Zwei Recalls von gestern. Kurz hintereinander terminiert. Gleicher Tag. Beides Frontzähne mit unterschiedlicher Geschichte. „Leider“ erst die Recalls nach 6 Monaten.
Zahn 21, nicht abgeschlossenes Wurzelwachstum, Pulpanekrose 4 Monate nach Trauma, MTA-Plug, keine Revaskularisierung.
Zähne 21 und 11, Revision nach unvollständiger WF
Bleibt zu hoffen, dass beide Fälle nachverfolgt werden können.
Sieben Frontzahn-Behandlungen waren es gestern „zum Glück“ nicht nochmal.
Aber doch wieder eine ganze Reihe.
Prä-op vs. Post-op
Auch eine Revision mit Zirkonstift Entfernung war wieder dabei.
Ausgangsröntgenbild (alio loco)
Auch dieses Mal liess sich dieser (deutlich kürzere Stift) mittels Ultraschallansätzen besser entfernen, als im Vorfeld befürchtet.
Postoperative Aufnahme Zahn 21 nach zweizeitiger Revision
Und auch eine endodontische Behandlung ohne Traumahistorie galt es zu versorgen:
postoperative Aufnahme von 13 und 14 nach kariesbedingter Endoproblematik
Die letzte „Frontzahn-Patientin“ (34 Jahre) des Tages kam gestern zunächst zur Erstuntersuchung und Beratung. Ihre alio loco angefertigten 2D-Röntgenaufnahmen zeugen von einer lang zurückliegenden Historie:
Alio loco präoperativ angefertigtes OPG
Einzelzahnaufnahme Regio 22 bei endodontisch insuffizienter Vorbehandlung eines Zahnes mit nicht abgeschlossenem Wurzelwachstum
Aufgrund der DVT-Aufnahme bin ich jedoch zuversichtlich, dass das bakterielle Problem auch bei diesen Zahn durch eine orthograde Revision beherrschbar sein wird.
DVT Regio 22 (FOV 5×5)
DVT Regio 22 (FOV 5×5)
Eine zentrale Rolle bei der Desinfektion werden hierbei die zu verwendeten Spüllösungen spielen. Insbesondere Natriumhypochlorit.
Bedenken, dass wir aufgrund des offenen Apex einen „Spülunfall“ verursachen habe ich indes nicht. Diese Problematik würde sich nur ergeben, wenn diese Lösung „aktiv“, als mit Druck, in das umliegende Gewebe injiziert wird. Ein schlichtes „Baden“ der Apikalregion hingegen kann gefahrlos erfolgen und wird routinemässig bei uns durchgeführt.
Wieso Natriumhypochlorit zum Teil in „Misskredit“ gerät, zeigen die beiden Zähne der letzten Patientin. Während der alio loco durchgeführten endodontischen „Behandlungen“ war es wiederholt zu „Problemen“ während der Kanalspülungen gekommen. Als Grund hierfür wurde laut behandelnder Zahnärztin eine NaOCl-Allergie der Patientin angesehen…
multiple iatrogene Perforationen zweier Zähne während alio loco durchgeführten „Spuren endodontischer Behandlungen“
An dem Zahn 43 fanden bereits eine Reihe von Behandlungen statt.
Befunde: keine erhöhten Sondieungstiefen, Lockerungsrad 0, schmerz- und symptomfrei, letzte endodontische Behandlung 2009, Sekundärkaries
Die Patientin wollte den Zahn unbedingt erhalten. Der Substanzverlust war recht groß. Die Präparationsgrenzen lagen labial subgingival. Der präendodontische Aufbau stellte dabei eine größere Herausforderung dar. Die Entfernung des Wurzelfüllmaterials war zudem sehr schwierig, da es brüchig und dadurch kaum fassbar war. Ein kleiner Rest gelang nach periapikal und war nicht von orthograd entfernbar.
Nach den jetzt vorliegenden Recallbildern zeigte sich eine deutliche Heilungstendenz.
Beim genaueren Blick scheint jedoch auch ein externes Resorptionsgeschehen zu bestehen oder ist dies auf die andere Angulation des Röntgenstrahlers zurück zuführen?
J Endod. 2015 Jul;41(7):1112-5.
In Vivo Intracanal Temperature Evolution during Endodontic Treatment after the Injection of Room Temperature or Preheated Sodium Hypochlorite.
de Hemptinne F1, Slaus G2, Vandendael M2, Jacquet W3, De Moor RJ4, Bottenberg P2.
Rezension eingestellt von Bernard Bengs am 20. 07. 2015
Abstract
INTRODUCTION:
Heating a sodium hypochlorite solution improves its effectiveness. The aim of this study was to measure the in vivo temperature changes of sodium hypochlorite solutions that were initially preheated to 66°C or at room temperature inside root canals during routine irrigation.
METHODS:
Thirty-five root canals were prepared to ISO size 40 with 4% taper. A type K (nickel-chromium-nickel) thermocouple microprobe (Testo NV, Ternat, Belgium) was positioned within 3 mm of the working length to measure the temperature at 1-second intervals. In each canal, 2 test protocols were evaluated in a randomized order with 3% sodium hypochlorite solutions: (1) preheated to 66°C and (2) at room temperature. The temperature measurements began 5 seconds before the 25 seconds of irrigant injections and continued for 240 seconds. This resulted in 270 data points for each protocol.
RESULTS:
The temperature of the irrigant at room temperature increased from the initial intracanal temperature after injection of 20.7°C (±1.2°C) to 30.9°C (±1.3°C) in 10 seconds and to 35°C (±0.9°C) after 240 seconds. The temperature of the preheated to 66°C solution decreased from 56.4°C (±2.7°C) to 45.4°C (±3.0°C) after 5 seconds, reached 37°C (±0.9°C) after 60 seconds, and reached 35.7°C (±0.8°C) after 240 seconds.
CONCLUSIONS:
The original temperatures of the sodium hypochlorite solutions were buffered inside the root canal and tended to rapidly evolve to equilibrium. The findings of this study contribute to an improved understanding of the thermodynamic behaviors of irrigant solutions inside root canals in vivo.
Letztes mal hatte ich einen UK-Fall vorgestellt, diesmal ist es ein Oberkiefer. Und auch keine Neuversorgung, sondern 8 Jahre alt.
