Herodontics – Zahn 21 – Recall nach 7 Jahren

von Donald Becker

GJ21_2015-1Fast auf den Tag genau 7 Jahre post WF  (die Wurzelkanalfüllung  war am 14.05.2008) stellte sich Ende letzter Woche der Patient zur Kontrolle seines „Sauerbruch“ – Zahnes 21 bei uns vor.

Ich hatte erstmalig  hier darüber berichtet.
Das war 2009.

Und 2012  ein Update des Falls hier eingestellt.

Sauerbruch- Zahn.
So nenne ich Zähne, die sich intraoperativ als infaust oder irreparabel präsentieren, allerdings dies aber erst zu einem Zeitpunkt offenbaren, da schon viel zu viel Zeit investiert wurde, um jetzt einfach resignierend aufzugeben, die Behandlung abzubrechen und den Zahn zu extrahieren.

Der „alte“ Sauerbruch, so steht es in seinen Memoiren („Sauerbruch – Das war mein Leben“)  hatte während einer Operation angesichts einer scheinbar ausweglosen Situation ausgerufen: „Dieser Patient verstirbt mir nicht auf dem Tisch !“ und die Operation fortgesetzt. So war es letztendlich dem ausgeprägt großen Ego des Professors zu verdanken, dass der Patient wider Erwarten überlebte und  kurze Zeit später als geheilt aus dem Krankenhaus entlassen werden konnte.

Die Zeiten der „unfehlbaren“ Medizin- Titanen a la Sauerbruch  sind lange vorbei.
Und im vorliegenden Fall ging es nicht um egomane Professoren-Psychen.

Sondern ganz pragmatisch nach Entdecken der palatinalen Resorption darum, angesichts der bereits investierten Anstrengungen und der reichlich verstrichenen Behandlungszeit den Fall zum Abschluss zu bringen, um ihm so überhaupt eine Chance geben zu können.

Wenn man dies tut, stellt man wie im vorliegenden Falle fest, das auch hoffnungslose Zähne „funktionieren“ können.
Gut sogar.

Die vorhandene Fistel verschwindet.
Mit ihr die über ein Jahrzehnt sporadisch wiederkehrenden Beschwerden.
Die laterale Aufhellung bildet sich zurück.

Klinische Situation 7 Jahre post WF

Zwischenzeitlich wurden Zahn 21 und (obwohl ich vehement davon abgeraten habe) der Zahn 11 vom Hauszahnarzt überkront. Die PA- Situation ist stabil. Mesiopalatinal eine Tasche von 4 mm, palatinal und distopalatinal 3 mm, vestibulär jeweils an Zahn 21 2 mm. Der Zahn weist Lockerungsgrad wie auch Zahn 11 Lockerungsgrad 1 auf.

Im Moment spricht nichts dagegen, dass der Zahn 21 nicht auch noch ein paar Jahre im Mund verbleiben kann.

Und wer sich das Wirken Sauerbruchs in der  1954 von Bavaria- Film auf die Kinoleinwand gebrachten Sauerbruch – Biographie einmal  in Bewegtbildern anschauen möchte, der wird  auf der Website Archive.org fündig. Dort stehen tausende Filme bereit –  nicht nur Spielfilme, sondern auch Werbespots, Interviews oder Weiterbildungsfilme. Sie können kostenlos direkt im Browser angesehen oder heruntergeladen werden – sogar im DivX-Format, das bei hoher Komprimierung noch relativ gute Bildqualität liefern kann.

Das Angebot ist legal: Das Copyright der Filme ist abgelaufen oder von den Firmen freigegeben worden.

Sie können es ja rausmachen, wenn es Sie stört.

von Bodald Necker

Dieses Röntgenbild wurde mir zugeschickt mit der Frage:
„Was ist das in dem Kanal?“

Vorgeschichte:
Der Patient war zur Wurzelkanalbehandlung an Zahn 21 im deutschsprachigen Ausland. Der Patient bemerkte während der Behandlung ein relativ lautes Knacken, welches vom Behandler aber nicht kommentiert wurde.
Nach einiger Zeit fing der Zahn an zu schmerzen. Ein Kollege im Inland war nun nach Wohnortwechsel mit der weiteren Behandlung des Zahnes betraut.
Versuch der Revision scheiterte an einer Blockade im mittleren Kanaldrittel.
Rückfrage beim Vorbehandler bezüglich des eingebrachten Materials (metalldichte Verschattung) brachte nichts, ausser der Bemerkung:
„Sie können es ja rausmachen, wenn es Sie stört. Ich habe die Wurzelbehandlung ordentlich gemacht, der Zahn geht mich nichts mehr an.“

Jetzt kommt das Röntgenbild zu mir mit der Frage, was das sein könnte.

