SAF System – wer immer nur das tut ….

von Klaus Lauterbach

Auch ich habe am ersten SAF Workshop im August, in Aalen teilgenommen und war gespannt auf diese vollständig neue Art den Bakterien im Kanal zu Leibe zu rücken. Wolf Richter hatte uns die neuartige Feile in allen Details erklärt und im praktischen Teil konnte man schnell erkennen, dass es eine sehr gute Idee ist, das SAF System nur in Verbindung mit einem Workshop (der beim Systemerwerb verrechnet wird) zu verkaufen.
Die Quintessenz des Vortragvormittags war: Clean-Shape-Rinse in einem Arbeitsgang. Das SAF System bearbeitet extrem viel mehr Kanalwandfläche und reduziert Bakterien in höherem Maß als rotierende Systeme, entfernt Debris und Smearlayer (Score1) zuverlässig, erbringt das geforderte hohe Spülvolumen je Kanal, benötigt Preflaring und ist daher keinesfalls ein Einfeilensystem, es wird bei den Workshops und von den Henry Schein Mitarbeitern, zumindest in Deutschland, auch nicht so angepriesen.
Selbst langjährig erfahrene Kollegen konnten sich beim praktischen Teil nur schwer umstellen und mussten den eingefahrenen, rotierenden Behandlungsgewohnheiten Tribut zollen. Schnell war die absolut fraktursichere „Self Adjusting File“ doch abgebrochen. Stellt man allerdings 25000 Upm statt 5000 Upm am Motor ein ist dies auch kein Wunder und entspricht natürlich keineswegs den Vorgaben der Systementwickler, man wollte wohl Grenzen testen.
Nach dem Workshop am Nachmittag war dann klar, dass man das System wirklich nur nach einem guten Preflaring und schaffen eines Gleitpfades einsetzen sollte.
Wolfs Sequenz im Workshop war übrigens: K ISO 10/15, S1, K ISO 20, SAF. K NiTi ISO 30-40.

Unter folgendem Link kann man übrigens die Empfehlungen von Zvi Metzger zum SAF-System downloaden, die gerade für SAF Einsteiger sehr hilfreich sind.

Mein SAF System habe ich in der ersten Septemberwoche erhalten. Mittlerweile, ca. 70 SAF-Wurzelkanäle später, hat sich bei mir keinesfalls Ernüchterung breit gemacht. Im Gegenteil, es ist eher so, das ich immer ein gutes Gefühl habe, wenn die Feile im Kanal zum Einsatz gekommen war. Unter dem OPM sieht das alles blitzsauber aus.
Wie waren also meine Erfahrungen? Zu Aufbau und Technik des Systems wurde hier bereits alles erklärt. Zunächst kam die SAF in unserer Praxis nur in ovalen, c-förmigen und Kanälen mit Isthmen zum Einsatz. Mittlerweile wird sie routinemäßig während jeder Aufbereitung eingesetzt, auch bei runden Querschnitten.

Meine persönliche Aufbereitungssequenz kombiniert eine hohe, apikale Größe mit der perfekten Reinigung der SAF: K ISO10/15, BioRace1, BR2, SAF, BR4.
Es gibt bei der SAF natürlich keine bestimmte Aufbereitungsgröße oder Taper da sich die Feile dem Kanal anpasst. Falls nötig erfolgt ein Taper-Stepback mit Handfeilen.

Das System wurde nach kurzer Gewöhnungszeit perfekt in unseren Behandlungsablauf integriert. Der lästige Fußschalter zum Ein- und Auschalten der Pumpe steht bei der Assistenz, die auf kurzes Zeichen den Natriumhypochloritfluss startet. Das Pumpensystem wird nach jeder Behandlung mit Kochsalzlösung gespült und erst zur nächsten Behandlung wieder mit Natriumhypochlorit gefüllt.
Wie wir schon gehört haben ist es manchmal etwas Fummelei die doch recht lange Feile (zum Schaft und Arbeitsteil kommt noch der Schlauchansatzteil) bei geringer Mundöffnung im Kanal zu platzieren aber bisher konnte die Feile immer im Kanal untergebracht werden.
Das man die Feile nur mit gutem Straightline-Access benutzen kann wird dafür sorgen, dass alle Behandler einen solchen gestalten müssen, eher ein Vorteil als ein Nachteil. Die Feile verträgt wirklich wenig vertikalen Druck lässt sich aber, mit etwas Gefühl, in einem größeren, ovalen Kanal (zB. distal UK7er) recht gut an die bukale oder linguale Wand drücken. Im Frühjahr kommt die SAF mit 2,0mm Durchmesser. Dann wird die Behandlung grosslumiger oder ovaler Kanäle sicherlich erleichtert.
In keinem Behandlungsfall kam es übrigens zu einem Feilenbruch. Bei regelgerechtem Einsatz gab es nur sehr selten kleine mechanische Defekte an der Feile. (siehe Bild)
In einigen Fällen, meist gekrümmte Kanäle, gab es allerdings Schwierigkeiten die Arbeitslänge der initialen Feilen mit der SAF zu erreichen. Erst nach einem weiteren, stärkeren Preflaring konnte die Feile auf AL gebracht werden.

Bei Revisionen habe ich die SAF als Abschlussfeile eingesetzt. Bei den rotierenden Feilen bleibt gerade in der Innenkurvatur gekrümmter Wurzeln oft Füllmaterial an der Kanalwand zurück. Hier kann die Feile durch Ihr neue Technik die Kanäle effektiver reinigen.

Das System ist bisher noch nicht offiziell am Markt erhältlich, lediglich endodontisch versierte Kollegen waren zu den wenigen Workshops eingeladen bzw. einige Studiengruppen konnten sich damit vertraut machen. Nachdem vorher nur einige Opinionleader die SAF erhalten hatten war dies die zweite Stufe der sehr überlegten und bedachten Markteinführung. Verbesserungsvorschläge wie Einschaltknopf statt Fußanlasser oder Austauschbarkeit des Flüssigkeitbehälters usw. wurden nach den Workshops bereits an die Hersteller weitergeleitet. Wir sind gespannt wie schnell dies geändert wird. Nun wir die SAF also wahrscheinlich im November zur DG-Endo Jahrestagung für jedermann der einen Workshop belegt hat zu erwerben sein. Da kann wohl kaum von einer übereilten Markteinführung die Rede sein.

Ob sich die Feile auf breiter Ebene im Markt durchsetzen wird bleibt abzuwarten. Ein Vorteil ist sicher, dass man keinen Zusatzmotor benötigt. Der hohe Preis der Feile und die nötige optische Vergrößerung zur systemgerechten Benutzung wird Generalisten zunächst sicher abschrecken. Die Feile ist nur für „Single use“ konzipiert. Die Sterilisation bei 121°C übersteht die Feile auf den ersten Blick gut, bei 134°C wird aus den Kunststoffteile mit Schlauchansatz eine unbenutzbarer Klumpen.

Die aktuelle Studie von Siqueira (JOE. Volume 36, Issue 11, Pages 1860-1865,) zeigt im Vergleich zu rotierenden Systemen eine 32% bessere Bakterienelimination durch das SAF System. Schade dass keine PUI in der Vergleichsgruppe eingesetzt wurde aber auch diese Studie wird es sicher bald geben.
Wir haben es nach aktueller Studienlage also in der Hand 40% mehr Kanalwand und bis zu 30% mehr Bakterienreduktion bei unserer Behandlung zu erreichen, das ist auf einem bereits hohen Behandlungsniveau durchaus bemerkenswert. Man muss sich erst an die Technik dieser Feile gewöhnen, würde man darauf verzichten, wäre das so ähnlich wie MTA nicht zu benutzen weil Diaket auch gut funktioniert. Weitere unabhängige Studien werden uns im Laufe der Zeit zeigen ob sich die aktuellen Zahlen bestätigen. In Göttingen und Mainz laufen bereits Studien, die eventuell bis zur IDS weiter wissenschaftliche Informationen liefern.

Man sollte neuen Entwicklungen immer kritisch gegenüber stehen und unabhängige Untersuchungen abwarten aber es ist sicherlich gut, dass es Querdenker wie Zvi Metzger gibt, die abseits vom Mainstream neue Ideen umsetzen.
Ganz nach dem Motto: Wer immer nur das tut was er bisher getan hat, wird immer nur das erreichen, was er bisher erreicht hat.

Buschtrommeln

von Hans – Willi Herrmann

Noch ist die SAF – Feile nicht auf dem Markt, aber  betrachtet man die Reaktionen auf unsere Blogbeiträge  (morgen erscheint als Feedback ein weiterer Beitrag eines Gastautoren) wird es interessant sein, die weitere Entwicklung im Laufe der nächsten Jahre zu verfolgen.

Top oder Flop, man wird sehen.

Interne Resorption

von Ronald Wecker

Die  Primärbehandlung liegt ca. 8 Jahre zurück. In Folge eines Frontzahntraumas mit komplizierter Kronenfraktur wurde an diesem mittleren Schneidezahn 1 Jahr nach dem Trauma eine tiefe Pulpotomie durchgeführt. Der koronal des vitalen Pulpagewebes gelegene Kanalhohlraum wurde alio loco in lateraler Kompaktion und unter Verwendung von viel Sealer mit Guttapercha gefüllt, der Zahn koronal in Adhäsivtechnik aufgebaut.

Im Rahmen der Versorgung des Zahnes mit einer vollkeramischen Teilkrone wurden Röntgenbilder angefertigt, die im Vergleich zu den regelmässig durchgeführten radiologischen Kontrollen neben einer apikalen Aufhellung und einer anresorbierten Wurzelspitze auch eine kugelige Erweiterung des Kanalhohlraumes im unteren Wurzeldrittel zeigen. Abgesehen von einer geringen achsialen Perkussions-empfindlichkeit lagen keine weiteren klinische Symptome vor.

Nach dem Entfernen der vorhandenen Obturationsmaterialien konnte etwas oberhalb des Foramens im Bereich der kugeligen Kanalerweiterung ein gut vaskularisiertes Weichgewebe dargestellt werden. Unter großvolumiger Spülung mit NaOCl und dem Einsatz von Handinstrumenten konnte das Gewebe entfernt und apikal ein unregelmässiges Foramen mit einem minimalen Durchmesser von ISO 120 dargestellt werden.

Auf eine zweiwöchige Einlage mit CaOH2 erfolgte die Obturation des Kanalsystems mit kollagenem Widerlagers und MTA. Anschliessend wurde der Zahn unter Verwendung eines Quarzfaserstiftes  adhäsiv restauriert.

Unter Berücksichtigung der Anamnese und aller erhobenen Befunde scheint es durch den langandauernden infektiösen Reiz zu einer internen Resorption gekommen sein, die ihren Ausgang im verbliebenen apikalen Pulpastumpf genommen hat.

Die Resorption der Wurzelspitze  hingegen ging von peripikalem Gewebe aus; eine Reaktion wie man sie häufig an Zähnen mit apikalen Parodontitiden findet.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Praxishygiene

von Olaf Löffler

Es ist ein neuer Hygieneleitfaden des Deutschen Arbeitskreises für Hygiene in der Zahnmedizin (DAHZ) veröffentlicht.

Hier können Sie diesen finden.

WICHTIG für alle Praxisneugründer oder „Umzieher“:
… Keime aus dem Trinkwasser können an der Innenwandung der Leitungen sog. Biofilme bilden. Vor allem in Phasen der Stagnation des Wassers (z.B. über Nacht und am Wochenende bzw. Urlaub), und wegen relativ hoher Umgebungstemperaturen kann es zu Kontaminationen des Kühl- und Spülwassers kommen. Eine vielfach diskutierte Verkeimung des Wassers durch Mikroorganismen aus der Mundhöhle des Patienten und Einwanderung über die Übertragungsinstrumente ist wissenschaftlich nicht bewiesen. Deshalb ist an der Übergabestelle öffentliches Trinkwassernetz/Dentaleinheit ein sog. freier Auslauf nicht gefordert.


