Andere Notdienste im Blog

von Hans – Willi Herrmann

Durch Zufall (bei WordPress gibt es eine Auflistung der neuesten Artikel, die eingestellt wurden, und wenn die Überschrift mich anspricht, klicke ich drauf) bin ich auf einen ärztlichen Kollegen gestossen, der ebenfalls über seinen Notdienst berichtet.
Nicht schön, was es da von den Ärzten zu lesen gibt. Aber gut, dass Blogs wie jener zeigen, dass es eine Wahrheit jenseits der politischen Orwellismen gibt, die im Web 2.0 geäußert werden kann.
Und damit die heimischen Wände und  den Zahnärztestammtisch an Reichweite überschreitet.

Besagter Arztkollege, der sich selbst Dr. Geldgier nennt, kam zum Blog, weil er sich den Frust seines Notdienstes von der Seele schreiben wollte. Der für 4.50 Euro pro Stunde sein Telefon auf Rufbereitschaft stehen lassen soll, und das Ganze eine Woche lang.

Hallo Dr. Geldgier, der nächste Absatz ist für Sie: Diese Woche,  am Sonntag, wurde die verstopfte Toilette meiner Schwiegereltern repariert.
Wochenend – Aufschlag.
100 Prozent. Wir reden von 150 Euro, Baby. Wieviel bekommen sie noch mal pro Stunde am Wochenende mehr , Dr. Geldgier ? 4  Euro 50 ?

Und jetzt bitte keine Diskussionen, über Toiletten, die man reinigen muss, und wie schlimm das ist, und das es ja jeder selbst machen kann, wenn er das Geld nicht ausgeben will.
Es geht hier um den Wochenendzuschlag von 100 Prozent, der im handwerklichen Bereich ohne Wenn und Aber, maximal noch schulterzuckend,  gesellschaftlich akzeptiert wird.

Ich gönne dem Handwerker seine Mehreinnahmen. Aber 4 Euro 50 für einen Arzt, der an Heiligabend übers Land fährt ? Jedem Politiker muss klar sein, dass dies nicht sein darf. Und machen wir uns nichts vor. Die Politiker kennen diese Zahlen. Diese Infos, das Wissen über diese Zustände sind den Politikern seit vielen Jahren bekannt.

Geändert an diesen Verhältnissen wird nichts.
Und welchen Schluss zieht man daraus ?
Es interessiert die Politiker nicht die Bohne.


Anatomie eines Notdienstes (6)

von Donald Becker

Eine Stunde und 10 Minuten war ich zu Hause. Kurz was essen.
Ausruhen ging nicht. Unkonzentriertes Blättern in der Weihnachtsausgabe der Süddeutschen, während ich das aufgewärmte Essen von Heilig Abend zu mir nehme, schon muss ich wieder weg.

Als ich am 1. Weihnachtsfeiertag um 17 Uhr wieder in die Praxis komme, sind aus den bislang angekündigten 6 Patienten bereits 13 Hilfesuchende geworden.

Eine Stunde später, um 18 Uhr befinden sich deutlich mehr als 20 Personen gleichzeitig in in unserer Praxis.
Wir haben keine Stühle mehr.

Ich gehe nach draussen und bitte alle Begleitpersonen, die Praxis zu verlassen.
Langsam fängt der Notdienst an, stark auch an meinen Nerven zu zehren. Und von der freundlichen Athmosphäre des gestrigen Vormittags ist nichts mehr zu spüren. Im Wartezimmer herrscht eine  gereizte  Grundstimmung.
Angenervte Gesichter angesichts der langen Warteschlange.

Und immer noch klingelt zwischendrin das Telefon.

Am Ende des Tages werden es 20 Patienten sein, die nach 17 Uhr unsere Praxis aufgesucht haben werden.  Eigentlich wären es sogar 22, aber 2 Patienten erscheinen nicht. Lange genug hätten wir auf sie gewartet, der eine war um 17.30, der andere um 19.00 anvisiert, erst  um 22.50 Uhr verlasse ich die Praxis.

20 Patienten seit 17.00 Uhr.
Die überwiegende Mehrzahl mit unklaren Schmerzproblematiken. Der Satz „Herr Doktor, ich habe starke Zahnschmerzen, aber ich kann ihnen nicht sagen, wo die Schmerzen herkommen“, wird zum Dauerbrenner.

Zu guter Letzt dann noch zwei schwierige Extraktionen.
Ein Zahn 17. Wurzelkanalbehandelt.
Zumindest der palatinale Kanal.
Bis in die Mitte.

Die anderen zwei oder drei Kanäle ?
WF Fehlanzeige.

Schmerzen seit mehreren Tagen.

Der Hauszahnarzt hat vor 2 Tagen okklusal ein Loch in den Zahn gebohrt, Ledermix eingelegt und den Zahn offengelassen.
Und davon solls besser werden ? Selbst kurz vor  Weihnachten würde ich nicht zu sehr an ein Wunder glauben.

„Wenn der Zahn Beschwerden macht, muss er raus“, sagte der Vorbehandler.  „Schöne Grüsse soll ich ausrichten, von Dr. Müller Maier Schmidt“, sagt der Patient, der es nicht mehr aushält vor Schmerzen. Schöne Grüße ? Das kann der Kollege nicht Ernst gemeint haben.

Irgendwann geht der Zahn raus. 4 Wurzeln,stark gespreitzt, 3 davon mit einander verbunden, alles zusammen eingeklemmt von einem impaktierten Zahn 18.

Und danach ein Zahn 37.

„Die linke Seite tut weh, aber ich kann nicht einmal sagen, ob von oben oder unten.“
Schon wieder.

Aber wenigstens lässt sich der schmerzauslösende Zahn klinisch schnell ausmachen.  Klopftest leicht positiv und die Sonde retiniert stark unter der vorhandenen Krone.
Massive Sekundärkaries.

Das Problem – mittelalte Patientin, kein Knochenabbau, stark abgeknickte lange Wurzeln, der Zahn total auf Gingivaniveau weggefault. Also fest im Knochen und nichts zu angreifen. Achja, und da ist noch  die  4 gliedrige Brücke, die dranhängt.

Ich trenne die Brücke distal  des 4ers ab, schon kommt der hintere Teil mir entgegen. Vermutlich ist die Karies durch Dezementierung enstanden. Oder die Dezementierung durch die Karies. Das Ergebnis ist das Gleiche. Nicht mehr zu machen.
Die Wurzeln lassen sich trennen und  trotz fehlender Hebelmöglichkeiten schneller als zunächst befürchtet entfernen.
Natürlich nicht in dem Zeitrahmen, den die Krankenkasse für einen solche Verrichtung vorsieht, aber immerhin rascher als beim Zahn zuvor.

Das war die letzte Patientin. Niemand mehr im Wartezimmer.
Es ist kurz nach 22.00 Uhr.  Jetzt noch alle Eintragungen und Arztbriefe, die liegengeblieben sind, weil beim „Zwischen den drei Behandlungszimmern auf Rollschuhen hin und her Wechseln“ keine Zeit dafür blieb.

Und bitte – bitte keine Anrufe mehr.
Wobei die Erfahrung zeigt, dass in der Regel zwischen halb Elf und Elf noch mal das Telefon klingelt. Und zwischen zwei und drei Uhr, aber so weit sind wir noch nicht.

22. 35 Uhr.
Ich bin fast fertig mit meinen Eintragungen.

Das Telefon.
Klingelt.

Ich wusste es.
Ich gehe direkt dran.

„Hallo, machen Sie Extraktionen in Vollnarkose ?“

„Nein, machen wir nicht“.

„Können Sie mir sagen, wer so etwas macht hier bei uns ?“

Kann  ich.

„Das macht der Herr Dr. Müller Maier Schmidt“.

„Der hat jetzt aber nicht auf, oder ?“

Mit Sicherheit nicht“ ,antworte ich. Ist nur eine Vermutung, aber wir haben den ersten Weihnachtsferiertag und es ist nach 22.30 Uhr.

„Danke“, sagt die Dame und legt auf.

Und das war er dann, unser Notdienst.

Bis 3 Uhr nachts bin ich noch wachgeblieben vorm Computer. Weil es für mich nichts Schlimmeres gibt, als im Schlaf geweckt zu werden von einem Telefonanruf und ich daher ohnehin erst schlafen kann, wenn ich todmüde bin.
Es hat aber niemand mehr angerufen.
Gott sei Dank.

Anatomie eines Notdienstes (5)

von Donald Becker

Normalerweise ist der 2. Tag des Notdienstes weniger anstrengend.

Diesmal nicht.

Wenigstens war der Heilige Abend ruhig und auch in der heiligen Nacht rief niemand an. Das war für mich das Wichtigste.
Dafür kommt es jetzt um so heftiger.

