Weitere hygienefähige Tastaturen

von Hans – Willi Herrmann

Es ist schon interessant, welche Dynamik manche Sachen entwickeln.
Kaum hatte ich die auf der IDS vorgestellte Clean Keys – Tastatur in unserer Praxis, warteten meine Mitarbeiter mit einer Reihe von Alternativen auf.

300 Euro ? 400 Euro ? Für eine Tastatur ? Das muss doch auch günstiger gehen, war der Tenor.

Zunächst erinnerte sich eine Mitarbeiterin, in einem Katalog vor kurzem Tastaturüberzüge entdeckt zu haben. Aber in welchem Katalog ? Irgendein Katalog ihres Mannes könnte es gewesen sein, aber welcher ?

Sie versprach, nachzuschauen und kam nach dem Wochenende in die Praxis zurück, einen Katalog unter dem Arm, jedoch mit der entäuschenden Nachricht, dass sie trotz dreimaligem Durchblättern besagte Abdeckfolien nicht gefunden hatte. Ein weiteres Durchblättern in der Praxis brachte zwar immer noch kein Ergebnis diesbezüglich, aber im Katalog  fanden sich Silikon – Tastaturen.
Flüssigkeitsdicht und daher für unsere Zwecke geeignet. 17 Euro, die billigere  der beiden.  General Keys der Hersteller, gefunden im PEARL – Katalog. Her damit.

Kaum waren diese in unserer Praxis angekommen (ich schreibe diese, denn es gab im Katalog  eine kabelose und eine USB – Version und wir haben beide geordert)  fand sich der Katalog wieder, in dem die Tastaturüberzüge aufgeführt waren.

Sollten wir die Überzüge nicht auch probehalber bestellen ?
Schließlich hatte sich nach kurzer Zeit schon gezeigt, dass sowohl die Glas- als auch Silikon – Tastatur ihre „Eigenheiten“ hatten, das Schreiben mit beiden unterschiedlich, jedoch so oder so  gewöhnungsbedürftig ausfiel.

Ich war kurz davor, die Hüllen (leider nur im 400 Hunderter Pack) zu bestellen, aber wir  werden zunächst abwarten.
Denn parallel zu den beiden Test – Tastaturen haben wir die vorhandenen Tastaturen in Folie verpackt.
Melitta – Folie. Hätte man früher gesagt. Keine Ahnung, wie die Folie heute heißt. Toppits vermutlich. Aussen Toppits, innen steril.

Egal, die Melitta – Folie läuft ausser Konkurrenz.
Nur um zu sehen, ob dies überhaupt funktionieren kann und mit welchen Kosten und Arbeitsaufwand eine eingepackte konventionelle Tastatur verbunden ist.
In zwei drei Wochen wissen wir mehr.

Toxavit – In den Osterferien auf Platz 1

von Hans -Willi Herrmann

Es war schon vor der Osterpause abzusehen und es so ist es auch gekommen.
Denn es vergeht selten bis kaum ein Tag, an dem der  Begriff   „Toxavit “ sich nicht in der Auflistung der WordPress – Suchbegriffe wiederfindet.

„Toxavit“ ist gegenwärtig der meistnachgefragte Suchbegriff bei WURZELSPITZE und kein anderer Artikel wird zur Zeit häufiger aufgerufen als unser Blogbeitrag „Toxavit – Nekrose“.
Wie schon erwähnt geht aus den Suchanfragen hervor, dass es Laien sind, also vermutlich zumeist Patienten, die  hier nachfragen.
Und leider lassen die eingegebenen Stichworte auch den Schluss zu, dass offensichtlich schon unangenehme Dinge passiert sind, die den Patienten veranlassen, Suchmaschinen wie Google und Co diesbezüglich in Anspruch zu nehmen.

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass ein heftiger Streit über den Sinn und Unsinn, den fraglichen oder tatsächlich vorhandenen Nutzen von CHKM entbrannt ist. Mit  öffentlichen Diskussionsveranstaltungen wortgewaltiger Vertreter aus Hochschule und Praxis, die deutschlandweit fachintern hohe Beachtung finden.

Keine Ahnung, ob CHKM per se krebserregend ist, wie es neulich zu hören war.
Wenn ja, in welchen Konzentrationen, in welcher Menge, über welchen Zeitraum müsste dieser Wirkstoff einwirken, um seine krebserregende Wirkung entfalten zu können ?

Auch Röntgenstrahlen sind krebserregend, ebenso wie Zigarettenrauch.
Das radioaktive Edelgas Radon hilft Patienten. Diese kommen nach Bad Kreuznach, um sich bewußt einer potentiell krebserregenden Substanz auszusetzen.
LSD führt bei Spinnen in geringen Dosen dazu, dass diese perfekte Netze weben, viel genauer, als sie dies ohne diese Substanz vermögen würden.  Höhere LSD – Gaben führen allerdings dazu, dass die Spinne nicht mehr in der Lage ist, ein auch nur einfach strukturiertes Netz aufzubauen.

Jedes Ding ist Gift und kein Ding ist ohne Gift, allein die Dosis macht, dass ein Ding kein Gift ist.“  Wer sagte das ? Paracelsus.

Während also laut und wortstark diskutiert wird, ob CHKM nützlich und harmlos oder ohne Nutzen und schädlich sei , kommen währenddessen unentwegt, ohne dass vernehmbarer Widerstand auch nur von  einer der beiden Parteien geäußert werden würde, paraformaldehydhaltige Medikamente zur Devitalisierung von Zähnen zum Einsatz.
In hoher Zahl wohlgemerkt, daran besteht kein Zweifel, dokumentiert durch in Anspruch genommene Abrechungspositionen der Behandler.

Wir sprechen nicht von Tausenden von Behandlungen pro Jahr, nein von Zehntausenden, ja von Hunderttausenden  von Behandlungen pro Jahr und dass, obwohl die Deutsche Gesellschaft für Zahn- Mund und Kieferheilkunde (DGZMK) bereits seit vielen Jahren eine solche routinemäßige Vorgehensweise als nicht mehr indiziert und obsolet eingestuft hat.

Warum also kommen paraformaldehydhaltige Medikamente weiterhin zum Einsatz ?
Amalgam und Glühbirnen sollen  verboten werden,  aber die Gebührenposition DEV, die den Einsatz besagter Mittel beschreibt, wurde bei der letzten Änderung der BEMA – Gebührenordnung höher bewertet.
Dass heisst,  der Zahnarzt, der ein solches Verfahren anwendet, bekommt sogar mehr Geld als früher.
Gleichzeitig mit der Aufwertung der DEV wurden  andere, zahnmedizinisch sinnvolle Massnahmen niedriger bewertet oder ab 2005 sogar aus dem Gebührenkatalog gestrichen wurden.

Warum werden zum Beispiel zahnmedizinische Massnahmen, wohlgemerkt sinnvolle zahnmedizinische Maßnahmen im Rahmen der Wurzelkanalbehandlung, die als PHYS bis 2004 von den gesetzlichen Krankenkassen bezuschusst wurden, aus dem Gebührenkatalog herausgenommen.

So dass diese nicht mehr erbracht oder vom Kassenpatienten selbst bezahlt werden müssen.

Stattdessen wird ein  Verfahren, für dass es meines Erachtens (was wenig zählt) keine Notwendigkeit, keine Berechtigung mehr gibt ( ich habe im Rahmen meine zahnärztlichen Tätigkeit seit 1990 noch nie ein paraformaldehydhaltiges Präparat eingesetzt) und welches nach Ansicht der Fachgesellschaften nur noch in Ausnahmefällen, wenn überhaupt, zum Einsatz kommen sollte,  weiterhin bezahlt und sogar höher bezuschusst  als früher.

Das verstehe, wer will…

Ich will weder den Gebrauch von CHKM noch von LSD propagieren und ich bin froh, dass es ein Rauchverbot in der Öffentlichkeit gibt.

Aber – ich finde, es wird mit zweierlei Maß gemessen, wenn im Schatten jeglicher CHKM – Diskussionen  die Tatsache nicht wegzudiskutieren ist,  dass paraformaldehydhaltige Präparate Tag für Tag in  deutschen Praxen zum Einsatz kommen.
Bei einer Dosierung (siehe Paracelsus),  die, sofern auch nur die geringste Öffnung einen Austritt aus dem Zahn in den Knochen zulässt, ein Absterben des den Zahn umgebenden Knochens zur Folge haben kann.

Totenkopf

Totenkopf

Frohe Ostern

von Hans – Willi Herrmann

WURZELSPITZE macht eine Osterpause.
Pünktlich zum Ende der Osterferien am 20. April geht unser Blog wieder auf Sendung.

Bis dahin eine schöne Zeit mit und ohne Zahnmedizin und Frohe Ostern !

Frohe Ostern

IDS 2009 (8) Neue Spitzen braucht das Land

von Hans – Willi Herrmann

Man kann nicht sagen, dass es bei Maillefer nichts Neues gab, dieses Jahr auf der IDS.

Über die  Path Files und die GTX Feilen habe ich schon berichtet.
Jetzt sind die Start X – Ultraschallspitzen an der Reihe.

Ihr besonderes Kennzeichen mit Alleinstellungsmerkmal (Businessleute sprechen natürlich vom „USP“) ist ihre nicht diamantierte Oberfläche. Durch eine Rillung wird auch ohne Diamantierung ein effizienter Substanzabtrag erreicht.

Und wo keine Diamantierung, da kann auch nichts abgehen.
Denn nichts ärgert mehr als die 100 Euro Ultraschallspitze, bei der sich beim ersten Arbeiten schon eine metallisch glänzende Oberfläche bildet, weil die Diamantierung an dieser Stelle verlustig gegangen ist.
Doch – eine Sache ist noch schlimmer. Wenn die 100 Euro – Spitze beim ersten Einsatz bricht, aber das ist eine andere Geschichte.

Die Start X -Spitzen sind auf jeden Fall ziemlich robust (ich habe diese seit Juni 2008 in der Praxis und es ist noch keine gebrochen, allerdings setze ich in der Regel für das Darstellen von Isthmen und versteckten Kanaleingängen den Komet – Rosenbohrer ein, so dass die grazile Start X 3 – Spitze in unserer Praxis nur eins, zwei mal in dieser Zeit zum Einsatz gekommen ist).

Am Anfang war das Arbeiten mit den Start X ungewohnt.
Ich war sogar geneigt, diese als wenig effizient einzustufen, aber das stimmt so nicht.

Die Instrumente sind in ihrer Effizienz sehr wohl mit diamantierten Ultraschall – Ansätzen vergleichbar.
Allerdings muss man seine Arbeitsgewohnheiten etwas (keine Angst nur ein wenig) an die Spitzen anpassen. So arbeiten auf Grund der größeren Schwingungsamplitude die Instrumente effizient im unteren Spitzenbereich. Der Abtrag im oberen Bereich fällt gegenüber diamantierten Spitzen geringer aus.
Das kompensiert man sehr schnell, indem man gezielt die untere Hälfte des Instrumentes einsetzt.
Auch ein etwas stärkerer Druck nach lateral, zum Werkstück „Zahn“ hin ist sinnvoll, weil effizienzsteigernd. Seitdem ich diese Dinge herausgefunden habe, arbeite ich recht gerne mit der Start X 1 und 2.

Achja, eine Sache noch.
Die StartX – Spitzen  sind günstiger als diamantierte Spitzen.
Es gibt sie in zwei verschiedenen Versionen, jeweils passend für Ultraschall- Geräte mit „EMS“- und mit „Satelec“ – Gewinde.

IDS 2009 (7) Microscopes are here to stay

von Hans – Willi Herrmann

Spätestens mit dieser IDS ist es nicht mehr zu übersehen.

Das Dentalmikroskop hat sich seinen festen Platz in der Zahnmedizin erobert.

Erkennbar an 2 Dingen.

Zum einen gab es eine ganze Reihe von Ständen, an denen ein Dentalmikroskop den Kollegen zum Arbeiten und zur Visualisierung zur Verfügung stand. Immer und immer wieder, wenn man durch die Reihen ging, gab es die verschiedensten Mikroskope an den Ständen der Aussteller zu entdecken. Und diese Mikroskope wurden genutzt.
Wohlgemerkt, ich rede von Ständen, die keine Mikroskope verkaufen.

Zum anderen hat OMS, ein italienischer Hersteller u.a. von zahnärztlichen Behandlungseinheiten den ersten Zahnarztstuhl vorgestellt, in den ein Dentalmikroskop als fester Bestandteil integriert ist.

Ein Kaps – Mikroskop, wie unschwer zu erkennen ist.

Bleibt nur die Frage, wann Kavo oder Sirona die erste integrierte Lösung mit einem Zeiss Pro Ergo anbieten werden. Spätestens dann ist das Dentalmikroskop zahnärztlicher Mainstream geworden. Wird aber vermutlich noch etwas dauern.

Dentalmikroskop am Stuhl

Saubere Tasten

von Hans – Willi Herrmann

Die CleanKeys – Tastatur ist heute angekommen.

Angenehmer Kontakt mit Herrn Neuens, dem Vertreiber dieses Produktes. Schnell und umkompliziert hat er die Tastatur geliefert.

Sie kostet  331.24€ inkl. Luxemburger MwSt. plus 15€ Porto & Verpackung. Das war der IDS – Messepreis. Regulär kostet die Tastatur 390 Euro + MWS.

Zur Zeit gibt es die Tastaturen nur in Glas.
Eine Acrylversion, wie sie auf der Homepage des kanadischen Herstellers zu sehen ist, kann bei gleichem Preis mit deutschem Tastaturlayout hergestellt werden, wenn sich mindestens 100 Interessenten finden sollten.

An der Hygiene ändert sich nichts bei Acryl gegenüber Glas.
Das Acryl ist lediglich etwas anfälliger gegen Kratzer, dafür bricht es aber nicht.
Mit Acryl ist das Keyboard etwas leichter.

Angst, dass die Tastatur runterfallen könnte, habe ich nicht.

Schon eher, dass etwas auf die Tastatur drauffallen könnte.
Ein Glasbruch ist im Übrigen nie ein Garantiefall, dass nur als Hinweis an meine Assistentinnen.

Vor meinem geistigen Auge sehe ich schon das Dappenglas, dass aus dem Hängeschrank über der Hinterkopfzeile rollt und auf der Tastatur landet, um dort  spinnennetzartige Risse im Glaszu hinterlassen.
Mag sein, dass die Glas – Variante edler aussieht, aber irgendwie, wie war das mit Pferden vor Apotheken, ist mir die Acryl – Variante nicht unsympatisch.

Vielleicht auch deshalb, weil ich von einem meiner Mac´s ohnehin eine weisse Plastik – Tastatur gewohnt bin.

Apro po Mac.
Nach der Mittagspause lag die Tastatur in meinem Büro.
Und deshalb habe ich sie kurz entschlossen an meinem Imac ausprobiert.

Die Installation ging problemlos. Plug and Play. Sie funktioniert also auch mit Apple – Rechnern.
Nur den Klammeraffen @ konnte ich (noch) nicht auswählen. Keine Ahnung warum, ich hatte aber keine Zeit, dem Problem auf dem Grund zu gehen.

Das Schreiben ging schon ganz gut.
Natürlich fehlt viel von der Haptik einer normalen Computertastatur, was zunächst bei mir zu einer leicht herabgesetzten Schreibgeschwindigkeit führte. Ich denke, dies wird allen Leuten, die schnell schreiben, ähnlich gehen.
Je unversierter der Schreiberling ist und je mehr sein Schreibstil dem 2 Finger Suchprinzip ähnelt, umso geringer wird vermutlich die Schreibdifferenz ausfallen.

Aber verglichen mit dem virtuellen Keyboard meines Iphones (dessen Bedienung am Anfang ungewohnt war und das ich heute ohne Probleme bediene) erscheint mir der Umgewöhnungsprozess vergleichsweise unproblematisch.
Ich bin daher zuversichtlich, dass man nach entsprechender Eingewöhnungszeit mit der CleanKeys – Tastatur zumindest annähernd so schnell und sicher schreiben kann wie mit einer konventionellen Tastatur.

In die Tastatur ist  ein Trackpad integriert ist, dass eine Maus weitestgehend hinfällig werden lässt (auch wenn die Tastenergonomie der Apple Mighty Mouse nicht 1 zu 1 reproduziert werden kann).

Die leicht aufgerauhte Glasoberfläche erlaubt auch mit Handschuhen eine praxisgerechte Positionierung des Mauszeigers.

Das Trackpad ist,  unter Hygieneaspekten gesehen, eine tolle Sache.

p.s.: Den Klammeraffen @ habe ich im Übrigen mittlerweile auch gefunden. Er findet sich unter der Tastenkombination alt gr  L.

IDS 2009 (6) And then they were three…

von Hans – Willi Herrmann

Und gleich noch ein Thermafil – Clone hinterher.

Sybron Endo hat RealSeal1- Obturatoren im Programm.

Die auf den ersten Blick, von der weißen Farbe des Füllmaterials mal abgesehen, sich nicht grundlegend von Thermafil zu unterscheiden scheinen.
Wenngleich, es gibt bedeutsame Unterschiede gegenüber dem Thermafil- Original.

1. Als Wurzelfüllmaterial wird Resilon verwendet.
Ein Kunststoffmaterial, dass in Kombination mit einem dazu passenden Sealer einen adhäsiven Verbund zwischen Kanalwand, Sealer und Kernmaterial sicherstellen soll.
Ich sage soll, denn entgegen der euphorischen Aussagen zur Markteinführung des Materials im Sinne von „Guttapercha war gestern“ ist mitterweile ein wenig Ernüchterung eingekehrt, denn die wissenschaftliche Datenlage ist heute deutlich uneinheitlicher als noch vor ein paar Jahren.

2. Im Gegensatz zu Thermafil sind bei den Realseal1- Obturatoren plastifizierbare Masse und Carrierkern aus dem gleichen Grundmaterial. Inwieweit dies von Vorteil ist, darauf werden wir etwas weiter unten noch zu sprechen kommen.

3. Es gibt 2 Möglichkeiten der Obturatorenherstellung: Tauchbad oder Spritzguss bzw. Injektion.
Die Realseal1 – Obturatoren sind gespritzt, erkennbar an kleinen Impressionen im Obturator, die auf Abstandshalter zurückzuführen sind. Diese ermöglichen  eine exakte Zentrierung des Carriers mittig im zu plastifizierenden Material.
Ein nicht beabsichtigtes Herausbiegen des Carriers im gekrümmten Kanal ist weniger wahrscheinlich als bei einem dezentral platzierten Carrier, wie es beim Tauchverfahren vorkommen kann. Und selbst der Carrier sich rausdrücken sollte,  ist es laut Hersteller bei Realseal1 nicht schlimm, weil ja auch der Obturator mit dem Sealer eine adhäsive Verbindung eingehen kann.

Und noch einen Unterschied gibt es zwischen Thermafil und Realseal1.
Die Carrier lassen sich ebenso wie die Obturator – Randmasse mittels Lösungsmittel erweichen. Damit sind Bedenken, im Falle einer Revision den Carrier nicht aus dem Wurzelkanal entfernen zu können, unbegründet.

Ich halte dies für das bedeutendste Feature von Realseal und es würde mich nicht wundern, wenn man bei zukünftigen Thermafil – Generationen dieses Carrier – Merkmal auch finden würde.

IDS 2009 (5) Stolz und Vorurteil

von Hans – Willi Herrmann

Auf der IDS  2009 hat VDW ein carrierbasiertes Wurzelfüllverfahren vorgestellt.
Ein Thermafil – Derivat.
VDW GuttaMaster.

Und oft, wenn über carrierbasierte Füllverfahren am Zahnärztestammtisch gesprochen wird, ist das Urteil schnell gefällt: Solche WF – Verfahren sind schlecht.

Und bei vielen Endo- Spezialisten fällt das Urteil nicht besser aus.
Thermafil, vor über 20 Jahren von Ben Johnson erfunden, sei keine den klassischen warmen Verfahren adäquate Füllmethode, wird verächtlich herabgeblickt.

Interessanterweise sagt die wissenschaftliche Literaturlage zu Thermafil genau das Gegenteil.

Zum Beispiel, das man damit mehr laterale Kanäle abfüllen kann als mit den so hoch angesehenen Original – Methoden.
Oder, dass bei Thermafil man sicher sein kann, dass die Guttapercha, die apikal ankommt, plastisch ist, im Gegensatz zu manch anderer Vorgehensweise, die sich, ohne die rosarote Brille des vermeintlich versierten Wurzelkanalbehandlers betrachtet, in der Realität leider oft nur als apikale Zentralstift -Technik herausstellt.

Woher also der vermeintlich schlechte Ruf eines solchen Wurzelfüllverfahrens ?

Ironischerweise zum nicht unbeträchtlichen Teil auf Grund der Tatsache, dass Thermafil/GuttaMaster vergleichsweise einfach durchzuführen ist.
Das ist ja mal per se nichts Schlechtes.
Eigentlich sogar mal erfreulich gut, denn bis dato erforderten warme Guttapercha – Verfahren einen, vorsichtig formuliert, nicht unbeträchtlichen Aufwand.
Allerdings verleitet das natürlich auch sehr leicht dazu, dass dieses Verfahren in Wurzelkanälen eingesetzt wird, deren Aufbereitung den Einsatz warmer Verfahren gar nicht zulässt.

Ich formuliere es jetzt einmal provokativ.

Weil das Verfahren es zulässt, das jeder Wald- und Wiesenzahnarzt nun meint, mit warmer Guttapercha arbeiten zu können, heißt das noch lange nicht, dass die Wurzelkanalpräparation dies auch hergibt.
Allzu oft ist in der Vergangenheit eine grottenschlechte Wurzelkanalbehandlung und mangelhafter Desinfektion mit  einer Thermafil -Füllung abgeschlossen worden, weil der Behandler meinte, dem Patienten damit etwas Gutes zu tun und sich plötzlich in der Lage sah, seine endodontischen Fähigkeiten mit dem Begriff 3D – Wurzelfüllung zu adeln.

Mal abgesehen davon, das jede Wurzelkanalfüllung, gleich ob warm oder kalt, eine 3D- Wurzelfüllung darstellt, kann eine Thermafil oder jetzt GuttaMaster – Füllung die Fehler, die im Vorfeld im Rahmen der Aufbereitung und Desinfektion bereits gemacht wurden, nicht rückgängig machen.

Der zwangsläufig dadurch entstehende Misserfolg wurde natürlich nicht dem Unvermögen des Behandlers, sondern der Carrier – WF zu geschrieben.

Nur so am Rande: An die komplizierte klassische Schilder – Technik hätte er sich nie dran getraut, aber einen Carrier in den Wurzelkanal einzuschieben, dass ist einfach und deshalb hat er es ausprobiert.
Gescheitert ist er aber nicht am Carrier -System, sondern an seinem eigenen Unvermögen, denn es gibt eine ganze Reihe exzellenter Praktiker, die mit Thermafil arbeiten und herausragende Ergebnisse erzielen.

Auf der anderen Seite ist möglicherweise Thermafil zu einfach, für all diejenigen, die sich im Laufe der Jahre auf die konventionellen warmen Techniken eingeschossen haben.
Gemäß des Mottos:“ Was einfach ist, kann nicht gut sein“.
Denn dann müsste man sich ja möglicherweise schmerzhaft eingestehen, dass man sich all die Jahre umsonst gequält, eventuell sogar einem Phantom nachgejagt ist und es viel viel leichter hätte haben können. Da ist es einfacher und besser für sein Seelenheil, sich gar nicht mit Carrierverfahren zu beschäftigen, auch wenn diese sehr wohl einige Vorteile gegenüber etablierten und renommierten Vorgehensweisen aufweisen können.

Und noch ein wichtiger Aspekt: Nur weil Thermafil einfach zu applizieren ist, heißt das noch lange nicht, dass man nicht ein paar wichtige Dinge beachten muss, um mit dieser Methode den bestmöglichen Erfolg zu haben. Aber da geht es Thermafil/Guttamaster nicht anders als jedem anderen Verfahren in der Endo.

Leider ist in der Vergangenheit dieser Aspekt zu wenig kommuniziert worden.
Auch dies kann dem Verfahren per se nicht angelastet werden, höchstens der Marketing – Abteilung der betreffenden Firmen, die diese Produkte im Markt zu platzieren versuchten, in dem sie suggerierten, dass eine WF mit warmer Guttapercha jetzt kinderleicht sei.

