BTR-Pen als Alternative zu Fragremover

Von Christoph Kaaden

Meine erste „Begegnung“ mit dem BTR-Pen hatte ich vor circa einem Jahr, als Jörg Schröder eine solches Exemplar auf dem Berliner Zahnärztetag erstand.

Einige Zeit danach schwärmte er mir am Telefon von dieser Anschaffung vor, die u.a. wegen der exzellenten Haptik zu überzeugen weiss.

Daraufhin beschloss ich unser eigenes Instrument anzuschaffen. Auch hier folgte ich der Empfehlung von Jörg und kaufte den BTR-Pen bei LyDenti.

Kaum geordert war die Bestellung schon bei uns. Inklusive etlicher Proben an diversen Spüllösungen, EDTA-Gels etc… auch die Nachbestellung der Schlaufen einige Zeit später erfolgte prompt. Ich kann diesen Onlinehändler bisher absolut empfehlen.

Aber zurück zum BTR-Pen.

Eine genaue Gebrauchsanweisung finden Sie hier.

Als grossen Vorteil empfinde ich neben der sehr sehr guten Haptik, dass der Schlaufenwechsel innerhalb kürzester Zeit erfolgen kann, da bereits vorgefertigte Kanülen mit Draht zur Verfügung stehen. So dauert es keine Minute, bis man nach einem Wechsel weiterarbeiten kann.

Als Durchmesser stehen Kanülen von 0,3 – 0,5mm zur Verfügung. Meines Wissens nach hat der verwendete NiTi-Draht einen Durchmesser von 0,15 mm.

Als nachteilig muss der Preis dieser Draht-Kanülen angeführt werden, der bei ca. 10 EUR pro Stück anzusiedeln ist.

Unser bisheriges Fazit fällt also mehr als positiv aus. Wer über die Anschaffung eines solchen Instrumentes zur Fragmententfernung nachdenkt, der sollte den BTR-Pen definitiv auf der Liste haben…

Schnellste Revision – ever!

Von Christoph Kaaden

Gestern konnten wir eine OK-Molaren Revision im zweiten Termin abschliessen.

Ausgangs-Röntgenbild (alio loco) Zahn 16 mit apikaler Parodontitis und zum Teil überextendiertem WF Material

Die Entfernung des vormals eingebrachten WF-Materials gestaltete sich erfreulich einfach.

Um genau zu sein:

Sehr sehr sehr einfach.

„Gefühlt“ hat der Einsatz von Hedström-Instrumenten und Debrider circa 90 Sekunden umfasst.

Die Röntgenkontrolle zeigte, dass die Einstift-Füllungen in toto aus den Kanalsystemen entfernt werden konnten.

Zustand nach Entfernung des vormals eingebrachten WF Materials

Die weitere Präparation erfolgte dann bis ISO 040 (mesial/distal) bzw. ISO 060 (palatinal).

Masterpoint-Röntgenaufnahme nach Präparation aller vier Kanalsysteme (bei Konfluation mesio-bukkal)

Im zweiten Termin kamen dann Total fill BC Sealer high flow und Guttapercha zum Einsatz.

Abschluss-Aufnahme

Bleibt zu hoffen, dass der Heilungsverlauf ähnlich rasant verläuft wie die Entfernung des Wurzelfüllmaterials…

Prä-op vs. psot-op

Ich werde berichten….

Eine Geschichte aus dem Endozän

Es ist schon einige Jahre her.
Bei einer Patientin haben wir den Brückenpfeilerzahn 44 endodontisch behandelt und dem Überweiser mitgeteilt, daß der Zahn als Brückenpfeiler auf Grund der Substanzschwächung nicht dauerhaft funktionieren wird.

Darauf wurde die Patientin zu einem implantologisch tätigen Kollegen überwiesen, der mit erheblichen Aufwand zwei Implantate 45, 46 inserierte.
Alles gut. Nur sagte der Kollege zum Abschluss: Und wenn der Endozahn bald nicht mehr funktioniert, dann setzen wir ein schönes Implantat da. Die Patientin antwortete: Dieser Zahn ist erst neu behandelt und hat fast soviel wir ein Implantat gekostet.

Nun nach ca. 8  Jahren sieht die Sachlage so aus: Die Ursache sieht der Implantologe darin, daß die Patientin plötzlich wieder mit Rauchen angefangen hat, Grund tragischer Todesfall in der Familie.