Apikal zeigt sich leicht extrudiertes Material, sowie eine kleine Osteolyse, evtl. auch eine geringe Resorption/Lyse der Wurzelspitze. Und eben eine metalldichte Verschattung im mittleren und unteren Kanaldrittel, bei der es beim Überweiser kein Durchkommen gab (soviel ich weiss, kamen dort weder Bohrer, US, noch chemische Mittel zum Einsatz).

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Ich leite die Frage an Sie weiter.

Was ist das in dem Kanal?

Adventskalender 2012 (4) – VDW Ultra Maxi MPR


von Hans – Willi Herrmann

Auch bei diesem Instrument war ich anfangs sehr skeptisch. Und habe es nur benutzt, wenn ich mit meinen langjährig bewährten Kugelknöpfen (z.B. Maillefer START- X #4) nicht weiterkam.

Und jetzt ?
Erst letzte Woche habe ich wieder 2 Stifte damit rausgeholt, die mich erfahrungsgemäß (man kann es ja nicht beweisen, denn ein Stift geht immer nur einmal raus) mit anderen Ansätzen wesentlich hartknäckiger aufgehalten hätten. Für die Spitze spricht auf jeden Fall, daß, sobald sie in diesem Fall zum Einsatz kam, man fast schon zuschauen konnte, wie die Stifte anfingen, sich zu lockern. Und nach ein paar Minuten damit herausgeschraubt werden konnten, während zuvor, mit den anderen Spitzen sich nichts oder nur wenig getan hatte.

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Die Maxi MPR Spitze (die wir in 2 Größen in der Praxis haben, vermutlich wurde irgendwann einmal die Produktion diesbezüglich umgestellt, ich benutze zumeist die kleinere Größe) ist mittlerweile zum Standard- Instrument aufgestiegen, gleichberechtigt neben der oben schon erwähnten START-X # 4 (Feedback zu den START-X Spitzen  insgesamt im Übrigen in einem Extra- Blogbeitrag).

Die Kosten für den MAXI MPR- Ansatz sind überschaubar, zumal diese Spitze eigentlich unkaputtbar ist und somit ein Praxisleben lang hält. Ihr Nutzen im konkreten Fällen ? „Priceless“, weil sie den Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg (Entfernen des Wurzelstiftes in akzeptablem zeitlichen Rahmen vs. entnervt ausgeben) ausmacht.

Von mir daher 5 „Wurzelspitzen“.

Bildschirmfoto 2012-12-01 um 22.20.14

Zahnerhalt „austherapierter“ Zähne durch endochirurgische Maßnahmen

von Donald Becker

Beide Fälle wurden vor Jahren bei WURZELSPITZE schon vorgestellt.

Hier nun Ergebnisse nach 41 bzw. 64 Monaten.

Für „austherapierte“ Zähne, die einer Extraktion zugeführt werden sollten, sicherlich ein schönes Ergebnis, das Patienten wie Behandler gleichermaßen erfreut und zeigt, dass man NIE aufgeben sollte.

Ich empfehle die Nutzung der „Diakarusell“ – Funktion von WordPress, da diese durch Anklicken des ersten Bildes und anschließender Nutzung der Pfeil Rechts- Taste die komfortable Ansicht ganzer Vorträge erlaubt. Eine Funktion, die sicherlich in der Zukunft öfters hierfür genutzt werden wird, sofern die Resonanz diesbezüglich positiv ausfällt.

Hartnäckiger Stift

von Bodald Necker

Der Patient war überwiesen zur Endorevision.

Nach Aufklärung und Kostenvoranschlag erfolgte Trepanation durch die Krone. Der Stift wurde mit US freigelegt. Der NSK E5 US-Ansatz wurde mit einem Arkansas-Stein „gespitzt“ für einen besseren Abtrag. Trotzdem dauerte die Freilegung noch weit über eine halbe Stunde.
Nachdem der Stift und das Komposit, mit dem er verklebt wurde, entfernt war, wurden die GP-Reste (mehr war es nicht) mit einer FlexMaster 15/06 herausgeholt. Der Kanal war dann bis zum Apex gängig, Patency konnte hergestellt werden.

