Um einen Laser zu betreiben, muss man die entsprechende Sachkunde nachweisen. Weiterhin sind einige Dinge, wie u.a. Warnleuchten, „Fensterschutzeinrichtungen“ und entsprechende Laserschutzbrillen notwendig.
Im Vorfeld haben wir diese Bedingungen erfüllt, bzw. geschaffen.
Einziger Anbieter für Fotona Laser ist Henry Schein in Deutschland. Bestellt haben wir den Laser im November 2021.
Lieferverzögerung um Monate trotz bestätigter Liefertermine und unvollständige Lieferungen bestimmten den Beginn. Als Ursache wurde wir auf die Corona bedingte Zulieferkriese verwiesen.
Ab Mai 2022 konnten wir erstmals die endodontische Behandlung mit dem Laser unterstützen. Da wir aber nur ein Handstück hatten, ein weiteres bestelltes Handstück, war nicht lieferbar, konnten wir aus hygienetechnischen Gründen nicht jede Behandlung mit dem Laser durchführen.
Im September (!) hatten wir das zweite Handstück zur Verfügung. Der Laser konnte nun regelmäßig eingesetzt werden. Am 26.10.2022 erhielten wir Fehlermeldungen und das Gerät schaltete sich ab. Henry Schein wurde informiert und holte das Gerät bei uns ab.
Das Gerät war von Ende Oktober bis Anfang Dezember in der Reparatur.
Der Start ist für uns unerwartet suboptimal.
Trotz eingeschränkter Nutzbarkeit haben wir in der kurzen Zeit Ergebnisse gesehen, die vielversprechend aussehen. Allerdings in stark begrenzter Anzahl aus o.g. Gründen. Dazu berichten wir demnächst mehr. Ich bin sehr hoffnungsvoll, aber auch furchtbar enttäuscht, welche katastrophal unorganisierte Abläufe in dem Land inzwischen normal sind. Zudem wird erwartet, daß man das anstandslos erträgt.
Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.
Zwei Unterkiefer-Prämolaren hatte ich vor ein paar Wochen hier vorgestellt. Und gefragt, welcher der beiden ist besonders ?
Die Antwort diesbezüglich fällt natürlich je nach Kenntnisstand des Kommentators ganz unterschiedlich aus. Was für den einen eine höchst seltene oder höchstkomplexe Situation ist, stellt für den anderen eine nicht erwähnenswerte, weil belanglose Alltagssituation dar. Das erste Mal solche Zähne kennengelernt habe ich vor 20 Jahren, kurz nach der Jahrtausendwende. Da gab es jenen jungen, super-engagierten, hoch talentierten, in Jamaica tätigen Kollegen, der solche Zähne, fast möchte man sagen, im Wochenrhythmus endodontisch behandelte. Mit ausnahmslos grossartigen Ergebnissen.
Sashi Nallapati. Und spätestens seit seinem 2005 im JoE erschienenen Artikel zu diesem Thema können wir diese anatomische Besonderheiten in die Rubrik „Bekanntes“ einbuchen.
Case Reports J Endod . 2005 Jun;31(6):474-6. doi: 10.1097/01.don.0000157986.69173.a6. Three canal mandibular first and second premolars: a treatment approach
Sashi Nallapati
Mandibular premolars have earned the reputation for having aberrant anatomy. The occurrence of three canals with three separate (type V, Vertucci) foramina in mandibular premolars is very rare. If one is to treat mandibular premolar teeth with three canals predictably, it is necessary to be aware of their clinical and radiographic anatomy. These teeth may also require special shaping and obturating techniques. This article reports and discusses the treatment recommendations for an unusual occurrence of three canals with three separate foramina in both the first and second mandibular premolars in the same patient.
3 wurzlige UK – Prämolaren – auf Jamaica offensichtlich so allgegenwärtig , dass sogar im Email-Forum ROOTS damals die Vermutung angestellt wurde, der Cannabis-Konsum der Bevölkerung müsse etwas mit dieser Häufung anatomischer Besonderheiten zu tun haben. Denn andersorten auf der Welt waren solche Zähne kaum bis gar nicht zu finden.
Und auch ich kann in den vergangenen Jahren höchstens über eine sprichwörtliche Handvoll solcher Fälle berichten.
In der Tat jedoch gehört der vorgestellte Zahn 45 in diese Kategorie. Die Patientin suchte unsere Praxis mit starken Schmerzen auf, nachdem nach 3 Stunden der Versuch der Penetration eines vermuteten zweiten Kanals erfolglos abgebrochen wurde.