Saving hopeless teeth (XXII)

von Bonald Decker

Im endodontischen Alltag erscheinen manche Zähne aufgrund der Ausgangssituation als besonders fraglich. Und auch nach erfolgter Therapie haben solche Fälle ggf. nicht den „Look“…

so wie auch in dem nachfolgenden Fall.

Es handelte sich um die Revisionsbehandlung eines Zahnes 46 mit Perforationsdeckung nach Schraubenentfernung. Erschwerend kam hinzu, dass die Verläufe der Wurzelkanalsysteme zusätzlich mühsam mittels Ultraschallansätze freipräpariert werden mussten…

Die Einjahreskontrolle stimmt trotz aller Unwegsamkeiten, fraglicher Ausgangssituation und fehlendem „Look“ zuversichtlich…

Starke Schmerzen (Teil 2)

von Hans – Willi Herrmann

Letzte Woche hatte ich das Röntgenbild eines Schmerzpatienten hier eingestellt und einige Fragen zum Fall zur Abstimmung aufgerufen.
An alle Teilnehmer zunächst vielen Dank für die Beteiligung bei den Umfragen.

Hier nun der Patientenfall im chronologischen Ablauf.

Der Patient suchte unerwartet unsere Praxis auf.
Er hatte wegen starker Zahnschmerzen am Tage zuvor einen Zahnarzt aufgesucht.
Dieser hatte den Zahn 23 und den Zahn 24 trepaniert.
Die Schmerzen blieben.
Zusätzlich stellte sich über Nacht eine Schwellung ein, daraufhin wurde in Regio 23 inzidiert und ein Streifen eingelegt und der provisorische Verschluss an 23 und 24 entfernt.
Die Schmerzen blieben.
Der Patient wurde daraufhin zur WSR an einen Kieferchirurg überwiesen. Er suchte dann, auf Empfehlung einer Verwandten, unsere Praxis auf.

„Wo tuts weh ?“
„Kann ich nicht genau sagen. Hier ! “ Der Patient zeigt auf seine linken Oberkiefer.

„Seit wann tuts weh ?“
„Seit vorgestern“

Wann tut´s weh ? “
„Als ich was Kaltes getrunken habe, zog es tierisch in den Kopf hinein.“

Mit diesem Satz war es sehr einfach geworden, den betreffenden Zahn herauszufinden, denn es war zu vermuten, dass die Schmerzen von einem pulpitischen und somit stark kälteempfindlichen Zahn ausgehen.

Dem Röntgenbild nach wäre hier der Zahn 22 oder der Zahn 21 als Schmerzauslöser zu vermuten.
23 und 24, vermutlich schon länger devital, würden sich anders bemerkbar machen.

Ein durchgeführter Kältetest zeigte: Zahn 21 reagiert normal, Zahn 22 reagiert extrem auf Kälte („ARGGH; genau das ist der Schmerz“) , 23 und 24 reagieren nicht auf den Kältetest.

Die Therapie wurde dann wie folgt durchgeführt:

Anästhesie
Entfernung des eingelegten Drainagestreifens.
Es dauert mehrere Minuten, bis die massive Blutung aus der Inzisionswunde steht.

Trepanation und Wurzelkanalaufbereitung Zahn 22.
Initiale WK 23 und 24, Ultraschallspülung, Medikamentöse Einlage 22, 23,24, Verschluss der Trepanationsöffnungen 22, 23,24.

Die Kontrolle am nächsten Tag ergab Schmerzfreiheit und einen vollständigen Rückgang der Schwellung.

In der darauffolgenden Sitzung wurde der Zahn 23 und 24 mit einer Kunststofffüllung aufgebaut und die Wurzelkanalaufbereitung an den Zähnen 23 und 24 zu Ende geführt.

Wie es mit dem Zahn weitergeht, sowie eine Analyse des Geschehens und Tipps zur Vorgehensweise in unklaren Schmerzfällen demnächst als Fortsetzung dieses Beitrages.

Diese Diashow benötigt JavaScript.


 

Reziprok-Technik ProTaper F2

von Christian Danzl

Ghassan Yared wird seine Reziprok-Technik auf der Jahrestagung der DG-Endo vorstellen. Hier ein Video von der Aufbereitung eines 22. Ein Gleitpfad wurde vollrotierend mit einer Pathfile erstellt.

Kaps Videoadapter f54, Canon Legria HF 20

 

Denksportaufgabe

von Ronald Wecker

Präoperativ schien alles sehr einfach zu sein. Oberer Prämolar nach begonnener Revisionsbehandlung und medikamentöser Einlage mit CaOH2.

Nach Anlegen der Zugangskavität zeigten sich zwei durch eine Dentinbrücke getrennte Kanaleingänge. Mit einem vorgebogenen Microopener konnte unterhalb der Dentinbrücke Guttapercha und nekrotisches Gewebe entfernt werden. Eine direkte Sicht auf den Apikalbereich war nicht möglich. Nach Abtragen der Dentinbrücke konnte sowohl das apikal befindliche als auch das periapikal gelegene Obturationsmaterial entfernt werden.

Der Originalkanal zweigte ca. 1,5 mm oberhalb der apikalen Perforation an der mesialen Kanalwand ab und hatte eine abrupte, fast rechtwinkelige Krümmung nach bukkal.

Eine Obturation mittels erwärmter Guttapercha hätte zwar das Abfüllen des Originalkanals erleichtert, jedoch aufgrund der großen Nähe zur Perforation mit großer Wahrscheinlichkeit zu einer Überpressung von Sealer oder Guttapercha in den Periapikalbereich geführt.

Es sollte daher zunächst die Perforation mit einem ca. 1mm starken MTA Plug verschlossen werden. Um ein Blockieren des seitlich abzweigenden Originalkanals zu verhindern wurde unter dem Mikroskop vor der MTA-Obturation ein kleines Stück Teflonband in den Originalkanal eingebracht. Nach Erstellen des ersten MTA Plug  wurde das Teflonband entfernt und der Originalkanal mit erwärmter Guttapercha obturiert.

Dazu wurde eine individualisierte Guttaperchaspitze vorsichtig vorgebogen und unter Sicht in den zuvor mit Sealer benetzten Kanal eingebracht, erwärmt und vertikal kompaktiert.

Anschliessend konnte MTA in der erforderlichen Schichtstärke eingebracht und der Zahn dentinadhäsiv verschlossen werden.

Ein schönes Beispiel dafür, dass die Tücke auch in der Endodontie manchmal im Detail liegt.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Schwangerschaft und Medikation

von Olaf Löffler

Letzte Woche stellte sich in unserer Praxis eine neue Patientin mit akuten Beschwerden vor. Die Diagnose lautete irreversible Pulpitis an Zahn 26. Die Patientin befindet sich in der 20. Schwangerschaftswoche.

Sofort stellt sich die Frage nach dem Risiko verschiedenster Medikamente in der Schwangerschaft. Angefangen vom Anästhetikum bis hin zur medikamentösen Einlage.

Die Nachforschungen in den Weiten des Internets haben uns den folgenden Link finden lassen (http://embryotox.de).

 

Akutes Zahntrauma mit Pulpaeröffnung

von Tomas Lang

Der hier vorgestellte Fall ist nunmehr ca. 2,5 Jahre her. Ein Kollege, welcher damals kurz zuvor eine meiner Fortbildungen besucht hatte, rief mich an und bat mich, einen Fall für ihn zu übernehmen.

Der Patient lebt in Afrika mit seinen Eltern und hat sich beim Wasserrutschen auf dem Schulgelände einen Zahn ausgeschlagen. Die Eltern saßen zu der Zeit bereits im Flugzeug auf dem Weg nach Deutschland, da sowohl der lokale Zahnarzt als auch die nächstgelegene Zahnklinik sagten, dass sie nicht die richtigen Materialien zur Versorgung vorrätig hätten.

Und so schlug der damals 8jährige Junge ca. 24h nach dem Unfall in meiner Praxis auf. Zu meiner großen Verwunderung war das herausgeschlagene Zahnfragment in einer Zahnrettungsbox (Dentosafe). Diese hatte die Schule in Afrika vorrätig!

Da die Pulpa seit 24h exponiert war, imponierte bereits eine ödematöse Schwellung mit beginnender oberflächlicher Nekrose. Daher habe ich in diesem Fall eine partielle Pulpotomie durchgeführt.

Die Pulpa wurde anschließend mit MTA überkappt mit Zinkoxid-Phosphat-Zement überschichtet und das koronale Fragment adhäsiv wiederbefestigt. Wie man in dem unteren Video erkennen kann, ist der Junge bei der Behandlung eingeschlafen – war er doch in den letzten 24h in Dauerstress gewesen. Ein besonders erhebender Moment für mich war, als ich ihn nach der Behandlung aufweckte ,ihm den Spiegel gab und sein eigener Zahn wieder hergestellt war.

Mittlerweile ist der kleine Junge gewachsen und war bisher nach einem und zwei Jahren zur Kontrolle erschienen. Der betroffene Zahn ist wieder normal vital und die Apexifikation verläuft regelrecht.

Lediglich, wenn man genau hinschaut, erkennt man das MTA als leicht dunklen Schatten unter der Zahnoberfläche.

Hier würde ich, wenn ich den Fall noch einmal machen könnte, dass weisse MTA verwenden.

Die Versorgung von Traumata ist diffizil und nur erfolgreich, wenn man sofort die richtigen Entscheidungen trifft. Dazu kommt, dass solche Fälle recht selten in der Praxis aufschlagen.

Der Dänische Kollege Ove Andreasen hat daher eine exzellente Homepage zur Entscheidungsfindung aufgestellt, welche zu jedem Traumafall evidenzbasiert die richtige Entscheidungskette vorgibt. Ich kann nur jedem Kollegen empfehlen, vor Therapiebeginn einen Blick auf die Homepage zu werfen.

Frontpage

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Und hier ein Video von der Behandlung.

Starke Schmerzen im Oberkiefer

von Hans – Willi Herrmann

Es gibt Schmerzfälle, die sind einfach.
Andere sind kompliziert und es erscheint schwierig, den richtigen Zahn aus einer Vielzahl potentiell möglicher Kandidaten herauszupicken.

Anbei die Röntgenaufnahme eines Patienten, der letzte Woche mit schlagartig aufgetretenen starken Schmerzen, so dass er  direkt von der Arbeit weg einen Zahnarzt aufsuchen musste, in unsere Praxis kam.

Wie nun verfahren ? Am besten wir stimmen ab:

Den Rest der Geschichte – wie die Sache für den Patienten weiterging – das  gibt es dann an einem der nächsten Dienstage.

Neues von der Fachdental München am 16.10.2010

von Christian Danzl

Letzten Samstag war die Bayerische Fachdental. In München, wie jedes Jahr.

Was gibt es Neues zu berichten?

Hier eine nicht-repräsentative Auswahl:

Schlumbohm

Der Endo-Pilot von Schlumbohm hat mir immer schon gefallen. Aufbereitung, simultane Längenmessung und Warmabfülltechnik (Downpack und Backfill) in einem kompakten Gerät ist eine äusserst interessante Sache. Es reduziert die Geräte, die rumstehen, gewaltig und es gibt auch nur einen Fussanlasser.