Was soll man jetzt tun?
Doch wieder eine Brücke inserieren. Die Patientin raucht bis heute. Einen neuen Knochenblock will der Chirurg nicht setzen.
Nun muss der „Endozahn“ wohl die Situation retten…

Der Fragremover hat mein endodontisches Leben in schwierigen Situationen deutlich einfacher gemacht. Und Reciproc !

Der Fragremover hat mein endodontisches Leben in schwierigen Situationen deutlich einfacher gemacht.

Wieder mal ein Thermafil- Fall.
3 Kunststoffstifte.

Früher wäre das sehr mühsam und frustran gewesen.
Handinstrumente, Eukalyptol, jede Menge Zeit und Aufwand, nur um am Ende dann doch nicht weit genug nach apikal gekommen zu sein.

Heute läuft das ab, wie im Video zu sehen.
Wir holen die Kiste mit dem Fragremover raus. Und wenn ´s mal nicht klappt (es gibt sehr poröse Thermafil -Stifte) dann kommt halt Plan B zum Einsatz: Die VDW Reciproc 25. Auch dafür bin ich dankbar.

Staatliche Finanzspritze für Niedergelassene: Bund fördert E-Mobilität von Arztpraxen

Staatliche Finanzspritze für Niedergelassene: Bund fördert E-Mobilität von Arztpraxen|Wie auch Sie davon profitieren können
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Das Umweltministerium bezuschusst bis 2022 Ärztinnen und Ärzte, die E-Autos und Ladeinfrastruktur dazu kaufen. Dank staatlicher Finanzspritze zur Förderung der E-Mobilität zahlen sie oft nur die Hälfte. Wer profitieren will, sollte sich beeilen: Stichtag für die nächste Antragstellung ist der 1. März 2021 und Deadline für die letzte Antragstellung ist der 1. März 2022.

Über 273.000 Fahrzeuge sind Ende vergangenen Jahres für die Unternehmen und Organisationen im Gesundheits- und Sozialwesen auf deutschen Straßen unterwegs gewesen. Bislang fährt nur eine kleine Zahl davon elektrisch. Damit sich dies ändert, hat das Bundesgesundheitsministerium am 2. November 2020 das Flottenaustauschprogramm „Sozial & Mobil“ zur Umstellung der im Gesundheits- und Sozialwesen eingesetzten Fahrzeuge auf E-Mobilität gestartet. Es fördert auch niedergelassene Ärzte, die in E-Autos und die notwendige Ladeinfrastruktur investieren. Als Anreiz erhalten sie Geld vom Staat, wenn sie rein batterieelektrische Neufahrzeuge sowie Wallboxen und Säulen zum Aufladen kaufen. Bis ins Jahr 2022 stehen dafür 200 Millionen Euro zur Verfügung.

Umfang der Förderung richtet sich nach Variante

Den nicht rückzahlbaren Investitionszuschuss vom Umweltministerium gibt es in zwei Varianten. Abhängig von der gewählten beihilferechtlichen Grundlage variieren die Förderkonditionen:

Förderung im Rahmen der De-Minimis-Verordnung:

Vor allem kleinere Unternehmen – und damit auch Arztpraxen – können bei dieser Variante einen Pauschalbetrag von 10.000 Euro pro E- Fahrzeug und zudem eine Finanzspritze zur notwendigen Ladeinfrastruktur auf firmeneigenen Parkplätzen beantragen. Pro Wallbox mit Wechselstrom (AC) und einer Leistung bis 22 kW gibt es 1.500 Euro. Für jede AC-Ladesäule bis 22 kW sind 2.500 Euro vorgesehen. Dafür müssen sie keine Herstellerangebote vorlegen. Auch die Anschluss- und Installationskosten sind bei der Ladeinfrastruktur förderfähig. Die Zuschüsse lohnen sich, wie die folgenden Beispiele zeigen.