Ganz so ist es nämlich nicht.

Fakt ist: Es gibt ein paar Dinge, die beachtet werden müssen mit Thermafil/GuttaMaster, um das System adäquat einsetzen zu können.
Und es gibt Eigenarten, die man genau wissen sollte (wie bei jedem anderen WF – System auch).

Darüber demnächst mehr an dieser Stelle.

GuttaMaster

IDS 2009 (4) Die kleinen Dinge im Leben

von Hans – Willi Herrmann

Was ist das wirklich Tolle an der IDS ?

Für mich weder irgendwelche Werbepräsente noch Fingerfood, Kölsch oder Sekt und auch keine Aftershow – Parties. Sondern schlichtweg die Möglichkeit, viele kleine Firmen und ihre teilweise hoch innovativen Produkte kennenlernen zu können.

Und dank des Internets haben wir heute sogar die Chance, an der Messe zu partizipieren, wenn wir nicht oder nicht mehr vor Ort sind.

So wie im Falle der Cleankeys Tastatur des kanadischen Herstellers Touchfree Computing. Diese  habe ich nämlich erst nach meinen Messetagen kennengelernt, durch einen Hinweis des Kollegen Andreas Bien, bei dem ich mich an dieser Stelle herzlich für den Tipp bedanken möchte.

Während wir (mit „wir“ meine ich das gesammelte Wissen mannigfaltiger Expertenkommisionen, das letztendlich in neuen RKI – Richtlinien sich kondensiert) nämlich seit längerem angestrengt schon darüber nachdenken, wie es uns gelingen kann, mittels Vakuumautoklaven auch das letzte Bakterium aus den abstrusesten Nischen von Winkelstücken zu vertreiben, wird gänzlich ausser acht gelassen, dass wesentlich naheliegendere Kontaminationsquellen vollkommen unberücksichtigt werden.
Stichwort Kreuzkontamination.
Jede Computertastatur, jeder Kugelschreiber, die/der während  der Behandlung berührt wird, ist als kontaminiert und damit potentiell infektiös anzusehen. Und auch wenn man im Rahmen des praxisinternen QM übereinkommt, Eintragungen, Variante 1, erst nach der Behandlung durchzuführen oder Variante 2, jedes Mal aufs Neue eine Dekontamination der Hände (Handschuhe aus, Händedesinfektion, Schreiben, Händedesinfektion, neue Handschuhe an) durchzuführen , so sind wir uns alle einig, dass dieser fromme Wunsch im Praxisalltag nur unzureichend umzusetzen ist.

Schon mal eine Computertastatur desinfiziert ? Ganz gleich ob in Kunststoff -Folie verpackt oder nicht.
Ich sehe, wir verstehen uns.

Die CleanKeys Tastatur erscheint mir da ein deutlich gangbarerer Weg zu sein, viel besser als alle anderen bisher bekannten Tastatur – Alternativen wie Edelstahl -, Silikon- oder virtueller Laser – Tastatur.

Die Konsequenz ?

Eine Tastatur mit Schweizer Layout (eine deutsche Version gibt es noch nicht) ist auf dem Weg zu mir und ich werde berichten, sobald das erste Exemplar bei uns in der Praxis Anwendung findet.

CleanKeys 1

IDS 2009 (3) Neue Nickel – Titan – Systeme

von Hans – Willi Herrmann

Über die  Twisted Files von Sybron Endo, dem ersten NiTi – System der 4. Generation haben wir gestern, über die nagelneuen Path – Files von Maillefer vor kurzem berichtet.
Und bei Maillefer gibt es als IDS- Premiere darüber hinaus ein weiteres neues Nickel – Titan  System für den deutschen Markt.
Die GTX – Feilen sind die Weiterentwicklung der System GT – Feilen, die wiederum auf den bereits 1999 in Deutschland vorgestellten GT Rotary Files aufbauten. Sozusagen also die dritte Generation dieser Instrumente aus der Hand von Steve Buchanan, und diese Versionnummer 3 besteht zu Recht, denn die Feilen sind eine deutliche Weiterentwicklung. Im Plexiglasblock arbeiteten die flexiblen, da speziell wärmebehandelten Instrumente effizient und meisterten sogar den tückischen S – Block  tadellos.

Auch bei Komet gibt es zwei neue Ni –  Ti – Systeme, beide wie vom Hersteller gewohnt,  titannidridbeschichtet für eine höhere Schneideneffizienz und längere Haltbarkeit.
Die bekannten Alpha -Feilen wurden in das AlphaKite – System überführt.
Namensgebend  ist der drachenförmige Querschnitt der Feilen, die in Crown Down -Technik eingesetzt werden.
Mit dem EasyShape – System wurde ein zweites System aufgelegt, dessen Ähnlichkeit zu  Mtwo – Instrumenten unverkennbar ist.
Ebenso wie dieses wird es in Single Length – Technik eingesetzt.
Ob es  das Mtwo – System, das laut Herstellerangaben  im  Jahr 2008 das meistverwendete NiTi – System in Deutschland war, von  Platz 1 verdrängen kann, bleibt abzuwarten, denn die Easy Shape – Feilen sind  deutlich steifer als die Instrumente des Marktführers. Es zeigt aber das Engagement von Komet in diesem Bereich, die ihre Instrumente komplett im Haus produzieren.

„Ein flotter Dreier“ – unter diesem Marketing – Claim präsentiert MicroMega seine neuen NiTi – Feilen.
Revo S.
Drei Instrumente für die Basissequenz ermöglichen eine Aufbereitung bis 25/.06.
Für höhere apikale Aufbereitungen gibt es 30,35 und 40er Instrumente in einer 6% Konizität. Eine Besonderheit des Instrumentendesigns ist der asymmetrische Querschnitt der Instrumente. Er  ermöglicht eine höhere Flexibilität im Vergleich zu Instrumenten mit symmetrischem Aufbau.
Die Revo S sind nicht die ersten Instrumente mit einem solchen Designmerkmal, hier war FKG  mit den Bio Race – Instrumenten Vorreiter, aber es ist davon auszugehen,  dass noch weitere Hersteller dieses Designfeature für zukünftige Feilengenerationen aufnehmen werden. Hier wird vermutlich ein neuer Trend gesetzt.

A pro po Biorace.
Die sind auch noch nicht so lange auf dem Markt, ein Besuch bei FKG ist daher sicherlich sinnvoll für viele endointeressierte IDS – Besucher. Und das gilt auch für einen Abstecher zu den  beiden Platzhirschen, Mtwo und ProTaper.

Nachwievor geben diese beiden Systeme den Maßstab vor, den alle anderen Systeme erfüllen müssen, und den gilt es auszuloten. Ein Besuch am Messestand macht daher Sinn, zumal VDW, solange Vorrat reicht, Mtwo – Basis -Sets im Wert von rund 24 Euro kostenlos an die Besucher ausgibt.


IDS 2009 (2) Gedränge bei Sirona

von Hans – Willi Herrmann

Heute war der erste Tag der IDS 2009, der allen Besuchern zugänglich war.
Und – um es vorweg zu nehmen – wenn es um die Abstimmung mit den Füssen geht, dann kann man sagen, dass die Weltwirtschaftskrise noch nicht in der Zahnmedizin angekommen ist, denn die Hallen waren voll mit Besuchern.

6 Prozent mehr als 2007 an den ersten zwei Tagen sollen es gewesen sein, laut Messeinfo und wenn sich dies als Trend fortsetzen sollte, dann wäre das in der Tat ein wichtiges positives Zeichen für die Branche.

Jetzt aber – nicht evidenzbasiert – meine persönlichen Eindrücke des Tages.

Besonders groß war der Andrang bei zwei Produktgruppen: Zum einem immer dort, wo 3D – Röntgen angeboten wird.
Es bleibt abzuwarten, ob, angesichts enorm hoher Investitionskosten, die aufzubringen sind, sich das Publikumsinteresse in Käufen niederschlagen wird, doch zumindest das Interesse der Zahnärzte an den Möglichkeiten der neuen Technik ist groß.

Die andere Produktgruppe, die deutlich sichtbar im Mittelpunkt des Interesses stand, waren CAD /CAM – Systeme jeglicher Art.
Schon von weitem war angesichts der Vielzahl der Besucher bei den jeweiligen Ständen zu vermuten, dass dort zahntechnische Frässysteme oder Scanner angeboten wurden. Ich schätze, dass zukünftig das Interesse an diesen Systemen noch weiter zunehmen wird und dass nach und nach solche Produktionsstätten ihren Weg in den zahnärztlichen und zahntechnischen Alltag finden werden.

Gewinner des Tages war für mich, was das Publikumsinteresse angeht, die Firma Sirona.
Es war unglaublich.
In den letzten 16 Jahren kann ich mich nicht daran erinnern, jemals auf der IDS einen Stand dieser Firma gesehen zu haben, der so von Besuchermassen belagert war, wie dies heute mittag bei Sirona der Fall war.
Die gesamte Standfläche war mit Menschen gefüllt wie die U – Bahn in Tokyo zur Rush – Hour.
Es gab kaum ein Durchkommen.
Offensichtlich  scheint die gesamte Produktpalette von Sirona ein hohes Interesse hervorzurufen, denn es gab keine freien Flächen im Messestand selbst in Randbereichen.

Und muss ich erwähnen, dass Sirona sowohl im 3D – Bereich (Galileos) wie auch im CAD /CAM – Bereich (Cerec )  Produkte im Portfolio hat, letzteres sogar mit Alleinstellungsmerkmalen  ?

Falls dem Publikumsinteresse Kaufabschlüsse folgen sollten, dann knallen am Samstag bei Sirona nicht nur Sekt, sondern vermutlich  Champagnerkorken.

Sind die Produkte herausragend, sind sie ihr Geld wert ? Ich habe keine Ahnung. Denn die begrenzte Zeit auf der Messe liess ein längeres Anstehen für einen persönlichen Test nicht zu.

IDS – 2009 (1): Twisted Files 30/.06 und 35/.06

von Hans – Willi Herrmann

Heute hat die IDS in Köln ihre Pforten geöffnet und auch wenn die revolutionäre Entdeckung im Endodontie – Bereich bisher ausgeblieben ist, so hat der erste Messetag doch eine Reihe von interessanten Dingen zutage gefördert, über die ich in den nächsten Tagen berichten werde.

Beginnen möchte ich mit den Twisted Files von Sybron  Endo.

Die enorme Flexibilität dieser Instrumente, die einer spezielle Wärmebehandlung unterzogen werden, um diese anschließend verdrillen zu können, schreit förmlich nach Greater Taper – Instrumenten mit größerem apikalem Durchmesser.
Aus Kapazitätsgründen waren bisher nur 25er Instrumente auf dem Markt.
Jetzt – endlich – gibt es auch Instrumente 30/.06 und 35/.06.
Die Flexibilität erscheint auf den ersten Blick noch einmal höher als bei den Mtwo – Instrumenten gleichen Durchmessers, die bisher die Messlatte angelegt hatten. 

Ich werde auf jeden Fall die neuen Twisted – Files in stark gekrümmten Kanälen zum Einsatz bringen, um zu sehen, wie diese solch schwierige Situationen meistern werden.

 

Twisted Files

Toxavit – Auf Anhieb in die Top 3

von Hans – Willi Herrmann

Dieser Internet – Blog basiert auf WordPress als Kommunikationsplattform und man findet dort nicht nur Werkzeuge zum Erstellen und Auditieren der Beiträge, sondern darüber hinaus bekommt man auch Infos, mit welchen Stichworten als Suchbegriff unser Blog „WURZELSPITZE“ aufgesucht wurde.

Ein Stichwort taucht auffallend häufig auf: „Toxavit“.

Es vergeht seit Einstellen der Beiträge zu diesem Thema kaum ein Tag, an dem nicht nach „Toxavit“gesucht wird.
Und so ist der Beitrag „Toxavit -Nekrose“ innerhalb kürzester Zeit in der Hitliste der meistangeklickten Beiträge bereits auf Platz 3 vorgerückt.
Alle anderen Beiträge haben, um in diese Regionen vorzustossen, wesentlich länger benötigt oder konnten auf eine besondere Erwähnung an anderer Stelle zurückgreifen.

Offensichtlich scheint also ein nicht unerhebliches Interesse zu bestehen an Infos zu „Toxavit“.

Aber von wem geht es aus ?
Von den Zahnärzten ?
Eher unwahrscheinlich.
Die kennen sich mit diesem Material aus. Insofern ist hier meines Erachtens das Interesse nicht sonderlich hoch.

Oder doch von den Patienten, die in Kontakt mit dem Material gekommen und gegebenenfalls sogar unangenehme Erfahrungen damit gemacht haben? Darauf deuten zumindest Suchbegriffe wie „Toxavit Liegedauer“ und „Toxavit Nekrose“ hin. Anbei Suchanfragen von heute.

Wenn dem so wäre, dann gibt es offensichtlich doch häufiger Probleme mit Toxavit oder die Patienten stellen zumindest hinsichtlich der Natur des Materials Nachforschungen an.

Das sollte jeden Toxavit – Anwender nachdenklich machen.

 

Toxavit Suchworte

Meine Zähne – mein Leben lang

von Hans – Willi Herrmann

Pünktlich zur IDS präsentiert VDW eine neue Patientenbroschüre zum Thema „Endodontie“.

In moderner optisch ansprechender Form erklärt die Broschüre kurzgefasst, aber  dennoch auch für den Nichtfachmann gut nachvollziehbar, die Gründe für die Durchführung und die Abläufe im Rahmen einer Wurzelkanalbehandlung.
Anschauliche Grafiken und Fotos illustrieren und verdeutlichen die Sachverhalte.

Im Wartezimmer ausgelegt oder dem Patienten zur Vorabinformation mitgegeben stellt der Info – Flyer mit dem Titel „Meine Zähne – mein Leben lang“  ein nützliches Hilfsmittel zur Patientenaufklärung dar, in der auch der Hinweis nicht fehlt auf Kosten, die gegebenenfalls von Krankenkassen nicht übernommen werden.

Interessierte Zahnärzte können die Broschüre für einen geringen Unkostenbeitrag bei VDW erwerben.
Ausserdem besteht in Kürze  die Möglichkeit, sich die Broschüre im Internet von der VDW – Homepage als PDF – Dokument herunterzuladen.

VDW Broschüre "Meine Zähne - mein Leben lang"

Feilenhalter – New Kid in Town

von Hans – Willi Herrmann

Feilenhalter kann man immer mal brauchen.
Man denke nur an den extrem obliterierten Kanaleingang, den es zu erschliessen gilt –  leider sind die Finger immer im Blickfeld, so dass die Penetration einem Stochern im Dunkeln gleicht.

Hier kommen sinnvollerweise Micro – Opener oder Feilenhalter zum Einsatz.
Die meisten Modelle, einschließlich der DIY -Version von Christian Danzl erlauben zwar das Eindringen in den Kanal, lassen aber keine oder nur eingeschränkte Feilenbewegungen zu, die über ein auf und  ab hinausgehen.

Hier nun ein neues Modell, dass dank eines Federmechanismus die Applikation erlaubt, anschließend aber auch (nach Auskoppeln des Feilenhalters) die üblichen Drehbewegungen ermöglicht.

Laschal heißt der Hersteller und in Deutschland wird das Instrument von Jadent vertrieben.

 

Laschal Endo - Feilenhalter

Miharu – Intraoralkamera – ein erstes Kennenlernen

von Hans – Willi Herrmann

Vom Dachauer Zahnarzt Dr. Harald Vögele habe ich die Mihura Intraoralkamera, die wir vor ein paar Wochen hier erwähnt haben, zum Ausprobieren zur Verfügung gestellt bekommen.

Zunächst habe ich mehrmals höflich abgelehnt, denn ich sehe in meiner Praxis keinen sinnvollen Einsatz für ein solches Gerät, aber er liess nicht ab davon, mir das Gerät zuzuschicken (vielen Dank, Harald) und so lag es letzte Woche auf meinem Praxisschreibtisch.

In unserem Behandlungszimmer haben wir einen 40 Zoll LCD Bildschirm, den wir für die Übertragung der Kamerabilder unseres Dentalmikroskopes nutzen. An diesen habe ich die Kamera über den Chincheingang angestöpselt.

Ich hatte wenig Erwartungen und war überrascht, dass dieses Gerät (wir reden von einem Preis von 120 Euro) eine für die Investitionssumme ansprechende Bildqualität liefert. Hatte ich, ehrlich gesagt, in dieser Form nicht erwartet. Unsere ZMF war auf jeden Fall ebenfalls von den intraoralen Bildern angetan und hätte gegen einen Einsatz in der Prophylaxe nichts auszusetzen gehabt.

Nach wie vor sehe ich jedoch praktische Probleme beim Einsatz. Das fängt an mit der Verkabelung und geht weiter im Hinblick auf die Fragestellung, ob und falls ja, wie Kamerabilder gespeichert werden können. Aufwändige PC – Lösungen haben mich jedenfalls schon vor vielen Jahren von unserer Dentalscout Kamera abrücken lassen. Falls jemand diesbezüglich mit einer praktikablen Speicherlösung aufwarten könnte, bitte ich um Kontaktaufnahme.

Ansonsten würde ich mir für die Miharu eine Speichermöglichkeit von Bildern wünschen analog zur Digitalkamera. Gäbe es diese (vielleicht auf einer Micro SD Karte) würde ich eine solche Kamera (einen annehmbaren Preis vorausgesetzt) für meine Praxis erwerben.

Vibringe – Ein Update

von Hans -Willi Herrmann

An dieser Stelle habe ich vor kurzem über eine neue Möglichkeit der Aktivierung von Spülflüssigkeiten gesprochen.
Zwischenzeitlich habe ich den Namen des Gerätes erfahren, das wegen seines aussergewöhnlichen Designs mit dem IF design Award 2009 ausgezeichnet wurde: Vibringe.

Es wird in Deutschland von Jadent vertrieben.

Näher Infomationen zum Produkt finden sie auf der Homepage des Herstellers.
Dort ist auch ein Video zu sehen, dass die Vibringe in Aktion zeigt.

Vibringe

Auslandszahnersatz – Sie sind unter uns….

von Hans – Willi Herrmann

Wie ich schon vermutet hatte, das Thema Auslandszahnersatz wird uns weiterhin beschäftigen.

Vor 2 Tagen  berichtete ein Zahnarzt unter Kollegen in einer Mailing – Liste von folgender Situation, die sich in den letzten Tagen in seiner Praxis zugetragen hatte.

Eine 28jährige Patientin, seit vielen Jahren in der Praxis. Nie Karies oder sonstwas.

Dann das  Malheur: Neben einer großen Amalgamfüllung „von früher“ ist ein Höcker abgebrochen. Rein mechanisch. Keine Karies drunter. Empfehlung des Zahnarztes: Schutz der verbliebenen Zahnsubstanz mit einer Teilkrone. Die Patientin geht mit dem entsprechenden Heil – und Kostenplan zur Krankenkasse.
Wenige Tage später ein Anruf einer benachbarten Zahnarztpraxis: Wir hätten gerne die Röntgenbilder von Frau XY.

Was war passiert ?
Offensichtlich erfolgte bei der Krankenkasse der Hinweis auf die Möglichkeit eines billigeren Auslands – Zahnersatzes. Die Krankenkasse wirbt auf ihrer Homepage mit zuzahlungsfreiem Zahnersatz und 2 maliger kostenloser professioneller Zahnreinigung pro Kalenderjahr bei bestimmten Zahnärzten. Dort heißt es:

„Zahnersatz und Zahnreinigung ohne Eigenanteil“:

Bei ausgewählten Zahnarztpraxen Zahnersatz ohne Eigenanteil, Hersteller Fa. Imex, Partnerlabore in China und Singapur, 5 Jahre Garantie, wir (Name der Krankenkasse) übernehmen zusätzlich zweimal jährlich die Kosten für eine professionelle Zahnreinigung.

Der Kollege, der die Röntgenaufnahmen anforderte, ist als Kooperationszahnarzt der Krankenkasse auf besagter Homepage gelistet.

Es kann vermutet werden, dass die Patientin dessen Praxis aufgesucht hat und nun dort die Zahnersatzversorgung durchführen lassen wird.

Interessant waren für mich die Reaktionen von Zahnärzten und Zahntechnikern auf dieses Vorkommnis.

So schrieb Zahnarzt A, dass die Patientin wieder in die Praxis zurückkehren würde, sobald sie die erste Zahnreinigung dort erfahren habe. Und Zahntechniker B meinte, dass eine Einzelkrone nur sehr schwer  gewinnbringend herzustellen sei für ein deutsches Zahnlabor und daher der Verlust nicht so problematisch sei.

Wird sich also nach einer Phase der ersten Euphorie mit Auslandszahnersatz eine Ernüchterung einstellen ?

Angesichts  nach und nach sich einstellender Unzulänglichkeiten.
Und werden die Patienten wieder zu heimischem Zahnersatz zurückkehren ?

Ich bin skeptisch diesbezüglich, denn die bestehende Regelung stellt für Krankenkassen, Auslands-Zahnlabor, Kooperations – Zahnarzt und für rund 80 Prozent der Patienten (Pareto – Regel)  eine Win Win – Situation dar.
Das allein ist ausreichend, dieser Entwicklung zum Erfolg und weiterer Verbreitung zu verhelfen.

Was die Krankenkassen angeht, ist klar: Deutlich geringere Kosten sind das Argument schlechthin.
Das gilt natürlich auch für Diejenigen, die an der Herstellung des Auslandszahnersatzes verdienen.
Doch wie sieht es mit den Zahnärzten aus ?
Sind sie Gewinner oder Verlierer dieser Entwicklung ?
Man kann dies nicht pauschal beantworten, aber der überwiegende Teil der Zahnärzte kann zumindest vordergründig durchaus  positiv partizipieren. Für die gegenwärtig an dem Modell der Krankenkassen beteiligten Zahnärzte gilt: Ihr Honorar bleibt gleich, jedoch geringere Gesamtkosten lassen den Zahnersatz erschwinglicher und damit für Patienten finanzierbar erscheinen, die bisher sich dies nicht leisten konnten oder wollten.

Aber es kommt noch viel besser.

Die Festlegung auf ein bestimmtes Zahnlabor, dass von der Krankenkasse (nicht dem Zahnarzt) ausgewählt wurde, lässt den Zahnarzt lässig zurücklehnend die Zahnersatzarbeit eingliedern. Sollte es Probleme geben, wird er dem Patienten gegenüber schulterzuckend darauf hinweisen, dass er für die Auswahl des Labors nicht verantwortlich war in diesem Falle. Und 5 Jahre Garantie ist bei weitem mehr, als normalerweise gegenwärtig in Deutschland der Zahnarzt von seinem Dentallabor erwarten kann und ein zusätzliches  Argument für den Patienten, anstehenden Zahnersatz anzugehen.

Jetzt mal ganz ehrlich, das sind schon verlockende Argumente.
Es bedarf keiner großen hellseherischen Fähigkeiten, um vorherzusehen, das Auslandszahnersatz bleiben und seine Marktposition  weiter ausbauen wird.

Wer sind die Verlierer ?

  • Die Zahntechniker, die man, wie bereits im Blogbeitrag: „Auslandszahnersatz – hart aber fair“ dargestellt, einem globalen Wettbewerb ausliefert, den sie nicht bestehen können. Und machen wir uns nichts vor: Bei der Einzelkrone, die nach China geht, wird es nicht bleiben. Warum sollte ein Patient den Kostenvorteil, der ihm durch Auslandszahnersatz entsteht, nur auf kleine Arbeiten beschränken. Fällt die Ersparnis nicht umso größer aus, je ausgedehnter der Zahnersatz ist ? Und nirgendwo habe ich bisher von Krankenkassenseite einen Hinweis gelesen, dass es sinnvoll sei, größeren Zahnersatz vom heimischen Zahntechniker durchführen zu lassen, auch wenn dieser deutlich teurer ist als der Import – ZE aus China.
  • All diejenigen Patienten, die aus Kostengründen einen suboptimalen Zahnersatz erhalten, unabhängig davon, ob sie es bemerken oder nicht. Und bemerken werden es nur die wenigsten.
  • Die Zahnärzte, die sich dem Auslandszahnersatz verweigern. Sie erlangen einen Wettbewerbsnachteil auf Grund der höheren Zahnersatzpreise  und werden obendrein als Abzocker dargestellt.
  • Und später, wenn die gegenwärtigen Konditionen der Krankenkassen im Sinne einer Optimierung von Resourcen (man könnte es auch nennen, die Daumenschrauben anziehen) nach und nach in der Zukunft verschärft werden, werden es alle Zahnärzte sein. Naja, nicht alle, aber gemäß dem Pareto Prinzip, das auch hier gilt,  etwa 80 Prozent.

