Jetzt bei WURZELSPITZE Plus 50 nicht von der Hand zu weisende, ausgesucht gute Gründe, sich auf Endodontie zu spezialisieren“ – Episode 11: „Nie Wieder!“

Wo ist die Zeit hin ?
Irgendwie ist mit Corona bei mir nix so wie bei den anderen. Ich hatte keine zusätzliche Zeit und ich habe auch nicht an Gewicht zugelegt. Konnte weder Speicher noch Keller aufräumen und keinen Garten in Ordnung bringen.

Und jetzt ist schon Ende Oktober und ich frage mich, wo ist das letzte halbe Jahr hin ?

Aber nun möchte ich den Faden wieder aufnehmen. Es muss ja weitergehen. Irgendwie. Packen wir es an. Wir waren stehen geblieben bei der Frage: „Bin ich verpflichtet, dem Kassenpatienten eine kostenlose Endo anzubieten ?“

Und der unangenehmen Tatsache, dass ich als Kassenzahnarzt auf diese Frage mit einem uneingeschränkten „JA“ antworten muss.

Weiter geht es hier.

Neustart (XVII) – Pimp your Behandlungszimmer (II)

Von Christoph Kaaden

Nach fast neun Jahren eigener Praxis kann von „Neustart“ sicher nicht mehr die Rede sein.

Heute berichte ich trotzdem über dieses Topic und stelle das jüngste Update zu dieser bzw. dieser Thematik vor.:

Die Anschaffung der zwei digitalen Röntgengeräte (Einzel-Röntgen mit Sensor und DVT) für unser zweites Behandlungszimmer (aka Untersuchungs-/Befundungszimmer) hat uns seiner Zeit um „Lichtjahre“ vorangebracht.

Etwas später habe ich dann noch ein weiteres Dentalmikroskop angeschafft. Unter anderem aus Platzgründen war es nicht möglich ein weiteres Zeiss ProErgo zu wählen.

Daher fiel unsere Wahl auf ein Zeiss Pico mit Xenon-Beleuchtung etc. auf einem Rollstativ.

Schnell wurde klar, dass diese „Lösung“ suboptimal ist…

ein Bild zeigt sofort warum…

der Aufwand das Mikroskop bei „Bedarf“ in Position zu bringen war immer enorm. Von der Dokumentationsfähigkeit der Behandlung mittels Kamera etc. ganz zu schweigen…

Daher entschied ich mich nach einiger Zeit für die Anschaffung und Installation einer weiteren Centro-Säule.

Die baulichen Vorkehrungen etc. dafür waren bei dem Umbau 2011/2012 getroffen worden…

trotzdem gestaltete sich die Umsetzung, wie leider eigentlich immer, als hürdenreich…

als Hauptproblem ergab sich die Tatsache, dass es für unseren Planmeca-„Röntgenarm“ keinen Adapter zur Centro-Säule gab (was im Vorfeld mit mir so _nicht_ kommuniziert wurde )

… daher bedeutete dies eine individuelle Anfertigung…

was dies u.a zeitlich etc bedeutet wird daher auch schnell klar…

hier schon mal ein paar Aufnahmen zu dem dann individuell hergestellten Adapter…

mehr dazu und den weiteren Problemen aber zu einem anderen Zeitpunkt…

Zirkonimplantat (?)

Die Patientin kam mit Beschwerden zu uns. Ein Druckgefühl links oben Regio 25. Manchmal hatte sie auch ein Taubheitsgeühl.

Der Zahn 26 erschien uns als mögliche Ursache. Die Sensibilität war fraglich, der Lockerungsgrad 0 und die Sondierungstiefen waren zirkulär zw. 4-6mm. 27 zeigte eine eindeutig positive Sensibilität auf Kälte palatinal und buccal.

Im Zahnfilm war die apikale Region von 26 fast unauffällig. Das Keramikimplantat zeigte allerdings nach 2 Jahren vertikale Knochenein- brüche. Im angefertigten DVT waren ungewöhnlich große Artefakte durch das Implantat zu erkennen. Bisher hatten wir derartige Artefakte noch nie gesehen.
Laut Hauszahnarzt ist dies ein einteiliges Zirkonimplantat.

Wir arbeiten mit dem F40 von Morita, da stellt sich die Frage, wie sehen diese Aufnahmen mit dem X800 aus? Die Artefakte sollen deutlich reduziert sein.
Wer hat eine Antwort?

Im klinischen Bild zeigt sich eine Vertikalfraktur, die in beide mesiale Kanäle zog. Leider für uns ein Zahn aus der Kategorie: Unrettbar.

Anbei die Bilder:

Zeiss Pro Ergo ????- Die andere Seite des Spektrums

Noch als ich das ich das Paket öffnete, war ich der festen Überzeugung, Geld zum Fenster rausgeschmissen zu haben. Gut, es waren nur 11 Euro, aber für China Plastik-Schrott sind auch kleinste Beträge zuviel, vom Umweltgedanken ganz abgesehen. Vor mit liegt eine Plastik- Lupenbrille. In leicht mattem Weiss, von der Formensprache her an einer DCI Video Drohne allererster Generation erinnernd, allerdings nur die Billig-Kopie davon, was einiges heissen will. In einem stabilen und haptisch überraschend solide daherkommenden schwarzen Extra-Kästchen dabeiliegend 4 Plastikvorsätze in Dioptrienstärke 1.0, 1.5, 2, 2.5, 3.5.
Die eigentlichen Vergrößerungshilfen.

Ich wähle einen Plastikvorsatz, schiebe ihn in die vorgesehene Halterung.
Er rastet solide ein, ich setze die Brille auf und bin bass erstaunt.

Man sieht – erstaunlich gut.
Was schon mal per se ein Statement ist, denn ich arbeite seit 30 Jahren mit Lupenbrille. Zunächst mit einer Keeler 2,5 Dioptrien-Klappbrille, später dann wurde es ein Orascoptic 4,3 TTL Modell.

Die Messlatte liegt also hoch.
Eigentlich hatte ich die CLB (China – Lupenbrille), ein Tipp von Michael Logies via Zahnmed, für einer meiner Assistentinnen bestellt. Wir werden alle älter und eine gewisse Altersweitsichtigkeit hat nach mir nun auch ein Teil meines Teams erreicht.

Aber natürlich will ich wissen, wie gut oder schlecht die CLB funktioniert, daher tausche ich für einen Tag mit meinen optischen Referenzgläsern.

