). Nach deren chemo-mechanischen Reinigung folgte die Darstellung des ersten Instrumentenfragmentes. In der weiteren Folge gelang es zunächst das eine, und schliesslich auch das zweite Bruchstück mittels Ultraschallansätze zu entfernen.

Die finale Präparation der vier Kanäle erfolgte bis zu den Grössen 35.06 (mesial) bzw. 40.06 (distal). Während distal im apikalen Anteil eine Konfluation der Systeme bestand, mündeten die beiden mesialen jeweils in separaten apikalen Foramina.

Die abschliessende Obturation der Wurzelkanäle erfolgte mit Guttapercha und 2Seal in mod. Schilder Technik. Abschliessend wurde die Zugangskavität adhäsiv mit Komposit versiegelt.



Abschliessende Gedanken:

Die Instrumentenfraktur zählt zu einer der möglichen Komplikationen während der Wurzelkanalbehandlung und stellt per se keinen Behandlungsfehler dar. Trotzdem gilt es vorab zu überlegen, wie solche Negativerlebnis zu vermeiden sind.

In dem vorliegenden Fall muss neben der suboptimal gestalteten Zugangskavität die Wahl der Hedströminstrumente zur initialen Bearbeitung der Kanalsysteme als mögliche Ursache angesehen werden. Diese sind aufgrund des größen Schneidekantewinkels bei der initialen Wurzelkanalinstrumentation als ungeeignet anzusehen.

Ausserdem empfiehlt es sich bei dem Verdacht von evtl. konfluierenden Kanalsystemen dies frühzeitig zu überprüfen, um eine Instrumentenfraktur aufgrund einer plötzlich auftretenden (massiven) Krümmung am Konfluationspunkt zu vermeiden.

Wurzelspitze – Neuer Auftritt

von Hans – Willi Herrmann

Ein neues Outfit für WURZELSPITZE.

Und damit endlich die Möglichkeit, die Blog – Seiten Pulldown – Menues zu versehen.
Darauf habe ich die ganze Zeit gewartet, denn das fehlte bislang in unserem Thema. Der Grund zu wechseln, obwohl ich mit dem bisherigen Thema ansonsten sehr zufrieden war.

In der nächsten Zeit werden wir nach und nach die Unterseiten mit Leben füllen und weitere Features in die Seite einbauen.

In dem Zusammenhang noch ein paar Eckdaten: Wir haben auf WURZELSPITZE mittlerweile mehr als 500 Beiträge, sind bei über 130.000 Besuchern.
Mehr als 4000 Besuche pro Woche, mehr als 15.000 Besucher pro Monat.

Anatomie unterer Molaren (4)

von Bodald Necker

Untere Molaren haben verschiedenste Variationen der Wurzelkanalanordung.

Hier ein Beispiel für eine 3-1 Konfiguration. Also 3 mesiale Kanäle und ein distaler Kanal.

Nach der Trepanation des Pulpadaches sah es zunächst nach einer 2-2 Konfiguration aus. Die beiden distalen Kanäle vereinigten sich sehr schnell zu einem einzigen. Mesial wurden 2 Kanäle aufbereitet. Nachdem die Kanäle vollständig aufbereitet, desinfiziert und getrocknet waren, war der Eingang eines mesio-zentralen Kanal zu erahnen.
Nachdem die Sondierung mit einer 006er K-File nicht bis zum Apex vordrang, wurde der sehr enge Kanal aufbereitet/gängig gemacht mit Sequenz ProFile 15/04, ProFile 20/04, Flexmaster 15/06  in Wiederholung bis zum Apex.
Aufbereitung aller Kanäle bis 40/06.

Bladerunner reloaded

von Hans – Willi Herrmann

Kaum ist der Flughafen verlassen, zieht der Porsche Cayenne auf die ganz linke Spur und beschleunigt auf 180.

Es ist dunkel und am Straßenrand stehen auffällig viele liegengebliebene Autos. Wolgas und Ladas. Sie sind eines der wenigen Zeichen dafür, dass wir uns in einem Land befinden, in dem einst die kommunistische Revolution ihren Anfang nahm. Große Werbeplakate internationaler Konzerne säumen die Randstreifen, umso mehr, je weiter wir uns der City nähern.

Kyrillische Straßenschilder und die Zwiebeltürmchen der Kirchen und Kathedralen geben Hinweise, wo man sich befindet.

Wir erreichen die Stadtgrenze nach etwa 10 Minuten.
Die Präsenz an Polizisten sticht ins Auge.
Plötzlich eine Radarkontrolle.
Der Verkehrspolizist wedelt energisch mit seinem schwarz-weissen Stock und gebietet uns, sofort anzuhalten.
Alexej, unser Fahrer, geht nur für einen Bruchteil einer Sekunde vom Gas, dann fährt er unverändert weiter, ohne sich um den Polizisten weiter zu kümmern. Alle Autofahrer sind gleich. Nur manche sind gleicher als andere ?

Ich weiss nicht, warum …
Ridley Scott fällt mir ein. Harrison Ford. Blade Runner. Sieht so unsere Zukunft aus ?

Reich und Arm, haarscharf aneinander vorbei, ohne sich zu berühren. Blitzblank und modern herausgeputzt die eine Seite, der Unterbau hingegen, alt, vernachlässigt, unansehlich. Das gab es immer schon. Aber die Verhältnisse haben sich verschoben. Und die Dimensionen. Wir fahren vorbei an Trabantenstädten. Plattenbausiedlungen, wie wir sie kennen aus den neuen Bundesländern. Aber dort stehen nicht 10 oder 20 Plattenbauten, sondern Hunderte davon.

Wieviel Menschen  wohnen dort ?
200.000 ? 300.000 ? In einem Bereich, den wir innerhalb von ein paar Sekunden hinter uns lassen.

Ist Moskau ein Fanal ? Ich weiss es nicht. Aber Jörg und ich sind wieder zurück.
Diesmal zur Endo Show 2010. Und freue mich auf die nächsten Tage mit Jörg und Christoph, mit Holm, Ilya, Slaw und Nicola.

Und ich habe neben meiner 12 kg Leica – Ausrüstung noch eine weitere Kamera dabei, die ich für Aufnahmen nutzen möchte.

Aber dann kommt alles anders….

