Vor Kurzem habe ich hier über die Geschichte vom Alissa berichtet.
Aufgrund der infektionsbedingten externen Wurzelresorption distal und der lateralen Aufhellung haben wir uns für eine endodontische Therapie des Zahnes 21 entschieden.
Intrakoronal bestätigte sich der „Verdacht“der Pulpanekrose. Der vormals wiederholt durchgeführte Sensibilitätstest war in diesem Fall falsch-positiv.
Vier Wochen nach dem ersten Behandlungstermin war die Fistel verheilt und wir konnten das Kanalsystem mittels MTA und Guttapercha/Sealer Backfill füllen.
Kontrolle des MTA plugs nach ApplikationAbschlussaufnahme nach MTA-Apexifikaiton
Wie letztens besprochen anbei einige Bilder aus Behandlungen, die wir mit der oben genannten Hardware an unserem Zeiss Pro Ergo Mikroskop angefertigt haben.
Die Fotos werden mit einer Belichtungszeit 1/250 und ISO 800 aufgenommen. Es hat sich als hilfreich erwiesen, die 5fache Vergrößerung im Liveview einzustellen. Das Auslösen erfolgt durch die Assistenz mit einem Fernauslöser.
Der Bereich, der scharf zu sehen ist, ist in diesem Setup u.a. sensorbedingt deutlich geringer als bei Jörg Schröders Coolpix Variante.
Es ist etwas Übung notwendig, bevor die Aufnahmen gelingen.
Wir verwenden die Röderspiegel HR Front für Behandlung und Fotografie.
Die Beispielbilder sind out of the box von Behandlungsfällen der letzten Arbeitstage.
Das war hier die Frage, die es nun zu beantworten gilt: Und die Antwort lautet A. Die eingestellte Blende ist unveränderlich (da gar nicht vorhanden), die Kamera misst die optimale Belichtung und passt die Belichtungszeit daran an.
Und da wir das nun schnell und unkompliziert klären konnten, wenden wir uns gleich der nächsten wichtigen Einstellung zu.
Welche ISO – Einstellung sollten wir vornehmen ?
Die Antwort ist abhängig von der verwendeten Kamera. Was man wissen muss – bei digitalen Kameras gibt es eine Grundempfindlichkeit, meist ISO 100 oder ISO 200. Sind die Lichtverhältnisse nicht ausreichend, kommen höhere ISO – Empfindlichkeiten zur Anwendung. Im Gegensatz zur analogen Kamera, bei der Filme mit unterschiedlichen Lichtsensibilitäten zum Einsatz kommen, wird bei den digitalen Kameras das Grundsignal einfach nur verstärkt. Man kann sich dies in etwa so vorstellen wie bei einer Musikanlage, an die eine leise und eine laute Musikquelle angeschlossen werden. Bei der lauten Musikquelle muss das Eingangssignal nur ganz gering verstärkt werden. Da jeder Verstärker dem Originalsignal ein gewisses Maß an Rauschen hinzufügt, bedeutet eine geringe Verstärkung ein guter Klang bei nur sehr geringem Rauschen. Das leise Eingangssignal hingegen muss stark verstärkt werden. Das produziert ein starkes Rauschen, welches das Hörerlebnis beeinträchtigt.
Bei den Kameras ist es in der Regel so, dass es eine bestimmte ISO – Grenze gibt, aber der die Bildqualität überproportional schlechter, weil erkennbar verrauscht ist. Wo diese Grenze liegt, ist von Kamera zu Kamera individuell unterschiedlich und von verschiedenen Faktoren abhängig. Im Zweifelsfalle einmal die entsprechenden Kameraforen und Testberichte im Netz durchforsten.
Idealerweise können sie bei ihrer Kamera Unter- und Obergrenzen angeben, die ISO – Einstellung betreffend. Bei meiner LEICA M 10 zum Beispiel habe ich einen ISO Bereich von ISO 100 – ISO 2500 eingestellt. Ausserdem kann ich bei dieser Kamera die längste Belichtungszeit angeben, die ich nutzen möchte, ich habe eine 1/60 Sekunde voreingestellt. Der Algorithmus der Kamera ist dann wie folgt: Solange die Lichtverhältnisse es zulassen, wird mit ISO 100 gearbeitet und bei zunehmender Dunkelheit die Belichtungszeit erhöht bis zur Grenze von 1/60 Sekunde. Sollte diese Belichtungszeit nicht ausreichen, wird nun sukzessiv die ISO – Zahl erhöht bis zum Grenzwert von ISO 2500. Sind die Lichtverhältnisse noch ungünstiger, ändert sich nichts mehr an den Kamerawerten, das Foto wird nun zunehmend dunkler, weil unterbelichtet.
Und was sollte man tun, wenn die Voreinstellungen der Kamera keine Ober – und Untergrenzen sondern nur einen festgelegten Wert zulassen ?
Dann macht es Sinn, einen möglichst hohen ISO-Wert festzulegen, der noch wenig Rauschen zulässt. Bei meinen Sony Alpha 6500 und Alpha 6400-Kameras ist es der Wert ISO 800. Bis zu diesem Wert ist Rauschen im Bild nicht sichtbar, erlaubt aber gegenüber der ISO 100 Standard-Einstellung eine 8 fach kürzere Belichtungszeit oder anders rum eine 8 mal höhere Lichtausbeute.
Ein betrüblicher Klassiker: die endodontische Erstbehandlung an einem Zahn 21 schlägt fehl. Als letzte Möglichkeit den Zahn zu erhalten, wird sofort chirurgisch interveniert.
Ob sich jemand vor dem Eingriff wohl die Frage gestellt hatte, warum die Erstbehandlung fehlschlug? Ein einfaches Einzelbild und die Anamnese hätten zur Erhellung beigetragen. Die Wurzelfüllung ist alles andere als homogen. Die mittlerweile 30 jährige Patientin erlitt im Alter von 9 Jahren eine Frontzahntrauma in dessen Folge die endodontische Erstbehandlung erfolgte.
Das weite Kanallumen wurde, wie die klinischen Bilder zeigen, mit mehr als 15 verschiedenen Guttaperchastangen im Sinne einer kalten lateralen Kompaktion gefüllt. Vor 2o Jahren mitunter noch das Vorgehen der Wahl. Das Verhältnis Sealer zu Guttapercha betrug in etwa 1:1 mit kleinen Vorteilen für den Sealer.
Ungefähr 8 Jahre nach der Erstbehandlung traten erste klinische Symptome in Form rezidivierender Fistelungen auf, sodass eine Resektion der Wurzelspitze empfohlen und durchgeführt wurde. Ein retrograder Verschluss erfolgte, wies jedoch stark unterschiedliche Materialstärken auf. Nach einer weiteren Dekade traten erneut Beschwerden an Zahn 21 auf.
Radiologisch imponiert an der dünnsten Stelle der retrograden Wurzelfüllung eine distolabial gelegene Aufhellung.
Die vorhandenen Obturationsmassen waren deutlich sichtbar kontaminiert. Nach ultraschallunterstützter Entfernung derselben (ET 25 Ansatz im mit NaOCl gefluteten Kanal) konnte die retrograde Wurzelfüllung visualisiert werden.
Bei der Entfernung des retrograden Verschlusses gab das DVT wertvolle Hinweise. Die apikale Lyse war labil stärker als palatinal ausgeprägt. Die dünnste Stelle des Verschlusses lag ebenfalls eher labial. Mittels Endosonorefeile wurde daher zunächst der retrograde Verschluss im labilen Querschnittsdrittel entfernt und die gelösten Zementfragmente durch intensives Spülen entfernt. Ich achte darauf, möglichst größere Teile herauszulösen, da diese besser herausgespült oder mittels Micropener bzw. Microdebrider an der Kanalwand hoch gerollt werden können. Nachdem etwa die hälfte der retrograden Füllung entfernt war, habe ich die verbleibende Masse in der Mitte in oro-vestibulärer Richtung getrennt.
Aus DVT war ausserdem ersichtlich, dass ein Teil der retrograden Füllung (mesial und etwas palatinal gelegen) nicht direkt einsehbar sein würde. Das intraoperativ angefertigte Einzelbild (wichtig um eventuell vagabundierende Partikel zu erkennen) zeigt dies deutlich.
Um die Lage dieses Restes zu ermitteln bediene ich mich der optischen Eigenschaften der klaren Spüllösung. Ich flute den Kanal und reduziere das Flüssigkeitsniveau mittels Mikroabsaugung bis der Pegel etwas oberhalb des retrograden Füllungsmaterials steht. Dabei wirkt die Spüllösung aufgrund ihrer Oberflächenspannung wie ein gekrümmter Spiegel, sodass ich den hellen Zement deutlich an der palatinalen Wand der retrograden Präparation erkennen kann. Anschliessend wird die Streckenlänge von der Kanalsenkrechten bis zur Rückwand im DVT ermittelt und eine Endosonore-Feile so vorgebogen, dass diese „No-Look“ bis an die palatinale Kanalwand geführt werden kann. Dabei muss der Anteil nach der Krümmung so groß sein, dass die Wand des Kanals sicher erreicht werden kann und die Feile nicht an der senkrechten Kanalwand gedämpft wird.
Nun wird der Kanal trocken gesaugt, die vorgebogene Endosonore-Feile auf Kontakt (mit dem Rest der retrograden Füllung) gebracht und kurz aktiviert. Nach 2-3 kurzen Impulsen zeigte sich die halbierte retrograde Füllung im Sichtfenster und konnte anschliessend problemlos heraus gespült werden.
Das kollagene Widerlager anzulegen war aufgrund der schrägen Resektionsfläche ein wenig kniffelig, scheint aber, wie das Kontrollbild zeigt, gut gelungen zu sein. Die Obturation des Kanals wurde mit grauem MTA Angelus durchgeführt. Der Zahn wurde zur Aufhellung bei der überweisenden Kollegin vorbereitet ( tiefe adhäsiver Abdeckung der Obturationsmasse) und abschliessend temporär, mit der Möglichkeit zum einfachen Reentry, verschlossen.
Sorry für den späten Beitrag. Aber nach dem Drucker Gau kam der WordPresseditor Gau. Es wurde mal wieder etwas geändert und das gewohnte Layout war weg und damit der Workflow zerstört. Einen alten Mann, wei mich werfen derartige aprupte Dinge nicht um, machen mich aber sehr verdrießlich.
Nun hat mir ein WordPressmitarbeiter geholfen und ich habe ihm sofort eine Liebeserklärung gemacht. :))) Nun zum Beitrag.
Nach dem wir letztens über die Fotografie am Mikroskop gesprochen haben und verschiedenste Setups besprochen haben, möchte ich noch mein Setup vorstellen.
Nach vielen Versuchen habe ich mich mit dieser Variante angefreundet. Der Aufbau besteht aus dem Strahlenteiler 50:50, dem Zeiss Fotoadapter SLR f340 und der Canon D550
Diesen Aufbau habe ich schon seit einigen Jahren im Betrieb. Zusätzlich habe ich mir einen Fokusmonitor auf die Kamera (Blitzschuh) installiert um besser fokussieren zu können: FeelWorld Master MA6P Kamera Monitor 5,5 Zoll
Die Kameraeisntellung ist auf ISO 800 und einer Belichtungszeit von 1/250 eingestellt. Bewegungen kann man damit halbwegs abfangen. Die Spiegelauslösung bereitet keine Probleme. Der f340 Adapter lässt keine Einstellungen zu und war unter all meinen Fotoadaptern von Carr – Kaps der problemlossest zu händelnde und hat eine sehr gute Abbildungsqualität.
Heating stability, physical and chemical analysis of calcium silicate‐based endodontic sealers T. B. M. Antunes A. C. P. Janini L. E. Pelepenko G. F. Abuna E. M. Paiva … First published: 12 February 2021 https://doi.org/10.1111/iej.13496
Abstract Aim
To evaluate possible modifications in root canal sealers subjected to a variety of heating conditions using vibrational spectroscopy and analysis of physical and chemical properties.
Methodology
EndoSequence BC Sealer HiFlow, Bio‐C Sealer, BioRoot RCS and AH Plus were analysed chemically using Raman spectroscopy (25–220 °C) and Fourier‐transform infrared spectroscopy (FT‐IR) (37–100 °C ). For FT‐IR, the materials were tested individually and mixed with root dentine powder. Scanning electron microscopy (SEM) and coupled energy dispersive spectroscopy (EDS) were used to evaluate surface and chemical elements. ISO 6876‐2012 and ASTM‐C266‐07 specifications were followed to evaluate flow, setting time (moist and dry), solubility and radiopacity. Also, pH analysis at 37 and 100 °C was performed. Shapiro–Wilk and Mixed ANOVA (within and between the effects of the subjects), Levene, and a post hoc analyses with Bonferroni correction were performed (P < 0.05).
Results
Vibrational spectroscopy revealed peaks of tricalcium silicate, dicalcium silicate and zirconium dioxide. Chemical changes in the Raman spectra during heating were discrete, as the inorganic content predominated the signalling for all root canal sealers. FT‐IR analysis exhibited spectral changes in water absorption for EndoSequence BC Sealer HiFlow and Bio‐C Sealer, probably related to dehydration. For BioRoot RCS and AH Plus, no significant chemical changes were observed. Bio‐C Sealer exhibited a band of polyethylene glycol only after heating to 100 °C, probably related to its thermal decomposition. SEM/EDS analysis corroborated the composition results observed in vibrational spectroscopy for all materials. Heating to 100 °C significantly changed the flowability of all calcium silicate‐based sealers with a wide variation in setting times at both temperatures, along with solubility levels above ISO standards. For all tested sealers, radiopacity fulfilled the requirements, and pH exhibited alkaline values.
Conclusions
The tested calcium silicate‐based sealers were affected by heating. Calcium silicate‐based root canal sealers had high solubility which is a concern for their clinical use. AH Plus was the only root canal sealer that was stable after heating.
Windows 10 stürzt mit einem Smiley ungeplant ab. An jedem Rechner in der Praxis.
Immer, wenn wir etwas drucken wollen, oder besser gesagt müssen.
Dann erschient dieses Bild.
Wir haben oft Zeitdruck in der Praxis. Der „IT Mensch“ ist nicht erreichbar, sein Telefon ist ständig besetzt.
Deshalb wird zwischen zwei Patienten eine kurze Googlesuche gestartet. Aha, auf einer Seite haben wir die Ursache gefunden.
Microsoft Updates KB5000802 und KB5000808 werden als Schuldige benannt, wenn man einen Kyoceradrucker benutzt..
Hilfe: Update deinstallieren und neu starten. Zeitaufwand ca. 15-20 Minuten, an jedem Computer.
Wir haben in der Medizin enge Taktzeiten, es ist nahezu unmöglich auf rein „Kasse“ wirtschaftlich, bei sehr guter Qualität zu arbeiten. Um eine Zahnmedizin über dem ausreichenden, wirtschalftlich und medizinisch Notwendigem zu erbringen, muss man den Patienten beraten und dann HKP`s in doppelter Ausführung aushändigen, bzw. unterschreiben lassen. Juristisch genau, darf das nicht am selben Behandlungstag sein und es muß in Schriftform vorhanden sein. Deshalb muss man das dem Patienten in Schriftform mitgeben.
Und dann können wir nicht mehr drucken. Ursache – das Windows10 Update.
Laut IT – Sicherheitsrichtlinie der KZBV müssen die aktuellsten Updates eingelesen sein.
Ach ja, und da wir die automatische Updatefunktion haben, ist heute bereits wieder alles so wie am Anfang beschrieben.
Das Spiel beginnt von vorne. Wir haben eine Mitarbeiterin angelernt, automatisch die Updates wieder zu löschen.
Das gibt kaum noch Arbeitstag mehr, in dem man sich nicht irgendwo oder irgendwie veralbert fühlt in unserer neuen digital vorgegebenen Welt.
Und gestern meldete sich auch noch unser Softwarehersteller:
Sehr geehrtes Praxis-Team,
ein wichtiger Hinweis für Sie:
Nach Installation von Windows-Sicherheitsupdates auf Ihren Praxisrechnern kann es unter Umständen bei Verwendung des Blanko-Drucks im DS-Win zu Auffälligkeiten beim Druck von Formularen kommen.
Diese Auffälligkeit wird durch Versionen des Windows-Sicherheitsupdates (Win10: KB5000802 und ggf. KB5000808; Win8: KB5000848) verursacht, betrifft daher prinzipiell alle Windows-Nutzer und tritt unabhängig von Dampsoft oder dem DS-Win auf.
Wir bitten Sie in diesem Fall, sich mit Ihrem Systembetreuer in Verbindung zu setzen, um das Windows-Sicherheitsupdate gegebenenfalls zu deinstallieren oder – falls verfügbar – eine korrigierte Version des Updates zu installieren.
Bis zu einer Behebung der Auffälligkeit empfehlen wir Ihnen, ausschließlich die vorgefertigten Formulare Ihrer KZV zu bedrucken.
Weitere Informationen zu dieser Thematik finden Sie im Internet in entsprechenden fachlichen Foren.
Für Rückfragen stehen wir Ihnen telefonisch unter der Rufnummer 04352 91 71 71 oder per E-Mail an kundenservice@dampsoft.de zur Verfügung.
Was haben alle hier in Teil 1 gezeigten OPM-Fotos gemeinsam ?
Die Antwort ist so banal, dass man vermutlich gar nicht im ersten Moment drauf kommt. Hinweis gefällig ?
Das Ziel des Sommerferien-Pauschalreisenden ist es, schön und gleichmäßig gebräunt aus den Ferien zurückzukommen. Auch wenn die favorisierte Intensität der Braunfärbung im Laufe der Zeit von einem kokosnussartigen Teint zurück zu sanfteren Bronzetönen sich entwickelt hat. In meiner Jugend in den Siebzigern und frühen Achtzigern war Tiroler Nussöl (Sonnenschutzfaktor NULL) das Schwimmbad-Liegewiesen-Mittel der Wahl. Heute ist Sonnenschutzfaktor 50 allgegenwärtig.
Was hat das Ganze aber nun mit unserem Fotografie – Thema zu tun ?
Naja, über die Intensität der Bräunung kann man ja streiten, aber niemand möchte aus dem Urlaub weiß wie ein Leichentuch zurückkommen. Und auch nicht krebsrot mit Sonnenbrand und sich schälender Haut.
Die oben aufgeführten Mikroskop-Fotos zeichnen sich alle durch eine perfekte Belichtung aus. Sind nicht zu hell und nicht zu dunkel.
Ist das jetzt was Besonderes ?
Heutzutage nicht mehr. Ein Iphone oder eine moderne Fotokamera löst diese nicht ganz banale Aufgabe so souverän, dass man nie auf die Idee käme, dies als nicht selbstverständlich vorauszusetzen. In den Anfängen der Fotografie war dies noch ganz anders. Da war das Geschick und vor allem die Erfahrung des Fotografen gefragt und sogar essentiell für das Gelingen einer Aufnahme. Der zunächst Belichtungsreihen anfertigte, in dem er das lichtempfindliche Medium (beschichtete Glasplatten) unterschiedlich lange der Sonneneinstrahlung aussetzte, um ein Gespür für die Dauer der notwendigen Belichtung zu bekommen und für das eigentliche Foto dann für eine bestimmte Zeit den Schutzdeckel von dem Objektiv entfernte, innerlich einen Countdown herunterzählend, um schliesslich mit dem Zurückstecken der Linsenbedeckung den Belichtungsprozess zu beenden.
Die ersten Fotos nutzten Glas- oder Kupferplatten als Speichermedium und benötigten Belichtungszeiten von teilweise mehreren Stunden. Oscar Barnack und die Firma Leica sind als Erfinder der modernen Fotografie zu bezeichnen. Ihre LEICA Kleinbildkamera nutzte als erste einen aufgerollten Kinofilm mit einer Filmgrösse von 24*36 mm als Speichermedium.
Meine Leica I von 1930 ermöglicht Belichtungszeiten von 1/500 Sekunde. Da kein Fotograf in der Lage ist, das Abdecken der Objektivlinse in solch kurzen Zeitabständen zu realisieren, verfügen die Kameras über einen mechanischen Verschluss. Bei besagter Leica ein schwarz gefärbtes Stofftuch, dass mittels Federaufzug in Sekundenbruchteilen hin und her bewegt wird. Und noch ein elementares Bauteil moderner Fotografie muss nun erwähnt werden. Konnten zu Beginn der Fotografie nur sehr lichtunempfindliche Speichermedien genutzt werden mit entsprechend langen Belichtungszeiten so stehen schon ein paar Jahrzehnte später mit den erwähnten Silberbromiden auf Zelluloidfilm wesentlich effizientere Medien zur Verfügung und es besteht die permanente Gefahr der Überbelichtung. Wir alle kennen die Problematik aus dem täglichen Leben, wenn wir in eine helle Lichtquelle schauen. Der Blick im Sommer aus einem dunklen Raum heraus in ein helles Fenster oder der plötzlich auftauchende Autoscheinwerfer beim nächtlichem Gegenverkehr. Und genau wie das Auge mit seiner sich je nach Lichteinstrahlung vergrößernden oder verkleinernden Iris nutzt auch die Fotokamera eine ringförmige „Iris-BLENDE“, um den Lichteinfall adäquat zu dimensionieren. Durch die Iris unseres Auges sind wir in der Lage, sowohl bei Dunkelheit wie auch bei strahlendem Sonnenschein gescheit sehen zu können. Jeder, der einmal nach dem Augenarzttermin mit pupillenerweiterenden Tropfen versehen in der Welt umherstreifen musste, kann ermessen, welche wichtige Funktion der Iris zukommt und die Fotokamera bildet hier keine Ausnahme.
Der Fotograf von 1930, mein Großvater, war also Dank seiner Leica (die damals fast 2 Monatsgehälter kostete) in der Lage, mit einer handlichen Kamera (7*14*3 cm) ohne Stativ – beides damals eine Seltenheit, den Fotoapparate waren riesige Kästen auf dreibeinigen massiven Holzstativen- sich rasch bewegende Motive im Bild festzuhalten. Was die Belichtungszeit anging, war nach wie vor die Erfahrung des Fotografen gefragt. „Wenn Sonne lacht, nimm Blende 8“, solche Faustregeln gehörten zum Knipser- Einmaleins, denn erst Mitte der 1930er Jahre wurden die ersten Belichtungsmesser im Markt eingeführt, die sich das Phänomen der Änderung der Stromleitfähigkeit von Selen unter Lichteinwirkung zu nutze machen. Und es dauerte bis zum Jahr 1957 bis solche Belichtungsmesser von Herstellerseite in die Kameras eingebaut wurden.
Und damit haben wir alle notwendigen Bestandteile eines Fotoapparates beisammen:
Kameragehäuse
Objektiv
Objektivverschluss
Blende
Speichermedium (Film/Sensor)
Jetzt kann es losgehen.
Die Erstellung eines optimalen Fotoergebnisses beschreibt man in der Wechselwirkung der einzelnen Komponenten zueinander am besten mit Hilfe eines kybernetischen Wechselkreises. Kybernetik ist nach ihrem Begründer Norbert Wiener („Cybernetics or control and communication in the animal and the machine“) die Wissenschaft der Steuerung und Regelung von Maschinen und deren Analogie zur Handlungsweise von lebenden Organismen (aufgrund der Rückkopplung durch Sinnesorgane). Passt als wie die Faust aufs Auge zu unserem Thema im Bezug auf den Vergleich Auge – Fotokamera.
Definieren wir demnach ein optimal belichtetes Foto als einen Wert von 100. Die Menge der einfallenden Lichtstrahlung, die zu verschiedenen Tageszeiten naturgemäß variiiert, setzen wir für den jeweiligen Aufnahmezeitpunkt als konstant voraus. Sie produziert einen gewissen Photonenstrom, darunter versteht man die Zahl der Photonen pro Zeiteinheit. Besagter Photonenstrom bewirkt, um beim Schwarz-Weiss -Film der frühen Fotografie zu bleiben, eine entsprechende Schwarzfärbung des leichtempfindlichen Mediums.
Die Rechnung ist jetzt einfach. Photonenstrom/Sek * Belichtungszeit in Sekunden=100 (Belichtungsoptimum)
Eine Lichtquelle, die einen Photonenstrom von 100/Sek produziert benötigt eine Belichtungszeit von 1 Sekunde, eine Lichtquelle mit einem Photonenstrom von 1000/Sek benötigt nur 0,1 Sekunden, eine Lichtquelle von 10/Sek hingegen 10 Sekunden Belichtungszeit.
Die Belichtungszeit ist aber nur eine von 3 Möglichkeiten, eine optimale Belichtung zu ermöglichen. Die beiden anderen sind:
Möglichkeit 1:
Regulation der Lichtzufuhr über die Blende. Das Öffnen oder Schliessen der Blende erhöht oder verringert die Menge an Licht, das in die Kamera gelangt. Um bei unserer Analogie des Zimmers zubleiben. Die Blende der Kamera oder des Auges entspricht der Funktion eines Rolladens oder eine Jalousie vor dem Fenster. Je weiter der Rolladen geschlossen ist, um so weniger Licht gelangt in der Raum. Unsere kybernetische Formel lautet nun
Photonenstrom/Sek * Blendenwert*Belichtungszeit in Sekunden=100 (Belichtungsoptimum)
Für eine mittlere Öffnung der Blende definieren wir den Blendenwert als 1. Blenden von Fotoobjektiven haben feste und deutlich einrastende Markierungen am Objektiv, wobei die Differenz der jeweiligen benachbarten Markierungen jeweils das Doppelte des vorherigen Wertes beträgt. Ausgehend von der mittleren Blendenöffnung bewirkt die Nutzung der nächstgrößeren Blendenöffnung die Halbierung der Belichtungszeit. Umgekehrt führt die Nutzung der nächste kleineren Blendenöffnung zu einer Verdopplung der Belichtungszeit.
Noch nicht mathematisch genug ? Der Blendendurchmesser zur nächstkleineren Markierung reduziert sich jedes Mal um den Faktor 1/√2, was Öffnungsfläche und damit die Lichtmenge halbiert, so das dies mit einer Verdopplung der Belichtungszeit einhergeht. Die sogenannte Blendenzahl entspricht im Übrigen dem Quotienten von Brennweite und Blenden(kreis)durchmesser, bei einem Objektiv mit einer Brennweite von 50 mm und einer Blendenzahl 1 ist demnach der Durchmesser der Blendenöffnung 5 cm gross.
Vielleicht besser einfach an ein paar Beispielen sich verdeutlichen?
Blendenöffnung 1 (* X mm2) 100/Sek*1 *1 Sek= 100
Oder
Blendenöffnung doppelt so gross 2(*X mm2) => Halbierung der Belichtungszeit
Blendenöffnung 2
100/Sek*2 *0,5 Sekunden = 100
Oder
Blendenöffnung halb so gross = 0,5(*X mm2) => Verdopplung der Belichtungszeit
100/Sek*0,5*2 Sekunden = 100
Möglichkeit 2
Verwendung eines höherempfindlichen Filmes. Die sogenannte ISO Zahl ist ein Wert, der angibt, welche Lichtempfindlichkeit ein Film aufweist. Am meisten genutzt wurden früher ISO 100 – Filme. Es gilt auch hier die Faustregel, dass mit einer Verdopplung der ISO Zahl eine Verdopplung der Belichtungszeit einhergeht. In unsere Kybernetik- Gleichung geht daher die ISO Zahl wie folgt ein.
