Auf den Hund gekommen

von Hans – Willi Herrmann

Es gibt viele Aspekte, unter denen man diese Homepage einer Zahnarztpraxis in USA betrachten kann. La Jolla ist ein „Vorort“ von San Diego. Ich war dort vor einigen Jahren, als ich, um Fotos zu machen, mit einem Freund und Kollegen zusammen zu Louis Kahn ´s  Salk Institute pilgerte. Ich möchte daher aus eigener Erfahrung sagen, La Jolla ist ganz gewiss „keine schlechte Gegend“, sicherlich aber auch ein Flecken auf dieser Erde, in der die Zahnärztedichte deutlich  überdurchschnittlich  ist.
Die Konkurrenz ist also nicht unbedeutend und Service ist gefragt.
Oder gefordert.
Aber manchmal treiben solche  Entwicklungen  skurrile Blüten.  Ob das hier der Fall ist, kann nur jeder für sich selbst entscheiden.

Für mich ist die gesamte Homepage – und die Zahnmedizin, die dort beschrieben wird in ihrem Äußeren, ihrem Tun und  der Resonanz auf das dort Beschriebene und Praktizierte – gewissermaßen einen Blick in die Zukunft, die deutsche Zahnmedizin betreffend. Und dabei geht es mir nicht um das Video per se. Wer die Homepage sorgfältig studiert, der wird viele Dinge entdecken, die, vielleicht in abgeschwächter Form, aber dennoch nachhaltig unsere Profession betreffend, in ein paar Jahren Einzug halten werden in deutschen Praxen.

Eine gute Entwicklung ?
Werden wir  sie aufhalten können ?
Selbst wenn man sich im Einzelfall dagegen stemmen kann, in der Masse sicherlich nicht.

Brave new world ?
Wenn ich dran denke, wie immer mehr wichtige Aspekte, elementare Dinge, den wahren Wert ärztlichen Handelns betreffend, in den Hintergund treten gegenüber Äußerlichkeiten, dann möchte ich Max Liebermann  zitieren, mit einem Satz, der oft Kurt Tucholsky zugeschrieben wird.

Aber natürlich wäre das viel zu hart formuliert. Und daher sage ich, ich mag diese Entwicklung nicht und werde sie auch nie gutheißen.

Kann aber sein, dass es einfach nur daran liegt,  dass ich langsam alt werde.

Beim Friseur

von Hans – Willi Herrmann

Das Radio dudelt leise im Hintergrund, während meine Friseurin mir die Haare schneidet.

Seit fast 30 Jahren gehe ich in diesen Friseursalon.
Früher lief hier immer SWR4. Für die Generation „Marianne und Michael“. Und damit eine harte Heimsuchung für alle nach 1958 Geborenen.

Jetzt läuft hier immerhin ein lokaler Radiosender. Gute Musik. Nur die immerwiederkehrend gleiche Werbung nervt auf Dauer. Aber irgendwie muss sich so ein Sender ja finanzieren in Zeiten der Weltwirtschaftskrise und wir  kriegen im Moment ohnehin nichts mit, denn das Radio ist leise gedreht und wir unterhalten uns angeregt.
Definitiv einer der großen Vorteile gegenüber der Zahnarztpraxis.
Beide Beteiligten können sich miteinander die ganze Zeit unterhalten.

Plötzlich fällt im Radio das Wort „Zahnmedizin“.

Wir halten mit dem Gespräch inne.
Hören genauer hin.
Irgendein Gesundheitsspezial, zum Thema „Zahnmedizin“, wie anscheinend immer dienstags von 18 – 19.00 Uhr .
Heute geht es um Laser in der Zahnheilkunde und dem Moderator steht eine Zahnärztin, von ihm Expertin genannt, Rede und Antwort.

Worüber wird gesprochen ? Es klingt nach den  üblichen Worthülsen, von Evidence Based Dentistry keine Spur, aber das sieht ein Insider vermutlich ohnehin ganz anders als ein Aussenstehender.

Obwohl – auf die Frage des Moderators: „Wo kommt der Laser zum Einsatz ?“ fällt der Antwortsatz der Zahnärztin: In der Parodontose – Behandlung.