Stufenplan

von Ronald Wecker

Die Überwindung iatrogener Stufen stellt oftmals ein große Herausforderung dar. Insbesondere wenn im Vorfeld bereits sehr engagiert versucht wurde, den apikalen Kanalanteil instrumentell zu erschliessen. Stufen im oberen und mittleren Kanaldrittel sind unter dem Dentalmikroskop in aller Regel problemlos zu überwinden, da ein Arbeiten unter direkter Sicht möglich ist. Der Originalkanal kann anhand der „endodontischen Landkarte“ und unter Berücksichtigung der Ergebnisse der klinischen und radiologischen Untersuchung dargestellt und in der Folge auch instrumentiert werden.

Schwieriger gestaltet sich das Ganze, wenn die Stufe hinter einer Krümmung liegt und auch das  initiale „Scouten“ mit vorgebogenen Handinstrumenten erfolglos bleibt. Das Katheterisieren mit rotierenden Instrumenten (z.B. mit einer ProFile 15/04 ) erfordert ein gezieltes Ansetzen der Instrumentenspitze. In der täglichen Praxis hat sich in solchen Fällen folgendes Vorgehen bewährt:

1. Anlegen einer optimalen Zugangskavität, die einen geradlinigen Zugang zum Kanaleingang ermöglicht. Dies kann im Einzelfall bedeuten, dass unter Umständen mesiale Randleisten oder auch bukkale oder linguale Höckerspitzen deutlich reduziert werden müssen.

2. Ausmessen der Strecke „Refeferenzpunkt – Stufe“

3. Erweiterung des koronal der Stufe gelegenen Kanalanteils mit rotierenden Instrumenten.

Meine Favorit für diesen Arbeitsschritt ist das Mtwo-System, da dieses über eine ausserordentlich gute laterale Schneidfähigkeit verfügt. Die Instrumente werden in einer bürstenden Bewegung eingesetzt. Ziel ist es den Kanaleingang zu erweitern und gleichzeitig so zu verlegen, dass vorgebogene Instrumente eingesetzt werden können ohne dass die Vorbiegung verloren geht. Ausserdem wird der Einsatz rotierender Instrumente möglich.

4. Wichtig ist, dass die zur Erweiterung eingesetzten Instrumente kürzer als die Strecke „R-Punkt- Stufe“ sind. Der Geübte wählt eine um 0,5 mm kürzere Länge. Für den Anfang empfiehlt es sich die Arbeitslänge um 1 mm kürzer einzustellen. So wird, bei gleichzeitigem Achten auf das exakte Arbeiten bis zum  Refernzpunkt, wirkungsvoll verhindert, dass die Stufe stärker ausgebildet wird.

Das beschriebene Vorgehen ermöglicht in Kombination mit anatomischen Wissen, der Kenntnis möglicher Kanalverläufe und ein wenig detektivischem Spürsinn ein vorhersagbares Überwinden iatrogener Stufen.

Ach so, eines soll nicht unerwähnt bleiben: es hilft ein wenig zu sein wie er.

Evidenz

von Lodlan Reckeb

Evidenz, das ist das Schlagwort in der modernen Medizin. In Wikipedia heißt es dazu:

Definiert wird Evidenzbasierte Medizin (EbM) ursprünglich als der bewusste, ausdrückliche und wohlüberlegte Gebrauch der jeweils besten Informationen für Entscheidungen in der Versorgung eines individuellen Patienten [6]. EbM beruht demnach auf dem jeweiligen aktuellen Stand der klinischen Medizin auf der Grundlage klinischer Studien und medizinischen Veröffentlichungen, die einen Sachverhalt erhärten oder widerlegen – die sogenannte externe Evidenz.

In der klinischen Praxis der EbM bedeutet dies die Integration individueller klinischer Expertise mit der besten, verfügbaren, externen Evidenz aus systematischer Forschung, schließt aber auch die Patientenpräferenz mit ein. EbM kann aber auch den Verzicht auf Therapie beinhalten, d. h. zu wissen, wann keine Therapie anzubieten besser ist für den Patienten, als eine bestimmte Therapie anzubieten [7].

Nun springen die Kostenerstatter auf den Evidenzzug auf. Zitat einer Unfallversicherung zu einer Kostenübernahme:

„Wir beziehen uns auf den eingereichten Kostenvoranschlag für eine Wurzelbehandlung unter Einsatz eines Dentalmikroskops des Herrn Lodlan Reckeb*.

Unser beratender Zahnarzt vertritt die Auffassung, dass zumindest nicht durch evidenzbasierte Langzeitstudien belegt ist, dass die vorgesehene Maßnahme überhaupt zu einer Verlängerung der Zahnerhaltung gegenüber der herkömmlichen Behandlung führt.“

Die Ausgangssituation war ein Z.n. Trauma mit nicht abgeschlossenen Wurzelwachstum beim einem jugendlichen Patienten, iatrogener Eröffnung der Pulpa vor über einem Jahr (Trep. offen), C. profunda und P. apicalis. Die Therapieempfehlung ist die Wurzelbehandlung mit Apexifikation unter Verwendung von MTA. Dieser Zahn blieb über ein Jahr unbehandelt nach der Trepanation, obwohl der Patient verschiedenen Zahnärzte aufsuchte.

Die moderne zeitgemäße Argumentation fordert Evidenz. Wie schrieb Hülsmann in der Zeitschrift „Endodontie“: „Der neue Dreh: Man wirft der Gegenseite „mangelnde Evidenz“ vor, zeigt gewissermaßen den wissenschaftlichen Stinkefinger!“
Damit ist man raus aus der Nummer. Irgendwer wird es schon zahlen. In diesem Fall war es Lodlan Rebeck.

Es bleiben Fragen für mich:
Was ist eine evidente Langzeitstudie?
In welchem zahnmedizinischen Fachbereich gibt es evidente Langzeitstudien?
Wieso wird auf das Dentalmikroskop verwiesen und die Apexifikation mit MTA nicht hinterfragt?

