Eine Geschichte aus dem Endozän

Es ist schon einige Jahre her.
Bei einer Patientin haben wir den Brückenpfeilerzahn 44 endodontisch behandelt und dem Überweiser mitgeteilt, daß der Zahn als Brückenpfeiler auf Grund der Substanzschwächung nicht dauerhaft funktionieren wird.

Darauf wurde die Patientin zu einem implantologisch tätigen Kollegen überwiesen, der mit erheblichen Aufwand zwei Implantate 45, 46 inserierte.
Alles gut. Nur sagte der Kollege zum Abschluss: Und wenn der Endozahn bald nicht mehr funktioniert, dann setzen wir ein schönes Implantat da. Die Patientin antwortete: Dieser Zahn ist erst neu behandelt und hat fast soviel wir ein Implantat gekostet.

Nun nach ca. 8  Jahren sieht die Sachlage so aus: Die Ursache sieht der Implantologe darin, daß die Patientin plötzlich wieder mit Rauchen angefangen hat, Grund tragischer Todesfall in der Familie.

Was soll man jetzt tun?
Doch wieder eine Brücke inserieren. Die Patientin raucht bis heute. Einen neuen Knochenblock will der Chirurg nicht setzen.
Nun muss der „Endozahn“ wohl die Situation retten…

Pick (3.1)

Vielen Dank für die Kommentare.

Auf Grund der zu erwartenden massiven Stufenbildung haben wir der Patientin zum Erhaltungsversuch des Zahnes mit der Prognose günstig-kritisch geraten.
Im angefertigten DVT haben wir den Kanalverlauf nach der Stufe im mb Kanalsystem erruieren können. Trotzdem war ich zurückhaltend mit der Prognose. Ich hatte bereits einige „dieser vorbehandelten Zähne“ in der Revision und es war jedesmal extrem schwierig und zeitaufwendig diese Fälle zu lösen.

Die im DVT erkennbare Kanalverlagerung war schon deutlich, ließ uns aber die Revision nicht aussichtslos erscheinen.

In der Behandlung konnten wir nach dp vorgebogenen Handinstrumenten nichts sondieren, bzw. nachverfolgen. Innerhalb einer Stunde konnten wir keinen Erfolg erreichen.
In der angefertigten Kontrollaufnahme waren Reste der Einlage eines unbekannten Materials oder die Spitze eines Eddy zu vermuten. Wir konnten dies mittels Schall- und ultraschallgestützter Spülungen nicht entfernen.
Die Instrumentenspitze traf immer wieder auf einen harten Widerstand in der Stufe.
Nach dieser Stunde hatten wir das Limit erreicht und brachen weitere Versuche ab.
Die Patientin wurde von uns über diesen erfolglosen Versuch informiert.
Wir hatten im Vorfeld vereinbart, daß wir bei erfolgloser Suche nach der ersten Sitzung die Behandlung abbrechen.

Auf mein Anraten und der Hoffnung doch noch über den mb2 Kanal etwas zu erreichen, haben wir einen weiteren Termin vereinbart um noch einen weiteren Versuch der Erschließung ggf. über mb2 zu unternehmen. Auch hier gelang uns nachweiteren 30 Minuten im mb1 Kanal kein Fortschritt.

Der unbehandelte mb2 Kanal konnte mittels der Balanced-force-Technik initial instrumentiert werden und wurde anschließend maschinell weiterentwickelt bis zur #25.
( Niti-K-Feilen werden mit geringem Druck in den Wurzelkanal bis zum Widerstand eingeführt und um ca. 90 Grad im Uhrzeigersinn rotiert. Danach wird unter forciertem Druck die Feile ca. 180° in die Gegenrichtung  nach apikal das Instrument gedreht und aus dem Kanal entfernt. )
Leider war keine Konfluation mit dem Kanal mb1 zu erkennen. Es lag eine Vertucci Klassifikation Typ IV vor.

Die Erweiterung und Behandlung des gesamten restlichen Kanalsystems konnte nur eine dezente Beschwerdeminderung erreichen.
Die Palpation in Höhe der mesiobukkalen Wurzelspitzeentsprach den Schmerzen und verstärkte die Beschwerden.

Die Patientin hatte sich nach Beratung gegen eine apikale Resektion der unbehandelten mesialen Kanalbereiche und leider für die Extraktion entschieden.