Photonenstrom/Sek * Blendenwert*Belichtungszeit in Sekunden*100/ISO-Zahl=100 (Belichtungsoptimum)
Nachdem wir nun alle Parameter definiert haben, können wir nun an Hand der Formel uns anschauen, wie die einzelnen Faktoren auf das Gesamtergebnis Einfluss haben.
So kompliziert die Formel auf den ersten Blick erscheinen mag, so einfach ist letztendlich das Procedere in der Praxis. Moderne Kameras und die Smartphones berechnen nämlich automatisch an Hand entsprechender Algorithmen das bestmögliche Ergebnis und passt entsprechend Blendenöffnung, Belichtungszeit und ISO – Filmempfindlichkeit (gibt es auch bei digitalen Kameras) aufeinander an. Bestimmte Kameras verfügen sogar über Beispielfotos in Musterbibliotheken, mit denen das jeweilige Foto abgeglichen wird. Die Kamera erkennt so den fotografierten Schneemann in der Winterlandschaft oder die Rummelplatzkulisse bei Nacht und passt die Kameraeinstellungen an die jeweilige Situation an. Für den Hobbyfotografen macht es demnach viel Sinn, den Fähigkeiten der Kamera zu vertrauen. Und den Programmwahlschalter auf der Stellung P (für Programmautomatik) zu lassen. Was für ein Fortschritt zur Leica meines Großvaters. Der die Belichtungsverhältnisse abschätzen musste und alle Einstellungen an der Kamera von Hand vornehmen musste.
Und genau in diese Vorzeiten der Fotografie begeben wir uns zurück, wenn es um die Mikroskopfotografie geht. Hier hilft uns nämlich die „Einfach nur Draufdrücken“ – Variante P gar nichts mehr, im Gegenteil wäre vollkommen verkehrt.
Deshalb müssen wir uns die anderen Wahlmöglichkeiten anschauen, die uns eine moderne Kamera als Optionen zur Verfügung stellt.
M – rein manuelle Einstellung von Blende und Belichtungszeit
A – bedeutet Aperture Priority – Der Fotograf bestimmt die Blende (Aperture im Englischen), die Kamera wählt automatisch die für eine optimales Belichtungsergebnis benötigte Belichtungszeit aus.
T – bedeutet Time Priority – Der Fotograf bestimmt die Belichtungszeit, die Kamera wählt automatisch die für eine optimales Belichtungsergebnis benötigte Blende aus.
Letzeres – also T geht am Mikroskop genauso wenig wie die Programmautomatik P. Weil nämlich (zumindest bei den heute am Mikroskop zum Einsatz kommenden Kameras) unser „AufnahmeSystem“ kein Objektiv nutzt, demnach auch keine von der Kameraautomatik einzustellende Blende vorhanden ist und damit auch nicht eingestellt werden kann.
In der nächsten Folge dieser Reihe geht es daher dann um die Frage, ob M oder A …
Dieser Dens invaginatus war ein Zufallsbefund am Abschluss !!! der kieferorthopädischen Behandlung. Beide seitlichen Schneidezähne waren mikrodont und wurden kieferorthopädisch so positioniert, dass eine nachfolgende Verbreiterung mittels keramischer Verblendschalen möglich wird.
Nach Ablösen der Brackets stellte sich die junge Patientin bei der überweisenden Kollegin vor, die nachfolgendes klinisches Bild erstellte. Beschwerden oder Symptome gab es zu keiner Zeit. Nur die Dunkelverfärbung warf Fragen auf.
Die klinische Untersuchung zeigte ausser der Verfärbung keine weiteren Auffälligkeiten. Das angefertigte Einzelbild und das nachfolgend erstellte DVT zeigte einen Dens invaginatus Typ 3 nach OEHLERS. Der elektrische Sensibilitätstest fiel labial negativ, palatinal dagegen positiv aus. Da anzunehmen ist, dass die kleine Labialfläche noch Befestigungskompositreste aufweist, ist dieser Befund nicht überraschend.
Die Behandlung erfolgte aufgrund der Komplexität der im DVT dargestellten Hohlräume zweizeitig. Herausfordernd war dabei die Kleinheit der klinischen Krone und der Umstand, dass es den Originalkanal zu schonen galt.
Somit war der zur Visualisierung der Hohlraumstrukturen vorhandene Raum sehr klein und es musste häufig untersichgehend gearbeitet werden.
Die Bearbeitung der unregelmässigen Hohlräume erfolgte mittels XP-Finisher. Die Obturation in warmer vertikaler Kompaktion mit deutlicher Friktion im apikalen Bereich des Masterpoints.
Ob es noch einer Behandlung des Originalkanals bedarf, wird das Recall nach 6 Monaten zeigen.
Der heutige „Vintage“-Artikel kommt – man wird es nicht glauben – von Donald Becker, und er ist vom 04.Februar 2014.
Der Patient, zum Recall in der Praxis erschienen, hatte eine Bitte.
Ob wir nicht bei seiner Frau, auch wenn sei keinen Termin habe, einmal in den Mund schauen könnten.
Sie habe eine weißliche Veränderung neben dem Gaumenzäpfchen entdeckt und sei diesbezüglich beunruhigt.
Das Ergebnis der Inspektion (weisses, leicht eindrückbares, nicht abwaschbares Gebilde, plaumenkerngroß) habe ich spontan in nachfolgendem Video festgehalten.
In den bald 24 Jahren meiner zahnärztlichen Tätigkeit habe ich eine solche Erscheinung bislang noch nicht gesehen und nach sofortigem Konsil die Patientin ad hoc zum HNO -Arzt überwiesen.
Irgendeine Idee, worum es sich handeln könnte und wie zu verfahren ist ?
Im Original war hier die Kommentarfunktion aktiviert.
Deshalb fanden sich nach der Erstveröffentlichung dieses Artikels verschiedene Vorschläge für Diagnosen in den Kommentaren ein. Wir spannen Sie hier aber nicht auf die Folter, die Lösung folgt unten:
Ein kleiner Tip:
Es ist kein Plattenepithelkarzinom, wie einige vermuteten
Hier die Antwort auf den Tip mit der richtigen Diagnose:
Hallo lieber Kollege,
genau so ist es. Es ist ein Tonsillenstein der Rachenmandel. Das Aussehen fand ich (auch wenn natürlich alle Alarmglocken läuten) ebenfalls nicht karzinomtypisch. Deshalb vermutete ich auf Grund des kryptenartigen Aussehens einen Zusammenhang mit der Rachenmandel, allerdings ohne zu wissen, dass es Tonsillensteine gibt. Auffälliger Geruch (auf den ich sehr empfindlich reagiere) war im Übrigen (allerdings durch den Mundschutz) nicht festzustellen. Der HNOler, bei dem die Patientin 30 Minuten später untersucht wurde, sagte mit danach, er hätte einen solch großen Tonsillenstein der Rachenmandel auch noch nicht gesehen.
Das Mikroskop in der Zahnmedizin ist unverzichtbar. Nicht nur, daß es die Einsichten auf/in Dinge ermöglicht, die dem bloßen oder auch lupenbrillenbewehrten Auge (physikalisch auflösungsbedingt) verborgen bleiben müssen.
In gleicher Weise profitiert der/die BehandlerIn von den Möglichkeiten der Fotografie über das Mikroskop.
Und zwar zweifach. Aus juristischer Sicht, die Behandlungsdokumentation betreffend und durch die besseren Möglichkeiten der Patienteninformation und Aufklärung.
2007. Steve Jobs betritt die Bühne und verändert die Welt. Mit dem Iphone ist Fotografie essentieller Bestandteil unseres täglichen Lebens geworden. Niemals zuvor wurden – ich vermute um den Faktor 100 oder gar 1000 – mehr Fotos weltweit aufgenommen als in der Jetztzeit.
Ein Klick genügt. Selbst Kindergartenkinder, der Plastikwindel noch nicht oder gerade mal so entwöhnt, können vermutlich souverän Fotos und Videos aufnehmen heutzutage.
Es sollte demnach ein Einfaches sein, die endodontische Behandlung in stillem und bewegtem Bild zu dokumentieren.
Die Realität sieht vollkommen konträr aus. Misserfolge und Frustration sind an der Tagesordnung. Hier soll dieses Tutorial Hilfestellung leisten.
Es richtet sich primär an all diejenigen, die mit der „anspruchsvollen“ Fotografie nicht vertraut sind. An Einsteiger. Unwissende. Was den Sachverhalt gut wiedergibt, denn es ist nicht damit getan, eine „professionellen“ Fotoapparat der Marke Canon, Nikon, Sony an das Mikroskop anzuschrauben, auf den Auslöser drücken und zu glauben, man habe ein perfektes Ergebnis im Kasten.
Aber – ich verspreche – wer die folgenden Beiträge zum Thema verinnerlicht und die entsprechenden Tipps befolgt, der wird – reproduzierbar – hervorragende Aufnahmen produzieren können.
Legen wir los. Wir beginnen – mit den elementaren Grundlagen. Fangen an bei Adam und Eva.
Echt jetzt ???
Ja, tun wir. Weil darüber zu sprechen unverzichtbar, das profunde Verständnis Grundvoraussetzung dafür ist, gescheite Fotos machen zu können.
Feuerzangenbowlen- Physikunterricht – Modus an: Was brauchen wir überhaupt, um ein Foto zu machen?
Zuallererst ein lichtsensitives Speichermedium. Schleppt jeder von uns sein ganzes Leben lang mit sich rum. Unsere Haut. Die dunkel wird, wenn wir uns der Sonne aussetzen. Funktioniert wie beim Schwarz Weiss-Film. Sonneneinstrahlung setzt als Folge des Belichtungsprozesses aus Silberhalegoniden Silber-Ionen frei, die im Entwicklungsprozess in Silber umgewandelt werden und damit dem Foto seine Bildwirkung gibt.
Jetzt weiss aber jeder, der melaningetönt aus dem sonnenverwöhnten Urlaub in die regnerische teutonische Heimat zurückkehrt, dass die Sehenswürdigkeiten des Gastlandes sich auf der Epidermis im wahrsten Sinne des Wortes eben nicht eingebrannt haben. Unseren Leib zieren nicht Abbilder von Palmen oder die Pyramiden von Gizeh vielmehr ist er eine einzige mehr oder weniger bronzefarbene bis ledrig braune Fläche.
Was also macht den Unterschied ? Um Fotos zu machen, brauchen wir nicht nur das Speichermedium, wir benötigen ausserdem ein Objektiv. Im Englischen heisst das Objektiv „lens“ , Linse. Was nur näherungsweise richtig ist, weil ein Fotoobjektiv nicht aus einer Linse, sondern aus einer Vielzahl von Linsen besteht.
Und weil es streng genommen nicht mal einer Linse bedarf, um ein Foto zu machen. Stichwort Camera Obscura. Ein dunkler Raum mit einer kleinen Öffnung in der Wand. Hat man sich an die Dunkelheit gewöhnt, erkennt man auf der gegenüberliegenden Wand ein auf dem Kopf stehenden Bild der Aussenumgebung. Die Miniaturversion davon nennt sich pin hole camera und ist ein kleiner Kasten, in dem mit der namensgebenden Stecknadel ein Loch gemacht wird. Heute nutzt man einen Laser, um ein winziges Loch in die Schachtel zu brennen. Wobei die Schachtel auch eine Coladose oder eine mit Fotopapier ausgekleidete Mülltonne sein kann, das Prinzip ist das gleiche und das erstaunliche Ergebnis, dass man irgendwann in Händen hält, ein faszinierendes Foto mit einer surreal anmutenden Bildwirkung darstellt.
Heute fotografieren wir im Übrigen nicht mehr mit einer Camera Obscura und Film oder Fotopapier, wir fotografieren digital. Auch das taten schon Adam und Eva, denn unser Auge, genauer die von lichtempfindlichen Rezeptoren gebildete Netzhaut ist nichts anderes als die Aneinanderreihung von Pixeln. Gewissermaßen die humanoide Umsetzung eines digitalen Kamerasensors. und das Auge die dunkle namensgebende Kammer des menschlichen Fotoapprates, der Kamera. An dessen vorderem Ende das Objektiv dieses visuellen Dokumentationsapparates sitzt. Die Linse.
Aber zurück zum Dentalmikroskop. Dessen angeflanschte Kamera die Linsenkombination von Mikroskop, Strahlenteiler und optischem Kameraadapter ja nichts anderes darstellt als einen sehr sehr großen, sehr sehr unhandlichen, extrem teuren Fotoapparat.
Und was kommt dabei heraus ? Hier die Hausaufgabe bis Dienstag. Was sind gute, was sind schlechte Fotos, die in der nachfolgenden Galerie aufgeführt sind. Und was – im Positiven wie im Negativen zeichnet charakteristischerweise all diese Fotos aus ? Und was haben alle Fotos gemeinsam ?
Seit circa einem Dreivierteljahr plagt die heute neunjährige Alissa eine Fistel in Regio 22.
Ursprünglich wurde der Milchzahnrest des 62 als ursächlich erkannt und daraufhin entfernt…
Alio loco angefertigtes OPG mit Milchzahnrest Regio 62
Leider stellte sich der gewünschte Erfolg nicht ein und die Fistel persistierte.
Das zu einem späteren Zeitpunkt angefertigte Einzelzahnröntgenbild dieser Region liess nun den Verdacht aufkommen, dass Zahn 63 ursächlich sein könnte.
Das alio loco angefertigte Foto zeigt eine Fistel in Regio des durchbrechenden Zahnes 22
Daraufhin wurde auch dieser Zahn entfernt..
Leider mit genauso wenig Erfolg, wie bei der vorherigen Therapie….
die Fistel persistierte…
Der spätere Versuch, den „Fistelgang“ mittels Guttaperchastift radiologisch besser darzustellen war ebenfalls mässig erfolgreich und brachte keine weiteren wertvollen Informationen…
Der Fistelgang wurde daraufhin wiederholt gespült, was nur kurzzeitig zu einer Reduktion des Granulationsgewebes führte…
die Fistel persistierte…
Die behandelnde Kieferorthopäden überwies uns schliesslich die junge Patientin, nachdem ihr der nächste Therapievorschlag wenig schlüssig erschien.
Angedacht war, den bisher nicht durchgebrochenen Zahn 23 chirurgisch freizulegen, um diesen dann zu extrudieren…
Bei unserer Erhebung der Anamnese gab die Mutter an, dass ihre Tochter in der Vergangenheit zweimal ein Frontzahntrauma in der Oberkieferfront erlitten hatte. Zuletzt resultierte dies in einer unkomplizierten Kronenfraktur an Zahn 21. Dies war vor circa zwölf Monaten.
Der Defekt war im Anschluss mittels Kompositfüllung versorgt worden.
Klinisch stellte sich die Situation für uns so dar:
Die weiteren Untersuchungen brachten keine besonderen Erkenntnisse.
Der wiederholt durchgeführte Sensibilitättstest (Kältespray) der entsprechenden Zähne wurde von Alissa als positiv angegeben. Der Lockerungsgrad und die Klopfempfindlichkeit waren unauffällig…
In diesem Fall war ich vor Behandlungsbeginn schon wenig optimistisch. Die Patientin bedrängte mich, doch noch einen weiteren Behandlungsversuch zu machen.
Bereits 2 mal wurde der Zahn endodontisch 36 behandelt. Eine alio loco angeratene WSR lehnte die Patientin ab.
Sie stellte sich mit akuten Beschwerden und beginnender Abszeßbildung am Zahn 36 vor.
Die ungünstige Prognose erhärtete sich noch mehr in der Behandlung. Trotz intensiver und langwieriger Versuche, war es mir unmöglich mesial alles WF Material zu entfernen.
Ich konnte es nicht direkt sehen. Aber im Spiegel der Spülflüssigkeiten war ein dezenter rosé Schimmer zu erkennen. Wie einer Fata Morgana jagte ich dem Schimmer hinterher.
Vorgebogene US Feilen, Micodebrider, Microopener, mit Nichts habe ich die Guttaperchareste entfernen können. Im Einvernehmen mit dem Patienten haben wir uns auf das Belassen verständigt. Ultracal habe ich nahe an das verblieben WF Material gepresst, dieses ist dann auch nach periapikal gelangt. Der Grund war eine in der ersten Sitzung erkennbare chronische periapikale Exudation in das Kanalsystem.
Das mesial apikal konfluierende Kanalsystem hatte apikal #60. Die Wurzelfüllung erfolgte mit AH+ und thermisch vertikaler Kondensationstechnik, distal apikal war der Durchmesser größer #60 mit einer Resorptionslakune. Der Verschlüsselung erfolgte mit ProRoot MTA ohne kollagens Widerlager.
Nun war wieder ein Recall fällig und ich bin schon erstaunt, daß nach 3 Jahren ein derartiger, unverhoffter Heilungsprozeß erkennbar ist.
Sebastian Stein hat mir seine Selbstbau-Variante des Fragremovers zukommen lassen. Kernstück des Designs ist eine Einmalspritze, Hygienetechnisch zumindest schon mal eine einwandfreie Lösung, die mit Bordmitteln und geringsten Kosten in jeder Praxis durchzuführen sein dürfte.
Ich kenne somit (ein von mir sehr geschätzter Kollege hat vor Jahren – nur zum Spass – als Prototyp eine motorbetriebene Schlinge gebaut) mittlerweile 5 verschiedene Varianten.
Update: 6 Verfahren. Mario Schulze hatte beim Ü Day 2011 in Leipzig beim Get Together im Rathauskeller über seine Variante erzählt, die eine intraligamentäre Spritze mit Drehrad sich zu nutze macht.
Da wäre zunächst der Frag-Remover zu nennen. Das Original gewissermaßen. Im Pistolen- Design.
Dann die 3 Stift- Varianten. Der Endo- Cowboy. Eine sehr schwere Edelstahl-„Zigarre“. Oder – um im Vergleichsbild zu bleiben – ein Edelstahl-Mont Blanc Meisterstück. Hat mich ergonomisch – Stift Design hin oder her – auf Grund seines hohen Gewichtes nicht überzeugt.
Der BTR – Pen und der ACE – Andreas Csoegor Extraktor. Sicherlich ergonomisch die besten Varianten. Der eine haptisch einwandfrei, solide daherkommend, auch die Schlingen (Preis hin oder her) gefallen mir sehr gut, der andere mit der 3D-Druck Anmutung des Daniel Düsentrieb – Erfinderwerkstatt-Produktes und ohne CE – Zeichen zu weniger als einem Viertel des Preises.
Welches der 5 nun wählen ?
Die Auswahl für das eine oder andere treffen vermutlich nicht nur finanzielle Überlegungen, sondern auch persönliche Vorlieben. Das STEFL, das „Stein Endo Lasso“ mag funktionieren. Ich mag die Idee. Optimal ist es sicherlich nicht. Von daher ist zu überlegen, ob man nicht zumindest einen geringen Betrag in den ACE investiert, zumal dieser genau wie der Fragremover sowohl die Möglichkeit selbst eingefädelter wie auch vorgefertigter Schlingen bietet. Apropos selbstgefertigte Schlingen. Das geht mir mittlerweile sehr schnell von der Hand, weniger als 30 Sekunden, weshalb ich auf vorgefertigte Kanülen-Varianten verzichte.
Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.
Auf den ersten Blick scheint es nicht zusammen zu passen. Interne Resorption und Pulpanekrose.
Benötigt doch die interne Resorption vitales Gewebe. Und die apikale Aufhellung eine nekrotische bzw. infizierte Pulpa.
Wenn beides jedoch nacheinander abläuft, kann sich die Situation wie nachfolgend darstellen.
Ein ständiger Entzündungsreiz – hier die dem mesialen Pulaphorn nahe Kompositrestauration – löst im noch vitalen Anteil (hier der unmittelbar apikale) der Pulpa eine interne Resorption aus. Am Ende kommt es zur Pulpanekrose und der entsprechenden apikalen Aufhellung. Gegen eine apikale infektionsbedingte Resorption spricht der Umstand, dass sich der Kanalquerschnitt apikal ampullenförmig verjüngt.
Das alio loco NACH der Erstintervention erstellte DVT – es kam für den überweisenden Kollegen zu einer überraschend starken Blutung aus dem Periapikalbereich – zeigt die Ausgangssituation deutlich.
Die präoperativ ermittelte Kanalgesamtlänge betrug laut DVT 21,97 mm. Da ich das apikale Foramen trotz Korrektur der sekundären Zugangskavität nicht einsehen konnte, galt es für mich zunächst den apikalen Querschnitt zu ermitteln. Dazu bediente ich mich der ursprünglich einmal von ROSENBERG beschrieben Papierspitzentechnik.
Das DVT wies für den Foramenquerschnitt eine Größe von 1,36 mm auf.
Daraufhin habe ich nach ausgiebiger schallunterstützter Irrigation und Trocknen des Kanalsystems eine Papierspitze der Größe 140 mit mässigem Druck auf 22,0 mm eingebracht. mehrfach. Und hatte immer wieder das im Bild gezeigte Ergebnis. Die Papierspitze pilzte auf und zeigte keine Blutspuren. Ergo ist zu vermuten, dass der Querschnitt kleiner sein musste. Die nächste Papierspitze der Größe 120 wurde bewusst auf AL plus 0,5 mm eingebracht. Kurz gedippt und sie zeigt einen entsprechenden Blutungspunkt von ca. 0,5 mm.
Damit war in Verbindung mit der ELM klar, welche Null-Länge vorliegt. Und zwar relativ sicher. Warum nicht auf die ELM verlassen? Weil diese in weiten Foramina mit großen periapikalen Hohlräumen nicht verlässlich anzeigt.
Nun galt es das kollagene Widerlager einzubringen. Die Kontrolle erfolgte wieder mit der 140’er Papierspitze. Wenn das Kollagen richtig platziert ist -zur Erinnerung: das Foramen war nur zu etwas mehr als der Hälfte einsehbar – musste die Papierspitze bis 22,0 mm eingebracht werden können, ohne dass es auch bei längerem Verbleiben derselben am Endpunkt und trotz starken Drucks nicht zu einer Blutungsspur kommt.
Als dies gegeben war, konnte die Obturation bis zur Hälfte der ampullenförmigen Erweiterung erfolgen. Warum nur bis zur Hälfte? Weil es schwierig wäre, das MTA jenseits des Flaschenhalses sicher einzubringen. Da hat die warme Guttapercha wesentliche Vorteile. Nun bin ich auf das erste Recall gespannt.
Prämolaren mit drei Wurzeln sind aufgrund der zum Teil beengten intrakoronalen Platzverhältnisse immer eine Herausforderung.
Besonders schwierig jedoch, wenn die Kanalsysteme lang und besonders eng sind. Die Arbeitslänge des in der Erstintervention nicht aufgefundenen MB betrug 27 mm.
Die in der Furkation gelegene, sehr kleine Perforation, war da eine eher kleine Hürde, jedoch der Grund zur Überweisung.
Die ausgeprägte periapikale Pathologie lässt den Schluss zu, dass die Pulpanekrose bereits einige Zeit bestanden haben muss.
Als erstes galt es die vorhandene Zugangakavität so zu modifizieren, dass der bislang nicht aufbereitete MB sicher einzusehen war.
Nach initialem Spülen waren die zwischen MB und DB gelegene Perforation und das noch weiter mesial gelegene MB-Kanalsystem deutlich zu erkennen.
Die Erschliessung der engen Kanalabschnitte erfolgte in bewährter Weise mit ProFile 15/04, 20/04 und 15/06 bis etwas weiter als zum Beginn des unteren Wurzeldrittels. Dann konnten die apikalen Abschnitte mit Path Files bis zum Foramen aufbereitet werden (13,16,19). Die Behandlung erfolgte aufgrund der Komplexität zweizeitig.
Dabei wurde bewusst auf den sonst immer zuerst durchgeführten Perforationsverschluss verzichtet, da diese sehr klein war und das Manipulieren des MTA die Möglichkeit des Verbringen desselben in die bereits erweiterten Kanäle geboten hätte. Das mühsame Abdecken der sehr kleinen Orifizien mittels Schaumstoff konnte so ebenfalls umgangen werden.
Nach Obturation der Kanalsysteme mit BC Sealer und formkongruenter Guttapercha in der zweiten Sitzung wurde die Perforation mit Total Fill Putty verschlossen und beide bukkalen Orifizien mit warmer Guttapercha überdeckt.
Kleine Anmerkung zu den klinischen Bildern. Ich habe dieses Mal die Fotos bewusst nicht anders ausgerichtet, als sie während der Behandlung entstanden sind. Kein Drehen oder Vergrößern. Nur Drag & Drop aus dem Dateiordner in das Keynote-Template.
Interessant, dass der Blickwinkel mit etwas Übung identisch einzuhalten (Spiegelausrichtung) und nur bei den palatinalen Details eine abweichende Angulation zu bemerken ist.
Für die Behandlung eines Falles habe ich ein Ausgangsröntgenbild und ein DVT bekommen.
Erst ein kurzer Blick und Schlussfolgerung, muss man noch mal genau anschauen.
Später habe ich genau geschaut und dazu das mitgelieferte DVT betrachtet.
Ergebnis: Ich habe die Bilder nicht zusammengebracht.
Nun die Frage an die geneigte Leserschaft, wer hat eine Idee? Was ist hier im Zahnfilm zu sehen?
Das vermeintliche Korrelativ im DVT in der YZ Ebene entstammt einem Bewegungsartefakt.
Der Patient wurde überwiesen mit der Diagnose: P. apicalis 26.
Die Auflösung erfolgt heute abend in der Kommentarfunktion!
Ein paar Jahre lang konnten wir unsere Notdienste abgeben. Ich war extrem froh darüber, denn Notdienste sind für mich aus verschiedenen Gründen ein Graus. Ich leide immer sehr damit/darunter.
Seit 3 Jahren jedoch muss der Notdienst in unserem Kammerbereich nun explizit von der Praxis selbst übernommen werden. Seitdem hat das Grauen mich wieder. Was hat sich geändert? Nun, die Versorgungen, denen wir begegnen, sind nicht besser geworden, die Schicksale immer noch die gleichen, allerdings ist die Honorierung drastisch reduziert, eigentlich gibt es kaum noch Positionen, die im Notdienst zur Abrechnung kommen dürfen, ganz gleich der geleisteten Arbeit.
2 Fälle aus dem Notdienst habe ich hier angeführt, es gäbe noch einige mehr gleicher Art.
Fall 1, Junger Patient (Mitte zwanzig) mit Migrationshintergrund, noch nicht so lange in Deutschland, Zahn 13 tief kariös zerstört, nachvollziehbar starke Schmerzen. Bei der Kariesexkavation bricht die nageldünne vestibuläre Wand auch noch weg, aber die Wurzel per se ist noch gut. Allein schon die Blutstillung ist eine Herausforderung, das Elektrotom wichtiges Hilfsmittel, alles in allem wäre es für uns aber kein Problem, den Zahn mit/nach Endo zu erhalten. Was kommt zur Abrechnung ? Ä1 03, vipr, Rö2, vite. Was darf nicht abgerechnet werden ? Die 01 (grundsätzlich nicht im Notdienst bei unserer KZV), keine Exzision, keine BMF keine WK, keine Med, keine Füllung, (grundsätzlich nicht bei unserer KZV in gleicher Sitzung mit der Endo). Und auch kein pV, da nur als alleinige Leistung abrechenbar.