Mir sind die  Evidenzgrade bekannt. Diese kann man hier nachlesen.
Die Gruppe A mit dem höchsten Level beinhaltet randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) mit umfangreichem Datenmaterial. Langzeitstudie – wird nicht erwähnt. Es ist kein Fachausdruck der EBM.
Ist das Dentalmikroskop evident?
Nein, denn es gibt nur eine dünne Studienlage dazu. Warum fragt man sich? In einem Land in welchem Abbe zusammen mit Schott und Zeiss die optische Industrie zu Weltruf führte.
Die Dentalmikroskope sind teuer, es gibt keine Honorierung für die Nutzung des Gerätes, das Instrumentarium muss der optischen Vergrößerung adäquat verändert werden, die Assistenz muss geschult werden, die Unterhaltskosten sind hoch, es bedarf einer langen Lernkurve des Behandlers und durch die enorme Detailgenauigkeit wird bei entsprechender Sorgfalt die Behandlungszeit deutlich länger.
Da muss man schon ziemlich viel Idealismus haben um sich solch ein Gerät anzuschaffen und dann noch mehrfach täglich Gespräche zur ungeklärten Kostenerstattung mit anschließender Korrespondenz zu führen.

Anbei der Behandlungsfall.

* Name von der Redaktion geändert. ;)**
** Copyright by  Dr. Geldgier

Der Fall

3D vs. 2D

von Oscar von Stetten

Bei aller Unruhe, die der Einzug des 3D-Röntgens in unserer Profession auslöst, sollte man sich manchmal wieder auf den Sinn und Zweck dieser Technik besinnen. Es ist ein diagnostisches Tool. Mehr nicht.

Es dient mir persönlich erstmal nicht dazu, Misserfolge systematisch zu suchen und dann wieder mehr zu implantieren. Es dient vielmehr dazu, in diffusen, problematischen, auf konventionelle Weise nicht ausdiagnostizierbaren Schmerzfällen ein Quentchen mehr an Informationen zu bekommen, die man dann mit klinischen Test ergänzen kann und dann so zu einer eindeutigen Diagnose kommt. Zum Wohle des Patienten.

Im vorliegenden Fall handelt es sich um einen vor 14 Jahren von Dr. a.l. behandelten 16. Die Patientin war schon einmal 2006 bei uns, ein Umzug führte auch zum Zahnarztwechsel. Vor 3 Wochen war sie wieder bei uns, wegen einer Zweitmeinung.

Sie leidet seit ca. 8 Wochen unter einer Sinusitis rechts. Das verschriebene AB vom HNO brachte nur wenig Linderung. Es wurde zeitgleich ein CT angefertigt, da die Patientin eine Septumplastik bekommt, die in ihrem Fall sicher sinnvoll ist. Auf meinem digitalen Rö sieht man bei extremer Verschiebung der Kontrast und Helligkeitswerte eine diskrete Aufhellung. Sehr diskret. So diskret, dass ich diesen Zahn nicht revidieren würde. Klinisch ist alles opB. Abgesehen von der AM-Füllung mit Sekundärkaries distal, welche bis heute nicht behandelt wurde. Das rechte Mittelgesicht war leicht geschwollen. Der Zahn selber war unauffällig, ganz leicht perkussionsempfindlich auf dem dp-Höcker. Keine auffälligen Sondierungstiefen o.ä. . Unterkiefer ebenfalls unauffällig.

Die Patientin bruxt im Moment sehr stark, eine Aufbissschiene wurde eingegliedert, brachte aber nur wenig Besserung. Die Physiotherapie, welche begleitend zur Schiene a.l. verschrieben wurde, brachte ebenfalls nur wenig fokussiert auf die rechte Seite.

Kurzerhand habe ich mir das CT vom HNO besorgt. Gott sei Dank waren die OK-Zähne noch drauf, denn der Fokus für den HNO liegt eine Etage höher.

Auffällig war, dass im sagittalen Schnitt eine Aufhellung intraradikulär imponiert. Die Sinusschleimhaut ist ausschliesslich über dem 16 hypertrophisch, bzw. geschwollen.

Das alles zusammen genommen hat mich zur folgenden Empfehlung gebracht:

1.) Entfernen der AM-Fllg und Inspektion auf Infrakturen, Anfertigen eines adhäsiven Aufbaus

2.) Revision der vorhandenen WF, aufsuchen nicht erschlossener Anatomie (mb2, den ich im Verdacht habe)

3.) WF, und erstmal abwarten, bevor eine KH-Ausräumung durchgeführt wird.

Ich versuche, diesen Fall im Auge zu behalten.

Ein Gedanke zum Abschluss:

Ich fürchte, dass die neue Technik von bestimmten Interessengruppen „missbraucht“ wird. Ich bin mir aber auch sicher, dass sich die Heilungserfolge nicht lange verstecken lassen werden. Und diese gibt es sicher. Natürlich sind die bei weitem nicht so interessant wie Misserfolge. Das ist nur menschlich. Aber es wird nicht ausbleiben, dass wir sehen, dass Endo doch funktioniert. Gut funktioniert.

Davon bin ich überzeugt.

„Was bin ich ?“ – 2 Implantat – Bilddatenbänke

von Hans – Willi Herrmann


Ich glaube, der Aufruf kam letzte Woche in „Zahnmed“, der dentalen Internet – Newsgroup des Wallenhorster Kollegen Michael Logies.

Alle Mitleser seien aufgerufen, Röntgenbilder von Implantaten einzustellen, damit man eine Datenbank aufbauen könne.

Gute Idee, denn bei der Vielzahl der mittlerweile existierenden Systeme ist nicht auszuschließen, dass ein Patient mit einem Implantatproblem im Behandlungsstuhl sitzt und es sich bei  besagtem Implantat  um ein Implantat handelt, das man noch nie vorher gesehen hat.

Der Patient hat natürlich auch  keine Ahnung, um welches Implantat es sich handelt. Die Behandlung ist Jahre her, der Behandler praktiziert nicht mehr und die Rechnung, auf der das Implantat vermerkt sein könnte (man beachte den Konjunktiv), ist seit dem letzten Umzug oder Hochwasser verschollen.

Da wäre eine solche Datenbank eine große Hilfe.

Aber warum das Rad neu erfinden ?
So eine Datenbank gibt es schon, sogar mehrere.

Hier und hier die URLs zweier Datenbanken, die eine große Zahl von Implantattypen bereits katalogisiert haben.

Im Falle des Falles sicherlich eine große Hilfe. Und für mich wieder einmal  der Zeitpunkt, zu bemerken: Das Internet ist die vierte epochale Erfindung der Menschheit nach dem Feuer, dem Rad und der Buchdruckkunst.

7 Jahre

von Bodald Necker

wie schon hier prognostiziert, ist diese Füllung am 16 nun endlich 7 Jahre im Mund. Wie man es vor 11 Jahren nicht geglaubt hätte.
Mittlerweile ist der Zahnhals versorgt und der 7er hat auch eine neue Füllung.