Konstruktion seinerzeit auf 6 Teleskopen. Diese Konstruktion ist deutlich teurer als die vor zwei Wochen hier vorgestellte Konstruktion, da die Aufbauten und Teleskope aus Gold dazu kommen.
Ich weiss, Teleskope kann man auch ohne Gold machen oder auf andere „Schnappartismen“ ausweichen, aber die technische Konstruktion funktioniert. Langfristig.
Nachteil dieser Lösung ist, dass die Implantate im 6-er Bereich eher zu Knochenabau neigen sollen, weshalb wir diese Lösung auch nicht mehr anbieten.
Die Patientin kommt regelmäßig zur Kontrolle und auch der Chirurg kontrolliert „seine“ Implantate einmal jährlich, bis jetzt ist kein vermehrter Knochenabbau an den distalen Implantaten zu vermerken. Wir hoffen, dass es noch lange so bleibt.
Die Teleskope sind theoretisch leichter sauber zu halten, als die vor zwei Wochen vorgestellten Stege.
Theoretisch. Praktisch eigentlich auch.
In der Praxis sieht es aber wieder ganz anders aus.
Die Implantate werden meist mehr schlecht als recht sauber gehalten, trotz regelmäßiger Aufklärung und Hinweis auf den erhöhten Pflegebedarf der Implantate.
Es verwundert mich auch nicht groß, denn wer mit 60 Jahren schon (mindestens) einen zahnlosen Kiefer vorweisen kann, hat es mit der Zahnpflege noch nie übertrieben.
Und der wird es auch in Zukunft nicht tun, auch, wenn man den Gegenwert eines Kleinwagens im Mund herum trägt.
Vor 4 Wochen wurde an dieser Stelle über ein Mehrfachtrauma nach einem Fahrradsturz berichtet.
Hier nun ein Zwischenstand.
Der Titan-Trauma-Splint wurde 4 Wochen nach dem Unfall entfernt. Der ursprünglich sehr mobile „Aleveolarblock“ 21-25 zeigt keine erhöhte Beweglichkeit mehr.
Der avulsierte Zahn 11 und der intrudierte Zahn 12 wurden initial endodontisch behandelt und mit CaOH2 versorgt. Beide Zähne zeigen einen metallischen Klopfschall. Zahn 11 zeigt Anzeichen einer knöchernen Ersatzresorption
Die Zähne 15-13 und der Zahn 25 sind weiterhin sensibel auf elektrischen Reiz. Neu „hinzugekommen“ ist der nach Trauma zunächst nicht sensible Zahn 24.
Die Zähne 23-21 reagieren weiterhin nicht auf elektrischen Reiz. Eine apikale Veränderung ist im Einzelbild nicht zu erkennen. Hier ist ein weiteres Abwarten geplant, da auch noch viele Wochen nach dem Trauma, die Sensibilität wiederkehren kann.
In 4 Wochen erfolgt die Vorstellung beim Kieferorthopäden, um die gestörte Okklusion zu harmonisieren. Für Zahn 11 wird, bei weiter voranschreitender Resorption, die Dekoration in Betracht gezogen.
Im Gespräch mit dem Patienten fiel uns auf, daß er sich ununterbrochen die Unterlippe rieb, bzw. die Unterlippe immer hin- und herbewegte. Darauf angesprochen sagte der Patient, dies wäre seit dem Unfall so. Er vermutet, das die Wunde noch nicht richtig abgeheilt ist und deshalb ist es auch noch ein bißchen angeschwollen.
Der Unfall ist ca. 7 Wochen her.
Der Patient wünschte von uns eine Zweitmeinungung zum Zahnerhalt des Zahnes 41.
Sein Zahnarzt hatte ihm die Extraktion und Implantation empfohlen.
Zum Befund: Es wurde ein DVT angefertigt.
In der Unterkiefer Lippe verblieb ein Stück Schneidekante der Oberkieferfrontzähne.
Durch die zufällige achsengleiche Überlagerung konnte zunächst der Verdacht einer Wurzelfraktur mit CaOH Einpressung entstehen. Die metalldichte Struktur (medikamentöse Einlage) im Wurzelkanal reicht nicht an die hyperdense Verschattung des Fragmentes heran. Ein Einpressen in den Frakturspalt ist damit nicht wahrscheinlich.
Eine Perforation labial mit CaOH-Einpressung ins Parodont/Knochen könnte durchaus im Röntgenbild so dargestellt sein.
Im angefertigten DVT ließ sich Lage und Form des Fragmentes feststellen. Die Entfernung desselben wurde dem Patienten unbedingt angeraten.
Die weitere Behandlung des Patienten erfolgt auf Wunsch des Patienten in einer kieferchirurgischen Praxis. Der Zahnerhalt von 41 erschien dem Patienten nicht notwendig.
Bis zu 50 Prozent aller Kinder und Jugendlichen erleiden ein Frontzahntrauma. Circa 35 Prozent davon betreffen die zweite Dentition. Wie aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen zeigen ist die Zahl stark zunehmend.
Gestern haben wir unseren persönlichen „Praxisrekord aufgestellt“. Bei insgesamt sieben Patienten im Alter vom 7-63 Jahren wurden Direkt- oder Spätfolgen eines ehemals erlittenen Zahntraumas von uns versorgt.
Bei dem ersten Patienten (32 Jahre) ist aufgrund multipler Befunde eine umfangreiche Behandlung in mehreren Terminen vorgesehen. Die Röntgenbilder verdeutlichen, warum:
Alio loco angefertiges Röntgenbild der Regio 11 und 21 mit Guttaperchastiften in vestibulären Fistelgängen
DVT Regio 21 mit erkennbarer apikaler Osteolyse
Gestern starteten wir zunächst mit der endodontischen Therapie des Zahnes 21. Dessen Prognose schätze ich bei normalem Behandlungsverlauf als gut ein.
Masterpoint-Aufnahme von Zahn 21 nach vor ca. 6 Jahren erlittener Dislokation der Zähne 11 und 21
Durch die ungünstige Lage der pulpapenetrierenden externen invasiven zervikalen Resorption erscheint der Erhalt des Zahnes 11 hingegen nicht nur anhand des DVTs als weitaus ungewisser.