Fall 2: Patient war Donnerstag beim Zahnarzt. Füllungstherapie Zahn 75. Jetzt Schmerzen an Zahn 75. Nach dem Röntgenbild frage ich mich. Oder vielleicht doch der Zahn 34 ?
Nach Entfernen der Füllung an 75 finden wir eine vorhandene Karies, weiches Dentin, das bis an die Pulpa reicht. Nach direkter Überkappung und Füllung durch uns ist der Patient am nächsten Tag schmerzfrei. Was kommt zur Abrechnung. Die Ä3, Rö2, vipr, Anästhesie und der pV. Was darf nicht abgerechnet werden ? Die 01, die direkte Überkappung, unsere Füllung. Keine Exzision, keine BMF. Allerdings – der Hauszahnarzt darf die Füllung vom Donnerstag abrechnen. Auch wenn sie nur 3 Tage Bestand hatte.
Vor einigen Wochen hatte ich hier über die Herausforderung eines „X-bein-artigen“ Kanalverlaufs berichtet. Zudem galt es, deutlich extraradikulär gelegene Guttapercha orthograd zu entfernen.
Offensichtlich mit vorläufigem Erfolg, denn zum zweiten Behandlungstermin zeigte sich der 16 vollkommen beschwerdefrei. Die Obturation erfolgte in diesem Fall in warmer vertikaler Kompaktion mit AH26 und Guttapercha.
Meine erste „Begegnung“ mit dem BTR-Pen hatte ich vor circa einem Jahr, als Jörg Schröder eine solches Exemplar auf dem Berliner Zahnärztetag erstand.
Einige Zeit danach schwärmte er mir am Telefon von dieser Anschaffung vor, die u.a. wegen der exzellenten Haptik zu überzeugen weiss.
Daraufhin beschloss ich unser eigenes Instrument anzuschaffen. Auch hier folgte ich der Empfehlung von Jörg und kaufte den BTR-Pen bei LyDenti.
Kaum geordert war die Bestellung schon bei uns. Inklusive etlicher Proben an diversen Spüllösungen, EDTA-Gels etc… auch die Nachbestellung der Schlaufen einige Zeit später erfolgte prompt. Ich kann diesen Onlinehändler bisher absolut empfehlen.
Als grossen Vorteil empfinde ich neben der sehr sehr guten Haptik, dass der Schlaufenwechsel innerhalb kürzester Zeit erfolgen kann, da bereits vorgefertigte Kanülen mit Draht zur Verfügung stehen. So dauert es keine Minute, bis man nach einem Wechsel weiterarbeiten kann.
Als Durchmesser stehen Kanülen von 0,3 – 0,5mm zur Verfügung. Meines Wissens nach hat der verwendete NiTi-Draht einen Durchmesser von 0,15 mm.
Als nachteilig muss der Preis dieser Draht-Kanülen angeführt werden, der bei ca. 10 EUR pro Stück anzusiedeln ist.
Unser bisheriges Fazit fällt also mehr als positiv aus. Wer über die Anschaffung eines solchen Instrumentes zur Fragmententfernung nachdenkt, der sollte den BTR-Pen definitiv auf der Liste haben…
Es ist schon einige Jahre her.
Bei einer Patientin haben wir den Brückenpfeilerzahn 44 endodontisch behandelt und dem Überweiser mitgeteilt, daß der Zahn als Brückenpfeiler auf Grund der Substanzschwächung nicht dauerhaft funktionieren wird.
Darauf wurde die Patientin zu einem implantologisch tätigen Kollegen überwiesen, der mit erheblichen Aufwand zwei Implantate 45, 46 inserierte.
Alles gut. Nur sagte der Kollege zum Abschluss: Und wenn der Endozahn bald nicht mehr funktioniert, dann setzen wir ein schönes Implantat da. Die Patientin antwortete: Dieser Zahn ist erst neu behandelt und hat fast soviel wir ein Implantat gekostet.
Nun nach ca. 8 Jahren sieht die Sachlage so aus: Die Ursache sieht der Implantologe darin, daß die Patientin plötzlich wieder mit Rauchen angefangen hat, Grund tragischer Todesfall in der Familie.
Was soll man jetzt tun?
Doch wieder eine Brücke inserieren. Die Patientin raucht bis heute. Einen neuen Knochenblock will der Chirurg nicht setzen.
Nun muss der „Endozahn“ wohl die Situation retten…
Der Fragremover hat mein endodontisches Leben in schwierigen Situationen deutlich einfacher gemacht.
Wieder mal ein Thermafil- Fall. 3 Kunststoffstifte.
Früher wäre das sehr mühsam und frustran gewesen. Handinstrumente, Eukalyptol, jede Menge Zeit und Aufwand, nur um am Ende dann doch nicht weit genug nach apikal gekommen zu sein.
Heute läuft das ab, wie im Video zu sehen. Wir holen die Kiste mit dem Fragremover raus. Und wenn ´s mal nicht klappt (es gibt sehr poröse Thermafil -Stifte) dann kommt halt Plan B zum Einsatz: Die VDW Reciproc 25. Auch dafür bin ich dankbar.
Staatliche Finanzspritze für Niedergelassene: Bund fördert E-Mobilität von Arztpraxen|Wie auch Sie davon profitieren können Über arzt-wirtschaft.de FINANZEN Das Umweltministerium bezuschusst bis 2022 Ärztinnen und Ärzte, die E-Autos und Ladeinfrastruktur dazu kaufen. Dank staatlicher Finanzspritze zur Förderung der E-Mobilität zahlen sie oft nur die Hälfte. Wer profitieren will, sollte sich beeilen: Stichtag für die nächste Antragstellung ist der 1. März 2021 und Deadline für die letzte Antragstellung ist der 1. März 2022.
Über 273.000 Fahrzeuge sind Ende vergangenen Jahres für die Unternehmen und Organisationen im Gesundheits- und Sozialwesen auf deutschen Straßen unterwegs gewesen. Bislang fährt nur eine kleine Zahl davon elektrisch. Damit sich dies ändert, hat das Bundesgesundheitsministerium am 2. November 2020 das Flottenaustauschprogramm „Sozial & Mobil“ zur Umstellung der im Gesundheits- und Sozialwesen eingesetzten Fahrzeuge auf E-Mobilität gestartet. Es fördert auch niedergelassene Ärzte, die in E-Autos und die notwendige Ladeinfrastruktur investieren. Als Anreiz erhalten sie Geld vom Staat, wenn sie rein batterieelektrische Neufahrzeuge sowie Wallboxen und Säulen zum Aufladen kaufen. Bis ins Jahr 2022 stehen dafür 200 Millionen Euro zur Verfügung.
Umfang der Förderung richtet sich nach Variante
Den nicht rückzahlbaren Investitionszuschuss vom Umweltministerium gibt es in zwei Varianten. Abhängig von der gewählten beihilferechtlichen Grundlage variieren die Förderkonditionen:
Förderung im Rahmen der De-Minimis-Verordnung:
Vor allem kleinere Unternehmen – und damit auch Arztpraxen – können bei dieser Variante einen Pauschalbetrag von 10.000 Euro pro E- Fahrzeug und zudem eine Finanzspritze zur notwendigen Ladeinfrastruktur auf firmeneigenen Parkplätzen beantragen. Pro Wallbox mit Wechselstrom (AC) und einer Leistung bis 22 kW gibt es 1.500 Euro. Für jede AC-Ladesäule bis 22 kW sind 2.500 Euro vorgesehen. Dafür müssen sie keine Herstellerangebote vorlegen. Auch die Anschluss- und Installationskosten sind bei der Ladeinfrastruktur förderfähig. Die Zuschüsse lohnen sich, wie die folgenden Beispiele zeigen.
Mitunter sparen Niedergelassene über 50 Prozent
Bei der Anschaffung kleinerer E-Modelle rechnet sich die De-Minimis-Pauschale von 10.000 Euro: Beim Kauf eines BMW i3, Hyundai Kona Elektro DAB+ oder VW e-Golf mit Nettolistenpreisen von jeweils rund 30.000 Euro können Niedergelassene dank Förderung etwa ein Drittel sparen. Bei den Stadtflitzern Renault Zoe-Life mit Batteriemiete und Smart EQ fortwo, die mindestens 18.000 und 19.000 Euro kosten, beträgt der Ärzte-Rabatt dank staatlicher Anteilsfinanzierung sogar bis zu 55 Prozent. Bei einer Kalkulation ist zu beachten, dass Sonderausstattungen und Zusatzleistungen, die über die Basisvariante der jeweiligen Elektrofahrzeuge hinausgehen, nicht förderfähig sind.
Auch der Aufbau der zum E-Fahrzeug passenden Ladeinfrastruktur ist dank De-Minimis-Förderung deutlich erschwinglicher. Eine AC-Wallbox kostet in der Regel zwischen 450 und 2.300 Euro, eine einfache AC-Ladesäule zwischen 2.000 und 5.000 Euro. Hinzu kommen stets Montagekosten von durchschnittlich 1.000 bis 1.500 Euro. Unter dem Strich müssen Ärzte nach Abzug der Beihilfe-Pauschalen von 1.500 beziehungsweise 2.500 Euro häufig lediglich die Hälfte zahlen.
Eine Kumulierung mit dem Umweltbonus, der jeweils zur Hälfte von der Bundesregierung und der Autoindustrie gezahlt wird, ist möglich – sofern die zuletzt nochmals verbesserte Kaufprämie für das gewünschte Batterieelektrofahrzeug verfügbar ist. Wer dafür einen Antrag bei dem zuständigen Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) stellt, kann allerdings nur den Anteil der Fahrzeughersteller in Höhe von 3.000 Euro erhalten. Eine Doppelförderung durch den Bund beim E-Auto-Kauf ist genauso ausgeschlossen wie die Kombination mit anderen staatlichen Beihilfen. Wichtig: Gemäß der De-Minimis-Verordnung darf die Höhe der Förderung zusammen mit anderen Beihilfen im laufenden und den zwei vorherigen Steuerjahren nicht 200.000 Euro übersteigen.
Förderung auf Basis der Allgemeinen Gruppenfreistellungsverordnung:
Wer das De-Miminis-Limit von 200.000 Euro für die vergangenen drei Steuerjahre ausgeschöpft hat oder diesen Höchstbetrag mit der beantragten Zuwendung übersteigt, kann Investitionsmehrkosten nach einem pauschalisierten Ansatz oder individuell nachgewiesene Mehrkosten fördern lassen. Dies gilt nur für den Kauf von E-Fahrzeuge, nicht für die Ladeinfrastruktur. Der Staat bietet bei kleinen Unternehmen mit bis zu 50 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz bis 10 Millionen Euro an, pauschal 60 Prozent des Aufpreises eines E-Autos gegenüber einem vergleichbaren Fahrzeug mit Verbrennungsmotor zu übernehmen.
Alternativ gibt es die individuelle Anteilsfinanzierung von Investitionsmehrkosten. Antragsteller müssen die geplanten Ausgaben dafür genau nachweisen, indem sie Angebote für das gewünschte E-Auto und für ein vergleichbares Verbrennermodell vorlegen. Beide Modelle eignen sich eher für Arztpraxen, die gleich mehrere Anschaffungen planen. Das Limit für eine Förderung gemäß der Allgemeinen Gruppenfreistellungsverordnung liegt bei 15 Millionen Euro pro Unternehmen und Investitionsvorhaben. Auch hier ist eine Kumulierung mit dem Umweltbonus der BAFA möglich.
Wichtige Voraussetzungen für einen Zuschuss
Der Staat stellt mehrere Bedingungen für die neue Förderung der E-Mobilität: Für Ausgaben, die vor der Bewilligung eines Antrags entstanden sind, gibt es kein Geld. Maßgeblich für den Beginn der zu fördernden Maßnahme ist der Abschluss entsprechender Kaufverträge. Daher unbedingt abwarten, bis ein sogenannter Zuwendungsbescheid vorliegt. Unternehmen müssen das geförderte E-Fahrzeug hauptsächlich beruflich beziehungsweise betrieblich nutzen – also zu über 50 Prozent. Vor allem bei Arztpraxen, die viele Hausbesuche machen und Alten- und Pflegeeinrichtungen betreuen, ist das der Fall. Sie müssen das Elektro-Auto und die dazugehörige Ladeinfrastruktur später zudem mindestens 24 Monate nutzen. Innerhalb dieses Zeitraums dürfen sie die Förderobjekte also nicht verkaufen.
Die Beschaffung der Elektrofahrzeuge sollte umgehend nach Bewilligung der Förderung erfolgen und möglichst innerhalb eines Jahres abgeschlossen sein. Beides ist durch Fahrzeugzulassung sowie die Vorlage der Rechnungskopie nachzuweisen. Voraussetzung für den Abruf der Zuwendung für die Ladeinfrastruktur sind ebenfalls Dokumente, die eine Umsetzung der beantragten Maßnahmen belegen. Pro Fahrzeug ist stets eine Wallbox oder Ladesäule auf dem Firmengelände förderfähig.
Weitere Informationen und Unterlagen zur Antragstellung
Das Umweltministerium stellt online Detailangaben zu „Sozial & Mobil“ und Förderunterlagen bereit. Zum Beispiel Formulare zur elektronischen Beantragung über das easy-Online-Portal, eine Berechnungshilfe zur Zuschusshöhe und die Kontaktdaten des Projektträgers VDI/VDE Innovation + Technik. Wegen der kurzen Laufzeit des Flottenaustauschprogramms und langen Lieferzeiten von E-Autos ist es ratsam, sich zu beeilen. Stichtag für die nächste Antragstellung ist der 1. März 2021 und Deadline für die letzte Antragstellung ist der 1. März 2022.
Das Förderprogramm „Sozial & Mobil“ auf einen Blick
• Zuschuss pro Elektrofahrzeug: pauschal 10.000 Euro oder bis zu 60 Prozent der Investitionsmehrausgaben • Zuschuss je Ladeinfrastruktur: pauschal 1.500 Euro (AC-Wallbox bis 22 kW) bzw. 2.500 Euro (AC-Ladesäule bis 22 kW) • Antragsfrist: spätestens bis 1. März 2022 • Projektträger: VDI/VDE Innovation + Technik GmbH • Weitere Infos: http://www.erneuerbar-mobil.de
Ich hatte hier bereits einen Fall eingestellt, bei dem ich zunächst geplant hatte schablonengeführt aufzubereiten, es aber am Ende nicht musste. Der Kanal erschien zwar im 2D- als auch im 3D-Röntgenbild in Teilen nicht verfügbar, war jedoch klinisch problemlos aufbereitbar gewesen. „Guarded“ statt „Guided“.
Bei der Auswertung der präoperativ erstellten Röntgenbilder des nachfolgenden Falles war ich mir, mit der oben geschilderten Erfahrung, ziemlich sicher, dass ich keine Schablone benötigen würde.
Das DVT-Volumen hatte ich jedoch schon so gewählt, dass ein sicherer Schablonensitz gewährleistet werden kann (gesamter OK ist abgebildet, das Matchen der STL-Daten mit den DICOM-Daten ist einfacher).
Das klinische Bild zeigte eine vestibuläre Schwellung auf Höhe der Wurzelmitte, sowie eine aktive Fistelung. Die Patientin hatte an diesem Zahn vor mehr als 20 Jahren ein Trauma erlitten. Alio loco war bereits versucht worden den Wurzelkanal zu instrumentieren. Aus der berechtigten Sorge eine Perforation zu verursachen jedoch abgebrochen. Die Behandlung bei uns wurde zweizeitig durchgeführt.
Ab dem ersten Wurzeldrittel war es dann jedoch vorbei mit der Sichtbarkeit von Kanalstrukturen. Es imponierten immer wieder kleinste Hohlräume, die jedoch nicht miteinander in Kontakt standen.
Nachdem die erste Messaufnahme ein Ausweichen nach distal zeigt, war ich mir sicher, mit einer leichten Achsenkorrektur den auch im 2D-Bild erkennbaren Kanal zu eröffnen. Weit gefehlt, wie die nächste Messaufnahme erkennen lässt. Jetzt war es vorbei mit der Zuversicht und der Ärger über die nicht angefertigte Schablone nahm überhand.
Da nach der ersten der beiden Sitzungen die klinische Symptomatik trotz unvollständiger Aufbereitung vollständig abgeklungen war und das DVT präoperativ apikal keine Aufhellung erkennen ließ, habe ich mich entschieden zunächst einmal apikal mit MTA zu obturieren und das Recall abzuwarten. Eine schlechte Entscheidung. Das Recall nach 6 Monaten zeigte eine apikale Pathologie wo vorher keine war und es bestand eine palpatorische Druckdolenz apikal.
Nach Erörterung der Möglichkeiten wurde die Entscheidung getroffen eine schablonengeführte Aufbereitung durchzuführen. Die, dank der hervorragenden Planung und Ausführung durch Jürgen Mehrhof, innerhalb von 50 Minuten ein sehr schönes Behandlungsergebnis zeigte.
Ich hatte mich bei meiner ursprünglichen Aufbereitung deutlich (0,6 mm) nach labial verlaufen.
Meine Lehre daraus? In Zukunft werde ich die Schablone in Obliterationsfällen, in denen ich den Kanal nicht vollständig verfolgen kann, bereits in der ersten Sitzung vorbereitet haben. Um Zahnsubstanz zu schonen und ein vorhersagbares Behandlungsergebnis zu erzielen.
Das Marktforschungsunternehmen SmarTech Analysis, welches sich auf Analysen im 3D-Druck spezialisiert hat, hat seine sechste Ausgabe des “Additive Manufacturing in Dentistry” Reports veröffentlicht und prognostiziert angesichts der turbulenten Erfahrungen des Jahres 2020 eine vielversprechende Wende für den Markt im Jahr 2021. Nach Angaben des Unternehmens wird der dentale 3D-Druck in Bezug auf den Umsatz das Niveau von 2019 übertreffen und im Jahr 2021 3,1 Milliarden Dollar erreichen.
Bisher verzeichnete der dentale 3D-Druck stabile Wachstumszahlen, aber das Jahr 2020 macht der Branche einen Strich durch die Rechnung. Die Pandemie brachte zwar die gesamte Fertigungsindustrie ins Straucheln, aber die additive Fertigung in der Zahnmedizin litt besonders. So wurden nicht lebensnotwendige Eingriffe verschoben, um Infektionen zu reduzieren. Dadurch wurden auch diese Branche stark getroffen.
Die Analyse von SmarTech zeigt jedoch eine schnelle Erholung des Markts. In der neusten Prognose gehen die Spezialisten davon aus, dass 2021 der Umsatz von 2019 übertroffen wird. SmarTech Analysis stellt seit 2014 jährliche Studien über die sich entwickelnden Möglichkeiten im dentalen 3D-Druck zur Verfügung. Damit ist dies die am längsten laufende spezielle Forschungsstudie für Fachleute in der Dentalbranche. Die jüngste Ausgabe des Berichts konzentriert sich auf die Analyse des Marktes unter den aktuellen pandemiebedingten Bedingungen und liefert realistische kurzfristige Prognosen zur Markterholung, kombiniert mit einer Analyse der längerfristigen Veränderungen im dentalen Verbraucherverhalten, die sich aus COVID-19 ergeben und sich auf die Nachfrage nach dentalen 3D-Drucklösungen auswirken könnten.
Misserfolge sind oftmals die lehrreichsten Fälle.
In der zahnmedizinischen Ausbildung wurden Instrumentenfrakturen als größter Fauxpas dargestellt. Dementsprechend sind viele Zahnärzte sensibilisiert.
Eine Instrumentenfraktur galt und gilt teilweise noch heute als größte Schande. Leider eine völlig unsinnige Haltung.
Heute muss man mit diesen Fällen offensiv umgehen. Wichtig ist – den Patienten informieren, davor über die Möglichkeit und danach, falls es passiert ist!
Ich kenne keine/n endodontisch tätigen Kolleg/in/en, der kein Instrument frakturiert hat. Und ganz wichtig: Niemand macht mit Absicht etwas schlecht.
Über so einen Fall einer Instrumentenfraktur möchte ich berichten. Ich bekam letztens ein Zufalls- Nebenbefund-Recallbild.
Und da war es sofort wieder, das Gefühl. Das Gefühl, wenn es einem in der Behandlung eiskalt den Rücken herunterläuft. In diesem Fall zweimal. Die absolute Hölle. Zweimal ein Instrument frakturiert. Die zweite Fraktur war absolut vermeidbar, was es noch viel schlimmer machte.
Die Patientin hatten wir aufgeklärt, daß die Therapie schwierig wird aber nicht unlösbar ist. In der ersten Behandlung sind dann zwei Instrumente frakturiert.
In diesem Fall war ich der Meinung mit Pathfile und Profile die Krümmungen ohne größere Kanaltransportation aufzubereiten. Zusätzlich zur SAF war der Eddy bei mir 2015 Standard. NaOCl 3% und Zitronensäure 10% waren die von mir eingesetzten Spüllösungen.
Die Aufbereitung des Zahnes 45 versuchte ich im VTVT (variabel Tipp, variabel Taper)- Modus mit Path- und Profile. Die 20.04, 25.02 und 30.02 waren auf Arbeitslänge. Die 25.04 fakturiert beim ersten Einsatz.
Mit Handinstrumenten konnte ich mich nach einiger Zeit etwas an dem Fragment vorbei mogeln. Was mich dann geritten hat eine vrogebogene Pathfile einzusetzen, weiß ich nicht mehr. Jedenfalls frakturierte diese schnell, was eigentlich klar war.
Es gelang die Pathfile zu entfernen. Ein Teil der Profile konnten entfernt werden. Das frakturierte Instrument ganz zu entfernen oder vollständig zu passieren mißlang.
In der abschließenden WF konnten wir an Hand der Sealerextrusion hoffen, daß auch die Desinfektion in diesen Bereichen zumindest teilweise vorhanden war.
Nun sahen wir den Fall zufällig wieder. Ein Röntgenbild von 45 wurde angefertigt. ( VD Pulpitis…) Ein Glücksfall für die Patientin.
Hier mal wieder eine MTA-Apexifikation eines bereits resezierten Oberkiefer-Frontzahnes.
Prä-op-Röntgenaufnahme bei Zustand nach endodontischer Vorbehandlung inklusive Resektion alio loco Zahn 11 DVT Ausschnitt I
Wie bei uns „immer“ erfolgte die Therapie zweizeitig. Die Entfernung des alten WF-Materials führten wir mit Hedström- und rotierenden Instrumenten durch.
Behandlungsdauer insgesamt 2 Stunden.
Zur Applikation des MTAs verwende ich gerne einen Handplugger.
Mit der Anwendung eines „MTA-Guns“ konnte ich mich nie anfreunden…
Hier das Ganze mal wieder in bewegten Bildern.
In sechs Monaten werden wir sehen, ob die Therapie erfolgreich war…
Abschluss-Röntgenbild nach MTA plug und Backfill mittels Guttapercha&SealerPrä-op vs. post-op
Es gibt apikale Aufhellungen und – nennen wir es – ausgedehnte apikale Aufhellungen.
Wie hier an diesem Zahn 36, über den ich hier im August letzten Jahres berichtet habe. Damals Zustand unmittelbar nach WF. 5 Wurzelkanäle. Dank DVT darstellbar.
Nach 7 Monaten nun die erste Recallkontrolle. Eines DVT ´s zu Heilungsbeweis bräuchte es meines Erachtens gegenwärtig nicht, auch wenn es sicherlich beeindruckend rüberkäme, die Regenerationsfähigkeit des Körpers nach adäquater endodontsischer Therapie bestätigend.
Wer WURZELSPITZE von Anfang an verfolgt, der weiss, dass es immer unser Ziel war, therapiebegleitend hier Fälle einzustellen. Live View gewissermaßen. Kein Rosinenpicken, kein „Naselangmachen“ mit den besonders schönen Fällen, sondern die Karten offen auf den Tisch gelegt.
So haben wir den Fall gelöst und so sieht das ganze 6,12,24 Monate später aus.
Natürlich birgt das immer die Gefahr, den Nimbus des endodontischen Halbgottes zu zerstören, aber das nehmen wir gerne in Kauf, weil wir der Meinung sind, dass genau so Fortbildung aussehen sollte. Meister vs. Guru. Wer bei „Weck, Worscht, Woi“ war, weiss, was ich damit meine.
Palatinal gelegene Fistelungen stellen meiner Erfahrung nach oftmals einen prognostisch ungünstigen Befund dar.
Insbesondere dann, wenn es zeitgleich eine bukkal gegenüber liegende Fisteln gibt. Und der Pulpanekrose ein Rissgeschehen zugrunde liegt.
Oftmals, aber eben auch nicht immer, wie nachfolgender Fall zeigen kann.
Das präoperative DVT lässt erkennen, dass die Pulpanekrose schon etwas länger bestanden haben muss, denn die palatinale Wurzel zeigt deutliche Zeichen einer infektionsbedingten externen Resorption.
Klinisch imponiert in der vollkeramischen Restauration ein von mesial nach distal verlaufender Haarriss, der sich jedoch intraoperativ nicht bis in den Pulpakammerboden hinein verfolgen ließ.
Das war im Beratungsgespräch als Voraussetzung für eine erfolgreiche endodontische Behandlung herausgestellt worden.
Das DVT zeigt eine tiefe Aufgabelung von MB1 und MB2, sowie eine h-förmige Kommunikation zu Beginn des unteren Wurzeldrittels. Da das Visualisieren der tiefen Aufgabelung mit einem deutlichen Hartsubstanzverlust einher gegangen wäre, war das Belassen der Dentinbrücke unter der Voraussetzung geplant, dass die Messaufnahme beweist, dass beide apikalen Kanalabschnitte instrumentiert werden konnten.
Die Desinfektion erfolgte aufgrund der Kommunikation nicht nur schall- sondern auch laserunterstützt. Nach der ersten von zwei Behandlungssitzungen waren beide Fistelungen abgeheilt, sodass in der zweiten Sitzung alle vier Kanalsysteme in warmer vertikaler Kompaktion obturiert wurden.
Das mit Spannung erwartete erste Recall nach 6 Monaten stimmt mich zuversichtlich, dass sich die periapikale Pathologie bei der nächsten Kontrolle radiologisch vollständig ausgeheilt zeigen wird.
Unser WURZELSPITZE Plus LIVE TALK geht in die 5. Runde. Und zwar am Mittwoch, dem 24. Februar 20.00 Uhr.
Mehr und mehr scheint sich diese Veranstaltung zu etablieren. Beim letzten Mal waren es 22 Teilnehmer und das schöne ist immer, dass jedes Meeting seine eigene Dynamik entwickelt, weil aus dem Gespräch heraus die jeweiligen Themen sich ergeben. Eine Agenda immer nur Starter und Hilfsschnur ist. Trotzdem sind Themenvorschläge (bitte in die Kommentare oder in den Emailverteiler geben) im Vorfeld hilfreich, weil es uns ermöglicht, gezielt Material herauszusuchen, dass dann zur Sprache kommen kann.