Wir sollen es nun richten.
Die ganze Geschichte, mit allen Höhen und Tiefen, in einem der nächsten Teile…
Eine seltene Ausgangslage. Ausgehend von einer tiefen Karies wurde an diesem 14 im Laufe dreier alio loco durchgeführten Füllungstherapien schlussendlich eine Pulpotomie durchgeführt.
Oder vielleicht war es doch eher eine direkte Überkappung. Fakt ist jedoch, dass die Grundlagen für eine erfolgreiche Therapie nie gegeben waren. Die Füllungsränder undicht. Restkaries belassen und das verwendete Überkappungsmaterial war ganz offensichtlich Ultracal oder ein ähnliches fließfähiges CaOH2-Material, in großem Überschuss eingebracht worden war.
Die Pulpa im Bereich des bereits eröffneten Pulpakammerhorns war bereits putride zerfallen. In der Zone der verbliebenen Karies im palatinalen Bereich der Kavität war die Pulpa jedoch noch vaskularisiert.
Der Sensibilitätstest war nicht reizüberdauernd positiv und der Zahn war seit Wochen beschwerdefrei.
Insofern hielt ich die Möglichkeit einer Revision der „Pulpotomie“ für eine erfolgversprechende Therapieoption. Das „Worst-Case-Scenario“ wäre eine nachfolgende Wurzelkanalbehandlung mit vollständiger Pulpektomie.
Nach absoluter Trockenlegung erfolgte das Entfernen der vorhandenen Restauration mittels dimantierter Instrumente. Palatinal wurde die Pulpa dabei punktförmig eröffnet. Im Bereich des ehemaligen Pulpahorns wurde die Pulpa bis kurz vor den Kanaleingangsbereich reduziert. Die Blutung wurde mittels in NaOCl getränkter SurgiTips gestoppt. Um eine Diskolorierung zu verhindern, erfolgte die Abdeckung der Pulpawunde mit MedCem.
Anschliessend folgte eine dünne Schicht Ultrablend und das adhäsive Abdecken der Mischung MedCem/Ultrablend mit einem Flow-Komposit. In Vorbereitung einer definitiven prophetischen Versorgung wurde zwar großer Wert auf eine perfekten Randschluss nebst idealer Ausformung nach distal gelegt, jedoch die okklusale Gestaltung eher sparsam ausgeführt.
Da ist mir mein Herzblut mittlerweile zu schade, denn alle okklusale Mühe verschwindet in absehbarer Zeit als Schleifstaub im Absauger.
Heute möchte ich kurz unseren letzten MTA Fall des Jahres von gestern vorstellen.
Im Prinzip eine Behandlung aus der Kategorie : „straight forward“…
die heute 9-jährige Elzara erlittt vor einem Jahr ein Frontzahntrauma beim Radfahren. In der weiteren Folge bildete sich dann im Herbst 2022 eine Fistel Regio 21 aus. Nach klinisch radiologischer Untersuchung verwiesen Hauszahnarzt und Kinderzahnärztin die junge Patientin an uns.
In zwei Terminen konnte die Behandlung nach Abheilung der Fistel schliesslich abgeschlossen werden.
2010 habe ich erstmals unter dieser Überschrift geschrieben. Jetzt 2022 sind wir mehr oder weniger zwangsdigitalisiert. Leider ist diese Form der Digitalisierung absurd. Das heißt in der täglichen Praxis nicht hilfreich. Schlimmer noch sogar arbeitsaufwendiger als vormals mit analogen Abläufen.
Doch das möchte ich nicht weiter ausführen. 2010 habe ich in diesem Beitrag den Dokumenteneinzugsscanner Scansnap S1500 m von Fujitsu vorgestellt. Dieser Scanner ist bis heute bei uns in Betrieb. Er wurde weder gewartet noch repariert. Er macht einfach sein Ding. Egal unter welchem Betriebssystem. Solche Geräte sind ein echter Gewinn, nur ist das nicht mehr normal. ( Geplante Obsoleszenz. )
In unserem Praxisumfeld sind 4 Geräte im Einsatz. Der vorgestellte Scansnap S1500 m ist nicht mehr erhältlich. Es gibt dafür aber Ersatz. etwas teurer aber noch besser. Der Fujitsu FI-7160 USB Dokument Scanner. Der Papiereinzug ist noch besser geworden. Gar keine Probleme mehr beim Papiereinzug. Selbst Thermopapierkassenbelege sind spannbar.