Externe invasive zervikale Resorption an Zahn 11 nach Dislokation vor ca. 6 Jahren
Einen Erhaltungsversuch erscheint es uns trotzdem „wert“ zu sein.
Bei der nächsten Patientin schlossen wir im gestrigen zweiten Termin die Revisionsbehandlung ab. Die Erstbehandlung und Überkronung war laut Patientin ursprünglich notwendig geworden, nachdem ein Flaschenkopf gegen den Zahn zu einer komplizierten Kronenfraktur geführt hatte.Bei der Erstbehandlung war jedoch u.a. ein lingual gelegenes Kanalsystem übersehen worden.
„Einpressungen“ von Sealer in die koronalen Anteile gaben uns jedoch vorab einen sehr guten Anhalt für dessen Existenz. Nach Wurzelkanalfüllung wurde ferner einen Glasfaserstift mir adhäsiver Aufbaufüllung platziert
Prä- und post operatives Röntgenbild nach zweizeitiger Revisionsbehandlung eines Unterkieferfrontzahnes mit 2 Kanalsystemen
Die nächste (33jährige) Patientin und ihr Zahn 11 hatten schon eine „bewegtere“ Vergangenheit. Neben einer endodontischen Behandlung war der Zahn in der Vergangenheit bei wiederkehrenden Beschwerden mit Fistelbildung zweimal reseziert worden. Zuletzt vor ca. 18 Monaten. Bei der Erstvorstellung in unserer Praxis imponierte nun erneut eine vestibuläre Schwellung bei apikaler Osteolyse.
Vestibuläre Schwellung nach zweimaliger WSR und wiederkehrender Entzündungsproblematik
Alio loco angefertiges Röntgenbild Regio 11 mit Zirkonstift
Palatinate Ansicht vor Revisionsbeginn
Mit etwas Mühe (u.a.Einsatz von Endoguide-Instrumenten und Ultraschallansätzen) gelang es (besser als gedacht) den Zirkonstift zu entfernen und das Kanalsystem anschliessend chemo-mechanisch zu reinigen.
Schräg resezierter Zirkonstift nach orthograder Entfernung mittels Ultraschallansätzen. Im ersten Behandlungstermin wurden 90 Minuten eingeplant. Nach 75 Minuten war der erste Termin abgeschlossen.
Gestern erfolgte nun nach erzielter Beschwerdefreiheit und abgeklungener Schwellung der Behandlungsabschluss.
Postoperatives Röntgenbild nach MTA plug und Guttapercha/Sealer-Backfill
Als nächstes war Max an der Reihe. Bei dem Siebenjährigen war es vor einigen Monaten traumatisch bedingt zu einer Avulsion des Zahnes 21 gekommen. Leider ist die Prognose des Zahnes aufgrund multipler Befunde als schlecht einzustufen. Nachuntersuchungen werden den weiteren Verlauf verdeutlichen müssen.
Alio loco angefertiges Röntgenbild (links) sowie nach medikamentöser Ca(OH)2-Einlage
Bei dem neunjährigen Felix haben wir uns aufgrund des weit offenen Apex für die Einleitung einer Revitalisierungstherapie entschieden.
Alio loco angefertigtes Röntgenbild nach ehemals erlittener extrusiver Dislokation mit Pulpanekrose und nicht fortschreitendem Wurzelwachstum bei Zahn 11
In diesem Zusammenhang möchte ich einen Hinweis von Dr. Jörg Schröder weitergeben, der mich vor Kurzem auf die aktuellen Therapieempfehlungen der AAE in solchen Fälle hingewiesen hat.
Als sechster Traumapatient konnten wir im zweiten Termin die Behandlung vom Jan (11 Jahre) abschliessen. Da es u.a. durch die Pulpanekrose zu einer Verfärbung der klinischen Krone gekommen war, ist nun im Anschluss an die endodontische Therapie ein intrakoronales Bleaching vorgesehen.
Prä- und postoperatives Röntgenbild nach traumatisch bedingter Pulpanekrose an Zahn 11
Der siebte und letzte Patient hat bereits eine ähnliche Leidensgeschichte wie die dritte Patientin hinter sich. Mit dem Unterschied, dass ein Zahn bereits durch ein Implantat ersetzt wurde.
OPG vor endodontischer Revision des Zahnes 12
Klinisch wird schnell deutlich, warum der Patient unbedingt einen Erhalt durch Revision des Zahnes 12 nach bereits erfolgter Wurzelspitzenresektion wünscht:
Klinische Situation nach Implantation vor circa sechs Jahren Regio 11 mit deutlicher Infraposition und mässiger Ästhetik
Prä- und intraoperative Situation.
Die insuffiziente Wurzelkanalfüllung konnte mühelos entfernt und das Kanalsystem nachfolgend chemo-mechanisch bearbeitet werden.
Ich halte es für sehr realistisch, dass wir eine weitere Implantation durch die gewählte Therapie vermeiden können.
Über den weiteren Verlauf der heute vorgestellten Behandlungen werde ich Sie zukünftig auf dem Laufenden halten.
Ich bin allerdings froh, dass nicht jeder Tag bei uns von so vielen traumatischen Verletzungen „gepflastert“ ist…
Der junge Patient hatte vor Jahren (Sept. 2008) einen Fahrradunfall mit Luxierung des Zahnes 11. Er wurde in einem niedersächsischen Klinikum notfallmäßig geschient. Tage später abszedierte der Zahn und wurde notfallmäßig in einer Praxis für MKG inzidiert (Okt. 2008). Fistelungen fielen dort auch 2009 und 2011 auf, wurden aber nicht behandelt.
Der Patient erschien bei uns leider nur sporadisch zu Routinekontrollen.
Seit wann die Behandlung in einer spez. Kinderzahnarztpraxis (s.u.) weitergeführt wurde ist daher auch unklar.
Bei der nun erfolgten Routineuntersuchung in unserer Praxis ergab sich folgender Befund:
Zahn 11 – Die Perkussionsempfindlichkeit des Zahnes war nicht schmerzhaft, wohl aber unterschiedlich zum Nachbarzahn, der Lockerungsgrad II, die Vitalität war negativ und es bestand eine (kleine) Karies approximal distal, sowie eine insuff. verschlossene Trep.-Öffnung palatinal.