Aber die Füllung am 16 ist in situ und funktioniert.

Und das gut.
Sogar sehr gut.

Und das wird sie noch länger tun. Wie lange?

Ich weiss es nicht.

Aber ich schätze, die 10 Jahre kriegen wir hin.

Und mehr.

Die Bilder sind übrigens – um auf den Artikel von gestern zu verweisen – mit der Sanyo Xacti E6 gemacht.
Ich bin mir nicht sicher, ob der Titel „Thronfolger“ für die Pentax eine glückliche Wahl ist.

Thronfolger für die Sanyo Xacti E6 / E60 (2)- Erste klinische Bilder aus der PENTAX Optio W90

von Andreas Habash

Seit einer Woche haben wir jetzt die Pentax Optio W90 in der Praxis.

Nachdem die Sanyo E6 / E60 die Messlatte für einen würdigen Nachfolger sehr hoch gelegt hat, ist es zu früh für die abschließende Beurteilung.

Deshalb zeige ich hier erst einmal einen Querschnitt der Bilder aus dem normalen Praxisalltag, aufgenommen mit der Optio W90.

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Endlich – mal was Neues – das LEICA M320 F12 Dentalmikroskop !

von Oscar von Stetten

Leica….

Ein Name, der bei Fotografen Glanz in die Augen treten lässt. Zumindest in meine. Die optischen Qualitäten der Objektive sind IMHO das beste auf dem Markt. Irre.

Kaum jemand weiss, dass Leica auch im Bereich der Medizin als Mikroskophersteller tätig ist. Aber es ist sehr leise um Leica geworden. Schade, denn Konkurrenz belebt bekanntlich das Geschäft. Und Leica hat das Potential.

Nun kommt Bewegung auf den Markt. Der erste Hersteller hat es geschafft, zeitgemässe Technik in ein neues Gerät zu integrieren. Keine Kabel mehr, kein verlustreicher Lichtleiter mehr, hygienisch einwandfreie Oberflächen, schönes Design. Auch die Dokumentation ist endlich integriert worden. Sowohl Video als auch Foto.

Leider nur in 720p, die Bilder in 3MP. aber das ist etwas, was wohl vollkommen ausreichen wird. Mit Fernbedienung.

Ich bin sehr gespannt, wie dieses Gerät performt. Die Anfrage wegen einer Leihstellung ist bereits gestellt. Sobald diese erfolgt, folgt mehr.

Sehr spannend. Der Preis ist heiss ;-) Auf dem Papier hat das Mikroskop eindeutig Killerqualitäten. Was ich mir wünschen würde, wäre ein Vario-Mikroskop mit diesen Eigenschaften. Aber wer weiss, vielleicht kommt ja was nach. Leica holt auf jeden Fall auf.

Leica_M320_F12_Dental_bro_de

Apikale Aufhellung (19)

von Ronald Wecker

Interessanter Recall von dieser Woche:

Zahn 35, Brückenpfeiler seit mehr als 15 Jahren. Im Rahmen einer Erstuntersuchung zeigte sich eine ausgedehnte apikale Veränderung.

Das Entfernen des gegossenen Stiftaufbaus gelang unter Erhalt der Krone. Das Kontrollbild nach Obturation lässt eine geringe Extrusion von Sealermaterial vermuten.

Nach 3,5 Monaten heute der erste Röntgenrecall. Ich staunte nicht schlecht als ich den ersten Blick auf das Röntgenbild warf. Hatte jemand erneut obturiert? Der Sealer war deutlicher zu erkennen als im Abschlussbild. Die Periapikalregion stellte sich deutlich röntgendichter dar als in der Ausgangssituation. Im Zuge der von peripher nach zentral voranschreitenden Ausheilung ist der Sealer offensichtlich zusammen geschoben worden.

Ordnet man die Bilder in anderer Abfolge an, kann man schnell falsche Rückschlüsse ziehen: initialer Sealerüberschuss wird im Verlauf der sich langsam ausbreitenden Infektion „abgebaut“, die apikale Veränderung wird größer: Misserfolg.

Schön, dass die digitalen Bilder automatisch mit dem Aufnahmedatum versehen werden.

Praxis digital – erste Schritte (2)

von Olaf Löffler

Nachdem im letzten Beitrag das Gerät zur Digitalisierung vorgestellt wurde möchte ich nunmehr etwas zur digitalen Datenablage schreiben.

Dazu muss ich etwas weiter ausholen. Den Scansnap 1500 gibt es in einer Mac Version und zwei Windowsversionen. Ich habe die Macversion und die Windowsversion gekauft. Die Mac Version (Scansnap 1500 M)  kostete fast das Doppelte der Windowsversion bei Ebay. Typisch Mac. Apple hat hier keinen mir bekannten direkten Einfluss. In der Macversion ist Adobe Acrobat Professionell dabei. Ob die weiß-/silberfarben Scanner auch ohne Adobeproukt erhältlich sind, weiß ich nicht.

Scannertreiber für Windows und Mac sind in jeder Version dabei. In der Windowsversion ist die Software Rack2filer 5.0 enthalten und  es gibt preisgünstige Versionen ohne Adobe Acrobat Professionell bei Ebay.

Nach einigen kurzen Versuchen habe ich diese Software  Rackfiler wieder verworfen. Eine Automatisierung mittels OCR war nicht intuitiv zu erreichen.

Von Arne Neumann wurde mir Devonthink empfohlen und ist für mich ein nicht mehr wegzudenkendes Programm, welches ich täglich nutze. Ich setze Devonthink Pro Office und den Fujitsu-Scanner zusammen ein. Eine Übersicht der einzelnen Devonthink-Versionen kann man übrigens hier finden.

Welche Vorteile hat diese Kombination?
Devonthink Pro Office hat eine eigene, deuliche bessere OCR Engine (Texterkennung) als die Snapscan Software. Diese Texterkennung arbeitet nahezu fehlerfrei.