Mitunter sparen Niedergelassene über 50 Prozent

Bei der Anschaffung kleinerer E-Modelle rechnet sich die De-Minimis-Pauschale von 10.000 Euro: Beim Kauf eines BMW i3, Hyundai Kona Elektro DAB+ oder VW e-Golf mit Nettolistenpreisen von jeweils rund 30.000 Euro können Niedergelassene dank Förderung etwa ein Drittel sparen. Bei den Stadtflitzern Renault Zoe-Life mit Batteriemiete und Smart EQ fortwo, die mindestens 18.000 und 19.000 Euro kosten, beträgt der Ärzte-Rabatt dank staatlicher Anteilsfinanzierung sogar bis zu 55 Prozent. Bei einer Kalkulation ist zu beachten, dass Sonderausstattungen und Zusatzleistungen, die über die Basisvariante der jeweiligen Elektrofahrzeuge hinausgehen, nicht förderfähig sind.

Auch der Aufbau der zum E-Fahrzeug passenden Ladeinfrastruktur ist dank De-Minimis-Förderung deutlich erschwinglicher. Eine AC-Wallbox kostet in der Regel zwischen 450 und 2.300 Euro, eine einfache AC-Ladesäule zwischen 2.000 und 5.000 Euro. Hinzu kommen stets Montagekosten von durchschnittlich 1.000 bis 1.500 Euro. Unter dem Strich müssen Ärzte nach Abzug der Beihilfe-Pauschalen von 1.500 beziehungsweise 2.500 Euro häufig lediglich die Hälfte zahlen.

Eine Kumulierung mit dem Umweltbonus, der jeweils zur Hälfte von der Bundesregierung und der Autoindustrie gezahlt wird, ist möglich – sofern die zuletzt nochmals verbesserte Kaufprämie für das gewünschte Batterieelektrofahrzeug verfügbar ist. Wer dafür einen Antrag bei dem zuständigen Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) stellt, kann allerdings nur den Anteil der Fahrzeughersteller in Höhe von 3.000 Euro erhalten. Eine Doppelförderung durch den Bund beim E-Auto-Kauf ist genauso ausgeschlossen wie die Kombination mit anderen staatlichen Beihilfen. Wichtig: Gemäß der De-Minimis-Verordnung darf die Höhe der Förderung zusammen mit anderen Beihilfen im laufenden und den zwei vorherigen Steuerjahren nicht 200.000 Euro übersteigen.

Förderung auf Basis der Allgemeinen Gruppenfreistellungsverordnung:

Wer das De-Miminis-Limit von 200.000 Euro für die vergangenen drei Steuerjahre ausgeschöpft hat oder diesen Höchstbetrag mit der beantragten Zuwendung übersteigt, kann Investitionsmehrkosten nach einem pauschalisierten Ansatz oder individuell nachgewiesene Mehrkosten fördern lassen. Dies gilt nur für den Kauf von E-Fahrzeuge, nicht für die Ladeinfrastruktur. Der Staat bietet bei kleinen Unternehmen mit bis zu 50 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz bis 10 Millionen Euro an, pauschal 60 Prozent des Aufpreises eines E-Autos gegenüber einem vergleichbaren Fahrzeug mit Verbrennungsmotor zu übernehmen.

Alternativ gibt es die individuelle Anteilsfinanzierung von Investitionsmehrkosten. Antragsteller müssen die geplanten Ausgaben dafür genau nachweisen, indem sie Angebote für das gewünschte E-Auto und für ein vergleichbares Verbrennermodell vorlegen. Beide Modelle eignen sich eher für Arztpraxen, die gleich mehrere Anschaffungen planen. Das Limit für eine Förderung gemäß der Allgemeinen Gruppenfreistellungsverordnung liegt bei 15 Millionen Euro pro Unternehmen und Investitionsvorhaben. Auch hier ist eine Kumulierung mit dem Umweltbonus der BAFA möglich.

Wichtige Voraussetzungen für einen Zuschuss

Der Staat stellt mehrere Bedingungen für die neue Förderung der E-Mobilität: Für Ausgaben, die vor der Bewilligung eines Antrags entstanden sind, gibt es kein Geld. Maßgeblich für den Beginn der zu fördernden Maßnahme ist der Abschluss entsprechender Kaufverträge. Daher unbedingt abwarten, bis ein sogenannter Zuwendungsbescheid vorliegt. Unternehmen müssen das geförderte E-Fahrzeug hauptsächlich beruflich beziehungsweise betrieblich nutzen – also zu über 50 Prozent. Vor allem bei Arztpraxen, die viele Hausbesuche machen und Alten- und Pflegeeinrichtungen betreuen, ist das der Fall. Sie müssen das Elektro-Auto und die dazugehörige Ladeinfrastruktur später zudem mindestens 24 Monate nutzen. Innerhalb dieses Zeitraums dürfen sie die Förderobjekte also nicht verkaufen.

