Miniluftbläser Modell Bamberg

Ein WURZELSPITZE Gastbeitrag von Claudia Schaller

Für ein adäquates  zahmedizinisches Arbeiten unter großer Vergrößerung müssen auch die verwendeten Instrumente in der Dimension angepasst werden.

Das gilt für die verwendeten Bohrer mit schmalen überlangen Schäften, dem Microsauger und idealerweise auch für die Luft-Wasser-Spritze. 

Allerdings wird für die Luft-Wasser-Spritze am Markt kaum etwas angeboten.
Der Stropko-Irrigator (ca.370 Euro, Nachbauten bei AliExpress für ca. 15,00. Euro) mit Luerlockanschluss an der Spitze war bisher das einzige mir bekannte System. Der Metalladapter an der Spitze ist recht groß. Das Arbeiten mit eingesetzter Kanüle ist angenehm, allerdings ist der Kopf der Luftspritze nach Abnahme der Kanüle zu unhandlich.

Bei der (super) Morita-Veranstaltung „Die 3 HERRMANN KAADEN SCHRÖDER“ im Oktober 2023 kam man auch auf diesen Punkt zu sprechen. Ich habe damals meine simple Lösung vorgestellt: Umwickeln des Luftbläserendes mit Teflonband und die gewünschte Kanäle aufsetzen. 

Daniel Düsentrieb, genannt Ha Wi, hatte sofort eine Idee, die er mir zuschicken würde. Mehr hat er nicht verraten. Kurz darauf kam ein Briefumschlag mit Kunststoffadaptern an, die das Umwickeln des DCI-Luftbläsers mit Teflonband überflüssig machten. Er hatte sie konstruiert und mit einem Filamentdrucker gedruckt. Der Adapter funktionierte, aber wie eigentlich immer bei 3D – Druck-Prototyp-Konstruktionen zeigt sich im Einsatz, wie man das Produkt noch verbessern kann. Eine kurze Rückmeldung an Ha Wi und die nächste Umsetzung (beim 3D Druck spricht man von Iterationen) kam postwendend.

Zufälligerweise hatte ich zu diesem Zeitpunkt bereits auch einen Filamentdrucker (Anycubic Kobra 2) geordert (pure Neugierde). Ich macht mich also selbst daran, den Adapter zu modifizieren. Dazu habe ich mich in die einfache kostenlose Software Tindercad (tindercad.com) eingearbeitet und das Ergebnis mit Fusion 360 (ebenfalls von Autodesk) modifiziert: die Kanüle wird nun seitlich eingeschoben in den Adapter und die Luftspritze im zweiten Schritt durch den Adapter in die Kanüle gepresst, bis sie sichtbar im Luerlockansatz erscheint.

Funktioniert! 
Ist das nicht herrlich ?!?

Der Adapter ist günstig in der Herstellung (wenige Cent), kann beliebig nachgedruckt werden und ist ein Einmalartikel, was aus hygienischer Sicht sicher ein Vorteil ist.
Er erspart viele Papierspitzen und erlaubt den punktgenauen Einsatz des Luftbläsers (auch „um die Ecke“) selbst in der Trepanationskavität, ohne direkt in die Kanäle zu pusten.

Die STL-Datei zum Druck habe ich auf thingiverse.com hochgeladen unter „Miniluftbläser“. Thingiverse ist eine Datenbank für zumeist kostenlose Downloads von 3D-Druckdateien.

Gekauft habe ich den 3D-Drucker aus reiner Neugierde, so wie damals das erste i-Pad.
Damals wie heute war ich überzeugt, dass das nur ein Spielzeug mit weniger praktischer Anwendung sein würde.

Das I-Pad ist heute aus meinem Alltag nicht mehr wegzudenken und ich bin mir sicher, das wird auch der 3D-Drucker nicht mehr sein.

Gleich am Arbeitstag 1 im neuen Jahr …

… ein erfreuliches Ergebnis.

Der Ausgangsbefund – ein 12 jähriger Junge, Sportunfall, Zustand nach Frontzahntrauma, Erstuntersuchung am 14.07.2023.

Das DVT zeigt eine ausgedehnte, in allen 3 Dimensionen mehr als 1 cm grosse periapikale Knochendestruktion, die sogar den Zahn 12 tangiert. Da aber sowohl der Zahn 12 wie auch der Zahn 21 auf den Sensibilitätstest mittels Kältespräy positiv reagieren, erfolgt am 15.08.2023 die alleinige Wurzelkanalbehandlung des Zahnes 11. Zum Abschluss der Behandlung wird ein Calciumhydroxid- Präparat eingebracht mit 16 Wochen Liegedauer.

Am 08.01.2024 zeigt sich bei Wiedereröffnung erfreulicherweise ein vollständiger knöcherner Verschluss des Foramens apicale, was nicht nur die optimale Applikation des Wurzelfüllmaterials wesentlich erleichtert, sondern darüber hinaus die Verwendung jeglichen xenogenen Materials als apikales Überpressungshemmnis – egal ob von Kuh, Schwein oder Pferd – überflüssig werden lässt.

MTA als apikale Barriere

Es folgt die Wurzelkanalfüllung mittels MTA als apikale Barriere und durch Erwärmung plastifizierte Guttapercha sowie Kerr Pulp Canal XWT als Sealer.

MTA als apikale Barriere

Es ist immer wieder erstaunlich, welch hohes Regenerationspotential der menschliche Organismus bereitstellt, wenn man ihn nur lässt bzw. die Voraussetzungen für die Heilung schafft.

Interne Resorption – Zahn 22 – Hanna

Mit einer Häufigkeit von 0,01 bis 1 % tritt eine interne Zahnresorption sehr selten auf. Sie manifestiert sich in der Regel auf Basis einer chronischen Pulpaentzündung. Voraussetzungen sind Defekte im Bereich des Odontoblastensaumes und Prädentins, Entzündungsreize aufgrund einer bakteriellen Pulpainfektion sowie vitales Pulpagewebe apikal der Resorptionslakune.

Als Ursachen kommen u.a. das Vorliegen einer traumatischen Zahnverletzung, Dentinfrakturen und kieferorthopädische Behandlungen infrage. (S.h.:hier)

Bei der heute vorgestellten 14-jährigen Hanna kann neben der vormals durchgeführten kieferorthopädischen Behandlung ggf. die zusätzlich vorhandene Invagination mit daraus resultierender chronischer Pulpainfektion als Ursache herangezogen werden…

Die eigentliche Behandlung erfolgte einzeitig und verlief ohne Besonderheiten.

Die Wurzelkanalfüllung erfolgte mittels Guttapercha & BC Seiler high flow. Der Resorptionsprozess war dabei größtenteils mittels Mikroskop einsehbar…

Interdisziplinäre Zusammenarbeit – KFO

Die Zusammenarbeit mit Kieferorthopäden ist in unserer Praxis über die letzten Jahre immer mehr zusammen gewachsen.
Nicht selten erhalten wir Überweisungen, die Auf Grund KFO Röntgenaufnahmen als Zufallsbefunde auftreten. Die Behandlungen treffen häufig Frontzähne im Unterkiefer und Oberkiefer. Im letzten Jahr mehrten sich die Fälle mit einem Dens invaginatus.

Heute möchte ich einen Fall aus 2022/2023 vorstellen. Die Ausgangssituation zeigt bei dem 14 jährigen jungen Patienten eine großräumige apikale Osteolyse am Zahn 41.
In der Vergangenheit sind solche Fälle nicht selten zuerst beim Kieferchirurgen gelandet.
Der Patient hatte keine Beschwerden. An einen Unfall konnte er sich selbst nicht erinnern, die Mutter schloß dies aber nicht aus, da es wohl, daß eine oder andere Sturzgeschehen gab.
41 war symptomfrei, Lockerungsrad 0 und ohne erkennbare Verfärbung koronal. Inzisal ist ein Schmelzverlust erkennbar. Dieser kann attritionsbedingt (Laterotrusion re.) oder traumatisch bedingt sein.
Im DVT ist eine großlumiges, sich auf einen Kanal beschränkendes Wurzelkanalsystem erkennbar. Sehr gut erkennt man im Schnittbild, daß das apikale Foramen lingual der Wurzelspitze liegt.
Die Therapie erfolgte in bereits öfters beschriebener Vorgehensweise, minimalinvaisve Zugangskvität, Desinfektion und Aufbereitung des Kanalsystems mit NaOCl 3% und Zitronensäure 10%, Sweeps 2x30s und CaOH Einlage. Klinisch ist in der Behandlung ein starke apikale puride Exsudation erkennbar.
In diesen Fällen ist es nicht ausgeschlossen, daß noch zu den geplanten zwei Behandlungsterminen ein dritter Termin notwendig ist.
Die apikale puride Exsudation ist eine Kontraindikation zur Wurzelfüllung in unserem Behandlungsprotokoll.

Bei diesem jungen Patienten konnten wir jedoch im zweiten Termin das Wurzelkanalsystem in warm, vertikaler Obstruktion mit Guttapercha und BC Sealer Totalfill HiFlow nach vorheriger Desinfektion verschließen. Die Nachkontrollen zeigen den erfreulichen Heilungsverlauf und den Fortgang der KFO Behandlung.

50 gute Gründe, sich auf Endodontie zu spezialisieren (28) – Wenn die Ausgaben steigen und das Honorar erhöht werden muss…

Alles wird teuer.
Und im Gegensatz zu den Diäten der Politiker gibt es bei den Ärzte-Honoraren keine automatische Anpassung nach oben. Eigentlich gibt es gar keine Anpassung von Amts wegen, die über eine alibihafte subinflationäre, demnach nicht ausreichende Punktwerterhöhung bei den Kassenpatienten hinausgeht. Bei den privaten Krankenversicherern gab es das in den letzten über 35 Jahren gar nicht.

Und obendrein vom Bundesverfassungsgericht die Ansage, dies sei nicht notwendig, der Behandler könne (über den Weg der abweichenden Vereinbarung, so im Gesetzestext niedergeschrieben) seine Honorare mit dem Patienten selbst festlegen. Wenn er das nicht tue, sei er selber schuld. Da es so gut wie niemand mache, sei damit de facto der Beweis erbracht, den Ärzten/Zahnärzten ginge es immer ja noch zu gut, schöpften sie den Gestaltungsspielraum, der Ihnen mitgegeben sei, nicht aus.

Daher
„Und dem Mutigen hilft Gott!“
Um Friedrich Schiller zu zitieren.
Oder besser noch, was der Volksmund sagt: „Hilf Dir selbst, dann hilft Dir Gott!“

Faktoren erhöhen!
Gilt natürlich für die gesamte Zahnmedizin.

Aber ich behaupte mal, nirgendwo ist es einfacher als in der Endo.

Warum ?
Weil wir nur ganz wenige Heil- und Kostenpläne anpassen müssen. Bei mir waren es diese Woche 9 Positionen. Eigentlich nur 8, denn die WSR kommt bei uns so gut wie nicht vor, ich erwähne sie nur der Vollständigkeit halber.

3 Sitzungen Endo, präendodontischer Aufbau, die postendodontische Stabilisierung, Wurzelstift, Perforationsdeckung, Fragmententfernung, WSR.

Lediglich 9 Positionen, die angepasst werden müssen.
Zeige mir einen Teilbereich der Zahnmedizin, wo es auch nur annähernd genauso einfach ist.

Also, Männer! Machen!!!!
Gilt natürlich für die Frauen genauso…

Wer s 2024 nicht tut, sorry, dem ist wirklich nicht mehr zu helfen.

Gedanken zum Jahreswechsel 2023/2024 (V)

Der Superorganismus Zahnarztpraxis existiert nicht mehr.
Für den Zahnarzt bedeutet das, er verliert an Produktivität.

Ein Umsatzrückgang, Honorarverlust und letztendlich in direkter Folge eine möglicherweise sogar überproportionale Verringerung des Unternehmensgewinns sind die Folge.

In Konsequenz müssen zwangsläufig die Preise der Zahnarztpraxis steigen.
Und eins ist von vorne herein klar – Es geht hier nicht um ein wenig Inflationsausgleich, es geht um deutlich mehr als das.

Wieviel genau, DAS ist die Frage.
Der jede Praxis für sich selbst ermitteln muss.

Wie geht das?
Extrem einfach.
Und daher sind Alle, die von der evolutionären Rückentwicklung betroffen sind, in der Schuld, diesen Wert zeitnah für sich zu vermitteln.
Angenommen die Praxis hat 2022 (als sie noch Superorganismus-Praxis war) einen Gewinn von 180.000 Euro gemacht. 2023 (nach evolutionärer Rückentwicklung und geringerer Produktivität) einen Gewinn von 150.000 Euro. Dann haben wir über das Jahr gesehen einen Honorarverlust von 30.000 Euro zu verbuchen. Auf 200 Arbeitstage verteilt ist das ein Honorarverlust von 150 Euro pro Arbeitstag. Bei 5 Behandlungen pro Tag sind das 30 Euro pro Behandlung, die von nun an jeder Behandlung zugeschlagen werden müssen.

Ja, SO einfach ist das.
Banal eigentlich.

Jetzt gilt es als Nächstes, diesen Betrag jeder Behandlung zuzuordnen.
Warum auch das in der Endodontie extrem einfach ist, liest man hier.

Und das ist dann schon Alles.

A
Faktoren anpassen.
B
Heil- und Kostenplan erstellen.
C
Abweichende Vereinbarung drucken, denn die brauchen wir zwangsläufig.
D
Den Patienten vorlegen. Und damit
E
sagen: „Das ist unser Honorar ! Dafür arbeiten wir !“

Fotona Direktvertrieb

Zwischen Weihnachten und Neujahr erhielten wir die Information, daß Henry Schein den Vertrieb von Fotonaprodukten zum 31.12.2023 einstellt.
Gemunkelt wurde schon viel und es geisterten verschiedenste Termine durch die Welt.
Wichtig ist der unten stehende Satz in dem Schreiben.

Ersatzteile & Technischer Service
Den technischen Service, sowie die Ersatzteile für die Lasersysteme von FOTONA bietet Henry Schein weiterhin an.

Als Ansprechpartner für den Direktvertrieb gilt nun:

Fotona GmbH
Hohlbachweg 2
73344 Gruibingen
Telefon: 0 73 35 — 929 98 30

Email: dental©fotona.de

Wir werden berichten, wie sich dies weiter gestaltet.

GOZ Anwenderhinweis der LZK Hessen

Über die Zahnmed-Emailliste von Michael Logies erreichte mich Ende letzten Jahres der Hinweis auf ein Whitepaper der LZK Hessen.

GOZ:
Mögliche Handlungsspielräume aktiv nutzen!
Whitepaper
Band 10

der Schriftenreihe der Landeszahnärztekammer Hessen
Landeszahnärztekammer Hessen Körperschaft des öffentlichen Rechts

Auf jeden Fall lesenswert.
Diese 5 Minuten sollte jeder unbedingt zwischen den Jahren investieren.

Bedauerlich jedoch – Achtung Spoileralarm – das sich der konkrete Rat des „wie aktiv nutzen“ auf den Tipp beschränkt, über den 3,5 fachen Satz zu berechnen, keine Angst vor der Reaktion des Patienten zu fürchten und wie eh und je in den letzten 40 Jahren gegebenenfalls eine mehr oder weniger zutreffende Begründung anführen zu müssen, damit der Patient wenigstens die Differenz 2,3 bis 3,5 erstattet bekommt von seiner Rechnungsstelle, die selbstverständlich dezidiert das unerhörte Abrechnungsverhalten des Zahnarztes anprangern und außerdem die Begründung ablehnen oder in Frage stellen wird.

Schade, da wünschte ich mir endlich einmal ein „Aufstehen“ der Zahnärztekammern.
Bislang klingt das alles immer noch lediglich nach „Marschier Du vor, aber erwarte nicht, das wir Dir helfen, wenn es ernst wird…“

Schade.
Aber 2024 hat ja gerade erst angefangen, man soll die Hoffnung nicht aufgeben …

Gedanken zum Jahreswechsel 2023/2024 (III)

Wir brauchen einen Plan B.
Wie soll er aussehen ?

Um diese Frage beantworten zu können, ist es notwendig, zu analysieren, wie unser gegenwärtiger Status Quo des betriebswirtschaftlichen Arbeitens in der zahnärztlichen (Einzel)praxis aussieht und wie es dazu kam.

Es wird also philosophisch.
Und wir steigen ganz weit oben und grundsätzlich ein:
Was unterscheidet den Menschen vom Tier?

Die Intelligenz?
Sicher nicht.

Seit Douglas Adams epocheweisendem literarischen Werk wissen ´wir, dass wir nur die drittintelligentesten Wesen auf der Erde sind.
Scherz beiseite.
Tintenfische, Delphine, Raben.
Hochintelligente Tiere.

So intelligent sogar, dass sie sich nicht grundlos gegenseitig umbringen.
Das nur zum Nachdenken zu Jahresbeginn, aber wir schweifen ab, zurück zum Thema.

Die Kommunikation?
Ist es auch nicht.
Man denke an den Gesang der Buckelwale oder den Schwänzeltanz der Honigbienen.

Auch die Ausbildung komplexer Sozialisations-Systeme ist nicht auf den Menschen beschränkt. Man denke an die Jagd nach Beute im Löwenrudel.

Aber im Gegensatz zum Löwen, der mit seiner Jagd auf die Antilope eine Wertschöpfung generiert, welche die Ernährung seiner selbst und im Nachgang seines Rudels sichert, ist der Mensch bestrebt, darüber hinaus einen Mehrwert für sich zu schaffen. Der Löwe jagt, um satt zu werden. Sind er und sein Rudel gesättigt, liegt er wieder faul im Schatten, während die lauernden Hyänen sich ungestört über die restliche Beute hermachen.

Kein Löwe käme auf die Idee, die verbleibenden Essenreste meistbietend an die umherstreunenden Fleischfresser der Gegend zu veräußern.

Hierin unterscheidet sich in der Tat die Gattung Homo sapiens grundlegend von der Tierwelt. Statt die Grundbedürfnisse des Lebens zu decken und danach dem süßen Nichtstun zu frönen, arbeiten wir weiter.
Und generieren Mehrwert.

Wie aber entsteht Mehrwert?
Zunächst bedarf es der Definition des Wertes einer jeden Arbeit.
Nicht zwingend notwendig aber auf jeden Fall hilfreich ist die Existenz eines einen jeweiligen Wertes repräsentierenden Speichermediums. Nichts anderes sind Währungen und Währungsequivalente (Gold, Diamanten). Sie erleichtern den Vergleich und damit den Austausch untereinander.

Um Mehrwert entstehen zu lassen, bedarf es zunächst der Anstrengung, über den Bedarf der Sättigung der elementaren Grundbedürfnisse hinaus zu arbeiten. Mehrwert zu generieren bedeutet also zunächst, mehr zu arbeiten.

Jetzt schlagen wir den Bogen zur Jetztzeit und zur Zahnmedizin.
Irgendwann in den 6oer Jahren des letzten Jahrhunderts gab es eine Festlegung der zahnärztlichen Honorare, die sich an der Sättigung der Grundbedürfnisse und am gesellschaftlichen Status des Zahnarztes orientierte. Die Höhe dieser Honorare war zum Zeitpunkt der Festlegung gesellschaftlich sanktioniert. Ein entsprechender Verdienst demnach dem Behandler, seiner Tätigkeit angemessen, zugestanden.

Um nun Mehrwert generieren, bieten sich dem Zahnarzt im Rahmen seiner Tätigkeit 3 Möglichkeiten:

1. Länger arbeiten.
2. Schneller arbeiten.
3. Teilbereiche seiner Tätigkeit an Mitarbeiter zu delegieren, so dass insgesamt eine höhere Produktivität entsteht.

All das haben die Zahnärzte in der Vergangenheit getan.
Und damit für sich einen adäquaten Mehrwert generiert.

Bis hierher ist das Leben im Lot.
Betrachten wir nun jedoch die komplexe Gesamtheit des sozialen Systems, verändert sich das Ganze. Der Menge der geleisteten Arbeit Aller steht eine adäquate Menge an Arbeitsequivalent gegenüber. Gehen wir zunächst davon aus, dass dieses Arbeitsequivalent (nachfolgend eine bestimmte Menge an Gold) eine feste unveränderbare Größe ist. Dann bewirkt die Mehrarbeit aller, dass der Wert der Einzelleistungen, die der Menge Goldes gegenübersteht, im Laufe der Zeit immer weniger wert sein wird.

So entsteht Inflation.
Diese auszugleichen gelingt, in dem man die Honorare adäquat erhöht. Dies ist, die Zahnärzte betreffend, in den letzten Jahrzehnten nicht, beziehungsweisend nur unzureichend erfolgt.
Dem Zahnarzt, wenn er nicht weniger als bisher verdienen möchte, blieb nur die Qual, mehr, schneller oder produktiver zu arbeiten.

Genau das haben die Zahnärzte getan.
Mehr gearbeitet, mehr verdient.

Aber nun ist der Punkt erreicht, wo all das nicht mehr aussreicht. Mehr und schneller arbeiten geht nicht mehr, es gibt eine natürliche Grenze. Diese ist erreicht. Oder gar schon überschritten. Und jetzt bricht auch noch die 3. Möglichkeit, der Mehrwert-Schaffung weg. Es gibt nicht mehr genügend Mitarbeiter, die uns zuarbeiten und uns damit produktiver machen können.

Was nun, was tun ?

Gedanken zum Jahreswechsel 2023/2024 (II)

Kleine Zukunftsprognose gefällig, schliesslich ist ja Jahreswechsel ?
Ich muss gestehen, ich habe keine Ahnung wie sich die Zahnmedizin zukünftig fachlich entwickeln wird, aber ich weiss, wie es organisatorisch weitergehen wird.

Machen wir uns nichts vor.
Es fehlen dem Berufsstand die Mitarbeiter.
Und es ist davon auszugehen, dass dies zumindest in der nächsten weiteren Zukunft, Zeithorizont 10 Jahre mindestens, nicht besser, sondern sogar noch schlechter werden wird.

Dass dies in vielen Bereichen des täglichen Lebens so sein wird, ist kein Trost. Lediglich ein weiteres Indiz, dass sich unser Arbeiten grundlegend verändern wird.

Jetzt die Prognose:

  1. Zukünftig wird ein Behandler, der über 2 Mitarbeiter in der Praxis verfügt, welche ihm zuarbeiten, sich schon komfortabel glücklich schätzen dürfen.
  2. Es wird -vor wenigen Jahren noch unvorstellbar- Praxen geben, die mit einer Mitarbeiterin, dem sprichwörtlichen „Mädchen für Alles“ welches heutzutage auch ein Mann sein darf, auskommen müssen und es wird
  3. Zahnärzte geben, die am Behandlungsstuhl ohne Assistenz arbeiten und gegebenenfalls wie in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts mit der helfenden Hand der assistierenden Ehefrau/des assistierenden Ehemannes auskommen werden.

Willkommen in 2024ff!

Auch wenn uns diese Entwicklung nicht passt, wir müssen uns damit auseinandersetzen.
Und je früher wir das tun, umso besser können wir gegensteuern.
Statt irgendwann von der Realität kalt erwischt zu werden.

Zum Gegensteuern gibt es 2 Stellschrauben. Die eine davon ist, in einem begrenzten Markt und im Hinblick darauf, dass man am liebsten immer so weiter machen möchte wie bisher und dieser Weg der einfachste erscheint, den Kollegen die Mitarbeiter wegzunehmen.

Nennen wir es Mitarbeiter-Kannibalismus.

Bedeutet konkret, das ich mehr Geld zahle und bessere Rahmenbedingungen schaffe für meine Mitarbeiter als alle anderen um mich drum herum.

Sollte ohnehin selbstverständlich sein, aber wird alleine das Problem nicht lösen.

Weil die Konkurrenz zu groß geworden ist.
Denn es kämpfen nun auch fachfremde Bereiche um diesen Mitarbeiterpool. Arztpraxen, Krankenhäuser, Krankenversicherungen, Unikliniken, Gesundheitsdienste. Sie alle sind dankbar dafür, wenn sie die vorhandenen Lücken in ihren Teams auffüllen können. Und werben mit Rahmenbedingungen, die die Zahnarztpraxis bisher nicht gewohnt war, aufzubieten. Längst werden fachfremde Kräfte gerne genommen und wenn diese auch nur in entferntestem Maße in ihrem bisherigen Arbeiten etwas mit Medizin zu tun hatten, dann ist das schon ein seltener und daher nur zu gerne genommener Glücksfall.