Die Ablage erfolgt automatisch als editierbares Pdf-Datei. Dabei bekommt die Tagespost, welche archiviert werden soll das Datum des Scans und die Uhrzeit im Dateinamen. Im Autorenfeld wird der Mitarbeiter, welcher scannt eingetragen. Sämtliche Worte, die in den Briefen vorkommen werden indiziert und sind suchbar. Die Originale werden, wenn Patientenbezogen in der bei uns existierenden Patientenkartei abgelegt. Die restliche Post wird tagesbezogen abgeheftet. Die Originale sind somit ohne große Probleme wiederauffindbar, insofern man die Ordner entsprechend beschriftet. ;)

Ubi pus, ibi evacua

von Christoph Kaaden

Es ist immer schwierig und ein stückweit „heikel“ eine Einschätzung zu einer Situation nur anhand einiger Bilder zu treffen…

Nach dem Betrachten der Abbildungen in dieser Rezension einer kürzlich stattgefunden Fortbildung würde ich mir allerdings trotzdem wünschen, dass sich (zahn)medizinische Disziplinen und Fachrichtungen zukünftig mehr austauschen und somit besser zusammenarbeiten.

Zum Wohle unserer Patienten…

DVT in der Endodontie – Fluch oder Segen ?

von Hans – Willi Herrmann

Und da bleibt neben der Schraube nicht mehr viel übrig….

Die Quintessenz, gestern hier an dieser Stelle.

Entschuldige, Bodald, dass ich hier einhake.

Eigentlich war doch klar, das es so kommen würde.

Kaum waren ein paar DVT´s über die Zahnmedizin verstreut, schon gab es erste Stimmen, die eine 100 prozentige Misserfolgsrate endodontischer Behandlungen beschrieben.

Der zeitgemäße Gegenentwurf zur berühmten Aussage Schilders der 100 % – X Erfolgsrate.

100 Prozent Misserfolg.

Wie kann das sein ? Ganz einfach. Die geringe Aussagekraft des konventionellen 2D – Röntgens deckt gnädigerweise den Mantel des Verdeckens über die offensichtliche Insuffizienz endodontischer Behandlungen.

Und – hatte man es nicht schon immer gesagt. Ein toter Zahn ist ein Störenfried, der nicht in die Mundhöhle, sondern in den Mülleimer gehört. Stehen wir also an der Schwelle zu einem neuen Zeitalter des Exodontismus, einer Renaissance der Herdlehre ?

Naja- Die diagnostizierten 100 % Misserfolg buch ich mal unter  der Rubrik „Neues Spielzeug und übermotivierter Behandler“ ab.

Trotzdem ist klar. Ein Verfahren, das genauer hinschaut, wird mehr Misserfolge aufdecken. Das ist Fakt.

Also doch – das DVT – Totengräber der Endodontie ?

Seh ich nicht so.

Ganz im Gegenteil.

Natürlich wird das DVT Misserfolge in der Endodontie aufzeigen.
Misserfolge, die man bisher sich nicht ansehen musste, weil man diese bisher als solche nicht wahrnehmen konnte. Und  der Patient von diesem Misserfolg nichts mitbekam. Dem ging es  gut, oder zumindest meinte er das.

Anderserseits – und das ist die gute Nachricht. Das DVT kann auch Heilung dokumentieren. Auf eine eindeutige und nachhaltige Art und Weise, wie es uns bisher noch nie möglich war.

Knochen weg – WK/ WF – Knochen wieder da.

Restitutio ad integrum statt Zahnersatz.

Darin  liegt also auch eine Chance der Endodontie. Fakten, Fakten, Fakten.  Im 2 D – Röntgenbild sieht ja vieles gut aus. Selbst viele richtig schlechte Sachen.

Das DVT gibt uns also nicht nur die Möglichkeit, Erfolge und Misserfolge viel genauer als bisher zu differenzieren, sondern auch unsere Techniken auf ihre Eignung hin zu überprüfen. Sehenswerte  Statements wie diese hier von der Tulsa Dental  – Homepage sind die ersten Vorboten der neuen Technologien (DVT, Micro CT)  und zeigen, dass es uns möglich sein wird, Materialien und Methoden in der Endo miteinander zuvergleichen.

Das DVT wird die Endodontie voranbringen.
Und dadurch wird sich gute Endodontie gegenüber der Implantologie behaupten können.

Fakten, Fakten, Fakten. Ich rechne fest damit.

Dreidimensionale Defekte

von Bodald Necker

Eine Patientin sollte eine Krone auf den wurzelbehandelten Zahn 36 bekommen. Der Zahn war absolut beschwerdefrei, keine Schmerzen oder Missempfindungen, weder in Ruhe noch in Funktion. Eigentlich stand der Überkronung nichts mehr im Wege. Also ab zum Röntgen.

Das Bild zeigte eine, ich nenne es mal, Unregelmässigkeit an der distalen Wurzel. Der PA-Spalt war verbreitert, sonst war nichts zu sehen. Da uns jetzt im Nachbarort ein CBCT zur Verfügung steht, haben wir nachsehen lassen, wie die „Unregelmässigkeit“ genau aussieht.

Das Ergebnis war sehr ernüchternd:
Auf der 3-D Aufnahme war ein im Durchmesser ca. 6mm großer Knochendefekt zu erkennen.

Was sagt uns das nun?

  1. Auf einer 2-dimensionalen Durchsichtaufnahme können 3-dimensionale Dinge nur unzureichend beurteilt werden. Aber das wussten wir ja vorher schon.
  2. Ist auf einer Aufnahme, die o.B. zu sein scheint, doch immer eine Läsion? Wenn auch nicht ganz so groß wie im gezeigten Beispiel.

Da stellen sich folgende Fragen?

Reicht der Zahnfilm oder die PSA neben der klinischen Untersuchung nicht mehr aus als Diagnostisches Mittel?
Müssen jetzt alle Aufnahmen 3-dimensional gemacht werden, wenn wir „Gewissheit“ (nach dem momentanen Stand der Technik) haben wollen?

Konsequenz daraus wäre:

  • erhöhte Röntgenzeit, damit auch erhöhte Strahlenbelastung für den Patienten
  • erhöhte Diagnosezeit. Ein CBCT-Volumen ist nicht „eben mal schnell“ angeschaut. Allein das Einlesen der Daten in den Computer von CD oder USB-Dongle benötigt fast soviel Zeit, wie das Entwickeln eines analogen Zahnfilmes. Und nicht jeder Zahnarzt hat einen Rechner in der Praxis, der die Datenmengen verarbeiten kann.
  • erhöhter Speicherplatzbedarf. Irgendwo müssen diese Daten ja (10 Jahre) gelagert und gesichert werden.