Der Zahn war um 2 mm elongiert, gelblich verfärbt und leicht nach vestibulär gekippt.
Die Taschentiefen waren leicht erhöht.
Die Umschlagfalte war o.p.B..
Das alio loco angefertigte (Kontroll-)Röntgenbild (ca. einen Monat alt aus Kinderzahnarztpraxis) ließ auf eine apikale Osteolyse schließen.
Laut Mutter des heute 14 Jahre alten Patienten soll nun demnächst eine kombiniert prothetisch– kieferorthopädische Therapie stattfinden, da die kausale Therapie laut spezialisierter Kinderzahnarztpraxis abgeschlossen wäre und der Zahn „so unschön lang und gelb“ aussähe. Außerdem sei die Vorbehandlung jetzt abgeschlossen. Zitat: „Im Knochen ist alles ausgeheilt“.
Die Therapie wurde von der Mutter als „Schweizer Methode“ bezeichnet, welche mir nicht geläufig ist.
Meine Frage gilt nun der Langzeitprognose des Zahnes und der empfohlenen Therapie.
Die Möglichkeit eine DVT zu erstellen besteht in unserer Praxis, was ich der Mutter nahe legen werde, falls weiter Befunde für die Therapieentscheidung eingeholt werden müssten.
Was sehen Sie im Röntgenbild bzw. würde Ihnen dies zur Diagnosefindung bzw. Therapieentscheidung ausreichen?
Wenn nein, warum?
Wie würden Sie entscheiden?
[Poll (Vorschlag):] oder offene Frage für die Kommentarfunktion
Endodontische Therapie
Weitere Abklärung (DVT) notwendig
Extraktion und prothetische Lösung (Implantat/Brückenversorgung)
Zahnerhalt bis Volljährigkeit, danach prothetische Therapie
Alternativer Therapievorschlag
Kleines Update:
Die Kinderzahnarzt-Praxis rief mich heute an und erklärte das die bisherige Therapie („Schweizer Methode“) eine Revaskularisierung zum Ziel hatte, dies aber wohl nicht erfolgreich war. Auch wurde die Prognose in Anbetracht der anstehenden KFO-Therapie dort als eher schlecht eingeschätzt. Letztendlich wurde ich auch heute informiert, dass der Zahn nicht wie gedacht (lt. Arztbrief unvollständig) luxiert, sondern für 2 Stunden eine trockene Avulsion bis zur (unvollständigen) Replantation vorlag.
Was der Applaus für den auf der Bühne stehenden Künstler ist, ist das erfolgreiche Recall für den Endodontologen.
Doch wie viele unserer Behandlungsergebnisse können wir noch Jahre nach der Intervention nachverfolgen?
Was ist das erfolgreiche 6- Monats-Recall (klinische Symptomfreiheit, radiologisch deutliche Remisssion oder gar vollständige Ausheilung der periapikalen Lyse nachweisbar) wert?
Wann dürfen wir von einem langfristigen Behandlungserfolg sprechen?
Obwohl unsere Rezeption standardmässig unsere behandelten Patienten nach 6, 12, 24 und 48 Monaten kontaktiert, um die Patienten zum Recall einzubestellen, ist die Recall-Rate jenseits der 12 Monate gering und liegt sicher nur um 20 %.
Umso schöner, wenn ein komplexer Behandlungsfall 4 Jahre nach der Therapie einen mehr als zufriedenstellenden Verlauf zeigt.
Zahn 26, Zustand nach zweimaliger WSR, unvollständige Resektion der mesialen Wurzel, nicht aufbereiteter MB2, orthograde Revision mit orthograder Entfernung der retrograden Füllungsmaterialien. Zustand 4 Jahre nach Obturation.
Das Röntgenbild zeigt einen Unterkieferfrontzahn nach einem Fahrradsturz.
Der Zahn imponiert klinisch mit einen Lockerungsrad 2 und starken Aufbissbeschwerden. Die Sondierungstiefen sind zirkulär 3-4mm. Der Zahn wurde endodontisch notbehandelt und mit CaOH gefüllt.
Wie erklären Sie sich die Verschalung Verschattung im mittleren Wurzeldrittel?
Kaum scheinen die Drei-Strikes-Phase und die Perforationswelle in unserem Praxisalltag etwas abzuebben, häufen sich aktuell die (drunter&) drüber Fälle.
Wie in den ersten beiden Szenarien gut zu sehen war hier alio loco bei der Wurzelkanalfüllung versehentlich Guttapercha (und ggf. Sealer) extraradikulär verbracht worden. Auch wenn das Material in der Regel nicht der Grund für den endodontischen Misserfolg ist, wäre es bei einer orthograden Revisionsbehandlung wünschenswert dieses in toto entfernen zu können. Hierbei ist der Einsatz eines Hedström-Instruments u.a. aufgrund des Schneidekantenwinkels gegebenenfalls hilfreich und führte in den gezeigten Fällen zu der gewünschten Entfernung des überextendierten Materials.
Endodontischer Misserfolg u.a. bei unbehandeltem 2. mesio-bukkalem Kanalsystem mit separatem For. apicale
Etwas kurioser hingegen ist der nachfolgende Fall, denn wir gestern begonnen haben… auch hier spielt ein Hedström-Instrument eine zentrale Rolle:
Alio loco frakturiertes Hedström-Instrument
Aufgrund der Fragmentbeschaffenheit (und weiterer Gründe) entschied ich mich für einen Entfernungsversuch mittels Hülsentechnik. Davon versprach ich mir u.a., dass ich das Fragment nicht nur ziehend, sondern bei Bedarf auch drehend entfernen könnte.
Klinische Situation
Hierzu war es nach Fragmentdarstellung vorab notwendig den an der Kanalwand anliegenden Instrumentenkopf in Richtung Kanalmitte zu verdrängen. Dies gelang mittels „Feilenkissen“. Hierzu platzierte ich sehr kleine Stückchen eines feuchten (!) Wattepellets solange zwischen Instrument und Kanalwand, bis die gewünschte Lage erreicht war.(Den Tipp zu diesem klinischen Vorgehen verdanke ich Dipl. stom. Michael Arnold vor vielen Jahren)
Fragment vor und nach „Feilenkissen“
Die tatsächliche Entfernung erfolgte dann mittels Kanüle, Rely X-Unicem und etwas Geduld…
Entferntes Hedströmfragment
Ich freue mich u.a., dass wir der zuweisenden MKG-Chirurgin (bisher) „gerecht“ werden konnten. Diese hatte dem Patienten vor einer möglichen WSR zunächst eine orthograde Revision mit (möglicher) Fragemententfernung ans Herz gelegt hatte.