Machen wir uns daher nix vor.
Wir brauchen einen Plan B.

Gedanken zum Jahreswechsel 2023/2024 (I)

WOOSCH!!!

Schon ist es vorbei das Jahr 2023.
Ging rasend schnell.

Und die gute, nein, die sehr gute Nachricht.

Wir sind verschont geblieben von der Rezession.
Natürlich ist alles teurer geworden letztes Jahr.

Das Entscheidende aber war. Die Arbeit ist uns nicht ausgegangen. Im Gegenteil.
Und damit ist die grösste Gefahr schon mal abgewendet. Die da wäre die Kombination aus steigenden Kosten und Nachfragerückgang. Das wäre die typische Schere, die immer weiter zu unseren Ungunsten auseinandergeht.
Ist nicht passiert.
Sehr gut.

Um uns herum schon.
Leider.

Trotzdem schaue ich gedämpft positiv ins nächste Jahr.
Woher kommt der Optimismus?

Weil wir bisher immer aus allen schwierigen Situationen gestärkt hervorgegangen sind.
Wir haben die neue Situation analysiert. Strategien entwickelt. Handlungsweisen angepasst.

Genau das werden wir für 2024 wieder tun.

Natürlich kann es immer ein erstes Mal zum Schlechteren hin geben.
Wäre hätte vor 5 Jahren an Corona, Ukraine und Gaza gedacht??? Aber solange das Gegenteil nicht sich einstellt, gehe ich jetzt erst einmal davon aus, dass 2024 ebenfalls ein gutes Jahr werden wird.

Denn wir tun aktiv etwas dafür.
Die zwei Kernsätze für das neue Jahr?

Wir.
Zuerst!

und

Struktur.
EndoOrganisation.

Mehr dazu im Teil II.





Save the date – 65. Bayerische Zahnärztetag – Frontzahntrauma

Auch wenn es noch knapp zehn Monate dauert, bis der 65. bayerische Zahnärztetag wieder in München stattfindet möchte ich schon jetzt auf dieses Event aufmerksam machen.

Immerhin widmet sich dieser Kongress ausschliesslich dem Thema Frontzahntrauma.

Als Organisatoren fungieren Prof. Einwag und Prof. Krastl.

Diese Kombination verspricht ein interessantes Programm…

stay tuned…

PIC OF THE DAY (II)

Nur noch wenige Tage bis zum vierten Advent…

wir wünschen allen Lesern von WURZELSPITZE einen geruhsamen Adventssonntag und frohe Weihnachten.

In diesem Zahn „brennen“ bereits vier Kerzen…

Vital und Nekrose

Dieser Fall hatte einige Herausforderugen parat.
Zahn 46 mit chronischer Fistelung und großer apikaler Osteolyse und der Zahn 47 mit einer akuten Pulpitis und Caries profunda im distobukkalen, zervikalen Bereich.
Lockerungsgrad 0 – 47, Lockerungsgrad 1 – 46. Die Sondieungstiefen sind zirkulär am Zahn 46 und 47 erhöht ohne vertikalen Einbruch.
Diagnose 47: akute Pulpitis, Sekundärkaries.
Diagnose 46: Z.n. WKB begonnen, P. apicalis

Für alle Kofferdamanwender ist 47 db zervikal eine ungeliebte Situation, da die Kofferdamklammer meistens in der Präparation oder Präparationsgrenze liegt, oder der Kofferdam in der Kavität aufliegt und nicht abdichtet, etc.
Lässt man den Kofferdam weg ist das Risiko von Speichel in der Kavität drastisch höher und die Gefahr eines Leakage stark erhöht.
Unser Vorgehen sieht immer das Anlegen von Kofferdam vor. Sollte es unmöglich sein mit Kofferdam die Kavität zu therapieren, entschließen wir uns ohne Kofferdam, mit relativer Trockenlegung zu arbeiten. Das hat allerdings einen Nachteil, es kann sein, daß durch die Kofferdamklammer die Gingiva traumatisiert wird und eine Blutung dazu kommt.
Dann wird es spannend.

In diesem Fall wurde es spannend, so spannend, daß Fotos nicht gemacht wurden, bzw. vollkommen aus dem Fokus des Behandlers verschwanden. Deshalb haben wir nur Röntgenbilder in diesem Fall.

Zum Fall selbst.
47 wurde auf Grund der akuten irreversiblen Pulpitis zu erst behandelt. Wir haben die Isolation mit modifizierter Butterfly-Klammer Nr. 6 und Teflonband nach Gingivektomie mit dem Elektrotom erreicht. Danach erfolgte der präendodontischer Aufbau mit Beautifil BW, das Gestalten der Zugangskavität, die initiale WK mit NaoCl 3% und Zitronensäure 10%, Sweeps 2x30s und CaOH Einlage.
Der Zahn 46 wurde ebenso (Präendodontischer Aufbau mit Beautifil BW, Gingevektomie m/d, Zugangskavität, WK mit NaoCl 3% und Zitronensäure 10%, Sweeps 2x30s und CaOH Einlage) behandelt. Auf Grund einer puriden Exsudation distal wurde CaOHJ für 4 Wochen in die Kanäle appliziert. Die Wurzelfüllung erfolgte in beiden Zähnen in thermischer vertikaler Kondensation mit Guttapercha und BC Sealer Totalfill.

Die Recalls in 6 Monaten zeigten einen erstaunlichen Heilungsverlauf, den wir in dieser Schnelligkeit am Zahn 46 nicht erwartet hatten. Auf Grund der chronischen apikalen, puriden Exsudation waren wir zurückhaltend in der Prognose.
Auffallend an beiden Zähnen ist die Sealerüberpressung d in die apikalen Gefäße. Wir führen das auf den Einsatz des Lasers mit Sweeps zurück. In beiden Fällen wurde die gleiche Zeit Dauer und „Energiemenge“ eingesetzt. Ein Zeichen, daß es im Einsatz bei vitalen und neurotischen Fällen wohl keinen Unterschied in der „Aktivierung“ des NaOCl durch den Lasers, bei ähnlicher Anatomie gibt.
In der Behandlung des Zahnes 46 im distoapikalen Bereich, ist es uns nicht gelungen die lateralen Kanäle zu sondieren. Obwohl im DVT erkennbar konnten wir trotz ausgiebiger circumferenter Sondierung mit vorgebogenen Handfeilen in #8 und #10 keine laterale Kanalstruktur finden.

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.

Apexmessung Blauzahn China (I)



Fast wie ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk.
Ich bin gebeten worden, den neuen Bondent-Endomotor (akkubetrieben, mit integrierter Längenmessung) zu testen. In Kombination mit dem dazu erhältlichen Displaystand, der via Bluetooth mit dem Motor kommuniziert. Der Motor ist jetzt in Version 2.0, die Vorgängerversion haben wir seit einem Jahr bei uns in der Praxis in der Anwendung.

Wie sich der neue Motor schlägt und ob das als Option erhältliche Display sich bewährt oder vielleicht doch eher nur ein leicht verzichtbares Gimmick ist, darüber berichte ich demnächst in einem ausführlichen Erfahrungsbericht.

Der Preis für den Motor ist auf jeden Fall nachwievor interessant.
Zum Preis eines Endo Steppers Motor von Anfang der 2000er Jahre bekommt man heute 4 akkubetriebene Motoren inklusive Apexlokator.

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Geschichten aus dem Endozän – Die Werbung geht manchmal seltsame Wege

Diese Woche ist mit eine Werbung für ein Niti-System in die Finger gekommen.
Und ich bin seitdem unschlüssig, wie ich diese Werbung einordnen und bewerten soll.

Zur Info, es geht um NiTI WK – Instrumente für Milchzähne. Die Kernaussage: Das Immunsystem von Kindern sei relativ niedrig, deshalb Kreuzkontaminationen vermeiden!

Ich weiss nicht, ob ich dieser Argumentationskette folgen kann. Weder was Argument 1 noch was Argument 2 angeht. Schreibt´s in die Kommentare, würde der Social Media-Native schreiben, aber auch ich bitte darum. Es gibt ja einige gute Gründe, Endo-Instrumente obligat als Einmal-Instrumente zu verwenden, aber so argumentieren ???

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.

PIC OF THE DAY

Wir wünschen allen einen angenehmen 3. Advent.

3 Kerzen in der palatinalen Wurzel.

Revision dreier Oberkiefer-Frontzähne inkl. Lentuloentfernung

Es gibt bei uns allen immer wieder Behandlungen, auf die man sich mehr „freut“, als auf andere…

auf die Revision des nachfolgenden Falls habe ich mich _sehr_ gefreut…

OPG alio loco
Ausgangs-Röntgenbild – alio loco
Ausgangs-Röntgenbild – alio loco

die Vorberhandlung lag mehr als zehn Jahre zurück. Beschwerden bestanden keine.

Screenshot OK Front mit ausgeprägter Osteolyse an 12,11 und 21

Im Zuge einer prothetischen Neuversorgung sollte aber natürlich eine Revision bei diesem 52-jährigen Patienten erfolgen…

in zwei Terminen und einem Zeitaufwand von 2,5h konnten wir dieses Ergebnis erzielen…

Entfernung des Lentulos mittels Ultraschallansätzen – Aufwand ≤10min; Pus-Entleerung bei 12 und 11
Post-op Röntgenaufnahme
Prä-op vs. post-op

ich bin sehr guter Dinge, dass unsere Bemühungen Früchte tragen werden…

Au revoir!

Nach fast exakt 15 Jahren Wurzelspitze wird der nachfolgende Beitrag zunächst einmal der letzte von DocSchroeder sein.

Nach mehr als 30 Jahren in eigener Praxis werde ich Berlin verlassen und mit meiner Frau in die Bretagne ziehen.

Ab dem 2. Quartal 2024 wird es dann wieder Fälle, Fälle, Fälle geben. Bis dahin: Kenavo!

Zum Abschluss ein wirklich schöner 27!

X800, TriAutoZX2+ im OGP2-Modus, Endowave, Hyflex, AdvErL Evo und BC Sealer.

4 Kanäle die alle apikal konfluieren. Die Planung ging voll und ganz auf. Der DB wurde, da am geringsten gekrümmt, als erster Kanal aufbereitet. Es folgte P, der im mittleren Drittel stärker nach bukkal gekrümmt war. Dann der MB1 (auch er geringer gekrümmt als MB2) und zu guter Letzt der MB2. Das Debris Gauging zeigte die erwarteten Debriseinpressungen. Unglaublich, wie vorhersagbar das DVT die Behandlung macht.

Misserfolg – Unterkiefer Frontzahn

Vor gut einem Jahr stellte sich die heute 20-jährige Marcella bei uns vor.

Bei ihrem Unterkiefer-Frontzahn (mit Traumahistorie) war alio loco trotz massiver Obliteration vergebens versucht worden, eine endodontische Behandlung durchzuführen.

Ausgangs-Röntgenbild Zahn 31 mit apikaler Parodontitis bei massiver Obliteration

Trotz dentalmikroskopischer Vergrösserung war es dort nicht möglich, der Anatomie gerecht zu werden.

Zustand nach alio loco durchgeführter endodontischer „Therapie“; es konnte bei Kanalsystem gefunden werden
Ausgangssituation im kleinvol. DVT

Alle Beteiligten waren höhst erfreut, dass es uns trotz aller Widrigkeiten (u.a. zahnfarbenes Komposit in kompletter Zugangskavität) (scheinbar) gelang, dem Problem die Stirn zu bieten…

Post-op Röntgenbild nach zweizeitiger endodontischer Behandlung (MAF: Wave One Gold 35)

leider stellte sich Marcella diese Woche mit wiederkehrenden, stärkeren Beschwerden an dem Zahn bei uns vor…

wie die Radiologie zeigt waren unsere konservativen Bemühungen nicht erfolgreich die apikale Pathologie zu bekämpfen….

alio loco angefertigtes Röntgenbild bei wiederkehrenden Beschwerden an Zahn 31
aktuelles DVT 1 Jahr post-op – Nachbarzähne klinisch und radiologisch o.B.
Zustand nach Abschluss der Behandlung vs. 1 Jahr post-op

leider schlägt unsere Therapie nicht in 100% aller Fälle an…

:-/

Mein „härtester“ Patientenfall

im nahezu wörtlichen Sinn.
Bei diesem Patienten erfolgte einer prothetische Therapie mit Veränderung der Bisslage.
Erst im Behandlungstermin musste ich feststellen, daß dies mit NE Stärken von 7-9mm erfolgte.

Der Zahn 45 stellte eine extreme Herausforderung dar. Eine Zugangskavität möglichst minimal durch 8mm Nichtedelmetallelgierung zu bohren hatte bereits die geplante Behandlungszeit um 30 Minuten gesprengt. 120 Minuten waren eingeplant. Das Teil – OPG hatte ich leider nicht beachtet. Ein Fehler, wie ich im Nachhinein feststellen musste.
12 Hartmetaller (Trifft Hawk Talon 12) wurden für die Zugangspräparation vernichtet. (Das passiert in Deutschland wohlgemerkt ohne Honorar. Die Zugangskavität gibt es in keiner Gebührenordnung. Verbrauchsmaterial ist obendrein Gratiszugabe der Praxis und als Krönung wird der vorhandene Zahnersatz noch lange weiter erhalten und erspart eine Neuanfertigung.)

Das nächste Problem ist bei dieser Metalldicke die elektrische Längenmessung ohne Kurzschluss durchzuführen. Mit entsprechendem Aufwand gelang auch dies, über die Messinstrumente wurden Kanülenteile eines Capillarytips gezogen um diese zu isolieren.
(Wie hier 2015 bereits auf Wurzelspitze beschrieben.)
Die Desinfektion und Reinigung des Kanalsystems erfolgte mit NaOCl 3%, Zitronensäure 10% und Aktivierung mit Schall und Ultraschall. Zur Instrumentation verwendeten wir Handinstrumente,Profile und Wave One Gold. Die Wurzelfüllung erfolgte in thermisch vertikaler Obturation mit AH Plus.

Rechtwinkelige Röntgenhalter und unsere Sensoren hatten bei der Länge des Zahnes und der Restauration keine Chance den Zahn apikal abzubilden. Deshalb mussten alle Aufnahmen mit den Carestream Haltern Typ Zahnbürste (2009 beschrieben) erfolgen.

Den Zahn 48 wurde extrahiert da kein Antagonist vorhanden war. Einige Zeit nach Behandlung des Zahnes 45 mussten wir im Recall feststellen, daß der Zahn 47 nun ebenso eine zunehmende apicale Ostelyse ausbildete. In Absprache mit dem HZA wurde nun dieser Zahn ebenso wir 45 behandelt.

Die Recallbilder zeigen eine deutliche Heilöungstendenz und sind Belohnung für die im wahrsten Sinne Schinderei des roten Winkelstückes bei der Zugangspräparation…

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.

Kein Recall möglich, dann nach etlichen Jahren…(I)

Die nachfolgende Geschichte könnte auch unter „Geschichten aus dem Endozän“ eingeordnet sein. Die Patientin wird 2014 zur endodontischen Behandlung des Zahnes 15 und 17 an uns überwiesen. Beide devital. Beide mit massiven apikalen Aufhellungen. Der Zahn 15 zeigt zudem im oberen Wurzeldrittel nach distal hin eine nicht unerhebliche laterale Aufhellung.

Die Behandlung steht von Anfang an unter einem schwierigen, oder sollte ich besser sagen unglücklichen Stern.
Die Patientin möchte schwanger werden. Endodontische Behandlungen sind daher wegen der benötigten Röntgenbilder immer nur möglich, wenn zum Therapiezeitpunkt eine Schwangerschaft sicher ausgeschlossen werden kann.

Die Zeitfenster sind stark eingeschränkt, die Terminierung ist sehr schwierig. Und muss immer wieder neu aufgestellt werden, dementsprechend ziehen sich die Behandlungen in die Länge.

Die Patientin ist zudem in die Kategorie „Angstpatient“ einzuordnen.
Das sie zudem jeden unserer Behandlungsschritte kritisch hinterfragt und ihr Modus operandi in Semantik, Pragmatik und Diktion, wie sie ihre Bedenken vorträgt, erschweren das Arbeiten zusätzlich.

In einfachen endodontischen Fällen mag dies noch keine so bedeutende Rolle spielen. Aber im vorliegenden Fall wiegt dieser Umstand schwer. Ist sich die Patientin der Tatsache bewusst, das unsere Behandlungen der ultimative Versuch des Zahnerhalts darstellen und mit grosser Wahrscheinlichkeit an anderen Orten die besagten Zähne ohne auch nur einen Wimpernschlag drüber nachzudenken stante pede extrahiert werden würden ? Wir also heldenhaft um ihre Zähne kämpfen, uns – aller Unkenrufen, allem Abwinkens des dentalen Mainstreams zum Trotz- aufopfernd um den Zahnerhalt bemühen, Stichwort Herodontics?

Statt die Zähne zur Extraktion freizugeben, um in einem Bruchteil der Zeit die wesentlich besser honorierte Implantation durchzuführen, um danach auch noch an einfacheren aber dennoch besser bezahlten, nun zwingend notwendig gewordenen ZE- Neuversorgung finanziell zu partizipieren ?

Ich weiss nicht, ob dies der Patientin bewusst ist, sie sich überhaupt darüber Gedanken macht.

Der Habitus der Patienten lässt auf jeden Fall keinen Zweifel daran, das diese einen Behandlungserfolg, unser Arbeiten betreffend, zwingend voraussetzt!
Und zwar nicht im Sinne eines ausmunternden „Sie schaffen dass, Herr Doktor“, vielmehr ein permanent subliminal nonverbal Mitschwingendes „Ich gehe selbstverständlich davon aus, dass sie das hinkriegen, das ist ja ihr Job, es ist mir egal, wie sie das machen, aber wehe, wehe, wehe, wenn sie es nicht schaffen!“.

Immerhin.
Es gelingt, die Behandlung an beiden Zähnen zum Abschluss zu bringen.


An Zahn 15 zeigt sich eine sehr grosse Überpressung von Calciumhydroxid periapikal. Angesichts der massiven Knochendestruktion in Folge der Entzündung kein unerwartetes Ereignis.

Dennoch hätte ich mir das Ausmaß der Überpressung kleiner gewünscht.
Was wäre im Falle einer Beschwerdeproblematik ?
Eventuell im Notdienst ?

Würde der Behandler gegebenenfalls die Überpressung als Auslöser der Schmerzen benennen, vielleicht sogar als Ursache der riesigen Knochendestruktion ?
Wem würde die Patientin dann mehr Glauben schenken ?
Und wäre, wenn es soweit käme, in ihrer Entscheidungswelt nicht sogar ich dann für den Misserfolg verantwortlich ?

Ich würde es nicht ausschliessen wollen.

Normalerweise warte ich in Fällen solcher Überpressungen 12 – 16 Wochen ab, um in der Röntgenverlaufskontrolle die Resorption des Calciumhydroxides und damit einhergehend eine initiale knöcherne Konsolidierung überprüfen zu können.

Diese Zeit haben wir hier nicht.
Angesichts des konkreten Kinderwunsches und damit einhergehender medizinischer Massnahmen in der Sache führe ich am 08.05.2014 die Wurzelkanalfüllung durch.

Termine für die postendodontische Stabilisierung der Zähne und für den ersten Recall werden vereinbart. Dazu kommt es aber nicht mehr. Einen Monat nach Abschluss unserer Maßnahmen ist die Patientin schwanger und sagt alle Termine ab.

Fortsetzung folgt …

Doppelt-gekrümmt.

von Jörg Schröder

Bereits das analoge Einzelbild ließ erkennen, was das präoperative DVT klar zeigte. Dieser 15 glänzte mit einer doppelten Krümmung.

Die initiale Aufbereitung und die Längenmessung erfolgte nach Trepanation und „Bereinigung“ der beiden koronal getrennt verlaufenden Kanalanteile mit einer im OGP2-Modus des TriAutoZX2+ eingesetzten EndoWave-Feile der Dimension 10/02.

Es war davon auszugehen, dass es bei der alio loco durchgeführten Erstbehandlung zu einer gewissen Stufenbildung im Bereich der gegenläufigen zweiten Wurzelkrümmung genommen war. Erfreulicherweise ließ sich die 10/02 ohne größeres „Hakeln“ bis auf Arbeitslänge bringen. Das nachfolgende Erweitern erfolgte kleinteilig, was bedeutet, dass die nachfolgenden Instrumente nur gering im Durchmesser und Taper zunahmen. Das Ergebnis hat mich vollkommen zufrieden gestellt.

Fragmententfernung Zahn 22

Bei der nachfolgenden Patientin war die vormalige Restauration an Zahn 22 frakturiert und es stand eine Neuanfertigung an.

Leider zeigte das Röntgenbild, dass der vormals endodontisch behandelte Zahn bei unauffälligen apikalen Verhältnissen ein Instrumentenfragement bereithielt… was also tun?

Gemeinsam entschieden wir uns mit der Patientin für eine Revision. Intraoperativ zeigte sich, dass es sich nicht um ein Hedströminstrument handelte, sondern (wohl) um einen Kompaktor zur thermohydraulischen Verdichtung des Wurzelkanalfüllmaterials. Dieser war wahrscheinlich während der Anwendung frakturiert.

Klinisch bedeutete dies ein extrem festsitzendes Fragment. Die DREI Versuche mittels BTR Pen scheiterten, weil der Draht (0,5mm) beim Zugversuch jedes Mal riss…

erst der zweite Anlauf mittels Hülsentechnik (+Rely X Unicem) führte schliesslich zum Erfolg.

So ein derart festsitzendes Fragment habe ich bisher noch nicht erlebt…

Guttapercha Schneider (2)

In diesem Beitrag hatten wir erstmals über den Woodpecker R1 Plus berichtet.
Wir hatten diesen jetzt mehrfach im Einsatz.
In der Beschreibung / Beipackzettel steht, daß das Gerät auf 500 Anwendungen ausgelegt ist.
Das hat mich überrascht. Das sind ca. 125 Molare. Das reicht nicht weit, zumal die Klinge nicht wechselbar ist.

Beim genauen Betrachten des Schneidvorganges ist erkennbar, daß der GP Point dezent nach dem Schneidevorgang übersteht. Das entspricht dem Spalt zwischen Messlehre und Schneide. Dabei kann eine Schneidfahne am GP Point entstehen. Deshalb hat sich bewährt die Schneide in einer Ritsch/Ratsch Bewegung hin und her zu führen.

Die Schnittflächen sind mit der o.g. Bewegung akzeptabel, jedoch nicht immer ohne Nasen.
Lästig ist die dadurch notwendige mikroskopische Kontrolle der Points.

Empfehlung kann ich auf Grund der geringen Nutzungsdauer und nicht wechselbarer Schneide nicht geben.

Geschichten aus dem Endozän – Ein ärztlicher Kollege berichtet

In einem medizinischen Forum habe ich die Tage folgende Anekdote gefunden.
Es berichtet ein Dermatologe:

Pat war nach Op in USA, dort einfache Wunde nässend . Kollege untersucht , macht Sono und Röntgen. Reinigung, Pflaster, ca 1 Stunde in Praxis. Super schöne Einrichtung und Service etc

Honorar: 33 000 Dollar / Auslandsversicherung übernimmt 25000.

Wow – soviel kann ärztliche Kunst wert sein
Pat jetzt sehr demütig zurück.

Dermatologe in Bayern14.70 / Quartal / brutto
60 offene Sprechstunden/ Quartal ohne Honorar
allinclusive .

Fühl mich wertlos und ausgebeutet und bin unmotiviert .
keine ärztliche Kunst möglich.

Wir hatten neulich Notdienst.
Die Patienten kommen mit Schmerzen, es erfolgt Schmerzausschaltung durch endodontische Maßnahmen. Die Patienten präsentieren sich nach der Behandlung schmerzfrei.
Aber.
Es darf so gut wie keine endodontische Leistung abgerechnet werden.