Die Beschaffung der Elektrofahrzeuge sollte umgehend nach Bewilligung der Förderung erfolgen und möglichst innerhalb eines Jahres abgeschlossen sein. Beides ist durch Fahrzeugzulassung sowie die Vorlage der Rechnungskopie nachzuweisen. Voraussetzung für den Abruf der Zuwendung für die Ladeinfrastruktur sind ebenfalls Dokumente, die eine Umsetzung der beantragten Maßnahmen belegen. Pro Fahrzeug ist stets eine Wallbox oder Ladesäule auf dem Firmengelände förderfähig.

Weitere Informationen und Unterlagen zur Antragstellung

Das Umweltministerium stellt online Detailangaben zu „Sozial & Mobil“ und Förderunterlagen bereit. Zum Beispiel Formulare zur elektronischen Beantragung über das easy-Online-Portal, eine Berechnungshilfe zur Zuschusshöhe und die Kontaktdaten des Projektträgers VDI/VDE Innovation + Technik. Wegen der kurzen Laufzeit des Flottenaustauschprogramms und langen Lieferzeiten von E-Autos ist es ratsam, sich zu beeilen. Stichtag für die nächste Antragstellung ist der 1. März 2021 und Deadline für die letzte Antragstellung ist der 1. März 2022.

Das Förderprogramm „Sozial & Mobil“ auf einen Blick

• Zuschuss pro Elektrofahrzeug: pauschal 10.000 Euro oder bis zu 60 Prozent der Investitionsmehrausgaben
• Zuschuss je Ladeinfrastruktur: pauschal 1.500 Euro (AC-Wallbox bis 22 kW) bzw. 2.500 Euro (AC-Ladesäule bis 22 kW)
• Antragsfrist: spätestens bis 1. März 2022
• Projektträger: VDI/VDE Innovation + Technik GmbH
• Weitere Infos: http://www.erneuerbar-mobil.de

Im zweiten Anlauf – Guided Endo

von Jörg Schröder

Ich hatte hier bereits einen Fall eingestellt, bei dem ich zunächst geplant hatte schablonengeführt aufzubereiten, es aber am Ende nicht musste. Der Kanal erschien zwar im 2D- als auch im 3D-Röntgenbild in Teilen nicht verfügbar, war jedoch klinisch problemlos aufbereitbar gewesen. „Guarded“ statt „Guided“.

Bei der Auswertung der präoperativ erstellten Röntgenbilder des nachfolgenden Falles war ich mir, mit der oben geschilderten Erfahrung, ziemlich sicher, dass ich keine Schablone benötigen würde.

Das DVT-Volumen hatte ich jedoch schon so gewählt, dass ein sicherer Schablonensitz gewährleistet werden kann (gesamter OK ist abgebildet, das Matchen der STL-Daten mit den DICOM-Daten ist einfacher).

Das klinische Bild zeigte eine vestibuläre Schwellung auf Höhe der Wurzelmitte, sowie eine aktive Fistelung. Die Patientin hatte an diesem Zahn vor mehr als 20 Jahren ein Trauma erlitten. Alio loco war bereits versucht worden den Wurzelkanal zu instrumentieren. Aus der berechtigten Sorge eine Perforation zu verursachen jedoch abgebrochen. Die Behandlung bei uns wurde zweizeitig durchgeführt.

Ab dem ersten Wurzeldrittel war es dann jedoch vorbei mit der Sichtbarkeit von Kanalstrukturen. Es imponierten immer wieder kleinste Hohlräume, die jedoch nicht miteinander in Kontakt standen.

Nachdem die erste Messaufnahme ein Ausweichen nach distal zeigt, war ich mir sicher, mit einer leichten Achsenkorrektur den auch im 2D-Bild erkennbaren Kanal zu eröffnen. Weit gefehlt, wie die nächste Messaufnahme erkennen lässt. Jetzt war es vorbei mit der Zuversicht und der Ärger über die nicht angefertigte Schablone nahm überhand.

Da nach der ersten der beiden Sitzungen die klinische Symptomatik trotz unvollständiger Aufbereitung vollständig abgeklungen war und das DVT präoperativ apikal keine Aufhellung erkennen ließ, habe ich mich entschieden zunächst einmal apikal mit MTA zu obturieren und das Recall abzuwarten. Eine schlechte Entscheidung. Das Recall nach 6 Monaten zeigte eine apikale Pathologie wo vorher keine war und es bestand eine palpatorische Druckdolenz apikal.