Noch  sieht alles jedoch rosig aus.
Und daher wage ich die Behauptung, dass die Zahl der  Kooperationszahnärzte der Krankenkassen weiter zunehmen wird.

Bad Kreuznach, mein Praxisstandort,  ist nicht gerade eine Metropole und, ich formuliere es zurückhaltend, idyllisch gelegen, sicherlich nicht der Nabel der Welt.
Dennoch sind bereits zwei Zahnärzte auf der Hompage der  Krankenkasse gelistet und drei weitere im Umkreis von 15 Kilometern sind ebenfalls aufgeführt.

Kann es ein besseres Indiz dafür geben, dass der Auslandszahnersatz aus dem Reich der Mitte schon längst in unserer Mitte  angekommen ist ?

Path – Files im Einsatz

von Hans – Willi Herrmann

Kleine Ergänzung aus aktuellem Anlass. Ich habe gestern morgen  eine Revision an einem Zahn 17 durchgeführt.

Der berühmte MB2 war relativ schnell zu finden, aber sehr eng.

Eine initiale Sondierbarkeit war mit Handfeilen der Größen 010, 008.006 auf den ersten Millimetern gegeben, zeigte aber an, dass zur Erzielung einer apikalen Durchgängigkeit einige Minuten geduldiger Handarbeit benötigt werden würden.

Durch den Einsatz der kleinsten  Path – File (lila)  war es möglich, innerhalb von wenigen Sekunden die apikale Durchgängigkeit herzustellen.
Ein Riesenschritt im Hinblick auf Effizienzsteigerung.

Mtwo 10.04 Feile und Path – File verhalten sich im Übrigen deutlich unterschiedlich.
Jede dieser Feilen hat ihre besondere Arbeitscharakteristik.

Im gestrigen Fall habe ich mich bewußt für die Path – File entschieden und damit einen schnellen Aufbereitungserfolg erzielen können.

Bei nachfolgender Bilderreihe (Zahn 27, MB1 und MB2 enden getrennt voneinander) wurde hingegen zur initialen Erschließung eine Mtwo 10.04 Feile eingesetzt.


Die IDS 2009 wirft ihre Schatten voraus

von Hans- Willi Herrmann

Maillefer bringt zur IDS 2009 neue Produkte in Deutschland auf den Markt.

Darunter einen neuen kabellosen Endo – Motor, neue Ultraschallspitzen und zwei neue rotierende Nickel – Titan – Systeme.

Eines davon, die sogenannten Path -Files, rundet die maschinelle Aufbereitung nach unten hin ab. Bewußt wurde für die 3 Feilen dieses Systems  ein viereckiger Querschnitt für die Instrumente gewählt, um auch bei kleinen Instrumentendurchmessern eine möglichst hohe Torsionsbruchsicherheit gewährleisten zu können.

Nach initialer Erschließung des Wurzelkanals bis zu einer 10er Handfeile ist es damit möglich, in rotierender Aufbereitung zu arbeiten. Im Anschluss an die Path -Files können dann ProTaper -Feilen eingesetzt werden. Der bereits geschaffene Gleitpfad ermöglicht anschließend den sicheren Einsatz der initialen Shaping Files aus der Pro Taper – Reihe.

Damit scheint zumindest klar, dass das Prinzip, möglichst frühzeitig mit entsprechend grazilen Instrumenten rotierend zu arbeiten, im endodontischen Establishment angekommen zu sein scheint.

Vito Malagnino, der Erfinder des Mtwo – Systems, war für eine solche Vorgehensweise noch vor wenigen Jahren heftig kritisiert worden. Nun scheint die Zeit reif zu sein, eine solche Vorgehensweise auf breiter Basis zu propagieren.

Auf den Hund gekommen

von Hans – Willi Herrmann

Ende 2008 habe ich auf dem Weg zu einem Vortrag einen Kollegen in seiner Praxis besucht.

Er führte eine Wurzelkanalbehandlung an einem ungewöhnlichen Patienten durch: Einem Hund.

Nicht dass er das häufig täte, es hatte sich zufällig ergeben. Die Besitzerin hatte ihn angesprochen, ob so was machbar und sinnvoll sei. Der Hund war sehr jung, er hatte sich beim Kauen auf etwas Hartes den Backenzahn frakturiert. Er schonte sich auffällig und verweigerte die Nahrung. Offensichtlich bereitete ihm das Fressen große Schmerzen. Mit einem wurzelkanalbehandelten Zahn könnte er eventuell noch viele Jahre weiter kauen. Ein ihr bekannter  Tierarzt könne die Narkose vornehmen. Ob er es versuchen wolle.

Gesagt, getan.

Da lag er nun, der Hund, als ich zur Behandlung stieß.
Und irgendwie hatte das Ganze schon etwas Bizarres.
Während in Deutschland nachwievor über die Sinnhaftigkeit von Kofferdam diskutiert werden muss und viele hunderttausendmal im Jahr mit paraformaldehydhaltigen Mitteln gearbeitet wird, liegt hier ein Mischlingshund zur Wurzelkanalbehandlung und diese Behandlung wird durchgeführt unter Kofferdam und unter Zuhilfenahme eines Dentalmikroskopes.

Der Hund ist, seine Wurzelkanalbehandlung betreffend, auf der Höhe der Zeit in der Zahnmedizin.
Wieviele Patienten in Deutschland können das Gleiche sagen ?

Nach der Wurzelkanalbehandlung wurde der Zahn noch mit einer Kompositfüllung versehen.

Der Hund hat das Ganze gut überstanden.

Er frisst  wieder ohne Probleme.
Für ihn war es fast schon Routine.
Es war schon sein zweiter Backenzahn, der endodontisch behandelt wurde.

Good Vibrations

von Hans – Willi Herrmann

Neulich hatte ich Gelegenheit, ein neues Gerät zur Aktivierung von Spülflüssigkeiten in Augenschein zu nehmen.

Erster optischer Eindruck: Gut gestylt. Im Jonathan Ive Weiss des Ipod – Zeitalters fällt  es sogleich positiv ins Auge.
Dieses Teil muss einfach gut sein, oder ?

Wie funktioniert das Gerät? Die Vibrationseinheit leitet via  Spülspritzengehäuse die Aktivierung über die Spülnadel direkt in den Wurzelkanal ein.

Nur – was in der Therorie gut klingt, stellte sich in der Realität als ziemlich blutarm heraus. Der erste Test fand auf der Stelle mit Hilfe eines mit Wasser gefüllten Glases statt. Allerdings war auf der Wasseroberfläche  von Schwingungen nichts auch nur  ansatzweise zu erkennen. Und wenn schon dort nichts zu sehen ist, dann können wir davon ausgehen, dass im engen Wurzelkanal, der die Schwingungsamplituden abmildert, noch weniger Effizienz sich einstellen wird.

Mein Tipp: Sparen Sie ihr Geld und kaufen sie stattdessen ihrem Kind  einen Ipod. Der sieht mindestens genauso gut aus, ist aber nützlicher und sie beide werden mehr Spass daran haben. Oder kaufen Sie ein Iphone. Gibts auch in Weiss. Dessen Vibrationsalarm bewirkt vermutlich mehr, als es dieses Designerteil je tun wird.

Aktiviert Spülflüssigkeiten

Auslandszahnersatz – der erste Kontakt

von Hans – Willi Herrmann

Die Patientin kommt zur Erstuntersuchung.
Eher beiläufig, im Nebensatz  mache ich die Bemerkung, dass die Brücke im Unterkiefer schon etwas älter ist.

„Wieso ?“ fragt die Patientin, leicht gedehnt.

Ich merke sofort, es wäre besser gewesen, nichts zu sagen.
Autsch, Fettnäpfchen.

„Die ist vom Januar“, sagt die Patientin mit irritierter Stimme.
Wir haben September.  Die Brücke von 35 auf 37  also gerade mal 9 Monate alt.

Aussehen tut sie, als ob sie in den 70er  Jahren gemacht worden wäre, die Ästhetik ist grottenschlecht. Okklusal  und an den Kronenrändern schimmert der Opaker durch. Dicke Kronenränder, überstehend.

In Malaysia wurde sie angefertigt. Der Patientin war dies offensichtlich egal, vermutlich weil der Zahnersatz günstiger angeboten werden konnte.

Jetzt ist die Patientin wieder da. Von der Brücke ist an 37 okklusal die Verblendung weitestgehend abgeplatzt.

Die Patientin möchte eine neue Brücke.
Gerade mal 3 Jahre hat diese Brücke gehalten.
Hat es sich gelohnt, auf Auslandszahnersatz zu setzen ? Sicherlich nicht.

Das wir uns nicht mißverstehen: Mit Sicherheit gibt es auch deutschen Zahnersatz, der so aussieht.

Aber in diesem Fall bin ich sicher, dass der Behandler (im Kollegenkreis bekannt für sein markiges Auftreten)   seinem deutschen Labor so einen Murks nicht durchgehen lassen würde. Im Gegenteil, er hätte die Brücke  dem Zahntechniker um die Ohren gehauen.

Und das ist die Crux an der Sache.

Machen wir uns nichts vor. Wenn mein Labor 8000 Km weit weg ist – werde ich dann die Zahnersatzarbeit wegen irgendeiner Kleinigkeit noch einmal zurückschicken zur Abänderung ?

Oder werde ich diese Arbeit einsetzen nach dem Motto, die nächste Arbeit wird besser, Augen zu und durch.
Das wird natürlich keiner zugeben. Aber gemacht werden wird es so  in Deutschland.

Fakt ist: Es wird Qualität auf der Strecke bleiben, wie bei allen Einsparmaßnahmen.
Pekuniäre Vorteile werden mit Abstrichen in anderen Bereichen erkauft werden.

Das ist genauwie mit dem Toxavit, über das gestern berichtet wurde. Die Indikation, es zu benutzen,  besteht – wenn überhaupt – nur in ganz ganz wenigen Ausnahmesituationen.
Aber in Wirklichkeit wird Toxavit  in Deutschland jedes Jahr  viele 100.000 mal angewendet.

Und in 5 Jahren soll Schätzungen zufolge 30% des Zahnersatzes aus Kostengründen im Ausland hergestellt werden. Wieviel Tausende von Zahnersatzarbeiten werden dann eingesetzt werden, in einer Qualität, die nicht dem Optimum entspricht ?
Das möglich wäre, wenn eine direkte Zusammenarbeit zwischen Zahnarzt und Zahntechniker vor Ort dies zuließe ?

Auslandszahnersatz – zum Nutzen des Patienten ?

Und wieder Toxavit

von Hans – Willi Herrmann

Die  Assistentin kommt heulend aus dem Zimmer.

Es ist ein gespieltes Heulen, um ihrer Stimme mehr Dramatik einzuhauchen, aber jeder vom Team weiss, worum es geht und wie sie sich jetzt gerade fühlt.

„Er hat bei mir Toxavit eingelegt“.

Vor einigen Jahren war der alte Chef verstorben.
Nicht ganz überraschend, denn er war schon etwas länger gesundheitlich angeschlagen, aber doch unerwartet, weil er bis fast zum letzten Tag gearbeitet hatte.

Die Praxis wurde zunächst mit wechselnden Vertretungen am Laufen gehalten.
Von den Kollegen aus dem Freundeskreis abgesehen, die zu Beginn aushalfen, mit unmotivierte Behandlern, die für viel Geld ganz ganz wenig Engagement gezeigt hatten.

Dann  endlich kam der Neue.
Ein junger Zahnarzt, Universitätsausbildung neuester Stand.
Dann 2 Jahre Assistenzeit wie üblich.
Und jetzt bereit, die etablierte Praxis  weiterzuführen,  vielleicht sogar um moderne Aspekte zu erweitern.

Leider war dem nicht so.
Es fing an damit, dass der Kollege den vom Team angebotenen Kofferdam bei Kunststoff- Füllungen, Amalgamentfernungen und Wurzelkanalbehandlungen ablehnte.
Auch das Angebot der Assistentinnen, den Kofferdam selbst anzulegen, so dass er damit gar nichts zu tun habe, wies er zurück. 

„Braucht man nicht“, gab er zurück.

Dann fing er an, Zähne bei der Wurzelkanalbehandlung offen zu lassen. Das hatte es beim alten Zahnarzt nie gegeben.
Und schließlich  das Toxavit, bei den Patienten und jetzt auch bei seiner Mitarbeiterin.
Aus reiner Bequemlichkeit, Gedankenlosigkeit, Bocklosigkeit.

Traurig, sehr traurig.
Wenn das der alte Chef wüßte, er würde sich im Grab rumdrehen.

 

 

 

 


Donald Becker und Freunde

von Hans – Willi Herrmann

Meine  Tochter, 9 Jahre alt, ist eine begeisterte Köchin und die TV – Sendung „Unter Volldampf“ sieht sie sich gerne an. Meine Leidenschaft für gutes Essen zielt eher auf die Beseitigung, nicht auf die Kreation desselben ab, aber besagte Fernsehsendung, in der Hobby – Köche eine Woche lang in Restaurants quasi professionell für Gäste kochen, schaue ich mir gerne ab und zu mit ihr an.

Am Sonntag habe ich zum ersten Mal eine mir bislang unbekannte Variante dieses Fernsehformates gesehen, in der Prominente am Kochherd eines Feinschmeckerrestaurants wetteifern.

Die Zuschauer geben Punkte für das jeweilige  Gericht und im Falle der Prominenten wurde, um Sympathie und Antipathie – Bewertungen auszuschliessen, nicht bekannt gegeben, wer welchen Gang kocht.

Sehr interessant fand ich, dass natürlich unter den Gästen nach den einzelnen Gängen spekuliert wurde, welcher Gang von welchem Prominenten gekocht wurde.

Und – dass die Gäste, trotz phantasiereicher Begründungen ziemlich daneben lagen mit ihren Einschätzungen.

Auch was  unseren Blog „Wurzelspitze“ angeht, gibt es immer wieder Spekulationen.
Denn mittlerweile sind schon ein paar Beiträge verschiedener Autoren unter dem Pseudonym „Donald Becker“  hier eingestellt worden.

Und schon hat ein heiteres Rätselraten eingesetzt: „Das ist die Handschrift von Jörg Schröder, ohne Zweifel“, heißt es in Mails zum Thema oder „Das ist so typisch für Hans – Willi Herrmann, da würde ich  drauf wetten“. Aber auch „Den Fall habe ich schon mal in einem Vortrag von  Christoph Kaaden gesehen, ich bin ganz sicher“.

Um es allen Mitratern ein wenig einfacher zu machen (und auch uns).
Zukünftig wird es neben Beiträgen von Donald Becker auch Artikel von Bonald Decker oder Ronald Wecker, vielleicht auch von Wonald Recker oder anderen geben.

Das Raten, wer hinter welchem Pseudonym steckt, wird dadurch nicht aufhören.
Aber es wird leichter.

Über den Nutzen von Checklisten

von Hans -Willi Herrmann

Kollegen  zu behandeln, ist immer was Besonderes.
Aus den unterschiedlichsten Gründen. 

Kürzlich hatte ich wieder Gelegenheit dazu.

Erst eine Molaren – Endo.
Dann, etwas später, die  Wiederherstellung mehrerer Zähne mit Kronen.

Hierfür haben wir in unserer Praxis ein ganz genau dargelegtes Prozedere, dass wir mittels einer bis ins kleinste Detail festgelegten Checkliste abarbeiten. 

Weil es viele Wege, aber meist nur einen wirklich optimalen Weg gibt.

Und weil dem so ist, sehe ich (Ausnahmen bestätigen die Regel) auch keinen Sinn darin, von diesem optimalen Verfahrensweg abzuweichen und ich halte mich stur an die Checkliste.  
Ich finde das sehr entspannend, weil ich weiss, alles richtig zu machen und sicher nichts zu vergessen, auch nicht die kleinste Kleinigkeit.

Im Falle des Kollegen habe ich eine Ausnahme gemacht.

Um ihm einen zusätzlichen Behandlungstermin zu ersparen, sind wir übereingekommen, dass er vorbereitende Maßnahmen (Abdrücke für individuelle Löffel, Situationsmodelle, Tiefziehteil für die provisorischen Kronen usw.)  in  eigener Praxis durchführt.

Einen Tag vor der Behandlung rufen wir den Kollegen an. Das tun wir grundsätzlich bei längerdauernden Behandlungssitzungen.
Erinnern noch einmal an den  Termin und daran, alle Unterlagen, die wir benötigen, mitzubringen.

„Ja, ja, kein Problem“, sagt er.

Am nächsten Tag fahre ich auf den Praxisparkplatz.

Sein Auto steht schon da. Gott sei Dank, er hatte keinen Stau.
Ich gehe in die Praxis, will ihn begrüßen.
Ich  finde ihn zunächst nicht.

Dann doch – in unserem Praxislabor beim Anfertigen von individuellen Löffeln.

Modelle, Indivlöffel, Formteil – alles steht bei ihm zu Hause, er hats vergessen mitzubringen.

Ich muss lachen. Shit happens.
Und wieder sage ich zu mir selbst – niemals von der Checkliste abweichen, es macht keinen Sinn. Das zeigt sich immer wieder.
Keine Ausnahmen !!!

Und  für Kollegen habe ich beschlossen, die Checkliste abzuändern. 
Beim nächsten Mal lasse ich die Behandlungsunterlagen vorab per Post schicken.

So haben wir  wieder eine Fehlerquelle ausgeschaltet.
Gefällt mir. Diese Situation werde  ich nie wieder haben. Shit happens – aber dieser nie mehr.

Hab ich´s schon erwähnt ?
Ich mag Checklisten.

Calciumhydroxid – Koronaler Abschluss

von Hans – Willi Herrmann

Noch ein Tipp, die Verarbeitung von Calciumhydroxid betreffend.

Das Material, UltracalXS (Ultradent), ist eingebracht.

Mit den Capillary Tips kein Problem und gut kontrolliert unter Dentalmikroskop – Kontrolle.

Jetzt geht es um den koronalen Abschluss, die provisorische Füllung zwischen den Sitzungen, die bei uns fast ausschließlich mit Glasionomerzement stattfindet.

Wie aber den Glasionomerzement einbringen ?
Eine Isolation gegenüber dem Calciumhydroxid muss her.

Wattepellet ? Definitiv ungeeignet, ebenso wie Peletim – Schaumstoffpellets.

Teflonband wäre eine Möglichkeit, die funktioniert.

Wir gehen seit bald 10 Jahren einen anderen Weg.
Calciumhydroxid – Pulver (aus der 500 Gramm Dose von Merck)  in einem Dappenglas und eine Amalgam -Pistole, die mit dem Pulver gestopft wird.

Anschließend wird das Calciumhydroxid mit der Pistole in die Kavität eingebracht und  mit einem Zementstopfer verdichtet.
Es entsteht eine sehr feste Schicht aus Calciumhydroxid – Pulver, auf die der Glasionomerzement aufgebracht werden kann.

Zusätzlicher Nebeneffekt.
Das Calciumhydroxid in den Kanälen wird verdichtet und verteilt sich besser in den Kanälen.

Und auch das Rausbohren der Füllung gestaltet sich sehr einfach.
Den Bohrer soweit versenken, bis er das  Calciumhydroxid erreicht, was sich durch ein leichtes „Durchsacken“ bemerkbar macht.

Fakt ist, das Teflonband, so sehr ich es schätze, kann unsere altbewährte Vorgehensweise nicht ablösen, die Vorteile überwiegen.

Vielleicht einfach mal ausprobieren ?

 

E6 – Nachfolger ?

von Christian Danzl und Hans – Willi Herrmann

Es gibt unzählige digitale „point and shoot“ Kameras.

Nur wenige eignen sich für die zahnärztliche Fotografie.
In der Summe mit Abstand am besten schnitt bisher  die Sanyo E6 ab.

Leider gibt es sie bis schon längere Zeit nicht mehr im Handel und auch der Nachfolger, die E60 ist längst abverkauft. Ab und zu erscheint noch eine bei Ebay, aber das ist mittlerweile Glückssache.

Leider kam bisher nichts nach, was, die notwendigen Eigenschaften betreffend, der E6 nahegekommen wäre. Die E6 weist einen direkt über dem Objektiv angebrachten Blitz auf, ein Zoomobjektiv, dass zur Brennweitenverstellung nicht ausfährt und einen Makromodus, der eine Naheinstellgrenze von 1 -2  Zentimetern erlaubt.

Vielleicht ist die Canon Powershot D10 geeignet, die E6 abzulösen.
Endlich gibt es wieder eine Kamera, die in Blitzanordnung und Objektivgestaltung der E6 gleicht.
Darüber hinaus weist die Powershot D10, eigentlich als Outdoor  – Kamera konzipiert, ein wasserdichtes Gehäuse auf . Sicherlich ein Bonus gegenüber der E6, da dies eine  bessere Desinfizierbarkeit ermöglicht.

Fehlt nur noch der Praxistest.
Wird die Kamera, die immerhin 12 Megapixel aufweist, mit der Lichtsituation der Mundhöhle ausreichend zurechtkommen? Und wird der Nahabstand den Gegebenheiten der Makro – Zahnfotografie Rechnung tragen können ?

Der Praxistest wird zeigen, ob die Prospektdaten ihren Niederschlag mit Endergebnis finden oder in der Zahnmedizin als Makulatur sich erweisen.

Etwas Besseres als hier finden wir allemal…

von Hans – Willi Herrmann

Eine Endo – Patientin aus einer Stadt, etwa 80 km von uns entfernt, berichtete, dass ein ortansässiger Zahnarzt die Praxis verkauft habe, weil er in die Schweiz ginge.

Es stellt sich heraus, dass es ein Kollege ist, bei dem ich einen Teil meiner Assistenzzeit absolviert hatte.

Von Zeit zu Zeit hatte ich ihn auf Fortbildungen getroffen und in den letzten Jahren hatte er zunehmend über die unbefriedigende Situation in der Praxis geklagt.

Aber gleich alle Zelte abbrechen und auswandern ?

Denn nichts anderes ist es ja, was er tut der Kollege, der gegen Ende seines Arbeitslebens noch einmal ganz von vorne anfängt.

Schön ist es ja in der Schweiz. Aber soll man wirklich in  ein Land gehen, dessen Bewohner den Grad an Sympathie zu den Deutschen bei Fußballländerspielen in  Jubelschreien ausdrücken.
Für die gegnerischen Mannschaften wohlgemerkt.
Gehen sie mal bei einem Fussball – Länderspiel Deutschland gegen Irgendwen in eine Schweizer Kneipe. Der Gegner ist egal, glauben sie mir, jedes Tor wird umjubelt, solange der Torschütze kein Deutscher ist. Und die Schweizer Zahnärzte haben auch nicht umbedingt die beste Laune, im Hinblick darauf, dass immer mehr deutsche Zahnärzte in das Land der Eidgenossen kommen, um Ihnen endlich mal zu zeigen, wie tolle Zahnheilkunde aussieht.

Ich versuche ihn telefonisch zu erreichen, zunächst ohne Erfolg.

Und erwische ihn eine Woche später, bereits in der Schweiz.

„Besser jetzt, mit 55 noch einmal neu anfangen, als in ein paar Jahren, wo gar nichts mehr geht, hier bei uns. Und ich zu alt bin, um noch mal von vorne anzufangen“, sagt er.

„Naja, jetzt mal ehrlich, 55 ist auch nicht unbedingt das Optimum diesbezüglich“, sage ich.

Wie ätzend muss es sein, in diesem unserem Lande, wenn jemand mit 55, nachdem er schon mehr als 25 Jahre in eigener Praxis gearbeitet hat, all dies hinter sich lässt.

Würde man dies erwarten.
Eher nicht.
Eigentlich ist in bundesdeutschen Köpfen, insbesondere in den Häuptern von Politikern drin, dass der Kollege, mit der lässigen Gewissheit, schon längst für seinen Lebensabend genug Mammon angesammelt zu haben,  noch die nächsten 10 Jahre locker absitzt, dann seine Praxis meistbietend verhökert als zusätzliches Plus  seiner Altersicherung, um sich dann noch häufiger als bisher dem Golfspiel widmen zu können.