Er ist unglaublich schnell. So schnell, daß man zweifelt ob das wirklich gut gescannt ist. Aber es ist gescannt – beidseitig, in hervorragender Qualität. Seit 2019 haben wir dieses Gerät auch im Einsatz.
Lediglich Bücher und analoge Röntgenbilder können damit nicht gescannt werden.
Devonthink Pro Office verwende ich nur noch für die Literaturverwaltung. Ansonsten nutze ich die Spotlightsuche des Mac in der Dokumentenablage in Ordnern nach Jahren.
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Die von uns hier und hier besprochenen akkubetriebenen Endo-Motoren kommen seit mindestens einem dreiviertel Jahr (Eighteeth), die anderen seit über 6 Jahren in meiner Praxis tagtäglich zum Einsatz.
Ausreichend Zeit, Erfahrungen zu sammeln und nun abschliessend ein differenziertes vergleichendes Fazit zu ziehen.
Motor 1 Iconnect Drive /XSmart IQ Nachwievor. Ich liebe diesen Motor. Es macht Spass, mit ihm zu arbeiten. Obwohl der Motor der schwerste der 3 Motoren ist, liegt er sehr gut und vor allem ausgewogen in der Hand. Er hat einen schmalen Kopf. Die geringe Kröpfung des Winkelstückschaftes ermöglicht einen guten Zugang auch in schwierigen Bereichen. Vom Handling her, was das reine Arbeiten angeht, finde ich diesen Motor von allen 3 Motoren am besten.
Nachteilig? Die Bedienung erfolgt über das Ipad. Das sieht schick aus und möglicherweise kommt das auch marketingtechnisch als Verkaufsargument gut an, weil es Praxis und Behandler, zumindest in der Eigenwahrnehmung, ein modernes Erscheinungsbild verleiht.
Beim Arbeiten ist es umständlich und darüber hinaus auch hygienisch, will man es richtig machen, eine Herausforderung. Zumindest jedoch eine umständliche Angelegenheit. Gänzlich unbefriedigend wird es, wenn man wie wir mehrere dieser Geräte im Rahmen einer Wurzelkanalbehandlung betreibt. Ganz abgesehen davon, dass hierfür dann auch eine entsprechend Menge an Ipads gleichzeitig in Aktion vorgehalten werden müssen, bei uns wären das 3 Stück, kommt es beim parallelen Betrieb mehrerer solcher Geräte (jeder Referent im Arbeitskurs kann ein Lied davon singen) zu Fehlkommunikation und damit einhergehend zu Verbindungsabbrüchen, welche ein umständliches und zeitintensives Neukoppeln mit sich bringen.
Extrem nervig ist das. Daher nutzen wir diese Motoren NUR für reziproke Instrumente, konkret für VDW Reciproc und WaveOne Gold. Jedes Instrument bekommt seinen eigenen Motor. Die Motoren sind voreingestellt und das Gute ist, dieser voreingestellte Modus bleibt im Motor eingespeichert. Ein Ipad sehen diese Geräte also nur bei der erstmaligen Programmierung.
Funktioniert hervorragend. Wenn da nur nicht die zu grosse Defekthäufigkeit wäre. Immer mal wieder ist einer der Motoren defekt. Aus unterschiedlichen Gründen. So gesehen ist es gut, das wir 4 solcher Motoren haben, da ist es nicht ganz so tragisch, wenn ein Motor zur Reparatur ausser Haus ist. SPASS !!!! WITZ GEMACHT!!! Dennoch – nicht auszudenken, wie unsere Stimmung wäre, wenn ein solcher Motor der einzige in der Praxis wäre.
Mein Fazit: Trotz aller aufgeführten Nachteile (noch immer) unverzichtbar. Neu kaufen würde ich das Gerät aber nicht mehr, selbst wenn er noch im Handel erhältlich wäre. Stichwort Defektanfälligkeit. Finde ich extrem schade. Denn eigentlich (siehe oben) ist das ein ganz toller Motor.