Schon nach einer Stunde haben wir die Höchstmarke  des gestrigen Vormittags überschritten.  Als wir kurz vor 15.00 Uhr die Praxis verlassen, um etwas essen zu können, haben wir bereits 20 Patienten behandelt. Und für 17.00 Uhr sind schon weitere 6 Patienten angemeldet.

Der Patient mit dem Oberkiefereckzahn (das war der Patient, für den es in den Kammerrichtlinien nebst Gerichtsurteil keine Therapiekonzept ausser der Extraktion gibt)  kommt zur Kontrolle nach Wurzelkanalbehandlung vorbei. Seine Schmerzen sind weg, die Schwellung ist rückläufig, der Druck im Kiefer und in der Wange hat nachgelassen.

Eine Patientin mit Schmerzen in der Unterkieferfront und leichter vestibulärer Schwellung in Regio 41- 43 stellt sich vor. Sie trägt eine große den gesamten Frontzahnbereich umspannende Brückenkonstruktion. Klopftest, Rö- Bilder und Kältetest sind nicht eindeutig.  Am wahrscheinlichsten ist der Zahn 42 der Schmerzauslöser.

Wir trepanieren, ein extrem schwieriges Unterfangen bei den grazilen Zähnen, die die Patientin hat und der Keramikkonstruktion, die den Zahn umgibt. Trotz Dentalmikroskop ist dieser Zahn eine enorme Herausforderung. Ohne Mikroskop bei den extrem schwierig aufzufindendem Kanal keine Chance.

Was also tun im Notdienst ?
Draussen sitzen gegenwärtig 9 weitere Patienten. Längst haben wir zusätzliche Sitzgelegenheiten herbeigeschafft, der Wartebereich ist übervoll, die Patienten und ihre Begleitpersonen  sitzen in einer Reihe im Flur bis zur Anmeldung.

Es kommt zu leichtem Tumult, weil  ein paar der  Patienten sich nicht einigen können, wer nun als Nächster an der Reihe sei, nachdem wir eine Patientin, die zum Streifenwechsel die Praxis aufgesucht hatte, nach kurzer Wartezeit schon ins Behandlungszimmer   gesetzt haben.
Ich gehe nach draussen, erkläre die Situation. Meine Stimmung sinkt.

Es ist gerade mal Halb Eins am zweiten Tag unseres Notdienstes. Noch weitere 20 Stunden liegen vor uns.

Zurück im Zimmer.  Noch immer nicht der geringsten Hinweis, wo der Wurzelkanal des Zahnes 42 zu finden wäre.

Ich beschliesse, den Zahn erst weiterzubehandeln, wenn ich die weiteren Patienten versorgt habe. Die Patientin ist einverstanden.
Sie hat bislang schon 2 Stunden gewartet und wird weitere 90 Minuten warten müssen, bis wir uns ihr wieder widmen können.


Anatomie eines Notdienstes (4)

von Donald Becker

Ein Patient hat uns eine gute Flasche Wein mitgebracht.

Überhaupt sind die Patienten durch die Bank heute besonders höflich. Es gibt kein Klagen angesichts der teilweise stundenlangen Wartezeit.

Ausnahmen gibt es natürlich immer, wie die Dame, die sich über ihren Eigenanteil von knapp 9 Euro für das Wiedereingliedern einer Frontzahnkrone beklagt.

Klassiker im Notdienst, neben der Patientin, die nun schon zum 3. Mal an 3 aufeinanderfolgenden Notdiensten bei uns erscheint, sind auch dieses Mal wieder Patienten, die zwar mit einer drastisch geschilderten Beschwerdeproblematik in der Praxis erscheinen, dann  jedoch, wenn es darum geht, eine Therapie gleichwelcher Art durchführen zu lassen,  doch nichts gemacht haben wollen.

Bei den beiden Patienten, die mit neuen Teleskopversorgungen (verankert an 2 Eckzähnen und einem Molaren) vorbeigekommen sind, ist dies nicht der Fall.
Sie wollen Hilfe.

Der eine hat einen Abszess am Teleskopzahn 37. Die Prothese ist 6 Wochen alt und der Zahn ist wurzelkanalbehandelt. Eine Revision macht keinen Sinn mehr. Der Zahn ist austherapiert. Wir inzidieren, decken antibiotisch ab und weisen angesichts des Röntgenbildes den Patienten darauf hin , dass der Zahn 37 entfernt werden muss, sobald die Entzündung rückläufig ist.  Die Prothese ist handwerklich gut gemacht und wird sicherlich auch ohne den dritten Ankerzahn einen ausreichenden Halt haben.

Für den anderen Patienten sieht es nicht so gut aus.
Die Teleskopprothese ist 9 Monate alt, sieht aber so aus, als hätte sie deutlich mehr auf dem Buckel. Hier stimmt nur wenig. Die NEM – Primärteleskope sind vom Randschluss her mäßig bis unzureichend, der Sitz der Sekundärkonstruktion ist mangelhaft. Die Prothese hat einen Riss im Bereich des Teleskops 24  und nun ist der Zahn 13 abgebrochen.
Er ist wurzelkanalbehandelt, Schmerzen sind nicht zu erwarten.  Eine Präparationsgrenze ist nur andeutungsweise zu erkennen und sie ist nicht deckungsgleich mit dem Kronenrand.

Wollte man das Teleskop auch nur mittelfristig stablisieren, so müsste der Zahn mit einem Wurzelstift + Aufbau versehen werden und darüber das Teleskop passgenau wieder integriert werden. Entsprechende Präzision in der Systematik und in der Vorgehensweise vorausgesetzt,wäre  dies möglich.  Würde der Zahn extrahiert, würde  der Halt der Versorgung deutlich leiden.

Ich stelle die provisorische Eingliederung der Teleskopkrone einer definitiven Eingliederung gegenüber und plädiere für ersteres.
„Wie lange wird das halten ?, fragt der Patient.
„Nicht lange“, antworte ich offen.
„Schaffe ich es über die Feiertage bis ins neue Jahr ?
„Wenn sie Pech haben, stehen Sie morgen wieder hier, es ist zuviel von ihrem Zahn abgebrochen“.

Der Patient wünscht die definitive Eingliederung.

Eine Patientin erscheint.
Eine fünfgliedrige Brücke im Oberkiefer, vom Frontzahnbereich in den Seitenzahnbereich sich erstreckend. Die Patientin wünscht, nein, sie verlangt die Wiedereingliederung der, wie sie sagt 2 Jahre alten Brücke. Sie ist routiniert, es ist offensichtlich ein immer wiederkehrendes Ereignis. 3 der 4 Pfeilerzähne sind bis fast auf Gingivaniveau weggefault, nur der Zahn 23 ist noch etwas substanzreicher, wenngleich ebenfalls stark kariös angegriffen.
Keine Schmerzen.

„Ich kann Ihnen die Brücke nicht mehr eingliedern, sie hat keinen Halt mehr.“
„Mein Hauszahnarzt hat die Brücke doch auch immer wieder eingesetzt, warum soll das jetzt nicht mehr gehen ???“
„Weil es nicht lange halten kann“.

„Und was kommt dann ????“, fragt die Patientin . „Was kosten denn  Implantate ???“
„Da ist ihr Hauszahnarzt der geeignete Ansprechpartner, ich bin es nicht“, antworte ich.

„Jetzt sagen sie doch mal !!!!“, wiederholt die Patientin ihre Forderung. Der Ton wird schärfer. „Wieso wollen Sie mir denn nichts sagen ???? Jetzt sagen sie doch mal !!!!“

Ich wiederhole meinen Satz von oben und gliedere ein.

Anatomie eines Notdienstes (3)

von Donald Becker

Die dicke Backe, mit der die Patientin in der Praxis erscheint, ist beachtlich, aber nicht spektakulär.  Zwar ist der Unterkieferrand der rechten Gesichtshälfte zu Hals hin teigig verstrichen  und nicht mehr durchtastbar, aber immer hin ist das Auge noch nicht zugeschwollen. Und die Schmerzsituation der Patientin ist besser, als es das Äussere vermuten liesse.

Trotzdem ist die  Situation aussergewöhnlich. Die Mundöffnung der Patientin ist mittlerweile extrem eingeschränkt. Wir messen eine Schneidekantendistanz von 21 mm. Im Bereich, in dem die Ursache der Schwellung, ein massiver eitriger Abszess, zu suchen ist, ist der Abstand zwischen den Zahnreihen noch  geringer.

Die Patientin war seit dem 09. Dezember jeden Tag in Behandlung bei ihrem Hauszahnarzt.
Jeden Tag.
13 Tage lang.

