Unser letzter Arbeitstag vor den Sommerferien.
Der Countdown läuft.
Es läuft vergleichsweise ruhig ab.
Die letzten Tage waren schlimmer. Man kennt das. Wenn die Patienten demnächst in Urlaub fahren ODER wenn sie realisieren, das wir demnächst in Urlaub gehen, dann möchten sie lieber doch noch mal nachgeschaut haben, damit nix passiert. Zur Sicherheit.
Kurz nach 11.
Heute ist alles gut. Das Telefon bleibt ruhig.
Die letzte Stunde ist angebrochen.
Das Auto ist gepackt.
Gleich nach Arbeitsende soll es losgehen.
Ich komme ins Behandlungszimmer.
Will auf meinem Behandlerstuhl Platz nehmen.
Und sehe – eine kleine Pfütze auf dem Fussboden.
Direkt neben dem Behandlungsstuhl.
An untypischer Stelle.
Denn normalerweise sieht man so etwas auf der Speifontainenseite.
Ich schaue mir das Ganze genauer an.
Es ist kein Wasser.
Die Flüssigkeit hat ölige Konsistenz.
Wie Olivenöl.
Oder Bremsflüssigkeit. Sofort meine Vermutung – Undichte Hydraulik. Ich kenne diesen Anblick. Sage mir, das Du in deiner Jugend ein englisches Auto gefahren bist, ohne zu sagen, das du…
Ich fahre den Behandlungsstuhl etwas nach oben.
Ein fruchtbares, kratzend schreiendes Geräusch ertönt.
Wie ich es in 30 Jahren noch nie gehört habe in diesem Zusammenhang.

Ein Hilferuf beim Techniker.
Der kann es zuerst nicht glauben.
Glaubt an Wasser. Dafür ist es aber viel zu ölig. Ich würde gerne ein Foto schicken. Aber dummerweise habe ich die Flüssigkeit schon weggewischt.
Wieviel Flüssigkeit ausgetreten sei, fragt der Techniker.
Ich sage: „Es war ein spiegeleigrosser Fleck.“
„Das ist viel!!! „, sagt der Techniker. Und will es nicht glauben.
Klingt nicht gut. Trotzdem bin ich sehr froh, seine Stimme zu hören, denn er war sofort erreichbar. Vielen vielen Dank dafür, an dieser Stelle.
Ich sage: Öl am Behandlungsstuhl? Das kann eigentlich nur die Hydraulik des Stuhls sein.
Der Hebemechanismus des Stuhls. Wo sonst sollte die Hydraulikflüssigkeit herkommen?
Er sagt (ein Dental-Industrie- Klassiker-Satz): „Das kann eigentlich nicht sein. Das haben wir noch nie gehabt“. Sagt er nicht. Er sagt: „Das haben wir nur einmal bisher gehabt, da war ein Schlauch defekt.“
Was kann ich tun, zur Ferndiagnose, frage ich.
Ich möge bitte den Stuhl ganz nach oben fahren, damit die Verkleidung abgenommen werden kann.
Ich fahre den Stuhl nach oben.
Das schreiende Geräusch ertönt.
„Das ist kein schreiendes Geräusch“, sagt der Techniker trocken. „Das ist ein sprazzelndes Geräusch“.
Gut, das wir das geklärt haben.
Der Stuhl verharrt irgendwo in der Mitte des Möglichen, aber immerhin er verharrt in dieser Position. Er hätte auch nach nach unten gleiten können, sagt der Techniker, was die weitere Vorgehensweise deutlich erschwert hätte, denn zum Abnehmen der Stuhlverkleidung muss dieser nach oben gefahren werden.
Gut 20 Minuten lang versuchen wir rund 2 Stunden später – nachdem der letzte Patient die Praxis verlasen hat – telefonisch den Fehler weiter einzugrenzen. Die Lampe des Iphones leistet gute Dienste, durch den Spalt in der Verkleidung, mehr war nicht möglich, das Sujet auszuleuchten. Ich taste alle Hydraulikschläuche ab, sie sind, soweit erreichbar, trocken.
Vielleicht die Hydraulikpumpe ? Kann eigentlich nicht sein, sagt der Techniker.
Man wird sehen. Am ersten Tag nach unserem Urlaub werden wir mehr wissen.
Immerhin.
Meistens passieren solche Dinge am ersten Tag nach dem Urlaub.
Gefahren sind wir im Übrigen erst am Tag danach.
Den angekündigten Superstau hätte ich vermutlich nicht ohne stark blutdrucksenkende Mittel ertragen in meinem gegenwärtigen Seelenzustand.
Immerhin.
Die Fahrt verläuft problemlos.
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