Golf hat er aber nie gespielt der Kollege aus der vorderpfälzischen Mittelstadt.
Und das mit der Alterssicherung durch Praxisverkauf ist ein Relikt aus vergangener Zeit.
Heute muss man froh sein, wenn man überhaupt noch ein wenig bekommt für die Praxis.
Und eine immer größerwerdende Zahl von Kollegen bekommt für die Praxis gar nichts mehr.

Warum also der Verkauf ?

Weil dieser Kollege nicht einmal eine gescheite Perspektive mehr sieht für die nächsten 10 Jahre.

„In die Menge müsse er gehen“, sagt sein Steuerberater.

„Implantieren soll er“, sagen die Kollegen, mit denen er befreundet ist.

Beides will er (der sich –  unter Professor Motsch ausgebildet – immer als Zahnerhalter gesehen hat) nicht.

Und so ist er gegangen.

Traurig, aber wahr.

Warnung mit Gewinn

von Hans – Willi Herrmann

Ein Artikel aus der Süddeutschen Zeitung vom 14. /15. Februar 2009 mit der Überschrift „Warnung mit Gewinn“ und dem Untertitel „Berichte über Risiken eines Arzneimittels könnten dem Hersteller sehr gelegen kommen“ weckte mein Interesse.

Von einem Mittel, das zur Bekämpfung von Darmkrebs eingesetzt wird, war die Rede.

Ein Freund von mir hatte vor ein paar Jahren dieses Mittel erhalten, daher kannte ich es.

Erhalten nach Intervention und persönlicher Recherche des Erkrankten, denn aufgrund der hohen Kosten wollten die Krankenkassen das Mittel zunächst nicht zahlen. Die Datenlage bezüglich des Nutzens schien damals den Kassen nicht ausreichend.

Ich zitiere nachfolgend aus besagtem Artikel der „Süddeutschen Zeitung“:

Nach Zahlen des Herstellers erzielte man laut Arzneiverordnungsreport 2008 mit diesem Mittel zuletzt einen Jahresumsatz von 17,2 Millionen Euro Umsatz.

Im Jahr 2003 hatte ein amerikanischer Augenarzt entdeckt, dass besagte Krebsarznei gegen ein häufiges Augenleiden, die altersabhängige feuchte Makuladegeneration (AMD) hilft.
Das Leiden entsteht, weil Adern hinter der Netzhaut einwachsen. Die Krebsarznei kann das verhindern.
Jährlich erkranken in Deutschland 50 000 Menschen neu an dem Leiden, 485 000 insgesamt sind gegenwärtig in Deutschland davon betroffen.

Weltweit haben bisher mindestens 200 000 Menschen das Mittel (es wird in den Glaskörper gespritzt) verwendet. Eine Behandlung kostet zwischen 25 und 50 Euro.

Eine Zulassung als Augenmedikament wurde vom Hersteller bis heute nicht beantragt.

Stattdessen wurde die chemische Formel von minimal verändert und ein neues Mittel auf  den Markt gebracht.

Der Preis für das neue Medikament, das 2007 auf den Markt kam, wurde auf 1500 Euro festgelegt – pro Einzeldosis.

Sieben bis 11 Injektionen sind laut Augenärzten zufolge nötig, um das Leiden zu stoppen.

Der Heidelberger Pharmakologe Ulrich Schwabe hat hochgerechnet, dass die  Therapie mit dem neuen Mittel die Krankenkassen 8,9 Milliarden Euro jährlich kosten würde.

Derzeit geben alle gesetzlichen Krankenkassen im Jahr 26 Milliarden Euro für Arzneimittel aus.

Eine Behandlung mit der bereits vorhandenen Krebsarznei würde lediglich 32 Millionen Euro kosten.

Quelle: Süddeutsche Zeitung, 14./15.02.2009

Unsere Erde

von Hans – Willi Herrmann

Eine sehenswerte Naturdokumentation mit dem Titel „Unsere Erde“  habe ich letzte Woche gesehen.
Unter anderen zeigt die kürzlich erschienene DVD Luftaufnahmen des Okavango – Flussdeltas in Afrika.

Mich haben diese Bilder sofort an die Zahnpräparate erinnert, die Dr. Holm Reuver aus Neustadt an der Weinstrasse seit vielen Jahren anfertigt.

Was im Großen sich zeigt, findet seine Entsprechung in jedem von uns.

Und ganz gleich, ob eine Macht, die um ein Vielfaches größer ist als es der menschliche Geist je erfassen wird, für diese Strukturen verantwortlich ist, oder wirklich ein irrwitziger Zufall zur ihrer Entstehung geführt hat.

Es  bleibt die Ausserordentlichkeit der Existenz alldessen.
Und daraus erwächst die Ehrfurcht, verantwortungsvoll mit dem, was wir vorfinden, umzugehen, im globalen Maßstab, also die Natur betreffend genau wie im Kleinen, im Wurzelkanal.
Sich dieser Strukturen bewußt zu sein und mit der entsprechenden Sorgfalt diese Strukturen zu behandeln und zu erhalten, sollte unser aller Ziel sein.

Es ist der große  Verdienst Holm Reuver (ich werde nicht nachlassen, ihm das immer und immer wieder zu sagen, auch wenn er dies genauso oft in seiner bescheidenen Art mit einer Handbewegung, versucht wegzuwischen, zumindest zu relativieren) mit seinen beeindruckenden Bildern und Videos uns diese Strukturen vor Augen zu führen.
Mit einfachsten Mitteln erstellt und für jeden Zahnarzt nachbildbar.
In einer exzellenten Qualität der Präparate und in Foto und Video – Aufnahmen dokumentiert, die auch im Zeitalter der Micro – Computer Tomografie  den Vergleich mit um ein Vielfaches aufwändigeren und teureren Computer – Rekonstruktionen  nicht scheuen müssen.

Auf der Frühjahrsakademie der Deutschen Gesellschaft für Endodontie  in Halle im März 2009  wird Holm Reuver seine Arbeitstechniken zum Transparentmachen von Zähnen im Rahmen eines Workshops vorstellen.
Ich weiss nicht, ob überhaupt noch Plätze frei sind, aber ein Nachfragen lohnt sich sicherlich.

Jeder, der solche Präparate sieht oder selbst herstellt, wird nicht umhin kommen, seine endodontischen Techniken kritisch zu hinterfragen und gegebenfalls auf Grund dessen zu modifizieren.

Toxavit – Nekrose

von Hans – Willi Herrmann

Gestern habe ich einer Patientenbroschüre folgenden Satz gelesen: „Wenn bei einem stark entzündeten Zahn Schmerzen vorhanden sind, legt man ein Medikament in den Zahn ein und wartet ein paar Tage ab, dann kann man die Behandlung schmerzfrei durchführen“.

Ich kann nur hoffen, dass nicht Toxavit als Medikament gemeint ist, denn nachfolgender Fall aus einem unserer letzten Notdienste ist mir nachhaltig in Erinnerung geblieben.

Die  Patientin, eine junge Frau um die Zwanzig suchte mit starken Schmerzen unsere Praxis auf. Wenige Tage zuvor war ein Zahn 24 anbehandelt worden, der Zahn war mit einer provisorischen Füllung, vermutlich Cavit oder einem ähnlichen Material verschlossen.

Auffällig war eine interdentale Nekrose des Zahnfleisches, die sich bei dieser jungen Patientin nur an dieser Stelle in ihrem parodontal absolut einwandfreien Gebiss wiederfand.

Nach Entfernung der provisorischen Füllung zeigte sich eine schwarze fasrige Masse.
Toxavit war vom Behandler in den Zahn eingelegt worden, hatte sich seinen Weg durch eine bestehende Karies und Undichtigkeiten zwischen Zahn und Füllung in den Interdentalraum geschaffen und dort eine Nekrose des Zahnfleisches und des in diesem Bereich befindlichen Knochens ausgelöst.

Wir konnten die Patientin von ihren starken Schmerzen befreien.
Der Verlust an Zahnfleisch und Knochen war jedoch nicht mehr rückgängig zu machen.

Was auf den Bildern dem Laien noch vergleichsweise harmlos erscheinen mag, ist nur der Vorbote eines im Laufe der nächsten Tage und Wochen noch deutlich zunehmenden Zerstörungsprozesses, der schlimmstenfalls sogar zum Verlust von Zähnen führen kann. Da die Patientin nur im Rahmen einer Notdienstbehandlung zu uns kam, liegen uns keine Fotos des weiteren Krankheitsverlaufes vor.

Einen ähnlichen Fall hatte ich in meinem ersten Notdienst als Zahnarzt überhaupt, im Mai 1991.

Damals musste ich einem Patienten einen Zahn mit Toxavit – Nekrose entfernen und hatte die Gelegenheit (der Patient war so dankbar, dass ich ihn nachts um halb drei von seinen starken Schmerzen befreite, dass er  6 Wochen lang 60 KM pro Fahrtstrecke immer wieder zu mir zur Nachsorge kam), den weiter fortschreitenden starken Knochenverlust in diesem Kieferbereich zu verfolgen.

Ich hatte bis dato noch nie Toxavit verwendet und für mich war seit dieser Zeit klar, dass ich diesen Material auch nie verwenden werde.

Ich kann nur an jeden Kollegen appellieren, ebenso zu verfahren, zumal heutige Anästhesie – Techniken eine Schmerzauschaltung auch in Fällen starker Entzündung ermöglichen und daher niemand mehr routinemäßig auf paraformaldehydhaltige Medikamente zurückgreifen muss.

ELM – Studie RootZX 2

von Hans -Willi Herrmann

Seit 1993 arbeite ich mit dem ROOT ZX Gerät von Morita.

Und wenn wir die letzten Tage von suboptimal funktionierenden Gräten gesprochen haben, dann kann ich sagen, es gibt wohl kaum ein Gerät, auf dass ich mich mehr verlasse und dass mich weniger im Stich gelassen hat als das ROOT ZX.

Ich würde, wenn es heute seinen Geist aufgäbe, sofort wieder ein ROOT ZX – Gerät kaufen.

Aber – es gibt es nicht mehr.

Stattdessen liegt es  seit einiger Zeit als ROOT ZX 2 in einer neuen Version vor und mir ist vor ein paar Tagen eine Studie von Felippe et. al. in die Hände gefallen, die dieses Gerät auf seine Genauigkeit hin untersucht.

Ergebnis: Im Genauigkeitsintervall (+ -0.5 mm)  in 86 % der Fälle.

So wenig ? Das fand ich überraschend. Ich hätte mehr erwartet.

Daraufhin habe ich  mir die Studie  etwas genauer angeschaut und zwar im Hinblick auf die von mir durchgeführte Vorgehensweise, die Lage des Foramens apicale zu bestimmen und von diesem Wert 0.5 mm zurückzugehen.

Wenn ich so verfahre, dann bin ich lediglich in 3% der Fälle 0.5 mm zu lang, in allen anderen, demnach 97 % der  Fälle zumeist 0.5 mm vom Foramen entfernt, selten am Foramen oder maximal 1 mm kürzer.

97 Prozent Erfolgsrate.
Damit kann ich gut leben.

B -Steris – Spontane Zuschriften

von Hans – Willi Herrmann

Das Thema „Auslandszahnersatz“ vor ein paar Wochen führte schon zu einer Reihe von Rückmeldungen, aber dass ist offensichtlich nichts gegenüber dem, was uns in der nächsten Zeit als Reaktionen auf den B -Sterilisator- Artikel von gestern bevorsteht.

Hier 4 Stimmen, die weder repräsentativ noch evidenzbasiert, aber vielleicht dennoch oder gerade deshalb sehr nahe an der Realität dran sind.

 

„Bisher hatte ich noch keinen Fehler. Nutze den B jedoch nur für die notwendig damit zu sterilisierenden Produkte.
Meiner wollte nach einem halben Jahr eine Wartung.
Weil da ein Zähler eingebaut ist, der entweder nach 2 Jahren oder 3000 Zyklen dies verlangt.
Wir hatten 600 Zyklen weg mit dem Neugerät. “

„Der ganz normale Wahnsinn!
Wir haben 2 Melag B Steris, ich bin mir aber nicht sicher, ob im letzten Jahr überhaupt an einem Tag beide funktionsfähig in der Praxis standen. Meistens war ein Leihgerät da, manchmal zwei Leihgeräte, einmal sogar ein Leihgerät für ein defektes Leihgerät ……..
Natürlich laufen die in anderen Praxen und im Depot beim Test völlig problemlos ;-) !

PS: Als ich gestern noch mal in der Praxis war, klebte am linken (Leihsteri) ein Zettel: nicht benutzen, Fehler ich weiß-nicht-mehr-was. :-( „

 

„Wir werden auf Kosten der Industrie so was von vera…, das ist unglaublich, und die Standesvertreter kommen sich dabei noch super vor, weil jetzt ja alles so hygienisch und praxisgerecht ist.“

 

 „Wir haben seit 9.11.2005 einen bis auf den  Wasseranschluss baugleichen Melag 44B im Dauereinsatz (ca. 2500  Chargen) und das Ding läuft bisher im Großen und Ganzen wirklich  problemlos.

Ich würde  direkt im Werk anrufen, erstens weil es  theoretisch sein kann, dass mittlerweile eine  Fernzugriff ab Werk zur Fehlerdiagnose möglich ist, damals wurde  jedenfalls gerade bei Melag an dem Feature gearbeitet.

Außerdem würde ich  Unmut direkt kund tun, ich hatte 2005  bei der Netzwerkintegration einige techn. Fragen zum ftp-Zugriff auf  das Chargen-Protokoll und bin bei Melag sehr freundlich und kompetent  
beraten worden, vielleicht lässt sich in einem Telefon-Gespräch schon  der Fehler eingrenzen, so dass die Reparatur beschleunigt wird. Auf  jeden Fall weiß ich durch Gespräche mit Depot-Technikern, dass man mit  dem Melag nicht das schlechteste Gerät gekauft hat.

Ich weiss hier vor Ort mittlerweile, welches Depot ich wegen deren  Schlafmützigkeit nicht mehr anrufe für Reparaturen und finde es vom Depot etwas erklärungsbedürftig, einfach auf die große Zahl von  
zu reparierenden Steris hinzuweisen. Wenn sie das schon wissen,  sollten sie auch entsprechend reagieren (mehr Leihsteris etc.) oder  sie sind irgendwann raus aus der Stammlieferanten-Liste, so wäre es  
wenigstens bei mir.

Ich könnte eine lange Geschichte von permanenter Problemen mit dem DAC  Universal beisteuern (ich ärgere mich schon, dass ich das nicht von  Anfang an sauber protokolliert habe), ich weiss auch, dass wir damit  auch nicht die Einzigen sind, aber ich weiss auch, dass es eine Menge  Geräte gibt, die störungsfrei laufen. Da wird es schwierig, ein faires  Urteil abzugeben. „

Fehler 125

von Hans – Willi Herrmann

Fehler 125 stand auf der Display – Anzeige unseres Melag 43B – Sterilisators.

Und noch irgendwas von nicht genügend Druck  der Vakuumpumpe. Wobei eine Vakuumpumpe doch Sog aufbauen müsste, aber da habe ich vermutlich was  falsch verstanden.
Egal, weil  nebensächlich. Denn  die Sache war ernst und ein Anruf bei Dentaldepot zwecks weiterer Vorgehensweise unabdingbar.

Auch wenn ich schon vorher wusste, was man dort sagen würde.

Auf zwei Worte runtergebrochen:
Reparatur. Teuer.

Gegebenenfalls auch 4 Worte: Große Reparatur. Sehr Teuer.

Die ausführliche Version, die ich allen Lesern hier nicht vorenthalten möchte,  lief dann folgendermaßen ab:

„Ihr Melag 43 B zeigt eine Fehlermeldung ? Das ist für uns nichts Neues, Herr Dr. Herrmann.

Wir haben gegenwärtig 8 Austauschgeräte für den Reparaturfall im Einsatz  und jeden Tag mindestens eine Anfrage mehr, als wir Geräte da haben.
Und – Ja,  Sie sehen das korrekt, im Moment sind alle Geräte unterwegs, wir können Ihnen also kein Austausch – Gerät liefern. Also zumindest keinen B -Steri.

Wir werden einen Techniker noch diese Woche vorbeischicken, der wird sich ihr Gerät anschauen und dann entscheiden, ob der Steri vor Ort repariert werden kann oder mitgenommen werden muss. Sie haben ja noch einen Steri, mit dem sie sterilisieren können, insofern ist das Ganze für Sie ja nicht so problematisch.“

Das war Mittwoch letzter Woche. Donnerstags und Freitags war ich beruflich bedingt unterwegs und nicht in der Praxis. Montagsmorgen zu Arbeitsbeginnn musste ich von meinen Damen erfahren, dass der anvisierte Techniker letzte Woche unterwegs aufgehalten worden und nicht in der Praxis erschienen war.

Unser Statim lief zwischenzeitlich auf Hochtouren.

Ein Techniker, nicht der, welcher für die Reparatur des Steris vorgesehen war, erschien im Laufe des Tages, reparierte Amalgamabscheider und  Absaugung eines unserer Behandlungsstühle, schaute nach dem Melag – Steri, konnte nichts finden, empfahl eine Wartung und verschwand wieder.

Ich rufe am nächsten Tag  beim Dentaldepot an. Erinnere daran, dass unser Steri nun schon eine Woche nicht funktionsfähig sei und wie man nun weiter zu verfahren gedenke.

Antwort: „Es steht kein Leihgerät zur Verfügung.“

Dann die Frage: „War unser Herr Müller Maier Schmidt denn noch nicht bei Ihnen wegen dem Steri ?“

Ich verneine.

„Welche Fehlermeldung unser Steri denn mache ?“,fragte der Mitarbeitet, mit dem ich schon letzte Woche telefoniert hatte deswegen.

“ Fehler 125″, antworte ich, „zumindest war das letzte Woche so.“

Kurze Zeit später ist der Techniker am Telefon.

„Ja, könne schon mal vorkommen, so eine Meldung, seien nun mal ziemliche komplizierte Geräte, diese B – Steris. Manchmal käme die Meldung auch vor, wenn der Steri zu voll beladen sei oder zu nahe an einer Wand stünde. Ich solle das Ganze jetzt erst mal beobachten und wenn die Meldung häufiger komme, dann müsse man etwas tun.“

Was mir in solchenMomenten durch den Kopf geht ?
Unser Melag – N -Steri lief seit 1993 ohne Fehl und Tadel.
Gut, alle paar Jahre musste die Türdichtung erneuert werden und einmal wurde irgendwas am Steri ausgetauscht, aber ich bin sicher, das Teil liefe auch noch weitere 15 Jahre, wenn man es ließe.
Aber leider darf das Gerät ja nicht mehr verwendet werden für einen nicht unbeträchtlichen Teil unserer Instrumente. Wegen den RKI – Richtlinien.

Unser Statim, den wir ebenfalls seit 1993 oder 94 in der Praxis haben, wurde schon einmal gegen ein neues Exemplar getauscht.
Wirtschaftlicher Totalschaden gewissermassen, wenn die Reparatur annähernd so viel gekostet  hätte als das Neugerät.
Und in regelmäßigen Abständen wurden Kassettendichtungen getauscht oder das Gerät musste in die Reparatur.
Man merkt, worauf das ganze hinausläuft.

Je komplizierter, je teurer, umso öfter kaputt.

Technologischer Overkill, auf Kosten der Zahnärzte, denn mittlerweile hat sich auch in unserem Bereich auf Herstellerseite die Vorgehensweise durchgesetzt, ein Produkt im Beta – Stadium auf den Markt zu bringen, um gegenüber der Konkurrenz  Marktanteile möglichst frühzeitig und umfassend besetzen zu können.
Die Marktreife erlangt man dann im Laufe der Zeit durch, ich sach mal „Learning by Repairing.“
Bundesweiter Praxis – Test, vom Käufer finanziert. Die Konsequenz müsste sein: Nicht kaufen. 5 Jahre abwarten, bis das Produkt zuverlässig oder vom Markt verschwunden ist. Survival of the fittest.

Das geht aber nicht mehr, weil via Richtlinie der sofortige Einsatz eines Systems vorgeschrieben wird.
Und dann muss man eben kaufen, was da ist.
Und gegebenfalls auch mehrfach, wenn man die hohe Fehlerraten der Geräte ausschliessen muss.

Soll heißen. Weil es abzusehen ist, dass die Geräte bauartbedingt nur eine gewise Zeit arbeiten, wird wohl demnächst der Zweit – B -Steri in der Praxis obligat werden.
Demnächst heißt, sobald eine genügend höhe Sättigung an Erstgeräten auf dem Markt ist  und die Problematik der Reparaturanfälligkeit zu den entsprechenden Behörden durchgedrungen ist.
Und sich mit dem Profilierungsstreben von Personen in Schlüsselstellungen paart.
„Die Hygiene ist sicher“ sagt der Gesundheitsminister, der mal Arbeitsminister war und nach der Wahl ins Finanzresort wechseln will.

Statt eines N- Steris müssen dann in der Praxis 2 B -Steris vorgehalten werden.
Eigentlich sogar 3, aber durch harte Verhandlungen unserer Standesvertretungen konnt dieses Horrorszenario abgewendet und auf ein “ in der Praxis tragbares Maß“  zurückgeschraubt werden.

Das Gleiche gilt natürlich für alle anderen am Sterilisations – Prozess eingebundenen Geräte ebenso. Also zum Beispiel Thermodesinfektoren und Folienschweissgeräte.
„Get the Triple“, wird die Losung des Handels auf der der IDS 2013. Und „Drei Deißig“. Drei kaufen , der Dritte 30 Prozent billiger.  Der Dentalmarkt  hat ein Herz für seine Kunden.

Jungs, reisst schon mal eine Wand ein für die Erweiterung des Sterilisationsraumes.
Und kauft Miele – Aktien.

Ach und noch was -als Epilog sozusagen.

Die Absaugung macht noch immer die gleichen Geräusche wie vor der Reparatur.
Und der Melag 43B  zeigte heute „Fehler 351“ und empfahl zeitnah eine Wartung.

Im Hamsterrad (4)

von Hans -Willi Herrmann

Es stand in der Zeitung (Rheinzeitung 31.01.2009) 

Eine Mutter sucht wegen Krankheit ihrer zwölfjährigen Tochter im Urlaub an einem Sonntag im Ausland einen Arzt auf. 
Die Rechnung  für die Untersuchung in Höhe von 106,50 Euro wird nach der Rückkehr bei der gesetzlichen Krankenkasse eingereicht.

Im Bescheid der Krankenkasse teilt man der Frau mit, dass der Erstattungsbetrag von 3,60 Euro in Kürze überwiesen wird.

3 Euro Sechzig.
Die Frau ist ganz schön sauer.  Verständlich.

Werden nicht von den Krankenkassen auch im Ausland durchgeführte Leistungen im Krankheitsfall finanziell adäquat übernommen ?
Es geht ja hier nicht um eine Nasenkorrektur eines Fast -Teenagers, sondern um eine zur Diagnosefindung notwendige Untersuchung im Krankheitsfall.
Machen wir uns nichts vor, niemand geht am ersten Urlaubstag zum Arzt in einem fremden Land, wenn er es nicht muss.

Warum also zahlt die Krankenkasse nur 3,60 Euro ? Entsprechen die 3,60 Euro (nach Abzug einer Verwaltungsgebühr) etwa dem, was ein Arzt in Deutschland für eine solche Untersuchung von den Krankenkassen bekommt ?

Ein Blick in die BEMA, das ist die Gebührenordnung für Kassen -Zahnärzte (bei den Ärzten wird es ähnlich sein) zeigt: Beratung und symptombezogene Untersuchung: 8 Punkte.
Diese Punkte multipliziert mit dem vom Gesetzgeber festgelegten Punktwert von 0,8355 Euro ergibt das Honorar.

6,64 Euro.

Hätten Sie das gedacht ?

Ihr Kind ist krank, der Arzt untersucht es. Er versucht, zu helfen.
Nimmt sich Zeit, findet eine Lösung.
Alle freuen sich.
So soll es sein.