Keine VITE, keine WK, nicht einmal die Med. Nicht einmal die eingehende Untersuchung darf abgerechnet werden, egal wie schwierig und zeitaufwändig die Diagnostik sich darstellt.
In Fällen, in denen beim devitalen Zahn bereits die Trepanation vom Vorbehandler abgerechnet wurde, nicht einmal diese, selbst wenn sie nicht suffizient durchgeführt worden war.
Und auch keine Anästhesie ? Weil der Zahn ja, weil devital, nicht wehtun „kann“.

Wie schreibt der Kollege:
Fühle mich wertlos und ausgebeutet.
Dito.

Debris Gauging

Wann ist die Formgebung bei der Kanalaufbereitung ausreichend?

Für mich ist das der Fall, wenn die Spanräume der Feile über eine Strecke von 4-5 mm, beginnend von der Feilenspitze gemessen, vollständig mit hellem Debris gefüllt sind und die Aufbereitungsweite ein nachfolgendes warmes Füllen des Wurzelkanals ermöglicht.

Damit ist meine minimalste Aufbereitungsendweite 25/06. Im Falle des bei diesem Molaren sehr engen und im Eingangsbereich sehr stark obliteriertem MB2 völlig ausreichend.

Die Sealerextrusion ist hier für meinen Geschmack etwas zu üppig ausgefallen und was genau ich mir bei der Zugangskavität gedacht habe, kann ich in der der Nachbetrachtung nicht mehr genau sagen. Diese hätte deutlich kleiner ausfallen können, ja müssen.

Interessant, die Zuversicht der Vorbehandlerin, dass es die Pulpa des 47 schon schaffen wird, wenn erst einmal die neue Krone zementiert wurde.

Rette deinen Zahn

Seit gut zwei Wochen ist die neue Homepage

https://www.rette-deinen-zahn.de

online.

Die Intention der Seite ist es, für Patienten Hilfestellungen bei Zahnunfällen zu liefern.

Ich bitte alle Leser von WURZELSPITZE diese Seite „unter das Volk zu bringen „

Ein Zahn mit Ansage

Dieser Zahn 25 wurde laut Aussage des Patienten zuletzt vor ca. 20 Jahren behandelt.
Seit dem ist er schmerzfrei.
Nach Wechsel des HZA kam als Zufallsbefund die apikale Veränderung des Zahnes zum Vorschein.
In unserer bildbegebenden und klinischen Diagnostik zeigte sich eine laterale Kanalstruktur in der bukkalen Wurzel. Das ist eine Ansage.

Nach der ersten Behandlung mit Aufbereitung bis ISO25 mit Wave One Gold, Desinfektion mit NaOCl 3% und Zitronensäure 10% unter Einsatz des Eddy konnte die medikalmentöse Einlage die Kanalstruktur nicht erreichen. Den Fotona Laser (Skypulse Versa) hatten wir eingesetzt, allerdings kam nach 20 Sekunden eine Fehlermeldung und wir konnten die Behandlung damit nicht fortsetzen. In der Röntgenkontrolle der medikamentösen Einlage zeigte sich keine vollständig erfasste Kanalstruktur.

Im zweiten Termin konnten wir mit unserem Sweeps Protokoll 2×30 Sekunden mit fortlaufender NaOCl 3% Spülung wieder behandeln. Nach Applikation des CaOHJ Präparates zeigte sich dieses mal im Röntgenbild eine erfasste laterale Kanalstruktur.

Ist das Zufall? Keine Ahnung. Die apikale Aufbereitungsgröße wurde von 25.04 auf 25.07 erweitert und das CaOHJ entfernt. Die Desinfektion fand unter den selben Bedingungen statt.
Die Applikation des Medikamentes erfolgte ebenfalls gleich mit einer Kunststoffkanüle und Transport mit Eddy auf Arbeitslänge.
Über den weiteren Verlauf werde ich berichten.

China-Endo-Handstücke – ein Jahr später

Die bevorstehende DGET Jahrestagung erinnert mich daran, daß es nun schon mindestens ein Jahr her ist, dass ich mit verschiedenen China-Endo-Handstücken in der Praxis arbeite.

Zeit und Anlass, ein Langzeit-Resüme zu ziehen.
5 unterschiedliche Handstück-Typen werden bei uns eingesetzt.
Für vollrotierende Instrumente das Morita TriAuto ZX 2 Plus-Handstück.
Der innovative OGP2- Modus ist Alleinstellungsmerkmal und Grund genug, damit zu arbeiten.

Für sogenannte reziproke Endo-Instrumente im Sinne einer nicht kontinuierlichen teilweise rückgeführten rotierenden Bewegung nach Ghassan Yared kommen die vier anderen Handstück-Typen zum Einsatz.

Zu allererst zu nennen, weil Referenz: Das VDW.Connect.Drive (bzw. das baugleiche Dentsply Sirona) X-Smart IQ

Nachwievor mein Favorit, was das Handling und die Effizienz angeht.
Es liegt, gerade weil etwas schwerer ist, sehr gut in der Hand, mit Abstand am besten von allen. Der Motor ist durchzugsstark und fällt unter Last nicht ab. Darin unterscheidet er sich positiv von allen anderen. Zierlicher Winkelstückkopf, die Halskrümmung ist so gestaltet, dass auch in schwierigen Fällen eine gute Positionierung möglich ist. Ich bräuchte keinen anderen „reziproken“ Motor, wenn, ja wenn der Motor sich nicht selbst immer wieder ein Bein stellen würde.

Stichwort Reparaturanfälligkeit.
Die 3 Schwachpunkte ?

Das Gehäuse ist bruchsensibel, nennen wie es so, ebenso wie die Ladebuchse.
Und die Batterien geben immer wieder (in zu kurzen Abständen) den Geist auf.
Was mit teuren und mit einer gewissen Abwesenheit von der Praxis verbundenen Unannehmlichkeiten einhergeht.
Sehr schade.
Der Motor ist nicht mehr im Markt als Neugerät erhältlich, ein Nachfolger lässt vermutlich noch einige Zeit auf sich warten.

Bleiben also die Mitbewerber.
Die alle drei zu deutlich geringeren Preisen angeboten werden als das Connect.Drive / X-Smart IQ Duo. Ein wichtiges Plus.

Aber können sie auch arbeitstechnisch mithalten ?
Mit kleinen Abstrichen ja.

Der Woodpecker zum Beispiel.
Ergonomisch ist er mit den Dentsply-Konzern-Produkten gleich auf.
Zierliches Winkelstück, der Kröpfungswinkel sehr gut, ebenso wie seine wertige Haptik. Er ist allerdings deutlich leichter. Das kann man sogar als Plus empfinden, auch wenn ich die etwas höhere „Schwere“ des Connect.Drive / X-Smart IQ beim Arbeiten unter dem Operationsmikroskop bevorzuge, da der blinde Handstückwechsel so leichter fällt.
Unter Last fällt die reziproke Bewegung spürbar ab, diese Eigenschaft teilt der Motor sich mit den anderen beiden China-Winkelstücken.

Grösstes Manko allerdings.
Das fehlende Display.

Dies haben die beiden anderen Geräte, Eightteeth und Bomedent ihm voraus.
Und ich sage wieder an dieser Stelle. Vergesst cool wirkende Ipads als Steuerzentrale, wenn vollrotierende und reziproke Instrumente im Sinne eines Hybrid-Systems gemischt werden. Nichts geht einfacher und schneller als die direkte Verstellmöglichkeit im Handstück selbst.
Das Bomedent-Gerät kommt trotz integriertem Display zu einem Kampfpreis daher. Was die Haptik angeht, muss man zwangsläufig dann Abstriche machen, dafür ist die Verwendung eines Standard-Akkus und ein im Notfalle in der Praxis selbst durchführbarer Akku-Wechsel sicherlich ein weiteres Kaufargument.

Fassen wir zusammen.
Den Platzhirsch Connect.Drive / X-Smart IQ gibt es nicht mehr. Gäbe es ihn, könnte ich ihn angesichts seiner Reparaturanfälligkeit und im Hinblick auf seinen hohen Preis im Moment nur noch denjenigen Kolleginnen und Kollegen empfehlen, die angesichts seines Handlings und seiner Effizienz bereit sind, mit diesen Schwachpunkten zu leben. Für die reziproke Anwendung alleine wohlgemerkt, denn in der Kombination mit vollrotierenden Instrumenten im Wechsel gibt es mittlerweile sehr gute Alternativen. Das wäre dann zum Beispiel das Eigthteeth-Gerät, weil es in der Summe aller Eigenschaften eine gute Schnittmenge bildet. Das Bomedent-Gerät ist eine Low Budget-Alternative für alle, die ganz genau aufs Geld schauen müssen. Es bietet sehr viel für vergleichsweise wenig. So gesehen ein guter Einstieg zum Beispiel für diejenigen, die mit zwei oder weniger Geräten im schnellstmöglichen Wechsel arbeiten wollen, aber jeden Cent mehrmals umdrehen müssen.

Und der Woodpecker ?
Wäre mein Favorit, wenn er denn nur ein Display hätte. Ergonomisch führt er mit deutlichem Abstand. In dem Moment, in dem meine Connect.Drive / X-Smart IQ unreparierbar ihren Geist aufgeben, wäre gegenwärtig dieser Motor mein Gerät der Wahl für meine VDW Reciproc und WaveOne Gold – Instrumente. Der Drehzahlabfall unter Last gefällt mir nicht, ich würde es mir anders wünschen, aber unter den Blinden ist der Einäugige König, zumal wir nicht wissen, inwieweit dies wirklich klinisch relevant ist.
Ach ja. Mein Exemplar kommt in leuchtendem Knall-Orange daher.
Das tut mir in der Seele weh. Das nächste Gerät wäre daher definitiv weiss. Ich weiss, ein Luxusproblem, aber wer Tag für Tag damit arbeitet, der nimmt die Krawall-Farbe entweder nicht mehr wahr oder wie in meinem Falle leidet jeden Morgen aufs Neue.
Ich bin jedenfalls gespannt, was in München in einer Woche man am Woodpecker-Stand bereithält. Vielleicht ein duchzugsstarkes weisses Handstück, das via Display ansteuerbar ist ? Man wird ja noch träumen dürfen. Und manchmal gehen Träume ja auch in Erfüllung.

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.

Erstbehandlung, die nächste!

Zur Zeit bin ich vom Glück verfolgt:

Erstbehandlung an einem 17 mit einer Toxaviteinlage, die zum Glück keine erkennbaren parodontalen Schäden angerichtet hatte.

Die Anatomie erschloss sich bereits im DVT, sodass die Behandlung wie vorgeplant verlief.

Der präendodontische Aufbau erfolgte nach Verdrängen der defektnahen Gingiva mit Teflonband mithilfe eines hochviskösen Flow-Komposit.

Charlotta RET im Einjahres-Recall

Ein gutes Jahr ist mittlerweile vergangen, seit wir bei Charlotta Zahn 21 behandelt haben.

Nachfolgend zeigte ich Ihnen das kürzlich durchgeführte radiologische Recall..

Freu :-)

Recall eines Problemzahnes

Ein Fall aus der Reihe „Erst hatte sie kein Glück und dann kam auch noch Pech dazu.“
Die Patientin suchte unsere Praxis 2021 auf Rat Ihres Ehemanns (nach Überweisung, Behandlung 2020 bei uns) auf, nachdem es größere Problem und schmerzhafte Momente in der endodontischen Behandlung am Zahn 15 gab.

Die Patientin gab an mit pulpitischen Beschwerden am Zahn 15 den zahnärztlichen Notdienst aufgesucht zu haben. In der endodontischen Behandlung wurden keine Wurzelkanäle gefunden. Der Zahn wurde offen gelassen. So stellte sich die Patientin ihrem HZA vor. Die Schmerzen bestanden unverändert. Da auch der HZA keine Kanäle finden konnte erfolgte die Einlage eines nervtötenden Medikaments laut Patientin.
Nach kurzer Zeit kam es zu noch stärkeren Schmerzen. Der HZA entfernte das Medikament und es trat eine Linderung ein. Nun kam der Ehemann ins Spiel und verwies auf uns.

Nach dieser Vorgeschichte war die Patientin sehr angespannt und ängstlich.
In der Beratung haben wir die vorhandenen Probleme mit der Patientin erörtert. Hauptproblem der starke interradikuläre Substanzverlust und nahezu vollständiger Verlust der Papille mesial mit nekrotischen Knochenresten.
Auf Grund eines Schwangerschaftsverdachtes haben wir die röntgenlogische Diagnostik verschoben und zunächst den Zahn adhäsiv mit Beautifill in sequentielle Matritzentechnik aufgebaut, die „Fastperforation“ adhäsiv mit EverX Flow repariert, die Kanaleingänge dargestellt und mit CaOH abgedeckt.
Nach dem fest stand, daß keine Schwangerschaft besteht erfolgte die Röntgendiagnostik.
Die endodontische Behandlung verlief wie geplant und verlief durch die mikroskopische Kontrolle problemlos.
Der Zahn ist seit der Erstbehandlung symptomlos. Der Verlust der Papille und des Alveolarknochens sind auf Grund des einwandigen Knochendefektes verloren.

DIE3 HERRMANN KAADEN SCHRÖDER im Nachgang (1)

Ich bin von verschiedener Seite gebeten worden, ob ich meine Workflow Diagramme aus meinem Vortrag bei DIE3 HERRMANN KAADEN SCHRÖDER hier bei WURZELSPITZE einstellen könne.

Was ich hiermit gerne tue.

Und ein Kollege hat mich gebeten, ob ich nicht auch das Workflow -Diagramm meines Prämolaren-Online-Vortrags von 2022 hier einstellen könne. Was ich ebenfalls gerne tue.

Bitte schön !

DIE3 HERRMANN KAADEN SCHRÖDER im Nachgang (2)

Ich weise noch einmal darauf hin, dass der Discount in Höhe von 10 Prozent für WURZELSPITZE Leser für die Yirro Plus Luftspiegel am 30.November ausläuft. Wer also einen solchen Spiegel haben und etwas Geld sparen möchte, sollte sich nun zeitnah mit dem Hersteller DHM Dental in Verbindung setzen.

Ich habe auf jeden Fall mein Plädoyer bei DIE3 HERRMANN KAADEN SCHRÖDER für dieses nützliche Hilfsmittel für mich selbst zum Anlass genommen, endlich auch noch das fehlende Zimmer damit auszustatten. Vielen Dank an DHM im Namen aller WURZELSPITZE -Leser für das nette Entgegenkommen.

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.

Spätfolgen nach Trauma

Im Jahr 2006 hatte diese Patientin im Alter von 17 Jahren in Folge eines Autounfalls erhebliche Frakturen im Bereich des Gesichtsschädels erlitten. Neben mehrerer Frakturen im Bereich des Oberkiefers und des Orbitabodens war auch der Unterkiefer stark betroffen. Der Unterkiefer war im Bereich des Kieferwinkels und mesial des Zahnes 33 frakturiert. Die Zähne 32 und 41 waren avulsiert und konnten nicht reponiert werden.

Eine sehr aufmerksame Überweiserin nahm die von der Patientin geäusserten Beschwerden in Regio 33 ernst und fertigte ein Röntgenbild an. 3 Jahre zuvor war der Patientin in einer anderen Praxis beschieden worden, dass die Ursache der bukkalen Schwellung in der Region 33 nicht zu ergründen war.

Zahn 31 reagierte negativ auf den Kältereiz. Ausserdem fiel ihr eine kreisrunde intrakanaläre Aufhellung im mittleren Drittel des Zahnes 34 auf. Die Bitte der Überweisern war nunmehr, Licht ins Dunkel zu bringen.

Der elektrische Sensibilitätstest an 31 verlief positiv. Das Einzelbild und das DVT zeigen einen durchgehenden Parodontalspalt bei gleichzeitig starker Obliteration. Zahn 33 wies im mittleren Wurzeldrittel eine palpatorisch erhebbare Schwellung auf und war gering perkussionsempfindlich. An Zahn 34 fiel eine starke Rosafärbung der klinische Krone auf. Die Zähne 31,33 und 34 waren frei von Restaurationen.

Das DVT zeigt einige der Spätfolgen eines Frontzahntraumas:

Zahn 31 weist eine sehr starke Obliteration des Pulpakavums und des Kanalquerschnittes auf.

Zahn 33 zeigt distal im koronalen Drittel eine arretierte externe Resorption. Apikal imponiert eine ausgedehnte Aufhellung mit teilweisem Verlust der bukkalen Lamelle, sowie im Foramenbereich eine infektionsbedingte externe Resorption.

Bei der kreisrunden intrakanalären Aufhellung an Zahn 34 handelt es sich um den Bohrschacht einer vor langer Zeit entfernten Osteosyntheseschraube.

Wie wäre wohl die Therapieentscheidung ohne DVT ausgefallen?

Obliteration Oberkiefer Prämolar

Mit Verspätung von gestern möchte ich Ihnen heute noch den ersten Schritt einer Prämolarenbehandlung vorstellen. Damit verbunden auch eine Frage in die Runde…

aber der Reihe nach…

bei der 43-jährigen Patientin war bei der Routineuntersuchung eine asymptomatische chronische apikale Parodontitis an Zahn 25 diagnostiziert worden.

Aufgrund der massiven Obliteration erfolgte die Zuweisung zu uns.

Während der Behandlung bewahrheitete sich wieder einmal, dass die tatsächliche Obliteration klinisch „geringer“ ausfällt als radiologisch erkennbar…

Die Darstellung und Präparation erfolgte mittels Munce-Bohrern und C- und R-Pilot-Instrumenten.

In der Vergrösserung ist gut zu erkennen, welche Ausdehnung des Kanalsysteme insbesondere koronal früher einmal hatte.

Nun aber zu meiner Frage:

Würden Sie diese Hartsubstanz noch entfernen, weil hier ggf. Bakterien „versteckt“ sind?

Ist diese Hartsubstanz noch zu entfernen?

Ich bin gespannt auf Ihre Antworten.

Entbürokratisierung

Als ich das erste Mal von dem Entbürokratisierungsgesetz im Gesundheitswesen hörte, dachte ich das ist wieder einer aus der Reihe FakeNews.

Aber das gibt es doch. Es ist (k)ein Schildbürgerstreich.
Man meint das ernst. Es sind sicherlich viele Leute daran beteiligt, neue Regelungen zur Entregelung zu entwickeln. Sicherlich werden noch Durchführungsbestimmungen und Prozessabläufe entwickelt, Charts erstellt und Verantwortliche ausgebildet.

Was kommt dann raus – NICHTS, außer Schlagzeilen, wie toll das Ganze ist.
Eine unsinnige Verordnung ersatzlos zu streichen kommt gar nicht in die Tüte.

Beispiele:
– Nachweispflicht von Fortbildungen gegenüber der KZV, die meisten Fortbildungen bringen keine Therapieoption im Rahmen der GKV.
– Oder den Nachweis einer Berufshaftpflichtversicherung
– Röntgenverordnung – Ab dem 1. Januar 2023 müssen neu in Verkehr gebrachte (zahnärztliche) Röntgeneinrichtungen gemäß § 114 Strahlenschutzverordnung über eine Funktion verfügen, die die Expositionsparameter elektronisch aufzeichnet und für die Qualitätssicherung elektronisch nutzbar macht.
– usw…

Der Stein der Weisen ist jetzt die Digitalisierung…
Aber lesen Sie selber hier ein Kommentar im ÄN.

Irgendwann werden alle Ärzte nur noch Onlineformulare ausfüllen oder weggelaufen oder ihre Praxen einfach zugeschlossen haben.

Microbrush

Microbrush (Microbrush Applikationstips superfein 1,0 weiß – lange und kurze Ausführung) sind in unseren Behandlungen nicht mehr weg zu denken.
In letzter Zeit stellen wir fest, daß die Qualität der o.g. Microbrush vom Hersteller Microbrush zunehmend große Qualitätsunterschiede aufweist.
Die Bushs verlieren zunehmend feine Härchen und zuletzt oftmals ganze Haarbüschel. Diese zu Entfernen ist eine zeitraubende Angelegenheit.
Es kündigt sich bereits an, wenn die Brushes so aussehen (leider etwas unscharfe, aber erkennbare Bilder). Oft sind ganze Büschel des Bruchs in der Cavität verblieben.
Mit bloßem Auge fällt das vielleicht weniger auf, unter mikroskopischer Kontrolle nervt das und führt zu Problemen.
Wie sind Eure Beobachtungen?
Welche Alternative ist zu empfehlen?


X-Bein

Wie schon am Freitag berichtet, hatte ich in der letzten Woche das Vergnügen mehrere Erstbehandlungen durchführen zu können. Und hier auch noch eine Vitalexstirpation!

Die X-Bein-Anatomie in der mesialen Wurzel konnte offensichtlich mittels LAI gereinigt werden. Ansonsten kam auch hier meine geliebte Endo-Wave-Sequenz 10/02 & 15/02 im OGP2-Modus mit dem TriAutoZX 2+ zum Einsatz.

Tiefe Aufgabelung & enge Kanäle

Erstbehandlungen gehören leider zu den Raritäten in meinem Praxisalltag. Umso schöner, dass ich in dieser Woche gleich drei Mal das Vergnügen haben durfte.

Nachfolgender 47 wies neben einem tief hinab reichendem Dentikel in D h-förmig kommunizierende MB & ML auf, die zudem apikal seehehr eng gestaltet waren.

Nach initialer Darstellung der Kanaleingänge wurde der Dentikel in D zunächst mittels der Endosonor-Feile zerkleinert und nachfolgend herausgespült. MB und ML wurden mit der in Bad Kreuznach vorgestellten Kombination aus TriAutoZX2+ im OGP2-Modus und den EndoWave-Feilen 10/02 und 15/02 realisiert.

Trotz ausgiebiger schallunterstützter Irrigation fand ein Austausch der Spüllösung über die h-förmige Kommunikation erst statt, nachdem ich laserunterstützt gespült hatte. Dabei beginne ich immer mit EDTA und nutze anschliessend NaOCl. Mein Vorgehen in Kurzform findet sich in den dem Fall angehängten Folien.

Nachdem der Laser in der Endodontie aufgrund der in den 1990ern eingesetzten Technik (NdYAG-Laser sollte Bakterien thermisch zerstören) ein gewisses Schmuddelimage hatte, ist es für mich interessant zu sehen, dass sich mittlerweile immer mehr Studien mit dem Thema befassen.

Quick n’dirty – Zahn 25

Hallo aus dem Ägypten-Urlaub.

Heute eine Kurzvorstellung eines Zahnes 25, den wir vor gut sechs Monaten behandeln durften.

Die palatinale Radix hielt eine kleine abrupte Krümmung parat, die wir, wie nachfolgend zu sehen, präparierten.

In der idealen Welt hätte ich mir einen grösseren Aufbereitungsdurchmesser gewünscht…

das Recall sechs Monate post-op stimmt mich trotzdem versöhnlich …

Z.n. WSR und „Verbolzung“

Die Patientin suchte unsere Praxis auf um den Zahn 26 unbedingt zu erhalten.
Seit Jahren traten immer wieder Beschwerden an dem Zahn auf, die sie in ihrer Leistungsfähigkeit einschränkten. Ab und zu entstehe auch eine kleine „Beule“, die aufplatzt und wieder verschwindet.