Die CLB liegt (meiner) Kopfform gut an, die Nasenbügel lassen sich durch leichtes Biegen justieren. Ohne eingebaute Batterien (ja, die CLB verfügt über eine integrierte LED-Beleuchtung) trägt die CLB wenig auf, was Grundvoraussetzung ist dafür, dass man die Sehhilfe über den Tag hinweg akzeptiert. Die Beleuchtung kann professionelle dentale Lösungen nicht ersetzen, für kleinere Tätigkeiten im Zahnlabor oder Steri ist sie jedoch auf jeden Fall eine Unterstützung.

Ich arbeite dennoch ohne das LED-Licht, um das Gewicht der Konstruktion über dem Nasensteg geringer zu halten. So bringt mich die CLB gut durch den Tag. Sowohl Brillen – wie auch Lichtposition lassen sich in ihrer Neigung unabhängig voneinander variieren, Vermutlich findet so jeder die für ihn angenehme Blick-Position.

Kommen wir zum Fazit.
Für das schon ein Tag Arbeiten ausreicht.
Wegen 10 Euro 99 Cent nämlich muss ich nicht länger nachdenken. Die CLB ist ein Knüller und sollte jedem Zahnmedizinstudent der Welt am Tage seines Studienbeginns als Geschenk überreicht werden. Werden professionelle Lupenbrillen dadurch obsolet ? Auf gar keinen Fall. Aber die CLB ist irgendwie eine Königin der Herzen, der heimliche Preis/Leistungs-Sieger aller Klassen.

Gekauft via Amazon.

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Werden SiFi-Filmszenarien wahr ?

Ist das ein machbarer Weg für die Reduktion des Covid -Infektionsrisikos in der Zahnarztpraxis ?

Wir haben ein Air Purifier – Gerät in der Praxis.
Den Nutzen schätze ich eher gering ein.
Es mag zwar möglich sein, die Raumluft über die Zeit hinweg zu reinigen, aber die Viren, die es erfasst, verbleiben ja zunächst im Raum selbst. Der MicroClimate – Helm setzt gewissermaßen an der Wurzel des Problems an, er hindert die Viren am Kontakt mit dem Träger.

Ich würde den MicroClimate Helm nutzen wollen, auch auf die Gefahr hin, dass er nichts bringt. Ich habe schon viel viel mehr Geld unnütz in der Praxis über die letzten 3 Jahrzehnte ausgegeben, da kommt es auf 200 Euro nicht an. Aber 2 Voraussetzungen müssen erfüllt sein: Der Helm darf von innen nicht beschlagen und ich muss mit dem Operationsmikroskop damit arbeiten können. Zumindest bei Letzterem zweifle ich, meine Erfahrungen mit einem Faceshield zugrundlegend.

Entscheidungshilfe in der Argumentation Pro DVT

Die Erstellung eines DVT´s im Zusammenhang mit endoodontischen Behandlungen ist immer ein Streithema, spätestens wenn es zum Punkt der Kostenerstattung der privaten Krankenversicherer und Beihilfestellen kommt. Hier eine neue Studie, die den Nutzen des DVT´s unterstreicht.


Clinical decision‐making and importance of the AAE/AAOMR position statement for CBCT examination in endodontic cases
M. Bhatt J. Coil B. Chehroudi A. Esteves J. Aleksejuniene D. MacDonald
First published: 31 August 2020 https://doi.org/10.1111/iej.13397
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Abstract
Aim

To compare conventional radiographic and cone beam computed tomography (CBCT) findings with reference to the American Association of Endodontics and American Academy of Oral and Maxillofacial Radiology (AAE/AAOMR) joint position statement and to determine the effect of the CBCT on the initial diagnoses and treatment plans in a single‐centre Postgraduate Endodontic Programme.

Methodology

The clinical CBCT scans of patients, treated at the Endodontic Department of the University of British Columbia, were reviewed for CBCT referrals by comparing them with corresponding radiographs. The features considered were periapical lesions, missed/extra canals, root fractures, complex anatomy, calcified canals and root resorption of tooth/teeth in question. Reasons for the CBCT prescriptions were assigned to 3 groups: to formulate the primary diagnosis, to confirm the diagnosis achieved by clinical examination and conventional radiographs, and to assist in treatment planning. Variables were compared statistically using chi‐square and McNemar tests.

Results

A total of 128 CBCT examinations were performed on 110 patients. No CBCT examination was performed more than once on the same tooth. Overall, 76% of CBCT examinations were performed on previously root filled teeth. CBCT images revealed a significantly higher incidence of periapical lesions (P = 0.002), missed canals (P < 0.001), vertical root fractures (P = 0.004) and complex anatomy (P = 0.008) than periapical radiographs. CBCT was prescribed most frequently to assist surgical treatment planning (62%) rather than for generating a diagnosis (9%) or confirming diagnoses (29%). Both the diagnosis (P = 0.001) and the treatment plan (P = 0.005) initially made by examining periapical radiographs were altered significantly by the subsequent CBCT examination by revealing information such as new periapical lesions, missed canals or involvement of buccal or lingual cortical bone.

Conclusion

CBCT examinations were prescribed mainly to assist treatment planning rather than for diagnosis. The majority of CBCT examinations were performed on previously root filled teeth. The additional information obtained from CBCT scans resulted in the alteration of the initial diagnoses as well as subsequent treatment plans in 59 out of 128 cases.

Finde den Fehler!

In der Süddeutschen Zeitung vom letzten Freitag auf der Titelseite.

„Es reicht einfach nicht.“


Finde den Fehler!

Erstaunliches Ledermix

von Jörg Schröder

Ich gebe es zu: ich benutze kein Ledermix.

Ich habe es in unserer für Traumfälle vorbereiteten Materialbox vorrätig. Da ich aber noch nie eine sich gerade ereignete Avulsion versorgen musste, fristet Ledermix in meiner Praxis ein „Ergänzungsspielerdasein“.

Erstaunlich für mich jedoch, wie wenig an endodontischer Behandlung notwendig ist, um an einem Zahn mit irreversibler Pulpitis mittels Ledermix vollständige Beschwerdefreiheit zu erzielen.





Weder bedurfte es eines speicheldichten Füllungsverschlusses noch einer vollständigen Exkavation. Auch war nur der bukkale Anteil der Kronepulpa bearbeitet worden. Und dennoch: keine klinischen Symptome und keine apikale Aufhellung. Dabei lag die medikamentöse Einlage bereits mehr als 2 Monate zurück.