Nach Erörterung der Möglichkeiten wurde die Entscheidung getroffen eine schablonengeführte Aufbereitung durchzuführen. Die, dank der hervorragenden Planung und Ausführung durch Jürgen Mehrhof, innerhalb von 50 Minuten ein sehr schönes Behandlungsergebnis zeigte.

Ich hatte mich bei meiner ursprünglichen Aufbereitung deutlich (0,6 mm) nach labial verlaufen.

Meine Lehre daraus? In Zukunft werde ich die Schablone in Obliterationsfällen, in denen ich den Kanal nicht vollständig verfolgen kann, bereits in der ersten Sitzung vorbereitet haben. Um Zahnsubstanz zu schonen und ein vorhersagbares Behandlungsergebnis zu erzielen.

3D – Druck in der Zahnmedizin – Ein Wachstumsmarkt

Das Marktforschungsunternehmen SmarTech Analysis, welches sich auf Analysen im 3D-Druck spezialisiert hat, hat seine sechste Ausgabe des “Additive Manufacturing in Dentistry” Reports veröffentlicht und prognostiziert angesichts der turbulenten Erfahrungen des Jahres 2020 eine vielversprechende Wende für den Markt im Jahr 2021. Nach Angaben des Unternehmens wird der dentale 3D-Druck in Bezug auf den Umsatz das Niveau von 2019 übertreffen und im Jahr 2021 3,1 Milliarden Dollar erreichen.

Bisher verzeichnete der dentale 3D-Druck stabile Wachstumszahlen, aber das Jahr 2020 macht der Branche einen Strich durch die Rechnung. Die Pandemie brachte zwar die gesamte Fertigungsindustrie ins Straucheln, aber die additive Fertigung in der Zahnmedizin litt besonders. So wurden nicht lebensnotwendige Eingriffe verschoben, um Infektionen zu reduzieren. Dadurch wurden auch diese Branche stark getroffen.

Die Analyse von SmarTech zeigt jedoch eine schnelle Erholung des Markts. In der neusten Prognose gehen die Spezialisten davon aus, dass 2021 der Umsatz von 2019 übertroffen wird. SmarTech Analysis stellt seit 2014 jährliche Studien über die sich entwickelnden Möglichkeiten im dentalen 3D-Druck zur Verfügung. Damit ist dies die am längsten laufende spezielle Forschungsstudie für Fachleute in der Dentalbranche. Die jüngste Ausgabe des Berichts konzentriert sich auf die Analyse des Marktes unter den aktuellen pandemiebedingten Bedingungen und liefert realistische kurzfristige Prognosen zur Markterholung, kombiniert mit einer Analyse der längerfristigen Veränderungen im dentalen Verbraucherverhalten, die sich aus COVID-19 ergeben und sich auf die Nachfrage nach dentalen 3D-Drucklösungen auswirken könnten.

Recall eines Misserfolges, bzw. Glücksfalles

Misserfolge sind oftmals die lehrreichsten Fälle.
In der zahnmedizinischen Ausbildung wurden Instrumentenfrakturen als größter Fauxpas dargestellt. Dementsprechend sind viele Zahnärzte sensibilisiert.
Eine Instrumentenfraktur galt und gilt teilweise noch heute als größte Schande. Leider eine völlig unsinnige Haltung.
Heute muss man mit diesen Fällen offensiv umgehen. Wichtig ist – den Patienten informieren, davor über die Möglichkeit und danach, falls es passiert ist!

Ich kenne keine/n endodontisch tätigen Kolleg/in/en, der kein Instrument frakturiert hat. Und ganz wichtig: Niemand macht mit Absicht etwas schlecht.

Über so einen Fall einer Instrumentenfraktur möchte ich berichten. Ich bekam letztens ein Zufalls- Nebenbefund-Recallbild.

Und da war es sofort wieder, das Gefühl. Das Gefühl, wenn es einem in der Behandlung eiskalt den Rücken herunterläuft. In diesem Fall zweimal. Die absolute Hölle. Zweimal ein Instrument frakturiert. Die zweite Fraktur war absolut vermeidbar, was es noch viel schlimmer machte.