Die Frage sei trotzdem erlaubt:
Welchen Wert hat eine solche Leistung ?
Was würden Sie diesem Arzt in die Hand drücken ?
Was ist Ihnen diese Leistung wert ?
Betachten wir die Realität heute, im Januar 2009.
Bei einer Kostenstruktur von 25 Prozent erhält der Arzt für diese Leistung ein Brutto – Honorar von 1,67 Euro.

Brutto – Honorar heißt, das von diesem Geld die Steuern, die Tilgung für den Praxiskredit, der aufgenommen wurde, um eine Praxis überhaupt einrichten zu können, Rücklagen für zukünftige Anschaffungen  noch abgezogen werden müssen. Heißt defacto, das noch einmal ein nicht unbedeutender Betrag von diesen 1,67 Euro abgeht.
Vielleicht 1 Euro, 1,20 Euro bleiben übrig.

1,20 Euro für Massnahmen zur Gesundwerdung ihres Kindes.
Das ist also das, was man dem Arzt nach dem Besuch für seine Leistung in die Hand drückt. 

Nicht viel.

Vielleicht sogar zu wenig ?

Die Crux mit dem Calciumhydroxid (3)

Von Hans – Willi Herrmann

3 Knock Out – Facts zu selbst angemischtem Calciumhydroxid:

1. Ich bin vermutlich zu blöd dazu, aber das selbstangemischte Calciumhydroxid lässt sich mit feinen Kanülen nicht applizieren. Die elegante Spritzenapplikation scheidet also aus.

2. Ich habe 1993 eine 500 Gramm Dose CaOH2 von Merk gekauft.
Kostete damals 51 DM.

Weil jemand 10 Jahre später die Dose mit einem Entsorgungsbehälter für Nadeln verwechselt hatte und eine Nadel – Faden – Kombination darin entsorgte, musste ich im Jahr 2004 oder 2005 (die Dose war immer noch 3/4 voll mindestens)   erneut eine solche Dose kaufen.

Die Dose kostete  nun 51 Euro. Preissteigerung in etwas mehr als 10 Jahren 100 Prozent.

3. Die von Siqueira et. al. empfohlene Glycerin Beimischung (er mixte unter anderem CaOH2, Glycerin und CHKM)  zum Calciumhydroxid lässt den pH -Wert deutlich unter 12 absinken.
Insofern steht die  Frage im Raum, ob die von ihm in seiner 1998er Studie beobachtete Wirksamkeit gegenüber Bakterien dem Calciumhydroxid oder dem zum Glycerin zugemischten CHKM zuzuschreiben ist.

Ein Stückchen Blech

von Hans -Willi Herrmann

Ist es notwendig, über einen Streifen Stahl überhaupt Worte zu verlieren ?
Auf jeden Fall, wenn es um die Interguards der Firma Ultradent geht. 

Ich bin der Meinung, Achtung, dass ist jetzt kein Scherz, die Krankenkassen sollten diese Hilfsmittel den Zahnärzten kostenlos zur Verfügung stellen und ohne Murren ein Honorar bei Anwendung zahlen.
Warum ?
Weil diese unscheinbaren Hilfsmittel den Kassen jede Menge Geld sparen.
Ich finde die Interguards „Klasse“ und setze Sie in jedem Fall ein, in dem ein aproximaler Defekt in unmittelbarer Nähe zum Nachbarzahne einer Bearbeitung mittels rotierendem Diamantbohrers bedarf.

Die Interguards schützen die Nachbarzähne und die haben es nötig.
Nach mehreren Studien von Lussi werden so gut wie fast alle Nachbarzähne (einmal 100%, einmal 95 %) , die im direkten Kontakt zu einer Approximalkavität stehen, bei der Exkavation verletzt. Und dann sind weitere Füllungen vorprogrammiert. Über einen Zeitraum von 7 Jahren entwickeln sich lt. Quist et. al. mehr als doppelt so häufig kariöse Lasionen an solchen Stellen als an unbeschädigten Zähnen.

Ein Interguard separiert diese Bereiche.
Und schützt sie.  Das lässt sich sehr leicht beweisen. Ein Interguard, der im Approximalbereich lagert und nach der Exkavation ohne Zerstörung seiner Oberfläche, also zwar mit Schrammen aber ohne Loch aus dem Mund entfernt wird, hat verhindert, dass der einer Füllung benachbarte Zahn in seiner Integrität verletzt wurde. Kein iatrogener Defekt, keine Füllung, gespartes Geld für das Gesundheitssystem.

Wird der Approximalbereich ganz aufgelöst, so ist es manchmal notwendig, das/den  Interguard mit zwei Fingern in Position zu halten und wer auf Nummer sicher gehen will, der sichert das/den  Interguard gegen Verschlucken/Aspirieren mittels einer Zahnseideligatur.

Zwar gab es schon früher immer wieder Versuche und Empfehlungen, diesen Bereich zu schützen, z.B. durch eine Separierung mit Keilen, mit Hilfe von Tofflemire – Matritzen oder Korund – Stahlbändern, aber nichts funktioniert so einfach und doch zuverlässig wie ein Interguard.

Das Foto zeigt links die schmale Variante, mittig einen Interguard nach Benutzung mit Schleifspuren  und rechts die breite Variante.

Im Hamsterrad (3)

von Hans – Willi Herrmann

Am Wochenende hat ein Kollege angerufen, mit dem ich schon längere Zeit nicht mehr telefoniert habe.

Meine Tochter , 9 Jahre alt, war am Telefon.

Ob Sie wisse, wer am Telefon sei, fragte er.

„Natürlich“ sagte sie, mit ihrem immer präsenten lieben freundlichen Lächeln in der leicht singenden Stimme, „Du bist der Donald Becker„.

Wie es ihr in der Schule gefalle und ob sie schon wisse, auf welche Schule Sie demnächst ginge, wollte er wissen.

Und danach: „Weisst Du auch schon, was Du später mal werden möchtest ? “
„Zahnarzt ? Wie der Papa ?“

Wir haben in unserer Familie ein Berufsziel unserer Tochter noch nie thematisiert.
Wofür soll das in ihrem Alter gut sein ? 
In der Schule scheint dies ab und zu ein Thema unter den Kindern zu sein, denn ab und zu hatte Nele uns in letzter Zeit erzählt, dass alle schon wüssten, was sie später mal werden sollen, nur sie nicht. Wir hatten stets geantwortet, sie solle das machen, was ihr Freude mache und dass sie jetzt noch nicht sich auf irgendwas festlegen müsse. 
Unser Kind soll solange wie möglich eine glückliche Kindheit haben. Der Ernst des Lebens kommt früh genug.

Die Antwort, die Nele Donald Becker gab und vor allem, wie sie sie gab, machte mich nachdenklich.

Sie antwortete spontan. Und ruhig.
Ruhig, wie man nur antworten kann, wenn man eine Thematik mit ihrem Für und Wider für sich selbst (weder ein mögliches Berufsziel geschweige denn die Überlegung sie könne/solle beruflich in meine Fusstapfen treten war jemals Geprächsthema in unserem Hause) erörtert hat,  zu einem Ergebnis gelangt ist und mit der Thematik abgeschlossen hat:

„Nein, wenn ich sehe, wieviel Stress Papa und Mama haben, dann möchte ich das nicht.“

Die Crux mit dem Calciumhydroxid (2)

von Hans – Willi Herrmann

So um das Jahr 1997 meine ich zum ersten Mal gelesen zu haben, dass Calciumhydroxid in bestimmten Fällen nicht die Wirksamkeit entfaltet, die man ihm zugedacht hat.

Mittlerweile ist das eine Riesendiskussion und unterschiedlichste Parteien werden nicht müde, gebetsmühlenartig entweder die Unwirksamkeit oder die hochaktive Potenz dieses Mittels zu unterstreichen.
Merkwürdigerweise geht bei diesen Debatten niemand daher und hinterfragt, inwieweit das Material an sich oder jedoch vielmehr  seine  jeweilige Darreichungsform beziehungsweise die Art der Platzierung einen möglicherweise entscheidenden Einfluss haben auf die Effizienz der medikamentösen Einlage.

Ich habe Calciumhydroxid im Chemieunterricht kennengelernt.
Und später wieder in der Zahnmedizin als Calxyl rot und blau im Gläschen.

Nimmt man einen Universalindikatorstreifen und testet den pH -Wert des Materials, zeigt sich schnell, dass die bröcklige Masse, die sich innerhalb kurzer Zeit nach Öffnung des Gefässes einstellt, zu mehr oder weniger großen Teilen nicht mehr aus CaOH2 als wirksame Substanz allein, sondern auch aus einem nicht unbedeutenden Anteil CaCo3 besteht, weil eine Reaktion mit den Bestandteilen der Umgebungsluft stattfindet. Jeder von uns kennt diese bröcklige Masse, die über Monate  im Gläschen dahinvegetiert.

Die Folge – kein PH -Wert von 12, sondern ein deutlich neutralerer.
Die Wirksamkeit des Materials ist nicht mehr in ihrer vollen Form gegeben. So hatte ich es mit meinen Kenntnissen aus dem Chemieunterricht auch erwartet.

Die Konsequenz daraus: Das CaOH2 selbst anmischen, um damit immer frisches Material zur Verfügung zu haben.

Dies geht zu Lasten die Röntgensichtbarkeit (die nicht mehr gegeben ist, sofern man nicht Bariumsulfat noch zumischt (hab ich nie getan, kann man mit leben, wenn´ s wirkt)).

Ein weiteres Problem bleibt.

Die Frage der Applikation.

Ganz gleich, ob Lentulo, Micro Mega Füllspirale oder EZFill – Spezial – Lentulo.

Haben Sie schon mal Röntgtenbilder gemacht nach Applikation von CaOH2 ? Sie werden möglicherweise erstaunt sein darüber, wie wenig das Material in all die Bereiche vorgedrungen ist, die es ausfüllen soll.

CaOH2 erzielt seine Wirkung nämlich, dass wissen wir heute, vor allem bei direktem Kontakt mit den Bakterien.
Und in vielen Kanälen, in denen das Material lediglich das koronale Drittel ausfüllt, ist dies eventuell nur unzulänglich gegeben.

Warum also wirkt also das Material im Einzelfall nicht ? 
Weil CAOH2 an sich unwirksam ist ?
Kann ich nicht glauben, denn ich habe schon einmal eine Weichteilnekrose (nach Calciumhydroxidapplikation in das periradikuläre Gingivagewebe auf Grund einer vorhandenen Perforation) gesehen.
Was innerhalb von wenigen Sekunden im Zahnfleisch seine Wirkung deutlich sichtbar hinterlässt, dass killt auch Bakterien.

Oder ist CaOH2 scheinbar unwirksam, weil die Voraussetzungen nicht gegeben sind, dass es wirken kann ?

Jetzt die gute Nachricht. 
Mit der Markteinführung von Ultracal XL (Ultradent) hat sich, die Wirksamkeit betreffend, etwas  entscheidend zum Guten gewendet.

In der Ultradent – typischen Applikatorspritze steht ein röntgensichtbares und dauerhaft pH -Wert beständiges Material zur Verfügung, dass in seiner Konsistenz so dünnfließend ist, dass es mit feinen Applikationskanülen eingebracht werden kann.

Von der  Tiefe des Kanals bis zum Kanaleingang ist es damit möglich, das Material zu applizieren.
Ein inniger Kontakt mit dem zu desinfizierenden Kanalinhalt ist damit gegeben.

Von den beiden abgebildeten Kanülen Navi Tip (blau) und capillary tip (purpur) verwenden wir fast immer die zweitgenannte weniger zur Verstopfung neigende Kunststoffkanüle.

 

Die Crux mit dem Calciumhydroxid (1)

von Hans – Willi Herrmann

 

Wir haben es Alle an der Universität gelernt.

Die medikamentöse Einlage der Wahl ist Calciumhydroxid.
Nur Calciumhydroxid.
Einzig und allein Calciumhydroxid.

Es gibt Kollegen, die ausser Calxyl et. al. nichts Anderes in der Praxis haben und auch keine Notwendigkeit sehen, andere Präparate einzusetzen.

Ich gehöre nicht dazu.

Hier meine Erfahrungen und Gedanken zu diesem Thema:

Auf Grund seines hohen pH -Wertes weist Calciumhydroxid sehr gute desinfizierende Eigenschaften auf.
Aber keinerlei schmerzlindernde Eigenschaften.
Bei einem vorhandenen Entzündungsgeschehen bedeutet dies, dass entzündungsbedingte Schmerzen erst verschwinden werden, wenn nach Ausschalten der Schmerzursache (dafür ist die durchgeführte Wurzelkanalbehandlung bzw. das eingebrachte Calciumhydroxid zuständig) die Selbstheilungskräfte des Körpers das Schmerzgeschehen in den Griff bekommen haben. 
Und das kann erfahrungsgemäß 24 oder 48 oder auch mal 72 Stunden dauern. 
Und das ist der Grund, warum manche Patienten wenige Stunden nach der Behandlung (die Anästhesie hat nachgelassen) eventuell wegen weiterhin vorhandener Schmerzen  die Praxis erneut aufsuchen.
Das möchte ich dem Patienten und mir ersparen.

Will man dem Patienten in kürzerer Zeit von seinen Schmerzen befreien, kann dies eventuell durch  systemisch oder lokal eingebrachte schmerz -oder entzündungshemmende Medikamente geschehen.
Es gibt Therapieschemata, die z.B. eine Schmerzmitteleinnahme des Patienten nach der Behandlung generell als sinnvoll ansehen. 
Ich verfahre so nicht und stelle bei meinen Patienten fest, dass diese nur in Ausnahmefällen Schmerzmittel nach der Behandlung zu sich nehmen, obwohl prinzipiell jeder unserer Patienten die Möglichkeit dazu hätte. 

Ich bevorzuge in den entsprechenden Fällen  lokale Darreichungsformen, also ein Antibiotika- Corticoid – Kombi -Präparat (bei uns Pulpomixine).

Wann ich im Rahmen der Erstbehandlungssitzung welches Material verwende zeigt nachfolgendes Flußdiagramm.

 

Im Hamsterrad (2)

von Hans – Willi Herrmann

Kürzlich habe ich in einer Patientenkarteikarte geblättert eines Patienten, der am ersten Tag meiner Selbstständigkeit in meiner Praxis war.

Ich bin nun seit fast 16 Jahren in eigener Praxis niedergelassen.
Wenn ich meine Einträge aus der Anfangszeit mir anschaue, fällt sofort ins Auge, wie schön geschrieben ich meine Karteikarteneinträge damals gemacht habe.

Und heute – Fast unleserlich.
Die Eintragungen dahingekritzelt, in aller Eile.
Gehetzt, getrieben von dem Stress des Berufsalltags.

Und das hat nichts damit zu tun, dass ich einfach damals als Praxisanfänger nichts zu tun hatte.

Ich habe 1993  eine Alterspraxis übernommen. Und  –  hatte von Tag 1 an einen ausgefüllten Bestellplan. 

Trotzdem gab es damals mehr Zeit als heute.

Wenn ich nur an die Quartalsabrechnung denke. Unsere erste Quartalabrechnung haben wir noch mit handschriftlich eingetragenen Krankenscheinen gemacht. Da war die Praxis 2,5 Tag zu.

Dann kam der Krankenscheinausdruck mit Nadeldrucker auf Endlospapier.  Die Abrechnung ging in einem Tag über die Bühne.

Und heute ? Dank EDV und Diskettenabrechnung oder Online -Abrechnung bedarf die Abrechnung keinerlei Ausfallzeiten in der Praxis, sie wird „en passant“, nebenbei erledigt.

Eine gute Sache ?

Teils, teils.

Mein Praxisvorgänger hatte bei 4 Quartalen 12 Tage im Jahr Freizeit, Urlaub oder zumindest Zeit, sich den Dingen in der Praxis zu widmen, die im Tagesgeschäft immer liegen bleiben.

Heute brauchen wir die Zeit am Stuhl, in der Behandlung, um kostendeckend arbeiten zu können. Die Preissteigerungen der letzten 15 Jahre auffangen zu können.

Was kostete der Liter Benzin 1993 ? 72 Cent. Und 2008 ? Waren wir schon bei den berühmten 3 Mark 10, von denen „Ich geb Gas, ich will Spass“ – Markus in den 80er Jahren glaubte, dass er es nie erleben würde, dass diese Vision einmal wahr werden würde.

Wir brauchen die gewonnene Zeit, um die vielen Regulatorien und bürokratischen Nebenschauplätze bedienen zu können. 

Ein Antrag für eine einfache Zahnersatzversorgung ? Dass können schon mal 12 Blätter Papier sein, die man ausdrucken muss. Oder mehr, wenn man seiner Aufklärungspflicht in extenso nachkommen möchte.

Machen wir uns nichts vor: Der Stress ist nicht geringer geworden in den letzten Jahren, da geht es uns nicht anders als unseren Patienten. Überall wird gestrichen, eingespart, rationalisiert. Aber nicht wie früher, offensichtlich, als der REFA – Mann mit der Stoppuhr am Fliessband stand. Nein. Heute funktioniert soetwas sozialverträglich.  Arbeitnehmer gehen in Ruhestand und ihre Stelle wird nicht mehr besetzt. Die Arbeit, die anfällt, muss von den verbliebenen Kollegen mitgemacht werden.

Oder es gibt neue zusätzliche Aufgaben (wie z.B. alle Massnahmen, die mit Einführung der neuen RKI – Richtlinien hinzugekommen sind), die dann eben einfach so zum ohnehin schon straffen Pensum an Arbeit noch einmal hinzukommen. 

So werden Umdehung um Umdrehung die Daumenschrauben fester und fester angezogen.
Und das Hamsterrad dreht sich schneller und schneller.

Bohrerständer – Kleine Helfer

Von Hans – Willi Herrmann

 

Wo wir es gerade gestern von kostengünstigen Dingen hatten, die uns in der Praxis das Leben erleichtern, gleich noch so ein positives Beispiel.

Ein Tipp von Zahnarzt Michael Logies, Wallenhorst. 

M & W Bohrerständer aus Kunststoff. 

Wir haben im Hinblick auf die RKI – Richtlinien für jede Patientenbehandlung eigene Bohrerständer, die sterilisiert und in Steri – Folie eingeschweisst  aufbewahrt werden.

Auch hier gibt es eine Vielzahl ganz unterschiedlicher Modelle/Systeme.
Die Ständer, die wir verwenden, sind nicht optimal (die hätte man vermutlich mir erst  „backen“ müssen), aber für den überwiegenden Teil der Arbeiten (schätzungsweise für über 95 % der Fälle)  sind die Ständer in Ordnung.
Bohrer mit unterschiedlichen Schäften (FG  – Schaft und Winkelstück – Schaft) finden darin Platz und auch Bohrer mit moderater Überlänge. Es gibt die Ständer in 3 Farben, so dass 3 unterschiedliche Bestückungen gut sichtbar unterschieden werden können.

Sie kosten nicht die Welt. 6,90 Euro. Und das ist, angesichts der Tatsache, dass diese Teile durch die Sterilisation leiden,  nach einer gewissen Zeit unansehlich werden und aus optischen Gründen ausgetauscht werden müssen, ein nicht zu unterschätzender Faktor.

Wir verwenden die Bohrerständer seit 1,5 Jahren. Bisher ohne Probleme.
Ich denke, dass ist ein Zeitrahmen, nachdem man schon einmal eine Empfehlung abgeben kann.

 

Bohrerständer M&W

Led ION Update

von Hans – Willi Herrmann

Rund 3 Monate arbeite ich jetzt schon mit der Led ION Plus Leuchte von Sigma Dental.

Ausnahmslos.
Könnte ich noch darauf verzichten ?

Nur wenn ich einen adäquaten Ersatz hätte.

Aber „Ganz Ohne“ auskommen  ?
Keine Chance, es geht nicht mehr.

Die Led ION fällt nicht zur Last beim Tragen, sie ist für mich de facto nicht auffällig, nicht spürbar.
Ich kann damit den ganzen Tag arbeiten, ohne dass ihre Gewicht sich negativ bemerkbar macht. Das war mit dem von mir verwendeten Lupenleuchte auf Halogenbasis und mit Glasfaserleiter nicht so. Hier war nach längerer Tragezeit das zusätzliche Gewicht spürbar, ja teilweise sogar richtig lästig.

Am deutlichsten wir all dies mir bewußt, wenn der  Leuchten – Akku aufgebraucht ist und zum Nachladen ans Stromnetz muss.

Dann stehe ich ziemlich im Dunkeln. Ein Ersatz – Akku wäre vermutlich sinnvoll (der Mitbewerber „Starmed“ bietet so etwas standardmäßig an).
Auf der kommenden IDS werde ich bei Sigma – Dental einmal nachfragen,was so was kostet. Ich vermute, es wird nicht billig sein.
Bis dahin hängen wir den einzig vorhandenen Akku jeden Abend ans Ladegerät zum „Auftanken“.

Im Alltagsgeschäft geht das manchmal,  aus welchen Gründen auch immer, vergessen.
Die Folge ist,  am nächsten Tag, mitten in der Arbeit, geht das Licht aus. Und dann können 1- 2 Stunden, bis der Akku wieder aufgeladen ist, sehr lange sein… Gefühlte Ewigkeiten.

Ein Kollege erzählte mir vor einigen Wochen, dass er die Wärmeentwicklung der Lampe als zumindest so hoch empfindet, dass es für ihn zwar akzeptabel,  aber doch unangenehm spürbar ist.  Ich für meine Person bemerke das nicht in dieser Dimension. Vielleicht ist  an meiner Lupenbrille die Leuchte weit genug von meiner Stirn entfernt montiert, so dass die Wärmestrahlung nicht so sehr ins Gewicht fällt.
Auch hat er ein gewisses Nachlassen der Akkuleistung gegen Ende des Arbeitstages registriert. 
Das stelle auch ich anekdotisch ab und zu mal fest, jedoch ist dies bisher bei uns,  einen vollen Startakku vorausgesetzt, nicht so drastisch, dass es störend ins Gewicht fallen würde. Möglicherweise nimmt dieses Phänomen im Laufe der Zeit mit zunehmendem Ermüdungseffekt des Akkus zu.
Ich werde gegebenenfalls berichten.

Alles in allem ist die Led ION sicherlich kein Fehlkauf, selbst wenn, vorausgesetzt, ich bekomme sie irgendwann einmal in die Finger, die Starmed  – LED – Leuchte den positiven Eindruck der LED ION noch übertreffen sollte.

Auslandszahnersatz – Hart, aber fair ?

von Hans – Willi Herrmann

In einem Artikel der Süddeutschen Zeitung vom 02.01.2009 mit der Überschrift „Der Lückenfüller“ gibt es ein paar interessante Zahlen und auch Denkweisen zu Auslandszahnersatz.

Wer ihn liest, der wird nicht umher kommen, zu realisieren, dass Auslandszahnersatz angesichts  knapper Geldbeutel bei Krankenkassen und Versicherten die  Schmuddelecke des Globudent – Skandals vergleichsweise schnell verlassen hat.

Man muss kein großer Prophet sein, um vorherzusagen, dass Auslandszahnersatz seinen Platz in der deutschen Zahnmedizin beibehalten und darüber hinaus noch deutlich stärkere Verbreitung finden wird. Alle Zeichen, sogar die Stimmen in der Zahnärzteschaft, weisen in diese Richtung.

Was in dem Artikel steht, klingt vordergründig gut.
Eine ganze Reihe von positiv besetzten Schlüsselworten tragen subliminal dazu bei, Vertrauen in diese Art von Gesundheitsdienst aufzubauen. Ob geschicktes Marketing oder Fakten, ich kann es nicht beurteilen, denn ich habe noch nie Auslandszahnersatz in Auftrag gegeben und war auch noch nicht vor Ort in einer solchen Produktionsstätte. Aber ich weiss,  auf jeden Fall wird der Artikel in der Tageszeitung weiter dazu beitragen, dass die Hersteller von Auslandszahnersatz neue Kunden gewinnen werden, sowohl Zahnärzte als auch Patienten.

Es ist die Macht des Faktischen, des pekuniären Vorteils, die letztendlich dazu führen wird.
So sicher wie das Amen in der Kirche.

Nun ist also auch die Zahntechnik in Deutschland letztendlich im globalen Zeitalter angekommen.
Schöne Neue Welt.