Erst war der Zahn 47, dann der Zahn 46 wurzelkanalbehandelt worden. Vielleicht war es auch genau umgekehrt. Die Beschwerdeproblematik blieb jedoch auch nach diesen Wurzelkanalaufbereitungen und medikamentösen Einlagen.
Es wurde nicht besser.
Und so wurde vor ein paar Tagen der Zahn 47 gezogen.
Danach immer noch keine Besserung.

Jetzt sitzt die Patientin vor uns und der Blick in den Mund zeigt, dass massiv Eiter aus der Extraktionswunde des Zahnes 47 herausläuft.
So etwas habe ich  in fast 20 Jahren noch nicht gesehen. Der Eiter läuft und läuft aus dem Knochenfach und das, obwohl die Patientin seit mehreren Tagen antibiotisch abgedeckt ist und mittlerweile das zweite Antibiotikum nimmt.

Und die Wange glüht, sie ist kochend heiß, wenngleich die Patientin Gott sei Dank noch keine erhöhte Temperatur hat.

Wir machen einen Zahnfilm von der Region 47, 46.
Der Film lässt sich nur mühsam in den Mund einbringen.
Das Herausnehmen ist noch schwieriger, fast unmöglich und für die Patientin extrem schmerzhaft. Daran, den Zahn 46 endodontisch zu entlasten, ist auf Grund der geringen interokklusalen Distanz nicht mal dran zu denken.

Für mich (Thomas Weber, der Vater des Memorix,  würde sagen, für mich als Landzahnarzt) ist hier die Grenze des im Notdienst Möglichen erreicht.
Ich verweise die Patientin an die kieferchirurgische Kompetenz der Uniklinik.

Es ist kurz nach 18.00 Uhr am ersten Tag unseres Notdienstes.
Mittlerweile sind es 13 Patienten geworden, die seit 17.00 Uhr in der  Praxis  sich angekündigt haben.
Es ist davon auszugehen, dass wir schon bald die 30 Schmerzpatienten – Marke für den ersten Tag überschreiten werden.

Anatomie eines Notdienstes (2)

von Donald Becker

Gleich der erste Endo -Patient des Notdienstes stellt eine Besonderheit dar.

Nicht was den Fall angeht, der wäre für uns Routine.
Es geht um die Richtlinien, die in einem engen Korsett vorgeben, wie bzw. was genau im Rahmen eines Notdienstes an zahnärztlichen Behandlungsschritten durchgeführt werden darf. Und was nicht, um nicht als unwirtschaftlich eingestuft zu werden oder als unkollegial zu gelten.

Im vorliegenden Fall müsste ich (folgte ich den Anweisungen der Kammer, die sogar auf ein LSG – Gerichtsurteil verweist) den Zahn des Patienten, einen Oberkiefereckzahn, ziehen. Der Zahn ist devital und die Pulpakammer ist bereits eröffnet. Eigentlich dürfte der Patient, dies wurde in einer jüngsten offiziellen Stellungnahme der Zahnärztekammer impliziert, gar keine Zahnschmerzen haben, daher sind  weitere Massnahmen zur Wurzelkanalbehandlung nicht notwendig und dürfen nicht durchgeführt werden.

Der Patient weiss nichts von diesem Schreiben und stellt sich daher trotzdem mit starken Zahnschmerzen bei uns vor.

Der Eckzahn steht sehr gut im Knochen, dass angefertigte Röntgenbild ergibt ausserdem, dass nicht einmal eine über das Maß einer Vermutung hinausgehende apikale Aufhellung an diesem Zahn im Röntgenbild festzustellen ist. Eine stärkere gingivale oder gar extraorale Schwellung, die eine Inzision rechtfertigen würde, ist ebenfalls nicht aufzufinden.

Es gibt aus medizinischer Sicht keinen Grund, diesen Zahn zu entfernen, ganz abgesehen davon, dass diese Extraktion hohe Folgekosten mitsichbringen würde. Schließlich müsste die entstandene Lücke, die im deutlich sichtbaren Bereich ist, mit einem Zahnersatz gleichwelcher Art verschlossen werden.

Aus medizinischer Sicht sieht die Behandlung folgender Maßen aus: Versorgung des vorhandenen kariösen Defektes mit einer Füllung. Trepanation des Zahnes, Kofferdam, Wurzelkanalaufbereitung, zusätzliche desinfizierende Maßnahmen, medikamentöse Einlage, Verschluss der Trepanationsöffnung mit einer bakteriendichten und die Zahnrestsubstanz stabilisierenden Füllung.

Es erhebt sich die Frage: Darf die Art einer Behandlung davon abhängig gemacht werden, ob der Patient einen Zahnarzt während der Woche oder  am Wochenende aufsucht ?

Darf die Art einer Behandlung davon abhängig gemacht werden, ob diese vom Hauszahnarzt oder von einem Zahnarzt im Rahmen des Notdienstes durchgeführt wird, wenn das Ergebnis im Zweifelsfall dem Patienten zum Nachteil gereicht ?

Ist es zulässig, dass eine Behandlungsmaßnahme, die vom Hauszahnarzt ohne Erfolg durchgeführt wurde und diesem erstattet wurde, einem Zahnarzt, der durch adäquate Massnahmen eine Schmerzbeseitigung erreicht, vorzuenthalten ?

Passt gut zu Weihnachten…


Anatomie eines Notdienstes (1)

von Donald Becker

Heiligabend.

8.00 Uhr.

Start unseres 48 stündigen Notdienstes. Noch ist alles ruhig.

9.00 Uhr – Beginn unserer Sprechstunde am Vormittag.

Das Telefon klingelt schon, als ich um kurz vor Neun die Praxis betrete.

Und das wird es tun, unentwegt die nächsten beiden Stunden.

Bis 11 Uhr schon 12 Patienten.

Um 14 Uhr gehen wir aus der Praxis. 15 Patienten bis dato.

Und für 17.00 Uhr sind schon zwei weitere angekündigt.

Der erste Patient am morgen gleich ein Kuriosum.

Er kommt zum Streifenwechsel in Regio 16. Zustand nach Inzison und Streifeneinlage am Tag zuvor.
Es ist kein Streifen zu sehen. Und alles scheint gut verheilt, denn die Wunde ist schon vollständig verschlossen. Nichts mehr zu sehen, was auf einen Schnitt hindeutet.

Weihnachtliche wundersame Heilung ? Irgendwie außergewöhnlich.

Auch bei einem anderen Schmerzpatienten ein ähnliches Phänomen. Zahn 46, Zustand nach Wurzelkanalbehandlung durch den Hauszahnarzt Anfang Dezember. Der Zahn, stark abradiert, so dass die Pulpa durchschimmert, ist okklusal vollkommen unversehrt.
Keinerlei Trepanationsöffnung.

Mal sehen, wie es im Notdienst weitergeht.

Weihnachtsrätsel

von Olaf Löffler

Weihnachten ist da, die ruhelose und hektische Vorweihnachtszeit wurde nicht von einer Gesundheitsreform begleitet. Nun sind einige Tage Zeit etwas Ruhe zu tanken und das Jahr Revue passieren zu lassen. Damit die Zahnmedizin nicht ganz aus dem Blickfeld gerät ein kleines Weihnachtsrätsel von Wurzelspitze.

An diesem oberen 17 gibt es mehrere Spuren um den koronal obliterierten Kanal 17 zu finden.
Im Bild 1.001 sehen Sie die Originalaufnahme. Im Bild 1.002 die markierten Kreise, welche möglicherweise den Kanaleingang darstellen.

Wo ist der distale Kanal an diesem 17 zu suchen?

Bild1 .001

Bild1 .001

Bild1 .002

Bild1 .002

Nacht und Nebel

von Hans – Willi Herrmann

Traditionell verschicken wir Weihnachtskarten an unsere Überweiser.

Eine davon kam letzte Woche zurück.

„Dr.  Müller – Maier – Schmidt ist in einer Nacht – und Nebel – Aktion spurlos verschwunden“,  hatte jemand handschriftlich auf den Briefumschlag geschrieben.

Mittlerweile der 5. Kollege, den ich kenne, der mit der Praxis pleite gegangen ist. 2 davon in Bad Kreuznach, seit ich hier niedergelassen bin.

Und machen wir uns nichts vor – nachfolgend 3 „Knock Out – Facts Zahnmedizin“ für das Jahr 2010.
Die Insolvenz – Dunkelziffer ist deutlich höher.
Besser wirds nicht.
Die harten Jahre kommen erst noch.

Trotzdem – schon mal vorab „Frohe Weihnachten“.

Für uns ist das Jahr noch nicht ganz zu Ende.
Wir haben an Heilig Abend und am 1. Weihnachtsfeiertag Notdienst.