Wir freuen uns.
Dann möchte ich noch eine andere Veranstaltung ankündigen, die letztendlich ebenfalls auf dem WURZELSPITZE Plus LIVE TALK zurückzuführen ist. Sie richtet sich an die Morita DVT Anwender unter uns, die ja eine beeindruckend grosse Gruppe darstellen.
Worum geht s ? Um eure Fragen zum Thema Morita DVT in der täglichen Anwendung. Und diese nicht an uns, sondern an den Hersteller selbst.
Wo hättet ihr gerne Hilfestellung ? Mir fallen spontan mehr als eine hand voll Fragen ein zur I-Dixel Software.
„Ich würde gerne… Wie könnte ich … Gäbe es die Möglichkeit, dass …“
All das können wir in entsprechender Runde durchgehen. Ihr dürft den Ansprechpartnern auf Morita – Seite ein Loch in den Bauch fragen. Und die Jungs kennen sich richtig aus. Nicht wie wir Dentaldilletanten, die wir froh sind, die 5 Prozent, in die wir gerade mal reingeschnuppert haben, das Programm betreffend, überhaupt anwenden zu können.
Geplant ist – zum Vormerken – Mittwoch, 10. März 20 Uhr. Abhängig wie so ziemlich alles im Moment von der aktuellen (Corona) Lage, aber ich bin zuversichtlich und schlage vor, den Termin schon mal freizuhalten.
Der Termin wird – sobald gesichert- bekanntgegeben. Entweder noch Anfang März oder ab Mitte April, ein Mittwochabend auf jeden Fall.
Hier mal wieder ein Beitrag aus der Rubrik: „Immer gut…“
In der Vergangenheit haben wir (zum Teil „schmerzlich“) lernen müssen, dass es „immer gut„ ist, vor Beginn der zugewiesenen Behandlung ein eigenes „präoperatives“ Röntgenbild zu machen…
diese „Regel“ sollte sich in dem nachfolgenden Fall mal wieder bewähren.
Wir sind von einem unserer Zuweiser gebeten worden die Behandlung dieses oberen Prämolaren weiterzuführen.
Röntgenaufnahme des Zuweisers vor Notdienstbehandlung
Im Vorgespräch eröffnete uns der Patient, dass der Zahn im Notdienst „anbehandelt“ wurde, da ein akutes Schmerzbild bestanden…
Röntgenaufnahme direkt vor der Notdienstbehandlung
Nachfolgend unsere präoperative Röntgenaufnahme, die schnell deutlich macht, dass sich die Behandlung gerade deutlich verkompliziert hatte…
Eigenes Röntgenbild mit zwei InstrumentenfragmentenKlinische Eindrücke während Fragmententfernung und Kanaldarstellung der beiden bukkalen KanalsystemeMasterpoint-Röntgen- und WF-Kontroll-Aufnahme bei Mini-Molaren-BehandlungPrä-OP vs. post-op- Aufnahmen
Insgesamt hat die Behandlung zwei Stunden umfasst. Aufgrund der sehr koronalen Lage war die Fragmententfernung kein wirkliches Problem. Trotzdem war es, wie immer (sehr) gut, vor Therapiebeginn ein eigenes Röntgenbild angefertigt zu haben…
Die Patientin wollte sich unbedingt während der Behandlung ablenken. Sie hatte Musik auf Ihrem Handy und wollte diese per Kopfhörer hören. Das funktioniert sehr gut. Wir hatten immer den Kofferdam angelegt und die Längenmesskabel installiert und dann konnte es los gehen. Hat bisher immer geklappt.
Die letzte Patientin schaute auf ihr iPhone und nichts passierte. Face ID erkannte den User nicht wegen unseres Kofferdams. Ich kannte Fac ID nicht und konnte mir nicht erklären, warum die Patientin nun doch nicht Musik hörte. Bei der Passworteingabe darf niemand zuschauen wurde ihr eingeschärft. Bei meinem iPhone 8 geht das Freischalten noch mit der Fingerkuppe.
Erst nach der Behandlung kam die Aufklärung. Sie hat es trotzdem unbeschadet überstanden. Und hier gibt es eine Lösung, es ist auch ggf. mit der Maske problematisch.
Problem man benötigt eine Applewatch.
Dann muss man auch keine Angst haben das der Zahnarzt das Passwort mitbekommt.
26 Jahre hat die Saugmaschine in unserem Dürr Power Tower ihren Dienst getan. Ohne Ausfälle in all der Zeit.
Dann war sie kaputt. Die Praxis stand still. Von einer Sekunde auf die andere. Kurz vor Weihnachten.
Und ich war froh, das mir Altschul Dental schnell helfen konnte. So das nur ein Tag als Totalausfall einzubuchen war. Mit einer Leihmaschine ging es weiter. Und für mich war klar. Wir wechseln das Gesamtpaket, ordern wieder Dürr und alles ist gut. Bis zum Ende meiner beruflichen Tätigkeit. Weitere 26 Jahre möchte ich nämlich nicht mehr arbeiten wollen.
Gesagt, getan. Stimmt aber nicht ganz.
Am 21. Januar stand unsere Praxis wieder still. Nach 2 Wochen. Das nagelneue Schaltgerät, das ich sicherheitshalber mit der Saugmaschine hatte einbauen lassen, war weggeschmort. Eine Erklärung von Seiten des Depots oder des Herstellers ? Schulterzucken. Man kann es sich nicht erklären. Die Kosten wurden übernommen auf Garantie. Der Totalausfall in der Praxis und die Unannehmlichkeiten mit Patienten, die von weiter her angereist waren, bereits auf dem Stuhl saßen und unverrichteter Dinge wieder wegeschickt werden mussten, blieb an uns hängen.
Hoffentlich war es das. Nächster Stichtag wäre morgen….
Warum diese Behandlung mir als „schön“ in Erinnerung bleiben wird? Weil sie von A-Z exakt so verlief, wie ich es anhand des präoperativen DVT geplant hatte. In jedem Detail.
Die Abfolge der Massnahmen, welche Instrumente wann und wie eingesetzt wurden.
Wenngleich auch ein wenig Glück dabei war, dass die von mir bei der Guttaperchaentfernung eingesetzte ProFile 20/06 nach der Entfernung aus P nur deutliche Ermüdungszeichen zeigte.
Warum die 20/06? Weil sie gutmütig und steif ist. Und keine schneidende Spitze aufweist. Der Trick dabei? 450 bis 500 U/min und ein niedriges Drehmoment. Was allerdings wichtig ist: die taktile Rückmeldung der Feile zu erfassen. Sonst kann es nicht nur zum Aufdrehen kommen, sondern auch zur Fraktur.
Die apikale Aufhellung war nach der alio loco durchgeführten Erstbehandlung – DB wurde erst in der Röntgenkontrolle als nicht behandelt erkannt – zwar rückläufig, jedoch nicht vollständig ausgeheilt.
Interessant dabei, dass auch 4 Monate nach Abschluss der Behandlung die apikale Aufhellung nicht an DB, sondern apikal des P imponierte.
Was war mein Plan?
Zunächst die Aufgabelung zwischen P und den beiden bukkalen Kanalsystemen darzustellen. Als nächstes die Konsistenz der Guttapercha zu erfassen. P als der weiteste Kanal ist dabei die erste Wahl gewesen: Mehr Guttapercha im koronalen Drittel vereinfacht das Tunnelieren derselben mit rotierenden NiTi-Instrumenten. Das DVT zeigt eine deutliche Krümmung nach bukkal im palatinalen Kanal. Daher wurde als nächstes die Zugangskavität nach palatinal erweitert um im nächsten Zug mittels der bekannten Kombination ProFile 15/04, 20/04 und 15/06 Patency zu erzielen.
Nach dem Proof-of-Concept folgte die Entfernung der Guttapercha im MB und die Erschliessung der apikalen Krümmung. Danach hatte das NaOCl bereits soviel Gewebe aus dem Orifizium des DB entfernt, dass dieser trotz großer Enge nach rotierend erstelltem Gleitpfad mit der bekannten ProFile-Kombi auch bis zum apikalen Foramen aufbereitet werden konnte.
Als wir am 1.3.2011 das erste DVT in der Praxis erstellt hatten, habe ich die Möglichkeiten, die mir dieses Tool einmal in der Behandlungsplanung eröffnen wird, noch nicht einmal ansatzweise erahnen können. Umso schöner die späte Erkenntnis.
Mehr als 90 % meiner endodontischen Tätigkeit besteht aus „Redentistry“ der neudeutsche Begriff von „Wiederholungszahnheilkunde“.
Die wenigen Erstbehandlungen kann ich im Monat an den Fingern einer Hand abzählen.
Insofern bin ich hinsichtlich von im Verlauf der Vorverhandlung eingetretenen Komplikationen einiges gewohnt.
Der nachfolgende Fall hat aber auch bei mir ein heftiges Fremdschämen ausgelöst.
Der Patient zeigte bereits nach den ersten Erläuterungen (Zahn 15, nicht aufbereitetes Kanalsystem, 23 WSR ohne WF, via falsa, dislozierte retrograde „Füllung“) bereits deutliche Zeichen von Verunsicherung. Sein von ihm so hoch eingeschätzter Hauszahnarzt hatte die Behandlungen durchgeführt und das, was ich wertungsfrei vortrug, passte so gar nicht ins bestehende Bild.
Und da war der Befund an Zahn 16 noch nicht erläutert!
Wird uns Zahnärzten diese „Ich-kann-alles“-Mentalität im Studium vermittelt? Wo wurde verpasst zu erklären, dass Kooperation mit spezialisiert arbeitenden Praxen kein ehrenrühriges Eingeständnis von Unvermögen ist. Und wenn das Nicht-Überweisen ein Zeichen von Unvermögen wäre, was ist dann das, was hier als Zwischenergebnis herausgekommen ist?
Dass ein 15, der im Einzelbild zwar zwei Wurzelkonturen zeigt, auch schon einmal ein zweites Kanalsystem aufweisen kann, sollte heutzutage allgemein verfügbares Zahnarztwissen sein. Den palatinalen Kanal nicht gefunden? Geschenkt. Hier wurde der Zahn nicht kompromittiert und eine Revisionsbehandlung ist problemlos möglich.
Ein stark obliteriertes Pulpakavum in einem oberen Eckzahn? Kann schon vorkommen. Nach dem halben Verschluss der mit Sicherheit als solche erkannten Via falsa den Zahn noch selbst zu resizieren, ohne dass es eine Wurzelfüllung gibt, zeugt schon von besonderem Selbstbewusstsein. Lässt aber auch jedes endodontologisches Basiswissen vermissen. Die schwebende retrograde „Füllung“ setzt dem Ganzen noch die Krone auf. Aber: auch hier ist eine erfolgreiche endodontische Behandlung noch möglich.
Dass das Drauflosbehandeln ohne großen Plan jedoch Methode zu haben scheint, lässt der 16 erkennen. Eine perfekt in den Pulpakammerboden angelegte Perforation und dabei keinen der stark obliterierten Kanäle auch nur angekratzt zu haben spricht Bände.
Wo bleibt hier das Patientenwohl?
Glücklicherweise ist der Vorbehandler keiner unserer Überweiser. Der Patient wurde von einem selbst spezialisiert arbeitenden Kollegen zur dreidimensionalen Diagnostik an uns überwiesen.
So bleibt mir wenigstens ein sehr diplomatisch gehaltener Befundbericht erspart.
Uns verbindet eine Haßliebe. Die Obturation Unit von Sybron Endo. Wir haben 3 Geräte in der Praxis und wenn Sie immer funktionieren würde, wäre es mein Lieblingsgerät zur Wurzelfüllung.
Aber es spinnt immer mehr herum. Womit fing das an?
Wir haben immer bei einem großen Dentaldepot in Deutschland die Guttapercha-Kartuschen bestellt. Vor mehren Jahren kamen plötzlich neue Kartuschen. Diese waren sogar etwas besser, weil man eine längere Kanüle hatte. Das war der Nachteil des Gutteperchaextruders gegenüber der Pistolenartigen Geräte. Dafür hatte man aber eine gleichmäßige motorische Auspressung der Guttapercha.
Diese neuen Kartuschen sollen die vorherigen Kartuschen ablösen. Die gibt es nicht mehr.
Nach einiger Zeit tauchten doch wieder die Originalkartuschen beim Händler auf.
Wir nahmen es, wie es kam.
Es dauerte ein Weile und dann fingen unsere Guttaperchaextruder an zu spinnen. Mal heizten diese ohne Aktivierung hoch. Mal heizten Sie gar nicht, obwohl eine Kartusche eingelegt war.
Auf AERA bemerkten wir erstmals – es werden 2 Kartuschensysteme von Sybron Endo angeboten.
Die Namen der Kartuschen sind bei AERA, sorry man erlaube mir diesen Ausdruck bescheuert gelistet, weil sie genau das falsche Gerät implizieren.
Einmal:
Elements Obturation-Kartuschen 23G Medium
-> Beschreibung: Für Elements Free.
Auf der Rechnung erscheint dann:
Elements Guttapercha 23GA medium 1 €38,67 €38,67 RS 0 Kartusche Pa 10
und dann:
Elements Guttapercha-Kartuschen 23GA Medium
-> Beschreibung: Guttapercha-Kartusche zur Anwendung mit Elementsfree oder Elements Obturation Unit.
Auf der Rechnung erscheint dann:
Gutta Percha Cartridge 23GA 1 €38,11 €38,11 RS 0 medium body Pa 10
Fazit: Wer lesen kann ist klar im Vorteil, aber nicht immer.
Aber auch die Händler liefern mal das und dann mal das. Offensichtlich ist dieses System auch für sie zu erlesen.
Und die Bilder stimmen in AERA auch nicht über ein.
Was noch schlimmer wiegt. Wir als Zahnärzte haben nicht die Zeit das auseinander dröseln zu müssen.
Eine dreiviertel Stunde hat es gedauert, bis der Milchzahn letztendlich draussen war. Der nachfolgende OK Prämolar durchbohrt nach vestibulär hin die Gingiva. Die Eltern, beide Akademiker (m/w/d) sind besorgt, natürlich kann das Kind NICHT MEHR kauen und hat SCHMERZEN daher kann auch nicht bis Montag gewartet werden, weshalb der Vater mit dem 14 Jährigen die sonntägliche Notdienstsprechstunde aufsucht. Der Zahn im Mund präsentiert sich unauffällig, die Gingiva ist blass rosa und nicht geschwollen, da blutet auch nichts und ist nichts gereizt. Eine schmerzauslösende Ursache ist auch bei viel viel gutem Willen nicht auszumachen. Aber will man diskutieren mit Leuten, die es besser wissen müssten ?
Die Anästhesie gelingt ohne Probleme, auch palatinal wo die sich einer Ersatzresorption heftig widersetzende Wurzel residiert. Kein Mucks, kein Zucken.
Die eigentliche Zahnentfernung kann jedoch nur nach zeitintensivem Zureden in mehreren Anläufen durchgeführt werden. Hängt es damit zusammen, das der Vater bei der Autofahrt zur Praxis dem Jungen von seinen unangenehmen Zahnarzt-Kindheitserinnerungen aus den 70ern erzählt hat? Dem er auf den Finger biss, das es blutete, eine reflektorische Ohrfeige dafür erhielt, daraufhin mehrere Jahre den Zahnarzt nicht wieder aufsuchte, was letztendlich mit dem Verlust eines Zahnes endete. Und das damals die Zahnärzte auf die Befindlichkeiten des Kindes keines Rücksicht genommen haben, heute das Gott sei Dank aber anders sei. Das Alles erfahren wir aus dem Hintergrund vorgetragen, während wir versuchen, den Jungen dazu bewegen, die Behandlung durchführen zu lassen.
Nach 45 Minuten ist es geschafft. Und es steht ein Betrag von 53 Euro auf dem virtuellen Dental-Taxometer.
Neulich beim Tierarzt. Eine nicht untypische Landtierarztpraxis. Die Einrichtung noch vom Vater übernommen. Der praktizierte schon in den Sechzigern des letzten Jahrhunderts. Seit meiner Kindheit hat sich augenscheinlich nicht viel verändert. Noch immer der gleiche Schreibtisch, noch immer die gleiche Baisch-Glasvitrine. Nur noch gelblicher – seien wir nett und nennen es elfenbeinfarben – ist dieser ehemals weisse Schrank geworden. Im Wartebereich ist auch der Schreibtisch der Praxismitarbeiterin, welche die Kunden „betreut“ und für den Liquditätsfluss zuständig ist. Bezahlt wird nämlich sogleich und auf die Hand. Nix mit Rechnung erst nach 14 Tagen stellen und der Patient wartet den Zahlungseingang der Beihilfe ab, bevor er überweist, natürlich nicht ohne den Betrag zurückzuhalten, den die Beihilfe nicht übernommen hat. Nix mit am 1. 1. des Jahres behandeln und am 20. Juni das Geld dafür erhalten. Und auch nix mit, ich brauche eine Abrechnungsgesellschaft, die mich 3 Prozent meines Nettohonorars kostet, nur damit ich zeitnah an mein Geld komme. Rund eine Stunde geht ins Land und, es lässt sich nicht vermeiden, das man es mitbekommt, circa 1500 Euro wechseln den Besitzer. Ohne das beim Zahnarztbesuch scheinbar pandemisch vorhandene, unvermeidbar immer und immer wieder vorgetragenen Murren, wie teuer das doch sei, wohlgemerkt.
Vor Kurzem haben wir im WURZELSPITZE LIVE Talk über den klinischen Einsatz von Total Fill BC Sealer (high flow) gesprochen.
Wir haben seit einiger Zeit auf dieses „neue“ Material (= BC high flow) )umgestellt und ich möchte diese Beitragsreihe nutzen, um über unsere Erfahrungen zu berichten.
Gestartet haben wir vor einer Reihe von Jahren mit Total Fill BC Sealer.
Die Anwendung bedeutete eine Abkehr des bisherigen Vorgehens hin zu einem vermehrten Einsatz von Sealer (statt Guttaperacha)
Für ich stark gewöhnungsbedürftig…
u.a., weil der Sealer beim Kontakt mit dem Wärmeträger sofort „ausflockte“…
Trotzdem sehe und sah ich eine Reihe von Vorteilen (keine Schrumpfung, Hydrophilie …)
Einige Zeit später wurde ich auf die „high flow“ Variante von Total Fill aufmerksam.
Unser erster Eindruck…
sehr gut.
Was sich dadurch erklärt, dass sich das Material wie vormals verwendete Sealer verhält (bei hoffentlich „besseren“ labortechnisch-klinischen Ergebnissen)…
Hier als erstes Mal ein paar klinisch-radiologische Beispiele, die einen ersten Eidruck zur Opazität und Fließfähigkeit des Materials geben…
Das Handling entsprach dem, was ich von bisherigen Sealern gewohnt war…
wäre da nicht der Preis…
aber mehr zu diesen Punkten und mehr später…
Hier noch ein interessanter Link mit einigen Beschreibungen zu den Materialeigenschaften.
Tiefe Aufgabelungen bergen hinsichtlich der Aufbereitung und der Obturation besondere Herausforderungen und sind häufig ohne präoperatives DVT nur zu vermuten.
Die Behandlung des im Folgenden beschriebenen 46 war bereits also loco begonnen worden, musste jedoch wegen der Nichtauffindbarkeit der medialen Kanalorifizien abgebrochen werden.
Im Einzelbild fällt distal das abrupte Verschwinden der Kanalstruktur im unteren Wurzeldrittel auf. Neben einer nach bukkal oder lingual verlaufenden Krümmung, die hier eher unwahrscheinlich erscheint (keine knollenförmige Aussenkontur der distalen Wurzel), kommen konfluierende oder aber sich aufgabelnde Kanalsysteme als Verursacher dieses Phänomens in Frage.
Die mesialen Kanalverläufe hingegen waren von koronal nach apikal deutlich zu erkennen.
Das präoperative DVT zeigte klar, dass die beiden distalen Kanalsysteme koronal getrennt verliefen, sich im unteren Drittel vereinten um erneut und deutlich divergierend aufzugabeln.
Ein taktiles Beurteilen, in welchem der beiden apikalen Abschnitte man sich befindet, ist nur bei entsprechend weiter Konfluationsstelle denkbar. Insofern wäre zwar eine Instrumentierung denkbar, jedoch würde die Obturation am Umstand scheitern, dass der in eine der beiden Aufgabelungen eingebrachte Guttaperchstift den anderen Abzweig blockieren würde. Insofern war schnell klar, dass nach initialer Aufbereitung bis zu Konfluation die zwischen DB und DL vorhandene Dentinbrücke mittels feiner Endosonore-Feilen entfernt werden würde.
Das postoperative Bild lässt den dazu benötigten Hartsubstanzdefekt nur aufgrund der deutlich exzentrischen Projektionsrichtung als groß erscheinen.
In dem letzen Beitrag hatte ich um die zeitliche Schätzung des Heilungsverlaufes gebeten. Vielen Dank für die Teilnahme.
Die Ergebnisse:
Antwort
Stimmen
Prozent
6 Monate
0
0%
1 Jahr
0
0%
2 Jahre
3
16%
3-5 Jahre
12
63%
Mehr als 5 Jahre
3
16%
10 Jahre
1
5%
mehr als 10 Jahre
0
0%
Ausgangspunkt war die oftmals gestellte Frage: Wann ist die Entzündung weg?
In dem vorgestellten Fall ist zur Dauer der röntgenlogisch erkennbaren Heilung ein Zeitraum von fast genau 7 Jahren vergangen.
Meine Antwort an den Patienten lautet auf diese Frage: Die Heilung dauert in der Regel genau so lange, wie der Zeitraum der Entstehung bis zur Manifestation der Entzündung.
Wir wissen allerdings fast nie, wie lange genau der letzt genannte Zeitraum war.
Der Zeitraum von 7 Jahren entspricht nicht dem im Paper „Good clinical practice: Die Wurzelkanalbehandlung“ genannten Zeitraum.
Was können Ursachen sein?
Der Fall wurde 2005/2006 begonnen zu behandeln. Die DGZ Stellungnahme ist vom Jahr 2004/2005. Es sind also keine wesentlichen Unterschiede im Jahrgang vorhanden.
Die Revision unter mikroskopischer Kontrolle war für mich zum damaligen Zeitpunkt sehr schwierig. Es war meine erste Thermafilrevision mit verkeiltem Carrier. Die Desinfektion erfolgte mit NaOCl 5%, CHX, und EDTA 17% und Ultraschallaktivierung.
Die Aufbereitung der Kanäle erfolgte mit Profile und ProTaper. Die Behandlung verlief zweizeitig und es wurde CaOH als Med. verwendet.
Mich überrascht der langsame Heilungsverlauf im Verhältnis zum Artikel der DGZ.
Die Aufbereitung, bzw. der shape ist nicht das, was ich als gut bezeichnen würde. Damit müsste auch die Desinfektion im apikalen Kanalbereich weniger effektiv sein.
Weniger Volumen an Desinfektionsmittel und der Transport per Kanüle dahin war von mir weniger überwacht als heute. Aber es heilte.
Ein weiterer oder anderer Grund könnten die apikalen Sealer-Puffs durch die erste endodontische Behandlung und Thermal WF sein. Im Bereich dieser mir leider nicht bekannten Sealerreste könnte ein verlangsamte Heilung eingetreten sein.
Überpresstes Wurzelfüllmaterial ist für Schilder 1967 ein Hinweis für die erfolgreiche dreidimensionale Wurzelfüllung.
(Schilder, H. (1967). „Filling root canals in three dimensions.“ Dent Clin North Am: 723-744.;)
Es gibt in der Literatur Angaben, daß die Heilung bei Sealer Überpressungen um 32% geringer ist.
(The impact of sealer extrusion on endodontic outcome: A systematic review with meta-analysis.; Aminoshariae A, Kulild JC.; Aust Endod J. 2020 Apr;46(1):123-129. )
Ein Grund um biokompatiblere Sealer zu nutzen?
Möglicherweise, aber auf Wurzelspitze finden wir Fälle die schneller ausheilten, beispielsweise hier.
Ein weiterer Fall aus meiner Praxis um 2006, zeigte die apikale Heilung ohne Sealerextrusion im Bereich von 5 Jahren. Leider kam es zu einer VRF nach ca. 13 Jahren. Auch hier ein etwas längerer Heilungsverlauf.
Ich kann nicht einschätzen, warum das so ist. Aber es erscheint mir eine Verquickung mehrere Dinge zu sein – 1. Röbildauswertung -Heilungsphase oder auch Stagnation wird oftmals Fällen zu schnell vermutet, 2. Behandlerfähigkeiten, wie in dem Fall von mir und möglicherweise 3. gewebetoxische Materialien und 4.Schwierigkeiten und Biofilmpersistenz in Revisionsfällen.
Letzten Dienstag. Spaziergang in der Mittagspause. Hörte ich den „Saure Zähne“ – Podcast mit Tomas Lang. Es geht um Calciumhydroxid und die Frage, ob man dieses Mittels in der Endodontie noch bedarf.
Ich muss gestehen, es ist erst mein 2. Podcast überhaupt, den ich kennenlerne. Bisher hatte ich keinen Bezug zu diesem Medium, ich höre auch keine Hörbücher. Wie ich als Kind auch den Winnetou nicht auf Schallplatte erlebte, sondern das Buch las. Ich bin also, den Informationsgewinn betreffend, noch in der 60ern sozialisiert. Trotzdem schon mal meine Empfehlung, in die „Saure Zähne“ Podcasts von Georg Benjamin reinzuhören. Zum einen, weil jedes Medium, welches dazu führt, das man sich näher mit der Zahnmedizin befasst, per se eine gute Sache ist. Zum anderen, weil ich immer schätze, wenn etwas mit Leidenschaft betrieben wird und wenn jemand über mehrere Jahre hinweg eine Idee verfolgt, dann IST das Leidenschaft.
Calciumhydroxid schneidet schlecht ab in diesem Podcast. Und ausgerechnet an diesem Dienstag, an dem ich davon erfuhr, das Calciumhydroxid schlecht (ich stimme zu) und unnötig ist (ich widerspreche), die nachfolgenden 2 Fälle bei mir in der Praxis sich vorstellten. Und am nächsten Morgen noch ein weiterer Fall. Die alle drei gemeinsam haben, dass sich die Patienten im August 2020 mit ausgeprägten periradikulären Knochendestruktionen in der Praxis einfanden. Zwei davon sogar am gleichen Tag, dem 26. August. Und der dritte am 12. August.
Nun, nach 16 wöchiger Calciumhydroxid – Einlage, just zu diesem Zeitpunkt fanden sie sich zu WF wieder ein.
Hier die Röntgenbilder Vorher – Nachher.
Fall 1: Symptomatischer Zahn 34, Patientin vom Fach (ZMA), Perforation nach mesial hin
Fall 2: Symptomatischer Zahn 46, WF- Revision, Mesiobukkaler Kanal nicht bearbeitet bislang, dafür Perforation nach interradikulär, brutale Stufe im mesiolingualen Kanal
Fall 3: Symptomatische Zahn 37, massiver lateraler Defekt, mehr als 10 mm Ausdehnung, keine erhöhten Taschentiefen
Und jetzt ?