Aufbereitung erfolgte mit M2 25/06 und 40/06 in Ghassan Yared-Technik (reziproke Bewegung, Pendelbewegung).

Die WF wurde warm vertikal kondensiert und wegen des großen Lumens und einer im Mikroskop erkennbaren Undichtigkeit Richtung Kronenrand, in der selben Sitzung noch ein Glasfaserstift eingeklebt.

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Die Mutter aller WF – Revisionen – Recall nach 5,5 Jahren

von Donald Becker

Den nachfolgenden Fall habe ich immer „die Mutter aller WF – Revisionen“ genannt, weil er eigentlich alle Schwierigkeiten, die es im Rahmen einer WF Revisionen geben könnte, auch wirklich enthält.

11 an der Zahl.

Der überwiesene Patient, GKV versichert, hatte , nachdem wir den Zahn 37 wurzelkanalbehandelt hatten, mehrmals nachdrücklich darum gebeten, den vor etwa 8 – 10 Jahren endodontisch behandelten und zeitweilig symptomatischen Zahn 36 mit

  • Fistel
  • Apikalen Aufhellungen
  • Lateraler Aufhellung
  • Interradikulärer Aufhellung
  • Wurzelstift
  • Via Falsa / Perforation
  • Vorhandenes Instrumentenfragment
  • insuffizienter Wurzelfüllung
  • Stufen, Verblockungen,Obliterationen
  • 9 mm Tasche

durch eine Wurzelkanalrevision zu erhalten.

Ich hatte dies, mit Hinweis auf ein Implantat als in diesem Fall vorhersagbarerer und sichererer Versorgungsform 3 mal nacheinander abgelehnt, aber der Patient kam immer wieder, so dass ich schließlich in den Versuch des Zahnerhaltes einwilligte.

Mittlerweile sind 5,5 Jahre seit WF vergangen.
Die Zähne 37 und 36 sind mit Metallkeramikkronen und der Zahn 35 ist mit einer direkten Kompositrestauration versehen.

Das aktuelle Kontrollröntgenbild von vorletzter Woche zeigt eine vollkommene knöcherne Ausheilung aller ehemals vorhandener Knochendefekte.

Ein schönes Ergebnis und ein wirklicher Grund zur Freude für Patient und Behandler.

Nur eines macht mich nachdenklich.
Wäre es nicht fair, wenn der Patient, der die gesamte endodontische Behandlung aus eigener Tasche gezahlt hat, von seiner Krankenkasse angesichts des Heilungserfolges den Teil der Kosten übernommen bekäme, der in der der GKV für die endodontische Behandlung eines solchen Zahnes vorgesehen ist ?

Abbitte

von Hans – Willi Herrmann

Vor einiger Zeit wurde ich gebeten, einen im Sortiment von  Acteon und VDW befindlichen Ultraschallansatz zu beurteilen, welcher der Entfernung von Wurzelstiften dienen soll.

Ich hab ihn interessiert zur Kenntnis genommen und anschließend zur Seite gelegt.
Was, ich muss gestehen, vermutlich vorrangig der Tatsache geschuldet ist, daß ich seit vielen Jahren mit den von mir verwendeten  Maillefer – Ansätzen (ProUltra Endo 1, Start-X 4) zur Wurzelstift – Entfernung sehr zufrieden bin. Und darüber hinaus vom martialischen Design des MAXI MPR- Ansatzes abgeschreckt wurde, zumal empfohlen wurde, den Wurzelstift am Stiftkopf von okklusal zu belasten, um so die Zementfuge aufbrechen zu können.

Da lag er dann, der neue Ansatz, im „Mohrschen Schrein“ der Baischschrank- Schublade und fristete ein unbeachtetes Exotendasein.
Bis zu dem Tag, an dem ein renitenter Wurzelstift sich allen Entfernungsversuchen widersetzte, ich aber nicht zum Äußersten, sprich zum Einsatz des Ruddle PRS- Kits schreiten wollte.
Da erinnerte ich mich.  Holte den MAXI MPR aus der Versenkung hervor, liess  ihn vorbehaltlos, jedoch ohne konkrete Erwartungshaltung losvibrieren und – siehe da – innerhalb von weniger als 60 Sekunden war der Wurzelstift locker, der Rest  schnell durchgeführte Routine.