Daraus ergibt sich für den Behandler ein deutlicher Mehraufwand, der bezahlt werden muss. Momentan ist dieses Diagnoseverfahren noch nicht im Bereich der GKV angesiedelt, und die Kosten muss der Patient tragen. Aber lange kann es nicht mehr lange dauern bis es eine BEMA-Position dafür gibt, und man es zu einem Preis erbringen muss, der nicht kostendeckend sein wird. Mit wiederum der Konsequenz, dass die Kosten über die anschliessenden Behandlungen wieder hereingeholt werden müssen.

Und da bleibt neben der Schraube nicht mehr viel übrig….

Endo – Engel

von Hans – Willi Herrmann

Nicht immer endet eine Überweisung zur endodontischen Behandlung auch tatsächlich in einer Wurzelkanalbehandlung.

Am Freitag kam ein Patientin zu Nachkontrolle, die sich vor ein paar Wochen in unserer Praxis mit starken Aufbissbeschwerden an Zahn 16  vorgestellt hatte.
Die Untersuchung ergab Hinweise darauf, dass die Beschwerdeproblematik mit einer Infraktur, einem Riss in der Zahnhartsubstanz in Zusammenhang stehen könnte.

Aus diesem Grund wurde mit der Patientin vereinbart, eine kürzlich durchgeführte Füllung zu entfernen und mittels dem Dentalmikroskop nach verborgenen Rissen zu suchen.

In der Tat fand sich eine Infraktur eines Zahnhöckers.

Der Zahn wurde mit einer dentinadhäsiv verankerten Kunststoffrestauration versehen. Die Nachkontrolle ergab, dass der Zahn „tausendmal besser sei als vor der Behandlung“ und die Wurzelkanalbehandlung nun nicht mehr notwendig sei.

Einen anderen Weg, Wurzelkanalbehandlungen zu vermeiden, beschreibt ein kurzes Video, das den Einsatz von Engelsymbolen zur Vermeidung von Wurzelkanalbehandlungen schildert.
Unter dem Gesichtspunkt der Kostenersparnis ein (mir bislang vollkommen unbekannter) interessanter Ansatz, wenn man bedenkt, dass eine solche Behandlung ja defacto keine Kosten verursachen kann und somit eine enorme Entlastung der Krankenkassenbudgets ermöglicht.
Es muss nur funktionieren.

Zum Video gehts hier.

Thronfolger für die Sanyo Xacti E6 / E60 – Erste Eindrücke von der PENTAX Optio W90

von Andreas Habash

Es gibt Abläufe im Praxisalltag, die stark Geräte-abhängig sind.
Leider trifft dies auch für digitale Fotografie in der zahnärztlichen Praxis zu.

Moderne kompakte digitale Kameras sind in den meisten Fällen ungeeignet.
Die einzige Kamera, die in den letzten Jahren problemlos in vielen Praxen im Einsatz war,  ist die Sanyo Xacti E6 oder deren Nachfolger E60.

Leider sind beide nicht mehr käuflich zu erwerben.

Die letzten Versuche mit anderen Kompakten brachten keine annähernd guten Ergebnisse. Nun ist vielleicht der Ersatz gefunden. Die Pentax Optio W90. Die Auslieferung des Gerätes erfolgt im Moment an die Händler.

Die Liste der Features ließ Einiges erwarten (www.pentax.de).

Hier einige Herstellerangaben:

  • Makrobereich (1cm)
  • Makrolicht um das Objektiv (3 Leuchtdioden)
  • AF Hilfslicht
  • Eye-Fi Karten Support integriert in die Kamera
  • Video Funktion (HDTV 16/9 1280×720 30B/Sek)
  • 12,1 Megapixel
  • 5 fach optisch Zoom 28-140mm KB
  • HDMI Ausgang
  • wasserdicht bis 6m
  • stossfest bis 1,2m

Interessant für die Praxis sicherlich die o.g. Funktion: Ausleuchten des Makrobereiches (1cm) mittels der 3 Leuchtdioden die um das Objektiv angeordnet sind.

Heute war die Kamera in der Post und so hatte ich Gelegenheit für erste Eindrücke und Testbilder.

Die nachfolgende Slideshow zeigt Fotos von der Kamera und erste Bildeindrücke beim Rundgang durch die Praxis.
Ausführliche Tests folgen.

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Anatomie unterer Molaren (3)

von Ronald Wecker

Ein neues Beispiel für den Variantenreichtum der Natur.

Zahn 47 ist seit ca. 8 Jahren mit einer Vollgusskrone versorgt. Bei der routinemässigen Röntgenkontrolle des nicht kaltsensiblen Zahns 47 im Rahmen der Erstuntersuchung im Jahr 2007 zeigte sich eine apikale Veränderung. Die endodontische Revision wurde zunächst aus finanziellen Gründen verschoben. Der Zahn war zu dieser Zeit klinisch vollkommen beschwerdefrei. Seit Oktober 2009 stellte sich eine zunehmend stärker werdende Aufbissempfindlichkeit ein die mit einer deutlich größeren apikalen Aufhellung einher ging.

Nach Entfernung der Krone und Erstellung einer adhäsiven Aufbaufüllung konnten zunächst das mesiobukkale und das distale Kanalsystem instrumentiert werden.

Gegen Ende der Aufbereitung kam es zum  Austauschder Spülflüssigkeit zwischen MB und D. Die Röntgenmessaufnahme bestätigte die Kommunikation dieser beiden Kanalsysteme. Bei der Betrachtung der präoperativen Röntgenbilder konnte zunächst eine c-förmige Anatomie vermutet werden. Der Blick durchs Mikroskop  liess jedoch eine „normale“ Anordnung der Kanaleingänge erkennen: 2 mesiale Kanaleingänge und ein querovales distales Kanalsystem.

Das mesiolinguale Kanalsystem war im Rahmen der alio loco durchgeführten Behandlung bereits deutlich mesialer und lingualer „gesucht“ worden. Offensichtlich ohne Erfolg. Nach insgesamt knapp 60 Minuten war ML schliesslich dargestellt und aufbereitet. Einige ProFiles 15/04 hatten ihr Leben gelassen. Der mesiolinguale Kanal konfluierte im mittleren Drittel mit MB bevor sich „beide“ dann mit D vereinten. Eine nach Aufbereitung von MB in ML eingeführte PF 15/06 verursacht in der in MB eingebrachten Guttaperchaspitze eine Impression.