Motor 2 Morita TriAuto ZX 2 Den grössten Nachteil gleich vorweg. Der Motor kann nur vollrotierend. Er verfügt zwar über einen Reziprok-Modus, aber diese Arbeitsbewegung ist eine klassische reziproke, also eine Hin und Her-Bewegung. Die sogenannte Reziprok-Bewegung der VDW Reciproc und WaveOne Gold-Instrumente ist hingegen eine nicht kontinuierliche teilweise rückgeführte vollrotierende Bewegung. Also nix hin und her. Weshalb ich lieber bei „Reciproc“ von der Ghassan Yared-Technik (GYT) spreche. Der hat es nämlich in die Zahnmedizin eingeführt und populär gemacht.
Aber egal, wie man es nennt, das TriAuto ZX 2 ist für diese Instrumente nicht bestimmungsgerecht einsetzbar. Dafür ist dieser Morita-Motor , wenn es um vollrotierende Instrumente geht, das Gerät der Wahl für mich. Dessen OGP-Modus nutzen wir, wenn es darum geht, bruchrisikofrei ein dünnes Instrumentes auf Arbeitslänge zu bringen. Den OTR-Modus, eine Synthese aus vollrotierend und GYT verwenden wir, wenn es darum geht, Wurzelkanäle aufzubereiten. Wenn man einmal die Vorteile dieser Arbeitsbewegung erkannt hat, dann möchte man nicht mehr darauf verzichten. So geht es mir zumindest.
Zwischen den verschiedenen Modi hin- und herzuwechseln geht im Übrigen blitzschnell. Das TriAuto ZX 2 verfügt über ein gut lesbares Display. Und ermöglicht so sogar die Programmierung bzw. eine fallspezifsch sinnvolle Modifikation der Aufbereitungsparameter direkt am Stuhl. Für dieses Feature nehme ich sogar in Kauf, das der Motor im Vergleich zu den beiden anderen „Musketieren“ deutlich größer ausfällt, sowohl den Batterie-Teil, wie auch den Winkelstückkopf betreffend. Das kann bei schwierigen Platzverhältnissen nervig sein, hat aber bisher noch nie dazu geführt, das ich den Motor beiseite gelegt habe, um mitten in der Behandlung auf den schmäleren IConnect umzusteigen. Mit einem bischen guten Willen geht es mit dem TriAuto ZX 2 also auch in schwierigen anatomischen Situationen.
Mein Fazit: Unverzichtbar. Wenn er reziprok könnte, und etwas schmäler wäre, wäre er perfekt.
Motor 3 Eighteeth E-connect S Wie habe ich gerade geschrieben: „Wenn er reziprok könnte, und etwas schmäler wäre, dann wäre er perfekt.“
TATATAAA – Hier ist er, der Traum-Motor. Der Eighteeth E-connect S. Und zwar genau so, wie ich es mir eben gewünscht habe. Zumindest auf den ersten Blick. Er kann vollrotierend und Reziprok/GYT. Er ist schlank, liegt gut in der Hand. Besitzt ein Display. Ist somit on the fly programmierbar.
Und bei genauer Betrachtung? Fällt die bereits beschriebene Motorvibration bei GYT ins Auge. Ist das ein KO – Argument? Vermutlich nicht, zumal auch noch der Preis im Vergleich zu den beiden anderen fast schon ein Schnäppchen darstellt. Aber ich möchte darauf hingewiesen haben.
Aber dann fehlen die beiden Morita Spezial-Modi. OTR und OGP. Wer rein reziprok arbeitet, für den ist es irrelevant. Allen Anderen sage ich, ohne OTR und OGP fehlt mir was. Beides ist sozusagen der Sicherheitsgurt für den Wurzelkanal. Weshalb der E-connect S für mich nur als Ersatz für die VDW/Densply Sirona Reziprok-Motoren in Frage kommt, die hoffentlich noch lange durchhalten. Danach allerdings bin ich erst mal sehr froh, dass es den E-connect S gibt.
Und wie sieht es mit dentalen Einsteigern, gegebenenfalls mit begrenztem Budget, aus ? Mit zwei Eighteeth E-Connect S kann ich im Wechsel unter dem Dentalmikroskop arbeiten. In exzellenter Ergonomie also, das ist auf jeden Fall erstrebenswert. Dafür müsste ich mit den anderen Motoren das Doppelte als Anschaffungspreis auf den Tisch legen.
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Wie am vergangenen Montag hier angekündigt, nun der Fall, der mich dazu gebracht hat, mein Vorgehen bei sehr engen und multiplanar gekrümmten Kanalsystemen zu modifizieren.