Darauf die Friseurmeisterin, gerade mit dem Feinschnitt beschäftigt: „Das heißt Parodontitis – Behandlung !“

Ich stimme ihr zu und denke im Stillen, vielleicht sollte der Moderator beim nächsten Mal meine Friseurmeisterin als kompentente Gesprächspartnerin zum Thema „Zahnmedizin“  einladen .

Der Stadtbus – die U – Bahn der Kleinstadt

von Hans – Willi Herrmann

Wie hatte ich vor ein paar Tagen sinniert: In Städten mit U – Bahnen ist die Zahnärztewerbung obligat, aber wie sieht es in Kleinstädten aus.

Die Antwort für Bad Kreuznach kam heute via Telefon.

Buswerbung für die Zahnarztpraxis.
Was der Metropole ihre U – Bahn ist dem Provinzstädtchen sein Stadtbus.

Eine volle Bus – Breitseite für 990 Euro pro Jahr.
Es gibt offensichtlich kein Entkommen.
The times they are a changing.

Rein gefühlsmäßig würde ich die Buswerbung als sinnvolle Investion (für den, der Werbung machen möchte) bewerten.
Die Werbung fällt auf, wird wahrgenommen, wiedererkannt, besprochen im Bekanntenkreis.

So wie die Zahnärzte – Radiowerbung bei Antenne Bad Kreuznach und die Werbung auf den  Einkaufswägen der Supermärkte.
Zwischenzeitlich habe ich von Patienten erfahren, dass es mindestens 2 Einkaufsmärkte gibt mit Zahnärztewerbung am Einkaufswagen.
Mal schauen ob /wann Aldi dies als zusätzliche Einnahmequelle entdeckt.

Provisorischer Zahnzement in der US – Fernsehwerbung

von Hans – Willi Herrmann

In der Süddeutschen Zeitung gibt es eine Spalte „Bei uns in New York“

In der Ausgabe vom 29. Mai 2009 schreibt Nikolaus Piper unter der Überschrift:

„Mit Zement gegen die Rezession“

„Auf CNN läuft seit einigen Wochen die Werbekampagne eines großen Herstellers von Zahnzement. Nun ist Zahnzement ein äußerst nützliches Produkt; Zahnärzte verwenden es, um damit Kronen, Brücken und Füllunen zu befestigen. Aber als Patient geht man ja normalerweise davon aus, dass der Zahnarzt seinen Zement selber kauft. An wen richtet sich also die aufwändige Werbung ?

Mein eigener Zahnarzt in Brooklyn klärte mich auf: Bei dem Produkt handelt es sich um einen provisorischen Zement, mit dem Patienten herausgefallene Kronen selbst befestigen können. In der Rezesion ist dieser Zement zum Verkaufsschlager geworden. Die Patienten können ihren nächsten Zahnarzt-Besuch herausschieben, ein wichtiger Kostenfaktor in einem Land, in dem knapp 50 Millionen Menschen gar nicht oder unzureichend krankenversichert sind.“

Sprechen wir über Werbung

von Hans – Willi Herrmann

Wir sind angekommen in der „Jetztzeit“, was die Zahnmedizin angeht.
Überall prangen sie  uns entgegen, kaum mehr dezent zu nennende Hinweise darauf, wo der Patient vor Ort optimale Zahnmedizin finden könne.

Im Internet.
Klar, die Praxis -Homepage. Haben wir auch.
Die Patienten fragen danach. Nicht alle,  aber immer wieder welche.
Keine Ahnung warum …
Vermutlich weil ein sozialer Druck entsteht.
„Was, dein Zahnarzt hat noch keine Homepage ? Wo gehst Du denn hin ????“

So entsteht Nachfrage nach Dingen, die die Welt eigentlich nicht braucht.
Deshalb gibt es Werbung.

Bei Google wird geworben mit gekauften Anzeigen – Bannern.
Und auch im  virtuellen  „Örtlichen Telefonbuch“ kann es passieren, dass einem der Hinweis auf DEN Zahnarzt vor Ort entgegenblinkt.

Plakatwände in der Innenstadt. Gefühlte 3*4 m gross. In Aschaffenburg.
Oder Werbebanner an Brücken über dem Mittleren Ring in München.
Über 2 oder 4 Farbbahnen hinweg.