Der Zahn 26 war mit einer Keramikteilkrone suffizient prothetisch rehabilitiert. Der Lockerungsrad ist 0 und die Sondierungstiefen sind nicht erhöht.
Röntgenologisch imponierten die „ausgeschachteten“ Kanäle. Im DVT waren apikale Osteolysen an allen 3 Wurzel erkennbar und ebenso, daß dies ein seltenes Exemplar eines ersten oberen Molaren ohne zweiten mesiobukkalen Kanal war.
Als Nebenbefund kam noch die P. apicalis am 22 als Z.n. Wurzelspitzenresektion zu Tage.
Dieser Zahn war beschwerdefrei.
In der Behandlung des 26 kam die befürchtete resezierte Metallwurzelfüllung unbekannten Fabrikates zu Tage. Durch die nahezu sealerfreie Verbolzung waren die Stifte relativ gut mit Ultraschall entfernbar. Nach minimaler Aufbereitung (Gates), Desinfektion mit NaOCl (3%) und Zitronensäure (10%) erfolgte eine CaOH Einlage. Die Patientin gab an, nach 2-3 Tagen deutliche Beschwerden an dem Zahn 26 zu haben. Nach 4 Tagen gingen die Beschwerden vollkommen zurück. Im 2. Behandlungstermin erfolgte nach Einbringung eines Kollagenwiderlagers die Wurzelfüllung mit MTA und Guttapercha. Die Krone wurde adhäsiv nach Silanisierung verschlossen. Es wurde zuvor ein Glasfserstift palatinal inseriert.
Zum 2 Jahrerecall berichtete die Patientin glücklich über vollständige Beschwerdefreiheit nach der Behandlung. Dank der Beschwerdefreiheit hatte sie einen Ultramarathon in Angriff nehmen können und durchlaufen können.
Palatinal am 26 ist die Heilungstendenz erkennbar. Mesial und distal ist es nicht beurteilbar.
Am Zahn 22 ist eine deutliche Heilungstendenz erkennbar.

Geschichten aus dem Endozän – Was Landmetzger und Zahnärzte gemeinsam haben

„Möchtest Du einen Kaffee?“, frage ich meinen Freund Benno.
Es ist Samstag morgen und Benno ist gekommen, um den Käse abzuholen, den ich ihm aus unserem Urlaub mitgebracht habe.

Benno, der Landmetzger liebt nämlich einen besonderen Südtiroler Hartkäse. Trocken und fest, in Rotwein eingelegt, und lange gereift, so soll er sein. „Den gibt es bei uns nicht,“ sagt er. Deshalb muss ich ihm immer gleich ein paar Kilo davon mitbringen, wenn wir in Südtirol waren und so sitzt er nun an unserem Küchentisch.

Wir erzählen, was in der Zwischenzeit so alles passiert ist.

„Letzte Woche war der Veterinärmediziner da“, erzählt er.
Einmal pro Jahr ist dieser vor Ort, um die Schlachtung zu überwachen. Ein Standardprozedere, auch wenn immer wieder es neue Regularien zu beachten gibt. So unterliegt nun auch das Bolzenschussgerät, das zur Betäubung der Schlachttiere eingesetzt wird, einer besonderen Beachtung. Eine EU- Richtlinie. Es muss eine Prüfplakette aufweisen zur Dokumentation der einwandfreien Funktion. Man sollte meinen, dass dies im ureigensten Interesse des Metzgers liegt. Wer möchte schon einen 300 kg schweren Bullen wieder unter Kontrolle bringen, wenn die Betäubung unversehens fehl schlägt und man kurz davor ist, dessen Kehle mit einem Messer zu bearbeiten. Benno erzählt, dass er natürlich vor jeder Schlachtung die Funktion überprüft. Schussbolzen, Feder, Dichtung, all das muss in Ordnung sein oder wird gegebenenfalls von ihm ausgetauscht. So macht er das seit nunmehr über 40 Jahren. Das genügt nun aber nicht mehr. Es bedarf der offiziellen Absegnung der einwandfreien Funktion durch eine Prüfstelle. 140 Euro kostet die Begutachtung. Viel Geld im Vergleich zum Neugerät, welches – Benno lacht – 168 Euro kostet. Und 5 Wochen war das Gerät unterwegs. In dieser Zeit durfte nicht geschlachtet werden. Ein betriebswirtschaftliches Unding. Es ist im Übrigen Vorschrift, dass – für den Falle eines Falles des Nichtfunktionieren des zertifizierte Gerätes – ein zweites Bolzenschussgerät vorhanden ist. Dieses muss nicht TÜV-zertifiziert sein, es reicht ein zertifiziertes Gerät pro Metzgerei. Macht das Sinn?, frage ich. Für den Fall, dass dein zertifiziertes Gerät ausfällt, darfst du dann mit einem unzertifizierten Gerät arbeiten. Das erscheint mir nicht logisch. Abgesehen davon brauchst Du nun 3 Bolzenschussgeräte, sage ich. Damit Du weiterschlachten kannst, solange das eine Gerät zur Überprüfung eingeschickt ist, brauchst du ein zweites zertifiziertes Gerät. Und dann ein drittes Gerät, das vorgehalten werden muss, wenn das erste Gerät zur Überprüfung ist und das zweite Gerät ausfallen sollte. Und zwei deiner drei Geräte müssen dann mit Prüfplaketten versehen sein. Macht auf 20 Jahre hochgerechnet, solange hält in der Regel so ein Gerät, statt 168 Euro nun 1568 Euro. „

Unsere Sterilisatoren müssen auch zertifiziert sein.
Nennt sich Validierung. Quasi der Sterilisationsgeräte-TÜV. Früher hatten wir einen Sterilisator. Das waren Geräte, die in der Regel ebenfalls mehr als 20 Jahre ohne Probleme ihren Dienst versahen. Alle paar Jahre musste mal die Türdichtung getauscht werden, dass war´s dann aber schon. Was kostete so eine Dichtung ? 50 Euro ?

Dann wurde eine neue Generation an Sterilisatoren vorgeschrieben.
Die mit Vakuum arbeiten, damit der Dampf auch wirklich in jede noch so feinste Ritze vordringen kann. Ist dies klinisch relevant ? Man weiss es nicht. Dafür haben wir es nun mit sehr komplizierter Technik zu tun. Die regelmäßig, spätestens alle 2 Jahre, in der Regel früher sogar gewartet werden muss. Von einem Fachtechniker. Und wir haben 2 davon, weil im Gegensatz zu den früheren Geräten, die neuen Geräte immer wieder mal eine Störung aufweisen. Ihre Funktion einstellen. Klar, die kompliziertere Technik bedingt eine höhere Fehleranfälligkeit. Also brauchen wir ein zweites Gerät, damit wir weiterarbeiten könnten, wenn das erste Gerät ausfällt. Was immer mal wieder vorkommen kann. Plötzlich. Unerwartet. Obwohl die Geräte regelmäßig gewartet werden. Von einem Fachtechniker.

Was kostet die Wartung ? Was kostet die Validierung ? Pro Gerät über den Daumen jeweils 1500 – 2000 Euro. Aus aktuellem Anlass kann ich sogar mit konkreten Zahlen aufwarten => Für die Wartung von 3 Geräten beträgt die Rechnung vom 12.10.2023 4950 Euro.

Kleine Hochrechnung gefällig?
Macht bei 4 Geräten, die in unserer Praxis benötigt werden zur Aufbereitung der Instrumente (2 B-Sterilisatoren, ein DAC, ein Thermodesinfektor) auf 20 Jahre gesehen 66.000 Euro. Die zum Kaufpreis von rund 30.000 Euro hinzukommen. Und die Validierung alle 2 Jahre mit weiteren rund 1000 Euro pro Gerät ist da noch gar nicht berücksichtigt.

100.000 Euro.
Oder gar 130.000 Euro weil diese Geräte vermutlich nur 10 Jahre durchhalten werden.
Plus 40.000 Euro Validierungskosten in dieser Zeit.
Macht nach Adam Riese 170.000 Euro.

Der Sterilisator, den ich zu Beginn meiner Praxistätigkeit kaufte, ja genau so ein Modell, das 20 Jahre problemlos funktionierte, der kostete damals umgerechnet 2750 Euro.

„Wenn ´s nicht so früh am Tag wäre, müssten wir jetzt eigentlich einen Schnaps trinken, Benno!“, sage ich. Wir lachen. Humor ist ja bekanntlich, wenn man trotzdem lacht…

Ein p.s. aus unerfreulichem aktiuellem Anlass.
Seit ein paar Tagen, die letzte Wartung ist weniger als 2 Arbeitswochen her, zeigt einer der beiden Sterilisatoren in zunehmendem Maße eine Fehlermeldung „61“ an und bricht die Sterilisation ab. Das Telefonat mit dem Service-Techniker ergab, vermutlich müsse die Speisewasserpumpe ausgetauscht werden. Ich werde berichten.

Pulpanekrose nach perforierender externer zervikaler Resorption

Nachdem dieser zuvor unversehrte 11 irgendwann vor 2 Jahren einmal die Farbe veränderte, wurde alio loco versucht den kosmetischen Mangel mit einer Verblendschale zu beheben. Ohne Erfolg. Eine deutlich nach der Versorgung durchgeführte radiologische Untersuchung zeigte die für eine externe Resorption typische idiffus begrenzte intrakoronale Aufhellung.

Die 17-jährige Patientin stellte sich vor 3 Wochen in meiner Praxis vor. Das DVT zeigt neben dem resorptiven Geschen eine apikale Aufhellung. Eine Zahnentfernung stellt in diesem Lebensalter sicher eine nicht ideale Therapieform vor. Es gilt, den Zahn, wenn möglich, noch 10- 15 Jahre in situ zu halten. Die Behandlung erfolgte zweizeitig.

In der ersten Sitzung wurde nach Anlegen von Kofferdam zunächst das neurotische Pulpagewebe entfernt und das 27,5 mm lange und apikal sehr weite Kanalsystem intensiv desinfiziert. Nach Einlage von CaOH2 und dem adhäsiven Verschluss wurde in gleicher Sitzung der Resorptionsdefekt chirurgisch dargestellt.

Interessant war dabei, dass es im Laufe der Resorption zu einer knöchernen Reparatur gekommen war. Dieser neu entstandene Knochen wurde wieder entfernt, um die Defektgrenze sicher trockenlegen zu können. In der Tiefe solcher Defeket verwende ich gerne Geristore, welches anschliessend mit einem Flow-Komposit überschichtet wird.

4 Tage nach dem Eingriff zeigte sich bei der Nahtentfernung bereits eine erstaunlich gute Wundheilung. 14 Tage nach dem ersten Termin wurde das Kanalsystem obturiert. Dabei habe ich den Masterpoint mittels Chlor-Dip-Technik individuell angepasst. Somit konnte eine massive Sealerextrusion vermieden werden. Um das etwas kniffelige Erwärmen der koronalen Guttaperchaanteile zu überspringen, habe ich die apikalen 6 Millimeter des Masterpoints abgetrennt und nach Aufspießen auf einen Microopener nach apikal verbracht.

Nunmehr wird der Zahn noch intern aufgehellt, um eine Neuanfertigung der Verblendschale vielleicht umgehen zu können.

RET – Ich liebe diese Behandlung :-)

Heute stelle ich wieder einmal eine reparative endodontische Therapie vor…

Zur Vorgeschichte:

Der heute zehnjährige Lorenz erlitt im Mai 2022 ein Frontzahntrauma (u.a. Dislokation 11 und 21).

In der Nachfolge wurde alio loco zunächst mit einer endodontischen Therapie an Zahn 21 begonnen.

Diagnose-Röntgenaufnahme alio loco (2022)

Aufgrund des nicht abgeschlossenen Wurzelwachstums erfolgte die Zuweisung an uns.

Zustand nach alio loco begonnener endodontischer Therapie Zahn 21 (Mai 2022)

Wenig später wurde es auch an Zahn 11 notwendig, eine solche Behandlung einzuleiten.

Gemeinsam mit Lorenz, seinen Eltern und der Zuweiserin entschieden wir uns für eine reparative endodontische Therapie (in insgesamt drei Terminen).

Der Abschluss hiervon erfolgte Ende Oktober 2022.

Zustand nach RET (Oktober 2022)

Gestern nun stellte sich Laurenz zur Einjahres-Nachkontrolle vor…

et voila…

Ein Jahr post-op nach RET (Oktober 2023)
Prä-op vs. 1-Jahr post-op

ich „liebe“ diese Art der Behandlung

:-))))

Guttapercha Schneider

Wie es so ist, es gehen Dinge kaputt, die man täglich verwendet und die plötzlich nichteinfach zu ersetzen sind.
Unser Sybron Endo Guttapercha Cutter Tip Snip ist nicht mehr lieferbar.
In allen benachbarten EU Ländern das selbe Ergebnis.
Warum wollten wir gerade diesen. Er ist nicht beschränkt auf bestimmte Konizitäten und man kann damit sehr gut auch Durchmesser messen.

Zum Glück haben wir noch Ersatz. Allerdings wird das Problem wiederkommen. Wir brauchen also eine Alternative.
Nach einigem recherchieren sind wir auf den Woodpecker R1 Plus gekommen. Bestellt haben wir diesen im Internet auf einer englischen Seite – Toothsaver/London.

Das Gerät macht einen sehr soliden Eindruck. Es ist sterilisierbar. Was zwar die Klingenschärfe im Laufe der Zeit reduziert, aber hygienisch vorbildlich ist. Die Klinge ist leider nicht tauschbar. Das ist ein Minus. Ebenso fällt auf, das auf die Messskala nur in ganzen Millimeterschritten angegeben ist. Unterteilungen in Halbmillimeterschritten, wie auf dem Carrspiegel sind genauer für die Längenbestimmung des Cone. Allerdings hatte der Tip Snip gar keine Längenmessskala.

Nun werden wir die Praxistauglichkeit testen und weiter berichten.

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.

Kavo Fine Air Alternative

Bei DIE3 HERRMANN KAADEN SCHRÖDER habe ich als wertvollen Endo-Heinzelmann den Kavo Fine Air vorgestellt. Den es leider nicht mehr im Handel zu kaufen gibt. Claudia Schaller aus Bamberg berichtete über ihre Selbstbau-Alternative. Mittels Teflonband die Spitze der DCI-Spritze umwickeln, schon lässt sich eine Kanüle damit fixieren und dann kann man das Konstrukt als Fine Air-Ersatz nutzen, wie ihre nachfolgende Darstellung zeigt. Wenn man das Fixieren des Teflonbandes ein paar Mal gemacht hat und weiss, wie s zu gehen hat, dann ist in weniger als 15 Sekunden das Ganze einsetzbar.

Super Idee finde ich.
Denn der Fine Air dürfte nur in den seltensten Fällen als Gebrauchtgerät auf dem Markt noch erhältlich sein.

Hier meine Alternative.
Mittels 3 D- Druck umgesetzt.

Der Vorteil ?
Durch Aufstecken verwendbar, das lästige manuelle Aufwickeln entfällt bei reproduzierbaren Ergebnissen, was die Friktion der Kanüle angeht.

Ich werde Claudia Schaller Testexemplare zukommen lassen und bin gespannt, was sie berichten wird.

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OGP2

von Jörg Schröder

Bei „Die 3 reden über …“ habe ich gezeigt, mit welcher Taktik ich stark gekrümmte Kanäle bei einer Erstbehandlung aufbereite.

Nachdem ich den Zahn und seine Kanalverläufe im DVT analysiert hatte, war der Fahrplan bei diesem 27 klar.

Da es sich um eine Vitalexstirpation handelte und der palatinale Kanal noch sicher vitales Gewebe enthalten würde, habe ich mit diesem Kanal begonnen. Die Menge an Anästhetikum, welches palatinal platziert werden kann, ist deutlich kleiner als das bukkale Depot, sodass ich zunächst das Gewebe aus P entfernen wollte. Mittels der gekoppelten Längenmessung am TriAutoZX2+ konnte die Präparation des Gleitpfades und die Aufbereitung des P problemlos erfolgen.

Da MB1 und MB2 eine fast 90 Grad-Krümmung zeigten, kamen die EndoWave-Feilen 10/02 und 15/02 im OGP2-Modus mit begleitender Längenmessung zum Einsatz. Geradezu beängstigend genau die Bestimmung der Arbeitslänge. MB2 war bis zur Konfluation mit MB1 in bukkaler Richtung und nach distal gekrümmt. DB wies ein kleines „S“ auf und wurde ebenfalls im OGP2-Modus erschlossen.

S-Kurve Zahn 15

Vorletzte Woche haben wir uns in Bad Kreuznach über das Thema „Aufbereitung“ von Wurzelkanalsystemen unterhalten.

Hier ein aktuelles Beispiel und unsere Herangehensweise bei der PRÄPARATION ;-) solcher komplexen Anatomien.

In dem vorliegenden Fall lagen zwei konfluierende Systeme vor. Wie nahezu immer erfolgt die initiale Präparation mit reziprok arbeitenden Instrumenten (nein, es sind keine Feilen ;-)))) )

In diesem Fall R-Pilot und RECIPROC Blue auf Arbeitslänge minus 3-5 mm.

In diesem Fall bis kurz nach der ersten Krümmung. Erst dann folge der Einsatz von Handinstrumenten. Nachdem es palatinal leichter gelang eine Gängigkeit zu erzielen erfolgte hier zunächst die weitere Präparation. Da der Taper von R-Motion Instrumenten kleiner ist als z.B. von Wave One Gold Instrumenten haben wir uns für die apikale Präparation für diese entschieden…

So sah unsere Abfolge aus:

Und noch eine Geschichte aus dem Endozän (2) – Wucher

Hier berichteten wir über den Schalterdefekt unseres Röntgengerätes.

Am 15.09. wurde der Schalter gewechselt.
Jetzt kam die Rechnung.

Sage und schreibe Euro 421,62.

Der Kippschalter, grün mit Beleuchtung wird bei Conradelektronik für Euro 2,24 verkauft.
Carestrem stellt dafür l Euro 161,00 + Ust. 19% in Rechnung. Das sind Euro 191,59, dazu kommen 11,42 inkl. Ust. Versand für dieses Teil.
Mit allen Leistungen des Dentaldepots kommt man auf Euro 421,62.



Wenn wir als Zahnärztinnen und Zahnärzte gezwungen werden derartige Preisgestaltungen hinzunehmen, können wir unmöglich im Rahmen der BEMA oder GOZ honorieren.
Dann entstehen Honorare, die als Wucher bezeichnet werden.
Nicht um uns zu bereichern, sondern um Wucher im dentalindustriellen Bereich bedienen zu können.
Die Firma Carestream habe ich um eine Stellungnahme zur Preisgestaltung gebeten…
Bis heute erhielt ich keine Antwort.




Discount für Yirro Plus Mundspiegel bei WURZELSPITZE

Wie bei DIE3 HERRMANN KAADEN SCHRÖDER versprochen, habe ich bei DHM dental, dem Erfinder und Produzenten der Yirro Plus Mundspiegel wegen des mir auf der IDS angebotenen Discounts für unsere WURZELSPITZE-Leser nachgefragt und folgende Antwort bekommen:

Der folgende Discount Code wurde eingerichtet in unserem Webstore, er ist speziell für die ‘Wurzelspitze-Nutzer’ :

W23-Spitze!

Dieser Code ermöglicht das Spitzenangebot von 10% Rabatt auf alle Yirro-plus Produkten mit kostenlosem Versand für einen Einkauf über € 200,-.
Dieser Code gilt bis zum 30. November 2023.

Anmerkung 1
Dieser Rabattcode gilt für alle WURZELSPITZE Leser, also nicht nur für die Teilnehmer von DIE3 HERRMANN KAADEN SCHRÖDER

Anmerkung 2
WURZELSPITZE wurde eine kleine Provision für den Verkauf von Produkten von DHM dental via Affiliate Link zugesagt. Wir möchten aber nicht an dem Verkauf partizipieren, und haben DHM gebeten, dass der gesamte Discount in vollem Umfang den Käufern zu Gute kommen soll.

Anmerkung 3
Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.

Dens invaginatus Typ 3 – das Ende einer langen Reise

von Jörg Schröder

13 Monate ist es her, dass sich der damals 17-jährige Patient bei mir vorstellte.

Tippte ich beim Betrachten des alio loco erstellten noch auf eine Gemination oder eine zusätzliche Wurzel glaubte, belehrte mich das DVT eines Besseren.

Eine Invagination mit direktem Kontakt zum Parodontose war die Ursache für die deutliche apikale Pathologie. Es überraschte daher nicht, dass der elektrische Sensibilitätstest positiv ausfiel.

Die Behandlung erfolgte insgesamt in 3 Sitzungen. Dazwischen lagen 13 Monate. Am vergangenen Donnerstag erfolgte die Obturation mittels kollagenen Widerlager und MedCem.

Interessant, wie das extrudierte CaOH2 – die Invagination war sehr kurz und apikal sehr weit -weichgewebig eingeschieden worden war und durch das Kollagen nach mesial verdrängt wurde.

Sich wenn die Ausheilung noch nicht vollständig ist, bin ich guter Dinge, dass dies beim nächsten Recall in 6 Monaten der Fall sein wird.

LED Pro Ergo / Kaps SOM 62

Lange haben wir gewartet und nun kurz vor dem anstehenden Austausch der Xenonleuchten an unseren Mikroskopen ( Pro Ergo und Kaps SOM62 ) die Lichtquellen auf LED umgerüstet.

(Warum die Rechtschreibkorrektur immer wieder aus LED Modul LES Modul macht, bleibt mir für immer verschlossen.)
Über das Pro Ergo wurde bereits hier von Christoph Kaaden berichtet.
Am ProErgo und am Kaps sind die Lüfter des Mikroskops noch hörbar. Ganz leise ist es also nicht.
Insbesondere für das Fotografieren am Mikroskop ist das LED Licht ein großer Vorteil. Man kann mit kürzeren Belichtungszeiten arbeiten und hat dadurch weniger Bewegungsunschärfen.
Ebenso fällt jetzt die schon etwas lästige Kontrolle der Betriebsstunden der Xenonbeleuchtung weg.
Am Kaps wird ein neuer Lichtleiter notwendig, da der alte nicht in die CubiX Aufnahme passt. Das Licht wird am SOM62 mittels Fernbedienung geregelt und an und ausgeschaltet.


Der Wechsel verlief vollkommen problemlos durch MARIO HORVAT von Microdoc.

Die Lichtleistung der LED ist jetzt in einem extremen Bereich, welchen man möglichst nie lange auf 100% stellen sollte.

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Wundersamer Knochengewinn

Vor kurzem wurde hier bei WURZELSPITZE die Frage gestellt, warum im hier präsentierten Patientenfall kein kollagenes Widerlager im Rahmen eines apikalen MTA-Verschlusses verwendet wurde. Und bei DIE3 HERRMANN KAADEN SCHRÖDER reden über …am letzten Samstag haben wir über den Einsatz von Calciumhydroxid mit Iodoform-Zusatz gesprochen, wie er in einigen Präparaten in der Kinderzahnheilkunde zur Anwendung kommt und sich für den Einsatz als Medikamentation vor Wurzelfüllung empfiehlt.

Wie auf der Fortbildung vom 07. Oktober versprochen hier nachfolgend nun der Fall in Röntgenbildern, klinischen Fotos und im DVT.

Ich persönlich verwende äusserst selten Kollagen.
Oder sollte ich besser schreiben, ich muss es äußerst selten nur zum Einsatz bringen, weil wie in diesem Fall von letzter Woche es erfreulicherweise nicht notwendig ist.

Der junge Samuel, zum Zeitpunkt der Erstvorstellung in unserer Praxis noch nicht ganz 14 Jahre alt, hatte 2017 einen Unfall, bei dem der Zahn 11 offensichtlich Schaden genommen hatte. Er war damals schon an uns überwiesen worden. Ein im Notdienst angefertigter Zahnfilm konnte uns in der ersten Untersuchungssitzung nicht vorgelegt werden, eine Wiedervorstellung des damals noncomplianten Kindes mit den benötigten Unterlagen erfolgte dann nicht mehr.

Am 2. Mai 2023, 6 Jahre später dann stellte sich der Junge dann nach kurz zuvor aufgetretener klinischer Beschwerdeproblematik erneut bei uns vor. Im Zahnfilm der regio 11 -13 liess sich das wahre Ausmaß der ossären Läsion bestenfalls erahnen.

Das DVT vermittelte dafür umso eindringlicher das wahre Ausmaß der Knochendestruktion.

Die Behandlung konnte Dank der sehr guten Mitarbeit des jungen Patienten ohne Probleme durchgeführt werden. Nach 16 Wochen Wartezeit zeigte sich in der Röngtenverlaufskontrolle eine Verbesserung der Knochensituation.

Noch erfreulicher die Situation nach Entfernung des Kavitätenverschlusses und Entfernung der medikamentösen Einlage. Das riesige Foramen apicale war vollständig mit neu gebildetem Knochen verschlossen. Ein wunderbares festes Gegenlager, so dass für die apikale Wurzelkanalfüllung mit MTA es keiner Notwendigkeit des Einsatzes von Kollagen bedurfte.