Interessant ist auch die Möglichkeit verschiedene Endo-Boxen zu verwalten, der Endo-Pilot misst für jede ihm einprogrammierte Feile, die aufgetretene Belastung und rät bei Überschreitung der programmierten Lebenszeit zum Feilenwechsel (Feilenalarm).

Die Bedienung und Programmierung des Endo-Pilot erfolgt einfach und angenehm über Touch-Screen.

Zur DG-Endo JT in Berlin wird Herr Schlumbohm noch den Co-Pilot vorstellen. Dieser soll ein Akku-Pack beinhalten um von der Steckdose unabhängig zu werden und noch zusätzlich ein US-Gerät.

Leica Microsystems

Das neue Leica-Mikroskop M320 F12b hab ich mir angesehen. Die Verarbeitung ist teilweise (Arm), wie von Oscar von Stetten hier schon beschrieben (momentan) sehr durchschnittlich, allerdings seien es – wie mir bei KaVo und Henry Schein versichert wurde, Protptypen. Die „richtigen“ Exemplare sollen auf dem gewohnt hohen Standard sein.

  • Die Optik hat mir ganz gut gefallen, auch bei hohen Vergrößerungen
  • Das LED Licht ist nicht viel dunkler als die Xenon-Lichtquelle des Zeiss-Pico (zumindest im Vergleichsaufbau auf den Henry Schein-Stand), allerdings hatte das Xenon für mich im direkten Vergleich eine angenehmere Farbtemperatur
  • Die Feinfokussierung fand ich im Gegensatz zu OvS sehr gut, weil sie mit einem Finger funktioniert.
  • Die integrierte Video/Foto-Lösung in Kombination mit dem LED-Licht (kein Lichtleiter) gibt es keine störenden Kabel. Foto und Video (Mpeg 4) werden auf einer leicht zugänglichen SD-Karte gespeichert. Über eine Eye-Fi-Karte dürften die Daten auch ohne Umstecken schnell auf dem Rechner zur Weiterverarbeitung sein.

VDW

hat das Mtwo Feilensortiment um 4 Feilen erweitert. Neu sind 30/.06, 45/.04, 50/.04 und 60/.04.

Der „Gold“ Endo-Motor ist jetzt auch für Reziprok-Technik geeignet.

Über die hier gezeigte Reziproc-Feile hat man sich ausgeschwiegen. Das allerdings sehr ausgiebig.

Schade.

Das SAF-System – ein kleiner Erfahrungsbericht Teil 2

von Oscar von Stetten

 

Hier mein Fazit

Es scheint manchmal, dass das ganze Produkt sehr schnell auf den Markt gebracht wurde. Vielleicht zu schnell. Einiges läuft noch nicht ganz rund und wird sicher noch seine Zeit brauchen.

Bisher hat die SAF keine einzige Feile aus meinem Aufbereitungsprotokoll eliminiert. Aber sie ist ein gutes Zusatzinstrument. Für die Spülung und um einfach die Fläche der mechanisch bearbeiteten Kanalwand zu erhöhen. Nach nun etwa 80 Kanälen mit der SAF kann ich die Feile deutlich besser einschätzen. Zwar immer noch skeptisch, aber Neues kennen zu lernen und Einzuführen dauert seine Zeit. Und ich habe sie umgetauft, von „self-adjusting-file“ in „super-additional-file“.

 

Verzichte ich auf die PUI? Nein, auf keinen Fall. Die Beobachtung war, dass auch nach 4 Minuten SAF und anschliessender PUI immer noch trübe Wolken aus dem Kanal kommen. Ob das eine Signifikanz besitzt, kann ich auch nicht sagen. Aber bis es endgültig geklärt ist, mache ich es noch.

Habe ich mehr Seitenkanäle gefüllt? Nein, auch das nicht.

Wie obturiert man mit SAF aufbereitete Kanäle? Laut Hersteller mit der Methode, die einem am meisten liegt. Bei uns ist es warme Guttapercha, ob als Squirt oder als modifizierte Schildertechnik. Es ist die philosophische Frage nach der besten Abfüllmethode und deren Einfluss auf den Outcome, die diesen kleinen Artikel bei weitem sprengen würde. Wer nun auf den Gedanken kommt, die Toronto-Study zu zitieren, dem sei eine kritischere Würdigung dieser Studie ans Herz gelegt  ;-)

Es soll eine grössere Feile mit 2,0 mm Durchmesser auf den Markt kommen. Von dieser verspreche ich mir weit mehr als von der 1,5 mm-Feile. Auch eine IntroFile, so habe ich von den Dächern pfeifen hören, soll erscheinen.

Wie viel schabt die Feile denn nun vom Kanal ab? Dr. Frank Paqué von der Uni Zürich war so freundlich, mir Bilder zur Verfügung zu stellen. Grün ist stets die Originalanatomie, rot das Überlagerungsbild nach Aufbereitung. Die Ortsauflösung beträgt 20 µm. Man sieht immer noch grün durchscheinen, was bedeutet, dass an dieser Stelle die Feile unter 20 µm abgeraspelt hat.

Es sind keine 100%. Das war aber auch nach der Studienlage nicht zu erwarten. Was man aber sehen kann, dass diese Feile ganz hervorragend in den ovalen Kanälen arbeitet (recessi, cul-de-sac´s). Das wird die Stärke der SAF sein. Das wird auch durch bakteriologische Studien bestätigt werden, da bin ich mir sicher. Interessant wird es werden, wenn die desinfizierende Leistung der SAF mal gegen die PUI verglichen wird.

Das Bild des Molaren mit C-förmigem Wurzelkanalquerschnitt habe ich von der Redent-Website. Nur exemplarisch, man kann sich die Kataloge als PDF downloaden. Wie man sieht, ist der c-shaped-Teil des Kanals nicht vollständig abgeraspelt worden. Und: die POE´s sind GAR NICHT bearbeitet. Also: Handfeilen oder rNITI zur Ausformung. Und mir kommen sofort die Bilder von Nair oder Ricucci in den Kopf, die eine Biofilmbesiedlung bis an die Wurzelspitze nachweisen. Dieser Teil wird von der SAF nicht touchiert. Diese Anteile müssen konventionell behandelt werden.

Es lohnt sich, die µCT-Bilder von der Website genau anzuschauen. Es wird auffallen, dass die Aussenkurvaturen stets mehr bearbeitet werden als die Innenkurvaturen. Wie sollte es auch anders sein……

Was das Instrument aber sehr gut kann, ist Isthmen zu spülen. Es wurde eine ProTaper-Aufbereitung gegen eine SAF-Aufbereitung gestellt. Es fällt auf, dass die Isthmen in der SAF-Gruppe nach Aufbereitung frei von opakem Material sind, während in der ProTaper-Gruppe sich immer noch röntgendichter Debris in den Isthmen befindet. Man sieht aber auch, dass die SAF den Isthmus zwar extrem „sauber“ hinterlassen, aber nicht aufbereitet hat (dafür kann es mehrere Gründe geben). Ob die ProTaper-Gruppe mit Einsatz der PUI ebenfalls dazu in der Lage gewesen wäre, kann zu diesem Zeitpunkt nicht bewertet werden. Am Rande sei erwähnt, diese Untersuchungen wurden an einem geschlossenen Modell vorgenommen.

All diese Fakten haben mich die SAF in mein Protokoll integrieren lassen. Aber nur als Supplement, nicht als Ersatz. Das Instrument macht einfach sauber. Diese Tatsache kann und sollte auch nicht geleugnet werden. Die Gretchenfrage wird sein: welchen Einfluss hat es auf die Prognose? Ich weiss es nicht, aber ich weiss, was raus ist, ist raus ;-)

In unserer Praxis stellt die Revisionsbehandlung ca. 80% der gesamten Endodontiebehandlungen. Dafür ist die SAF schlichtweg ungeeignet. Zumindest in meinen Händen (Handschuhgrösse 10). Es muss vor Einsatz der SAF die komplette konventionelle Revisionssequenz gefahren werden.

Spart mir also der Einsatz der SAF Zeit? Nein, eher im Gegenteil. Die Feile benötigt ihre Zeit, um effektiv zu sein. Mit schnell, schnell ist der Frust schon vorprogrammiert, da Brüche und/oder Einrisse der Feile vorkommen. Wenn man für einen Molaren 3 SAF-Feilen benötigt, lernt man schnell, ruhiger zu werden ;-) Auf zahnmed (einer Mailingliste) wurde der Preis von ca. 40-50€ für eine Feile genannt. Dann versteht man auch den Zusammenhang zwischen Feileneinsatz und innerer Ruhe…..

Die SAF überwindet weder verblockte Kanäle, noch findet sie übersehene Anatomie. Dazu die ungeklärte Frage nach der geeigneten Obturationstechnik. Ob ein Stift in Sosse (single-cone) der Anatomie gerecht wird? Sicher kann man über den Einfluss auf den Outcome diskutieren. Was man aber nicht diskutieren kann ist die Tatsache, dass eine erfolgreiche WKB multifaktoriell bedingt ist. Da gehört weit mehr dazu, als nur eine Feile irgendwo reinzuhalten und zu hoffen, jetzt wird alles gut. So wird die SAF aber positioniert. Es ist aber nicht die eierlegende Wollmilchsau.

Zu diesem Zeitpunkt zumindest nicht.

Die Umsetzung ist in meinen Augen nicht so perfekt gelungen. Das System sollte qualitativ noch deutlich zulegen. Die Preisgestaltung wird sicher nicht einfach. Der Preis wird den Erfolg dieses Systems jedoch stark beeinflussen, davon bin ich überzeugt. Und das System wird sich evolutionieren, weiterentwickeln, umso stärker, desto mehr es klinisch genutzt wird. Die ersten Schritte dahin sieht man in der Einführung der grösseren Feile, die einfach mehr Druck auf die Wände entwickeln kann. Viele mögliche Faktoren wie z.B. Ledgeformation, Transportation etc. sind (noch) nicht untersucht.

Dennoch sollte man dieses System im Auge zu behalten. Es hat grosses Potential. Den Marketingaussagen sollte jedoch mit einer gesunden Portion Skepsis und Menschenverstand begegnet werden, nicht zuletzt mit seinem Fachwissen.

Ach ja, falls die Frage nach Röntgenbildern im Raume steht, ich habe absichtlich keine in diesen Artikel eingefügt. Denn: welche Aussage könnte man wohl anhand der weissen Striche auf dem Rö über den Einsatz dieser Feile schon treffen……

Und noch ein kleiner Hinweis am Rande:

Bei der Jahrestagung der DGEndo in Berlin vom 04.11.2010-06.11.2010 wird ein SAF-Workshop angeboten und Prof. Metzger wird einen Vortrag über das System halten. Interessierten sei der Workshop ans Herz gelegt, um sich selber ein Bild machen zu können.

Mein abschliessender Dank gilt Dr. Frank Paqué von der Uni Zürich. Ohne seine exzellenten Bilder, seinen fachlich sehr fundierten Widerstand gegen meine empirischen Behauptungen und seine Ratschläge wäre dieser Blogeintrag nicht halb so interessant.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Das SAF-System – ein kleiner Erfahrungsbericht Teil 1

von Oscar von Stetten

Die Idee dahinter ist bestechend. Man kann es einfach nicht anders bezeichnen. Für mich auf einer Stufe mit der Einführung des Dentalmikroskopes, der rNITI, des MTA.