Farbige ganzseitige Praxisanpreisungen in einer Wochenzeitung in Bremen oder Düsseldorf.
Teils als redaktioneller Beitrag getarnt, teils offen als Werbung platziert.
Es wimmelt nur so von Spezialisten, Experten.
Alle leisten Außerordentliches.

Dann die Werbung in der U- Bahn. Mittlerweile vermutlich überall in Deutschland dort, wo es U – Bahnen gibt.

Und wie sieht es in der Provinz aus ?
In Städten wie Bad Kreuznach oder anderswo.

Der Einkaufswagen bei Lidl.
Das Plakat blickt mich die ganze Zeit an.
Ich kann den Blick nicht abwenden, zumindest nicht, bis der Wagen fast vollständig gefüllt ist.
An der Kasse, im Eingangsbereich eines anderen  Lebensmittelmarktes  eine Breitwand LCD – Bildschirm Präsentation.
50 Zoll Bilddiagonale mindestens.
Auch hier ein Hinweis auf einen Zahnarzt,  für 10 Sekunden eingeblendet, eingepfercht zwischen Blumengeschäft und Fitnessstudio.

Die Bäckertüte.
Frühstücksbrötchen für zu Hause mit dem dezenten Hinweis auf den Zahnmedizin – Spezialisten.
Der muss aber noch an seinem Printauftritt arbeiten, seine Werbung sieht, schwarz gerahmt, wie eine Todesanzeige aus.

Es gibt die  Ärztetafel.
Kannte ich bis vor kurzem gar nicht.
Das sind Werbeseiten im Telefonbuch, auf denen  jeder Arzt seinen Namen, so groß und bunt er möchte, drucken lassen kann.
Alle stehen drin, kostenlose Einträge ganz klein, wie man es vom Telefonbuch her kennt, und wer es größer möchte, der zahlt und wird dann entsprechend besser in Szene gesetzt.

Und da wäre noch der lokale Radiosender.
Antenne Klein – Puckelmuckel.
„Diese Uhrzeit wird Ihnen präsentiert von der Zahnarztpraxis Dr. Bohrdasloch“.

Ich habe kein Problem damit, das Zahnärzte werben.
Und mit Werben meine ich genau das,was das Wort sagt. Anpreisen. Kunden anlocken.

Aber und dieses „Aber“ ist ein goßes „ABER“, ein fett gedrucktes „Aber„.

Ich denke – und sage  ganz klar – es ist der falsche Weg.
Und in wenigen Jahren sind wir wieder genauso weit wie heute.
Nur größer, bunter, verwirrender und teurer.

Aber  (da  ist es wieder, dieses Wort) das ist okay.
Oh tempora oh mores.
So sind die Zeiten.
Kann, soll  jeder machen, wie er will.

Nach mehr als 15 Jahren Praxistätigkeit, 12 davon  mit  immer wiederkehrenden längeren Aufnahmestopps muss ich jedoch die Frage stellen, warum jemand, der seine Praxis länger als 2 – 3 Jahre seine Praxis hat, werben muss.

Denn nach einer entsprechenden Anlaufzeit (die natürlich von Situation zu Situation unterschiedlich sein kann) muss eine Praxis in der Lage sein, seine Patienten selbst zu rekrutieren.
Soll heißen, für jeden Patienten der zufrieden die Praxis verlässt, gibt es mindestens 2, 3 neue, die dort behandelt werden wollen.

Ich will nicht drüber streiten, wann dieser „tipping point“ erreicht sein wird, aber fest steht für mich, es kommt der Tag, an dem sich diese Situation sich einstellt.

Gute Praxen haben immer zu tun.
Ich kenne keine gute Praxis, bei der das nicht so ist.

Das heisst nicht im Umkehrschluss, dass ein volles Wartezimmer oder lange Wartezeiten eine Beweis sind für eine exzellente Arbeitsqualität.
Definitiv nicht, dafür kann der Patient viel zu unzureichend beurteilen, was in seinem Mund passiert.

Und es heißt auch nicht, dass eine werbende Praxis nicht auch eine exzellente Praxis auch sein kann.

Aber als Patient würde ich schon genau hinterfragen, warum der Werbende dies tut.