So zeigt dann auch die Röntgenkontrolle des apical plug nach MTA Applikation die hervorragende Adaptation des WF- Materials zum Wurzelkanalende und nach lateral hin.

Das dies kein Einzelfall ist, zeigt auch das nachfolgende Foto. Auch bei dieser jungen Patientin Anfang 20, mit Zustand der Wurzelspitzen von Zahn 11, 21 nach 2 maliger erfolgloser WSR und Fistelbildung kam es zum vollständigen knöchernen apikalen Verschluss der NeoApices nach Calciumhydroxid-Einlage mit Iodoformzusatz.

Im WF- Röntgenbild nach Auffüllung des weiter koronalen Wurzelkanalanteiles stellt sich dann die Situation an Zahn 11wie folgt dar:

Endlich mal …

… eine Erstbehandlung!

So mein erster Gedanke, als ich das präoperative Bild sah.

Denn diese sind bei mir eher die Ausnahme als die Regel (90% Revisionsbehandlung vs. 5 % Erstbehandlung) während sich bei Christoph Kaaden, so seine Aussage am letzten Wochenende bei „DIE3 HERRMANN KAADEN SCHRÖDER reden über …“, beide Varianten die Waage halten.

Doch einmal wieder sieht die Sache auf den ersten Blick leichter aus, als sie in Wirklichkeit war.

Der Dentikel im distalen Kanal ließ sich leicht mit Endosonore und Laser entfernen. Der Detailteufel lag in den mesialen Kanälen. Zunächst waren zwei Middle Mesials vorhanden, von denen der bukkale mit dem MB und linguale mit dem ML konfluierte. Ein Austausch der Spülflüssigkeit zwischen MB und ML, wie vom DVT her zu erwarten, zeigte sich jedoch nicht.

Darüber hinaus wartete apikal in der mesialen Wurzel eine tiefe Aufgabelung auf die Befreiung von Geweberesten.

Daher war für mich klar, hier den AdvErL- Laser einzusetzen. Und siehe da, nach viel schallunterstützter Irrigation ohne Flüssigkeitsaustausch zwischen MB und ML genügten 2x 30 Sekunden mit NaOCl und 1x 30 Sekunden mit EDTA um einen raschen Flüssigkeitsaustausch zwischen den beiden mesialen Kanalsystemen zu erzielen.

Am Ende ein sehr zufrieden stellendes Behandlungsergebnis, dem ich die Hürden nicht unbedingt angesehen habe.

Intrusion – Ludwig (II)

Gute sechs Monate ist es her, seit wir den heute 13-jährigen Ludwig behandelt haben

Bei der letzten Kontrolle mussten wir leider feststellen, dass Zahn 12 durch eine Ersatzresorption verloren gehen wird.

Zustand nach zweimaliger med. Einlage (1.Ledermix; 2. CaOH2)

Für Zahn 11 ist demnächst die Wurzelkanalfüllung geplant.

Jetzt gilt es eine weitere Planung hinsichtlich des 12 auf den Weg zu bringen…

Saving hopeless teeth (37) – Recall 8 Jahre

Wieder ein Recall. Besonders intensiv versuchen wir die sogenannten „hopeless teeth“ nachzuverfolgen. Diese Fälle mit einem schwer progonostizierbarem Behandlungserfolg geben uns Hinweise auf die Möglichkeiten und Grenzen in der endodontischen Therapie.

Hier nun die aktuelle Entwicklung in dem 2015 vorgestellten Fall.
Für die Planung einer Behandlung im 1. Quadranten ergab sich die Notwendigkeit eines DVT.
Es war möglich, die Zähne 21, 22 in dieser 3D-Aufnahme mitzuerfassen.
Röntgenologisch zeigte sich eine apikal entzündungsfreie Situation.
Auffällig ist die Spaltbildung am MTA-Verschluß apikal am Zahn 21.

Wie ist das zu erklären?
Wahrscheinlich kam es durch die Ultraschallkompression auf das MTA zu einer Verformung des apikalen Widerlagers und einer Extrusion des MTA Plugs. Seit 2019 ist eine Resorption dieses MTA Plugs erkennbar. Klinisch zeigen sich die Zähne symptomlos, ohne Lockerungsgrade.

DIE3 HERRMANN KAADEN SCHRÖDER => Bis Freitag!

Irgendwo bei über 200 Tagen startete der Count Down.
Jetzt sind wir fast bei Null angekommen. Am Freitag, den 06.Oktober ist es endlich so weit. Und wir freuen uns wie Bolle, wie Jörg, unser Mann aus der Hauptstadt, sagen würde.

Los geht es um 18 Uhr mit dem Get Together.
Ab 17 45 Uhr ist Einlass in der Nahe.Wein.Vinothek im Dienheimer Hof. Mannheimer Str. 6, 55545 Bad Kreuznach.
Mit Weinverkostung & rustikalem Essen.

Benno, der Landmetzger parkt mit seiner Vespa Ape im Hof vor der Weinstube. Es gibt dort neudeutsch Street Food. Also dass, was man früher lecker Pommes, Bratwurst, Currywurst und Hamburger von der Imbissbude genannt hätte.

Der Wein der offenen Weinprobe (von 18-20 Uhr) kommt vom Weingut Hexamer.
Wer darüber hinaus noch andere önologische Kostbarkeiten von der Nahe (in der Weinwelt sind 50 Weingüter der Nahe mit jeweils 3 Weinen vertreten, darunter selbstverständlich auch alle regionalen VDP-Premiumweingüter) probieren möchte, der hat bis 23 Uhr im Hause Gelegenheit dazu.

Wichtiger Hinweis – DIE3 HERRMANN KAADEN SCHRÖDER ist seit etlichen Wochen ausgebucht. Wir hätten gerne noch viele anderen Kolleginnen und Kollegen die Möglichkeit gegeben, teilzunehmen. Aber die begrenzte Kapazität der Räumlichkeiten liess dies leider nicht zu. Dies gilt in besonderem Maße für das Get Together. Die MORITA Acedemy weist daher noch einmal explizit darauf hin, dass pro Anmeldung für DIE3 nur ein Platz in der Vinothek reserviert ist, etwaige Begleitpersonen daher nicht teilnehmen können.


Am Samstag treffen wir uns im Rudi Müller Saal der Loge,

im
Haus des Gastes
Kurhausstraße 22-24
55543 Bad Kreuznach.

Wir starten wir pünktlich um 8 45 Uhr mit einer Einführung in den Tag. Damit exakt um 9 Uhr die gesamte uns zur Verfügung stehende Zeit dem eigentlichen Themenkomplex gewidmet werden kann. Also – Liebe KollegInnen, bitte idealerweise etwas vor der Zeit da sein. Einlass/Begrüßung ist um 8 30 Uhr.

Hier der Ablaufplan:

09:00 Uhr
Skizzierung des Themenkomplex „Wurzelkanalaufbereitung“ Zielsetzung der Fortbildung ▪

09:20 Uhr
Einführung Arbeitssystematik System Berlin -Dr. Jörg Schröder

09:40Uhr
Einführung Arbeitssystematik System München Dr. Christoph Kaaden

10:10 Uhr
Einführung Arbeitssystematik System Bad Kreuznach Dr. Hans-Willi Herrmann

10:30Uhr Kaffeepause

11:00 Uhr
Endodontischer Workflow„Aufbereitung“ Systematik Dr. Hans-Willi Herrmann

12:30 Uhr Mittagspause

13:30 Uhr
Endodontischer Workflow „Aufbereitung“ Systematik Dr. Christoph Kaaden

15:00 Uhr Kaffeepause

15:30 Uhr Endodontischer Workflow „Aufbereitung“ Systematik Dr. Jörg Schröder

17:00 Uhr Resümee und abschließende Diskussion

17:30 Uhr Abschluss-Rede


Dresscode: Smart CasualNoch ein Hinweis organisatorischer Art: Diese und ergänzende Infos wurden letzte Woche von der MORITA Acedemy via Email an jeden Teilnehmer verschickt. Wer nichts diesbezüglich erhalten hat, der möge zunächst im SPAM Ordner nachsehen und sich gegebenenfalls bitte umgehend an Frau Sarah König (skoenig@morita.de ) odeoschetti (lboschetti@morita.de) wenden

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Revision nach Trauma und WSR Zahn 22

Die heute 23-jährige Medizinstudentin Lala erlitt im Alter von zehn Jahren ein Frontzahntrauma.

Das Mädchen war damals auf einer Wasserrutsche gestürzt. Hierbei kam es zu einer Dislokation des Zahnes 22 mit unkomplizierter Kronenfraktur.

Als Therapie wurde eine Repositionierung mit nachfolgender endodontischer Behandlung und Kompositaufbau des Zahnes durchgeführt.

Nachdem zehn Jahre später erneut Probleme auftraten, wurde eine (Art) Wurzelspitzenresektion durchgeführt (2020).

Leider war der therapeutische „Erfolg“ dieses Eingriffs nur von kurzer Dauer.

Im März 2021 stellte sich die junge Frau mit diesem radiologischen Befund bei uns vor:

In insgesamt zwei Terminen erfolgte die Revision (der vormaligen Thermafil-Füllung ohne Sealer), gefolgt von einer MTA-Apexifikation und Glasfaserstift-Insertion/Kompositfüllung.

Gute zwei Jahre später stellt sich die Situation nun so dar:

:-)))

Recall (5 Jahre) _ Was es nicht alles gibt…

Das letzte Recall war 2021.
Jetzt haben wir die Patientin wieder gesehen und das Recall möchte ich nicht vorenthalten.
Der Zahn ist vollkommen symptomlos. Der Lockerungsgrad = 0. Die Sondierungstiefen sind nicht pathologisch erhöht.

Und alles sieht gut aus, oder doch nicht ?
Wie sehen Sie das?

Geschichten aus dem Endozän – Im Museum in Barcelona

Im Juni 1990 war ich das allererste Mal in Barcelona.

Das Staatsexamen hatte ich zu diesem Zeitpunkt gerade hinter mich gebracht.
Und darauf hin 2 Wochen Urlaub im Süden Spaniens verbracht.
Mit dem Auto.
Ich – 26 Jahre alt – war bis dato noch nie geflogen.
Das nur am Rande, liebe Klima-Kleber, wenn wieder mal das Argument aufkommt, die Generation der Boomer sei alleinig schuld für die Erderwärmung. Wieviele Flüge gehen auf euer Konto mit Mitte 20 ?

Es war sehr heiss damals.
Fast 40 Grad im Schatten zeigte das Thermometer.
Den Klimawandel, wie er heute die Medien beherrscht, gab es den etwa damals schon ?

Auf der Rückreise führte uns unser Weg nach Barcelona.
Natürlich stand die Architektur der Metropole auf dem Programm.
Gaudi.
Mies van der Rohe.
In der prallen Mittagssonne besichtigte ich den Barcelona-Pavillon.


Und danach wanderten wir – mein Bruder und ich – tapfer dem drohenden Sonnenstich trotzend, die kurvige Strasse zum Montjuic hinauf. Ein paar Jahre später sollte der Berg die olympischen Spiele beherbergen, doch davon war noch nichts zu sehen. Wir wollten zur Fondacio Miro. Ein Museum der Moderne. Architektonisch dem Brutalismus zuzuordnen, wenngleich weiss gestrichen und damit schöner anzuschauen als viele andere Bauten, die dieser Stilrichtung zugehörig sind.

Im Innern fast ausschliesslich Werke des namensgebenden spanischen Meisters der Moderne. Und eine kinetische Skulptur Alexander Calders. 1937 erschaffen. Ein Brunnen, der über mehrere Kaskaden unablässig Wasser nach unten beförderte.

Die Skulptur ist immer noch vorhanden, wie ich bei meinem letzten Besuch vorletzte Woche feststellen konnte. Ich muss gestehen, ich hatte sie vollkommen vergessen.
Was mich im Nachhinein wundert.

Denn die perlenden, wie auf einer heissen Herdplatte sich zusammenrollenden Wassertropfen waren nichts anderes als … Quecksilber. Ein Brunnen voll mit Quecksilber!!! Jetzt fiel es mir wieder ein. Das hatte mich auch damals schon, mit berufsbezogener Affinität zum Material, fasziniert.

Amalgam war zu diesem Zeitpunkt noch der einzige dauerhaft kaustabile plastische Füllungswerkstoff für Zähne im Seitenzahnbereich. Und Quecksilber in der Zahnmedizin wie anderswo gesellschaftlich akzeptiert. Zwar war auch Anfang der Neunziger des letzten Jahrhunderts schon der Brunnen selbstverständlich hinter Glas gestellt. Man wusste natürlich um die Gesundheitsschädlichkeit der Quecksilber-Dämpfe. Aber ein EU-weites Verbot, das selbst Glühbirnen obsolet werden lassen sollte, daran war noch überhaupt nicht zu denken. Umso mehr verwundert es, dass dieses Kunstwerk heute noch existiert. Ich bin gespannt, ob bzw. wie lange noch der Brunnen weiter vorsichhinrinnen darf.

p.s.:

Die Parkhäuser in Barcelona kosteten 1990 umgerechnet 24 DM pro Tag, also in Euro 50 Cent pro Stunde. Eine zu dieser Zeit maßlose, unerhörte Summe, fanden wir.
Parkten selbstverständlich unter der Laternengarage, also neben dem Bürgersteig.

Kürzlich in New York, in Manhattan, warben die Schilder der Parkdecks mit besonders günstigen 13 Dollar pro halbe Stunde an Werktagen.
So ändern sich die Zeiten.

Dafür kann man heute mit einem mobilen handtellergroßen kabellosen Telefon, einer Gerätegattung, die zur damaligen Zeit nur in Sciene Fiction Filmen (Raumschiff Enterprise) existierte, nicht nur Gespräche rund um den Globus führen, sondern darüber hinaus erstklassige Fotos und sogar hochauflösende Videos machen und diese sofort in alle Welt verschicken.

Überweite

Eigentlich wäre die Behandlung dieses traumatisch geschädigten Zahnes 11 unmittelbar nach Erstvorstellung des jungen Patienten vorhersagbar möglich gewesen.

Durch die Trennung der Eltern und deren unterschiedlichen Auffassungen hinsichtlich der Notwendigkeit einer Therapie geschah es, dass der Zahn zwar kieferorthopädisch bewegt wurde (mir fehlen heute noch die Worte), eine endodontische Behandlung blieb jedoch aus.

Und nicht nur das. Der temporäre Verschluss ging frühzeitig verloren und so blieb der Zahn über mehr als ein Jahr lang offen. Die periapikale Pathologie ist mittlerweile so groß geworden, dass ich in der Obturationssitzung – insgesamt habe ich 3 Behandlungssitzungen benötigt um eine Sistieren der putriden Exsudation zu erzielen – auf das Anlegen eines kollagenen Widerlagers verzichtet habe und stattdessen mit einer Guttaperchastange ISO 140 und unter Zuhilfenahme eines Lösungsmittels die Guttapercha apikal so dem Kanal angewärmt habe, dass ich am Ende eine warme vertikale Kompaktion wagen konnte, ohne die Guttapercha über das weite Foramen nach periapikal zu bewegen.

Der koronale Kanalanteil wurde nach adhäsiver Abdeckung der Obturationsmaterialien für das interne Aufhellen beim überweisenden Kollegen vorbereitet.

Das Recall-Bild erwarte ich mit großer Ungeduld.

RET und MTA-Apexifikation bei Luis

Heute stelle ich Ihnen den mittlerweile 10-jährigen Luis vor.

Der Junge war im Herbst 2022 mit seinem Scooter gestürzt. Dabei erlitten die Zähne 12 und 11 unkomplizierte Kronenfrakturen. Ferner bestand ein erhöhter Lockerungsgrad. Die Erstversorgung erfolgte beim Hauszahnarzt.

In der weiteren Folge kam es zu einer Grauverfärbung der betroffenen Zähne. Radiologisch imponierten entzündlich bedingte externe Wurzelresorptionen.

Aufgrund des unterschiedlich weit fortgeschrittenen Wurzelwachstums entschieden wir uns für eine reparative endodontische Therapie (12) bzw. eine MTA-Apexifikation (11). Dies erfolgte in insgesamt drei Terminen.

Kürzlich stelle sich Luis zur Sechsmonatskontrolle bei uns vor.

Es sieht aus, als tragen die Therapien Früchte…

die weiteren Kontrollen müssen zeigen, ob die Resorptionen tatsächlich zum Stillstand gekommen sind…

Geschichte aus dem TIozän

Die Gematik und TI sind ein leidiges Thema. Mehr oder weniger gezwungen sind die meisten Praxen dabei. Auch wir.
Unser Praxisalltag ist dadurch verändert. Meistens zum Negativen. Eine Mitarbeiterin ist immer mit diesem Thema beschäftigt.
Es gibt auch einen Teil, den ich persönlich gut annehmen kann. Das ist das KIM Postfach.

Wir bekommen einfacher Röntgenbilder übermittelt und viele Praxen nutzen dies nach der DSGVO Novelle.

Derzeit ist unser Konrektor defekt, seit 1 über Woche.
Nach einem Update ist das Gerät ausgefallen. Nicht nur bei uns, es soll einige Praxen erwischt haben. Jetzt gibt es laut Betreiber nicht genügend Austauschgeräte. Das Update sei Schuld.

Für jeden Kassen-Patienten drucken wir jetzt einen Erfassungsschein aus und fotografieren die Versichertenkarte. Digitale Beantragung und Anrechnung geht nicht.
Was wirklich ärgerlich ist, wir haben ein KIM Postfach, welches von unseren Überweiserpraxen gern genutzt wird um uns Röntgenbilder zuzusenden.
Nun sehen wir nicht ob eine Mail gekommen ist und wir können auch nicht zugreifen. Wir versenden Arztbrief und Befund, die liegen seit einer Woche im Postfach und können ebenso wenig nicht versendet werden.
Wann es wieder gehen wird? Alle vereinbarten Termine (2x) zum Konnektortausch wurden wieder gecancelt. Es gibt keine Geräte von der Compugroup…

Wenn man sich vorstellt, daß mit einem Update des Betreibers die Geräte geschrottet werden, dann entsteht ein ungutes Gefühl.

Aber das hat man ja inzwischen bei fast allen Neugeräten.
Das neu gekaufte Röntgengerät meldet sich am Montag morgen mit einer Fehlermeldung und piepst ständig. Zum Glück wurde am Freitag an dem anderen Gerät der Schalter getauscht.

Wenn lauwarm besser ist …

Biokeramische Sealer sind in.
Die steigenden Verkaufszahlen lassen keine Zweifel daran.

Mit dem Entwicklungsteams eines Herstellers habe ich mich letzte Woche längere Zeit über Sealer unterhalten. Und dort grosses Erstaunen ausgelöst, als ich auf die Frage, ob ich noch AH Plus einsetze, antwortete, dass der Sealer meiner Wahl seit fast 30 Jahren ein eugonolhaltiger Zement-Sealer ganz alter Schule aus der Aera Herbert Schilders ist.

„??? Warum ich diesen Sealer verwende und keinen neueren ???“, wollten die Herren wissen.

3 Gründe:

  1. Weil ich über ganz lange Zeit (27 Jahre) nur positive Erfahrungen mit diesem Sealer gemacht habe.
  2. Weil der Seraler bei Überpressungen (im Gegensatz zu AH Plus) sehr gut und rasch resorbiert wird.
  3. Weil der Sealer für das Arbeiten mit warmen Gutapercha-Techniken geeignet ist.

Letzteres ist ein kritischer Punkt mit den biokeramischen Sealern.
Das Aushärteverhalten bei höheren Temperaturen. Und man macht es sich IMHO zu einfach, diesbezüglich zu antworten, durch die biokeramischen Sealer bedarf es keiner solchen hochtemperaturigen Fülltechniken mehr, eine kalte Zentralstift- Technik sei ausreichend.

Trotzdem setze ich in wenigen bestimmen Fällen biokeramische Sealer ein.
Zum Beispiel beim Vorliegen einer Allergie, die Inhaltsstoffe unseres Sealers betreffend.

Und dann greifen wir auf die Füllgeräte von Eighteeth zurück.
Also nicht nur ein anderer Sealer, auch andere Geräte.

Warum ?
Weil diese wesentlich niedrigere Arbeitstemperaturen zur Verfügung stellen als unsere geliebten Metasys-Genesis-Geräte. Deren niedrigste Arbeitstemperatur liegt bei 140 Grad, das Eighteeth reicht auf 120 bzw. sogar 90 Grad Celsius herunter. Das macht beim Arbeiten mit biokeramischen Sealern einen entscheidenden Unterschied.

Da wäre es naheliegend, die Eighteeth-Geräte zu unserem neuen Standard zu erklären. Aber im Handling präsentieren sich die Metasys Genesys-Handstücke die entscheidende Nasenlänge besser. Liegen leichter und ausgewogener in der Hand. Lassen sich leichter auch in schwierigen Situationen handhaben. Dinge, die vermutlich am stärksten im direkten Vergleich auffallen oder wenn man – wie in unserem Fall – schon lange mit diesen Geräten gearbeitet hat. Dafür haben die Eighteeth-Geräte beim Preis die Nase weit vorn. Und auch die Batterien – das nur für alle Akku- Skeptiker – lassen sich kostengünstig selbst austauschen.

Ich bin auf jeden Fall froh, dass wir für biokeramische Sealer auf das Eighteeth Fast Fill und das Eighteeth Fast Pack zurückgreifen können.

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.

Zeitpunkt verpasst!

Ich bin geneigt die Überschrift mit dem Zusatz „mal wieder“ zu versehen.

Einen Tag nach der Kronenfraktur des 22 stellte sich der 9-jährige Patient beim HZA vor.

Die Risswunde der Oberlippe war im Krankenhaus nahtversorgt worden. Die durchschimmernde Pulpa und das weite Foramen hätten eine Pulpotomie sehr erfolgversprechend erscheinen lassen.

Stattdessen wurde zugewartet. Mal wieder. Und die Pulpa war zum Zeitpunkt der Erstbehandlung in unserer Praxis weitestgehend nekrotisch. Lediglich apikal schien ein sehr kleiner Bereich überlebt zu haben.

Die Behandlung erfolgte ungeplant zweizeitig, da die nekrotische Pulpa bereits nach der ersten Irrigation im Gesamten aus dem Zahn herausgespült werden konnte. Die sterile Papierspitze ließ apikal noch einen Gewebestumpf vermuten.

Nach Einlage von CaOH2 erfolgte in der zweiten Sitzung die Abdeckung des Pulpagewebes mit MTA. Von einer reparativen endodontischen Therapie habe ich aufgrund des geringen Foramendurchmessers abgesehen. Nun erwarte ich mit Spannung das Recallbild.

Hilfreich war den mit wenig Unterschnitt versehenen Zahn mit einer Butterflyklammer zu belegen, die -ein Tipp von Christoph Kaaden- mit RelyXUniCem befestigt wurde. Als Kippmeider wurden die Klammerflügel mit einem schnellhärtenden Bissregistrierungsmaterial unterfüttert.

Thermafil-Revision Zahn 36

Heute möchte ich die Thermafil-Revision eines Zahnes 36 vorstellen.

Rein radiologisch sah die Wurzelkanalfüllung des Zahnes eigentlich „gut“ aus.

Trotzdem imponierte insbesondere distal eine nicht unerheblich apikale Aufhellung.

Bei der eingeleiteten Revision zeigte sich recht schnell einer der Gründe dafür, warum hier ein Misserfolg vorlag.

Wie in 90+ Prozent aller von uns revidierten Thermafil-Füllungen war damals auf den Einsatz eines Sealers verzichtet worden.

Dieses „Phänomen“ erkläre ich mir damit, dass auf diese Weise ein entsprechender „Puff“ bei der Wurzelkanalfüllung vermieden werden soll.

Unser praktisches Vorgehen in solchen Revisionsfällen ist zumeist wie folgt:

Mittels einer RECIPROC 25 schaffe ich mir lateral des Kunstoffträgers ein wenig Platz, um dann eine (oder ggf. zwei) Hedströminstrumente „eindrehen“ zu können. Mittels Arterienklemme erfolgt dann eine Luxation. Dieses Vorgehen wiederhole ich so lange, bis der Träger in toto entfernt ist. Ein Zerspanen des Trägers sollte unter allen Umständen vermieden werden.