Es ist gerade einmal einige Wochen her, dass es galt, diesen 27 endodontisch erstzubehandeln.
Der elektrische Sensibilitätstest verlief negativ. Zudem bestand eine palaptorische Druckdolenz und das DVT ließ klar die periapikale Pathologie erkennen. Ebenso zeigte sich, dass MB1 und MB2 nicht, wie man im klinischen Bild vermuten könnte, konfluierten, sondern dass es eine tiefe Aufgabelung unmittelbar vor der abrupten Krümmung gab und die beiden mesialen Kanäle getrennte Foramina aufwiesen.
Bereits nach der initialen Aufbereitung im OGP-Modus des TriAutoZX2 mit der EndoWave 10/02 und nach der ersten Arbeitslängenbestimmung mit einer ISO 008 kam diese, wie auch die darauffolgenden NiTi-Instrumente, stark bleibend verformt aus den mesialen Kanalsystemen „zurück“.
Bis zur HyFlex 20/06 ging alles gut. Diese konnte bis auf AL eingebracht werden. Die daraufhin eingesetzte fabrikneue 25/04 lief genau etwas mehr als 1 Sekunde im Kanal, als sich das in der letzten gegenläufigen Krümmung arbeitende Instrumententeil vom Rest der Feile verabschiedete.
Meine Lehre daraus: Sollten die Feilen in stark eingeengten und multiplanar gekrümmten Kanalsystemen bis zur 20/04 HyFlex bleibende Deformationen zeigen, werde ich in Zukunft kleinteiliger vorgehen. Statt 25/04 zunächst eine 25/02 auf AL bringen, rekapitulieren und nach viel Spülen dann die 25/04 folgen lassen. 10 Sekunden Umweg um eine Fraktur zu vermeiden.
Der letzte WURZELSPITZE Plus LIVE TALK für 2022 steht an. Und zwar am Mittwoch, dem 14. Dezember um 20 Uhr. Noch einmal ein kollegialer Austausch in netter Runde. Genau das, was zum Jahresende in all seiner Hektik gut tut. Wir wollen quatschen. Über Alles, was uns beschäftigt. Und wenn man auf der Jahrestagung in Köln war, Dann gab es ein Thema, das wirklich jeder/jede auf dem Schirm hatte.
PERSONAL ! Wäre vielleicht ein Gesprächspunkt.
Ansonsten, was das rein Fachliche angeht. Mein Vortrag“ Oberkieferprämolaren mit tiefer apikaler Teilung des Wurzelkanals“ auf der DGET Jahrestagung hatte einschliesslich Diskussion einen Zeitrahmen von 12 Minuten. Das ist zu wenig und viele Fragen, vor allem die spezielleren, mussten unbeantwortet bleiben.
Unser Live-Talk bietet die Möglichkeit, in die Tiefe zu gehen. Ich freue mich, die wichtigen Details, insbesondere die präzisen Workflow-Charts erörtern zu können.
Ein sinnvoller Zeitrahmen ? Ich hoffe, die DGET liest mit.
30 – 45 Minuten.
Für die Teilnehmer gibt es von unserer Seite 3 Fortbildungspunkte und hoffentlich viele neue Erkenntnisse, die das tagtägliche endodontische Arbeiten in Zukunft leichter machen.
Der Zugang kommt für alle unsere WURZELSPITZE Molaren Patrons über eine Email von Patreon oder man schaut hier.
Die Patientin stellte sich bei uns auf Eigeninitiative vor. Sie hatte im Oberkiefer rechts latente Beschwerden. Deshalb suchte sie den Notdienst auf. Der Zahn 16 wurde trepaniert und offen gelassen. 2 Tage später begann die Behandlung bei Ihrer HZÄ. Es wurde mehrere Male versucht mittels eingebrachter Medikamente den Zahn ruhig zu stellen. Da das nicht gelang suchte die Patientin uns auf.
Nach klinischer und röntgenlogischer Abklärung kamen wir zur Diagnose: 16 P. apicalis, Instrumentenfraktur 16 mb. Ob das Instrumentenfragment entfernbar ist, können wir erst nach Versuch der klinischen Darstellung sagen. Optimistisch sehe ich den Fall nicht.
Nach Beratung und Kostenaufklärung konnte die Patientin nicht warten und wir versprachen ihr den Behandlungsvorschlag per Mail zuzusenden. Nun rief uns die Patientin an, der Behandlungsplan kam mit 2 Tagen Verspätung. Sie werde nun einen anderen Kollegen aufsuchen…
Das angefertigte DVT haben wir der Patientin umgehend ausgehändigt. Die Strafe nehme ich gerne an.
