Marco Versiani – The Root Canal Anatomy Project

von Hans – Willi Herrmann

Jeder Zahnmediziner kennt die wegweisenden Präparate von Walter Hess.
Ein Meilenstein in der anatomischen Darstellung von Wurzelkanälen und noch heute, bald 100 Jahre später,  ragt seine Leistung heraus.

Erst das Aufkommen des Micro CT´s  vor rund 10 Jahren  hat es möglich gemacht, mit den Resultaten von Hess gleichzuziehen, diese zu übertreffen, da mit der neuen zerstörungsfreien Technik die nachfolgende Behandlung des Zahnes und somit ein Vergleich von Ausgangs – und Endsituation möglich wird.

Prof. Marco Versiani hat mit seinem Team an der Universität Sao Paulo  in Brasilien  einer Vielzahl von Micro Ct´s von Zähnen und ihrer Wurzelkanalsystemstrukur erstellt und diese jetzt im Internet auf der Homepage „The Root Canal Anatomy Project“ allen Interessierten zugänglich gemacht.

Dafür möchte ich  ihm und seinen Mitstreitern von dieser Stelle aus im Namen des gesamten WURZELSPITZE – Teams meinen ausserordentlichen Dank aussprechen.


Es gibt wohl nur wenig Leute auf der ganzen Welt, die über vergleichbares Bild- und Video- Material verfügen, wie das hier gezeigte. In diesem Zusammenhang vielen bekannt ist Eric Herbranson, der mit dem 3D Tooth  – Atlas ein ebenso amibitioniertes, kommerzielles Produkt geschaffen hat.

Als vom Geiste Walter Hess beseelt muss aber auch an dieser Stelle ausdrücklich Holm Reuver genannt werden, der als  niedergelassener Zahnarzt in seiner Freizeit eine Vielzahl von wunderschönen transparenten Zahnpräparaten geschaffen hat, die den Vergleich mit den oben genannten Rekonstruktionen nicht zu scheuen brauchen.

Jeder, der schon einmal versucht hat, ein solches Hess -sches oder Reuver – sches Präparat herzustellen, der weiss, wie extrem schwierig es ist, solche schönen Ergebnisse zu erzielen.

Man mag geneigt sein, die Herstellung eines Micro – CT´s  hingegen als  leichte Übung einzustufen, aber dem ist nicht so.

Es gehört bei diesen digitalen Verfahren ebenso viel Erfahrung und Können dazu, um Top- Ergebnisse zu erreichen wie es bei den traditionellen „analogen“ Verfahren der Fall ist.

Woher ich dass weiss ?
Ich hatte vorgestern die Gelegenheit, mich intensiv mit dem wohl weltweit profundesten Kenner der Materie (von unserem  Tischnachbarn, Stefan Hänni,  liebevoll Mr. Micro CT genannt) zu unterhalten: Frank Paque von der Universität Zürich.
Und ich hoffe und wünsche allen Lesern hier, dass ich ihn motivieren konnte, demnächst hier  bei Wurzelspitze auch eines (besser mehrere) seiner Videos zu  zeigen.

Denn auch dieses Mal wieder, als wäre es das erste Mal gewesen, begeisterte mich die Darstellung des Wurzelkanalssystems vom Kanaleingang bis zu den Ramifikationen der Wurzelspitze im animierten Schnittbild mindestens genauso wie die Hesschen Bilder im Studium.

Und ich bin sicher, es wird Ihnen genauso gehen.

DVT in der Endodontie – Fluch oder Segen ?

von Hans – Willi Herrmann

Und da bleibt neben der Schraube nicht mehr viel übrig….

Die Quintessenz, gestern hier an dieser Stelle.

Entschuldige, Bodald, dass ich hier einhake.

Eigentlich war doch klar, das es so kommen würde.

Kaum waren ein paar DVT´s über die Zahnmedizin verstreut, schon gab es erste Stimmen, die eine 100 prozentige Misserfolgsrate endodontischer Behandlungen beschrieben.

Der zeitgemäße Gegenentwurf zur berühmten Aussage Schilders der 100 % – X Erfolgsrate.

100 Prozent Misserfolg.

Wie kann das sein ? Ganz einfach. Die geringe Aussagekraft des konventionellen 2D – Röntgens deckt gnädigerweise den Mantel des Verdeckens über die offensichtliche Insuffizienz endodontischer Behandlungen.

Und – hatte man es nicht schon immer gesagt. Ein toter Zahn ist ein Störenfried, der nicht in die Mundhöhle, sondern in den Mülleimer gehört. Stehen wir also an der Schwelle zu einem neuen Zeitalter des Exodontismus, einer Renaissance der Herdlehre ?