So konnte der Konfluationspunkt ermittelt und ein unnötiges „Mehrfachaufbereiten“ desselben Kanalabschnittes aus verschiedenen Richtungen vermieden werden. Die in MB eingebrachte Papierspitze „tauchte“ im distalen Kanal auf.

Die Obturation erfolgte in D in Squirtingtechnik mit in den Kanälen platzierten Masterpoints in MB und ML. Das Ergebnis der Röntgenkontrolle in 6 Monaten wird hier im Blog eingestellt.

Versprochen.

Praxis digital – erste Schritte

Snapscan1500 - blaue Taste

von Olaf Löffler

In diesem und folgenden Artikeln möchte ich einige Dinge vorstellen, welche vielleicht für den Einen oder Anderen das Leben mit Papier und um das Papier etwas leichter werden lassen.

Ein wichtiges Teil dazu ist der Dokumenteneinzugsscanner Scansnap S1500 m von Fujitsu.

Nachdem ich das Gerät jetzt über ein halbes Jahr im Einsatz habe, gibt es die Wertung „EXCELLENT“.
Der Dokumentenscanner ist sehr kompakt und benötigt wenig Stellfläche. Deckel 1 und 2 aufklappen und das Gerät ist betriebsbereit. Es leuchtet eine blaue Taste. Das ist der einzige Bedienknopf. Zum Starten des Scan-Vorgangs drückt man diesen Knopf. Die mitgelieferte Scansnapsoftware tritt damit in Aktion. Sie bietet verschiedene Profile zur Auswahl. Man kann das Dokument an verschiedene Programme, wie Word, Excel, Mail zur Weiterverarbeitung senden oder in ein Verzeichnis weiter leiten um es als pdf- oder jpg-Datei zu speichern. Oder man kann es Drucken, bzw. an eine Dokumentenverwaltungssoftware weiterleiten. Scansnap besitzt eine integrierte Texterkennung (OCR). Damit werden alle Dokumente editier- und durchsuchbar. Einzige Ausnahme sind sehr alte Schriften.

Sobald man fertig ist Deckel zuklappen und der Scanner ist aus.

Einen Stapel Dokumente scannte das Gerät sehr schnell und das im Duplexbetrieb, also Vorder- und Rückseite gleichzeitig. Dies dauert 3 Sekunden. Es passen Stapel bis zu 50 Blatt in den Einzug.

Nun fehlt nur noch die passende Dokumentenverwaltungssoftware.
Ich habe mich für Devonthink Pro Office entschieden.

Meine Entscheidungskriterien:

  • Kompatibilität mit dem Scansnap 1500.
  • Es werden die Dokumente automatisiert eingefügt.
  • Man kann diese mit Betreffs-, Autor-, Datum- und Schlagwortenangaben versehen und
  • bekommt durch die Devonthink OCR Engine, welche von Abby stammt vollständig editierbare Dokumente.
  • Interessant ist diese Lösung auf Grund ihrer Problemlosigkeit.

Für mich unverzichtbar und das Bürogerät des Jahres 2009.

Einige technische Daten:

  • Abmessungen (BxHxT) (mm): 292 x 158 x 159
  • Betriebssysteme: Mac OS;Windows
  • Bildabtastung: Single Pass CCD
  • Gewicht (kg): 3000
  • Maximale Vorlagengröße (mm): 216 x 297Optische Auflösung (dpi): 600 x 600
  • USB: USB 2.0

8. World Endodontic Congress

von Christoph Kaaden


Im Zeitraum vom 06. – 09. Oktober 2010 findet in Athen der

8.World Endodontic Congress

statt.

Interessenten an dieser internationalen Tagung mit zahlreichen renommierten Referenten finden nähere Informationen zu dem wissenschaftlichen Programm hier:

Wann ist gross genug gross genug ?

von Hans – Willi Herrmann

Woher weiss ich eigentlich, wann ich einen Wurzelkanal apikal genügend aufbereitet habe und zur WF übergehen kann ?

Wenn man mit  Endodontisten spricht, dann fällt an dieser Stelle das Stichwort „Apical Gauging“.
Ein endodontischer  Mythos. Genau wie „Patency“ oder „Tug Back“.

Unter Apical Gauging versteht man das näherungsweise Ausmessen des Wurzelkanaldurchmessers am apikalen Endpunkt der Aufbereitung.

Möglichkeit 1: Man verwendet Lightspeed – Instrumente.

Damit habe ich 1997 angefangen.
Heute mache ich das nur noch selten.

Und Lightspeed – Instrumente hat kaum einer in der Praxis.

Also besser Möglichkeit 2 ? Einsatz von ISO – Handinstrumenten ?

Das mache ich so gut wie gar nicht. Dann doch lieber Lightspeed. Wobei, auch das kann man nicht so pauschal sagen, das hängt vom Durchmesser ab. Egal, wie ist nun die Vorgehensweise ?

Machen wir es fest an einem Beispiel. Ich habe mit der Basissequenz der Mtwo – Instrumente den Wurzelkanal bis zu einem 25/.06 -Instrument aufbereitet und will nun wissen, ob ich mit der Aufbereitung hin zu höheren Durchmessern noch fortfahren muss oder nicht.

Dann könnte ich vorgehen, wie im nachfolgenden Flussdiagramm beschrieben. Welche Variante man wählt, hängt vom Gusto des Anwenders ab.

Achja, dann gibt es noch Möglichkeit 3. Die ist zwar noch etwas  arbiträrer, kommt aber bei mir am häufigsten zum Einsatz.
Doch dass an einem anderen Tag.

Hier nun das Flussdiagramm.

Das Wurzelspitze- Team wünscht „Frohe Ostern !“

VDZE Frühjahrsfortbildung 2010 auf Mallorca

von Frank Sanner

Anfang März fand zum dritten Mal  eine Frühjahrsfortbildung des VDZE auf Mallorca statt.

Das Fortbildungs-Konzept sieht eine Reihe von Vorträgen von VDZE – Mitgliedern („von uns – für uns“) zu einem Rahmenthema vor, welches durch einen Gastreferenten ergänzt wird.

In diesem Jahr  war es Prof. Guiseppe Cantatore, der unter anderem die Arbeitsweise und den Einsatzbereich  von „PathFile“ – Instrumenten und „StartX“ –  Stahlultraschallansätzen erläuterte und die praktische Handhabung aus seiner Sicht darstellte.

