Ausgeprägte Aufhellung bei UK-Prämolaren

Von Bonald Decker

 

Nachfolgend ein Fall eines Unterkiefer-Prämolars, bei dem das Ausgangsröntgenbild eine  ausgeprägte Aufhellung bei suboptimaler Vorbehandlung zeigte.

Apikale PA an UK Prämolar.001

Da sich klinisch keinerlei Besonderheiten zeigten entschieden wir uns gemeinsam mit dem Patienten für eine nicht-chirurgische Revision.

Dabei leistete das vormals eingebrachte Wurzelkanalfüllmaterial nur „minimalen Widerstand“.

Apikale PA an UK Prämolar.002

Infizierter Guttapercha-Point im Sinne eines Einzelstift-„Füllung“

Aufgrund der günstigen Anatomie war die Apikalregion sehr gut einsehbar.

Apikale PA an UK Prämolar.003.jpeg

Foramen apicale

Apikale PA an UK Prämolar.004

Masterpoint-Röntgenaufnahme

Im zweiten Termin erfolgte die Wurzelkanalfüllung in gewohnter Manier sowie die adhäsive Befestigung eines Glasfaserstiftes mit Kompositdeckfüllung.

Apikale PA an UK Prämolar.005

Abschluss-Röntgenbild nach WF und Glasfaserstift-Befestigung

 

Bereits sechs Monate später zeigte sich eine beeindruckende Heilungstendenz.

Apikale PA an UK Prämolar.006

Hier nochmals die Situation vor und sechs Monate nach Behandlung…

Apikale PA an UK Prämolar.007

Nach weiteren sechs Monaten ist ein weiteres Recall geplant…

Neue Rubrik – Kurz belichtet – Ausgeheilt !

Eine neue Rubrik, kurz und knackig, so wie der Überweiser es auch am liebsten hat.

Keine seitenlange Berichte, sondern nur die relevanten Informationen: Die Röntgenbilder, die den Heilungsverlauf belegen, Zahn und Zeitangaben.

Hier ein Beispiel von heute.
Zahn 46, vor der Endo, direkt nach WF und nach der ersten Kontrolle 7 Monate post WF.

 

 

Fast 15 Jahre im Recall – Zahn 36

Die Patientin stellte sich im Jahr 2005 bei uns vor. Nach nun 14 Jahren konnten wir den Zahn 36 letztmalig kontrollieren, da die Patientin umzieht. Das ist sehr schade, da sie zuverlässig zum Recall erschien.

Ende 2005 stellte sich am Zahn schmerzfrei und klinisch unauffällig dar. Lediglich in einer Röntgenkontrolle wurde der Befund festgestellt.

In unserer Praxis revidierten wir den Zahn Anfang 2006. Dies war eine der ersten „Thermafilrevisionen“ für uns. Die Carrier ließen sich noch recht gut entfernen. Die verbliebenen Guttaperchareste waren aber ein Problem. Trotz mehrerer Versuche konnten wir diese nicht vollständig entfernen. Nach Erkennen einer dezenten Heilungstendenz haben wir uns dann zur Wurzelfüllung entschlossen.
Die Aufbereitung erfolgte mit Profile und die Wurzelfüllung in thermisch vertikaler Obturationstechnik.
Damals beobachteten wir erstaunt die Wanderung der Sealerpuffs aus der ersten Behandlung mit der Regeneration der apikalen Osteolyse. Seitdem wenden wir den Veränderung der Sealerpuffs große Aufmerksamkeit zu und betrachten dies als Indiz für Heilungstendenz oder pathologische Veränderungszunahme. Siehe hier.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

 

 

Diagnose des Tages 22.10.2019 Unklare Schmerzen im Oberkieferseitenzahnbereich (Teil 1)

Ich muss gestehen, dieser Fall hat mich selbst noch nach fast 30 jähriger zahnärztlicher Tätigkeit beim Erstgespräch ein wenig sprachlos und betroffen gemacht. Insgesamt NEUN Mal in den letzten Jahren, so die Schilderung der 58 jährigen Patientin, hat sie endodontische Behandlungen und operative Eingriffe im Bereich des linken Oberkiefers über sich ergehen lassen. Die Schmerzen sind geblieben. Jetzt soll der Zahn 23 wurzelkanalbehandelt werden, seine klinische Krone ist dunkler, opaker geworden im Laufe der Zeit. Allerdings macht der MKG- Chirurg, der die operativen Eingriffe vorgenommen hat, der Patientin wenig Hoffnung. Seine Prophezeiung? Auch diese Wurzelkanalbehandlung wird scheitern, weshalb sinnvollerweise vielleicht die sofortige Extraktion und nachfolgende Implantation die bessere Lösung wäre. Jetzt sitzt die Patientin bei uns im Behandlungsstuhl und bittet um Rat. Ihr Ehemann, dem wir 5 infauste Zähne (allesamt Zustand nach WK/WF alio loco) durch WF- Revision erhalten konnten, hatte sie zu uns geschickt.

Ein DVT des gesamten Ober- und Unterkiefers hat die Patientin mitgebracht.
Es erweist sich leider als wenig aussagekräftig und lohnt nicht des Einstellen an dieser Stelle, höchstens als abschreckendes Beispiel. Stattdessen die beiden Zahnfilme von Zahn 22, 23 und Zahn 27, die wir anfertigten und meine Frage an die Mitleser:

WS_2_-2WS_2_

Wer hat eine Idee, wo die Beschwerden herkommen, welche diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen sollten ergriffen und wie sollte man mit dem Zahn 23 verfahren ?

 

 

2D vs. 3D – So habe ich entschieden

von Jörg Schröder

Nachdem ich heute morgen den Beratungsfall mit seinen 2D-Bildern vorgestellt habe, schildere ich im Folgenden die Ergebnisse der dreidimensionalen Diagnostik, meine Empfehlungen an den Patienten und füge die Dokumentation der durchgeführten Behandlung bei.

Das alio loco angefertigte Einzelbild liess bereits einige Rückschlüsse auf die vorliegenden Probleme zu.

Das DVT bestätigt die oben eingezeichneten Vermutungen und erleichterte die Planung des konkreten Vorgehens:

Die distale Wurzel zeigt eine korrekt platzierte retrograde Füllung. Eine apikale Aufhellung besteht nicht. Die Verknöcherung der Resektionskrypte kann als vollständig bezeichnet werden. Sollten die koronalen Anteile der Obturationsmassen keine Anzeichen einer Kontamination erkennen lassen, kann von der Revision der distalen Wurzelfüllung abgesehen werden.

Das mesiolinguale Kanalsystem ist unaufbereitet. Die retrograden Füllungen dichten weder das Neoforamen an MB noch an ML ab.

Eine Revisionsbehandlung der neiden mesialen Kanalsysteme wurde empfohlen. Es wurde darüber aufgeklärt, dass ein orthogrades Entfernen der retrograden Füllungen nicht vorhersagbar möglich sein wird, da die Lage der retrograd eingebrachten Materialien eine Visualisierung derselben unwahrscheinlich erscheinen lässt.

Zahn 24 zeigt im DVT trotz technisch nicht optimaler Ausführung der Wurzelkanalbehandlung einen perfekten durchgehenden Parodontalspalt.

Ist hier eine Revisionsbehandlung zwingend indiziert?  Nicht unbedingt. Zweifelsfrei ist die ideale Lösung die Revision vor prothetischer Neuversorgung des 24. Da die finanzielle Situation eine zeitnahe Behandlung beider Zähne nicht zulässt, besteht jedoch auch die Möglichkeit die Präparation nebst adhäsivem Aufbau von Zahn 24 unter Kofferdam durchzuführen und den Zahn mit einer Teilkrone zu versorgen. Der Patient ist über die Möglichkeit einer zu einem späteren Zeitpunkt notwendigen endodontischen Intervention aufgeklärt. Das Restrisiko hat er selbst zu tragen. Ein fauler Kompromiss? ich glaube nicht. Sollte der Zahn  aufgrund nicht erfolgter Höckersicherung eine Vertikalfraktur der Wurzel erleiden, ist er verloren. Schlimmstenfalls muss die neue Teilkrone eines Tages trepaniert werden. Sicher kein den Erhalt des Zahnes gefährdender Umstand.

Würden Sie die nach Beurteilung der 2D-Bilder getroffenen Entscheidungen aufrecht erhalten, nachdem sie die „ganze“ Wahrheit gesehen haben?

In Abweichung vom ursprünglich geplanten Vorgehen an 36 – der distale Kanal sollte aufgrund des Fehlens einer periapikalen Pathologie im DVT bei gleichzeitig optimal platzierter retrograder Füllung nicht revidiert werden – habe ich mich angesichts der intraoperativ zu beobachtenden massiven Kontamination der Obturatiosnmassen dazu entschlossen, die orthograden Wurzelfüllmassen aus allen Kanalsystemen zu entfernen.

Da sich das retrograde Füllmaterial im distalen Kanalsystem unverfärbt und randdicht darstellte – ich staune immer wieder aufs Neue, was mit einer guten Beleuchtung fotografierbar ist – habe ich auf das Entfernen der retrograden Füllung in D verzichtet.

Die retrograden Füllmaterialien in MB und ML waren nicht visualisierbar. Daher habe ich nach Entfernung der deutlich kontaminierten Obturationsmassen in MB nur bis zur retrograden Füllmasse instrumentiert. Das mesiolinguale Kanalsystem konnte bis zum apikalen Endpunkt aufbereitet werden.

Interessant zu sehen, dass die Lage des nach distal austretenden Sealers mit der im DVT zu erkennenden Aufhellung distal der medialen Wurzel korreliert.

 

 

2D vs. 3D – Wie würden Sie entscheiden?

von Jörg Schröder

Noch vor einigen Jahren wurde die Notwendigkeit einer dreidimensionalen Darstellung der zu behandelnden Strukturen im Rahmen endodontischer Behandlungen als unnötig und lediglich umsatzorientiert eingeschätzt.

In spezialisiert arbeitenden Praxen ist das DVT auch aufgrund der mittlerweile verfügbaren kleinen Volumina und der erreichbaren Darstellungsqualität als diagnostisches Hilfsmittel mittlerweile nicht mehr wegzudenken.

