Klein, aber fein …

von Ronald Wecker

… waren die Hinweise auf einen „Middle-Mesial“, ein zwischen MB und ML gelegenes Kanalsystem.

Das präoperative Röntgenbild liess ein Konfluieren der mesialen Kanäle bereits im koronalen Drittel vermuten. Klinisch konnte dieses Konfluieren, z.B. durch den Austausch der Spülflüssigkeit, nach initialer Aufbereitung jedoch nicht verifiziert werden.

Zudem hatten sich nach Modifikation der Zugangskavität auf der gedachten Verbindungslinie zwischen MB und ML sehr kleine Gewebereste gezeigt, die sich auch nicht mit ultraschallunterstützter Spüllösung entfernen liessen. Ein starker Hinweis auf eine „verfolgenswerte“ Kanalstruktur.

Nach Abschluss der Aufbereitung wurde deutlich:

MB und ML konfluierten ca. 3 mm vor dem gemeinsamen Foramen. MB und der zwischen beiden Kanälen gelegene MM konfluierten bereits im mittleren Drittel von MB, wie die eingebrachte Papierspitze zeigen konnte. Die Spülflüssigkeit  tauschte sich zwischen allen drei Kanalsystemen aus.

Um ein unnötiges Aufbereiten der gemeinsamen apikalen Strecke aus verschiedenen Richtungen/Kanälen zu vermeiden, muss zunächst der Konfluationspunkt bestimmt werden.

Dazu wird in den am einfachsten zu instrumentierenden Kanal nach Fertigstellung der Aufbereitung eine in Länge, Weite und Konizität angepasste Guttaperchaspitze eingebracht. In vorliegendem Fall MB.

Anschliessend wird zunächst in ML, später dann, mit neuer Guttaperchaspitze in MB auch in MM, eine NiTi-Feile der Dimension 15/06 oder 20/06 so weit eingebracht, bis ein kleiner Widerstand zu verspüren ist. Durch leichte Rotationsbewegungen verursacht das Instrument kleine Einkerbungen in der Guttaperchaspitze in MB. Nach Entnahme derselben, kann man die Distanz vom Ende der Guttaperchaspitze bis zur Einkerbung abmessen und kann somit den Konfluationspunkt „errechnen“.

Distal entwickelte sich das sehr schmale schlitzförmige Kanalsystem apikal zu einem fast runden Querschnitt.

Bei der Obturation der konfluierenden Kanalsysteme wurde nach Einbringen der Guttaperchaspitze in MB zunächst ML und MM in Squirting-Technik gefüllt. MB und D in warmer vertikaler Kompaktion (modifizierte Schilder-Technik).

und wieder ein Recall

von Ostidald Wucker

Die Patientin lebt für einige Zeit in Deutschland. Die Erstbehandlungen erfolgten in Japan.

Die Frontzähne zeigten eine stark erhöhte Aufbissempfindlichkeit. Die Patientin wurde uns von einem Kieferchirurgen überwiesen. Dank dessen Fachverstand erfolgte keine WSR.

Die metallenen Aufbauten unter den Frontzahnkronen wurden entfernt. Anschließend wurde die abgebrochene Feile dargestellt.
Die Hedströmfeile war nicht so einfach entfernter, da diese beim eindrehen sehr stark verkeilt wurde. Offensichtlich wurde damals beschlossen dies als verschraubte Wurzelfüllung zu belassen.
Nach Instrumentenentfernung erfolgte der präendodontische Aufbau und die Aufbereitung der Kanäle. Danach wurden provisorische Kronen inseriert.
Nach einer abschließenden Desinfektion und vorhergehender Zwischeneinlage mit CaOH wurden die Zähne mit Guttapercha in einer thermischen Obturationstechnik verschlossen.

Die Patientin hatte nach der Behandlung beschlossen alle weiteren endodontischen Behandlungen bei uns durchführen zu lassen. 36 ( Sekundärkaries/Wurzelkaries) und 34 (Längsfraktur) waren leider nicht erhaltbar. 47 war bereits entfernt. 45 konnten wir endodontisch versorgen.

Anatomie unterer Molaren (9)

Von Bonald Decker

Heute möchte ich den Beitrag wieder einmal der Anatomie unterer Molaren „widmen“.