Wie so oft in der Zahnmedizin fällt die Antwort, die bei Hören des Podcasts noch offensichtlich und eindeutig erschien „Weg mit dem Calciumhydroxid!“, zumindest, wenn man 2 Leute befragt, dann doch unterschiedlich aus.
Podcast, schön und gut, aber was mir fehlt, ist der Dialog. Vor allem die kontroverse Diskussion.
Womit wir wieder bei „Die Drei reden über …“ wären. Wird Zeit das COVID vorbei geht. Auch aus Sicht der Endodontie….
Minimally invasive access cavities: does size really matter?
von Jörg Schröder
Nachfolgend ein, wie ich finde, interessantes Editorial (2021) und ein Artikel (2020) aus dem International Journal of Endodontics zum Thema Zugangskavität. Beides spricht mir aus dem Herzen und deckt sich mit meinen klinischen Beobachtungen.
Es ist, wie erwartet gekommen. 12 Zahnärzte, 13 Meinungen… ;-)
Nein, Spaß bei Seite, aber es gibt verschiedene Einschätzungen. Dabei waren Röntgenbilder einfach zu befunden. Die Qualität der Aufnahmen lies dies gut zu.
Nun müssen wir uns fragen, woran liegt das?
Jeder Teilnehmer hat sehr wahrscheinlich eine andere Arbeitsumgebung bei der Beurteilung gehabt.
( Monitor !!!, Umgebungslicht !!!, ausgeruhte Augen !!, Tageszeit !!, etc.)
Da ich dies nicht beeinflussen kann habe ich es nicht erwähnt. Für die Praxis sollte jeder entsprechende Voraussetzungen geschaffen haben!
Wie gut ist unsere Sehleistung. Trage ich die erforderlichen Sehhilfe. Ist die Korrektur
gut eingestellt.
Die Aufnahmen sind nicht 100% in der selben Ausrichtung erfolgt.
Eigentlich wäre das techn. sicher gar nicht so schwer umsetzbar und für QM, Wissenschaft und Zahnärzte von Interesse.
Aber das ist für alle Teilnehmer in der Betrachtung gleich gut oder schlecht.
Nun die Auflösung.
Meinen Patienten sage ich, wir können die Heilung nicht 100% genau auf den Bildern erkennen, weil der ein Zahn 3 dimensionales Objekt ist und wir diesen auf einem 2 dimensionalen Bild nur begrenzt für unser Auge darstellen können.
Mir erscheint die Regeneration (apikal distal) im Zeitraum zwischen Bild 9 und Bild1 0 abgeschlossen zu sein. Die Antwort Bild 10 wäre für meine Betrachtung, die richtige Antwort. Ich habe in der Auflösung die Stelle markiert, welche für mich entscheidend war.
Ein DVT würde uns genauer sagen können, wie die apikale Situation aussieht. Nur ist die Frage ist in so einem Fall ohne Symptome ein DVT indiziert. Für mich als Behandler nicht, da keine Therapieentscheidung getroffen werden muss.
Jetzt kommt die nächste interessante Frage nach wieviel Monaten/Jahren ist dies erfolgt.
Vor vier Jahren (19.01.2017) wurde uns die damals 10-jährige Jana überweisen.
Folgende Informationen hatten wir von dem Zuweiser erhalten:
Zustand nach Zahntrauma (Avulsion Zahn 21, extrusive Dislokation Zahn 11 ) am 1.12.16.
Zustand nach Frontzahntrauma mit Avulsion Zahn 21 und extrusiver Dislokation Zahn 11 (alio loco)
Der Zahn 21 wurde nach weniger als einer Stunde replantiert, jedoch erfolgte die Lagerung zwischenzeitlich in einem feuchten Handtuch. Zusätzlich kam dazu, dass der Zahn beim Notzahnarzt während der Replantation versehentlich mit dem Sauger ein-bzw. abgesaugt wurde…
nach dessen Bergung aus dem entsprechenden Sieb wurde dieser dann aber doch noch replantiert.
Eine Kunststoffschienung wurde angelegt und bis heute nicht entfernt.
Die Zähne 21 und 11 sind eindeutig nicht vital und bei 21 zeigt sich eine Fistelbildung.
Zustand nach Replantation und Schienung mittels Komposit; apikale Aufhellung an Zahn 21 bei nicht eingeleiteter endodontischer Therapie
Die Behandlung der beiden Zähne erfolgte mehrzeitig. Aufgrund des nicht abgeschlossenen Wurzelwachstums kam apikal MTA zum Einsatz.
Post-op Aufnahme nach mehrzeitiger Behandlung mit MTA Anwendung apikal.
Anfang diesen Jahres (2021) war Jana zur Kontrolle bei uns in der Praxis.
Trotz unphysiologischer Lagerung zeigt insbesondere der vormals avulsierte Zahn keinerlei Anzeichen einer Ersatzresortion und die apikale Aufhellung ist ausgeheilt.
4 Jahre post-op, keine Zeichen einer Ersatzresorption bei apikal unauffälligen Verhältnissen
Auch klinisch präsentiert sich die Situation erfreulich.
Diese Frage bekomme ich sehr oft von den Patienten zu hören. Was soll man dann sagen?
In der Wissenschaftliche Stellungnahme des Endodontie-Beirates der DGZ „Good clinical practice: Die Wurzelkanalbehandlung“ wird eine 4 jährige röntgenlogische Kontrolle angeraten.
Das müsste dann heißen, daß dann eine Heilung zu erwarten ist.
Nun muss man definieren, wann eine Heilung eine Heilung ist.In endodontischen Fachkreisen spricht man von einer Heilung, wenn im Röntgenbild der Desmodontalspalt in schmaler Linie um die Wurzel nach verfolgbar ist.
Es gibt seltene Ausnahmen.
Allerdings spricht Friedman auch: Infrequently after nonsurgical treatment, very extensive lesions can heal without total resolution of the radiolucency, when fibrous tissue occupies the periapical space. Prognosis of Healing in Treated Teeth with Endodontic Infections; Shimon Friedman Endodontic Microbiology, Secound Edition; First published: 11 February 2017
Sollte keine Heilung erkennbar sein, muss man differential diagnostisch eine radikulären Zyste, eine Keratozyste, ein eosinophiles Granulom oder ein Riesenzellgranulom in Erwägung ziehen. Abhängig von der Größe ggf. einen Tumor. Endodontie 27 (2018), Nr. 1, Seite 55-57; Wie ging es weiter mit …; Arnold, Michael
Die Ausnahmen möchte ich zunächst nicht betrachten.
An Hand einer Übersicht eines Falles bitte ich Euch mir kurz eine Zahl zu benennen, an Hand der Eurer Meinung nach die vollständige Heilung vorhanden ist. Vielen Dank für die Teilnahme!
Hier ein kurzes Video, den Clean Stand betreffend.
Genauer gesagt, die Schaumstoffeinsätze. Die schneiden wir uns selbst. Mit diesem Gerät hier. Einem Proxxon Heißdraht-Schneidegerät Thermocut. Kostet 84 Euro.
Die Schaumstoffeinsätze gibt es im Handel 25 Stück für 11 Euro. Wobei, nimmt man die Depot-Hausmarke, gibt es schon 25 Stück für 4 Euro.
Lohnt es sich also, so ein Gerät zu kaufen ?
Eigentlich nicht, oder ?
Andererseits. Bei nur 5 Endos am Tag hält so eine Packung gerade mal 1 Woche. Nach weniger als einem halben Jahr sind die Investitionskosten für das Gerät raus. Die Herstellung geht im Übrigen wie im Video zu sehen, so einfach und (fast so) schnell wie Gurkenraspeln.
Ach ja. Die Käsedreiecke für den Endoring schneiden wir auch damit. Da wirds dann richtig interessant, denn 48 Stück kosten 32 Euro.
All diese Schwämme kann man ja nicht aufbereiten. Sterilisieren kein Problem, aber die Reinigung ist nicht möglich, daher sind alle Schaumstoffteile, die von Endo-Instrumenten durchbohrt werden, Einmalartikel.
Die Entfernung nach periapikal verbrachter Guttapercha gehört zu den regelmässig zu lösenden Problemen. Mein dafür von mir bevorzugte Instrument in engen bzw. normal weiten Kanalsystemen ist ganz klar die Hedströmfeile.
Den wichtigen Umstand, die Feile immer bis auf EFL 0,0 einzubringen und mit kleinen Durchmessern zu beginnen, um ein Abreissen der apikalen oder periapikalen Guttapercha zu vermeiden, hatte ich hier schon häufig erwähnt. Zu der Frage, wo ich die Hedströfeile bei gekrümmten Kanalverläufen einsetze, habe ich mir noch nie Gedanken gemacht.
Anbei ein Behandlungsfall, bei dem ich beide Varianten ausprobiert hatte. Nur eine funktionierte und vielleicht habe ich eine Erklärung, warum.
Nach initialem Reduzieren der Guttapercha kam es aus MB1 zu einer spontanen putriden Exsudation. Das erste Spülen mit NaOCl zeigte einen bukkal gelegenen Hohlraum. Dennoch hatte ich zunächst die Idee, den palatinal gelegenen tropfenförmigen Querschnitt zu nutzen, um die Hedströmfeile bis auf 0,0 zu bringen. Erst das bukkale Einsetzen war schon mit der 20er-Hedströmfeile beim ersten Versuch von Erfolg gekrönt.
Meine Erklärung:
Das über die bukkal gelegene Aussenkurvatur eingebrachte Instrument wird von der Kanalwand ständig nach palatinal gedrückt, sodass die Guttapercha in den zwischen MB1 und MB2 vorhandenen schlitzförmigen Hohlraum verdrängt werden kann. Somit dringt das Instrument weiter nach apikal vor, bevor es die Guttapercha perforiert bzw. in die Guttapercha eindringt.
Zwar wird auch die Innenkurvatur das ähnlich machen, nur befindet sich bukkal der Guttapercha kein Platz. Somit muss die Feile apikal durch die Guttapercha/Sealermischung bewegt werden, während sie sich, von der Aussenkurvatur nach palatinal gedrückt, an der Guttapercha vorbei arbeiten kann.
Die auf dem klinischen Bild zu sehende Distanz zwischen Guttapercha und Hedströmfeile erklärt sich wahrscheinlich dadurch, dass nach dem Entfernen der Druck der Wand wegfällt und das Rückstellvermögen der Feile das „Abstehen“ von der Guttapercha verursacht.
In der Zukunft werde ich überprüfen, ob meine Rückschlüsse zutreffen, oder nicht.
Immer wieder schön zu sehen, wie gut die Immunabwehr den periapikalen Teil der Guttapercha „versäubern“ kann.
Ich möchte mir gerne einen kabellosen Endomotor kaufen. Bis gestern hätte ich mich für VDW connect drive entschieden, habe aber von VDW erfahren, dass sie den Motor nicht weiter vertreiben, weil es so viel Probleme gab. Was hab Ihr für Erfahrungen mit kabellosen Motoren und könnt Ihr einen empfehlen.
Viele Grüße
Ingo Hümmer
H.W. Herrmann antwortet: Ich arbeite seit 2007 mit kabellosen Motoren. Das Handling bzw. die dadurch erreichbare Ergonomie ist mit kabelgebundenen Motoren nicht zu erreichen. Man soll nie „nie“ sagen, aber es würde mir zumindest sehr schwerfallen, von kabellosen Antrieben wegzugehen. Meine Frage wäre zunächst, womit soll aufbereitet werden? Vollrotierende konventionelle Instrumente? Ich brauche keine Kombi Apexlokator/Aufbereitungsmotor, daher kämen viele Motoren in Frage. Wir hatten bislang NSK, W+H, VDW/Dentsply und Morita und jeder dieser Motoren hat seinen Job sehr gut gemacht. Insbesondere die von mir am Anfang befürchteten Akku – Probleme sind ausgeblieben. Gegenwärtig arbeiten wir mit Morita TriAuto ZX 2-Motoren und VDW IConnect Drive-Motoren. Es kommen 4 Motoren immer, manchmal sogar bis zu 6 Motoren pro Behandlung zum Einsatz, weil ich während der Aufbereitung Instrumentenwechsel vermeiden möchte. Was Probleme angeht – am meisten, wenn überhaupt, war der VDW/Dentsply Motor hier auffällig. Wenn ich es genau überlege, hat nur dieser Motor überhaupt Probleme gemacht. Wir haben 3 solcher Motoren bei uns in der Praxis im Dauereinsatz und gefühlt 1 mal pro Jahr kam es hier zu unterschiedlichen kleinen Problemen, die sich aber alle beheben liessen. Im Vergleich zu anderen Geräten (ich denke hier insbesondere an die Hygienekette) eher Kinderkram. Insofern bedaure ich sehr, das VDW die Geräte vom Markt genommen hat, statt sich im Sinne des Kunden um eine Problemlösung zu bemühen. Das darüberhinaus zum Zeitpunkt der Marktabkündigung auch keine adäquate Alternative im Sinne eines Neuproduktes angeboten wird, macht die Sache nicht besser. Ich kann also nur hoffen, das unsere Geräte noch lange durchhalten, zumal ich wenig Hoffnung habe, dass der Reparatur des Altbestandes bei VDW zukünftig hohe Priorität zuteil werden wird. Das schätze ich so an den Produkten der (familiengeführten, der nachhaltigen Produktqualität verpflichteten) Firma Morita. Auch in Japan ist die Welt im Wandel, aber das Streben nach Bestmöglichem und der Stolz auf das Geschaffene sind dort eine im Alltag noch soviel mehr und tiefer verankerte Primärtugend als es bei uns der Fall noch ist. Wir (hier in Deutschland) hatten all dies auch einmal, aber diese Zeiten sind vorbei. Zurück zum Thema. Bei vollrotierenden Instrumenten wäre das Morita TriAuto ZX2 für mich der Motor der Wahl, bei reziproken Instrumenten kann ich gegenwärtig keine Empfehlung aussprechen.
O. Löffler antwortet: Ergonomisch sind kabellose Systeme das Optimum. Allerdings nur, wenn diese verläßlich funktionieren. Das hat in meiner Praxis mit Polymerisationslampen nicht dauerhaft funktioniert. Wir sind wieder zurück bei kabelgebundenen Lampen. Zur gleichen Zeit haben wir uns von NSK das erste kabellose Endodontiesystem gekauft. Die Geräte sind bis heute nicht ausgefallen. Sogar den Akku konnten wir selbst tauschen. Allerdings ist es häufig vorgekommen das die Geräte nicht aufgeladen waren. Bedienerfehler – auf Grund wechselnder Mitarbeiter in diesem Verantwortungsbereich. Reziproke Bewegungen können die Geräte nicht durchführen. Deshalb setze ich weiter auf kabelgeführte Systeme. Ein Versuch reziprok mit einem aktuellen kabellosen Motor zu arbeiten, scheiterte daran, daß die Handstücke der Assistenz mehrmals heruntergefallen sind und unreparabel kaputt sind – Bruch der Plastikhülle. Deshalb klar keine Empfehlung zu kabellosen Systemen, wenn reziproke Instrumentensysteme verwendet werden sollen. Das TriAuto ZX2 hat bisher bei uns ebenso wie der NSK Motor funktioniert. Allerdings sind mir persönlich die Kosten eines zusätzlichen Kopfes zu hoch. Deshalb hat das System bei uns einen stiefmütterlichen Einsatz.
J. Schröder antwortet: Ich verwende seit mehr als 10 Jahren? kabellose Motoren von NSK. Endomate TC2. Dazu einige Wechselköpfe. Das System ist für mich ideal, da ich nicht reziprok aufbereite. Die Akkus können selbst getauscht werden und die Köpfe kosten nicht die Welt. Limitierend und für die bei mir in bestimmten Fällen zum Einsatz kommenden XP-Finisher-Feilen notwendig, ist die maximal zur Verfügung stehende Drehzahl. Um die von FKG empfohlenen 800-1000 U/min zu erreichen, haben wir auch zwei TriAutoZX2 zur Verfügung. Gerade für einen reibungslosen Behandlungsablauf sind zwei kabellose Motoren wichtig, da immer die nächste Feile bereits eingesetzt und im gerade nicht benutzten Motor vorgehalten werden kann. Ein weiterer Vorteil von zwei Motoren ist die Redundanz im Fall eines Ausfalles einer der Motoren.
Die Tage erreichte uns das Einjahres-Kontrollröntgenbild eines von uns behandelten Zahnes 16 nach Revision.
Ein Jahr ist der Abschluss dieser Thermafil-Revision her.
Hier die Kurzabfolge des Falles:
Prä-OP Röntgenaufnahme bei Zustand nach also loco durchgeführter endo. Therapie; ausgeprägte Aufhellung mesio-bukkalScreenshots des DVTs.Fenestration der bukkalen Kortikalis; Übersehne Kanalsysteme mesio-bukkalPost-op-Aufnahme nach erfolgter zweizeitiger Revision1 Jahr post-op; radiologisch vollständige Remission der vormals mesio-bukkalen AufhellungPrä-op vs. 1 Jahr post-op
Im vorliegendem Fall habe ich lange eruieren müssen.
Die Anamnese ist wichtig um wenigstens etwas die damals gestellte Diagnose und Tharepie zu verstehen.
Es erfolget eine Resektion von palatinal um die vestibuläre Gingiva zu schonen. Das waren die Aussagen der Patientin. Die Behandlung erfolgte an einer Unviversitätsklinik. Mehr wusste sie nicht. Unterlagen zu erlangen erwies sich trotz schriftlicher und telefonischer Anfragen als unmöglich.
Zwei Röntgenbilder zum Fall haben wir vom Hauszahnarzt erhalten. Dieser wusste aber auch nichts näheres.
Im DVT sehen wir den operativen Zugang nach mehr als 5-10 Jahren.
Nicht nur die Blutung ist bei diesem Zugang ein Problem. Es kommt die indirekte Sicht und die damit verbundene optische Behinderung hinzu. Der Zahn ist austherapiert, war unsere Einschätzung und die langfristige Erhaltung des Zahnes war kritisch zu betrachten. Trotzdem verlangte die Patientin einen Erhaltungsversuch.
Von diesem erwartete ich eine mögliche Verkleinerung der apiakeln Osteolyse um eine Implantation vorhersagbarer zu gestalten. Das geschah in Absprache mit dem Hauszahnarzt, einem Kieferchirurgen.
Unter diesen Vorstellungen erfolgte die weitere Therapie.
Nach nunmehr mehr als 5 Jahren hat mich das röntgenologische Ergebnis überrascht. Eine derartige „Osseointegartion“ der reduzierten Zahnwurzel hatte ich nicht erwartet.
Für mich ein Glücksfall und kein vorhersagbarer Therapieerfolg.
Die Patientin war nicht überrascht. Sie hatte nichts anderes erwartet…
Auch in diesem Fall können wir nicht beurteilen ob eine Zyste beteiligt war. Die Anamnese lässt eine iatrogene Beteiligung an der Größe der endodontischen Läsion möglich erscheinen.
Therapie:
Nach der Wntfernung der prothetischen Restaurationen, einschl. Stift erfolgte eine weiter Aufbreitung des Kanalsystems. Dies gelang mittels Niti-Instrumentenbis zur apikalen Aufbereitunsgröße von #60. Die Desinfektion erfolgte mit NaOCl 5%, der Smearlayer wurde mit Zitronensäure 10% entfernt. Die Spüllösungen wurden mit Ultraschall und Schall aktiviert. Der apikale Verschluß des Neoapex erfolgte mit ProRoot MTA weiß und einem apikalem Widerlager mit Resorba.
In der Röntgendokumentation sehen wir einen deutlichen Heilungsverlauf. Dieser war nach WSR und Zystektomie nicht erkennbar. Nun ist die Frage können wir daraus schlußfolgern, daß es keine Zyste war. Ich glaube nicht, daß wir das können. Das wichtigste, was wir wieder bestätigt finden, keine WSR ohne Revision.
Erklärung zu den Fotos. Die Aufnahmen der klinischen Bilder der vestibulären Gingiva erfolgten nach Therapieabschluß, da wir einen Erfolg als unwahrscheinlich ansahen und lediglich noch einmal die klinisch gingivale Situation für eine Implantation dokumentieren wollten. Wir werden den Fall weiter verfolgen.
Abschliessend noch der 3. Vorweihnachtsfrust-Fall. Ebenfalls ein (noch) junger Kollege.
Die 16 jährige Patientin wurde zu uns überwiesen wegen Schmerzpersistenz nach Wurzelkanalbehandlung an Zahn 13.
Der Zahn 13 war trepaniert worden, weil die Patientin wegen starker Schmerzen im Oberkieferfrontzahnbereich den Hauszahnarzt aufgesucht hatte. Es wurde danach aber nicht besser, so dass der Behandler nach etwa 3 Wochen das Handtuch warf.
Eigentlich ein einfacher Zahn. Woher also die anhaltende Schmerzproblematik? Noch mysteriöser – der Zahn 13 war karies – und füllungsfrei. Eine Trauma als Schmerzursache konnte anamnestisch nicht verifiziert werden.
Der Zahn 11 hingegen. Auf dem Zahnfilm bei Erstvorstellung bei uns am Rande zu sehen, käme wohl schon eher für als Schmerzauslöser in Frage. Zumindest – bevor Zahn 13 trepaniert wurde und keine Ruhe mehr gab.
Zustand nach Endo vor ein paar Jahren. Zustand nach WSR vor ein paar Jahren.
Und mit einer apikalen Aufhellung. Weshalb ich die Patientin nebst anwesender Mutter darauf hinwies, das möglicherweise man daran denken müsste, dass – meine Standardformulierung – Falls Schmerzen nach der Behandlung eines Zahnes über längere Zeit bleiben eventuell ein anderer Zahn oder eine andere Ursache für die Schmerzen verantwortlich zeichnen.
Es kam wie es kommen musste. Schmerzfreiheit an Zahn 13 nach unserer Behandlung. Ein paar Tage später Anruf der Patientin. Wieder Schmerzen.
Wir behandeln den Zahn 11. Danach alles gut.
Nachfolgend die Zahnfilme zu Fall. Das Abschlussbild ist 2 Monate nach Erstvorstellung.
3 Ratschläge zum Mitnehmen aus dem Fall:
Betreibe eine gescheite klinische Diagnostik (Kältetest, Kloptest)
Nutze den gesunden Menschenverstand (ein Zahn der äusserlich tadellos ist, ist eher unwahrscheinlich für eine starke Schmerzsymptomatik verantwortlich. Falls er das ist, dann wird Ihn eine gescheite klinische Diagnostik (Punkt 1) auffällig werden lassen.
Wenn Du keinen Zahn als Schmerzauslöser sicher ausmachen kannst, vermeide wohlgemeinten Aktionismus. Besser erst mal keine Zahn behandeln als den falschen Zahn behandeln !
Vergangenen Freitag hatte ich hier drei Fälle vorgestellt, bei denen die eigene Diagnostik Komplikationen zu Tage förderte, die in den Überweisungsformularen keine Erwähnung gefunden hatten.
In den nächsten Beiträgen möchte ich nun die Dokumentation der klinischen Behandlung einstellen.
Fall1: Zwei unerwartete Fragmente.
Nach der Auswertung des kleinvolumigen DVT der Regio 27 hatte ich der Patientin bereits gesagt, dass ich die Entfernung des jenseits der apikalen Krümmung gelegenen Fragmentes in MB für eher unwahrscheinlich erachte.
Das Fragment war kurz und nach der s-förmigen apikalen Krümmung verblieben. Ein Eingebolztsein war mehr als wahrscheinlich. Neben der Entfernung durch die schall- oder laseraktivierte Spüllösung, kam noch das Passieren des Fragmentes mittels vorgebogener Handinstrumente bzw. das Belassen des Fragmentes in Betracht. Forcierte Versuche kamen für mich nicht in Frage, da selbst beim Belassen des Fragmentes aufgrund der kurzen Strecke bis zum Foramen mit einer gewissen Desinfektion gerechnet werden kann, da die Spüllösung entlang der Schneidräume des Instrumentes vordringen könnte. Zudem besteht zusätzlich die Option der chirurgischen Intervention, falls sich in der Zukunft eine periapikale Pathologie an der mesialen Wurzel entwickeln sollte.
Das in DB befindliche Instrumentenfragment weist einen schmalen Querschnitt auf. Das weist auf eine Fraktur während der initialen Aufbereitungsphase hin. Von einer Desinfektion der weiter apikal gelegenen Kanalanteile kann – im Gegensatz zur Situation in MB – nicht ausgegangen werden. Zudem ist die apikale Strecke mit fast 3 Millimetern so lang, dass hier nennenswerte Anteile an Pulpagewebe verbleiben könnten.
Nach absoluter Trockenlegung – vielen Dank an dieser Stelle an Olaf Löffler für die Empfehlung der Klammer 27N, die bei trapezoidem Zahnquerschnitten eine sehr gute Retention gewährleistet – konnte die in den mesiale Defekt hinein proliferierte Gingiva verdrängt und der präendodontische Aufbau erstellt werden.
Um eine möglichst lange Einwirkzeit der Spüllösung zu gewährleisten wurde zunächst die Aufbereitung des palatinalen Kanalsystems durchgeführt. Anschliessend kam in MB und DB die ErYAG-Laser-unterstütze Irrigation von MB und DB zum Einsatz. Da das Fragment nicht herauszuspülen war, erfolgte der leider ebenso vergebliche Versuch das Fragment mittels vorgebogener Handinstrumente der Größe 008 zu passieren. Als auch dies nicht gelang wurde der Kanal bis zum instrumentierbaren Ende auf 40/06 erweitert und erneut ausgiebig schall- und laserunterstützt durchgespült.
Nach Erweiterung des Orifiziums des DB konnte kurz darauf das Fragment und die distal davon befindliche Stufe visualisiert werden. Das Fragment selbst war auf voller Länge eingebolzt und musste in zwei Teilen entfernt werden, da sich nach initialer Freilegung nur das obere Drittel löste. Erfreulicherweise konnte der Hartsubstanz auch trotz recht eingeschränkten Platzverhältnissen sehr gering gehalten werden.
Wichtig: die radiologische Kontrolle nachdem es nach visueller Inspektion als sehr wahrscheinlich zu erachten war, dass das Fragment vollständig geborgen werden konnte.
Mittels vorgebogenem Microopener wurde der Originalkanal Taktik erfasst und anschliessend im gekoppeltem Modus (zuerst manuelles Einführen der NiTi-Feile im trockenen Kanal, dann Fluten mit NaOCl und abschliessendes „Koppeln“ = „Überstülpen“ des Endomotors) aufbereitet.
Nach Abschluss der Obturation und adhäsivem Verschluss bleibt jetzt nur zu hoffen, dass die Desinfektionsbemühungen auch im MB trotz Belassen des Fragmentes von Erfolg gekrönt sein werden.
Immer wieder suchen uns Patienten auf, bei denen die klinischen und/oder radiologischen Befunde sowie die anamnestisch zu erhebenden Behandlungsverläufe bei mir ein inneres Kopfschütteln verursachen.