Nachfolgender Beratungsfall zeigt geradezu exemplarisch, wie das DVT die Entscheidungsfindung „Behandeln – oder nicht?“ unterstützt und hilft, die zur Erzielung eines optimalen Behandlungsergebnisses optimale Vorgehensweise zu bestimmen.

Gerade im Vorfeld geplanter prothetischer Neuversorgungen erreichen uns immer wieder Anfragen von überweisenden Kolleginnen und Kollegen zum Vorliegen einer apikalen Pathologie.

Die Zähne 24 und 36, beide endodontisch vorbehandelt, sollen mit, die Höcker fassenden, laborgefertigten Restaurationen versorgt werden.

Zahn 36 zeigt einen Zustand nach WSR vor 2,5 Jahren. Zahn 24 wurde vor 4 Jahren endodontisch behandelt. Klinisch zeigt nur 36 eine zeitweilige geringe Aufbissempfindlichkeit. 24 ist vollkommen beschwerdefrei.

Bereits das präoperative Einzelbild des 36 der überweisenden Kollegin lässt einiges ahnen. Was soll der Patientin empfohlen werden? Wie ist die Notwendigkeit einer endodontischen Revisionsbehandlung einzuschätzen. Welches Vorgehen sollte, wenn eine Revision erfolgen würde, präferiert werden? Und Zahn 24?

Lassen Sie uns diskutieren!

Zunächst anhand der analogen Röntgenbilder.

Die relevanten Screenshots des DVT meine Empfehlungen an den Patienten und die gesamte Behandlung sind heute ab 18.00 Uhr hier zu lesen und zu sehen.

Neulich bei Facebook

Ich bin nicht mehr bei Facebook.
Das war nie meins und irgendwann habe ich beschlossen, dass ich das nicht brauche. Christoph hat mir am Wochenende berichtet, dass WURZELSPITZE bei Facebook Erwähnung gefunden hat. Zunächst große Freude, dass WURZELSPITZE wieder da ist. Soweit, so erfreulich. Dann aber diese Äußerung. „WURZELSPITZE versteckt sich jetzt hinter einer Paywall“.

Was ich davon halte, wollte er wissen.

Hier meine Anwort:

„WURZELSPITZE versteckt sich jetzt hinter einer Paywall“.

Genau so ist es.
WURZELSPITZE befindet sich neuerdings hinter einer Paywall.
Paywall, ich übersetze mal, bedeutet, die Leistung, die wir erbringen, konkret das Publizieren wertvoller Fachinformationen, kostet den Leser, der diese Informationen haben möchte, Geld.
Genau wie jede andere Leistung auf dieser Welt auch Geld kostet.

Du gehst in die Bäckerei. Kauft ein Brot. Zahlst Geld dafür.
Oder ein Patient besucht eine Zahnarztpraxis. Bekommt eine Füllung. Zahlt.

Das Normalste auf der Welt, oder ?
Und nachdem wir 10 Jahre lang Brote verschenkt haben an ganz viele Menschen, sind wir zu der Erkenntnis gekommen, dass das Brotbacken viel Zeit kostet und viel Arbeit macht.
Und dass wir kein Brot mehr backen wollen.

Was eigentlich schade ist.
Haben uns zumindest ganz viele Leser gesagt.
Nachdem wir aufgehört hatten.

So haben wir nach längerer Auszeit daher beschlossen, wieder Brote zu backen.
Allerdings von nun an unsere Brötchen und Brote nicht mehr zu verschenken, sondern einen sehr sehr kleinen Obulus dafür zu verlangen.
Um weiter Brot backen zu können.

Alternativ könnte man vorschlagen, dass jeder Zahnarzt, jede Zahnärztin, der/die mitliest, für jeden Beitrag, den wir schreiben, die gleiche Zeit, die für das Schreiben des Vortrags aufgewendet werden muss (sagen wir eine halbe Stunde pro Arbeitstag) einen Patienten umsonst behandelt. Konkret. Keine Zuzahlungen nimmt und den Anteil, den die gesetzliche oder private Krankenversicherung erstattet, spendet.

Wir tauschen unsere Arbeitszeit gegen die Arbeitszeit des Lesers.
Nur fair, oder ?
In der Zeit, in der ich schreibe, könnte ich ja einen Patienten behandeln.
So wie es der Leser tut, während ich schreibe.
Um anschließend zu erfahren, wie er seine Patienten noch besser behandeln kann.

Wie toll ist das denn ?
Während ich (der WURZELSPITZE- Leser) arbeite und Geld verdiene, setzt sich jemand (der WURZELSPITZE- Autor, der sich bestens in der Endo auskennt) statt selbst Geld zu verdienen stattdessen hin und erzählt mir (wenn ich mit meiner Arbeit und meinem Geldverdienen fertig bin), wie ich meine Behandlung weiter optimieren kann.

Hält man sich dies vor Augen, sind die 7 bis 28 Cent pro Tag, die der Leser für das „Überwinden“ der Paywall aufzubringen hat, nicht mal die virtuelle Tinte wert, die dieser Kommentar-Thread benötigt.
Ein veritables Schnäppchen.

Wer das möchte, wohlgemerkt.
Denn jedem Leser steht es frei, diese paar Cents einzusparen.

In der Hoffnung, dass er eine Bäckerei findet, welche die nächsten 10 Jahre Brote verschenkt an alle Kunden, so wie wir es 10 Jahre lang getan haben.

Allerdings – in den letzten 1,5 Jahren, in denen WURZELSPITZE offline war, ist uns keine Bäckerei aufgefallen, die dies gemacht hätte.
Gute Bäckereien gibt es ohnehin kaum noch.
Nur noch Brot aus dem Backshop beim Discounter.
Wer ´s denn mag.

Guten Appetit !

Freitag Abend „Youtube Music“ Episode 3

Jugend 1979. Mit 16.
Auf dem Land.

Heißt. Der Bus fährt 2 mal am Tag in die nächste Stadt.

Wichtigstes Hilfsmittel. Das Mofa oder Mokick oder Kleinkraftrad. Je nach Finanzlage der Eltern.
Sommerliche Freizeitbeschäftigung eines 16 Jährigen ? Sport. Im Verein, wohlgemerkt. Schwimmbadbesuch. Abhängen vor der Eisdiele. Stadtrunde fahren mit dem Moped.

Und dann gab es noch ab und an Open Air Festivals.
Nicht solche Sachen wie Woodstock oder Rock am Ring. Sondern lokale Bands, die sich auf der grünen Wiese zusammentaten und vor – wenns hoch kam – 100 Leuten spielten.

So auch in Meisenheim am Glan. Auf der Heimbach. Die Heimbach ist die Kirmeswiese gegenüber des Schwimmbads. Die Musik ? Naja. Wie lokale Bands halt sind. War trotzdem gut. Damals. Wir hatten ja nichts. Man sitzt in der Sonne, Hört der Musik zu und fühlt sich prima. Irgendwie ein wenig erwachsen und irgendwie ein wenig großstädtisch.

Umbaupause.
Zwischen den Bands.
Der Tontechniker lässt Musik laufen. Von Kassette.

Unbekanntes Material. Hochkomplex. Aber nicht zum Weglaufen, sondern hörenswert. Genial. Jazz, Rock, Pop gemischt. Alles in einem vereint. DAS nennt man Fusion.

Der Sänger – mit gigantischer Stimme.

Ich frage nach dem Namen der Band.
Gino Vanelli. Nie gehört.
Ich dachte, der Typ verarscht mich. So nannte man Eissorten zu unserer Zeit.
Die Platte ? Brother to Brother. Das Lied ? Nightwalker. Alles unbekannt. Am nächsten Tag also in den Plattenladen gegangen. Die Platte gekauft. Und nie mehr hergegeben.

Hier ist Gino.
Live.

Sorry für die Videoqualität. Nicht entmutigen lassen und das Video trotzdem anschauen, weil wir hier nicht nur ein Musik- Dokument betrachten, sondern auch ein Zeitdokument. Gino Vanelli. Der heißt wirklich so. Franko – Kanadier. Die Haare sind keine Perücke, da trug man damals. Mädchenschwarm. Heißer Typ. Man beachte das bis zum Bauchnabel offene Hemd und das Brusttoupet. DAS waren die 70er. Tut aber der Musik keine Abbruch. Und wo wir über Musik sprechen. Die Musiker allesamt erstklassig. Der Mann im Hintergrund am Schlagzeug, leider viel zu früh nach schwerer Krankheit verstorben, war Marc Craney. Ein unglaublicher Könner seines Fachs. Absoluter Ausnahmekünstler.

Und Brother to Brother ist ein extrem schwieriges Stück Popmusik.
Dies zu covern ist fast unmöglich.

Umso höher herauszuheben sind diese 3 Jungs hier um Roy Roper, die eine wirklich perfekte Darbietung abliefern.

Gino Vanelli wurde Mitte der  80er auch in Deutschland einem breiteren Publikum bekannt. Er hatte zu dieser Zeit  zwei Billboard  Top 50 Hits in den USA. „Black Cars“ und „Wild Horses“. Wie so oft in der Musik – beide Lieder, die immer mal wieder noch heute im deutschen Radio laufen,  werden dem Genius des Meisters nicht mal annähernd gerecht.

Daher führe ich  an dieser Stelle  lieber noch 2 weitere herausragende Stücke an:

 

 

Große periapkale Lyse und CaOH2-Extrusion

von Jörg Schröder

Bereits häufiger konnte ich beobachten, dass es bei Zähnen mit ausgedehnten apikalen Aufhellungen und weiten Foramina bzw. Neoforamina (nach WSR) im Verlauf der Liegedauer der medikamentösen Einlage zu einem „Austreten“ von CaOH2 kommt.

Nach den ersten dieser Beobachtungen, habe ich begonnen, die Lage der medikamentösen Einlage unmittelbar nach dem adhäsivem Verschluss der Zugangskavität zu dokumentieren.

So kann ein im Rahmen des temporären Verschlusses der Zugangskavität verursachtes Überpressen des CaOH2 ausgeschlossen, bzw. bewiesen werden.