Warum? Weil das System viele Vorteile in sich vereint. Eine schonende, dem Kanalverlauf genau angepasste Aufbereitung. Keine schnelle Rotation unter Scherlast, daher keine Bruchgefahr im herkömmlichen Sinne. Hohlnadelsystem, simultane Spülung möglich. Netzartige Struktur, dadurch extrem flexibel, die Spitze mit Durchmesser 0,2mm , Feilendurchmesser 1,5 mm. Vertikale Hubbewegung  mit einer Amplitude von 0,4mm, raspelt damit von der Kanalwand ab und aktiviert gleichzeitig die Spülung. Das sind die Eckdaten, die einem das Herz höher schlagen lassen. Nimmt man nun noch die Studien zur Hand, alles perfekt. Spricht man mit denjenigen, die diese Studien gemacht haben, bleibt einem das Staunen in den Erzählungen und der Enthusiasmus in Erinnerung. „So saubere Kanäle habe ich noch nie gesehen“ ist einer der prägnantesten Sätze.

Alles, wonach wir immer gesucht haben. Einfach die SAF 4 Minuten in den Kanal halten, das Instrument macht alles von alleine. Debris weg, SmearLayer weg, alles gut. Apikal bis zu 65% bearbeitete Kanalwand.

So waren meine Gedanken, als ich das System recherchierte.

Mitte August gab es einen SAF-Kurs bei Jadent, Wolf Richter hat das System schon seit kurzer Zeit im Betrieb und hat uns wertvolle Tipps gegeben. HenrySchein hat jedem 10 Feilen in die Hand gegeben, wir konnten in aller Ruhe das System an die Grenzen bringen. Nach den ersten drei Feilen war ich ernüchtert. Jahrelang trainierte Reflexe übernahmen die Kontrolle, ich behandelte die SAF wie eine rNITI. Fazit: so geht es nicht. Niemals. Auf keinen Fall. Die Feile verhält sich nicht wie eine konventionelle rotierende Feile. Druck mag die Feile nicht, sie knickt sofort ein. Als die Testfeilen beerdigt waren, wusste ich nicht, was ich von diesem System zu halten hatte. Sicher, die Kanäle der extrahierten Zähne sahen aus wie polierter Speckstein. Glänzend. Aber die Anwendung per se, schon seltsam. Der transparente Zahn ist ein Molar mit C-förmigem Wurzelkanalquerschnitt. Die abgerissenen und verkeilten Fragmente sind zu 100% meiner nicht vorhandenen Erfahrung zu verdanken. Trotzdem fand ich es nicht beruhigend, dass man die Fragmente so verkeilen kann, dass sie nicht wie beschrieben einfach zu entfernen sind, wie beschrieben.

Nun kam Anfang September mein System in die Praxis und voller Zuversicht habe ich meinen ersten Zahn damit behandelt. Mit Handinstrumenten bis ISO 20 den Gleitpfad erstellt, danach die SAF versucht zu verwenden. Versucht? Ja, versucht. Wenn die Spitze der Feile nicht (in meinen Händen) ca. 5-6 mm als Führung im Kanal steckt, geht gar nichts. Also PreFlaring mit einer ProTaper SX. Dann ging es.

Das klinische Protokoll wurde erweitert um das PreFlaring mit der SX. Dann die nächste Hürde…..

Ich habe mir extreme straight-line Zugänge aus Gründen der Zahnhart-substanzerhaltung abgewöhnt, natürlich immer fallindividuell entschieden. Aber es ist nun mal so, dass ich eine ProFile, M2 oder eine TwistedFile auch mal ein bisschen gebogen in den Kanal einführen kann. Das geht mit der SAF nicht. Gar nicht. Die Feile knickt sofort ein und beginnt zu reissen. Also: ein sehr guter straight-line-access ist essentiell. Ohne den wird man mit der SAF schnell gefrustet sein.

Eine Besonderheit des Kopfes RDT3 von RedentNova ist nicht nur die Hubbewegung. Die Feile kann, wenn sie ohne Last ist, auch rotieren. Das ist wichtig, damit die Spitze auch den Krümmungen folgen kann und eine Führungsfunktion übernimmt.  Nun ist es leider so gewesen, dass sich die Feile nicht gedreht hat, weil sie irgendwo klemmte. Damit konnte die Spitze auch Krümmungen nicht folgen und die Feile hat nicht gearbeitet, ist eingerissen oder eingeknickt. Ob eine Stufe präpariert wurde, kann ich natürlich nicht sagen, die behandelten Zähne sind noch im Patienten. Aber ich konnte eine leichte Stufe mit einer Handfeile tasten. Also habe ich begonnen, den Gleitpfad mit der ProFile 04/20 zu formen.

Damit kam zur SX meine klinisch bewährte Gleitpfadsequenz dazu.

Seit dieser Änderung des klinischen Protokolls habe ich keine Probleme mehr mit der SAF. Man bekommt ein Feeling für die Feile und die Kanäle. Inzwischen habe ich sie in mein Aufbereitungsprotokoll eingegliedert und mir ist schon komisch zumute, wenn ich sie nicht einsetze. Inzwischen weniger zum Aufbereiten, mehr zum Spülen, als Finish. Dabei habe ich stets die Studienbilder im Kopf, diese machen einfach ein gutes Gefühl. Und wenn man sieht, was da von apikal hochgespült wird….

Dennoch: die Feile hat Probleme. Und ist nicht für alle Fälle geeignet.

Grosse, ovale Kanäle sind problematisch. Das Prinzip der Feile beruht auf der Tatsache, dass sie gestaucht wird und aufgrund des Rückstellungsvermögens des NiTi wieder in die alte Form zurück will. Nur dann erzeugt die Feile ausreichend Druck auf die Seitenwände und bearbeitet diese. Sind die Kanäle zu gross, dann wird auch keine Arbeit verrichtet. Redent selber sagt, die SAF nicht in Kanälen gleich oder grösser ISO 45 einzusetzen. Was Bände spricht. Und die Indikation ein wenig einschränkt.

C-shaped-Wurzelkanalanatomien oder Isthmen sehe ich auch als problematisch an. Wenn die Feile sich aufgrund ihrer Bauart in einem Überhang verhakt, dann klemmt sie und geht auch nicht unbeschadet wieder raus. Es bleiben kleine Fragmente der Feile in den Kanälen. Es wird zwar propagiert, dass man diese Fragmente einfach wieder rausspült, aber das ist so nicht immer einfach und auch unbedingt möglich. Isthmen sollten, so meine Erfahrung, vorher mit US eröffnet werden, wobei nicht eine ISO 50 gemeint ist. Es reicht, mit einer ISO 20 oder ISO 25 Endosonore einmal zu eröffnen, damit die SAF einen Pfad hat, dem sie folgen kann.

Revisionen

Bei Revisionen muss vorher die komplette konventionelle Sequenz gefahren werden. Danach kann man versuchen, die Guttaperchareste mit der SAF wie in einem Korb nach oben zu transportieren. Kann klappen, muss aber nicht. Manche Sealer sind so hart, dass die SAF einfach machtlos ist. Und manche sind so weich, dass die SAF auch machtlos ist. Mit unpolaren Lösungsmitteln ist sicher mehr möglich, deren Einsatz in der Endodontie wird jedoch sehr kontrovers diskutiert und ich bin mir auch nicht sicher, ob der Kunststoffkragen der SAF das lange aushält.


Aus ergonomischer Sicht ist die Pumpe ein wenig suboptimal. Noch ein Gerät, noch ein Fussanlasser. Der Tank der Pumpe ist NICHT abnehmbar, vielleicht wird das geändert. Es sollte geändert werden, da das unverbrauchte Hypo dann die ganze Zeit über im Gerät steht. Wie wir wissen, ist es ein hervorragendes Oxidationsmittel, was der Haltbarkeit der Pumpen sicher nicht zuträglich ist. Der Zufuhrschlauch nervt manchmal und verhakt sich sehr gerne. Gut ist, dass die Pumpe über einen Akku verfügt und deswegen nicht permanent am Strom hängen muss.


Das ganze Handling ist zumindest bei uns nicht unproblematisch. Die Feile benötigt eine genaue Geschwindigkeit von 5000 UPM. Bei meiner Sirona C4+ ist das gut einzustellen. Leider habe ich nur zwei EL-Motoren an der Einheit, d.h. ich muss die Speicherplätze umschalten und umprogrammieren. Das stört den Workflow erheblich. Glücklich ist, wer eine NaCl-Pumpe in der Einheit hat. Vielleicht kann man das Hypo einfach in einen alten NaCl-Beutel füllen (und fett beschriften und/oder Neongelb markieren!!) und spart sich so die Pumpe. Oder aber die Assistenz bekommt eine grosse Spritze in die Hand und sorgt so für die Spülung. Viele Wege führen nach Rom, wie man es gerne hätte, muss jeder für sich rausfinden. Wie die Empfehlung der 5ml/min Durchflussmenge entstanden ist, kann ich nicht sagen. Aber ich kann es vermuten: es ist die maximale Durchflussmenge, die durch den Spülkragen der SAF passt. Bei einer grösseren Menge geht ein Teil der Spülflüssigkeit nach oben Richtung Arbeitskopf und kann zu Korrosionen führen.


Das klinische Arbeiten ist unspektakulär. Zuerst sortiert man die Kabel und den Schlauch, programmiert die Einheit auf die neue Geschwindigkeit und ist dann bereit. Nun ein Druck auf den Fussanlasser, die Pumpe arbeitet, man versucht die Feile ohne Knick und zu viel Druck in den Kanal zu führen und arbeitet mit leichten vertikalen Bewegungen (laut Dr. Zeppenfeld/Flensburg „und jetzt mach den Specht“) und schaut zu, wie die Feile im Laufe der Zeit immer tiefer in den Kanal sinkt, dabei rotiert und wieder tiefer geht bis nach einer gewissen Zeit die Feile nur noch rotiert, weil sie keine Arbeit mehr an der Wand vollführt.

Moment, versucht die Feile einzuführen? Ja, bei OK/UK Molaren kann das durchaus schon mal problematisch sein, wenn die Mundöffnung nicht allzu viel hergibt.


Die Reinigungswirkung ist unter dem DM schon beeindruckend. Wenn man sieht, was da selbst noch nach 3 min. Einsatz aus der Tiefe hoch schwimmt, das ist schon ein Wort.


Bei komplexeren Anatomien (oder mangelhaften Zugängen) kann es passieren, dass die SAF einfach aufreisst. Bei einem OK-Molaren können so schon mal 3 Feilen das Zeitliche segnen.


Die Bilder der zerstörten Feilen stammen vom Kurs. Wie jedes System kann man auch die SAF falsch einsetzen und bewusst zerstören. Keine Frage. Das geht mit rNiti auch, sogar ohne grössere Probleme.


Nachdem die ersten Einstiegshürden genommen waren, hatte ich Zeit, mir die Arbeitsweise der Feile näher zu betrachten.

Seltsam mutet  an, dass die Spülflüssigkeit sich rein über Kapillarkräfte an der Feile nach apikal hangelt (wenn man im OK behandelt und die Feile nicht zum Erdboden zeigt) Die daraus resultierende Frage ist: wie effektiv ist der Flüssigkeitsaustausch tatsächlich?  Er wird effektiver, wenn man die Feile 5-7mm aus dem Kanal rauszieht und dann wieder einführt. Diese grosse vertikale Bewegung bringt dann den gewünschten Austausch, so wie man es z.B. bei der PUI gewohnt ist. Die Assistenz darf beim Absaugen nicht zu nahe an der Feile sein, da sonst alles NaOCl im Sauger verschwindet, bevor es das Kavum erreicht hat.

Diese Diashow benötigt JavaScript.


Das nenne ich Service!

von Jörg Schröder

Vor nicht all zu langer Zeit hatte ich an dieser Stelle von meinen unerfreulichen Erfahrungen mit den RAYFIX RWS BEYCODENT® Sensor-Halter berichtet.