Die endodontische Behandlung verlief komplikationslos und überraschungsfrei, wenngleich das von der Patientin mitgebrachte DVT eine eher gewöhnungsbedürftige Darstellungsgenauigkeit besaß. Andererseits freue ich mich jeden Tag aufs Neue über die Abbildungsqualität unseres 3D-Systems.

 

Wird Ledermix bei mir nunmehr auf mehr Einsatzzeiten hoffen dürfen? Ein klares „Nein“. Ich kann nicht erkennen, welchen Vorteil es für mich im Vergleich zu einer vollständigen Aufbereitung und begleitenden intensiven Irrigation haben könnte.

 

 

 

 

Video ESE Vital Pulp Treatment

Grafisch sehr ansprechend gemachtes Video der ESE zum Thema „Vital Pulp Treatment“.

New kid in town…(I)

Von Christoph Kaaden

Die mögliche Fraktur eines Präparationsinstrumentes während der endodontischen Behandlung zählt zu den unerfreulichen Komplikationen die vorkommen können…

diese Problematik kann und wird jedem Behandler/jeder Behandlerin im Laufe des Berufslebens (mehr oder minder häufig) widerfahren…

Die Frage ist, wie häufig es „passiert“ und wie es zu vermeiden ist…(zur persönlichen Vermeidungsstrategie berichte ich zu einem späteren Zeitpunkt… )

Wenn es aber um die Fragestellung der möglichen Entfernbarkeit des Fragements geht (egal ob „selbstverschuldet“ oder „alio loco passiert“) ist der Schlüssel zum Erfolg (imho) primär die Visualisierung des Fragments.

Wie würde ihre Strategie in nachfolgendem Fall aussehen?

Was gilt es ggf. zu beachten (zB. zeitliches Management und Kosten der Behandlung etc.. ? ) Welche Technik und welche Hilfsmittel verwenden Sie?

Wo sind deren Limitationen?

Wie ist die Prognose ?

Ich bin auf Ihre Meinungen und Herangehensweisen gespannt…

IrriFlex

Uns wurden zwei Probeexemplare der Kunststoffkanüle IrriFlex zugesendet. Das Probeexemplar war schnell vergessen und lag deswegen eine ganze Weile herum…

Zum Spülen verwenden wir NaviTips (NaviTip Sideport Ø 0,28 mm) von Ultradent. Diese verwenden wir auch zum Applizieren von Ultracal in das Kanalsystemm. Zuvor muss die Kanüle aber mit Natriumhypochlorit gepült und NICHT ausgeleert werden. Durch das verbliebene NaOH entsteht eine Kapillarwirkung und das Ultracal kann dann leicht appliziert werde. Diesen Tipp verdanke ich meinem Kollegen Jörg Schröder aus Berlin.

Jetzt hoffte ich, die IrriFlex dafür verwenden zu können. Durch die Beweglichkeit erhoffte ich mir im gekrümmten Kanalsystem eine bessere apikale Applikation. Leider gelingt das gar nicht. Auch nicht mit Jörgs Methode. Der Innendurchmesser ist wahrscheinlich kleiner als der des Navitip Sideport.

Kostenvergleich laut Aera:
Irriflex/ Sack. = € 0,99 ct + Ust.19%
NaviTips Sideport 27mm grün UP5123/UP5124  = € 1,14 + Ist.19%

Jetzt werden wir die IrriFlex im Vergleich zum Navitip Sideport einsetzen und nach einer entsprechenden Testung berichten.

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.

Routine (2)

Eigentlich hätte dieser Fall es nicht bis zur Fallvorstellung geschafft.
Es war Routine.

Der Patient suchte uns mit dem Wunsch auf unbedingt den Zahn15 zu erhalten. Er hatte Beschwerden an dem fistelnden Zahn, wenn er flog.
Er ist Pilot und damit ist das suboptimal.

Der Zahn wurde bereits endodontisch behandelt und eine WSR erfolgte. Nun wollte man nochmal chirurgisch intervenieren. Der Patient wollte vorher eine Zweitmeinung hören.

15 zeigte keinen Lockerungsgrad und keine erhöhten Sondierungstiefen. Die Krone hatte einen subotpimalen Randschluß.

Wir haben ihm nur bedingt zur Behandlung geraten, da der Substanzverlust nach der, man muss es hier so sagen, unsinnigen WSR erheblich war und eine Verringerung der apikalen Läsion mit Fistelheilung für eine mögliche spätere Implantation nicht unvorteilhaft ist.

Der Patient wollte aber unbedingt den Zahnerhalt.

Die Behandlung verlief routiniert, Entfernung des WF Materials, Entfernung der retrograden WF, Aufbereitung und Desinfektion der Kanäle, apikales kollagens Widerlager, Verschluß des Neoapex nach WSR mit ProRoot MTA,  thermoplastische WF und adhäsiver Verschluß.
Die prothetische Neuversorgung des Zahnes  wurde von uns nach dem 6 Monatsrecall empfohlen.

Die Behandlung dieses Zahnes war für uns zu Beginn dieses Jahrhunderts eine in unseren Augen, völlig aussichtslose Sache. Selbst eine nochmalige WSR, wie hier geplant war,  hätten wir nicht empfohlen.
Heute können wir im DVT erkennen, daß es gar keiner WSR bedurft hätte, sondern nur einer Revision mit der Behandlung des gesamten Endodonts.

Erinnerung an die „Unter Uns“- Umfrage

Dürfte ich noch mal an dieser Stelle an die „Unter Uns“ – Umfrage vom 09. Oktober erinnern. Und all diejenigen, die noch nicht gevotet haben, bitten, sich 1 bis 2 Minuten (es dauert wirklich nicht länger) Zeit zu nehmen und ihre Stimme abzugeben.

Stellt Euch vor, es ginge darum, Donald Trump im Amt zu halten oder von dort zu entfernen.
Ihr habt es in der Hand.
Zwar nicht den Präsidenten der USA zu bestimmen, aber dafür sich einen Überblick zu verschaffen wie der Status Quo bei uns, die Endodontie betreffend, sich darstellt oder zumindest bei den WURZELSITZE-Lesern im Vergleich zur „normalen“ Zahnarztpraxis.