Es hat einige Jahre gedauert, bis ich die meiner Meinung nach richtigen Worte finden konnte, um die jeweiligen Sachverhalte zu erläutern, ohne allzuviel Porzellan zu zerschlagen. Ich möchte den Patienten den Status und die zur Verfügung stehenden Behandlungsoptionen nahebringen, ohne in berufsrechtliche Schwierigkeiten kommen zu können (Stichwort „gutachterliche Äusserung“). Zudem sind es teilweise Patienten, die von Ab-und-Zu-Überweisern überwiesen werden. Hier gilt es einen schmalen Grat zu wandeln. Ich werde nichts schön reden. Aber macht es Sinn, seine inneren Gedanken zu äussern? Wem nutzt es? Den Patienten? Ich glaube nicht. Mir? Mit Sicherheit nicht. Den Überweisern? Erst recht nicht. Hier können alle Beteiligten nur verlieren, wenn die Wortwahl nicht bedacht wird.
Im ersten Beispiel erfolgte nach einem Verkehrsunfall die implantologische Versorgung im Oberkieferfrontzahnbereich. Die Patientin würde ich als von den erfolgten zahnärztlichen Behandlungen stark traumatisiert bezeichnen. Bereits der Gedanke an eine Lokalanästhesie in diesem Bereich lässt die Tränen fliessen. Die Nachfragen der Patientin zeugen von einem in Mitleidenschaft gezogenem Vertrauen zu Zahnärzten allgemein. Warum wurde die Revision des deutlich insuffizient gefüllten und beherdeten Zahnes 21 nicht vor der implantologischen Versorgung durchgeführt? Die apikale Lyse zeigte sich ja bereits im vor der Implantation angefertigten DVT.
Was ist der Grund für die Resektion des 21 bei einer 22 jährigen Patientin die im Alter von 9 Jahren eine endodontische Behandlung erhielt? Ist es hilfreich, diese Frage auch genauso gegenüber der Patientin zu stellen?
Das präoperative OPG zeigt eine tiefe Karies an 27. Das bei der Beratung erstellte Einzelbild dafür zwei Instrumentenfragmente von denen weder der Überweiser berichtete, noch die Patientin wusste.
Wie geht die werte Leserschaft mit diesen Dingen um?
Im letzten Fall zu dem Thema haben wir eine merkwürdige Ausgangssituation.
Die Patientin wurde uns von einem Oralchirurgen überwiesen, mit der Bitte noch mal zu prüfen, ob der Zahn zu erhalten ist. Die Patientin wünscht den unbedingten Erhalt des Zahnes und lehnt eine Implantation ab.
Diagnose: Z.n. WKB, WSR und Zystektomie vor mehr als 3 Jahren
Befunde: kein Lockerungsgrad, keine erhöhten Sondierungstiefen, keinerlei Narbenbildung nach WSR.
Es besteht kein Perkussionsschmerz lat/inz, kein Aufbisschmerz, nur ein ständiges Druckgefühl.
Wie passen das Ausgangsbild, die Anamnese und die klinischen Bilder und Befunde zusammen?
Hier der zweite Fall. Wurzelkanalbehandlung an Zahn 36 durch Hauszahnarzt, aber Schmerzpersistenz. Daher Überweisung zur WSR. Der MKG-Chirurg schickt zu uns, wir mögen uns bitte den Zahn vorab anschauen.
Hier die intraoralen Fotos, Zahnfilm und DVT-Schnitte. Indikation zur WSR ? Apikale Aufhellung? Fehlanzeige. Was also soll die WSR bringen ? Die Schmerzproblematik wird sie nicht ausschalten. Maximal das röntgenologische Erscheinungsbild der unvollständigen Wurzelkanalfüllung der beiden abgefüllten Kanäle maskieren. Nach der Extraktion wird es dann besser.
Zahnheilkunde 2020.
Bei der Revision fällt auf. Makroskopisch undichter Verschluss der Deckfüllung. Adhäsiver Verbund? Fehlanzeige. Was dieser breiige Matsch in der Kavität ist, den wir nach Entfernung der Kunststoff-Restauration vorfinden? Wir haben keine Ahnung. Dann massiv nekrotisches Pulpagewebe unter den Überhängen nach bukkal hin. Die bislang unbearbeiteten Kanäle lassen sich ohne Probleme instrumentieren, die vorhandene WF kinderleicht entfernen. Stufen in den bereits Kanälen – falls überhaupt vorhanden – unwesentlich. Also zumindest kein erkennbarer Grund, nicht bis nach apikal zu instrumentieren. Am nächsten Tag daher -wie erwartet- Schmerzfreiheit.
Diese Frage stellte ich mir insgeheim, als ich das vom Patienten mitgebrachte Röntgenbild betrachtet hatte.
Was wäre gewesen, wenn ich nach vielen Jahren der endodontischen Tätigkeit und entsprechenden Misserfolgen nicht darauf trainiert gewesen wäre, in jedem auf den ersten Blick simpel erscheinenden Zahn, das Versteckte zu vermuten? Doppelkonturen und die Veränderung der Weite des Kanalsystems im Verlauf von koronal nach apikal waren die ersten Hinweise auf eine apikale Aufgabelung in diesem 15.
Was wäre gewesen, wenn ich nach Darstellung der beiden Kanalorifizien, sofern mir dieses ohne Mikroskop gelungen wäre, auf den gemeinsamen Kanalverlauf im mittleren Drittel gestossen wäre, ohne von der apikalen Aufgabelung zu wissen?
Hätte ich mir zugetraut, auf Verdacht hin die koronalen Eingänge zu vereinigen um dann das mittlere Drittel so zu erweitern, dass ich mit vorgebogenen Instrumenten die apikale Aufgabelung könnte? Ehrlich: vermutlich nicht.
Die Wahrscheinlichkeit, dass ich ohne das Wissen der vorhandenen Anatomie einen der beiden apikalen Kanalanteile nicht instrumentieren könnte, erscheint mir sehr groß.
Doch wir schrieben zum Zeitpunkt der Behandlung das Ende des Jahres 2020 und so waren die Hürden klar durch Einsatz dreidimensionaler Diagnostik erkennbar und konnten mit einer gut strukturierten Planung reibungslos überwunden werden.
DAS Hilfsmittel hierbei das DVT. Nicht nur die Aufbereitung konnte vorhersagbar ausgeführt werden, auch die Erweiterung des mittleren Drittels wurde so gestaltet, dass es am Ende gelang, jedes der beiden Kanalsysteme mit einem einzelnen Guttaperchapoint zu beschicken.
Und hier wird der Vorteil des Zusammenwirkens von DVT, Mikroskop und etwas handwerklichem Geschick besonders deutlich. Denn selbst wenn es mit Glück und höchster Handwerkskunst gelungen wäre, beide apikalen Verläufe ohne Entfernung der Dentinbrücke bis zum mittleren Wurzeldrittel zu instrumentieren, wäre die Obturation beider Kanalsysteme bei gleichzeitig hartsubstanzschonender Präparation aufgrund der Länge der Verläufe nach der Aufgabelung als mehr als unwahrscheinlich anzusehen.
So konnte selbst die Reihenfolge des Einbringen der Guttaperchapoints vorab festgelegt werden, um Komplikationen bei diesem Arbeitsschritt zu vermeiden.
Interessant, wie verändert die verschiedenen Projektionen der Einzelbilder die tatsächliche Anatomie darstellen.
2020 – Ein Jahr, über das nichts mehr gesagt werden muss. Weil man es auf ein einziges Wort reduzieren kann.
Corona-Pandemie. Und der einzige Satz, den ich noch anführen möchte, lautet: Gut, das es nun vorbei ist.
Also auf zu 2021. Wird es besser werden? Wir hoffen es alle. Ich befürchte, es wird es nicht.
Denn die Versäumnisse, die Fehler, die 2020 gemacht wurden, sie werden uns ins Jahr 2021 hinein verfolgen. Ihre verheerende Wirkung erst so richtig entfalten. Werden wir den Lauf der Welt ändern können? Vermutlich nicht. Ich bin zumindest skeptisch diesbezüglich.
Wenn 2020 etwas gezeigt hat, dann, daß wir nicht nur Naturgewalten hilflos ausgeliefert sind, vielmehr der Mensch – als Einzelner wie im Kollektiv einem – ich nenne es- Fatalismus des Faktischen unterliegt. Der uns im schlimmsten Fall in die Katastrophe führt. Um es überspitzt auf den Punkt zu bringen – Wer die TI widerstandslos abnickt, der wird auch der Einberufung zur Landesverteidigung nachkommen, wenn es darum gehen soll, für unser Land in den Krieg zu ziehen, sobald die Notwendigkeit dessen von Amts wegen angekündigt wird.
Zu überzogen die Betrachtung? Mag sein. Wer allerdings bislang gemeint hat, dass alltägliche egozentrische/egoistische Entscheidungsmuster „Bleib sitzen Kind, wir haben für die U-Bahn bezahlt“ im entscheidenden Moment zugunsten heroischer Selbstaufgabe weichen würden, der hat dieses Jahr erkennen müssen, dass das Gegenteil der Fall ist.
Homo hominis lupus. Willlkommen in 2020!
Noch schlimmer als die Erkenntnis, dass es offensichtlich keine moralischen Konstrukte mehr gibt, welche mäßigend, bremsend, korrigierend ihre Wirkung entfalten könnten, ist der Umstand, daß sich die dem postulierten Volkswohl dienenden politischen Regularien als Farce offenbaren. Noch bestehenden Stützen ausgehöhlt, untergraben, fortgeräumt werden. Die Politik und ihre Helden als Marionette der Großfinanz. Die sogenannte „Soziale Marktwirtschaft“ ein potemkinsches Dorf. Das ahnten wir immer schon, aber jetzt wird die Fassade mit grossen Planierraupen und Baggern abgerissen!
Das ist der Status Quo. Zum Jahreswechsel. Was tun?
Das kann nur jede(r) Einzelne für sich selbst bestimmen. Es gibt angesichts der Ohnmacht des Einzelnen und des bereits oben benannten Fatalismus des Faktischen, der Tragik, welcher das Individuums in Sinne der griechischen Antike unterliegt, keine Patentlösungen.
Trotz Allem gilt. Die Hoffnung, den Glauben an das Gute per se nicht verlieren.
Freude in sich, für sich und das eigene Umfeld suchen.
Und so hoffe ich, dass auch 2021 WURZELSPITZE zur Freude im beruflichen Umfeld beiträgt. Ein wichtiger Faktor bei sicherlich nicht besser werdenden Rahmenbedingungen, unsere Profession betreffend.
Das WURZELSPITZE über das rein Fachliche hinaus zu persönlichen Begegnungen geführt hat, sich eine Reihe von ZahnärztInnen auch menschlich näher gekommen sind, sogar Freundschaften entstanden sind, lässt mich frohen Mutes in das neue Jahr voranschreiten.
In Zeiten wie diesen wichtiger, wertvoller denn je. Daher zum Schluss noch ein paar Worte zu WURZELSPITZE . Es ist schade, das coronabedingt unsere Fortbildung „Die Drei reden über…“ nicht durchgeführt werden konnte. Wir sind angesichts des gegenwärtigen Fortbildungsangebotes mehr denn je davon überzeugt, dass es dieser Fortbildung bedarf und diese mit großer Resonanz aufgenommen werden wird. Allerdings ist es zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht möglich, diese für 2021 zu planen und vorzubereiten. Die Rahmenbedingungen sind nicht kalkulierbar. Es vermutlich 2022 werden wird, bis an die Durchführung überhaupt zu denken ist.
Was uns sehr betrübt. Denn wir würden gerne sofort loslegen. Wir brennen darauf, zu sehen, welches Feedback das neue Konzept, das uns begeistert, auslösen wird.
Für unsere WURZELSPITZE Plus LIVE TALK s können wir hingegen schon vermelden, dass die Resonanz so gross und positiv ist und uns Allen das Ganze so viel Spass macht, dass wir 2021 damit regelmäßig (heisst gegenwärtig 1 mal im Monat) weitermachen wollen.
Der nächste Termin steht auch schon fest.
Es ist Mittwoch, 20.01.2020 20:00 Uhr. Worum ging es beim letzten Mal? Im WURZELSPITZE Plus LIVE TALK 2 haben wir gesprochen darüber, wie man die bestmögliche Bildqualität bei der Durchführung von DVT´s erhält.
Und jeder, der ein solches Gerät besitzt oder den Kauf in Erwägung zieht, hat eine Stunde lang eine Vielzahl wertvoller Tipps bekommen, die man sonst in dieser Form nirgends erfährt. Und erst recht nicht vor dem Kauf, was vermutlich das Sinnvollste überhaupt wäre. Das kurze Zeit später bei Endonews zum Thema „Schwierigkeiten/Probleme bei der DVT Erstellung“ Anfragen eintrafen, für welche die WURZELSPITZE Plus LIVE TALK Teilnehmer nun die passenden Antworten (und viele darüber hinaus) bereits besitzen, zeigt nur, wie wertvoll dieses Medium ist.
A pro pos Emailverteiler.
Ich möchte offiziell verkünden, dass wir in 2021 hinein mit einem WURZELSPITZE – Emailverteiler starten werden. Ebenfalls nicht frei zugänglich. Auf den Kreis der WURZELSPITZE – Mitglieder beschränkt.
Um einen offenen Austausch Aller untereinander zu ermöglichen. Ich bin mehr denn je der Meinung, dass dies in eine Gruppe, in der alle Mitlesenden bekannt sind, sich wesentlich besser bewerkstelligen lässt als in einer grossen anonymen Masse, deren geschriebene Inhalte Jedem zugänglich sind. Es ist nachvollziehbar, das vermutlich Jeder in einem solchen Szenario zurückhaltend agiert.
Wir wollen das Gegenteil erreichen!
Die Emailliste lautet: Wurzelspitze ZM QZ. Die Freischaltung erfolgt Anfang 2021. Eine Anmeldung könnte schon vorab möglich sein, wer es testen möchte, zur Anmeldeseite geht es hier.
Am 06. Januar werde ich wieder in die Praxis zurückkehren. Dann werden wir auch die Eintragung der Mitglieder auf 2021 vornehmen. Wer also weiter an WURZELSPITZE teilnehmen möchte und es bislang noch nicht getan hat, der möge die Überweisung, seiner Teilnahmegebühr entsprechend, vornehmen.
Der Einfachheit hier noch einmal erwähnt.
Jahresbeitrag StudentInnen 24 Euro Jahresbeitrag angestellte ZA/ZÄ 48 Euro Jahresbeitrag Zahnärzte (m/w/d) in eigener Praxis 96 Euro Jahresbeitrag WURZELSPITZE Plus TeilnehmerInnen 240 Euro
Die Bankverbindung: IBAN: DE90 5609 0000 0002 0958 08 BIC: GENODE51KRE Kontoinhaber: S Herrmann Verwendungszweck: Jahresbeitrag 2021 WURZELSPITZE QZ
Wer nicht mehr teilnehmen möchte, der braucht nichts zu tun. Er wird automatisch spätestens zum 08.01.2021 aus dem Verteiler genommen.
Wer nicht rausfliegen möchte, sollte vorab überweisen.
Ich bin kein Freund von Anglizismen. Zumindest, solange es deutsche Wörter gibt, die den zu beschreibenden Sachverhalt in gleicher Weise wiedergeben und es demnach nur darum geht, cooler, hipper, trendiger rüberzukommen, statt die scheinbar verstaubte Muttersprache anzuwenden. Gerne zitiere ich in diesem Zusammenhang wieder die Mutter aller Hipster- Anglizismen, Jil Sander, mit ihrem legendären Statement aus dem Jahre 1996:
„Ich habe vielleicht etwas Weltverbesserndes. Mein Leben ist eine giving-story. Ich habe verstanden, daß man contemporary sein muß, das future-Denken haben muß. Meine Idee war, die hand-tailored-Geschichte mit neuen Technologien zu verbinden. Und für den Erfolg war mein coordinated concept entscheidend, die Idee, daß man viele Teile einer collection miteinander combinen kann. Aber die audience hat das alles von Anfang an auch supported. Der problembewußte Mensch von heute kann diese Sachen, diese refined Qualitäten mit spirit eben auch appreciaten. Allerdings geht unser voice auch auf bestimmte Zielgruppen. Wer Ladyisches will, searcht nicht bei Jil Sander. Man muß Sinn haben für das effortless, das magic meines Stils.”
Ich habe daher lange überlegt, wie ich den Begriff „micro adjustments“ in deutscher Sprache wiedergebe. Und bin letztendlich bei „Detailverbesserungen“ hängengeblieben. Aber so ganz trifft es das nicht. Jil würde sagen, der spirit kommt nicht authentic rüber, die Beschreibung ist nicht edgy genug.
Daher dann doch „micro adjustments“
Was meine ich damit?
Ich versuche den Sachverhalt an einem konkreten Beispiel zu erläutern. Haben Sie sich schon mal in ihrer Praxis Gedanken gemacht darüber, wie Ihnen die Guttaperchaspitzen im Rahmen der Wurzelkanalbehandlung angereicht werden ?
??? Ich spüre schon ihre Einwände. Wie jetzt? Was bitte ist an der Übergabe von Guttaperchaspitzen auch nur einen Gedanken wert ? Und welche Möglichkeiten soll es geben, Guttaperchaspitzen anzureichen, die es wert wären, sich darüber Gedanken zu machen ?
Einfach hinfahren. DRK wiederholt seine Testaktion auf der Bad Kreuznacher Pfingstwiese
So die fettgedruckte Überschrift des Artikels.
Und weiterhin.
Nach dem grossen Erolg des zweitägigen Corona – Schnelltestaktion mit über 700 Teilnehmern wird die Aktion wiederholt.
Wir sind von der positiven Resonanz unseres Testangebotes begeistert. Die Menschen waren alle sehr geduldig, diszipliniert und froh über die einfache Testmöglichkeit. Die als Drive In Konzept angelegte Station war vom DRK kurzfristig organisiert worden, um Menschen vor dem Besuch von Familienmitgliedern oder Freunden an Weihnachten auf eine Covid 19-Infektion zu testen.
Unter den rund 700 Tests war auch eine kleine einstellige Anzahl positiver Testes.
Allein dafür, das wir in diesen Fällen Ansteckungen im Familien -oder Freundeskreis verhindern konnten, hat sich die Organisation gelohnt, findet der DRK-Geschäftsführer.
Daher bietet man vor Silvester nun eine Neuauflage an. Der zertifizierte Antigentest werde erneut zum Selbstkostenpreis von 40 Euro angeboten und die Abstriche wieder von geschultem DRK- Personal vorgenommen.
Soweit die Meldung.
Und ich denke dabei an das Schreiben unserer KZV kurz vor Weihnachten.
Hurra !!!! In der Zahnarztpraxis sind Tests der Mitarbeiter möglich.
Für 9 Euro Honorar. Materialkosten inbegriffen.
In der Zeitung steht. Was mit den 40 Euro Beitrag für einen Schnelltest passiert ?Der Test allein kostet 10 Euro, ein Schutzkittel 4 Euro, eine Schutzmaske 2 Euro, nicht gerechnet die gesamte Organisation.
Aha. Zahnärzte bekommen nicht einmal die Auslagen für das notwendige Material ersetzt, testen also auf eigene Kosten, bringen noch Geld mit für die Testung.
Für die zweitägige Testung auf freier Wiese erhält das Deutsche Rote Kreuz 28.000 Euro. Die Zahnärzte 6300 Euro. Bei Materialkosten von 11.200 Euro.
Diesen 28.000 Euro stehen im Übrigen 5 gefundene Infizierte gegenüber. Was laut Zeitungsartikel als voller Erfolg bezeichnet wird und Begeisterung bei den Verantwortlichen hervorruft.
Fall 2 aus den vorgestellten Beispielen.
Die Patientin, selbst Zahnärztin, wurde uns von einem Kollegen überwiesen.
Folgenden Bericht habe ich erhalten:
Sehr geehrter Dr. XXXX,
anbei sende ich Ihnen Röntgenaufnahmen der oberen Schneidezähne einer an Sie überwiesenen Patientin, angefertigt am 3.8. & am 24.11.2020. Bei der Patientin wurde im vergangenen Jahr eine Parodontitisbehandlung durchgeführt. Am 3.8. stellte sie sich mit einem vestibulären submukösen Abszess regio 11/21 in der Praxis vor. Ich bin von einer parodontalen Genese ausgegangen. Es wurde inzidiert und die Abszesshöhle über die Inzisionswunde auskürettiert. Zum Sulkus bestand nur eine sehr schmale Verbindung, in diesem Bereich erfolgte ein Scaling der Wurzeloberfläche. Es kam zum vollständigen Abklingen der Symptome. Am 24.11. erschien die Patientin erneut, diesmal mit einem Abszess palatinal. Die röntgenologische interradikuläre Aufhellung erscheint inzwischen aber verkleinert & schärfer begrenzt. Eine mögliche endodontische Beteiligung ist schwer einzuschätzen, der Kältetest ergibt an allen Frontzähne keine Reaktion. Ich habe gehofft, dass eine DVT mehr Klarheit und eine bessere Prognosestellung hinsichtlich der Erhaltungsfähigkeit der Zähne 11 & 21, aber auch des von einem tiefen Knocheneinbruch betroffenen 22 bringen kann. Deshalb bitte ich Sie um die Anfertigung eines DVT + eine Einschätzung, ob eine Weiterbehandlung Ihrerseits aus Ihrer Sicht empfehlenswert erscheint.
Klinisch konnten wir keine Anzeichen für eine Schwellung oder Fistelung erkennen. Die Patientin, 84 Jahre, erwähnte eine geschlossene PA Behandlung vor einigen Wochen.
Die Lockerungsgrade lagen bei allen 4 Frontzähnen bei I-II. Die Sondierungstiefen lagen über 8mm 22m und zwischen 6-8mm an den anderen 6 Messpunkten je Zahn.
Wir haben die Diagnostik erweitert und die Sensibilität elektronisch geprüft.
Folgende Werte wurden damit auf einer Skala von 1-65 gemessen. Wir messen dies in unklaren Fällen von labial und von palatinal. Wenn es labial eindeutig ist, messen wir pal. nicht. Zur Messung benetzen Wir die Elektrodenspitze mit CHX Gel. Folgende Werte wurden gemessen:
Unsere Diagnose: P. marginalis mit vertikalen Knocheneinbrüchen, Regio 11, 21 Verdachtsdiagnose infizierte Zyste des Ductus nasopalatinus.
In diesem Fall ist die Möglichkeit gegeben, daß eine nichtodontogene Zyste durch den partodontalen Zugang infiziert wurde.
Wikipedia meint zur nasopalatinalen Zyste:
Die nasopalatinale Zyste ist auch unter der Bezeichnung „Zyste des ductus nasopalatinus“ bekannt. Sie entsteht aus Epithelresten des Ganges, der zur Embryonalzeit die Mund- mit der Nasenhöhle verbunden hat. Dieser Gang besteht nach der Geburt nur noch aus einem Knochenkanal (Canalis incisivus), durch den die gleichnamigen Gefäße und Nerven verlaufen. In seltenen Fällen kann sich in diesem Gang eine Zyste bilden, die aufgrund ihrer Ursache streng median (in der Mitte) lokalisiert ist. Im Röntgenbild ist eine solche Zyste (herz- oder birnenförmig) evtl. von einer an den Wurzelspitzen der mittleren oberen Schneidezähnen gelegenen radikulären Zyste nur schwer zu unterscheiden. Eine Sensibilitätsprüfung kann hier Gewissheit geben.
Therapieempfehlung: Ggf. chirurgische Therapie, Vorstellung der Patientin in einer parodontologisch spezialisierten Praxis.
Senisbilitätskontrolle 22 in 3 Monats abständen, 12-21 halbjährlich.
Es ging vor Kurzem durch die Medien. Die zu hohen Ärztehonorare, eine ärztliche Tätigkeit im Impfzentrum betreffend. Stellvertretend hier ein Pressebeitrag, der die Thematik umreisst.
Streit um Ärztehonorare in Corona-Impfzentren in Rheinland-Pfalz
Noch werden die Impfungen gegen Corona erst vorbereitet, schon gibt es Streit darüber. Es geht um das Honorar für die Ärzte dort. Viele scheinen mithelfen zu wollen – und bekommen dafür auch einen ordentlichen Tagessatz.
140 Euro pro Stunde – diese Honorare in den künftigen rheinland-pfälzischen Corona-Impfzentren stoßen auf Kritik. Sie seien zu hoch, sagten mehrere Ärzte dem SWR. Die Honorarhöhe hatte das Land Rheinland-Pfalz mit der Kassenärztlichen Vereinigung ausgehandelt.
Weniger als die Hälfte für Notfallmediziner
Unverhältnismäßig, unanständig, überzogen, das erklärten praktizierende Ärzte dem SWR. Auch der ehemalige Nuklearmediziner in Koblenz, Professor Helmut Wieler, der Mainzer Obdachlosenarzt Gerhard Trabert oder der Arzt und Landrat des Kreises Altenkirchen, Peter Enders, sowie der Landkreistag äußerten sich kritisch. „Unsere Skepsis ist, dass man sich bei den Impfzentren nur einbringt, weil das vielleicht vergütet wird und sonst aber niemand da ist,“ erklärte der Vorsitzende des Landkreistages, Günther Schartz, im SWR. CDU-Fraktionschef Christian Baldauf warf der Landesregierung vor, sie habe sich „über den Tisch ziehen lassen“.
Ärzte, die als Notfallmediziner arbeiteten oder Bereitschaftsdienste übernähmen, bekämen weniger als die Hälfte der 140 Euro, so die Kritiker. Für die Ärzte in den Impfzentren bedeutet das einen Tagessatz von 1.120 Euro für einen Acht-Stunden-Tag. Dafür, dass sie die Menschen vor der Impfung beraten und im Notfall eingreifen. Das ist der Tagessatz, der dann auch für Ärzte im Ruhestand gelten soll, die keine Praxis mehr haben.
Wie es der Zufall so will, ist mir am letzten Arbeitstag vor Weihnachten eine aktuelle Rechnung unseres Dentaldepots in die Hände gefallen. Der Techniker, der unsere Saugmaschine in der Praxis reparierte, stellt einen Stundenlohn von 213 Euro und 73 Cent in Rechnung. Zum Stundenlohn hinzu kommen noch eine Fahrkostenpauschale von 94 Euro, so dass, sofern, wovon ich ausgehe, der Arzt im Impfzentrum eine solche nicht erhält, der Stundenlohn des Technikers, der 3 Stunden bei uns zugegen war, sich de facto auf 245 Euro und 6 Cent erhöht.
Der Titel des heutigen Beitrages schmückte in leicht abgeänderter Form sowohl einige Wurzelspitzebeiträge als auch 90-minütige Vorträge.
Der Hauptdarsteller dabei immer: Das Thomas-Post-Puller-System. Wenn es nicht bereits verfügbar wäre definitiv etwas was erfunden werden müsste.
Und, wie ich finde, eine in einer spezialisiert arbeitenden Praxis eine Investition, die sich rentiert. In Zeit (und somit in Geld) und im Sinne von vorhersagbarer Machbarkeit einer Behandlung.