Bereits nach kurzem Gebrauch  drückte die Fixierschraube für die Edelstahlstange beim Koppeln von Adapterring und Sensorhalter die Halteschrauben für die Stangenaufnahme aus dem Kunststoffgewinde.

Der gesamte Halter wurde dadurch instabil und konnte nicht wie vorgesehen eingesetzt werden.

Wir hatten darauf hin beide defekten Haltersysteme an Beycodent mit der Bitte um Stellungnahme zurück geschickt.

Letzte Woche kamen per Post 2 neue Adapteringe von Beycodent sowie die für uns erfreuliche Mitteilung, dass der Austausch auf Kulanz und somit kostenlos erfolgt.

Zudem der Hinweis, die Rändelschraube nur sachte anzudrehen, da die eingebaute Blattfeder die Sensorhaltestange auch ohne  angedrehte Rändelschraube sicher zu halten vermag.

Das nenne ich Service!

11. Endodontie – Symposium April 2011 Berlin

von Hans – Willi Herrmann

So langsam wirds voll im  Endodontie – Veranstaltungskalender des Jahres 2011.

Am 08. und 09. April 2011 findet in Berlin das 11. Endodontie – Symposium des Quintessenz Verlages statt, zum 4.  Mal in Verbindung mit dem Seminar ENDO – Endodontic Practice Today.

Unter Leitung von Prof. M. Hülsmann und Prof. E. Schäfer umfasst das wissenschaftliche Programm folgende Topics:

Das Endodont: Kenntnisse und Perspektiven

R. Radlanski (Berlin): Wie entsteht das Enddodont?

K. Galler (Regensburg): Geweberegeneration in der Endodontie: Wo stehen wir? Wo wollen wir hin?

Präparationsinstrumente und –techniken

E. Schäfer (Münster): Fortschritte in der Metallurgie der NiTi-Instrumente?

Z. Metzger (Tel Aviv, Israel): Fortschritte im Instrumentendesign: Von ProFile zu ProTaper und SAF

E. Schäfer (Münster): Mehrfachinstrumente oder Single use: Stand der Diskussion

Endochirurgie

E. Merino (León, Spanien): Apikalchirurgie: State of the art

J. Mente (Heidelberg): MTA zur Perforationsdeckung: Hat es sich bewährt?

Z. Metzger (Tel Aviv, Israel) Vertikalfrakturen

SAF System Präsentation

von Christoph Kaaden

Nach dem vor einigen Tagen hier vorgestellten Video über das SAF System möchte ich auf eine weiterführende Präsentation zu dieser Thematik hinweisen…

Herzlichen Dank an das Internetforum „Zahnmed„, aus dem der Hinweis zu diesem link stammt…

Endodontie 2011 – VDW Reciproc und Re- Dent-Nova SAF – Entdecke die Möglichkeiten

von Hans – Willi Herrmann

Wann sprechen wir von Fortschritten ?

Wenn etwas besser, oder genausogut und schneller oder kostengünstiger vonstatten geht.

Vielleicht haben wie demnächst das Glück, von einem bedeutsameren Fortschritt in der Entwicklung der Endodontie in der letzten Dekade zu sprechen, weil eine neue Methodik bessere und einfacher zu erzielende Ergebnisse ermöglicht.

Wird dem so sein ? Das werden die nächsten Jahre und unabhängige Untersuchungen zeigen.
Wir werden sehen.

Hier der Weg, die neuartige Vorgehensweise, welche eine einfache und sichere maschinelle Aufbereitung mit einer verbesserten Reinigungswirkung verbindet sowie den Einsatz bewährter Wurzelfüllmaterialien in einfacher „kalter“ Anwendung gestattet.

Schritt 1
Aufbereitung

1. Aufbereitung in GYT mit einer VDW Reciproc Feile 25.08.

Variante A: Initiale Erschließung mit ISO Handfeilen und Längenbestimmung, anschließend VDW Reciproc 25.08 in GYT

Variante B: Aufbereitung mit VDW Reciproc 25.08 in GYT mit simultaner elektrischer Längenmessung

Schritt 2
Reinigung und Desinfektion

Einsatz der SAF Feile

Schritt 3
Trocknung der Kanäle

Abschlussspülung mit höchstprozentigem Alkohol
Zur VDW Reciproc 25.08 Feile passende Papierspitzen zur Trocknung verwenden
Kavo Fine Air Luftpuster an die Papierspitze halten um durch Dochtwirkung eine zusätzliche Trocknung zu erreichen.

Optional Endox – Gerät zur Desinfektion und Trocknung zusätzlich einsetzen

Schritt 4
Wurzelkanalfüllung

Mit VDW 2 Seal Easymix (ein mit AH Plus vergleichbares Epoxy – Material) in einer Skini Syringe (Ultradent) mit Navi Tip – oder Capillary Tip-  Kanülen die Wurzelkanäle auffüllen.


Einen zur VDW Reciproc 25.08 – Feile passenden Guttaperchastift in den Wurzelkanal einbringen. Die Passung und Taperung des Guttaperchastiftes presst den Sealer in vorhandene Isthmen und Ramifikationen des Wurzelkanals, ohne dass komplizierte und verfahrenstechnisch aufwändige thermoplastische Verfahren hierfür zwingend notwendig wären.

Natürlich geht es immer besser.
Die Frage sei aber erlaubt, ob dem Patienten bei oben skizzierter Vorgehensweise nicht eine adäquate Behandlungsform zur Verfügung steht.

Die entscheidende Frage ist: Wie werden sich die beiden neuartigen Systeme in der Praxis bewähren ?

Zur VDW Reciproc  – Feile werde ich demnächst einen Praxisbericht hier einstellen. Und zum praktischen Arbeiten mit der SAF – Feile wird schon  an diesem Wochenende ein ausführlicher zweiteiliger Report von Oscar von Stetten erscheinen.

DICOM-Viewer

von Christian Danzl

Das CT wird durch die stetige Verbesserung und die immer feiner werdende Auflösung in der Zahnarztpraxis immer interessanter. Während früher die Technik noch sehr teuer war, fallen die Preise immer weiter in Bereiche, die ein CT auch für die Zahnarztpraxis interessant machen.

Auch werden die abbildbaren Volumina der CBCT (Cone Beam Computer Tomography) oder DVT (Dentale Volumen Tomographie) kleiner und somit für die Zahnarztpraxis geeigneter. Die Auflösung der Sensoren wird größer, die Umlaufzeiten kürzer auch die Strahlenbelasung sinkt in den Bereich der digitalen PSA.

Systeme auf dem Markt gibt es genug. Wenn ich einen Patienten zum DVT überweise bekomme ich einen USB-Speicher oder CD-ROM mit den Rohdaten und dem dazugehörigen Viewer. Der meisten Viewer laufen aber nur auf Windows.

Da ich aber auch auf MacOS die DVTs betrachen will, bin auf den Osirix DICOM-Viewer gestossen.

Dieser ist OpenSource und somit kostenlos (es gibt auch verschiedene kostenpflichtige Versionen).
Für den Anfang reicht aber die kostenlose Version. Dort sind die wichtigsten Funktionen enthalten.

Apple Online Seminare dazu gibt es hier.

Den japanischen Videopodcast auf iTunes von H. Fujisawa finde ich allerdings nicht besonders hilfreich.

Eine Version für das iPad ist auch angekündigt.

Guttapercha Fishing

von Ronald Wecker

Das Entfernen von Obturationsmaterialien gehört meines Erachtens neben dem Überwinden von Stufen zu den besonders schwierigen Behandlungsschritten einerRevisionsbehandlung.

Insbesondere sehr weit apikal oder sogar periapikal gelegene Guttaperchareste stellen eine große Herausforderung dar. Ihre möglichst vollständige Entfernung  ist eine Voraussetzung für eine optimale Desinfektion des Kanalsystems. Bleiben Teile von Obturationsmaterial im Kanal oder im Periapikalbereich zurück kann dies zum Misserfolg  der Revisionsbehandlung führen, da die oftmals zerklüftete Oberfläche Bakterien die Möglichkeit bietet sich im Kanal der desinfizierenden Spüllösung oder im Periapikalbereich dem Zugriff des Immunsystems zu entziehen.

Das Entfernen periapikal gelegener Obturationsmaterialien kann je nach klinischer Situation sowohl unter direkter visueller Kontrolle als auch ohne direkte Sicht erfolgen.

Bei direkter Sicht eignen sich besonders Microopener und Microdebrider wie es bereits vor einiger Zeit an dieser Stelle von Olaf Löffler beschrieben wurde.

Microdebrider haben eine einer Hedströmfeile ähnliche Form. Die Schneidekanten sind jedoch im Vergleich zur Hedströmfeile weniger scharf. Dies hat zur Folge, dass ein „Verhaken“ des zu entfernenden Fremdmaterials am Microdebrider zwar besser als bei einem Microopener, jedoch schlechter als bei einer Hedströmfeile erfolgt.

Kann das Entfernen des Fremdkörpers unter Sicht erfolgen, empfiehlt sich zunächst das Umfahren mittels Micropener um die Beweglichkeit des zu entfernenden Materials abzuklären. Ist das Fremdmaterial a) kleiner als das Foramen und b) beweglich kann versucht werden das Material mittels vorgebogener Microdebrider zu unterfahren und nach koronal zu mobilisieren. Eine CHX-Spülung mit einem gewissen Spüldruck kann anschliessend gelockerte Obturationsmaterialien nach koronal befördern.

In manchen Fällen ist das periapikal gelegene Fremdmaterial stark in Granulationsgewebe eingebunden. In diesen Fällen ist ein Mobilisieren mit Handinstrumenten  nicht möglich. Um das Material aus dem Gewebe herauszulösen, kann es sinnvoll sein mittels exakt vorgebogener Endosonore-Feilen der Größe ISO 20 diese mit niedriger Ultraschall-Energie zu bearbeiten.

Obturationsmaterialien, die sich periapikal befinden und aufgrund der Kanalkrümmung nicht direkt eingesehen werden können, sind nicht zwingend „unentfernbar“. Besser als ein vorgebogener Microdebrider eignen sich hier vom Kunststoffgriff befreite Hedströmfeilen der Länge 31 mm die in eine Arterienklemme, vorzugsweise eine gebogene, eingeklemmt wird.  Der Vorteil der Hedströmfeile liegt in ihren schärferen Schneidekanten (siehe oben).

Die aktuelle Foramengröße sollte bekannt sein um folgende Technik anwenden zu können:

Bei einer beispielhaften Aufbereitung des Kanalsystems in der Dimension 40/06 kommt als erstes Instrument eine Hedströmfeile der Größe 35 und einer Länge von 31 mm zum Einsatz. Die Vorbiegung muss so sein, dass das Instrument die  Krümmung des Kanals exakt wiedergibt und aufgrund des geringeren Durchmessers unter endometrischer Kontrolle ca. 0,5 mm über die ermittelte 0-Länge eingebracht werden kann. Sodann wird das Instrument um 180 Grad gedreht ohne dabei nach koronal bewegt zu werden. Anschliessend wird  das Instrument nach koronal bewegt. Die nun nicht mehr kanalkongruente Krümmung (Drehung um 180 Grad!) des Instrumentes erfasst das periapikal gelegene Material und kann es nach koronal ziehen. Geduld und Beharrlichkeit sind neben einem kleinem Quantum Glück zwingende Voraussetzung für einen erfolgreichen Entfernungsversuch.