Ich zitiere den Beitrag aus der „Süddeutschen“ bewusst nicht. Weil ich nicht mehr als notwendig dazu betragen will, einen Trend zu unterstützen, von dem ich nicht weiss, inwieweit er zum Vorteil gereicht.

Dass wir uns nicht falsch verstehen.
Natürlich wird diese Entwicklung einer ganzen Reihe von Patienten, Zahnärzten, Zahntechnikern, Kaufleuten und anderen beruflich an dieser Entwicklung Beteiligten (bis hin zum Mediengestalter, der die Werbebroschüren entwirft und dem Flughafenmitarbeiter, der den Container aus dem Jumbo rollt)  zum wirtschaftlichen Vorteil gereichen.
Aber er wird auch Nachteile mit sich bringen.
Für Andere.

Und keiner von uns weiss, was unter dem Strich dabei rauskommt. 

Wir sind dabei, eine Überraschungstüte aufzumachen.
Wir wissen nicht, was drin ist.
Ich hoffe, dass es nicht eine Büchse der Pandora ist, die wir öffnen.

Wer aber auf jeden Fall Verlierer dieser Entwicklung ist, dass kann ich schon heute sagen. 

Es sind die deutschen Zahntechniker.

Denn diese kämpfen einen ungleichen Kampf.

Analysieren wir einmal ganz nüchtern: Warum wird Auslandszahnersatz nachgefragt ?

Er ist billiger. Ein einfacher, aber nachhaltiger Grund.

Ist er für den Zahnarzt billiger ? Nein, dass ist er nicht. 
Ein Zahnarzt gewinnt gegebenenfalls einen Wettbewerbsvorteil dahingehend, dass er gegenüber seinem Kollegen vor Ort kostengünstiger eine Leistung anbieten oder Patienten als Kunden gewinnen kann, die nicht soviel Geld ausgeben wollen oder können.
Ein Zahnarzt verdient jedoch per se kein Geld daran, dass er dem Patienten billigeren Zahnersatz anbieten kann. 

Verdienen, also Geld sparen demnach die Patienten, die Krankenkassen, der Staat.

Warum ist Auslandszahnersatz billiger ?
Im vorliegenden Fall einer Firma, die Zahnersatz in China herstellen lässt, sind es nicht die Materialkosten.
Denn das Material wird laut Aussage der Betreiber aus Deutschland bezogen.

Man spart also bei den Lohnkosten und den Produktionskosten.
Die Gehälter der Mitarbeiter sind niedriger.
Die Kosten für die Errichtung und den Unterhalt der Produktion.
Man muss weniger Abgaben an den Staat zahlen als bei uns.

Zahnersatz ist ein arbeitsintensives Produkt, dass individuell hergestellt werden muss.

Das bedeutet gegenüber standardisiert zu fertigenden Produkten einen hohen Lohnkostenanteil. Durch deutlich niedrigere Lohnkosten und die generell niedrigere Gesamtkostenstruktur lassen sich  bei Auslandszahnersatz höhere Versandkosten und die dafür notwendige Vetriebs – und Managementstrukturen aus den Ersparnissen überkompensieren.

Und der Zahntechniker in Deutschland ?
Produziert hier.
In „Good Old Germany“.
Bei ortsansässigen Kosten. Seinen Lebensunterhalt betreffend, seine sozialen Abgaben. 

Egal, wen kümmerts ?
Wer Auslandszahnersatz gut findet, dem sei gesagt, dass dies sein gutes Recht ist. 
„Der Preis ist heiss“, „Geiz ist geil !“ und „Ich bin ja nicht blöd“.  
Und warum sollte ein Zahnersatz aus dem Ausland per se schlechter sein als aus Deutschland.
Wer dies unterstellt, der verhält sich im höchsten Maße weltfremd, überheblich, arrogant.

Aber.
Jeder, der Auslandszahnersatz fordert.
Oder sogar einfordert.
Der sei angehalten, sich vor Augen zu halten.
Was ist, wenn das Produkt meines täglichen Arbeitens und damit mein Gelderwerb plötzlich von Jemandem deutlich kostengünstiger hergestellt wird, weil man ihm weniger Kosten aufbürdet.
Finde ich das dann immer noch so toll ? 

Wenn man nur ein wenig Phantasie aufbringt, dann kann man für viele viele Bereiche Szenarien konstruieren, die dem nahe kommen. 

Ich denke zum Beispiel an den  Automobilbauer bei Audi, dem gesagt wird, wir können das Auto, dass Du baust, in Ungarn billiger produzieren. Wir legen nun dein Werk in Deutschland still.

Wird nicht kommen ?
Hoffentlich. Aber wie war das mit dem Handyproduzenten, der seine Produktion nach Rumänien verlegt hat ?

Okay, Produktion ist ein einfaches Beispiel. Wird mich schon nicht treffen, denkt Derjenige vielleicht, der  nicht in der Produktion arbeitet. Sondern im Dienstleistungsbereich.
Und Deutschland wird dann einfach immer mehr  zu einem  Dienstleistungsland.

Funktioniert aber nur, wenn irgendjemand noch bereit und in der Lage ist, diese Dienstleistungen in Anspruch zu nehmen und zu bezahlen. Wird schwierig mit Hartz 4.
Und – auch Dienstleistungsbereiche kann man outsourcen.
Callcenter im Ausland. Kein Problem. Hatte ich schon des öfteren in den letzten 2,3 Jahren am Telefon.

Was gegenwärtig in der Zahntechnik passiert, ist nur ein Puzzlesteinchen einer Entwicklung, die langsam und schleichend zu einem weiteren Ausbluten und mit gewisser zeitlicher Verzögerung nachfolgend als nächste Stufe eine Eskalationskaskade zu einer weiteren Destablisierung unseren sozialen Systems und letztendlich unserer Gesellschaft führen wird.

Wer denkt, dass wir Geld sparen werden durch diese Entwicklungen, der irrt.

Wir werden Geld verlieren auf längere Sicht.
Und noch viel viel mehr als Geld.

Nämlich wieder ein weiteres Stückchen an Sicherheit.

„Die fetten Jahre sind vorbei“.
Nichts mehr wird so sein wie früher.  Auch dass war schon immer so.
„Die einzige Konstante ist der  Wandel“.

Aber früher hatten wir mehr Grund zur Annahme, dass das Neue das Bessere sein wird.

Wie immer in solchen Situationen rufen viele Leute nach dem Staat.
Der es richten soll.
Ich persönlich sehe die Aufgabe des Staates nicht darin, Jemandem, der selbst verschuldet  (und wie im Falle der gegenwärtigen Bankenkrise aus Gewinnmaximierung und Habgier, weil er den Hals nicht vollkriegen konnte) sich in wirtschaftliche Schwierigkeiten gebracht hat, auf Kosten der Allgemeinheit unter die Arme zu greifen.
Damit er, stande pede wieder zu gewohnten Verhaltensmustern zurückkehren kann.

Die Aufgabe des Staates ist es jedoch, seine Bürger zu protektieren.

Es darf nicht sein, dass ein Staat seine Steuerzahler, also diejenigen, die ihn unterhalten, durch die Auflagen, die er Ihnen macht, die Lebensumstände, die er Ihnen auferlegt, dazu bringt, dass Sie nicht mehr in der Lage sind, ihrer Arbeit nachzukommen.

Soll der Staat also Auslandszahnersatz verbieten ?
Das wäre lächerlich.

Oder zumindest zu einem Protektionismus der Schutzzölle zurückkehren ?
Der Gedanke  ist vordergründig, in bierseliger Stammtischatmosphäre  sicherlich reizvoll, aber nicht machbar. 
Aber lassen sie uns einen Moment darüber nachzudenken, die Idee als Gedankenmodell aufgreifend, Augen öffnend.
Wie wäre es im  Umkehrschluss, wenn der Staat seinen einheimischen Bürgern die gleichen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen anzubieten würde wie den Leistungserbringern im Ausland. 

Ach, das geht nicht, sagen Sie. Der Staat hat Kosten, die er tragen muss, und wenn er den Preis für seine Leistung  (nicht anders sind ja Steuern) senkt, dann ginge er pleite.
Dann sagen Sie  dass bitte auch mal dem  Zahntechniker, der sich im heimischen Bad Irgendwo bemüht, seinen Betrieb am Laufen zu halten.  Der gerade von seinem langjährigen Geschäftspartner, einem ortsansässigen Zahnarzt, mitgeteilt bekommen hat, dass sich der Patient für die günstigere Brücke aus China entschieden hat. Und dass davon auszugehen ist, dass von nun an der Satz  „Tut mir leid, aber sie waren zu teuer“ noch deutlich öfters zu hören sein wird  in nächster Zukunft.

Was also ist zu tun ?
Pflicht ist ein hartes Wort. Ein altmodisches Wort. Ein ungeliebtes Wort. Und in diesem unserem Lande, historisch bedingt, negativ besetzt. Dem bin ich mir bewußt, wenn ich sage: Es ist die Pflicht des Staates, seinen Bürgern gegenüber, diese nicht Situationen auszusetzen oder von diesen einzufordern, die ungleich schlechter sind als die Derjenigen, die dem Staate nicht angehören.

Auf ein kleinsten Nenner gebracht, auf eine Mindestmaß, dass nicht unterschritten werden darf, bedeutet dies, im Hinblick auf die Zahntechnik: Der Staat sollte sich jeder Forderung nach billigerem Auslandszahnersatz enthalten. Er sollte dies weder propagieren, noch es zulassen, dass andere Institionen dies propagieren. 

Und auf keinen Fall, wie gegenwärtig dies defacto der Fall ist, gesetzliche  Strukturen schaffen, die einen solchen Auslandszahnersatz fördern oder mittlerweile sogar, betrachtet man die suggestiven Schriftstücke der Krankenkassen, zwischen den Zeilen dies einfordern. Das geht zu weit. Ist nicht fair.

Mag sein, dass dies hart ist für den Staat, dem damit kurzfristig Geld verloren geht.

Aber es wäre fair, seinen Bürgern gegenüber. 
Denn Zahntechnik „ist überall“. 
Und auch Zahntechniker sind Bürger.

Einmalpuster – Top oder Flop (3)

von Hans – Willi Herrmann

Mit den Erfahrungen, die Pro – Tip – Kanülen betreffend, stehe ich offensichtlich nicht alleine da.

Gestern, bei einem Autoren – Treffen, stellte sich heraus, dass auch Olaf Löffler und Christian Danzl mit den Spritzenansätzen gearbeitet hatten und dabei ebenfalls zu dem Ergebnis gekommen sind, dass  „noch Potential nach oben“ drin ist, dieses System betreffend. Letztendlich waren es die Schwierigkeiten bei der Applikation, die jeden von uns veranlasst haben, wieder von dieser Lösung Abstand zu nehmen.

Gegenwärtig ist in keiner der 3 Praxen das System mehr im Einsatz.

Einmalpuster – Top oder Flop (2)

von Hans – Willi Herrmann

Seit einigen Wochen haben wir die Pro Tip – Pusteransätze gegen das Riskontrol – System der Firma Aceton getauscht.
Einfach aus dem Beweggrund heraus, dass wir mit Pro Tip zwar leben könnten, aber  nicht hundertprozentig zufrieden waren. 

Vor einigen Jahren, unmittelbar bei Markteinführung hatte ich mir das Riskontrol – System schon mal angeschaut, die Ansätze aber nicht als besonders hochwertig wahrgenommen. Als die Bestellung in der Praxis eintraf, war ich zunächst einmal erstaunt über die Materialbeschaffenheit der Kanülen. Ich hatte diese ganz anders in Erinnerung, nämlich aus weicherem Kunststoff, einem haptisch anders gearteten Material. Sicherlich eine Sinnestäuschung. Vermutlich war die Kanüle schon immer so wie jetzt, egal, die „neue Version“ gefällt mir besser ;-) Weiterlesen

Einmalpuster – Top oder Flop (1)

von Hans – Willi Herrmann

Um es vorweg zu nehmen.

Und – weil wir gestern gerade von Dingen gesprochen haben, die nicht mehr genutzt in dunklen Schubladen ein jämmerliches Dentalrentner – Dasein fristen.
Heute geht es in diesem Blog um einen Flop: Im letzten Jahr haben wir unsere Luftpuster an den Behandlungseinheiten von sterilisierbaren Mehrfachansätzen auf Einmalansätze umgestellt.

Beide Arbeitsmodelle (Sterilisation und Einmalanwendung) sind möglich und so haben wir uns entschlossen (weil uns keine Erfahrungswerte bis dahin vorlagen), die Probe auf s Exempel zu machen und „side by side“ die Vor- und Nachteile der zwei unterschiedlichen Vorgehensweisen auszuprobieren.

Von den zwei zur Auswahl stehenden Einmalansätzen haben wir zunächst die Pro Tip – Ansätze der Firma Loser ausprobiert.
Warum die Wahl zunächst auf dieses System fiel ?

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Kamera – Dinosaurier (1) Sanyo E6

von Hans – Willi Herrmann

Allzuoft kommt es vor: Für die Praxis wird ein neues Gerät gekauft und es ist nicht gerade billig. Wie das nun mal so ist, wenn ZAHNMEDIZIN irgendwo drauf steht. 
Das wäre noch zu verschmerzen, man gewöhnt sich halt dran im Laufe der Zeit und dann tuts nicht mehr ganz so weh, wenn man wieder mal mit dem nicht ausgesprochenen aber stets vorausgesetzten Verweis auf die bis zur Obergrenze auszureizende Kaufkraft des DENTAL – Marktes kräftig zur Kasse gebeten wird.
Aber dann erfüllt das teure Gerät nicht die Erwartungen, die einen zum  Kauf bewogen haben.
Und so verstaubt das exklusive Teil  alsbald in irgendeiner Schublade irgendeines Praxisschranks, um dann über viele viele Jahre immer mal wieder in die Hand genommen und anschließend doch wieder in eben diese Schublade zurückgelegt zu werden. 
Schlußendlich – bei einer Inventur, vermutlich im Rahmen der Praxisübergabe, wird es dann mit großem Kopfschütteln darüber, wie man für so einen Mist Geld ausgeben konnte, entsorgt werden.

Der umgekehrte Fall ist eher selten, aber dann umso lobenswerter.
Ich spreche von ebenso nützlichen wie kostengünstigen Hilfsmitteln, bei denen es einfach Spass macht, damit zu arbeiten und man sich auch nach längerer Zeit immer wieder über die erzielten Ergebnisse freut.

Wie bei der Sanyo E6 Kamera, einer digitalen „point and shoot“ –  Kamera, die so unscheinbar ist, dass diese selbst im Hinblick auf für ihre eigentlichen Bestimmung, der unkomplizierten Schnappschussfotografie, extrem wenig Beachtung beim Käufer gefunden hat. Weiterlesen

Stille Nacht

von Hans  Willi Herrmann

Es ist irgendwie merkwürdig.
Zwischen den Jahren ist die Praxis nicht einmal 2 Wochen zu.

Aber irgendwie ist die Zeit vor Weihnachten, dann doch jedes Mal wieder so, als ob es im neuen Jahr nicht weiterginge und Alles bis kurz vor Heiligabend fertig, im Kasten zu sein habe.

Es geht dann aber doch weiter. 
Jedes Mal wieder. Und zwar schon viel zu bald.

Nutzen wir also die wenigen, besinnlichen Tage zwischen den Jahren, um ein bischen Ruhe, ein wenig Abstand zu finden von der Hektik des (Zahnärzte) Alltags.

Auch „Wurzelspitze“ macht Pause zwischen den Jahren.

An dieser Stelle mein Dank, im Namen aller Autoren, für die positive Resonanz, die wir auf diesen Blog in den letzten beiden Monaten bekommen haben.
Es freut uns sehr, dass offensichtlich das, was wir tun, ankommt, Sinn macht. 

Wie werden weitermachen, im neuen Jahr.
Versprochen.
Bis dahin eine schöne und ruhige Zeit.

Frohe Weihnachten.

Kabelbaum, Klappe, die Dritte

von Hans – Willi Herrmann

Wirr in der Gegend rumhängende Kabel sind nicht nur ein Problem der Kaps – Mikroskope.

Auch mich hat der Kabelverhau an meinem Zeiss Pro Magis gestört.

Vor ein paar Jahren bin ich fündig geworden und zwar nicht im Dentalbereich, sondern ganz woanders.
Bei Bang und Olufsen.

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Weihnachts – Happy End ?

von Hans – Willi Herrmann

Vor 2 Tagen habe ich einen Anruf eines Vivadent – Mitarbeiters bekommen.
Sehr höflich. Professionell.

Er war von dem Aussendienstmitarbeiter unseres Dental- Depots, Herrn Uwe Bauer von Grill und Grill Frankfurt, gebeten worden, sich mit uns in Verbindung zu setzen.

Nachdem ich ihm geschildert hatte, welchen Fehler unsere Bluephase- Lampe aufwies, ihm die Seriennummer unseres Gerät genannt hatte und zusagte, ihm die Fehlerbeschreibung des Depots  zuzufaxen, bot er an, den Vorgang zu prüfen.

Gestern kam der Anruf, Vivadent werde die Lampe kulanterweise kostenfrei reparieren.

Dies alles geschah wohlgemerkt, bevor der „Ein Quantum Trost“ – Beitrag erschienen war.
Wir können dies also als lobenswerten Service der Firma Vivadent, dem Kunden gegenüber,  verbuchen.
Und wünschen uns, dass alle Firmen im Dentalmarkt so verfahren würden. Denn leider ist eine solche Vorgehensweise sehr selten geworden.

Ein Quantum Trost

von Hans – Willi Herrmann

Es gibt Firmennamen wie Donnerhall in der Zahnmedizin.
Firmen, denen man unbedingt und nachhaltig vertrauen kann oder dies zumindest in der Vergangenheit so war.

Zumeist stützt sich der gute Ruf auf ein oder mehrere qualitativ hochwertige Produkte, die ihre Ausnahmestellung über viele Jahre hinweg bewiesen haben.

KAVO und SIEMENS waren solche Namen.
Was Behandlungsstühle anging.

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Und noch ein Mikroskopstuhl

von Hans – Willi Herrmann

Es geht ja immer noch ein bisschen besser.

Habe ich vor ein paar Tagen hier den Jörg & Sohn Stuhl lobend erwähnt (wir haben 4 Stück davon), so ist das noch nicht das Ende der Fahnenstange. 

Hier der ERGOsit Stuhl von Jadent.

Im Gegensatz zum Jörg & Sohn Stuhl 2 gravierende Unterschiede: Die Armlehnen sind deutlich länger und sie lassen sich schräg stellen.
Mit diesem Stuhl ist es möglich, mit vollkommen entlasteten Armen (weil abgestützt bis  in unmittelbare Nähe des Behandlungsobjektes) zu arbeiten. Damit gelingt es,  dauerhaft Klasse 1 –  und Klasse 2 – Bewegungen durchzuführen, dass heißt zum Arbeiten brauchen nur die Finger bzw. maximal die Handgelenke bewegt zu werden. Ein sehr präzises und auch auf längere Zeit ermüdungsfreies Arbeiten ist so möglich.

Denn Stuhl gibt es im Übrigen in 3 Sitzvarianten und, wem das knallig Rot des Beispielbildes nicht gefällt, in 12 verschiedenen Farben zur Auswahl.

Viel wichtiger noch, sie sollten die gepolsterte Armvariante wählen (die Original – Lehne war ungepolstert) und sich überlegen, ob sie die kurze  (30 cm) oder die lange (43 cm) Variante bevorzugen.

 

 

Im Hamsterrad

von Hans – Willi Herrmann

Die junge Anästhesistin, die bei uns auf dem Stuhl zur Wurzelkanalbehandung saß, sah müde, übernächtigt aus.
Dunkle Ringe unter ihren Augen. 

Zum 3. Mal Nachtdienst in dieser Woche.
Mit einer  Reihe von akuten Zwischenfällen, die deutliche Spuren in ihrem Gesicht hinterlassen hatten. Nichts mit Durchschlafen auf der Arbeit.
Und zwischendrin der normale Tagdienst, also keine  Freizeit, zumindest nicht in dem Maße, dass man von einer der Belastung angemessenen Regeneration hätte sprechen können.

Kann unter diesen Umständen garantiert werden, dass die mit der  hohen Verantwortung einhergehende  notwendige Leistungsfähigkeit zu jeder Zeit und in jeder Situation sichergestellt ist ?

Und – was mich noch nachdenklicher machte. 

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Hama Ringlicht – Update

von Hans – Willi Herrmann

Vor ein paar Tagen habe ich an dieser Stelle das Hama –  Kompakt LED – Ringlicht in diesem Blog vorgestellt.

Hier nun weitere klinische Bilder, die mit einer Sanyo E6 Kompaktkamera gemacht wurden. 
Das Ringlicht wurde zusätzlich zum Blitz der Kamera eingesetzt. Hierbei dient es vor allem der Ausleuchtung der Zähne auch im hinteren Mundhöhlenbereich.
Insbesondere der Autofokus der Kamera profitiert davon, findet er doch schneller und zuverlässig sein Ziel.
Zähne sind sehr kontrastarm. Dies ist gerade bei schwierigen Lichtverhältnissen des öfteren  ein Ärgernis, da der Autofokus der Kamera kein Ziel findet, auf das er scharfstellen kann.
Hier stellt das Hama -LED – Licht gegenüber der Original -Kamera eine deutliche Verbesserung dar.

 

 

Behandlungsstuhl für das Dentalmikroskop

von Hans – Willi Herrmann

In den letzten Wochen habe ich mehrmals Anfragen bekommen, mit welchem Arbeitsstuhl wir am Dentalmikroskop arbeiten. 

Ich würde diese Antwort gerne erschöpfend und präzise beantworten.
Aber Fakt ist, es ist schon zu lange her, dass ich den Stuhl gekauft habe, als dass ich die Bezeichnung wüßte.
Fakt ist aber auch, dass ich auf den Stuhl auf keinen Fall verzichten möchte.
Und meine Assistentin am Dentalmikroskop ebenfalls nicht.

Und wo wir gerade bei Sachen sind, die mit zunehmendem Alter in Vergessenheit geraten.
Ich habe noch deutlich vor der Jahrtausendwende einen Stuhl gekauft, (dessen Namen mir vollends entfallen ist und) der 

a) ebenfalls Armlehnen aufweist, sogar ausziehbare und federgestützte

b) ich glaube aus Skandinavien stammt

c)  mich irgendwie eher an einen Gynäkologen – Praxis erinnert.

Den würde ich NICHT wieder kaufen. 

Was nicht heißt, dass andere damit glänzend zurechtkommen können. Aber für das Arbeiten am Dentalmikroskop ist der Stuhl, ich sach mal, „suboptimal“. Und wer mit dem Jörg & Sohn Stuhl, den wir verwenden, am Dentalmikroskop gearbeitet hat, der will auch alle andere Sachen mit diesem Stuhl behandeln.

Weil die Arme superabgestützt sind und sich so sehr sehr präzise arbeiten lässt. Schon mal versucht, ne 8.0er Naht ohne Abstützung zu entfernen, wenn man gewohnt ist, das die Arme absolut sicher und unverrückbar ruhen ? Ich sehe, wir verstehen uns.

Ach ja, auf der Stuhlunterseite steht im Übrigen Folgendes:

Jörg & Sohn

Modell 11015/2×2014
K20 SDD

Ich hoffe, es hilft weiter.
Zur Sicherheit werde ich bei Gelegenheit noch ein Bild vom Stuhl einstellen, ich hab nur im Moment keins greifbar.
Nur ein Bild des skandinavischen Stuhls, den wir nicht mehr verwenden.
Der sieht so aus…

Neuer Hut

von Hans – Willi Herrmann

Mit Opaldam hat Ultradent ein ein weiteres Eisen  im Feuer, wenn es um das Abdichten von Kofferdam – Undichtigkeiten geht. Ebenfalls in der Ultradent – typischen Applikations – Spritze geliefert, erscheint es auf den ersten Blick als die modernere, zeitgemäßere, smartere Variante des  Klassikers Oraseal, der an dieser Stelle schon vorgestellt wurde.

Trotzdem konnte es in unserer Praxis Oraseal nicht ersetzen oder gar überflüssig machen. Im Gegenteil kommt Opaldam zur Abdichtung von Kofferdam- Undichtigkeiten gegenüber Oraseal weniger oft zum Einsatz.