Sicher, es gibt endodontische Schulen, die in der vorliegenden Situation der WSR den Vorzug geben würde. 6 Millimeter Retro-Präparation und sogar noch länger sind mit den zur Verfügung stehenden Ultraschallansätzen möglich. Doch macht das diesen Zahn mechanisch stabiler? Und was spricht gegen die orthograde Revision? Maximal der ungewöhnliche und leider zylindrische Stift. Zu allem Übel auch noch mit diamantierter Oberfläche (was ich aber zum Zeitpunkt der Behandlungsplanung jedoch noch nicht wusste).
Klinisch lief die Behandlung dann wie im nicht vorhandenen Handbuch des Thomas-Systems beschrieben:
Freilegen des Stiftes, Einschätzen der Einschubrichtung, Reduktion des koronalen Aufbaus zu einem Beinahezylinder, zylindrische Präparation mittels stirnschneidendem Trepanbohrer, Aufschrauben des Gewindeschneiders und zu guter Letzt das Ansetzen der Spreitze.
Hier ist es wichtig, die mitgelieferten Silikonscheiben zu nutzen. Ich modifiziere diese so, dass ich an einer Stelle die Scheibe mit einem Skalpell so schlitze, dass ich sie nach dem Aufdrehen des Gewindeschneiders auf denselben aufschieben kann. So können problemlos auch, wenn erforderlich, mehrere Scheiben aufgebracht werden.
Nach Entfernung des Wurzelstiftes wurde der Zahn zwecks sicherem Kofferdamsitz adhäsiv aufbaut und dann nach Auffinden des Originalkanals aufbereitet und obturiert.
Über die „Un“Möglichkeit an Hand eines Röntgenbildes eine Zyste zu diagnostizieren hatte ich bereits geschrieben. Quintessenz: Die Diagnose Zyste als Verdachtsdiagnose oder als eine Differentialdiagnose mit Verdacht angegeben.
Der erste Fall aus dieser Reihe
Die Patientin stellte sich ohne Beschwerden, ohne Symptome bei uns vor. Der apikale Befund war ein Zufallsbefund.
Klinische Befunde zeigte eine negative Sensibilität an 24 und 25. Auf Perkussion gab die Patientin keinen Schmerz an. Eher eine Art dezente Mißempfindung an 25. Der Lockerungsrad ist 0 und die Sondierungstiefen liegen zwischen 2-4mm.
Im Röntgenbild ist eine raumfordernde, scharf begrenzte, hypodense, weichteildichte Struktur im Sinne einer P. apicalis, differentialdiagnostisch radikalere Zyste zu erkennen.
Es wurde ein DVT angefertigt.
Die Patientin wurde zur geplanten Behandlung beraten.
Die endodontische Behandlung steht an erster Stelle. Nach Röntgendiagnostik in Abständen von 6/ 12/ 24 Monaten können wir entweder eine Heilungstendenz/Heilung beobachten oder wir sehen eine weiter bestehende röntgenlogische Situation.
In diesem Fall ist die Differentialdiagnose Zyste wahrscheinlich oder ein persistierender periapikaler auf der Wurzeloberfläche aufgelagerter Biofilm.
In diesen Fällen ist ein chirurgischer Eingriff indiziert. Entweder in Form einer apikalen Kürettage oder Teilreketion der Wurzel.
Die endodontische Behandlung wurde wie besprochen durchgeführt.
Nach 6/12 Monaten ist eine deutliche Heilungstendenz erkennbar, die derzeit eine entsprechende chirurgische Intervention nicht notwendig erscheinen lässt.
War es nun keine Zyste?
Wir wissen es nicht. Alles ist möglich…
Literatur:
Proliferation of Epithelial Cell Rests, Formation of Apical Cysts, and Regression of Apical Cysts after Periapical Wound Healing
Louis M. Lin, BDS, DMD, PhD,* George T.-J. Huang, DDS, MDS, DSc,† and Paul A. Rosenberg, DDS*
Ich bin ein wenig gefrustet so kurz vor Weihnachten. Und das hat ausnahmesweise nix mit Corona zu tun.
Sondern mit der Tatsache, das ich in den letzten 2 Wochen 3 Patienten zur Weiterbehandlung vorgefunden habe, bei denen die Qualität der vorausgegangenen Behandlung, ich sag mal, als stark verbesserungsfähig einzustufen ist.
Okay, das ist eigentlich mein Tagwerk und ketzerisch könnte man anführen, davon lebe ich.
Aber – was mich so frustriert ist die Tatsache, dass alle 3 Behandler junge Kollegen sind. Die es besser wissen und können müssten, von der Motivation es bestmöglich zu tun in der frühen Phase ihre beruflichen Tätigkeit mal ganz abgesehen.
Ein Beispiel habe ich angeführt, und glauben sie mir, die beiden anderen Beispiele sind NICHT besser. NICHT besser. Ach ja, aber die Aussendarstellung funktioniert bestens, wie ein Studium der Homepage offenlegt. Und JAMEDA ist voll des Lobes. Note 1,0.
Sehe ich die Sache vielleicht zu eng, zu frustiert, zu verbittert ?
Zur Krankengeschichte: Die Patientin, Anfang zwanzig, sucht wegen Zahnschmerzen (linke Gesichtshälfte, Seitenzahnbereich) den Hauszahnarzt auf. Es wird der Zahn 37 wurzelkanalbehandelt. Die Schmerzen bleiben. Danach wird der Zahn 36 wurzelkanalbehandelt. Die Schmerzen bleiben. So wird nun der Zahn 27 endodontisch versorgt. Die Schmerzen werden danach so stark, das die Patientin den Notdienst aufsuchen muss. Die Kollegin dort schlägt die Hände über dem Kopf zusammen, angesichts des Status Quo.
Nun kommt die Patientin zu uns. Und ein jeder möge selbst sich ein Bild machen von der Situation.
Ich habe einfach mal die Zahnfilme Zahn 37 36 27 (Zustand nach WF) und die klinischen Fotos nach der Eröffnung des Zahnes 27 angehängt.
Das präoperative Einzelbild ließ in Verbindung mit dem Wissen, dass die vorgefundene Situation seit mehr als 2 Jahren bestand, eigentlich nur einen Therapievorschlag als sinnvoll erscheinen: Pulpektomie in einzeitigem Behandeln.
Anamnestisch wartete allerdings bereits die erste Überraschung, die nicht so recht ins Bild passen wollte: ausser geringer Missempfindungen, wenn eingepresste Speisereste mittels Zahnbürste oder Zahnstocher herausgelöst wurden, bestand weder eine Spontanschmerz, noch berichtete die Patientin über Warm- oder Kaltmissempfindungen.
Der Sensibilitätstest war nicht reizüberdauernd positiv. Klinisch war der Zahn symptomlos.
Die im Einzelbild erkennbare und im kleinvolumigen DVT ebenfalls darstellbare Hartsubstanzbarriere liessen mich dann jedoch nachdenken und die Möglichkeit einer zervikalen Pulpotomie in Betracht ziehen. Zudem zeigten sich alle Parodontalspalten an allen Apizes durchgehend und pathologiefrei.
Somit wurde nicht zielstrebig die Pulpakammer eröffnet, sondern zunächst das kariös veränderte Dentin aus den Aussenbereichen des Defektes entfernt. Da die Form des 27 eine Belegung mit einer Kofferdamklammer stark erschwerte, entschied ich mich für eine Einzelzahnisolierung.
Um die nach initialem Versäubern verbliebenen dünnen Schmelzscherben nicht dem Risiko einer Teilfraktur auszusetzen – eine Molarenklammer kann schon erhebliche Kräfte ausüben – wurden zunächst die Wände nach Konditionierung der eskalierten Bereiche adhäsiv verstärkt.
Erst anschliessend wurde das verbliebene kariös erweichte Dentin mit neuen, sterilen Rosenbohrern entfernt. Dabei wurde nur im Bereich des palatinalen Kanalsystems die Pulpa geringfügig eröffnet.
Das Abtragen des Pulpakammerdaches wurde, ebenso wie das Reduzieren des koronalen Pulpagewebes, mit sterilen diamantierten Instrumenten unter ständiger Wasserkühlung ausgeführt. Die Blutstillung erfolgte mit in NaOCl getränkten Surgitips und liess sich problemlos realisieren. Nach Blutstillung wurde das Pulpagewebe mit grauem MTA Angelus abgedeckt und die Kavität anschliessend dentinadhäsiv verschlossen.
Da nach erfolgreichem Recall die Versorgung mit einer Teilkrone geplant ist, habe ich mich bei der Gestaltung der Füllung aus die wesentlichen Punkte konzentriert und auf ein Einfärben der Fissuren verzichtet.
Worum gings? Damals? Als das Fernsehen noch schwarz weiss war ?
Eine Quizshow (Dalli Dalli) des legendären Hans „Das war Spitze!“ Rosendahls.
Und Dalli-Klick zeigte ein Foto auf einer Leinwand das nach und nach, Klick für Klick, daher der Name, immer mehr in kleinen sich zeigenden Puzzleteilchen enthüllt wurde. Und wer es zuerst erriet von den Kandidaten, naja, ist klar, der hatte gewonnen.
Ich möchte auch so was machen. Hier. Immer mal wieder. Ein Foto oder Röntgenbild zeigen. Und dann fragen: Was sieht man? Was ist offensichtlich? Wofür steht dieses Bild/Röntgenbild?
Um den Blick zu schulen. Und wer auf das Bild schaut und sogleich erkennt, was los ist, der darf sich gerne selbst stolz auf die Schulter klopfen. Denn für etliche Kollegen (m/w/d) ist es wahrscheinlich eben gar nicht auf der Hand liegend und ins Auge fallend.
Die Antwort gibt es im Übrigen immer schon im gleichen Beitrag. Man kann also in Ruhe überlegen – und dann sofort überprüfen – in dem man nach unten scrollt – ob man richtig liegt.
Probieren wir doch mal sogleich aus, wie ich mir das vorstelle.
Röntgenbild 1. Für mich typisch für die entsprechende Situation, die es herauszufinden gilt. So dass ich den Patienten sogleich im Vorgespräch drauf einstimmen kann, was uns erwartet. Und natürlich auch den Heil- und Kostenplan von vornherein anpasse. Letzteres immer sehr hilfreich.
Also? Warum geht es? Nicht ganz offensichtlich, aber erkennbar.
Leichter wird es schon im Röntgenbild 2. Hier gibt es schon einige deutlichere Hinweise, die auf die Lösung hindeuten.
Ganz offensichtlich dann im Röntgenbild 3. Jetzt ist es einfach.
Worum also handelt es sich hier. Was ist die Gemeinsamkeit in allen 3 Röntgenbildern ?
Die Auflösung findet man weiter unten.
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Schauen wir uns zunächst Röntgenbild 1 an.
Was mir auffällt ist der apikal
sehr dünne sehr definierte gerade gleichmäßige und an den Kanten scharf definierte Verlauf der Wurzelkanalfüllung.
Bei einer konventionellen Wurzelkanalfüllung würde dies unregelmäßiger aussehen.
Meine Verdachtsdiagnose ?
Eine Thermafil – Wurzelkanalfüllung. Hätten sie es auch erkannt, auch so gesehen?
Ich finde diese Info wichtig, weil ich die PatientInnen schon im Vorfeld drauf hinweisen kann, dass die Revision keine ganz einfache werden wird, das Kunststoffstifte in den Kanälen drinstecken. Und dies spiegelt sich natürlich auch im Heil- und Kostenplan wieder.
Hier im Übrigen das Röntgenbild nach unserer Wurzelkanalfüllung. Der Patient hatte an Zahn 46 im Übrigen keine Probleme vor Revision, die knöcherne Verdichtung apikal der distalen Wurzel sah schon in 10 Jahre alten Röntgenbildern genau so, unverändert aus. Und die Wurzelfüllung präsentiert sich im Röntgenbild mehr als einwandfrei. Nachdem wir die alte WF allerdings entfernt hatten, berichtete der Patient noch intraoperativ, das ein offensichtlich latent vorhandener Druck sich schlagartig und deutlich reduziert hatte.
Falls die Thermafil- Stifte im Fall 1 nicht erkannt wurden, wie sieht es denn mit Fall 2 aus.
Hier ist der Sachverhalt schon deutlich offensichtlicher. Wieder auffällig, mesial die schlanke, definierte Form der Wurzelkanalfüllung apikal.
Und dann der Puff palatinal. Ein Hinweis auf ein warmes WF- Verfahren? Vermutlich.
Aber für eine Schilder- Technik – WF ist die Aufbereitung viel zu schmal. Und dann noch – auch palatinal – die schnurgerade Linie mesial und die unregelmäßige WF- Verlaufsform auf der abgewandten Seite – das hier sieht mir alles schon sehr sehr stark nach Thermafil aus – und so war es dann auch.
Da wäre dann noch Fall 3.
Das ist jetzt so eindeutig Thermafil, da könnte man schon drauf wetten. Wieder diese schlanke Form der WF apikal zu sehr dünnen Durchmessern. Und dieser gerade Verlauf. Eine konventionelle Guttaperchaspitze würde nie so gerade nach unten kommen in einem solch engen Kanal. Alles in Allem schon sehr eindeutig.
Und der AHA – Effekt beim Patienten, wenn Alles wie vorhergesagt eintrifft, ein wichtiger Akzent der Vertrauensbildung.
p.s.: Wie wäre es mit einer Rückmeldung in den Kommentaren ? Ich habs gleich erkannt, ich habs nicht gesehen…
Und da war sie wieder die Diagnose: Zyste. Radiologisch erhoben. Am Telefon von einem Kollegen, der wiederum hat sie von einem Kieferchirurgen und wo der diese Diagnose her hat, weiß ich nicht.
Die Definition Zyste: Zysten sind als pathologischer Hohlraum mit epithelialer Auskleidung definiert.
Quelle: Johnson N R, Gannon O M, Savage N W, Bat stone M D: Frequency of odontogenic cysts and tumors: a systematic review. J Investig Clin Dent 5: 9–14 (2013)
Nun stellt sich mir die Frage, kann ich im Röntgenbild ein Epithel erkennen?
Nein.
Kann ich dann die Diagnose Zyste stellen?
Nein.
Dann sollte als Diagnose eine Verdachtsdiagnose oder eine Differentialdiagnose mit Verdacht angegeben werden.
In der Endodontie 2019 kann man das wunderbar nach lesen:
Radiologie
Die mitgebrachten radiologischen Aufnahmen wurden zur Diagnostik mit herangezogen: Das OPG (Abb. 1) zeigt ein bleibendes adultes Gebiss mit persistierendem Milchzahn 85. Zum Zeitpunkt der Aufnahme war der Zahn 21 noch in situ. Die zarten und inhomogenen Verschattungen im In neren des Zahns sind als Zeichen einer versuchten Wurzelkanalbehandlung zu interpretieren. Apikal und lateral der Wurzelspitze des Zahns 21 sind re- lativ scharf begrenzte, rundliche Aufhellungen zu erkennen. Die Zähne 21 und 22 sind im Bereich der Wurzel deutlich divergent. Die Osteolyse er- streckt sich scheinbar polyzystisch (2-kammerig) nach kranial bis oberhalb der Spina nasalis und verdrängt die faziale Kieferhöhlenwand. Die Ein- zelzahnaufnahme (Abb. 2, gleiches Datum) bestätigt die Osteolysen in Regio 21/22.
Aufgrund der geplanten Zystektomie und der Größe der Zyste wurde alio loco ein Dental-CT
Abb. 2 Einzelzahnaufnahme gleichen Datums mit apikaler Par- odontitis an Zahn 21.
angefertigt. Das vorhandene axiale Schnittbild auf Höhe der Wurzelspitzen (Abb. 3) zeigt zwei von- einander getrennte Zystenlumina in die einerseits Zahn 21 und andererseits Zahn 22 bis 24 hineinragen. Es ist eine deutliche Auftreibung der vesti- bulären Kortikalis von 22 bis 24 zu erkennen. Die zum Palatum durum gerichtete Auftreibung ist nur minimal.
In den sagittalen Schnittbildern (Abb. 4 und 5) sind in Abhängigkeit von der Schnittpositionie- rung entweder ein oder zwei getrennte Zystenlu- mina zu sehen.
Nach der Befundung der Röntgenbilder wurde die Verdachtsdiagnose einer infizierten Zyste ausgehend von der Invagination an Zahn 22 gestellt.
Endodontie 28 (2019), Nr. 3, Seite 365-369 Zwei benachbarte Zysten Bürklein, Sebastian / Schäfer, Magdalena
Nun stelle ich drei Röntgenbilder vor und bitte um die Bewertung Verdachtsdiagnose Zyste oder röntgenlogisch erkennbare apikale Aufhellung, oder was noch?
Bereits das präoperative Röntgenbild liess zumindest ein linguales Kanalsystem vermuten.
Das DVT zeigte jedoch,. dass sich B in der Tiefe in MB und DB aufgabelte, wobei DB in Krümmung nach Distel und MB eher als eine Art Sackgasse und deutlich vor der Arbeitslänge des DB endete.
Trotz Erweiterung des B über das normale Mass hinaus – das PostOp-Bild zeigt dies deutlich – gelang es nicht die Aufgabelung in der Tiefe zu visualisieren. Vorgebogene ProTaper-Handinstrumente liessen sich in MB bis zu S1 auf Patency führen.
Der linguale Kanal war besonders initial sehr unangenehm aufzubereiten, da er zunächst auf deutlicher Strecke zunächst nach bukkal verlief.
Nach Insertion des Masterpoints in DB und thermisches Kürzen desselben bis kurz vor die Aufgabelung wurde MB in reiner Squirttechnik gefüllt.
Das Recall wird zeigen, ob laser- und schallaktivierte Spülung erfolgreich gewesen waren.
Beim Geld hört gewöhnlich die Freundschaft auf. So lautet ein altes Sprichwort, dem vermutlich nur die Wenigsten den Bezug zur Realität abstreiten wollen. Im Gegenteil in diesem kurzen Satz steckt viel Wahres drin.
Weil unsere Freundschaft mit dem Leser aber genau daran – am schnöden Mammon – nicht scheitern soll, möchte ich nicht in wenigen Sätzen innerhalb eines Kommentares, sondern ausführlich und für Alle im Rahmen dieses Beitrages den Sachverhalt, den WURZELSPITZE – Jahresbeitrag betreffend, erläutern.
Zunächst darf der geneigte Leser davon ausgehen, dass – wer mich kennt, weiss dies – ich mir sehr viele Gedanken gemacht habe, Niemanden zu überfordern.
Nicht den Leser, aber auch nicht die Leser untereinander. Und ja, es war uns klar, dass irgendwann es Stimmen gegeben würde, die angesichts einer jährlichen Entrichtung des Mitgliedsbeitrages (unabhängig vom Eintritt in den Verteiler) sich ungerecht behandelt fühlen.
Auf einen ersten Blick betrachtet kann ich diese Affektion auch gut nachvollziehen. Denn wäre nicht das genaue Gegenteil des gegenwärtig Gehandhabten, sprich eine tagesgenaue Abrechnung, die gerechtere Variante ?
Ich vermute, dass die Kollegen, die erst im Verlaufe des Jahres, erst im September oder Oktober zu uns gestossen sind, diese Abrechnungsvariante bevorzugen würden. Darauf hin deuten die 2 Kommentare, man möge sich bitte erklären.
Zunächst – was man diesbezüglich wissen muss – Wir könnten eine solche Zahlvariante in der gegenwärtigen Konstellation nicht bewältigen. Man müsste den Jahresbeitrag, durch 365 geteilt, mit der Anzahl der teilgenommenen Tage multiplizieren, wobei in jedem einzelnen Fall überprüft werden müsste, wann genau der Teilnehmer der Liste beigetreten ist und wann gegebenenfalls er/sie wieder die Liste wieder verlassen habe. Erschwerdend kommt hinzu, dass wir nicht einen, sondern 4 mögliche Jahresbeiträge haben, je nach Status der Lesers (Student/Angestellter Zahnarzt/Niedergelassener Zahnarzt/Wurzelspitze Plus Mitglied (alle m/w/d selbstverständlich).
Aber auch die zweite Variante, einer Laufzeit für exakt 365 Tage ist für uns nicht handhabbar. Setzt dies doch voraus, das wir uns das genaue Ablaufdatum für jeden Einzelnen merken und zu gegebener Zeit die Mitgliedschaft beenden.
Um es ganz klar zu sagen: Wir können dies nicht bewerkstelligen. Es übersteigt unsere Resourcen. Aber gerade deshalb haben wir auch vor dem Wiederaufleben von WURZELSPITZE verschiedene kommerzielle Dienstleister untersucht, die sich dieser Thematik professionell annehmen.
Wir haben uns dagegen entschieden. Auch wenn für uns dies am einfachsten wäre. Und diese Diskussion und diesen Sonntagvormittag- Artikel unnötig machen würde.
Warum ? Weil die Bezahlportale für die banale Dienstleistung des Geldentgegennehmens und Weiterleitens unterm Strich eine saftige Gebühr von ca 12 – 18 Prozent verlangen.
Unserer Meinung nach viel Geld, das wir dem Leser sparen wollen. Aber – sollte der allgemeiner Konsens hier so sein, das die Mehrheit eine solche Abrechnungsart wünschte und bereit ist, die Mehrkosten hierfür zu tragen, so werden wir dem Wunsch nachkommen.
Ein anderer Grund wog aber noch schwerer. Der meines Erachtens die vermeintlich gerechte tagesgenaue Bezahlung als falsch entlarvt.
Worum handelt es sich bei WURZELSPITZE?
WURZELSPITZE ist ein zahnmedizinisches Fortbildungsmedium. Eine Wissenssammlung. Ein Nachschlagewerk.
In analogen Zeiten wäre es vielleicht ein Buch geworden. Oder, die Älteren kennen es vielleicht noch, eine Wissenskartei als Loseblattsammlung a la DAISY. In eine Box einzuordnen oder, wie andere analoge Print – Infomodelle, die es gab und vermutlich immer noch gibt, in einen Schnellhefter einzuordnen.
Dies berücksichtigend, betrachten wir nun 2 Szenarien im Hinblick auf eine vermeintlich gerechte tagesweise Abrechnung von WURZELSPITZE:
ad 1 Es ist vollkommen egal, ob jemand das Buch „WURZELSPITZE“ am 1. Januar 2020 oder am 31. Dezember 2020 kauft. Der Käufer kann auf alle Inhalte von WURZELSPITZE zurückgreifen, er kann alle Seiten des Buches durchblättern. Und nicht nur das. Er kann neben 2020 noch auf alle früheren Jahre bis ins Jahr 2008 zurückschauen. Auf die Endo übertragen wäre das der Fall, wenn ich beim Kauf der 14. Ausgabe der „Pathway of the Pulp“ noch alle 13. früheren Ausgaben kostenlos hinzugeliefert bekäme.
Niemand käme auf die Idee, beim Kauf eines Buches, das am 01. 01. 2020 erstveröffentlicht wurde, beim Kauf kurz vor Weihnachten einen Nachlass zu fordern. Das wäre absurd.
Warum also bei WURZELSPITZE? Vielleicht, weil das tägliche Erscheinen den Vergleich zur Tageszeitung suggeriert und in unseren Alltag mittlerweile ja zahlreiche Abo – Modelle, denken wir an den Fitness Club oder Sky TV – Einzug gehalten haben. So gesehen ist die Frage nach tagesgerechter Abrechnung eine nicht nur naheliegende, sondern sogar eine sich zwangsläufig aufdrängende.
ad 2 Betrachten wir zunächst das Beispiel der Tageszeitung. Tag für Tag kaufe ich am Kiosk die täglichen Neuigkeiten oder ich schliesse ein Jahresabo ab. So oder so erhalte ich immer genau das, wofür ich zahle. Ein bestimmte Anzahl bedruckten Papiers. Mit dem Zugang zu WURZELSPITZE hingegen häufen wir ein riesiges Paket aller Zeitungen des Jahres auf den Tisch. Streng genommen einen babylonischen Turm von Ausgaben aus über 11 Jahren, aber lassen wir Letzteres aussen vor und betrachten nur 2020. Würden wir tagesanteilig berechnen, wäre dies eine Ungerechtigkeit all den Leuten gegenüber, die zum Ersterscheinungsdatum die WURZELSPITZE -„Zeitung“ kaufen würden. Wer am 01.01. 2020 beitritt, zahlt 365 Tagesausgaben, wer am 31.12.2020 beitritt, nur eine einzige Ausgabe. Bekommt aber dennoch alle 365 Ausgaben geliefert.
Man sieht, eine solche tagesabhängige Abrechnung, so naheliegend und gerecht sie erscheinen mag, sie ist es nicht. Es gibt keine gerechte Abrechnungsmöglichkeit auf dieser Basis, nur eine vorteilhafte für den einen oder den anderen. Beim tagesbezogenen Modell profitiert am meisten derjenige, der am 31.12. eintritt, am wenigsten der vom 01.01. Und dann nähern sich die Unterschiede im Verlauf des Jahres bis zur Jahresmitte immer mehr an.
Beim Kauf eines Buches hingegen gibt es, die Inhalte betreffend, keine Ungerechtigkeit dahingehend, dass jeder für den gleichen Inhalt die gleiche Summe zahlt. Oder, um bei der Zeitung zu bleiben. Alle kriegen den gleichen Stapel für den gleichen Preis. Die einen bekommen den Stapel früher geliefert und in Einzellieferungen, der andere später und im großen Haufen.
Aber alle zahlen gleich viel. Das erscheint mir als diegerechtere Variante.
Bleibe noch der Vergleich zum Fitnesstudio oder zu Sky TV. Bei ersterem ist klar und das macht es ja auch so einfach in der Abrechnung. Wer erst im November eintritt, konnte bis Oktober nicht trainieren. Muss auch nicht zahlen. Um auf die Tageszeitung zurückzukommen, wer erst ab November zahlt, bekommt auch nur ab diesem Tag X die Zeitung. Im Zeitungsarchiv der letzten 11 Jahre blättern, geht nicht. Könnten wir theoretisch bei WURZELSPITZE auch machen. Als Newsletter. Aber das macht für uns keinen Sinn. Ist ja genau das, was wir nicht wollen. Wir wollen, das Jeder JEDE der 11 Jahresausgaben durchblättern kann.
Bliebe noch SKY TV. Auch dort ist es so, dass die zeitraumabhängige Abrechnung im Abo – Modell den Vergleich zum WURZELSPITZE- Wissensarchiv nicht standhält. Ich kann nämlich immer nur das schauen, was gerade angeboten wird. Und der tolle Film im März ist im September nicht mehr verfügbar. All diese Abo-Modelle beruhen darauf, dass einer bestimmten Summe X eine begrenzte Auswahl an Resourcen gegenübersteht und unterscheiden sich daher fundamental von dem, was WURZELSPITZE bietet.
Kommen wir zurück zur Abrechnungsdatei DAISY. Mit dem Kauf (egal ob am 01.01. oder am 31.12.) erwirbt man das DAISY-Grundwissen aller früheren Jahre bis heute. Mit dem Abo in gleicher Höhe für das jeweilige nächste Kalenderjahr die zukünftigen Neuerungen.
Letzte Woche habe ich hier über einen aktuellen Behandlungsfall berichtet…
ich steckte moralisch in einer gewissen Zwickmühle…
ich entschloss ich schliesslich dazu der Patientin anzubieten, sie doch noch am Freitagnachmittag zu behandeln. Zu den genauen Beweggründen hierfür erkläre ich mich zu einem späteren Zeitpunkt.