Auffällig war nur, dass zwar das in der ersten Behandlungssitzung unmittelbar nach Verschluss erstellte Röntgenbild das CaOH2 klar innerhalb der Wurzelkontur darstellte, die in der zweiten Sitzung erstellten Aufnahmen jedoch eine Extrusion der medikamentösen Einlage zeigte, die nicht durch ein versehentliches Herausdrücken im Rahmen der maschinellen Aufbereitung oder mittels der schall- oder laserunterstützten Spülung erklärt werden kann.

Selbst vor Beginn der eigentlichen Behandlung erstellte Röntgenbilder zeigten dieses Phänomen, sodass eine iatrogene Ursache ausgeschlossen werden konnte.

Der nachfolgende Behandlungsfall bestätigt eine von mir in Erwägung gezogenen Ursache: ein im Gewebe entstehender Unterdruck „saugt“ die anfangs noch fliessfähige medikamentöse Einlage in den Periapikalbereich hinaus. Dies könnte im Zuge der Reduktion der entzündlich veränderten apikalen Gewebe entstehen. Aufgrund des adhäsiven Verschlusses der Zugangskavität ist ein „Druckausgleich“ nach koronal ausgeschlossen.

Die Behandlung der unvollständig resizierten Zähne 21 und 22 erfolgte an Zahn 22 einzeitig und aufgrund einer putriden Exsudation aus dem Periapikalbereich von 21 zweizeitig.

Was hat das mit meiner Unterdrucktheorie zu tun?

Nachdem ich in 21 die medikamentöse Einlage eingebracht hatte, verschloss ich vor der Obturation des 22 den 21 bereits adhäsiv. Während das Röntgenbild des Downpack im 22 die medikamentöse Einlage im 21 noch perfekt innerhalb der Wurzelkontur des 21 zeigte, war im Kontrollbild nach Obturation des 22 deutlich zu erkennen, dass das CaOH2 deutlich nach periapikal verbracht worden war. Und das, obwohl der 21 lange vor der Wurzelfüllung im 22 verschlossen worden war. Die einzige Manipulation war ein Palpieren der Periapikalregion des 21 nach Abschluss der Behandlung mit der Fingerbeere.

Haben Sie bereits ähnliche Erfahrungen sammeln können? Gibt es andere Erklärungsmöglichkeiten?

Nichtbehandlung (I)

Von Bonald Decker

 

Nachfolgend möchte ich Ihnen einen gestrigen Fall vorstellen und Ihre Meinungen dazu einholen…

kurz zur Vorgeschichte:

Der 18-jährige Lion stürzte in der Nacht von Samstag auf Sonntag letzte Woche auf dem Nachhauseweg mit seinem Fahrrad. Daraufhin suchte er mit seinen Eltern in den frühen Morgenstunden die chirurgische Notaufnahme einer Universität auf.

Hier erfolgte in erster Linie eine Untersuchung zum Ausschluss eines möglichen Schädel-Hirn-Traumas (u.a. Kopf-CT etc.)

Da keine allgemeinmedizinischen Besonderheiten vorlagen wurde der junge Mann wieder nachhause entlassen.

Da er am nächsten Morgen weiterhin beträchtliche Schmerzen im Mund-Kiefer-Gesichtsbereich hatte suchte er daraufhin auf eigene Initiative den kieferchirurgischen Notdienst der Universität auf.

Das dort angefertigte Orthopantomogramm sehen Sie hier:

Nichtbehandlung.001

Eine weitere Behandlung in irgendeiner Form erfolgte nicht.

Lion wurde gebeten sich Ende der nächsten Woche (also knapp 7 Tage nach dem Unfall) bei seinem Hauszahnarzt vorzustellen, um die betroffenen Zähne mit Kompositfüllungen restaurieren zu lassen.

Zur akuten Schmerztherapie wurde ihm die Einnahme eines nichtsteroidalen Antiphlogistikums empfohlen.

Aufgrund der weiter vorhandenen Schmerzsituation stellte sich Lion schliesslich am Mittwoch bei seinem Zahnarzt vor. Dort wurde diese Einzelzahnaufnahme angefertigt.

Nichtbehandlung.002

Eine weitere Behandlung erfolgte nicht. Dem Patienten wurde empfohlen sich zur „bestmöglichen“ Behandlung bei uns vorzustellen.

Unsere Befunde vom Mittwoch (4 Tage post traumatisch) im Überblick:

Vipr 12 und 21 +++,  11 ++, 13,22,23 und UK Front ohne Besonderheiten

Perk 12-11 +, 13,22,23 und UK Front ohne Besonderheiten

12-11: LG I

Hier extra- und intraorale Impressionen der Situation:

Nichtbehandlung.003Nichtbehandlung.004Nichtbehandlung.005

Meine Fragen an Sie…

was geht Ihnen nach dem Lesen der Krankengeschichte spontan durch den Kopf?

Würden Sie die Kollegen kontaktieren um die Hintergründe der Nichtbehandlung zu besprechen ?…

 

 

 

Update Fragremover

Hier 2 Fotos von Tomas Kupec.

MTwo Instrument entfernt mittels Fragremover. Mehrere Drähte erhöhen die Krafteinleitung.

image1image0

Recall und Verlauf eines endodontischen Falles (2)

Dieser Fall wurde 2017 als Beispiel für den präendodontischen Aufbau mit sequentieller Matrizentechnik vorgestellt. (Link)

Unsere Diagnose: P. apicalis mit persistierenden periapikalem Biofilm, DD infizierte radikalere Zyste.

Wir haben uns für die Wurzelspitzenresektion auf Grund der ungewöhnlichen apikalen Anatomie entschieden.

Intraoperativ zeigte sich ein auf der Wurzeloberfläche aufgelagerter Biofilm. Aufgrund der speziellen Wurzelanatomie wurde nicht nur apikal kürettiert, sondern reseziert.

Der Zahn ist nun schmerz- und symptomfrei. Eine retrograde WF erfolgte nicht.
Den weiteren Verlauf des Falles werden wir beobachten und einstellen.

In den nachfolgenden Recalls zeigte sich ein komplikationslosloser Heilungsverlauf.

 

„50 nicht von der Hand zu weisende, ausgesucht gute Gründe, sich auf Endodontie zu spezialisieren“ – Episode 4: „ERSTGESPRÄCH!“

Wie war es bisher ?

Anruf eines Neupatienten. Ein Termin zur Untersuchung und Besprechung wird vereinbart. Zwingend vorgeschrieben, Auch wenn, wie gestern, die Lehrerin aus Aschaffenburg anruft und auf die Dringlichkeit ihres Falles („Mein Zahnarzt hat aber gesagt sofort…“) und auf die weite Anreise hinweist. „Sehr geehrte Frau Müller Maier Schmidt, alles was nicht mit dem Flugzeug erfolgt, ist keine weite Anreise“.
Aber darüber reden wir  in der Episode „AUTOBAHN“ .

Jetzt geht es um besagte Erstuntersuchung und bisher bekam bei uns nach Anruf der Patient den nächsten freien Termin.

Unsere Terminplanung sieht wie folgt aus: Wir unterscheiden 3 Gruppen von Terminen. Lange Endo-Termine (45 – 90 Minuten), kurze Endo-Termine 30 Minuten und Kontroll- Termine (5 – 15 Minuten).

Und die Überlegung war: Nach einer anstrengenden oder sagen wir volle Konzentration erfordernden Endo soll es etwas Anderes, Entspannenderes sein.

Das ist zumeist eine postendodontische Stabilisierung, die wir (und nicht der Hauszahnarzt) bei allen unseren Patienten durchführen.
Zeitrahmen 30 Minuten.

Ein typischer Tagesablauf wäre also:

8 – 9 Uhr Endo Behandlung 1

9 – 9 30 Wurzelstift oder PES 1

9 30 Uhr bis 10 30 Uhr Endo 2

10 30 – 11 Uhr Wurzelstift oder PES 2

11 Uhr – 12 Uhr Endo 3 usw.

Und in genau diese 30 Minuten Termine zwischen zwei Endo- Behandlungen haben wir in all den Jahren unsere Besprechungen einbestellt. Zur Entspannung gewissermaßen und weil wir den Patienten ja schnellstmöglich einen Termin anbieten mochten.

Dumm nur.
Das mit der Entspannung funktioniert nicht.
Im Gegenteil.

Diese Vorgehensweise war so ziemlich das Dümmste, was man vorstellen kann. Heute kann ich rückblickend nur verständnislos den Kopf schütteln, wie und warum wir das SO lange gemacht haben.

Was ist der Denkfehler ?

Zunächst allein schon die Tatsache, dass ein Erstgespräch zeitlich nicht zu kontrollieren ist. Und der kalkulierte Rahmen von 30 Minuten gegebenenfalls zu kurz bemessen ist, je nachdem wieviel Gesprächsbedarf sich auftut.  Man kennt das: „Seit wann haben Sie denn diese Schmerzen: „Oh Herr Doktor, das muss ich etwas weiter ausholen, lasen sie mich nachdenken, ich war damals schwanger und mein Sohn ist jetzt 37. Wenn so ein Satz auftaucht, weiss man sofort, das wird jetzt dauern“. Der Zeitrahmen  ist ohnehin sehr knapp bemessen, 45 Minuten wären sicherlich, alles in allem berücksichtigend (Gespräch, Untersuchung, HKP-Erstellung und Erläuterung, Dokumentation) angebrachter. Allerdings  wird dann umso mehr offensichtlich, dass dieses Erstgespräch eine nicht kostendeckende Angelegenheit ist. Auch darüber werden wir in einer weiteren Episode detailliert sprechen und wie mit solchen Situationen  sinnvollerweise umzugehen ist.

Für den gegenwärtigen Stand unserer Überlegungen reicht aber alleine schon die Tatsache, das ein Erstgespräch, welches den Zeitrahmen überzieht, entweder dazu führt, dass man versucht, das Gespräch schnellstmöglich zu Ende zu bringen, ein gerade im Hinblick auf den ersten Patientenkontakt fatales nonverbales Signal. Oder aber man überzieht.  Und startet verspätet und mit einem Zeitdefizit gleich von Beginn an in die nächste Endo- Behandlung.