In unserer Praxis treten diese Fälle nicht selten auf. Zumeist in Folge von vorbehandelten schwierigen Kanalsystemen, welche ein gezieltes und bewusstes Vorgehen erfordern.

Die Röntgenbilder zeigen erhebliche Krümmungsradien. Diese erfordern ein geplantes Vorgehen ( siehe oben, Erschließung mb2 ).
Die Hoffnung auf einen Zugang zum mb1 über den mb2 Kanal war leider illusorisch.
Hedströmfeilen gehören nicht in in die Erschließung und Sondierung derartiger Kanalsysteme. Zur Differenzierung übereinander projezeirter Kanäle in Messaufnahmen oder zur Entfernung von Guttapercha sehe ich eine Indikation dafür.

Schade. In diesem Fall hätte ich der mikroinvasiven Resektion der mb nicht behandelten Wurzelbereiche eine Chance gegeben.

 

 

Tag des Frontzahnes II – Recall Fall II – Update

Von Bonald Decker

Vor einiger Zeit hatte ich Ihnen hier und hier einen Frontzahn-Revisionfall vorgestellt. Zuletzt mit der Frage, wie Sie weiter vorgehen würden.

Nachfolgend möchte ich nun einige der als Kommentar gestellten Fragen beantworten und das weitere Procedere zeigen:

Eine falsch positive Sensibilitätsprobe des Zahnes 22 hatte ich (für mich) in der Vergangenheit  wiederholt ausgeschlossen (=bei Erstvorstellung, vor WF von Zahn 21, bei Recall 6 und 10 Monate). Eine apikale Parodontitis ausgehend von diesem Zahn kam für mich also nicht in Frage.

Zum Zeitpunkt der Revisionsbehandlung war die Patientin 31 Jahre alt. Ein Frontzahntrauma im „klassischen“ Sinne lag in der Vergangenheit nicht vor. Die Patientin gab an, dass sie sich die Zähne in der Vergangenheit auf Wunsch ihres damaligen Freundes mit Veneers bzw. Kronen hatte versorgen lassen. Die weitere endodontische Problematik dieser Region habe sich dann in der weiteren Folge entwickelt.

Die klinische Untersuchung der Zähne (Taschensondierung und Lockerungsgrad etc.) ergab zu keinem Zeitpunkt wirkliche Besonderheiten. Bei der prothetischen Restauration ergab sich für mich keinen Anhalt für Randundichtigkeiten (oder (Sekundär) Karies), weswegen diese vorab nicht entfernt wurde. Die intrakanaläre Diagnostik ergab zum Revisionszeitpunkt keinen Anhalt für eine Vertikalfraktur. Der vom mir damals erzielte apikale Aufbereitungsdurchmesser betrug 40.06. Bei der Wiedervorstellung zehn Monate nach Revisionsabschluss imponierte  eine deutliche apikale Druckdolenz an Zahn 21.

Unter anderem aufgrund der geschilderten Befunde entschieden Patientin und ich als Nächstes ein chirurgisches Vorgehen zu wählen.

Hier das Abschlussröntgenbild der alio loco durchgeführten (mikrochirurgischen) Wurzelspitzenresektion (inkl. retrograder MTA-Füllung ).

recall-fz-zahn-21-001

Zustand nach Revisionsbehandlung und nachfolgend alio loco durchführter WSR an Zahn 21

Laut Chirurgin seien intraoperativ keine Besonderheiten aufgefallen.

Alle Beteiligten hoffen nun, dass die zukünftigen weiteren Recalls nun erfreulicher ausfallen als die letzten…

ich werde weiter berichten.

Mit acht Jahren Verspätung…

Von Bonald Decker

Vor circa acht Jahren stellte sich die nachfolgende Patientin erstmals bei mir vor.

Zahn 22 sollte nach Meinung des Hauszahnarztes entfernt worden.

Seine Diagnose lautete perforierende interne Resorption.

 

Misserfolg nach 8 Jahren.001

Misserfolg nach 8 Jahren.002

Klinische Situation vor Behandlungsbeginn

Nach eingehender Abwägung aller Vor- und Nachteile entschieden wir uns damals gemeinsam für einen weiteren Erhaltungsversuch des Zahnes.

Nach chemo-mechanischer Reinigung und nachfolgender Obturation des Kanalsystems mittels Guttapercha & Sealer (in zwei Terminen) wurde die sehr weit krestal gelegene Perforation mittels MTA verschlossen.