ATR „grün“ – Programmieranleitung für die GYT

von Hans – Willi Herrmann

Vor einiger Zeit schon haben wir hier eine Programmieranleitung eingestellt, die es ermöglicht, einen ATR Vision Motor in reziproker Arbeitsweise nach Ghassan Yared (GYT) einzusetzen.

Jochen Friedrich fragte nun, ob es eine Möglichkeit gäbe, auch den älteren „grünen“ ATR – Motor für diese Technik zu programmieren.

Bitte schön, hier ist sie:

ATR Tecnika Programming Instructions

Using the system button, find the Protaper preset.  If your Tecnika is really old,  and you don’t have any Protapers settings, use a preset that you wouldn’t use.  I used the Profiles orifice shapers pre-set because I don’t use Profiles.

Set the RPM to 300.

Press the “ctrl” button (the checkmark) and the Fwd/Reverse buttons at the same time.

Use the torque buttons to set FW=0.09.

Use the RPM buttons to set REV=0.05.

Press the torque min button to save.

To disengage the reciprocating motion, press the Fwd/Reverse button.  The motor should then switch back to the original rotary setting with the original amount of torque control.

Spritzenständer

von Christian Danzl

Neulich in München, als ich mal wieder im Magazin vorbeischaute, fiel mit der Stiftehalter von Korn auf.
Meine erste Idee:
Das ist der Spritzenhalter, den ich schon lange suche.
War natürlich ausverkauft.

Gestern ist er dann per Post gekommen.
Beton, 6 cm Seitenlänge, 420 Gramm schwer.

Funktioniert.
Fällt nicht um, wenn die Spritze drin ist, man kann die Spritze entnehmen und der Deckel bleibt drin.

15,- €.

Top 10 Wurzelspitze 2009

von Hans – Willi Herrmann

Das Jahr 2009 ist noch nicht ganz zu Ende, aber da schon eine Vielzahl an Jahresendzeit – Rückblick Specials im Fernsehen laufen hier unsere Liste der 10 meistgelesenen Wurzelspitze -Seiten des Jahres 2009.

Platz 10
Schmerzkrokodil

Platz 9
Projektion und Ausmaß von ossären Läsionen – Täuschung und Realität

Platz 8
Wieviel Mikroskop braucht der Zahnarzt ?

Platz 7
In die Irre führend – ein nicht alltäglicher Fistelgang

Platz 6
Mtwo – Systemerweiterung 35/.06 und 40/.06

Platz 5
Saving hopeless teeth (VI), Apikale Aufhellung (9) – Zahn 21 mit Fistel, WSR, SSA, tiefen Taschen und Resorption

Platz 4
Karies – Behandeln oder noch abwarten ?

Platz 3
1. Gemeinsame wissenschaftliche Tagung der deutschen endodontischen Fachgesellschaften

Platz 2
Toxavit – Nekrose

Platz 1
Zahnhalsfüllung

Memorix Zahnmedizin Neuauflage

von Hans – Willi Herrmann

Seit 25 Jahren nun beschäftige ich mich mit Zahnmedizin.

Und in dieser Zeit sind mir 3 Bücher als wirklich herausragend in Erinnerung geblieben.

Da war zunächst der erste Farbatlas der Zahnmedizin.
Band 1, Parodontologie.
Der Rateitschak.

Eine ganz neue Qualität in Druckqualität, Grafik und Aufmachung.

250 DM. Aus der Erinnerung heraus.

250 DM waren für mich als Studenten eine ganze Menge. Aber ich musste dieses Buch kaufen und das war gut so, kann ich auch heute noch sagen, fast 20 Jahre später. Auch wenn ich schon sehr sehr lange nicht mehr hineingeschaut habe.

Dann, 1990 ein Buch von Martignoni und Schönenberger mit dem merkwürdigen Namen „Präzision und Kronenkontur in der restaurativen Zahnheilkunde“.

Was für ein Werk.
Als blutjunger Assi, in meiner ersten Assistentenstelle bin ich auf dieses Buch gestossen und es war ein „eye opener“ für mich. Gigantische Bilder von Zähnen und Gingiva unter dem hochvergrößerenden Mikroskop. Wer einmal gesehen hat, wie eine PA – Sonde das Zahnfleisch traumatisiert und wie entzündungsfreie Gingiva formatfüllend aussehen kann, der kann nicht unbeeindruckt bleiben. Mich hat dieses Buch motiviert, geprägt.

500 DM, für einen Assi mit 3500 DM brutto eine Menge Geld.
Egal.
Gekauft.
Über viele Jahre hinweg war das Buch meine Bibel. So kann Zahnersatz aussehen. So können Präparationen aussehen. Soll mir keiner erzählen, dass so etwas nicht machbar ist. Es geht. Die Beiden haben es gezeigt.

Wie gerne hätte ich Martignoni selbst für dieses Werk gedankt, ich hatte jedoch keine Gelegenheit dazu. Als ich vor ein paar Jahren Marco Martignoni, seinen Sohn kennenlernte und ihn bat, seinem Vater meinen Dank zu übermitteln, war Martignoni  kurz vorher verstorben.
Früher habe ich immer wieder in diesem Werk geblättert. Leider habe ich irgendwann einmal das Buch an einen Freund verliehen, aber nie wieder zurückerhalten. Ich vermisse dieses Buch.

Eines Tages, dachte ich im Übrigen, als ich das Buch am Anfang in Händen hielt, werde ich auch mit dem Operationsmikroskop arbeiten in meiner Praxis.

Ich hätte nie gedacht, dass dies schon wenige Jahre später, 1997,  der Fall sein würde. Noch heute kann ich es nicht glauben, mit welcher Dynamik das Mikroskop und alle anderen Dinge, die damit verbunden waren, mein weiteres Berufsleben verändert, geprägt haben.

Und dann Buch Nummer 3.
Mit Abstand das kleinste, unscheinbarste, aber auch bei weitem das günstigste. Und jeden Cent wert.

Das Memorix Zahnmedizin, von Thomas Weber, dass nun ganz neu, in seiner 3. Auflage erschienen ist.

Was wäre mir dieses Buch im Studium und Staatsexamen eine Hilfe gewesen. Aber – zu meiner Zeit gab es das noch nicht. Wer sagt eigentlich, das früher alles besser war.

Auf irgendeiner IDS, Ende der Neunziger habe ich das Buch entdeckt und seitdem immer wieder in der Praxis zum schnellen Nachschlagen von alltäglichen und nicht alltäglichen Fakten zur Hand genommen.
Meine Azubis haben es bekommen und vor allem meine Assistentinnen im Rahmen ihrer  ZMF – Weiterbildung. Wer dieses Buch hat, der ist gewappnet für den Praxisalltag.

Dieses Buch ist ein Muss für jede Zahnarztpraxis und sollte dem Zahnmedizinstudenten spätestens beim Eintritt in den klinischen Studienabschnitt unter den Weihnachtsbaum gelegt werden.

Ich ziehe meinen Hut vor Thomas Weber, der über viele Jahre hinweg all diese Informationen zusammengetragen, überprüft, geordnet, gewichtet und schlussendlich in kompakter Form für dieses Werk aufbereitet hat.

Vielen Dank Thomas, für dein Memorix. In meiner Praxis seit 1997 sicherlich das Buch, welches am meisten von allen  zur Hand genommen wurde.

Kodak RVG 6100 – ein deprimierender Erfahrungsbericht

von Jörg Schröder

Seit Anfang 2008 verwende ich in meiner Praxis neben einem Kodak 5000 Sensor in Größe XL auch einen Kodak 6100 in normaler Größe. Ausschlaggebend für den Kauf waren unter anderem die wirklich beeindruckenden Röntgenbilder die Olaf Löffler mit diesem Sensor erzielen konnte. Dafür war ich bereit einen hohen 4-stelligen Eurobetrag zu investieren.

Was mich neben der Tatsache, dass die Installation des Sensors eher Plug-And-Pray statt Plug-And-Play entsprach, enorm stört ist der wirklich mangelnde Support durch Kodak, sowie die offensichtlich ungenügende Schulung der Aussendienstarbeiter des einrichtenden Dentaldepots. Erst durch Hinzuziehen „meines“ Sytemadministrators gelang es nach 3 Tagen !!!  die Software ins Praxisnetzwerk einzubinden und den Sensor so an die Hardware anzuschliessen, dass ein Einsatz am Patienten möglich war.

Nach nunmehr 23 Monaten, kurz vor Ablauf der 2-jährigen Garantie , tritt folgender Fehler auf:

Ohne dass ein Röntgenstrahl den Sensor trifft (das Röntgengerät ist nicht in situ und wurde auch nicht ausgelöst), wird nach Aktivieren des Sensors ein Bild dargestellt. Die Bilder sind entweder vollständig schwarz oder zeigen Streifen- bzw. Punktmuster.