Meine Geschichte mit den 3 bzw. 4 Musketieren ist noch nicht zu Ende, es fehlt und kommt demnächst ja noch das abschliessende Fazit, da taucht unverhofft – zu Anlass der DGET Jahrestagung in Köln, die im Übrigen, auch wenn das jetzt gar nix hier zu Sache tut, eine sehr sehr schöne Veranstaltung, die beste seit langem war, was damit zusammenhängt, das hier sehr harmonisch viele junge und alte Endo-Begeisterte zusammenkamen, um sich miteinander auszutauschen und voneinander zu lernen. Irgendwie hing der Geist von früher, der Geist des endodontischen Aufbruchs aus der Zeit der Milleniumwende ein wenig über diesem Treffen und das ist extrem erfreulich, weil es zeigt, das es mit der DGET in die richtige Richtung weitergeht und das ist gut so.
Aber zurück zum Thema. Auf besagter Jahrestagung, im Ausstellungsbereich, fiel mir – ein Tipp von Guido Vorwerk – ein weiterer Endo-Motor chinesischer Herkunft ins Auge. Zwangsläufig, bin ich versucht, zu sagen, denn der Motor präsentiert sich LEUCHTORANGE. Nur näherungsweise die Farbe, welche Kardinäle traditionell tragen, aber seien wir ehrlich, der Vergleich mit Richelieu, dem Widersacher der 3 Musketiere, liegt auf der Hand, um in unserem literarischen Szenario aus den Vorzeiten der französischen Revolution zu bleiben.
Der Hersteller ist Woodpecker, mittlerweile eine nicht mehr wegzuredende Position im Dentalbereich. Vor Jahren noch in typischer nicht gerechtfertigter Arroganz von Seiten des Erste-Welt-Dentalherstellerestablishments belächelt, weist dieses Unternehmen mittlerweile eine grosse zahnmedizinische Produktpalette auf und nennt modernste Fertigungsstellen sein eigen, die in Europa (und USA sowiewo) eher die rühmliche Ausnahme, denn die Regel darstellen.
Der Motor mit Namen „Smart A“ kann reziprok und vollrotierend. Er ist displaylos, ein Apexlokator ist integriert und er wird mittels Smartphone oder Ipad-App bedient. Als Bonus gibt es einen Funkfussanlasser zur wahlweisen Ansteuerung. Preis ? So um die 1000 -1200 Euro, würde ich vermuten. Der Motor ist super leise. Er läuft sehr sanft, der Instrumentenkopf ist zierlich. Mehr kann ich noch nicht dazu sagen, es fehlen mir bislang noch aussagekräftige praktische Einsätze, aber ich werde weiter berichten.
Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.
Kostenlos zum Test zur Verfügung gestellt wurde der Motor von Volker Lembert.
Die besondere Stellung des DVT im Rahmen der diagnostischen Bildgebung wurde in den letzten Fallvorstellungen mehr als einmal als mitentscheidend für die richtige Diagnose oder für die Wahl eines geeigneten Vorgehens hervorgehoben.
Dieser Zahn 27 verursachte immer wieder eiinmal dezente Druckmissempfindungen. Die Ursache: ein nicht aufbereitetes distobukkales Kanalsystem. Im DVT zeigten sich zudem die periapikalen Gewebe der palatinalen und mesiobukkalen Wurzel als vollkommen pathologiefrei. Insofern galt es nur die Aufbereitung des DB zu realisieren, sofern es inrakoronal keine erkennbare Kontamination geben sollte.
Da im DVT neben einem apikal sehr engen auch der multiplaner gekrümmte Kanalverlauf zu erkennen war, habe ich bereits im Beratungstermin meine Feilen- und Endomotor-Programmwahl notieren lassen.
Für die Aufbereitung war es sehr wichtig zunächst den beinahe parallel zum Pulpakammerboden nach distal „kriechenden“ Eingangsbereich des DB zu mit Munce-Bohrern zu bearbeiten, dass die starke koronale Krümmung des DB deutlich verringert werden konnte (grüne Linie auf den klinischen Bildern).
Mein Vorgehen mag sehr kleinteilig erscheinen, führt mich jedoch mit schöner Regelmässigkeit zum gewünschten Ergebnis.