Überwiesen würde uns der Patient, weil das distale Kanalsystem dieses unteren zweiten Molaren laut Überweiser nach seiner ersten klinischen Einschätzung ein Foramen apicale grösser ca. ISO 070 aufwies. Er sah sich daher (vorhersagbar) nicht in der Lage, dieser Anatomie bei Präparation und Wurzelkanalfüllung „gerecht“ zu werden.

Ausgangssituation

Bei Erstbefundung und Behandlung stellte sich der Zahn für uns als unauffällig daher. Es zeigten sich keine Besonderheiten von Taschensondierungstiefen und Lockerungsgrad.

Mit Hilfe des Dentalmikroskops und entsprechender Xenon-Licht-Ausleuchtung erschien mir diese „Laune der Natur“ recht gut beherrschbar zu sein. Präoperativ war daher u.a. der Verschluss der Apikalregion mittels MTA geplant.

Insbesondere die (sehr mühevoll) angefertigte Masterpoint-Aufnahme verdeutlichte jedoch, dass es auch der mesialen Anatomie (mit separat verlaufenden Kanalsystemen) ein besonderes Augenmerk zu schenken galt.

Masterpoint-Aufnahme

Die Bilder nach MTA-Applikation (distal) und Downpack (mesial) bekräftigen diese Einschätzung.

distales Foramen und MTA plug

Downpack mesial & MTA plug distal

Neben meiner „Begeisterung“ über das (radiologisch erkennbare) Resultat freut mich besonders die Tatsache, dass mir Tipps und Tricks, die ich im Laufe der Jahre u.a. bei WURZELSPITZE, ROOTS (in dieser „Form“ leider nicht mehr online) und ENDONEWS erfahren durfte, ermöglicht haben, dieses (für mich) sehr erfreuliche Ergebnis zu erzielen.

Hier die Links zu einigen Tipps, die uns bei diesem Fall sehr geholfen haben:

Röntgensensor

– Wurzelkanalfülltechnik nach Dr. J. Avilion (System A) (-in dem gezeigtem Fall zur Nachverdichtung nach erstem Downpack)

– Aktivierung von Spülflüssigkeiten

Mein Dank gilt daher heute besonderes all den (hier) mitwirkenden Kolleginnen und Kollegen, die bereit sind Ihr Wissen aktiv zu teilen…

Danke dafür

:-)

Infratronic Desinfektionsspender – Langzeitupdate

von Hans – Willi Herrmann

Kaum zu glauben, das wir schon bald 4 Jahre mit dem Infratronic -Desinfektionsspender arbeiten sollen.

Eine Empfehlung des Kollegen Andreas Mrohs für die ich an dieser Stelle wieder einmal Danke sagen möchte, nachdem zuvor berührungsfreie Spender eines anderen Herstellers schon nach wenigen Monaten ihren Dienst quittiert hatten.

Die Ergebnisse nach dem ersten Jahr mit dem Infratronic – Spender waren vielversprechend, aber seitdem ist eine lange Zeit vergangen.

Was hat sich seitdem geändert ?
Nichts.

Nachwievor verrichtet der Spender einwandfrei seinen Dienst.

Grund für uns, die gesamte Praxis (Behandlungszimmer,Steri, Labor, Röntgenraum, Patiententoilette und Eingangsbereich) mit berührungsfreien Spendern von Infratronic auszurüsten.

Muss ich mehr sagen.
Eigentlich nicht.

 

Durchblick

von Banessa Taminns

Seit etwas mehr als 1 Jahr beschloss ich einige Euro zu investieren und arbeite seitdem mit meinem Zeiss OPMI.

Fazit seit einem Jahr: noch keine Sekunde bereut.

Schlüsselerlebnis war sicherlich eine der ersten Endos mit OPMI die ich ohne so sicherlich hätte nicht lösen können; für mich also gleich ein „Volltreffer“.

Der Patient (Mitte 40, unauffällige allgem. Anamnese) stellte sich Mitte letzten Jahres mit starker Schmerzsymptomatik an 15 in der Praxis vor (Perk +++, Vipr -, LG 0, TT 2-3mm zirkulär, Vestibulum verstrichen/Schwellung, Aufbissbeschwerden – seit 4 Tagen stetig zunehmend, Krone alio loco angefertigt ca. 4-5 Jahre alt).