Und dann letzte Woche.
Gleiche Konstellation, der Wurzelstift in Zahn 25 will partout nicht raus.
Ich mühe mich ab mit den gewohnten Hilfsmitteln, dünne Ultraschallspitzen für die Zementfuge, intermittierend der Start-X Ansatz Nr. 4. Aber wider Erwarten will der Stift, der zunächst gar nicht so schwierig erschien, sich nicht lockern lassen.

Schließlich lasse ich mir den  MAXI MPR- Ansatz aus dem Schrein holen. Der Stift, individuell gegossen, mit Glasoinomerzement eingesetzt, scheint einen Versuch prinzipiell zuzulassen. Das Resultat: es gelingt nicht ganz so schnell wie beim ersten Mal, aber doch innerhalb von 1-2 Minuten, den Wurzelstift loszuvibrieren.

Moment, hör ich sie sagen: Hätte ich nicht vielleicht auch das gleiche Ergebnis erzielt, wenn ich den Start-X 4 – Ansatz noch 2 Minuten weiter eingesetzt hätte ?

Kann sein, ist aber – aus meiner langjährigen Erfahrung heraus mit den Kugelkopf – Ansätzen – eher unwahrscheinlich.
Ich glaube eher, dass ich auch noch weitere 10 Minuten mit den mir vertrauten Ansätzen hätte arbeiten können, ohne das sich was gerührt hätte.

Ich werde auf jeden Fall zukünftig bei nicht geschraubten Wurzelstifte den MAXI MPR – Ansatz intermittierend mit meinen gewohnten Kugelkopf- Ansätzen von Anfang an zum Einsatz kommen lassen.

Der Platz im Schrein ist leergeräumt, der MAXI MPR ein  neuer und zusätzlicher wertvoller Pfeil im Köcher der Stiftentfernungswerkzeuge.

Entfernung eines SSA und einer Feile

von Bodald Necker

Der Patient wurde überwiesen zur Endo-Revision.
So weit, so gut.

Sichtbare Hürden:

ein Stumpf-Stift-Aufbau distal und eine abgebrochene Feile mesial.

Ein geschraubter Stift stellt meist keine große Hürde dar, wenn es um dessen Entfernung geht. Dieser hier war mit mit einem Kunststoff eingeklebt, und der distale Kanal war im Eingangsbereich schon weit eröffnet, so dass die kleinen Gewinde-Schneiden, die der Para-Post Stift in der Mitte des apikalen Teil aufweist, und seine länglichen Aussparungen, komplett mit Kunststoff zugeklebt waren und sich nicht ins Dentin geschnitten haben. Somit mussten die Gewinde-Schneiden mit Ultraschall ganz freigelegt werden, bevor sich der Stift rausdrehen ließ.
Das war

Um mesial die Feile zu entfernen wurde zuerst ein gradliniger Kanaleingang geschaffen, die scharfe Kurve am Kanaleingang wahrscheinlich auch ein Grund für die Franktur des Instrumentes. Das obere Ende der Feile wurde mittels rotem Gates-Bohrer dargestellt, mit einem abgeschnittenem Gates-Bohrer wurde ein Plateau geschaffen und mit Ultraschall freipräpariert.
Eigentlich wollte ich die Feile mittels IRS fassen und rausgrehen, aber dazu war der Kanal noch viel zu eng und für Komet Endo-Rescue war die Feile zu schräg im Kanal (wie so oft bei den Feilen-Entfernungs-Systemen).
Also wieder klassisch mit US-Spitze freigelegt – hauptsächlich an der Innenkurvatur, um peripher nicht zu perforieren. Das Feilenfragment war nicht festgeklemmt, so dass es sich, nach ausreichender Präparation des umgebenden Dentins, durch einen gezielten Luftstoss aus dem Luftbläser herausblasen liess.
Die anderen Kanaleingänge wurde vorher mit kleinen Kügelchen aus Teflon-Band verschlossen, um zu verhindern, dass das Feilen-Stückchen in einen anderen Kanal fällt.

Das Metall wurde aus dem Zahn entfernt, wir werden sehen, welche Überraschungen der Zahn noch bereit hält.

