Pick, Pick (1)

In den hier, unter der Bezeichnung „Pick, Pick“, in loser Reihe vorgestellten Fällen möchte ich Revisionen mit Problemen vorstellen.
Das heißt – Revisionen mit Blockierungen, Begradigungen, Kanalverlagerungen, Resorptionen, etc.
An Hand dieser Fälle stelle ich mein Vorgehen vor.

Die Ausgangsröntgenbilder aus dem ersten Fall möchte ich heute zeigen.

Bereits im 2D Röntgenbild und im klinischem Bild zeigen sich verschiedenste Schwierigkeiten. Welches Probleme schätzen Sie an Hand der Bilder als schwierig ein?

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Ein Muss für jeden Zahnarzt – Bester Beitrag zur Lage des Gesundheitsystems in Deutschland, denn ich je gelesen habe

Der nachfolgende Text – durch Zufall gelesen, von einem ärztlichen Kollegen aufgetan – sollte eigentlich Pflichtlektüre sein für alle Beteiligten im Gesundheitswesen.

Zumindest jedoch für Jeden, der in Erwägung zieht, diesen Beruf zu ergreifen.
Jeder hier nehme sich zum Wochenende die 5 Minuten Zeit, um in Ruhe die Bestandsaufnahme des Kollegen zu Ende zu lesen.

Da steht alles drin, was man wissen muss.
Um die richtigen Schlüsse zu ziehen.
Denn merke – der Artikel ist von 1966 und es hat sich NICHTS aber auch wirklich GAR NICHTS geändert in diesem unserem Lande.

Was uns zur Erkenntnis führt – wer auf Hilfe oder Abhilfe von aussen oder von oben hofft, der ist hoffnungslos naiv. Oder total deppert.

„NUR KASSENLÖWEN HABEN ERFOLG“

Im Frühjahr 1965 kehrte Dr. Alfred W. Bauer, Kinderarzt und Mikrobiologe, nach Deutschland zurück. Der deutschbürtige Mediziner, der in der Bundesrepublik promovierte, hatte einige Jahre lang in Amerika gearbeitet. Nun wollte er sich als frei praktizierender Kinderarzt in einer süddeutschen Mittelstadt niederlassen. Knapp ein Jahr später, im März 1966, ging Dr. Bauer wieder nach Amerika — sein Versuch, in der Bundesrepublik eine Praxis auszubauen, war gescheitert. In seinem „Erlebnisbericht eines Rückwanderers“ sucht er die Gründe dafür zu beschreiben: Das deutsche Krankenscheinsystem, so meint Bauer, bringe es mit sich, daß die Ärzte — in hartem Konkurrenzkampf um Privatpatienten und um Krankenkassen

Von Dr. Alfred W. Bauer

Nachdem ich mit meiner Frau und meinen drei Kindern in meiner früheren Heimatstadt in Süddeutschland eingetroffen war, ließ ich meine Familie vorübergehend dort und machte mich mit meinem neuen Opel auf die Reise, um einen geeigneten Ort für die Eröffnung einer Praxis zu suchen.

In der näheren Umgebung hielt ich des öfteren an, um mich mit praktizierenden Kinderärzten zu unterhalten. Zu meiner Überraschung erfuhr ich, daß in Deutschland kein Ärztemangel bestand. Im Jahre 1939 kam auf 1390 Einwohner ein Arzt. Jetzt, 1965, war das Verhältnis 1: 690 und damit eines der niedrigsten der ganzen Welt. Fast überall fiel mir der harte Konkurrenzkampf zwischen den eng benachbarten Ärzten auf.

Acht Wochen lang fuhr ich durchs Land und besuchte Ärzte, Verwandte und Freunde. Auf einer meiner Reisen suchte ich einen bekannten Kinderarzt mit einer großen Praxis für Privat- und Kassenpatienten auf. Er selbst war zu beschäftigt, um mich zu empfangen; so sprach ich mit seiner Frau. Sie riet mir, die Praxis eines kürzlich verstorbenen Kinderarztes, Dr. Kranz, in einer nahegelegenen Industriestadt zu kaufen*.

* Der Name wurde vom Autor geändert.

Dort, so sagte sie, würden sich mir in dieser Gegend die besten Möglichkeiten bieten. Dr. Kranz hatte eine gutgehende Praxis geführt und sich ein schönes Haus gebaut; doch drei Jahre danach, im Alter von 57 Jahren, hatte er sich zu Tode gearbeitet. Ich fuhr hin und stellte mich seiner Witwe und seiner Tochter vor.

Sechs Tage später erklärte ich mich bereit, die Praxis für 45 000 Mark zu kaufen. Davon sollten 10 000 Mark für die ziemlich armselige Einrichtung sein (kein Laboratorium, kein Mikroskop, keine Schreibmaschine) und 35 000 Mark für den Patienten-Stamm. Die Praxis von Dr. Kranz war, gemessen an den Einkünften, eine der größten in der Bundesrepublik. Sein jährliches Bruttoeinkommen hatte in den vergangenen fünf Jahren zwischen 90 000 und 160 000 Mark gelegen; das war etwa anderthalb- bis zweieinhalbmal soviel wie die durchschnittlichen Bruttoeinnahmen eines bundesdeutschen Kinderarztes.

Schon bald, nach zwei Wochen in meiner neuen Praxis, merkte ich, daß ich einen kolossalen Fehler gemacht hatte.

Zunächst einmal stellte sich heraus, daß es eine Praxis eigentlich gar nicht mehr gab.

In den vier Monaten seit dem Tode von Dr. Kranz hatten sich sehr viele Eltern seiner Patienten einen anderen Arzt gesucht. Und die meisten sahen offenbar keine Veranlassung, den neuen und unbekannten Doktor aufzusuchen. Kurzum, mit den 35 000 Mark Abstand sollte ich praktisch etwas Wertloses kaufen.

Dann, und das war entscheidender, machte ich befremdende Entdeckungen in den Akten der Praxis — ich hatte ja Zeit, darin zu lesen. Die Patientenkartei enthielt ungefähr 7100 Namen. Davon waren etwa 85 Prozent Kassenpatienten und nur 15 Prozent Privatpatienten; das ist in Deutschland das übliche Verhältnis. Doch ungefähr zwei Drittel der Einnahmen des Dr. Kranz stammten von Privatpatienten und nur ein Drittel von Kassenpatienten.

Dr. Kranz hatte im Jahr durchschnittlich von jedem Privatpatienten 70 Mark kassiert, hingegen sieben Mark von jedem Kassenpatienten. Offenbar hatte er seine Privatpatienten übertrieben behandelt, darauf deutete vor allem eine unglaublich hohe Zahl von Hausbesuchen. Mein Vorgänger muß richtiggehend geschuftet haben; er hatte 40 bis 60 Hausbesuche am Tag absolviert und außerdem noch 50 bis 90 Patienten nachmittags in seiner Sprechstunde abgefertigt.

Etwa 80 Prozent seiner Hausbesuche hatten den Privatpatienten gegolten — das war seine Haupteinnahmequelle. Viele dieser Patienten waren privatversichert; Dr. Kranz hatte sie an jedem Tag im Monat, außer sonntags, besucht.

Allein auf 40 Karteikarten waren insgesamt 6105 Hausbesuche verzeichnet, für eine Zeit von durchschnittlich 42 Monaten. Währenddessen hatten dieselben 40 Privatpatienten Dr. Kranz nur 145mal selbst in seiner Praxis aufgesucht, so daß auf jeweils 42 Hausbesuche nur ein Praxisbesuch kam. Die auf diesen 40 Karten verzeichneten Honorare beliefen sich auf die schwindelerregende Summe von 60 000 Mark.

Von diesen 40 Patienten hatten 23 sogar Dr. Kranz nicht ein einziges Mal in seiner Praxis aufgesucht. Über sie gab es keine Krankenberichte, denn Dr. Kranz hatte sich über Patienten, die nicht in seiner Praxis erschienen nahezu nichts notiert. Nur einige Diagnosen waren in einer winzigen Handschrift zwischen den Reihen mit Kreuzen für die Hausbesuche vermerkt.

Die Unterlagen über die anderen Patienten bestanden in einigen kaum lesbaren Bleistiftnotizen. Außer gelegentlichen lückenhaften Blut- oder Urin-Werten fehlten jegliche Laborbefunde. Nirgends erschienen in diesen dürftigen Unterlagen Angaben über Untersuchungen der Patienten selbst, über die Abgrenzung der Diagnosen, die Therapie oder darüber, wie die jeweilige Behandlung gewirkt hatte.

Einer stattlichen Anzahl von Privatpatienten war Dr. Kranz offenbar besonders entgegengekommen. Einige Patienten, deren Krankenversicherung die Kosten nur teilweise deckte, hatten ihn anscheinend um Hilfe gebeten; so hatte er mehr Leistungen in Rechnung gestellt, als er wirklich geboten hatte.

Einige Patienten zum Beispiel erhielten von ihrer Versicherung von ihren aufgeblähten Rechnungen 75 Prozent zurückerstattet — etwa bei einem Arzthonorar von 200 Mark also 150 Mark. Dann gewährte Dr. Kranz, wie aus den Unterlagen hervorging, diesen Patienten einen Rabatt von 25 Prozent. Auf diese Weise brauchten die Patienten, die ordnungsgemäß mit 150 Mark hätten belastet werden müssen selber überhaupt nichts zu bezahlen. Wenn ihm die fingierten Kosten auch keine zusätzlichen Einnahmen einbrachten, so trugen sie doch dazu bei, diese Privatpatienten seiner Praxis zu erhalten.

Daß Dr. Kranz damit die Versicherungen betrogen hatte, wäre für jeden aus seinen Akten ersichtlich.

Frau Kranz hatte für die Privatpraxis ihres Mannes die Buchführung übernommen; ihre Notizen enthüllten, daß fingierte Hausbesuche berechnet wurden. So hatten einige Patienten in abgelegenen Dörfern die Wegegelder des Arztes nicht mitversichert. In diesen Fällen trugen die Karten den Vermerk: „Keine Kilometergelder. Berechnung zusätzlicher Hausbesuche.“ Die tatsächlich abgestatteten Hausbesuche waren als Kreuze mit Tinte eingetragen, die fingierten Besuche mit Bleistift.

Ich beanstandete meinen Vertrag gegenüber der Witwe und erklärte ihn wegen Irrtums und wissentlicher Täuschung für ungültig.

So kam der Fall vor die zuständige Ärztekammer und die Krankenkassenverwaltung. Es war August, und die Leiter beider Organisationen waren auf Urlaub. Die beiden Stellvertreter luden mich vor, nachdem sie meinen Brief gelesen und mit Frau Kranz Rücksprache genommen hatten.

Zu meiner Überraschung wurde mir mitgeteilt, daß ich nur eine geringe oder gar keine rechtliche Handhabe hätte, den Vertrag anzufechten. Die Herren behaupteten, Dr. Kranz habe seine Praxis durchaus nach der ortsüblichen Ordnung geführt.

Mir wurde der gute Ruf meines Vorgängers vorgehalten. Es habe niemals irgendwelche Klagen über ihn gegeben, und seine beruflichen Fähigkeiten seien über jeden Zweifel erhaben gewesen. Daß er keine Krankenberichte geführt habe, sei nichts Außergewöhnliches, weil ältere Ärzte wie er über eine reiche Erfahrung verfügten, ihre Patienten gut kennen, und ohnehin zu beschäftigt seien, um auch noch große Krankenberichte zu schreiben.

Die Vertreter der Ärztekammer warnten mich, daß die Chancen einer Vertragslösung vor Gericht für mich außerordentlich gering seien: Keiner der hier ansässigen Kinderärzte würde bereit sein, gegen einen Fachkollegen, noch dazu einen toten, auszusagen.

Nachdem mir meine Verhandlungspartner unmißverständlich zu verstehen gegeben hatten, daß ich das deutsche Ärztesystem einfach nicht verstünde und dem Andenken eines hingebungsvollen Kollegen eklatante Respektlosigkeit erwiesen hätte, arbeiteten wir ein neues Abkommen aus: Statt für 45 000 Mark sollte ich die Praxis für 20 000 Mark kaufen.

Ich mietete daraufhin einen Teil eines Vierfamilienhauses für 600 Mark im Monat und zog mit meiner Frau und meinen drei Kindern dort ein. Ich war sicher, die Praxis schnell wieder aufbauen zu können. Würde es mir hier nicht gelingen, so würde ich nirgends in der Bundesrepublik Fuß fassen können.

Ich hatte allerdings die Schwierigkeiten mit dem mir weitgehend unbekannten Krankenkassensystem stark unterschätzt. Das bundesdeutsche Krankenkassenwesen ist unvorstellbar kompliziert.

Dieser Apparat beschäftigt Tausende von Schriftführern und Buchhaltern auf allen Stufen der Bürokratie; er verschlingt viele Millionen Mark von den Aufwendungen für die Gesundheit und trägt so mit zu den hohen Kosten des staatlich reglementierten westdeutschen Medizinwesens bei.

In großen Bürohäusern werden alle Leistungen eines Arztes anhand der Zahl der behandelten Patienten (also keine Qualitäts-, sondern Quantitätskontrolle) von einem Heer von Angestellten geprüft, die nach Abschluß eines jeden Quartals drei Monate brauchen, um ihre Berechnungen abzuschließen und den Ärzten Bilanzen und Honorarschecks zu übersenden.

Sämtliche Rezepte werden überprüft, damit die Kassenpatienten nur die ihnen zukommenden Medikamente erhalten — berechnet nach dem Kostensatz pro Patient. Ein Arzt, der zehn Prozent mehr Arzneimittel verschreibt, als im Durchschnitt verordnet werden, erhält zunächst nur eine Verwarnung. Wenn er den zugebilligten Satz jedoch weiterhin überschreitet, muß er die Differenz selber bezahlen.

Ich habe von einigen aufsässigen Ärzten gehört, die solche Kassen-Bescheide kommentarlos an die Wände ihrer Wartezimmer hängten. Daraufhin forderte die Kasse sie unverzüglich auf, diese Dekoration zu entfernen, andernfalls würden sie ihre Kassenzulassung verlieren.

Nach dem Vertrag, der für die Jahre 1965 bis 1966 zwischen Ärzten und Krankenkassen abgeschlossen worden war, erhielt ein Arzt für einen Patientenbesuch in seiner Praxis drei Mark, für eine Konsultation mit gründlicher Untersuchung fünf Mark, für einen Hausbesuch am Tage einschließlich Fahrtspesen sieben Mark. Die Gesamtvergütung für einen Patienten je Quartal betrug durchschnittlich zwölf Mark.

Tut ein Arzt mehr für seine Kassenpatienten in einem Quartal und übersteigen seine Rechnungen somit den Durchschnitt, rechnet die Krankenkasse ihm das vor; er erhält dann den Bescheid, daß zusätzliche Leistungen nicht vergütet würden.

Die Einnahmen für die Behandlung von Kassenpatienten betragen 15 bis 20 Prozent des Satzes, der in den Vereinigten Staaten als angemessen gilt; die Lebenshaltungskosten in Deutschlands betragen jedoch 85 Prozent des vergleichbaren Aufwands in Amerika. Ich rechnete mir aus, daß ich 400 bis 500 Kassenpatienten im Monat betreuen müßte, um meine Praxiskosten decken zu können, und weitere 200 Patienten für unseren Lebensunterhalt.

Die Privatpatienten, die 15 Prozent der Krankenzahl einer durchschnittlichen Praxis ausmachen, können finanziell nicht sehr ins Gewicht fallen — vorausgesetzt, sie werden anständig behandelt. Ich selbst war nicht bereit, den doppelten Honorarsatz zu berechnen, wie es in Deutschland weitgehend der Fall und für einen Arzt, der sich ein Haus bauen möchte, anscheinend auch unerläßlich ist.

Dr. Kranz war dafür bekannt gewesen, daß er den doppelten Satz nahm. Wie viele andere Ärzte hatte er zwei Warteräume — einen einfachen mit abwaschbarem Mobiliar für die Kassenpatienten und einen gut ausgestatteten mit besseren Möbeln, mit Teppichen und Vorhängen für die Privatpatienten.

Kinder, deren Väter mehr als 1200 Mark im Monat verdienten, wurden mit großem Entgegenkommen behandelt. Kinder von ärmeren Kassenpatienten mußten hingegen, auch wenn sie zuerst gekommen waren, oft stundenlang warten. Dr. Kranz, so wurde mir gesagt, bat oft zwei bis vier Kassenpatienten auf einmal in sein Sprechzimmer; er sprach mit mehreren Müttern gleichzeitig, machte Injektionen, wog die Patienten und nahm sich selten mehr als fünf Minuten Zeit für einen dieser Patienten.

Die Behandlung von Kassenpatienten ist in den meisten Fällen eine Art Massenabfertigung mit willkürlichen Methoden und Zufallsergebnissen. Es ist daher kein Wunder, daß die Berichte über ernste Erkrankungen, die vom Kassenarzt nicht erkannt wurden, nicht zu zählen sind. Viele Ärzte untersuchen nicht einmal ihre Patienten, sondern lassen sich die Beschwerden schildern und verordnen dann etwas. Andere untersuchen nur das sogenannte Kassenpatienten-Dreieck — den Ausschnitt, der sichtbar wird, wenn ein Patient die oberen drei Hemdenknöpfe öffnet.

Viele deutsche Ärzte wenden merkwürdige Verfahren an, um aus ihrer wirtschaftlichen Misere herauszukommen. Sie verlegen sich etwa auf eine Art Privatmedizin, die mit den modernen medizinischen Erkenntnissen kaum noch etwas oder nichts mehr zu tun hat.

So führt ein mir bekannter Arzt eine ertragreiche Privatpraxis in einem Kurort, indem er hauptsächlich Irisdiagnosen stellt. Er behauptet, innere Krankheiten, auch wenn sie schon zurückliegen, aus den Augen lesen zu können.

Ein anderer hochgeachteter Arzt in einem Nachbardorf hat ein Vermögen mit Verjüngungskuren durch Frischzellentherapie gemacht. Das Honorar für eine Kur mit fünf bis acht Injektionen beträgt etwa 800 Mark — mehr als die Einnahmen aus hundert Hausbesuchen bei Kassenpatienten. Die deutsche medizinische Literatur enthält eine stattliche Zahl von Berichten über die Komplikationen einer solchen Behandlung.

Einige Ärzte locken Privatpatienten mit der Akupunktur, dem alten chinesischen Verfahren zur Behandlung innerer Krankheiten, das darin besteht, die Haut mit goldenen oder silbernen Nadeln zu ritzen oder zu punktieren.

Die Homöopathie ist in Deutschland erstaunlich weit verbreitet. Mehrere große pharmazeutische Firmen produzieren eine Vielzahl von Medikamenten aus stark verdünnten pflanzlichen und tierischen Gewebeextrakten. Hauptvorzug dieser „Heilmittel“ ist, daß sie keine Nebenwirkungen haben. Als Therapeutika sind sie wertlos; doch die Krankenkassen bezahlen für diese kostspieligen Flüssigkeiten, ohne den Nachweis der Wirksamkeit zu verlangen — sie verlassen sich ganz einfach auf Gutachten.

Die bundesdeutschen Krankenkassen scheinen nicht in der Lage zu sein die öffentliche Gesundheitspflege von der öffentlichen Quacksalberei zu trennen. Dies ist eines der vielen Probleme des mit Steuergeldern finanzierten Gesundheitsdienstes.

Da ich nicht bereit war, den üblichen doppelten Honorarsatz zu verlangen, und da ich weder Frischzellen-Therapeut noch Kräuterdoktor bin, konnte ich die geringen Kasseneinnahmen nicht durch hohe Erträge aus meiner Privatpraxis ausgleichen. Meine wohlmeinenden, freundlichen und sehr hart arbeitenden Kollegen konnten mir nur raten, meine amerikanischen Gewohnheiten abzulegen und die deutschen Praktiken so schnell wie möglich zu übernehmen, um wirtschaftlich keinen Schiffbruch zu erleiden.

Ebensowenig konnte ich mich an die ehrwürdige Tradition der Hausbesuche gewöhnen. Die Kassenvorschrift, nach der Hausbesuche nur gestattet sind, wenn der Patient nicht selbst in die Praxis kommen kann, wird nicht beachtet. Bald war ich als der neue Kinderarzt aus Amerika verschrien, der sich weigerte, Hausbesuche zu machen, weil er zu faul war.

Mütter, die zum erstenmal in meiner Praxis erschienen, fragten für gewöhnlich Sie machen doch Hausbesuche, wenn wir Sie rufen, nicht wahr?“

Im August antwortete ich noch: „Ja, in dringenden Fällen, oder wenn ich es für notwendig halte.“

Nach dem 1. September jedoch antwortete ich leutselig: „Ja, gern, wann immer und wohin immer Sie es wünschen.“

Zumindest 90 Prozent meiner Hausbesuche waren freilich unnötig, die übrigen waren großenteils nur aus Mangel an Verkehrsmitteln erforderlich. Ich schlug auch meinen Kollegen vor, unnötige Hausbesuche in der Stadt einzustellen; doch sie erhoben Einwände. So fuhr jeder Kinderarzt weiter jeden Tag durch die Stadt und legte im Durchschnitt täglich 100 Kilometer zurück.

Nun aber fehlte mir noch mehr die Zeit für die Zusammenarbeit mit anderen Ärzten, wie ich sie aus unserer erfolgreichen Gruppenpraxis in Amerika gewohnt war. Während sich Rechtsanwälte und Architekten in Deutschland zu Arbeitsgemeinschaften zusammenschließen, schrecken die Ärzte davor zurück. Jüngere Mediziner, die in den Vereinigten Staaten die Vorteile des Gruppenpraxis-Systems für Ärzte und Patienten kennengelernt haben, werden das womöglich bald ändern.

Ich hatte geplant, in meiner Praxis ein kleines bakteriologisches Labor einzurichten und es auch meinen Kollegen zur Verfügung zu stellen. Diesen Plan gab ich jedoch bald auf. Ich erkannte, daß ich meine ganze Zeit und meine ganze Energie darauf verwenden mußte, möglichst viele Patienten zu behandeln und möglichst viele Krankenscheine zu sammeln.

Niemand schien an dieser medizinischen Unzulänglichkeit Anstoß zu nehmen. Selbst eines der beiden Kinderkrankenhäuser der Stadt (ein Haus mit 300 Betten) konnte keine bakteriologischen Tests machen — und das im Lande eines Robert Koch und eines Paul Ehrlich.

Abermals kam ich mit dem allgemeinen Brauch in Konflikt, als ich keine antibakteriellen Medikamente zur Behandlung der alltäglichen Virus-Infektionen der oberen Luftwege und zur Behandlung von Diarrhöen verordnete. Ich verschrieb weniger Arzneimittel als jeder andere Kinderarzt in der Stadt und plädierte statt dessen für Diät, Kühlungen, richtige Kleidung und eine gesunde Lebensweise im allgemeinen. Trotz solcher sparsamen Verordnungsweise erhielt ich von der Krankenkasse zwei Rechnungen über eine medizinische Seife, die ich einem Patienten mit einer Hautflechte verschrieben hatte. Diese Seife wird, wie viele andere Mittel, von der Krankenkasse nicht bewilligt.

Die Entscheidungen der Kassen, ob sie ein Medikament bezahlen oder nicht bezahlen wollen, entbehren oft jeder Logik. Die Kosten für vorbeugende Keuchhusten-Impfungen werden nicht erstattet, aber der mehrwöchige Klinikaufenthalt für Kinder mit Keuchhusten wird anstandslos bezahlt.

Oft verbrachte ich eine halbe Stunde in einem überheizten Wohnzimmer, damit beschäftigt, ein stark fieberndes, erschöpftes Kind zunächst aus den Tiefen eines gepolsterten Kinderbettes. aus vier Decken <die oberste das in Deutschland übliche Federbett) und aus seinen Gummihüllen zu befreien und das Baby dann dadurch abzukühlen, daß ich es vor den entsetzten Augen der Eltern abwusch.

Sie waren davon überzeugt, daß ihr Kind infolge dieser Behandlung am nächsten Tag eine Lungenentzündung haben würde. Keine der Hunderte von Müttern schien je gehört zu haben, daß ein stark fieberndes Kind abgekühlt werden muß. Alle hingen der Vorstellung von vor 40 Jahren an, daß Fieber mit stärkerer Heizung und dickeren Decken bekämpft werden müsse. Die anderen Kinderärzte schienen keine Zeit zu haben, die Eltern eines Besseren zu belehren. Sie waren zu sehr damit beschäftigt, hinter ihren Krankenscheinen herzujagen.

Ich verbrauchte viel Zeit mit dem Versuch, meine Patienten zu erziehen und ihnen beizubringen, wie man unnötige Praxis- oder Hausbesuche vermeidet und harmlose Erkrankungen wie die üblichen Erkältungen und einfachen Diarrhöen selbst behandelt.

Es gelang mir vereinzelt, Vertrauen zu erwecken; doch die Mehrheit der Patienten verspürte offenbar Unbehagen. Wie vorauszusehen war, wurde ich nur wenig empfohlen, und meine Praxis erweiterte sich nur langsam.

Dann versuchte ich ein Anmeldesystem einzuführen. Meine Wartezimmer, In denen mehr als 30 Patienten Platz hatten, blieben also leer, die meisten Patienten konnten sofort ins Sprechzimmer kommen. Einer meiner Kollegen hielt dieses Verfahren für untunlich und schlug vor, jeweils 15 Patienten am Nachmittag zur gleichen Zeit zu bestellen: Wartenden Kranken, so sagte er, scheint die Zahl der anderen Patienten zu imponieren, sie gewinnen dadurch Sicherheit und Vertrauen in den neuen Arzt.

Kurzum, indem ich wirksam praktizierte, schadete ich meiner Praxis. Ich schadete ihr auch dadurch, daß ich ehrlich blieb. Beispielsweise konnte ich bei einem kleinen Kind frühzeitig eine Hirnhautentzündung diagnostizieren. Am nächsten Tag brachte mir die Mutter als Zeichen ihrer Dankbarkeit drei Krankenscheine für ihre anderen Kinder. Weil sie jedoch gesund waren, reichte ich die Scheine unausgefüllt ein. Etliche Kollegen, sogenannte Kassenlöwen, hielten das für den Gipfel selbstzerstörerischer Dummheit.

Die betrügerische Unsitte, Krankenscheine auch von gesunden Patienten einzuheimsen, Diagnosen zu erfinden und die Krankenscheine dann bei der Kasse einzureichen, ist weit verbreitet und in mancher Praxis sogar an der Tagesordnung. Da das Honorar für jeden Patienten pro Quartal begrenzt ist, bleibt dies die einzige Möglichkeit, die Bezüge von der Kasse zu erhöhen. Manche Familien sind so gut erzogen, daß sie ihren Ärzten nach Beginn des neuen Quartals Krankenscheine für die ganze Familie vorlegen, von der Großmutter bis zum Kleinstkind, ob sie nun gesund oder krank sind.

Die Regierung hat zwar einmal eine Reform des Krankenkassenwesens angestrebt, nach der die Patienten einen Teil der Arztkosten hätten selbst tragen müssen. Dadurch wäre die Unsitte der Krankenschein-Hamsterei stark eingeschränkt worden. Leider wurde dieser Plan von der Mehrheit der deutschen Ärzte abgelehnt.

Ungefähr 20 Prozent meiner Patienten hatten keine Krankheiten. So vermerkte ich auf ihren Krankenscheinen: „Kind gesund, Untersuchung negativ.“ Und ich war mir darüber klar, daß dafür nichts bezahlt wird.

Vertreter der Krankenkasse erklärten mich aber für töricht. Ihrer Ansicht nach ist bei jedem Patienten irgend etwas nicht ganz in Ordnung, so daß sich immer eine Diagnose stellen läßt. Tatsächlich waren meine vierteljährlichen Einnahmen von der Krankenkasse „beklagenswert niedrig“, wie ein Kassenangestellter gutmütig erklärte.

Um in Deutschland mit einer Arztpraxis Erfolg zu haben, muß der Arzt — so stellte ich fest — bereit sein, es mit seinem Gewissen nicht allzu genau zu nehmen und minderwertige Massen-Medizin zu betreiben. Dennoch wollte ich mich nicht gern an eine Klinik verpflichten, obwohl mir die Chance geboten wurde, als stellvertretender Chefarzt in einem Kinderkrankenhaus tätig zu sein. Solche Stellungen bringen ein Jahresgehalt von ungefähr 35 000 Mark ein. Ich sah mich jedoch nicht in der Lage, mich wieder an ein deutsches Krankenhaus mit einem festangestellten Ärztekollegium zu gewöhnen.

Der Chefarzt der chirurgischen Abteilung ist gewöhnlich gleichzeitig Leiter des Krankenhauses. Das bedeutet, daß er über dem Krankenhaus-Verwalter steht, nicht aber, daß ihm die anderen Stationschefs unterstellt sind. Sie sind vielmehr auf ihrem Stockwerk allmächtig und leiten ihre Abteilungen wie Primadonnen.

Das Jahreseinkommen eines Chefchirurgen beträgt zwischen 80 000 und 200 000 Mark; es liegt damit weit über dem Einkommen jedes anderen Arztes. An zweiter Stelle rangiert der stellvertretende Chefarzt. Er mag die gleiche Arbeit tun wie der Chefarzt, oft sogar noch mehr, und ist in Abwesenheit des Chefarztes der verantwortliche Vertreter — aber er verdient mitunter nur ein Viertel.

Die deutschen Fachärzte kämpfen erbittert um den höchsten Krankenhausposten; gewöhnlich bewerben sich 50 Kandidaten und mehr um eine freie Stelle. Viele stellvertretende Chefärzte erkennen nach Jahren harter Arbeit als zweiter Mann, daß sie die Spitze nie erklimmen werden. So kann es vorkommen, daß ein stellvertretender Chefarzt, der fünf bis zehn Jahre Magen reseziert, Gallenblasen entfernt und Kröpfe operiert hat, plötzlich das Krankenhaus verläßt und sich als praktischer Arzt niederläßt, um für den Rest seines Lebens keine größeren Operationen mehr vorzunehmen — eine ungeheure Verschwendung an Kenntnissen und Erfahrungen.

In den Vereinigten Staaten war ich es gewohnt gewesen, in der pädiatrischen Abteilung eines Krankenhauses als einer unter mehreren Fachärzten tätig zu sein, von denen jeweils einer für die Dauer von zwei Jahren zum Chefarzt gewählt wird. Außerdem ist in den USA jeder Kinderarzt für nur wenige (selten mehr als vier) Krankenhauspatienten verantwortlich und kann ihnen so die beste Fürsorge angedeihen lassen.

In den Krankenhäusern der Bundesrepublik betreut der Chefarzt oft über 200 Betten und soll seine Patienten alle kennen und ihre Behandlung überwachen. Das ist natürlich unmöglich.

Der gesunde Menschenverstand gebietet, diese Mammutabteilungen in kleinere Einheiten zu unterteilen, denen jeweils ein Spezialist mit einem Team von Assistenzärzten und Medizinalassistenten vorsteht. Doch viele deutsche Krankenhäuser mit mehr als 200 Betten verfügen nur über chirurgische und innere Abteilungen, die jeweils von einem Chefchirurgen und einem Chefinternisten geleitet werden.

Die beiden Abteilungen vertreten angeblich alle Fachrichtungen, auch wenn es in der Stadt einen Geburtshelfer, einen Kinderarzt und einen Hals — Nasen — Ohren-Facharzt mit eigener Praxis gibt. Diese Spezialisten haben oft nicht einmal den Status eines Belegarztes, weil der Chirurg und der Internist des Krankenhauses ihre Betten eifersüchtig gegen jeden Eindringling verteidigen. Für die oft sehr gut ausgebildeten Fachärzte ist es entmutigend, ernstlich erkrankte Patienten in ein Krankenhaus einzuweisen und somit einem Kollegen übergeben

zu müssen, der die Probleme ihrer Patienten weniger gut kennt.

Die meisten bundesdeutschen Krankenhäuser führen kein nennenswertes Ausbildungsprogramm für Medizinalassistenten und Assistenzärzte durch, abgesehen von gelegentlichen Lektionen am Krankenbett. Viele Krankenhäuser besitzen nicht einmal eine Bibliothek. Die Mehrzahl der Kliniken würde den amerikanischen Anforderungen für eine Akkreditierung nicht genügen. Ohnehin wird die Ausbildung an deutschen Krankenhäusern in den Vereinigten Staaten nicht anerkannt.

Fraglos ist die Bundesrepublik heute auf manchen Gebieten der Medizin ein unterentwickeltes Land. Einst Lehrstätte der größten Ärzte der Welt, ist Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr in der Lage, an die Spitze des medizinischen Fortschritts zurückzukehren.

Es mangelt nicht etwa an brillanten Köpfen oder an Geld; die Nation hat beides reichlich. Das Übel steckt vielmehr in der Krankenhaus-Hierarchie, die jedes Wetteifern um erstklassige Leistungen lähmt, und in dem Krankenkassensystem, das Quantität, nicht aber Qualität belohnt.

Außerdem ist dem Deutschen, gewohnt zu befehlen und zu gehorchen, die Zusammenarbeit auf gleicher Ebene noch neu — das den Amerikanern so vertraute „team work“ und „team spirit“. Solange einsame Genies durch Beobachtung und Laborexperimente bahnbrechende Leistung auf dem Gebiet medizinischer Theorie und Praxis vollbringen konnten, leisteten die Deutschen tatsächlich Großes. Doch die meisten Fortschritte in der modernen Medizin wurden und werden auch künftig durch team work erzielt. Das Wort „team“ aber ist nicht ins Deutsche übersetzbar.

Mit am unerfreulichsten in deutschen Krankenhäusern ist der unnötig lange Klinik-Aufenthalt der Patienten. Durchschnittlich sind es 21 Tage — gegenüber sechs Tagen in den USA.

Da die Kassen Tagessätze zahlen und dieser Satz nur etwa 24 Mark beträgt, wird offenkundig die Entlassung so lange hinausgezögert, bis der Patient sich nur mehr erholt.

Sobald die Intensive Behandlung abgeschlossen ist, sobald also der Behandlungsaufwand geringer wird, kommt das Krankenhaus aus den roten Zahlen heraus. Müßte eine Klinik ausschließlich ernstlich erkrankte Patienten behandeln und sie so bald wie möglich wieder entlassen, würde sie schnell in finanzielle Schwierigkeiten geraten und mehr Subventionen benötigen als andere Häuser.

Es scheint selbstverständlich, daß überfüllte Krankenhäuser erweitert werden müssen, mehr Betten brauchen und neue Gebäude. Das bedeutet auch höhere Gehälter, mehr Macht und größeres Prestige für den Chefarzt und den Verwalter.

Die Stadt, in der ich arbeitete, zählte 310 000 Einwohner und verfügte erstaunlicherweise über mehr als 500 Kinderkrankenbetten. In den Vereinigten Staaten hatte meine pädiatrische Abteilung mit nur 20 Betten einen Bezirk mit 85 000 Menschen betreut. In deutschen Krankenhäusern sah ich in manchen Kinderstationen, wie Jungen in ihren Nachthemden umhersprangen, Kissenschlachten oder andere Spiele machten und herzhafte Mahlzeiten zu essen bekamen. Offenbar wurden diese Kinder nicht gerade wegen einer Krankheit dort behalten.

Aber auch die Patienten bedrängen oft den Arzt, sie in ein Krankenhaus einzuweisen, damit sie für eine Weile dem Beruf oder ihren Hausfrauenpflichten entkommen. Ich verlor mehrere Kassenpatienten, weil ich mich weigerte, sie wegen geringfügiger Krankheiten in eine Klinik zu schicken.

Werden sich die deutschen Ärzte jemals den vielfachen Sklavendiensten entziehen können? Ich wüßte nicht, wie. Die Ärzteschaft ist in rivalisierende Fraktionen und Organisationen zersplittert. Zu keiner Frage äußern sie sieh einstimmig. Es gibt eine Vereinigung für die leitenden Krankenhausärzte, eine für die Medizinalassistenten und Assistenzärzte der Kliniken (den Marburger Bund), zwei für Ärzte mit eigener Praxis (Hartmann-Bund und Verband niedergelassener Ärzte), eine für die Medizinalbeamten, eine für die Vertrauensärzte und so fort. Jede Gruppe vertritt Interessen, die den Interessen der anderen Vereinigungen oft entgegenstehen.

In den häufigen endlosen Verhandlungen mit den Krankenkassen über neue Verträge kämpfen die deutschen Ärzte für Erhöhungen der Honorarsätze um fünf oder zehn Prozent — zum Beispiel dafür, die Vergütung für eine Konsultation mit gründlicher Untersuchung von fünf auf 5,50 Mark anzuheben. Dabei wäre das Dreifache gerechtfertigt.

In den kommenden Jahren wird die Bundesrepublik weiterhin zu den Ländern mit den meisten Ärzten gehören. Gegenwärtig legen etwa 4800 Studenten jährlich das Mediziner-Examen ab; aber nur 2200 Ärzte setzen sich zur Ruhe.

Die medizinischen Fakultäten der Universitäten sind überfüllt. Doch in dem Maße, wie die Zahl der Ärzte zunimmt, wird sich ihre Verhandlungsposition weiterhin verschlechtern. Dann wird es wahrscheinlich zu einer Massenemigration deutscher Ärzte kommen.

Nach sieben Monaten Praxis in Deutschland gelangte ich zu der Überzeugung, in dem herrschenden System meinen Maßstäben als Facharzt nicht gerecht werden zu können. Wie die meisten anderen deutschen Kinderärzte hatte ich keinen Zugang zu Krankenhausbetten. Ich wurde zu einem praktischen Arzt für die jüngere Altersgruppe degradiert, der eine Art Massensiebung vorzunehmen hatte.

In den sieben Monaten meiner Praxistätigkeit hatte ich keine einzige intravenöse Infusion machen können, weder feinere Labortests gemacht noch den Behandlungsplan für einen Diabetiker aufgestellt. Ich hatte keinen Fall von Hirnhautentzündung, Sepsis oder anderer schwerer Infektionen behandelt. Ich hatte nicht einmal eine Röntgenaufnahme des Gehirns, ein Elektrokardiogramm, eine Knochenmarksprobe oder eine Bakterienkultur gesehen. Zur Behandlung von Neu- und Frühgeborenen, meinem Spezialgebiet, war ich nicht hinzugezogen worden.

Ich ertrank im Bürokratismus und wurde mit Broschüren, Memoranden, Berichten und Verfügungen der Krankenkassen überschüttet. Das Honorar, das ich pro Patient und Quartal erhielt, schien mir allein für die Schreibarbeiten angemessen. Erst im letzten Monat verdiente ich genug, um meine monatlichen Praxiskosten in Höhe von 2400 Mark zu decken.

An jedem Werktag machte ich ungefähr fünf Hausbesuche und empfing zehn Patienten in der Praxis, an den Wochenenden erhöhte sich die Zahl meiner Hausbesuche auf durchschnittlich 30. Dazu brauchte ich dieselbe Energie wie für meine Tätigkeit in den USA, wo ich täglich 28 Patienten in meiner Praxis empfing und außerdem noch im Krankenhaus arbeitete.

Am Ende des siebten Monats bot ich meine Praxis zum Verkauf an. Als ich drei interessierten Krankenhausärzten die Bilanz der letzten Monate vorlegte, verloren sie sofort das Interesse. Alle drei gaben aber auch zu, daß sie Angst hätten, die Sicherheit eines Krankenhauslebens gegen den Druck und die Not einer Kinderarztpraxis unter dem gegenwärtigen Krankenkassensystem einzutauschen.

So verkaufte ich den größten Teil meiner Einrichtung und meiner Utensilien und verschenkte den Rest. Die Enttäuschung und der finanzielle Verlust — ungefähr 90 000 Mark — waren beträchtlich.

Als ich aufbruchbereit war, hängte ich ein Schild an die Tür meiner Praxis, das ich — es war Karneval — mit einer Spottfigur dekorierte: „Kinderarzt Bauer ist am Verhungern. Diese Praxis wird am 1. März 1966 geschlossen. Die Krankenkassenpatienten des Dr. Bauer werden im März von einem Vertreter betreut.“

Wenige Tage später erhielt ich ein Schreiben des Vorsitzenden der zuständigen Ärztekammer. Ich erhielt Anweisung, das Schild sofort zu entfernen, da ein so verfehlter Humor mit der Berufsehre der Ärzte unvereinbar sei.

Unter dem herrschenden System des Gesundheitsdienstes im bundesdeutschen Wohlfahrtsstaat wird von Verwaltung, Patienten und Ärzten erwartet, daß sie zufrieden und glücklich sind. Wenn ein tüchtiger und fleißiger Arzt, der gute Arbeit leisten und gleichzeitig die geschriebenen und ungeschriebenen Regeln ethischer Praxis befolgen möchte, finanziell nicht zurechtkommt und dies auch noch offen eingesteht, stört er diese Illusion.

