Gedanken zum Jahreswechsel 2023/2024 (III)

Wir brauchen einen Plan B.
Wie soll er aussehen ?

Um diese Frage beantworten zu können, ist es notwendig, zu analysieren, wie unser gegenwärtiger Status Quo des betriebswirtschaftlichen Arbeitens in der zahnärztlichen (Einzel)praxis aussieht und wie es dazu kam.

Es wird also philosophisch.
Und wir steigen ganz weit oben und grundsätzlich ein:
Was unterscheidet den Menschen vom Tier?

Die Intelligenz?
Sicher nicht.

Seit Douglas Adams epocheweisendem literarischen Werk wissen ´wir, dass wir nur die drittintelligentesten Wesen auf der Erde sind.
Scherz beiseite.
Tintenfische, Delphine, Raben.
Hochintelligente Tiere.

So intelligent sogar, dass sie sich nicht grundlos gegenseitig umbringen.
Das nur zum Nachdenken zu Jahresbeginn, aber wir schweifen ab, zurück zum Thema.

Die Kommunikation?
Ist es auch nicht.
Man denke an den Gesang der Buckelwale oder den Schwänzeltanz der Honigbienen.

Auch die Ausbildung komplexer Sozialisations-Systeme ist nicht auf den Menschen beschränkt. Man denke an die Jagd nach Beute im Löwenrudel.

Aber im Gegensatz zum Löwen, der mit seiner Jagd auf die Antilope eine Wertschöpfung generiert, welche die Ernährung seiner selbst und im Nachgang seines Rudels sichert, ist der Mensch bestrebt, darüber hinaus einen Mehrwert für sich zu schaffen. Der Löwe jagt, um satt zu werden. Sind er und sein Rudel gesättigt, liegt er wieder faul im Schatten, während die lauernden Hyänen sich ungestört über die restliche Beute hermachen.

Kein Löwe käme auf die Idee, die verbleibenden Essenreste meistbietend an die umherstreunenden Fleischfresser der Gegend zu veräußern.

Hierin unterscheidet sich in der Tat die Gattung Homo sapiens grundlegend von der Tierwelt. Statt die Grundbedürfnisse des Lebens zu decken und danach dem süßen Nichtstun zu frönen, arbeiten wir weiter.
Und generieren Mehrwert.

Wie aber entsteht Mehrwert?
Zunächst bedarf es der Definition des Wertes einer jeden Arbeit.
Nicht zwingend notwendig aber auf jeden Fall hilfreich ist die Existenz eines einen jeweiligen Wertes repräsentierenden Speichermediums. Nichts anderes sind Währungen und Währungsequivalente (Gold, Diamanten). Sie erleichtern den Vergleich und damit den Austausch untereinander.

Um Mehrwert entstehen zu lassen, bedarf es zunächst der Anstrengung, über den Bedarf der Sättigung der elementaren Grundbedürfnisse hinaus zu arbeiten. Mehrwert zu generieren bedeutet also zunächst, mehr zu arbeiten.

Jetzt schlagen wir den Bogen zur Jetztzeit und zur Zahnmedizin.
Irgendwann in den 6oer Jahren des letzten Jahrhunderts gab es eine Festlegung der zahnärztlichen Honorare, die sich an der Sättigung der Grundbedürfnisse und am gesellschaftlichen Status des Zahnarztes orientierte. Die Höhe dieser Honorare war zum Zeitpunkt der Festlegung gesellschaftlich sanktioniert. Ein entsprechender Verdienst demnach dem Behandler, seiner Tätigkeit angemessen, zugestanden.

Um nun Mehrwert generieren, bieten sich dem Zahnarzt im Rahmen seiner Tätigkeit 3 Möglichkeiten:

1. Länger arbeiten.
2. Schneller arbeiten.
3. Teilbereiche seiner Tätigkeit an Mitarbeiter zu delegieren, so dass insgesamt eine höhere Produktivität entsteht.

All das haben die Zahnärzte in der Vergangenheit getan.
Und damit für sich einen adäquaten Mehrwert generiert.

Bis hierher ist das Leben im Lot.
Betrachten wir nun jedoch die komplexe Gesamtheit des sozialen Systems, verändert sich das Ganze. Der Menge der geleisteten Arbeit Aller steht eine adäquate Menge an Arbeitsequivalent gegenüber. Gehen wir zunächst davon aus, dass dieses Arbeitsequivalent (nachfolgend eine bestimmte Menge an Gold) eine feste unveränderbare Größe ist. Dann bewirkt die Mehrarbeit aller, dass der Wert der Einzelleistungen, die der Menge Goldes gegenübersteht, im Laufe der Zeit immer weniger wert sein wird.

So entsteht Inflation.
Diese auszugleichen gelingt, in dem man die Honorare adäquat erhöht. Dies ist, die Zahnärzte betreffend, in den letzten Jahrzehnten nicht, beziehungsweisend nur unzureichend erfolgt.
Dem Zahnarzt, wenn er nicht weniger als bisher verdienen möchte, blieb nur die Qual, mehr, schneller oder produktiver zu arbeiten.

Genau das haben die Zahnärzte getan.
Mehr gearbeitet, mehr verdient.

Aber nun ist der Punkt erreicht, wo all das nicht mehr aussreicht. Mehr und schneller arbeiten geht nicht mehr, es gibt eine natürliche Grenze. Diese ist erreicht. Oder gar schon überschritten. Und jetzt bricht auch noch die 3. Möglichkeit, der Mehrwert-Schaffung weg. Es gibt nicht mehr genügend Mitarbeiter, die uns zuarbeiten und uns damit produktiver machen können.

Was nun, was tun ?

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