Die weitere Revision gestaltete sich dann unproblematisch.

Der resorptionsbedingt offene Apex distal wurde orthograd mit MTA verschlossen. Die weitere Wurzelkanalfüllung erfolgte mit Guttapercha und BC Sealer high flow.

Sechs Monate später tragen unsere Bemühungen schon deutliche Früchte…

Und noch eine Geschichte aus dem Endozän

Erster Tag nach dem Urlaub.
Während der morgendlichen Vorbereitung des Behandlungszimmers kommt eine Mitarbeiterin zu mir und sagt: „Das Röntgengerät für Zahnfilme geht nicht. Es lässt sich nicht anschalten. Letzte Woche ging es noch.“

Statt dem ersten Patienten muss der Techniker aus dem Depot kommen. Alle anderen Behandlungszimmer sind belegt. Der Schalter des Gerätes ist defekt oder hat einen Wackelkontakt, wie man laienhaft sagt, denn wenn man an dem Schalter etwas herumdrückt geht das Gerät an, sobald man loslässt geht es aus.
Das heißt Behandlung ohne Röntgen. In der Endodontie nahezu unmöglich.
Einen anderen Schalter kann man nicht ersatzweise einbauen… und kurzschließen geht auch nicht…(Das wären „kommunistische“ Lösungen aus dem Beitrittsgebiet gewesen.)

So muss ich dem Patienten sagen, wir können sie nicht behandeln, da wir zur Kontrolle unserer Behandlung (Wurzelfüllung) die entsprechenden Röntgenbilder nicht anfertigen können. Zum Glück ist er schmerzfrei.
Ich erkläre ihm die unschöne Situation. Da erzählt er mir von einem Beitrag aus der Zeitung und fragt, wann machen sie die Praxis zu? …
Das System ist gescheitert, kann man dazu nur sagen. Aber es geht immer weiter, weil nicht sein kann, was nicht sein darf.

Lieferzeit für den Schalter…?
Kann Anfang Oktober da sein oder morgen. Das Depot weiß es nicht…

Jetzt sind es 2 Wochen.


Geschichten aus dem Endozän – Ein Viertel Jahrhundert

20 Jahre war ich allgemeinzahnmedizinisch tätig, bis ich 2013 meine Tätigkeit auf die Endodontie limitierte. Auch davor war die Endodontie der Praxisschwerpunkt mit zuletzt etwa 90 Prozent reiner Wurzelkanalbehandlung, aber das Jahr 2013 stellte insofern eine Zäsur da, dass von nun an auch unsere Stammpatienten von mir ausschließlich endodontisch behandelt wurden. Bis 2017 fand eine nicht endodontische Behandlung noch in unserer Praxis durch eine Kollegin statt. Seit 2018 ist auch das Historie.

Ab und an fragen dennoch unsere Patienten von früher an, in der Regel mit dem Satz: Ich weiss, dass sie nur noch Wurzelkanalbehandlungen machen, aber könnten sie sich vielleicht meine Situation einmal anschauen und mir einen Rat geben.

So auch in dem nachfolgenden Fall: Die bukkale Wand des Zahnes 36 war auf Gingivaniveau abgebrochen. „Der Zahn muss raus!“, diagnostizierte der gegenwärtige Behandler, als er die Situation in Augenschein nahm.

Zahn 36, mit dunkler gefärbte Restzahnsubstanz, die eine Devitalität/Wurzelkanalbehandlung vermuten lässt, trägt eine grosse Composite-Füllung.

Wir machten ein Röntgenbild.
Die Knochensituation an Zahn 36 bei der 60 jährigen Patientin ist überdurchschnittlich, auf jeden Fall besser als am Zahn 37. Auch die WF sieht gut aus. Im Computer finden sich keine Röntgenbilder. Wurde die Endo überhaupt von mir gemacht ? Vermutlich. Dann muss diese 2008 oder früher gemacht worden sein, bis dahin hatten wir analog geröntgt.

Ein Blick in die noch vorhandene Papierakte offenbart. Die Behandlung hatte am 18.11.1998 stattgefunden. Das präoperative Zahnfilm zeigt eine apikale Aufhellung. „4 Kanäle !“ war in der Karte vermerkt. Die Kanäle waren stark obliteriert. Die Aufbereitung erfolgte bis zum einem apikalen Durchmesser von 0.35 mm bzw. 0.4 mm. Als medikamentöse Einlage kam selbst angemischtes Calciumhydroxid zum Einsatz. In zweiter Sitzung wurde der Zahn am 03.12.1998 wurzelgefüllt.

25 Jahre danach ist er Zahn unverändert in situ.
Ein Viertel Jahrhundert.

Nicht schlecht dafür, dass er bereits vor 25 Jahren „Der Zahn ist obliteriert, der muss raus!“ hätte gezogen werden sollen. Die Recall-Röntgenbilder, in entsprechenden Abständen erfolgt, hatten eine knöcherne Konsolidierung gezeigt und dabei ist es bis heute geblieben.

Ich mache ja nun keinen Zahnersatz mehr. Aber für mich sieht der Zahn 36 so aus, dass er mit einer Krone noch viele weitere Jahre im Mund bleiben kann.

Und dann bat gestern eine Überweisungspatientin um Rat.
Wir hatten im letzten Jahr ihren Zahn 18 wurzelkanalbehandelt.
Ihre starken Schmerzen, die rechte Gesichtshälfte betreffend, die sie in den Unterkieferseitenzahnbereich interpretiert hatte, waren darauf hin schlagartig verschwunden und sind bis heute nicht mehr aufgetaucht.

Der Unterkiefer lässt sie dennoch nicht in Ruhe.
Zwischenzeitlich ist der Zahn 46 extrahiert, aber immer noch tauchen von Zeit zu Zeit merkwürdige Beschwerden auf. Deshalb soll nun auch der Zahn 44 extrahiert werden, wegen der tiefen Tasche und der Zahnfleischproblematik, die zwischen 44 und 45 beheimatet ist. „Der Zahn muss raus, da ist nichts mehr zu machen.“ So zitiert wortwörtlich die Patientin den Behandler.

Die Patientin ist 67 Jahre alt.
Eine Taschenmessung an Zahn 44 (Lockerungsgrad 0) ergab an den 6 Messpunkten Taschentiefen von 2 Millimetern. Die Gingiva ist fest und blutet nicht, auch nicht bei stärkerer Sondierung.

Ich habe der Patientin geraten, den Zahn 44 auf gar keinen Fall extrahieren zu lassen.

Geplant bis ins Detail

Die präoperative Auswertung des DVT ermöglicht es, die Behandlung gedanklich im Vorfeld so zu planen, dass Überraschungen fast vollständig ausbleiben. Fast.

Im Falle dieses mit einer Teleskopkrone versorgten Zahnes 15 konnte ich am DVT die für die Revisionsbehandlung wichtigsten Schritte problemlos planen.

Der Kofferdam wurde mit einer durch ein schnell aushärtendes Bissregistratmaterial am Kippen gehinderte Butterfly-Klammer fixiert.

Da eine prothetische Neuversorgung geplant war, konnte ich die Zugangskavität etwas großzügiger als gewöhnlich gestaltet werden.

Der im DVT erkennbare Glasfaserstift konnte, wie geplant, mittels Munce-Bohreren entfernt werden. Das bukkal und lingual erkennbare Fremdmaterial hielt ich allerdings fälschlicherweise vollständig für Guttapercha. Das in der Guttapercha eingebettete Instrumentenfragment (Peeso-Bohrer oder Vorbohrer eines Stiftsystems) kam erst nach deutlicher Reduktion der Guttapercha zum Vorschein. Die Entfernung des Fragmentes erfolgte mittels Ultraschall.

Da das DVT in B nur eine Sealereinpressung erkennen ließ, wurde zuerst die Guttapercha aus P entfernt. Nach endometrischer Längenbestimmung und nach finaler Präparation von P konnte der weiter koronal gelegene Abzweig des bukkalen Kanals anhand eines beharrlich an der bukkalen Kanalwand anhaftenden Guttaperchrestes identifiziert werden.

Mittels vorgebogenem Microopener konnten die ersten 1,5 Millimeter instrumentiert werden. Da das Einfädeln rotierender Instrumente bei einem in der Kanalwand gelegenen Orifizium sehr schräg erfolgen muss, habe ich vor der rotierenden Aufbereitung den Eingang von B mittels Endsonore-Feile leicht nach koronal hin geöffnet.

Die in den Feilen eingepressten Späne, lassen eine Beurteilung zu, wo die Feile an der Kanalwand arbeitet. Nach erneuter endometrischer Kontrolle erfolgte die Obturation in warmer vertikaler Komparation (Schilder).

Da ich nicht sicher war, ob beide Masterpoints zeitgleich einzubringen wären, hatte ich mir vorsorglich schon die Distanz zwischen Aufgabelung und apikalem Ende des palatinalen Kanals ausgemessen, um im Falle des Falles die einzeln einprobierte Guttaperchastange dann genau auf dieses Maß zu reduzieren und sie, auf einen Microopener aufgesteckt, gezielt in P einbringen zu können, ohne den bukkalen Kanaleingang zu verlegen. Das Glück war jedoch auf meiner Seite und beide Masterpoints konnten aufeinander folgend eingesetzt werden.

Nun wird das Recall zeigen, ob die Mühen von Erfolg gekrönt sein werden.

Schmerzfall (2)

Das Röntgenbild zur Erstbefundung ist nicht optimal. Es sind an Hand dieses Bildes mehrere Verdachtsdiagnosen erkennbar:

  1. VD Mesiodens mit follikulärer infizierter Zyste
  2. VD 21 externe apikale Resorption (Konturveränderung der Wurzel), P. apicalis
  3. VD 11 P. apicalis
  4. 13 VD Wurzel / Kronenfraktur

Wir haben deshalb eine Aufnahme 11, 21 in Rechtwinkeltechnik angefertigt. Der Verdacht Mesiodens (follikuläre Zyste), 21 externe apikale Resorption, P. apicalis erhärtete sich.
Im nachfolgend erstellten DVT ist die Situation deutlicher dargestellt.

Im DVT ist ein Zahnstruktur ( Dentin/Schmelz)

periapikal 21 erkennbar, die Kontur der Wurzel des Zahnes 21 zeigt Veränderungen im Sinne einer P. apicalis mit externer Resorption, 11, 12 erscheint apikal o.p.B., 13 zeigt keine Wurzelfraktur.

Der Patient suchte uns Donnerstag abend auf. Am Montag beginnt seine 4wöchige Kur. Er wollte nur wissen ob er fahren kann…
Die Zähne 13,12, 21,11 zeigten klinisch Sekundärkaries. Die von uns präparierte Zugangskavität am Zahn 21 stellte einen vollständig kariösen Zahnstumpf ohne Erhaltungsmöglichkeit dar. In Zusammenarbeit mit einer kieferchirurgischen Praxis wurde folgende Planung erarbeitet:
Zahn 21 unterer Brücke entfernen, die Krone prov. verschließen mit operativer Entfernung des Mesiodens und ggf. Zystektomie, Antibiose und Abklärung ob Pat. danach reisefähig ist.

Eine Rückmeldung haben wir noch nicht erhalten.

Schmerzfall

Dieser Patient wurde uns überwiesen mit einer beginnenden Abszedierung an den Zähnen 11, 21. Die Zähne sind seit vielen Jahren mit einer Brücke versorgt.
Lockerungsgrade sind nicht feststellbar, Die Sondierungstiefen sind an den Zähnen 11 und 21 circumferent erhöht. Es besteht kein Perkussions- oder Aufbißschmerz.
Was fällt im mitgelieferten Röntgenbild auf?

Geschichten aus dem Endozän – Late Night TV Werbung

Alle anderen WURZELSPITZE- Autoren sind in Urlaub. Ich halte ich die Stellung und bemühe ich mich, das entstehende Info-Vakuum mit Geschichten aus dem Endozän zu füllen.

Wieder geht es nach New York.
Nur noch selten schalte ich mittlerweile in USA des abends im Hotelzimmer das Fernsehen an. Zu schlecht heute, was früher interessant und spannend, weil anders war. Die guten Sachen laufen ohnehin mittlerweile bei Netflix &Co, also nicht mit Free TV. Bleibt noch ESPN. NFL und NBA haben Sommerpause. Gott sei Dank gibt es noch die Baseball World League. Unterbrochen werden die Innings durch die obligatorischen Werbeeinspielungen. Und ja, Rechtsanwälte, die sich für die Ausfechtung von Schadensersatzforderungen stark machten, die gab es schon immer, aber diesmal flimmerte eine Werbung über die Mattscheibe, die diesbezüglich noch einmal einen Gang zulegte.

Der Grundtenor? Familie, Kinder, Enkelkinder. Schönes Haus. Schöner Garten. Barbecues. Eine heile Welt, offensichtlich wurde das Ganze nicht in der Bronx gefilmt. Dann der Schwenk auf den Hausherrren. Das ist Herr Müller Maier Schmidt. Er hat Krebs mit ungünstiger Prognose. Er wird bald sterben. Sein Krebs wurde zu spät entdeckt. Gut, das wir für ihn einen hohen Schadensersatz erstritten haben. So weiss er, das seine Familie gut versorgt ist, wenn er nicht mehr da ist.

Dann weiter die Stimme aus dem Off (sinngemäß) Wurde auch bei Ihnen einen Tumor (es folgt eine Auflistung) festgestellt. Wir überprüfen kostenfrei alle Unterlagen, um zu schauen, ob bei Ihnen der Tumor zu spät entdeckt wurde und sie einen Schadensersatz geltend machen können.

Wie läuft das ab ?
Die gesamte Krankenakte wird mit Argusaugen durchsucht. Tagelang. Hätte man – rückblickend ist man ja immer schlauer – schon irgendwann früher erkennen können, dass ein Tumor vorhanden ist ? Vielleicht ein winziger Punkt im Röntgenbild oder Ultraschall an der Stelle, an der sich später ein Tumorherd befindet ? Gab es früher mal bestimmte Werte bei Blutuntersuchungen, die in die Richtung weisen? Oder eine Symptomatik, die man mit dem späteren Tumorgeschehen in Verbindung bringen kann ?

Eine Tendenz, eine Ahnung kann vor Gericht schon ausreichen…

2D vs. 3D

Im Jahr 2011 habe ich hier auf Wurzelspitze begonnen, unter dem oben genannten Titel Fälle vorzustellen, in denen der Vorteil der dreidimensionalen Diagnostik im Vergleich zum herkömmlichen Einzelbild hervorgehoben wurde.

Und habe dafür viel Kritik in Form von zum Teil recht ungehaltenen Kommentaren erhalten.

Unnötig, übertrieben und auf die Therapie wenig Einfluß habend, waren dabei noch die nettesten Bemerkungen.

Letzte Woche Freitag stellte sich dieser Patient mit Beschwerden im rechten Oberkiefer vor, die vom überweisenden Kollegen entweder dem Zahn 16 oder dem Zahn 14 zugeordnet wurden.

Klinisch bestand eine abgeheilte Fistelung exakt zwischen den Zähnen 14 und 16 und eine palpatorische Druckdolenz apikal an Zahn 14. Dort war eine narbig abgeheilte Schnittführung zu erkennen. Die parodontalen Sondierungstiefen waren unauffällig, eine Perkussiosnempfindlichkeit bestand nicht.

Meine Frage, ob er sich an einen chirurgischen Eingriff erinnern könne, wurde zunächst verneint. Im Laufe der weiteren Diagnostik konnte sich der 46-jährige Patient jedoch an die operative Entfernung des weit palatinal durchgebrochenen Zahnes 15 erinnern.

Angesichts der Spuren zahnärztlicher Tätigkeit innerhalb der Kanalsysteme des 14 erschien mir die im Überweiserschreiben berichtete schwache Reaktion auf den Kältereiz an Zahn 14 als eher unzutreffend.

Zahn 16 , mit einer keramischen Teilkrone versorgt, wies eine stark verzögerte, jedoch positive Reaktion auf den elektrischen Reiz von bukkal auf. Palatinal war keine Reaktion zu provozieren.

Für mich ist es wie so häufig: Übertrage ich die Erkenntnisse des kleinvolumigen DVT auf mein präoperatives Röntgenbild, so kann ich, bis auf die Aufgabelung in der mesialen Wurzel des 16 und dem verbreiterten Parodontalspalt an der bukkalen Wurzel des 14, alles andere erkennen. Und der Zahn 16 war als Ursache der Beschwerden rasch identifiziert.

Das System ist kaputt. Zieht die richtigen Schlüsse draus…

Auch wenn allen Orten von Inflation und Wirtschaftsabschwung und drohender Armut die Rede ist, es gibt offensichtlich noch genügend Personen, denen es so gut geht, dass diese sich Luxusgüter leisten können.

Luxusgüter.
Diesen Begriff kann man natürlich ganz gross aufhängen. Luxus, das ist der Privatjet, die Megayacht, die Villa in Saint Tropez mit dem Bugatti in der Garage.

Es geht aber auch etwas kleiner.
Sprich eine teure Handtasche oder die teure Armbanduhr.

Dinge, die schon immer so begehrt waren, dass nicht nur ein hoher Preis, sondern auch eine gewisse Wartezeit auf dieses Produkt damit verbunden war. Mittlerweile hat diese Situation aber eine neue Dimension erreicht. Selbst wer bereit wäre, wie früher in der DDR mehr als ein Jahrzehnt geduldigen Ausharrens in Kauf zu nehmen, um den begehrten Trabant irgendwann in ferner Zukunft in Empfang nehmen zu können, wird enttäuscht werden. Der normale Bürger, zu denen ich – nur um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen – den ordinären Zahnarzt in Deutschland hinzuzähle, hat nur in den seltensten Fällen mehr die Möglichkeit, ein solches Produkt, die sprichwörtliche „Daytona, Submariner, GMT 2“ zu erwerben, selbst wenn er bereit wäre, sich einen persönlichen Traum erfüllend wollend, den entsprechenden regulären Preis, der zudem Jahr für Jahr mit einer Preissteigerung verbunden ist, zu zahlen.

Diese stark nachgefragten Gegenstände kommen nämlich gar nicht mehr in den freien Verkauf. Es gibt auch im Gegensatz zu früher keine Wartelisten mehr, in die man sich eintragen könnte. Zumindest keine Listen, die dann auch regulär abgearbeitet werden. Vielmehr werden besagte Pretiosen an ausgesuchte, gute Kunden verkauft. Wobei ein guter Kunde ein solcher ist, der über eine gewisse Kaufhistorie verfügt. Er also im Laufe der Zeit eine gewisse Summe Geldes, kolportiert werden mehrere 10.000 Euro oder gar 50.000 Euro für andere Produkte des Hauses ausgegeben hat, um dann irgendwann vielleicht die Gelegenheit zu bekommen, das besagte Wunschobjekt käuflich erwerben zu dürfen.

Gibt es eine Parallele zur Zahnmedizin ?
Ja und Nein.

Fest steht. Es gibt im Dentalen ebenso wie im Medizinischen eine Nachfragesituation.
Die Alten hören auf, etliche Praxen schliessen.
Die Patienten müssen sich neue Behandler suchen.
Und wenden sich an die verbliebenen Praxen. Welche, wenn sie ihre Hausaufgaben gemacht haben, sich schon jetzt nicht vor Zulauf retten können.

Goldene Zeiten für die Dienstleister im Gesundheitswesen.
Sollte man meinen.

Wenn nicht ein wichtiger Unterschied zu Hermes und Rolex vorgegeben wäre.
Patienten selektieren und Preise permanent den Preissteigerungen des Marktes oder auch nur der hohen Nachfrage anzupassen, das geht nämlich in der Zahnmedizin nicht. Denn der Gesetzgeber gibt die Marschrichtung vor. Gut daran ist der Grundgedanke: Der freie Zugang zu Gesundheitsleistungen ist ein schützenswertes Gut, welches grundsätzlich jedem Bürger unseres Landes, unabhängig seines Kontostandes zustehen sollte.

Es liegt jedoch auf der Hand, dass in einer Welt begrenzter finanzieller Mittel (und angesichts einer riesigen Staatsverschuldung muss klar sein, dass wir in einer solchen leben), nicht jegliche Gesundheitsleistung bezahlbar ist. Um bei der Analogie zu bleiben: Sie brauchen eine Tasche um ihre Einkäufe vom Supermarkt nach Hause zu tragen und eine Uhr, um zu wissen, wann ihre Strassenbahn fährt. Das Versprechen der Politik lautet jedoch: Jeder Patient bekommt eine Luxus-Handtasche, eine teure Uhr, wenn er diese braucht. Oder auch nur wünscht. Selbst wenn er schon jeweils 3 davon zu Hause hat.

Find ich gut, sagt der Patient.
Und lange Wartezeiten darf es nicht geben.
Und schon gar nicht irgendwelche Wartelisten.

Der Arzt ist angewiesen, alle Leistungen und genügend Termine zeitnah bereitzustellen.

Warum geht das in der Medizin ?
Im Gegensatz zur realen Welt der Luxushandtaschen und Luxusuhren?

Ein Gleichnis mag die Situation verdeutlichen: Man stelle sich vor, wenige Jahre nach dem zweiten Weltkrieg tritt der deutsche Staat an die Firmen Hermes, Louis Vuitton und Gucci, aber auch an jedes kleine Taschen- oder Uhrmachergeschäft in Deutschland heran mit der Order, jedem Einwohner der BRD eine Handtasche seiner Wahl kostenlos zur Verfügung zu stellen. Und verlangte von den Firmen Rolex, Patek Phillipe, Breitling und selbstverständlich auch von jeder andere Uhrenmarke, die in Deutschland vertreten ist, alle Bewohnern des Landes auf Wunsch mit einer Uhr der Marke auszustatten. Dies würde man, egal ob billige oder teure Uhr/Handtasche der Einfachheit halber den Firmen mit einem Einheitspreis von 100 DM pro verkaufter Handtasche und 200 DM pro verkaufter Uhr vergüten, vorausgesetzt, das die insgesamt zur Verfügung stehende Geldsumme nicht ausgeschöpft werde. Nur für den unwahrscheinlichen Fall (aus welchen Gründen auch immer), daß mehr Uhren und mehr Handtaschen als vorgesehen verkauft würden, werde die Erstattungssumme pro Kauf entsprechend nach unten hin korrigiert. Man gehe davon aus, dass bei der großen Zahl an Verkäufen und einer insgesamt zur Verfügung stehenden Geldmenge von 10 Milliarden DM die Firmen eine adäquate Menge an Gewinn erzielen können, auch wenn in seltenen Fällen bestimmte Handtaschen oder Uhren des Herstellersortimentes einen Herstellungspreis besitzen, der über dem Einheitspreis liegt, demnach mit einem kleinen Verlust verkauft werden.

Zunächst funktioniert dieses Modell.
Während Rolex, Patek Phillipe, Hermes und Louis Vuitton von vorne herein dankend ablehnen und auf einen staatlich geförderten Verkauf ihrer Produkte in Deutschland verzichten, gehen die anderen Firmen auf das Konstrukt ein.

Man verspricht sich eine enorme Nachfrage nach Handtaschen und Uhren.
Das waren Waren, die bislang eher selten verkauft wurden. Insbesondere die kleinen Läden, die solche Waren anboten, machten bislang nur einen geringen Gewinn, von dem sie mehr schlecht als recht davon leben konnten. Für diese ist die neue Regelung eine Chance hin zum Besseren.

In der Tat setzt ein enormer Run auf die für die Kunden nun kostenlosen Produkte ein.
Die Nachfrage ist nicht zu bewältigen. Obwohl Tag und Nacht gearbeitet wird und auch viele neue Mitarbeiter für Herstellung und Verkauf eingestellt werden.

Weil die Kunden aber froh sind, überhaupt eine Uhr und eine Tasche zu bekommen, wird genommen, was da ist. So ist es unterm Strich allen Beteiligten, Herstellern wie Verkäufern gleichermaßen möglich, ihre gesamte Produktpalette, teure wie billige Uhren an den Mann zu bringen und einen ansehnlichen Gewinn zu realisieren. Und auch die Kunden sind zufrieden. Endlich haben sie eine solide Tasche für ihre Einkäufe und obendrein eine schöne Uhr noch umsonst dazu.