Ich möchte gerne die Umfrage zum 31.10. 2010 abschliessen.

Also – Auf ins virtuelle Wahllokal. Das findet ihr HIER.

Traumaspätfolge – das Recall

von Jörg Schröder

Mitte März 2020 hatte ich zu diesem Behandlungsfall berichtet.

Eine Traumaspätfolge mit iatrogen verursachter Komplikation.

7 Monate nach Behandlungsabschluss, zeigt das Kontrollbild eine erfreuliche knöcherne Regeneration.

Nun bleibt zu hoffen, dass der Zahn die nächsten Jahre auch mechanisch übersteht.

Reparative endodontische Therapie

Von Christoph Kaaden

Ich habe in der Vergangenheit multiple „Revitaliserungsfälle“ auf Wurzelspitze vorgestellt. Unter anderem hier oder hier.

Nachfolgend zeigte ich Ihnen unser jüngstes Recall dieser Behandlungsoption:

Kaum eine endodontische Therapie wird aber auch so kontrovers diskutiert.

Nachfolgend möchte ich Ihnen einige relevante Literatur in Kürze vorstellen und meine Indikaitonsstellung für diese Behandlungsart darlegen…

auf Ihre persönliche Meinung hinsichtlich dieser Therapie bin ich gespannt…

fire on

Traumafälle (II)

Von Christoph Kaaden

Hier ein 3. Fall von gerade eben.

– 13-jähriger Junge; Trauma 11/2016 mit Intrusion inkl. unkomplizierte. Kronenfraktur 21

Seit dieser Zeit unversorgt, Schmerzhistorie 2019, die mit Ibuprofen therapiert wurde; jetzt akute Schmerzen Zahn 21 mit Perk +++ und vestibulärer Druckdolenz

Aktuelle Traumafälle (I)

Von Christoph Kaaden

Ich möchte heute zwei aktuelle Traumafälle vorstellen die uns beschäftigen.

Bei Fall I kenne ich bisher nur die nachfolgende Beschreibung der Zuweiserin und die alio loco angefertigten Röntgenbilder.

Text und Bilder sprechen leider für sich…

Ausgeprägte infektionsbedingte Resorptionen innerhalb von gut sechs Wochen nach Trauma

Dieser und der nachfolgende Fall bekräftigen mich in meiner Meinung, dass das Thema dentale Traumatologie eine v i e l breitere Bühne bei Fortbildungen eingeräumt werden muss!

Leider ist dies häufig nicht der Fall, wie z.B. die Programme der letzten drei und auch der kommenden DGET Jahrestagung zeigen!

Auch bei dem bayerischen Zahnärztetag der letzten Jahre:

Fehlanzeige!

Dabei könnten schon kleine Maßnahmen häufig eine große Wirkung zeigen.

Leider ist in Fall II auf die kleine Maßnahme der adhäsiven Versiegelung der unkomplizierten Kronenfraktur bei der heute 11-jährigen Laura damals „verzichtet“ worden.

So war das Dentin für zwei Jahre der Mundhöhle ausgesetzt…

und es kam, wie es kommen musste (und in der Literatur eindeutig beschrieben ist)

Ich werde weiter berichten…

Routine

Im heutigen Fall handelt es sich um eine reine Routinebehandlung.
Entfernung eines Instrumentenfragmentes und Fremdmaterial aus den Kanälen des Zahnes 25.
Vor 20 Jahren war das mal mein Traum…

In den Jahren 2000-2003 kam die Endodontie immer mehr in mein Blickfeld.  Zu viele Misserfolge haben mich gezwungen das ungeliebte Fachgebiet genauer zu betrachten.

Da gab es solche verrückten Kollegen, die mit einem Mikroskop in den Zahn schauten.
Das klang nicht uninteressant, aber die zu erwartenden Investitionskosten waren für mich utopisch. Es musste einfacher gehen.

Deswegen hatte ich einige Alternativen ausprobiert, wie beispielsweise Depotphorese mit Curapal. Aber auch das ließ die MIßerfolge nicht deutlich weniger werden.

Kupfer-Kalziumhydroxid (Cupral) hat einen 400fach höhere, keimtötende Wirkung) gegenüber herkömmlichen Medikamenten, welche im Wurzelkanal zur Anwendung gelangen, betonte Prof. Knappwost. Ihn hatte ich kontaktiert, weil ich wissen wollte, warum meine Misserfolge nicht dramatisch sinken. Er konnte es mir letztendlich nicht erklären.

Dann hörte ich von diesen neuen Nickeltitaninstrumenten.
Auf einer Dentalmesse erklärte mir eine nette Dame von Dentsply die Vorzüge. Und ich durfte mal am Stand probieren in einem Plastikblock. Es gab Protaper und Profile. Mit dem Protaper hatte ich ganz schnell eine Instrumentenfraktur geschafft. Die Profile waren deutlich weniger aggressiv. Diese bestellte ich sofort.
Am ersten Zahn, den ich behandelte nach einigen Tests am Plastikblock kam ich nicht wirklich vorwärts. Und meine Schlussfolgerung war, mehr Druck, damit die Feile nach unten geht. Die nachfolgende Fraktur hat mich in meiner ganzen weitern Praxistätigkeit nicht mehr losgelassen. Dieser Zahn war mein 100000 Eurozahn.

Viel mehr als diese Summe investierte ich in die nächsten Jahre an Weiterbildung, Geräten und Instrumenten.
Nach 100000 Euro habe ich aufgehört zu zählen. Danach kam noch eine neue Praxis mit Arbeitsplätzen, die mikroskopergonomisch aufgestellt waren.

Was hätte ich damals gegeben um dieses Fragment entfernen zu können.

Nun gehörte ich zu den Verrückten mit dem Mikroskop. Und die Misserfolge sind deutlich gesunken. Leider muß ich sagen, nicht auf Null. Aber wir behandeln Zähne, die ich früher abgewunken hätte. Aber ich weiß auch besser, wo die Grenzen liegen.

Der Weg war lang und hat mich Demut gelehrt. Jede Phase der Überheblichkeit wurde bitter bestraft.
Um so mehr freue ich mich, wenn so ein Behandlunsgfall erfolgreich ausgeht, wie diese routinemäßige und nicht wirklich schwierige Instrumentenentfernung. Die Stufe in diesem Fall zu überwinden, war eher die Herausforderung.