Anbei ein klinisches Beispiel:


Update LED Labomed Mikroskop

von Hans – Willi Herrmann

Der Markt für Dentalmikroskope im 10000 Euro – Bereich wird größer.
Neben dem Zumax  -DM aus China, das in Deutschland über ADS vertrieben wird, ist nun auch das Labomed- Mikroskop aus USA in Deutschland erhältlich.

Im Juni hatte ich die Gelegenheit im Rahmen eines Arbeitskurses,  mit dem Labomed – Mikroskop zu arbeiten, welches statt herkömmlicher Beleuchtung eine LED – Beleuchtung aufweist.  Der Preis erschien interessant, die Lichtquelle aber eher duster.

Letzteres hat sich, wie ich bei einem weiteren Arbeitskurs im August feststellen konnte, zum Positiven hin geändert, die LED Lichtquelle wurde modifiziert und ist nun deutlich heller.

Der Hersteller hat folgende Informationen zur neuen LED geschickt:

„Helligkeit bei einem f 250 mm Objektiv 55.000 Lux und einem Leuchtfeld von 85 mm

Farbtemperatur: 5.800 K

Elektronisch geregelt, somit keine Farbtemperaturänderung.“

Nähere Informationen zum Labomed – Mikroskop gibt es bei Hanchadent.

Little Tools and Toys (2)

von Olaf Löffler

Das Thema Kofferdam ist schier unerschöpflich. Deshalb machen wir an dieser Stelle weiter.

Die Brinkerklammer 4 haben wir im ersten Beitrag vorgestellt. Diese Klammer nutze ich sehr oft auch an oberen Frontzähnen. Dort gestaltet sich die notwendige Befestigung des Kofferdams mit einer „kräftigeren“ Klammer im Prämolarenbereich schwierig, insbesondere wenn noch ein Aufbissblock zur Unterstützung der Mundöffnung eingesetzt wird.

In diesen Fällen bietet sich die Wedjets an. Kurze Latexstückchen lassen den Kofferdam sicher im Aproximalraum halten.

Wedjets sind in drei Größen erhältlich: extra klein (blau), klein (gelb) und groß(orange).

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Steve Buchanan Video zum Thema DVT

von Hans – Willi Herrmann

Und gleich noch ein Video hinterher.

Steve Buchanan zeigt auf seiner Homepage in einem 10 minütigen Video Beispiele zum Nutzen des DVT´s in der Endodontie. Zum Einsatz kommt ein  Morita Accuitomo DVT.

Zum Anschauen der Präsentation muss man sich anmelden, Name und Emailadresse genügt.


SAF System Video

von Hans – Willi Herrmann

Exakt 4 Wochen sind es noch bis zur Jahrestagung 2010 der DG Endo in Berlin, die dieses Mal im Rahmen des Vortragsprogramms gleich mit 2 Innovationen für den Bereich Wurzelkanalaufbereitung aufwartet: Über die eine, die neue „Reciproc“ – Feile, von  Ghassan Yared und VDW entwickelt, ist noch so gut wie nichts bekannt. Ihre Markteinführung erfolgt  in dieser Woche bei der IFEA 2010 in Athen.

Das zweite neue Instrument, die SAF -Feile,  ist schon etwas länger im Markt zu finden und so liegen auch schon deutlich mehr Informationsmaterial und sogar erste Studien vor. Und zur SAF – Feile gibt es auch eine Digitalpräsentation, die einen ersten Einblick in die Arbeitsweise des Instrumentes gewährt, das offensichtlich mit der  Bezeichung „Feile“ treffend beschrieben ist.

Wer darüberhinaus mehr wissen will, der sei auf den Vortrag von Prof. Zvi Metzger am 05.11.2010 in Berlin verwiesen.

HD-Video am DM

von Christian Danzl

Wie schon beschrieben habe ich am KAPS Dentalmikroskop eine HD-Videocamera mit 40″ HD-Ferseher als Mitbetrachter-Monitor.

Hier nun Bilder vom Aufbau mit einem Beispielfoto.

Zur Kamera:

Bei mir ist es eine Canon Legria HF 20.
Full-HD Video, Fotofunktion mit ca. 3 Megapixel. Funktioniert soweit ganz gut. Videoausgabe ist nicht überragend wegen relativ starker Vignettierung (was aber nicht verwundert, wenn ein 16:9 Bildschirm das runde Bild aus dem Mikroskop wiedergeben muss), allerdings deutlich besser als die interne VGA-Video-Kamera von KAPS und Videoausgabe über Nikon Coolpix 4500.

Die Fotofunktion liefert Bilder die ganz in Ordnung sind, aber auch nicht besser als die von der Nikon Coolpix. Obwohl ich immer noch glaube, dass der limitierende Faktor bei mir der alte stufenlose Vergrößerungswechsler ist. Die Legria hat eine schnurlose Fernbedienung, was das Fotografieren deutlich erleichtert.

Was an der Legria nicht gefällt, ist die Videoaufzeichnung in AVCHD-Format. Speicherkarte entnehmen und Videodateien auf den Rechner übertragen funktioniert nicht. Die Daten können nur direkt von der Kamera in iMovie übertragen werden, und dann auch nur, wenn die Kamera ans Netzteil angeschlossen ist. Da ich nicht dauernd die Kamera samt Netzteil vom Mikroskop abschrauben will, funktioniert es am besten, wenn das MacBook über USB an die montierte Kamera angeschlossen wird.

Ob das bei anderen Videoformaten einfacher funktioniert, weiss ich leider nicht.

Die Fotos können übrigens ganz normal von der Karte gelesen werden.

Zahnarzt neu in der Schweiz – die Fortsetzung von: „Zahnarzt in Deutschland- Nichts wie weg“

von Torsten Hatzky

Nun wohnen  wir seit ca.  1 Jahr und  8 Monaten in der Schweiz. Natürlich war es spannend, nach so vielen Jahren der Berufstätigkeit noch mal ganz neu anzufangen. Und es kamen Patienten. Anfangs nur sehr wenige, aber es war und ist eine stetige Steigerung zu verzeichnen. Aber es kamen nicht so viele wie gedacht. Man hatte uns von verschiedener Seite gewarnt, dass es wenigstens zwei Jahre dauern würde, bis die Praxis gut läuft. Das habe ich nicht geglaubt. Selbst heute gibt es immer noch Tage, an denen Termine frei bleiben und wir freuen uns über jeden, der kommt. Nur in einer einzigen Woche waren wir mal komplett ausgebucht. Das hatte ich so nicht erwartet. Meine erste Praxis in Südwestdeutschland war nach einem Jahr nahezu voll ausgelastet. Nach zwei Jahren habe ich es kaum noch geschafft, alle Patienten zeitnah und gründlich zu versorgen.  Der Unterschied liegt in einem völlig anderen „Zahnarzt-Verhalten“ der Schweizer. In Deutschland, zumindest war es bei meiner ersten Praxis1988 so, kamen nicht wenige Patienten nur aus Neugierde, um dann später wieder woanders hinzugehen. Als Richtzahl konnte ein guter Zahnarzt damit rechnen, dass von fünf Patienten maximal drei dauerhaft in der Praxis blieben. Ein paar Spezialitäten aus der Hightech- Ecke des Dentalhändlers waren unter Umständen recht hilfreich, um den Zulauf zu erhöhen.

Hier sind bislang nur Patienten zu mir gekommen, die keinen Zahnarzt hatten. Der Schweizer wechselt seinen Zahnarzt normalerweise nicht. Gründe, die doch dazu führen könnten, sind: Ortswechsel des Patienten, Abgabe der Zahnarztpraxis an einen Nachfolger (wenn der Patient mit dem den Nachfolger nicht so gut auskommt), wenn ein Zahnarzt aus Gesundheits- oder Altergründen den Umfang seiner Praxis reduzieren muss. Unzufriedenheit mit dem Zahnarzt ist extrem selten und kommt erst auf, wenn der Zahnarzt mehrere Male in Folge Fehler macht. Sehr unwahrscheinlich ist der Fall, dass ein Patient wechselt, weil ein anderer Zahnarzt ein digitales Röntgen, einen Laser oder etwas anders „Tolles“ zu bieten hat.

Aber die Zahnärzte verhalten sich hier auch anders. Die Mehrzahl (ich kann   natürlich nur für meine Region sprechen) versorgt Ihre Patienten auf hohem fachlichen Niveau. Falls sinnvolle Therapien, insbesondere Paro und Implantologie in der Praxis nicht angeboten werden, wird viel häufiger als in Deutschland zum Spezialisten überwiesen.   Wenn eine Praxis so ausgelastet ist, dass die Wartezeit auf einen Termin zu lang ist, wird ein rigoroser Aufnahmestopp für Neupatienten verhängt, bis sich die Lage wieder normalisiert hat. Gute Praxen haben ihr festes Klientel und nehmen, wenn überhaupt, nur Familienmitglieder von Stammpatienten neu an.  Von Deutschland weiß ich, dass Zahnärzte meist  jeden aufnehmen, den sie bekommen können. Hauptsache, er geht nicht zum Nachbarkollegen.  Notfalls wird halt etwas schneller oder abends etwas länger gearbeitet. Und beim Kampf um Neupatienten wird manchmal ohne Grund die Arbeit eines Kollegen schlecht geredet.

Die korrekte Bezahlung der zahnärztlichen Leistungen macht es ganz offensichtlich möglich, fast grundsätzlich „lege artis“ zu arbeiten. In Deutschland hatte ich früher sehr oft  bei Neupatienten das Problem, dass Kofferdam nicht bekannt war und sie auch nicht bereit waren, ihn ohne lange Diskussion zu akzeptieren. Hier ist das anders. Man kennt es, ja es wird meist auch  erwartet. Auf jeden Fall wird so gut wie nie darüber diskutiert.

Hier werden selten mehr als 8-10 Patienten pro Tag bestellt.  Die umschichtige Behandlung von zwei Patienten nahezu zeitgleich in zwei Zimmern gibt es offenbar kaum mal. Wie mir glaubhaft erzählt wurde, haben Zahnärzte aus Deutschland, die dieses missachtet hatten, ihre teuer gekauften Praxen innerhalb eines Jahres zugrunde gerichtet. Der Patient in der Schweiz verlangt für sein Geld wesentlich mehr Zuwendung und vor allem eine ganz besonders gründliche Beratung.

So wundert es nicht, dass hier die Qualität zahnärztlicher Arbeiten ein gutes Stück besser ist. Obwohl das Spektrum auch von mangelhaft bis erstklassig reicht, sehe ich insgesamt wesentlich mehr Arbeiten, die die Bewertung  gut oder sehr gut verdienen. Speziell beim Zahnersatz ist dies so. So habe ich bislang nur ganz wenige Arbeiten gesehen, bei denen der Verdacht bestand, dass von Anfang an geschludert worden ist.  Bei einer suboptimalen Arbeit lohnt es sich auch mal zu fragen, wo sie gemacht wurde.  Nicht selten erfährt man dann, dass es anlässlich einer Reise in Ungarn, Bulgarien oder sonst wo in der Welt geschah. Nicht wenige Patienten versuchen so, günstiger zu ihrem Zahnersatz zu kommen. Die Schweizer Zahnärzteorganisation SSO hat mal solche Arbeiten routinemäßig überprüfen lassen mit dem Ergebnis, dass die Mängelquote signifikant über der von in der Schweiz gefertigten Arbeiten lag.