Beides möchte man nicht.
Bedeutet Stress. Unruhe. Frustration.
Keine guten Voraussetzungen für Top – Ergebnisse.
Und garantiert KEIN SPASS. Den wir doch haben wollen. Immer. Oder ?

Die Konsequenz war, die Erstuntersuchungen an das Ende des Arbeitstages zu legen. Man hat so alle Zeit der Welt.

Problem gelöst ?
Auf den ersten Blick schon.
Allerdings ist am Ende des Tages aber auch schon viel Kraft auf der Strecke geblieben. Ich habe diese Gespräche immer als sehr anstrengend empfunden.  Es war kein Spass, sondern vielmehr notwendiges Übel. Und natürlich gab es immer wieder Patienten, die zu diesem Zeitpunkt nicht konnten oder -weil dringend anzusehen, dann doch im Laufe des Tages inmitten der regulären Behandlungen eingebucht wurden. Mit den oben beschriebenen Problematiken.

Wie machen wir es heute ?

Erzähle ich in der nächsten Episode: „MITTWOCH!“

Danke Marcus, Nils, Stephan, danke Andras !

Der „Thermafil“- Kunststoff-Stift ist riesig und drumherum liegt deutlich Guttapercha im Wurzelkanal. 

Hervorragende Voraussetzungen demnach für die Entfernung desselben.

Aber – ganz so banal ist das dann doch nicht. Beim Versuch den Stift mittels Reciproc- Instrument zu entfernen, kann in der Tiefe ein Stück des Kunststoff- Carrier, eingeklemmt im sich verengenden Kanal abreissen und zurückbleiben.

Man wird als zunächst erst mal mehr oder weniger vorsichtig bis unmotiviert sich bemühen, den Stift freizulegen, immer mal wieder versuchen, ihn mit irgendwelchen Pinzetten, Zangen etc. versuchen zu greifen, was allzuoft nicht gelingt. Irgendwann greift man dann zu den maschinellen NiTI – Instrumenten und hofft, das der Stift in toto herauskommt.

Und so macht es einen entscheidenden Unterschied, ob man wahrscheinlich, irgendwann und irgendwie den Thermafil- Stift entfernt bekommt oder man dem Patienten noch vor der Behandlung das beruhigende Gefühl geben kann, diesen Wurzelsitft vorhersagbar und sicher entfernen zu können.

Schön demnach, wenn man auf den Fragremover zurückgreifen kann. Denn dieser macht die Kunststoffstift – Entfernung hier zum sekundenschnellen Kinderspiel. Wir nutzten im konkreten Fall den Prototyp einer Fragremover- Variante. Vom Kollegen Andras Csögor entwickelt, zusammen mit Hilfsmitteln, die das – sagen wir – emotional fordernde Vorbereiten und Einfädeln des Schlingendrahtes deutlich erleichtern. Ihm gilt mein Dank, genau wie den Kollegen Marcus Leineweber, Nils Widera, Stephan Gäbler, den Entwicklern des Fragremover – Originals.

Nachfolgend 2 Röntgenbilder (vorher/nachher) und ein Video, den klinischen Vorgang betreffend. Die Schlinge saß sehr sehr fest um den Stift drum herum, es konnte mit zwei Händen und voller Kraft gezogen werden, was aber auch zwingend notwendig war, um den Fremdkörper entfernen zu können.

 

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.

„50 nicht von der Hand zu weisende, ausgesucht gute Gründe, sich auf Endodontie zu spezialisieren“ – Episode 3: „REPETITION!“

Wir erinnern uns
Damals im Studium.

Die zweite aufgewachste Kronenmodulation ging schon wesentlich schneller als die erste. Und wie war das, als wir zum ersten Mal Kofferdam anlegten ? Eine Katastrophe. Wie habe ich den Patienten bedauert und bewundert gleichermaßen für seinen Mut und seine Geduld, mich  gewähren zu lassen.
Und wie leicht geht es heute von der Hand.

Übung macht den Meister.
Heißt es.

Aber es war interessanterweise nicht das stete Wiederholen an sich, das uns nach  Limitierung unserer Praxistätigkeit einen entscheidenden Mehrwert unseres tagtäglichen Arbeitens in der Endodontie gebracht hat. Denn nach 25 Jahren sollte man meinen, genügend Endos gemacht zu haben, um fit zu sein in allen tagtäglichen Situationen.

Es ist also weniger die bloße Menge an sich, sondern vielmehr das stakkatoartig schnelle Wiederholen des Immergleichen. Das fällt auf, seit wir ausnahmslos nur noch Endo machen. Sobald sich etwas Besonderes ereignet im Rahmen der Behandlung, eine Schwierigkeit, eine unbefriedigende Situation, haben wir sofort im Anschluss die Möglichkeit, beim nächsten Patienten uns eine Verbesserung einfallen zu lassen und diese auszuprobieren. Und das 5 bis 8 mal am Tag. Jeden Tag. Unser Evolutionszyklus ist mittlerweile sehr sehr kurz.

Schon innerhalb eines Tages haben wir so gegebenfalls eine Unzulänglichkeit erkannt, eine Lösung des Problems eruiert, diese sofort beim nächsten Patienten umgesetzt, die Verbesserung erfahren und in den weiteren nachfolgenden Sitzungen des Tages soweit wiederholt und konsolidiert, dass sich am Ende des Tages ein neuer Behandlungsschritt etabliert hat. Dieser wird in der Teambesprechung des nächsten Tages frühmorgens zu Behandlungsbeginn im gesamten Team geteilt und wird damit stande pede integrativer Bestandteil unseres tagtäglichen Arbeitens.

Warum das in unserer Praxis bislang nicht so war, obwohl wir doch mehr als 80 %, eher sogar mehr als 90 % unserer Tätigkeit auch bislang schon endodontischen Belangen gewidmet haben, darüber kann ich nur mutmaßen. Ich vermute, das die nichtendodontischen Unterbrechungen letztendlich vom Thema wegführten und ablenkten. Aus den Augen, aus dem Sinn. Und bis zum nächsten Endo-Patienten, auch wenn es nur 30 bis 60 Minuten und zwei Patienten später war, ist das Problem vergessen oder zumindest ein Stück weit verschüttet, weil natürlich auch in den anderen Behandlungsbereichen Verbesserungsmöglichkeiten anfallen. Über die wiederum nachgedacht, sinniert wird. So subsumiert sich am Ende des Tages statt beseitigter Widrigkeiten eine Liste an Unzulänglichkeiten, für die, sofern man diese überhaupt am nächsten Tag im Teamgespräch anzusprechen Lust hat, es ad hoc und bei nicht vorhandenem Zeitrahmen natürlich keine Lösungen geben kann. Was wiederum zu negativen Schwingungen und damit Frustration führt.

Ein schönes Beispiel für eine solche Verbesserung, die uns Woche für Woche erneut ausgesprochen positiv ins Bewußtsein kommt, weil sie uns extrem weitergebracht hat, sind unsere ersten Patientenkontakte. Davon berichte ich in der nächsten Episode: „ERSTGESPRÄCH!“

Unknown apical object (UAO)


von Jörg Schröder

Das präoperative Röntgenbild liess neben der ausgedehnten periapikalen Aufhellung bereits weitere „Eckpunkte“ erkennen. Zustand nach Wurzelspitzenresektion, alio loco erfolgter Versuch der orthograden Revision und mindestens zwei verschiedene Fremdmaterialien periapikal.

Was jedoch verwunderte war die Röntgenopazität und die Form des unmittelbar am Neo-Foramen gelegenen Fremdmaterials.

Nach Auswertung des präoperativ angefertigten DVT konnte Licht ins Dunkel gebracht werden. Die regelmässige Form und die Achsausrichtung des Fremdmaterials in der Mitte der Wurzelkontur liess auf einen keramischen, retrograd eingebrachten Verschlusskegel schliessen.

Da es angesichts der Größe des Kegels und der Weite des Kanalsystems unwahrscheinlich erschien, den Kegel nach orthograd zu entfernen, wurde mit dem Patienten ein kombiniert orthograd/retrogrades einzeitiges Vorgehen geplant.

Nach Entfernung der vorhandenen Obturationsmaterialien und ausgiebiger Desinfektion konnte der Keramikkegel visualisiert und auch hin und her bewegt werden. Um ihn nach orthograd zu entfernen hätte jedoch sehr viel Zahnhartsubstanz entfernt werden müssen.

Daher wurde nach der Füllung des Wurzelkanals mit MTA Angelus die Periapikalregion chirurgisch dargestellt und der Retro-Kegel entfernt.

22 Monate nach der endodontischen Intervention zeigt sich klinisch und radiologisch ein sehr erfreuliches Ergebnis. Der Zahn (mittlerweile prophetisch neuversorgt) ist vollkommen symptom- und beschwerdefrei. Die periapikale Aufhellung knöchern durchbaut.

 

 

Spass im Beruf

Passt hervorragend zum WURZELSPITZE Plus – Beitrag

Wer wissen möchte, was Spass im Beruf bedeutet, der schaut dieses Video.

Das Zitat zum Thema des Tages ist ab 09: 45 Minuten.

 

 

„50 nicht von der Hand zu weisende, ausgesucht gute Gründe, sich auf Endodontie zu spezialisieren“ – Episode 2: „KONZENTRATION!“

Die wahren Helden in der Zahnmedizin ?

Es sind Zahnärzte wie der Meckenbeurer Kollege Sepp Diemer.
Ein dentaler Zehnkämpfer. Absoluter Höchstleistungszahnmediziner.

Wie die Sportler in jedem der 10 Disziplinen Höchstleistungen erbringen, so tun dies in der Zahnmedizin engagierte Generalisten, die versuchen in der Paro, Endo, in der Zahnerhaltung, beim Zahnersatz oder in der Implantologie das Bestmögliche an Ergebnissen zu erzielen.

Zehnkämpfer sind in der Tat die Könige der Leichtathletik.
Und das ringt mir höchsten Respekt ab.

Es gibt nur einen kleinen Schönheitsfehler.