Geschichten aus dem Endozän – Motivation zum Wochenende

Heute ist Freitag und ich bin super gut gelaunt.


Dabei waren die letzten Wochen ziemlich hart.
Wir sind (nichtinfektiös) krankheitsbedingt unterbesetzt.
Da gibt es für Alle im Team besonders viel zu tun.
Und auch ich muss mich um etliche Dinge kümmern, die sich sonst nicht in meinem Tagesablauf wiederfinden. Öffnet einem aber auch die Augen. Erschreckend, wieviel Zeit durch vermeintliche Routineaufgaben verloren geht. Zum Beispiel im Rahmen des Wareneingangs und des Nachfüllens von Verbrauchsmaterial in den Zimmern. Das mache ich nämlich sonst nie.

Mal ganz gut, da reinzuschauen.
Man überdenkt Abläufe. Und modifiziert diese. Oder verschlankt.
Am Ende kommt idealerweise eine Verbesserung heraus. Das freut einen dann.
DAS ist QM!

Heute endlich nun, seit mindestens 2 Wochen herbeigesehnt, ist unser letzter Tag vor unseren Herbstferien. Eine Woche lang keine Zahnmedizin-Zwänge. Herrlich!

Super gut gelaunt bin ich aber nicht, weil ich nun 7 Tage lang keine Zahnmedizin machen muss, sondern weil ich Zahnmedizin gemacht habe.

Eine nicht gewöhnliche Zahnmedizin.
Denn gewöhnlicherweise wäre dieser Zahn vermutlich gezogen worden.

Zahn 17 bei Erstvorstellung in unserer Praxis

Eine 79 jährige Patientin suchte unsere Praxis auf wegen einer Schmerzproblematik, vermutlich ausgelöst durch Dezementierung des distalen Brückenpfeilers an Zahn 17 und nachfolgende Caries profunda. Der Zahn (Lockerungsgrad 0, Taschentiefen 2-3 mm) ) war von der Hauszahnärztin nach EKR trepaniert und mit einer provisorischen Krone + mesialem Freiendglied in Prämolarengröße versehen worden

Ich würde unter anderen Umständen für die Extraktion des Zahnes plädieren.
Allerdings nimmt die Patientin osteoporosebedingt seit längerem hochdosiert Bisphosphonate ein, weshalb von kieferchirurgischer Seite der Erhalt des Zahnes empfohlen wurde und mit diesem dringlichen Wunsch trat die Patientin an uns heran.

Also versprechen wir der Patientin, uns wohlwollend um den Zahn zu kümmern.
Nach Abnahme des für unsere Region überdurchschnittlich guten Provisoriums offenbart sich allerdings das Dilemma. Eine breiige, aus provisorischer Füllung, Karies und Speiseresten bestehende Masse erwartet uns.

Nach Kariesexkavation und Exzision der in die Kavität hineingewucherten Gingiva zeigt sich immerhin, das keine Pulpakammerbodenperforation vorliegt. Die obliterierten Kanaleingänge lassen sich ausmachen. Retention für den Kofferdam gibt es keine, daher baue ich zunächst den Zahn in Doughnut- Technik. Bukkal und palatinal schaffe ich Infrawölbungen. Die Form des Aufbaus ist zunächst ebenso unkonventionell unregelmäßig wie unbedeutsam, wir werden ja zeitnah präparieren. Am Aussehen braucht man sich also nicht stören. Wichtiger ist die gescheite Technik, den Aufbau zum Weichgewebe hin randdicht zu gestalten und hier ist das Flow- Composite Shofu Beautiful Flow Plus (Danke Olaf!) eine große Hilfe. Wir legen anschließend Kofferdam an, machen die initiale Kanalaufbereitung, verschliessen die Kanaleingänge mit Block Out LC und abschließend die Trepanationsöffnung mit Composit. Ende der ersten Sitzung.

2 Tage später präpariere ich den Kompositaufbau. Fertige chairside eine Kompositkrone an, die ich mit Rely X adhäsiv eingliedere. Zeitaufwand 45 Minuten.

Heute morgen nun die 3. Sitzung. Definitive Aufbereitung der Wurzelkanäle und abschließende Einlage von Calciumhydroxid. Die Trepanation der vorhandenen Kompositrestauration erfolgt unter Anlage einer minimalinvasiven Zugangsöffnung.

Die Behandlung ?
Absolut reibungslos in perfekter Choreografie.
Ein Traum.

Wenn man abschließend den Zahn betrachtet, so kann man nicht mehr glauben, dass dieser vor wenigen Tagen noch ein Fall für die Extraktionszange war.

Der Fall ist noch nicht zu Ende.
Vielleicht stellt sich nach WF maßlose Frustration ein.
Aber heute zumindest gehe ich mit extrem viel Freude ins Wochenende.
Weil ich weiss, dass wir etwas Nicht Gewöhnliches, etwas Besonderes, Schönes, Gutes geschaffen haben.

Revisiontaktik

von Jörg Schröder

Der Nutzen des DVT ist bei der Revisionsbehandlung ein besonders großer.

Die Beurteilung der Verläufe von aufbereiteten, teilweise oder vollständig gefüllten und unaufbereiteten Kanalsystemen im Raum ermöglicht es nämlich, eine möglichst ideale, weil komplikationsarme Behandlungstaktik zu entwickeln.

In diesem Fall entwickelte sich innerhalb eines Jahres nach prothetischer Versorgung eine deutliche apikale Pathologie mit klinischer Symptomatik.



Das DVT zeigte neben den durchgehenden Parodontalspalten an der palatinalen und distobukkalen Wurzel, dass der bisher nicht aufbereitete MB2 bis über die Konfluation mit MB2 hinaus im DVT verfügbar war. Somit wurde bewusst darauf verzichtet, den gemeinsamen apikalen Anteil aus dem bei der Erstbehandlung gefüllten MB1 aus aufzubereiten, da hier mit Veränderungen der Originalanatomie wie z.B. einer Stufe zu rechnen war.

Somit versprach der Umstand , in MB2 die „Erstbegehung“ durchführen zu können, ein erfolgreiches Erschliessen der apikalen Kanalabschnitte.

Das Orifizium des MB2 entsprang einem sehr feinen Isthmus und lag sehr weit palatinal. Nach initialer Erweiterung – ProFile 15/04, 20/04, 15/06 – gelang es, Patency zu erzielen. Da in den Spanräumen keine Guttapercha vorhanden war, konnte daraus gefolgert werden, dass die Konfluation mit MB1 weiter koronal liegen musste.