DER SPIEGEL 9/1968

 

Kurz berichtet – Apikale Aufhellung – ausgeheilt nach Trauma

Von Christoph Kaaden

Im Herbst 2018 stellte sich der damals 10-jährige Milo erstmals bei uns vor.

Hinter ihm lagen mehrere Tage starker Schmerzen und multiple Zahnarztbesuche mit endodontischen Behandlungen seines linken oberen zentralen Schneidezahns.

Erst mit dem gestrigen Beginn der Einnahme eines Antibiotikums stellte sich langsam eine gewisse Besserung ein…

Die Befragung des jungen Patienten ergab, dass er vor circa einem Jahr beim Fußballspielen ein Frontzahntrauma mit Lockerung des Zahnes erlitten hatte. Seit dieser Zeit war der Zahn in unregelmässigen Abständen ohne besondere Befunde kontrolliert worden.

Bei Betrachtung des aktuellen Röntgenbildes ist anzunehmen, dass eine radiologische Untersuchung in der Vergangenheit nicht Teil der Befundung war:

Apikale PA nach Trauma.001

Ausgeprägte apikale Aufhellung bei Zustand nach Frontzahntrauma vor ca. 12 Monaten

Gemeinsam entschlossen sich alle Beteiligten trotz der ausgeprägten apikalen Pathologie weitere endodontische Maßnahmen durchzuführen.

Am Ende  des dritten Behandlungstermins (Behandlungsdauer 2,5h) stellte sich die Situation wie folgt dar:

Und so sah das Recall ein Jahr später aus:

Es sieht so aus, als hat Milos Zahn trotz des Fußballunfalls eine gute Prognose…

 

Recall eines Falls aus der Reihe Herodontics

Dieser Fall wurde von uns bereits hier vorgestellt.
Man kann diesen Fall in die Kategorie: „Erst hatte sie kein Glück und dann kam auch noch Pech dazu.“ einordnen.

Nun haben wir wieder Recallbilder und möchte diese Ihnen nicht vorenthalten.

Nach 36 Monaten erscheint der Desmodontalspalt dezent verbreitert.
Wir haben eine Artikulations- und Okklusionskontrolle empfohlen.

Fall zum Wochenende Teil 4

Heute möchte ich abschließend berichten, wie es mit dem Fall, über den hier, hier und hier berichtet wurde, weiterging.

Eigentlich bin ich davon ausgegangen, dass die Behandlung übel enden wird.

Man kennt das ja, dieses Gefühl, dass einem sagt, man sollte besser die Finger weg lassen vom Behandlungsfall, nicht der endodontischen Situation wegen, sondern wegen der Person, die an dem Zahn dranhängt. Und dann macht man es doch, wider besseres Wissen oder gegen sein Bauchgefühl und prompt wendet sich Alles zum Schlechten.

Toi, toi, toi verlief in diesem Fall alles gut und ohne Nachwehen.

Die Behandlungen im chronologischen Ablauf:

 

2018 Juni

27.06.2018 Untersuchung/Besprechung

 

2018 September

03.09.2018 Zahn 46 Behandlungsitzung 1 – Trepanation, Erschließung der Wurzelkanäle, vorhandene Restvitalität!, initiale Wurzelkanalaufbereitung

11.09.2018 Zahn 46 Behandlungssitzung 2 – vollständige Wurzelkanalaufbereitung

17.09.2018 Zahn 46 Behandlungsitzung 3 – Intensive Spülungen, Austausch der  medikamentöse Einlage Ledermix vs. Calciumhydroxid

2018 November

12.11.2018 Zahn 46 Behandlungssitzung 4 – WF

2019 Februar

04.02.2019 Zahn 45, Behandlungssitzung 1- Entfernung Krone, Entfernung Wurzelstift, initiale Wurzelkanalbehandlung, um Patency sicherzustellen als Voraussetzung für Weiterbehandlung, Aufbau des Zahnes mit Composite

12.02.2019 Zahn 45, Behandlungssitzung 2- Präparation für Kunststoffkrone, Kunststoffkrone (Protemp Garant, leider nicht röntgensichtbar) mit Rely X eingegliedert

21.02.2019 Zahn 45, Behandlungssitzung 3- Aufbereitung

28.02.2019 Zahn 46, Behandlungssitzung 5 – postendodontische Stabilisierung mit Composite

2019 Mai

09.05.2019 Zahn 45, Behandlungssitzung 4 – WF

28.05.2019 Zahn 45, Behandlungssitzung 5 – Glasfaserstift mit Rebilda eingegliedert

2019 Dezember

05.12.2019 Recall Zahn 46 13 Monate nach WF, Zahn 45 6 Monate nach WF

Und hier die Röntgenbilder im zeitlichen Verlauf.
Schön zu sehen, die Knochenregeneration im Laufe der Zeit.
Nicht nur apikal  46 und 45, sondern an Zahn 46 sowohl  distal wie auch interradikulär eine ebenso deutliche wie erfreuliche Verbesserung der ossären Situation gegenüber dem Ausgangsbefund.

 

 

 

 

Mein endodontischer Alltag

von Jörg Schröder

Neben dem einen oder anderen besonders lehrreichen oder gar aussergewöhnlichen Behandlungsfall besteht mein endodontischer Alltag zu mehr als 90 Prozent aus endodontischen Revisionsbehandlungen. Ein Umstand, den ich inzwischen als sehr erfrischend, weil abwechslungsreich, empfinde.

Die Anzahl der möglichen Hürden geht über die einer Erstbehandlung hinaus, da es neben den anatomischen auch noch materialtechnische Herausforderungen zu meistern gilt.

Nicht nur Krümmung, Radius derselben, Arbeitslänge, initiale Kanalweite gilt es zu berücksichtigen. Es kommen hinzu Befestigungsart der Wurzelstifte/-schrauben, Art der retentiven Oberfläche, Passgenauigkeit der Stifte im Kanal, Art der Restauration (Füllung, Krone) Kofferdamfähigkeit der Behandlungssituation, iatrogene Stufen, Art der Obturationsmaterialien und noch einige Dinge mehr.

Der nachfolgende Fall bringt vieles mit, was meinen endodontischen Alltag interessant macht. Adhäsiv befestigte Wurzelstifte mit maximalen Retentionsrillen, X-Bein (ich hatte hier berichtet), obliterierte Kanäle, präendodontischer Aufbau, massive gegossenen Stiftaufbauten mit sehr guter Passung, abrupte apikale Krümmung (16 DB). Die Behandlung jedes Zahnes erfolgte einzeitig.

Ein schöner Alltag, wie ich finde. Langweilig ist definitiv anders.

DICOM Export Pflicht vorerst ausgesetzt

Weil wir im Kreise der WURZELSPITZE – Autoren gerade das Thema hatten, vielleicht auch für den einen oder anderen hier noch nicht bekannt und interessant/ wichtig: Die für 01.01.2020 vorgeschriebene Pflicht des Exportes von Röntgenbilder im DICOM – Format ist vorerst ausgesetzt. 

Eine entsprechende Quelle findet man hier.

Hintergrund – Die Industrie hat nicht rechtzeitig die notwendigen Voraussetzungen geschaffen, es müssten demnach eine Vielzahl von Röntgeneinrichtungen vorübergehend stillgelegt werden.

Das freut sich zumindest eine mir bekannte Kollegin, der man von Deoptseite her angekündigt hatte, ihr wenige Jahre altes Röntgengerät sei nicht DICOM – kompatibel und müsse gegen ein neues getauscht werden.

 

 

 

 

Frontzahntrauma – das klinische Vorgehen.

von Jörg Schröder

Mit schöner Regelmässigkeit stellen sich in meiner Praxis sehr junge Patienten vor, die nach einem vor Wochen oder gar Monaten erlittenem Frontzahntrauma Beschwerden entwickeln. Die Erstversorgung ist also loco bereits erfolgt und leider führt genau diese Erstversorgung dazu, dass Behandlungsoptionen verloren gehen, die selbst bei komplexen Verletzungen eine Vitalerhaltung der pulpalen Gewebe ermöglichen könnten.

Diese junge Patientin, 9 Jahre alt, erlitt nach einem Sturz vor 3 Wochen offensichtlich eine Kronenfraktur an den Zähnen 21 und 11.

Nach der Initialversorgung der Dentinwunde mit Komposit – die frakturieren Kronenanteile waren am Unfallort in einem Dentosafe gelagert worden und konnten aufgrund der unfallbedingten Blutung aus den verletzten parodontalen Geweben nicht wiederbefestigt werden – wurde zunächst ein abwartendes Vorgehen empfohlen. Anamnestisch konnte nicht in Erfahrung gebracht werden, ob es sich um eine komplizierte (mit Pulpaeröffnung) oder eine unkomplizierte Kronenfraktur handelte.

Nachdem an Zahn 11 eine deutliche Berührungsempfindlichkeit auftrat, suchten die Eltern Rat an einer Universitätsklinik. Es war Ihnen empfohlen worden, den Versuch einer Revaskularisierung unternehmen zu lassen. Da in der universitären Einrichtung ein etwaiger Behandlungstermin erst 8 Wochen später realisierbar gewesen wäre, wendeten sie sich an eine von der Klinik empfohlene Praxis.

Dort wurde, da der Sensibiltätstest mit Kälte negativ ausfiel, Zahn 11 ohne Anästhesie im Bruchbereich trepaniert und …… . Überraschung: es blutete und die Patientin war alles andere als begeistert. Daraufhin wurde Calxyl eingelegt und die Trepanationsöffnung mit einem Fissurenversiegelungsmaterial verschlossen. Es erfolgte die Überweisung an mich.

Nicht unerwähnt soll bleiben, dass die empfohlene Praxis gar nicht in der Lage war, eine regenerative/ reparative Pulpabehandlung durchzuführen. Eine Aufklärung über das geplante Vorgehen erfolgt zudem auch nicht, es wurde einfach trepaniert!

Am Tag der Erstuntersuchung bei mir zeigten alle Oberkieferfrontzähne eine reproduzierbar positive Antwort auf den elektrischen Reiz. Eine ausbleibende Reaktion auf den Kältetest wird leider immer noch als ein sicheres Zeichen einer Pulpanekrose angesehen. Dabei kann es nach einem Frontzahntrauma bis zu 9 Monaten dauern, bis sich eine Sensibilität wieder einstellt. Dasselbe gilt für transiente apikale Aufhellungen. Insbesondere bei Dislokationsverletzungen. Diese sind eben kein sicheres Zeichen einer Pulpanekrose, was die Ableitung der „richtigen“ Therapie jetzt nicht unbedingt erleichtert.

Empfehlenswert und deutlich reproduzierbarer ist der elektrische Sensibiltätstest, wobei nicht unerwähnt bleiben soll, dass dieser gerade bei jungen Patienten nicht zuverlässig ausfallen kann, da diese sehr schnell herausfinden, was „gut“ (ja, merke ich) oder „schlecht“  (nein, ich merke nichts) für sie ist.

Es empfiehlt sich immer, sicher nicht betroffene Zähne mit zu überprüfen, um die Befunde korrekt einschätzen zu können.

Da sich im Einzelbild eine die klinische Krone diagonal verlaufender Frakturlinie zeigte, wurde zur Klärung einer eventuell bestehenden Kronen-/Wurzelfraktur ein kleinvolumiges DVT erstellt.

Und, wie so oft, brachte dieses Licht ins Dunkel.

Durch den Sturz kam es offensichtlich zu einer partiellen Aussprengung eines palatinalen Kronenanteils, die bis in die Wurzel hineinreichte. Die Frakturlinie selbst hatte keinen Kontakt zum Pulpakammerhohlraum. Durch die Einblutung in den palatinal gelegenen Frakturspalt kam es zu einer Dunkelverfärbung der klinischen Krone. Diese wurde durch ein deutliches Leakage des Dentinwundenverschlusses aus Komposit verstärkt.

Die Probetrepanation, die in Wirklichkeit leider nicht auf Probe, sondern eine erfolgreiche war, führte zu einer weiteren Einblutung in den verbliebenen Kronenanteil.

Den Eltern der kleinen Patientin habe ich daher folgendes Vorgehen empfohlen:

  • Entfernung der Erstversorgung an Zahn 11 und Pulpotomie im Gesunden, falls sich die Pulpa am Behandlungstag elektrisch sensibel und klinisch vaskularisiert darstellt.
  • Entfernung des palatinalen Kronenfragmentes nach chirurgischer Darstellung und adhäsive Abdeckung der freiliegenden Dentinareale mittels Flow-Komposit.
  • Reattachment des beim Unfall frakturierten Kronenanteils mittels Komposit.

Eine vollständige Herstellung des palatinalen Volumens der Krone mittels Komposit erschien aufgrund der subcrestalen Lage der Fraktur nicht erstrebenswert. Ein kieferorthopädische Extrusion kann zu Verbesserung der parodontalen Verhältnisse zu einem späteren Zeitpunkt durchgeführt werden.

Die Pulpotomie erfolgte unter absoluter Trockenlegung. Die Kofferdamklammer fixierte dabei das palatinale Fragment durch nach vestibulär gerichteten Druck der palatinalen Klammeranteile. Die Kompositfüllung liess sich mittels Scaler absprengen. Darunter zeigte sich das Ausmass der Undichtigkeit.

Die Pulpotomie wurde bis in eine Tiefe hin durchgeführt, die eine Kontamination der Pulpa durch auf der Bruchstelle freiliegende Dentintubuli als unwahrscheinlich erachtet werden konnte. Ebenso sollten unerwünschte Auswirkungen der Begleitmassnahmen (Ansätzen, Bonden) der adhäsiven Abdeckung auf die Pulpa vermieden werden. Dazu wurde am DVT die Strecke bis zur palatinalen Bruchkante ausgemessen und die Pulpa bis in den Wurzelbereich reduziert.

Nach chirurgischer Darstellung der Frakturstelle, hier ist eine optimale Hämostase wichtig, konnte das mitgebrachte Kronenfragment adhäsiv befestigt werden.

Anschliessend wurden die fehlenden Kronen-/Wurzelanteile mittels Flowkomposit bestmöglich rekonstruiert. Ein geringer Unterschuss am Übergang zur Bruchstelle wurde dabei bewusst in Kauf genommen, um die Irritationen der parodontalen Gewebe durch Kompositmaterialien so klein wie möglich zu halten.

Zum Abschluss erfolgte die Reposition der mobilisierten Gewebe und die Fixierung mittels zweier Einzelknopfnähte 7/0.

Das Recall wird von mir schon mit Spannung erwartet:

Wird es die Pulpa in Zahn 11 schaffen? Wie entwickelt sich die Situation an Zahn 21, der im DVT klar Zeichen einer zurückliegenden lateralen Dislokation aufweist?

Nichtbehandlung (III)

Von Christoph Kaaden

 

In dieser Woche haben wir diesen Traumafall (I und II) abschliessen können.

Während die Zähne 12 und 21 die vormaligen Verletzungen und deren Therapie (bisher) gut überstanden haben zeigte Zahn 11 alle Anzeichen einer Pulpanekrose.

Daher haben wir uns für die Durchführung einer endodontischen Therapie entschieden.

Hier die Behandlungsabfolge:

Die nächste Kontrolle in sechs Monaten muss zeigen, wie sich die bisher überwiegend positiven Befunde weiterhin entwickeln…

P.S.: Sieht man da bei der Gegenüberstellung von Prä-OP zu Post-OP an 12 ein Bridging?

 

Bezugsquelle Produkte Meta Biomed in Deutschland

Weil es sicherlich von allgemeinem Interesse ist, antworte ich auf die Frage nach der Bezugsquelle der Meta Biomed-Produkte nicht in den Kommentaren zu den Artikeln hier und hier, sondern in diesem Beitrag.

Bei dem verwendeten Calciumhydroxid handelt es sich um „Metapex“ der Firma Meta Biomed. Das Präparat ist nicht in Deutschland offiziell erhältlich. Grund ist eine nicht vorhandene Zulassung.

Es gab und gibt vermutlich nachwievor den Bezug über ADS /Vaterstetten.

Ich habe das Material allerdings, wenn immer möglich, von meinem USA-Besuch des New York Greater Dental Meeting mitgebracht. Zum Messe-Vorzugspreis, der im Hinblick für die von uns im Zeitraum benötigte Menge sogar die Flugkosten (ich flog allerdings immer Economy, nur das keine Missverständnisse aufkommen)  ,-) überkompensierte.

In Deutschland frei erhältlich ist das jodidfreie Alternativpräparat „Metapaste“.

Allerdings bleibt das Problem, das Meta-Produkte in Deutschland nur schwer erhältlich sind. Der einfachste Weg ist vermutlich, sich direkt an das Deutschland- Büro mit Sitz in Mühlheim zu wenden. Frau Park ist Koreanerin und spricht Deutsch.

Frau
Sinny Park
META BIOMED EUROPE GMBH
Wiesenstraße 35
45473 Mülheim an der Ruhr
Tel +49 208 309 91910
Fax +49 208 30 991 999

europe@meta-europe.com

 

Oder eine Email (in englischer Sprache) an den Präsident Meta Biomed USA/Südamerika/Europa Mr. Ian Yun.

ian@metabiomed-inc.com

Es ist zu sehen… (3)

Im dritten Beitrag zu diesem Fall möchte ich Ihnen nun die gesamte Behandlung vorstellen.

Im Beratungsgespräch erwähnte der Patient, nachdem wir ihn auf mögliche operative Eingriffe an den Kieferhöhlen angesprochen haben, daß vor mehr als 10 Jahren mehrfach an der Kieferhöhle operiert wurde. Später waren dann immer wieder mal Beschwerden, wenn er erkältet war oder beruflich stark gefordert war. „Und, ja,  die waren dann auch immer mal so, wie jetzt. Allerdings stärker ausgeprägt.“

Die vom Patienten angegebenen Beschwerden führten wir auf die unbehandelte Wurzelkanalstruktur im Zahn 24 zurück. Der Patient selbst bezweifelte dies.
Der mehrfach behandelte Zahn 25 wurde von uns revidiert. Es zeigte sich nach der Behandlung, daß die Beschwerden nahezu unverändert vorhanden waren.

Nach einiger Wartezeit, die sich der Patient ausbat, um möglicherweise doch noch Beschwerdefreiheit zu erreichen ohne Revision am Zahn 24, haben wir dann 24 doch revidiert.

Im DVT zeigte sich eine erhebliche Stufe in der mesiobukkalen Wurzel. An dieser mussten wir eine Mikroperforation (buccal) diagnostizieren. Patency ließ sich auf Grund einer apikalen, für uns trotz längerer Versuche nicht zu lösenden Blockierung, nicht erreichen. Die aufbereitete Kanalstruktur wurde bis zur Perforationsstelle gefüllt. Danach wurde mit einem ProRoot MTA Plug die Perforation verschlossen. Palatinal und mesiodistal gelang die Aufbereitung ohne größere Probleme und nach einer abschließenden Desinfektion erfolgte die thermische Obturation.

Bereits nach der ersten Behandlungssitzung am Zahn 24 haben sich die Beschwerden des Patienten deutlich reduziert. Zum Wurzelfüllungstermin war der Patient beschwerdefrei.

 

Anbei die Folien zur beschriebenen Behandlung.

Fall zum Wochenende Teil 3

Bislang berichtet wurde über diesen Fall hier und hier.

Wie ging´s weiter.

Ich hätte nicht übel Lust gehabt, die Behandlung gar nicht erst anzufangen.
Zur Erinnerung. Die Patientin betrat auf Grund einer Wartezeit von 30 Minuten zutiefst erzürnt das Behandlungszimmer.
Aber CAVE – gerade solche Patienten bergen auch bei Nichtbehandlung ein hohes Konfliktpotential. Eine wohl abgewogene Vorgehensweise ist zwingend erforderlich, zumindest sinnvoll, will man noch mehr Schwierigkeiten im Nachgang vermeiden.

Und in unserem Falle hatte die Patientin ja in der Tat 30 Minuten gewartet, das war Fakt, egal wie man ihren furienhafter Auftritt für sich selbst bewerten möchte.

Ich habe also die endodontische Behandlung, wie für die erste Behandlungssitzung anvisiert, durchgeführt. Es war extrem schwierig, aber ich konnte die Kanäle apikal  erschliessen und Patency herstellen, so dass aus meiner Sicht eine Weiterbehandlung als sinnvoll anzusehen war.

Dies habe ich der Patientin mitgeteilt.
Und sie anschließend an ihre Hauszahnärztin zurücküberwiesen.

„Wir haben die Voraussetzungen geschaffen dafür, dass ihre Hauszahnärztin die Behandlung wie von Ihnen gewohnt, weiter- und zu Ende führen kann.“

DAS allerdings wollte die Patientin aber auch nicht. Resolut antwortete sie : „Ich möchte, das SIE die Behandlung weiterführen!“

„Es tut mir leid, aber ich sehe mich ausserstande, ihre zeitlichen Erwartungen Ihnen garantieren zu können“, erwiderte ich.

Darauf die Patientin kühl:  „Ich denke, wir sollten das Ganze professionell angehen. Ich war verärgert. Und ich habe, das ist mein gutes Recht, meinem Ärger Ausdruck gegeben. Ich betrachte die Angelegenheit damit als erledigt.“

Und – um es vorweg zunehmen, genau so handhabte sie das die weiteren Behandlungstermine. Als hätte es ihren Auftritt nie gegeben.

Nachfolgend 3 Zahnfilme. Vor der Behandlung, nach Applikation CaOH2, nach WF.

 

 

 

 

Frontzahntrauma – und dann?

von Jörg Schröder

Mit schöner Regelmässigkeit stellen sich in meiner Praxis sehr junge Patienten vor, die nach einem vor Wochen oder gar Monaten erlittenem Frontzahntrauma Beschwerden entwickeln. Die Erstversorgung ist also loco bereits erfolgt und leider führt genau diese Erstversorgung dazu, dass Behandlungsoptionen verloren gehen, die selbst bei komplexen Verletzungen eine Vitalerhaltung der pulpalen Gewebe ermöglichen könnten.

Diese junge Patientin, 9 Jahre alt, erlitt nach einem Sturz vor 3 Wochen offensichtlich eine Kronenfraktur an den Zähnen 21 und 11.

Nach der Initialversorgung der Dentinwunde mit Komposit – die frakturieren Kronenanteile waren am Unfallort in einem Dentosafe gelagert worden und konnten aufgrund der unfallbedingten Blutung aus den verletzten parodontalen Geweben nicht wiederbefestigt werden – wurde zunächst ein abwartendes Vorgehen empfohlen. Anamnestisch konnte nicht in Erfahrung gebracht werden, ob es sich um eine komplizierte (mit Pulpaeröffnung) oder eine unkomplizierte Kronenfraktur handelte.

Nachdem an Zahn 11 eine deutliche Berührungsempfindlichkeit auftrat, suchten die Eltern Rat an einer Universitätsklinik. Es war Ihnen empfohlen worden, den Versuch einer Revaskularisierung unternehmen zu lassen. Da in der universitären Einrichtung ein etwaiger Behandlungstermin erst 8 Wochen später realisierbar gewesen wäre, wendeten sie sich an eine von der Klinik empfohlene Praxis.

Dort wurde, da der Sensibiltätstest mit Kälte negativ ausfiel, Zahn 11 ohne Anästhesie im Bruchbereich trepaniert und …… . Überraschung: es blutete und die Patientin war alles andere als begeistert. Daraufhin wurde Calxyl eingelegt und die Trepanationsöffnung mit einem Fissurenversiegelungsmaterial verschlossen. Es erfolgte die Überweisung an mich.

Wie sähe ein alternatives Vorgehen aus? Welche Befunde sind zu erheben? Welche Behandlungsoptionen bestehen? Wie lautet die vermutlich richtige Diagnose der Verletzung? Wie ist der negative Kältetest einzuschätzen?

Die Auflösung gibt es am Freitag. Bis dahin freue ich mich über die rege Nutzung der Kommentarfunktion.

 

Jahresrückblick 2019

Viele Dinge, die angesprochen werden sollten, finden sich hier wieder.

Ich fand es fast durchgehend zutreffend und keine Sekunde langweilig.

 

In den YouTube – Kommentaren habe ich dann den Hinweis auf den SPON – Veriss gefunden

 

https://www.spiegel.de/kultur/tv/dieter-nuhr-satirischer-jahresrueckblick-in-der-ard-a-1302145.html#js-article-comments-box-pager

Und empfehle, danach die Kommentare zu studieren.

 

 

 

Vom Cavit-Saulus zum MD Temp Plus-Paulus

Viele Jahre lang, eigentlich mein gesamtes zahnärztliches Schaffen hindurch habe ich kein Cavit benutzt. Diese zunächst weiche, klebrige Masse, die sich nicht adäquat formen und ausarbeiten lässt. Und beim Ausbohren sich genauso ätzend, weil verschmierend verhält. Nicht dauerhaft kaustabil ist. Auch die vermeintliche Zeitersparnis bei Legen relativiert sich, vorausgesetzt, man benutzt zum Verschluss der endoodntischen Zugangskavität einen schnellabbindenden Glasionomerzement. Welcher innerhalb von 2 Minuten ausgehärtet und okklusal adäquat adjustiert ist. Diesen „unnötigen“ Luxus gönn ich mir. Der sich immer wieder auszahlt. Weil eben kein Patient unvorhergesehen in der Praxis steht, dem das Cavit- Provisorium verlustig gegangen ist oder  – Szenario 2 – zur Weiterbehandlung sich vorstellt mit einem seit Tagen schon offenen Zahn, er aber die Praxis nicht extra aufsuchen wollte. „Ich hatte doch den Termin sowieso.“ 

Na, kommt das bekannt vor ? 

Und dann hatten wir noch das Problem, dass unser Cavit (aus der Tube wohlgemerkt) nach der Erstentnahme zwangsläufig trotz Schraubverschluss vor sich hin atmend zum Zeitpunkt der Wiederverwendung sich als ausgehärtet und damit unbrauchbar präsentiert. 

Dabei hat das Material sehr wohl in der Endodontie Vorteile.
Oder sollte ich besser den Singular gebrauchen, einen großen Vorteil. Es ist ein sehr dichtes Material. Das dichteste überhaupt sogar, das darüberhinaus leicht feuchtigkeitsaffin sich präsentiert. Ein im Hinblick auf zu verwendende medikamentöse Einlagen im Wurzelkanal sicherlich ein nicht unwillkommenes Produktmerkmal. 

Aber – am Ende des Tages reichte das alles nicht aus, um die Bedenken bzw. die Tag für Tag erlebten Nachteile zu überkompensieren. 

Cavit kam daher in unserer Praxis nur sehr selten bis gar nicht zum Einsatz.
Zum Beispiel seit kurzem im Notdienst.
Seit uns von KZV-Seite her verboten wurde, Füllungen zu legen, wenn ein Patient mit rausgefallener Restauration dort sich vorstellte.
Das sei unkollegial.
Und beim Schmerzpatienten eine Lege Artis Endo (VitE, WK) durchzuführen sei unwirtschaftlich. Und Röntgen im Notdienst so gut wie nie notwendig. O Tempora, o mores ! Oder, wie es der geschätzte Kollege und „Memorix Zahnmedizin“- Autor Thomas Weber in einem Satz zusammenfasst #Deutschland_ist_nicht_zu_retten.

Da kam dann eine Produktprobe von Meta Biomed gerade richtig.

Erinnern Sie sich noch ? 
Früher konnte man neue oder unbekannte Produkte ausprobieren.
Weil die Firmen diese kostenlos zur Verfügung stellten.
Heute ist diese Geste – die (mit Speck fängt man Mäuse) sicherlich eine sinnvolle war, allerdings den Controllern in den Firmenbuchhaltungen, weil nicht quantifizierbar, offensichtlich nicht zu vermitteln ist – eigentlich nicht mehr vorhanden.
Der Hinweis auf das Anti – Korruptions- Gesetz bietet den Firma einen willkommenen Alibi-Lendenschurz für das Nicht-Zahlen-Wollen. Sei es drum. 

Auf der IDS 2017 kam mir eine Döschen MD Temp in die Hände. 

Lag danach in irgendeinem Schrank verborgen.
Bis zum dem Tag, an dem wieder einmal die Hiobsbotschaft verkündet worden war, die Cavit-Tube sei eingetrocknet. 

Fast Forward.
MD Temp Plus. Kam. Sah. Siegte.

Dieses Material macht- zu deutlich kleinerem Preis – alles viel viel richtiger, besser als der Marktführer. Die Konsistenz ? Nicht zu weich, nicht zu fest. Und vor allem nicht klebrig. 

Das Resultat. Nicht nur, dass Cavit aus unserer Praxis fast vollständig verdrängt wurde, vielmehr hat sich durch MD Temp Plus unser endodontischer Workflow – man möge fast schon sagen – revolutionär – verändert.  Wir setzen MD Temp Plus in jedem einzelnen endodontischen Fall ein. Nach Applikation der medikamentösen Einlage folgt – seit vielen Jahren – zunächst die Abdeckung mittels sterilem Teflonband. Gegen Feuchtigkeit aus dem Wurzelkanal kann so wirkungsvoll agiert werden.  Soweit,  so gut, so bewährt, so bekannt. Eventuell verbliebene Restfeuchtigkeit, sie denn noch vorhanden sein sollte, toleriert das in einer ca. 2 mm dicken Schicht eingebrachte  MD Temp Plus souverän. Den Abschluss bildet wie gewohnt  die kaustabile Deckfüllung aus Glasionomerzement, auch dieses Material in geringem Maße feuchtigkeitsverzeihend. 

Alles in Allem erreichen wir so auf schnelle Art und Weise eine kaustabile, dauerhafte, baktiereindichte Deckfüllung, die sich in der nächsten Sitzung schnell und einfach wieder entfernen lässt.  Und das  MD Temp Plus sogar etwas weniger schmiert als Cavit.

Das Döschen hält im Übrigen sehr lange. Erfreuliches Detail –  ein vorzeitiges Aushärten musste nicht, wie früher so oft,  festgestellt werden. 

Mein Fazit: Uneingeschränkte Empfehlung. MD Temp Plus – ein Material, dass wir nicht mehr missen wollen. 

Es ist zu sehen … (2)

Es ist zu sehen, was auf den schnellen Blick verborgen bleibt oder besser es ist zu sehen, was nicht auf die Schnelle zu sehen ist.

In diesem Fall lag die Lösung im genauen betrachten des Röntgenbildes.
An dieser Stelle möchte ich darauf verweisen, daß es sehr hilfreich ist die Röntgenbilder für die Befundung zu vergrößern, möglichst das Umgebungslicht auszublenden und sich Zeit zu nehmen um die Bilder aufmerksam zu betrachten.

Ich habe an Hand der unten eingestellten Folien versucht darzustellen, was man im Ausgangsröntgenbild bereits erkennen kann.
Wenn man die Kontur der Krone distal weiter nach apikal verfolgt, zeigt sich bereits die zweite bukkale (distale) Wurzelkontur.
Mit einigen Folien habe ich versucht den Strahlengang und die entstehenden Bilder in exzetentrischer Aufnahme zu verdeutlichen.

Im angefertigten DVT bestätigte sich dies. Allerdings zeigt das DVT auch noch weitere Überraschungen. Das dann beim nächsten mal.

 

 

Zum Heilig Abend 2019

Wie wird es weitergehen mit WURZELSPITZE im Jahr 2020 ?

Die wichtigste (und – dem heutigen Tage angemessen- selbstverständlich gute) Nachricht zuerst.

Wir werden WURZELSPITZE weiterführen.
Und zwar nicht nur – wie zunächst vorgesehen – bis zum 30.09.2020, sondern vielmehr das ganze Jahr 2020 hindurch.
Bis hin zu 31.12.2020.

Weil sich genügend Leute angemeldet haben.
Zumindest, um die Kosten zu decken für die Seite und die Begleitleistungen drumherum, die damit verbunden sind. Wir weiterhin davon ausgehen, dass die Leute, die sich bis dato eingeschrieben haben, auch für das Jahr 2020 sich einschreiben werden.
Und im Laufe des Jahres noch ein paar Leute hinzukommen.

Der Jahresbeitrag für 2020 beträgt für StudentInnen 24 Euro, für angestellte ZahnärztInnen 48 Euro, für ZahnärztInnen in eigener Praxis 96 Euro und für die WURZELSPITZE Plus-UnterstützerInnen 240 Euro. Die Überweisung (Bankdaten folgen nach Weihnachten) bitte bis spätestens 14.01.2020 auf das Konto einzahlen. Überweisungszweck- Teilnahmegebühr QZ Wurzelspitze 2020. Den vollständigen Namen nicht vergessen.

Sollte Jemand bis zum 14. Januar 2020 nicht überwiesen haben, gehen wir davon aus, dass kein weiteres Interesse besteht und wir nehmen die Person aus dem Verteiler.

Im Jahr 2020 wollen wir – zusätzlich zum Bekannten und Bewährten – versuchen, neue Wege zu gehen.
Das Blog soll interaktiver werden.
Wir wollen neue Formate ausprobieren.

Weitere Webinars sind angedacht und darüber hinaus Fragestunden, Fallbesprechungen, virtuelle Studiengruppen oder Ähnliches. Wie das Alles konkret aussehen und ablaufen wird, wissen wir selbst im Detail so genau noch nicht. „Neuland“ eben. Entdecke die Möglichkeiten. Immer vorausgesetzt, das ein entsprechendes Interesse beim Leser da ist. Das werden wir ausprobieren, setzen auf euer Feedback und werden im weiteren Verlauf entscheiden, inwieweit in die eine oder andere Richtung wir uns stärker engagieren wollen.

Sicher gesetzt ist auf jeden Fall schon einmal das angekündigte WURZELSPITZE-Event am 12. September.

Ein Vortrags-Tag.
Das Motto ?

Die Drei reden über…

Zugegeben, nicht unbedingt der eingängigste und naheliegendste Name für eine endodontische Fortbildung.

Dazu muss ich weiter ausholen.
Wer hat das diesjährige Tagungsprogramm der DGET gesehen?
Oder war im September in Wien bei der ESE?

Was von den dort dargebotenen Vorträgen hat mich angesprochen?
Bringt mich in meinem tagtäglichen Arbeiten weiter ?

Meine frustrane Antwort.
Wenig bis fast gar nichts.

Damit wir uns nicht falsch verstehen. Mit Sicherheit sind diese Programme und Kongresse interessant und wichtig für viele Kollegen, die sich der Endodontie zuwenden. Sie werden ganz viel lernen können. 

Aber wir anderen? Die diesen Lernprozess schon hinter sich haben.
Was wird es uns bringen?
Konkret???

Ein Vortrag im Jahr 2019 über die elektrische Längenmessung, der in dieser Form vom gleichen Referenten schon 2001 gehalten wurde und seitdem immer wieder auf den unterschiedlichsten Podien wiederholt wurde?
Brauchen wir das?
Wollen wir das?
Noch?

Vermutlich ebensowenig wie die 35. Vorstellung des 36. Ni-Ti-Systems, von dem selbst der Hersteller hinter vorgehaltener Hand zugibt, das das Schwierigste des gesamten Schaffungsprozesses es war, einen eingängigen Produktnamen zu finden, der noch nicht vergeben war.

Wie besser machen?

Nun – wir hätten gerne Details.
Möglichst viele.
Nicht nur den immer gleichen 45 Minuten langen groben Überblick, von dem auch noch 42 Minuten hinreichend bekannt sind.

Wie wäre es stattdessen mit –  Könner ihres Faches stellen ihre Behandlungssystematiken und Behandlungsstrategien vor ? 

Gab es schon.
Legendär. Cliff Ruddle.
Neue Gruppe. Ulm. Geschätzt 1997. Und dann noch mal 2001. 2002. 2007.
War immer toll. Aber auch schon über 20 Jahre her.

Jetzt also – „Die Drei reden über…

Ein neues, noch nicht dagewesenes Format. 

Wir gehen einen wichtigen Schritt weiter. 

Wir sind „Die Drei„.
Hans-Willi Herrmann. Christoph Kaaden. Jörg Schröder.

Tauschen uns seit 2001 intensiv miteinander aus.
Und haben dabei festgestellt – 5 Euro ins Architektur- Geschichte Phrasenschwein – „God is in the details.“ Oder die Tücke. Oder der über Erfolg und Mißerfolg, über Mediokrität oder Endodontic Excellence entscheidende Unterschied,  der im Detail zu finden ist.  

Und auf genau diese Unterschiede in den Details stösst man, falls über den allgemeinen, seit ewigen Zeiten nachgebeteten Grundkonsens –  wie man Endo machen sollte – hinausgehend nachgefragt wird.

Wenn es dann konkret wird.
Also – so richtig konkret wird.

Dann zeigt sich, im intimen persönlichen Erfahrungsaustausch, in der Fallbesprechung untereinander, dass selbst 3 ausgesuchte Spezialisten klinische Situationen ganz unterschiedlich angehen. Oft sogar erstaunlich unterschiedlich.  Teilweise konträr unterschiedlich. Die Gestaltung der Zugangskavität. Die initiale Erschliessung. Die Gleitpfaderstellung. Die Längenbestimmung. Die finale Aufbereitung.

3 mal ganz unterschiedlich.

Sogar, wenn wir die gleichen Instrumente benutzen sollten.
Was wir nicht tun.

Ist die Botschaft angekommen?

Bei „Die Drei reden über…“ schauen wir gewissermaßen mit dem Vergrößerungsglas, besser noch, platter aber natürlich- wo sonst, wenn nicht hier.- naheliegender Vergleich-  unter Operationsmikroskop- Kontrolle auf alle Feinheiten der Behandlung.
Starten am 12. September mit der Aufbereitung von A – Z.

Und fragen uns, gegenseitig, im Dialog und Kreuzverhör – stellvertretend für das Auditorium:

„Warum machst Du das ???
„Da wär ich nie draufgekommen. Weil, ich wäre das ganz anders angegangen.“
„Ach ja, wie denn, jetzt bin ich gespannt?!? Zeig her!“

Einen ganzen Tag lang, wohlgemerkt.
Nicht nur die alibimäßig eingeräumten „für eine Frage ist gerade noch Zeit“ 3 Minuten, die auf den großen Kongressen im Zeitplan dafür vorgesehen sind.

Und, lieber weihnachtlich gestimmter Leser ?
Wäre das was ?

Dann ruhig schon mal ein „Ich bin dabei am 12. September“ in die Kommentare schreiben. 

WURZELSPITZE Plus- Teilnehmer profitieren im Übrigen gleich auf zwei Arten bei „Die Drei reden über…„.

Zum einen garantieren wir allen WURZELSPITZE Plus-Teilnehmern einen Platz bis zum 30.03.2020. Unabhängig von der Zahl der Anmeldungen. 

Zum anderen verringert sich für WURZELSPITZE Plus- Teilnehmer  die Teilnahmegebühr um 60 Euro. Und zwar nicht als Early Bird – Rabatt,  sondern dauerhaft. 

In diesem Sinne – Frohe Weihnachten und ein tolles Jahr 2020 !

 

Mikroskop, Kamera und Fernsteuerung

von Oliver Schäfer

Ein häufig unterschätzter Vorteil des Mikroskopes ist die Möglichkeit dem Patienten das „Innere“ seines Zahnes zeigen zu können. Die Möglichkeit eine Wurzelbehandlung „live“ mitzuverfolgen und sich die kleinsten Details selbst anzuschauen, schätzen viele unserer Patienten sehr. Um es mit den Worten eines Patienten von heute zu sagen: „Schön mal zu sehen, was da eigentlich rumgewerkelt wird“.

Von einer Firma wie Zeiss sollte man erwarten, dass die in unserem OPMI pico eingebaute HD-Kamera in puncto Bildqualität dabei keine Wünsche offen lässt. Leider ist das Gegenteil der Fall. Zum einen ist das Sichtfeld im Okular des Behandlers größer als der Bildausschnitt der Kamera. Zum anderen ist die Tiefenschärfe derart unterschiedlich, dass das was via Varioskop „scharf“ gestellt ist, im Kamerabild leider verschwommen wirkt. Also Hände weg von der Einbaulösung und geschickt nachrüsten.

Einem Tipp von Georg Benjamin sei Dank, wechselten wir auf den CJ Kameraadapter mit einem Sony Alpha 6000 Body am Strahlenteiler des Okulars. Schärfe und Bildausschnitt passten sofort, ohne jegliche Einstellungen. Einige wenige Kameraeinstellungen später, waren auch Belichtung und Farbgebung sehr nah am Original. Danke an dieser Stelle an Herrn Ermerling von HanChaDent, der alle Einstellungen (auswendig!) übers Telefon durchsagen konnte.

SONY Alpha 6000 via CJ Adapter am ZEISS OPMI pico

Das vom Kamerabody kommende microHDMI Kabel konnten wir problemlos selbst durch den Arm des Mikroskopes verlegen, wobei lediglich 2 Blenden kurz abgenommen werden mussten. Die Firma TetherTools bietet mit CaseRelay eine verlängerbare Stromversorgung an, die ebenfalls durch den Arm bis zur nächsten verfügbaren Steckdose (bei uns unter der Decke) gezogen werden kann.