Die Besitzer der Taschen – und Uhrengeschäfte können ebenfalls ihr Glück nicht fassen.
Ein warmer Geldregen ist über sie hereingebrochen.

Sie feiern ausgiebig und geben, nachdem sie zuvor über 20 Jahre eher von der Hand in den Mund gelebt haben – sie haben Nachholbedarf – das Geld für die schönen Dinge des Lebens aus. In der BRD der 60er und 70er Jahre waren dies zum Beispiel schnelle oder luxuriöse Autos. Darüber freuen sich die Autohändler. Die Kunden – ungeachtet der Tatsache, das sie gerade eine neue kostenlose Uhr bekommen haben – rümpfen die Nase. Sind neidisch. Wieso fährt unser Nachbar, der die ganze Zeit nur einen klapprigen VW Käfer hatte, nun einen neuen großen Mercedes.

Leider stellt sich nach Prüfung durch die staatliche Finanzbehörde im Nachgang heraus, das mehr Geld ausgegeben wurde, als zur Verfügung stand.
Man ist von der hohen Nachfrage überrascht worden.

Daher sieht man sich 2 Jahre später gezwungen, von jedem realisierten Verkauf 10 Prozent wieder vom Verkäufer zurückzufordern.

Was die guten Gewinne der Vorjahre im Nachhinein relativiert.
10 Prozent weniger Einnahmen bedeuten 30 Prozent weniger Gewinn.

Die großen Firmen protestieren.
Die kleinen Geschäfte jammern. Das Auto wurde bar bezahlt, das Geld ist weg.
Woher nehmen ?
Es nützt nichts, denn diese Vorgehensweise war von vorne herein vereinbart, auch wenn Alle naiverweise davon ausgingen, dass diese Klausel des Vertrages nie zum Tragen kommen würde.

Des guten Willens wegen erklärt sich der Staat bereit, zukünftig die zur Verfügung stehende Summe, die offensichtlich zu gering war, um 5 Prozent zu erhöhen.

Was zwar keine vollständige Deckung der ehemals verbrauchten Geldsumme darstellt, aber man geht von Staatsseite her aus – da schon viele Uhren und Taschen verkauft worden sind – das im folgenden Jahr das Budget nicht ausgeschöpft wird.
Demnach die Uhren- und Taschenhersteller wie auch die Verkäufer, so wird ihnen suggeriert, sogar einen höheren Gewinn erzielen werden. Mit dem sie die Verluste der Vergangenheit im Laufe der nächsten Jahre wieder ausgleichen können. Alle sind einverstanden.

Leider funktioniert dies nicht wie erhofft.
Viele Kunden, die sich zunächst mit Uhren oder Handtaschen eingedeckt hatten, haben zwischenzeitlich festgestellt, daß das erworbene Produkt nicht ganz ihren Wünschen entspricht. Die Tasche ist zu gross oder zu klein, die Uhr des Nachbarn, der das Glück hatte, eine der seltenen goldenen Uhren zu erhalten, macht mehr her.

Die Nachfrage nach Uhren und Taschen reisst nicht ab.
Allerdings stellen die Kunden nun gezielt Ansprüche.

Es muss jetzt dieses oder jenes Modell sein.
Insbesondere die hochpreisigen Modelle sind gefragt.

Und wehe, das nachgefragte Modell ist nicht lieferbar.
Dann setzt es eine Beschwerde bei der vom Staat neu geschaffenen Uhren- und Taschenbehörde (UTB), die für alle Belange rund um die Abwicklung des Uhren- und Taschenkaufes zuständig ist. Kommt es zu einer Beschwerde droht die UTB-Behörde den jeweiligen Firmen und Geschäften, falls ein solches Geschehen noch einmal vorkäme, bekämen die Firmen/Geschäfte ihre Lizenz entzogen. Die Kunden müssten dann ihre zu erwerbenden Waren vollständig aus eigener Tasche zahlen, bekämen kein Geld vom Staat.

In Anbetracht der Tatsache, das die Kunden dann zur Konkurrenz gehen, welche ja weiterhin Uhren/Taschen kostenlos anbieten, wäre dies das Todesurteil für diese Geschäfte. Zähneknirschend entschliessen sich daher fast alle Geschäfte, weiterhin den Vorgaben des Staates zu entsprechen. Auch wenn die Vorgaben immer obstruser werden.

So überprüft die UTB Behörde zum Beispiel, ob in allen Geschäften Deutschlands gleich viel Taschen und Uhren verkauft werden. In Tabellen wird den Geschäftsführern mitgeteilt, wieviele Taschen oder Uhren eines bestimmten Modells in ganz Deutschland durchschnittlich verkauft werden. Verkauft das Geschäft deutlich mehr Taschen/Uhren eines bestimmten Modells wird dem Geschäft der Wert der zuviel verkauften Waren abgezogen. Der Geschäftsführer muss bei der UTB-Behörde persönlich vorsprechen. Man erklärt ihm, dass es doch nicht sein könne, dass ausgerechnet in seinem Geschäft besonders viele Taschen oder Uhren eines bestimmten Modells verkauft werden, während in den anderen Geschäften dies nicht der Fall sei. Auch wenn der Geschäftsführer gute Gründe anführt, warum er zum Beispiel in den Monaten Mai bis Juli besonders viele Schulranzen verkauft hat, sein Geschäft nämlich in unmittelbarer Nähe von 3 Schulen gelegen sei, so nützt ihm das am Ende wenig. Der Abzug wird ab einer gewissen Größe (100 Prozent über dem Bundesdurchschnitt) unerbittlich vorgenommen und das Ganze rückwirkend auf 2 Jahre Monat für Monat hochgerechnet, obwohl die Schulranzenverkäufe doch nur in den Sommermonaten in nennenswerter Weise stattfanden. Ein Abzug also auch in den Monaten erfolgt, in denen gar keine Schulranzenverkäufe stattfinden. Und selbstverständlich kann der Ladenbetreiber die verkauften Schulranzen nicht zurückfordern vom Kunden.
Verkauft ist verkauft !

So vergeht die Zeit.
Und Jahr für Jahr mit schöner Regelmäßigkeit zeigt sich, daß der zur Verfügung stehende finanzielle Rahmen nicht ausreicht. Mehr Taschen und mehr Uhren verkauft worden sind, als es das Budget hergegeben hätte. Der Staat muss Jahr für Jahr ein bestimmtes Defizit ausgleichen.

Irgendwann zieht die Politik die Reissleine.
Und beschliesst, das von nun an jeder Bürger zu seiner neuen Tasche oder neuen Uhr einen bestimmten Teil des Preises, den sogenannten Eigenanteil, selbst zahlen muss. Von staatlicher Seite gibt von nun an nur noch ein nicht abänderbares Budget. Alles was darüber hinaus geht, muss von nun an der Kunde selbst zahlen. Und sollte das Geld am Ende des Jahres noch nicht reichen, werden die fehlenden Gelder auf alle Ladenbesitzer umgelegt und der jeweilige Fehlbetrag wird vom Staat eingezogen.

Um den Patienten die Eigenbeteiligung schmackhaft zu machen, nimmt man im Gegenzug weitere Alltagsgegenstände in die Kostenerstattung mit auf. So werden nun Sonnenbrillen, Halstücher, Gürtel und Portemonnaies bezahlt. Das Budget wird diesbezüglich um 100 Millionen erhöht. Das sollte reichen. Hofft man. Dabei ist offensichtlich, dass die Nachfrage den Kostenrahmen deutlich überschreiten wird, wenn alle Patienten, wovon auszugehen ist, auf ihrer kostenlosen Sonnenbrille, dem kostenlosen Schal bestehen.

Die Erhöhung des Budgets ist aber erneut mit Forderungen von Seiten des Staates verbunden. Die Ladenbesitzer werden verpflichtet, eine Garantie von 2 Jahren abzugeben. Sollte die Tasche oder die Uhr in dieser Zeit einen Mangel aufweisen, muss diese von nun an kostenlos vom Geschäft, in der der Kauf stattfand, repariert oder gar umgetauscht werden. Bislang durfte eine Reparatur ab 6 Monaten nach dem Kauf dem Kunden in Rechnung gestellt werden. Von nun an muss der Verkäufer selbst bei mutwilliger Zerstörung die Taschen und Uhren anstandslos und kostenfrei ersetzen.

Weiterhin muss jeder Patient vom Ladenbetreiber persönlich darüber aufgeklärt werden, dass es im Geschäft kostenlose Taschen ohne Zuzahlung gibt.
Wünscht der Patient eine hochwertigere oder eine schönere Tasche, muss der Ladenbetreiber sich dies vom Patient auf mehreren Dokumenten in mehrfacher Kopie schriftlich bestätigen lassen. Mit Unterschrift. Tut er es nicht, darf der Patient die höherwertige Tasche behalten und muss nichts bezahlen. Darauf weisst die UTB die Patienten in Infoblättern und Fernsehberichten immer wieder ausdrücklich hin. Ein Schelm, wer Böses denkt.

Auch die Ladenbetreiber bekommen ein Budget.
Von nun bekommen sie immer nur soviel Geld ausbezahlt, wie sie im Jahr zuvor eingenommen haben. Verkaufen sie im laufenden Jahr mehr Taschen/Uhren als im Jahr zuvor, bekommen sie für die mehr verkauften Waren kein Geld vom Staat.

Die Ladenbesitzer protestieren erneut.
Was ist, wenn ein Fabrikationsfehler sich erst nach Ablauf der 6 Monate Herstellergarantie bemerkbar macht, oder der Kunde die Ware schlecht behandelt ? Für beides kann der Verkäufer nichts, soll aber dafür aus eigener Tasche zahlen ???
Was ist, wenn durch Zuzug von Neubürgern, die alle weder Tasche noch Uhr haben, eine enorme Nachfrage besteht?

Der Gesetzgeber bleibt hart.
Egal aus welchem Grund, die Ware muss immer kostenlos repariert oder gar alt gegen neu umgetauscht werden.
Und der Ladenbetreiber muss jedem Kunden die ihm zustehende Tasche/Uhr zukommen lassen, selbst wenn er weiss, das er wegen des bereits überschrittenen Budgets kein Geld vom Staat dafür bekommt, er also dem Kunden Uhr und Tasche aus dem eigenen Geldbeutel finanziert.

Und noch eine merkwürdige Regelung wird eingeführt.
Sollten zu viele Taschen verkauft worden sein, müssen zukünftig auch die Uhrmachergeschäfte den Fehlbetrag aus eigener Tasche zahlen. Er wird auf alle Uhrmachergeschäfte verteilt.
Sogar auch auf die Uhrmachergeschäfte, in deren Stadt sich gar kein Taschengeschäft befindet. Umgekehrt gilt das natürlich genauso. Es wurden zu viele Uhren verkauft ? Dann gibt es zum Ausgleich Geld von den Taschengeschäften.

Von der Einführung des Eigenanteils profitiert der Staat enorm.
Es sind von nun an ja die Patienten und die Geschäftsleute, welche Kostensteigerungen nun aus eigener Tasche zahlen müssen.

Das führt zu interessanten Phänomenen.
Plötzlich stellt sich heraus, es gibt eine Reihe von Patienten, die nicht bereit sind, für Taschen oder Uhren ihr eigenes Geld auszugeben.
Sie tragen nun erst einmal ihre vorhandenen Taschen auf.

Und wenn sie eine neue Tasche oder Uhr benötigen, dann wählen sie nun ein Modell, dass ohne Zuzahlung erhältlich ist.

Schnell haben die grossen Hersteller sich auf die Situation eingestellt.
Einige lassen im Ausland produzieren, um so mit weniger Kosten und damit mehr Gewinn ihr Produkt zum festgelegten Verkaufspreis veräußern zu können. Diese Taschen oder Uhren entsprechen nicht dem neuestem Stand der Technik und hübsch sind diese auch nicht. Sie werden auch nicht mehr handgefertigt, sondern sind maschinengefertigte Massenprodukte. Rein äusserlich, wenn man nicht allzu genau hinschaut, ähneln sie vielleicht noch den bekannten Qualitätsprodukten aus Deutschland, sind aber meist nur schlechte Kopien.

Aber das ist nun vielen Kunden egal.
Hauptsache, die Tasche ist umsonst. Es spielt auch keine Rolle, wenn die Uhr nach 2 Jahren ihren Dienst einstellt. Dann gibt es eben beim Händler eine kostenlose neue.

Der Staat fördert die großen Hersteller, die im Ausland produzieren.
Die UTB weist sogar alle ihre Kunden darauf hin, Taschen und Uhren dieser Hersteller zu kaufen. Sie sollten den Händler ihres Vertrauens auch gezielt auf solche Produkte ansprechen. Biete der Händler diese Taschen nicht an, solle der Kunde den Händler wechseln, die UTB könne ihm einen anderen Händler nennen, der mit der UTB zusammenarbeite.

Für die kleinen Manufakturen im Inland brechen schwere Zeiten an.
Sie können nicht zu solch günstigen Preisen produzieren wie die großen Hersteller.
Sie arbeiten mit teuren Materialien in Handarbeit und der Lohn für die gut ausgebildeten Mitarbeiter ist ein enormer Kostenfaktor. Überhaupt steigen die Ausgaben von Jahr zu Jahr, ebenso wie die Steuern. Alles ist kompliziert geworden. Weder Taschen noch Uhren dürfen noch frei verkauft werden. Erst müssen diverse Anträge gestellt werden, viele Regeln müssen befolgt, viele Voraussetzungen erfüllt sein. Jeder Laden braucht speziell ausgebildete Mitarbeiter, die nichts anders machen, als nur die Anträge der Kunden auf Uhren und Taschen den Regeln gemäß auszufüllen.
Die Regeln ändern sich dauernd.
Was gestern noch richtig war, ist heute schon falsch.
Macht der antragsstellende Mitarbeiter einen Fehler, gewährt die UTB dem Kunden keinen finanziellen Zuschuss. Die Tasche darf nicht verkauft werden. Hat man es versehentlich doch getan, sie ahnen es, darf der Kunde die Tasche behalten.
Der Taschenverkäufer bekommt kein Geld. 

Dann wäre da noch das immer kompliziertere Regelwerk an Dokumentationen, dass die UTB den Ladenbetreibern auferlegt. Mittlerweile wird ein nicht unbedeutender Teil der Arbeitszeit nicht mehr mit der Produktion von Taschen und Uhren, vielmehr mit der Dokumentation der Produktionsschritte verbracht. So muss genau niedergeschrieben werden, welche Materialien aus welcher Herkunft von welchem Mitarbeiter in welcher Art und Weise verarbeitet werden.

Für jede einzelne Tasche muss dies dokumentiert werden, so dass auch noch nach Jahren dies jederzeit überprüft werden kann.
Dies diene der Qualitätssicherung, sagt die UTB.
20 Jahre lang müssen diese Dokumente aufbewahrt werden. Von Zeit zu Zeit verlangen Mitarbeiter der UTB-Behörde, das Ihnen diese Dokumente zur Prüfung vorgelegt werden. Oder sie kommen unangemeldet im Geschäft vorbei, um sich vor Ort ein Bild vom Status Quo zu machen. Selbst kleinste Kleinigkeiten spielen eine Rolle, auch wenn diese mit der Produktion der Waren gar nichts zu tun haben. Der Gedanke an Willkür kommt auf, wenn man erfährt, das Dinge, die im Laden um die Ecke als positiv gelobt wurden, im eigenen Laden als nicht akzeptabel gebrandmarkt werden und die Behörde mit der Schliessung des Ladens droht, sollte nicht schnellstmöglich Abhilfe geschaffen werden. Dauernd müssen teure Maschinen angeschafft werden, da diese ihre Arbeit computergestützt dokumentieren. Das können die alten Maschinen, die teilweise seit mehreren Jahrzehnten einwandfrei ihre Arbeit verrichten, nicht gewährleisten. Sie müssen daher verschrottet werden, obwohl noch voll funktionsfähig und die damit gefertigten Handtaschen wesentlich präziser und haltbarer gefertigt werden als die Taschen, die mit Hilfe der neuen Maschinen produziert werden.

Dafür sind die neuen Maschinen häufig defekt.
Oder können nicht verwendet werden, weil der eingebaute Computer wieder einmal seinen Dienst eingestellt hat.
Dann muss ein teurer zertifizierter Techniker gerufen werden.
Die alten Maschinen konnte man noch selbst reparieren.
Musste man aber nie.
Die liefen und liefen.

Die neuen Maschinen stehen oft.
Obwohl sie jährlich vom Kundendienst teuer gewartet  und vom TÜV teuer überprüft werden. Man muss zusätzlich Ersatzmaschinen kaufen und vorhalten, damit man in der Zeit, in der die eine Maschine kaputt ist, weiterarbeiten kann. Auch die Ersatzmaschinen müssen natürlich für teures Geld gewartet und TÜV überprüft werden, selbst wenn diese nur selten zum Einsatz kommen.

Die Taschen- und Uhren-Läden werden mit der Zeit immer weniger. 
Dafür gibt es verschiedene Gründe.

Einige Läden gehen pleite.
Die Kosten sind zu hoch, die Einnahmen zu gering. Seit der Einführung des Taschen- und Uhren Gesetzes sind mittlerweile fast 50 Jahre vergangen. Die Welt hat sich verändert, die Preise für alles Mögliche sind enorm gestiegen in der Zeit.  Nur der Verkaufspreis für Taschen und Uhren ist über die Jahre fast gleich geblieben.

Er beträgt nun 55 Euro für Taschen, 110 Euro für Uhren. 
Obwohl heute wesentlich mehr Taschen und Uhren verkauft werden als früher
und Sonnenbrillen.
und Geldbörsen,
verdienen die Ladenbetreiber immer weniger.

Sicher, es gab Proteste seitens der kleinen Ladenbetreiber.
Gestiegene Kosten und so. Benzin kostete zur Einführung des Taschen- und Uhren-Gesetzes 38 Cent, jetzt 1 Euro 90.

Aber es reicht eigentlich immer eine Meldung in der Zeitung oder im Fernsehen, in der porschefahrende Ladenbetreiber erwähnt werden, die unverschämterweise nach mehr Geld rufen, obwohl diese doch so unglaublich reich sind, um den Protest verstummen zu lassen. Dabei fahren die Ladenbetreiber heute Toyota Kombi oder einen 26 Jahre alten VW Passat. Doch das Image aus den 1970er Jahren wirkt immer noch nach.

Kaum einer will daher heute noch einen solchen kleinen Taschen- oder Uhrenladen übernehmen.

Die alten Ladenbesitzer haben viel gearbeitet.
55 – 60 Stunden pro Woche sind die Regel. Nicht die Ausnahme.

Die Jungen wollen das nicht.
Höchstens noch in einem dieser funkelnden LED-beleuchteten Designer-Prestige-Läden in den großen Städten möchten sie  arbeiten. In dem nur die schönsten und teuersten Uhren und Handtaschen verkauft werden.  Auf Provisionsbasis. An 3,5 Tagen die Woche. Bedient werden nur wohlsituierte Kunden, denen der geringe Zuschuss der UTB ohnehin egal ist. Anträge müssen daher gar nicht ausgefüllt werden. Und einfache Kunden verirren sich nicht in diese Nobelstätten. Weil sie wissen, dass sich sich die dort angebotenen hochpreisigen Sachen nicht leisten können. 

Diese Kunden, dies meisten mit wenig Geld, bleiben zurück für die kleinen Läden.
Diese Klientel könnten die Jungen auch gar nicht mehr bedienen. Sie wissen nicht, wie man solide, funktionale Dinge herstellt. Und sie können auch keine Tasche oder Uhr reparieren, weil sie es in ihrer Ausbildung nie gelernt haben. Nur wie man teure Taschen verkauft, die nicht repariert werden können.


An dieser Stelle breche ich ab, geneigter Leser.
Es gäbe noch viele andere Fallstricke und Komplikationen aufzuzählen, aber schon jetzt ist es surreal genug. Trotzdem trifft alles im Gleichnis Aufgezählte auf die Zahnmedizin zu.

Seit der Einführung des Taschen- und Uhren-Gesetzes – ähhh der Einführung der Kassenzahnmedizin – sind mittlerweile mehr als 45 Jahre vergangen. 1977 war das.

Die Preise im medizinischen Bereich sind seitdem festgelegt und spiegeln weder den Markt, noch die Aufwendungen für die Materialien und Herstellung wieder. Orientieren sich nämlich ausschliesslich an einer Summe X, die von Staats wegen zum historischen Zeitpunkt X als Gesamtbudget für die Nation bestimmt wurde. Schon damals war festzustellen, das die Ermittlung dieses Betrages eher aus einer arbiträren Abschätzung im Sinne eines „Müsste hinkommen“ als vielmehr, wie man naiverweise guten Glaubens annehmen würde, einer profunden situationsorientierten Analyse entstanden ist.

Führt uns zur entscheidenden Frage: Was tun, als junge Kollegin, als junger Kollege ?

Die Antwort ist einfach und liegt nach dem, was ich über die Denk- und Funktionsweisen innerhalb der Taschen- und Uhren-Gesundheits-Maschinerie berichtet habe, auf der Hand.

Sie lautet, kurz und knapp: Sich gar nicht erst auf das mittlerweile vollkommen marode System einlassen.

Sondern selbstbewusst und voller Vertrauen in das eigene Tun den eigenen Weg gehen. Den eigenen Weg gehen, heisst im Übrigen nicht zwingend, sich ausserhalb des Systems zu stellen. Vielmehr sich vom System nicht vereinnahmen zu lassen. Stattdessen zu sagen: „Bis hierher und nicht weiter !“

Wer dies tut, wird eine Freiheit erleben, die leider den KollegInnen der letzten 30 Jahre, also meiner Generation von Staats wegen vorenthalten wurde.

Wir hatten keine Wahl.
Heute gibt es eine.
Das ist ein großer Fortschritt.

Die Demographie arbeitet für Euch.
Nutzt eure Chancen.
Von Anfang an.

Und natürlich darf dieser Satz an dieser Stelle nicht fehlen: Die Spezialisierung (auf Endodontie) ermöglicht es, aus dem System auszusteigen, beziehungsweise diesem System gar nicht erst beitreten zu müssen.

Hallo aus Orlando.

😁

Heute erreichte mich das Recall dieses Falls :

Zweier oder…?

Patient und alle anderen Beteiligten sind happy.

Geschichten aus dem Endozän – Bin sofort wieder da

Es ist acht Uhr morgens.
Alles ist bereit.

Es fehlt – die Patientin.
Auf dem Anrufbeantworter teilt sie uns mit, sie verspätet sich.
Steht im Stau.


11 Minuten später betritt sie die Praxis.

Sofort wird sie ins Behandlungszimmer gesetzt.
Welches sie unmittelbar darauf wieder verlässt.

Eine Visitenkarte liegt auf der Hinterkopfzeile, als wir ins Zimmer kommen, um mit der Behandlung zu beginnen. „Bin sofort wieder da.“, ist da geschrieben. Sie habe ihr Handy vergessen, rief sie der Dame in der Anmeldung zu. Müsse zum Auto, um es zu holen. Schon ist sie weg. So schnell, dass man nichts erwidern kann.

8 Uhr 18 ist es, als sie wieder die Praxis betritt.

Ein Drittel der Zeit, die für die initiale endodontische Behandlung eines teleskopierenden Zahnes 48 mit extrem gekrümmten Wurzeln vereinbart war, ist nun schon weg.

Geschichten aus dem Endozän – EDTA – gibt´s nicht mehr …

Hilfe.

Unser EDTA ist alle.
Der Grund?

Unsere Apotheke, die seit über 30 Jahren dies uns bereitstellt, kann nicht liefern.
Es fehlt NaOH2.

Das zur Einstellung des PH – Wertes notwendig ist.
Dafür in medizinischer Qualität benötigt wird.

Und genau das gibt es nun schon seit ein paar Wochen nicht.
Und somit auch kein EDTA.