Der hinzugezogene Depotmitarbeiter diagnostiziert einen Kabelbruch an der Stelle „wo die Patienten immer draufbeissen“. Wir verwenden entweder entsprechende Haltesysteme, die ein Aufbeissen unmöglich machen oder lassen die Patienten den Sensor mit dem Finger fixieren.

Die Äusserungen anderer Kodaknutzer in anderen Foren zur Haltbarkeit der Kodaksensoren und zur Servicequalität der Firma Kodak lassen bei mir den Eindruck entstehen, dass es sich bei den Sensoren der Firma Kodak um ein hochgezüchtetes Produkt mit zwar hervorragender Abbildungsqualität handelt die Haltbarkeit aber deutlich zu wünschen übrig lässt. Und wenn es Probleme gibt war es grundsätzlich zuerst einmal ein Anwenderfehler. Kein Automobilhersteller des Premiumsegments würde sich so verhalten. Aber hier scheint der Grundsatz zu herrschen: Hautsache verkauft.

Schade dass so der Gesamteindruck des Produktes durch mangelnde Haltbarkeit und die schwache Servicequalität stark geschmälert wird.

Dentalmikroskop

Pro Ergo

Pro Ergo

von Olaf Löffler

Seit dem ein Zeissmikroskop in meiner Praxis steht schaue ich auch ab und zu auf der Homepage von Zeiss vorbei. Da gibt es den Bereich Dental.
Es gibt eine Rubrik Dentalmikroskope und daneben den Link Artikel und Publikationen zum Dentalmikroskop. Ich war positiv überrascht, daß dieser Begriff bereits übernommen wurde.
Bis vor kurzem sprachen wir noch von OP Mikrsoskopen, dann von Dentalen Operationsmikroskopen.

Den Begriff Dentalmikroskop hörte ich erstmals von Michael Arnold, der einige sehr lesenswerte Artikel und Publikationen in der Endodontie und ENDO zu diesem Thema veröffentlichte. Nun kam ich auf die Idee bei Zeiss mal nachzuschauen, welcher seiner Publikationen erwähnt wird. Erstaunt musste ich feststellen – KEINER.

Der Begriff Dentalmikroskop taucht in keinem der dort veröffentlichten Artikel auf. Aber es wird von „The dental microscope in literature:“ gesprochen. Es scheint beim Hersteller im Produktmanagement nicht klar zu sein, was ist nun was, bzw. was sind die Unterschiede?

Daraufhin habe ich eine Email geschrieben und die Firma Zeiss darauf hingewiesen. Postwenden kam eine Antwort zurück, daß man dies prüfen werde und sogar ein Gespräch auf der Fachtagung der DG Endo mit mir ersucht wurde. Das war nun wirklich überraschend. Zur Terminvereinbarung wollte man telefonischen Kontakt aufnehmen.
Ich habe brav meine Handynummer zurückgemailt und auf einen nun kurzfristig abzustimmenden Termin auf der Jahrestagung in Wiesbaden verwiesen.

Es kam, wie ich es erwartete. Es passierte gar nichts. Weder wurde die Webseite verändert noch kam es zu einem Termin oder Telefonespräch. Letzteres hätte auch gar keinen Sinn gehabt. Wenn der Produktmanager sich solch einen Lapsus erlauben kann, dann macht das keinen guten Eindruck, oder man hat es als Firma nicht nötig. Letzteres sollte ich jedoch den Kunden nicht merken lassen.

Besonders betroffen sind dabei die Händler die diese Geräte verkaufen sollen. Meine bisherigen Erfahrungen mit der Firma Zeiss sind um ein weiteres Kapitel mit dem Thema – Enttäuschung bereichert.
Ach ja, die Einweisung durch die Firma Zeiss in mein Mikroskop war die erste große Enttäuschung. Zu dieser Vorstellung aber ein andermal.

Masterstudiengang Endodontologie

von Christoph Kaaden


Im August 2010 soll es so weit sein… 

dann startet der erste deutsche Masterstudiengang Endodontologie unter der Trägerschaft einer gemeinsamen Gesellschaft der

– Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf (HHU)

– Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) sowie

– Deutschen Gesellschaft für Zahnerhaltungskunde (DGZ).

Man darf gespannt sein!

Nähere Informationen finden sich auf der entsprechenden Homepage.

Extraorale Fistel (1)

von Hans – Willi Herrmann

Dies ist eine nicht alltägliche Begebenheit.

Eine Patientin, an der Uniklinik Mainz initial wurzelkanalbehandelt,  suchte unsere Praxis auf. Ihr Zahn 14, mit deutlicher apikaler Aufhellung, Brückenpfeiler in einer den gesamten Oberkiefer umfassenden Brückenversorgung, gilt als austherapiert. Die Wurzelkanäle konnten nicht gefunden werden. Der Zahn soll entfernt werden, was eine herausnehmbare Oberkieferversorgung notwendig machen würde.

Im mitgebrachten DVT zeigt sich, das der Zahn 14 beim erfolglosen Versuch, die Wurzelkanäle aufzufinden, fast perforiert worden war. Die Wurzel ist stark geschwächt.

Und die Patientin weist auf einen eiterabsondernden Pickel an der rechten Nasiolabialfalte hin.
Zweimal schon sei sie operiert worden deshalb.
Ohne dauerhaften Erfolg.

Heute war die Patientin wieder da. Mehr als ein Jahr nach unserer ersten Begegnung.

Die Fistel, denn dabei handelte es sich bei besagtem Pickel,  ist verschwunden. Nicht  die geringste Spur davon ist noch zu erkennen. 

Wohlgeruch 3

von Christian Danzl

Hier ein weiteres Beispiel für die Praxisbeduftung:
Die Lampe Berger aus Paris.
Sieht fast aus, wie ein Spiritus-Brenner. Funktioniert auch ähnlich.
Über einen Docht wird das Duftmedium in den katalytischen Brenner gesogen. Er scheint aus poröser Keramik zu sein. Dort wird das Duftmedium angezündet. Die Flamme brennt ca. 10-15 cm hoch. Soweit noch wie beim Spiritusbrenner. Der katalytische Brenner wird dadurch aufgeheizt. Nach ca. 2 min ist die Flamme deutlich kleiner und kann ausgeblasen werden. Jetzt übernimmt der katalytische Brenner die Verbrennung: keine sichtbare Flamme, geringere Temperatur, das Schutzgitter kann aufgesetzt werden und die Duftstoffe werden freigesetzt.

Ein interessantes Verfahren.

Nachteile für den Betrieb in der Praxis:

– „offene Flamme“, kann nicht unbeaufsichtigt bleiben, deshalb
– nicht kindersicher
– muss bedient werden (anzünden, ausblasen, Schutzgitter aufsetzen, löschen mit Löschkappe)

also nicht Wartezimmertauglich

Vorteile:

– „Neutralduft“ erhältlich, auch zum Verdünnen geeignet
– geeignet für die schnelle Bekämpfung von Geruchsbelästigungen, nach 10 min riecht der Raum wieder frisch.

Einsteiger-Set mit Lampe, einem Duft und Neutralduft um die 40,- €.

Fazit: Funktioniert, aber kein „must-have“

Lampe Berger

Unterschriftenaktion

von Christian Danzl

Mittlerweile kommt es mir so vor, als wäre das Kerngeschäft des Zahnarztes, sich um Anträge, Kostenvoranschläge und andere Regularien zu kümmern. Und alles will unterschrieben werden. Deshalb habe ich von meinen Helferinnen mal zum Geburtstag einen schönen Kugelschreiber geschenkt bekommen. Gute Idee, schönes Stück, sinnvolles Geschenk. Immer in der rechten vorderen Hosentasche.
Fast immer.

Dann kommt das, was nicht sein sollte. Eine Helferin kommt während der Behandlung rein, weil sie eine Unterschrift braucht auf ein Rezept. Also Handschuhe aus, Kugelschreiber rauspfriemeln, unterschreiben, Kuli wieder in Tasche, Handschuhe wieder an. Der Zeitverlust ist erträglich, trotzdem ist es ärgerlich. Noch ärgerlicher wenn der Kugelschreiber dann doch woanders ist. Womöglich in der Hose, die gerade auf dem Weg zur Reinigung ist.

Oder das gute Stück mal desinfizieren. Schade drum.