Die Kabelführung gelingt „innen“ im Mikroskoparm. Statt in die Zeiss Kamera, wird das Bild einfach via HDMI-HDMI Kupplung weitergeleitet

Um nicht eine weitere Fernbedienung zur Auslösung des Bodys im Sprechzimmer rumliegen zu haben, nutzen wir einen Adapter der Firma IRTrans. Diese kleine Kiste wird (wahlweise per USB oder Netzwerk) an den PC (oder in unserem Fall Mac) angeschlossen und kann im Stile einer Universalfernbedienung IR Codes lernen. Das schöne daran ist, dass sich so im Stile eines Smarthome Szenen programmieren lassen. Mit einem Klick können alle benötigten (Fernseh-)Monitore eingeschaltet, der richtige HDMI Eingang ausgewählt und nach Ende der Behandlung auch wieder ausgeschaltet werden. Ebenso konnten wir die Fernbedienung des Kamerabodys einlernen und können jetzt über den Rechner Schnappschüsse auslösen.

MAGEWELL Capture HDMI Plus: Eingang für HDMI-Signal vom Mikroskop auf der rechten Seite, Ausgang via USB3 auf der linken Seite im Bild. Zusätzlich ist eine Art HDMI Doppler verbaut, um das Eingangssignal bspw. zu einem Monitor durchschleifen zu können.

IR Trans Funksender zur Fernbedienung über den PC. Beide Kisten sind klein genug, um hinter der Möbelzeile zu verschwinden.

Der eigentliche Funksender ist so platziert, dass er die Monitor und die Kamera „sehen“ kann. In der Wand läuft das entsprechende Kabel zur IR-Trans Box unter die Hinterkopfzeile.


Um das HDMI-Signal der Kamera für eine weitere Verarbeitung im Rechner verfügbar zu machen, landeten wir nach einigen Misserfolgen beim Adapter von Magewell (Capture HDMI Plus). Diese unscheinbare Box „konvertiert“ HDMI zu USB 3 und unterstützt Auflösungen bis 4K. Das robuste Metallgehäuse ist klein und lässt sich in jeder Hinterkopfzeile verstecken. Weitere Treiber oder Software sind nicht nötig. Abstürze wie bei den Blackmagic Produkten sind bei uns noch nie vorgekommen. Für den Rechner scheint es schlicht als wäre eine zusätzliche Webcam angeschlossen. In Verbindung mit einem Mac und der Facetime App, wären so sogar Videokonferenzen/Webinars/Konsile mit Mikroskopbild denkbar.

Standbild aus dem HDMI-Stream links versus Standbild mit der Sony Kamera rechts


So kann Digitalisierung im Gesundheitswesen doch noch Spaß machen. Bitte nicht Jens Spahn verraten.

Es gibt viele Arten, auf eine Mahnung zu antworten. Das hier ist eine davon.

Sehr geehrte Herr Dr. Herrmann,
sehr geehrte Damen und Herren,

ich möchte Sie hiermit darüber informieren, dass ich soeben eine Zahlungserinnerung zu der Rech.-Nr. 20524 auf postalischem Weg von Ihnen erhalten habe.
Diese habe ich selbstverständlich umgehend beglichen.

Dennoch möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass mich niemals eine Rechnung (Datum der Rechnung: 16.07.2019) erreicht hat und ich eine telefonische Erinnerung einer schriftlichen Mahnung vorgezogen hätte. Genug Zeit wäre seit Juli gewesen!

Nichtsdestotrotz wünsche ich Ihnen und dem gesamten Team Frohe Weihnachten und ein zufriedenes Jahr 2020.

10 Jahres Recall nach RET Behandlung

Von Christoph Kaaden

Kürzlich liess mir eine meiner treuesten Zuweiserinnen das 10 Jahres Recall unserer allerersten regenerativen endodontischen Maßnahme zukommen.

Ursächlich für die damalige Pulpa-Nekrose war ein Dens invaginatus.

Seiner Zeit habe ich auf ein kollagenes Widerlager zur Stabilisierung des Blutkoagulums verzichtet.

Man sieht, dass dies keine gute Idee war, da der Blutpfropf alleine das Gewicht des MTAs nicht tragen konnte. Ungewollte sank der Plug  damals apikalwärts bis ins mittlere Wurzeldrittel.

Dem Wurzelwachstum hat dies nur bedingt „geschadet“.

Auch 10 Jahre nach Therapieabschluss zeigt sich ein erfreuliches Ergebnis.

Kurz berichtet – Apikale Aufhellung – ausgeheilt nach Obliteration

Hier ein jüngstes Recall zwölf Monate nach Therapieabschluss.

Das Ausgangsröntgenbild liess im Vorfeld stark obliterierte Kanalsysteme vermuten…

wie zumeist stellte sich die klinische Situation zwar knifflig aber lösbar dar.

nach zwei Terminen und einer Behandlunsgzeit von 2 1/2 Stunden sah das Ergebnis so aus:

Meine bevorzugten Instrumente für die Präparation sind in solchen Fällen:

RECIPROC blue 25

C-Pilot / R-Pilot

Gold Glider

Wave One Gold 20

Wave One Gold 25

Wave One Gold 35

 

Ein Jahr später sieht es nun so aus:

Und wieder wird es höchste Zeit für eine prothetische Versorgung des Zahnes..

Duplizität der Ereignisse – Apical Split

Am Montag stellte Jörg Schröder den Fall eines Oberkieferprämolaren mit tiefliegender apikaler Aufspaltung des Wurzelkanals in 2 getrennt voneinander verlaufende Kanäle vor.

Und einen Tag später stellt sich diese Patientin bei uns vor.
Vermutlich kommen solche exotischen Wurzelanatomien doch häufiger vor, als man denkt.

Ich werde berichten, wie sich der Zahn 15 im Rahmen der WF- Revision präsentieren wird.

Es ist zu sehen…

Der Patient wurde mit länger bestehenden Beschwerden zu uns überwiesen. Der Hauszahnarzt war ratlos.

Der Zahn 25 wurde bereits mehrfach revidiert. Der Patient gab allerdings immer wieder nach der Wurzelfüllung Beschwerden an. Diese äußern sich in einem Druckgefühl bis zum Sinus. Vor allem in der Nacht, wenn der Patient auf dieser Seite schläft. Trotz der Entfernung der WF an 25 kam es nach der letzten Behandlung zu keiner Besserung.

Der Zahn 24 wurde von einer Praxis mit endodontischem Schwerpunkt behandelt und ist seitdem beschwerdefrei.

Die Befunde: kein Perkussionsschmerz an den Zähnen 24, 25, kein Aufbisschmerz, kein Lockerungsgrad. Die Sondierungstiefen sind zirkulär 3-4mm.

Was vermuten Sie? Bitte nutzen Sie die Kommentarfunktion.

Rückblick 2019 Ausblick 2020

Seit 1. Oktober 2019 ist WURZELSPITZE wieder auf Sendung.

Wir freuen uns.
Über die Wiederaufnahme.
Weil wir nachwievor Freude daran haben, unser Wissen weiterzugeben.

Und haben festgestellt, dass uns das neue Format neue Möglichkeiten gibt.
Der private Rahmen – nur angemeldete und damit bekannte Leser, nur ZahnärztInnen, also ein interner Kreis mit obligat Fachkundigen – erlaubt eine freie Aussprache, wie sie in dieser Form prinzipbedingt vor unserer DSGVO – Zwangspause –  wir waren ein offenes Forum – nicht möglich war. Vor allem im Bezug auf Themen, die in der Regel nur unter guten Freunden hinter der sprichwörtlich vorgehaltenen Hand angesprochen werden. Beiträge wie „Der maligne Patient“ wären im frei zugänglichen Blog WURZELSPITZE nicht machbar gewesen. Genauso wenig konträr diskutierte standespolitische und berufspolitische Themen oder Kritik an den Machenschaften der Dentalindustrie. Ich erinnere nur an die Unterlassungsdrohung der Firma „Lege Artis“, weil wir es vor vielen Jahren gewagt hatten, im Zusammenhang mit einer Osteonekrose nach Toxavit-Einlage den Namen des Produktes zu nennen.

Von der Resonanz zu WURZELSPITZE 2.0 sind wir sehr angetan.
Uns war klar, das nur ein Bruchteil der Leser von früher uns weiter folgen würden. In dem Moment, wo es was kostet, trennt sich die Spreu vom Weizen. Das ist in unseren Praxen so, die Patienten betreffend, warum sollte das bei den Kollegen anders sein. Auch die Tatsache, dass es sich beim angesetzten Monatsbetrag um einen geringen, im Berufsalltag irrelevanten und darüberhinaus nach Berufszugehörigkeit/Finanzlage gesplitteten Betrag handelt, der aber scheinbar den Unterschied zwischen Lesenwollen und Nichtlesenwollen ausmacht, sagt viel aus.

Umso mehr haben wir uns über die KollegInnen gefreut, welche spontan und zeitnah sich der WURZELSPITZE-Neuauflage angeschlossen haben.
Oder sich sogar für die WURZELSPITZE Plus – Variante entschieden haben.
Uns damit das Zeichen gegeben haben, für das Jahr 2020 mit WURZELSPITZE weiterzumachen.

An dieser Stelle möchte ich schon einmal ankündigen, sich den 12.September 2020 vorzumerken. Das Datum steht fest für einen Vortrags-Tag, wie es ihn in dieser Form noch nicht gegeben hat bislang.

Am 24. werde ich hierzu mehr berichten, unser Beitrag zu Heilig Abend.
Und es gibt einen Bonus für die WURZELSPITZE Plus – Teilnehmer. Sie profitieren, sowohl was die Anmeldung, wie auch die Teilnahmegebühr angeht.

Darüber hinaus haben wir uns für 2020 entschlossen, über die Nutzung der Kommentar- Funktion hinaus, den Teilnehmern die Möglichkeit zu geben, über das demnächst in Funktion tretende WURZELSPITZE-Email-Forum auch untereinander in Dialog zu treten. 1999 habe ich ENDONEWS, das erste deutschsprachige Emailforum zum Thema „Endodontie“ ins Leben gerufen. In meiner Zeit als Moderator kam es über viele Jahre hinweg zu einem intensiven, offenen und produktiven Dialog, rückblickend das goldene Zeitalter des virtuellen endodontischen Internet- Qualitätszirkels. Diese Atmosphäre wollen wir wiederbeleben, dem Erfahrungsaustausch ein Medium geben, welches es leider in den letzten Jahren zusehends verloren hat.

Die strikte Beschränkung auf die Gemeinschaft der  WURZELSPITZE – Teilnehmer soll auch hier die Intimität und Verschwiegenheit der Gruppe gewährleisten und einen freundlichen respektvollen Umgang untereinander fördern.

 

 

Tückisches X-Bein

von Jörg Schröder

Prämolaren nehmen im Ranking vieler Kolleginnen und Kollegen im Allgemeinen keinen der vorderen Plätze ein, wenn es um die Frage nach besonders schwierigen Aufbereitungssituationen geht. Und das zu Unrecht, wie ich finde.

Kommt dann, wie im nachfolgend beschriebenen Behandlungsfall geschehen, noch ein Tappen in die „Offensichtlichtkeits-Falle“ hinzu, so kann sich die endodontische Behandlung eines Oberkiefer-Prämolaren zur überraschend herausfordernden Angelegenheit entwickeln. Und das trotz einer gewissen Erfahrung, der Nutzung eines Mikroskops und einer präoperativen 3D-Diagnostik.

Aber der Reihe nach.

Im Vorfeld einer geplanten prothetischen Neuversorgung der Zähne 14-16, wurde seitens der überweisenden Kollegin um die Revision der insuffizienten Wurzelfüllungen an diesen Zähnen gebeten.

Da sich der Kanalverlauf in den Zähnen 14 und 15 im 2D-Röntgenbild nicht erschloss und um die Ausdehnung möglicher apikaler Veränderungen beurteilen zu können, wurde präoperativ ein kleinvolumiges und hochauflösendes DVT erstellt.

Bei der Auswertung der DVT-Befunde beging ich eine kleine Nachlässigkeit. Zu sehr auf den nicht aufbereiteten MB2 an Zahn 16 und die massiven Stifte im 14 fixiert, schenkte ich der Beurteilung des axialen Schnittes im Apikalbereich des 15 zu wenig Beachtung.


Hinzu kam, dass ich bei der Betrachtung des koronalen Schnittes (auch Frontalansicht genannt) zwar das Aufeinanderzufluchten von bukkalem und palatinalem Kanalsystem wahrgenommen hatte, nicht aber den weiteren Verlauf des bukkalen Kanals nach palatinal für wichtig erachtete. Das sollte mich in der Behandlungssitzung noch einholen.

Nach Anlegen der Zugangskavität, ich ging zu diesem Zeitpunkt von im mittleren Wurzeldrittel konfluierenden Kanalsystemen aus, wurde zunächst der massive Wurzelstift aus P entfernt. Bei den Obturationsmassen handelte es sich ganz offensichtlich um „Russian Red“, welches jedoch glücklicherweise nicht vollständig ausgehärtet war. Somit konnte ich dieses mittels rotierender Instrumente  – ich nutze dazu die 20/06 ProFile – bis zum Endpunkt der ehemaligen Aufbereitung im mittleren Wurzeldrittel entfernen. Dabei achte ich darauf, ohne Druck zu arbeiten, um eine vorhanden Stufe nicht zu verstärken. Geht man ganz auf Nummer sicher, so geht man zunächst nur bis 0,5 mm vor Ende der alten Wurzelfüllung. Am DVT kann diese Strecke recht genau bestimmt werden.

Das Scouten mit einem Reamer ISO 008 führte zu keinem Ergebnis, sodass ich dann begann den bukkalen Kanal mit der bewährten Abfolge von ProFile-Instrumenten (15/04, 20/04, 15/06) zu instrumentieren. Nach einigen „Runden“ gelang es den Kanal bis zum endometrisch verifizierten Endpunkt zu erweitern. In Erwartung konfluierender Kanäle wurde daraufhin der palatinale Kanal in gleicher Weise aufbereitet. Trotz des stark obliterierten Kanals gelang dies mit der oben beschrieben Instrumentenfolge problemlos. Gefragt waren nur Geduld und das regelmässige Verwerfen der eingesetzten rotierenden Instrumente.

Der (leider etwas bewegungsunscharfen) Messaufnahme mit auf Arbeitslänge eingebrachten Instrumenten wäre bereits die tatsächliche Kanalkonfiguartion zu entnehmen gewesen.

Wahlweise hätte ich auch noch einmal den achsialen Schnitt des DVT ausführlich betrachten können. Beides habe ich zu diesem Zeitpunkt nicht gemacht bzw. realisiert. Erst das nach Abschluss der vollständigen Aufbereitung mit den Masterpoints erstellte Einzelbild weckte mich aus meinem gedanklichen Dämmerschlaf auf.

Obwohl die vor jeder Einprobe erfolgte endometrische Überprüfung der Arbeitslänge jedes der beiden Instrumente auf Arbeitslänge gelangen ließ, war der bukkale Masterpoint deutlich zu kurz eingebracht worden. Da klarte mein Verstand so langsam wieder auf.

Offensichtlich war mir entgangen, dass es sich hier um eine perfekte X-Bein-Konfiguration handelte. Die ursprüngliche Aufbereitung bei der Erstbehandlung war an der Gabelung/Kreuzung stehen geblieben. Durch das Verlegen der sekundären Zugangakavität nach bukkal für den bukkalen Kanaleingang und nach palatinal für den palatinalen Kanal, war es mir unbemerkt gelungen die beiden Kanäle bis zum Foramen zu erschliessen. Der Austausch der Spülflüssigkeit zwischen B und P war für mich die Bestätigung der von mir als sicher angenommenen Konfluation. Und bei der Auswertung der Messaufnahme beschäftigte ich mich mehr mit der Bewegungsunschärfe als mit dem deutlich zu erkennenden X-Bein.

Wie sollte es gelingen, beide Kanalsysteme zu füllen? Kurz nachgedacht und dann gehandelt. Die B und P trennende Dentinbrücke wurde mittels Ultraschallfeile der ISO-Größe 20 entfernt. Und schon konnte ich den Kreuzungsbereich visualisieren.

Und wieder zeigte sich der Prämolar störrisch. Es gelang trotz wiederholtem Probieren nicht, beide Guttaperchastangen zeitgleich bis auf Arbeitslänge zu bringen, da sie sich im mittleren Wurzeldrittel gegenseitig blockierten.

Daraufhin habe ich die Strecke vom Kreuzungsbereich bis zum apikalen Endpunkt des palatinalen Kanals abgemessen und den einzeln bis auf Arbeitslänge eingebrachten palatinalen Guttapoint so gekürzt, dass ich die letzten 4 mm Guttapecha unter dem Mikroskop auf einen Microopener der Dimension 10/04 aufspiessen konnte. Den mit BC Sealer bestrichenen Guttapercha“korken“ konnte ich nunmehr kontrolliert in P einbringen. Und anschliessend den bukkalen Masterpoint in seinem Kanal.

 

Ein erfreulicher Behandlungsgausgang. Aber auch ein  Lehrstück, mich in Zukunft nicht von vermeintlichen Einschätzungen (v-förmiger Verlauf, konfluierende Kanäle) leiten zu lassen, sondern die zur Verfügung stehende Bildgebung genauestens zu studieren.

 

 

 

 

Freitag Abend „Youtube Music“ Episode 10

Es war in den Schlagzeilen, füllte sogar die Feuilletons der renommierten Tageszeitungen.
Diese Woche ist Marie Fredriksson, die Sängerin des schwedischen Pop Duos Roxette verstorben.

Eine Band der 80er.
Nicht meine musikalische Welt.
Auch wenn die 80er ja einen großen Teil meiner musikalischen Prägung bestimmten. Welche auf 4 Säulen sich stützt: Elektronische Musik. Schwarze Musik (Funk, Soul). Jazz und Klassik.

Und daher die zweite Todesnachricht der Woche schon eher meine Kreise berührt, auch wenn ich mit dem Namen Bodo Staiger nichts anfangen konnte.
Dafür umso mehr mit dem Lied „Dreiklangsdimensionen“ der Gruppe Rheingold.
Beides der „Neuen Deutschen Welle“ zugeordnet, was dem Lied in seiner Qualität und Ernsthaftigkeit nicht gerecht wird.

Über die Neue Deutsche Welle wird sicherlich später einmal an dieser Stelle gesprochen werden, heute wollen wir uns den späten Siebzigern und frühen Achtzigern und vorrangig Musik aus England zuwenden. Von dort kamen nämlich die musikalischen und modischen Inputs, die meine Jugend, genauer gesagt meine späten Teenie-Zeiten bis in die Mitzwanziger Jahre hinein, prägten.

Beginnen wir also unseren Freitag Abend Musikreigen mit einem Lied, das für mich persönlich die 80er Jahre wie kaum ein anderes repräsentierend in der Erinnerung heraufbeschwört.

West End Girls.
Pet Shop Boys.

Und so ziemlich auch das einzige Lied, das in der Provinzdisco gefeiert wurde, konkret im „Las Palmas“ in Meisenheim, bevor es überhaupt seinen globalen Siegeszug antrat. Es gab nämlich eine 1984 schon veröffentlichte Ur-Version. Von Producerlegende Bobby Orlando produziert. Und die wurde mit „Burn Burn Burn“ Rufen vom Nahe- und Glanregion Red Neck-Auditorium gefeiert.

So provinziell war das „Las Palmas“ im Übrigen gar nicht mal, immerhin ein ziemlich großer Schuppen. Mit respektabler Lasershow, die ihren Vergleich mit der Disco aller Discotheken (das New Yorker Studio 54 mal aussen vorgelassen), dem Dorian Gray am Frankfurter Flughafen nicht scheuen brauchte. Mein erster Besuch dort wird mir für immer unvergessen bleiben. Die Autobahn – des Hörensagens nach zu dieser Zeit die einzige vierspurige in Deutschland – ohne Verkehr. Wir liefen kurz vor Mitternacht ein, einen unendlich langen verwaisten Korridor im Untergeschoss hinunter, der Flughafen menschenleer. Beides heute unvorstellbar.

Die spannende Frage, würde uns der Türsteher durchlassen.
Im Innern erstklassiger Sound aus JBL-Lautsprechern.
Die vermeintlich ganz Coolen lehnten in den mannshohen Basshörnern und erkauften sich ihren Status mit semipermanentem Tinnitus.
Und dann die Musik.

Being Boiled.
Von „The Human League“.
Die später mit Don´t you want me“ ihren Druchbruch feierten.

Vergleicht man die beiden Lieder miteinander und zieht ergänzend noch das spätere „Fascination“ hinzu, fällt die eklatante Andersartigkeit des Erstlingswerks auf. Nicht verwunderlich allerdings, wenn man weiss, das der Sänger Philip Oakey nur schmückendes Beiwerk, die wahre musikalische Kraft bei The Human Legaue aber Martyn Ware und Ian Craig Marsh waren. Die gründeten kurze Zeit später die Gruppe „Heaven 17“. Deren erste LP „Penthouse and Pavements“ mit (We don´t need this) Fascist Groove Thing noch zu rauh und unpoliert war, um mehr als einen Achtungserfolg zu erzielen. BTW History Repeated, man besingt darin die unverständliche Wiederwahl von Ronald Reagan, dem nicht ernstzunehmenden Hollywood- Schauspieler, der Präsident wurde. Später sollte Martyn Ware sich mit der Produktion des Tina Turner Comeback- Albums „Private Dancer“ seinen Platz im Pop – Mainstream sichern, als Heaven 17 blieben sie trotz Chart-Platzierungen im Mittelfeld und Anerkennung der Musikkritiker nur eine Interlektuellen-Minderheiten-Band. Aber immerhin. Being boiled war von der Kritik noch abgekanzelt worden: „Absichtlich mühsam, teuflisch aufreibend, sind sie so schön wie graue Zementplatten sein können, und in etwa genauso bunt“.

Düster und für Viele mindestens genauso verschreckend neuartig wie Being Boiled war Anne Clark. „Sleeper in Metropolis“ und „Our Darkness“ sind Pop- Musik Leuchttürme. Und der synthesizerunterlegte Sprechgesang war zur damaligen Zeit einzigartig. Und ist es in dieser dezidierten Form bis heute geblieben.

Aber Tanzen konnte man auf die Musik.
Da war wenige Jahre zuvor noch ganz anders.

Wenn Kraftwerk heute als die Erfinder oder Vorreiter des Techno ausgerufen werden, dann ist dies lediglich der Beweis für eine seltsame Verklärung der Realität durch die Zeit.

Kraftwerk, das war vollkommen verkopfte Musik, zum Tanzen vollkommen ungeeignet.
Die in Düsseldorf beheimatete Band – von ihrem Selbstverständis her und in ihrem Auftritt auf und neben der Bühne eher Kunstschaffende. Auch wenn der Bezug seinerzeit nie hergestellt wurde, vom artistischen Kontext her waren das Projekt mehr im Dunstkreis der Düsseldorfer Kunstavangarde um Joseph Beuys und Sigmar Polke anzusiedeln als in der ZDF-Hitparade.

Späte Rehabilitierung.
Bei einem vor ein paar Jahren aus sentimentalen Gründen besuchten Konzert von Kraftwerk im Karlsruher ZMK (man tritt gerne in renommierten Museen auf, sic!) lieferte die Band eine großartige Show. Ihr Repertoire behutsam an den musikalischen Zeitgeist angepasst, sich zeitgemäß und gerade dadurch zeitlos präsentierend, in einer Qualität und Wertigkeit, wie es die Originale nie vermitteln konnten. Ausdrücklich ausgenommen. Autobahn. Von Beginn an ein Meisterwerk, welches noch heute in seiner unveränderten Urform den „test of time“ besteht.

Zurück zu den Briten.
Die es früh schon verstanden, Härte, aber auch Tanzbarkeit in die elektronische Musik zu bringen. Stück für Stück hielten zudem Ästhetik und ausgefeilte Storylines in die Musikvideos Einzug. Gab es von den Liedern der späten Siebzigern keine Videos oder lediglich mitgefilmte Live- Auftritte, so hatte sich dies wenige Jahre später, M TV sei Dank, grundsätzlich gewandelt. Die hier benannten Gruppen – über „Human League“ und ihr durchgestyltes „Fascination“ wurde schon gesprochen – sind allesamt hierfür hervorragende Beispiele.

Die Pet Shop Boys drehten mit Bruce Weber, dem berühmten Fashion Fotografen ihr „Being Boring“ Video. Nachdem sie dessen Jazz- Doku über den Trompeter Chet Baker gesehen hatten und – mir ging es genauso – von der cineastischen Ästhetik begeistert waren. Wer auch nur die ersten Minuten der Doku sich anschaut, der weiss, warum Neil Tennant und Chris Lowe so angetan waren. „Let´s get Lost“ ein Film, der immerhin mit eine Oscar Nominierung bedacht wurde. Und – kleine Anekdote am Rande – mit dessen Director of Photography, Jeff Preiss, ich zufällig und zunächst unwissend der Identität seiner bei einer meiner Fototouren in New York bei einem Spaziergang den Hudson River entlang, mit ihm über die architektonische Qualität der Belüftungstürme des Holland Tunnel fachsimpelnd, ins Gespräch kam.

Und dann sind da noch „New Order“.
Die mit Sicherheit bei den Jungen eine Renaissance erleben werden. Prägt doch ihr „Blue Monday“ den Trailer des kommenden „Wonder Woman“- Hollywood- Blockbuster.

Im Video von 1983 noch zu offensichtlich schlecht gefaktem und asynchronen Play Back und mit Keyboarder im Bundeswehr-Hemd, ein in England in den Achtzigern immer mal wiederkehrendes provokantes Mode-Accessoire.

Im drastischen Gegensatz dazu 1987 „True Faith“ im durchchoreografierten stylischen und später preisgekrönten Pop Video. Produziert von einem Hollywood Regisseur. Bis heute ein Meilenstein der Musik- Video Historie.

Und – last, but not least – wir sind ja musikalisch in Great Britain, da passt diese Phrase wie die sprichwörtliche Faust auf s Auge.

The KLF.

Ein Künstler- Duo. Bill Drummond und Jim Cauty.
Die in die Öffentlichkeit traten mit dem Vorsatz, die Musikindustrie vorzuführen. Als musikalische Dilletanten einen Nr. 1 – Hit zu platzieren. Und in ihrem Buch „The Manual (How to Have a Number One – The Easy Way) detailliert ihre Vorgehensweisen beschrieben, wie man aus einer Handvoll Samples einen Nummer-eins-Hit konstruiert. Mit diesem Buch enttarnten Cauty und Drummond, Letzterer eine Zeitlang Manager bei einer Plattenfirma, klug und sarkastisch die Mechanismen des Musikgeschäfts.1992 gewannen die Beiden einen BRIT Award und absolvierten bei der Preisverleihung ihren letzten gemeinsamen Auftritt, der bis heute Kultstatus genießt: The KLF taten sich zum Auftritt mit der Black Metal Band Extreme Noise Terror zusammen, schossen mit Maschinenpistolen Platzpatronen in die Zuschauermenge und verließen nach einer zweieinhalbminütigen Grindcoreversion ihres Hits 3 A. M. Eternal und der abschließenden Durchsage „The KLF has now left the music business“ die Bühne. Die Verantwortlichen der BBC hatten gerade noch verhindern können, dass die Band Blut aus Eimern über das Publikum schüttete. Dafür hinterließ die Band bei der Aftershow Party allerdings einen Schafskadaver, der einen Zettel mit der Aufschrift „I died for you. Bon appetit“ trug.

Damit nicht genug. Einige Zeit später verbrannten die Beiden in einem videodokumentierten Happening 1 Million Pfund, nachdem sei zuvor den aufgeschichteten Banknoten- Stapel als Kunstwerk einem renommierten Britischen Museum zum halben Preis des Geldwertes angeboten hatten, ein Ankauf aber vom Museum abgelehnt wurde.

Dann tauchte The KLF vollkommen ab, um, wie zuvor angekündigt, nach exakt 23 Jahren wieder für einen Abend aufzutauchen. Alles in Allem, wir leben in einer Zeit des Kunstbetriebs, in der eine von einem Aktionskünstler mit Panzer Tape an die Wand geklebte Banane für 120.000 Dollar als Kunstwerk gehandelt und von einem anderen Aktionskünstler spontan gegessen wird, was den Wert der Installation dann noch erhöhen soll. Alles Dinge, die The KLF vor 30 Jahren schon vorhergesehen und gebrandmarkt haben. Und dann noch herausragende, auf Samples basierende Musik geschaffen haben. In künstlerisch anspruchsvolle, mit Ironie und Selbstironie gespickte Videos verpackt. Die Lieder ein Knüller. Man vergleiche mit Nr. 1- Hits von heute !

Überhaupt war die britische Musikszene damals gespickt mit noch einer Reihe mehr hochkarätiger Acts, sowohl auf der Musiker wie auf der Producer- Seite. Weiter geht es damit demnächst im 2. Teil.

„50 nicht von der Hand zu weisende, ausgesucht gute Gründe, sich auf Endodontie zu spezialisieren“ – Episode 9: „ELEKTIONSVORTEIL!“

Nein. Kein Schreibfehler.
Und wir sind auch nicht beim Glücksrad.
Niemand muss ein „S“ kaufen.

Also wirklich Elektionsvorteil.

Denn der Patient, der zu uns kommt, ganz gleich, ob auf eigene Veranlassung oder durch Überweisung, tut dies freiwillig.

Erwartet, wünscht einen Behandlungsoption.
Eine Alternative.

Die wir ihm anbieten.

Und dabei – und das ist jetzt ein ganz wichtiger Punkt – unser freundliches Angebot präsentieren, die Behandlung betreffend.

Welches wir, unserem Aufwand gemäß – im Rahmen der juristischen Vorgaben der Gebührenordnung – frei kalkulieren.

Und damit losgelöst von den Sachzwängen, die uns im Sinne unserer Verpflichtung als Kassenzahnarzt auferlegt wurden.
Kennen wir doch alle – Die Behandlung muss ausreichend, zweckmäßig, wirtschaftlich sein.

Wobei das Wirtschaftlichkeitsgebot nur für den finanziellen Rahmen gilt, den die Krankenkassen vorgeben. Nicht für den wie auch immer gearteten Aufwand, den wir betreiben müssen, um ein medizinisch adäquates, auf der Höhe der Zeit sich befindliches Ergebnis zu zielen.

„Wir zahlen Alles“, diesen Satz der Krankenkassen haben wir doch allzuoft gehört, ebenso wie die unverhohlen entgegengeschleuderte Drohung, diesmal von Krankenkasse und Zahnärztekammer unisono: „Als Kassenzahnarzt sind sie verpflichtet, dem Patienten eine kostenlose Kassen-Endo anzubieten.

2024 werde ich 34 Jahre nun schon als Zahnarzt behandelnd tätig sein.
Eine für mich surreale Situation.
Ich kann nicht glauben, dass dem so sein soll. Ich bin nun schon länger fertiger Zahnarzt als mein gesamtes Leben zuvor.

Und viele viele Jahre lang, mindestens 23 Jahre, genau genommen sogar 27 Jahre lang, habe ich mit dieser Last des „Machen Müssen“, des „Die Rahmenbedingungen fremdbestimmt vorgegeben Bekommen“ gelebt.
Gelitten.

All diese Einschränkungen.
Diese abstrusen Winkelzüge, die unternommen wurden, um ein krankes, längst bis in die kleinsten Bereiche hinein korruptes, pervertiertes System am Leben zu halten. Ihm nach aussen hin den Anschein des Korrekten, Bestmöglichen und Einwandfrei Funktionierenden zu geben. Gemäß der alten Maxime Christian Morgensterns „Nicht sein kann, was nicht sein darf“

 

Kleiner Exkurs ins Lterarische, soviel Zeit muss sein

 

Die unmögliche Tatsache


Palmström, etwas schon an Jahren,
wird an einer Straßenbeuge
und von einem Kraftfahrzeuge
überfahren.

»Wie war« (spricht er, sich erhebend
und entschlossen weiterlebend)
»möglich, wie dies Unglück, ja –:
daß es überhaupt geschah?

Ist die Staatskunst anzuklagen
in bezug auf Kraftfahrwagen?
Gab die Polizeivorschrift
hier dem Fahrer freie Trift?

Oder war vielmehr verboten,
hier Lebendige zu Toten
umzuwandeln, – kurz und schlicht:
Durfte hier der Kutscher nicht –?«

Eingehüllt in feuchte Tücher,
prüft er die Gesetzesbücher
und ist alsobald im klaren:
Wagen durften dort nicht fahren!

Und er kommt zu dem Ergebnis:
»Nur ein Traum war das Erlebnis.
Weil«, so schließt er messerscharf,
»nicht sein kann, was nicht sein darf.«

So werden Tag für Tag neue Winkel- und Klimmzüge unternommen, oder sagen wir besser, uns verordnet, die in vielen Fällen dem ärztlichen Denken und Handeln vollkommen konträr gegenüberstehen. Nur ein Beispiel von vielen, wir könnten stundenlang ähnliche Situationen aneinanderreihen: Der im 3. Quadrant alleinig fehlende Zahn 35 bedingt, dass für eine notwendige Wurzelkanalbehandlung des Zahnes 36 der gesetzlich versicherte Patient keine Kostenerstattung der enddontischen Kassenleistungen erfährt. Kassenleistung sei, so heißt es, die Extraktion des Zahnes. Aus medizinischer Sicht ist der Zahn 36 unbedingt erhaltungswürdig, er ist auch ohne Zweifel sogar unproblematisch erhaltungsfähig, dennoch verweigert die gesetzliche Krankenversicherung die Kostenübernahme. Der Kollege, der die Behandlung dennoch durchführt, wird in Regress genommen, ungeachtet des positiven Behandlungserfolges im Übrigen ( und zukünftig Dank der hochgelobten aber bislang katastrophal gescjheiterten TI, vollautomatisch und zeitnah, man erinnere sich zu gegebener Zeit an meine Worte).

Zurück zum Thema.
In früheren Jahren kam es immer wieder vor, das die von mir vorgesehene Behandlung grundsätzlich in Frage gestellt und die Rechtmäßigkeit der Behandlung an sich und/oder damit verbundener Kosten (ob richtig oder nicht) negiert wurde.

„Der darf das nicht“.
Sagen KZV und Krankenkassen.

UND GENAU DAS geht nicht mehr.
Habe ich nicht mehr.

Der Patient kommt.
Ich untersuche.

Nenne die durchzuführende Behandlung.
Und die damit in Zusammenhang stehenden Kosten.
Aufwandgerecht kalkuliert.

Und dann warte ich.
Auf die Antwort des Patienten.
Der – so ist das richtige Leben – sich gegen unseren Therapieplan entscheidet.
Oder seine Zustimmung gibt.

Dann jedoch zu genau den Rahmenbedingungen, die ICH vorgebe.
Und nicht die Krankenkassen oder die KZV.

Heißt – ich behandle, was ich behandeln möchte, zu den Konditionen, die ich frei bestimme.

Und es geht mir gut dabei.
Das wir uns richtig verstehen. Gut hat mit Geld nix zu tun. Gut heisst „gutes Gefühl“. Freude. Spass. Uneingeschränkt. jeden Tag erneut.

Wann hatten sie dies das letze Mal ? Hinter der Tür von Behandlungszimmer 1 ?

Ehrlich jetzt. Nur Mut. Trauen Sie sich. Ab in die Kommentare mit ihrem Frust.
Immer dran denken. Mir ging´s 27 Jahre doch genauso.
Also mit Sicherheit viel viel länger als Ihnen.

Darum schreib ich hier.
Machen sie nicht den gleichen Fehler, den ich viel zu lang gemacht habe.
In dem Zusammenhang – Was antworten Sie eigentlich auf die alles entscheidende Frage?
Die Frage nach der kostenlosen Kassenendo ?

 Über die klassischen Fehler, die in diesem Zusammenhang gemacht werden und die bestmögliche Antwort spreche ich in der nächsten Episode unter dem Titel „CATCH 22“.

 

Fast 15 Jahre im Recall – Z.n. WSR (5)

Die Patientin stellte sich 2006 bei uns vor. Es sollte der Zahn 12 erneut reseziert werden, weil eine „Zyste“ wieder gekommen ist.

Ein Bekannter empfahl ihr bei uns dies noch einmal abklären zu lassen.
Damals waren wir mit den Prognosen sehr zurückhaltend. Trotzdem entschied sie sich zur Behandlung. Apikal haben wir MTA Grau verwendet und zuvor ein kollagenes Widerlager eingebracht.

Hier nun kurz und knapp die Historie.

 

Kurz berichtet – Apikale Aufhellung – ausgeheilt nach Fistel

Von Christoph Kaaden

Gut 1,5 Jahre ist der Therapie-Abschluss der Zähne 25 (Revision) und 26 (Initialbehandlung) her

So stellte sich die Ausgangssituation dar:

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Nach insgesamt drei Behandlungsterminen (a 1,5h-1h-1,5h) stellte sich die Situation so dar:

Und so im heutigen Recall.

Es wird Zeit, dass sich von prothetischer Seite etwas tut…

Schöne neue Welt (2) Heute beim Hausarzt

Die Patientin, Anfang 50, Krankenschwester berichtet. Sie war heute beim Hausarzt. Nachuntersuchung nach Infektion Gürtelrose, im Krankenhaus diagnostiziert. Jetzt soll der weitere Verlauf beim Hausarzt nachkontrolliert werden. Man sitzt sich gegenüber. Der Hausarzt schaut in seinen PC. Sagen sie mal, sie haben ja noch an keinen Reha-Massnahmen teilgenommen? Und waren auch noch nie zur Kur. Das ist bei ihrem Beruf aber ungewöhnlich. Woher er das weiss? Er ist an die TI angeschlossen. Und kann alle Daten einsehen. Die Patientin ist entsetzt. Wenn der Hausarzt (und alle seine Mitarbeiter, Mitarbeiter der Krankenkassen oder des Krankenhauses) dies alles lesen kann, wie lange wird es dauern, bis sensible Informationen die Runde machen? Das war in der Vergangenheit ja schon so (Dschungelfunk im Haus), aber bekommt nun eine neue Dimension. Ganz glücklich ist der Hausarzt mit der TI aber auch nicht. Immer wieder Abstürze und die KV streicht unerbittlich Leistungen, die nicht korrekt über die TI + Karte abgerechnet wurden. Keine Diskussionen möglich, den Hinweis auf das zu dieser Zeit nicht funktionierende TI-System lässt man nicht gelten.

Schöne neue Welt (1) ApoBank und DIE ZA eröffnen erste „Zahnarztpraxis der Zukunft“

Schöne neue Welt

Die erste ZPdZ dient auch als Showroom (Foto: ZPdZ)

Im Oktober 2019 wurde in Düsseldorf die erste „Zahnarztpraxis der Zukunft“ (ZPdZ), ein Gemeinschaftprojekt der Deutschen Apotheker- und Ärztebank eG (apoBank) und der ZA – Zahnärztliche Abrechnungsgenossenschaft (DIE ZA), eröffnet. Unter dem Namen ZAP*8 – Zahnarztpraxis am Seestern behandeln hier zukünftig vier Zahnärztinnen in Voll- und Teilzeit in Form einer Berufsausübungsgemeinschaft (BAG) ihre Patienten. Am 8. November 2019 lud die ZPdZ zur Eröffnung und Führung durch die Praxis. Rund 120 Vertreter aus Standesorganisationen, Politik, Dental-Branche und Presse folgten der Einladung in die Praxisräumlichkeiten im Düsseldorfer Stadtteil Lörick.

Dr. Wolfgang Eßer, Vorsitzender des Vorstands der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV), eröffnete die Feierlichkeiten mit einem Grußwort: „Die ZPdZ ist ein zukunftsweisender Ansatz. Mit dem Konzept der Mietpraxis auf Zeit bietet sie jungen Zahnärztinnen und Zahnärzten die Möglichkeit, einen Weg in die Niederlassung zu gehen, ohne sofort unternehmerische Risiken schultern zu müssen. Begleitet von Profis, die neben zahnärztlichem Know-how innovative digitale Kommunikations-, Verwaltungs- und Behandlungslösungen zur Verfügung stellen, werden sie schnell die Chancen der Selbständigkeit in einer freiberuflichen Zahnarztpraxis schätzen lernen.“

Im Dezember 2018 haben apoBank und DIE ZA gemeinsam die Zahnpraxis der Zukunft GmbH gegründet, um ein neues Praxismodell zu entwickeln. Beide Unternehmen sind zu 50 Prozent an der Tochtergesellschaft beteiligt. Das Ziel des Gemeinschaftsunternehmens ist es, innovative und moderne Standards der zahnmedizinischen Berufsausübung zu entwickeln und so die Freiberuflichkeit in der Zahnmedizin zu stärken. Das Konzept der ZPdZ bietet niederlassungswilligen Zahnärzten die Möglichkeit, vollausgestattete Praxisräume zu mieten und somit das finanzielle Investment zu Beginn einer Praxisgründung in Grenzen zu halten. Die Zahnärzte werden dabei in allen Gründungsfragen auf ihrem Weg in die eigene Praxis begleitet und erhalten regelmäßige Coachings sowie Teambuilding- und Beratungsmaßnahmen. Die Auslagerung administrativer Serviceleistungen und volldigitalisierter Praxisprozesse sollen es den Zahnärzten und dem Praxis-Team ermöglichen sich auch die eigentliche zahnärztliche Tätigkeit zu konzentrieren.