Wenn es nicht so traurig wäre, könnte man drüber lachen.
Wir sind heuer, im Jahre 2023 nicht einmal mehr in der Lage, in Deutschland den Bedarf an medizinischem NaOH2 sicherzustellen. Natronlauge!!!! Ein banales Industrieprodukt. Für dessen Herstellung es keiner „rocket sience“ bedarf.

Eine schnelle Internet-Recherche ergab, dass es sich hierbei um keineswegs um ein neues, plötzlich und unvermittelt über uns hereingebrochenes Problem handelt.

Auf der Homepage von Steiner Chemie habe ich eine Info zum Thema von 2017 gefunden.
Da heisst es:

Natronlauge ist nach wie vor knapp und das wird wohl auch zunächst so bleiben. Während die Situation in Deutschland und Mitteleuropa schon als durchaus angespannt bezeichnet werden kann, können südeuropäische Länder über eine noch weiter verschärfte Lage klagen, denn hier besteht eine noch geringere Natronlauge-Verfügbarkeit bei noch stärker steigenden Preisen. Die Situation ist vor allen Dingen deshalb so prekär, weil sie bereits jetzt vor der Abstellung der Amalgam-Anlagen zum Ende des Jahres vorherrscht. Die Preise für Q4 (Kontrakt – kein Spot) werden wohl steigen und sich dann nach bereits erfolgten Erhöhungen in Q1, Q2 und Q3 auf einem hohen Level einpendeln; die weiteren Ausführungen lassen für Q1 einen weiteren Anstieg in 2018 erahnen. Leider ist weder kurz- noch mittelfristig eine Besserung der Verfügbarkeit von Natronlauge in Sicht, da in den nächsten zwei bis drei Jahren keine nennenswerten neuen Kapazitäten zu erwarten sind.

Interessant ist, was als Grund für die Verknappung angeführt wird.
Zur Herstellung für mit Hilfe des sogenannten Amalgam-Verfahrens gewonnener Natronlauge wurde Quecksilber benötigt. Die Amalgam-Anlagen mussten stillgelegt werden, zur Produktion dürfen seit 2018 nur noch quecksilberfreie Membran-Verfahren eingesetzt werden.

2017 hoffte man den Ausfall der Produktionsanlagen ausgleichen zu können:

Auch wenn netto rund 800.000 – 900.000 DMT NaOH (1.600.000 – 1.800.000 to NaOH 50%) an Kapazität durch Stilllegungen wegfallen, sollten die verbleibenden Anlagen den Bedarf decken können. Dabei wird die allgemeine Auslastung steigen und einen Grad von über 90% erreichen. In der Vergangenheit lag diese eher bei 70% bis 80%. Der Markt wird anfälliger für Schwankungen in der Verfügbarkeit. Bei Ausfall eines Anbieters haben die anderen wahrscheinlich nur noch eine sehr begrenzte Möglichkeit die Anlagen weiter hochzufahren und auszugleichen – wobei man die Anlagen immer nur soweit hochfahren wird, wie man das Chlor (und eben nicht die Natronlauge) auch benötigt und verarbeiten kann.

Man sieht, die Kapazitäten sind zeitweilig am Limit.
Für die Firmen jedoch eine Win- Situation: Bestmögliche Auslastung und höhere Preise.
Der Traum eines jeden Unternehmers.

Was soll´s, höre ich pragmatische Stimmen sagen. „Alles wird teurer!“ Das ist korrekt und solange geliefert werden kann, könnte man ja damit noch zur Not leben.

Problematisch wird es allerdings, wenn nicht geliefert werden kann.
Das ist nun der Fall.

Auch hier gibt die Homepage Hinweise:
Viele Natronlauge-Anlagen haben zur gleichen Zeit Stillstände und Reparaturen, warum ist das so?

Hauptsächlich hängen Stillstände (in Herbst und Frühling) mit den folgenden Gegebenheiten zusammen:
Im Winter ist es zu kalt, so dass die Anlagen und Leitungen einfrieren (Kristallisation der Lauge bei rund 12°C und bereits eine kaum mehr zu meisternde Herausforderungen für die Pumpen durch eine sehr hohe Viskosität bereits ab 20°C).
Im Sommer ist das meiste Personal im Urlaub. So bleiben am Ende nur noch das Frühjahr und der Herbst. Hinzu kommt, dass die Stillstände bei einer Amalgam-Anlage um ein vielfaches kürzer sind bzw. waren als die von Membran-Anlagen.
In Frankfurt waren das früher rund 2 Tage, heute jeweils rund zwei Wochen. Rechnet man das auf alle Anlagen in Europa hoch, sieht man, dass alleine dadurch einige Tonnen wegfallen, auch wenn die Nennkapazitäten auf den ersten Blick gleich oder zumindest annähern gleich sind.

Und was lernen wir aus all dem ?
Die Antwort folgt nächste Woche.

Unter der Überschrift: Das System ist kaputt. Zieht die richtigen Schlüsse draus…



Zahn 26 – Recall nach 2 Jahren und jetzt URLAUB :-)

So!

Gerade ist er „raus“…

unser letzter Patient vor dem Sommerurlaub.

Ein ausgesprochen netter 22-jähriger Münchner Polizist.

Erstmalig haben wir ihn im März 2021 gesehen. Sein alio loco behandelter Zahn 26 machte ihm Beschwerden.

Das alio loco angefertigte Röntgenbild lässt vermuten, warum…

;-)

Prä-OP

Die Revision in zwei Termin verlief ohne grosse Besonderheiten.

Post-OP

Ende Dezember 2021 stellte er sich dann zum ersten Recall wieder vor…

6 Monate post-op

und eben heute, als letzter Patient des Sommers…

2 Jahre post-op

jetzt kann der Urlaub kommen…

Prä-OP vs 2 Jahre post-op

SO macht Recall Spaß

und jetzt grillen wir zur Feier des Tages gleich auf unserer Praxisterrasse

:-)))

Geschichten aus dem Endozän – Der erste Tag nach dem Sommerurlaub

Der erste Tag nach dem Sommerurlaub ist – man wird mir zustimmen – ein sehr harter.


Das Telefon klingelt unentwegt.
Es stehen unangemeldet Patienten in der Tür.
Ein grosser Stapel Post liegt auf dem Schreibtisch.

Schwer genug, nach 3 Wochen der Ruhe und Entspannung nun von 0 auf 100 wieder in den Alltagsstress hineinzufinden. Was aber auf gar keinen Fall sein sollte.
Und dennoch heute geschehen ist.

Ich betrete die Praxis und das erste, was ich von meiner Mitarbeiterin höre, als ich mich beim Öffnen der Praxistür mit einem „Guten Morgen“ankündige: „Am Behandlungsstuhl in Zimmer 1 geht kein Wasser.“

Und schon ist die Erholung weg.
Und der Stress ist da.

Rücksprache mit dem Techniker. Den ich Gott sei Dank sofort erreiche.
Die Speischalenspülung geht.
Ansonsten kein Wasser. Weder an den Winkelstücken. Noch an den Multifunktionsspritzen.

3 Minuten Fehlersuche.
Dann steht fest.
Ich kann nichts tun.
Übermorgen kann uns geholfen werden.

Bis dahin heisst es, zu improvisieren und mit einem Zimmer auszukommen.

„Merde!“ würde meine Berliner Kollege, zur Zeit in Frankreich, antworten.

Recht hat er.

Ich bin dann mal weg!

Cidre anstatt Hypochlorit! Keine schlechte Alternative, wie ich finde. ;)

Kenavo!

Obliteraton Zahn 13 (II)

Heute also noch der Abschluss dieser Behandlung:

Die Patientin gab an, dass sie nach dem letzten Termin sehr schnell schmerzfrei geworden war…

die Wurzelkanalfüllung erfolgte mit Guttapercha und BC Sealer high flow; der apikale Aufbereitungsdurchmesser beträgt 40.06.

Merke: Häufig stellt sich die Situation klinisch deutlich „besser“ da, als es vorab radiologisch den Anschein hat…

:-)

Urlaub !

Wohl noch nie habe ich den Urlaub so sehr herbei gesehnt, wie dieses Jahr.
Ich brauche dringend diese Auszeit. Vielleicht liegt es am zunehmenden Lebensalter.

In diesem Jahr war es, wie vor Corona. Jede Woche akute Schmerzfälle, die eine kurzfristige Ausdehnung der Behandlungszeiten erforderten, bzw. Umbestellen schmerzfreier Patienten um notwendige Schmerzbehandlungszeiten zu schaffen.
Es sind Fälle um die sich niemand schlägt und einiges an Behandlungszeit, bzw. Diagnostik bedürfen. Hier Schmerzfälle der letzten 14 Tage.


Zusätzlich kommt die Umstellung der Praxis auf komplett digitale Prozesse hinzu. (Dies läuft noch – besonders zu erwähnen ist, die fehlende Ergonomie in der Software.

Im Hygienebereich haben wir gerade gerade für zwei Siegelnahtfestigkeitstests 235,62 Euro bezahlt…
Das entspricht der Gebühr für eine Wurzelkanalaufbereitung eines Zahnes mit Kanälen im 3,5 fach Satz. Dazu wurde uns gesagt, daß ist ein Sonderpreis…
Verhähltnissmäßigkeit hat offensichtlich auch eine Inflation.

Der schönste Dank sind Patienten, die unsere Arbeit und Engagement würdigen.
Das bereitet im Praxisalltag Freude und lässt einen viele Dinge verdrängen…
Also dann bis September in hoffentlich alter Frische.

Ich bin dann mal weg…


In New York


Im Ohr ein ständiges Rauschen.
Wie das eines Wasserfalls.

Welches nicht von den Wassermassen des Ground Zeros kommt, auf das wir, mitten im Financial District beheimatet, von unserem Hotelzimmer aus schauen.
Sondern von den Klimaanlagen der Stadt.

Es ist Samstag abend.
Das ganze Wochenende sind alle Wolkenkratzer des Bankenviertels hell erleuchtet. Und auf 18 Grad heruntergekühlt.

Obwohl menschenleer.
Vollkommen menschenleer.

Und wir in Deutschland meinen, mit Tempo 120 auf Autobahnen lässt sich die Welt retten…

Externe Resorption & Pulpotomie, Recall

Entgegen einer weit verbreiteten Ansicht bedarf es bei einer Eröffnung der Pulpa im Rahmen einer Resorptionsbehandlung nicht zwingend einer vollständigen Wurzelkanalbehandlung.

Die Pulpotomie ist für mich in solchen Fällen immer die erste Wahl. Bei diesem 37 traten in der Vergangenheit immer einmal diffuse Beschwerden auf, die dann, nach Anfertigung eines Einzelbildes, auf die mesial gelegene externe invasive zervikale Resorption zurückgeführt werden konnten.

Das DVT ließ erkennen, dass der Portal of Entry von okklusal erreicht werden könnte, sodass die mesiale Schmelzwand erhalten werden konnte. Nach Reduktion der Kronenpulpa und Abdeckung der Pulpawunde mit MTA, wurde der Defekt dentinadhäsiv versorgt.

7 Monate nach Abschluss der Behandlung zeigt sich der Zahn frei von Beschwerden und zeigt gesunde periapikale Verhältnisse.

„Sargnagel“ Karla – Reparative endodontische Behandlung – 2-Jahres-Recall

Erinnern Sie sich noch an den Fall der jungen Karla?

Anfang der Woche war das Mädchen erneut zum Recall bei uns…

es scheint, als würden sich die Dinge weiter in die richtige Richtung entwickeln…

in einem Jahr werde ich weiter berichten…

Saving hopeless tooth – Hoffnungsloser Fall? (Recall)

Zum ersten Recallltermin erschien die Patientin vollkommen schmerzfrei. Den Fall vorgestellt haben wir an dieser Stelle.
Der Zahn 42 wurde im selben Zeitraum behandelt als Z.n. röntgenlogischem Zufallsbefund.

Zusammen mit Ihrem HZA wird die angeratene Pfeilervermehrung umgesetzt.

Hier die Aufnahmen des 6 Monatsrecalls.


Es ist eine gute Nachricht. Aber eigentlich eine schlechte. Eine sehr schlechte…

Zunächst die gute Nachricht.
Die Revision einer Wurzelkanalfüllung darf nun dem Patienten in Rechnung gestellt werden.

Was nur logisch ist.
Warum sollte der Vorgang der Entfernung einer Zahnpulpa berechnungsfähig sein, das wesentlich schwierigere und wesentlich zeitaufwändigere Entfernen von Wurzelfüllmaterial aus dem Wurzelkanal hingegen nicht???

Ganz offensichtlich ein Fehler bei der Erstellung der letzten GOZ.
Um zu diesem Schluss zu kommen muss man kein Fachmann sein, sondern es bedarf lediglich der Nutzung des gesunden Menschenverstandes.

Ein Umstand, auf den ich bereits ab Februar 2012 in Seminaren hinwies.

Das ist nun 11,5 Jahre her.

Elfeinhalb Jahre.

Solange hat es gedauert, bis eine offizielle „Duldung“ der privaten Krankenversicherer und Beihilfestellen diesem Umstand endlich Rechnung trägt.

„Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, das Beratungsforum für Gebührenordnungsfragen hat seine neuesten zwischen dem PKV-Verband, den Beihilfeträgern und der BZAEK konsentierten Beschlüsse veröffentlicht. Die Umsetzung dieser Beschlüsse vermeidet in aller Regel Erstattungsprobleme. Die Beschlüsse lauten wie folgt:

Beschluss Nr. 62 Entfernung vorhandenen definitiven Wurzelkanalfüllmaterials im Rahmen der Revision einer Wurzelkanalbehandlung
Die Entfernung vorhandenen definitiven Wurzelkanalfüllmaterials im Rahmen der Revision einer Wurzelkanalbehandlung stellt eine selbstständige zahnärztliche Leistung dar, die in der GOZ nicht beschrieben und daher gemäß § 6 Abs. 1 GOZ analog zu berechnen ist. Aus grundsätzlichen Erwägungen empfiehlt die BZÄK keine konkrete Analoggebühr. Der PKV-Verband und die Träger der Beihilfe halten als Analoggebühr die Geb.-Nr. 2300a GOZ für angemessen. Die Leistung ist einmal je Kanal und je Revisionsfall berechnungsfähig.


Ende gut, alles gut ?

Mal abgesehen davon, dass ich von einer Standesvertretung erwarte, Dinge, die ganz offensichtlich falsch sind, zeitnah anzugehen, so stört mich ungemein, dass in den Stellungnahmen die Bundeszahnärztekammer von sich gibt: „Aus grundsätzlichen Erwägungen empfiehlt die BZÄK keine konkrete Analoggebühr.“ Dagegen ist zwar GRUNDSÄTZLICH nichts dagegen einzuwenden, wenn man GRUNDSÄTZLICH keine KONKRETE Analogposition empfiehlt, um die individuelle Freiheit des Behandlers nicht Blalblabla Blablablablabla.

Bedeutet aber de facto, dass PKV und Beihlifestellen ihre benannte Analogposition verwenden werden. Ohne Ausnahme. So wie sie es schon seit jeher tun. Ist also nichts Neues. Wo man überrascht sein könnte drüber…

So siehts aus.
In der realen Welt.
Ausserhalb von Barbie-Land.

Ein Armutszeugnis.
Für die BZÄK.

Was es gebraucht hätte.
Was wir wirklich brauchen.

Klare Aussagen.
Das Revidieren einer Wurzelkanalfüllung pro Kanal dauert zwischen X -Y Minuten.
Damit verbunden ist eine Euro-Summe von X/60 * Praxisstundenpflichthonorar. Oder Y/60 * Praxisstundenpflichthonorar.

Kommen wir hin mit dem Gebührenvorschlag der PKV ?
Gut.

Kommen wir nicht hin ?
Dann machen wir einen konkreten Gegenvorschlag. Der den Belangen unseres Standes Rechnung trägt. Und nicht denen der Krankenkassen.

Was wir wirklich brauchen in der Standespolitik?
Wenn diese eine solche sein möchte.
Und nicht Erfüllungsgehilfe und Steigbügelhalter der Krankenkassen.

Auf den Punkt gebracht, in seiner ihm ganz eigenen, in der Ausführung oft diskussionswürdigen, aber immer authentischen Art hat es Oli Kahn.

„Eier.
Wir brauchen Eier!“

Kuriose Fraktur

Das DVT ist eine fast mittlerweile unverzichtbare Hilfe bei der Behandlungsplanung geworden.

Auch, wenn es darum geht, die Erhaltungsfähigkeit als nicht gegeben einzuschätzen.

Interessant, dass das zur Erstberatung mitgeschickte Einzelbild einen ungewöhnlichen Guttaperchaverlauf erkennen ließ, den ich persönlich jedoch nicht mit einem Frakturgeschehen in Verbindung gebracht hätte.

Aber versuchen Sie es selbst:

E

Fragment 46 – Rekordhalter UK Molar (II)

Heute möchte ich noch den Abschluss dieses Falles nachreichen.

Im zweiten Termin benötigten wir circa 60 Minuten und konnten abschliessend das Langzeitprovisorium wieder eingliedern…

Ich bin guter Dinge, dass die apikale Parodontitis nun ausheilen kann…

:-)

Apikale Aufhellung Zahn 11 – Josua (I)

Anfang der Woche stellte sich der 14-jährige Josua in Begleitung seines Vaters erstmals bei uns vor.

Der Junge hatte die Woche davor eine Schwellung mit anschliessender Fistelbildung Regio 11/12 entwickelt.

Das in der Vorwoche im Notdienst angefertigte Röntgenbild stellte die Situation wie folgt dar:

Eine weitere Therapie wurde nicht eingeleitet.

Anschliessend wurde der junge Patient bei seinem Hauszahnarzt vorstellig.

Hier wurde mit einer endodontischen Therapie begonnen.

Nachdem es nicht gelang, dass Kanalsystem zu erschliessen und die Prognose aufgrund dieser Tatsache in Kombination mit der ausgeprägten Osteolyse als sehr schlecht angesehen wurde erfolgte die Überweisung zum Oralchirurgen zur Entfernung des Zahnes…

Zustand nach Trepanationsversuch alio loco – Röntgenaufnahme durch Hauszahnarzt

über Umwege gelangten Patient und Vater schliesslich zu uns…

so stellte sich die Situation radiologisch bei uns dar…

Zustand nach Trepanationsversuch Zahn 11 alio loco; Verdacht auch mögliche Perforation, Verdacht auf mögliche Beteiligung des Zahnes 12

Klinisch imponierte eine Fistel Regio 11/12; Der Sensibilitätstest an Zahn 12 war positiv; weitere pathologische Befunde lagen nicht vor.

Anamnestisch ergab sich keine bekannte Historie eines vormaligen Frontzahntraumas.

Allerdings gab Josua an, sich bereits im Januar 2022 mit moderaten Beschwerden in dieser Region bei seinem Zahnarzt vorgestellt zu haben.

Nachfolgend das damals angefertigte Röntgenbild (das wir auf Nachfrage im Nachgang erhielten)…

welche Gedanken gehen Ihnen bei der Betrachtung der Bilder durch den Kopf?

Welche Therapie empfehlen Sie Josua und seinem Vater?

Das Bild des Tages

Ein analoges Röntgenbild zu digitalisieren ist früher eine Kunst gewesen. Erst mit der Sanyo E6 gelang dies reproduzierbar. Diese Kammer (von Michael Logies empfohlen) hat uns bis heute begleitet. Nun werden die unzähligen Exemplare in unserer Praxis immer weniger.

Für eine uns überwiesene Jugendliche nach Frontzahntrauma baten wir die Mutter vorab um die Röntgenbildzusendung. Kein Problem hieß es und kurze Zeit später hatten wir dieses aussagekräftige Handybild.
Tolles Ergebnis für die erste Umwandlung von Analog zu Digital.

Fremde Länder, andere Zahnpasten

In New York gefunden. Eine Zahnpasta mit Botschaft. Hippokrates, Gott, das Raumschiff Erde, guter Kapitalismus, gesunde Ernährung, ein Rabbi, Meinungsfreiheit. Alles abgedeckt. Ich habe Anis gewählt.

Externe Resorption & Pulpotomie

4 Jahre nach Abschluss der Behandlung werte ich das nachfolgende Ergebnis als ersten Zwischenerfolg.

Der über 70-jährige Patient stellte sich erstmals ca. 4 Jahre nach einem Frontzahntrauma in meiner Praxis vor. Zahn 31 zeigte alle Anzeichen einer externen investiven zervikalen Resorption.

Das präoperative DVT zeigte, dass eine erfolgreiche Behandlung im Bereich des Möglichen lag.

Klinisch war die Erreichbarkeit des Arbeitsfeldes gegeben, da sich der lingual an Zahn 31 gelegene Defekt im Spiegel gut darstellen ließ und die Schnittführung durch die 25 Grad abgewinkelten Microblades ermöglicht wurde.

Die Eröffnung der Pulpa war vorprogrammiert, jedoch entschied ich mich gegen die Pulpektomie und plante von vornherein eine Pulpotomie.

Dieses Vorgehen habe ich mittlerweile in Resorptionsfällen für mich zum Standard erhoben, wenn eine Pulpanekrose sicher ausgeschlossen werden kann.

Die Pulpa wurde hier mit einem CaOH2-Präparat abgedeckt und der größte Teil des Resorptionsdefektes mit Geristore aufgefüllt. Lediglich die Deckschicht erfolgte mit einem Flowable. Einziger Kritikpunkt: Das Einreißen des Lappens beim Abpräparieren der sehr dünnen Gingiva. Nach Nahtverschluss lässt sich dieses Missgeschick klinisch jedoch im Recall nicht mehr erkennen.

Doppelte Überraschung

An uns überwiesene Patienten können und/oder wollen zum Teil nicht einsehen und/oder verstehen, warum sie in der Regel nicht direkt zu einer Behandlung kommen können, sondern vorab eine Untersuchung und Einschätzung durch uns notwendig ist…

Anfang dieser Woche hatten wir mal wieder ein gutes Beispiel dafür, warum man niemals von diesem Vorgehen abweichen sollte…

kurz zur Vorgeschichte…

der am Telefon vorab sehr fordernde 39-jährige Patient (Rechtsanwalt in einer sehr grossen Unternehmens/Steuerberatungsfirma) („ich will direkt zur Behandlung kommen; warum eine Voruntersuchung?, mein Arzt hat doch schon…, Dr. Kaaden muss doch „nur noch“…) stellte sich nach einer alio loco begonnenen endodontischen Therapie an Zahn 47 bei uns vor.

Laut seiner Aussage war es dem Hauszahnarzt nicht gelungen, die vorderen Wurzelkanäle zu bearbeiten („Mein Zahnarzt kommt da nicht rein“).

Dieser empfahl daher eine Vorstellung beim Endodontologen.

Die Empfehlung für unsere Praxis kam allerdings von einer Bekannten des Patienten, die selber Zahnärztin ist.

Schon bei der Betrachtung des Ausgangs-OPGs hegte ich gewisse Zweifel an der Erhaltungswürdigkeit dieses Zahnes…

OPG alio loco

ein Einzelzahnröntgenbild existierte nicht.

Klinisch imponierte der Zahn insbesondere durch ein recht liebloses Fermit oder Clip (?)-Provisorium.

Seit der Erstbehandlung war der Patient schmerzfrei.

Unsere daraufhin angefertigte Röntgenaufnahme zeigte folgendes Bild:

Diagnose-Röntgenbild nach alio loco begonnener Therapie mit Verdacht auf Instrumentenfragmente

Neben dem hohen Destruktionsgrad und der fraglichen Restaurierbarkeit wies ich den Patienten auf den tatsächlichen Grund der „Probleme im vorderen Zahnabschnitt“ durch den Behandler hin.

Da der Patient weiterhin einen „Zahnerhalt mit allen Mitteln“ wünschte fertigten wir ein DVT der Regio 47 an.

Bei der Betrachtung imponierte die zweite „Überraschung“ dieses Zahnes sehr schnell.

Auch dem Patienten leuchtete spätestens nun ein, dass an zahnerhaltende Maßnahmen nicht mehr zu denken war…

Gut, dass wir für den Patienten nicht, wie von ihm gewünscht und (fast) gefordert direkt einen 90-120 Minuten-Termin eingeräumt hatten…