Die erste Hürde wäre in diesem „drüber-„Fall erfolgreich genommen… ich werde berichten wie es weitergeht…
P.S.:Dauer des ersten Behandlungstermins heute 1:20h
Seit 1996 arbeite ich mit maschinellen Nickel- Titan- Systemen.
Und habe in dieser Zeit sprichwörtlich „Dutzende“ unterschiedlicher Systeme eingesetzt.
Aber nur 4 davon haben bis heute einen dauerhaften Platz in meiner Praxis erobern können. ProFile, ProTaper, MTwo und Reciproc.
Noch selektiver sieht es bei den Geräten für die warme Guttapercha- Technik aus.
Da waren es seit 1999 gerade mal 2 Modelle, die dauerhaft in meiner Praxis zum Einsatz kamen.
Ich schreibe dies, um zu verdeutlichen, dass für mich ein Materialien/Geräte-Wechsel nicht spontan, aus einer plötzlichen Laune heraus stattfindet, sondern das Resultat bewußter und wohlüberlegter Abwägungen darstellt.
Seit kurzem arbeiten wir mit dem Biomed Genesys Fill, einem kabelosen Backfill- Gerät, das wir für die WVC im Sinne zeitgemäßer Schilder- Technik einsetzen. Und vermutlich wäre dies bis heute noch nicht der Fall, wenn, ja wenn nicht in letzter Zeit unser bisher langjährig eingesetztes Gerät eine ganze Reihe von Unzulänglichkeiten abliefern würde:
Es begann damit, dass das Gerät, welches im Gegensatz zu seinem Vorgänger, der manuell betriebenen Obtura – Pistole, die erwärmte Guttapercha motorbetrieben in den Wurzelkanal hineinbefördert, plötzlich mitten im Abfüllvorgang die Extrusion verweigerte. Es schien, als ob die Kraft fehlte, die Guttapercha aus dem Gerät herauszudrücken, sofern ein gewisser Widerstand im Kanal überschritten wurde.
In all den Jahren zuvor war dies nie der Fall gewesen. Im Gegenteil – ein entsprechender Druck auf die Kanüle war bis dato die Gewähr dafür, den Wurzelkanal blasenfrei zu füllen, während gleichzeitig die Kanüle von selbst aus dem Kanal heraustransportiert wurde.
Ein Quercheck mit anderen Geräten gleicher Baureihe, bei denen der Fehler gleichermaßen auftrat, ließ die Vermutung zu, dass es nicht am Gerät selbst lag, sondern offensichtlich mit den Kartuschen bzw. der verwendeten Guttapercha in Zusammenhang stehen musste.
Weitere Probleme kamen hinzu.
So gab es Undichtigkeiten am Übergang der Kanüle zum Kartuschenkörper, was die (teilweise farbrikneuen) Kartuschen augenblicklich unbrauchbar machten. Es gab Luftblasen in der Kartusche. Kartuschen, die nicht vollständig gefüllt waren, sodaß zum Teil die Kartusche bis zur Hälfte „entleert“ werden musste, um überhaupt erstmalig Guttapercha nach aussen liefern zu können. Last but not least gab es immer wieder basal undichte Kartuschen, so daß die erwärmte Guttapercha in den Stößelraum des Gerätes austrat.
Auch die Guttapercha selbst wies unterschiedliche Eigenschaften auf: Teilweise war sie so klebrig, dass ein nicht unbeträchtlicher Teil der Guttapercha mit der Kartuschennadel und den Pluggern wieder aus dem Wurzelkanal herausgezogen wurde.
Alles in allem sehr unbefriedigende und frustrane Erfahrungen die letztendlich dazu führten, dem Meta Biomed Genesys Fill – Gerät eine Chance zu geben.
Um es kurz zu machen – wir Alle – meine Mitarbeiterinnen und ich – sind begeistert.
Aber primär eben nicht, wie man vielleicht vermuten würde, weil mit dem Meta Biomed Genesys nun endlich der Traum des „Kabelos Arbeiten“ auch in der Wurzelkanalfüllung wahr geworden ist.
Sondern, viel banaler, weil endlich wieder alles so funktioniert wie gewohnt.
Die Guttapercha ist von ihrer Konsistenz exakt so, wie wir es wollen.
Sie klebt nicht und transportiert die Kanüle selbstständig aus dem Kanal heraus.
Aber natürlich ist auch das Handling des Gerätes, das Arbeiten mit dem Genesys Fill außerordentlich angenehm.
Es liegt gut und ausbalanciert in der Hand, die Übergabe unter dem Dentalmikroskop funktioniert schnell und blind, wie wir es von allen anderen Instrumenten und Geräten gewohnt sind. Keine Zuleitungskabel, das stört und daher von der Assistenz kunstvoll aus dem Weg gehalten werden muss. Bislang wurde das Backfill- Gerät bei uns im Rücken des Behandlers auf der Hinterkopf- Zeile platziert. Diese zwanghafte Maßregelung, die Positionierung betreffend, existiert mit dem Genesys nicht mehr.
Das ist, da sind wir uns alle einig – endlich genau so, wie wir uns das schon immer gewünscht haben.
Noch besser – alle Vorbehalte, den Akku- Betrieb betreffend, haben sich bislang nicht bestätigt: Die Aufheizphase des Genesys Fill (es gibt ja auch noch eine Downpack- Variante, das Genesys Pack, die ich jedoch bislang noch nicht getestet habe) ist erstaunlich kurz. Die Temperatur wird vergleichsweise schnell, zuverlässig und stabil erreicht. Das Gerät geht nach kurzer Zeit wieder in „standby“, vermutlich aus dem sinnvollen Ansatz heraus, Akkukapazität zu bewahren. Die kurze Standby- Zeit ist bei unserem jetzigen kabelgeführten Gerät auch nicht anders, allerdings benötigt dieses – Achtung- hohes Frustpotential – deutlich bis gefühlt unglaublich viel länger, bis es (wieder) die gewünschte Temperatur erreicht hat und damit das Gerät dann endlich den Guttapercha- Vortrieb zur Nutzung freigibt.