Die erste Zahnpraxis der Zukunft soll zudem Erkenntnisse aus dem Realbetrieb liefern, um das Praxismodell der ZPdZ stetig weiterzuentwickeln. Darüber hinaus wurde die Praxis in Düsseldorf auch als Showroom konzipiert. Interessierten Zahnmedizinern soll diese Umgebung fortan im Rahmen von Hospitationen und Seminaren zugänglich gemacht werden. Parallel prüfen die Initiatoren, inwieweit Bedarfe und Möglichkeiten bestehen, ZPdZ-Praxen oder Teile des Konzeptes vor allem in ländlichen Regionen in die Versorgung zu implementieren. Vor diesem Hintergrund sei momentan ein zweiter Standort in einer kleineren Gemeinde in Niedersachen in der Konzeption. Die Planung erfolge unter Einbeziehung möglicher Kooperationspartner.

Metalift (2)

Der Patient stellte sich mit einer irreversiblen akuten Pulpitis vor. Die Teilkrone wurde vor  6 Wochen eingegliedert.
Nach der Diagnostik und Beratung des Patienten haben wir uns auf Grund der intakten prothetischen Versorgung entschieden diese möglichst zu erhalten.

Die Befunde am Zahn 36:  keine pathologischen Sondierungstiefen, Lockerungsgrad 0, kein Perkussions- und jedoch Aufbißschmerz und akute anhaltende Schmerzen nach warmen und kalten Speisen, bzw. Getränken.
Diagnose: irreversible Pulpitis, verbreiterter Desmodontalspalt.

Mit einem Hartmetallfräser haben wir eine initiale ca. 1 mm große Bohrung zentral durch die Teilkrone durchgeführt. Die Sondierung ergab eine „hartes“ Widerlager.
Im Anschluß haben wir mittels der Hartmetallfräser aus dem Metaliftsystem diese Bohrung auf 1,4 mm erweitert und danach mit dem Regularmetalift das Gewinde in die Restauration geschnitten. Nach dem Widerstand auf dem Zahn wird beim weiterdrehen die Restauration aus der Präparation gedrückt.

Anschließend erfolgte die Wurzelkanalbehandlung. In diesem Fall haben wir bei vitaler Pulpa in Singlevisit die Behandlung durchgeführt. Die thermische Obturation nach Schilder erfolgte nach abschließender Desinfektion mit Schall und Ultraschall. Als Spüllösungen wurden NaoCl 3% und Zitronensäure 10% eingesetzt.

Die apikale Sealerextrusion in ein Gefäß war nicht gewollt, zeigt uns dafür die nicht instrumentierten Bereiche einer apikalen Verzweigung.
Der Patient ist seitdem schmerz- und symptomfrei.

Die okklusale Perforation der Teilkrone konnte problemlos im Labor repariert werden.

Fall zum Wochenende – reden wir Tacheles …

Vielen Dank für die Kommentare zum Thema.

Ich möchte als Einstieg in den heutigen Beitrag einen Kommentar herausheben:

Abend! Ich versuche immer den Patienten in so einer Situation sozusagen in die Position des Patienten VORHER zu dirigieren:“ Tut mir leid das ich bei dem Patienten gerade eben mehr Zeit benötigt habe als ursprünglich eingeplant weil noch ein akuter Schmerzpatient versorgt werden musste, aber ich nehme mir für jeden Patienten die Zeit die benötigt wird um die Arbeit optimal auszuführen, und breche nicht mittendrin ab nur um einen weiteren Patienten zu sehen, das verstehen Sie doch sicher. Sie wollen doch sicher auch das ich mir für Sie die selbe Zeit und Sorgfalt nehme, oder? Danke für Ihr Verständnis, dann wollen wir jetzt mal loslegen!“

So mach ich das. Wenn der Patient dann noch schlecht drauf ist biete ich neuen Termin an…

Wie läuft das bei euch?

Bei uns oder besser bei mir ist es so, dass jede Wartezeit des Patienten mir körperliche Schmerzen verursacht. Ich spüre gewissermassen mein Magengeschwür wachsen, wenn dem nicht so sein sollte. Ein Kollege erzählte mir einmal (und ich glaube ihm), dass ihm ganz egal sei, wie lange die Patienten warten müssen, auch wenn es Stunden sind. Ich bewundere das, denn es macht das Arbeiten soviel leichter, aber ich kann das nicht. Ich möchte, dass die Patienten punktgenau behandelt werden und wir tun ganz ganz viel, damit es auch genau so ist. Ein pünktlicher Behandungsbeginn, auf die Minute genau, ist also kein blosses Lippenbekenntnis, sondern in jedem einzelnen Falle Ziel unserer Planungsbemühungen.

Im vorliegenden Fall kann ich nicht einmal sagen, woran es lag, dass besagte Patientin 30 Minuten warten musste. War es eine plötzlich sich auftuende Komplikation in der Behandlung des Patienten zuvor oder kam ein Patient zuvor spät, denn auch das kommt vor.

Was ich aber weiss, ist, dass besagte Patientin sich im Vorgespräch schon als „ich sag mal resourcenfordernder“ Patient vorgestellt hat. Soll heißen, es sind ganz ganz viele Aspekte der Behandlung sowie aller Behandlungsalternativen erklärungsbedürftig, jedes noch so kleine Detail erfährt eine aussergewöhnliche Aufmerksamkeit, der entsprochen wird, mit dem dafür notwendigen und gelieferten aussergewöhnlichen Zeitrahmen.

Und jetzt komme ich auf obigen Kommentar zu sprechen und möchte antworten: Natürlich tun wir das und haben dies oft genug getan in der Vergangenheit, dieses Entschuldigen, Erklären und um Verständnis bitten.

Aber soll ich was sagen.
Diesen Patienten ist das vollkommen egal.
Die hören nicht mal zu.

Solche Patienten setzen als selbstverständlich voraus, dass wir NATÜRLICH alles Erdenkliche an Aufwand betreiben, um Ihnen zu helfen. ABER – darüber hinaus- selbstverständlich auch auf die Sekunde genau mit ihrer Behandlung beginnen. Genauso selbstverständlich wie wir mit der Behandlung warten, wenn sie selbst einmal, aus welchen Gründen auch immer, zu spät kommen. Zunächst aber ihre Zähne noch putzen möchten, dafür war auf der Arbeit keine Zeit. Und um Zahnbürste und Zahncreme bitten, die wir kostenlos für Sie bereithalten.

Fakt ist. Besagte Patientin weiss/sollte wissen, dass wir ihre letzte Chance sind, den besagten Zahn 46 zu retten. Ihr Hauszahnarzt (m/w/d – diese politisch korrekte Lächerlichkeit füge ich gerne hier an) hat den Zahn aufgegeben, der zu kontaktierende Implantologe sowieso. Bei uns hat die Dame gesehen, dass wir uns für Untersuchung/Beratung eine Stunde Zeit genommen haben. Und – Entschuldigung, der Ton macht die Musik, es hätte viele viele Wege gegeben, der Frustration über die Wartezeit angemessen Ausdruck zu verleihen, aber dem war nicht so.

Das Problem liegt also nicht (nur) bei uns, sondern (auch) auf Seiten der Patientin, ist ihrer individuellen Persönlichkeitsstruktur geschuldet.

Ich prophezeie schon jetzt mal an dieser Stelle, dass wir – entweder zeitnah oder irgendwann einmal in naher oder fernerer Zukunft die Erwartungen dieser Patientin nicht erfüllen werden.

Dumm nur, dass wir ausgerechnet in ihrem Falle über der Zeit waren. Wir mögen das ja selbst nicht. Vielleicht aber auch gut, denn so zeigt sich von Anfang an, auf welche Konflikte wir schon jetzt und zukünftig noch mehr latent hinsteuern. Und können uns fragen, ob wir uns das antun sollen. Denn – sollte die Behandlung nicht den gewünschten Erfolg zeigen – wie wohl wird die Patientin dies kommentieren aus ihrer Sicht der Dinge – Etwa – Ja, davon war leider auszugehen, dass dies, angesichts der Ausgangssituation so enden würde, aber VIELEN VIELEN DANK Herr Dr. Herrmann, wieviel Mühe sie sich gegeben haben. Oder eher – Wenn ich DAS gewusst hätte, dann hätt ich mich niemals hier so lange quälen lassen und dann das viele Geld, das ich jetzt zum Fenster rausgeschmissen habe, na vielen Dank dafür, ich hätte auf (wen auch immer) hören sollen, jetzt muss ich die Wurzelkanalbehandlung und das Implantat doppelt bezahlen.

Hören wir als auf, ich spreche hier aus eigener Erfahrung oder ich sage besser aus eigener Dummheit heraus, zu denken, uns jeden Stiefel anziehen zu müssen. Richtig, die Patientin musste warten, das war nicht unsere Schuld, wir haben weder getrödelt zuvor noch falsch eine klinische Situation eingeschätzt, aber wir sind letztlich verantwortlich dafür und jegliche Zeit ist kostbar. Heute ganz offensichtlich mehr denn je. Aber wir werden diese Problematik in unserem Bereich nie grundsätzlich ausschliessen können. Es sei denn wir behandeln nur ganz wenige Patienten am Tag und lassen zwischen besagten Patienten sehr sehr viel Luft, um alle Eventualitäten aufzufangen. DAS ist unrealistisch, wenn man nicht gerade der Leibzahnarzt vom Kim Yong Un ist, und auch das ist kein erstrebenswertes Berufsziel.

Wartezeiten, wie die erlebte, werden nie grundsätzlich vermieden, maximal das Risiko und das Ausmaß dessen wird reduziert werden können.

Und jetzt der Blick hinaus durch die nebelbeschlagenen oder in vielen Berufsjahren eingetrübten Glasscheiben des zahnärztlichen Gewächshauses.
Reiben wir doch mal an der Scheibe, wischeln diese sauber und was sehen wir dann ?

Waren Sie schon mal in letzter Zeit in einer anderen Arztpraxis, einem Krankenhaus ?
Auf einer Behörde ? Der KFZ – Zulassungsstelle? Am Fahrkartenschalter der Deutschen Bahn? Immer, wenn ich von dort zurückkomme, empfinde ich unsere Praxis aus der Sicht des gerade Erlebten als einen Ort, einen Hort der Glückseligkeit.

Und denke dann immerzu an eine Patientin aus meiner Zeit als Allgemeinzahnarzt, welche vor vielen Jahren, bis heute unvergessen, die Wartezeit auf ihre Prophylaxesitzung bemängelte, im gleichen Satz jedoch anfügte ACHTUNG Realsatire – Eigentlich kommt man (bis auf heute) ja bei Euch immer sehr schnell dran, bei meinem (angesagten) Friseur warte ich trotz Termin JEDES MAL 2 – 2,5 Stunden.

Die Lehre aus besagtem Vorfall.
Wir überprüfen unser QM: Warum musste die Patientin warten ? Hätten wir es vermeiden können? Wie können wir dies zukünftig im Vorfeld ausschliessen ? Was können wir tun, um die Wartezeit und die Frustration des Wartenden abzufedern ?

Aber darüber hinaus.
Auch.
Manchmal liegt das Problem nicht bei uns.

Und in solchen Fällen.

Nur in solchen Fällen, wohlgemerkt.

Hören wir auf, uns ein schlechtes Gewissen einreden zu lassen.
Der Patient – der unsere Bemühungen offensichtlich nicht adäquat anerkennt – ist frei, sich einen Ort zu suchen, an dem es ihm besser gefällt.

Das ist eine Win Win – Situation.
Wir freuen uns.
Für besagten Patienten.
Für unsere Patienten. Die wir statt dessen behandeln können.

Und für uns, unser Wohlbefinden, unsere Gesundheit. Unser Leben.

Wie weit ist weit genug?

von Jörg Schröder

Arbeitslänge und Arbeitsweite. Über diese beiden Werte kann man lange diskutieren. Am Ende der Diskussion steht jedoch immer die Entscheidung für eine, hoffentlich gut begründete, Vorgehensweise.

In den ersten endodontischen Fortbildungen, die ich Ende der 1990’er besuchte, wurde empfohlen den Durchmesser der apikalen Aufbereitung so weit zu gestalten, dass sie den Durchmesser der ersten Feile, die apikal mit Friktion eingebracht werden kann (First-File-To-Bind) um 3 ISO-Größen übertrifft.

Nur ist es im manchen Fällen, wie zum Beispiel in stärker gekrümmten oder s-förmig verlaufenden Kanälen, gar nicht so einfach, die Lage der Friktionszone zu bestimmen.



Ich nutze seit langem die Möglichkeit, im Mikroskop die „Beladung“ der Spanräume meiner Instrumente als Hinweisgeber zu nutzen, um so die Zielweite meiner Aufbereitung festzulegen.

Hier ein praktisches Beispiel. Das Bild zeigt eine HyFlex-Feile 30/06 nachdem sie einmalig bis auf Arbeitslänge eingebracht wurde. Die nicht gefüllten Spanräume an der Arbeitsspitze zeugen von der vorangegangenen Aufbereitung des Kanals mit einer HyFlex 30/04.

Unter der Annahme, dass die eingesetzten Feilen innerhalb der zulässigen Maß-Toleranzen hergestellt wurden, kann ich anhand der gefüllten Spanräume, Rückschlüsse auf die apikale Geometrie der Kanalsysteme ziehen.

Und somit unter Berücksichtigung der weiteren Parameter, wie z.B. initiale Kanalweite und Krümmungsverlauf die Endaufbereitung festlegen.

 

 

Freitag Abend Youtube Video Episode 9

Diese Woche fand in New York das New York Greater Dental Meeting statt. Eine Art nordamerikanische IDS mit zusätzlichen Fachvorträgen und Kursen. Für Alle, die in diesem Jahr nicht teilnehmen konnten, eine musikalische Reise durch den „Big Apple“, die Stadt, die niemals schläft. Frank Sinatra bewusst ausgenommen, Frühstück bei Tiffany hatten wir schon hier.

Beginnen möchte ich mit zwei Beiträgen, die ich eher in die Rubrik „Nicht Mainstream“ einordnen würde, die aber beide die Ambivalenz, die New York in sich trägt, widerspiegeln. Nicht gerade der gefälligste Einstieg, aber vielleicht gerade deshalb ein angebrachter.

Und hier noch eine Variante mit Miles Davis als „voice over“. Kompliment an den Mixer, als hätte der „Godfather of Jazz Trumpet“ seine Klänge original drübergelegt.

New York hat sich erneut gewandelt in den letzten Jahren.
Schneller und schneller hat diese Stadt nach der 2008er Bankenkrise sich dem Turbokapitalismus wieder zugewandt. Nicht verwunderlich, wo sonst, wenn nicht hier. Unglaublich viele neue Wolkenkratzer und in den letzten Jahren eine stark zunehmende Zahl an Obdachlosen, die Seite an Seite mit den bei laufendem Motor auf ihre shoppende Kundschaft wartenden Luxulimousinen sich die Bürgersteige teilen. Kommt alles wieder ? Hoffentlich bleibt es lediglich beim musikalischen Rückblick auf die Anfänge des Rap (nix LA, nix Compton, hier an der Ostküste, im Big Apple gings los). 3 Lieder aus dieser Zeit stilbildend und unvergessen bis heute. Mit der Sugarhill Gang und Rapper ´s Delight begann alles. In dieser Zeit Adoleszente, mich eingeschlossen, können zumindest die erste Strophe mehr als 30 Jahre später noch Wort für Wort mitrappen. Die Basis des Songs, auch das damals eine Neuheit, heute ist Sampling ja gerichtlich anerkanntes Kulturgut, stammt vom congenialen Musikerduo Bernie „Bass- Gott“ Edwards und Nile „Gitarren-Gott“ Rodgers der Grippe Chic, der Song „Good Times“.

Kurz darauf folgte Kurtis Blow mit „The Break“.
1982 dann Grandmaster Flash, mit „The Message“.
Harter Text, zeigt die brutale Realität der damaligen Zeit, New York war kein Shopping Paradies und Städte-Trip Hot Spot, sondern der steingewordene Darwinsche Struggle for Life.

1985, als „It s Tricky“ veröffentlicht wurde, war sowohl Rap als auch Sampling schon Mainstream. Was man allein daran erkennen kann, dass gleich zwei Melodien verwendet wurden, zum einen das schon hier erwähnte „My Sharona“ von The Knack und „Mickey“ von Toni Basil, ein ebenso unsäglich furchtbares (Achtung Schweineorgel) wie für diese Zeit bezeichnendes Frühe 80er Jahre- Lied.

Run DMC, Rap Trio aus Queens waren die ersten Hip Hopper mit einem Multi Platinum Album und vermutlich die ersten (und damit garantiert unbezahlten) Adidas Markenbotschafter des Musikbusiness.

Fehlt noch Brooklyn.
Die Beastie Boys. Vor Eminem die ersten und einzigen weissen Rapper (ich sag nur Vanilla „Fremdschäm“ Ice), die auch ausserhalb der weissen Hood Respekt fanden.

Heute ist das Alles Geschichte. Rick Rubin, der Produzent der Beastie Boys und von Run DMC hat sich weit über die Genre Grenzen hinaus unter anderem mit einem herausragenden Johnny Cash Album seinen Teil der Musik – Historie gesichert und Russell Simmons, neben Rubin der zweite Gründer des Def Jam Records Labels verkaufte schon 1999 seine Firma für 100 Millionen Dollar. Damals ein unglaublicher Deal, heute im Hinblick auf Hip Hop Milliardäre wie Dr. Dre oder Jay-Z vermutlich nur noch einen Zweizeiler in der Tageszeitung wert. Rap – you have come a long way! Respekt!

Zurück zu meiner Jugend. Und damit zu Billy Joel.
Und ins nächste Borough der Stadt, die Bronx.

Was für ein Talent.
Was für ein unglaublicher Songschreiber. Und für mich schon heute substanzieller Bestandteil des Great American Songbook nachfolgender Generationen.

Müsste ich für mich das Beste des Besten von Joel herausgreifen, es wäre 52nd Street als Ganzes und natürlich „Just the way you are“ vom Album „The Stranger“. Liebe Radiostationen, das Saxophonsolo am Ende des Liedes NICHT Ausblenden. 52nd Street war im Übrigen das erste Sony Pop Album auf CD überhaupt. Ich habe es NATÜRLICH auf Schallplatte gekauft. Damals. Von der Kritik wird Billy Joel im Übrigen bis heute ein wenig snobistisch überheblich belächelt. Musikkritiker ?!? Einst schrieb auch ein Kritiker über Tschaikowski s Violinkonzert, wenn Musik riechen könnte, dieses Stück würde stinken. Die Zuhörer sehen dies zurecht anders. Einmal im Monat reist Billy Joel mit dem Hubschrauber von seinem Landsitz in den Hamptons an und füllt den 12000 Zuschauer fassenden Madison Square Garden. Immer ausverkauft.

Udo Lindenberg hat im Übrigen schon in den 80ern eine grandiose Eindeutschung des New York State of Mind auf seinem Rock Revue 2 Album veröffentlicht.

52 Street war im Übrigen in Manhattan der Bereich, in dem in den 30ern bis 50ern der Jazz der Stadt sein Zuhause hatte. Vom Glanz vergangener Tage ist heute nicht mehr viel übrig. Zwar gibt es noch (oder wieder) die bekannten Jazz Clubs wie das Blue Note oder das Birdland. Diese sind aber weitestgehend Touristen Franchises, die es gilt, „busladungsweise“ streng zeitgetaktet durch ein musikuntermaltes überteuertes Abendessen zu pressen, auch wenn die Künstler und ihr Werk davon unbenommen herausragend sein können. Lobenswerte und deshalb gar nicht zuviel hervorzuhebende Ausnahme, das nach wie vor authentische „Village Vanguard“ in der 7th Avenue in Greenwich Village. In dem Christian Danzl, Olaf Löffler und ich vor ein paar Jahren ein grandioses Jazzkonzert mit (vom Leben stark gezeichneten und ohne dieses Wissen auf den ersten Blick befremdlich wirkenden, aber am Instrument so wunderbaren) Tom Harrell an Trompete /Flügelhorn und dem von mir ebenfalls hochgeschätzten Wayne Escoffery am Saxophon erleben durften.

Der Broadway ist die andere berühmte Musikstrasse der Stadt. 
Wenn wir, musikalisch besehen, vom Broadway sprechen, dann ist der „Theater District“ gemeint, Ort des Musicalgeschehens der Stadt. George Benson hat dem mit seinem Song „On Broadway“ ich zitiere „cause i can play this year guitar and i won´t quit til I m a star“ ein musikalisches Denkmal gesetzt. Und dort, wo 7th Avenue und Broadway sich kreuzen, wie die Pet Shop Boys es in New York City Boy besingen, liegt der Times Square. Fehlt nur noch der Central Park, diese bemerkenswerte, größer als Monaco sich darstellende Grünfläche inmitten Manhattans, Schauplatz einiger legendärer Freiluftkonzerte. Das wohl berühmteste möchte ich herausgreifen, wir hatten es ja schon in dieser Rubrik mit Schlagzeugern, Simon and Garfunkel, Steve Gadd an den Drums mit seinem legendären Drum-Intro zu „50 ways to leave your lover“.

George Benson – On Broadway

Als Zugabe noch. New York im Film und TV. Ein paar wenige (in New York stolperte man fast täglich über Drehplätze von Film – und TV-Produktionen) im Anschluss. Kurz vor Weihnachten darf natürlich „Kevin – Allein in NY“ nicht fehlen. Musik von John Williams ! Hörenswert !

Schönes Wochenende und einen frohen 2. Advent !

Fall für s Wochenende – Extraktion Ja oder Nein ?

Die Patientin war aufgebracht. Regelrecht wütend.
Sie müsste jetzt mal ihren Ärger los werden. Eine halbe Stunde habe sie bei uns jetzt warten müssen. Was stimmte. So sehr wir auch versuchen, pünktlich (heisst on time, maximal die akademische Viertelstunde ausschöpfend) die Behandlung zu beginnen, es gelingt uns nicht immer. Ich persönlich wäre bereit, auf den Behandler meiner Wahl 30 Minuten zu warten, aber da gehen offensichtlich die Meinungen drastisch auseinander.

Wenn es doch wenigstens ein einfacher Fall wäre, um den es ginge, aber dem war nicht so.

Das Röntgenbild zeigt an Zahn 46 deutliche apikale Aufhellungen, zusätzlich eine interradikuläre Knochendestruktion sowie distal einen ausgeprägten vertikalen Knocheneinbruch. Keine banale Situation, die zumindest idealerweise einen hoch complianten Patienten voraussetzt. Was die Dame ganz offensichtlich nicht zu sein schien. Dabei hatte sie doch noch in der Beratungssitzung zuvor ihren unbedingten Willen zum Zahnerhalt zum Ausdruck gebracht.

Jetzt seid ihr, geschätzte Leser, gefragt:
Wie umgehen mit der Situation und mit der Patientin ?

Bitte fleissig die Kommentarfunktion nutzen.
Ich werde am Dienstag berichten, wie es in der Sache weitergegangen ist.

Sensibilitätsstörung nach Initialbehandlung

von Jörg Schröder

Endodontische Notfallbehandlungen führen nicht immer zum vollständigen Abklingen der bestehenden Beschwerden. Eine der häufigsten Gründe ist dabei die nicht vollständige chemo-mechanische Aufbereitung bei der initialen Behandlung. Direkt gefolgt von koronalem Leakage, dass nicht immer in Form eines insuffizienten Restaurationsrandes oder einer unbehandelten Karies vorliegen muss. Es reicht auch eine Infraktur mit Kontakt zum Pulpakammerhohlraum.

In nachfolgendem Fall kamen beide Ursachen zum Tragen. Der die distale Randleiste des Zahnes 47 bis kurz zum Kanaleingang  durchziehende Haarriss kann als Eintrittspforte der bakteriellen Kontamination angesehen werden, da der Zahn bis zum Auftreten der Beschwerden vollkommen restaurationsfrei war.

14 Tage vor der Erstvorstellung in unserer Praxis erfolgte im Notdienst die Trepanation des 47 und eine medikamentöse Einlage. Die Zugangskavität war mit Cavit verschlossen worden. Das okklusale Relief blieb unverändert. Nach anfänglicher Besserung traten nach einigen Tagen erneut Aufbissbeschwerden auf.

Zum Beratungstermin, einem Freitag, wies der Zahn eine deutliche Perkussionsempfindlichkeit, jedoch keinerlei palpatorische Druckdolenz auf. Die Beweglichkeit war gering erhöht. Die Sensibilität im Bereich des rechten Unterkiefers war normal. Das präoperativ erstellte DVT ließ einen deutlichen Abstand der Apizes des 47 zum N. alveolaris inferior erkennen.

Um einen zeitnahen Behandlungstermin zu ermöglichen, wurde der Tagesplan des folgenden Montags durch Umorganisation so verändert, dass ein ausreichendes Zeitfenster für eine suffiziente Erstbehandlung (adhäsive Versorgung des Haarrisses, okklusale Umgestaltung mit Beseitigung exkursiver Frühkontakte und Reduktion der Kontakte in IKP, sowie vollständige chemo-mechanische Aufbereitung) zur Verfügung stand.

Zum Behandlungstermin hatte sich die Situation jedoch dramatisch verändert. Vom rechten Mundwinkel bis hin zur Mitte der Unterlippe und hinab bis zum rechten Kinn bestand 4 Tage nach der Erstvorstellung eine vollständige Anästhesie, die auf eine akute Exazerbation der apikalen Parodontitis zurückzuführen war.

Sensibilitätsstörungen, die auf eine akute endodontische Infektion zurückzuführen sind, habe ich ausschließlich im Bereich des N. mentales und/oder des N. alveolaris inferior vorgefunden. Angesichts der knöchernen und nicht ausdehnungsfähigen Umgebung dieser Strukturen kann eine Volumenzunahme durch entzündlich bedingtes Exsudat offensichtlich die Minderung oder den vollständigen Verlust der Sensibilität im betroffenen Gebiet nach sich ziehen.

Um bleibende Schäden der betroffenen nervalen Strukturen zu verhindern, ist ein rasches (Be)Handeln geboten. Neben der vollständigen Aufbereitung und bestmöglicher Desinfektion der Kanalsysteme der verursachenden Zähne verordne ich immer eine begleitende systemische Antibiose.

Wichtig erscheint mir zudem, die genaue Ausdehnung der betroffenen Areale zu erfassen und zu (foto)dokumentieren. Dazu benutze ich zwei gerade zahnärztliche Sonden, die ich mit zwei Händen in spitzem Winkel über die Haut führe. Eine Sonde auf der nicht betroffenen und eine Sonde auf der betroffenen Seite. Sobald die Sensiblitätsstörung  wahrgenommen wird, wird mit einem Faserschreiber (nicht wasserlöslich) ein Punkt markiert. Von nun an genügt eine Sonde, die in gleicher Weise über das betroffene  Gebiet geführt wird. Dabei ist wichtig, sich vom sicher normal sensiblen ins Richtung des sensibiltätsgestörten Areal zu bewegen. Sobald die Einschränkung wahrgenommen wird (mehrfaches Wiederholen verschafft Sicherheit) erfolgt die nächste Markierung. Auf diese Weise hat man nach maximal 5 Minuten die Ausdehnung der Störung erfasst und kann diese fotodokumentieren. Eine Einschätzung der Remission der Sensibilitätsstörung fusst somit auf leicht reproduzierbaren Befunden.

Im vorliegenden Fall zeigte sich bereits 8 Tage nach meiner ersten Intervention eine deutliche Verkleinerung des betroffenen Areals. Zudem hatte sich die vollständige Anästhesie in eine Hypästhesie umgewandelt. Interessante Randnotiz: bei allen derartigen Behandlungsfällen dauerte die Remission der Störung im Bereich des Überganges inneres zum äusseren Lippenrot und hier besonders im Mundwinkelbereich am längsten.

Die Obturation der Kanalsysteme erfolgte erst, nachdem der Patient 4 Wochen nach dem ersten Termin in unserer Praxis das vollständige Abklingen der Sensibilitätsstörungen telefonisch berichtet hatte.

Ein, vor allem für den Patienten, mehr als erfreulicher Behandlungsverlauf.

Vergleiche ich die präoperativen Bilder mit den postoperativen Bildern, muss ich jedoch kritisch anmerken, dass der letztlich resultierende Hartsubstanzdefekt erheblich ist. Radiologisch täuscht zwar die zweidimensionale Betrachtung, da die bukkale und linguale Wand vollständig erhalten sind, angesichts der Unversehrtheit vor Behandlungsbeginn ist der Substanzabtrag ein Wermutstropfen in der ansonsten erfolgreichen endodontischen Behandlung.

Fehlendes mesio-bukkales Kanalsystem – Anatomie du jour

Von Christoph Kaaden

 

Überweisungen von Patienten, bei denen es alio loco bisher nicht gelungen ist alle Kanalsysteme aufzufinden und zu präparieren zählen bei uns zu den eher dankbaren Aufgaben.

Insbesondere dann, wenn rechtzeitig mit der Suche nach fehlenden Strukturen gestoppt wurde (und der Zahn nicht perforiert wurde).

Hier also der letzte Fall des gestrigen Behanlungstages.

Zu den Eckdaten:

45-jährige Patientin; aktuell in zahnärztlicher Behandlung bei laufender „Full mouth rehabilitation“.

Trepanation und initiale Aufbereitung des Zahnes 47 bei irr. Pulpitis alio loco (med.Einlage Ca(OH)2).

Bisher gelang es nicht das mesio-bukkale Kanalsystem aufzufinden…

So stellte sich die Situation nach Entfernung des provisorischen Verschlusses dar.

Nach initialer Bearbeitung des mesialen Kavitätenbodens mittels Rosenbohrer kam es zu den „typischen“ Dentineinpressungen (roter Pfeil).

Diese sind ein sehr guter Anhalt für vorhandene Hohlräume, die es nachzuverfolgen gilt.

Weitere Darstellung des mesio-bukkalen Orifiziums.

Mittels reziprok arbeitendem Instrument initial dargestelltes Orifizium.

Situation nach vollständiger Präparation und Wurzelkanalfüllung

Abschluss-Röntgenbild

Während der Präparation zeigte sich, dass die beiden Kanalsysteme nach ca 3/4 der Arbeitslänge konfluierten.

Bei Interesse möchte ich in Zukunft immer mal wieder solche Fälle vorstellen, um das Auge der WURZELSPITZE Leser für die intrakoronale Anatomie zu sensibilisieren…

 

Metalift

Im letzten Beitrag habe ich geschrieben. Die Krone wurde mit dem Metalift entfernt.

Es kam keine Nachfrage. Also kennt jeder den Metalift und dieser Artikel ist vielleicht für den einen oder anderen weniger interessant.
Da ich den Metalift sehr wertschätze, schreibe ich doch etwas dazu.
Für mich ist es das TOOL um Kronen, Teilkronen und Inlays mit einer Edelmetallegierung zu entfernen und ggf. wieder (nach Reparatur) einzusetzen!

Klicke, um auf Hager_MetaLift_PromoSheet_2016.pdf zuzugreifen

In meinen Händen funktioniert der Metallift besser als die WAMkey Kronenentferner.

An dieser Stelle gibt es noch mehr Informationen – http://www.metalift.com – und demnächst noch einen Fall dazu.

 

 

Flowchart ADA zum Thema Antibiotika im Rahmen endodontischer Behandlung

Die American Dental Association hat sich zum Einsatz von Antibiotika im Rahmen der endodontischen Behandlung geäußert. Die nachfolgenden Grafiken geben einen raschen Überblick im Praxisalltag.

Grafik 1 ist für Behandlungsituationen, in den eine zeitnahe endodontische Behandlung nicht möglich ist.

Grafik 2 ist für Behandlungsituationen, in den eine zeitnahe endodontische Behandlung stattfinden kann.

Tiefe Gabelung mit 90 Grad nach distal

von Jörg Schröder

Die im Vorfeld der Behandlung mehrwurzeliger Zähne angefertigten DVT tragen in aller Regel zu meiner Entspannung bei. Die zu überwindenden Hürden können im Vorfeld visualisiert und die ideale Vorgehensweise kann vor Behandlungsbeginn erdacht werden.

Somit reduziert sich das in früheren Jahren häufiger erlebte Überraschungsmoment und der oftmals damit verbundene Stress.

In diesem Behandlungsfall war es genau umgekehrt. Das Wissen um die in der distalen Wurzel des 46 nach einer 90 Grad nach distal verlaufenden Krümmung noch auf mich wartende Aufgabelung erhöhte mein Stresslevel enorm. Wird es möglich sein, die Aufgabelung mit vorgezogenen Handinstrumenten zu instrumentieren? Wie hoch ist das Risiko einer Instrumentenfraktur? Werde ich in der Lage sein, diese Kanalstrukturen zu obturieren?

Im Notdienst war Zahn 46 trepaniert und mit einer Ledermixeinlage versehen worden. Seitdem bestanden keine Beschwerden mehr. Vor der Applikation des Kofferdams musste der Zahn zunächst in bewährter Weise nach Entfernung der Krone und relativer Trockenlegung (Faden und Teflonband zur Verdrängung der Gingiva) mittels hochviskösem Komposit präendodontisch aufgebaut.

Die weit linguale Lage der mesialen Kanalsysteme und das weitere „Auseinanderdriften“ auf dem Weg nach apikal, war im axialen Schnitt sehr gut zu erkennen, sodass das Auffinden der wirklichen Kanaleingänge mittel Munce-Bohrern unproblematisch verlief.

Schon das klinische Bild (ein nicht mittenzentriert gelegener distaler Kanaleingang) ließ ein zusätzliches, weiter lingual gelegenes, distale Kanalsystem vermuten.

Um im Bereich der tiefen Aufgabelung keine Stufe zu setzen, wurde die Strecke bis zur Aufgabelung im DVT ausgemessen und der gemeinsame apikale Kanalabschnitt in D bis 0,5 mm vor der Aufgabelung bis 35/06 erweitert. Die Versuche, die apikalen Kanalanteile mittels vorgebogenen Reamern der ISO-Größe 008, waren alle erfolglos. Daher wurde die Spüllösung nach der Aufbereitung der mesialen Kanalsysteme in mehreren Zyklen laserunterstützt aktiviert. Dabei war nach dem dritten Spülzyklus eine geringe Blutung aus der Periapikalregion des Kanalsystems zu beobachten, die nach dem vierten Spülzyklus sistierte. Da bei initialer Instrumentierung in allen Kanalsystemen noch Reste vaskularisierten Gewebes vorhanden waren, nahm ich daher an, dass die nach dem letzten Spülen sistierende Blutung als Zeichen zu werten sein könnte, dass die in der tiefen Gabelung vorhandenen Gewebeanteile herausgelöst werden konnten. Und hoffte.


Darauf, dass es mit dem, bei der warmen vertikalen Kompaktion entstehenden, hydraulischen Druck gelingen würde, die Aufgabelung zu füllen. Und es scheint gelungen zu sein.

Hätte es auch mit nochmals wiederholten Eddy-unterstützten Spülungen gelingen können? Vielleicht. Klinisch beobachte ich jedoch immer wieder, dass in geometrisch kniffeligen Situationen (Aufgabelungen oder Konfluationen) die laserunterstütze Spüllösung den Unterschied macht. Evidenz? Null. Naja, zumindest sehr geringe, wenn überhaupt.

Der jüngste Artikel im IEJ zu diesem Thema aus dem März 2019 (International Endodontic Journal, 52, 1210–1217, 2019 1215) kommt beim Vergleich verschiedener Aktivierungsmethoden in Relation zur erzielten Penetrationstiefe der Spüllösung ins Dentin zu folgender Schlussfolgerung:

Conclusion: Thorough irrigation of straight, large canals in extracted teeth with simple root canal geometries enabled penetration in coronal and middle sections but faced limitations in apical areas. Activation of irri- gants increased penetration depths apically, where PIPS was associated with segments of deeper penetration, followed by EDDY and PUI. SWEEPS, on the other hand, did not show benefits compared even to manual dynamic activation.

Und ja, PIPS ist nicht gleich LAI, aber das Grundprinzip die gesamte Spüllösungssäule im Kanal mit im Vergleich zu ansatzgestützten Methoden (Eddy, PUI) sehr geringer Dämpfung zu aktivieren, ist beiden Verfahren gemein.

Webinar 18.12.2019 bei WURZELSPITZE Plus

Noch in diesem Jahr, genauer gesagt kurz vor Weihnachten, wollen wir bei WURZELSPITZE Plus erneut ein Webinar präsentieren: Nach Jörg Schröders Beitrag über endodontische Recalls möchte diesmal ich einen Punkt herausgreifen und näher beleuchten: Es geht um die diagnostische Wertigkeit von DVT´s im Rahmen endodontischer Behandlungsplanung.

Allerdings nicht an Hand ausgesuchter Beispiele, die es sicherlich zu hauf gäbe, um in möglichst eindrucksvollen Bildern den Nutzen dreidimensionaler Röntgendiagnostik hervorzuheben. Stattdessen möchte ich am Beispiel der letzten beiden Diagnostik- Tage in unserer Praxis (Mittwoch für Mittwoch finden die obligaten Erstuntersuchungen und Beratungen statt) einen realistischen Einblick geben, inwieweit bei der Gegenüberstellung der zweidimensionalen und dreidimensionalen Röntgenbefunde das Für und Wider der erweiterten Röntgendiagnostik sichtbar wird oder jedoch einen erhöhten Nutzen schuldig bleiben muss. Heißt konkret – alle Fälle des Tages – ohne Ausnahme. Mit dieser Vorgehensweise entsteht ein realistischeres Bild, ein Rosinenpicken ist ausgeschlossen.

Darüber hinaus vermittelt das Webinar auch den Stand der Technik, die Bildqualität unseres MORITA X 800 betreffend, sowohl im Vergleich zu anderen im Markt befindlichen Geräten wie auch zum in unserer Praxis 5 Jahre lang verwendeten und immer noch vorzüglichen MORITA Veraviewepocs 3D F 40.

Alle Interessierten sollten sich Datum und Uhrzeit schon mal vormerken:

Mittwoch 
18.12.2019 
18:00 Uhr

Freitag Abend „Youtube Music“ Episode 8

Bohemian Rhapsody hatten wir hier und hier schon.

Und natürlich kommt man irgendwann einmal an einem Freitag, genauer gesagt heute nicht an diesem Lied vorbei.

Wunderbares „Behind the Scenes“ Video über die Entstehung.
Unglaublich, dass Freddie die gesamte Bohemian Rhapsody von Anfang an im Kopf hatte und bei der ersten Vorstellung seiner Band als Piano-Version präsentieren konnte.

Dann natürlich die legendäre Anfangsszene von Waynes World.

Und es gibt Leute, in denen Freddie weiterlebt.

Mike Myers spielt auch im Film „Bohemian Rhapsody“ eine kleine Rolle. Mehr dazu hier.

Den Film habe ich bis heute nicht gesehen. Warum ? Weil ich Queen live erlebt habe. Und Rami Malek spielt. Imitiert. Was bei Freddie in jeder Bewegung echt – weil er selbst- war, ist im Film geschauspielert. Für viele Zuschauer loben Malek für seine Darbietung. Seine Choreographie des Wembley Auftrittes brilliert in der Tat durch ein bemerkenswertes Timing, eine fast perfekte Synchronität. Dennoch ist er im Vergleich zum Original für mich nur schwer zu ertragen.

Hier der Vergleich des legendären Live Aid Wembley Stadium Auftritts.

Zum Schluss noch ein Beitrag für die Kategorie „Skurriles“

und ein Beitrag aus der Kategorie“ Nervige Musik für beklemmende Fahrstühle“.

Kurz berichtet – Apikale Aufhellung – ausgeheilt nach Trauma und MTA -Extrusion

Von Christoph Kaaden

Die heute 15-jährige Patientin erlitt im Jahr 2013 ein Frontzahntrauma (unkomplizierte Kronenfraktur), als sie von ihrem Einrad stürzte.

Erst fünf Jahre später fiel die mittlerweile beträchtliche apikale Aufhellung an Zahn 21 auf.

Die daraufhin eingeleitete zweizeitige Therapie erfolgte nach der auf WURZELSPITZE wiederholt vorgestellten „bewährten“ Vorgehensweise…

auch hier habe ich auf ein resorbierbares Widerlager verzichtet. Leider kam es in diesem Fall zu einer nicht unerheblichen Extrusion des MTAs.

 

Ein Jahre nach Abschluss der Behandlung sieht man trotz MTA Extrusion eine Ausheilung der vormals ausgeprägten apikalen Aufhellung…

die Ergebnisse von Torabinejad et al. (1995) scheinen sich also auch in diesem Fall zu bestätigen 

Trotzdem hätte ich die Extrusion gerne vermieden.