Ich nutze den OGP-Modus des TriAuto ZX 2 von Morita. 90 Grad rechts, 90 Grad links, 90 Grad rechts und zum Schluss 120 Grad links. Eine stark verzögerte reziproke Bewegung, die entfernt an die Balanced-Force- oder Roane-Technik erinnert.
Nachdem die 10/02 (EndoWave-Feilen haben die Querschnitte 10 bis 30 auch in einem Taper von 02) bis 0,5 mm vor der im DVT ermittelten Arbeitslänge eingebracht werden konnte, wurde eine vorgebogene Handfeile ISO 008 zur Ermittlung der definitiven Arbeitslänge eingesetzt. Handinstrumente weisen schneidende Spitzen auf, sodass gerade bei multiplaneren Krümmungen die Möglichkeit besteht, dass die ISO 008 auch einmal hängenbleibt.
Nun begann der mühsame Teil. 10/02 EndoWave auf AL gefolgt von 15/02 EndoWave. Reichlich gespült und mit ISO 008 rekapituliert. Dann HyFlex (HF)15/03 und 15/04 auf AL. Dann 20/02 EndoWave (EW) gefolgt von HF 20/04. Nun wieder rekapituliert mit 008 und die 25/02 EW, 20/06 HF , 25/04 HF und abschliessend HF 25/06 auf AL.
Die HF 15/03 musste ich einmal ersetzen, da die erste ca. 1,5 mm vor AL störrisch reagierte. Die Schneidräume waren vollkommen mit Debris gefüllt und die Spitze deutlich aufgedreht. Die zweite HF 15/03 ging ohne Zögern auf AL.
Meine sonst präferierten ProFiles habe ich hier nicht genutzt.
Warum so kleinteilig? Zeige ich am nächsten Montag. Eine vergleichbarer 27 und eine Fraktur einer fabrikneuen 25/04 in einem multiplanar gekrümmten MB1, die mich überrascht zurückliess.
Endodontie ohne DVT? Für mich mittlerweile unvorstellbar.
Täglich erleben wir, welche enorme Sicherheit uns das DVT in Diagnostik (siehe der Beitrag von Christoph von gestern) und Behandlungsplanung gibt.
Der nachfolgend dargestellte Zahn 47 wurde alio loco initial behandelt. Nach Auswertung des DVT war klar, dass mesial zunächst ML bis zum gemeinsamen Foramen von ML/MB aufbereitet wird und erst danach der rechtwinkelig in ML einmündende MB. Letztgenannter eben auch nur bis zur Konfluation, da die dann folgende erhebliche Krümmung das Risiko einer Instrumentenfraktur erhöhen würde.
Das Erkennen der apikalen Aufgabelung hatte zur Folge, dass die Irrigation (schall- und laserunterstützt) noch länger als sonst üblich ausgeführt wurde, da mir ein maschinelles Bearbeiten der apikalen Kanalabschnitte nicht vorhersagbar möglich erschien.
Im Oktober 2012 haben wir bei der nachfolgenden Patientin Zahn 17 aufgrund einer apikalen Parodontitis behandeln dürfen. Die Therapie erfolgte in zwei Terminen und verlief ohne besondere Vorkommnisse.
Auch die Nachkontrolle ein Jahr später zeigte einen positiven Heilungsverlauf.
1 Jahres-Recall
Zehn Jahre später stellte sich die Patientin erneut bei uns vor. Sie gab an, eine vestibuläre Druckdolenz auf Höhe der Wurzelspitzen „unseres“ Zahnes zu verspüren. Die klinische Untersuchung bestätigte ihr Beschwerdebild.
Während das alio loco angefertigte Röntgenbild keinen wirklichen Anhalt lieferte zeigte der 3D Scan die wahre Ursache der Problematik….
10 Jahre nach endodontischer Therapie von 17 mit wiederkehrenden Schmerzen Regio 17
Zahn 16 hatte nun ebenfalls eine apikale Pathologie entwickelt. Die distale Wurzelspitze des 16 liegt weiter vestibulär und „überlagert“ die mesio-bukkale Radix des 17. So entstand der falsche Verdacht hinsichtlich des letzten Molaren…
demnächst berichte ich mehr über die Behandlung des 16.
Jetzt „freue“ ich mich erstmal, dass ich unsere eigene Behandlung nach 10 Jahren in 3D-Röntgen nachuntersuchen könnte…