Nach Trepanation wenig Pusabfluss, nach Inzision deutlicher Pusabfluss.

Aus Zeitgründen Einlage aus Ledermix und pV IRM.

8 Tage später habe ich dann das OPMI angeworfen und bin auf Kanalsuche gegangen (was auf Grund der bis zu diesem Zeitpunkt geringer Erfahrung mit dem OPMI unverhältnismäßig lange gedauert, sich aber gelohnt hat). Der vermeintlich zentral liegende Kanal befand sich allerdings etwas nach palatinal versetzt, so dass ich auch bukkal auf die Suche gehen musste und dort einen weiteren Kanal aufspüren konnte. Soweit sicherlich auch ohne OPMI machbar (und schneller wäre ich damals auch noch gewesen ;-)).

Dann allerdings konnte ich in ca. 10mm Tiefe eine weitere Abzweigung sehen, die mir primär beim sondieren und erweitern der Kanaleingänge nicht aufgefallen ist, ein 2. bukkaler Kanal, der mir mit einiger Wahrscheinlichkeit ohne OPMI verborgen geblieben wäre.

Nach Anlegen des Kofferdams Kanaleingangsdarstellung und –erweiterung mit GatesGlidden unter kontinuierlichem NaOCl-Einsatz wurden alle 3 Kanäle nach Elektrometrie mit ProFile aufbereitet und mit Claxyleinlage (Ultracal) + pV IRM für 3 Wochen versorgt.

Der Patient war nach dieser Zeit beschwerdefrei, die Kanäle wurden unter Kofferdam mit ProFile nachbearbeitet, bis Taper 06. Wechselspülung (US-aktiviert) NaOCl, Zitronensäure und CHX – als Abschlussspülung unmittelbar vor dem Trocknen der Kanäle Spülung mit Alkohol.

Füllung warm vertikal nach Schilder mit GP und AH-Plus (etwas Sealeraustritt apikal), dentinadhäsiver Kanaleingangsverschluss und dentinadhäsiver Verschluss der Trepanationsöffnung.

Lange Rede – Kurzer Sinn:

Vielleicht kann ich mit dem Beitrag einige Kollegen bestärken, die sich mit dem nicht ganz günstigen OPMI-Kauf-Gedanken herumplagen.

Mittlerweile frage ich mich manchmal, wie ich früher ohne behandeln konnte, was nicht heißen soll, dass die Behandlung ohne OPMI schlechter oder unmöglich wäre, aber rein subjektiv fühle ich mich heute ohne Vergrößerung ein wenig blind, es fehlt mir einfach im Vergleich zur Lupenbrille der „Durchblick“. Und ich bin immer wieder fasziniert welche Welten sich mir mit „Durchblick“ erschliessen.

Wahrscheinlich bin ich heute mit OPMI genauso „schnell“ (besser: routiniert) wie ich es vor über 1 Jahr ohne OPMI war, allerdings ist die „Sicherheit genau zu sehen was man tut“ drastisch gestiegen.

Fazit für mich: ich will´s nicht mehr missen.

Trauma-„Zweitversorgung“ (2)

von Ronald Wecker

Vier Wochen nach Avulsion von Zahn 11 und unkomplizierter Kronenfraktur an den Zähnen 21 und 12 zeigen sich folgende Befunde. Den gesamten Behandlungsverlauf kann der geneigte Leser hier nachlesen.

Die Zähne 22 und 21 sind reproduzierbar kaltsensibel. 31 und 41 reagieren nicht auf Kältereiz, sind jedoch sensibel auf elektrischen Reiz. Dabei gibt es keinen Unterschied in der elektrischen Reizintensität zwischen den normal kaltsensiblen Zähnen 42 und 32 und den Zähnen 31 und 41.

Zahn 12 und Zahn 11 wurden inzwischen endodontisch behandelt. Zahn 11 zeigt einen metallischen / ankylotischen Klopfschall. Radiologisch gibt es keinen Hinweis auf eine entzündlich bedingte externe Resorption der Wurzel, die aufgrund der ermittelten trockenen Lagerung nach Avulsion von ca. einer Stunde nicht ungewöhnlich wäre. Die folgenden Nachkontrollen werden zeigen, ob ein Zahnerhalt möglich sein wird.