Wir trafen uns also um 16:30 in unserer Praxis in der Münchner Innenstadt. Die Revision verlief für mich wunschgemäß und ich bat die Patientin mich am darauffolgenden Tag zu kontaktieren um zu berichten, ob sich das Schmerzbild veränderte…
nach ingesamt 1:30 Stunden verliess ich die Räumlichkeiten wieder, um den 30 minütigen Nachhauseweg anzutreten…
hier noch ein Desktop-Mitschnitt des präoperativ angefertigten DVTs sowie ein intrakanaläres Foto nach Revision.
Der darauffolgende Tag verging und ich hörte nichts weiter von der geplagten Patientin.
Am Sonntagvormittag entschloss ich mich schliesslich dem Ehemann eine SMS zu schicken:
„Hallo Herr J. Nachdem ich nichts mehr gehört habe wollte ich mal nachfragen. Hat die Behandlung was gebracht? Geht es ihrer Frau ein stückweit besser?„
Kurz drauf seine Antwort:
„Guten Morgen Dr. Kaaden,vielen Dank der Nachfrage. Meine Frau hat schon ein schlechtes Gewissen, weil sie gestern nicht geschrieben hat….Nach der Behandlung am Freitag hatte sie zunächst weiter starke Schmerzen …heute ist es viel besser und der Wurzelschmerz ist fast weg. 1000 Dank nochmal für Ihren Sondereinsatz. Wie soll meine Frau weiter verfahren? Wir wünschen Ihnen und Ihrer Familie einen schönen Sonntag. Mit besten Grüßen AJ„
Wer hat keine Personalnot? Der kann trotzdem weiter lesen.
Vor 12 Monaten hätte ich gesagt, ich habe keine Not.
In 12 Monaten hat sich alles verändert. 2 Mitarbeiterinnen wurden schwanger, 1 ist in Elternzeit. 1 weitere Mitarbeiterin ist von heute auf morgen aus familiären Gründen verzogen. Das ist für eine kleine Praxis mit 2 Behandelrn eine Katastrophe. Zumal wir ein sofortiges Beschäftigungsverbot für die schwangeren Mitarbeiterinnen ausgesprochen haben.
Als fast Krönung ist auch die Putzfrau aus Angst vor einer Cvid-19 Infektion zeitiger in Pension gegangen – zum selben Zeitpunkt. Und gibt es noch etwas zum Steigern? Ja, unser Thermodesinfektor, Getinge ist ausgefallen und seit dem 14.08.2020 steht er beim Händler und soll repariert werden. Getinge liefert nicht die notwendigen Teile, bzw. nennt keine Liefertermine. ( Stand 22.11.2020 – immer noch defekt )
Wie soll man mit diesen Veränderungen umgehen? Ehrlich gesagt bin ich jetzt froh, daß mich 40 Jahre Sozialismus etwas abgehärtet haben. Allerdings hilft das bei den derzeit verrückten Materialengpässen in Kombination mit den oben genannten Probleme immer weniger.
Was tun? Zunächst haben wir auf einschlägigen Portalen annonciert. Arbeitsamt, KZV Seite, Indeed, Ebay Kleinanzeigen etc. Ergebnis: Man lernt unglaublich viele Recruiting Teams kennen. Alle bieten gerade Sonderpreise an.
Hat mein einmal auf indeed annonciert wird man mit Recruiting-Mails überschwemmt. Nimmt man die Annonce raus, sind sofort weniger Recruiting-Mails.Mobile Recruiting – mit dem Smartphone neues Personal finden… Schnellestelle.de
Wir haben viel Geld für Klicks und keine Bewerbungen ausgegeben.
Recruiting – Rekrutieren habe ich zuletzt in der Nationalen Volksarmee gehört. Da war ich Rekrut. Das war eine wenig angenehme Zeit. Und nun sind Sie wieder hinter mir her und wollen mich, oder vielleicht auch für mich rekrutieren. Für mich ist dieses Wort schlecht besetzt. Aber Anglizismen sind in. Mehr Infos gibt es auch in diesem Wiki.
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1 Bewerber – Zahnarzt die eine Stelle suchte, keine ZMF. Dafür musste ich noch €12,58 extra zahlen, obwohl es nicht zum Bewerberprofil passte
Kosten: €73,63 Obwohl ich die Anzeige erst wieder im Oktober aktiviert habe, sind Gesamtkosten seit August von €200,32 entstanden. Hier fehlt mir die Transparenz. Seit wir die Annonce pausiert haben, kommen auch keine Personalvermittlermails. Haben wir deren Klicks bezahlt? Wahrscheinlich…
Verstärkung haben wir bekommen durch eine ehemalige Mitarbeiterin. Die Einarbeitung ist dadurch leichter, da die Arbeistabläufe nicht ganz unbekannt sind. Sie ist glücklich wieder bei uns arbeiten zu können. Mal sehen, wie es weiter geht. Wir suchen weiter – über unsere Mitarbeiterinnen und Ebay Kleinanzeigen. Ach, ja und über das gute alte Arbeitsamt auch weiterhin. Das hat uns ebenso Bewerberinnen eingebracht. Eine aus dem Endobereich, nur leider unbedingt jetzt ZMP werden möchte.
Ab heute, dem 1. Dezember läuft die Einschreibung für das Jahr 2021 bei WURZELSPITZE.
Die Gebühren sind unverändert: 2 Euro pro Monat für Studenten/Studentinnen, 4 Euro pro Monat für angestellte Zahnärzte (m/w/d), 8 Euro pro Monat für selbstständige Zahnärzte/Zahnärztinnen und 20 Euro pro Monat für Wurzelspitze Plus – Mitglieder. Demnach 24, 48, 96 und 240 Euro für 2021 insgesamt.
Wer nicht mehr teilnehmen möchte, der muss im Übrigen nichts weiter tun. Der Zugang läuft dann zum 01.01.2021 aus. Heisst aber auch, sinnvollerweise, für Alle, die gerne bleiben möchten, am besten zeitnah anmelden, damit das Ganze nicht im Covid- Vorweihnachts-Stress untergeht und man im neuen Jahr ohne Zugang darsteht.
Und abschließend- damit es im Vorweihnachtsstress nicht untergeht – der Hinweis auf den nächsten WURZELSPITZE Plus Live Talk: Mittwoch 16.12.2020 20 Uhr.
Dass ein präoperatives DVT die Behandlung komplexer Kanalstrukturen erleichtern kann wurde hier schon oft gezeigt.
In nachfolgendem Fall ist das mechanische Bearbeiten der Kanalsysteme aber so gar nicht so gelaufen, wie es am DVT sinnvoll erschien.
D verlief koronal stark eingeengt als einzelner Kanal nach apikal. Die dortige Aufgabelung wurde im DVT perfekt dargestellt.
Dennoch war es mir ohne massives Erweitern des Kanals nicht möglich gewesen, die apikale Aufgabelung rotierend zu instrumentieren. Fast 45 Grad vorgebogene Handinstrumente liessen sich nach einigem Üben zwar bis zum Foramen vorbringen, rotierenden Instrumenten – selbst vorgebogenen HyFlex-Feilen – war das nicht vergönnt. So musste ich mich mit der ProTaper-Handfeile S1 begnügen.
Mesial erschien es vom Verlauf der Kanalsysteme zunächst so, dass der Weg über ML der geometrisch einfachere zu sein schien. Praktisch konnte ich aber nur aus MB heraus bis zu einem der beiden Foramina vordringen. Denn auch die apikalen Anteile des MB und des ML zweigten nach der Konfluation wieder auf. MM konfluierte bereits im mittleren Drittel mit MB.
Frustrierend, wenn man den Verlauf „entschlüsselt“ hat und es trotz aller Mühen nicht schafft, die Aufzweigung zu instrumentieren. Das schall- und laserunterstützte Spülen scheint den Sealerspuren zufolge zumindest in D etwas bewirkt zu haben.
Mesial wird das Recall zeigen, ob es gereicht hat.
Heute möchte ich Ihnen eine „Patientenanfrage“ vorstellen und Sie fragen, wie Sie sich verhalten würden (bzw. wie ich mich verhalten soll)…
Folgende SMS erhielt ich letzte Woche am Mittwoch Abend:
„Hallo Dr. Kaaden,kann es sein, dass Ihre Tochter Sophie bei meiner Tochter Sissi in der Klasse 4d ist? Habe gerade Ihren Namen ausgesprochen und meine Tochter meinte, dass eine Klassenkameradin genauso mit Nachnamen heißt….
Ich wollte Sie fragen ob meine Frau zu Ihnen in die Behandlung kann? Unser Zahnarzt wollte sie eigentlich zu Dr. XXX in Grünwald schicken, aber die Terminkoordination gestaltet sich etwas kompliziert… Sie hat eine Wurzelspitzenenzündung.
Mit besten Grüßen AJ“
Als Hintergrund muss man ggf. noch wissen, dass beide unsere Töchter zu Beginn des laufenden Schuljahres die Schule gewechselt hatten…meine private Handynummer hatte der Patient, weil ich ihn vor circa einem Jahr behandelt habe und ihm in diesem Zug eine Nachricht geschrieben hatte.
Ich antwortete:
CK: „Hat Ihre Frau ein akutes Problem?“
Antwort AJ: “ Ja, sie nimmt seit 5 Tagen Clindamycin. Der Zahn ist bereits wurzelbehandelt. Das letzte Röntgenbild wurde vor einem Jahr gemacht“
Daraufhin habe ich der Ehefrau für den darauffolgenden Tag (=Donnerstag) einen Untersuchungstermin freigeräumt und bei dem Hauszahnarzt (ein Freund der Patientin und ferner ehemaliger Klinikkollege aus der Prothetik, der gelegentlich an uns überweist) für weitere Informationen kontaktiert.
Hier sein letztes Röntgenbild mit Erläuterung der Situation:
„Guten Morgen,
Pat kommt heute zu Euch… 15 WF 2013 / 14 WF 2010. Zystische Aufhellung seit mehr als 3 Jahren bekannt und kommuniziert. Erhaltungswürdigkeit??? „
Das angefertigte DVT (Screenshots zu einem späteren Zeitpunkt) liess den Zahn 15 als ursächlich erscheinen (u.a. übersehenes palatinales Kanalsystem bei sehr tiefer Gabelung).
Ansonsten ergab die klinisch-radiologische Untersuchung keine besonderen Erkenntnisse. Auf der bekannten Schmerzskala gab die Patientin einen Grad 4 an…
wir vereinbarten einen Revisionstermin für die darauffolgende Woche.
Freitag früh um 7:09 erhielt ich dann vom Ehemann folgende SMS:
„Guten Morgen Dr. Kaaden,vielen Dank, dass der Termin für meine Frau so rasch geklappt hat. Sie hat seit gestern Abend leider unerträgliche Zahnschmerzen trotz Ibuprofen 800. Was könnten wir da machen? Beste Grüße AJ“
Da ich an diesem Freitag nicht in der Praxis war sondern u.a. (virtuelle) Vorlesungen an der Uni hielt schlug ich dem Ehemann vor, dass seine Frau als Erstmassnahme ein stärkeres Schmerzmittel nehmen sollte (Novalgin) und sich ferner an Ihren Hauszahnarzt und Freund wenden möge…
Um 13.56 dann diese SMS:
„Hallo Dr. Kaaden. Das Novalgin schlägt bei meiner Frau leider nicht an. Kennen Sie irgendeinen Spezialisten wo meine Frau heute hingehen könnte? Unser Hauszahnarzt hat sich auf unsere Kontaktaufnahme nicht gemeldet. Beste Grüße AJ“
immer wieder laden wir von uns behandelte Patienten zu einem Recall ein. Wirtschaftlich betrachtet ein Wahnsinn. ( ä1, Rö2 ). Die Patienten kommen mitunter nicht, sagen nicht ab und man hat eigentlich genügend Patienten die auf einen kurzfristigen Termin warten. Wir hofften mit einer SMS Erinnerung mehr zu erreichen. Diese hat sicher die Vergesslichen erinnert. Aber es gibt trotzdem noch einiges an Ausfällen.
Wir wissen nicht, warum der Patient nicht kommt. Ist der Zahn entfernt, ist der Zahn so schmerzfrei, daß er vergessen wurde samt Termin, oder, oder, oder. Wir lassen uns nun häufiger Röntgenbilder vom HZA zusenden und befunden diese. Ist häufig auch nicht optimal. Nun schrieb uns ein Patient noch vor der SMS eine Mail:
Sehr geehrter Herr Dr. xxxx, Sehr geehrtes Praxisteam, ich habe am 24.11. um 8 Uhr 30 einen Kontrolltermin den ich absagen muss, ich befinde mich auf Montage in Brandenburg und kann den Termin nicht wahrnehmen. Ich bitte um Entschuldigung, möchte Ihnen auf diesem Wege noch mal herzlich für Ihre perfekte Arbeit danken, ich bin sehr froh das Sie mich von meinen Schmerzen befreit haben….. DANKE für Sie und Ihr Team alles Gute, bleiben Sie gesund. Mit freundlichen Grüßen
xxxx
Das ist eine Nachricht die uns freut und hilft auch wenn wir kein Röntgenbild haben werden. Deshalb werde ich zukünftig die Patienten, welche nicht kommen, bitten, uns mitzuteilen ob es Probleme gab oder gibt. Hier der Fall.
Den heutigen Fall möchte ich vorstellen auf Grund unseres WURZELSPITZE Plus Live-Meetings vergangenen Mittwoch. Ein Thema, das ausführlich besprochen wurde, war das Handling von MTA im Zusammenhang mit weit offenen Apices, also zum Beispiel bei Zustand nach WSR oder Frontzahntrauma bei jugendlichen Frontzähnen. Handling des MTA ´s per se (Konsistenz, Applikation in den Kanal hinein), die Anwendung von intrakanalären Einlagen und der Einsatz von Kollagen als apikale Barriere kamen zur Sprache. Mit teils sehr konträren Vorgehensweisen. Viele Wege führen nach Rom. Viel aber auch ins Nirgendwo und der Talk bestätigte die Wichtigkeit der Idee, Behandlungsoptionen bis ins kleinste Detaill vorzustellen, damit der Zuhörer anschliessend in eigener Praxis erfolgreich das präsentierte „Rezept“ nachkochen kann.
Nachfolgend ein paar Röntgenbilder und Fotos zu einem Fall, den ich in der letzten Woche behandelt habe und der wunderbar zur Thematik passt.
Die 21 jährige Patientin, Tochter eines Klassenkameraden sucht auf Wunsch der Eltern am 15. Juni diesen Jahres mit der Bitte um Rat bezüglich der Entfernung der Weisheitszähne unsere Praxis auf. Im angefertigten OPG findet sich als Zufallsbefund der Zahn 21 mit ausgedehnter apikaler Aufhellung und Zahn 22 mit stark vorangeschrittener Wurzelresorption. Letzeres ist leidlich bekannt, weil zur Abschlussbesprechung der vor einigen Jahren durchgeführten KFO – Behandlung der behandelnde Kieferorthopäde die Patientin beiläufig darauf hinwies, sie würde vermutlich irgendwann mit diesem Zahn Probleme bekommen. Im Zahnfilm wie im 3D Röntgenbild zeigt sich eine ausgedehnte apikale Knochendestruktion, ein Trauma in der Jugend, den Zahn 21 betreffend, ist nicht bekannt, aber anzunehmen. Die endodontische Behandlung erfolgte bei uns zunächst am 23.06.2020 mit Eröffnung des Zahnes 21, initialer Wurzelkanalbehandlung, intensiver Spülung (schall- und laseraktiviert) sowie abschliessender Ledermix- Einlage und Cavitätenverschluss mit Teflon/Cavit/Glasionomerzement. Die telefonische Nachfrage am nächsten Tag ergibt Schmerzfreiheit und unauffällige Ergebnisse. Jedoch am 29.06. Wiedervorstellung, wegen Schmerzen und einer leichten vestibulären Schwellung in regio 21,22. Ich inzidiere, minimaler Pusabfluss. Am 03.08. erfolgt die geplante Weiterbehandlung, wie immer in solchen Fällen mit einer 16 wöchigen Calciumhydroxid- Einlage. Bei der Wiedereröffnung des Zahnes am 16.11. zeigt sich am Foramen apicale eine deutliche und erstaunlich feste Reossifizierung, die auch Manipulationsversuchen mit einem Terauchi-Instrument widersteht. Die WF in Form eines apikalen MTA – Verschlusses erfolgt in gleicher Sitzung. Eine Überpressung von MTA in den periapikalen Raum wird vermieden, ein Kollagenwiderlager ist nicht notwendig. Der Backfill mittels warmer Guttapercha und Sealer, von uns immer am Tag danach geplant, wird wegen Totalstillstand der Praxis (Saugmaschine defekt) dann am 20.11.2020 durchgeführt. Im WF- Kontrolle- Zahnfilm ist ein beginnende ossäre Reossifikation zu erahnen. Das Feedback der Patientin am Tag danach. Alles okay!
Leichte Dunkelfärbung cervical an Zahn 21
Apikale Reossifizierung wird mittels OP- Mikroskop sichtbar
Kronen-Wurzelfrakturen gehören für mich mit zu den herausforderndsten Behandlungen im Bereich der dentalen Traumatologie. Zum einen, weil die davon betroffenen Patienten zumeist recht jung sind und zum anderen weil uns diese Patienten häufig erst mit deutlichem Zeitverzug aufsuchen.
Die Herausforderung liegt in der Notwendigkeit die oftmals äquicrestal oder leicht subcrestal gelegenen Frakturen so darzustellen, dass das Fragment im Idealfall adhäsiv wiederbefestigt werden kann. Erschwerend kommt hinzu, dass bei Patienten im Alter zwischen 6 und 10 Jahren das Wurzelwachstum oftmals nicht abgeschlossen ist und ein Vitalerhalt zumindest der intraradikulären Pulpaanteile ein wünschenswerter Behandlungsausgang wäre.
Somit sind die pulpaerhaltenden Massnahmen und das Reattachment meist in einer Sitzung zu erbringen. Die Compliance der jungen Patienten hoch zu halten und dennoch konzentriert zu arbeiten empfinde ich als besonders anstrengend, da ich nach aussen den Lockeren gebe und mich aber innerlich – auch bei optimaler Vorplanung – höchst angespannt fühle.
In nachfolgendem Fall war das Fragment alio loco als Erstmassnahme im Schmelzbereich befestigt worden, um in einem zweiten Behandlungsschritt dann endodontisch behandelt zu werden. Da das Wurzelwachstum bei diesem 9-jährigen Jungen bereits deutlich vorangeschritten war, hatte der endodontisch erfahrene Überweiser von einem reparativen Verfahren im Sinne einer Revitalisierung Abstand genommen. Es wurde vereinbart, dass zunächst die Wurzelfüllung bis ins mittlere Wurzeldrittel erfolgen solle, damit dann in unserer Praxis das Reattachment durchgeführt werden konnte.
Leider löste sich wenige Tage nach der Obturation das Fragment und wurde im Notdienst stark disloziert adhäsiv verankert, sodass nun neben dem geforderten chirurgischen Freilegen noch das Problem der Fragmentpassung zu lösen war.
Die Detektion der vorhandenen Kompositmassen erfolgte mittels einer LED-Lampe die Licht einer Wellenlänge von 405nm emittiert. Fluoreszierende Komposite stellen sich dabei in einer gletschereisblauen Farbe dar. Dieses Verfahren wurde von Thomas Connert et. al. im Dental Traumatology beschrieben:
Evaluation of a Fluorescence‐aided Identification Technique (FIT) for removal of composite bonded trauma splints
Unter dem Mikroskop ist es dabei sinnvoll, das Licht auszuschalten (beim ProErgo platziere ich den Drehknopf für die Lichtkegelbegrenzung einfach zwischen zwei Stellungen, sodass ich die Xenon-Lampe nicht neu starten muss). Dann kann das Kompositum erkannt und im Idealfall mittels Scaler oder Kürette vom Zahn abgelöst werden.
Bereits vor der chirurgischen Darstellung konnte der Riss nach Politur der Zahnoberfläche und nach einfachem Absprühen visualisiert werden.
Die Schnittführung wurde im Sinne einer Papilla-Preservation-Technik mit Hilfe eines um 25 Grad angulierten Mikroskalpells durchgeführt. Erstaunlich war, wie vollständig das parodontale Gewebe schon in den Bruchspalt eingewandert war. Beeindruckend auch der knöcherne Abbau im apikalen Frakturbereich, der jedoch das spätere Reattachment begünstigte.
Nachdem das Komposit labial abgesprengt werden konnte, wurde das Fragment durch Verkanten der Kürette im Bruchspalt gelöst. Nach Entfernung (Vorsicht!: immer mit dem Sauger großen Abstand halten!) desselben wurde auch die palatinale Gingiva mobilisiert, wobei die Papilla inzisiva umschnitten wurde.
Anschliessend wurden allen an der Wurzel und am Fragment anhaftenden Weichgewebe entfernt. Das Fragment wird in der Zwischenzeit immer nass gelagert (sterile Kochsalzlösung). Die Kompositreste auf dem Fragment verhinderten die korrekte Positionierung, sodass erneut die Fluoreszenz-Methode zur Erkennung der anhaftenden Kunststoffmaterialien eingesetzt wurde. Die Entfernung gelang mittels scharfer Kürette und viel Geduld.
Aufgrund idealer Hämostase konnte nun die zahnseitige Bruchfläche konditioniert werden.
Die Konditionierung des Fragmentes erfolgt idealerweise zuvor. Die Lagerung des Fragmentes sollte bei Verwenden eines dualhärtenden Bondings unter Lichtschutz erfolgen. Nach adhäsiver Befestigung mittels dualhärtendem Komposit wurden die geringen Überschüsse entfernt und die durch Schmelzaussprengung verursachten Hartsubstanzdefizite mittels Flowkomposit ergänzt. Den Abschluss nach fast 2 Stunden bildete der Nahtverschluss mit monofiler Naht der Stärke 7/0.
Die Fragmententfernung ist bei gut einsehbaren Fragmenten zu einem Routinefall geworden.
Letzte Woche hatten wir so einen Fall. Im ersten Moment waren wir, insbesondere ich erstmal ziemlich ratlos.
Uns ist ein großes Fragment abgebrochen. Nach der Wurzelfüllung.
Vom Hitzeplugger ist das (apikale), bzw. untere Stück abgebrochen und im Handstück der Obturation Unit verblieben. Der Mitarbeiterin ist das nicht aufgefallen.
In der Vorbereitung der nachfolgenden Behandlung mit Wurzelfüllung entstand nun ein Problem. Zum Glück haben wir noch ein Zweitgerät. Der Zeitverzug war trotzdem da. Die Konzentration auf den nächsten Fall war weg…
Am Abend dann die Diagnostiksitzung. Erstmal das Teil aufgeschraubt, um festzustellen, so kommt man nicht an das Problem heran.
Unter mikroskopischer Kontrolle ließ sich dann schnell feststellen, da steckt noch etwas drin.
Mittels Ultraschall vorsichtig agierend, tat sich nichts.
Ein Fall für den Fragremover. Nach 2 Minuten war alles erledigt und raus.
Ich möchte nicht wissen, was an Reparaturkosten entstanden wäre.
Es ging schon eine ganze Weile. In Leipzig sind besonders wenig Covid-19 Fälle. In Sachsen die geschützte Großstadt. Ist das so?
Es erschien nicht logisch und kaum erklärbar. Bis ich diesen Artikel las.
Und zur selben Zeit hatten wir erste Informationen erhalten, daß wir in der Praxis infizierte Patienten behandelt haben. Zuerst kam die Info vom Patient. 5 Stunden später kam die Meldung vom Gesundheitsamt. Nach dem wir unsere Schutzmaßnahmen erwähnten, ffp2-Maske für Behandler und Assistenz, 1% ige H2O2 Mundspülung des Patienten für 1 Minute, Behandlungen weitgehend unter Kofferdam, Rezeption Spuckschutz und Nasen/Mundschutz, kein Kontakt im Wartebereich mit weiteren Personen, P 2,5 Partikelfilter im Behandlungsbereich und Wartebereich und zwingende berührungsfreie Händedesinfektion beim Praxiseintritt wurde uns gesagt: Sie können weiter behandeln keine weiteren Maßnahmen notwendig. Kein Test. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits Test erfolgt. Die Assistenz zeigte Symptome einer Tonsillitis allerdings bereits vor Covidkontakt, die Behndlerin war symptomfrei. Beide Tests waren negativ. (Der Covid-19 Kontakt erfolgte bei einer Wundrevision ohne Kofferdam.)
Zwei Wochen später hatte eine Assistenz Covid-19 Kontakt ohne Sicherheitsabstand, ohne Mundnasenschutz über 3-4 Stunden am Vortag und 5 Tage zuvor mit der selben Person. Sie hatte keine Symptome. Das Gesundheitsamt hat uns nicht informiert. Ein PCR Test wurde von mehreren Ärzten abgelehnt. Trotz der Zusage durch die LZK Sachsen, daß für jeden Mitarbeiter ein Test pro Woche möglich ist. Die Mitarbeiterin musste nach einer langen Arztodysee zum 30km außerhalb liegenden Flughafen (Testcenter) fahren um sich testen zu lassen. Der Test war negativ. Nun frage ich mich nicht mehr, warum wir weniger Fallzahlen haben. Es wird wahrscheinlich auch weniger getestet.
Eine Woche später diese Meldung:
COVID-19: Sachsens Zahnärzte dürfen sich selbst und Personal testen Ab sofort haben Vertragszahnärztinnen und -zahnärzte in Sachsen die Möglichkeit, SARS-CoV-2-Antigentests als sogenannte PoC-Antigen-Tests (Point-of-Care-Antigen-Schnelltests) ausschließlich für sich selbst und das Praxispersonal eigenverantwortlich direkt in den eigenen Praxisräumen durchzuführen – und dies einmal wöchentlich. Dabei dürfen nur Antigen-Tests verwendet werden, die das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte listet. Es wird dringend empfohlen, den Schnelltest nur bei asymptomatischen Mitarbeitern durchzuführen. Personen, die Symptome zeigen und/oder mit Infizierten persönlichen Kontakt hatten, sollten sich immer an das Gesundheitsamt oder eine ärztliche Praxis für einen PCR-Test wenden.
Es sind noch nicht alle Abrechnungsmodalitäten geklärt. Laut KZV Sachsen steht jedoch fest, dass lediglich die Sachkosten für den Antigen-Schnelltest in Höhe der Beschaffungskosten von maximal 7 Euro je Test, abzüglich 3,5 % Verwaltungskosten erstattet werden. Vermutlich wird die Abrechnung je Quartal erfolgen. In jedem Fall ist ein Nachweis über den angewendeten Test zu führen und die KZV Sachsen rät, Rechnungen, Lieferscheine und Testnachweise für die Abrechnung aufzubewahren.
Quintessenz für mich: Schütze Dich selbst mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln. Niemand anderes macht das für Dich und verlass Dich nicht auf Versprechungen.
Tests sind nicht einfach zu bekommen und Antigentest benötigen immer eine Bestätigung im positiven Fall durch einen PCR Test.