Bei den  Olympischen Spielen  hätte es der beste Zehnkämpfer in der jeweiligen Disziplin nicht einmal ins Finale des jeweiligen Solo – Wettbewerbs geschafft. Geschweige denn auf einen Medaillenrang. Der Sieger des 100 Meter-Endlaufes der Spiele 2012 in London, Ursain Bolt war mit 9,63 Sekunden  fast eine Sekunde schneller als der Sieger des olympischen Zehnkampfes Ashton Eaton mit einer Zeit von 10,46 Sekunden. Das sind im 100 Meter-Lauf Welten, die zwischen beiden Wettkämpfern liegen.

Wenn ich als von Konzentration spreche als Voraussetzung für den Erfolg in der Praxis, dann ist hier nicht die geistige Konzentration gemeint (der es selbstverständlich immer bedarf) sondern vielmehr die Konzentration auf das Wesentliche, die Beschränkung auf eben DIESE EINE Sache, die notwendig ist, um wirkliche Bestleistungen zu erbringen.

In dem ich nur diese eine Sache mache, erreiche ich zwangsläufig ein Niveau, wie ich es als Generalist, ja selbst als ein Generalist auf dem Niveau eines dentalen Zehnkämpfers nie erreichen werde. Noch einmal. Ich bewundere die Zehnkämpfer. Oder die Ironman – Profis. Aber auch der diesjährige Sieger und zweifache Champ  Jan Frodeno (Ruhepuls 36 bpm ! ) wird niemals die 42 KM Marathon Strecke unter 2 Stunden laufen. Wie letzte Woche in Wien durch Eliud Kipchoge erreicht.

Und noch was.
Auch wenn es weh tut.

Nein, es reicht nicht, dass man 80 Prozent Endo macht oder 90 Prozent Endo.
Zu dieser Erkenntnis gelangt man aber erst, wenn man besagten Schritt vollzogen hat.
Es gibt einen himmelweiten Unterschied in unserem Arbeiten, so wie es jetzt ist,  bei 100 Prozent ausschließlich  Endo gegenüber dem, was wir all die Jahre zuvor getan haben, wie wir all die Jahre zuvor gearbeitet haben.

Haben wir tolle Dinge gemacht in all den Jahren? Zweifellos.
Immer versucht, unser Bestes zu geben. Unbedingt !
Waren wir bis dato schlecht ? Nein.
Sind wir heute besser ? Vermutlich nicht. Makroskopisch gesehen.

Aber wir arbeiten besser.
Was sich in irgendeinem Bereich, auf irgendeiner Ebene auszahlen wird.

Warum ist das so ?
Warum arbeite ich soviel besser, wenn ich mich auf eine einzige Sache beschränke ?

Dazu tragen viele Faktoren bei, die wir nachfolgend aufführen und analysieren wollen. Beginnen möchte ich mit dem Schlagwort „REPETITION!“

„50 nicht von der Hand zu weisende, ausgesucht gute Gründe, sich auf Endodontie zu spezialisieren“ – Episode 1: „SPASS!“

SPASS !

wenn ich in einem Wort zusammenfassen müsste, die Quintessenz dessen wiedergeben sollte, was wir gewonnen haben, nachdem wir vollständig zur ENDO gewechselt sind, dann wäre es dieser Slogan: SPASS !

Aber der Reihe nach.

Natürlich – es ist nicht so, dass ich all die Jahre in unserer Praxis keine Freude hatte. Allerdings- ich sag mal so, Sonne und Regen haben sich – Echtes Aprilwetter – immer wieder mal abgewechselt.

Am 25. Januar 1993 hatte ich meinen ersten Arbeitstag in eigener Praxis.
Bis Ende 2012 war ich dann das, was man einen Generalisten mit ausgeprägtem Schwerpunkt „Endodontie“ bezeichnen könnte. Konkret – mit einem reinen Endo – Tag so um das Jahr 2001 oder 2002 herum angefangen, zuletzt 4 Tage Endo, 1 Tag Kons, ZE eher selten und zuletzt nur noch festsitzend.

Und jetzt nur noch und ausschließlich Endodontie. Was hat sich geändert ?

So banal es klingt und so klischeehaft es erscheint: Wir haben Spass ! Und zwar dauerhaft.

Jeden Tag komme ich in die Praxis und freue mich auf das, was mich erwartet.

Ich bin positiv gestimmt in Vorfreude auf das Kommende. Das war in all den Jahren zuvor (und wir reden hier immerhin von 2 Dekaden Dental-Fronarbeit) von der Tendenz her eher anders rum. Wie oft habe ich mich am Morgen auf der Fahrt zur Praxis gefragt: Was wird wohl heute auf mich warten ?“ Und – was die innere Stimme nicht aussprach, was aber immer im Raum stand als stumme Fortsetzung der Frage – an Unangenehmem, an Unvorhergesehenem, an Ätzendem ?

War es früher von der Grundstimmung her jeden Tag auf Neue wie ein Aufbruch ins Ungewisse (so müssen sich die antiken Seefahrer gefühlt haben), so empfinde ich es heute wie das Geburtstagskind am Tage seiner Geburtstagsfeier. Man weisst nicht, was man geschenkt bekommt, aber eins ist sicher, man bekommt auf jeden Fall viele schöne Geschenke.

Oder – anderes Sinnbild -Man setzt sich hungrig an den Tisch zum Mittagessen. Keine Ahnung, was die Mama heute gekocht hat, aber eins steht fest, es ist auf jeden Fall lecker.

Und daher gilt es für Leser/Leserin, in sich selbst hineinzuhorchen.
Haben Sie auch permanent Spass in der Praxis ?

Dann Glückwunsch, nur noch aus Neugierde hier weiterlesen.
Allen Anderen kann ich an dieser Stelle nur raten, sich von den negativen Dingen der Berufsausübung (ich rede jetzt vom Arbeiten per se, nicht vom Ärger mit Patienten, die ihre Rechnung nicht zahlen)  zu trennen.  Und zwar so schnell wie möglich, denn ICH habe viel viel zu lange diese Entscheidung vor mir hergeschoben.

Bester neutraler Indikator zur Unterstützung dieser These: Mein Team. Viel zu lange hätte ich gewartet, das hätte ich viel früher tun sollen, so habe ich es immer wieder gehört und höre es auch heute noch ab und zu.

Was natürlich nicht stimmt, die Zeit war noch nicht reif.
Nein. Sagen wir besser. Ich war noch nicht reif.
Noch nicht bereit.

Jetzt fühle ich mich befreit.
Und eine solche Befreiung setzt positive Energie frei.
Die man wiederum in neue Projekte investiert. Welche einen wiederum weiterbringen. Eine positive Feedback- Schleife hin zum (noch) Besseren.

Das bringt uns zum Topic der morgigen Folge, die da lautet:

KONZENTRATION !

Freitag Abend „Youtube Music“ Episode 2

„Pomplamoose“ das sind Natalie und Jack.
Ein amerikanisches Pop- Duo, welches zunächst durch seine sehr kreativen Low Budget Musik- Videos mir ins Auge fielen.

Und die Beiden passen hervorragend zu WURZELSPITZE.
Warum ?

Weil sie ihre Sache mit Leidenschaft machen.
Eine Vision hatten.
Klein anfingen und sich mittlerweile zu einem vielbeachteten und hochprofessionellen Musikteam weiternentwickelt haben.

Starten wir mit einem Video aus ihrer frühen Phase.
Ein legendärer alter Wham-Klassiker, tausend mal gehört, hier mit einfachsten Bordmitteln neu interpretiert.

Neugierig geworden bin ich dann auf das hier gestossen.

Ein Auftritt von Pomplamoose 2012 bei TED – Konferenz. Bei der Jack Conte die Auswahlkriterien der Mainstream Musikindustrie kritisiert, die sich bislang immer nur auf ganz wenige ausgesuchte Top- Acts konzentriert und diese mit einem Riesenbudget unterstützt, so dass unbekannte, nicht desto trotz sehr talentierte kreative Acts keine Beachtung finden. Conte fordert eine Umkehr, schlägt einen neuen Weg vor, der Unterstützung auch für Bands am Beginn ihrer Karriere vorsieht. Bei Banken würde man so etwas Mikrokredite nennen. Nur mit dem Unterschied,  daß die Kredite von den Hörern selbst kommen. Das Duo spielt zwei Lieder, beide zum Weglaufen im Übrigen, aber der Rest ist Geschichte.

8 Jahre später ist Jack Conte der CEO von Patreon.
Einer Crowdfunding-Plattform von (digitalen) Inhalten. Künstler können mit Patreon ihren Nutzern die Möglichkeit geben, ihnen einfach und direkt regelmäßig einen selbstbestimmten Geldbetrag zu zahlen. Zunehmender Beliebtheit erfreut sich die Plattform bei Webvideoproduzenten, Musikern und Bloggern. 2017 lag der an die Künstler ausgezahlte Gesamtbetrag bei 150 Millionen Dollar.

Und Pomplamoose produzieren mit wunderbaren hochkarätigen Musikern wöchentlich Musikvideos von herausragender musikalischer Qualität. Im Nachfolgenden eine wie immer sehr subjektive Auswahl. Aber eins lässt sich nicht wegdiskutieren. Die beiden können stolz sein. Sie sind weit gekommen, betrachtet man die Anfänge des TED – Videos mit den ausgefeilten

Und das Beste ist.
Der anarchische Spass der frühen Jahre ist vollständig geblieben.  Man muss Jack nur beim Klavierspielen zuschauen.
Und damit spannen wir den Bogen zur Endodontie und WURZELSPITZE. Wer kennt das nicht, der Blick zurück auf die Anfänge der eigenen Endo. Manche Ergebnisse sind nachwievor beeindruckend, insbesondere im Hinblick auf die frühe Entstehung dieser „Werke“. Andere Anfangsresultate möchten wir lieber gar nicht betrachten, stellen aber wenigstens tröstlich respektvoll den Fortschritt fest, den wir in all den Jahren gemacht haben. Und – Spass, da spreche ich für das gesamte WURZELSPITZE-Team, Spass an der Endo haben wir immer noch.

In diesem Sinne – Viel Spass mit Pomplamoose.
Und schreibt mir euren Favoriten in die Kommentare.