Misserfolg nach 8 Jahren.003

Misserfolg nach 8 Jahren.004

Letzte Woche wurde die Patientin nun wieder bei mir vorstellig.

Leider musste ich nun mit acht Jahren „Verspätung“ auch für die Extraktion des Zahnes stimmen…

Misserfolg nach 8 Jahren.005.jpg

 

Misserfolg nach 8 Jahren.006

Wäre dieser Misserfolg Ihrer Meinung nach vermeidbar gewesen ?

Was hätte ich anderes machen können?

Oder sollte ich mich darüber „freuen“, dass wir acht Jahre „von der Uhr“ genommen haben?

Was denken Sie?

Tag des Frontzahnes II – Recall Fall II

Von Bonald Decker

Heute möchte ich Ihnen die Nachuntersuchung des zweiten Falls aus dem Tag des Frontzahnes II vorstellen. Die vor circa zehn Monaten durchgeführte Revisionsbehandlung verlief problemloser als es vorab u.a der intrakanalär vorhandene Zirkonstift vermuten liess. Daher war ich zuversichtlich was den zu erwartenden Heilungsverlauf angehen würde.

Die vor Kurzem durchgeführte klinische und radiologische Nachuntersuchung brachte jedoch Ernüchterung.

Tag des Frontzahnes Recall.001

Zunehmende Osteolyse zehn Monate nach orthograder Revision des Zahnes 21;                       Zahn 22 reagiert (wie auch vor Behandlungsbeginn getestet) positiv auf elektrische und thermische Stimulation 

Insbesondere die Abfolge der Röntgenaufnahmen verdeutlicht die Verschlechterung der Situation:

Tag des Frontzahnes Recall.002

Wie soll es Ihrer Meinung nach weitergehen?

2015 Fallvorstellung 2

von Ostidald Wucker

Und noch zwei Fälle aus 2015, welche in meiner Erinnerung hängen geblieben sind.

Bei beiden Fällen haben wir die SAF eingesetzt. Diese gehört seit 2014 zum Standardprotokoll in fast jeder Aufbereitung.
Ausnahmen wären beispielsweise:
– schwer zugängliche Zähne mit geringer Mundöffnung ohne halbwegs geradlinigen Zugang,
– Kanaldurchmesser größer 2mm, bzw. Kanäle in denen die SAF rotieren würde.

Beide Fälle zeigen starke Krümmungen der Zahnwurzeln.

Der erste Fall zeigt ein extrem gekrümmtes Kanalsystem eines unteren Weisheitszahnes. Hier sollte im Überweisungsauftrag der Zahn mit allen Mitteln erhalten werden, da eine Implantation als Alternative nicht in Frage kam.
Die Diagnose lautet: infizierte Pulpanekrose, P. apicalis.
Der Patient wurde über die außergewöhnlich hohe Gefahr der Instrumentenfraktur aufgeklärt und wollte ebenso den Erhaltungsversuch wagen. Die Aufbereitung erfolgte in diesem Fall mit Profile und TwistedFile Instrumenten. Mesiobukkal konnte Patency nicht etabliert werden. Die SAF 1.5 wurde pro Kanal für 4 Minuten auf der gesamten Arbeitslänge nach Aufbereitung bis #25 eingesetzt. Interessant für uns ist die Frage – Wird es zur Heilung trotz fehlender vollständiger apikaler Aufbereitung kommen? Es sieht nicht danach aus.

Im zweiten Fall wurde die apikale Krümmung mit Handinstrumenten und Profilinstrumenten aufbereitet. Die apikale Krümmung konnte  sehr gut mit der SAF bearbeitet werden. Die Aufbereitung distal erfolgte bis #30.
Der Masterpoint distal gelangte überraschend nicht auf die genaue Arbeitslänge. Das Röntgenbild zeigte das Problem. Ein Fragmentenstück der SAF, nicht optisch erkennbar, war die Ursache. Das Entfernen war problemlos unter Einsatz des Eddy und Spüllösung möglich.
An der SAF war selbst haben wir unter mikroskopischer Kontrolle das fehlende Teil nur sehr schwer erkennen können. Bereits vor einiger Zeit haben wir einen ähnlichen Fall beschrieben. Damals konnten wir das apikal gelegene Fragment im Kanal sehen.