Für das Material spricht aus unserer Sicht, dass es im Gegensatz zu Oraseal nicht schmiert. Das nervt nämlich bei Oraseal. Insbesonders dann, wenn sich die Abdichtung in unmittelbarer Nähe der Kavität befindet und man versehentlich mit einem Instrument oder einer Spülkanüle an das Oraseal herankommt und dieses unkontrolliert in der Gegend  verteilt.
Opaldam, im Ausgangszustand mit einer Konsistenz, die an thixotrophere Flow – Komposits erinnert,  wird mit UV – Licht ausgehärtet und bildet danach eine feste Masse. Es kann punktgenau appliziert werden, viel genauer als es mit Oraseal möglich wäre und lässt sich nach Ende der Behandlung schnell und einfach, zumeist sogar mit dem Kofferdam per se entfernen.

Jetzt aber die Nachteile:

  • Zum einen muss die Oberfläche, die abgedichtet werden soll, vollkommen trocken sein.
    Ist dies der Fall, kein Problem.
    Was aber passiert, wenn dies nicht gegeben ist: Im Gegensatz zu Oraseal, dass von leichter Feuchtigkeit sich unbeeindruckt zeigt und diese sogar aufnimmt, führt ein Feuchtigkeitsfilm bei Opaldam dazu, dass sich das Material möglicherweise vom Zahn oder Kofferdam ablöst und damit unbrauchbar wird.
  • Wird der Kofferdam bewegt, zum Beispiel bei der Durchführung eines Röntgenbildes, so kann es sein, dass die Haftung des Opaldams verloren geht  und Feuchtigkeit zutritt oder das Material sich vom Zahn oder Kofferdam löst. Oraseal klebt besser am Zahn und ist deshalb, was diese Zwischenfälle angeht, weniger anfällig.
  • Das opake Material bedarf einer gewissen Zeit der Lichthärtung.
    Mit wenigen Sekunden ist es nicht getan, es sollte schon ein Zyklus von 20 Sekunden pro Härtung nicht unterschritten werden.
    Pro Seite, was bedeutet,dass man bei einer zirkulären Abdichtung schon eine Minute zum Aushärten einkalkulieren muss.
    60 Sekunden, nicht viel –  sagen Sie ?
    Naja, wenn man bei Oraseal die gesamte Prozedur in weniger als 5 Sekunden abgehandelt hat, dann fällt die Wartezeit bei Opaldam in bestimmten Fällen schon irgendwie ein wenig nervig ins Gewicht.
    Ich wollte es ja auch nur angesprochen haben …

Unser Fazit: Wenn möglich, greifen wir zu Opaldam, aber meistens ist doch Oraseal das Material der Wahl.

 

Zahnerhalt durch Endodontie künftig nicht mehr gefragt

von Hans -Willi Herrmann

Ich habe gestern an einem Zahn 128 Minuten damit zugebracht, zwei abgebrochene Instrumente aus einem Wurzelkanal zu entfernen, um diesen dann in der nächsten Behandlungssitzung fertig aufbereiten und füllen zu können.

In den mir noch verbliebenen 12 Minuten unserer Mittagspause (wir hatten knapp 50 Minuten überzogen, weil die Fragmententfernung sich als wesentlich schwieriger herausstellte als zunächst vermutet)  fiel mir dann nachfolgender Artikel in der Zeitschrift DZW (Ausgabe 49/08) in die Hände.

Unter der Überschrift „Zahnerhalt durch Endodontie künftig nicht mehr gefragt“ heißt es dort:

Berechne man auf Basis BMG  – eigener Zahlen (Drucksache 16/657)  (Anmerkung des Verfassers: BMG – die Abkürzung steht für Bundesministerium für Gesundheit) die pro Leistung zur Verfügung stehende Zeit, werde deutlich, so die DGEndo, das die Erbringung zahnärztlicher Leistungen in der erforderlichen Qualität vielfach nicht mehr gewährleistet ist. Hierbei seien Leistungen aus dem Bereich Zahnerhaltung besonders betroffen:

  • Für Maßnahmen zur Erhaltung eines freiliegenden Zahnnervs, inklusive der Entfernung aller Karies und einer temporären Füllung bekommt der Zahnarzt 2,2 Minuten Zeit.
  • Die Aufbereitung eines Wurzelkanals darf insgesamt 11 Minuten Zeit in Anspruch nehmen.
  • Für die Füllung eines Wurzelkanals hat der Zahnarzt 6,4 Minuten Zeit.
  • Das behandlungsentscheidende Aufsuchen und die Darstellung aller Wurzelkanäle eines Zahnes wird ebenso wie die wichtige Anwendung elektrophysikalisch-chemischer Methoden zur Reinigung und Desinfektion des Wurzelkanals überhaupt nicht mehr vergütet.

Über diese Auflistung hinaus zeigten die ergänzenden Bestimmungen des Entwurfs zu den enthaltenen Leistungspositionen deutlich auf, so die DGEndo, dass den Verfassern fachliche Zusammenhänge der endodontischen Behandlung zum Teil völlig unklar sein müssen.

Ach – und da war noch eine Pressemeldung, von mir aufgeschnappt am Abend zuvor: Nachdem seit zwölf Jahren die Honorare der Architekten und Ingenieure nicht mehr angehoben wurden, beabsichtigt die Bundesregierung nunmehr eine lineare Erhöhung der Honorare um 10 Prozent. 

Und in diesem Zusammenhang noch eine Info: Bereits im April diesen Jahres war die Erhöhung der Gebührenordnung für Tierärzte um 12 Prozent angekündigt worden.

Kommen wir zurück zur angestrebten neuen Gebührenordnung für Zahnärzte: Die Erhöhung, die vorgesehen ist, 21 Jahre, nachdem die letzte Änderung stattgefunden hat: Rund 0.4 Prozent.
Das entspricht einer rückwirkenden Erhöhung von 0.021 Prozent pro Jahr.
Also, noch einmal ganz langsam zum Mitschreiben: 0.21 Promille pro Jahr. 

Und damit sie nicht denken, hier geht es wieder einmal nur ums  Geld, sage ich es ganz klar.
Nein, hier geht es nämlich nicht um Geld.
Hier geht es darum, wie man mit den Leistungserbringern und auch den Leistungsempfängern  im Gesundheitswesen umgeht.  

Und ich lade jedes Mitglied des Bundestags herzlich ein, einen Tag lang in unserer Praxis zu hospitieren, um sich selbst ein detailliertes Bild davon zu machen, was Zahnmedizin bedeutet. Für uns und unsere Patienten.

0,021 Prozent pro Jahr. 
Jetzt mal ganz ehrlich. Wie würden sie reagieren, wenn man Ihnen, in ihrem Job, dies für die nächsten 20 Jahre als „Tarifvertrag“ vorschlagen würde?

Erfreut? Gleichgültig? Frustriert? Wütend? Resignierend?

Und ein solches Verhalten, das nichts anderes bedeutet als die Aussage: „Mehr als diese 0,021 Prozent ist uns eure Leistung nicht wert“, das betrifft und trifft  nicht nur Zahnärzte und Ärzte.
Sondern  in gleichem oder sogar noch stärkerem Maße vor allem auch Krankenschwestern und Altenpfleger, Masseure und Ergotherapeutinnen und und und. 

Ein Haus, eine Brücke, ein Hund, ein Katze zählen für die Politik mehr als ein Mensch, insbesondere wenn es sich um einen kranken oder alten Menschen handelt.
Oder um den, der alte und kranke Menschen betreut.

So sieht es aus in Deutschland.
Im Jahr 2008 kurz vor Weihnachten.

Alter Hut

von Hans – Willi Herrmann

Das Ding hat „so einen Bart“.
Ich würde mal sagen, jeder von uns kennt das Material seit vielen Jahren.

Merkwürdigerweise kommt aber auf den Fortbildungen immer wieder die Frage: „Was ist das denn für ein weißes Zeug um den Zahn und den Kofferdam herum ?“ 

Nehmen wir also diese Frage zum Anlass,  an dieser Stelle in loser Folge ein paar Tipps zur Abdichtung von Kofferdamisolierungen zu geben  und beginnen wollen wir natürlich mit Oraseal, dem Klassiker von Ultradent. Ein Material auf Zellulose – Basis, dass bei uns immer dann zum Einsatz kommt, wenn eine kleine Undichtigkeit schnell abgedeckt werden soll. Dabei spielt es im Übrigen keine Rolle, ob eine leichte Restfeuchtigkeit im Abdichtgebiet vorliegt. Denn Oraseal klebt ein wenig an Zahn und Kofferdam und quillt unter Feuchtigkeitszufuhr leicht auf. Man erreicht damit zumeist über die gesamte Behandlung hinweg ausreichenden Halt und Abdichtung.

Unser Fazit: Muss jederzeit griffbereit sein.

 

Abdichtung des Kofferdams mittels Oraseal

3 drops only…

von Hans – Willi Herrmann

Ein heisses Thema immer wieder in Gesprächen mit Kollegen über Aspekte der Wurzelkanalfüllung  ist die Applikation von Sealer im Rahmen der Wurzelkanalfüllung.

Auf keinen Fall sollte es zu viel Sealer sein, denn dann erhält man möglicherweise massive Überpressungen, aber zu wenig darf es natürlich auch nicht sein, denn es ist der Sealer, der die Abdichtung im Wurzelkanal bewirkt und eine ausreichende Menge ist demnach notwendig.

Es gibt die verschiedensten Vorgehensweisen z.B. kann man den Sealer mittels Lentulos einbringen, mittels Kanülen oder mit Hilfe von Papierspitzen.

Ich möchte hier meine Vorgehensweise vorstellen, die einfach und kontrollierbar die Benetzung des Mastercones erlaubt und Überpressungen von Sealer gering hält.

Voraussetzung ist, dass ein zur Aufbereitung passender formkongruenter Guttaperchastifte verwendet wird (in unserem Falle sind dies fast immer Guttaperchastifte der Größe  35.06,40.06 oder 60.04, nachdem als finales Aufbereitungsinstrument ein Mtwo – Instrument der Größe 35/.06 oder 40/.06 bzw. ein ProFile -Instrument der Größe 60/.04 zum Einsatz kam.

Geht man so vor, dann reichen ein bis maximal 3  kleine Tropfen von Sealer aus, eine adäquate Sealermenge im Wurzelkanal bereitzustellen. Einfach die Stiftspitze mit einem vegleichsweise winzigen Tropfen benetzen und den Stift danach langsam bis zur Arbeitslänge in den Wurzelkanal einführen.

Zieht man den Stift anschließend wieder aus dem Wurzelkanal, findet man eine gleichmäßige Benetzung des Stiftes mit Sealer im Bereich des Wurzelkanals.

Falls notwendig kann man den Stift noch einmal mit einem kleinen Tropfen Sealer an der Spitze benetzen und den Stift wieder einführen.

Wenn sich zirkulär Sealer am Wurzelkanaleingang aus dem Kanal herausdrückt und den Kanaleingang vollständig bedeckt, ist eine genügende Menge an Sealer eingebracht.
Meist ist dies nach 2 bis maximal 3 kleinen Tropfen ist der Fall.

Das (scheinbar) verflixte siebente Jahr

von Hans – Willi Herrmann

Vom 20. – 22. 11.2008 fand in Stuttgart die 7. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Endodontie (DG Endo) statt. Und wer hätte wetten müssen, der wäre davon ausgegangen, dass dem allgemeinen Trend in der Zahnmedizin  folgend, deutlich weniger Teilnehmer sich einfinden würden als in den Jahren zuvor.

Aber nichts von dem traf zu in Stuttgart.
Das war die erste Überraschung.
Der großzügig dimensionierte Vortragssaal bis zum letzten Platz gefüllt. Deutlich ins Auge springend wesentlich mehr Teilnehmer als vor einem Jahr in  Düsseldorf. Und noch einmal deutlich mehr als in Dresden.
An weltweit bekannten Rednern kann es nicht gelegen haben,  denn im Gegensatz zu früheren Jahren, in denen große Namen, Titanen der Endodontie vom Schlage eines Cliff Ruddle oder Gary Carr, als Zugpferde gedient hatten, waren in diesem Jahr die klinischen Hauptredner Sashi Nallapati, Jan Bergmans und Stephane Browet dem Großteil der Teilnehmer nicht einmal namentlich bekannt. Und ein Leif Tronstad oder Dag Orstavik (der für mich nicht destotrotz einen sehr hörenswerten Vortrag gehalten hat) alleine reicht schon lange nicht mehr aus, um einer Jahrestagung ausreichend Publikum zu verschaffen.

Und gleich darauf folgend die nächste Überraschung.
Lauter junge Kolleginnen und Kollegen saßen im Auditorium. So stark vertreten, dass man von einem Generationswechsel reden  kann, der nun die Endodontie erreicht hat. Ältere Zahnärzte wie der legendäre Fritz Haun aus Bonn waren eher die Ausnahme und die nun etabliert zu nennenden Kollegen der ersten neuen Generation, die Mitte und Ende der neunziger Jahre die Botschaft der „Modernen Endodontie“ aufgenommen und weitergetragen haben, finden sich umringt von einer Vielzahl aufgeschlossener junger Zahnärztinnen und Zahnärzten, die, teilweise bis in die Fingerspitzen motiviert,  ihr Interesse an Endodontie über die gesamten 3 Tage der Jahrestagung so deutlich sichtbar werden lassen, dass man sich freudig an die Euphorie der DG Endo – Gründerjahre zurückerinnert fühlt.

Die DG Endo hat also diesmal alles richtig gemacht und  meines Erachtens die gelungenste und rundeste Jahrestagung bisher abgehalten. Hier zahlt sich nun (endlich möchte man sagen) die Aufbauarbeit der letzten Jahren nachhaltig aus. Viele der Konstrukte, die unter zähem Ringen auf den Weg gebracht wurden, teilweise belächelt, aber auch heftig kritisiert, sind nun in stabilen Bahnen. Und die Energie, die bisher dafür aufgebracht werden musste,  Strukturen einzurichten  und zu etablieren wird jetzt nach und nach in die Detailarbeit und kontinuierliche Verbesserungen gesteckt.
Und kommt nun positiv zum Tragen. Ganz gleich ob Jahrestagung, Frühjahrsakademie, Curriculum oder Active Members – Gruppen – auf allen Ebenen erntet man nun nachhaltig die Früchte der Arbeit der letzten Jahre. 

Das weckt das Interesse an zukünftigen Veranstaltungen.
Ich bin sicher, dass auch die 2. Frühjahrs-Akademie 2009  den Erfolg der diesjährigen Jahrestagung fortsetzen wird. Mit einem bedeutsamen Unterschied: Es wird keine 7 Jahre brauchen, bis diese sich ebenso positiv präsentiert wie die Jahrestagung. Angesichts des reichhaltigen Kursangebotes wird die Frühjahrsakademie 2009 am 13. und 14. März in Halle ziemlich nachgefragt und vermutlich werden viele Kurse rasch ausgebucht sein. Wollen wir wetten ? 

Der Gesellschaft bleibt zu wünschen, dass diejenigen, die in den letzten Jahren  einen nicht unbeträchtlichen Teil ihrer Freizeit in die Vereinsarbeit gesteckt haben, der DG Endo als aktive Mitstreiter erhalten bleiben. Denn Kontinuität, die auf eingespielten Strukturen aufbaut, ist das Beste, was der DG Endo und ihren Mitgliedern gegenwärtig passieren kann.

Dentales Endoskop für den Endverbraucher

von Hans – Willi Herrmann

Und da heißt es immer, alles wird teurer.

Meine erste Intraoralkamera kostete 5000 DM und war damals ein Schnäppchen im Vergleich zu den anderen Produkten, die mit bis zu 15.000 DM zu Buche schlugen.

Und heute gibts für den Endverbraucher schon Intraoralkameras für 159 Dollar.

Im Endoskop Shop findet man das  MIHARU Intraoral Dental Endoskop. Von RF System Lab.

Keine Ahnung, wie die Qualität ist und die Auflösung beträgt mit 217.000 Pixeln nur ein Zehntel dessen, was im Hinblick auf ihre Fotoqualität eher suboptimal ausgestattete In – Design- Touchscreeen -Smartphones heute liefern, aber das hieße Äpfel mit Birnen zu vergleichen.

RF System Lab. – der Hersteller – sagte mir bisher gar nichts.

Um so erstaunter war ich, als ein Besuch der US – Homepage offenbarte, dass es sich hierbei um einen Produzenten oder Vertreiber einer ganzen Reihe unterschiedlicher dentaler  und allgemeinmedizinischer Produkte handelte. Die Produktpalette umfasst neben besagten Endoskopen für Mund und Ohr auch UV – Polimerisationslampen, Lupenbrillen und digitale Röntgensensoren.

Den großen Bruder der MIHARU – Visualisierung, gewissermaßen die Spitze dessen, was an Pixelflut und Bildqualität gegenwärtig zumindest hierzulande erhältlich ist,  habe ich am Wochenende auf der 7. Jahrestagung der DG Endo in Stuttgart am Stand von Jadent gesehen.

Allerdings zu einem Preis, der mir den Kauf von 120 MIHARU Intraoral Dental Endoskopen ermöglichen würde. 

Ist es das wert? Die Bildqualität ist auf jeden Fall sehr beeindruckend.

So ausserordentlich gut, dass ich dies sogar im raschen Vorübergehen, vom Flur in einen Workshop -Raum hineinblickend, bemerken konnte.

Ich ging zurück und ich konnte nicht anders, ich musste trotz engen Zeitplans 2,3 Minuten stehen bleiben, weil das, was ich sehen konnte, um Klassen besser als alles andere, was man heutzutage an Videobildern aus dem Dentalmikroskop kommend sieht.

Und so gesehen relativiert sich der scheinbar hohe Preis der High End – Lösung.
Denn diese ist nicht teurer sondern sogar billiger als entspechende Produkte, die bisher auf dem Markt vertreten sind bei deutlich besserer Qualität.

 

 

Bonsai – LED – erste klinische Fotos

Wie es der Zufall so will.
Gestern die HAMA – LED – Leuchte zum ersten Mal erwähnt, am selben Tag  wurde das Teil im Media – Markt erspäht und heute steht es zum Ausprobieren in der Praxis bereit (Dank an Dr. Andreas Habash für die Beschaffung).

Ich bin ohne große Erwartungen an die Sache herangegangen und war, was die Ergebnisse angeht, ein wenig positiv überrascht. Die Lichtstärke ist erwartungsgemäß geringer als beim Blitz der Sanyo E6, aber nicht so gering, wie ich befürchtet hatte.  Es gibt sogar situationsbedingte Vorteile gegenüber dem Blitz, aber natürlich auch Nachteile.  Darüber zu berichten zum jetzigen Zeitpunkt wäre verfrüht, aber anbei erste Bilder, die mit der Kamera – Blitzkombination Sanyo E6 + HAMA – LED gemacht wurden.  

Es werde Licht… (2)

von Hans – Willi Herrmann


Am Freitag war ich wegen eines Arbeitskurses unterwegs.

Meine Lupenbrille nehme ich immer mit, denn ohne die bin ich gewissermaßen „blind“. Und auch wenn in den Arbeitskursen Dentalmikroskope zur Verfügung stehen, so gibt es doch immer wieder zwischendrin die Notwendigkeit, bestimmte Dinge ohne Mikroskop in Augenschein nehmen zu müssen, daher immer mit Lupenbrille.

Natürlich habe ich dieses Mal auch das „Led ION“ – Licht dabei gehabt.
Gerade wenn, wie bei den Arbeitskursen keine OP – Leuchte einer Behandlungseinheit zur Verfügung steht, ist so eine Lichtquelle sehr sehr nützlich. 
Und im Falle der „Led ION“ auch ohne Probleme transportabel. Mit meinem ZEON – Halogen – Licht wäre an so etwas nicht zu denken gewesen. In der Praxis herumtragen ist ein Sache, aber das ZEON  – Licht mit auf Reisen nehmen ? Vielleicht noch mit der Bahn oder dem Flugzeug ? Unrealistisch. Mit der „Led ION“ kein Problem.
Es lebe (in diesem Falle) der technische Fortschritt.

Am Montag morgen, in der Praxis angekommen, habe ich feststellen müssen, dass ich die Lupenbrille zu Hause vergessen habe.

Kein Problem erst mal, denn ich habe für den Fall der Fälle noch eine Ersatzlupenbrille.

Aber   – natürlich ohne Licht.

Und so war ich den ganzen Vormittag gezwungen, wieder wie gewohnt, wie all die Jahre zuvor, zu behandeln.

Das heißt: Routinebehandlungen ohne zusätzliches Licht, falls notwendig, musste wie früher wieder das ZEON – Licht aufgebaut werden. Und ohne Licht bedeutete, zig mal an die Lampe der Behandlungseinheit greifen, nachjustieren, trotzdem mit Schatten im hinteren Bereich der Mundhöhle leben müssen. 

Ganz schön nervig. Naja, all die Jahre gings auch, aber so ist das mit den Annehmlichkeiten, wenn man diese einmal kennen und schätzen gelernt hat, dann …

Und was das ZEON – Licht angeht: Sein Lichtkegel ist deutlich kleiner als der Lichtkegel der „Led ION“ bei gleicher Lichtstärke. Während das „Led ION“  – Licht das gesamte Sehfeld meiner 4,3 TTL Orascoptic – Lupenbrille ausfüllt, bleibt beim ZEON – Licht ein dunkler Randbereich. Auch damit kann man leben, aber ich habe so ein Gefühl, dass solche Lichtverhältnisse eher zur Ermüdung und Überanstrengung der Augen führen als ein gleichmäßig ausgeleuchteter Lichtkegel. Ich empfinde jedenfalls die vollständige Ausleuchtung des Sehfeldes als deutlich angenehmer.

Nachmittags konnte ich dann wieder mit dem „Led ION“  arbeiten. Wie schön….

Bei einem Kollegen habe ich im Übrigen vor kurzem die StarMed – LED -Lampe einmal in Augenschein nehmen können.
Schickes Teil.  Er hat mir versprochen, mir die StarMed zum Ausprobieren zur Verfügung zu stellen.

Ich werde berichten.

Bonsai – Ringleuchte

von Hans – Willi Herrmann


Schon sehr beeindruckend, dieser neue Blitz von Metz, über den vor ein paar Tagen an dieser Stelle Dr. Andreas Habash berichtete. 
Leider nur was für  Spiegelreflexkameras.
In den letzten Jahren haben jedoch  immer wieder  auch  digitale Kompaktkameras sich einen Platz in der dentalen Fotografie erobert.
Und wer jetzt verächtlich mit der Nase rümpft, dem sei gesagt, dass es sehr wohl eine Reihe von Vorteilen gegenüber den etablierten SLR´s gibt, die den Einsatz einer solchen „Zwergenknipse“ sinnvoll erscheinen lassen. Ich erinnere nur an die mittlerweile legendäre (weil nicht mehr im Handel erhältliche) Sanyo E6, aber dazu demnächst mehr.
Leider verfügen nur die wenigsten dieser Kameras über die Möglichkeit, einen zusätzlichen Blitz zu nutzen. Das ist schade, denn der eingebaute Blitz ist zumeist schon allein auf Grund seiner Positionierung im Gehäuse nicht in der Lage, dentale Objekte, unabhängig ob in der Mundhöhle gelegen oder ausserhalb, adäquat auszuleuchten. 

Die Firma Hama hat jetzt eine Ring LED -Leuchte für digitale Kompaktkameras auf den Markt gebracht und es stellt sich die Frage, ob diese es wert ist, sie einer genaueren Betrachtung für die Eignung in der Dentalfotografie zu unterziehen.
Keine Ahnung, ob man damit an die Leistungen eines Blitzes heranreichen wird. Vermutlich nicht, denn dafür sind die Voraussetzungen in der Mundhöhle zu ungünstig, aber einen Versuch, es mal im Praxistest herauszufinden,  wäre reizvoll. Denn mit einem Preis von 89 Euro liegt diese Lösung weit unter dem, was bisher angebotene Dentalprodukte an Löchern in den Geldbeutel reissen. 

Die sehr kompakte Ringleuchte (12 LEDs, in zwei Helligkeitsstufen schaltbar,  sorgen für eine konstante und schattenfreie Beleuchtung)  wird mittels eines Schwanenhalses am Stativgewinde der Kompaktkamera befestigt und  bildet so eine Einheit mit dem Kameragehäuse.

