Bierflasche 1

von Bodald Necker

Der junge Mann kam zur Routineuntersuchung in die Praxis.
„Ach ja, vor ein paar Tagen hab ich beim Trinken aus der Bierflasche einen Schlag bekommen. Aber, jetzt tut es nicht mehr weh.“
Er gab den 11 an als den betroffenen Zahn.
Lockerung war mehr 0 als 1. Perkussion negativ. Sensibilität auf Kälte positiv.
Sonst keine Auffälligkeiten. Anamnestisch war nichts mehr in Erfahrung zu bringen, ob Blutung, Dislokation, oder größere Lockerung. Auf Nachfragen ernteten wir nur ein „Keine Ahnung“.
Ein Röntgenbild wurde angefertigt.
Der PA-Spalt war vergrößert. Eine Querfraktur im apikalen Drittel konnte nicht ausgeschlossen werden

3-4 Tage posttraumatisch

3-4 Tage posttraumatisch

Da keine Beschwerden mehr bestanden, die Lockerung sich sehr in Grenzen hielt, wurde der Pat. über noch mögliche Komplikationen und engmaschige Kontrollen aufgeklärt und mit Termin zur WV in einer Woche zur VitPr entlassen.

Doch genauso ernst, wie er das Trauma und seine möglich Folgen nahm, so ernst nahm er auch seinen nächste Termin. Er kam nicht.

Es ging ein mehr als ein halbes Jahr ins Land, bis er sich wieder blicken liess. Nicht wegen des 11, sondern wegen eines anderen Problems.
„Ach ja, und der da vorne vom letzten Mal ist dunkel geworden. Kann man den überziehen?“

Ja. Das hätten wir verhindern können.
Kältetest, wie erwartet, negativ, sonst klinisch keine Auffälligkeiten. Perkussion negativ, keine Schmerzen. Lockerung 0.
Eine kleine apikale Aufhellung ist zu erahnen, evtl. auch ein Resorptionsprozess oder die Dislokation eines apikalen Fragmentes.
Vielleicht bringt ein DVT mehr Klarheit.

ca. 8 Monate posttraumatisch

Mit der geplanten engmaschigen Kontrolle hätten wir die Endo, die jetzt nächste Woche ansteht, nicht verhindern können, aber zumindest die Verfärbung.
Naja, er ist nicht der einzige Patient, den seine Zähne nur dann interessieren, wenn etwas nicht gut aussieht oder wenn etwas weh tut.

4 Gedanken zu „Bierflasche 1

  1. Ich, selbst ZA, habe vor über einem Jahr nach einem Sturz ein Trauma an 11 erlitten. Mein Zahn hat heute in etwa die selben klinischen und röntgenologischen Befunde, zum Glück nur nicht sonderlich verfärbt – aber avital, schmerzlos und mit viel Phantasie apikal etwas zu erahnen. Und meine selbstgewählte Therapie: Nichts, abwarten. Ich halte alle 6 Monate nen Zahnfilm drunter und schaue es mir an. So lange sich nicht wiriklich etwas tut (auch was die mögliche Obliteration des Kanals anbelangt) werde ich den sterilen Zahn nicht eröffnen.
    Ihre gewählte Therapie – auch im Hinblick auf die Verfärbung – ist sicherlich nicht falsch. Aber den Patienten jetzt als uneinsichtigen und desinteressierten Schluffi darzustellen ist in dem speziellen Fall nicht so einsichtig.

    • Sehr geehrter Herr W.,

      Ihr Vorgehen ist eine Möglichkeit und Sie kennen selbst sicher alle Pros und Contras.

      Hinsichtlich der Diagnostik aus der sich nachfolgend ein Befund ableitet, der wiederum zu einem Therapievorschlag führt, möchte ich jedoch einwerfen, dass durch ein DVT in 25 bis 35 % der Fälle, die in einer zweidimensionalen Röntgendiagnostik nicht zu erkennenden apikalen Aufhellungen dargestellt werden können. Das ist m.E. keine zu vernachlässigende Anzahl.(Low et al. 2008, Bornstein et al. 2011, Patel et al. 2012 Wu & Wesselink 2011.) Insofern halte ich eine 2D Diagnostik nur für eingeschränkt aussagefähig.

      Und das schmerzlos nicht pathologiefrei bedeutet, ist, glaube ich, unstrittig. Ich drücke jedoch die Daumen, dass eine apikale Pathologie bei Ihnen ausbleiben wird.

      Herzliche Grüße

      Jörg Schröder

      • Es ist schön zu lesen, daß es Kollegen gibt, die sich in der Anwendung der DVT mit der Literatur auseinandersetzen. Das ist evidenzbasierte Zahnheilkunde! Bereits die Einzelzahnaufnahme 8 Monate post trauma läßt eine deutliche periapikale Transluzenz und eine Resorption im Bereich des apikalen Wurzeldrittels erkennen. Ich bin gespannt, ob sich auch eine Fraktur diagnostizieren läßt, die man zumindest erahnen könnte. Gleichwohl die Evidenz für die Überlegenheit der DVT in Bezug auf die Diagnostik periapikaler Läsionen erdrückend ist – circa 50 Publikationen seit 2004-, es fehlt in der Tat leider immer noch an validen Studien, die die Bedeutung für das „outcome“ und die Bewertung unserer Bemühungen belegen. Im vorliegenden Fall wird die Summe der Befunde sicher von Interesse für die Bewertung der DVT-Diagnostik sein.
        Herzliche Grüße
        Marc

Kommentar verfassenAntwort abbrechen