Erst nach Erweiterung des MB2 bis 25/06 wurde die Guttapercha aus MB1 entfernt. Wie erwartet, konnte apikal eine Stufe ertastet und nach intensiver Irrigation mittels vorgebogener Instrumente überwunden werden.

Die abschliessende Obturation in warmer vertikaler Kompaktion zeigt zunächst einmal ein sehr zufriedenstellendes Ergebnis. Das Recall wird zeigen, ob die Behandlung erfolgreich war.

Was ist anders geworden durch die präoperative 3D-Diagnostik? Während früher das „Gefühl“ mir vorgab, was ich wann und vor allem womit machte, bestimmen heute die Erkenntnisse aus dem DVT meine Vorgehensweise. Welcher Kanal zuerst, mit welchen Instrumenten, wann die Guttapercha entfernen, etc.

 

Eine Unter Uns -Umfrage

Das New York Philharmonic Orchestra hat mich angeschrieben.
Und nach meiner Meinung gefragt.

Ob ich bitte die beigefügte Umfrage beantworten könnte.

Naja, wenn sich ein weltberühmtes Orchester an mich persönlich wendet, dann kann ich nicht „Nein“ sagen.

Scherz beiseite, dieses Orchester war der beste orchestrale Klangkörper, den ich in meinem ganzen Leben live erleben konnte. Und ich war neugierig, was man wohl wissen wollte.
Ganz schön viel im Übrigen und während ich durch die Seiten blätterte, fragte ich mich, ob so etwas nicht auch für uns hier (mit uns meine ich alle Leser) interessant sein könnte.

Gewissermassen eine Standortbestimmung, wie es draussen wohl so aussieht in den Praxen, die hier mitlesen.

Gedacht, getan.
Ich wünsche mir, dass jeder hier sich kurz die Zeit nimmt, es dauert auch wirklich nur 1 – 2 Minuten und danach haben wir alle einen Inside – Einblick, den man sonst SO nie erhält.

Fälle

Von Christoph Kaaden

Gestern nach der Mittagspause war bei uns „Wurzelkanalfüllnachmittag“…

zum „Leidwesen“ der Mädels (ich bin mir nicht sicher, warum sie es nicht mögen diese Behandlungsart dreimal nacheinander durchzuführen) folgte der Behandlungsabschluss von einem Prämolaren und zwei Molaren.

In den Bildbeschreibungen gebe ich Ihnen noch ein paar Hinweise zu den Behandlungen…

Hier die Röntgenbilder zusammen mit einigen klinischen Bildern…

Prämolar mit ausgeprägter Krümmung palantinal – Präparation mit R-Pilot – Gold-Glider – Wave One Gold small – RECIPROC blue 25 (Behandlungsdauer 2h)
Zustand nach alio loco begonnener Behandlung- bisher konnte nur ein Kanalsystem dargestellt werden…
Darstellung der 5 Kanalsysteme Part I mittels Rosenbohrern – Cave bei der Danger Zone mesial mit erkennbaren Dentintubuli als Hinweis zur tatsächlichen Lage der Kanaleingänge – ! Symmetrie-Regel beachten!
Darstellung und Präparation des mid-mesialen Kanalsystems

Final dargestellte und präparierte 5 Kanalsysteme
Abschluss-Röntgenbild

Prä-op vs. post-op (Behandlungsdauer 2,5h)
Prä-op – Zustand nach alio loco begonnener Behandlung
Präparation mit R-Pilot – Gold-Glider – Wave One Gold 20 (mb2), 25 (distal und mb1) und 35 (palatinal)
Prä-op vs- post-op (Behandlungsdauer 2,5h)

Ich persönlich mag den Schritt der WF.

Morgen gehts weiter… dann stehen zur Freude der Mädels Revisionen und Präparationen an…

:-)

Röntgendiagnostik (2)

Die Fragestellung in der letzten Woche waren:

Können wir 36, 46 behandeln und erhalten.
Was für endodontische Probleme könnte man auf den Bildern erahnen?

Im klinischen Bild imponierte die P. marginales auf Grund jahrelang vernachlässigter Mundhygiene und Zahnarztbesuche.
36 und 46 zeigen im Zahnfilm vertikale Knocheneinbrüche und apikale Läsionen.
Wenn man genau hinschaut erkennt man die Radix entomolaris in beiden Fällen.
Wir haben nach der klinischen Untersuchung ein DVT angefertigt. Anbei die Aufnahmen.

Für uns keine Möglichkeit des langfristigen Erhaltes. Einer parodontalen Therapie stand der Patient, erfolgreicher Unternehmer nach eigenen Ang, aber auch skeptische gegenüber und favorisiert die implantatgetragene Zukunft…

Die Gretchenfrage oder Wie hältst Du es mit dem DVT ? Teil 4 – Kritische Analyse

Ich möchte 3 Punkte herausgreifen, die im Zusammenhang mit dem hier vorgestellten Fall in den Kommentaren aufgekommen sind.

Zunächst die Frage – Wäre es nicht möglich oder sogar einfacher und sinnvoller gewesen, eine WSR durchzuführen evtl. mit retrograder Präparation und Wurzelkanalfüllung ?

Wir sehen ja immer wieder auf Fortbildungen, dass auf diese Art und Weise Fälle gelöst werden konnten, bei denen keine orthograde Wurzelkanalbehandlung möglich war oder diese als nicht sinnvoll eingestuft wurde.

Und ja – viele Wege führen nach Rom.
Aber ich käme nie auf die Idee, hier diesen Weg zu wählen.

Warum?
Weil wir es im Hinblick auf die vorhandene apikale Aufhellung hier mit einer bakteriellen Infektion zu tun haben. Demnach die Bakterien ganz offensichtlich ihren Weg intraradikulär von koronal nach apikal gefunden haben. Mag der Restwurzelkanal auch noch so obliteriert sein und weder mit dem bloßen noch mit dem OP-Mikroskopbewehrten Auge betrachtet sichtbar erscheinen, für die bösen Mikroorganismen findet sich offensichtlich immer noch ein Weg.

Und machen wir uns nix vor, angesichts der anatomischen Verhältnisse im Makrokosmos (Wurzelkanäle einschliesslich Isthmen, Verzweigungen, Seitenkanälen) und im Mikrokosmos (Dentintubuli) der Zahnwurzeln ist die Wurzelspitzenresektion ein rein mechanistischer Therapieansatz des vorletzten Jahrhunderts.