Natürlich gibt es aber auch beim Genesys Fill noch Verbesserungspotential.
Kleinigkeiten, die mir vermutlich nur deshalb so deutlich ins Auge fallen, weil ich so lange und intensiv mit seinem in unserer Praxis etablierten Backfill- Vorgänger gearbeitet habe: Die Kanülennadel dürfte ruhig ein wenig länger sein und der zylindrische Durchmesser des Gerätes bis unmittelbar vor den Gerätekopf erschwert die Zugänglichkeit in wenig zugänglichen Mundbereichen. Auch der weit vorn angebrachte Auslöser bedingt in engen Mundhöhlen schwierigere Einblicke und erschwert das Handling.
Der Inhalt der Kartuschen dürfte in den meisten Fällen für einen Molaren ausreichend sein. Falls jedoch 2 Molaren gleichzeitig zur Wurzelfüllung gelangen, ist eine Kartusche nicht mehr ausreichend.
In allen drei Bereichen hat unser bislang verwendetes Gerät demnach noch leicht die Nase vorn.
Doch was nützt es, wenn grobe Mangel in der Durchführung dazu führen, dass das Gerät weil schwierig kalkulierbar, de facto unbenutzbar wird. Und wenn wir das kabellose Handling in die Waagschale werfen – „Priceless!“.
Müsste ich mich heute für ein Gerät entscheiden, meine Wahl würde auf das Genesys Fill fallen. Es vereint, mit geringen, im Praxisalltag gut zu tolerierenden Nikligkeiten viele Vorzüge unserer Wunschlösung und kommt bislang unserem gewünschten Ideal näher als jedes andere bislang in unserer Praxis getestete Backfill- Gerät.
Disclaimer Vom Hersteller wurde ein Testgerät sowie 10 Kartuschen kostenlos für die Dauer des Praxistestes zur Verfügung gestellt. Weitere Kartuschen wurden von mir käuflich erworben.
Es besteht beim Autor kein Interessenskonflikt in Form von eigenen finanziellen Interessen oder finanziellen Interessen Dritter, die von einer positiven Berichterstattung profitieren oder eine negative Darstellung behindern.
Lack of Causal Relationship between Dentinal Microcracks
and Root Canal Preparation with Reciprocation Systems
Gustavo De-Deus, DDS, MSc, PhD,* Emmanuel Jo~ao Nogueira Leal Silva, DDS, MSc, PhD,*
Juliana Marins, DDS, MSc, PhD,† Erick Souza, DDS, MSc, PhD,‡
Aline de Almeida Neves, DDS, MSc, PhD,* Felipe Gonc¸alves Belladonna, DDS, MSc,†
Haimon Alves, MSc,§ Ricardo Tadeu Lopes, MSc, DSc,§
and Marco Aur_elio Versiani, DDS, MSc, PhD
J Endod 2014;40:1447–1450 Introduction:
This study aimed to evaluate the frequency of dentinal microcracks observed after root canal preparation with 2 reciprocating and a conventional fullsequence rotary system using micro–computed tomographic analysis.
Methods:
Thirty mesial roots of mandibular molars presenting a type II Vertucci canal configuration were scanned at an isotropic resolution
of 14.16 mm. The sample was randomly assigned to 3 experimental groups (n = 10) according to the system used for the root canal preparation: group A— Reciproc (VDW, Munich, Germany), group B—WaveOne (Dentsply Maillefer, Baillagues, Switzerland), and groupC—BioRaCe (FKG Dentaire, La-Chaux-de-Fonds, Switzerland). Second and third scans were taken after the root canals were prepared with instruments sizes 25 and 40, respectively. Then, pre- and postoperative cross-section images of the roots (N = 65,340) were
screened to identify the presence of dentinal defects.
Results:
Dentinal microcracks were observed in 8.72% (n = 5697), 11.01% (n = 7197), and 7.91%
(n = 5169) of the cross-sections from groups A (Reciproc), B (WaveOne), and C (BioRaCe), respectively. All dentinal defects identified in the postoperative
cross-sections were also observed in the corresponding preoperative images.
Conclusions:
No causal relationship between dentinal microcrack formation and canal preparation procedures with Reciproc, WaveOne, and
BioRaCe systems was observed.
Die Patientin ist seit relativ kurzer Zeit auch im UK zahnlos. Während sich im OK noch genügend Kieferkamm befindet, ist im UK einfach zu wenig, um mit einer Totalprothese ein für sie befriedigendes Kauergebnis zu erzielen.
Also war eine Implantatlösung Mittel der Wahl.
Hier die von uns favorisierte Lösung, ein, wie ich finde, sehr guter Kompromiss in Bezug auf Preis und Leistung.
4 Implantate, versorgt mit 2 Stegen, einer je Seite, keine Verblockung über die Mitte, um der UK-Spange mehr Bewegungsfreiheit zu geben und die mediane Sutur der Mandibula nicht zu schienen.
Die Stege sind individuell gefräst und direkt auf den Austrittstulpen der Straumannimplantete verschraubt, also ohne Zwischenteil.
An jedem Steg sitzt jeweils mesial und distal ein Preci-Geschiebe.
Nach ein paar Jahren muss erfahrungsgemäss die eine oder andere gelbe Matrize ausgetauscht werden, Unterfütterung (im link die Variante für den OK) ist auch kein Problem.
Ansonsten ist diese Konstruktion wartungsfrei.
… weist das Papier der aktuellen Ausgabe des IEJ auf (Vol 48, Nr. 7 Juli 2015).
Sonst hätte ich es nutzbringend einsetzen können. Zum Stirnabtupfen bei tropischer Wetterlage, zum Beseitigen des überschüssigen Kettenfetts an meiner Fahrradkette oder zum Trocknen der Arbeitsfläche unserer Küche.