Die Patientin hatten wir aufgeklärt, daß die Therapie schwierig wird aber nicht unlösbar ist. In der ersten Behandlung sind dann zwei Instrumente frakturiert.

In diesem Fall war ich der Meinung mit Pathfile und Profile die Krümmungen ohne größere Kanaltransportation aufzubereiten. Zusätzlich zur SAF war der Eddy bei mir 2015 Standard. NaOCl 3% und Zitronensäure 10% waren die von mir eingesetzten Spüllösungen.

Die Aufbereitung des Zahnes 45 versuchte ich im VTVT (variabel Tipp, variabel Taper)- Modus mit Path- und Profile. Die 20.04, 25.02 und 30.02  waren auf Arbeitslänge. Die 25.04 fakturiert beim ersten Einsatz.
Mit Handinstrumenten konnte ich mich nach einiger Zeit etwas an dem Fragment vorbei mogeln. Was mich dann geritten hat eine vrogebogene Pathfile einzusetzen, weiß ich nicht mehr. Jedenfalls frakturierte diese schnell, was eigentlich klar war.
Es gelang die Pathfile zu entfernen. Ein Teil der Profile konnten entfernt werden. Das frakturierte Instrument ganz zu entfernen oder vollständig zu passieren mißlang.
In der abschließenden WF konnten wir an Hand der Sealerextrusion hoffen, daß auch die Desinfektion in diesen Bereichen zumindest teilweise vorhanden war.

Nun sahen wir den Fall zufällig wieder. Ein Röntgenbild von 45 wurde angefertigt. ( VD Pulpitis…) Ein Glücksfall für die Patientin.

MTA Apexifikation nach Resektion Zahn 11

Von Christoph Kaaden

Hier mal wieder eine MTA-Apexifikation eines bereits resezierten Oberkiefer-Frontzahnes.

Prä-op-Röntgenaufnahme bei Zustand nach endodontischer Vorbehandlung inklusive Resektion alio loco Zahn 11

DVT Ausschnitt I

Wie bei uns „immer“ erfolgte die Therapie zweizeitig. Die Entfernung des alten WF-Materials führten wir mit Hedström- und rotierenden Instrumenten durch.

Behandlungsdauer insgesamt 2 Stunden.

Zur Applikation des MTAs verwende ich gerne einen Handplugger.

Mit der Anwendung eines „MTA-Guns“ konnte ich mich nie anfreunden…

Hier das Ganze mal wieder in bewegten Bildern.

In sechs Monaten werden wir sehen, ob die Therapie erfolgreich war…

Abschluss-Röntgenbild nach MTA plug und Backfill mittels Guttapercha&Sealer

Prä-op vs. post-op

FFP2 Masken

Ein interessanter Beitrag zum Thema FFP2 vom SWR.

Auch wenn wir wahrscheinlich keine Masken aus BW haben, könnte es bei jedem anderen Lieferanten nicht groß anders sein.

Hoffen wir mal alle, daß die 80% schlechte Masken doch etwas schützen.
Hier der Link

https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/fehlerhafte-masken-104.html

Und hier noch das Video dazu.

https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/ffp2-normstreit-100.html

Recall 7 Monate nach WF Zahn 36 – ausgedehnte apikale Aufhellung

Es gibt apikale Aufhellungen und – nennen wir es – ausgedehnte apikale Aufhellungen.

Wie hier an diesem Zahn 36, über den ich hier im August letzten Jahres berichtet habe.
Damals Zustand unmittelbar nach WF. 5 Wurzelkanäle. Dank DVT darstellbar.

Nach 7 Monaten nun die erste Recallkontrolle.
Eines DVT ´s zu Heilungsbeweis bräuchte es meines Erachtens gegenwärtig nicht, auch wenn es sicherlich beeindruckend rüberkäme, die Regenerationsfähigkeit des Körpers nach adäquater endodontsischer Therapie bestätigend.

Wer WURZELSPITZE von Anfang an verfolgt, der weiss, dass es immer unser Ziel war, therapiebegleitend hier Fälle einzustellen. Live View gewissermaßen. Kein Rosinenpicken, kein „Naselangmachen“ mit den besonders schönen Fällen, sondern die Karten offen auf den Tisch gelegt.

So haben wir den Fall gelöst und so sieht das ganze 6,12,24 Monate später aus.