Nachteil des IRS- und des Endo-Rescue-Systems sind eindeutig der Platzbedarf und/oder die Richtung in der das Instrument im Kanal liegt. Wenn sich die Fragmente im oberen viertel oder Drittel des Kanals befinden, kann mit so einem System durchaus eine Feile gut und sicher entfernt werden. Tiefer im Kanal komme ich persönlich schneller mit einem spitzen US-Tip ans Ziel.

Vorteil der Entfernungssysteme kann sein, dass die Kanalwand weniger in Mitleidenschaft gezogen wird und der weitere Kanalverlauf wieder einfacher katheterisiert werden kann.

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(Miss)Erfolg des Tages

von Donald Becker

Am Freitag hat Jörg Schröder hier bei WURZELSPITZE eine neue Rubrik ins Leben gerufen.

Den „Misserfolg des Tages“.
Mit Fällen, die trotz hohem Aufwand und trotz aller  erdenklicher Bemühungen dennoch  letztendlich in einem Mißerfolg enden.

Eine frustrane Erfahrung, die vermutlich jeder von uns kennt und – wenn sie denn auftritt – Anlass ist, die eigenen Therapieentscheidungen kritisch zu überdenken.

Nicht vergessen werden darf aber dabei, dass heldenhafte Zahnerhaltungsbemühungen aber auch immer wieder in längerfristigen Erfolgen münden. Deshalb möchte ich heute,  gewissermassen als Kontrapunkt zum Fall vom Freitag, in Kurzbeschreibung und mit (hoffentlich selbsterläuternden) Fotos einen sehr ähnlichen Fall vorstellen, der sich – Duplizität der Ereignisse – letzte Woche in unserer Praxis zur Verlaufskontrolle einfand :

Die Patientin suchte vor 7 Jahren unsere Praxis wegen einem fistelnden Zahn 11 ( Krone, SSA, Zustand nach 2 maliger WSR) auf. Ein zuvor kontaktierter Kieferchirurg äußerte die Verdachtsdiagnose der vertikalen Wurzelfraktur und schlug eine explorative Aufklappung mit – sofern sich sein Verdacht bestätigen sollte-  intraoperativer  Extraktion und Sofortimplantation vor. Da die Patientin den Zahn aber unter allen Umständen behalten wollte, suchte Sie unsere Praxis für eine Zweitmeinung auf und entschied sich (trotz meiner hinreichend geäußerten Vorbehalte)  für den Versuch der Zahnerhaltung durch WF Revision und orthogradem WSR Verschluss mit MTA nach Stiftentfernung.

Auch wenn die Behandlung an sich sehr zeitaufwendig und kompliziert war, so war doch zu keiner Zeit die Durchführung per se in Frage gestellt, so daß nach 4 Behandlungssitzungen die Patientin post WF und mit einem adhäsiv verankerten Glasfaserstift und einer provisorischen Krone versorgt zur ZE – Versorgung mittels Einzelkrone zurücküberwiesen werden konnte. Die vorhandene Fistel war zwischenzeitlich verschwunden, ebenso wie der ehemals vorhandene Druckschmerz im Bereich des Vestibulums.

Klinische und röntgenologische Verlaufskontrollen nach 6, 28, 40 und nun nach 86 Monaten zeigten einen vollkommen unauffälligen Zahn 11 mit Lockerungsgrad 0 – 1, Taschentiefen von maximal 2 mm und in den Röntgenbildern eine Konsolidierung im apikalen Bereich, die, angesichts der mittlerweile verstrichenen Zeit auch als langfristig stabil bezeichnet werden kann.

Das letzte Bild/Röntgenbild der Abbildungsreihe zeigt den aktuellen Zustand nach 7 Jahren.


Das nenne ich Service!

Von Jörg Schröder

Im Sommer gab es hier auf Wurzelspitze einen Bericht des Kollegen Wecker in dem ein Stiftentfernungs-System (Thomas-System) vorgestellt wurde. Bezogen hatte er das gesamte Kit über ein niederländisches Dentaldepot, Hofmeester Dental B.V. in Amsterdam. Die Kaufempfehlung und die dazugehörige Bezugsquelle stammte von Marga Ree, einer in meinen Augen weltweit herausragenden praktisch tätigen Endodontologin.

Meine eigene Bestellung lief damals vollkommen problemlos ab. Innerhalb einer Woche war das ersehnte Päckchen in meiner Praxis, die Rechnung konnte per Banküberweisung beglichen werden. Der Gesamtpreis lag deutlich unter dem, der für das bauartgleiche Ruddle-System hier in Deutschland aufgerufen wurde.