Apikale Raumforderung (I)

Von Bonald Decker

 

Aus aktuellem Anlass möchte ich Ihnen heute nachfolgenden Fall vorstellen und Sie bitten mir Ihre mögliche Behandlungsstrategie/meinungen  zu nennen…

zu den Hintergründen:

 

  • 14 Jahre altes Mädchen
  • Allgemeinanamnese: Asperger Syndrom
  • Zahnärztliche Anamnese: Laufende kieferorthopädische Behandlung seit ca. 1 Jahr

 

  • seit Juni 2019 Beginn der Einstellung des verlagerten Zahnes 13 mittels Gummizüge
  •  seit Behandlungsbeginn dreimalige Abszess-Bildung palatinal Regio 13/12
    • einmalige Antibiose notwendig
    • zweimalige Spontanentleerung vestibulär

 

Da bei Hauszahnarzt und Kieferorthopäden Unklarheit über die Ursache der wiederkehrenden Abszess-Bildung bestand wurde die Patientin zu uns überwiesen.

Bei der klinischen Untersuchung im Ersttermin ergaben sich keine grossen Besonderheiten. Einzig die Sensibilität an Zahn 12 war negativ. Zahn 13 liess sich nicht zuverlässig testen. Zahn 11 und 14 testeten positiv.

Anbei die alio loco angefertigten Röntgenaufnahmen:

Grosse Raumforderung .001

Grosse Raumforderung .002

Radiologisch fallen primär das altersuntypische nicht abgeschlossene Wurzelwachstum sowie die apikale Osteolyse unklaren Ausmasses an 12 auf.

Aufgrund der gegebenen Umstände fertigen wir ein kleinvolumiges DVT an.

Erkennbar ist eine ausgeprägte apikale Raumforderung, die den gaumenseitigen Anteil des Oberkiefers perforiert hat. Ferner scheint eine vestibuläre Verbindung des Defektes über den verlagerten Eckzahn zu bestehen. Die Raumforderung erstreckt sich bis in die Apikalregionen von 11 und 14.

 

Wie wäre Ihr weiteres Vorgehen? Was sollten der nächsten Behandlungsschritte sein?

 

 

 

 

Unbild des Tages – Update nach 3 Jahren

Von Bonald Decker

Drei Jahre ist es her, dass der damals 7-jährigen Adi nach Avulsion seines Zahnes 21 bei uns in der Praxis vorstellig wurde.

Besonders „bemerkenswert“ war die damals alio loco durchgeführte Art der Schienung nach Replantation.

Nachzulesen hier

Die letzte von uns vorgestellte Nachkontrolle finden Sie in diesem Beitrag.

Kürzlich war Adi zur 3-Jahres-Kontrolle bei uns.

Alle klinischen Befunde sind absolut unauffällig.

Es sieht so aus, als hätte er seiner Zeit Glück im Unglück gehabt.

Vielleicht hatte ja auch die Schienungsart einen positiven Einfluß

;-)

Unbild des Tages Update nach 3 Jahren.001

Egal wie. Patient mit Eltern und uns freut der Verlauf ungemein.

Wer sich näher mit der Thematik beschäftigen will ist dieser Review-Artikel zu empfehlen.

Siemens M1 Behandlungsstuhl als Ersatzteilträger ?

Nächste Woche geht unser letzter noch vorhandener SIEMENS M1- Behandlungsstuhl nach 25 Jahren in seinen verdienten Ruhestand. All die Jahre bis zum heutigen Tag (und sicherlich auch noch nächste Woche) wird er uns treu funktionierend zur Seite gestanden haben.

Und wenn die Firma SIRONA mit ein wenig Einfühlungsvermögen an seine Kunden als Partner auf Augenhöhe gedacht hätte, dann stände in unserer Praxis vielleicht demnächst ein Sirona-Stuhl der neuesten Generation. So macht die M 1 Platz für ihren Nachfolger aus dem Hause MORITA.

Aber vielleicht kann unser Stuhl ja noch einer anderen Praxis weiterhelfen ?
Als Ersatzteilspender oder wie auch immer ?

Irgendwie fände ich es schade, wenn der Stuhl nächste Woche auf Halde geht (bzw. vom Depot zurückgenommen wird), auch wenn es für uns natürlich das einfachste ist.

Bei Interesse bitte eine Email an h_w_h@gmx.de.

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.

Recall und Verlauf eines endodontischen Falles

Das Anliegen Fälle über einen möglichst langen Zeitraum nach zu verfolgen möchten wir gern, soweit es möglich ist erfüllen. (Link)
In diesem Fall mussten wir nach 5 Monaten feststellen, daß keine Heilungstendenz erkennbar war. Die schwierige apikale Anatomie ließ uns zusammen mit wieder auftretenden Beschwerden aktiv werden.

Diese zeigten sich in einem Druckgefühl bei Berührung apikal vestibulär.
Weiterhin ist die Wanderung des Sealerpuffs „in“ die apikale Osteolyse zu beachten.

Und nun? Was wäre Ihre Entscheidung?

 

8693.jpg

Start der WURZELSPITZE Plus -Artikelreihe

Am Wochenende geht ´s los.
Der erste Beitrag der WURZELSPITZE Plus – Reihe geht auf Sendung.

Unter der Rubrik: „50 nicht von der Hand zu weisende, ausgesucht gute Gründe, sich auf Endodontie zu spezialisieren“ werde ich berichten über meinen Weg vom engagierten Generalisten mit Spaß an endodontischer Zahnerhaltung hin zur auf Wurzelkanalbehandlung spezialisierten und limitierten Praxis.

Wer nun meint, diese Artikelreihe sei nur für den/die LeserIn wichtig, der die Spezialisierung für sich als konsequent, gar zwingend obligat erkannt hat, dem seien die Beiträge dennoch ans Herz gelegt.  Denn auch der/die generell an Endodontie interessierte BehandlerIn profitiert vom Niedergeschriebenen.

Wichtige Denkweisen werden beleuchtet, hilfreiche Schritte und Wege aufgezeigt. Die Diskussion im Nachgang vertieft die niedergeschriebenen Inhalte noch zusätzlich.

Diagnose des Tages 20191004 – Unklare Beschwerden Unterkiefer Seitenzahnbereich (Teil 4)

Das mit dem Zahn 27 etwas nicht stimmt, erschliesst sich schon aus den angefertigten zweidimensionalen Röntgenaufnahmen.

3420_hg_panorama_20190522124635gh27-x-20190617-132911-xzb7vc746hc-3Das DVT zeigt dann die ganze bittere Wahrheit. Perforation des Zahnes im Bereich des distalen Pulpakammerbodens zur Seite hin. Die mesialen Wurzeln Zustand nach WSR ohne Retrofüllung, der vorhandene distobukkale Wurzelkanal ist bislang unbearbeitet und weist zudem eine kavernöse Erweiterung im mittleren Kanaldrittel auf.

Die Wurzelkanalbehandlung ist dennoch „business as usual“ für uns. Die einzelnen Teilschritte wie folgt:

Orthograde Entfernung der „Wurzelkanalfüllung“ im Perforationsbereich
Deckung der Perforation mit Biodentine, interne Überdeckung mit Composite
WF – Revision der gefüllten Kanäle
Erschließung des bislang unbehandelten distobukkalen Wurzelkanals
Wurzelkanalaufbereitung
Medikamentöse Einlagen
Wurzelkanalfüllung

Die Patientin war nach/ist seit  der ersten Behandlung schmerzfrei.

GH27_WF2-X-20190708-173300-XSRRQVR8ZGNH-4.jpeg

 

 

 

Apikale Aufhellung

von Jörg Schröder

Die 45 Jahre alte Patientin wurde aufgrund eines radiologischen Zufallsbefundes vor einer geplanten prothetischen Neuversorgung an uns überwiesen.

Zahn 47 zeigt im Fremd-OPG eine scharf abgegrenzte, weichgewebsdichte, homogene Verschattung im Bereich der distalen Wurzel. Klinisch ist Zahn 47 vollkommen beschwerde- und symptomfrei. Die Sondierungstiefen liegen zwischen 2 und 2,5 mm. Der Zahn ist normal beweglich, weder palpatorisch druckdolent noch perkussionsempfindlich. Der Randschluss der leicht subgingival präparierten Vollkeramikkrone ist nicht ideal, da leicht überkonturiert. Anamnestisch konnten zu Beginn des Beratungstermins keine besonderen Vorkommnisse erhoben werden.

Die vergrößerte Betrachtung des 1 Woche alten OPG brachte eher Verwirrung als Klarheit. Die Aufhellung zeigt klar einen knochendichteren Saum. Distal des 47 finden sich darüber hinaus weiter kleiner, nicht mit dem Zahn in Zusammenhang stehende Aufhellungen.

Wie kann ein weiteres Vorgehen aussehen? Probetrepanation ohne Anästhesie, da der elektrische Sensibilitätstest aufgrund der Versorgung mit einer Vollkeramikkrone mit subgingivalen Kronenrändern nicht durchführbar ist? Abwartendes Verhalten? Weitere Bildgebung?

Das in der Folge angefertigte DVT brachte es an den Tag. Da auch im 3. Quadranten eine prothetische Neuversorgung erfolgen sollte, wurde ein hochauflösendes DVT 4×8 cm zur Abbildung des gesamten unteren Zahnbogens angefertigt.

Die Darstellung der Periapikalregion lässt an Zahn 47 in allen Ebenen durchgehende Parodontalspalten erkennen.

Im koronalen Schnitt zeigt sich apikal und bukkal der Wurzeldes 47 ein mit einer sicheren Knochenschicht abgegrenzter waagerecht verlaufender aufgehellter Zylinder, der mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit iatrogen verursacht wurde.

Auf Nachfrage ( wurde im Bereich des rechten Unterkiefers jemals ein chirurgischer Eingriff unternommen?) berichtete die Patientin über eine viele Jahre zurückliegende Umstellungsosteotomie im Unterkiefer. Bei den weiter distal gelegenen kleineren scharf abgegrenzten Aufhellungen handelt es sich sehr wahrscheinlich um nicht vollständig ausgeheilte Defekte nach Entfernung der Osteosyntheseschrauben.

Eine endodontische Therapie des 47 wurde daher nicht empfohlen.