Auf 78 Seiten hochwissenschaftlich präsentierte (Nullhypothese, negative Kontrollgruppen, P< 0,001, Chi-Quadrat-Test etc.) Banalitäten. Die Evidenz wird als nicht ausreichend befunden zumeist aber als verbesserungswürdig eingestuft.
Alleine schon der Satz : „Due to the lack of scientific evidence“ hinter jedem zweiten Artikel bringt mich auf die Palme.
Dafür werden aber im Gegenzug nach Befragungen unter deutschen Zahnärzten zur favorisierten Spüllösung in der Endodontie Rückmeldungsquoten von 20,5 % (ist ja auch nur 5 % schlechter als die Recallquote der Toronto-Studie) zu finiten Aussagen „verwurstet“.
„Die Mehrheit der deutschen Zahnärzte (die geantwortet haben) benutzen NaOCl in 3%iger Konzentration.“ Klinische Relevanz für den Leser?
Getoppt wird dieser Knaller an Information durch die Ausführungen der deutschen Autoren, dass Kofferdam in Deutschland ja bei der Verwendung von NaOCl zwingend vorgeschrieben sei, seit den 1950’ern Kofferdam auf dem Lehrplan deutscher Universitäten steht und daher im Fragebogen die Verwendung von Kofferdam gar nicht erst abgefragt wurde. Warum kennen dann die zu uns überwiesenen Patienten den Kofferdam in den meisten Fällen nicht?
Aber nicht nur in Deutschland treibt die Suche nach Evidenz ihr Unwesen. In Schweden fanden Forscher heraus, dass sich die Qualität der durch Durchschnittszahnärzte durchgeführten endodontischen Behandlungsergebnisse, gemessen am PAI-Score, nach dem Absolvieren eines NiTi-Anwendungskurses tatsächlich nicht verbessert hat. Nein! Echt? Als ob diejenigen, die diese Informationen lesen sollten, Zugang zur selben hätten.
Erinnert mich an die Untersuchung eines Kommilitonen von mir, der in seiner Promotionsarbeit tatsächlich herausfand, dass geölte Nadelhalter geringere Auslösekräfte benötigten als ungeölte. Nein!!!!! Echt?????
Dann noch drei Artikel zur Debris-Extrusuion bei reziprokierender Arbeitsweise des Aufbereitungsinstrumentes. Eine stellt fest, dass Arbeitslänge und die apikale Aufbereitungsgröße keinen Einfluss auf die apikale, Achtung!!!, Extrusion von Bakterien haben sollen. Die anderen beiden stellen fest, dass alle Instrumente Debris extrudieren. Ist also egal ob ich die apikale Konstruktion respektiere oder aufreiße, Arbeitslänge auf jeden Fall frei wählbar. Hallo!! McFly!!! Jemand zu Hause???
Hat eigentlich irgendjemand noch Immanuel Kant im Gedächtnis der als Evidenz die anschauende Gewissheit im Sinn hatte?
Wenn Konsens darüber besteht, dass eine apikale Parodontitis eine bakteriell verursachte Erkrankung ist, dann wundert es nicht, dass der Einsatz von NiTi-Instrumenten bei gleichbleibender Desinfektion nichts am Ergebnis ändert. Ist aber noch nicht als solche Erkenntnis wissenschaftlich begründet veröffentlicht worden.
Diese Ausgabe des IEJ war eine vollständige Enttäuschung.
Ok, eine Information die für mich zumindest in die Kategorie „nutzloses Wissen, das bei geeigneter Gelegenheit mein Gegenüber durchaus beeindrucken kann“ fällt, gab es dann doch noch: Wave One Instrumente der Gruppe „Large File“, also 40/08, sind bei D 0 gar nicht 0,4 mm groß sondern nur 0,32 mm.
In dem hier bereits vorgestellte erste Fall der Patientin sind weitere Behandlungen notwendig geworden.
Die Frontzahnproblematik war wahrscheinlich einem Unfall aus der Jugendzeit geschuldet.
Der Zahn 21 zeigte eine interne und externe apikale Resorption mit einer P. apicalis und der Zahn 22 eine P. apicalis mit externer apikaler Resorption. Die Patientin wollte den Zahnerhalt unbedingt versuchen.
Die Zähne zeigten einen Lockerungsgrad 1, keine erhöhten Sondierungstiefen, keine Sensibilität und keinerlei Beschwerden. Die prothetische Versorgung ist insuffizient.
Nach Kronen- und Kariesentfernung erfolgte die Aufbereitung und Desinfektion der Wurzelkanalsysteme. Der apikale Verschluss erfolgte mit ProRoot MTA. Die prothetische Therapie erfolgt mit Langzeitprovisorien bis zum Erkennen einer Heilungstendenz.
Wie eigentlich nicht anders zu erwarten stellt sich der Zahn nach Wurzelkanalfüllung im Einzelzahn-Röntgenbild recht „unspektakulär“ dar.
post op Röntgenaufnahme
prä op vs. post op
Ich hoffe auf eine 3D-Nachuntersuchung in 6 (-12) Monaten, um besser beurteilen zu können, inwieweit wir der Anatomie und dem bakteriellen Problem gerecht werden konnten…
Introduction: The aim of the present study was to evaluate the frequency of dentinal microcracks observed after root canal preparation with ProTaper Next (PTN;
Dentsply Maillefer, Ballaigues, Switzerland) and Twisted File Adaptive (TFA; SybronEndo, Orange, CA) systemsthrough micro–computed tomographic analysis.
Methods: Twenty moderately curved mesial roots of mandibular molars presenting a type II Vertucci canal configuration were randomly assigned to 2 experimental
groups (n = 10) according to the system used for the root canal preparation: PTN or TFA systems. The specimens were scanned through high-resolution micro–computed tomographic imaging before and after root canal preparation.
Afterward, pre- and postoperative cross-sectional images of the mesial roots (N = 25,820) were screened to identify the presence of dentinal defects. Results:
Dentinal microcracks were observed in 38.72% (n = 5150) and 30.27% (n = 3790) of the cross-sectional images in the PTN and TFA groups, respectively. All
dentinal defects identified in the postoperative scans were already present in the corresponding preoperative images.
Conclusions: Root canal preparation with PTN and TFA systems did not induce the formation of new dentinal microcracks.