Es gibt aber noch andere Unterschiede:

Zum einen gibt es sie bezogen auf das Patientenalter:  Bei Patienten ab einem Alter vom ca.45 Jahren sieht man recht viele mit schlechtem Gebiss-Status, vielen fehlenden Zähnen, umfangreichen, oft überlasteten Füllungsrestaurationen. Bei den jüngeren Patienten haben ganz offensichtlich die Prophylaxe-Bemühungen, die die Schweizer Zahnärzte zusammen mit der Regierung in vorbildlicher Weise eingeführt haben, Früchte getragen. Ich hatte in dieser Altersgruppe früher nie so viele absolut kariesfreie Patienten gesehen. Bei denen, die Füllungen hatten, waren diese meist von geringer Ausdehnung. Nahezu alle diese Patienten gehen ein Mal pro Jahr zur Vorsorgeuntersuchung. Das wird dann generell mit einer professionellen Zahnreinigung verbunden. Dazu arbeitet in nahezu jeder Praxis mindestens eine Prophylaxe-Assistentin oder DH. Bissflügelaufnahmen werden  hier übrigens viel häufiger gemacht als in Deutschland, oft sogar im Jahresturnus. Und welch Wunder: Es gibt nie Diskussionen über die Strahlenbelastung.  Die Patienten wurden hier bislang nicht von übereifrigen Politikern, die weit über alle vernünftigen Ziele hinausgeschossen sind, unnötig aufgehetzt. Interessant ist auch das Thema Amalgam. Gute Amalgam-Restaurationen bleiben generell im Mund. Nur dann, wenn sie schadhaft sind, sollte ein anderes, möglichst verträglicheres und zahnfarbenes Material verwendet werden.

Für die Versorgung der anspruchsvolleren Patienten gibt es hier in fast jeder Praxis ein Cerec- Gerät. Sämtliche Cerec- Restaurationen  sind  im Schweizer Zahnarzttarif enthalten (CHF 700-1000.-) So haben die Patienten die Möglichkeit, zu recht günstigen Preisen eine langlebige Füllungstherapie  zu bekommen. Da ein laborgefertigtes dreiflächiges Inlay allein beim Zahntechniker zwischen CHF 500.- und 550.-  kostet, ist diese Therapieform hier kaum anzuwenden. Ähnlich verhält es sich mit partiellem Zahnersatz. Hier gilt die Modellguss-Prothese mit Klammen als Standartversorgung. Kombi-Arbeiten mit Teleskopen, Geschieben oder Stegen sind absolute Ausnahmen. Auch Implantate werden offenbar deutlich  seltener als in Deutschland gesetzt.

Eine zahnmedizinische „Problemgruppe“ bilden Patienten aus den so genannten „bildungsferneren“ Schichten und häufig auch solche mit Migrations- Hintergrund. Hier ist das Zahnbewusstsein oft sehr schlecht. Diese Patienten kommen normalerweise erst zum Zahnarzt, wenn Schmerzen auftreten. Dann ist es meist zu  spät und ich muss Zähne extrahieren, die mit einer Endo gut zu retten gewesen wären. Wenn überhaupt, werden dann sehr oft Composite- Füllungen mit stark überzogener Indikation gelegt. Eine Füllungstherapie durchzuführen, scheitert oft an der Bereitschaft, dafür Geld bereitzustellen oder auch  am niedrigen Einkommen. Die Terminmoral dieser Leute ist schlecht und auch mit der Bezahlung meiner Rechnung klappt es bisweilen nicht. Häufiger als in meiner früheren Praxis habe ich einen finanziellen Totalverlust hinnehmen müssen. Hier sichern wir uns inzwischen etwas besser ab, z.B. mit Voraus- und Abschlagszahlungen. Besonders wichtig ist dies beim Notfalldienst am Wochenende.

Da fast alle Patienten nahezu immer alles aus eigener Tasche bezahlen müssen, wird insbesondere dann, wenn mehr als eine Füllung nötig ist, zunächst eine ausführliche Offerte erstellt. Diese Leistung kann nicht berechnet werden, selbst dann nicht, wenn eine umfangreiche prothetische Planung damit verbunden ist. Um unterschiedlichen Erwartungen gerecht zu werden, mache ich sehr oft mehrere  verschiedene Therapievorschläge.  Dann kann es auch vorkommen, dass nach längerem Nachdenken die Behandlung aufgeschoben wird, bis das nötige Geld angespart ist. Nicht selten werden Therapieformen aus finanziellen Gründen gewählt, bei denen die Indikation überzogen ist, wie z.B. mehrflächige Composite- Füllungen mit dem Ersatz von zwei, drei oder gar vier Höckern als Dauerversorgung anstelle eine Krone oder Teilkrone. Oder: Eine Kunststoff-Interimsprothese mit gebogenen Draht-Klammen anstelle einer Modellguss- Prothese.

Wesentlich besser als ich das von früher gewohnt war, scheint das Verhältnis der Zahnärzte untereinander zu sein,  Als meine Praxiseröffnung nahte, habe ich beim Nachbarkollegen im selben Ort angerufen um anzufragen, ob ich mich mal vorstellen könne.  Am sogleich vereinbarten Termin wurde ich außerordentlich freundlich empfangen. Nach einem informativen Gespräch  hat er mir gleich das „Du“ angeboten und obendrein  die nächste Urlaubsvertretung übertragen.  Seinen Vorschlag zur Mitarbeit in der regionalen Study-Group habe ich gern angenommen.

Und so habe ich schon bald  die anderen Kollegen der näheren Umgebung kennen gelernt.  Und wieder gab es eine Überraschung für mich: Obwohl sie theoretisch direkte Konkurrenten sind, haben alle ein überaus freundschaftliches Verhältnis zueinander. Es gab nie irgendwelche Anzeichen von Misstrauen oder Missgunst.  Im Gegenteil: Von allen Seiten schlug mir  freundliches Interesse entgegen.  Und wenn sich in den anderen Praxen neue Schmerzpatienten meldeten und keine Zeit für Ihre Behandlung  war, wurden diese oft an mich verwiesen. Das ist bis heute so geblieben und hat mir sehr geholfen.

Fazit:

Es macht mir Freunde, in einem Alter, in dem mancher schon langsam an den Ruhestand denkt, noch einmal neu durchzustarten, auch wenn es finanziell zur Zeit immer noch „eng“ ist. Dass die meisten Neupatienten inzwischen auf Empfehlung anderer kommen zeigt, dass meine Arbeit gern angenommen wird. Das gibt mir viel Bestätigung. Ganz wichtig auch: Ich fühle mich korrekt bezahlt. Das höhere Honorar muss man natürlich „relativ“ sehen.  Ihm stehen auch ein deutlich höherer Zeitaufwand bei der Behandlung sowie höhere Praxiskosten gegenüber. Privat stehen den angenehm niedrigen Steuern wiederum höhere Lebenshaltungskosten entgegen. Trotzdem bleibt mehr übrig und ich kann nachts wieder durchschlafen. In Deutschland hatte ich in den letzten Jahren oft mit sorgenvollen Zukunftsgedanken wach gelegen.  Die Lebensqualität und die Stimmung der Bevölkerung in der Schweiz sind wesentlich besser als in Deutschland. Wir, d.h. meine Frau und ich, sowie mit etwas Verzögerung auch unsere Tochter, haben den Schritt nicht bereut,

Was ich aus heutiger Sicht anders machen würde:

Eine Praxisübernahme wäre gegenüber der Neugründung wahrscheinlich die bessere Alternative gewesen, weil die mühsame Startup-Phase  weggefallen wäre. Auch hätten wir die Entscheidung zur Auswanderung besser ein paar Jahre früher getroffen. Dann hätte man vielleicht auf eine erneute Kreditaufnahme verzichten können.

Ein paar Tipps an alle, die auswandern wollen (ohne Anspruch auf Vollzähligkeit und nicht nur auf die Schweiz bezogen):


  • Unbedingt den Schritt mit allen Familienangehörigen und nahe stehenden Verwandten abstimmen. Es sollten alle an einem Strang ziehen.
  • Ganz wichtig: Kein Schnellschuss! Ausreichend lange recherchieren (Internet, Reisen, Bücher, private Kontakte). Ein paar Wochen oder Monate genügen nicht
  • Finanzielle Situation prüfen. Dazu eventuell die Kreditwürdigkeit bei der Hausbank klären. Den Verkauf der alten Praxis rechtzeitig versuchen und auch einen Misserfolg einplanen.
  • Die zahnmedizinische Situation im neuen Land genau abklären. Kontakt suchen zu deutschen Kollegen, die dort schon arbeiten, zu Dentalhändlern, Niederlassungsberatern und Banken.
  • Zahnmedizinische Versorgungslage der avisierten Region abklären.
  • Ganz wichtig: Wirtschaftliche Lage der Region klären. Gibt es Bevölkerungswachstum oder Abwanderung. Letzteres wäre fatal.
  • Bei einer Praxisübernahme den finanziellen Ertrag der Praxis unbedingt von einem unabhängigen Gutachter prüfen lassen.  (Mir wurde hier von einem Betrugsfall berichtet, bei dem ein unkritischer deutscher Zahnarzt nur knapp einer Pleite entging, weil der alte Praxisinhaber im letzten Jahr mit massiv überhöhten Preisen zwar die Gewinnmarge erhöht, jedoch damit die meisten Patienten aus der Praxis getrieben hatte).
  • Frühzeitig Kontakt mit Behörden des neuen Landes aufnehmen zur Abklärung eventueller Einwanderungsbeschränkungen,  Anerkennung des Staatsexamens, Mitnahme von Umzugsgut und Vorschriften für vorhandene Fahrzeuge.

Deutscher Zahnarzt in Madrid gestrandet!

von Alexander Knobel

Ja, auch ich habe den Schritt gewagt und alles, was ich die letzten 10 Jahre beruflich aufgebaut hatte, einfach über Bord geworfen.

Wir sind vor 1 1/2 Jahren nach Spanien ausgewandert und ich habe seit 7 Monaten eine Clinica Dental im Herzen von Madrid.

So, in der Regel wird hier erst einmal im deutschen Kollegenkreis lautstark applaudiert….

Was hat nun mich aus dem beschützten Schoß deutscher Sicherheit getrieben? Als Partner einer sehr gut funktionierenden 3-Behandler-Praxis?

War es so schlecht in Deutschland? Flucht vor der KZV, der Reglementierung, Budgetierung und dem behandlungsfeindlichen Regelwerk deutscher Kassen, gar dem schlechten Wetter entflohen?

Nein, die Gründe sind viel simpler: Wie bei einer Vielzahl der Deutschen, die ich hier kennengelernt hab, gaben rein familiäre Gründe den Ausschlag diesen Schritt zu wagen.

Einfacher ausgedrückt, ich bin mit einer Spanierin verheiratet und derjenige, der mit einem gebürtigen Spanier verheiratet ist, wird über kurz oder lang in Spanien stranden.

Die familiären Wurzel der Spanier sind sehr stark ausgeprägt. Eine Eigenschaft, die in Deutschland wohl weniger zu finden ist.

Ok, die Gründe sind dann ja erst einmal egal, denn: jetzt wird ja alles besser!!!

…. das würde ich so nicht unterschreiben wollen.

Eines ist sicher, es ist definitiv anders als in Deutschland! Nicht nur das Wetter.

In Spanien ist jeder gesetzlich versichert und es gibt keine Trennung in gesetzlich oder privat versichert. Der Umfang der zahnmedizinischen Leistungen umfasst dabei einzig die Kontrolle, einfache Schmerzbehandlung und Extraktionen.

Möchte man mehr Leistungen erhalten, so kann man sich natürlich zusätzlich privat versichern.

Diese sind relativ günstig und daher fallen die entsprechenden Leistungen eher gering (mager) aus.