Lösung:

Der gute, alte und bewährte BIC Cristal. Im 50er Pack unter 10,- zu haben. Der liegt jetzt fast überall in der Praxis rum. Schnell zur Hand und auch schnell desinfiziert, wenn man ihn mal am Patienten verwenden muss. Und man kann ihn mal aus der Hand geben, ohne Angst haben zu müssen, dass er nicht wieder kommt. Der Nächste liegt sowieso in der Schublade und wartet auf seinen nächste Unterschrift.

Zweckentfremdete Heizgeräte (2)

von Harald Vögele

Bezugnehmend auf den Blogbeirtrag von Stefan Verch zum Thema zweckentfremdeter Brutofen möchte ich folgende Ergänzung machen.

Es gibt nämlich

1. einen guten Grund, den von Stefan erwähnten Ofen in der abgebildeten Art nicht zu benutzen. Er erwärmt das Komposit in Drehspritzen. Nach drei bis viermaligem Erwärmen verändert sich die Morphologie des Komposits und es verliert teilweise seine Eigenschaften. Es wird porös, schlechter polierbar, spaltet sich in seine Phasen wieder auf, usw. (Ich zitiere dabei die Erfahrungen von Prof. Ernst aus Mainz, der ebenfalls empfiehlt, manche Komposite zur leichteren Verarbeitung vorzuwärmen, aber nicht in der Drehspritze, sondern nur in Compules, die nach ein- bis zweimaligem Einsatz aufgebraucht sind.)

2. eine billigere Alternative zu diesem Ofen, nämlich einen USB-Tassenwärmer, z.B. von Pearl.de, für derzeit sagenhafte 4,95EUR, der an den USB-Anschluß des Computers im Behandlungsraum angeschlossen wird, auf ca. 55°C hochheizt und so das auf die Heizplatte gelegte Composite innerhalb kürzester Zeit erwärmt. Ich mache das seit einigen Monaten, da ich begeisterter Venus-Anwender bin. Ein Komposit, das nach Erwärmung sich optimal modellieren lässt, sonst aber eher hart und schwer adaptierbar ist.

Extraktion mittels Modellauto

von Hans – Willi Herrmann

Ich muss gestehen, dass ich es nie geschafft, habe, mir einen Milchzahn mittels an den Türgriff geknotetem Faden ziehen zu lassen. Und ich bin mir ziemlich sicher, daß ich auch die moderne Variante mittels Elektro -Modellauto nicht ertragen hätte. Auch unsere Katze hätte schon lange vor Beginn des Experimentes das Weite gesucht. Respekt also für das kleine Mädchen im Youtube – Video, dass die  Modellauto – Extraktion so lässig hinter sich gebracht hat.

Platzangst

von Jörg Schröder

… bekommt man recht schnell, wenn man zum Beispiel nach Öffnen der Motorhaube in den „Maschinenraum“ moderner Automobile schaut. Da möchte man kein Marder sein. Nirgendwo ein überflüssiger Zwischenraum. Alles vollgepackt mit Kabeln, Leitungen und Aggregaten.

Ähnliches hatte ich erwartet, als ich vor der Aufgabe stand , die Kabel meiner Dokumentationsgeräte (Fotokamera, Fokussiermonitor, Videorekorder) am bzw. im Gehäuse meines ProErgo zu verlegen. Doch weit gefehlt. Unter den Verkleidungen geht es platzmässig recht großzügig zu.

Insgesamt 7 verschiedene Kabel konnte ich mittlerweile weitgehend unsichtbar verlegen. Selbst ein sehr gut abgeschirmtes und somit dickes HDMI-Kabel verläuft jetzt im „Bauch“ meines Mikroskopes.

Die vorhandenen Kunstoffabdeckungen können mit jeder Laborfräse einfach modifiziert werden und ermöglichen so den Austritt der Versorgungskabel aus der Mikroskopverkleidung.

Sieht ordentlich aus und staubt nicht ein. Nur auf der letzten Strecke zur Videokamera am linken Strahlenteilerausgang müssen zwei Kabel offen verlegt werden.

Spiegelauflage selbstgemacht (2)

Spiegelbild

von Olaf Löffler


In Wiesbaden zur Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Endodontie (DG Endo) hatte ich Gelegenheit,mich etwas länger mit Herrn von Schauenbrug von der Firma Roeder zu unterhalten.

Die Firma Roeder hat eine großes Sortiment erstklassiger Mundspiegel in ihrer Produktlinie parat.
Im gemeinsamen Gespräch haben wir Lösungsmöglichkeiten gesucht , um den Spiegel besser reproduzierbar am Gegenkiefer, Zahnreihe, Klammerbügel oder auch Kofferdammrahmen positionieren zu können. Dies ist hilfreich in der Fotodokumentation und besonders in der Videodokumentation.

Wichtig erschien dabei:

  • schnelle reproduzierbare Positionsfindung
  • individualisierbare Formung der Positionierungshilfe
  • mechanische Stabilität
  • unproblematische und einwandfreie Hygienefähigkeit

Das Interesse von Seiten der Firma Röder ist da, jedoch benötigt es noch mehr Input bis zur konkreten Ausführung. Für weitere Anregungen und Ideen bin ich dankbar. Bitte diese einfach in die Kommentare einfügen.

Erste Ideen waren auf der Spiegelrückseite eine kleine Kugel anzubringen, an welcher man mit Kunststoff oder Silicon einen „POSITIONIERER“ modellieren kann.
Am Spiegelschaft könnte solch eine kleine Retention ( Durchmesser ca.2-3mm ) auch zur besseren Positionierung dienen.

Kabellose Obturation

von Christoph Kaaden

über meine persönliche Vorliebe hinsichtlich des kabellosen Arbeitens mit endodotischen Geräten habe ich hier bereits an anderer Stelle berichtet. Umso erfreuter war ich, als ich vor Kurzem bei einer Vortragsreise in Südkorea zwei für mich neue Produkt einer koreanischen Firma entdeckte. Es handelt sich hierbei um die Geräte Alpha und Beta.

Nach den ersten Anwendung fällt unser bisheriges Fazit  positiv aus. Entgegen der Erwartungen scheinen die (Akku)-Leistungen (mehr als) auszureichen, die für die warme vertikale Kompaktion benötigten Temperaturen problemlos erzielen zu können, und im Falle der Guttapercha-„Pistole“ auch halten zu können.

Während uns die „Umstellung“ auf den „Hitzeträger“ problemlos gelungen ist, fällt die Anwendung einer Guttapercha-„Pistole“ im Vergleich zu einem motorbetriebenen „Guttapercha-Pen“ (wie beim Beefill; Fa. VDW) nicht nur aus ergonomischen Gründen deutlich schwerer und erlaubt u.a. aus diesem Grund noch kein abschliessendes Fazit. 

Hier noch einige technische Daten zu den Geräten:

  • 9 unterschiedliche Hitzeplugger von Grösse 30/04 bis 60/12.
  • 3 verschiedene Guttapercha Applikations-Nadeln der Grössen: 20G, 23G und 25G. Die beiden letztgenannten sind schwenkbar einsetzbar. 

 

Auf dem deutschen Markt werde die Geräte übrigens seit Kürzerem unter dem Namen HotTip & HotShot hier vertrieben.

Berührungslose Desinfektionsspender (3)

von Hans – Willi Herrmann

Beim AGET- Treffen letzte Woche in Bad Kreuznach berichtete der Kollege Andreas Mrohs aus Neuhäusel (wir sprachen am Rande über unsere Tops und Flops des Jahres 2009, die Praxisanschaffungen betreffend)  dass er sich für seine Praxis für berührungslose Desinfektionsspender der Firma Weinmann entschieden habe.

Seine Intention vor der Kaufentscheidung: Informieren, was Anbieter von Praxismöbeln (z.B. Freuding) in ihre Schränke verbauen.
Und so sei  er auf die Firma Weinmann gestossen, die unter dem  Label Infratronic Solutions  Produkte für berührungslose Hygiene nach Richtlinien des RKI anbieten.  2008 gelang der Durchbruch auf dem internationalen Hygienemarkt mit einem berührungslosen Hygienespender mit einer Kompatibilität zu nahezu allen europäischen Seifen- und Desinfektionsmitteln.

Sein bisheriges Urteil (nach nicht ganz einem Jahr): Funktioniert – vollkommen ohne Probleme.
Und das Ganze preislich deutlich unter dem, was die bisher bei WURZELSPITZE vorgestellten Lösungen kosten. Hier geht es zur Homepage des Herstellers.

Wohlgeruch 2

von Christian Danzl

Unsere Räucherstäbchen-Aktion zum Vertreiben der schlimmsten Gerüchen habe ich ja schon beschrieben. Es ist als „Sofortmassnahme“ nicht schlecht. Aber als Rund-um-die-Uhr Lufterfrischer nicht geeignet. Da aber fast jede Zahnarztpraxis ein wenig nach „Zahnarzt“ riecht, ist es wünschenswert einen angenehmeren, oder neutraleren Duft zu verbreiten. Auf der Suche nach einem besseren Geruch für die Praxis bin auf verschiedene Möglichkeiten gestossen.