Die semirigide Schienung wird in einer Woche entfernt werden. Bei der Kofferdam-Applikation wurde ein Splitdam verwendet. Nach herkömmlicher Lochung wurde mittels Schere ein Langloch erstellt.  Die sekundäre Abdichtung erfolgte mittels Opaldam. Zahn 21 wurde mit einer Brinker-Klammer belegt.

Was tun (2)

von Ostidald Wucker

In dem bereits hier kurz angerissenen Fall wurde das Problem am Zahn 14 nach dem Downpack geschildert. Ein einfaches Fortfahren in der Behandlung erschien uns nicht sinnvoll. Es könnte durchaus eine apikal gelegene Teilung des Kanalsystems in der buccalen Wurzel sein. Die Kontur des Zahnquerschnittes an der Schmelzzementgrenze zeigte keine Einziehung, welche auf eine Teilung der buccalen Wurzel hinweisen könnte.

Wir haben uns entschlossen die Wurzelfüllung im betroffenen Kanalsystem zu revidieren und nach der Verzweigung zu suchen. Mittels vorgebogener Handinstrumente sondierten wir die Kanalwände. Dieses Vorgehen brachte keinen Erfolg. Die betroffene Region war auf Grund einer Krümmung der Wurzel nicht einsehbar. Die Kurvatur wurde mittels sonoabrasiver Präparaten teilweise begradigt.

Eine Verzweigung konnte nicht dargestellt werden. Einen weiteren Substanzverlust wollten wir nicht riskieren und entschlossen uns deshalb in Absprache mit dem Patienten zur Wurzelfüllung. Anbei die Bilder.

Endo oder doch X

von Bonald Decker

So lautete der Betreff einer E-Mail die mich gestern erreichte.

Nachfolgend finden Sie Auszüge des Textes sowie das dazugehörige Röntgenbild. Mehr Informationen besitze ich nicht.

Mich würde sehr interessieren, was Sie dem Kollegen bzw. der Patientin (Alter ca. 75 Jahre) empfehlen würden.

Sehr geehrter Herr Kollege,

 in der Anlage sende ich Ihnen eine Rö-Aufnahme mit der Bitte der Patientin um Stellungnahme.
Bei der Patientin, Frau XYZ, handelt es sich um die Schwester einer Ihrer Patientinnen. So kam Sie auf die Idee Sie zu Rate zu ziehen und hat mich darum gebeten. Die Pat. lebt im Schwarzwald.
Am Zahn 27 hatte Sie nun mehrmals Schmerzen und nach Anfertigung der Rö-Aufnahme bin ich der Meinung dass 27 wegen der Lagebeziehung zum retinierten 28 nicht erhaltungsfähig ist. Ihre Bitte wäre nun Ihre Meinung dazu.
Ich hoffe Sie haben Verständnis für diesen besonderen Weg der Konsultation.
 
Mit freundlichen Grüßen“

Hygiene- Tastatur – Keywi MediBoard – Langzeittest

von Hans – Willi Herrmann

Über Hygiene – Tastatur habe ich in den vergangenen Jahren hier bei WURZELSPITZE immer wieder berichtet. So zusammenfassend im ersten Überblick hier.

Es gibt mittlerweile eine Reihe unterschiedlicher Anbieter und Modelle am Markt.
Allen gemeinsam ist, dass die verbesserte Hygienefähigkeit mit einer Verringerung der Schreibergonomie und Schreibeffizienz einhergeht.
Müsste ich die unterschiedlichen Konzepte in Kategorien einteilen, so würde ich  3 Gruppen benennen:
Da sind auf der einen Seite die herkömmlichen Tastaturen, welche durch unterschiedliche Massnahmen hygienefähig gemacht wurden. Dazu zähle ich Silikon -Tastaturen oder desinfizierbare Tastaturen sowie desinfizierbare Tastatur – Überzüge. Im besten Fall resultiert daraus die gewohnte Schreibergonomie und Schreibeffizienz, allerdings bei prinzipiell vorhandenem zerklüftetem Oberflächenrelief, die – ungeachtet der Reinigungsfähigkeit des Oberflächenmaterials – einer suffizienten Reinigung, zumindest was Wischdesinfektion angeht, entgegensteht.