 

 

Freitag Abend „Youtube Music“ Episode 1

Ich mag den Freitag abend.
Fernsehen schaue ich so gut wie nicht mehr.
Aber voller Freude hänge ich freitags abends bis tief in die Nacht hinein vor dem Bildschirm meines Computers und schaue Musik- Videos bei Youtube.

Das Tolle daran.
Die Vorschläge für andere Videos, die einem fortwährend gemacht werden.
Es entsteht ein spannender Streifzug durch viele Genres der Musikgeschichte der letzten rund 200 Jahre. Und man entdeckt Neues, vollkommen Unbekanntes von teils herausragender Wertigkeit und Qualität.

Das Leben besteht selbst für mich nicht nur aus Zahnmedizin.
Und der Freitagabend ist ein Auftakt in eine zumindest bis Sonntagabend sich angenehm auftuende temporäre Welt des „Zahnlosen“.

Jeden Freitag abend nun möchte ich an dieser Stelle daher einen – aus meiner Sicht besonderen –  musikalischen Einstieg ins Wochenende präsentieren.
Selbstverständlich stark subjektiv. Aber vielleicht kann ich dennoch einigen hier eine Freude machen, zumindest aber den Künstlern Respekt zollen und meinen Dank erweisen.

Beginnen möchte ich den musikalischen Reigen mit einer Band russischer Musiker, die sich der Musik der 70er und 80er Jahre verschrieben hat.  Aus einer Laune heraus anläßlich eines Geburtstages entstanden, ist ein ernsthaftes Musikprojekt auf höchstem Niveau entstanden. Sie nennen sich Leonid & Friends und covern die Hits hauptsächlich der Gruppe Chicago. Neuerdings sind Lieder von Earth, Wind and Fire und Blood, Sweat & Tears dazugekommen. Allesamt Bands, die sich durch massive und ausgefeilte Blechbläsersätze in ihren Arrangements auszeichnen. Und dem Jazz nahestehen. Die 70er und 80er waren die große Zeit des Fusion und Cross Over, einer Vermischung von Jazz, Rock und Pop. Und ja, selbst Earth, Wind and Fire, DIE Giganten der tanzbaren Black Music gehören dazu, spielte ihr musikalisches Mastermind Maurice White doch zu Beginn seiner Karriere im Jazz Trio des Pianisten Ramsey Lewis Schlagzeug.

Noch ein Wort zum Satz „Sie covern Hits“.
Covern ist das falsche Wort.
Leonid & Friends reproduzieren die Lieder ihrer Vorbilder.
Und das auf so hohem Niveau, dass die exzellente Musikalität und Aufnahmequalität des Originals (die jeweiligen Schallplatten stehen aus Jugendzeiten alle im Regal) mühelos erreicht wird. Wer Live- Aufnahmen der Originale anschaut, der wird vermutlich nach dem Studiums des Musikmaterials von Leonid & Friends sich zweifelnd fragen, ob es nicht besser wäre, beim nächsten Konzert statt dem Original die Kopie aufzusuchen. Die gehen nämlich jetzt sogar auf Tournee. In den USA. Und leisten so einen Beitrag zur Völkerverständigung, der auf politischer Ebene seinesgleichen sucht.

Viel Spaß. Ein schönes Wochenende wünsche ich.

 

Jens Spahn – Eine Personen- und Charakterbeschreibung.

Ein Portrait.
Die Person treffend beschrieben.
Mit vielen Quellenangaben, die dem Geschriebenen die in Medizinerkreisen so wichtige Evidenz geben.

Lesenswert.

Diagnose des Tages 20191004 – Unklare Beschwerden Unterkiefer Seitenzahnbereich (Teil 3)

Weiter geht es im Fall, der zunächst hier und danach hier schon initial dargelegt wurde.

Das angefertigte kleinvolumige DVT von regio 36 37 zeigt entgegen der Vermutung der Patientin einen apikal unauffälligen Befund an Zahn 37. Zahn 36 zeigt an einer einzigen Stelle an der distalen Wurzel eine minimale Aufhellung, wobei nicht klar ist, ob diese nicht lediglich einer an dieser Stelle positionierten trabekulären Struktur geschuldet ist. Es gibt (unsere Endo ist über 10 Jahre alt) kein DVT, das man zum Vergleich heranziehen könnte. Das konventionelle 2D Röntgenbild – der Zahnfilm regio 35 bis 37 – ist wie schon erwähnt vollkommen unauffällig.

Und Zahn 36 ?
Tomas Kupec schrieb: „Die distale Wurzel von 36 würde ich nicht unbedingt als radiologisch völlig unauffällig bezeichnen.“

Der angefertigte Screenshot der Apikalregion von Zahn 36 ist insofern ein wenig irreführend, weil die von mir gewählte und hier abgebildete Stelle den „schlimmsten“ Befund wiedergibt. Nur einen Millimeter weiter ist der die distale Wurzel umgebende Knochen absolut einwandfrei. Ein grundsätzliches Problem solcher Screenshots, geben sie doch ein dreidimensionales Geschehen auf einen zweidimensionalen Raum (konkret einen Schnitt mit einer Schichtdicke von 80 Mikrometern) reduziert wieder und stellen gewissermaßen nur eine „Momentaufnahme“ des Durchwanderns der DVT Befunde dar.

Einen besseren Eindruck liefert vermutlich dieses nachfolgende Video, wenngleich der WordPress- Upload mit einer starken Datenkompression einhergeht, der die Bildqualität des Videomaterials stark reduziert. (Immerhin: wenn man „HD enabled“ in der Menueleiste unten einschaltet, ist die Videoqualität etwas besser).

Halten wir fest, es gibt keine Hinweise auf eine endodontische Schmerzursache im Bereich des linken Untekieferseitenzahnbereichs.

Daher jetzt ein paar Worte zur klinischen Anamnese. 35 vipr positiv, Klopftest 35 , 36, 37 negativ. Dabei hatte die Patientin angegeben, dass Sie Schmerzen beim Beissen und zeitweise starke spontane Schmerzen (Schmerzskala 8 (von 10)). Die Patientin ist mit eigenem Geschäft selbstständig, eine Frau, die im beruflichen Alltag sprichwörtlich ihren Mann steht. Keineswegs wehleidig und zeitlich eher knapp aufgestellt. Langeweile als Triebfeder des Zahnarztbesuches kann daher höchstwahrscheinlich ausgeschlossen werden. Wir dürfen also davon ausgehen, dass die ihr auferlegten Beschwerden wirklich sehr belastend sind. Und keineswegs mit einem Zahn 37, ja, auch nicht mit der fraglichen Knochensituation an der distalen Wurzel von Zahn 36 in Verbindung stehen.

Unser DVT, ein Morita X800, stellt in bei den kleinsten hoch auflösenden Volumina ein sogeanntes Scout-OPG zur Verfügung. Diese Scout- Orthopantomogramme liefern gegenüber normalen OPG´s deutlich geringerer Strahlenbelastung eine Bildqualität, die, analogen OPG´s weit überlegen, eine weitergehende Diagnostik ermöglicht. Und es zeigt sich nun der Zahn 27. Vor einiger Zeit alio loco wurzelkanalbehandelt, gab der Zahn auch postendodontisch keine absolute Ruhe, weshalb eine einzige Zeit später noch eine Wurzelspitzenresektion durchgeführt wurde.

Im angefertigten Zahnfilm stellt sich Zahn 27 wie folgt dar.

Und gibt damit immerhin schon mal einen Hinweis, womit die geschilderte Schmerzproblematik in Zusammenhang stehen sollte. 

In der nächsten Folge gibt es die Auflösung.
Wer nicht so lange warten kann, darf gerne seine Mutmaßungen via Kommentar- Funktion preisgeben.

Seltenere Anomalie (II)

Von Bonald Decker

 

Letzte Woche habe ich hier begonnen über den klinischen Fall eines Dens invaginatus zu berichten.

Die erste Schmerzbehandlung erfolgte in der Zuweiserpraxis.

Dens invaginatus_Lilly.001 Kopie

Initial wurde der Zahn dort trepaniert und nach NaOCl-Spülung mit einer Ledermix-Einlage versorgt. Der provisorische Verschluss erfolgte mit Cavit.

Aufgrund der klinischen Untersuchung und der gewonnenen 3D-Röntgen-Informationen war von uns folgendes weiteres Vorgehen geplant:

  • 1. Termin:
    • (Möglichst) vollständige Entfernung der Invagination mittels Rosenbohren (und ggf. Ultraschallansätzen)
    • chemo-mechanisches Debridement (NaOCl und EDTA + Schallaktivierung ) unter weiterer Zuhilfenahme des XP-Finishers.
    • Medikamentöse Einlage Ca(OH)2 und provisorischer Verschluss

Geplante Zeitdauer: 1h

  • 2.Termin:
    • Anästhesie
    • Absolute Trockenlegung mittels Kofferdam und temporärer adhäsive Fixation der Kofferdamklammer an Zahn 12.
    • weiteres chemo-mechanisches Debridement
    • Verschluss des weit offenen Formamen apicale (laut DVT Messung > ISO 60) mittels MTA
    • intraoperative radiologische Kontrolle der korrekten MTA Position sowie der Invaginationsentfernung auf Vollständigkeit (ggf. weitere Korrekturen)
    • Backfill mit Guttapercha & Sealer
    • Verschluss der Zugangskavität mit Komposit

Geplante Zeitdauer: 1h

Hier die entsprechenden Schritte in Bildern:

Dens invaginatus_Lilly.002

Bei der ersten Kontrolle des MTA Verschlusses zeigten sich weiterhin unzureichend entfernte Anteile der Invagination. Diese wurden daraufhin mittels rotierender und diamantierter Ultraschall-Instrumente entfernt.

Das nachfolgende Abschlussbild zeigt die Situation nach weiterer MTA-Applikation und Backfill mittels Guttapercha & Sealer.

Das grosse Lumen der vormaligen Invagination wurde inkrementweise mittels Komposit aufgefüllt. Dens invaginatus_Lilly.003

Die Nachkontrolle in sechs Monaten muss zeigen, ob die Therapie eine Heilung der apikalen Pathologie bewirkt. Spätestens dann ist eine ästhetische „Korrektur“ der zapfenartigen Kronenform geplant…

 

ich werde weiter berichten…

Fragment (2)

Bei dem Instrument handelt es sich nach meiner Meinung um einen System A Kompaktor (Pac-Mac) oder Mc Spadden Kondensor.