Naja- Die diagnostizierten 100 % Misserfolg buch ich mal unter  der Rubrik „Neues Spielzeug und übermotivierter Behandler“ ab.

Trotzdem ist klar. Ein Verfahren, das genauer hinschaut, wird mehr Misserfolge aufdecken. Das ist Fakt.

Also doch – das DVT – Totengräber der Endodontie ?

Seh ich nicht so.

Ganz im Gegenteil.

Natürlich wird das DVT Misserfolge in der Endodontie aufzeigen.
Misserfolge, die man bisher sich nicht ansehen musste, weil man diese bisher als solche nicht wahrnehmen konnte. Und  der Patient von diesem Misserfolg nichts mitbekam. Dem ging es  gut, oder zumindest meinte er das.

Anderserseits – und das ist die gute Nachricht. Das DVT kann auch Heilung dokumentieren. Auf eine eindeutige und nachhaltige Art und Weise, wie es uns bisher noch nie möglich war.

Knochen weg – WK/ WF – Knochen wieder da.

Restitutio ad integrum statt Zahnersatz.

Darin  liegt also auch eine Chance der Endodontie. Fakten, Fakten, Fakten.  Im 2 D – Röntgenbild sieht ja vieles gut aus. Selbst viele richtig schlechte Sachen.

Das DVT gibt uns also nicht nur die Möglichkeit, Erfolge und Misserfolge viel genauer als bisher zu differenzieren, sondern auch unsere Techniken auf ihre Eignung hin zu überprüfen. Sehenswerte  Statements wie diese hier von der Tulsa Dental  – Homepage sind die ersten Vorboten der neuen Technologien (DVT, Micro CT)  und zeigen, dass es uns möglich sein wird, Materialien und Methoden in der Endo miteinander zuvergleichen.

Das DVT wird die Endodontie voranbringen.
Und dadurch wird sich gute Endodontie gegenüber der Implantologie behaupten können.

Fakten, Fakten, Fakten. Ich rechne fest damit.

Unsere Erde

von Hans – Willi Herrmann

Eine sehenswerte Naturdokumentation mit dem Titel „Unsere Erde“  habe ich letzte Woche gesehen.
Unter anderen zeigt die kürzlich erschienene DVD Luftaufnahmen des Okavango – Flussdeltas in Afrika.

Mich haben diese Bilder sofort an die Zahnpräparate erinnert, die Dr. Holm Reuver aus Neustadt an der Weinstrasse seit vielen Jahren anfertigt.

Was im Großen sich zeigt, findet seine Entsprechung in jedem von uns.

Und ganz gleich, ob eine Macht, die um ein Vielfaches größer ist als es der menschliche Geist je erfassen wird, für diese Strukturen verantwortlich ist, oder wirklich ein irrwitziger Zufall zur ihrer Entstehung geführt hat.

Es  bleibt die Ausserordentlichkeit der Existenz alldessen.
Und daraus erwächst die Ehrfurcht, verantwortungsvoll mit dem, was wir vorfinden, umzugehen, im globalen Maßstab, also die Natur betreffend genau wie im Kleinen, im Wurzelkanal.
Sich dieser Strukturen bewußt zu sein und mit der entsprechenden Sorgfalt diese Strukturen zu behandeln und zu erhalten, sollte unser aller Ziel sein.

Es ist der große  Verdienst Holm Reuver (ich werde nicht nachlassen, ihm das immer und immer wieder zu sagen, auch wenn er dies genauso oft in seiner bescheidenen Art mit einer Handbewegung, versucht wegzuwischen, zumindest zu relativieren) mit seinen beeindruckenden Bildern und Videos uns diese Strukturen vor Augen zu führen.
Mit einfachsten Mitteln erstellt und für jeden Zahnarzt nachbildbar.
In einer exzellenten Qualität der Präparate und in Foto und Video – Aufnahmen dokumentiert, die auch im Zeitalter der Micro – Computer Tomografie  den Vergleich mit um ein Vielfaches aufwändigeren und teureren Computer – Rekonstruktionen  nicht scheuen müssen.

Auf der Frühjahrsakademie der Deutschen Gesellschaft für Endodontie  in Halle im März 2009  wird Holm Reuver seine Arbeitstechniken zum Transparentmachen von Zähnen im Rahmen eines Workshops vorstellen.
Ich weiss nicht, ob überhaupt noch Plätze frei sind, aber ein Nachfragen lohnt sich sicherlich.

Jeder, der solche Präparate sieht oder selbst herstellt, wird nicht umhin kommen, seine endodontischen Techniken kritisch zu hinterfragen und gegebenfalls auf Grund dessen zu modifizieren.