 

 

Misserfolg nach Revitalisierung

Von Bonald Decker

“Gefühlt” haben wir in den letzten Jahren ca. 25 Revitalisierungsbehandlungen vorgenommen. Eine ganze Reihe dieser Therapien resultierten in den gewünschten Zunahmen an Wurzellänge und Wanddicke des entsprechenden Zahnes. Für mich ein echter “Erfolg”.

So wie in unserem absoluten „Prime“-Fall hier

Aber wir hatten auch eine Reihe von Fällen, in denen sich radiologisch keine Veränderung des Wurzelwachstums erkenne liessen. Hier zur Erinnerung ein solcher Fall.

Mit den Ergebnissen war ich bisher trotzdem zufrieden, da durch die Behandlungen immer die Symptome verschwanden und sich der apikale Befund (deutlich) verbesserte…

Mir sind aber auch kritische Stimmen zu dieser Therapie bekannt, da diese nicht vorhersagbar anschlägt…

vor Kurzem war es nun „auch“ bei uns so weit…

der oben gezeigte Fall des Stillstand wandelte sich zum Misserfolg.

Hier noch kurz die Eckdaten des Falles:

 

Abschluss nach MTA-Apexifikation

Abschluss nach MTA-Apexifikation

Ein solcher primärer Misserfolg lässt mich auf jeden Fall wieder demütiger mit dieser Thematik umgehen.

Hatten Sie ggf. schon ähnliche Erfahrungen nach Revitalisierung?

P.S.: Bei der Wiedereröffnung des Zahnes im Notfalltermin fand sich intrakanalär kein eingesprosstes Gewebe o.ä. Das Kanalsystem war quasi komplett leer…

P.P.S.: Es ist noch eine Bleaching geplant, daher habe ich bisher auf einen Glasfaserstift verzichtet…

2D vs. Extraktion

von Sebastian Riedel

In der Regel dauert ein Termin zur endodontischen Beratung in unserer Praxis 30 Minuten:

Es werden die relevanten klinische Befunde erhoben, Röntgenaufnahmen angefertigt, die  für eine erfolgreiche endodontische Therapie notwendigen Massnahmen erläutert und abschliessend die Risiken der geplanten Therapie sowie mögliche Behandlungs-alternativen ausführlich besprochen.

Als sich dieser Patient vor zwei Tagen wegen Beschwerden in Region 26/27 vorstellte, ging es schneller.

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Laut Patientenaussage wurde 26 im Jahr 2001 resiziert, etwa zur gleichen Zeit, wurde an Zahn 27 eine Wurzelbehandlung durchgeführt. Seitdem schmerzt es im linken Oberkiefer immer wieder, vor allem nach der professionellen Zahnreinigung hat der Patient eine Woche andauernde, meist heftige Schmerzen. Seit 2001.

Klinisch konnte bukkal an 27 mit der PA-Sonde bis zum Apex sondiert werden, der Zahn war deutlich beweglich. Zur Beurteilung der Periapikalregionvon 26 und 27 wurde ein zweidimensionales Röntgenbild angefertigt.

Der Befund war so eindeutig, dass ich in meiner Erläuterung keinen Zweifel daran ließ, dass es keinerlei zahnerhaltende Maßnahmen gäbe; ich schlug die Extraktion vor.

Gestern konnte ich den Zahn entfernen, und eine Überraschung kam damit zum Vorschein: Schmerzen nach der Prophylaxe sind bei dem Befund nachvollziehbar, man erkennt sehr gut die durch die Bearbeitung der Wurzeloberfläche entstandene Mulde bukkal. Die Via falsa in dieser Ausprägung war im zweidimensionalen Bild überhaupt nicht zu vermuten !

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Meine Ankündigung, der Patient werde mit großer Wahrscheinlichkeit nach Entfernung des Zahnes eine gesundheitliche Entlastung erfahren, war dann auch für ihn nachvollziehbar. Ein Gespräch mit dem seit Jahren behandelndem Kollegen bahnt sich an…

Misserfolg bei -Grossbaustelle- update

Von Bonald Decker

Die Beitragsreihe -Grossbaustelle- inklusive Misserfolg geht in die nächste Runde…

heute ein kurzes Update zu der weiteren Entwicklung des Zahnes 14.

Nach eingehender Aufklärung und Beratung der Patientin über die verschiedenen Therapieoptionen entschied sich die Patientin für eine chirurgische Intervention im Sinne einer Wurzelspitzenresektion. Leider war es uns nicht vergönnt diese selber durchzuführen.