 

Blick über den Tellerrand (1): Das Volksrad

von Hans – Willi Herrmann

Zahnmedizin bedeutet mir viel.

Es ist Beruf.
Und Berufung.

Aber es kann nicht schaden, wenn man ab und zu mal über den Tellerrand der eigenen Profession hinausschaut und das soll auch dieser Blog immer mal wieder tun, so wie jetzt:

Was macht ein  ehemaliger VEB – Betrieb, der vor der Wende 100.000 Fahrräder pro Jahr  produziert hat, wenn er in der Folgezeit von einem Eigentümer zum nächsten weitergereicht und schließlich von einem US – Unternehmen aufgekauft und abgewickelt wird.

Im Falle einer Nordhäuser Fahrrad – Manufaktur das Unerwartete. Statt in Agonie zu verfallen und die regionalen Job – Center zu belagern, kommt es im Jahr 2007 zur Betriebsbesetzung durch die 130 Mitarbeiter und Entwicklung eines neuen Fahrrad – Modells in Eigenregie, dem „Strike Bike“.

Zwar war die Insolvenz nicht zu verhindern.
Aber mit verkleinerter Stammbelegschaft wurde 2008 die Strike Bike GmbH gegründet, deren neues „Volksrad“ bei einem Preis von 299 Euro ein sehr interessantes Angebot für all die Leute ist, welche ein ordentlich verarbeitetes und, was die Materialien angeht, grundsolides Fahrrad ohne viel Schnick Schnack suchen.

Weitere Modelle sind vorhanden oder in Vorbereitung. Ihnen allen gemeinsam ist die Nachhaltigkeit in der Fertigung (dies birgt die Hoffnung, das dieses Fahrad eine Langlebigkeit erfährt, wie es heutigen Produkten nur noch sehr selten vergönnt ist)  und das sehr gute Preis -Leistungs -Verhältnis.

Ich freue mich schon darauf, wenn mir das erste „Volksrad“ oder eines seiner Brüder über den Weg „fährt“.
Ich werde es auf der Stelle ausprobieren.

Tip Snip

von Hans – Willi Herrmann

 

Es gibt Produkte, die sind einfach und gut.

Der, die oder das „Tip Snip“ der Firma SybronEndo (keine Ahnung, welcher Artikel hier der richtige ist, die Amerikaner haben es ja diesbezüglich viel einfacher) gehört unbedingt in diese Kategorie.

Was macht man damit ?
Den Durchmesser eines Guttapercha- Masterkonus exakt festlegen. Und präzise zuschneiden.

Und dies funktioniert beim „Tip Snip“ auch mit Greater Taper“ -Guttaperchastiften.
Und immer ganz hervorragend.

Für mich hat sich der Kauf des „Tip Snip“ gelohnt. Ich spare Zeit gegenüber meiner bisherigen Vorgehensweise und die Präzision der Ablängung hat sich erhöht, was in einer Reihe von Fällen die Erzielung eines „tug back“ vereinfacht oder das Ergebnis verbessert.
Und da ich bisher diesbezüglich bereits ein adäquates Vorgehen aufweisen konnte, freut mich das zu erzielbare Ergebnis umso mehr.

Ich frag´mich nur, angesichts der seit vielen vielen Jahren bekannten Tatsache, dass Guttaperchastifte in ihrem Durchmesser eine hohe Toleranz aufweisen: Warum haben nicht auch andere Endo – Firmen so etwas im Angebot ?

Kunstwerk Lentulo

von Hans – Willi Herrmann

Kürzlich hatte ich die Gelegenheit, die Produktion eines Lentulos (also einer Füllspirale, die  benutzt wird, um  pastenartige Materialien in Wurzelkanäle einzubringen) in Augenschein zu nehmen.

11 Jahre zuvor hatte ich schon einmal im Rahmen einer Werksführung den Entstehungsprozess dieses auf den ersten Blick unscheinbaren Instrumentes kennenlernen dürfen.
Schon damals hatte mich tief beeindruckt, welche Maßnahmen notwendig sind, ein solches Instrument herstellen zu können.

Besonders die Endkontrolle durch Mitarbeiterinnen hatte mich überrascht, weil ich den notwendigen intensiven, nicht auf Maschinen übertragbaren Kontrollprozess nicht erwartet hatte.

Ein Lentulo muss aufwändig von Hand nachbearbeitet, in Form gebracht werden. Es weist nämlich zunächst eine mehr oder weniger ausgeprägte Unwucht auf, die fast vollständig ausgemerzt werden muss, damit das Instrument die Endkontrolle besteht und in den Verkauf gelangen kann.

1997 wurde das Ausmerzen der Unwucht dahingehend angegangen, dass das Instrument in einen Motor eingespannt und dann, vom Motor in Rotation versetzt, durch leichten Fingerdruck ausgewuchtet wurde.

Das sah  nicht sonderlich schwer aus und es erschien mir folgerichtig, so zu verfahren.

Um so erstaunter war, ich, dass dieses Mal das Auswuchten nur durch manuelle Rotation durchgeführt wurde. Als ich die Mitarbeiterin darauf ansprach und ihr meine früheren Beobachtungen schilderte, lachte sie gleich und sagte: „Kenn ich, aber das geht mit unseren Lentulos nicht“.
Und in der Tat, auch wenn sich die Unterschiede dem bloßen Auge nicht einmal erschliessen, so sind besagte Lentulos der beiden Hersteller doch vollkommen  unterschiedlich konzipiert.

So wie im Rahmen der Evolutionsentwicklung unterschiedliche Organismen gleichartige Baubestandteile differenten Aufbaus entwickelt haben (es gibt zum Beispiel im Tier und Pflanzenreich, wenn ich es recht in Erinnerung habe, 11 vollkommen unterschiedliche Arten von Stacheln, aber das nur am Rande) so wurden hier zwei vollkommen unterschiedliche Arten der Lentulo – Produktion entwickelt.

Ob ich auch mal ausprobieren dürfe, ein Lentulo in seine endgültige Form zu bringen, fragte ich. „Ich möchte gerne bei Ihnen in die Lehre gehen“, sagte ich zur Mitarbeiterin, die vor dem Justagegerät saß.

Sie stimmte zu und lachte noch herzlicher als zuvor, wohlwissend, dass ich mich zum Narren machen würde.

1700 Instrumente sind das Tagesziel der erfahrenen Mitarbeiterin. Nach wenigen Minuten war klar, daran war nicht einmal annähernd zu denken. Ich überschlug kurz, dass ich gerade mal ein Viertel dessen heute würde erreichen können.

„Schneller, schneller“, sagte sie immer wieder.
„Zu langsam“ spornte sie mich an und lachte dabei, weil sie wusste, dass ich nicht nur heute, sondern auch die nächsten Tage nicht einmal annähernd an ihre Leistungen  würde heranreichen können.

„Wie lange machen Sie das schon ?“ fragte ich. 

„8 Jahre.“
„Und 34 Jahre bin ich in der Firma.  Also so alt wie sie sind“, sagte sie. Jetzt musste ich lachen, denn sie hatte mich gerade 11 Jahre jünger gemacht.

Lieber Zahnarzt, wenn du das nächste Mal ein Lentulo in die Hand nimmst. Betrachte es mit Ehrfurcht und mit Respekt vor den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die dieses herstellen. Meine Anerkennung, die seit 1997 groß war, ist noch einmal gewachsen

Teamwork

Einen Blog wie „Wurzelspitze“ der als langfristiges Projekt ausgelegt ist, kann man allein betreiben, aber man muss es nicht.
Aus vielen verschiedenen, ganz unterschiedlichen  Gründen macht es Sinn, mit Gleichgesinnten ein solches Unterfangen anzugehen.

Und deshalb wurde „Wurzelspitze“ von vorneherein als Konglomerat unterschiedlicher Autoren konzipiert, die Alle Eines gemeinsam haben: Ein  ausserordentliches Engagement, die Zahnmedizin im Allgemeinen und die Endodontie im Speziellen betreffend, langjährige berufliche Erfahrung, hohe Anerkennung und Wertschätzung in Fachkreisen und den Wunsch, Fachwissen an interessierte Kollegen weiterzugeben.

Über die Beiträge der ständigen Autoren hinaus wird es immer wieder Gastbeiträge von ebenfalls sehr engagierten Behandlern geben, die zusätzliche Akzente setzen und das Informationsspektrum auf eine noch breitere Basis stellen werden. Den Anfang macht im Anschluss  ein Beitrag von Oscar von Stetten über Mikro – Instrumentarien für substanzschonendes minimalinvasives Arbeiten.

Artikel einzelner Autoren lassen sich einfach aufsummieren.
Es gibt eine spezielle Rubrik „Autoren“, in der sich durch Anklicken des jeweiligen Namens die  Beiträge der einzelnen Redakteure auflisten lassen.
Und Gastbeiträge von  Rezensenten lassen sich durch Eingabe des Autorennamens im „Suche“ – Feld auffinden.

Schmerzkrokodil

 

Was sie im Bild sehen ist kein nostalgisches Weißblech – Kinderspielzeug, welches  spätestens seit den Siebzigern des vergangenen Jahrhunderts durch plastikbasierte asiatische  Billig – Varianten ersetzt und dann ganz aus den Kinderzimmern Zentraleuropas verschwunden ist.

Es ist ein „Schmerzkrokodil“.

Jeder Patient von uns, ob klein ob groß, jung oder alt, bekommt es  bei der zahnärztlichen Behandlung in die Hand gedrückt.
Mit der Aufforderung, sollte auch nur im Geringsten was weh tun, zu unangenehm sein, aber auch, falls der Patient ausspülen oder was sagen möchte, er das Schmerzkrokodil drücken soll.

Kinderkram, unnütze Spinnerei ?

Halten wir uns doch einmal vor Augen, wie es uns als Patient auf dem Zahnarztstuhl ergeht.

Hilflos, wie ein Käfer auf dem Rücken liegend, vier fremde Hände, Instrumente und Watterollen im Mund sind wir unfähig, uns über ein unverständliches Stammeln hinaus bemerkbar zu machen, wenn uns etwas „auf den Nerv“ geht.

Das Schmerzkrokodil – mit lautem Knacken – gibt  jedem Patienten die Möglichkeit, dieses Kommunikationsdefizit jederzeit, unmittelbar und nachhaltig zu durchbrechen.

Ein Knack.
Und die Behandlung wird sofort gestoppt und wir schauen, wie wir dem Patienten helfen können.

Seit 1993 arbeiten wir in unserer Praxis mit diesem Kinderspielzeug. Mit extrem hoher Akzeptanz.

Nur ganz ganz selten in all den Jahren kam es vor, dass ein Patient dieses als nicht notwendig abtat.

Fast immer sind die Patienten, gleich ob jung und alt, sehr froh, aus ihrer Hilflosigkeit selbstständig sich jederzeit befreien zu können.

Das entspannt. Lockert. Baut Ängste ab. Verhindert Schweiß auf Händen und Stirn. 
Mittlerweile kommen  nicht wenige  hochgradige Zahnarztphobiepatienten ohne Angst zu uns. Sie sagen teilweise sogar, sie kommen jetzt gerne zum Zahnarzt, was ich für eine leichte Übertreibung halte. Sie wollen nett zu uns sein, weil wir nett zu Ihnen sind, aber machen wir uns nichts vor, wenn da nicht was Wahres dran wäre, dann käme dieser Spruch nicht über deren Lippen.

Auch eine Reihe von Zahnärzten nutzt mittlerweile das Schmerzkrokodil in der eigenen Praxis und sogar in der zahnmedizinischen Fachliteratur (E. Schäfer: Die Therapie endodontischer Notfälle) hat das Schmerzkrokodil Erwähnung gefunden.

Zu den Krokodilen sind im Laufe der Zeit Schmerz – Enten, Hundeknacker (sehr laut), Plastikfrösche (die nichts taugen) hinzugekommen.

Die Krokodile funktionieren interessanterweise am besten, halten am längsten.

Wenn Sie die Idee einmal ausprobieren wollen, würde ich mit einem Schmerzkrokodil anfangen.

Viel Spass. Ihre Patienten werden es zu schätzen wissen. Und es Ihnen danken.

Mtwo – Systemerweiterung 35/.06 und 40/.06

Seit mehreren Jahren ist das Mtwo – System der Firma VDW (München) auf dem Markt. 

Es hat neben den ProFile und ProTaper -Instrumenten (Maillefer, Ballaigues, Schweiz)  seinen festen Platz in unserer Praxis erobert und ist aus unserem täglichen Arbeiten nicht mehr wegzudenken.

Bislang vermisst habe ich die Möglichkeit, mit Mtwo im Rahmen der Wurzelkanalaufbereitung auch bei größeren apikalen Durchmessern von über 0.25 mm einen Konus mit einem Taper von 6 Prozent oder mehr präparieren zu können. Eine wichtige Voraussetzung für den Einsatz warmer Guttapercha – Füllmethoden, wie wir sie in der Praxis anwenden.

Bisher mussten wir zum abschließenden  Finishing auf ProFile und ProTaper – Instrumente ausweichen.

Im Oktober 2008 wurde nun das Mtwo – System um 2 Feilen erweitert, die genau diese Lücke schließen, nämlich die Feilen 35/.06 und 40/.06.

Das Instrumentendesign der Mtwo – Instrumente, das mit hoher Flexibilität und sehr guter Effizienz einhergeht, ermöglicht, korrekt angewandt,  den vorhersagbar zuverlässigen Einsatz dieser Instrumente auch in stärker gekrümmten Wurzelkanälen.

Sowohl bei der Anwendung warmer Guttapercha – Techniken, aber auch beim Einsatz eines zur durchgeführten Präparation formkongruenten Guttaperchastiftes im Sinne einer Einstift – Technik lassen sich durch diese Instrumente Präparationen erzielen, die der vorhandenen Kanalanatomie Rechnung tragen bei gleichzeitiger Reduktion des Risikos der Stufenbildung oder der Instrumentenfraktur.

 


Stabübergabe

Schon etwas länger arbeiten wir in unserer Praxis mit dem kabellosen Winkelstück NSK TC2.
Es ist eine Alternative zu dem Winkelstück von W&H, dass ich vor ein paar Tagen  vorstellte. 
Was mir gut gefällt, ist bei diesen kabellosen Winkelstücken die Möglichkeit, daß ich mit 2 Winkelstücken arbeite und diese mit vormontierten Feilen von meiner Endo – Assistentin (selbst wenn ich nur mit einer Assistentin, also in 4 Hand – Technik arbeite)  unter dem Dentalmikroskop angereicht bekomme, so  dass ich den Blick vom Mikroskop nicht abwenden muss.

Eine deutliche Verbesserung der Ergonomie gegenüber den kabelgeführten Winkelstücken.
Gegenwärtig benutzen wir sowohl das W&H Winkelstück und das NSK – Winkelstück parallel.

Ich werde zu gegebener Zeit über unsere Erfahrungen und über die Unterschiede zwischen den beiden Geräten im Praxisalltag berichten.

Boxenstopp

Kommt ein Patient zu uns zur Wurzelkanalbehandlung, wird eine Instrumentenbox speziell für diesen Patienten angelegt. Diese wird solange aufbewahrt, bis die Behandlung abgeschlossen ist. In unserer Praxis bewährt haben sich die Instrumentenboxen von Maillefer. Sie bieten ausreichend Platz für bis zu 36 Instrumente, erlauben eine übersichtliche Anordnung und können durch unterschiedliche Einsätze den verschiedensten Gegebenheiten angepasst werden.

Nachdem die Behandlung abgeschlossen ist, werden die Instrumente verworfen und die Boxen können nach Sterilisation für einen anderen Patienten verwendet werden.

 

Es werde Licht …

Und gleich noch eine Neuigkeit, die mir in den Niederlanden über den Weg gelaufen ist.

Eine LED – Beleuchtung für die Lupenbrille. Von Sigma Dental Flensburg.

Seit langer langer Zeit (also seit zumindest mehr als 10 Jahren) arbeite ich mit einer ZEON – Halogenbeleuchtung an meiner Lupenbrille.

Unverzichtbar, wenngleich ein wenig den vollkommen freien Handlungsbereich einschränkend.
Ich komme damit zurecht.
Man arrangiert sich.
Trotzdem wäre es schön, wenn man auf den Glasfaserlichtleiter verzichten könnte und auch das Herumtragen der nicht gerade handlichen Leuchteinheit von Zimmer zu Zimmer ist etwas, worauf ich gerne verzichten würde.

Aus diesem Grund habe ich schon seit Auftauchen der ersten LED – Beleuchtungen mit dem Kauf einer solchen neuzeitigen Lichtlösung geliebäugelt.

Tests mit den LED – Lampen der ersten Generationen waren jedoch nicht so durchschlagend, dass ich meine ZEON – Einheit, die nachwievor klaglos funktioniert, einfach so in die Ecke gestellt hätte.

Zu lichtschwach waren diese ersten Modelle, als dass sie gegenüber der vorhandenen Halogen -Einheit einen Mehrwert gebracht hätten, der die nicht unbeträchtliche Investition rechtfertigen würde.

Für mich waren diese Tests eher enttäuschend und so habe ich die Entwicklungen auf diesem Gebiet zwar aufmerksam beobachtet, jedoch bis dato an meinem Vorhaben festgehalten, mich mit dem Thema LED erst wieder zu zwingend beschäftigen, wenn meine antiquierte Halogen- Funzel ihren Geist aufgegeben hat.

Dies hat sich jetzt geändert.

Die Lampe, die mich überzeugt hat, nennt sich „Led ION DeLux Edition 50.000+“.

Ziemlich kryptischer Name, der da die Verpackung ziert, aber was zählt, ist das Ergebnis.

Und mit einer Nennleistung von 50.000 Lux gehört die Lampe  zu den leuchtstärksten LED – Lampen, die gegenwärtig auf dem Dentalmarkt erhältlich sind.

Jetzt sind Meßwerte immer so eine Sache und auch der Unterschied zum Vorgänger, der mit 40.000 Lux aufwartet und als rund 100 Euro günstigere Variante immer noch erhältlich ist, ist nicht so, dass er ultimativ ins Auge fällt.

Aber wenn ich mir die Beleuchtungsmöglichkeiten mit dieser Lampe vor Augen halte,  kann ich nur sagen, dass ich einen deutlichen Unterschied in der Lichtleistung sehe gegenüber meiner gegenwärtigen Variante. Von den anderen Vorteilen ganz zu schweigen.

Für mich steht fest.
Ich werde dieses Teil ausprobieren.
Und irgendwie habe ich so ein Gefühl, dass mein ZEON – Licht auf dem Weg ist, im Keller der Praxis seinen Lebensabend zu fristen.

Bleibt nur noch die Frage, was andere Firmen an ähnlichen Produkten aufweisen können.
Die Firma starMED zum Beispiel hat ebenfalls interessante Lichtquellen in ihrem Produktportfolio.

Man wird sehen.

45. Herbsttagung ZAAK in Siegen

Die 45. Herbsttagung des Zahnärztlichen Arbeitskreises Siegen e.V. widmet sich am 07. und 08.11.2008 ganz dem Thema Endodontie.

Unter dem Titel:
Zahnerhaltung durch Endodontie – ganz einfach?!

geht es an 2 Tagen  um Themen wie  Diagnostik und Therapie endodontischer Schmerzfälle, Möglichkeiten der Bestimmung der endodontischen Arbeitslänge, Prinzipien und Techniken der Wurzelkanalpräparation, Desinfektion des endodontischen Systems, Röntgen in der Endodontie und Techniken der Wurzelkanalobturation oder  Revisionen endodontischer Misserfolge.

Alles in allem zumindest vom Vortragsangebot ein guter Überblick und Einstieg für all diejenigen, die sich mit moderner Endodontie vertraut machen wollen (Endo – Fortgeschrittene kommen vermutlich jedoch besser bei der DG Endo -Jahrestagung in Stuttgart am 21. und 22. November 2008 auf ihre Kosten).

Die Tagungsgebühren in Siegen sind moderat und Studenten der Zahnmedizin haben sogar freien Eintritt.

Das finde ich lobenswert, ebenso wie das generelle Fortbildungsangebot des Arbeitskreises, dass Monat für Monat renommierte Referenten zu aktuelle Themen aufweisen kann. Ganz ehrlich,  bis vor kurzem hatte ich keine Ahnung, wo Siegen genau liegt (irgendwo im Sauerland, dachte ich, was nicht ganz stimmt, das Sauerland beginnt erst nördlich von Siegen, wie ich nun weiss) und wie groß es ist.
Mit einem solchen Fortbildungsangebot habe ich nicht gerechnet.
Ich wollte, so etwas gäbe es bei uns in der Gegend.

Ich bin gespannt, was einen in Siegen erwartet.

W & H – Vorbildlicher Service

Ich war am Wochenende des 3. Oktober in Ütrecht /Niederlande für 2 Handson – Workshops mit den Mtwo – Instrumenten der Firma VDW. Das Ganze fand statt im Rahmen eines „Tag der offenen Tür“ bei der Dental Union Niederlande.

Ich war absolut perplex, welche enormen Ausmaße dieses Event dort hat.
Von Freitag bis Sontag, von 10.00 Uhr bis 21.00 Uhr sind dort die Türen geöffnet, es kommen 2 -3000 Zahnärzte dorthin und diese erwartet dort eine Riesen-Dentalausstellung.
Beim Gang durch die Ausstellung konnte ich dort auch das neue Endo -Winkelstück der Firma W & H in Augenschein nehmen. Kabellos, akkubetrieben, liegt gut in der Hand.
Genau das Richtige für den „7 Samurai“ Team – Arbeitskurs, der das Wochenende darauf in Bozen / Südtirol stattfinden sollte. Sicherlich wäre es eine tolle Sache, wenn die Kursteilnehmer das Handstück dort ausprobieren würden können.

Der W&H Repräsentant vor Ort, den ich darauf ansprach, gab mir eine Telefonnummer und riet mir, in der W& H Zentrale anzurufen und um Demo – Geräte für die Vorführung nachzufragen. Auf meinen Einwand, dass ich bereits kommenden Mittwoch nach Bozen aufbrechen müsse, meinte er nur, dass ginge in Ordnung.

Gesagt getan. Montags ein kurzer Anruf, eine dezidierte Erläuterung unseres Vorhabens und die Geräte waren auf dem Weg nach Bad Kreuznach. Und – weniger als 24 Stunden später trafen die Demo – Geräte bei uns ein so dass wir sogar die Geräte schon vor dem Kurs in unserer Praxis ausprobieren konnten.

Nach dem Ende des 3. Südtiroler Endodontie – Oktober sind die Geräte jetzt bei uns in der Praxis zum Praxistest.

Ich werde über meine Erfahrungen im Alltagsbetrieb berichten.

Vorbildlich – kann ich nur sagen – ich wünschte, alle Dentalunternehmen würden so schnell und flexibel, so kundenorientiert reagieren wie W&H.

Jede noch so lange Reise…

… beginnt mit einen einzigen Schritt.

Sagt ein altes chinesisches Sprichwort.

Klingt banal, ist aber viel Wahres dran.

Und es gibt einen (lustigen) Hollywood – Film mit Bill Murray (das wäre dann die zeitgemäße Sprichwortvariante), in welchem  dieser seinen Psychologen in den Urlaub verfolgt und in den Wahnsinn treibt.  Eines der Schlagworte dieses Films sind „Babyschritte“. Babyschritte, die der Psychologe seinem Patienten nahelegt, um zum Ziel zu kommen.

Und um genau solche Sachen geht es hier.

Dies ist der erste von hoffentlich vielen Schritten, vielen Artikeln und Beiträgen rund um die Endodontie.

Endodontie – das ist das, was man im Volksmund als Wurzelkanalbehandlung kennt. Und – um es gleich vorwegzunehmen, die Wurzelkanalbehandlung hat sich enorm verändert in den letzten 5,10,15 Jahren. Sie ist mit dem, was als Horrorszenario noch in den Köpfen der Patienten umherspukt, nicht mehr zu vergleichen. 

Und auch wenn jeder dieser Blog – Beiträge nur einen einzigen Babyschritt darstellt, so ist meine begründete Hoffnung, dass viele dieser Schritte  – allein oder in ihrer Gesamtheit – den interessierten Leser, ganz gleich ob Behandler oder Patient, voranbringen.

Von Nutzen sein werden.

In diesem Sinne. 

Gehen wir los.

Ihr H.W. Herrmann