Auf der anderen Seite Glastastaturen wie zum Beispiel die CleanKeys -Tastatur. Hervorragende Hygienefähigkeit, die zu Lasten der Schreibfähigkeit geht. Mit entsprechender Nutzdauer  wird man seine Schreibtechnik sicherlich an die anderartige Schreiboberfläche ein gutes Stück weit adaptieren können, eine gewisse Diskrepanz wird jedoch vermutlich bleiben.

Zwischen diesen beiden Lösungen steht konzeptionell das KeyWi MediBoard, eine sehr gut wischdesinfizierbare Tastatur mit konvexen, leicht erhabenen Tasten, wie man es von den berühmten Braun- Taschenrechnern von Dieter Rams kennt. Die Gestaltung der Schreibtasten gestattet dem Vielschreiber die gewohnte „blinde“ Orientierung der Schreibhände. Blieb für mich die Frage, ob die routinemäßige Wischdesinfektion sich im Langzeittest auf die mit Silikondichtungen um die Tastaturknöpfen versehene Oberfläche auswirken würde.

Nach nunmehr über einem Jahr im Praxiseinsatz kann ich nun berichten, dass es bislang kein Anzeichen dafür gibt, das die permanente Einwirkung der Desinfektionsmittel zu negativen Veränderungen geführt hätte. Die Tastatur sieht noch aus wie am ersten Tag und im Bezug auf Schreibkomfort und Ergonomie kann ich für mich sagen, dass sich die vorhandenen Tasten positiv bemerkbar machen. Wäre die Tastatur jetzt noch etwas weniger raumfordernd, so würde ich sie im Hinblick auf die unterschiedlichen Anforderungen, die es unter einen Hut zu bringen gilt und mit den systemimmantenten Einschränkungen, die die Hygienefähigkeit mit sich bringt, als uneingeschränkt empfehlenswert bezeichnen. Ich würde mir eine Version 3.0 ein wenig kleiner wünschen, aber das ist nur eine Marginale im Sinne eines „nice to have“, die es zu erfüllen ginge und ändert nichts an den grundsätzlich positiven Eigenschaften des Produktes.

All Inclusive

von Ronald Wecker

Dieser erste obere Molar hatte ausser einer Perforation und einem Instrumentenfragment alles zu bieten, was eine endodontische Revisionsbehandlung interessant sein lässt.

Neben einem unaufbereiteten MB2, einem apikal stark engeengten und nach mesial gekrümmten DB konnten auch P und MB1 etwas bieten:

Apikal gabelte das initial sehr schmal-ovale palatinale Kanalsystem auf dem letzten Millimeter nochmal in 2 getrennte Foramina auf. Nach ausgiebiger Irrigation zeigte sich  in MB1 bereits in der Messaufnahme  apikal eine kugelige Erweiterung des Kanalhohlraums wie sie nach einer internen Resorption zu finden ist.

Da aufgrund der Gussteilkrone eine Messaufnahme aller Kanalsysteme nicht möglich war (das gleichzeitige Platzieren unter endometrischer Kontrolle führte immer wieder durch unerwünschten Kontakt der Instrumente mit dem Metall der Krone oder mit anderen Instrumenten zu falsch positiven Messergebnissen) wurde die zweite Messaufnahme dazu genutzt das Instrument im palatinalen Kanal auch in das zweite Foramen zu platzieren.

Ärgerlich war der Lufteinschluss nach Obturation in P, der sich jedoch Dank der Warmfülltechnik leicht beheben liess.

Der Blick auf das palatinale Kanalorificium nach  Anlegen der Zugangskavität lässt erahnen, warum eine laterale Kompaktionstechnik ovale Kanäle nur unzureichend füllen kann.

Was tun?

von Ostidald Wucker.

Das angefügte Bild entstand im Rahmen einer endodontischen Behandlung und zeigte die Situation nach dem Downpack. Sealer hat sich in eine Kanalstruktur der buccalen Wurzel eingepresst.

Was würden Sie tun?

Take Our Poll

Jahrestagungen der DGmikro und DGET

von Hans – Willi Herrmann

Unsere Gastautor Tomas Lang hat mich in seiner Eigenschaft als Vizepräsident der Gesellschaft gebeten, auf die Jahrestagung der DGmikro am 27. und 28. September an der Uni Witten hinzuweisen. Das tue ich mit einem Link auf das Tagungsprogramm gerne und erwähne in diesem Zusammenhang auch gleich die diesjährige 3. Jahrestagung der DGET, die vom 10. – 12.Oktober erstmalig als Gemeinschaftstagung der DGZ und der DGET mit der DGPZM und der DGR2Z in Marburg stattfindet.