Durch häufigen Einsatz verloren die stirnfräsenden Trepanbohrer der Größe 3 und 4 mittlerweile zunehmend an Schneidfreudigkeit. Drei massive Si-Pal-Stifte gaben ihnen vor 4 Wochen den Rest.

Also kurz ins Internet und die Telefonnummer des Depots ausfindig gemacht. 6 Minuten später war alles erledigt. Der kompetente Mitarbeiter nahm meine Bestellung auf und fragte noch gleich nach, ob denn bereits ein konkreter Patiententermin bestünde. Da das komplette Nachrüst-Set mit allen Trepanbohrern, das ich bestellen wollte, nicht sofort verfügbar war, bot er mir an aus einem Originalset die von mir am dringendsten benötigten Trepanbohrer der Größe 3 und 4 noch am gleichen Tag zu versenden, damit „mein“ Set wieder voll einsatzfähig wäre. 3 Tage später waren die Ersatzteile da.

Das nenne ich Service!

Saving hopeless teeth (VI), Apikale Aufhellung (9) – Zahn 21 mit Fistel, WSR, SSA, tiefen Taschen und Resorption

von Donald Becker

Der Patient, männlich, Ende 40 kam zu uns mit Beschwerden und einer zeitweilig auftretenden Fistel an Zahn 21.

Der Zahn war überkront, mit SSA.

Im Röntgenbild zeigte sich eine insuffiziente WF und apikal  war vermutlich Zustand nach WSR.

Was tun mit dem Zahn ?
Extrahieren ?

Vieles sprach dafür, eigentlich fast alles.

Die missglückte WSR.
Die Fistel.
Die Resorption.
Der vorhandene SSA.
Die tiefen Taschen.

Der Patient wünschte dennoch unbedingt den Versuch des Zahnerhaltes und so entfernte ich zunächst die Krone.
Anschließend den Stiftstumpfaufbau.
Wäre früher undenkbar gewesen, heute und in diesem Falle dank Dentalmikroskop und spezieller Ultraschallinstrumente kein Problem.

Danach wurde die insuffiziente Wurzelfüllung entfernt.
Die vorhandene Infektion war nun offensichtlich, angesichts der  schmierigen Pampe im Wurzelkanal.

Abschließend erfolgte eine medikamentöse Einlage mit Calciumhydroxid.
Die sich, unerwartet, aus dem Sulcus unter dem Kofferdam rausdrückte.

Grund dafür war offensichtlich ein Defekt in der Wurzel.
Gott sei Dank keine vertikale Wurzelfraktur, wie im ersten Moment vermutet.

Nach Aufklappung zeigte sich palatinal ein Riss und Resorptionen. Unerheblich ob primär extern oder intern.
Fakt war, es bestand eine Verbindung zwischen Sulkus und Zahninnerem.

Mit mikrochirurgischen Ultraschallansätzen wurde im Bereich der Frakturlinie und der Resorptionen eine Kavitätenpräparation durchgeführt und der Defekt adhäsiv mit Flow – Komposit verschlossen.

Im Rahmen der WF  – Sitzung wurde zunächst apikal  Pro Root MTA white eingebracht. Weiter koronal erfüllte die Defektfüllung im Bereich der internen Resorption mit Guttapercha aus der Beefill – Injektionspistole, abschließend wurde ein Glasfaserstift als Makrofüller und Retentionsgeber in eine Kompositmatrix eingebettet.

Es erfolgte eine Präparation für die provisorische Krone und die Eingliederung dieser markierte das Ende der Behandlung,

Heute. mehr als 12 Monate später ist die Krone immer noch in situ.
Sie kann sich, obwohl für dieses langen Zeitraum nicht konzipiert, immer noch  noch sehen lassen.

Die Taschentiefen sind zirkulär auf 2 mm zurückgegangen, die Fistel, die über Jahre hinweg bestanden hatte, verschwand schnell und tauchte nie wieder auf.

Der Zahn ist nun bereit für die definitive Kronenversorgung, die im Laufe des Jahre erfolgen soll.

Seitenkanal

von Donald Becker

Gibt es eigentlich eine klinische Relevanz dafür, dass es sinnvoll wäre, in Wurzeln vorhandene Seitenkanäle abzufüllen ?
„Im Prinzip Nein“, würde Radio Eriwan antworten.