Natürlich birgt das immer die Gefahr, den Nimbus des endodontischen Halbgottes zu zerstören, aber das nehmen wir gerne in Kauf, weil wir der Meinung sind, dass genau so Fortbildung aussehen sollte. Meister vs. Guru. Wer bei „Weck, Worscht, Woi“ war, weiss, was ich damit meine.

Tiefe Aufgabelung, zwei Fisteln und ein Recall

von Jörg Schröder

Palatinal gelegene Fistelungen stellen meiner Erfahrung nach oftmals einen prognostisch ungünstigen Befund dar.

Insbesondere dann, wenn es zeitgleich eine bukkal gegenüber liegende Fisteln gibt. Und der Pulpanekrose ein Rissgeschehen zugrunde liegt.

Oftmals, aber eben auch nicht immer, wie nachfolgender Fall zeigen kann.

Das präoperative DVT lässt erkennen, dass die Pulpanekrose schon etwas länger bestanden haben muss, denn die palatinale Wurzel zeigt deutliche Zeichen einer infektionsbedingten externen Resorption.

Klinisch imponiert in der vollkeramischen Restauration ein von mesial nach distal verlaufender Haarriss, der sich jedoch intraoperativ nicht bis in den Pulpakammerboden hinein verfolgen ließ.

Das war im Beratungsgespräch als Voraussetzung für eine erfolgreiche endodontische Behandlung herausgestellt worden.

Das DVT zeigt eine tiefe Aufgabelung von MB1 und MB2, sowie eine h-förmige Kommunikation zu Beginn des unteren Wurzeldrittels. Da das Visualisieren der tiefen Aufgabelung mit einem deutlichen Hartsubstanzverlust einher gegangen wäre, war das Belassen der Dentinbrücke unter der Voraussetzung geplant, dass die Messaufnahme beweist, dass beide apikalen Kanalabschnitte instrumentiert werden konnten.

Die Desinfektion erfolgte aufgrund der Kommunikation nicht nur schall- sondern auch laserunterstützt. Nach der ersten von zwei Behandlungssitzungen waren beide Fistelungen abgeheilt, sodass in der zweiten Sitzung alle vier Kanalsysteme in warmer vertikaler Kompaktion obturiert wurden.

Das mit Spannung erwartete erste Recall nach 6 Monaten stimmt mich zuversichtlich, dass sich die periapikale Pathologie bei der nächsten Kontrolle radiologisch vollständig ausgeheilt zeigen wird.

WURZELSPITZE Plus LIVE TALK 5, WURZELSPITZE MORITA DVT Live Talk

Unser WURZELSPITZE Plus LIVE TALK geht in die 5. Runde.
Und zwar am Mittwoch, dem 24. Februar 20.00 Uhr.

Mehr und mehr scheint sich diese Veranstaltung zu etablieren.
Beim letzten Mal waren es 22 Teilnehmer und das schöne ist immer, dass jedes Meeting seine eigene Dynamik entwickelt, weil aus dem Gespräch heraus die jeweiligen Themen sich ergeben. Eine Agenda immer nur Starter und Hilfsschnur ist. Trotzdem sind Themenvorschläge (bitte in die Kommentare oder in den Emailverteiler geben) im Vorfeld hilfreich, weil es uns ermöglicht, gezielt Material herauszusuchen, dass dann zur Sprache kommen kann.

Wir freuen uns.

Dann möchte ich noch eine andere Veranstaltung ankündigen, die letztendlich ebenfalls auf dem WURZELSPITZE  Plus LIVE TALK zurückzuführen ist. Sie richtet sich an die Morita DVT Anwender unter uns, die ja eine beeindruckend grosse Gruppe darstellen.

Worum geht s ?
Um eure Fragen zum Thema Morita DVT in der täglichen Anwendung. Und diese nicht an uns, sondern an den Hersteller selbst.

Wo hättet ihr gerne Hilfestellung ?
Mir fallen spontan mehr als eine hand voll Fragen ein zur I-Dixel Software.

„Ich würde gerne…
Wie könnte ich …
Gäbe es die Möglichkeit, dass …“

All das können wir in entsprechender Runde durchgehen. Ihr dürft den Ansprechpartnern auf Morita – Seite ein Loch in den Bauch fragen. Und die Jungs kennen sich richtig aus. Nicht wie wir Dentaldilletanten, die wir froh sind, die 5 Prozent, in die wir gerade mal reingeschnuppert haben, das Programm betreffend, überhaupt anwenden zu können.