Hier das radiologische Ergebnis der also loco durchgeführten Behandlung.

Zustand nach also loco durchgeführter Wurzelspitzenresektion

Zustand nach also loco durchgeführter Wurzelspitzenresektion

Nähere Informationen zu dem genaueren chirurgischen Vorgehen inkl. verwendeten retrogradem Wurzelfüllmaterial stehen noch aus…

Ich werde berichten.

Misserfolg bei -Grossbaustelle-

Von Bonald Decker

Letzte Woche habe hier ich einen Fall vorgestellt, der rein radiologisch gesehen als recht „spektakulär“ bezeichnet werden kann.

Leider stellt sich (bei uns) nicht jeder Behandlungsfall so erfreulich dar und ich möchte heute einmal die „andere Seite der Medaille präsentieren“.

Erinnern Sie sich noch an die vor einiger Zeit vorgestellte Situation dieser „Grossbaustelle„?

Im Zuge der endodontischen Behandlungen haben wir unter anderem Zahn 14 revidiert. Präoperativ zeigte sich eine (moderat ausgeprägte) apikale Parodontitis bei insuffizienter endodontischer Vorbehandlung.

Prä-op

Prä-op

Unser Vorgehen erfolgte (,wie immer in solchen Fällen,) zweizeitig. Als medikamentöse Einlage wählten wir Ca(OH)2. Ferner kamen NaOCl, EDTA und CHX (inklusive Ultraschallaktivierung) als Spüllösungen zum Einsatz. Die apikalen Aufbereitungsdurchmesser betrugen bukkal wie palatinal 35.06. Als Wurzelkanalfülltechnik wählten wir die warm-vertikale Verdichtung von Guttapercha und Sealer (AH plus) gefolgt von einem (tiefen) adhäsiven Verschluss der Zugangskavität.

Hier das postoperative Resultat unserer „Bemühungen“:

Post-op

Post-op

Rein radiologisch betrachtet war ich mit dem erzielten Ergebnis zufrieden…

Erhebliche „Ernüchterung“ stellte sich meinerseits (und natürlich auch bei der Patientin) bei Betrachtung der Röntgenaufnahme sechs Monate postoperativ ein.

Recall

Recall

Nicht nur, dass unsere bisherigen Massnahmen keinen Heilungsprozess initiiert haben … nein, die die Situation hat sich im Vergleich zur Ausgangssituation sogar deutlich verschlechtert…

was nun?

Jetzt sind Sie „dran“… was denken Sie über diesen Fall?

Feuer frei…

Misserfolg du Jour (4)

von Ronald Wecker

Dass dieser Titel einmal des öfteren Artikel „schmücken“ würde, war mir irgendwie klar. 100% Behandlungserfolg ist eine Illusion.

Dass es aber neben mechanischem Versagen auch noch biologische Misserfolge geben kann, habe ich mit der Zeit offensichtlich ein wenig verdrängt.

Eine Vertikkalfraktur ist dabei für mich leichter zu ertragen, als ein, wahrscheinlich durch nicht erfolgreiche Desinfektion eines besonders komplexen Wurzelkanalsystems, verursachter Misserfolg.

2 Jahre nach der – initial erfolgreichen –  Revisionsbehandlung (Ausheilung der aktiven Fistel, völlige Beschwerdefreiheit) dieses unteren ersten Molaren klagte der Patient über eine zunehmende Aufbissempfindlichkeit. Das Röntgenbild zeigt eine deutliche apikale Aufhellung im Bereich der mesialen Wurzel.

Klinisch zeigten sich bei damals 3 mesiale und 2 distale Kanalsysteme.

Die Behandlung erfolgte in 2 Sitzungen mit Einlage von CaOH2. Offensichtlich waren ca. 4 Stunden ultraschallaktivierte Spüllösung nach mechanischer Aufbereitung nicht in der Lage das Kanalsystem so zu desinfizieren, dass es ein langfristiger Behandlungserfolg werden konnte.

PostOp

Recall 1 Jahr

Terry Pannkuk lässt schön grüßen.

Die Determinanten des Erfolgs

von Steven Koppel

Es gibt viele Studien über die Dichtigkeit von Wurzelfülltechniken, es gibt Studien über die Korrelation zwischen Mißerfolg und koronalem Leackage.

Was ist jedoch verantwortlich für die biologische Heilung?