 

Kurz berichtet – Apikale Aufhellung – ausgeheilt nach WSR

Von Christoph Kaaden

Mit endodontischen Behandlungen hatte diese 49-jährige Patientin in der Vergangenheit wenig „Glück“…

Insbesondere die Vorgeschichte des Zahnes 13 verdeutlicht dies.

Der Zahn war vor einigen Jahren endodontisch behandelt worden und nachfolgend aufgrund von neuerlich auftretenden Beschwerden reseziert worden.

Keine sechs Monate nach dem Eingriff kam es erneut zu aufflammenden Beschwerden die mittels einer neuerlichen Wurzelspitzenresektion „therapiert“ werden sollten.

Klinisch wurde schnell klar, warum es neuerlich zu einem Misserfolg gekommen war:Dem vormals eingebrachten WF-Material fehlte jegliche Deckfüllung und es war der Mundhöhle exponiert.

Es benötigte wenig bis keine Überzeugungskraft die Patientin für eine Revision statt einer Resektion zu motivieren…

die zweizeitige Therapie erfolgte nach der auf WURZELSPITZE wiederholt vorgestellten „bewährten“ Vorgehensweise…

Gute zwei Jahre nach Abschluss der Behandlung kann man guten Gewissens von einer Ausheilung der apikalen Aufhellung  sprechen…

 

 

Zu diskutieren wäre ggf, ob das Einbringen eines Glasfaserstiftes empfehlenswert gewesen wäre… was denken Sie?

Fast 15 Jahre im Recall – Zahn 36 (4)

Den hier vorgestellten Fall haben wir 2005 revidiert.

Die Krone haben wir mit dem Metallift entfernt.

Zunächst haben wir die Aufbaumaterialien entfernt und vorsichtig den Zementspalt mit Ultraschall erweitert.
Danach wurde mit dem Hohlfräseraufsatz aus dem Ruddle PRS der Stift koronal reduziert. Nun kann man mit dem Tap ein Gewinde schneiden. Dies geschieht entgegen gesetzt zur Uhrzeigerrichtung. Dadurch wird der Stift bereits in herausdrehender Richtung belastet und beginnt sich relativ schnell zu lockern.

Die weiter Aufbereitung erfolgte mittels Profile bis #35.06 und nach der abschließenden Desinfektion und thermischen Obturation (warm-vertikal) wurden Glasfaserstifte adhäsiv inseriert. Eine prov. Krone wurde inseriert. Leider hat das Flow- Material (DC-Flow), welches wir zum Unterfüttern und der Randgestaltung des Provisoriums verwenden keinen Röntgenkontrast.

Anbei die Bilder und Nachkontrollen.
2018 mussten wir eine Längsfraktur diagnostizieren. Netterweise stellte uns der Implantologe ein weiteres Recallbild zur Verfügung.
Welche Ursachen für die Fraktur könnten vorliegen?

Und hier noch die im Kommentar beantwortete Fehlerquelle – im Bild gekennzeichnet durch die Pfeile.

Grundrechtsaushöhlung – Ein Sündenfall.

Ein Gastbeitrag von Thomas Weber

In Deutschland wird als „Recht auf informationelle Selbstbestimmung“ der Anspruch des Einzelnen verstanden, grundsätzlich selbst „über die Preisgabe und Verwendung seiner personenbezogenen Daten zu bestimmen“. Das Recht auf informationelle Selbstbestimmung ist zwar im Grundgesetz nicht explizit als solches benannt, wurde aber vom Bundesverfassungsgericht  aus dem allgemeinen Persönlichkeitsrecht (Art. 2 Abs. 1 GG i.V.m. Art. 1 Abs. 1 GG) entwickelt und versteht sich als deren besondere Ausprägung. Es ist also ein Grundrecht, kein Gnadenrecht.

An erster Stelle unserer Verfassung stehen Wert und Würde der Person. Ihrem Schutz dient – neben speziellen anderen Freiheitsverbürgungen, die in den Artikeln 1 – 20 des GG behandelt werden – das in Art. 2 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 GG gewährleistete allgemeine Persönlichkeitsrecht, das gerade auch im Blick auf moderne Entwicklungen und die mit ihnen verbundenen neuen Gefährdungen der Persönlichkeit Bedeutung gewinnt. Es umfasst auch die aus dem Gedanken der Selbstbestimmung folgende Befugnis des Einzelnen, grundsätzlich selbst zu entscheiden, wann und innerhalb welcher Grenzen persönliche Lebenssachverhalte offenbart werden.

Der Jurist Carlos A. Gebauer hat das für Gesundheitsdaten so formuliert:

„In meinem Weltbild geht es niemanden etwas an, unter welchen Krankheiten ich leide – es sei denn, ich sage es ihm. Dass Informationen über Körper- und Geisteszustände eines Menschen ein wie auch immer geartetes „Allgemeingut“ sein könnten, auf das andere als der Betroffene ohne oder gar gegen seinen Willen digitalen Zugriff haben, halte ich für eine rechtsethische Entgleisung. Gerade Zeiten der informationstechnisch jederzeit mindestens potentiellen Ubiquität von persönlichen Informationen (vulgo: Berichten über Intimes und Privates) erfordern, den Geheimnisschutz und den Vertrauensschutz zwischen Patienten und Ärzten nach allen Möglichkeiten zu intensivieren. Wer „der Allgemeinheit“ ein Recht zuweisen möchte, ungebeten Körperdaten anderer zu erheben und über das damit gewonnene Wissen zu herrschen, der verletzt m.E. den heiligsten Grundsatz, den die verfassungsrechtliche Juristerei zu hüten hat: Das Verbot, ein Individuum zum Objekt des Willens anderer zu machen. Die Menschenwürde hat unantastbar zu sein.“

Beitrag Carlos A. Gebauer, 29.07.2019, aend.de, https://www.aend.de/forum/topic/100612#924303

Nach Ansicht des Europäischen Parlaments leitet sich das Recht auf informationelle Selbstbestimmung zudem aus Art. 8 Abs.1 der Europäischen Menschrechts-konvention ab:  

Jede Person hat das Recht auf Achtung ihres Privat– und Familienlebens, ihrer Wohnung und ihrer Korrespondenz.

Vorgestern hat der Deutsche Bundestag nun beschlossen, dem SGB V einen neuen Paragraphen 303b einzufügen: 

„§ 303b   Datenzusammenführung und -übermittlung

(1) Für die in § 303e Absatz 2 genannten Zwecke übermitteln die Krankenkassen an den Spitzenverband Bund der Krankenkassen als Datensammelstelle für jeden Versicherten jeweils in Verbindung mit dem unveränderlichen Teil der einheitlichen Krankenversichertennummer des Versicherten nach § 290 oder einer anderen krankenkassenübergreifend eindeutigen Identifikationsnummer des Versicherten (Versichertenkennzeichen)

1. Angaben zu Alter, Geschlecht und Wohnort,

2. Angaben zum Versicherungsverhältnis,

3. die Kosten- und Leistungsdaten nach den §§ 295, 295a, 300, 301, 301a und 302,

4. Angaben zum Vitalstatus und zum Sterbedatum und

5. Angaben zu den abrechnenden Leistungserbringern.

Das Nähere zur technischen Ausgestaltung der Datenübermittlung nach Satz 1 regelt der Spitzenverband Bund der Krankenkassen spätestens bis zum 31. Dezember 2021.

(2) Der Spitzenverband Bund der Krankenkassen führt die Daten nach Absatz 1 zusammen, prüft die Daten auf Vollständigkeit, Plausibilität und Konsistenz und klärt Auffälligkeiten jeweils mit der die Daten liefernden Stelle.

(3) Der Spitzenverband Bund der Krankenkassen übermittelt

1. an das Forschungsdatenzentrum nach § 303d die Daten nach Absatz 1 ohne das Versichertenkennzeichen, wobei jeder einem Versichertenkennzeichen zuzuordnende Einzeldatensatz mit einer Arbeitsnummer gekennzeichnet wird,

2. an die Vertrauensstelle nach § 303c eine Liste mit den Versichertenkennzeichen einschließlich der Arbeitsnummern, die zu den nach Nummer 1 übermittelten Einzeldatensätzen für das jeweilige Versichertenkennzeichen gehören.

Die Angaben zu den Leistungserbringern sind vor der Übermittlung an das Forschungsdatenzentrum zu pseudonymisieren. Das Nähere zur technischen Ausgestaltung der Datenübermittlung nach Satz 1 vereinbart der Spitzenverband Bund der Krankenkassen mit den nach § 303a Absatz 1 Satz 2 bestimmten Stellen spätestens bis zum 31. Dezember 2021.

(4) Der Spitzenverband Bund der Krankenkassen kann eine Arbeitsgemeinschaft nach § 219 mit der Durchführung der Aufgaben nach den Absätzen 1 bis 3 beauftragen.“

Quelle: Bundestags-Drucksache 19/13438 https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/3_Downloads/Gesetze_und_Verordnungen/GuV/D/DVG_Bundestag.pdf

Eine Einwilligungsverpflichtung oder ein Widerspruchsrecht des Patienten zu dieser Datenübermittlung ist nicht vorgesehen. 

Immerhin haben Proteste der Datenschützer, vieler Ärzte und Ti-Gegner in den letzten Tagen noch erreicht, dass bereits die Krankenkassen ein versichertenbezogenes Lieferpseudonym zu verwenden haben, das eine kassenübergreifende eindeutige Identifikation des Versicherten ermöglicht. Die Vertrauensstelle, die gesetzlich dem Sozialgeheimnis unterliegt, überführt dieses Lieferpseudonym in ein periodenübergreifendes einheitliches Pseudonym.

Allerdings ist erwiesen, dass eine Pseudonymisierung oder Anonymisierung von Daten relativ leicht rückgängig zu machen ist, und erst im Juli hatte die SZ darüber berichtet. (https://www.sueddeutsche.de/digital/anonyme-daten-studie-1.4542458 und dazu:  https://www.nature.com/articles/s41467-019-10933-3).

Somit wird dieses Gesetz zu einer massiven Einschränkung des Grundrechts auf informationelle Selbstbestimmung, zu einer „rechtsethischen Entgleisung“. 

Der frühere Amtsarzt und ehemalige SPD-Bundestagsabgeordnete Dr. Wolfgang Wodarg, Mitglied des Vorstandes von Transparency International Deutschland e.V, schreibt dazu in einem offenen Brief an den Bundespräsidenten: 

Angesichts der bisherigen streng an der Verfassung ausgerichteten Praxis im Datenschutzrecht ist diese Gesetzgebung ein Staatstreich.“ 

Der sehr lesenswerte Brief findet sich im Ganzen hier: https://www.wodarg.com/

Wie immer man selbst dieses Gesetz beurteilen mag, es folgt der von Jens Spahn seit Jahren öffentlich vertretenen Maxime: „Datenschutz ist was für Gesunde.“

De facto haben wir also hier gläserne Patienten und zugleich gläserne „Leistungserbringer“. Und genau das scheint der Zweck dieser Bestimmung.

Dieser Eindruck wird durch zahlreiche Statements von Politikern bestätigt. So findet der Unionspolitiker und Jurist Tino Sorge, MdB, Mitglied im Ausschuss für Gesundheit (Berichterstattung Digitalisierung und Gesundheitswirtschaft der CDU/CSU-Bundestagsfraktion):

„Wir müssen nicht nur die Daten schützen, sondern die Patienten. Aktuell droht das Totschlag-Argument des Datenschutzes die elektronische Patientenakte mit all ihren Vorteilen auszubremsen. ……… Daten können hier Leben retten. Datenschutz nicht.“ 

Und so scheint Niccolò Machiavelli wieder Einzug in die deutsche Politik zu finden: „Lo scopo santifica i mezzi – Der Zweck heiligt die Mittel“.  

Das stimmt mich traurig und zugleich wütend. Vor 30 Jahren fiel die Mauer, auch sie ein Ergebnis der „Zweck-heiligt-Mittel“-Denke. Daran mag man ermessen, wie groß der politische Sündenfall im DVG im Prinzip ist. 


„Lieber Thomas, Datenschützer schützen keine Daten, sondern Menschen. Nicht aufgeben, es lohnt sich.“ schrieb mir Katharina Nocun als Widmung in ihr im letzten Jahr erschienenen Buch: „Die Daten, die ich rief –  Wie wir unsere Freiheit an Großkonzerne verkaufen“. Ein lesenswertes Buch übrigens. 

Und das stimmt. Denn Herr Sorge und Herr Spahn irren: Datenschutz ist auch was für Kranke. Geleakte oder gehackte Gesundheitsdaten können Lebensplanungen über den Haufen werfen, Berufsausbildungen verhindern, Karrieren vernichten, Versicherungen und Kredite unmöglich machen, Menschen stigmatisieren, diskriminieren und in die Verzweiflung treiben.

Und deshalb sind Ärzte Datenschützer:  Sie schützen die Gesundheitsdaten ihrer Patienten seit mindestens 2500 Jahren – und sie sollten jetzt nicht damit aufhören.

Kurz berichtet – Apikale Aufhellung – in Heilung (unter ungünstigen Bedingungen)

Die 55 jährige Patientin bekommt seit längerem Chemotherapie, Grund ist ein Tumorgeschehen, die Prognose ist leider infaust.

Man würde unter solch eher ungünstigen Rahmenbedingungen eventuell ein suboptimales Heilungsgeschehen vermuten. Nicht desto trotz zeigt sich im Laufe der Zeit im Rahmen der Nachkontrollen (letzte Kontrolle ist 20 Monate post WF) eine erfreuliche knöcherne apikale Regeneration am Zahn 47.

Das ist das Schöne an der endodontischen Behandlung. Wenn man dem Körper die Möglichkeit gibt zu heilen, sprich die vorhandenen Bakterien eliminiert, dann heilt der Körper sich selbst. Auch unter wie hier widrigen Umständen. Ich würde mich freuen, den weiteren Heilungsverlauf bei WURZELSPITZE präsentieren zu können. Das wünsche ich von Herzen der sehr netten Patientin. Die nächste Kontrolle ist in 24 Monaten vorgesehen.

Mit Navigation zum Erfolg


von Jörg Schröder

Der Titel des Beitrags ist eventuell ein wenig ungenau. Denn das was ich im Folgendem beschreibe, ist keine Navigation im Sinne einer schablonengeführten Navigation wie bei der Guided Endo oder der navigierten Implantation mit Hilfe von Bohrschablonen.

Es ist navigiertes Behandeln und am besten zu vergleichen mit navigiertem Autofahren. Der Fahrer (Behandler) hat eine Karte (DVT)  auf seinem Bildschirm (Monitor) und gleicht das reale Bild (das Mikroskopbild) mit dem Karten-(DVT-)Bild ab. Ständig.

Er weiß zum Beispiel, dass es in 150 Metern eine enge Rechtskurve geben wird und er die Geschwindigkeit reduzieren muss. Zumal nach der Kurve eine Einmündung zweier weiterer Straßen erfolgt.

Die mittlerweile mögliche Abbildungsgenauigkeit kleinvolumiger DVT versetzt den Behandler*in heutzutage in die Lage, bei der Aufbereitung komplexer Anatomie in ähnlicher Weise von seinem „Kartenwissen“ zu profitieren.

Das Vorhandensein eines Middle Mesial war im heute vorgestellten Behandlungsfall beim Durchfahren des achsialen Schnittes sofort ins Auge gefallen. Aus einem koronal schlitzförmigen Kanaleingang mesiolingual gabelt sich nach ca. 3 mm der MM vom ML ab, um im unteren Wurzeldrittel mit ML und MB zu konfluieren.

Eine tiefe Aufgabelung in D war ebenfalls präoperativ bekannt.

Worin liegt nun der Vorteil der dreidimensionalen Diagnostik? Reicht nicht mein Mikroskop alleine aus, um diese Fallstricke zu erkennen? Vielleicht ja. Aber anstatt mich zögernd im Bereich des Pulpakammerbodens nach unten zu bewegen, da ich ja erst beim Präparieren sehe, was als nächstes kommt (Aufgabelung, tiefer Isthmus, Konfluation oder Kommunikation), kann ich mit dem Wissen aus dem DVT meine Instrumente von Beginn an gezielt und effizient einsetzen.

Der Isthmusbereich zwischen MB und ML wurde von Beginn an mit Munce-Bohrern absteigender Größe bearbeitet. Aus dem schmalen schlitzförmigen Eingang mesiolingual wurde mit dem kleinsten Munce-Bohrer innerhalb weniger Sekunden die Aufgabelung von MM und ML freipräpariert.

Die initiale Instrumentierung erfolgte in üblicher Weise mit ProFile-Instrumenten 15/04, 20/04 15/06 bis ca. 1 mm fern des zu erwartenden apikalen Endpunktes. Diesen hatte ich mir bereits vor Behandlungsbeginn am DVT ermittelt. Der Verlauf des ML im koronalen Schnitt war harmonischer und weniger abrupt. Also erfolgte die Aufbereitung zunächst in diesem. Dann die des MB. Dieser krümmte sich stärker von bukkal nach lingual, als es der ML von lingual nach bukkal tat. Da der gemeinsame Kanalverlauf bereits vom ML aus aufbereitet war, musste das Instrument im MB apikal keine Klemmung befürchten.

Erst jetzt wurde der MM in vollrotierender Weise instrumentiert. Ein Scouten mit Handinstrumenten war nicht notwendig. Der Verlauf der Kanäle ja bereits bekannt.

Benutzt man zudem noch die Spanräume seiner Instrumente als Informationsträger, kann man seine Annahmen zum Kanalverlauf und der Lage der Kommunikation überprüfen. Der in den Spanräumen gefangene Debris gibt Auskunft darüber, wo das Instrument formatfüllend Wandkontakt hatte.

Auch ist das Wissen darüber, welche Aufgaben zu lösen sind, hilfreich, um das Behandlung-Setup perfekt vorbereiten zu können.  Meine Mitarbeiterinnen konnten alles vorbereiten, was im Verlauf der Behandlung zum Einsatz kommen würde.

Squirting-Technik für die tiefe Aufgabelung in D,  laserunterstützte Irrigation bei tiefer Konfluation von MB, MM und ML. Hyflex-Instrumente für die gekrümmten mesialen Kanalsysteme. Da das DVT präoperativ angefertigt wird, konnte sogar der Kostenplan die spätere Behandlungssituation exakt abbilden.

Auch wenn es einer gewissen Romantik entbehrt, zu wissen, was nach der nächsten Kurve kommt, vermisse ich das Fahren „ohne“ nicht eine Sekunde.

 

 

Freitag Abend „Youtube Music“ Episode 7

An diesem Lied gibt es nichts, was nicht perfekt wäre.
Bis ins kleinste Detail.

Jede einzelne Note, Jede Instrumentierung, jede Phrasierung, der Text, der Sound, die Ausführung. Im Video erfährt man etwas über die Entstehung.

Es geht nicht besser.
1974.
England.

10cc – I m not in love.
Queen – Bohemian Rhapsody.

Jetzt Du, 2019 ?

Wie bin ich drauf gekommen ?

Weil ich letzte Woche bei Jacob Collier dieses Lied hier gefunden habe.

Moon River.
Dessen Anfang in Colliers Version dieses All Time Favorite frappant an 10 CC erinnert.
Eine „Wall of Voices“.

Und eine Interpretation, die eigenständig neben dem Original bestehen kann.
Welches natürlich legendär ist. Die Eingangssequenz des Hollywood – Films „Frühstück bei Tiffany“. Henry Mancini der Komponist. Truman Capote der Storyteller. Blake Edwards der Regisseur. Audrey Heburn als Holly Golightly. Im Kleid von Givenchi. Die im Film selbst das Lied auf der Gitarre begleitend interpretiert. Und eine Stadt, die, man betrachte nur die Kamerablicke 5th Avenue Ecke 57th damals wie heute fasziniert.

Aber zurück zu 10 CC.

Am bekanntesten vermutlich war 10 CC neben I m not in love durch Dreadlock Holiday. Das war 1978.

Von „I m not in love“ gibt es eine relativ neue Live- Version von 2011.

So sah das damals im Fernsehen aus.

Kaum zu glauben, das nur ein Jahr zuvor die Band mit irgendwas in der Mitte zwischen Bubblegum Pop und Glam Rock in den Charts zu hören war.

Da fällt mir natürlich sofort „The Sweet“ ein. Ballroom Blitz.

Und jetzt kann ich mich nicht entscheiden.
Ballroom Blitz ruft mir The Knack in Erinnerung. My Sharona. Von 1979. War aber eigentlich damals aus der Zeit gefallene Musik. Die Jungs wurden im Übrigen als die neuen Beatles in der Musikpresse und vermutlich vom Bandmanagement hochgepusht. Wegen der ausgefeilten Chorgesänge. War von Beginn an peinlich der Vergleich, das hatten die Jungs eigentlich nicht verdient, auch wenn es bei zwei Hits (der andere war „Good Girls don´t“) geblieben ist. Egal, „My Sharona“ ist ein Meisterwerk, bei seinem Erscheinen aussergewöhnlich, aber ein Hit von vielen, heute, gereift wie guter Whiskey ein perfekter geradliniger Rocksong.

Zurück in die frühen Siebziger zu dem anderen Act, den Ballroom Blitz bei mir aufblitzen lässt. T Rex. Marc Bolan Superstar. Musikbanalitäten, die sich sofort und für immer im Gehörgang festsetzen. Wer sonst hätte es sich leisten können, in „Hot Love“ die vermutlich bis heute längste Ausblende aller Zeiten in einem Hit unterzubringen. Was hätten wir von Marc Bolan (keine Ahnung, wie der andere Typ bei T Rex hiess – Hallo Google – aha – Steve „Peregrin“ Took) erwarten können, wenn er nicht viel zu früh bei einem Autounfall ums Leben gekommen wäre. Steve Peregrin überlebte ihn nur ein paar Jahre, er starb an einer verschluckten Cocktail-Tomate. Auch das typisch Siebziger.

In den Achzigern wurde Get it On gecovert von „The Power Station“, einer sogenannten Super Group, mit Robert Palmer Gesang, Tony Thompson am Schlagzeug und mit Andy und John Taylor von Duran Duran an Gitarre und Bass.

Und schon sind wir bei „Girls on Film“.
Die New Romantics.
Frühe Eighties.
Damit gings los für Duran Duran.

Dabei wollte ich eigentlich hier nur The Making of “ I m not in Love“ hier posten.
Aber so sind die Freitag Abend Youtube Video – Nächte eben.

Frontzahntrauma und die Folgen einer Nichtbehandlung

von Jörg Schröder

Der hellste Fleck auf der Wissens-Landkarte der meisten Absolventen eines deutschen Zahnmedizinstudiums – und hier schließe ich mich ausdrücklich ein – liegt unmittelbar nach Abschluss des Studiums meiner Meinung nach im Bereich der Behandlung traumatischer Zahnverletzungen. Im weiteren Verlauf der beruflichen Karriere macht das Thema „Trauma“, wenn überhaupt, nur einen verschwindend geringen Teil der praktischen Tätigkeit aus. Warum sich also auf diesem Feld weiterbilden?  Zudem gerät erworbenes Wissen recht schnell in Vergessenheit, wenn es nicht regelmässig angewendet oder aufgefrischt wird.

Die tägliche Praxis zeigt dabei immer wieder erschreckend auf, wie Untätigkeit oder ein unangebrachtes abwartendes Verhalten die Ausgangssituation für einen Zahnerhalt dramatisch verschlechtert. Ein alltägliches Beispiel dafür wurde vor kurzem hier vorgestellt.

Dabei handelt sich bei den betroffenen Zähnen oftmals nicht um einen 6-Jahr-Molaren, dessen Verlust kieferorthopädisch vorhersagbar ausgeglichen werden kann, sondern zumeist Oberkieferfrontzähne, genauer die Zähne 12-22. Die jungen Patienten im Alter von 6-10 Jahren werden durch ein oftmals der Unsicherheit oder dem fehlenden Wissen geschuldetem Abwarten um relativ gute Chancen beraubt, die manchmal unwiederbringlich verloren gehen. Das zur Verfügung stehende Therapiespektrum ist, bei einem zeitlich stark verzögerten Behandlungsbeginn, häufig sehr eingeschränkt und kompromissbehaftet.

So auch in nachfolgendem Behandlungsfall eines 7-jährigen Patienten.

Zahn 11 mit unkomplizierter Kronenfraktur und massiver Intrusion. Das Röntgenbild wurde am Unfalltag erstellt. Nach also loco erfolgter forcierter Reposition wurde der Zahn in mir und unbekannter Weise geschient.

Zwei Monate nach dem Trauma, die Schienung war nach 3 Wochen entfernt worden, zeigt sich folgendes Bild.

Nachdem eine vestibuläre, druckdolente Schwellung auftrat, erfolgte die Überweisung in unsere Praxis. Der Zustand des Zahnes stellt sich 3 Monate nach dem Unfall radiologisch so dar:

Neben einem im Vergleich zu Zahn 21 arretierte Wurzelwachstum und einer apikalen Aufhellung sind deutlich infektionsbedingte externe Wurzelresorptionen zu erkennen, die schon im Röntgenbild 2 Monate nach dem Trauma zu erkennen sind.

Die Ausgangssituation für einen erfolgreichen Erhaltungsversuch ist durch das Abwarten deutlich kompromittiert worden. Welche Behandlungsoptionen stehen zur Verfügung?

Neben dem Versuch der Revitalisierungstherapie kommt, bei entsprechendem Entwicklungsstand der „Spenderzähne“,  eine autologe Zahntransplantation in Frage.

Doch was, wenn es bis dahin noch eine längere Zeit dauert? Ein weiteres Abwarten führt dann mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu einem Zahnverlust mit allen damit verbundenen negativen Auswirkungen auf das Wachstum dieser Kieferregion.

Daher wurde den Eltern des jungen Patienten zunächst ein zweizeitiges Vorgehen im Sinne einer Revitalisierungstherapie mit dem kurzfristigen Ziel vorgeschlagen, die infektionsbedingte externe Resorption zu stoppen.

In der ersten Sitzung wurde nach Aufbringen eines palatinalen „Bauches“ aus Komposit der Zahn 11 eröffnet, das nekrotische Pulpagewebe entfernt und nach ausgiebiger Irrigation mit 1,5&-igem NaOCl eine aus einer Mischung aus Ciprofloxacin und Metronidazol bestehende medikamentöse Einlage eingebracht. Nach 2 Wochen wurde diese entfernt und nach Initiierung einer Blutung aus der apikalen Papille das Blutkoagulum mit MedCem abgedeckt. Abschliessend erfolgte der dentinadhäsive Verschluss mit Komposit.

Die Abdeckung des MedCem erfolgte mit Ultrablend, einem lichthärtendem CaOH2-Präparat. Dies erleichterte den adhäsiven Verschluss deutlich, ermöglicht es doch eine Absprühen der Phosphorsäure und ein Verblasen des Bondings ohne dabei Gefahr zu laufen, den MedCem herauszulösen. Allerdings ist der Röntgenkontrats des Ultrablend geringer als der der übrigen Materialien.

3 Monate nach Abschluss der Behandlung erscheint zumindest das Zwischenziel in Reichweite zu liegen. Die externe Resorption scheint nicht weiter voranzuschreiten. Die apikale Aufhellung ist in Rückbildung begriffen. Klinisch ist der Zahn vollkommen beschwerdefrei. Der Klopfschall erscheint physiologisch. Die Beweglichkeit, erstaunlich für mich, nur minimal erhöht.

D

Kurz belichtet – Ausgeheilt ! „Trotz“ Puff

Von Bonald Decker

Hier ein Revisionsfall mit Nachkontrolle nach 3 Jahren von uns.

Zahn 46; zweizeitige Behandlung, med. Einlage Ca(OH)2, warm-vertikale Verdichtung von Guttapercha & Epoxidharz-Sealer; adhäsiver Verschluss der Zugangskavität, Behandlungsdauer insgesamt 2 1/2h.

Alio loco angefertigtes Ausgangsröntgenbild

 

Revision a la „Schröder-Hedströmtechnik“

Mess- bzw. Masterpoint-Röntgenaufnahme

WF-Kontrolle nach Downpack und erstem Backfill (Sealer:AH plus)

Post-operative Situation

3 Jahre post-operativ

 

„Trotz“ des für meinen Geschmack „zu gross“ ausgefallenen Sealer-Puffs mesial ist die vormals ausgeprägte apikale Parodontitis ausgeheilt…

zur Freude aller Beteiligten

Jetzt noch besser ! Zuhause ! Mit Ton !

Demnächst an dieser Stelle bei WURZELSPITZE Plus.

Ein Traum wird wahr ?
Vielleicht.

Wäre es nicht schön ?
Fachvorträge vom Sofa aus. Ohne das Haus verlassen zu müssen.
Wann immer man Zeit und Lust dazu hat. Das kann zwar reale Fortbildungstreffen nicht ersetzen (und ist deshalb auch nicht unser für 2020 angekündigter geheimnisvoller Count Down-Event). Aber ist vielleicht eine sinnvolle Ergänzung.

Und deshalb- lange lange schon gehegte Idee – wer fliegt schon gerne wegen eines Vortrages für 4 Tage nach USA, wenn er nicht muss – wollen wir das mal angehen, versuchen.

Den Anfang macht diese Woche noch Jörg Schröder.
Mit einem Vortrag über Recalls in seiner Praxis. 20 Minuten aus der Praxis für die Praxis.

Und dann sind wir gespannt auf das Feedback.
Wenn die Idee ankommt, werden wir das immer mal wieder machen.
Vielleicht sogar interaktiv.

Für Alle bei WURZELSPITZE Plus.
Zum Zuschauen. Teilnehmen. Austauschen. Lernen.

Fast 15 Jahre im Recall – Zahn 36 (3)

Heute möchte ich noch einen Fall, den wir länger nachuntersucht haben, vorstellen.
Der Zahn 36 verursachte 2005 Beschwerden. Die Patientin gab an, daß er aufbiß- und druckempfindlich ist. Die Sondierungstiefen waren nicht pathologisch erhöht und der Lockerungsgrad war 0. Die Erhaltung des Zahnes 36 war der Patientin sehr wichtig. Das Implantat als Alternative möchte die Patientin noch vermeiden.

Wir haben uns nach eingehender Beratung und Risikoeinschätzung mit der Patientin zum Erhaltungsversuch entschieden.
Unsere Diagnose: P. apicalis, Z.n. Wurzelkanalbehandlung mit Stiftinsertion mesial und distal.

2005 waren Ultraschallansätze nicht so entwickelt, wie derzeit. Unser damalig wichtigstes Stiftentfernung-Set war der Ruddle Post Remover. Ultraschallansätze kamen zusätzlich zur Anwendung.

Dadurch, daß es sich um geschraubte Stifte handelte sahen wir der Aufgabe in diesem Fall als lösbar an und rechneten nicht mit Problemen.                                                                                                                                                                                                          Hier das Ausgangsbild.
Wie sehen Sie die Prognose?

Dong Saeng

„Dong Saeng“ ist koreanisch und bedeutet kleiner Bruder.
So habe ich intern in unserer Praxis das neue EQ – S- Gerät der Firma Meta Biomed getauft.

Kleiner Bruder des VDW Eddy ?
Des Endo – Aktivators ?
Unseres Morita AdvErL Evo Lasers ?

Damit wäre schon mal ein Hinweis gegeben, worum es sich beim Dong Saeng handelt.
Ein Gerät zur Aktivierung von endodontischen Spülflüssigkeiten.

Ein kabelloses Gerät wohlgemerkt, das sich ideal in unseren endodontischen Workflow integrieren liesse, denn mittlerweile ist fast alles in diesem Zusammenhang frei von störenden Zuleitungen und damit optimal für das Arbeiten unter dem OP – Mikroskop abgestimmt.

Das große Aber ?

Die bisherigen Anwärter enttäuschten auf ganzer Linie.
Zunächst der Endo- Aktivator, großmündig als Tsunami für den Wurzelkanal angepriesen. Unser Exemplar, dem Hörensagen nicht das einzige, zeichnete sich vor allem dadurch aus, dass auch bei Nichtbenutzung eine Batterieentladung stattfand. Worst Case ? Freitag mittag für den letzten Patienten die Batterie gewechselt, Montag morgen beim ersten Patienten kein Strom.

Und das Spülergebnis ?
Für mich ein Gerät, das dem Behandler ein gutes Gefühl vermittelt.
Man tut was.
Offensichtlich. Es blubbert in der Kavitiät.
Was aber vom beschworenen Tsunami im Wurzelkanal wirklich ankommt, steht auf einem anderen Blatt. Wir sind, nach vielen Jahren des zufriedenen Arbeitens mit unterschiedlichen Prototypen seit dessen Markteinführung zum VDW Eddy gewechselt.

Nachteile ?
Kabelgebunden (kann man mit leben), Kavo Airscaler notwendig, Preis für die Einmal-Ansätze (ich sag mal „ambitioniert“) und- für mich am frustransten – Bruchrisiko der dünnsten Spitzenanteile.

Vor 4 Jahren ergab sich dann die Möglichkeit, ein kabelloses, akkubetriebenes Ultraschallgerät zur Spülung im Wurzelkanal zu testen. Den Namen behalte ich für mich, weil das Ergebnis einfach unterirdisch war. Nicht mal geschenkt hätte ich diese „Maschine“ in unserer Praxis eingesetzt. Schade, aber leider frustrane Realität. 2 Jahre später kam einer meiner WURZELSPITZE – Mitstreiter unabhängig von mir zum gleichen Ergebnis.

Der Traum vom optimalen Workflow der Spülflüssigkeitenaktivierung schien ausgeträumt. Daran ändert auch die Verwendung des Morita AdvErL Evo Lasers in unserer Praxis nichts. Denn die Schwanenhalsführung der Glasfaserzuleitung ist zwar vom Handling her wesentlich besser als die alternativ verwendete Spiegelarm-Variante des Mitbewerbers (einfach mal auf Fachmessen im Vergleich testen, wir hatten über ein Jahr hinweg beide Geräte side by side in der Praxis), aber das bodenständige, rollenbestückte Gerät am Ende und der genau festgelegte und damit limitierende Radius der Arbeitsräume des de facto festgebundenen Handstücks beschränken die gewünschten ergonomischen Freiheiten.

Auf der IDS 2019 hatte ich dann zum ersten Mal den EQ- S der Firms Meta Biomed in Händen. Im Grunde eine batteriebetriebenen Schallzahnbürste mit einer weichen flexiblen Spülspitze als Einmalartikel. Letztere aus Kunststoff oder Silikon, bislang keine Angaben vom Hersteller diesbezüglich, ich liefere die Info nach.

Kein „rocket science“ eigentlich, aber das Beispiel Endo-Aktivator hatte ja gezeigt, das die Tücke im Detail steckt.

Im Messestand bedingten In Vitro-Reagenzglas in Form eines IKEA – Wasserglases sah das vom EQ-S erzielte Verwirbelungsergebnis schon mal überraschend gut aus.

Grund genug, das Meta Biomed EQ-S in unserer Praxis auszuprobieren.

Und dort funktioniert seitdem das Gerät so gut, dass es in unseren Standard – Workflow integriert wurde.


Hier die wichtigsten Eckpunkte: Es spült. Augenscheinlich. Quirlig. Das sollte selbstverständlich sein, war es aber in der Vergangenheit bei 2-3 mal so teuren Geräten nicht. Von der Intensität her vergleichbar dem Endo- Aktivator. Aus der Erinnerung heraus geschrieben. Ich hätte ja gerne beide Geräte Seite an Seite miteinander verglichen, aber unser Endo- Aktivator ist kaputt. Durch den fortwährend notwendig werdenden Batteriewechsel ging nach vergleichsweise kurzer Zeit das dünnwandige Kunststoffgehäuse zu Bruch, es bekam einen Riss im Bereich des Batteriedeckels.

Der Eddy ist natürlich eine ganz andere Hausnummer, was die Spülwirkung angeht.
Hier wäre meines Erachtens das Wort Tsunami wesentlich eher angebracht als bei unseren beiden zweckentfremdeten Schallzahnbürsten. Allerdings birgt er aber auch, wie schon vorab beschrieben, die Gefahr des Bruchs der Spülspitze. Welche dann möglicherweise so ungünstig im Wurzelkanal eingeklemmt sich darstellt, dass eine Entfernung des Fragments nicht möglich ist. Was im Übrigen auch passieren kann, wenn man die üblichen Sicherheitsvorkehrungen befolgt. Den Eddy nie frei im Raum schwingen lassen und immer nur aus dem Kanal heraus arbeiten, niemals nach unten in den Kanal hinein vordringen, solange die Spitze aktiviert ist. Und mit einem Tip Snip den dünnsten Teil der Spitze abschneiden (der Apikalen Master-Feile vom Durchmesser her angepasst kann so auch ein versehentliches apikales Überinstrumentieren sicher vermieden werden) hat sich auch als sinnvolle Spitzenbruchprophylaxe erwiesen.

Das Gute am EQ-S ist, es bedarf dieser Vorsichtsmaßnahmen nicht. Im Gegenteil. Der Spitzenansatz ist unkaputtbar. Bis heute ist keine einzige Spitze gebrochen, geschweige denn eingeklemmt im Wurzelkanal zurückgeblieben. Man kann sogar aktiv in die Kanäle vordringen. Die flexible Spitze leicht vorgebogen sucht sich von selbst ihren Weg in alle Wurzelkanäle, man muss die Spitze während des Spülvorganges nur so ungefähr in Kanalrichtung platzieren und merkt dann am Vordringen, wie das EQ- S seinen Weg nach apikal findet. Im aufbereiteten Kanal wohlgemerkt, nur das keine Missverständnisse auftauchen. Ebenso unverwüstlich scheint die Batterie. Wir arbeiten seit März 2019 mit dem Gerät und mussten bislang nur 2 mal die Batterie wechseln. Die Spülspitzen (in 3 Größen 15, 25 und 35 erhältlich, wir nutzen meist 35, seltener 25, 15 nie) sind deutlich günstiger als beim VDW Eddy-System. 30 Spitzen für das EQ-S kosten 45 Euro + MWS.

Alles in Allem hat uns das Meta Biomed EQ-S Gerät positiv überrascht.
Es hat seinen Platz in unserem endodontischen Arbeiten gefunden.
Den Eddy, den wir trotzdem nicht missen wollen, nutzen wir nur noch im Rahmen der Entfernung von pastösem Calciumhydroxid aus dem Wurzelkanal. Vor Wurzelkanalfüllung. Für die Spülung der Wurzelkanäle im Rahmen der Wurzelkanalaufbereitung kommt bei uns ergänzend zum Morita AdvErL Evo Laser nun das EQ-S zum Einsatz. Das Schöne ist, der Blick muss dabei auch beim vierhändigen Arbeiten nicht vom OP- Mikroskop weggewendet werden. Der Gerätewechsel vom Aufbereitungshandstück zum EQ-S und zurück geht innerhalb einer sprichwörtlichen Sekunde. Ein bedeutsamer, im Praxisalltag als sehr angenehm empfundener ergonomischer Vorteil.

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen. Dem Autor wurde ein EQ-S- Gerät und 30 Spülspitzen für den Praxistest kostenlos zur Verfügung gestellt.

Hedströmfeile, eine Hassliebe!

von Jörg Schröder

Hedströmfeilen laden geradezu dazu ein, sie nicht so zu benutzen, wie es eigentlich vorgesehen ist. Anstatt einer reibenden Auf- und Abbewegung schreit sie geradezu danach durch rechtsdrehende Bewegung in Richtung Apex bewegt zu werden.

In der Folge treten insbesondere in Kombination mit der Mehrfachnutzung der Wurzelkanalinstrumente Instrumentenfrakturen auf, die sowohl durch Ermüdung als auch durch Tip-Lock entstehen. Und dies Fragmente zu entfernen ist in der Regel kein Vergnügen, da sie regelrecht in den Wurzelkanal eingebolzt wurden.

Verzichtet man darauf, mit Hedströmfeilen Wurzelkanäle erweitern zu wollen, leisten sie beim Entfernen vorhandener Wurzelfüllmassen aus Guttapercha jedoch hervorragende Dienste.