Denn jede Wurzel enthält eine Vielzahl von Seitenkanälen.

Wären ungefüllte Seitenkanäle die Ursache für einen klinischen Misserfolg, dann sollten eigentlich Misserfolge auf Grund dessen die Regel sein, denn nur in den seltensten Fällen werden Seitenkanäle abgefüllt und selbst dort, wo dies der Fall ist, kann man davon ausgehen, dass die betreffenden Zähne ebenfalls weitere, ungefüllte Seitenkanäle beinhalten.

Dass dem nicht so ist, lässt vermuten, dass gefüllte Seitenkanäle keine obligate Voraussetzung für einen Behandlungserfolg darstellen.

Nachfolgender Fall ist ein anschauliches Beispiel für  die berühmte Ausnahme von der Regel.

Bei einer Kontrolluntersuchung fiel an Zahn 21 eine diskrete Sekretentwicklung vestibulär auf. Eine Sondierung mit einer PA – Sonde zeigte eine isolierte Tasche von 6 mm.

Der Zahn ist mit einer Metallkeramikkrone und einem weit nach apikal reichenden Wurzelstift versehen und beide sind mehr als 15 Jahre in situ.

Bei einer singulären tief reichenden Tasche im ansonsten PA – unauffälligem Gebiss sollte man immer an einen devitalen Zahn, aber auch  an eine vertikale Wurzelfraktur denken. Im  vorliegenden Fall war Letzteres im Hinblick auf den endodontisch stiftversorgten Zahn sehr wahrscheinlich.

Die Prognose beim Vorliegen einer Fraktur ist infaust, selbst wenn der Patient wie bei diesem Zahn nichts von der Problematik der Situation bemerkt haben sollte.

Eine Inspektion des betreffenden Bereichs unter Zuhilfenahme des Dentalmikroskops (mit einem  Heidmann – Spatel wurde die Gingiva retrudiert) ergab keinen Hinweis auf eine Fraktur. Eine explorative Aufklappung sollte daher Klarheit schaffen und gegebenenfalls die Patientin davon überzeugen, den Zahn 21 entfernen zu lassen.

Nach der Aufklappung die Überraschung: Zwar zeigte sich ein tiefreichender vertikaler Knochenabbau, jedoch liess sich kein diesbezüglich korrespondierender Frakturspalt auffinden.
Vielmehr fand sich am unteren Ende des Knochendefekts ein bereits mit der Lupenbrille deutlich sichtbarer, relativ großer Seitenkanal.

Es wurde daher folgender Versuch unternommen, den Zahn 21 zu erhalten: Zunächst wurde minimal der Knochen rund um den Seitenkanal entfernt, bis sich ein Ultraschallansatz, wie er normalerweise im Rahmen einer WSR Retro  -Präp zum Einsatz kommt, in den Seitenkanal eingebracht werden konnte.
Es erfolgte die Präparation einer Retrokavität.
Diese wurde anschließend mit einem Flow – Komposit in Dentinadhäsiv -Technik verschlossen.

Der gingivale Heilungsprozess verlief schnell und unauffällig.
Röntgenaufnahmen nach 12,24 und 36 Monaten zeigten eine knöcherne Konsolidierung der ehemals vorhandenen Knochendestruktion.

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Noch eindrucksvoller war der klinische Attachmentgewinn im Bereich des verstibulären Knochendefektes. Die Sondiertiefe reduzierte sich von 6 mm auf 1 mm. 
Auch wenn davon auszugehen ist, dass im Bereich des Knochendefektes keine Knochenneubildung stattgefunden hat , so bedarf es einiger Kraftanstrengung, die PA – Sonde an dieser Stelle auch nur 1 mm einzubringen.

Seitenkanäle – Nicht immer, aber manchmal der Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg.

Wer hat Angst vor m bösen Stift?Niemand!!!

Von Ronald Wecker

Wer kennt nicht den Kinderreim: „Wer hat Angst vor’m bösen Wolf ? Niemand!“ ? Er soll wohl Mut machen, wenn man sich auf die Begegnung mit dem  Schrecklichen vorbereitet.
Mut machen soll auch dieser Beitrag.