 

Bierflasche 1

von Bodald Necker

Der junge Mann kam zur Routineuntersuchung in die Praxis.
„Ach ja, vor ein paar Tagen hab ich beim Trinken aus der Bierflasche einen Schlag bekommen. Aber, jetzt tut es nicht mehr weh.“
Er gab den 11 an als den betroffenen Zahn.
Lockerung war mehr 0 als 1. Perkussion negativ. Sensibilität auf Kälte positiv.
Sonst keine Auffälligkeiten. Anamnestisch war nichts mehr in Erfahrung zu bringen, ob Blutung, Dislokation, oder größere Lockerung. Auf Nachfragen ernteten wir nur ein „Keine Ahnung“.
Ein Röntgenbild wurde angefertigt.
Der PA-Spalt war vergrößert. Eine Querfraktur im apikalen Drittel konnte nicht ausgeschlossen werden

3-4 Tage posttraumatisch

Da keine Beschwerden mehr bestanden, die Lockerung sich sehr in Grenzen hielt, wurde der Pat. über noch mögliche Komplikationen und engmaschige Kontrollen aufgeklärt und mit Termin zur WV in einer Woche zur VitPr entlassen.

Doch genauso ernst, wie er das Trauma und seine möglich Folgen nahm, so ernst nahm er auch seinen nächste Termin. Er kam nicht.

Es ging ein mehr als ein halbes Jahr ins Land, bis er sich wieder blicken liess. Nicht wegen des 11, sondern wegen eines anderen Problems.
„Ach ja, und der da vorne vom letzten Mal ist dunkel geworden. Kann man den überziehen?“

Ja. Das hätten wir verhindern können.
Kältetest, wie erwartet, negativ, sonst klinisch keine Auffälligkeiten. Perkussion negativ, keine Schmerzen. Lockerung 0.
Eine kleine apikale Aufhellung ist zu erahnen, evtl. auch ein Resorptionsprozess oder die Dislokation eines apikalen Fragmentes.
Vielleicht bringt ein DVT mehr Klarheit.

ca. 8 Monate posttraumatisch

Mit der geplanten engmaschigen Kontrolle hätten wir die Endo, die jetzt nächste Woche ansteht, nicht verhindern können, aber zumindest die Verfärbung.
Naja, er ist nicht der einzige Patient, den seine Zähne nur dann interessieren, wenn etwas nicht gut aussieht oder wenn etwas weh tut.

Trauma-„Zweitversorgung“

von Ronald Wecker

Fünf Tage nach einem umfangreichen Frontzahntrauma stellte sich dieser Patient mit einer suboptimalen Erstversorgung bei uns vor.

Die Zähne 12,11 und 21 wiesen unkomplizierte Kronenfrakturen auf. Zahn 11 war nach Avulsion und  50-minütiger Trockenlagerung zunächst in einem Dento-Safe gelagert worden und nach Inspektion von Alveole undWeichgeweben reponiert worden. Die Dentinwunden der Zähne 12-21 blieben unversorgt. Zahn 11 wurde in eine glasfaserverstärkte rigide Kompositschienung  einbezogen. Eine systemische Antibiose wurde auf 2 Einzelgaben beschränkt. Instruktionen zu Mundhygiene waren nicht gegeben worden. Es war empfohlen worden die endodontische Therapie von Zahn 11 in frühestens 3 Wochen durchzuführen.

Die Zähne 41 und 42 reagierten verzögert/negativ auf Kältereiz. Die elektrische Sensisbilität war jedoch vorhanden. Die Zähne 23-21 und 12-13 reagierten positiv auf Kältereiz. Die elektrische Sensibilitätsprüfung war verzögert bei Zahn 21 und Zahn 12. Der Klopfschall, getestet nach Entfernung der parodontalhygienisch insuffizienten Schienung, war normal und nicht ankylotisch. Die Zähne 21,11 und 12 zeigten Lockerungsgrad 1.