Dabei sollten ein paar Hinweise beachtet werden:

  1. Der gewählte Durchmesser  der einzusetzenden Hedströmfeile muss immer kleiner sein, als der apikale Durchmesser des zu entfernenden Guttaperchapoints.
  2. Bei sehr fester Guttapercha empfiehlt es sich, die obere Hälfte der Guttapercha zu entfernen, um die mögliche Friktion des zu entfernenden Restes zu verringern.
  3. Sind lateral Spalten zwischen Kanalwand und Guttapercha vorhanden, können diese als Weg des geringsten Widerstandes zum Eindrehen der Hedströmfeile gewählt werden.
  4. Gibt es keine laterale Spalten, wird eine Hedströmfeile kleinen Durchmessers (ich beginne sehr häufig mit einer Hedströmfeile ISO 20) zum Tunnelieren der Guttapercha benutzt.
  5. WICHTIG: Die Hedströmfeile unter endometrischer Kontrolle bis zum physiologischen Foramen (ELM 0,0) hineinbewegen. Eine kürzere Eindrigtiefe birgt die Gefahr des Abreißens des apikalsten Guttaperchastückes. Sollte dies Passieren, ist das Risiko eines unabeabsichtigten Verbringen nach periapikal sehr groß.
  6. Nach Erreichen der gerade beschriebenen Eindringtiefe kann zunächst mit Fingerzug versucht werden, die Hedströmfeile nach koronal herauszuziehen.
  7. Ich benutze  dazu fast immer eine über die Fläche gebogene Arterienklemme. Diese wird nach Verschieben des Silikonstopps so angesetzt, dass sie die Hedströmfeile direkt am Rand der Zugangskavität fasen kann.
  8. WICHTIG: Die Arterienklemme immer bis zur letzten Raste arretieren!
  9. Rutscht die zuerst gewählte Hedströmfeile aus der Guttapercha heraus, so wiederholt man die Prozedur mit der nächst größeren Hedströmfeile. Da die Eindringtiefe bekannt ist, kann die Mitarbeiterin die jeweils nächste Hedströmfeile auf die gewünschte Länge voreinstellen.
  10. WICHTIG: Der Versuchung widerstehen, einen Durchmesser zu überspringen. Wichtig ist die korrekte Auswahl des ersten einzusetzenden Instrumentes.
  11. WICHTIG: Immer fabrikneue Instrumente einsetzen und diese nach Benutzung verwerfen. Ist das Vordringen insbesondere von Feilen der Größe ISO 20 und 25 sehr schwierig, die Instrumente unter dem Mikroskop herausdrehen und auf Verdrillenden und Formveränderungen achten. Im Zweifel Instrument verwerfen. Kostet zwar ein wenig Geld, spart aber Zeit, weil man kein Fragment entfernen muss.

 

 

Freitag Abend „Youtube Music“ Episode 6

Über Marc Craney, den Ausnahmedrummer von Gino Vanelli habe ich schon (hier) berichtet.

Und wollte im heutigen Beitrag weitere hervorragende Schlagzeuger, alte und junge, legendäre und unbekannte vorstellen. Und auf einen hervorragenden Musikfilm hinweisen.

Aber ich bin vom Thema abgekommen im Laufe des Abends. Und so ist diese Episode gefüllt mit jungen Ausnahmetalenten.

Legen wir los.
Mit diesem japanischen Mädchen, zum Zeitpunkt des Videos 12 Jahre alt.
Sie treibt vermutlich 98 Prozent aller Schlagzeuger auf der Welt Tränen in die Augen.
Entweder vor Rührung über so viel Können oder aus Frust vor der Erkenntnis, das man nach vielleicht 30 Jahren Spielpraxis nicht annähernd eine solch eine Präzision, Kreativität und so viel Rhythmusgefühl erlangt hat wie Kanade Sato.

Gehts noch jünger ? Dieser kleine Musiker ist 4 Jahre alt. Und was der hier (Man denke dran, in dem Alter sind viele Kinder nicht in der Lage, aus Bauklötzchen einen Turm zu bauen) abliefert, ist einfach unglaublich.

Instrumentenwechsel. Stromgitarre.

Room 335. Larry Carlton. Gitarrengott.

Einer der gefragtesten Studiogitaristen der 70er und 80er. Sein Gitarrensolo zu Kid Charlemagne (wir werden später uns dem eingehend widmen) stand lange Zeit in der Top 5 der besten Gitarrensoli aller Zeiten in der Bestenliste des „Rolling Stone“.

Jess Lewis brilliert. Mit 17. Musikalität und Swing – 10 Punkte.

Und noch ein ganz junger Gitarren-Gott, dem die Musikalität offensichtlich in die Wiege gelegt wurde. Toby Lee. He´s got the Blues ! Mein Favorit „Long Train Running“ von den Doobies.

Wie wäre es mit Gesang ?

Jacob Collier.

Zu Beginn.

und heute.

Und da wäre noch der Wechsel ins Klassikfach. Mein Favorit. Aimi Kobayashi. Mit 4 Jahren.

Mit 7 Jahren. Und einer unglaublichen Leichtigkeit.

Mit 14 Jahren. Waldstein- Sonate ! Nicht Für Elise.

Chopin -Wettbewerb. Erst Trifonov. Jetzt Kobayashi. Was wohl in den Köpfen der Jury – Mitglieder vorgeht. Aber darin hat dieser Wettbewerb eine lange Tradition. Das war schon zu Zeiten Pogorelichs und Marta Argerich so und das (aus dem Gedächtnis heraus) war in den frühen 80ern.

Neue Rubrik: Der maligne Patient

Das kennen wir doch Alle.
Es gibt diese IMMER BESONDERS fordernden Patienten.

Und man schon Magenschmerzen bekommt, wenn man nur zufällig den Namen am Telefon hört. Die man mit Samthandschuhen anfasst, Ihnen jeden Wunsch (Ich möchte aber morgens immer als Erstes drankommen, damit ich nicht warten muss, würden Sie bitte die Musik ausmachen, ich hab mich bei Ihnen das letzte Mal erkältet, wegen der Klimaanlage, ihr Behandlungsstuhl ist sowas von unbequem, ich brauch eine Kissen und eine Nackenrolle) erfüllt, man peinlichst drauf bedacht ist, denen alles recht und vor allem in der Sache besonders gut zu machen und die einen trotzdem dann nach der Behandlung in die Pfanne hauen.

Die wollen wir hier bei WURZELSPITZE Plus vorstellen.

Drüber sprechen.

Geteiltes Leid ist halbes Leid.

Was man tun kann.
Damit man gut aus der Sache rauskommt und so etwas in der Zukunft nicht oder zumindest nicht mehr so leicht passiert.

Klar demnach: Diese Rubrik lebt von den Kommentaren der WURZELSPITZE Plus – Leser ! Weint mit uns ! Lacht mit uns ! Ballt mit uns gemeinsam die Fäuste !

Revitalisierung bzw. Regenerative Endodontie (I)

Von Bonald Decker

 

Über regenerative Maßnahmen in der Endodontie (vormals Revitalisierung) ist auf WURZELSPITZE in den letzten Jahren viel berichtet worden (u.a. hier I, II; III)

Unsere Erfahrungen mit diesem Vorgehen sind in der Mehrzahl der Fälle überaus positiv.

Hier einige unserer Fälle in der längerfristigen Nachkontrolle.

Unser Protokoll ist seit vielen Jahren gleichgeblieben und folgt den Empfehlungen der ESE.

Geändert hat sich, dass wir seit einiger Zeit Biodentine statt MTA verwenden. Unsere Erfahrung damit ist, dass sich hierdurch die unschönen Verfärbungen vermeiden lassen… mehr dazu demnächst.

Hier ferner noch ein interessanter Artikel zu möglichen Gründen für Misserfolge der Technik

Regenerative Endodontics- A Systematic Analysis of the Failed Cases

Ausgeprägte Aufhellung bei UK-Prämolaren – Recall nach 12 Monaten

Von Bonald Decker

Ende Oktober diesen Jahres hatte ich hier über die Revision dieses Prämolaren berichtet:

Was ich Ihnen damals vorenthalten hatte waren die Informationen des im Vorfeld angefertigten DVTs der Region…

es zeigt eine Art „Knochenfistel“ wie ich es in dieser Form bisher noch nicht kannte.

voila:

Vor zwei Tagen war der Patient zur 1-Jahres-Nachkontrolle bei uns.

Der Heilungsprozess stellt sich weiterhin sehr positiv dar.

Patient und Behandlerteam sind mehr als zufrieden. Wieder ein Zahn, den wir dem Patienten erhalten konnten.

Bereits 2008 hatten wir die Zähne 17 (Revision) und 18 (Primärbehandlung) endodontisch therapieren dürfen.

Hier das letzte OPG aus der Zuweiserpraxis von 2018…

Ich „liebe“ die Endodontologie, da diese Tätigkeit in meinen Augen die beste vertrauensbindende Maßnahme in der gesamten Zahnheilkunde darstellt.

 

E N D O    R U L E S

 

:-)

„50 nicht von der Hand zu weisende, ausgesucht gute Gründe, sich auf Endodontie zu spezialisieren“ – Episode 8: „MISCHKALKULATION!“

Mischkalkulation.

Den Begriff hat sicherlich jeder Zahnmediziner in eigener Praxis im Zusammenhang mit der Abrechnung zahnärztlicher Leistungen schon vernommen. Nämlich immer dann, wenn eine Behandlung wesentlich mehr Zeit in Anspruch nahm, als vom dafür in Frage kommenden Gebührenrahmen her vorgesehen.

„Lohnt sich nicht!“ würde Benno, mein Freund, der Landmetzger sagen. „Mach ich nicht !“

„Interessiert die nicht!“ entgegne ich.
„Die“ das sind Krankenkassen, die KZV und Zahnärztekammern. Sogar in der Sache befragte Gerichte antworten diesbezüglich unisono. Und zwar wie folgt, ich zitiere von der Homepage der KZV Berlin:

Daneben endet die Behandlungsverpflichtung ebenfalls dann nicht, wenn Leistungen nicht kostendeckend erbracht werden können. Hier hat das Bundessozialgericht unmissverständlich klargestellt:

„Dem Zuschnitt der vertragsärztlichen Vergütung insgesamt liegt eine „Mischkalkulation“ zugrunde. Dieses bedeutet, dass es durchaus Leistungen geben kann, bei denen selbst für eine kostengünstig organisierte Praxis kein Gewinn zu erzielen ist.“

Es liegt in der Natur der Sache, das bei einem vorab festgelegten Honorar für eine Leistung, wie es nun mal in der Gebührenordnung für Zahnärzte, die Behandlung gesetzlich Krankenversicherter betreffend festgelegt ist, beim Überschreiten des hierfür vorgesehenen Zeitrahmens besagte Behandlung unwirtschaftlich wird. Man denke nur an eine schwierige Extraktion, die statt vorgesehener 15 Minuten 75 Minuten in Anspruch nimmt. Hätte das Bundesozialgericht lediglich darauf hingewiesen, dass in solchen Fällen die Behandlung eben nicht nach besagter Zeit abgebrochen werden darf, sondern der Patient weiter, zu Ende behandelt werden muss, unter Berufung auf die Verpflichtung als Kassenzahnarzt, dann wäre nichts dagegen einzuwenden.

Man sprach aber von einer „Mischkalkulation“. Und tut dies regelmäßig.
Immer wieder.
Seit vielen Jahren nun schon.

Was aber genau ist das ?
Eine Mischkalkulation ?

Diese ist wie folgt definiert (der Einfachheit halber und zum Nachlesen aus Wikipedia entnommen):

Unter einer Mischkalkulation (auch Ausgleichskalkulation genannt) versteht man eine Kalkulation, bei der die Verkaufspreise für einzelne Produkte nicht von den Herstellkosten, sondern von marktstrategischen Absichten bestimmt werden.

Man erwartet dabei in der Regel, dass die geringeren Gewinne oder sogar Verluste, die mit einigen dieser Produkte erzielt werden, durch entsprechende höhere Gewinne anderer Produkte ausgeglichen werden, so dass insgesamt ein akzeptabler Deckungsbeitrag erreicht wird.

Mischkalkulation kann dem Zweck dienen, die Preisgestaltung zu vereinfachen oder neue Zielgruppen zu erschließen, häufig wird damit aber auch das Ziel verfolgt, Konkurrenten aus dem Markt zu drängen, die aufgrund anderer Kostenstrukturen keine entsprechende Mischkalkulation anbieten können.

Beispiele
Flatrates basieren meist auf einer Mischkalkulation. Intensive Nutzer verursachen mehr Kosten als Einnahmen, man erwartet jedoch, dass viele Nutzer mit geringerer Nutzung diese Verluste überkompensieren. Ein anderes Beispiel sind die verschiedenen Fruchtjoghurt-Sorten eines Herstellers, die trotz unterschiedlicher Preise für die Obstsorten zu einem einheitlichen Preis verkauft werden.

Wer diese Definition liest, dem wird klar, dass der Begriff „Mischkalkulation“ im Bezug auf die Honorarsituation in der Zahnmedizin fehlgedeutet ist. Ich möchte diesbezüglich auf 3 Aspekte näher eingehen, um diese Fehlbenennung zu verdeutlichen:

  1. Mischkalkulation ist ein Begriff aus der Wirtschaft und dient ganz offensichtlich dazu, neue Kunden zu gewinnen oder neue Märkte zu erschliessen.
    Sie ist ein bewußt und gezielt eingesetztes Werkzeug zur Umsatzsteigerung und ihr liegt in der Regel eine genaue Kalkulation zugrunde. Das Beispiel MEDIA MARKT mit seinen Lockangeboten „Ich bin doch nicht blöd“ ist sicherlich Jedem geläufig. Die entsprechenden Prospekte überbieten sich mit besonders günstigen Angeboten, Fernseher, Computer, Smartphones oder Kaffeemaschinen betreffend. Es gilt, neue Kunden zu werben, Bestandskunden zu binden und/oder diese zu vermehrten Käufen zu bewegen. Beides trifft auf die Zahnmedizin nicht zu. Zum einen ist der Patient, der bei uns auf dem Stuhl liegt, fast nie ein neuer Patient, den ein Werbebanner mit der Aufschrift „Geiz ist geil“ geradewegs zu uns in die Praxis geführt hätte. Vielmehr ein Patient, der zum Teil schon viele viele Jahre zu uns kommt. Zum anderen habe ich noch keinen Patienten erlebt, den ich mit einem „zahl 2, nimm 3“ davon überzeugen konnte, sich noch eine zusätzliche Füllung in den kariesfreien Nachbarzahn applizieren zu lassen.
  2. Sogenannte Mischkalkulationen sind zeitlich und von der Stückzahl her begrenzt. Das weiss jeder, der schon mal das Pech hatte, wegen der günstigen Thermomix -Clon-Küchenmaschine statt um 8 Uhr erst um 10 Uhr in der lokalen ALDI-Filiale zu erscheinen. Und man wird keinen Media-Markt finden, in dem das vor Weihnachten zum sensationell günstigen Preis im Prospekt beworbene Ipad auch am 27. Dezember noch zum Schäppchenpreis zu haben sein wird. Diese extreme zeitliche und stückzahlenmäßige Begrenzung (ich wollte neulich im KAUFHOF einen im Prospekt beworbenen gusseisernen Kochtopf einer bekannten französischen Marke erstehen, es waren nur 2 Töpfe überhaupt ausgeliefert worden) gibt es in der Zahnmedizin nicht.
  3. Ebenso wenig wie die Entscheidung, welche Leistung zu welchem Preis ich dem Patienten vergünstigt anbiete, in die Hände des Zahnarztes selbst gelegt wird.

Was als Mischkalkulation bezeichnet wird, ist demnach nichts anderes als die Verwendung von Lockangeboten. Um, wie oben beschrieben, neue Märkte zu erschließen, neue Kunden zu gewinnen oder den Mitbewerber aus dem Geschäft zu drängen. Zeitlich klar limitiert, genau kalkuliert und mit der entsprechenden Kompensation über Zusatzgeschäfte versehen.

Ganz anders bei uns: Jedes Mal, wenn wir zu lange brauchen für eine besonders schwierige Arbeit oder weil wir uns besonders viel Mühe geben, um ein besonders schönes Ergebnis zu erzielen, jedes Mal dann kommt die Preisunterdeckung zum Vorschein. Dieses Szenario ist auch nicht an einen bestimmten Patientenkreis gebunden. Nicht zeitlich begrenzt (vor Weihnachten oder am Geburtstag des Zahnarztes oder Patienten). Und kommt auch nicht nur bei bestimmten Leistungen zur Anwendung. Es ist mir auch nicht gestattet, kompensatorisch die Preise anderer BEMA – Leistungen anzuheben.

Daher sehe ich als einzige Situation, unsere Praxis betreffend, wo ich ein solches Szenario als zutreffend mir vorstellen könnte, das Erstgespräch, die Erstuntersuchung eines neuen Patienten. Hier investieren wir viel Zeit, um Vertrauen aufzubauen und den Patienten dazu zu bewegen, unserer Therapieoption zu folgen. Viel Zeit, die mit der Gebührenposition ä1 in keinster Weise abgegolten ist. HIER tun wir dies intentionell. Auf einen bestimmten Kundenkreis beschränkt. Mit Gewinnabsicht.

Ansonsten haben wir es doch hingegen mit Arbeitssituationen zu tun, die nichts, aber auch gar nichts mit besagter Mischkalkulation zur Kundenaquise zu tun haben. Ganz abgesehen davon, dass wir keine Werbung für neue Patienten benötigen, handelt es sich bei besagter „Mischkalkulation“ ausnahmslos um Situationen, in denen die von uns geleistete Arbeit nicht ihrem Zeitrahmen entsprechend ausreichend bezahlt wird. Konkret bedeutet das: Für jede zu erbringende Arbeit steht ein genau festgelegter Zeitrahmen zur Verfügung.

Überschreitet wir diesen, so ist die gesamte zusätzlich geleistete Arbeitszeit kostenlos zu erbringen. Jede Füllung, jede Endo, jede Kronepräp oder Osteotomie, die länger dauert als vom BEMA zugestanden, zahlen wir Behandler aus der eigenen Tasche.

Und nur damit wir nicht aneinander vorbei reden.
Das keine Mißverständnisse aufkommen.
Ziel des „Tag für Tag morgens im Dunkeln aufstehen und abends im Dunkeln nach Hause kommen“ ist es, Geld zu verdienen.

DAS nennt sich ARBEIT.

Ziel dessen ist es nicht, umsonst zu arbeiten.
Sondern nicht umsonst zu arbeiten.


Das würde, wenn wir freiwillig und umsonst es tun würden, sich Spass nennen.
Wir nennen uns aber Arbeiter.
Nicht Spasser.
Sie verstehen was ich sagen möchte.
Wer arbeitet, ohne Kohle dafür zu bekommen, ist entweder ein naiver Depp oder er tut das nicht lange.
Sicherlich nicht dauerhaft.
Und schon gar nicht ein ganzes Arbeitsleben.
35 oder 40 oder bald noch mehr Jahre lang.

In keinem einzigen Fall möchte irgendjemand bei der Arbeit umsonst seinen Dienst verichten.
Niemand.
Keine Person die ich kenne, möchte zu Arbeit gehen und NICHT Geld dafür bekommen.

Jeder, den ich kenne, geht zur Arbeit UM Geld zu verdienen.
Sonst würde er nämlich zu Hause bleiben.

Denkt man das von Gerichts wegen abgesegnete Szenario im Übrigen konsequent zu Ende, wird der ganze Wahnsinns des Systems offenkundlich: Eine erbrachte Behandlung, die ihrem zeitlichen und materiellen Aufwand entsprechend unterbezahlt ist, wird als korrekt honoriert bezeichnet, weil es ja andere Behandlungen gibt, mit denen man noch Geld verdient. Folgt man dieser Argumentation, so beschränkt sich dies nicht auf eine einzige Honorarposition. So könnte ja auch eine gesamte Behandlungssituation (nehmen wir beispielhaft die Endodontie) defizitär bleiben, gibt es ja andere Behandlungen wie zum Beispiel die Parodontologie, die gewinnerbringend durchgeführt werden kann. Auf die Spitze getrieben würde man argumentieren können, dass, solange es noch irgendeine Leistung gibt, mit der in der Praxis Geld verdient werden kann, die Voraussetzungen für die Rechtmäßigkeit der gegenwärtigen Vorgehensweise gegeben sind. Man kann noch weitergehen. Theoretisch würde die Argumentationskette greifen, wenn es deutschlandweit nur noch eine einzige Praxis gäbe, die Gewinn erwirtschaften würde. Denn, wenn die Richter schon schreiben, dass selbst in optimal organisierten Praxen es zu Fehldeckungen kommen darf, dann impliziert die Verwendung dieses Ausdrucks doch bei häufiger vorkommenden finanziellen Defiziten, dass nicht die Sorgsamkeit des Arbeitens sondern der mangelhafte Workflow für die monitäre Problematik verantwortlich sein könnte. Da gibt es doch noch genug Praxen, die das hinkriegen. Oder zumindest die eine, die Leuchtturmcharakter hat. Das Gegenteil zu beweisen dürfte schwer fallen.

Zu überzogen, das Beispiel ?
Zu sehr auf die Spitze getrieben ?

Aber wo bitte schön würde die Grenze gezogen werden ?
Bei zehn Prozent unwirtschaftlicher Leistungen, bei 10 Prozent unwirtschaftlicher Praxen ?
Bei 30 %, bei der Hälfte aller Praxen, die nicht in der Lage sind, im vom BEMA vorgesehenen Zeitrahmen von 48 Minuten für die gesamte Molarenendo zu bleiben ?

„Wollen sie etwa sagen, dass ihre Kollegen eine schlechte Endo machen, nur weil diese im Gegensatz zu Ihnen keine 2,5 Stunden für die Behandlung benötigen ?“

Und schon sind wir wieder drin in der Unsäglichkeit der Argumentationspervertismus.

Denn das sind Sätze, ausgesprochen von den Kollegen in den Wirtschaftlichkeitsausschüssen, von den Standesvertretern der Zahnärztekammern. Deren Botschaft eigentlich sein müsste: Liebe Jugend, die so händeringend gesucht wird, um gerade auf dem flachen Land, in der Provinz die kurz vor dem Kollaps stehende ärztliche und zahnärztliche Versorgung aufrechtzuerhalten, überlegt es euch gut, ob ihr zu diesen Bedingungen arbeiten wollt, für die jeder Handwerker, kopfschüttelnd oder laut lachend sich umdrehen und die Baustelle verlassen würde. Wir können es Euch nicht empfehlen. Studiert lieber was anderes, wo man Euch fair und nach Stückzahl entlohnt.

Warum nun gerade die Endodontie in unserer Praxis uns die Möglichkeit gibt, diesem Hamsterrad der Fremdbestimmung zu entkommen und eine aufwandgerechte Honorierung zu erzielen, darüber spreche ich in der nächsten Episode dieser Beitragsreihe mit dem Titel „ELEKTIONSVORTEIL„.

Ich will nicht sagen. ich hab s vorher gesagt, aber ich habs vorher gesagt !

Schuld ist der Arzt, nicht die Politik, die den Anschluss erzwingt!!!

Quod erat demonstrandum !


Sensible Patientendaten in Gefahr
von Jasmin Klofta, Katrin Kampling und Anne Ruprecht

Zahlreiche Arztpraxen sind nach Recherchen von NDR und „Süddeutscher Zeitung“ nur ungenügend vor Hacker-Angriffen geschützt. Das geht aus einem vertraulichen Papier der Gesellschaft Gematik hervor, das Panorama 3 und der „Süddeutschen Zeitung“ vorliegt. Die Gematik gehört mehrheitlich dem Bund. Dem vertraulichen Gematik-Papier zufolge haben mehr als 90 Prozent der an das neue Gesundheitsdaten-Netzwerk angeschlossenen Praxen Sicherheitsrisiken in ihrer IT-Infrastruktur.

Sie sind „parallel“ an das Netz angeschlossen worden – also auf eine Art, die eine zusätzliche technische Absicherung der Praxis erfordert. Die wurde in der Regel aber nicht sichergestellt. Hacker können sich daher leicht Zugang zu den sensiblen Gesundheitsdaten von Millionen Patienten verschaffen. Dass das Problem nicht nur theoretischer Natur ist, berichten Ärzte, die auf ihren Praxis-Computern bereits Schadsoftware zum Abgreifen von Daten gefunden haben.


Ärzte sind zum Anschluss verpflichtet

Mehr als 170.000 Praxen mussten laut Bundesregierung bis Ende Juni 2019 an das neue Gesundheitsdaten-Netzwerk, die sogenannte Telematikinfrastruktur (TI), angeschlossen werden. Verweigern sich die Ärzte, wird ihr Honorar gekürzt. Das Netzwerk soll Praxen, Krankenhäuser und Apotheken miteinander verbinden und verschiedene neue Anwendungen ermöglichen, darunter auch die elektronische Patientenakte.

Dafür wurden deutschlandweit viele Praxis-Computer, auf denen sensible Patientendaten gespeichert sind, zum ersten Mal ans Internet angeschlossen. Das heißt auch: Diese Computer haben in der Regel keinen IT-Schutz wie zum Beispiel Firewalls.
Eigentlich hatte die Gematik klare Vorgaben dafür entwickelt, wie der Anschluss der Praxen zu erfolgen hat. Aber ob diese bei der Installation von den IT-Dienstleistern umgesetzt werden, überprüft die Gematik nicht, die als „Gesellschaft für Telematikanwendungen der Gesundheitskarte“ 2005 von den Spitzenorganisationen des Gesundheitswesens gegründet worden war, um die Digitalisierung des Gesundheitswesens voranzutreiben.

IT-Techniker warnt seit Monaten

Bereits seit dem Frühjahr weist der nordrhein-westfälische IT-Techniker Jens Ernst auf Sicherheitsprobleme bei den Anschlüssen an das neue Netzwerk hin. Er hatte festgestellt, dass von ihm betreute Arztpraxen auch dann parallel angeschlossen wurden, wenn sie über keinen ausreichenden Schutz vor Angriffen von außerhalb verfügten, weil die Computer mit sensiblen Daten noch nie ans Internet angeschlossen waren.

Immer mehr Ärzte wandten sich an ihn, in Tausenden E-Mails schilderten sie ihre Sorgen. Denn auch sie waren parallel angeschlossen worden, manche sogar mit abgeschalteten Firewalls und Virenscannern.

Mehr als 90 Prozent nicht wie vorgesehen angeschlossen
Bislang war unklar, wie viele Praxen betroffen sind. Interne Unterlagen der Gematik, die Panorama 3 und „Süddeutscher Zeitung“ vorliegen, zeigen nun: Im Mai waren mehr als 90 Prozent der bereits angeschlossenen Praxen in dem als kritisch bewerteten Parallelbetrieb. Dabei hätten sie in Reihe angeschlossen werden sollen: eine Anschlussmethode, bei der der Konnektor zum Netzwerk die Praxis schützen kann. Diese Installationsart sei den Ärzten aber oft gar nicht angeboten worden, heißt es in dem Papier.

So ist es auch dem niedersächsischen HNO-Arzt Ulf Burmeister ergangen, wie er berichtet. Er habe nicht gewusst, wie seine Praxis an das neue Netz angebunden sei, erzählt Burmeister. Tatsächlich wurde Burmeisters Praxis parallel angeschlossen, ohne die dafür nötigen Sicherheitsmaßnahmen. Sein Dienstleister möchte sich auf Anfrage von NDR und „SZ“ dazu nicht äußern. Mittlerweile hat Burmeister seine Praxis abgesichert.

Fraunhofer Institut: Zwei Drittel der getesteten Praxen unsicher

„Ein Drittel war sicher und die anderen zwei Drittel waren in einem beklagenswerten Zustand“, so Prof. Harald Mathis über die Sicherheit der von ihm untersuchten Arztpraxen.
Prof. Harald Mathis vom Fraunhofer Institut für Angewandte Informationstechnik FIT hat im Auftrag des Bayerischen Facharztverbands 30 parallel angeschlossene Praxen exemplarisch auf ihre Sicherheit nach dem Anschluss an das Netzwerk untersucht. „Ein Drittel war sicher und die anderen zwei Drittel waren in einem beklagenswerten Zustand“, sagt er.

Diese Praxen hätten laut Mathis so nicht an das Netzwerk angeschlossen werden dürfen. Er kritisiert, dass bei der Installation vor Ort nicht sichergestellt wurde, dass Praxen am Ende über die nötigen Schutzfunktionen verfügen. Damit sei man das Risiko eingegangen, „dass mit den Daten möglicherweise auch Schindluder getrieben wird“.

Erste Arztpraxen bereits gehackt
Für die Patienten können die Folgen beträchtlich sein: Praxen mit dem kritischen Parallel-Anschluss sind bereits gehackt worden. Ein betroffener Arzt berichtete NDR und „Süddeutscher Zeitung“: „Ich hatte große Angst. Denn wenn Daten gestohlen wurden und das rauskommt, dann ist das mein Aus als Arzt. Es geht schnell um die eigene Existenz.“

Entgegen der Datenschutzbestimmung hat der Mediziner den Angriff aus Selbstschutz daher weder den Behörden noch seinen Patienten gemeldet und will deshalb anonym bleiben. Datenschützer gehen davon aus, dass nur etwa zehn Prozent der Datenpannen und -lecks gemeldet werden.

Gesundheitsministerium sieht sich nicht in Verantwortung

Gesundheitsminister Jens Spahn möchte mit dem „Digitalen-Vorsorge-Gesetz“ die Sicherheit der Arztpraxen gewährleisten.
Für den IT-Fachmann Jens Ernst ist ein Grundproblem bei der geplanten Vernetzung, dass die Dienstleister nicht durch eine staatliche Stelle zugelassen und zertifiziert werden. Er macht das Gesundheitsministerium als Initiator der Telematikinfrastruktur für die Sicherheitslücken der betroffenen Praxen verantwortlich.

Doch das Ministerium weist dies von sich. Es erklärt auf Anfrage, dass die „IT-Netze in den Praxen nicht Teil der Telematikinfrastruktur“ seien. Die sichere Installation sei Aufgabe der Praxen zusammen mit den von ihnen beauftragten Dienstleistern. Die vom Bundesgesundheitsminister beauftragte Gesellschaft Gematik ergänzt, sie habe keine Vertragsbeziehung zu den Dienstleistern und könne „daher nicht direkt auf die Dienstleister Einfluss nehmen“. Dabei hat die Gematik laut Gesetz die Aufgabe, die Umsetzung der Telematikinfrastruktur zu überwachen.

Mit dem „Digitale-Vorsorge-Gesetz“, das vergangene Woche im Bundestag beschlossen wurde, will Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) nun nachbessern: Die Kassenärztliche Bundesvereinigung soll eine Richtlinie zur IT-Sicherheit in Praxen erarbeiten. Die soll erst ab Sommer 2020 greifen – auf den Tag genau ein Jahr nach der Anschlussfrist für die Ärzte an das neue Netzwerk.

Diagnose des Tages 22.10.2019 Unklare Schmerzen im Oberkieferseitenzahnbereich (Teil 3)

Der Rest der Geschichte (Teil 1 und Teil 2 hier) ist schnell und unspektakulär erzählt.
Endo an Zahn 24, danach Schmerzfreiheit. Es fand statt der bei uns übliche Behandlungsablauf in 3 Behandlungsitzungen. Eigentlich war ich davon ausgegangen, dass zum apikalen Verschluss der Resektionsstelle mit MTA hätte gearbeitet werden müssen, was (wir arbeiten mit MTA zweizeitig, die WF betreffend) eine 4. Behandlungssitzung notwendig gemacht hätte.

Bei der Aufbereitung zeigte sich aber sehr schnell, dass dies nicht notwendig sein würde, da wir es schon oberhalb der Resektionsstelle mit sehr engen Wurzelkanälen zu tun hatten.

Woher ich das wusste ?
Hilfreich in diesem Zusammenhang ist es, darauf zu achten, was ich als „die 4 Aggregatzustände des Wurzelkanals“ bezeichne. Dabei geht es darum, sich die Windungen unserer Aufbereitungsinstrumente (ganz gleich ob maschinell oder von Hand rotierend betrieben) unter dem Operationsmikroskop genau anzuschauen. Sind diese Windungen wie im vorliegenden Fall schon bei den dünnen NiI- Ti – Instrumenten (Flexmaster 15.04 und Wave One Gold SMALL (0.2 mm Spitzendurchmesser) mit weissen Dentinspänen durchsetzt, dann können wir davon ausgehen das

a – wir es mit einem engen Wurzelkanal zu tun haben, für den

b – eine Aufbereitung bis zum einem Spitzendurchmesser von 0,35 oder gegebenenfall auch 0,45 mm ausreichend ist, demnach ein apikaler Verschluss mit MTA nicht notwendig sein wird.

Das nachfolgende Röntgenbild wurde zum Abschluss unserer Behandlung angefertigt.
Es zeigt den Zahn 24 nach thermoplastischer Wurzelkanalfüllung in zeitgemäßer Schilder- Technik. Die Guttapercha-Mastercones wurden apikal mit Eukalyptol angepasst, um das Ausmaß an Überpressung von Sealer so gering wie möglich zu halten. Ein Procedere, das hier bei sicherlich suboptimaler Ausgangssituation wunderbar funktioniert hat, den es fand keine Sealerüberpressung statt.

Kontrolle Zahn 24 nach WF und Setzen zweier Glasfaserstifte

Noch eine Anmerkung zum im Kiefer verbliebenen Wurzelrest: In den Kommentaren kam die Frage auf, wie ich damit vorhabe, zu verfahren und ob ich besagten Wurzelrest im Rahmen der endodontischen Behandlung zeitnah im Sinne einer WSR/chirurgischen Wurzelrestentfernung beseitigen würde ? Die Antwort: Ich sehe den Wurzelrest sehr entspannt. Warum ? Weil wir von horizontalen Wurzelfrakturen her wissen, dass der apikale Bereich des Pulpastumpfes vital bleibt. Warum sollte es hier anders sein, auch wenn wir es nicht mit einer haarfeinen sondern eher mit einer sehr breiten „Fräsenfraktur“ zu tun haben. Ich gehe davon aus, das der vorhandene Wurzelrest entweder vollständig umknöchert oder aber resorbiert werden wird im Laufe der Zeit. Die Röntgenkontrollen im Laufe der Zeit werden es zeigen.

Und noch ein DVT – Ausschnitt zum Thema. Gleiche Stadt, anderer Kieferchirurg. Die Patientin, knapp über 40 Jahre alt, ZMF. Ihr Chef hat die Endos gemacht, nach Fistelbildung WSR durch den Kieferchirurg. Die Fistel ist nach einiger Zeit wiedergekommen, jetzt ( etwa 3-4 Jahre später) die Frage an mich, ob man hier noch was machen kann.

Revision nach zweimaliger Resektion

von Jörg Schröder

Bei sowohl von ortho- als auch von retrograd stark reduzierter Zahnhartsubstanz und ausgedehnten periapikalen Aufhellungen fällt die Entscheidung im Beratungsgespräch auch gegen eine Revisonsbehandlung und zugunsten einer implantologischen Versorgung.

Was aber, wenn es sich um 4 Frontzähne  (12-22) handelt, die innerhalb der letzten 10 Jahre aufgrund persistierender Entzündungen zweimal einer Wurzelspitzenresektion unterzogen worden waren?

Wie würden Sie sich entscheiden, wenn es Ihre Situation wäre? Wie ist das zu erwartende ästhetische (Langzeit)resultat, wenn 4 Implantate nebeneinander stehen? Oder doch lieber eine implantatgetragene Brücke mit entsprechender Pontic-Gestaltung?

29 Monate nach der orthograden Revision und der vom überweisenden Kollegen durchgeführten prophetischen Neuversorgung der vier Frontzähne sieht es jedenfalls erst einmal gar nicht so schlecht aus.

Aber sehen Sie selbst:

Aufgrund eines Traumas vor mehr als 30 Jahren wurden die Zähne 12-22 damals erstmals endodontisch behandelt. Ungefähr ein Jahr nach der Wurzelkanalbehandlung traten erneut Beschwerden auf, sodass vor der geplanten Überkronung, an den mittlerweile mit Wurzelschrauben versehenen Zähnen 12-22 eine Resektion der Wurzelspitzen vorgenommen wurde. Die retrograden Verschlüsse wurden ursprünglich alle mit Amalgam angelegt. An den Zähnen 21 und 22 erfolgte dann wenige Jahre später eine erneute chirurgische Intervention, da sich erneut eine apikale Aufhellung gezeigt hatte. Dieses Mal wurde zum retrograden Verschließen ein Zement eingesetzt.

Interessant, wie unterschiedlich sich die Zähne 3 Dekaden später zeigen.

Zahn 12 wurde nur retrograd gefüllt. Das Wurzelkanallumen blieb ungefüllt. Der retrograde Amalgamverschluss scheint dicht abzuschliessen, da in Einzelbild und  DVT keine apikale Aufhellung zu erkennen ist. Eine klinische Symptomatik besteht nicht.

Zahn 11 wurde bis kurz vor die Wurzelschraube resiziert. Die apikalen 1,5 mm sind des Kanals sind mit Wurzelfüllmasse versehen. Eine periapikale Pathologie fehlt. Klinisch ist der Zahn symptomlos.

Zahn 21 zeigt eine ausgedehnte periapikale Lyse mit darin befindlichem röntgenopakem Fremdmaterial. Klinisch besteht eine palpatorische Druckdolenz.

Zahn 22 zeigt im Einzelbild einen erweiterten Parodontalspalt. Klinische Symptome bestehen nicht.

Aufgrund der bevorstehenden prothetischen Neuversorgung der Zähne 12-22 sollten die vorhandenen Wurzelkanalfüllungen revidiert werden. Da die Zähne 12 und 11 keine periapikale Pathologie aufwiesen, wurde mit dem Patienten besprochen, nur die intrakanalären Füllmassen zu entfernen und die retrograden Amalgamverschlüsse zu belassen. Eine orthograde Entfernung erschien zudem aufgrund der im Vergleich zu den Amalgamfüllungen geringen Kanalquerschnitte nicht substanzschonend möglich zu sein. Die mögliche Notwendigkeit eines späteren chirurgischen Eingriffs wurde im Vorfeld der Behandlung erläutert.

Bei den Zähne 21 und 22 war geplant, die retrograden Füllmaterialien nach orthograd zu entfernen, soweit diese visualisier- bzw. mechanisch erreichbar waren. Insbesondere kranial und labial des Neo-Apex von 22 zeigten sich im DVT vermutlich in der labilen Schleimhaut eingelagerte Fremdmaterialien, die nur chirurgisch entfernt werden könnten.

Die Behandlung erfolgte in 2 Sitzungen. Den Anfang machten die Zähne 21 und 22.

Nach Entfernung der Kronen und nach präendodontischem Aufbau konnten die Wurzelschrauben nach absoluter Trockenlegung dargestellt werden. Die Entfernung der Retentionselemente erfolgte mittels feiner rotierender Instrumente. Nachdem die Schrauben auf den zylindrischen Teil reduziert waren, konnten sie mittels Ultraschallansätzen, die gegen den Uhrzeigersinn eingesetzt wurden, entfernt werden.

Sodann wurden die weiter apikal befindlichen Zementreste mit U-Files zerkleinert und durch wiederholtes Spülen aus dem Kanal herausbewegt. Mit Hilfe von vorgebogenen Microopenern konnten die retrograden Materialien nach orthograd entfernt werden.

Die Obturation erfolgte nach Anlegen eines kollagenen Widerlagers mit MTA Angelus grau. In gleicher Sitzung wurden Glasfaserstifte adhäsiv eingesetzt, die Zähne adhäsiv aufgebaut und nach Grobpräparation mit stuhlgefertigten provisorischen Kronen versorgt.

 

Die Zähne12 und 11 wurden in einer Sitzung 2 Wochen später behandelt. Das Vorgehen glich bis auf die nicht notwendigen kollagenen Widerlager der Behandlung der Zähne 21 und 22. Aufgrund des Fehlens einer apikalen Pathologie wurde auf die Entfernung der retrograden Amalgamfüllungen verzichtet.

Zweieinhalb Jahre nach Abschluss der endodontischen Behandlung stellte sich der Patient letzte Woche zum Recall vor. Anlass war ein Wechsel des Hauszahnarztes. Dieser erkannte auf dem also loco angefertigten OPG eine radioluzente Region kranial des resizierten Zahnes 21.

Klinisch zeigten sich die Zähne 12-22 vollkommen Beschwerde- und symptomfrei. Das zweidimensionale Röntgenbild ließ eine deutliche Verknöchern der ehemals stark aufgehellten Apikalregion 22 und 21 erkennen. 11 und 12 erschienen vollkommen unauffällig.

Im DVT zeigt sich des Rätsels Lösung:

Bei der kranial des 21 befindlichen scharf abgegrenzten Aufhellung handelt es sich mit großer Wahrscheinlichkeit um die narbige Abheilung des ehemaligen chirurgischen Zuganges. Die Periapikalregion der Zähne 21 und 22 ist zwar deutlich weniger aufgehellt, eine vollständige Ausheilung liegt jedoch, bei aller Verbesserung, noch nicht vor.

Stimmt mich das nachdenklich? Angesichts des klinischen Verlaufes , der deutlichen Reossifizierung und der Tatsache, dass das DVT eine nicht vollständige oder narbige Abheilung präziser abbildet, als das gewohnte 2D-Bild, bin ich für das nächste Recall in 2 Jahren sehr zuversichtlich.

 

Goodbye Hello !

Um mit den Worten des berühmten John Paul Lennon Mc Cartney zu sprechen. „You say, „Goodbye“, and I say, „Hello, hello, hello“

Danke für 25 ruhige Jahre, liebe letzte M1, Willkommen Morita Signo T 500 !

Mehr dazu in der nächsten Zeit immer mal wieder !