Introduction:
The aim of the present study was to evaluate the frequency of dentinal microcracks observed after root canal preparation with ProTaper Next (PTN;
Dentsply Maillefer, Ballaigues, Switzerland) and Twisted File Adaptive (TFA; SybronEndo, Orange, CA) systemsthrough micro–computed tomographic analysis.
Methods:
Twenty moderately curved mesial roots of mandibular molars presenting a type II Vertucci canal configuration were randomly assigned to 2 experimental
groups (n = 10) according to the system used for the root canal preparation: PTN or TFA systems. The specimens were scanned through high-resolution micro–computed tomographic imaging before and after root canal preparation.
Afterward, pre- and postoperative cross-sectional images of the mesial roots (N = 25,820) were screened to identify the presence of dentinal defects.
Results:
Dentinal microcracks were observed in 38.72% (n = 5150) and 30.27% (n = 3790) of the cross-sectional images in the PTN and TFA groups, respectively. All
dentinal defects identified in the postoperative scans were already present in the corresponding preoperative images.
Conclusions:
Root canal preparation with PTN and TFA systems did not induce the formation of new dentinal microcracks.
Die Beurteilung der Arbeitslänge ist im zweidimensionalen Röntgenbild in vielen Fällen nicht möglich. Dies gilt besonders für Apices, die im Frontalschnitt eine schräge Aussenkontur aufweisen.
Die zweidimensionale Röntgenaufnahme lässt eine deutlich überextendierte Wurzelfüllung als nur geringfügig extendiert erscheinen, wohingegen die korrekte Arbeitslänge im 2D-Bild als zu kurz angesehen werden dürfte.
Ein schönes Beispiel dafür ist dieser untere Prämolar.
Das apikale Drittel des Kanalquerschnitts war in bukko-lingualer Richtung deutlich oval ausgeprägt. Das apikale Foramen initial mit ISO 45 eher weit.
Nach Entfernen des etwas schräg verlaufenden Glasfaserstiftes durch Durchbohren mittels Munce-Bohrern konnte anschließend die deutlich kontaminierte Guttapercha nach koronal herausgelöst werden. Dies gelang nachdem die Guttapercha zunächst mit einem Reamer ISI 008 lateral unter endometrischer Kontrolle passiert wurde. Daraufhin wurden Hedströmfeilen in aufsteigendem Durchmesser endometrisch kontrolliert bis kurz über das Foramen eingesetzt, bis die Guttapercha des apikalen Drittels in einem Stück entfernt werden konnte.
Nach chemo-mechanischer Irrigation wurde ein kollagenes Widerlager eingebracht. das klinische Bild zeigt deutlich den von der ursprünglichen Aufbereitung nicht erreichten Kanalquerschnitt.
Die Obturation wurde mit MTA durchgeführt. Der Verschluss der Zugangskavität erfolgte dentinadhäsiv. Das Kontrollbild erweckt, wie oben bereits ausgeführt, den Eindruck einer zu kurzen Obturation. Der Blick auf das DVT erklärt warum.
Die Wurzelkontur von 11 lässt im Vergleich zum Zahn 21 eine apikale externe Resorption vermuten. Apikal labial ist extrudiertes Fremdmaterial zur erkennen und eine Perforation der Wurzel erscheint wahrscheinlich. Intrakanalär ist eine interne Resorptionslakune im Ausgangsröntgenbild vermutbar.
Ziel der Therapie ist die Desinfektion des Kanalsystems, der Perforation, die Entfernung des Fremdmaterials (soweit einsehbar) und der Verschluss des Wurzelkanalsystems mit prothetischer Rehabilitation der koronalen Substanzverluste.
Anbei die Röntgenbilder zu unserer Behandlung.
Die Perforation wurde mit ProRoot MTA nach einer Desinfektion des Kanalsystems bis dahin verschlossen. In der zweiten Sitzung erfolgte die weitere Aufbereitung, Desinfektion und der Verschluss des Wurzelkanalsystems.
Heute würde ich Ihnen gerne einen Fall zur Diskussion vorstellen. Bei der Patientin handelt es sich um eine 40-jährige Mutter, die sich mit dem Hauptbeschwerdebild einer leichten Schwellung der lingualen Gingiva in Region 31 vorstellte. Klinisch imponierte schlicht eine moderate Schwellung lingual mit leichter Blutung auf Sondierung dieser Region.
Das mitgelieferte Röntgenbild liess mich die Diagnose einer externen invasiven zervikalen Resorption stellen.
Prä-operative Röntgenaufnahme des Zahnes 31 mit dem Verdacht einer externen invasiven zervikalen Resorption
Die angefertigte DVT-Aufnahme bestätigte meine Diagnose und verdeutlicht die ungünstige approximale Lage der Resorption.
DVT der Unterkiefer-Region mit der radiologischen Diagnose einer externen invasiven zervikalen Resorption
Aufgrund dieser ungünstigen Position habe ich mich daher für den Versuch eines intrakanalären “Managements” der Resorption entschieden. Auch, weil sich die Sensibilität dieses Zahnes als stark reduziert zeigte.
Dies bestätigte sich intrakanalär mit (teil)nekrotischem Pulpagewebe
Intrakanaläre Ansicht
Die weitere Behandlung erfolgte in der „üblichen“ Weise. Zu diesem Termin gelang es nicht die Resorptionslakunen intrakanalär zu identifizieren. Die endometrischen Längenmessungen liessen sich problemlos durchführen.
Masterpoint-Röntgenaufnahme
Erst beim zweiten Termin konnten die Resorptionslakunen identifiziert werden.
Resorptionslakunen intrakanalär
Diese wurden mechanisch und chemisch (u.a. mit Eisen-(III)-Sulfat) „behandelt“. Die Obturation der Kanalsysteme erfolgte schliesslich mit Guttapercha und Sealer.
Post-operative Röntgenaufnahme
Bei der Betrachtung der Aufnahmen frage ich mich, ob mein Vorgehen tatsächlich „richtig“ gewählt war.
War das Vorgehen ggf. zu invasiv und ich habe so eine „Sollbruchstelle“ geschaffen bzw. verstärkt? Wie ist wohl die Prognose des Zahnes einzuschätzen.
Wie sehen Sie diesen Fall und mein gewähltes Vorgehen?