Hier die erste:

Ein Raumlufterfrischer mit Duftöl, welches über Rattan-Stäbchen, die oben in den Behälter gesteckt werden, verteilt wird.
Zum Beispiel von Ipuro oder Leonardo.

Vorteile:
– einfach in der Anwendung. Intensität des Duftes wird über die Anzahl der Rattanstäbchen geregelt.
– relativ preiswert
– lässt sich jederzeit auch woanders einsetzen
– wieder verschliessbar (zumindest das bei mir im Gebrauch befindliche Leonardo Blue Elements) sollte man zwischendurch einen anderen Duft favorisieren

Nachteil:
– man muss es im Wartezimmer unzugänglich für (kleine) Patienten aufstellen. Es macht bestimmt unschöne Flecken auf Möbeln und  Teppich (von der folgenden „Duftbelästigung“ ganz zu schweigen) wenn die Flasche umgestoßen wird. Ebenso muss ein möglicher Verzehr von vorne herein verhindert werden.

Die wahre Bestimmung von Keimbestimmungsöfen (Brutschränken):

von Stefan Verch

Speicheltest? Kariesbestimmung? Lactobazillen? Streptokokken?

Wird im Mund gemacht, also klinisch beurteilt – Bakterien anzüchten macht wenig Sinn.

Und was mache ich mit meinem alten Ofen zur Bakterientestanzucht?

Nicht wegwerfen!

Kompositmaterialien sollten als hochvisköse Massen entweder bis zu einem gewissen Maße trotzdem fließend  und selbstglättend sein oder genau invers fest und modellierbar.

Erste benutze ich sehr gern als Dentimassen, die sich Nischen und Winkeln anschmiegen sollen ( Enamel Plus HFO Micerium) ; zweitere benutze ich als Schmelzmassen ( und hier Micerium Enamel Plus HRi), wenn die Modellierfähigkeit und Standfestigkeit im Vordergrund stehen. Schmelzmassen müssen und dürfen nicht mehr fließend und selbst glättend sein, da man mit ihnen Höcker oder Schneidekanten modellieren will. Das Anschmiegen an den Zahn und die Dentinmassen kann durch den Modellierdruck erwirkt werden .

Leider nimmt bei den Schmelzmassen auch die Tendenz zu, Blaseneinschlüsse und Inhomogenitäten zu erzeugen, je modellierfähiger und hochvisköser die Massen werden – also auch schlechte Verbundzonen zu tieferen Schichten.

Eigentlich fand ich bei jeder Schmelzschichtung solche unzufriedenstellenden Bereiche –  Abhilfe schafft Wärme.

Man erhitzt das Komposit einfach vor, Micerium empfiehlt zwischen 39 bis 46 ° Celsius. Die Dentinmassen werden noch fließender und selbstglättender – fast wie ein Flow. Und die Schmelzmassen haben eine tolle homogene Konsistenz, die man bei Andrücken in die Kavität regelrecht spürt und auch beim Bedecken der Anschrägungen, weil die dünn ausgedrückten Ränder nicht mehr abreißen wie beim unerhitzten Komposit .  Die Blasenbildung ist deutlich reduziert!

Zum Aufheizen der Massen kann man einen unhandlichen, unhygienischen Ofen für 400 Euro von Micerium kaufen – oder einen großen für 270 €, der eigentlich für Bakterientest Bebrütungen gedacht ist ( Cultura M).

Im zweiten Fall ist man alle Platzsorgen los: er bietet Platz für alle Farben. Im oberen Fach lagern die Auswahlfarben; im unteren werden die spezifischen Farben jedes Mal nach Portionsentnahme zwischengelagert. So bleiben die oberen Farben unkontaminiert und die unteren Tuben kann man abwischen und auch das Fach desinfizieren.

Und wenn man dabei ein „Kellerkind“ (dort lag er jahrelang)wie meinen alten Speicheltestbrutschrank reanimieren kann – dann freut man sich über die neue Bestimmung des Gegenstandes!

Wieviel Mikroskop braucht der Zahnarzt? (2)

von Oscar von Stetten

(eine Antwort auf diesen Blogbeitrag )

Sicher stellt ein Investitionsvolumen von 60k€ für ein Dentalmikroskop für viele eine Hürde dar. Wobei damit noch lange nicht Schluss ist. Folgeinvestitionen werden folgen. Das Armamentarium muss angepasst werden, evtl. ein Zimmerumbau usw. usw. Eine endlose Geschichte ;-)

Aber warum ist eigentlich immer das Gefühl da, dass es unbedingt das ProErgo sein muss?

Wohl weil viele Referenten mit dem ProErgo arbeiten. Dabei mag der falsche Eindruck entstehen, dass nur und nur das ProErgo den Erfolg ermöglicht. Dabei ist das Mikroskop nur ein Werkzeug. Mehr nicht. So banal es klingen mag. Ein Tool, vergleichbar einem Ultraschallansatz für die Endo.

Ich persönlich habe mit einem Leica-Gerät begonnen. Nach kurzer Zeit war ich nicht mehr zufrieden, weil es mir keinerlei modulare Erweiterungsmöglichkeiten bot.

Ein anderes Fabrikat wurde angeschafft. Aber auch dieses reichte mir nach einer gewissen Zeit nicht mehr.

Nun arbeite ich seit knapp 1,75 Jahren mit dem ProErgo. Fazit: das Kaps ist manchmal besser. In der Kons oder der Prothetik. Warum? Weil es mir mehr Mobilität bietet, nicht so sperrig ist, einfach mobiler. In manchen Bereichen, wie z.B. der Endodontie (die ja per se eine sehr statische Behandlungssituation ist), hat das ProErgo die Nase vorn. Aber alleine die Unterschiede der Geräte auf dem Markt zu beschrieben würde eine komplette Blogwoche füllen ohne den Anspruch, komplett zu sein. Darum geht es auch nicht.

Muss es nun immer das ProErgo sein? Meiner Meinung nach nicht. Arbeiten kann man sicher auch mit anderen Mikroskopen. Und auch sicher sehr gut arbeiten. Denn Erfolg ist immer eine Kombination aus Werkzeug und Werkzeugnutzer. Letztendlich ist es (fast) immer eine emotionale Entscheidung, was man sich kauft. In diesem Preissegment sicher noch viel mehr als bei anderen Dingen. Geht man alleine nach der optischen Güte, der Mechanik etc. wird man über kurz oder lang zwangsläufig beim ProErgo ankommen.

Und:  Wenn man diesen Luxus in der Behandlung länger hatte (ProErgo), gewöhnt man sich daran. Mir geht es immer so, wenn ich am Kaps arbeite. Ich suche immer die Funktionstasten. Und noch manche andere Sache dazu. Macht es das Kaps damit zu einem minderwertigeren Gerät? Ganz sicher nicht, denn es besitzt ebenfalls seine Vorzüge.

Wie beziffert man also die Bequemlichkeit während der Behandlung? Ist es mehr oder weniger wert? Ich meine: das ist eine rein persönliche Entscheidung.

Man sollte aber bedenken: wir reden von einem Gerät, welches mich ca. 6-7h als wichtiges Tool am Tag begleitet. Und das ist mir der Luxus in Form eines ProErgo für mein Wohlbefinden wert.

Überlänge (3)

von Jörg Schröder

Alle Jahre wieder …, kommt Weihnachten überraschend und ist eine endodontische Behandlung an einem Zahn mit deutlicher Überlänge durchzuführen. Wer nicht über verterinärmedizinische Instrumente verfügt (z.B. Lightspeed- Instrumente mit einer Gesamtlänge von 50 mm) kommt bei Zähnen mit einer Gesamtlänge von mehr als 3o mm rasch in viele unangenehme Situationen, insbesondere dann, wenn es sich um Front- bzw. Eckzähne handelt die aus kosmetischen Gründen nicht einfach gekürzt werden können:

– 31 mm lange Handinstrumente sind zu kurz. Patency wird nicht erreicht.

– die endometrische Bestimmung der Arbeitslänge ist stark erschwert oder unmöglich, da die Feilenklemme nicht      angebracht werden kann. Der Metallteil des Handinstrumentes, der aus der Zugangskavität heraus ragt ist so kurz, dass das Ansetzen der Feilenklemme dazu führt, dass das Instrument nach koronal ausgehebelt wird. Reproduzierbare Messungen der Arbeitslänge sind extrem schwierig.