Selbst wenn es demnach gelingt die WSR lege artis mikroinvasiv mit adäquater Retropräp durchzuführen. Was nicht ganz so banal ist. Schöner Lappen, parodontalästhetisch schonende Schnittführung und Nähte, dann eine perfekte Blutstillung, die präzise Präparation. Zum Abschluss die Retrofüllung mit sehr verarbeitungssensiblen Zementen. All das in einem Arbeitsbereich von wenigen Quadratmillimetern, der nur mittels Mikrospiegeln indirekt sichtbar wird.

Wenn also all dies bestmöglich gelänge, so bleibt doch die Frage der notwendigen Desinfektion. Wie will man dies im Rahmen der WSR erreichen ? Ist dies rein technisch machbar ? Wie effektiv wäre das, angesichts der Kürze der zur Verfügung stehenden Zeit ?

Und erreicht man ein dauerhaftes Ergebnis?
Werden nicht vielmehr die Bakterien im Laufe der Zeit wieder über den nachwievor vorhandenen Weg sich wieder nach apikal begeben?
Hält dann der antibakterielle Schutzwall aus Portlandzement?
Ich glaube nicht daran.

Dann die Frage – Hätte man nicht vorab in den Zahn hineinschauen können, um dem Patienten die Kosten für die Bohrschablone zu ersparen?

Ich hätte dies getan, wenn es bereits eine Trepanationsöffnung gegeben hätte.
Dies war hier nicht der Fall, der Zahn war noch unberührt.

Und angesichts der Ausgangssituation hier mit extremer Obliteration war es doch wahrscheinlich, dass es nach Trepanation keinen Hinweis für einen ehemaligen Kanalverlauf geben könnte. Eine bohrschablonengestützte Trepanation somit unumgänglich sein könnte. Und dann – wäre mein konventionell geschaffenes Bohrloch mit Sicherheit größer als das navigierte.

Meine Überlegung war also – wenn ich vermutlich sowieso eine Bohrschablone brauche, dann will ich aber auch den Zugang bestmöglich sprich kleinstmöglich halten.

Dann die Frage nach der Wasserkühlung des Bohrers?

Ich glaube, dass der zu erzielende Effekt der Wasserkühlung ein sehr geringer ist.
Man muss sich ja nur mal anschauen, wohin die Düsen der Winkelstücke die Wasserstrahlen hinlenken. Die vorhandenen Wasserführungen sind für die benötigten Bohrerlängen offensichtlich nicht ausgelegt und man erzielt vermutlich – um ein Bonmot von Jörg Schröder umzudichten, der im Zusammenhang mit einer spülspritzengestützten Kanaldesinfektion von „ritueller Waschung“ spricht – nur eine „rituelle Kühlung“. Ich hatte aber bei all meinen Fällen bisher den Eindruck, dass der Bohrer zügig seinen Weg nach unten findet. Viel einfacher als bei den Präparationen für postendodontische Wurzelstifte und die habe ich bislang immer ohne Wasserkühlung durchgeführt. Ein neuer und demnach optimal scharfer Bohrer ist aber meines Erachtens Pflicht.

Abschließend noch ein paar Worte zur Durchführung per se.

Wie bei allen neuen Verfahren herrscht am Anfang eine gewisse Unsicherheit, weil man über keinerlei Erfahrung verfügt. Dann kommt noch hinzu, dass man nicht in den Zahn hineinschauen kann, während man arbeitet. Und es sich ausnahmslos um extrem schwierige Zähne handelt, die es zu behandeln gilt.

Schon blöd. Wäre in etwa so, wenn man für sein allererstes Implantat sich an einen extrem atrophierten Oberkiefer mit Sinuslift in regio 27 heranwagen würde.

Hat man sich aber erst einmal in die Materie eingearbeitet und hat wurde im Vorfeld (DVT, Abformung, Modell- und Schienenherstellung, Planung) alles richtig gemacht, so kommen die Vorzüge der Durchführung zu tragen. Man setzt sich gewissermaßen an den gedeckten Tisch und genießt die Früchte der Vorarbeit.

Aus einer ungewissen, nicht definierbaren, nicht vorhersagbaren Arbeit bei hohem Schwierigkeitsgrad und großem Unsicherheitsfaktor , alles puls- und blutdrucktreibende Parameter ist eine präzis durchgeplante souveräne Verrichtung worden.

Apikaler Fischzug

von Jörg Schröder

Periapikal gelegenes Fremdmaterial zu entfernen, gehört für mich zu den immer wieder spannenden endodontischen Tätigkeiten.

Denn nicht in jedem Fall ist das Fremdmaterial vollumfänglich einsehbar oder direkt unter dem apikalen Foramen gelegen. Dann hilft das DVT eine Vorstellung von der Lage  der Fremdmaterialien im Raum zu erhalten.

Für die Entfernung kommen verschiedene Instrumente in Frage:

Microopener: hier sollte das Fremdmaterial gut sichtbar und der Kanalquerschnitt deutlich weiter als das zu entfernende Material sein, da sich mit dem Microopener das Fremdmaterial eher „rollend“ als „ziehend“ entfernen lässt.

Microdebrider: dieser eignet sich, insbesondere exakt vorgebogen, zum Hinterfahren des Fremdmaterials und nachfolgendem Herausziehen. Allerdings weist er eine für mich etwas zu starke Flexibilität auf, sodass die zum Einsatz gebrachten Kräfte manchmal nicht genügen.

Hedströmfeile 31 mm, Griff entfernt, in der Arterienklemme: nach Entfernen des Plastikgriffes per Seitenschneider – Cave! nicht das im Griff enthaltene Metallstück abknipsen sondern nur den Plastikgriff! -erhält man eine extralange Hedströmfeile. Diese ist wie ein Debrider einzusetzen und in den Durchmessern 15-30 deutlich weniger flexibel als der Microdebrider. Ansonsten wird auch bei dieser Technik das Material Hinterfahren.

