Die größte Revolution in der Zahnmedizin seit 1963

Alle reden von schlechten Zeiten.
Das in der Zukunft es schlechter sein wird, als es die letzten Jahrzehnte war.

Kassandrarufe???
Oder Zeichen drohender Widrigkeiten?

Ohne Frage – wir stehen von großen Umwälzungen.
Im Großen wie im Kleinen.

Und das betrifft auch die Zahnmedizin in Deutschland.
Hab ich deshalb Angst, bin ich deshalb in Sorge?
Keineswegs.

Im Gegenteil.
Ich finde es sehr spannend.

Und bin sogar felsenfest davon überzeugt, das all diejenigen, die sich nun der Zahnmedizin zuwenden, eine bessere Ausgangssituation haben, als ich es hatte, als ich 1990 die Uni verliess und mich ins dentale Berufsleben aufmachte.

Warum?
Weil nun endlich – mehr als 30 Jahre später – das passiert, was wir uns im Studium erhofft hatten.
Das es mit der Zahnmedizin zwar im Moment noch bergab geht, aber dann endlich Alles besser wird.

Und genau an diesem Punkt stehen wir nun.

Wir sind am Vorabend der größten Revolution in der Zahnmedizin seit 1963.
Und das hat nichts, aber auch gar nix mit den dentalen Fortschritten zu tun, die im Laufe meines Berufslebens sich eingestellt haben. Hier hatte ich das Glück, in die wohl reichhaltigste Innovationsphase der Zahnmedizin bisher überhaupt hineingewachsen zu sein.

Ich habe noch Ringdeckelkronen im Studium herstellen müssen. Amalgamfüllungen waren Standard in der Zahnmedizin. Es gab noch keine zahnfarbenen Füllungsmaterialien für den Seitenzahnbereich. Implantate wurden noch argwöhnisch beäugt.

In der Endodontie gar es NICHTS von alledem, was wir heute haben.
Keine (zuverlässigen) Apexlokatoren, kein OP-Mikroskop, keine NITI- Instrumente, kein DVT, kein Ultraschall, keine Laser, kein MTA. Mit warmer Guttapercha adäquat arbeiten konnten eine Handvoll Leute weltweit.

Nur Edelstahl – Instrumente, Handaufbereitung.
Die laterale Kondensation war der hochgelobte Einäugige unter den Blinden. Denn eine Zentralstift-Technik zum Verschluss von Wurzelkanälen (evtl. sogar noch mit Silberstiften) war allgegenwärtig.

Und heute?
Sind Gold-Restaurationen vom Markt verschwunden. Und auch die Dentallabore, die solche Arbeiten herstellten. Es dominiert mehr oder weniger hässlicher sogenannter zahnfarbener vollkeramischer Zahnersatz. Hergestellt in teilweise europaweit agierenden Fräszentren. Auch die Kieferorthopädie findet zunehmend in solchen von der Dentalindustrie geführten Großproduktionsstätten statt, der Computer-Fortschritt und der Wegfall der konventionellen Abformung macht es möglich. Kleiner Funfact, wir mussten im Studium uns gegenseitig noch Gips-Abdrücke abnehmen, eine Prozedur, die man rückblickend vergleichen könnte mit den bizzaren menschenverachtenden Aufnahme-Ritualen französischer Elite-Schulen.

Riesige Entwicklungen.
Kein Problem.

Weil es fachliche Entwicklungen sind. Dem technischen Fortschritt geschuldet.
Ein Auto des Jahres 1963, meinem Geburtsjahr, ist mit heutigen Autos nicht zu vergleichen. Technischer Fortschritt. Den es immer schon gab und den es immer geben wird. Der uns zum Vorteil gereicht. Weil wir etwas besser, hochwertiger, aber auch gegebenenfalls schneller und kostengünstiger produzieren können. Wer von uns – Hand aufs Herz- ausser aus einer sentimentalen Anwandlung heraus am sonnenbeschienenen Wochenende zum Oldtimertreffen reisend – möchte denn noch mit einem Auto aus den 50,60er,70er, 80er Jahren des letzten Jahrhunderts zur Arbeit oder in Urlaub fahren ?

Halten wir also fest, technischer Fortschritt ist gut.
Und er kommt der Profession per se und uns als Zahnarzt in eigener Praxis zu gute.
Und darüber hinaus gab es vor 40,50,60 Jahren viel viel weniger Autos als heute und viel mehr Reparaturwerkstätten. Die Gesellschaft ändert sich. Immer weniger Zahnärzte für immer mehr Patienten.

Ein „Doppel-Wumms“ also, um den Kanzler der Ampel zu zitieren.
Rosarote Zeiten also? Keineswegs. Zumindest nicht für Alle.
Gefährlich wird es nämlich immer dann, wenn eine distruptive Änderung ins Haus steht.
Dem letzten deutschen Kaiser wird der Spruch zugeschrieben. „„Ich glaube an das Pferd. Das Automobil ist eine vorübergehende Erscheinung.“

Gefahr droht.
Aber nicht aus der Zahnmedizin heraus, sondern dem Mitarbeitermangel in den Praxen geschuldet. Mitarbeitermangel – ein Problem, das sich durch alle Bereiche des täglichen Lebens zieht. Und möglicherweise, wenn man nichts tut, die erhofften positiven Veränderungen kontrakariert. Mit fatalen Folgen.

Und wie immer kann man sich diesen Entwicklungen verschliessen, im Sinne von wird schon nicht so schlimm werden. Oder aktiv das Problem angehen. Damit meine ich aber nicht, das man auf Teufel heraus versucht, irgendjemandem Mitarbeiter abzuwerben. Denn damit alleine es nicht getan. Selbst wenn man zukünftig genügend Mitarbeiter im Team hat, dann ändert sich trotzdem vieles in der Innen – und Aussenbeziehung. Mitarbeiter zu bekommen ist schon jetzt und zukünftig noch viel mehr eine einzige grosse Herausforderung. Diese dann aber auch zu behalten, die mindestens ebenso grosse, wenn nicht noch größere Schwierigkeit.

Besser ist es, wenn man zumindest einen Plan B in der Hinterhand hat: Wie führe ich erfolgreich meine Praxis ohne oder mit einem minimalen Kernstamm an Mitarbeitern?

Und dabei wird uns – lasst euch nicht veräppeln – weder AI, noch KI, auch keine APP, kein Online- Dienst und erst recht keine TI wirklich helfen, uns wirklich entlasten können.

Im Gegenteil.
All diese vermeintlichen Heilsbringer schaffen nur weitere Abhängigkeiten.
Verstärken am Ende den Trend, stand ihn zu bekämpfen oder auch nur abzumildern.

„Lean Dental Office“ ist das Stichwort.
Ich mag keine Anglizismen, aber es fällt mir schwer, den Sachverhalt in deutsche Worte zu packen. Die schlanke Zahnarztpraxis ? Naja. Da fehlt dann doch ein wenig. Was also meine ich mit LDO ? Darunter verstehe ich Praxisstrukturen, die es dem Zahnarzt selbst ermöglichen, die administrativen Abläufe des Unternehmens Zahnarztpraxis in eigener Hand zu bewältigen. Warum wir das brauchen, wie das genau aussieht und wie uns das helfen kann, darüber wird hier in den nächsten Wochen immer wieder zu lesen sein.

Und natürlich werden wir bei DIE3 HERRMANN KAADEN SCHRÖDER Teil 2 EndoOrganisation darüber reden.
Am 8. Juni.
Sehen wird uns dort ?

Kommentar verfassenAntwort abbrechen