Die ausreichende Elimination der Infektionsquelle, so daß der Körper im Idealfall ein restitutio ad integrum schaffen kann.

Die erfolgreiche Desinfektion des Wurzelkanalsystems ist dabei die entscheidende Determinante, Wurzelfüllung und koronaler Verschluß eher die Verhinderer einer Reinfektion.

Auch wenn von Vertretern thermoplastischer Wurzelfülltechniken diesem Behandlungsteilschritt eine vorentscheidende Bedeutung beigemessen wird, im vorliegenden Fall fällt es nicht leicht, an die herausragende Bedeutung von Wurzelfüllungen im Hinblick auf den Behandlungserfolg zu glauben.

2010 wurde von mir  eine nekrotische Pulpa an Zahn 15 mit Parodontitis apicalis chronica entfernt; Es folgte die Wurzelkanalaufbereitung unter intermittiernder NaOCl – Spülung.

Der Zahn wurde mit einer Hypochlorit- CaOH2- Einlage versehen – und zeigte sich samt seiner Besitzerin erst ein Jahr später wieder dem Behandler. Die Besitzerin hatte keine Probleme und ließ daher andere, dazwischenliegende Termine verstreichen – sie dachte, daß der Zahn fertig behandelt sei.

Der Zahn war mit einer adhäsiven Aufbaufüllung versehen und mit Cavit und einer adhäsiven Füllung verschlossen. All dies unversehrt bei der Wiedervorstellung.

Ein Jahr später konnte nun die Wurzelkanalfüllung endlich erfolgen: auf der Röntgenkontrastaufnahme zeigte sich eine fast vollständige biologische Heilung gegenüber den Ausgangsbildern.

Welches war nun die entscheidende Determinante dieses Heilungsprozesses? Aufbaufüllung und Deckfüllung sicher nicht – und auch die medikamentöse Einlage dürfte ihre desinfizierende Wirkung bereits verloren haben und weit von einem dichten Verschluß entfernt sein, wie man ihn von  thermoplastischen Füllungen her kennt.

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Misserfolg du Jour (3)

von Ronald Wecker

Niederlagen schmerzen. Zumindest mich.

Nachfolgender Fall schmerzt mich ganz besonders, da das „Aus“nach einem Beobachtungszeitraum von 4 Jahren kam. Irgendwie hatte ich damit nicht mehr gerechnet. Und wieviele unserer zumeist überwiesenen Patienten können wir überhaupt über einen solchen oder längeren Zeitraum nachuntersuchen?

Wieder einmal kommt mir Terry Pannkuk in den Sinn, der weitab jeglicher politischen Korrektheit auf ROOTS seine nicht sehr wohlmeinende Ansicht zu kurzfristigen (einstellige Jahreszahl) Recalls kundtat. Recht hat er.

DVT in der Endodontie – Fluch oder Segen ?

von Hans – Willi Herrmann

Und da bleibt neben der Schraube nicht mehr viel übrig….

Die Quintessenz, gestern hier an dieser Stelle.

Entschuldige, Bodald, dass ich hier einhake.

Eigentlich war doch klar, das es so kommen würde.

Kaum waren ein paar DVT´s über die Zahnmedizin verstreut, schon gab es erste Stimmen, die eine 100 prozentige Misserfolgsrate endodontischer Behandlungen beschrieben.

Der zeitgemäße Gegenentwurf zur berühmten Aussage Schilders der 100 % – X Erfolgsrate.

100 Prozent Misserfolg.

Wie kann das sein ? Ganz einfach. Die geringe Aussagekraft des konventionellen 2D – Röntgens deckt gnädigerweise den Mantel des Verdeckens über die offensichtliche Insuffizienz endodontischer Behandlungen.

Und – hatte man es nicht schon immer gesagt. Ein toter Zahn ist ein Störenfried, der nicht in die Mundhöhle, sondern in den Mülleimer gehört. Stehen wir also an der Schwelle zu einem neuen Zeitalter des Exodontismus, einer Renaissance der Herdlehre ?

Naja- Die diagnostizierten 100 % Misserfolg buch ich mal unter  der Rubrik „Neues Spielzeug und übermotivierter Behandler“ ab.

Trotzdem ist klar. Ein Verfahren, das genauer hinschaut, wird mehr Misserfolge aufdecken. Das ist Fakt.

Also doch – das DVT – Totengräber der Endodontie ?