Die Entfernung desselben gelang weder in der Kanülen-, noch in der Schlaufentechnik mit Rotation der Kanüle, bzw. Zug mit der Schlaufe.  Das Instrumentenfragment brach auf jede Zug- und Drehkraftanwendung sofort ab. Die Instrumente brachen auch bei den hohen Drehzahlen in der Anwendung dieser WF Technik öfters. Im Röntgenbild war das nicht oftmals nicht zu erkennen 😉

Nur durch Substtanzopferung und dem damit verbundenen Freilegen des Fragmentes gelang das Herausdrehen.

Nach der Entfernung, Aufbereitung und Reinigung des Kanalsystems wurde der Neoapex mit ProRoot MTA weiß verschlossen. Danach erfolgte die Wurzelfüllung und der weitere afhäsive prothetische Aufbau.

Der Versuch der Kronenerhaltung als LZP und das Herausschälen des Schrubenaufbaus war zunächst erfolgreich. Bei den Fragmentntfernungsversuchen wurde jedoch die Krone so gelockert, daß sie entfernt werden musste.

Im Nachhinerin muss ich resümieren, daß ich ein Pacmac -Fragment noch nie entfernt habe. Die Entfernung gelang durch leicht wechselnde Rotationkrafteinwirkung und Freilegen des Fragmentes. Die Drehrichtung spielte keine Rolle. Die periapikale Ossifizierung um das Fragment spielte wahrscheinlich auch keine Rolle, da dies dort nicht  bei der Entfernung brach.

Laut Überweiser wurde in der Praxis früher alle Frontzähne mit diesen Instrumenten aufbereitet und NICHT in der System A Technik gefüllt, sondern in einer 1Stift – Technik.

Da um das Fragment herum keine Guttapercha war ist es wahrscheinlich bei der falschen Anwedungstechnik frakturiert.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

 

Diagnose des Tages 20191004 – Unklare Beschwerden Unterkiefer Seitenzahnbereich (Teil 2)

Zur Abklärung der Schmerzursache in diesem klinischen Fall wird ein DVT angefertigt . Das DVT zeigt vollkommen unauffällige Befunde, sowohl den Zahn 36 als auch den Zahn 37 betreffend.

Hier ein paar Screenshots der Apikalregion von Zahn 37.

Zahn 37 ist apikal vollkommen unauffällig.

Die mesiale Wurzel von Zahn 37 ist apikal vollkommen unauffällig.

Die distale Wurzel von Zahn 37 ist apikal vollkommen unauffällig.
Mindestens genau so wichtig. Die ausführliche Befragung, die Schmerzsymptomatik betreffend. Sie liefert, wie so oft, entscheidende Hinweise, die wahre Schmerzursache betreffend. „Es passt nicht zusammen“, das ist ein Satz, der sich mit Sicherheit in keiner Metaanalyse endodontischer Literatur jemals finden wird, der aber den Sachverhalt in diesem Falle gut wiedergibt.

Was wären die nächsten sinnvollen Schritte ?
Wer wissen will, wie es weitergeht, nutzt die Kommentar-Funktion für Therapievorschläge.

X-Bein- mit Überlegung zum Erfolg

von Jörg Schröder

Tiefe Aufgabelungen in der mesialen Wurzel oberer Molaren können mitunter schwierig zu instrumentieren sein. Insbesondere dann, wenn es im mittleren Kanaldrittel und nach einer nach distal verlaufenden Krümmung eine erneute Aufgabelung gibt.

Erfolgt die Aufgabelung im Übergang oberes zu mittlerem Wurzeldrittel so kann diese häufig nach gezieltem Abtrag kleinster Mengen von Zahnhartsubstanz (z.B. mit U-Files oder Endosonore-Feilen) visualisiert werden.

In vorliegendem Fall (Erstbehandlung alio loco bei irreversibler Pulpitis)  lag die Aufgabelung so tief und war so gestaltet, dass ein in MB2 eingebrachtes Instrument in den apikalen Teil des MB1 hineinrutschen könnte und dasselbe mit einem in MB1 eingebrachten Instrument im MB2 passieren könnte. Nun wird es sicher den Einwand geben, dass es mit einer großen Menge vorgebogener Handinstrumente gelingen würde, die apikalen Anteile der Aufgabelung getrennt zu bearbeiten. Das trifft sicher zu.

In Zeiten maschineller Gleitpfadpräparation kann aber auch über eine entsprechende vollrotierende Vorgehensweise nachgedacht werden. Das präoperativ angefertigte DVT ist dabei sehr hilfreich, lassen sich doch im Vorfeld die aufzubereitenden Strukturen in der Länge sehr exakt bestimmen.

Zunächst wurden die mesialen Kanalsysteme mittels Munce-Burs von Dentinüberhängen befreit. Das MB2-Kanalsystem entsprang einer kleinen schlitzförmigen feinen Rinne, die sich von MB1 nach palatinal hin zog. Die initiale maschinelle Erweiterung endete zunächst auf Höhe der Konflaution beider Kanäle im mittleren Wurzeldrittel. Dann wurde, im Gegensatz zum üblichen Vorgehen, der MB1 koronal nicht nach bukkal (rote Linie), sondern nach palatinal hin (grüne Linie) erweitert. Dafür eignen sich Instrumente wie die M2 15/05 oder 20/06 in bürstender Arbeitsweise. In gleicher Weise erfolgte die koronale Erweiterung des MB2. Auch hier kennzeichet die rote Linie die übliche Angulation des Kanaleinganges und die grüne die in diesem Fall sinnvolle.

Ziel war es, die rotierenden Instrumente so auf die apikale Aufteilung zulaufen zu lassen, dass sie von palatinal kommend, das MB1-System und von bukkal kommend das MB2-System erreichen.

Die angefertigte Messaufnahme zeigt die erfolgreiche Instrumentierung. Nachdem ein ausreichender Gleitpfad etabliert war, liessen sich die mesialen Kanalsystem problemlos erweitern. In diesem Fall wurden, auch aufgrund des s-förmigen Verlaufes des DB, Hyflex-Instrumente eingesetzt.

Nach schall-, ultraschall- und laserunterstützter Irrigation erfolgte die Obturation in warmer vertikaler Kompaktion. Der Sealer-Puff über dem palatinalen Kanal hätte aus meiner Sicht ein wenig kleiner ausfallen können, ansonsten zeigt der Fall schön, wie die präoperative dreidimensionale Diagnostik zur Entwicklung einer erfolgreichen Behandlungstaktik genutzt werden kann.

Diagnose des Tages 20191004 Starke Schmerzen Unterkiefer Seitenzahnbereich Teil 1

Die 54 jährige Patientin sucht die Praxis auf wegen unklarer Beschwerden im Unterkieferseitenzahnbereich. Zahn 36 und Zahn 37 sind überkront und Zustand nach WK/WF alio loco und dann später WF – Revision in unserer Praxis vor mehr als 10 Jahren. Zahn 35 trägt eine bereits längere Zeit vorhandene Füllung. Die Patientin vermutet Zahn 37 als Schmerzauslöser.

Der Sensibilitätstest mittels Kältespray an Zahn 35 ist eindeutig positiv. Der Klopftest an den Zähnen 35 36 37 negativ, die parodontale Untersuchten an den Zähnen zeigt keine Auffälligkeiten. Beigefügt findet sich der zur Diagnostik angefertigte Zahnfilm mit der Frage an die interessierte Kollegenschaft, wie sinnvollerweise weiter verfahren werden sollte.

Bitte nutzen Sie die Kommentar-Funktion zur Erörterung der Situation und für therapeutische Vorschläge in der Sache.

Seltenere Anomalie (I)

Von Bonald Decker

Als Wiedereinstieg ins Blogger-Leben habe ich mir nachfolgenden Fall ausgesucht.

Eine bei uns nicht so häufig vorkommende Anomalie des Dens invaginatus (Typ II  nach Oehlers).

Dens invaginatus_Lilly.001

 

Diese klinische relevante Anomalie entsteht durch eine unterschiedlich ausgeprägte Invagination des Schmelzorgans während der Zahnentwicklung. Die Prävalenz wird in der Literatur mit 2–3% angegeben und betrifft, wie im vorliegenden Fall, zumeist obere seitliche Schneidezähne. Klinisch imponiert häufig eine ungewöhnliche Kronenform.

Das von uns angefertigte DVT verdeutlicht die seltenere Anomalie.

 

Im zweiten Teil dieses Beitrags erläutere ich unser klinisches Vorgehen mit den entsprechenden Arbeitsschritten…

bis dahin empfehle ich dem interessierten Leser noch diesen Artikel zur Vertiefung der Thematik.

Fragment (1)

Die Patientin wurde uns von ihrem Hauszahnarzt überwiesen. Dieser hatte die Praxis vor kurzem übernommen. Die Patientin stellte sich mit erheblichen Beschwerden vor. Klinisch zeigte sich ein suffiziente Kronenversorgung und eine Fistel, die bereits längere Zeit besteht. Der Zahn 12 zeigt keinen Lockerungsgrad, zirkulär leicht erhöhte Sondierungstiefen zw. 3-4mm und labial einen Palpationsschmerz im mittleren Wurzeldrittel.

Diagnose: 12 Z.n. WKB, P. apicalis mit Instrumentenfraktur

Das ihr verordnete Antibiotikum hatte zum Vorstellungstermin die Beschwerden und die damit einhergehende Schwellung im Sinne eines Abszeßes fast vollständig reduziert.

Anbei unser Ausgangsröntgenbild und eine Fisteldarstellung aus der Überweiserpraxis.

Laut Patientin wurde der Zahn im Jahre 2000 +-5 Jahre zuletzt endodontisch behandelt. Ihr war nicht bekannt, daß ein Instrumentenfragment in ihrem Zahn verblieben ist.

Was für ein Instrument könnte das sein?
Für die orthograde Entfernung des Fragmentes ist diese Frage sehr wichtig.