Die angefertigten Einzelbilder gaben keine Hinweise auf eine Horizontalfraktur der Wurzeln der beteiligten Zähne. Das angefertigte DVT liess an Zahn 11 einen Verlust der labialen knöchernen Lamelle und eine nicht ganz optimale Reposition erkennen. Da es beim „Durchscrollen“ durch die Sagittalschnitte Hinweise auf kleine Frakturen der labialen Alveolenwand der Zähne 21 und 12 gab, wird die semirigide Schiene für 4 Wochen belassen werden.

Der hier schon oft erwähnte Dental-Trauma-Guide wäre eine gute Hilfe für eine zeitgemäße Erstversorgung gewesen.

Nach lokaler Anästhesie wurde zunächst die vorhandene Kompositschienung entfernt. Nach Reinigung der Zahnoberflächen wurde anschliessend das mitgebrachte Zahnfragment an Zahn 12  adhäsiv wiederbefestigt. Es folgte die Versorgung der Dentinwunden an den Zähnen 11 und 21 mittels Komposit. Nach Applikation eines Titan-Trauma-Splints von 13 nach 22 wurde an Zahn 11 die notwendige endodontische Therapie eingeleitet und  der Zahn nach Applikation von CaOH2 adhäsiv verschlossen.

Die etwas gingivanahe Lage der Schienung an den Zähnen 12 und 11 ist dem Verlauf der Frakturlinie geschuldet.

Die erste Kontrolle erfolgte 14 Tage nach Trauma. Zahn 12 war nicht mehr sensibel auf elektrischen Reiz, zeigte eine apikale palpatorische Druckdolenz und eine apikale Aufhellung im angefertigten Röntgenbild. Eine endodontische Therapie wird zeitnah eingeleitet.

Die Prognose für Zahn 11 ist aufgrund der langen trockenen Lagerung stark eingeschränkt. Es wird engmaschig kontrolliert, ob es zu Wurzelresorptionen kommt.

Die Zähne 31-42 und 21 reagierten wieder reproduzierbar positiv auf Kälte- und elektrischen Reiz.

Die größte Herausforderung war rückblickend das für die erforderliche Diagnostik und Therapie notwendige Zeitfenster kurzfristig zu realisieren.

Kontakt gewünscht.

von Olaf Löffler

Über Matritzensysteme wurde bereits vielfach hier geschrieben.
Die größte Herausforderung stellen häufig funktionierende Kontaktpunkte dar. In einem kleinen Video haben wir unser Vorgehen im Rahmen der präendodotischen Füllung versucht darzustellen. Wir nutzen dazu eine Schalentechnik mit Flowmaterialien. Aber schauen Sie selbst.

Tag des offenen Zahnes (I)

von Bonald Decker

Ich möchte Ihnen heute kurz unseren gestrigen Behandlungstag vorstellen:

Acht Patienten hatten im Zeitraum vom 09:00 bis 19:00 (mit einer Pause von 1h) Termine vereinbart.

Davon zwei Voruntersuchungen/Beratungen und sechs Behandlungen.

Ungewöhnlich für uns war die Tatsache, dass drei der zu behandelnden Zähne von drei unterschiedlichen zuweisenden Kollegen nach initialer „Schmerzbehandlung“ offen gelassen wurden.

Eine Form der Behandlung, welche ggf. in zahnärztlichen Praxen häufiger Anwendung findet, die aber evtl. aus bakterieller Sicht (je nach Diagnose ggf.) mehr Nach- als Vorteile (für den Patienten) hat.

Lesenswert in diesem Zusammenhang ist die Kakehashi-Studie von 1965…

Bei zwei der drei von uns zu behandelnden Zähne war „übersehene Anatomie“ in Form von bisher unzureichend erschlossenen Wurzelkanalsystemen wohl ursächlich für auftretende bzw. persistierende Beschwerden nach initialer endodontischer Therapie mit Verschluss der Zugangskavität der Fall.

Hier einige Impressionen bzw. Röntgenbilder der Behandlungen:

In einem der nächsten Beiträge stellen wir Ihnen den weiteren Behandlungsverlauf vor…

Unauffälliger Zahn 47

von Donald Becker

Vor 14 Tagen habe ich hier diesen Zahn 47 hier vorgestellt, war bislang jedoch urlaubsbedingt die WF – Abschlusskontrolle schuldig geblieben, was ich hiermit nachholen möchte.