Seh ich nicht so.

Ganz im Gegenteil.

Natürlich wird das DVT Misserfolge in der Endodontie aufzeigen.
Misserfolge, die man bisher sich nicht ansehen musste, weil man diese bisher als solche nicht wahrnehmen konnte. Und  der Patient von diesem Misserfolg nichts mitbekam. Dem ging es  gut, oder zumindest meinte er das.

Anderserseits – und das ist die gute Nachricht. Das DVT kann auch Heilung dokumentieren. Auf eine eindeutige und nachhaltige Art und Weise, wie es uns bisher noch nie möglich war.

Knochen weg – WK/ WF – Knochen wieder da.

Restitutio ad integrum statt Zahnersatz.

Darin  liegt also auch eine Chance der Endodontie. Fakten, Fakten, Fakten.  Im 2 D – Röntgenbild sieht ja vieles gut aus. Selbst viele richtig schlechte Sachen.

Das DVT gibt uns also nicht nur die Möglichkeit, Erfolge und Misserfolge viel genauer als bisher zu differenzieren, sondern auch unsere Techniken auf ihre Eignung hin zu überprüfen. Sehenswerte  Statements wie diese hier von der Tulsa Dental  – Homepage sind die ersten Vorboten der neuen Technologien (DVT, Micro CT)  und zeigen, dass es uns möglich sein wird, Materialien und Methoden in der Endo miteinander zuvergleichen.

Das DVT wird die Endodontie voranbringen.
Und dadurch wird sich gute Endodontie gegenüber der Implantologie behaupten können.

Fakten, Fakten, Fakten. Ich rechne fest damit.

Fata Morgana?

von Jörg Schröder

Neben dem Fehlen von klinischen Symptomen steht bei der Einschätzung des Behandlungserfolges die radiologische Untersuchung der periradikulären Strukturen im Vordergrund. Ein durchgehender Parodontalspalt sowie das Fehlen radiologischer Transluzenzen wird dabei als Ausdruck vollständiger Heilung und somit als Behandlungserfolg angesehen. Sollte eine präoperative vorhandene Transluzenz  nicht innerhalb eines 4-jährigen Beobachtungszeitraumes rückgebildet sein, so ist der Fall als Misserfolg zu werten. So steht es im Konsensus-Report der ESE. Die Grundlage unserer Bewertung bildet dabei in erster Linie ein zweidimensionales Röntgenbild.

Das die Realität oftmals von dem im Röntgenbild vermittelten Eindruck erheblich abweicht kennt sicher jeder von der elektronischen Bestimmung der Arbeitslänge mit Hilfe eines Foramenlokatorgerätes.

Wie stark jedoch die zweidimensionale Darstellung das tatsächliche Geschehen verschleiert zeigt nachfolgender Fall:

Zahn 27 wurde alio loco vor 3 Monaten endodontisch behandelt. Der Zahn zeigt keinerlei klinische Symptomatik. Die Wurzelfüllung im distobukkalen Kanal erscheint deutlich überextendiert. Mesial zeigt sich eine knöcherne Struktur, ein dezenter Sealer-Puff, sowie eine geringe Transluzenz. Die palatinale Periapikalregion ist projektionsbedingt nur unzureichend zu beurteilen.

Anlässlich der Frage ob die Schaltlücke in regio 26 implatologisch versorgt werden kann wurde ein digitales Volumentomogramm (DVT) angefertigt. Darauf sind an allen Wurzeln ausgedehnte knöcherne Lysen zu diagnostizieren, deren Existenz 3 Monate postoperativ zwar nicht beunruhigend sind, deren Ausdehnung mich bei der Betrachtung des Einzelbildes jedoch stark verwundert hat.


Die zur Zeit auf einer internationalen Newsgroup fast täglich eingestellten DVT-Befunde zeigen ein ähnliches Bild: ausgedehnte knöcherne Läsionen die im zweidimensionalen Röntgenbild nicht oder nur mit viel Phantasie zu erkennen sind.

Es scheint so zu sein, dass die knöcherne Regeneration periapikaler Parodontitiden deutlich mehr Zeit benötigt und unsere bisherige Röntgendiagnostik nicht in der Lage ist das wahre Geschehen darzustellen. Unter Umständen müssen wir angesichts dieses Sachverhaltes die Kriterien für den endodontischen Behandlungserfolg neu definieren.