Auf den Hund gekommen

von Hans – Willi Herrmann

Es gibt viele Aspekte, unter denen man diese Homepage einer Zahnarztpraxis in USA betrachten kann. La Jolla ist ein „Vorort“ von San Diego. Ich war dort vor einigen Jahren, als ich, um Fotos zu machen, mit einem Freund und Kollegen zusammen zu Louis Kahn ´s  Salk Institute pilgerte. Ich möchte daher aus eigener Erfahrung sagen, La Jolla ist ganz gewiss „keine schlechte Gegend“, sicherlich aber auch ein Flecken auf dieser Erde, in der die Zahnärztedichte deutlich  überdurchschnittlich  ist.
Die Konkurrenz ist also nicht unbedeutend und Service ist gefragt.
Oder gefordert.
Aber manchmal treiben solche  Entwicklungen  skurrile Blüten.  Ob das hier der Fall ist, kann nur jeder für sich selbst entscheiden.

Für mich ist die gesamte Homepage – und die Zahnmedizin, die dort beschrieben wird in ihrem Äußeren, ihrem Tun und  der Resonanz auf das dort Beschriebene und Praktizierte – gewissermaßen einen Blick in die Zukunft, die deutsche Zahnmedizin betreffend. Und dabei geht es mir nicht um das Video per se. Wer die Homepage sorgfältig studiert, der wird viele Dinge entdecken, die, vielleicht in abgeschwächter Form, aber dennoch nachhaltig unsere Profession betreffend, in ein paar Jahren Einzug halten werden in deutschen Praxen.

Eine gute Entwicklung ?
Werden wir  sie aufhalten können ?
Selbst wenn man sich im Einzelfall dagegen stemmen kann, in der Masse sicherlich nicht.

Brave new world ?
Wenn ich dran denke, wie immer mehr wichtige Aspekte, elementare Dinge, den wahren Wert ärztlichen Handelns betreffend, in den Hintergund treten gegenüber Äußerlichkeiten, dann möchte ich Max Liebermann  zitieren, mit einem Satz, der oft Kurt Tucholsky zugeschrieben wird.

Aber natürlich wäre das viel zu hart formuliert. Und daher sage ich, ich mag diese Entwicklung nicht und werde sie auch nie gutheißen.

Kann aber sein, dass es einfach nur daran liegt,  dass ich langsam alt werde.

Auf den Hund gekommen

von Hans – Willi Herrmann

Ende 2008 habe ich auf dem Weg zu einem Vortrag einen Kollegen in seiner Praxis besucht.

Er führte eine Wurzelkanalbehandlung an einem ungewöhnlichen Patienten durch: Einem Hund.

Nicht dass er das häufig täte, es hatte sich zufällig ergeben. Die Besitzerin hatte ihn angesprochen, ob so was machbar und sinnvoll sei. Der Hund war sehr jung, er hatte sich beim Kauen auf etwas Hartes den Backenzahn frakturiert. Er schonte sich auffällig und verweigerte die Nahrung. Offensichtlich bereitete ihm das Fressen große Schmerzen. Mit einem wurzelkanalbehandelten Zahn könnte er eventuell noch viele Jahre weiter kauen. Ein ihr bekannter  Tierarzt könne die Narkose vornehmen. Ob er es versuchen wolle.

Gesagt, getan.

Da lag er nun, der Hund, als ich zur Behandlung stieß.
Und irgendwie hatte das Ganze schon etwas Bizarres.
Während in Deutschland nachwievor über die Sinnhaftigkeit von Kofferdam diskutiert werden muss und viele hunderttausendmal im Jahr mit paraformaldehydhaltigen Mitteln gearbeitet wird, liegt hier ein Mischlingshund zur Wurzelkanalbehandlung und diese Behandlung wird durchgeführt unter Kofferdam und unter Zuhilfenahme eines Dentalmikroskopes.

Der Hund ist, seine Wurzelkanalbehandlung betreffend, auf der Höhe der Zeit in der Zahnmedizin.
Wieviele Patienten in Deutschland können das Gleiche sagen ?

Nach der Wurzelkanalbehandlung wurde der Zahn noch mit einer Kompositfüllung versehen.

Der Hund hat das Ganze gut überstanden.

Er frisst  wieder ohne Probleme.
Für ihn war es fast schon Routine.
Es war schon sein zweiter Backenzahn, der endodontisch behandelt wurde.