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Freitag Abend „Youtube Music“ Episode 5

Schon mal sich so angehört, was die letzten Jahre in den Hitparaden die 50 oder 100 Top Plätze belegt ?

Also, so bewußt angehört, meine ich.
Melodien, die den Tonfolgen von Kinderliedern entsprechen.
Tonumfang von „Alle meine Entchen“. C bis G.
Dazu Gesangsstimmen obligat mit Autotune manipuliert. Was bei Cher 1996 mit „Believe“ noch als offensichtliches Stilmittel kontrovers diskutiert wurde (denn die Frau konnte/kann singen) ist heute allgegenwärtig.

Was für ein Unterschied zu Liedern aus den 60ern, 70er, 80ern.
Die sich durch komplexe Arrangements, abwechslungsreiche Instrumentierung, raffinierte vielstimmige Gesangsharmonien auszeichneten.
Und trotzdem Top – Hits wurden.
Die man nach mehr als 30 oder 40 Jahren noch wiedererkennt.
Immer noch, immer wieder hören kann.

Eine kleine Auswahl an Beispielen:

1964 – Beach Boys I get around

1976 – Kansas – Carry on wayward Son

1975 – Queen – Bohemian Rhapsody

1978 – Toto – Hold the line

1980 – Hall & Oates – Kiss on my List

1990 – Wilson Phillips – Hold On

Das zu spielen, das zu singen, vermögen nur absolute Profis, die Besten ihrer Zunft.
Wer im April 1992 das  Freddy Mercury Tribute Concert im Londoner Wembley Stadium vor dem Fernseher verfolgte, der weiss, dass selbst unter den Berühmtesten der Berühmten seiner Zeit mehr Wasser als Wein dabei war. Eine der wenigen löblichen Ausnahmen – George Michael, bis dato als Pop – Schnulzensänger und Schönling belächelt, lieferte mit „Somebody to love“  ein Meisterstück ab. Aber das ist eine andere Geschichte. Zurück zum Thema.

Wenn eine Amateurband wie die in dieser Folge vorgestellte Band Geek die oben genannten Perlen der Pop und Rockmusik im heimischen Musikkeller oder auf der Bühne einer Provinzkneipe so abliefert wie in den nachfolgenden Beispielen, dann verdient das nur den allerhöchsten Respekt. Wobei „Amateur“ insofern stark untertrieben ist, weil Richie Casttellano  seit Jahren schon bei  Blue Oyster Cult, den 70er Jahre Rocklegenden ( (Don’t Fear) The Reaper )mit auf der Bühne steht.  So oder so jedoch eine starke Einzel- wie auch Ensemble – Leistung, allein schon Bohemian Rhapsody live so auf die Bretter zu nageln ist großes Musik – Kino.

Einen weiteren kleinen Helfer…

für den Kofferdam möchte ich an dieser Stelle vorstellen.

Jörg Schröder hatte mir vor einigen Jahren die Kofferdamklammer W56 gezeigt und ich habe diese als Standardklammer für die Seitenzahnisolierung an Molaren übernommen.

Allerdings gibt es einige Fälle, wo wir auf Alternativen zurückgreifen müssen.
Beispielsweise bei oberen 2. und 3. Molaren mit geringerem Durchmesser ist die W56 zu groß. In diesen Fällen setzen wir die W3 ein.

Aber auch diese ist nicht immer passend und besonders bei präparierten molaren Kronen- oder Pfeilerzähnen ist die Klammer 27N oftmals ein optimale oder bessere Alternative zu einer Butterflyklammer.

27N

W3

27N

Nichtbehandlung (II)

Von Bonald Decker

 

Vor zwei Wochen habe ich hier über einen bei uns in Behandlung befindlichen jungen Mann nach dentalem Trauma berichtet.

So ging es weiter…

aufgrund der vorgefundenen Befunde bei der Erstuntersuchung haben wir daraufhin unseren Behandlungsvormittag „umgestrickt“ und Lion sehr zeitnah behandelt.

Dabei führten wir eine (partielle) Pulpotomie an den Zähnen 12 (P) und 21 (PT) durch. Die Abdeckung der Pulpawunden erfolgte nach eingehender NaOCl-Desinfektion mit Biodentine. Dies würde anschliessend mit einem lichthärtenden GIZ abgedeckt.

Die Dentinwunde an Zahn 11 wurde im Sinne einer indirekten Überkappung versorgt.

Zustand nach (partieller) Pulpotomie der Zähne 21 und 12

 

Anschliessend wurden die Zähne mit provisorischen Kompositfüllungen restauriert.

Bei der ersten Nachkontrolle ca. 7 Tage später stellte sich die Situation wie folgt dar.

Während die Zähne 12 und 21 klinisch ohne Besonderheiten waren zeigte sich bei Zahn 11 eine deutlich bordeauxfarbene Koloration. Ferner reagierte er nicht auf zweierlei Sensibilitätstests (anders als bei der Erstbefundung) und war leicht perkussionsempfindlich…

im kommenden Teil III zeigte ich Ihnen, wie wir weiter verfahren sind.

 

PS: Blogbeitrag im Sinne einer unbezahlten Werbung

Fast 15 Jahre im Recall – Zahn 36 (2)

Der Zahn ist noch vorhanden. Es sieht erstmal gut aus für die Zukunft. Die Patientin ist zufrieden. Also alles gut. Hier noch mal der Link zum Fall.

Warum sollte man kritisch auf den Fall schauen?

Nun zum einen ist Guttapercha verblieben. Diese Guttapercha ließ sich nicht entfernen. Eine mögliche Reinfektionsgefahr besteht. Warum ist nichts passiert?
Glück gehabt, die Desinfektion war offensichtlich ausreichend.

Zu dieser Zeit hatten wir keine standardisierten Spül- und Spülaktivierungszeiten.

Wäre die Guttapercha heute entfernbar?
Ja, vielleicht. Es gibt die Möglichkeit mittels 3D Aufnahmen die Lage der Guttaperchareste festzustellen, bzw. die Kanalanatomie darzustellen.
Liegen die Reste des Wurzelfüllmaterials am Isthmus oder an der Innenkurvatur?
In welchem Kanal befinden sie sich?

Hätte man Lösungsmittel einsetzen können?
Möglich. Allerdings sind Lösungmittel, wie Guttasolv nicht optimal. Der dabei entstehende Guttaperchabrei kann schnell in den Isthmus oder vorhandene intrakanläre Groovs geprsst werden. Diese dann verdünnte Guttapercha ist weniger röntgenkontrastreich und täuscht dadurch eine Entfernung vor. Extrudiert man diese Guttaperchalösung ist sie nicht mehr von orthograd entfernbar.

Die mechanische Entfernung ist schwierig, wenn der Bereich nicht einsehbar ist.
Wenn man die Lage kennt kann man mit verschiedenen Instrumenten versuchen das Material zu entfernen. Zum einen mit einem individualisierten Microopener, bzw Microdebrider.

Eine weitere Möglichkeit mittels Hedströmfeile wird hier beschrieben.

Ebenso kann man diese Instrumente in einsehbaren Kanalstrukturen ganz gut verwenden.

Mögliche Links:
https://www.kohler-medizintechnik.de/de/produkte//endodontologie/sonstige-endodontologie///8422-dr-terauchi-guttapercha-entferner-egpr-lr-30-mm-trinovo-peek-schwarz/

https://www.adsystems.de/shop/endodontie/endo-zubehoer/guttapercha-entferner/

Anglerzubehör

Weiterhin muss man den intrakanalären Substanzverlust sehen. Der Gates Erweiterer kam zu der damaligen Zeit bei uns immer zum Einsatz. Zuvor war auch für die Entfernung der Thermafilcarrier erheblich Substanz geopfert. Mit der Stieglitzzange haben wir diese Carrier gefasst und entfernt. Heute können wir mit dem Fragremover deutlich substanzschonender agieren.
Damals haben wir mit Profile und GT Instrumenten aufbereitet. Große Taper bis 08 waren an der Tagesordnung.
Dieses Konzept hat sich heute bei uns stark geändert. Deutlich schlankere Taper und die optische Kontrolle der Späne im Spanraum sind bei uns Standard.

Wer Heilt hat nicht immer recht, und manchmal noch ganz viel Glück dazu…

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Fortbildungen

So ein Blog ist eine feine Sache.
Aber er wird reale Fortbildungen nie gänzlich überflüssig machen können.

Wir von WURZELSPITZE wollen unser Wissen auch weiterhin in Form von Seminaren und Kursen weitergeben.

Und nach teilweise mehr als 25 Jahren Fortbildungstätigkeit haben wir auch eine ganzgenaue (ein WORT!)  Vorstellung, wie so was aussehen könnte.

Das es so noch nicht gegeben hat.

Demnächst.
Hier an dieser Stelle.

Countdown läuft !

Diagnose des Tages 22.10.2019 Unklare Schmerzen im Oberkieferseitenzahnbereich (Teil 2)

Zahn 22 – Zustand nach WSR
Zahn 27 – Zustand nach WSR

Über den Fall (seit 1,5 bis 2 Jahren wiederkehrende unklare Schmerzen im Oberkiefer) berichtet wurde bislang hier.

2 Maßnahmen erscheinen mir angesichts des bislang Geschilderten ausserordentlich sinnvoll.

Zum einen…

eine Rücksprache mit dem MKG – Chirurg, denn 9 Eingriffe innerhalb kurzer Zeit halte ich, auch wenn die Patientin mir vordergründig keinen Grund gab, ihren Aussagen keinen Glauben zu schenken, doch für sehr aussergewöhnlich.

Vom MKG – Chirurgen bekam ich folgende Informationen:

17.10.2016
Zahn 22 WSR
Zahn 24 WSR
Zahn 26 WSR

02.03.2017
Zahn 22 Inzision des Zahnfleisches und Osteotomie des Alveolarkammes wsr 22 24 26
Zahn 24 Inzision des Zahnfleisches und Osteotomie des Alveolarkammes
Zahn 26 Inzision des Zahnfleisches und Osteotomie des Alveolarkammes

28.11.2017
Zahn 22 WSR
Zahn 26 WSR

22.03.2018
Zahn 26 WSR

Zum anderen…

basisdiagnostisches Grundbesteck, eine Sensibilitätsprüfung mittels Kältespray.
Die fiel erfreulicherweise eindeutig und spontan positiv aus.

Da das vorliegende DVT von der Bildqualität her keine zielführende Befundung zuließ, stellte ich der Patientin die Möglichkeit frei, ein qualitativ hochwertiges kleinvolumiges DVT anzufertigen. Die Patientin stimmte – was nicht die Regel ist, wenn bereits ein zeitnahes DVT vorhanden ist – sofort und vorbehaltlos zu.

Das DVT zeigte:

  • Apikal vollkommen unauffällige Verhältnisse an Zahn 23, weshalb eine Extraktion ebenso wenig indiziert erscheint wie eine endodontische Behandlung.
  • Zahn 22, Zustand nach WSR mit einwandfreien Knochenverhältnissen sowohl apikal der Resektionsstelle wie auch vestibulär, ein im Hinblick auf die mehrmalig durchgeführte WSR sehr erstaunlicher und ungewöhnlicher Befund.
  • Zahn 24 Zustand nach Durchtrennung/Teilresektion der Wurzel im apikalen Drittel bei Belassung eines apikalen Wurzelfragmentes. Weder eine orthograde noch eine retrograde Wurzelfüllung erkennbar.

Angesichts der vorliegenden Befunde schlug ich vor, Zahn 22 und Zahn 23 im gegenwärtigen Zustand zu belassen und zunächst den Zahn 24 endodontisch zu behandeln.

Über den Verlauf der Behandlung berichte ich in meinem nächsten Beitrag.

Trauma-Spätfolge – Befund, Diagnose, Therapie

von Jörg Schröder

Die 45-jährige Patientin stellte sich bei uns vor, weil sie in den zurückliegenden Wochen mit der Zunge an Zahn 21 – versorgt mit einer vollkeramischen Krone-  eine geringe Schwellung der palatinalen Gingiva wahrgenommen hatte. Der überweisende Kollege übersandte folgendes aktuelle Einzelbild.

Anamnestisch war ein lange zurückliegendes Frontzahntrauma zu eruieren, von dem die Zähne 11 und 21 betroffen waren. Zahn 11, mittlerweile durch eine implantatgetragene Krone ersetzt, zeigte sich im Jahre 2008 wie folgt:

Klinisch zeigt sich der Zahn 21 bis auf die gering ausgeprägte Schwellung der palatinalen Gingiva vollkommen symptomlos. Die Sondierungstiefen sind nur im Bereich der Schwellung mit 3,5 mm etwas erhöht und liegen ansonsten innerhalb normaler physiologischer Bereiche. Der elektrische Sensibilitätstest verlief positiv. Der Zahn war weder perkussionsempfindlich noch erhöht beweglich. Der Klopfschall war physiologisch.

Das leider etwas bewegungsunscharfe DVT der Region 21 zeigt die Ausdehnung des Resorption Geschehens sehr deutlich.

Nachdem die Patientin eine Zahnentfernung mit anschließender implantologischer Versorgung nur durchführen lassen wollte, wenn es keine erfolgversprechende Behandlungsalternative geben sollte,  wurde ein kleinvolumiges DVT angefertigt. Die dreidimensionale Ausdehnung des intrakoronalen Hartsubstanzdefektes beurteilen zu können ist für die Entwicklung einer vorhersagbaren Behandlungsstrategie unerlässlich.

Das DVT zeigt eine scharf abgegrenzte intraradikuläre Aufhellung mit einer Perforation der Aussenkontur nach palatinal. Während der Pulpakammerhohlraum koronal vollkommen obliteriert erscheint, zeigt sich der Kanalquerschnitt im mittleren und unteren Wurzeldrittel deutlich erweitert. Im axialen Schnitt sind trotz der durch die Nähe zum Implantat in Regio 11 verursachten Artefakte fingerartige Ausläufer der Aufhellung zu erkennen.

Die Auswertung des DVT ergibt gemeinsamen mit dem klinischen Erscheinungsbild die Diagnose einer externen Invasion zervikalen Resorption.

Die Therapie wurde zweizeitig durchgeführt.

In der ersten Behandlungssitzung wurde die palatinale Gingiva an Zahn 21 nach intrasulkulärer Schnittführung abgelöst. Die sichere Hämostase mittels entsprechend adrenalinhaltigem Anästhetikum und unter Zuhilfenahme von adrenalinhaltigen Racelette-Pellets war die Grundvoraussetzung für den adhäsiven Verschluss der Wurzelperforation.

Nach Präparation der Zugangskavität und Exkochleation des Großteils des Resorptionsgewebes mittels scharfem Exkavator erfolgte die weitere Ausräumung des Weichgewebes mit langschaftigen Munce-Rosenbohrern.

Nachdem die Eintrittspforte des resorptiven Geschehens ca. 1 mm unterhalb des Limbus alveolaris lokalisiert war, erfolgte mittels rotierender Instrumente eine kleine palatinale  Osteoplastik um eine sichere Konditionierung der freigelegten Dentinareale und das spätere adhäsive Verschliessen zu ermöglichen.

Der apikale Pulpastumpf wurde zunächst mit CaOH2 bedeckt. Das Überschichten mit einem lichhärtenden CaOH2-Präparat (Ultrablend) ermöglicht nachfolgend das problemlose Ansätzen und Konditionieren der Hartsubstanzen.

Zur Rekonstruktion der intraradikulären Unterschnitte wurde ein lichthärtendes Flow-Komposit mit normaler Viskosiät verwendet. Die Ausformung der neuen palatinalen Wurzelwand erfolgte mit einem tixotropen Komposit (Estelite, Low-Flow). Dieses lässt sich mit einem Microopener perfekt an die Originalaussenkontur adaptieren. Die tixotropen Eigenschaften verhindern dabei das schwerkraftbedingte „Weglaufen“ des Füllungsmaterials.

Um die Wundheilung nicht durch das Anlegen eines Kofferdams zu beeinträchtigen (Einzelzahnklammer, Ligatur, potentieller Kontakt mit NaOCl) erfolgte die Behandlung zweizeitig. Über das lichthärtende CaOH2-Präparat wurde ein Schaumstoffpellet platziert, welches wiederum mit Cavit überdeckt wurde. So wird der endodontische Zugang in der zweiten Behandlungssitzung wesentlich erleichtert.

Der Nahtverschluss erfolgte mit monofiler Naht der Dimension 7/0.

Nach 4 Tagen erfolgte die Nahtentfernung, nach weiteren 10 Tagen die Obturation des Kanalsystems mit BC Sealer und Guttapercha. Ein wenig gewöhnungsbedürftig ist der Look der WF-Kontrolle. Durch die resoptionsbedingten Irregularitäten wird ein Lufteinschluss vorgetäuscht, der aber nach dreimaliger Nachverdichtung mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden konnte.



Das Recall in 6 Monaten wird zeigen, wie vor allem die Parodontose Heilung vorangeschritten ist. Eine erhöhte Sondierungstiefe im Bereich des Adhäsion Verschlusses ist dabei zu erwarten.

„50 nicht von der Hand zu weisende, ausgesucht gute Gründe, sich auf Endodontie zu spezialisieren“ – Episode 7: „WÄRMEPUMPE!“

16 Jahre ist unsere Wärmepumpe alt.
Jetzt ist sie kaputt.

Um diese Diagnose zu stellen, muss ich kein Fachmann sein.
Das Gerät brummt die ganze Zeit, läuft gewissermaßen auf Vollgas im Leerlauf, aber das Wasser zum Duschen bleibt kalt. Ich schraube  die Verkleidung ab, schaue ins nur marginal gefüllte Innere, stelle fest, dass eine Wärmepumpe eigentlich eine Erfindung des vorletzten Jahrhunderts ist, von rocket science keine Spur,  und beschließe, den Sanitärinstallateur kommen zu lassen, damit dieser den Totenschein ausstellen kann. Der erscheint noch am Tage meines Anrufs, steigt auf die aufgestellte Leiter, blickt kurz in den noch immer offengelegten Innenraum und sagt mir, was ich vorher schon wusste bzw. ahnte. Das Gerät sei kaputt, eine Reparatur lohne nicht mehr und ich sollte am besten unsere andere Wärmepumpe, die zur Erwärmen der Fussbodenheizung dient, gleich miterneuern lassen. Erfahrungsgemäß wäre auch deren Lebensdauer nunmehr extrem begrenzt. Und die Gelegenheit sei günstig, möglicherweise gäbe es Zuschüsse vom Staat und er würde mir einen Kostenvoranschlag zukommen lassen.

Dann zwickte er das Kabel des Kühlgebläses ab, so kann der elektrische Heizstab im Inneren des Wasserbehälters übergangsweise lautlos zum Erwärmen des Duschwassers genutzt werden und verabschiedete sich. Es war im Übrigen der selbe Mann, der mir beim Hausbau die Wärmepumpe mit einer Lebenszeit von 20 Jahren angediehen hatte. Jetzt meinte er nur lapidar, ich habe Glück gehabt, die meisten Wärmepumpen dieser Generation hätten schon nach 10 bis 12 Jahren den Geist aufgegeben.

Zwei Wochen später kam der Kostenvoranschlag für die neue Wärmepumpe.
Und die Rechnung für die Inaugenscheinnahme der alten.

Beides förderte Überraschendes zu Tage.
Ich hatte zwischenzeitlich gegoogelt, was so eine Wärmepumpe (vom Prinzip her ein Kühlschrank mit Wärmetauscher und Wasserbehälter) kosten könnte. 9000 Euro, ein namhafter Hersteller vorausgesetzt, zu diesem Ergebnis war ich nach Internetrecherche gekommen. Der KV lag 10.000 Euro höher.  Ich überlas die mehrseitige Auflistung. Jeder Handgriff und jegliches Material war adäquat berücksichtigt, bis zur kleinsten Schraube und dem Fegen der Baustelle. Allein die Demontage der alten Wärmepumpe war schon mit 900 Euro verbucht worden. 900 Euro für den Abtransport eines überdimensionierten Kühlschranks ? Vermutlich waren 2 Personen, eine Geselle und ein „Lehrbub“ notwendig, wie lange würde es wohl dauern ?  Eine halbe Stunde ? Eine Stunde ? Für das Gerät von der Wasserleitung abzuklemmen und es 1 Stockwerk die gerade Treppe hinauf  und vor die Haustür in den bereitstehenden Lieferwagen zu tragen ? Ich überlegte, wieviele Stunden wir in unserer Praxis mit 5 Mitarbeitern arbeiten müssten, um diese 900 Euro zu erwirtschaften und welchen Investitionsaufwand an Geräten und Qualifikation aller Mitarbeiter dem zugrunde läge.  Dann war da die Rechnung für den Blick auf die alte Wärmepumpe. 100 Euro. Angeblich sogar noch günstig, wie Erzählungen aus dem Bekanntenkreis berichteten. Schließlich musste der Handwerker 15 Minuten zu uns fahren (eine Strecke wohlgemerkt) und er war 15 Minuten da. Und dann ist da noch die Sache mit der Beantragung des staatlichen Zuschusses. Das muss zwingend über den Handwerksbetrieb erfolgen, auch wenn es nur das Ausfüllen eines Formblattes darstellt.  Macht 275 Euro an den Klempner, die bei Kauf der neuen Wärmepumpe gutgeschrieben werden.

Warum erzähl ich das Alles ?

Und was hat das mit Endodontie zu tun ?
Nichts.
Und das ist das Unerhörte.

Denn der Vergleich  Sanitärinstallateur vs.  Arzt verdeutlicht ebenso drastisch wie offensichtlich die Problematik des deutschen Gesundheitswesens im neuen Millennium. Insofern ein  schönes Beispiel für das Offenlegen  des Dilemmas, das uns allen widerfährt.

Der Sanitärinstallateur macht eigentlich alles genau so, wie wir es gerne hätten. Sein Kostenvoranschlag ist eine unverbindliche Schätzung („falls nichts Unvorhergesehenes hinzukommt“)  des notwendigen Aufwandes und der damit verbundenen Kosten. Die eigentliche Abrechnung erfolgt nach Beendigung der Arbeiten und berücksichtigt den tatsächlichen Aufwand und die tatsächlich anfallenden Kosten. Es gibt keine Festpreise, keine festgelegten Pauschalen für die Arbeit oder die Materialkosten.  Mehr noch als das. Die Preise für die jeweiligen „Gebührenpositionen“ bestimmt der Handwerker selbst nach eigenem Ermessen. Den Gesetzen des Marktes unterworfen könnte man/ müsste man noch anfügen.

Wir Zahnärzte hingegen ?
Müssen einen verbindlichen Kostenvoranschlag abgeben, gewissermaßen über hellseherische Fähigkeiten verfügen. Was man bei einem Handwerker schon als systemimmenent unabwendbar voraussetzt – hinterher wirds teurer – hat der Gesetzgeber verboten. Billiger, weniger geht natürlich immer, aber mehr Geld als ausgemacht ? Da sei ein Riegel vor. Was sagt einem dann der gesunde Menschenverstand ? Dann baue ich in den Kostenvoranschlag einen Sicherheitsaufschlag ein. Aber auch das lässt der Gesetzgeber nicht zu. Was abgerechnet werden darf im entsprechenden Fall ist vorgeschrieben. Es gibt genau definierte Gebührenpositionen und deren Honorar ist festgelegt. Festgelegt seit vielen Jahrzehnten. Anpassungen an die sich im Laufe der Zeit ergebenden Preissteigerungen des täglichen Lebens werden nur marginal in großen zeitlichen Abständen berücksichtigt. Jeweils nach zähem Ringen und weit unter dem tatsächlich stattgefunden Kostenzuwachs. Eine automatische Anpassung, die sich am Lebenshaltungsindex, an den Lohnsteigerungen im öffentlichen Dienst oder gar an den Gehältern der Bundestags- oder Landtagsabgeordneten orientiert ?  Illusorisches Wunschdenken.

In meinem Bundesland sieht das Ganze im Übrigen wie folgt aus, ich zitiere aus dem Netz: „Wie die Diäten steigen, richtet sich künftig an der durchschnittlichen, allgemeinen Verdienstentwicklung in Rheinland-Pfalz aus. Das hatten die Abgeordneten von SPD, CDU, FDP und Grünen im März 2017 im Landtag beschlossen. Trotzdem stoßen die Zuschüsse nun auf Kritik. Denn: Das Gesetz sah ohnehin einen satten Zuschlag auf die Diäten von 17,5 Prozent in vier Stufen vor. Bekommen die Abgeordneten im Jahr 2020 fast 7000 Euro im Monat, sind das gut 1000 Euro mehr, als sie noch 2016 verdienten.“

Zurück zur Wärmepumpe. Wäre diese dem Kostenkreis Zahnmedizin zuzuschreiben, gäbe es eine Gebührenposition „Montage Wärmepumpe“. Selbstverständlich ist die Demontage der alten Wärmepumpe im Honorar enthalten, sowie der Abtransport und die ordnungsgemäße Entsorgung. Auch die zur Montage benötigten Kleinteile wie Rohre, Schellen, Dichtungen sind mit dem Honorar bereits abgedeckt. Der Preis der Wärmepumpe an sich darf weitergegeben werden, allerdings ist das jeweils günstigste Modell auszuwählen. Wie dieses von der Qualität her sich im Alltag schlägt, bleibt unberücksichtigt, spielt auch insofern keine Rolle, da ich als Behandler, sofern die Wärmepumpe in den ersten 2 Jahren einen Defekt hat, diese auf meine Kosten hin ersetzen muss, auch wenn der Fehler in der Wärmepumpe selbst zu suchen ist und nicht in der Montage durch uns.

Baue ich eine teurere, dafür zuverlässigere Wärmepumpe beim Kunden ein, so muss ich die Mehrkosten aus eigener Tasche zahlen.
Das Honorar ist im Übrigen noch genau das gleiche wie vor 16 Jahren, als ich meine erste Wärmepumpe gekauft habe.

Spätestens jetzt winkt der Klempnermeister kopfschüttelnd ab. Lass stecken, wird er sagen, such Dir einen anderen Dummen. Unser Nachbar, der Bäckermeister,  der Malermeister, der 200 m die Strasse hinauf wohnt und mein Freund Benno, der Landmetzger, mit dem ich im Sommer öfters zum Grillen zusammensitze, können es nicht glauben, wenn ich solche Sachen erzähle. Dann packe ich genüßlich noch unser Notdienstszenario drauf. Wenn nachts am Wochenende um 2 Uhr das Telefon klingelt, und ich unverzüglich mich in die Praxis begebe, dann gibt es doch tatsächlich 11 Euro 18 Cent obendrauf, dafür, dass ich mitten in der Nacht in die Praxis fahre. Die Fahrtkosten sind allerdings da schon drin. Und was man nicht vergessen darf. Im Notdienst darf ich eine Reihe von Leistungen nicht  abrechnen, auch wenn diese zur Schmerzausschaltung notwendig sind. Die Argumentation unserer Standesorganisation, die diese Streichungen stützt ? Diese Maßnahmen seien nicht notwendig. Oder ich würde dem Hauszahnarzt die Arbeit wegnehmen, die Maßnahmen seien unwirtschaftlich, weil bestimmte Handgriffe zweimal gemacht werden müssen. Und das die Extraktion eines Zahnes gegebenfalls mit knapp 12 Euro, die dafür notwendige Betäubung mit 8,37 Euro zu Buche schlägt, wobei auch hier die Kosten für die Nadel und dem Anästhetikum (über den Daumen 1,50 Euro) abgezogen werden müssen. Dann sind da noch die Einmalartikel wie Handschuhe, Mundschutz, Patientenumhang, Speichelsauger, Luftpusterkanüle. Dazu die Maßnahmen für die Vor- und Nachbereitung des Arbeitsplatzes und die hygienische Aufbereitung der verwendeten Instrumente.

Auch bei Sanitärinstallateuren gibt es Notfalleinsätze am Wochenende. Bleibt die Heizung kalt, da freut man sich, wenn der hilfsbereite Handwerker schon am Samstag kommt und nicht erst am Montag nächster Woche. Aber was würde der wohl sagen, wenn seine Handwerkerinnung ihm erzählte, er dürfte bei fremden Kunden keine Rechnung stellen, weil die neue Heizung ja später vom Sanitärinstallateur des Kunden geliefert werden würde.

Warum ich das Alles schreibe ?
Weil wir Zahnärzte in bester Orwellscher Farm der Tiere- Tradition ja schon gar nicht mehr realisieren, wie man uns am Halsband gegängelt durch die Manege vorführt. Für uns ist das Kafkaesk Absurde schon so normal, das wir (mich selbst eingenommen) eigentlich gar nicht mehr darüber reden wollen.

Wir sind wie Zootiere.
Wie Delfine in einem Aquazoo.

Die in kleinsten Becken (Delfine in freier Wildbahn legen pro Tag hundert Kilometer zurück) dahinvegetieren, 4 mal am Tag vor Publikum unsere Kunststücke vorführen und uns darüber freuen, dass man uns einen Fisch zusteckt, wenn wir besonders hoch gesprungen sind. Wir haben alle absurden Drehbuchszenarien des Gesundheitssystems vollkommen verinnerlicht und realisieren als Bestandteil der Matrix schon lange nicht mehr, wie realitätsfremd diese Konstrukte in Wirklichkeit sind. Stattdessen murmeln wir ein monotones „Vierbeiner Gut, Zweibeiner Schlecht“ während wir Tag ein Tag aus erneut zur harten Feldarbeit ziehen.

Ein tagtägliches Beispiel, wo dies besonders deutlich wird, bespreche ich in der nächsten Episode „MISCHKALKULATION!“.

Freitag Abend „Youtube Music“ Episode 4 „Medi-Meisterschaften“

Um die Zukunft dieser Studentinnen und Studenten (Damit meine ich alle an der Entstehung des nachfolgenden Videos Beteiligten) ist mir nicht bange.
Die werden ihren Weg gehen.
Warum ?

Weil der Beruf des Mediziners neben den üblichen wichtigen Parametern wie Fachwissen, handwerkliches Geschick und Einfühlungsvermögen auch Intuition, Kreativität, Leidenschaft und Begeisterung elementar voraussetzt. Und die Macher und Protagonisten dieses Videos bringen genau diese Dinge im Überfluss mit. Dazu eine große Portion Humor, was in der Tristesse und Frustration des später folgenden Berufsalltages ein wichtiger Resilienzfaktor ist. Und allen Stimmen, die jetzt die Hände überm Kopf zusammenschlagen und lautstark wehklagen „Und DAS sollen unsere zukünftigen Mediziner sein !“ werfe ich entgegen: „Gott sei Dank !“

 

Madames et Monsieurs, Respekt für diese exzellenten Videos !

Und das Bonn keine Ausnahmeerscheinung ist, zeigen weitere Videos von 2019 und den Jahren zuvor. Wie immer Geschmacksache, aber meine Top 3 2019 sind neben Bonn, Münster und Hamburg, weil die Damen und Herren die Messlatte auch produktionstechnisch extrem hoch gelegt haben. Lobenswerte Erwähnung ? Gorrillaz Göttingen (konstant herausragende Rhymes in all den Jahren, Lichtjahre allem voraus, was in den deutschen Charts an Rap die letzten Jahre gelistet wurde), Budapest, 2018 München und (musikalisch weit weg vom Mainstream extrem lässig Aachen, Newcomer Varna und Woodstock, nein Rostock vom Jahr zuvor. Aber es gibt noch so viele weitere sehr gut gemachte Beiträge, daß es eigentlich unfair ist, nur diese Videos zu benennen. Toll auch, dass sich die neuen Medizin-Kolonien Osteuropas ( da reihe ich auch Wien und Innsbruck ein, wo ist eigentlich Krems???) so wunderbar integrieren.

Der nachfolgende YouTube- Link listet die Beiträge allesamt auf.
Hallo ARD ! Der Eurovision Song Contest ist ein Witz dagegen. Hier könnt ihr lernen !

CSS schickt Tausende von Abrechnungen an falsche Kunden

„Die Rente ist sicher!“. Der berühmte Satz Norbert Blüm (btw der war doch auch mal Gesundheitsminister) hat eine Post Millennium-Variante bekommen. Das neue Mantra lautet: „Die TI ist sicher!“ Dumm nur, dass schon vor offizieller Inbetriebnahme reihenweise Gesundheitsdaten- Lecks gibt.

Hier ein Beispiel der letzten Wochen:

CSS schickt Tausende von Abrechnungen an falsche Kunden

Im Online-Portal der Krankenkasse CSS erhielten Kunden Rechnungen von fremden Personen. Das verletzt den Datenschutz.

Von SRF Online

Autor: Oliver Fueter

Eine Kundin der CSS erhielt in den letzten Monaten zweimal Abrechnungen von wildfremden Personen im Online-Portal MyCSS der Krankenkasse. Diese enthielten detaillierte persönliche Daten dieser anderen Kunden. Die Sprecherin des eidgenössischen Datenschutzbeauftragten, Silvia Böhlen, sagt im SRF-Konsumentenmagazin «Espresso»: «Das ist ganz klar eine Verletzung des Datenschutzes.»

Bei Gesundheitsdaten handelt es sich zudem um besonders schützenswerte Daten. «Dann ist die Datenschutzverletzung gravierender, als wenn nur ein Name oder eine Adresse falsch verschickt werden», sagt Silvia Böhlen.

Mehrere Tausend Fälle pro Jahr
Bei der CSS ist also Feuer im Dach. Denn es ist nicht das erste Mal, dass ein solcher Fall bekannt wird. Vor knapp einem Jahr berichtete der «Blick» über einen CSS-Kunden, der die Rechnung einer ihm unbekannten Frau in seinem MyCSS-Portal fand. Mit Angaben zu deren psychiatrischen Behandlung. Die CSS sprach damals von einem Einzelfall.

In wie vielen Fällen erhalten wirklich Kunden Abrechnungen von fremden Personen? Gegenüber «Espresso» sagt CSS-Sprecherin Nina Mayer: «Bei aktuellen Messungen haben wir den relativ geringen Fehleranteil von 0,7 Promille gemessen.» Die meisten Fehler geschehen bei der manuellen Verarbeitung, aber auch bei der automatisierten Zuteilung von Rechnungen geschehen Fehler.

«Nur» 0,7 Promille? Immerhin bedeutet dies, dass eine von 1400 Rechnungen an den falschen Kunden geht. Bei 17 Millionen Rechnungen, die die CSS pro Jahr verarbeitet, sind das immerhin fast 12’000 pro Jahr. Auch Rechnungen mit heiklen Daten. Die CSS zeigt sich reuig: «Fehler können passieren. Dass daraus Datenschutzverletzungen entstehen, ist inakzeptabel.»

Konsequenz: CSS ändert ihr System
Die Krankenkasse hat bereits im letzten Jahr Massnahmen ergriffen, um die Fehlerquote zu senken. Nachdem sich «Espresso» mit dem neuen Fall gemeldet hat, zieht die CSS Konsequenzen. Sie kündigt auf die kommenden Tage eine Umstellung auf dem Kundenportal MyCSS an: «Auf dem Abrechnungsdokument wird dann ausschliesslich die Person aufgeführt, die die Rechnung auf unserem Kundenportal erhält.»

Ein CSS-Kunde erhält also im Online-Portal von der CSS keine Original-Rechnungen mehr. Im seltenen Fall einer Fehlzuweisung seien dann keine Rückschlüsse auf den ursprünglichen Patienten mehr möglich, sagt die CSS: «Somit stellen wir sicher, dass keine Datenschutzverletzung mehr entsteht.» Es lohnt sich also gleichwohl, jede Abrechnung genau zu prüfen.

Nach dieser Ankündigung sieht das Büro des Eidgenössischen Datenschutzbeauftragten vorerst keinen Handlungsbedarf mehr. Der Datenschützer behalte die Sache aber im Auge. Und wenn man den Eindruck habe, dass das noch nicht genüge, spreche man die CSS darauf an.

Ausgeprägte Aufhellung bei UK-Prämolaren

Von Bonald Decker

 

Nachfolgend ein Fall eines Unterkiefer-Prämolars, bei dem das Ausgangsröntgenbild eine  ausgeprägte Aufhellung bei suboptimaler Vorbehandlung zeigte.

Da sich klinisch keinerlei Besonderheiten zeigten entschieden wir uns gemeinsam mit dem Patienten für eine nicht-chirurgische Revision.

Dabei leistete das vormals eingebrachte Wurzelkanalfüllmaterial nur „minimalen Widerstand“.

Infizierter Guttapercha-Point im Sinne eines Einzelstift-„Füllung“

Aufgrund der günstigen Anatomie war die Apikalregion sehr gut einsehbar.

Foramen apicale

Masterpoint-Röntgenaufnahme

Im zweiten Termin erfolgte die Wurzelkanalfüllung in gewohnter Manier sowie die adhäsive Befestigung eines Glasfaserstiftes mit Kompositdeckfüllung.

Abschluss-Röntgenbild nach WF und Glasfaserstift-Befestigung

 

Bereits sechs Monate später zeigte sich eine beeindruckende Heilungstendenz.

Hier nochmals die Situation vor und sechs Monate nach Behandlung…

Nach weiteren sechs Monaten ist ein weiteres Recall geplant…

Neue Rubrik – Kurz belichtet – Ausgeheilt !

Eine neue Rubrik, kurz und knackig, so wie der Überweiser es auch am liebsten hat.

Keine seitenlange Berichte, sondern nur die relevanten Informationen: Die Röntgenbilder, die den Heilungsverlauf belegen, Zahn und Zeitangaben.

Hier ein Beispiel von heute.
Zahn 46, vor der Endo, direkt nach WF und nach der ersten Kontrolle 7 Monate post WF.

 

 

Fast 15 Jahre im Recall – Zahn 36

Die Patientin stellte sich im Jahr 2005 bei uns vor. Nach nun 14 Jahren konnten wir den Zahn 36 letztmalig kontrollieren, da die Patientin umzieht. Das ist sehr schade, da sie zuverlässig zum Recall erschien.

Ende 2005 stellte sich am Zahn schmerzfrei und klinisch unauffällig dar. Lediglich in einer Röntgenkontrolle wurde der Befund festgestellt.

In unserer Praxis revidierten wir den Zahn Anfang 2006. Dies war eine der ersten „Thermafilrevisionen“ für uns. Die Carrier ließen sich noch recht gut entfernen. Die verbliebenen Guttaperchareste waren aber ein Problem. Trotz mehrerer Versuche konnten wir diese nicht vollständig entfernen. Nach Erkennen einer dezenten Heilungstendenz haben wir uns dann zur Wurzelfüllung entschlossen.
Die Aufbereitung erfolgte mit Profile und die Wurzelfüllung in thermisch vertikaler Obturationstechnik.
Damals beobachteten wir erstaunt die Wanderung der Sealerpuffs aus der ersten Behandlung mit der Regeneration der apikalen Osteolyse. Seitdem wenden wir den Veränderung der Sealerpuffs große Aufmerksamkeit zu und betrachten dies als Indiz für Heilungstendenz oder pathologische Veränderungszunahme. Siehe hier.

 

 

Diagnose des Tages 22.10.2019 Unklare Schmerzen im Oberkieferseitenzahnbereich (Teil 1)

Ich muss gestehen, dieser Fall hat mich selbst noch nach fast 30 jähriger zahnärztlicher Tätigkeit beim Erstgespräch ein wenig sprachlos und betroffen gemacht. Insgesamt NEUN Mal in den letzten Jahren, so die Schilderung der 58 jährigen Patientin, hat sie endodontische Behandlungen und operative Eingriffe im Bereich des linken Oberkiefers über sich ergehen lassen. Die Schmerzen sind geblieben. Jetzt soll der Zahn 23 wurzelkanalbehandelt werden, seine klinische Krone ist dunkler, opaker geworden im Laufe der Zeit. Allerdings macht der MKG- Chirurg, der die operativen Eingriffe vorgenommen hat, der Patientin wenig Hoffnung. Seine Prophezeiung? Auch diese Wurzelkanalbehandlung wird scheitern, weshalb sinnvollerweise vielleicht die sofortige Extraktion und nachfolgende Implantation die bessere Lösung wäre. Jetzt sitzt die Patientin bei uns im Behandlungsstuhl und bittet um Rat. Ihr Ehemann, dem wir 5 infauste Zähne (allesamt Zustand nach WK/WF alio loco) durch WF- Revision erhalten konnten, hatte sie zu uns geschickt.

Ein DVT des gesamten Ober- und Unterkiefers hat die Patientin mitgebracht.
Es erweist sich leider als wenig aussagekräftig und lohnt nicht des Einstellen an dieser Stelle, höchstens als abschreckendes Beispiel. Stattdessen die beiden Zahnfilme von Zahn 22, 23 und Zahn 27, die wir anfertigten und meine Frage an die Mitleser:

Wer hat eine Idee, wo die Beschwerden herkommen, welche diagnostischen und therapeutischen Maßnahmen sollten ergriffen und wie sollte man mit dem Zahn 23 verfahren ?