– Spülkanüle ist zu kurz, Ultraschall- bzw. Schallspülansatz ist zu kurz.

Abhilfe könnte theoretisch der manuelle, nicht angetriebene Einsatz von rotierenden Nickeltitaninstrumenten sein. Was aber, wenn zum Erzielen der Patency eine 15/04 einfach ungeeignet, weil zu dick ist? Und der Kanal apikal ausgesprochen eng und verblockt?

Ein Fall von heute nachmittag wartete mit all den oben beschriebenen Problemen auf:

.

Zahn 23 mit einer Gesamtlänge von 32,5 mm. Folgendes Vorgehen führte letztlich zum Erfolg:

Zunächst habe ich den zum Arbeitsende zeigenden Anteil des Handgriffs der Handfeilen um ca. 2 mm gekürzt. Das so modifizierte Instrument erreicht eine Länge von genau 32,5 mm. Eine weitere Reduktion ist noch um ca. 1 mm möglich. Darüber hinaus ist der sichere Sitz des Griffrudiments nicht mehr gewährleistet.

Nachdem so die Patency-Länge bestimmt werden und die apikale Verblockung überwunden werden konnte habe ich mittels einer Parodontalsonde den Abstand von meinem Patency-Referenzpunkt zu einem gut einsehbarem  und mit einem Permanentschreiber markierten Referenzpunkt auf der palatinalen Seite der Zugangskavität gemessen.

Die gemessene Differenz in mm wurde von der Patency-Länge abgezogen. Auf diese Weise erhielt ich eine Arbeitslänge die in „Reichweite“ meines Instrumentariums lag. Sowohl Aufbereitung als als auch Obturation waren mit den „normalen“ langen RNiTi bzw. den XL-Pluggern von Joe Dovgan möglich.

Lediglich der Heat-Carrier des Element-Obturation-Gerätes bedurfte einer Verlängerungsbehandlung mittels einer Flachzange.

Träumereien

der sandmann ist davon Olaf Löffler

Die Bayern haben es jetzt schriftlich. Kofferdam gehört zur Endo. Oder besser, zumindest zur modernen endodontischen Behandlung mit privater Zuzahlung.

In Ihrer Anlage 1 zur Vereinbarung zur besonderen zahnärztlichen Versorgung bei der endodontischen Behandlung der BKK.

Der zu behandelnde Zahn soll vor der WB in denjenigen Fällen mittels Kofferdam isoliert werden, in denen nicht anderweitig verhindert werden kann, dass:

a.)   durch Speichelzutritt eine zusätzliche bakterielle Kontamination des Endodonts aus der Mundhöhle entstehen kann;
b.) ein Verschlucken oder die Aspiration von Wurzelbehandlungsinstrumenten vermieden wird
c.) die Mundhöhle nicht vor ausschließlich intrakanalikulär anzuwendenden Spüllösungen geschützt werden kann.

Der Kofferdam wurde 1864 von Barnum erstmals eingesetzt und gilt als Fluch und Segen in der Zahnmedizin. Fluch für den, der es weniger oft praktiziert oder gerade das Bohren erlernt und Segen für den, der es routiniert in der Behandlung einsetzt und es dabei als effektives Hilfsmittel schätzt. Insbesondere in der endodontischen Behandlung ist ein Kofferdam hilfreich und wie ich meine wichtig, auch aus den o.g. Gründen. Sicher verhindern kann man die angeführten Komplikationen damit nicht, wenn der Kofferdam nicht zusätzlich abgedichtet oder ein präendodontischer Aufbau adhäsiv inseriert wurde.

Weiterhin heißt es in der Anlage 2 zur Vereinbarung zur besonderen zahnärztlichen Versorgung bei der endodontischen Behandlung; Wurzebehandlung-/Füllung:

Zusätzliche Leistungen, wie beispielsweise elektrometrische Längenbestimmung, endodontische Behandlung unter dem OP-Mikroskop, hydrodynamische Spültechniken, sowie Kosten für die Anwendung besonders kostspieliger Einmalinstrumente und Materialien ( z.b. Nickel-Titan-Instrumente), können ebenfalls zusätzlich berechnet werden.

„Unter dem OP Mikroskop“ ist sicher eine unglückliche Formulierung. Ob mit den genannten Dingen die Qualität in breiter Front steigen wird, werden wir so schnell nicht erfahren. Ich möchte es bezweifeln.
Allein der Kauf eines Mikroskopes wird nicht die Qualität erhöhen.
Beim Lesen dieser Zeilen musste ich unwillkürlich an das Zitat von Prof. Kim: “ You can only treat, what you can see, you can only see, what you know…“ denken.

Es wird die Abrechenbarkeit von Nickel-Titan-Instrumenten erwähnt. Wie dies genau geschehen soll war für mich nicht erkennbar.

Fragwürdig für mich ist neben einigen Ungereimtheiten, wie Qualitätssteigerung auf Dauer unter einem Budget,  unter Degression und Wirtschaftlichkeitsprüfungen funktionieren soll. Und wieder drängt sich mir ein Vergleich auf. Walter Ulbricht prägte auf dem V. Parteitag der SED 1957 die Losung: „Überholen ohne einzuholen.“

Geklappt hat es wohl nicht ganz, oder sind wir noch immer dabei es zu tun ???

CHX – NaOCl Ausfällungsreaktion bei MTA

von Christoph Kaaden

dass es zwischen CHX und NaOCl  zu einer Ausfällungsreaktion kommt ist bekannt und mittlerweile in der Literatur auch mehrfach beschrieben. In diesem Zusammenhang hatte ich vor einigen Tagen jedoch eine Situation, die mich mehr als erstaunt hat.

Wir haben bei einer Patientin eine MTA-Perforationsdeckung am Pulpakammerboden durchgeführt. Da wir hierbei in der Regel ein zweizeitiges Vorgehen bevorzugen und MTA für den Abbindeprozess Feuchtigkeit benötigt, plazieren wir aus diesem Grund auf den Zement in feuchtes Wattepellet. Zumeist, wie auch in diesem Fall, verwenden wir CHX zum Befeuchten des Pellets.

Im zweiten Termin, ca. 10 Tage später, zeigte sich klinisch eine vollständige Aushärtung des MTAs.  Allerdings mussten wir bei der anschliessenden NaOCl-Spülung der Wurzelkanalsysteme beobachteten, dass sich die oberflächliche Schicht des Zementes rötlich färbte. Scheinbar war die Substantivität des CHX auch etliche Tage nach Applikation noch gegeben und so kam es auch hier zu dieser „Unverträglichkeitsreaktion“, die es zukünftig für uns zu vermeiden gilt…

Blick in Zugangskavität nach Wurzelkanal-Obturation und MTA-Perforationsverschluss mit rötlichem Ausfällungspräzipitat

Wochentage bei WordPress

von Hans – Willi Herrmann

Eines der Dinge, die wir vom Teamday 2009 mitgebracht haben: Es wird „Wurzelspitze“ in der nächsten Zeit weiter geben.
„Nächste Zeit“ ist ein  dehnbarer Begriff, also sagen wir mal, auf jeden Fall deutlich bis ins Jahr 2010 hinein.

Um die Arbeitsabläufe zu vereinfachen, gilt ab sofort folgendes Procedere: Jeder „Wurzelspitze“ –  Autor hat einen Wochentag, den er im Blog mit Beiträgen und damit Leben erfüllt.
Oder auch nicht, wenn er keine Zeit hat oder ihm nichts einfällt.

Die zwei restlichen Tage der Woche (Samstag, Sonntag) sind reserviert für Beiträge von Gastautoren oder für besondere Ereignisse oder gelten einfach als sendefreie Zeit. Man wird sehen.

Was ist noch geplant ?
Der englischsprachige Ableger von „Wurzelspitze“. Von Beginn an auf der Agenda, aber bisher mangels Zeit noch nicht verwirklicht. Mir graut´s ein wenig davor, ich kann nicht abschätzen, wieviel Mehrarbeit das ist, aber es ist ein  Herzenswunsch von Jörg Schröder. So soll es sein. Wir sind übereingekommen, „Root Top“ not on a daily basis zu betreiben und werden sehen, ob/wie es sich entwickelt.

Der Dezember ist ein Monat der Rückbesinnung und auch „Wurzelspitze“ macht hier keine Ausnahme. In den nächsten 4 Wochen wird es mehrere Aktionen geben, die das (bereits fast) vergangene Jahr zum Inhalt haben. Wir wollen Revue passieren lassen und würdigen, zum Beispiel den besten oder meistgelesenen Beitrag, die beste Innovation, vielleicht auch den Flop des Jahres.

Auf gehts, ich wünsche eine schöne Vorweihnachtszeit.