Schweizer Methode ?

von Christoph Mahlke

Der junge Patient hatte vor Jahren (Sept. 2008) einen Fahrradunfall mit Luxierung des Zahnes 11. Er wurde in einem niedersächsischen Klinikum notfallmäßig geschient. Tage später abszedierte der Zahn und wurde notfallmäßig in einer Praxis für MKG inzidiert (Okt. 2008). Fistelungen fielen dort auch 2009 und 2011 auf, wurden aber nicht behandelt.

Der Patient erschien bei uns leider nur sporadisch zu Routinekontrollen.
Seit wann die Behandlung in einer spez. Kinderzahnarztpraxis (s.u.) weitergeführt wurde ist daher auch unklar.

Bei der nun erfolgten Routineuntersuchung in unserer Praxis ergab sich folgender Befund:

Zahn 11 – Die Perkussionsempfindlichkeit des Zahnes war nicht schmerzhaft, wohl aber unterschiedlich zum Nachbarzahn, der Lockerungsgrad II, die Vitalität war negativ und es bestand eine (kleine) Karies approximal distal, sowie eine insuff. verschlossene Trep.-Öffnung palatinal.
Der Zahn war um 2 mm elongiert, gelblich verfärbt und leicht nach vestibulär gekippt.
Die Taschentiefen waren leicht erhöht.
Die Umschlagfalte war o.p.B..

Das alio loco angefertigte (Kontroll-)Röntgenbild (ca. einen Monat alt aus Kinderzahnarztpraxis) ließ auf eine apikale Osteolyse schließen.

Laut Mutter des heute 14 Jahre alten Patienten soll nun demnächst eine kombiniert prothetisch– kieferorthopädische Therapie stattfinden, da die kausale Therapie laut spezialisierter Kinderzahnarztpraxis abgeschlossen wäre und der Zahn „so unschön lang und gelb“ aussähe. Außerdem sei die Vorbehandlung jetzt abgeschlossen. Zitat: „Im Knochen ist alles ausgeheilt“.

Die Therapie wurde von der Mutter als „Schweizer Methode“ bezeichnet, welche mir nicht geläufig ist.

Meine Frage gilt nun der Langzeitprognose des Zahnes und der empfohlenen Therapie.
Die Möglichkeit eine DVT zu erstellen besteht in unserer Praxis, was ich der Mutter nahe legen werde, falls weiter Befunde für die Therapieentscheidung eingeholt werden müssten.

Was sehen Sie im Röntgenbild bzw. würde Ihnen dies zur Diagnosefindung bzw. Therapieentscheidung ausreichen?
Wenn nein, warum?

Wie würden Sie entscheiden?
[Poll (Vorschlag):] oder offene Frage für die Kommentarfunktion

  • Endodontische Therapie
  • Weitere Abklärung (DVT) notwendig
  • Extraktion und prothetische Lösung (Implantat/Brückenversorgung)
  • Zahnerhalt bis Volljährigkeit, danach prothetische Therapie
  • Alternativer Therapievorschlag

Kleines Update:

Die Kinderzahnarzt-Praxis rief mich heute an und erklärte das die bisherige Therapie („Schweizer Methode“) eine Revaskularisierung zum Ziel hatte, dies aber wohl nicht erfolgreich war. Auch wurde die Prognose in Anbetracht der anstehenden KFO-Therapie dort als eher schlecht eingeschätzt. Letztendlich wurde ich auch heute informiert, dass der Zahn nicht wie gedacht (lt. Arztbrief unvollständig) luxiert, sondern für 2 Stunden eine trockene Avulsion bis zur (unvollständigen) Replantation vorlag.