2D vs. 3D (XXXI)

von Ronald Wecker

Die Beurteilung der Arbeitslänge ist im zweidimensionalen Röntgenbild in vielen Fällen nicht möglich. Dies gilt besonders für Apices, die im Frontalschnitt eine schräge Aussenkontur aufweisen.

 

Die zweidimensionale Röntgenaufnahme lässt eine deutlich überextendierte Wurzelfüllung als nur geringfügig extendiert erscheinen, wohingegen die korrekte Arbeitslänge im 2D-Bild als zu kurz angesehen werden dürfte.

Ein schönes Beispiel dafür ist dieser untere Prämolar.

45D.003

Das apikale Drittel des Kanalquerschnitts war in bukko-lingualer Richtung deutlich oval ausgeprägt. Das apikale Foramen initial mit ISO 45 eher weit.

Nach Entfernen des etwas schräg verlaufenden Glasfaserstiftes durch Durchbohren mittels Munce-Bohrern konnte anschließend die deutlich kontaminierte Guttapercha nach koronal herausgelöst werden. Dies gelang nachdem die Guttapercha zunächst mit einem Reamer ISI 008 lateral unter endometrischer Kontrolle passiert wurde. Daraufhin wurden Hedströmfeilen in aufsteigendem Durchmesser endometrisch kontrolliert bis kurz über das Foramen eingesetzt, bis die Guttapercha des apikalen Drittels in einem Stück entfernt werden konnte.

Nach chemo-mechanischer Irrigation wurde ein kollagenes Widerlager eingebracht. das klinische Bild zeigt deutlich den von der ursprünglichen Aufbereitung nicht erreichten Kanalquerschnitt.

Die Obturation wurde mit MTA durchgeführt. Der Verschluss der Zugangskavität erfolgte dentinadhäsiv. Das Kontrollbild erweckt, wie oben bereits ausgeführt, den Eindruck einer zu kurzen Obturation. Der Blick auf das DVT erklärt warum.

5 Gedanken zu „2D vs. 3D (XXXI)

  1. „Die zweidimensionale Röntgenaufnahme lässt eine deutlich überextendierte Wurzelfüllung als nur geringfügig extendiert erscheinen, wohingegen die korrekte Arbeitslänge im 2D-Bild als zu kurz angesehen werden dürfte.“
    Müsste es nicht „Die dreidimensionale Röntgenaufnahme lässt….“ heißen?
    Grüße an Ronald

    • Ronald meint: „Nein“. Soll heißen: im 2D Bild präoperativ sieht die Länge der WF nur geringfügig zu lang aus, während in Wahrheit die WF deutlich überextendiert ist. Betrachtet man das PostOp Bild isoliert, könnte man aufgrund des schrägen Wurzelverlaufs meinen, die Arbeitslänge wäre zu kurz.

      LG JS

  2. Alles klar.
    Danke an Ronald.
    P.s: Wie würde Ronald die Prognose des Zahnes einschätzen? Und würde er in diesem speziellen Fall zu den Recall-Terminen kleine Röntgenbilder anfertigen oder wieder ein DVT einsetzen? Was sprach gegen eine neuerliche Stiftsetzung?

    • Die Prognose schätzt Ronald als gut ein. Der Recall erfolgt in Ronalds Praxis standardmässig in 2D, sofern präoperativ im 2D eine apikale Pathologie erkannt werden konnte. Die Reduktion oder vollständige Remission der apikalen Veränderung reicht ihm bei zeitgleicher Symptomfreiheit als Hinweis auf eine Ausheilung aus. Nur bei Zweifeln hinsichtlich der Ausheilung im Zusammenhang mit anstehender prothetischer Neuversorgung wird in sehr ausgewählten Fällen eine 3D-Nachkontrolle durchgeführt.

      Ein Glasfaserstift wurde, wie fast immer, nach erfolgter Obturation in gleicher Sitzung eingesetzt.

      Herzliche Grüße

      Jörg Schröder

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