Guttaperchaentferner (nach Terauchi) /früher von Hartzell& Sons: mit dem am Ende dieses Instrumentes befindlichem kleinen und im Original (Hartzell & Sons) sehr scharfen kleinen Haken wird insbesondere Guttapercha hinterfahren und per Zug entfernt. Die neuerdings erhältlichen mattschwarzen Instrumente (Kohler Medizintechnik) haben nicht die gleiche Wirkung, da die Haken weniger lang und weniger scharf gearbeitet sind. In meinen Augen sehr traurig, da Hartzell & Sons aufgekauft wurden und laut Herrn Hartzell als erstes der Mitarbeiter entlassen wurde, der bis dahin einzig und allein diese Haken hergestellt hatte. Typischer Fall von Verschlimmbesserung.

Warum sollte man überhaupt den Aufwand treiben und periapikal befindliche Materialien entfernen? Betrachtet man die entfernten Materialien, so erkennt man sehr häufig darauf bakteriellen Biofilm, die letztlich ein Ausheilen der periapiaklen Pathologie verhindern.

Kontaminierte Guttapercha

So auch in nachfolgendem Fall. Nachdem bei der Erstbehandlung bereits Guttapercha extrudiert worden war, ist es beim alio loco durchgeführten Revisionsversuch zu einer weiteren Verlagerung der Füllmaterialien gekommen.

Wichtig ist zunächst,dass die Zugangskavität ein Visualisieren des Foarmenbereiches ermöglicht. Oftmals genügen kleine Korrekturen um sogar das gesamte Foramen einzusehen. Dann sollte anhand des DVT die Strecke bis zum oralen ermittelt werden, um dann mittels US oder Eddy bis auf 1mm an das Foramen heran die Spüllösung bewegen zu können. Dabei werden Gewebereste und im Kanal befindliche Sealeranteile entfernt und ein Visualisieren des Formens möglich. Nach vorsichtigem Trocknen mittels Papierspitzen (tupfend!!!) kann nun über das weitere Vorgehen entschieden werden.

In vorliegendem Fall war die Guttapercha beim Verbringen nach apikal gefaltet worden, sodass sie größer als das Foramen war. Die kleine Fuge zwischen Kanalwand und Guttapercha wurde genutzt um das Foramen nach palatinal hin mittels Endosonorefeile zu erweitern. Dann kamen die Hartzell & Sons-Instrumente zum Einsatz, über die wir zum Glück noch verfügen. Nach einigen Versuchen (Debris, wenn auch noch so klein, ist immer zeitnah herauszuspülen!) konnte das deutlich kontaminierte Material nach koronal entfernt werden.

Leider zeigte sich im Kontrollbild immer noch röntgenopakes Material, welches aber nicht mehr sichtbar war. Nach medikamentöser war der Zahn zu Beginn der zweiten Behandlungssitzung vollkommen beschwerdefrei.

Geplant war P mit kollagenem Widerlager und MTA und MB/DB in warmer vertikaler Kompaktion zu füllen. Um ein versehentliches Verbringen von MTA-Anteilen in MB und DB zu verhindern, wurden diese zunächst gefüllt.

Bei der finalen Inspektion von P fiel mir ein gelblicher Schimmer am bukkalen Rand des Foramens auf. Der nach bukkal vorgebogene Microopener brachte dann noch ein Stück kontaminierten Sealer zu Tage, welches dann mit der oben beschriebenen „Rollmethode“ (Microopener hinunterfährt das Stück und mit nach oben streichenden Bewegungen wird das Stück zunächst in den Kanal gedreht und nachfolgend an der Kanalwand nach oben gerollt) entfernt werden konnte.

Nach Einbringen des kollagenen Widerlagers konnte P dann mit MTA gefüllt werden.

Wissen um die Lage des Fremdmaterials, ein wenig räumliches Vorstellungsvermögen, eine ruhige Hand und ein größeres Stück Beharrlichkeit. Mehr ist in den meisten Fällen nicht erforderlich.

 

Prämolaren sind (nicht) einfach. (2)

von Jörg Schröder

Manchmal ist es beinahe schon unheimlich, wenn sich nach einer Falldarstellung wenige Tage später zum gleichen Thema ein weiterer Fall hinzugesellt.

Dieser 34 liess bereits im 2D-Bild ein nicht aufbereitetes linguales Kanalsystem vermuten. Warum lingual? Weil dort die Aufgabelung mitunter sehr rechtwinkelig erfolgt und ein versehentliches Hineingleiten eher unwahrscheinlich ist.

Die grazile Form des 34 und der Umstand, dass es sich auch noch um einen Brückenpfeiler handelt, machte die Behandlung aufgrund der kleinen Zugangsöffnung etwas delikat.

Hinzu kam ein im bukkalen Kanalsystem sehr weit nach apikal reichender Glasfaserstift, den es zuvor zu entfernen gab.

Nach Entfernung der Obturationsmaterialien konnte der linguale Abzweig visualisiert und initial aufbereitet werden. Aufgrund einer deutlichen klinischen Sympotmatik erfolgte die Behandlung zweizeitig.

Da nach der alio loco erfolgten Erstbehandlung in B keine apikale Konstruktion mehr vorhanden war, sollte B nach Anlegen eines kollagenen Widerlagers mit MTA obstruiert werden. Daher musste zuvor das linguale Kanalsystem obturiert werden, um ein versehentliches Verbringen von MTA in L zu verhindern.

Die Obturation von L erfolgte mit Guttapercha und BC Sealer. Nachfolgend konnte B in oben beschriebener Weise gefüllt werden.

Nun hoffe ich auf ein erfolgreiches Recall.

RET mit Verfärbung reloaded (II) & mehr

Von Christoph Kaaden

Letzte Woche habe ich hier von der Nachbehandlung einer vormaligen traumatischen Zahnverletzung berichtet.

Hier noch das bisher schuldig gebliebene Abschlussröntgenbild nach Tausch MTA zu Biodentine.

Ich werde Sie über den weiteren Verlauf auf dem Laufenden halten.

„Passend“ zu diesem Thema müsste ich vorgestern leider erfahren, dass Dr. Jens Ove Andreasen, der „Vater“ der dentalen Traumatologie verstorben ist.

Hier sein letztes, einige Wochen altes Schreiben an Freunde und Kollegen auf der ganzen Welt.

Ich werde seinem Wunsch nachkommen und zeitnah einen Beitrag nach Dänemark überweisen.

Ich bin froh, dass ich eine solche Persönlichkeit vor einigen Jahren selber treffen durfte und werde weiter versuchen insbesondere Kinder und Jugendliche in seinem Sinne zu behandeln….

(augenscheinlich war ich begeisterter als er ;-) )