 

 

2D vs. 3D – So habe ich entschieden

von Jörg Schröder

Nachdem ich heute morgen den Beratungsfall mit seinen 2D-Bildern vorgestellt habe, schildere ich im Folgenden die Ergebnisse der dreidimensionalen Diagnostik, meine Empfehlungen an den Patienten und füge die Dokumentation der durchgeführten Behandlung bei.

Das alio loco angefertigte Einzelbild liess bereits einige Rückschlüsse auf die vorliegenden Probleme zu.

Das DVT bestätigt die oben eingezeichneten Vermutungen und erleichterte die Planung des konkreten Vorgehens:

Die distale Wurzel zeigt eine korrekt platzierte retrograde Füllung. Eine apikale Aufhellung besteht nicht. Die Verknöcherung der Resektionskrypte kann als vollständig bezeichnet werden. Sollten die koronalen Anteile der Obturationsmassen keine Anzeichen einer Kontamination erkennen lassen, kann von der Revision der distalen Wurzelfüllung abgesehen werden.

Das mesiolinguale Kanalsystem ist unaufbereitet. Die retrograden Füllungen dichten weder das Neoforamen an MB noch an ML ab.

Eine Revisionsbehandlung der neiden mesialen Kanalsysteme wurde empfohlen. Es wurde darüber aufgeklärt, dass ein orthogrades Entfernen der retrograden Füllungen nicht vorhersagbar möglich sein wird, da die Lage der retrograd eingebrachten Materialien eine Visualisierung derselben unwahrscheinlich erscheinen lässt.

Zahn 24 zeigt im DVT trotz technisch nicht optimaler Ausführung der Wurzelkanalbehandlung einen perfekten durchgehenden Parodontalspalt.

Ist hier eine Revisionsbehandlung zwingend indiziert?  Nicht unbedingt. Zweifelsfrei ist die ideale Lösung die Revision vor prothetischer Neuversorgung des 24. Da die finanzielle Situation eine zeitnahe Behandlung beider Zähne nicht zulässt, besteht jedoch auch die Möglichkeit die Präparation nebst adhäsivem Aufbau von Zahn 24 unter Kofferdam durchzuführen und den Zahn mit einer Teilkrone zu versorgen. Der Patient ist über die Möglichkeit einer zu einem späteren Zeitpunkt notwendigen endodontischen Intervention aufgeklärt. Das Restrisiko hat er selbst zu tragen. Ein fauler Kompromiss? ich glaube nicht. Sollte der Zahn  aufgrund nicht erfolgter Höckersicherung eine Vertikalfraktur der Wurzel erleiden, ist er verloren. Schlimmstenfalls muss die neue Teilkrone eines Tages trepaniert werden. Sicher kein den Erhalt des Zahnes gefährdender Umstand.

Würden Sie die nach Beurteilung der 2D-Bilder getroffenen Entscheidungen aufrecht erhalten, nachdem sie die „ganze“ Wahrheit gesehen haben?

In Abweichung vom ursprünglich geplanten Vorgehen an 36 – der distale Kanal sollte aufgrund des Fehlens einer periapikalen Pathologie im DVT bei gleichzeitig optimal platzierter retrograder Füllung nicht revidiert werden – habe ich mich angesichts der intraoperativ zu beobachtenden massiven Kontamination der Obturatiosnmassen dazu entschlossen, die orthograden Wurzelfüllmassen aus allen Kanalsystemen zu entfernen.

Da sich das retrograde Füllmaterial im distalen Kanalsystem unverfärbt und randdicht darstellte – ich staune immer wieder aufs Neue, was mit einer guten Beleuchtung fotografierbar ist – habe ich auf das Entfernen der retrograden Füllung in D verzichtet.

Die retrograden Füllmaterialien in MB und ML waren nicht visualisierbar. Daher habe ich nach Entfernung der deutlich kontaminierten Obturationsmassen in MB nur bis zur retrograden Füllmasse instrumentiert. Das mesiolinguale Kanalsystem konnte bis zum apikalen Endpunkt aufbereitet werden.

Interessant zu sehen, dass die Lage des nach distal austretenden Sealers mit der im DVT zu erkennenden Aufhellung distal der medialen Wurzel korreliert.

 

 

Neulich bei Facebook

Ich bin nicht mehr bei Facebook.
Das war nie meins und irgendwann habe ich beschlossen, dass ich das nicht brauche. Christoph hat mir am Wochenende berichtet, dass WURZELSPITZE bei Facebook Erwähnung gefunden hat. Zunächst große Freude, dass WURZELSPITZE wieder da ist. Soweit, so erfreulich. Dann aber diese Äußerung. „WURZELSPITZE versteckt sich jetzt hinter einer Paywall“.

Was ich davon halte, wollte er wissen.

Hier meine Anwort:

„WURZELSPITZE versteckt sich jetzt hinter einer Paywall“.

Genau so ist es.
WURZELSPITZE befindet sich neuerdings hinter einer Paywall.
Paywall, ich übersetze mal, bedeutet, die Leistung, die wir erbringen, konkret das Publizieren wertvoller Fachinformationen, kostet den Leser, der diese Informationen haben möchte, Geld.
Genau wie jede andere Leistung auf dieser Welt auch Geld kostet.

Du gehst in die Bäckerei. Kauft ein Brot. Zahlst Geld dafür.
Oder ein Patient besucht eine Zahnarztpraxis. Bekommt eine Füllung. Zahlt.

Das Normalste auf der Welt, oder ?
Und nachdem wir 10 Jahre lang Brote verschenkt haben an ganz viele Menschen, sind wir zu der Erkenntnis gekommen, dass das Brotbacken viel Zeit kostet und viel Arbeit macht.
Und dass wir kein Brot mehr backen wollen.

Was eigentlich schade ist.
Haben uns zumindest ganz viele Leser gesagt.
Nachdem wir aufgehört hatten.

So haben wir nach längerer Auszeit daher beschlossen, wieder Brote zu backen.
Allerdings von nun an unsere Brötchen und Brote nicht mehr zu verschenken, sondern einen sehr sehr kleinen Obulus dafür zu verlangen.
Um weiter Brot backen zu können.

Alternativ könnte man vorschlagen, dass jeder Zahnarzt, jede Zahnärztin, der/die mitliest, für jeden Beitrag, den wir schreiben, die gleiche Zeit, die für das Schreiben des Vortrags aufgewendet werden muss (sagen wir eine halbe Stunde pro Arbeitstag) einen Patienten umsonst behandelt. Konkret. Keine Zuzahlungen nimmt und den Anteil, den die gesetzliche oder private Krankenversicherung erstattet, spendet.

Wir tauschen unsere Arbeitszeit gegen die Arbeitszeit des Lesers.
Nur fair, oder ?
In der Zeit, in der ich schreibe, könnte ich ja einen Patienten behandeln.
So wie es der Leser tut, während ich schreibe.
Um anschließend zu erfahren, wie er seine Patienten noch besser behandeln kann.

Wie toll ist das denn ?
Während ich (der WURZELSPITZE- Leser) arbeite und Geld verdiene, setzt sich jemand (der WURZELSPITZE- Autor, der sich bestens in der Endo auskennt) statt selbst Geld zu verdienen stattdessen hin und erzählt mir (wenn ich mit meiner Arbeit und meinem Geldverdienen fertig bin), wie ich meine Behandlung weiter optimieren kann.

Hält man sich dies vor Augen, sind die 7 bis 28 Cent pro Tag, die der Leser für das „Überwinden“ der Paywall aufzubringen hat, nicht mal die virtuelle Tinte wert, die dieser Kommentar-Thread benötigt.
Ein veritables Schnäppchen.

Wer das möchte, wohlgemerkt.
Denn jedem Leser steht es frei, diese paar Cents einzusparen.

In der Hoffnung, dass er eine Bäckerei findet, welche die nächsten 10 Jahre Brote verschenkt an alle Kunden, so wie wir es 10 Jahre lang getan haben.

Allerdings – in den letzten 1,5 Jahren, in denen WURZELSPITZE offline war, ist uns keine Bäckerei aufgefallen, die dies gemacht hätte.
Gute Bäckereien gibt es ohnehin kaum noch.
Nur noch Brot aus dem Backshop beim Discounter.
Wer ´s denn mag.

Guten Appetit !

Freitag Abend „Youtube Music“ Episode 3

Jugend 1979. Mit 16.
Auf dem Land.

Heißt. Der Bus fährt 2 mal am Tag in die nächste Stadt.

Wichtigstes Hilfsmittel. Das Mofa oder Mokick oder Kleinkraftrad. Je nach Finanzlage der Eltern.
Sommerliche Freizeitbeschäftigung eines 16 Jährigen ? Sport. Im Verein, wohlgemerkt. Schwimmbadbesuch. Abhängen vor der Eisdiele. Stadtrunde fahren mit dem Moped.

Und dann gab es noch ab und an Open Air Festivals.
Nicht solche Sachen wie Woodstock oder Rock am Ring. Sondern lokale Bands, die sich auf der grünen Wiese zusammentaten und vor – wenns hoch kam – 100 Leuten spielten.

So auch in Meisenheim am Glan. Auf der Heimbach. Die Heimbach ist die Kirmeswiese gegenüber des Schwimmbads. Die Musik ? Naja. Wie lokale Bands halt sind. War trotzdem gut. Damals. Wir hatten ja nichts. Man sitzt in der Sonne, Hört der Musik zu und fühlt sich prima. Irgendwie ein wenig erwachsen und irgendwie ein wenig großstädtisch.

Umbaupause.
Zwischen den Bands.
Der Tontechniker lässt Musik laufen. Von Kassette.

Unbekanntes Material. Hochkomplex. Aber nicht zum Weglaufen, sondern hörenswert. Genial. Jazz, Rock, Pop gemischt. Alles in einem vereint. DAS nennt man Fusion.

Der Sänger – mit gigantischer Stimme.

Ich frage nach dem Namen der Band.
Gino Vanelli. Nie gehört.
Ich dachte, der Typ verarscht mich. So nannte man Eissorten zu unserer Zeit.
Die Platte ? Brother to Brother. Das Lied ? Nightwalker. Alles unbekannt. Am nächsten Tag also in den Plattenladen gegangen. Die Platte gekauft. Und nie mehr hergegeben.

Hier ist Gino.
Live.

Sorry für die Videoqualität. Nicht entmutigen lassen und das Video trotzdem anschauen, weil wir hier nicht nur ein Musik- Dokument betrachten, sondern auch ein Zeitdokument. Gino Vanelli. Der heißt wirklich so. Franko – Kanadier. Die Haare sind keine Perücke, da trug man damals. Mädchenschwarm. Heißer Typ. Man beachte das bis zum Bauchnabel offene Hemd und das Brusttoupet. DAS waren die 70er. Tut aber der Musik keine Abbruch. Und wo wir über Musik sprechen. Die Musiker allesamt erstklassig. Der Mann im Hintergrund am Schlagzeug, leider viel zu früh nach schwerer Krankheit verstorben, war Marc Craney. Ein unglaublicher Könner seines Fachs. Absoluter Ausnahmekünstler.

Und Brother to Brother ist ein extrem schwieriges Stück Popmusik.
Dies zu covern ist fast unmöglich.

Umso höher herauszuheben sind diese 3 Jungs hier um Roy Roper, die eine wirklich perfekte Darbietung abliefern.

Gino Vanelli wurde Mitte der  80er auch in Deutschland einem breiteren Publikum bekannt. Er hatte zu dieser Zeit  zwei Billboard  Top 50 Hits in den USA. „Black Cars“ und „Wild Horses“. Wie so oft in der Musik – beide Lieder, die immer mal wieder noch heute im deutschen Radio laufen,  werden dem Genius des Meisters nicht mal annähernd gerecht.

Daher führe ich  an dieser Stelle  lieber noch 2 weitere herausragende Stücke an:

 

 

Große periapkale Lyse und CaOH2-Extrusion

von Jörg Schröder

Bereits häufiger konnte ich beobachten, dass es bei Zähnen mit ausgedehnten apikalen Aufhellungen und weiten Foramina bzw. Neoforamina (nach WSR) im Verlauf der Liegedauer der medikamentösen Einlage zu einem „Austreten“ von CaOH2 kommt.

Nach den ersten dieser Beobachtungen, habe ich begonnen, die Lage der medikamentösen Einlage unmittelbar nach dem adhäsivem Verschluss der Zugangskavität zu dokumentieren.

So kann ein im Rahmen des temporären Verschlusses der Zugangskavität verursachtes Überpressen des CaOH2 ausgeschlossen, bzw. bewiesen werden.

Auffällig war nur, dass zwar das in der ersten Behandlungssitzung unmittelbar nach Verschluss erstellte Röntgenbild das CaOH2 klar innerhalb der Wurzelkontur darstellte, die in der zweiten Sitzung erstellten Aufnahmen jedoch eine Extrusion der medikamentösen Einlage zeigte, die nicht durch ein versehentliches Herausdrücken im Rahmen der maschinellen Aufbereitung oder mittels der schall- oder laserunterstützten Spülung erklärt werden kann.

Selbst vor Beginn der eigentlichen Behandlung erstellte Röntgenbilder zeigten dieses Phänomen, sodass eine iatrogene Ursache ausgeschlossen werden konnte.

Der nachfolgende Behandlungsfall bestätigt eine von mir in Erwägung gezogenen Ursache: ein im Gewebe entstehender Unterdruck „saugt“ die anfangs noch fliessfähige medikamentöse Einlage in den Periapikalbereich hinaus. Dies könnte im Zuge der Reduktion der entzündlich veränderten apikalen Gewebe entstehen. Aufgrund des adhäsiven Verschlusses der Zugangskavität ist ein „Druckausgleich“ nach koronal ausgeschlossen.

Die Behandlung der unvollständig resizierten Zähne 21 und 22 erfolgte an Zahn 22 einzeitig und aufgrund einer putriden Exsudation aus dem Periapikalbereich von 21 zweizeitig.

Was hat das mit meiner Unterdrucktheorie zu tun?

Nachdem ich in 21 die medikamentöse Einlage eingebracht hatte, verschloss ich vor der Obturation des 22 den 21 bereits adhäsiv. Während das Röntgenbild des Downpack im 22 die medikamentöse Einlage im 21 noch perfekt innerhalb der Wurzelkontur des 21 zeigte, war im Kontrollbild nach Obturation des 22 deutlich zu erkennen, dass das CaOH2 deutlich nach periapikal verbracht worden war. Und das, obwohl der 21 lange vor der Wurzelfüllung im 22 verschlossen worden war. Die einzige Manipulation war ein Palpieren der Periapikalregion des 21 nach Abschluss der Behandlung mit der Fingerbeere.

Haben Sie bereits ähnliche Erfahrungen sammeln können? Gibt es andere Erklärungsmöglichkeiten?

Nichtbehandlung (I)

Von Bonald Decker

 

Nachfolgend möchte ich Ihnen einen gestrigen Fall vorstellen und Ihre Meinungen dazu einholen…

kurz zur Vorgeschichte:

Der 18-jährige Lion stürzte in der Nacht von Samstag auf Sonntag letzte Woche auf dem Nachhauseweg mit seinem Fahrrad. Daraufhin suchte er mit seinen Eltern in den frühen Morgenstunden die chirurgische Notaufnahme einer Universität auf.

Hier erfolgte in erster Linie eine Untersuchung zum Ausschluss eines möglichen Schädel-Hirn-Traumas (u.a. Kopf-CT etc.)

Da keine allgemeinmedizinischen Besonderheiten vorlagen wurde der junge Mann wieder nachhause entlassen.

Da er am nächsten Morgen weiterhin beträchtliche Schmerzen im Mund-Kiefer-Gesichtsbereich hatte suchte er daraufhin auf eigene Initiative den kieferchirurgischen Notdienst der Universität auf.

Das dort angefertigte Orthopantomogramm sehen Sie hier:

Eine weitere Behandlung in irgendeiner Form erfolgte nicht.

Lion wurde gebeten sich Ende der nächsten Woche (also knapp 7 Tage nach dem Unfall) bei seinem Hauszahnarzt vorzustellen, um die betroffenen Zähne mit Kompositfüllungen restaurieren zu lassen.

Zur akuten Schmerztherapie wurde ihm die Einnahme eines nichtsteroidalen Antiphlogistikums empfohlen.

Aufgrund der weiter vorhandenen Schmerzsituation stellte sich Lion schliesslich am Mittwoch bei seinem Zahnarzt vor. Dort wurde diese Einzelzahnaufnahme angefertigt.

Eine weitere Behandlung erfolgte nicht. Dem Patienten wurde empfohlen sich zur „bestmöglichen“ Behandlung bei uns vorzustellen.

Unsere Befunde vom Mittwoch (4 Tage post traumatisch) im Überblick:

Vipr 12 und 21 +++,  11 ++, 13,22,23 und UK Front ohne Besonderheiten

Perk 12-11 +, 13,22,23 und UK Front ohne Besonderheiten

12-11: LG I

Hier extra- und intraorale Impressionen der Situation:

Meine Fragen an Sie…

was geht Ihnen nach dem Lesen der Krankengeschichte spontan durch den Kopf?

Würden Sie die Kollegen kontaktieren um die Hintergründe der Nichtbehandlung zu besprechen ?…

 

 

 

Update Fragremover

Hier 2 Fotos von Tomas Kupec.

MTwo Instrument entfernt mittels Fragremover. Mehrere Drähte erhöhen die Krafteinleitung.

„50 nicht von der Hand zu weisende, ausgesucht gute Gründe, sich auf Endodontie zu spezialisieren“ – Episode 4: „ERSTGESPRÄCH!“

Wie war es bisher ?

Anruf eines Neupatienten. Ein Termin zur Untersuchung und Besprechung wird vereinbart. Zwingend vorgeschrieben, Auch wenn, wie gestern, die Lehrerin aus Aschaffenburg anruft und auf die Dringlichkeit ihres Falles („Mein Zahnarzt hat aber gesagt sofort…“) und auf die weite Anreise hinweist. „Sehr geehrte Frau Müller Maier Schmidt, alles was nicht mit dem Flugzeug erfolgt, ist keine weite Anreise“.
Aber darüber reden wir  in der Episode „AUTOBAHN“ .

Jetzt geht es um besagte Erstuntersuchung und bisher bekam bei uns nach Anruf der Patient den nächsten freien Termin.

Unsere Terminplanung sieht wie folgt aus: Wir unterscheiden 3 Gruppen von Terminen. Lange Endo-Termine (45 – 90 Minuten), kurze Endo-Termine 30 Minuten und Kontroll- Termine (5 – 15 Minuten).

Und die Überlegung war: Nach einer anstrengenden oder sagen wir volle Konzentration erfordernden Endo soll es etwas Anderes, Entspannenderes sein.

Das ist zumeist eine postendodontische Stabilisierung, die wir (und nicht der Hauszahnarzt) bei allen unseren Patienten durchführen.
Zeitrahmen 30 Minuten.

Ein typischer Tagesablauf wäre also:

8 – 9 Uhr Endo Behandlung 1

9 – 9 30 Wurzelstift oder PES 1

9 30 Uhr bis 10 30 Uhr Endo 2

10 30 – 11 Uhr Wurzelstift oder PES 2

11 Uhr – 12 Uhr Endo 3 usw.

Und in genau diese 30 Minuten Termine zwischen zwei Endo- Behandlungen haben wir in all den Jahren unsere Besprechungen einbestellt. Zur Entspannung gewissermaßen und weil wir den Patienten ja schnellstmöglich einen Termin anbieten mochten.

Dumm nur.
Das mit der Entspannung funktioniert nicht.
Im Gegenteil.

Diese Vorgehensweise war so ziemlich das Dümmste, was man vorstellen kann. Heute kann ich rückblickend nur verständnislos den Kopf schütteln, wie und warum wir das SO lange gemacht haben.

Was ist der Denkfehler ?

Zunächst allein schon die Tatsache, dass ein Erstgespräch zeitlich nicht zu kontrollieren ist. Und der kalkulierte Rahmen von 30 Minuten gegebenenfalls zu kurz bemessen ist, je nachdem wieviel Gesprächsbedarf sich auftut.  Man kennt das: „Seit wann haben Sie denn diese Schmerzen: „Oh Herr Doktor, das muss ich etwas weiter ausholen, lasen sie mich nachdenken, ich war damals schwanger und mein Sohn ist jetzt 37. Wenn so ein Satz auftaucht, weiss man sofort, das wird jetzt dauern“. Der Zeitrahmen  ist ohnehin sehr knapp bemessen, 45 Minuten wären sicherlich, alles in allem berücksichtigend (Gespräch, Untersuchung, HKP-Erstellung und Erläuterung, Dokumentation) angebrachter. Allerdings  wird dann umso mehr offensichtlich, dass dieses Erstgespräch eine nicht kostendeckende Angelegenheit ist. Auch darüber werden wir in einer weiteren Episode detailliert sprechen und wie mit solchen Situationen  sinnvollerweise umzugehen ist.

Für den gegenwärtigen Stand unserer Überlegungen reicht aber alleine schon die Tatsache, das ein Erstgespräch, welches den Zeitrahmen überzieht, entweder dazu führt, dass man versucht, das Gespräch schnellstmöglich zu Ende zu bringen, ein gerade im Hinblick auf den ersten Patientenkontakt fatales nonverbales Signal. Oder aber man überzieht.  Und startet verspätet und mit einem Zeitdefizit gleich von Beginn an in die nächste Endo- Behandlung.

Beides möchte man nicht.
Bedeutet Stress. Unruhe. Frustration.
Keine guten Voraussetzungen für Top – Ergebnisse.
Und garantiert KEIN SPASS. Den wir doch haben wollen. Immer. Oder ?

Die Konsequenz war, die Erstuntersuchungen an das Ende des Arbeitstages zu legen. Man hat so alle Zeit der Welt.

Problem gelöst ?
Auf den ersten Blick schon.
Allerdings ist am Ende des Tages aber auch schon viel Kraft auf der Strecke geblieben. Ich habe diese Gespräche immer als sehr anstrengend empfunden.  Es war kein Spass, sondern vielmehr notwendiges Übel. Und natürlich gab es immer wieder Patienten, die zu diesem Zeitpunkt nicht konnten oder -weil dringend anzusehen, dann doch im Laufe des Tages inmitten der regulären Behandlungen eingebucht wurden. Mit den oben beschriebenen Problematiken.

Wie machen wir es heute ?

Erzähle ich in der nächsten Episode: „MITTWOCH!“

Danke Marcus, Nils, Stephan, danke Andras !

Der „Thermafil“- Kunststoff-Stift ist riesig und drumherum liegt deutlich Guttapercha im Wurzelkanal. 

Hervorragende Voraussetzungen demnach für die Entfernung desselben.

Aber – ganz so banal ist das dann doch nicht. Beim Versuch den Stift mittels Reciproc- Instrument zu entfernen, kann in der Tiefe ein Stück des Kunststoff- Carrier, eingeklemmt im sich verengenden Kanal abreissen und zurückbleiben.

Man wird als zunächst erst mal mehr oder weniger vorsichtig bis unmotiviert sich bemühen, den Stift freizulegen, immer mal wieder versuchen, ihn mit irgendwelchen Pinzetten, Zangen etc. versuchen zu greifen, was allzuoft nicht gelingt. Irgendwann greift man dann zu den maschinellen NiTI – Instrumenten und hofft, das der Stift in toto herauskommt.

Und so macht es einen entscheidenden Unterschied, ob man wahrscheinlich, irgendwann und irgendwie den Thermafil- Stift entfernt bekommt oder man dem Patienten noch vor der Behandlung das beruhigende Gefühl geben kann, diesen Wurzelsitft vorhersagbar und sicher entfernen zu können.

Schön demnach, wenn man auf den Fragremover zurückgreifen kann. Denn dieser macht die Kunststoffstift – Entfernung hier zum sekundenschnellen Kinderspiel. Wir nutzten im konkreten Fall den Prototyp einer Fragremover- Variante. Vom Kollegen Andras Csögor entwickelt, zusammen mit Hilfsmitteln, die das – sagen wir – emotional fordernde Vorbereiten und Einfädeln des Schlingendrahtes deutlich erleichtern. Ihm gilt mein Dank, genau wie den Kollegen Marcus Leineweber, Nils Widera, Stephan Gäbler, den Entwicklern des Fragremover – Originals.

Nachfolgend 2 Röntgenbilder (vorher/nachher) und ein Video, den klinischen Vorgang betreffend. Die Schlinge saß sehr sehr fest um den Stift drum herum, es konnte mit zwei Händen und voller Kraft gezogen werden, was aber auch zwingend notwendig war, um den Fremdkörper entfernen zu können.

 

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.

„50 nicht von der Hand zu weisende, ausgesucht gute Gründe, sich auf Endodontie zu spezialisieren“ – Episode 3: „REPETITION!“

Wir erinnern uns
Damals im Studium.

Die zweite aufgewachste Kronenmodulation ging schon wesentlich schneller als die erste. Und wie war das, als wir zum ersten Mal Kofferdam anlegten ? Eine Katastrophe. Wie habe ich den Patienten bedauert und bewundert gleichermaßen für seinen Mut und seine Geduld, mich  gewähren zu lassen.
Und wie leicht geht es heute von der Hand.

Übung macht den Meister.
Heißt es.

Aber es war interessanterweise nicht das stete Wiederholen an sich, das uns nach  Limitierung unserer Praxistätigkeit einen entscheidenden Mehrwert unseres tagtäglichen Arbeitens in der Endodontie gebracht hat. Denn nach 25 Jahren sollte man meinen, genügend Endos gemacht zu haben, um fit zu sein in allen tagtäglichen Situationen.

Es ist also weniger die bloße Menge an sich, sondern vielmehr das stakkatoartig schnelle Wiederholen des Immergleichen. Das fällt auf, seit wir ausnahmslos nur noch Endo machen. Sobald sich etwas Besonderes ereignet im Rahmen der Behandlung, eine Schwierigkeit, eine unbefriedigende Situation, haben wir sofort im Anschluss die Möglichkeit, beim nächsten Patienten uns eine Verbesserung einfallen zu lassen und diese auszuprobieren. Und das 5 bis 8 mal am Tag. Jeden Tag. Unser Evolutionszyklus ist mittlerweile sehr sehr kurz.

Schon innerhalb eines Tages haben wir so gegebenfalls eine Unzulänglichkeit erkannt, eine Lösung des Problems eruiert, diese sofort beim nächsten Patienten umgesetzt, die Verbesserung erfahren und in den weiteren nachfolgenden Sitzungen des Tages soweit wiederholt und konsolidiert, dass sich am Ende des Tages ein neuer Behandlungsschritt etabliert hat. Dieser wird in der Teambesprechung des nächsten Tages frühmorgens zu Behandlungsbeginn im gesamten Team geteilt und wird damit stande pede integrativer Bestandteil unseres tagtäglichen Arbeitens.

Warum das in unserer Praxis bislang nicht so war, obwohl wir doch mehr als 80 %, eher sogar mehr als 90 % unserer Tätigkeit auch bislang schon endodontischen Belangen gewidmet haben, darüber kann ich nur mutmaßen. Ich vermute, das die nichtendodontischen Unterbrechungen letztendlich vom Thema wegführten und ablenkten. Aus den Augen, aus dem Sinn. Und bis zum nächsten Endo-Patienten, auch wenn es nur 30 bis 60 Minuten und zwei Patienten später war, ist das Problem vergessen oder zumindest ein Stück weit verschüttet, weil natürlich auch in den anderen Behandlungsbereichen Verbesserungsmöglichkeiten anfallen. Über die wiederum nachgedacht, sinniert wird. So subsumiert sich am Ende des Tages statt beseitigter Widrigkeiten eine Liste an Unzulänglichkeiten, für die, sofern man diese überhaupt am nächsten Tag im Teamgespräch anzusprechen Lust hat, es ad hoc und bei nicht vorhandenem Zeitrahmen natürlich keine Lösungen geben kann. Was wiederum zu negativen Schwingungen und damit Frustration führt.

Ein schönes Beispiel für eine solche Verbesserung, die uns Woche für Woche erneut ausgesprochen positiv ins Bewußtsein kommt, weil sie uns extrem weitergebracht hat, sind unsere ersten Patientenkontakte. Davon berichte ich in der nächsten Episode: „ERSTGESPRÄCH!“

Unknown apical object (UAO)


von Jörg Schröder

Das präoperative Röntgenbild liess neben der ausgedehnten periapikalen Aufhellung bereits weitere „Eckpunkte“ erkennen. Zustand nach Wurzelspitzenresektion, alio loco erfolgter Versuch der orthograden Revision und mindestens zwei verschiedene Fremdmaterialien periapikal.

Was jedoch verwunderte war die Röntgenopazität und die Form des unmittelbar am Neo-Foramen gelegenen Fremdmaterials.

Nach Auswertung des präoperativ angefertigten DVT konnte Licht ins Dunkel gebracht werden. Die regelmässige Form und die Achsausrichtung des Fremdmaterials in der Mitte der Wurzelkontur liess auf einen keramischen, retrograd eingebrachten Verschlusskegel schliessen.

Da es angesichts der Größe des Kegels und der Weite des Kanalsystems unwahrscheinlich erschien, den Kegel nach orthograd zu entfernen, wurde mit dem Patienten ein kombiniert orthograd/retrogrades einzeitiges Vorgehen geplant.

Nach Entfernung der vorhandenen Obturationsmaterialien und ausgiebiger Desinfektion konnte der Keramikkegel visualisiert und auch hin und her bewegt werden. Um ihn nach orthograd zu entfernen hätte jedoch sehr viel Zahnhartsubstanz entfernt werden müssen.

Daher wurde nach der Füllung des Wurzelkanals mit MTA Angelus die Periapikalregion chirurgisch dargestellt und der Retro-Kegel entfernt.

22 Monate nach der endodontischen Intervention zeigt sich klinisch und radiologisch ein sehr erfreuliches Ergebnis. Der Zahn (mittlerweile prophetisch neuversorgt) ist vollkommen symptom- und beschwerdefrei. Die periapikale Aufhellung knöchern durchbaut.

 

 

Spass im Beruf

Passt hervorragend zum WURZELSPITZE Plus – Beitrag

Wer wissen möchte, was Spass im Beruf bedeutet, der schaut dieses Video.

Das Zitat zum Thema des Tages ist ab 09: 45 Minuten.

 

 

„50 nicht von der Hand zu weisende, ausgesucht gute Gründe, sich auf Endodontie zu spezialisieren“ – Episode 2: „KONZENTRATION!“

Die wahren Helden in der Zahnmedizin ?

Es sind Zahnärzte wie der Meckenbeurer Kollege Sepp Diemer.
Ein dentaler Zehnkämpfer. Absoluter Höchstleistungszahnmediziner.

Wie die Sportler in jedem der 10 Disziplinen Höchstleistungen erbringen, so tun dies in der Zahnmedizin engagierte Generalisten, die versuchen in der Paro, Endo, in der Zahnerhaltung, beim Zahnersatz oder in der Implantologie das Bestmögliche an Ergebnissen zu erzielen.

Zehnkämpfer sind in der Tat die Könige der Leichtathletik.
Und das ringt mir höchsten Respekt ab.

Es gibt nur einen kleinen Schönheitsfehler.

Bei den  Olympischen Spielen  hätte es der beste Zehnkämpfer in der jeweiligen Disziplin nicht einmal ins Finale des jeweiligen Solo – Wettbewerbs geschafft. Geschweige denn auf einen Medaillenrang. Der Sieger des 100 Meter-Endlaufes der Spiele 2012 in London, Ursain Bolt war mit 9,63 Sekunden  fast eine Sekunde schneller als der Sieger des olympischen Zehnkampfes Ashton Eaton mit einer Zeit von 10,46 Sekunden. Das sind im 100 Meter-Lauf Welten, die zwischen beiden Wettkämpfern liegen.

Wenn ich als von Konzentration spreche als Voraussetzung für den Erfolg in der Praxis, dann ist hier nicht die geistige Konzentration gemeint (der es selbstverständlich immer bedarf) sondern vielmehr die Konzentration auf das Wesentliche, die Beschränkung auf eben DIESE EINE Sache, die notwendig ist, um wirkliche Bestleistungen zu erbringen.

In dem ich nur diese eine Sache mache, erreiche ich zwangsläufig ein Niveau, wie ich es als Generalist, ja selbst als ein Generalist auf dem Niveau eines dentalen Zehnkämpfers nie erreichen werde. Noch einmal. Ich bewundere die Zehnkämpfer. Oder die Ironman – Profis. Aber auch der diesjährige Sieger und zweifache Champ  Jan Frodeno (Ruhepuls 36 bpm ! ) wird niemals die 42 KM Marathon Strecke unter 2 Stunden laufen. Wie letzte Woche in Wien durch Eliud Kipchoge erreicht.

Und noch was.
Auch wenn es weh tut.

Nein, es reicht nicht, dass man 80 Prozent Endo macht oder 90 Prozent Endo.
Zu dieser Erkenntnis gelangt man aber erst, wenn man besagten Schritt vollzogen hat.
Es gibt einen himmelweiten Unterschied in unserem Arbeiten, so wie es jetzt ist,  bei 100 Prozent ausschließlich  Endo gegenüber dem, was wir all die Jahre zuvor getan haben, wie wir all die Jahre zuvor gearbeitet haben.

Haben wir tolle Dinge gemacht in all den Jahren? Zweifellos.
Immer versucht, unser Bestes zu geben. Unbedingt !
Waren wir bis dato schlecht ? Nein.
Sind wir heute besser ? Vermutlich nicht. Makroskopisch gesehen.

Aber wir arbeiten besser.
Was sich in irgendeinem Bereich, auf irgendeiner Ebene auszahlen wird.

Warum ist das so ?
Warum arbeite ich soviel besser, wenn ich mich auf eine einzige Sache beschränke ?

Dazu tragen viele Faktoren bei, die wir nachfolgend aufführen und analysieren wollen. Beginnen möchte ich mit dem Schlagwort „REPETITION!“

„50 nicht von der Hand zu weisende, ausgesucht gute Gründe, sich auf Endodontie zu spezialisieren“ – Episode 1: „SPASS!“

SPASS !

wenn ich in einem Wort zusammenfassen müsste, die Quintessenz dessen wiedergeben sollte, was wir gewonnen haben, nachdem wir vollständig zur ENDO gewechselt sind, dann wäre es dieser Slogan: SPASS !

Aber der Reihe nach.

Natürlich – es ist nicht so, dass ich all die Jahre in unserer Praxis keine Freude hatte. Allerdings- ich sag mal so, Sonne und Regen haben sich – Echtes Aprilwetter – immer wieder mal abgewechselt.

Am 25. Januar 1993 hatte ich meinen ersten Arbeitstag in eigener Praxis.
Bis Ende 2012 war ich dann das, was man einen Generalisten mit ausgeprägtem Schwerpunkt „Endodontie“ bezeichnen könnte. Konkret – mit einem reinen Endo – Tag so um das Jahr 2001 oder 2002 herum angefangen, zuletzt 4 Tage Endo, 1 Tag Kons, ZE eher selten und zuletzt nur noch festsitzend.

Und jetzt nur noch und ausschließlich Endodontie. Was hat sich geändert ?

So banal es klingt und so klischeehaft es erscheint: Wir haben Spass ! Und zwar dauerhaft.

Jeden Tag komme ich in die Praxis und freue mich auf das, was mich erwartet.

Ich bin positiv gestimmt in Vorfreude auf das Kommende. Das war in all den Jahren zuvor (und wir reden hier immerhin von 2 Dekaden Dental-Fronarbeit) von der Tendenz her eher anders rum. Wie oft habe ich mich am Morgen auf der Fahrt zur Praxis gefragt: Was wird wohl heute auf mich warten ?“ Und – was die innere Stimme nicht aussprach, was aber immer im Raum stand als stumme Fortsetzung der Frage – an Unangenehmem, an Unvorhergesehenem, an Ätzendem ?

War es früher von der Grundstimmung her jeden Tag auf Neue wie ein Aufbruch ins Ungewisse (so müssen sich die antiken Seefahrer gefühlt haben), so empfinde ich es heute wie das Geburtstagskind am Tage seiner Geburtstagsfeier. Man weisst nicht, was man geschenkt bekommt, aber eins ist sicher, man bekommt auf jeden Fall viele schöne Geschenke.

Oder – anderes Sinnbild -Man setzt sich hungrig an den Tisch zum Mittagessen. Keine Ahnung, was die Mama heute gekocht hat, aber eins steht fest, es ist auf jeden Fall lecker.

Und daher gilt es für Leser/Leserin, in sich selbst hineinzuhorchen.
Haben Sie auch permanent Spass in der Praxis ?

Dann Glückwunsch, nur noch aus Neugierde hier weiterlesen.
Allen Anderen kann ich an dieser Stelle nur raten, sich von den negativen Dingen der Berufsausübung (ich rede jetzt vom Arbeiten per se, nicht vom Ärger mit Patienten, die ihre Rechnung nicht zahlen)  zu trennen.  Und zwar so schnell wie möglich, denn ICH habe viel viel zu lange diese Entscheidung vor mir hergeschoben.

Bester neutraler Indikator zur Unterstützung dieser These: Mein Team. Viel zu lange hätte ich gewartet, das hätte ich viel früher tun sollen, so habe ich es immer wieder gehört und höre es auch heute noch ab und zu.

Was natürlich nicht stimmt, die Zeit war noch nicht reif.
Nein. Sagen wir besser. Ich war noch nicht reif.
Noch nicht bereit.

Jetzt fühle ich mich befreit.
Und eine solche Befreiung setzt positive Energie frei.
Die man wiederum in neue Projekte investiert. Welche einen wiederum weiterbringen. Eine positive Feedback- Schleife hin zum (noch) Besseren.

Das bringt uns zum Topic der morgigen Folge, die da lautet:

KONZENTRATION !

Freitag Abend „Youtube Music“ Episode 2

„Pomplamoose“ das sind Natalie und Jack.
Ein amerikanisches Pop- Duo, welches zunächst durch seine sehr kreativen Low Budget Musik- Videos mir ins Auge fielen.

Und die Beiden passen hervorragend zu WURZELSPITZE.
Warum ?

Weil sie ihre Sache mit Leidenschaft machen.
Eine Vision hatten.
Klein anfingen und sich mittlerweile zu einem vielbeachteten und hochprofessionellen Musikteam weiternentwickelt haben.

Starten wir mit einem Video aus ihrer frühen Phase.
Ein legendärer alter Wham-Klassiker, tausend mal gehört, hier mit einfachsten Bordmitteln neu interpretiert.

Neugierig geworden bin ich dann auf das hier gestossen.

Ein Auftritt von Pomplamoose 2012 bei TED – Konferenz. Bei der Jack Conte die Auswahlkriterien der Mainstream Musikindustrie kritisiert, die sich bislang immer nur auf ganz wenige ausgesuchte Top- Acts konzentriert und diese mit einem Riesenbudget unterstützt, so dass unbekannte, nicht desto trotz sehr talentierte kreative Acts keine Beachtung finden. Conte fordert eine Umkehr, schlägt einen neuen Weg vor, der Unterstützung auch für Bands am Beginn ihrer Karriere vorsieht. Bei Banken würde man so etwas Mikrokredite nennen. Nur mit dem Unterschied,  daß die Kredite von den Hörern selbst kommen. Das Duo spielt zwei Lieder, beide zum Weglaufen im Übrigen, aber der Rest ist Geschichte.

8 Jahre später ist Jack Conte der CEO von Patreon.
Einer Crowdfunding-Plattform von (digitalen) Inhalten. Künstler können mit Patreon ihren Nutzern die Möglichkeit geben, ihnen einfach und direkt regelmäßig einen selbstbestimmten Geldbetrag zu zahlen. Zunehmender Beliebtheit erfreut sich die Plattform bei Webvideoproduzenten, Musikern und Bloggern. 2017 lag der an die Künstler ausgezahlte Gesamtbetrag bei 150 Millionen Dollar.

Und Pomplamoose produzieren mit wunderbaren hochkarätigen Musikern wöchentlich Musikvideos von herausragender musikalischer Qualität. Im Nachfolgenden eine wie immer sehr subjektive Auswahl. Aber eins lässt sich nicht wegdiskutieren. Die beiden können stolz sein. Sie sind weit gekommen, betrachtet man die Anfänge des TED – Videos mit den ausgefeilten

Und das Beste ist.
Der anarchische Spass der frühen Jahre ist vollständig geblieben.  Man muss Jack nur beim Klavierspielen zuschauen.
Und damit spannen wir den Bogen zur Endodontie und WURZELSPITZE. Wer kennt das nicht, der Blick zurück auf die Anfänge der eigenen Endo. Manche Ergebnisse sind nachwievor beeindruckend, insbesondere im Hinblick auf die frühe Entstehung dieser „Werke“. Andere Anfangsresultate möchten wir lieber gar nicht betrachten, stellen aber wenigstens tröstlich respektvoll den Fortschritt fest, den wir in all den Jahren gemacht haben. Und – Spass, da spreche ich für das gesamte WURZELSPITZE-Team, Spass an der Endo haben wir immer noch.

In diesem Sinne – Viel Spass mit Pomplamoose.
Und schreibt mir euren Favoriten in die Kommentare.