Auch in der Abschlussaufnahme ist von der in der 3D- Aufnahme sichtbaren Knochendestruktion nichts zu sehen.
Insofern erhebt sich schon jetzt die spannende Frage, wie die erste WF – Recall – Röntgenaufnahme, die nach 6 Monaten im Herbst ansteht, zu beurteilen ist, wenn, wovon ich ausgehen möchte, sich keine Verschlechterung einstellen wird.

Hier war kein DVT notwendig

von Bodald Necker

Wir hier auf Wurzelspitze sind froh um die Erweiterung der Diagnosemöglichkeiten, die uns das DVT beschert. Schwierige Behandlungen können besser geplant werden, Behandlungen, deren Ausgang infaust ist, können besser erkannt werden.
Allerdings gibt es auch immer noch Diagnosen, die man mit dem normalen Zahnfilm stellen kann. Da könnte man schon fast auf die klinische Untersuchung verzichten.
Allerdings sieht man es auf dem Röntgenbild selten so schön wie hier:

 

„J-förmiger“ Knochenabbau => Längsfraktur.
Eindrucksvoll bewiesen nach der Extraktion.

 

Auftrag erfüllt …

von Ronald Wecker

… möchte man sagen, wenn man das präoperative Röntgenbild betrachtet:

Alle weisse Linien scheinen das Ende der radiologisch erkennbaren Wurzel zu erreichen. Dennoch ist deutlich zu erkennen, dass sich der biologische Erfolg nicht eingestellt hat.

Bereits kurz nach Anlegen der Zugangskavität zeigte sich innerhalb der Pulpakammer eine deutliche Kontamination der Wurzelfüllmaterialien bereits im koronalen Drittel. Die aus der bukkalen Wurzel entfernten Guttaperchareste waren farblich vollständig „durchwirkt“.

Während die palatinale Wurzel einen sehr geraden Verlauf aufwies, war die bukkale Wurzel nach mesial gekrümmt. Die erste Messaufnahme konnte den räumlichen Verlauf nicht präzise genug darstellen. Daher wurde eine exzentrischere Aufnahme angefertigt. Um das Erreichen der Arbeitslänge überlagerungsfrei darstellen zu können, wurde nur der bukkale Masterpoint einprobiert.

Sechs Monate postoperativ zeigt sich bereits eine deutliche Ausheilung des osteolytischen Areals.

Teamwork

von Ostidald Wucker

Der heutige Fall ist ein Beispiel einer sehr gut gelungenen Weiterbehandlung nach endodontischer Therapie.

Die Patientin wollte unbedingt den Zahnerhalt. Trotz unserer kritischen Betrachtung sollte der Erhalt versucht werden. Eine Implantatversorgung kam für die Patientin nicht in Betracht. Seit 9 Monaten hat sie Beschwerden und mehrere Versuche in verschiedenen Praxen führten zu keiner Besserung. Es sind zirkulär erhöhte Sondierungstiefen messbar. Lockerungsgrad 0. Die Sensibilität ist fraglich. Die Perkusssion lateral und horizontal ist unangehem aber nicht extrem schmerzhaft.

Wo sahen wir die Probleme?
Die Wurzelkaries distal. Die Sondierungstiefen von 10 mm an beiden distalen Messpunkten. Mesial 5mm, palatinal 4mm und bukkal 2.

Der präendodontische Aufbau an distal stark zerstörten endständigen Zähnen ist unter Kofferdam nicht immer möglich. In diesem Fall gelang und dies ganz gut unter Verwendung einer Ivory Matrize. Nach Gestaltung der Zugangskavität zeigte sich eine zentrale Perforation des Pulpenbodens. Die Perforation wurde nach vorheriger Desinfektion mit ProRoot MTA verschlossen. Anschließend wurde die Patientin über das weitere, bis dahin nicht bekannte Problem informiert. Nach einer Bedenkzeit von einigen Tagen wurde durch die Patientin eine Weiterbehandlung gewünscht. Die abschließende Aufbereitung und Füllung des Kanalsystems erfolgte in einer weiteren Sitzung.
Nach dem ersten Recallbild zeigte sich eine sehr gute prothetische Versorgung, welche uns optimistischer in die Zukunft blicken lässt.

Anbei Behandlungsbilder und Röntgenbilder.