Das Hauptthema „Revision“ deckten die gruppeninternen Referenten Dr. Edith Falten, Dr. Tom Schloss, Dr. Marco Georgi, Dr. Torsten Neuber, Dr. Henning Bahnemann und Dr. Peter Kiefner, angefangen von der Indikationsstellung durchgehend bis hin zur  Wurzelfüllung und postendodontischen Versorgung ab.

Die Atmosphäre war angenehm und kollegial.
Es gab etliche Teilnehmer, die schon zum dritten Mal dabei waren. Andere reisten  in Begleitung an, so dass sich eine familiäre Atmosphäre einstellte, in der auch offen über die Perspektiven der Endodontie in Deutschland diskutiert wurde. 
Dr. Hans – Willi Herrmann hatte im Jahr zuvor  mit einem perspektivischen Vortrag über die Zukunft der Endodontie („Endodontie – Quo Vadis“)  eine Diskussion zu diesem Thema angestossen und über verschiedene Möglichkeiten berichtet, die Endodontie in der Praxis auszuüben.
Dieses Jahr wurde das Thema aufgegriffen und von den Kollegen Dr. Florian Bertzbach, Dr. Marco Georgi und Dr. Torsten Neuber ausgestaltet, die jeweils eine allgemeinzahnärztliche Praxis mit endodontischem Tätigkeitsschwerpunkt, die Tätigkeit als Endospezialist im Rahmen einer Spezialistengruppe und eine reine Endopraxis auf Überweiserbasis vorstellten.

Die Unterschiede im Behandlungsspektrum, die Beziehung zu den Überweisern und die daraus resultierenden Unterschiede traten so deutlich zu Tage und schnell wurde klar, dass viele Faktoren wie Praxisstandort, Fortbildungsstand der Kollegenschaft und die eigenen Wünsche für die optimale Tätigkeitsform entscheidend sind. Um dies zu überdenken und zu diskutieren, bot die Veranstaltung einen optimalen Rahmen und dementsprechend positiv fiel die Resonanz der Teilnehmer aus.

Schon jetzt steht daher fest: Für das nächste Jahr ist wieder ein Treffen auf Mallorca angedacht.

Kurz oder lang?

von Ronald Wecker

Folgender Behandlungsfall zeigt die Wichtigkeit der endometrischen Längenmessung bei der Bestimmung der Arbeitslänge. Zugleich wird deutlich, daß das zweidimensionale Röntgenbild in diesem Punkt  Raum für Interpretationen lässt und kein verlässlicher Ratgeber sein kann. Darüber hinaus wird klar, daß der Einsatz von Lösungsmitteln im Zuge  der Revisionsbehandlung alles andere als vorteilhaft ist.

Die Patientin wurde zur Revision der Wurzelfüllung an Zahn 16 überwiesen. Das präoperative Röntgenbild zeigt eine apikale Aufhellung an der mesialen Wurzel. Das klinische Bild zeigt ein unbehandeltes 2. mesiobukkales Kanalsystem.

Die Entfernung des Obturationsmaterials aus der palatinalen Wurzel gestaltete sich überaus zäh. Im Gegensatz zu den anderen Kanälen liessen sich die im Dentalmikroskop im apikalen Drittel deutlich zu erkennenden Guttaperchareste nicht entfernen. Die vor der vollständigen Entfernung angefertigte Messaufnahme zeigt, daß das unter endometrischer Kontrolle eingebrachte Instrument deutlich vor dem Ende der Guttaperchaspitze endet. Da mehrfach wiederholte Messungen immer wieder die gleiche 0-Länge ergaben lag der Verdacht nahe, daß die restliche Guttapercha überwiegend periapikal liegt. Nach „Eindrehen“ einer Hedströmfeile der ISO Größe 30 unter endometrischer  Kontrolle gelang es schliesslich das Guttaperchstück in toto zu entfernen.

Das anschliessend angefertigte Röntgenbild zeigt eine mit der ersten Messaufnahme vergleichbare Lage des Wurzelkanalinstrumentes. Das röntgenologische Ende des Zahns weicht in diesem Fall erheblich vom Ende des Wurzelkanalsystems ab. Die Verwendung von Lösungsmittel hätte mit großer Sicherheit zu einem Verbringen von potentiell infiziertem Fremdmaterial in den Periapikalraum geführt.

Zwar dauert das Entfernen der Guttapercha mittels Handinstrumenten und Ultraschallansätzen auf den ersten Blick etwas länger. Der Vorteil der besseren Kontrolle über das zu entfernende Fremdmaterial wiegt diesen Nachteil jedoch mehrfach auf.

Radix entomolaris – Apikale Aufhellung (20)

von Ronald Wecker

Dieser Patientenfall hatte einige Schwierigkeiten parat. Neben einer Instrumentenfraktur am Zahn 35 war ein Radix entomolaris am Zahn 36 vorhanden. Diese „dritte“ Wurzel ist nicht oft zu beobachten.

Die Radix entomolaris kommt in 3-4% der europäischen Bevölkerung am ersten unteren Molaren vor. Ähnlich verhält es sich in der afrikanischen Bevölkerung. In der asiatischen Population, wie Chinesen, Eskimos und auch amerikanische Indianer ist ein Wahrscheinlichkeit des Vorkommens von 5% bis über 40% möglich.

Die Schwierigkeit der Radix entomolaris liegt nicht im unbedingt in der schwierigen Kanalstruktur, sondern in der außergewöhnlichen Lage. Der Kanaleingang liegt fast immer extrem weit distolingual. Deshalb kann dieser mit einer Perforation verwechselt werden.

Weiterhin wird im Röntgenbild diese anatomische Besonderheit nicht immer gleich sichtbar. Deshalb sind exzentrische Aufnahmen vor Behandlungsbeginn sinnvoll. Neben der parodontalen Sondierung, ist die klinische Untersuchung der Zahnkrone wichtig. Ein zusätzliche Höcker (Tuberculum paramolare)  in Kombination mit einer zervikalen Prominenz oder Konvexität, kann auf das Vorhandensein einer zusätzlichen Wurzel hinweisen.

Die Spurensuche auf dem Pulpaboden hilft oft bei der Suche nach einer Radix entomolaris. Die dunklen Verbindungslinien zeigen in Richtung des distolingualen Kanaleingangs. Dazu ist mitunter die Entfernung eines Dentinüberhanges notwendig.

radix entomolaris