Immer noch werden gegossene Stift-Stumpfaufbauten viel zu oft als unüberwindbare Hürde bei einer orthograden Revision angesehen und derart versorgte Zähne beim Bestehen einer  apikalen Parodontitis primär einer chirurgischen Therapie unterzogen. „Den Stift kriegen wir eh nicht raus.“

Die nichtsonderlich hohen Erfolgsraten einer solchen Therapie verwundern angesichts der Ursache der apikalen Parodontitis (bakterielle Kontamination des Kanalsystems) und des Unvermögens, die koronal der Resektionsstelle gelegenen Kanalanteile zu desinfizieren, nicht wirklich.

Sicherlich gibt es Ausnahmesituationen, in denen die mit der Entfernung des gegossenen Stiftaufbaus verbundenen Risiken so hoch sind, dass einer retrograden Vorgehensweise der Vorzug zu geben ist. In der überwiegenden Mehrzahl der Behandlungsfälle ist jedoch eine Entfernung der gegossenen Stiftaufbauten mit einer hohen Vorhersagbarkeit möglich. Neben einem übersichtlichen Arbeitsfeld, guter Beleuchtung und adäquater Vergrößerung ist ein durchdachtes Stiftentfernungssystem sinnvolles Hilfsmittel für eine erfolgreiche Entfernung gegossener Stiftaufbauten.

Und zwar solcher Stiftaufbauten, die, zum Leidwesen des Revisionators/ der Revisionatorin, eine hervorragende Primärpassung, einen geringen Zementspalt, eine zylindrische Form und eine Ausdehnung bis ans Ende des mittleren Kanaldrittels aufweisen.

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Das Stiftentfernungssystem von Thomas/Gonon ist ein Hilfsmittel, auf das ich in meiner Praxis nicht mehr verzichten möchte.
Es arbeitet zuverlässig und vorhersagbar. Die schneidenden Instrumente (Stirnfräsen und Gewindeschneider) haben eine gute Standzeit und es steht eine ausreichende Auswahl an unterschiedlichen Instrumentengrößen zur Verfügung.
Die übersichtliche Anordnung in einer sterilisierbaren Metallbox erleichtert  dem Behandler das Arbeiten und den Mitarbeitern die problemlose Aufbereitung und erneute Bereitstellung.

Thomas Stiftentfernungssystem

Instrumentenübersicht

Die Anwendung ist denkbar einfach:  Der m.E. nach wichtigste Behandlungsschritt ist die Reduktion des gegossenen Aufbaus auf den eigentlichen Stiftanteil.

Stiftaufbau nach Trockenlegung

Geschieht dies in Verlängerung der Stiftlängsachse so ist die Entfernung so gut wie sicher möglich. Liegt man mit der Reduktion „daneben“, besteht aufgrund der beim Entfernungsversuch schräg zur Stiftachse ansetzenden Kräfte ein erhöhtes Risiko von Wurzelfrakturen und Zahnhartsubstanzaussprengungen. Daher ist es wichtig sich für diesen Schritt ausreichend Zeit zu nehmen.

dscn4060Anschliessend wird der erreichbare Anteil des Befestigungzements mit Ultraschallinstrumenten entfernt und sichergestellt, dass eine Rotation des Stifts um seine Längsachse problemlos möglich ist.

Dann wird mittels stirnfräsenden rotierenden Instrumenten der Stiftaufbau so reduziert, dass mit einem daruf abgestimmten Gewindeschneider eine sichere Verbindung zwischen Gewindeschneider und Stift erzielt wird. Da der Gewindeschneider linksdrehend eingesetzt wird, können so geschraubte Stifte ohne Mühe entfernt werden.

Gewindeschneider aufgeschraubt

Stifte, die sich derart nicht lösen, können mit einer einem Korkenziehermechanismus nicht unähnlichen Zange achsengerecht aus dem Zahn entfernt werden.

Der Anschaffungspreis mag anfangs schrecken, die eingesparte Arbeitszeit und das deutlich erweiterte Therapiespektrum machen diesen kleinen Nachteil mehr als wett. Erworben habe ich dieses nützliche Tool übrigens auf Anraten meiner holländischen Kollegin Marga Ree bei einem niederländischen Dentaldepot.

Nicht unerwähnt lassen möchte ich den Umstand, dass die Kostersparniss im Vergleich zu den Angeboten in Deutschland im deutlich dreistelligen Euro-Bereich lag.

Stiftaufbau entferntr10Abschlussbild