Eine Krone geht hierbei dann auch mal für 60€ über den Tisch. Wir reden vom Komplettpreis incl. Labor. Über die Möglichkeiten, die man dafür hat, kann sich jeder selber seine Gedanken machen.

Weiterhin bleibt einem dabei in der Regel die freie Arztwahl verwehrt und man ist somit gezwungen zu einem Arzt, der das Vertrauen der Versicherung genießt, zu gehen.

An einer massiven Zuzahlung kommt man aber auch hier für  eine vernünftige Zahnmedizin nicht herum.

Zuzahlung als Standard, keine Versicherung im Rücken. Erstmal ganz toll, aber:

Zahnmedizin hat in Spanien keine Tradition, soll heißen, dass ein Großteil der Bevölkerung nur bei akuten und starken Beschwerden den Zahnarzt aufsucht. Routinekontrollen und Prophylaxe sind für die meisten ein Fremdwort.

Jeder Besucht kostet direkt Geld und man muss wie beim Metzger direkt nach Erhalt der Leistung bezahlen. Garantien gibt es eigentlich keine, wobei man natürlich seitens des Arztes alles versprochen bekommt.

Naja, anderes Thema.

Es ist also erst einmal wirklich schwer, als Neugründer Leute in die Praxis zu bekommen. Und Zahnärzte gibt es hier auch mehr als genug.

Gefühlt mehr als Patienten.

Aber davor steht erst einmal die Praxisgründung an. Was ich hier zur Übernahme gesehen habe, hat mir wirklich umgehauen:

Rostige Autoklaven, nicht vorhandene Steris…aber das Wartezimmer war immer Top ausgestattet!

In Spanien ist es übrigens völlig egal, ob man vor hat, eine Zahnarztpraxis oder eine Wurstfabrik (nein, ich bin kein Vegetarier!) zu gründen. Man benötigt einen Kredit und dieser muss komplett gedeckt werden können. Ohne anderweitige materielle Sicherheiten  bekommt man hier keinen Cent von der Bank. Gott sei Dank ist der familiäre Zusammenhalt sehr groß, so dass man hierbei immer auch auf die Familie zählen kann. Es wird geholfen.

Sollte die Hürde Papier und Zulassung, was recht einfach, aber zeitaufwendig ist, der Kredit und das Auffinden geeigneter Räumlichkeiten überwunden sein, geht es ans Eingemachte.

Der Umbau.
Hierfür gibt es erst einmal keine Beteiligung des Vermieters. Ich war schon glücklich, dass ich einen 10 Jahres – Vertrag bekommen habe, was so nicht üblich ist. Das spanische Mietrecht ist dabei auch eher mieterunfreundlich (immer im direkten Vergleich zu Deutschland).

Und spätestens, wenn der erste Bauarbeiter den Hammer schwingt, treibt das einen deutschen Zahnarzt, der auch gerne zur Optimierung der Qualität mit Lupenbrille arbeitet, in den Wahnsinn.

Mir ist in meinem Leben noch nie soviel Pfusch und Dummheit begegnet. Auch wenn irgendwann einmal eine ordentliche Planung stattgefunden hat, so ist diese bei den ersten Maßnahmen nur noch Vergangenheit. Es existieren ab jetzt keine detaillierten Pläne mehr, alles wird nur noch so ungefähr, aus dem Bauch heraus, erledigt. Es gibt für jeden Pfusch eine Lösung und, auch wenn später alles ganz nett aussieht, ist alles mehr Schein als Sein. Bereits nach zwei Wochen zeigen die ersten Wände Risse und in den ersten zwei Monaten hatten wir drei Wasserschäden, aufgrund mangelnder Bauqualität. Von meinen Stromausfällen möchte ich hier jetzt nicht berichten. Wer braucht schon Strom in einer modernen Zahnarztpraxis ?!?

Alleine zum Thema Umbau bzw. Aufbau meiner kleinen (100qm) Clinica Dental könnte ich eine Buchserie starten ….. behalte ich zumindest im Hinterkopf, falls das hier nichts mehr wird.

Sollte man es mir bis jetzt noch nicht angemerkt haben,  ich habe das Trauma „obra“ (Baustelle)  immer noch nicht ganz verwunden. Ich hatte noch nicht einen Patienten gesehen und bereits mehr Abenteuer, als zu verkraften war.

Wir hatten übrigens eine spanische Firma  beauftragt, die sich auf den Aufbau von Arztpraxen spezialisiert hat. Stress wollten wir unbedingt vermeiden.

Dagegen war zumindest der Erwerb des spanischen Röntgenscheines (3 Tage Seminar mit Prüfung auf spanisch), welcher mich nun zum spanischen Kernphysiker ausweist, ein Klacks.

Besteht man übrigens auch mit geringen Sprachkenntnissen, da man ja dafür privat bezahlen muss. Ist nur schade um die 3 Tage. Mitgenommen habe ich nichts.

Aber jetzt rollt der Rubel….
Nicht ganz.

Zahnmedizin ist hier ein Geschäft und man handelt definitiv selbstständig. Ich darf meine Preise bestimmen und muss dementsprechend auch etwas dafür bieten. Die mittleren Preise liegen im Übrigen ungefähr auf Höhe der GOZ. Labore sind deutlich günstiger, allerdings qualitativ auch mit Abstrichen.

Ein großes Problem in den Großstädten sind Zahnärzte aus Südamerika, die hier den Markt völlig kaputt machen und in Zahnarztketten (wie z.B. VitalDent…60€ für die Versorgung mit einer Krone stehen im Raum) für Hungerlöhne arbeiten. Auch die Privatversicherungen betreiben hier ihre eigenen Zahnkliniken (man bedenke dabei immer die nicht bestehende freie Arztwahl)

Warten und hoffen das jemand kommt funktioniert also nicht. Nur mal schnell schauen, wie der Neue so ist, kostet gleich Geld und da wird dann doch eher mal abgewartet! Werbung ist erlaubt und auch notwendig. Wenn niemand von einem hört, kommt auch niemand.

Mundpropaganda ist wie überall auf der Welt die beste Werbung und das dauert nun einmal. Nach nun 6 Monaten kann ich natürlich noch recht wenig zu meiner Zukunft sagen, aber eins ist sicher. Das Leben ist auch unter der spanischen Sonne kein Ponyhof.

Es wird einem nirgendwo etwas geschenkt und mehr als einmal habe ich bisher den Schritt hinterfragt. Es ist schwierig, von 15-20 Patienten pro Tag plötzlich auf 0-5 Patienten runterzufahren.

Die Kosten sind dabei ähnlich hoch wie in Deutschland. Es erscheint einem nur erst alles etwas günstiger, dem ist definitiv nicht so.
Materialien und Geräte sind in Deutschland oft günstiger zu erwerben.

Auch wenn  man nun versucht ist, zur Steigerung der Patientenzahl sich einer der privaten Versicherungen anzuschliessen, ist das nicht wirklich ratsam. Dagegen erscheint einem die Bema wie ein Selbstbedienungsladen.

Hört sich ja furchtbar an ? Wird schon, wenn´s dann mal läuft, dann läuft´s, aber davor steht nun einmal viel Arbeit und Schweiß.

Eins muss gesagt werden: Die Versorgung der Patienten ist in Deutschland immer noch auf einem hohen Level, wenn auch nicht mehr wie früher. Was mir schwerfällt zu beurteilen. Mir wurde auch als Kassenpatient immer eine anständige Medizin angeboten.

Ist man bereit für eine hochwertige Arbeit und Service eine Zuzahlung zu Verlangen, so sind gute Patienten immer dazu bereit. Nur muss dazu selbst und ständig viel für getan werden.

In meiner ehemaligen Wirkstätte hatte der Senior-Partner schon früh den Trend erkannt und gegengesteuert. Eine Mehrbehandlerpraxis, ein Eigenlabor mit angestelltem Techniker zur Reduktion der Fremdkosten. Zuzahlung für qualitativ hochwertige Arbeiten und das Umsetzen einer modernen Zahnmedizin waren angesagt.

Die Patienten sind bereits in der Praxis, nur von alleine ist natürlich Niemand bereit Qualität zu bezahlen, dies muss sicher extremer als noch vor 20 Jahren kommuniziert werden.

Die Konkurrenz ist auch in Madrid extrem gross, wirbt mit Dumpingpreisen (Erstuntersuchung, Zahnreinigung, OPG und Kostenvoranschlag komplett kostenlos) und man kann sich auch hier nur mit dem Streben nach qualitativ hochwertiger Arbeit von der Masse abheben. Mit dem südamerikanischen Preisdumping kann und will ich nicht Schritt halten.

Ich persönlich versuche mich dabei, auf die hier lebenden deutschen Patienten zu konzentrieren und Ihnen die Zahnmedizin anzubieten, die sie von einer qualitätsorientierten deutschen Zahnarztpraxis erwarten. Dazu gehört auch der Luxus einer GOZ Abrechnung, die fast immer bzw. immer häufiger gewünscht wird und von den deutschen Kostenträger soweit auch erstattet wird.

Ob Madrid die richtige Wahl war. Schwierig aktuell zu sagen, aber sicherlich ist es aufgrund der Ausländerschwemme an den spanischen Küsten deutlich einfacher.

Egal wie das Abenteuer ausgeht, ich werde berichten.

FORTSETZUNG FOLGT…….

Stufenplan advanced

von Ronald Wecker

Vor einiger Zeit wurde an dieser Stelle eine Vorgehensweise zum Überwinden iatrogener Stufen vorgestellt. Dieser Stufenplan fand auch in vorliegendem Behandlungsfall Anwendung.

Erschwert wurde das Ganze durch die Tatsache, dass unmittelbar nach der Stufe eine s-förmige Krümmung zur Gegenseite erfolgte. Damit nicht genug gabelte sich MB und ML nach dem „S“ in zwei eigenständige Kanäle mit jeweils eigenem Foramen auf.

Aber der Reihe nach:

Zunächst wurde der koronale Zugang optimiert. Dann wie im Stufenplan beschrieben, bis o,5 mm vor die Stufe mit größeren Tapern erweitert. Sodann konnte eine ProFile 15/04 in der von Michael Arnold beschriebenen Weise pickend eingesetzt werden um den verblockten Originalkanal zu erschliessen.

Nun wurde ein Reamer ISO 008 so vorgebogen, dass er der ersten Krümmung entsprach und anschliessend bis kurz vor Beginn des „S“ vorgeschoben. Nun eine Drehung um 180 Grad ohne das Instrument nach apikal zu schieben. Nachfolgend gelang es, den Kanal apikal des „S“ zu instrumentieren. Wichtig ist ein häufiges Rekapitulieren um das „S“ zum Instrumentieren mit rotierenden Instrumenten vorzubereiten.

Der nächste Schritt ist die rotierende Aufbereitung. Eine ProFile 15/04 wird per Hand durch das „S“ bewegt. Die Arbeitslänge muss dabei nicht noch erreicht werden. Es muss nur das „S“ passiert werden. Dann kann das Instrument rotierend eingesetzt werden.

Der im Mikroskop zu beobachtende Austausch der Spülflüssigkeiten liess einen gemeinsamen Kanalverlauf vermuten, eine Annahme der der Behandler aufgrund der bereits aufgetretenen Schwierigkeiten gerne gefolgt wäre.

Das nach rotierender Aufbereitung des MB durchgeführte Austasten mit vorgebogenen Handinstrumenten liess jedoch keinen Zweifel aufkommen, dass ML separat verläuft.

Auch hier war geduldiges Handinstrumentieren das Mittel zum Erfolg. Abschliessend erfolgte die maschinelle Aufbereitung sowie die Obturation in Schilder-Technik.

Diese Diashow benötigt JavaScript.