Geplant ist – zum Vormerken – Mittwoch, 10. März 20 Uhr. Abhängig wie so ziemlich alles im Moment von der aktuellen (Corona) Lage, aber ich bin zuversichtlich und schlage vor, den Termin schon mal freizuhalten.

Der Termin wird – sobald gesichert- bekanntgegeben. Entweder noch Anfang März oder ab Mitte April, ein Mittwochabend auf jeden Fall.

Immer gut… reloaded

Von Christoph Kaaden

Hier mal wieder ein Beitrag aus der Rubrik: „Immer gut…“

In der Vergangenheit haben wir (zum Teil „schmerzlich“) lernen müssen, dass es immer gut ist, vor Beginn der zugewiesenen Behandlung ein eigenes „präoperatives“ Röntgenbild zu machen…

diese „Regel“ sollte sich in dem nachfolgenden Fall mal wieder bewähren.

Wir sind von einem unserer Zuweiser gebeten worden die Behandlung dieses oberen Prämolaren weiterzuführen.

Röntgenaufnahme des Zuweisers vor Notdienstbehandlung

Im Vorgespräch eröffnete uns der Patient, dass der Zahn im Notdienst „anbehandelt“ wurde, da ein akutes Schmerzbild bestanden…

Röntgenaufnahme direkt vor der Notdienstbehandlung

Nachfolgend unsere präoperative Röntgenaufnahme, die schnell deutlich macht, dass sich die Behandlung gerade deutlich verkompliziert hatte…

Eigenes Röntgenbild mit zwei Instrumentenfragmenten
Klinische Eindrücke während Fragmententfernung und Kanaldarstellung der beiden bukkalen Kanalsysteme
Masterpoint-Röntgen- und WF-Kontroll-Aufnahme bei Mini-Molaren-Behandlung
Prä-OP vs. post-op- Aufnahmen

Insgesamt hat die Behandlung zwei Stunden umfasst. Aufgrund der sehr koronalen Lage war die Fragmententfernung kein wirkliches Problem. Trotzdem war es, wie immer (sehr) gut, vor Therapiebeginn ein eigenes Röntgenbild angefertigt zu haben…

Face ID

Die Patientin wollte sich unbedingt während der Behandlung ablenken.
Sie hatte Musik auf Ihrem Handy und wollte diese per Kopfhörer hören. Das funktioniert sehr gut. Wir hatten immer den Kofferdam angelegt und die Längenmesskabel installiert und dann konnte es los gehen. Hat bisher immer geklappt.

Die letzte Patientin schaute auf ihr iPhone und nichts passierte. Face ID erkannte den User nicht wegen unseres Kofferdams. Ich kannte Fac ID nicht und konnte mir nicht erklären, warum die Patientin nun doch nicht Musik hörte. Bei der Passworteingabe darf niemand zuschauen wurde ihr eingeschärft.
Bei meinem iPhone 8 geht das Freischalten noch mit der Fingerkuppe. 

Erst nach der Behandlung kam die Aufklärung. Sie hat es trotzdem unbeschadet überstanden. Und hier gibt es eine Lösung, es ist auch ggf. mit der Maske problematisch.

Problem man benötigt eine Applewatch.

Dann muss man auch keine Angst haben das der Zahnarzt das Passwort mitbekommt.

 

 

Geschichten aus dem Endozän 20210209 – Die kaputte Saugmaschine

26 Jahre hat die Saugmaschine in unserem Dürr Power Tower ihren Dienst getan.
Ohne Ausfälle in all der Zeit.

Dann war sie kaputt.
Die Praxis stand still.
Von einer Sekunde auf die andere.
Kurz vor Weihnachten.

Und ich war froh, das mir Altschul Dental schnell helfen konnte. So das nur ein Tag als Totalausfall einzubuchen war. Mit einer Leihmaschine ging es weiter. Und für mich war klar. Wir wechseln das Gesamtpaket, ordern wieder Dürr und alles ist gut. Bis zum Ende meiner beruflichen Tätigkeit. Weitere 26 Jahre möchte ich nämlich nicht mehr arbeiten wollen.

Gesagt, getan.
Stimmt aber nicht ganz.

Am 21. Januar stand unsere Praxis wieder still.
Nach 2 Wochen.
Das nagelneue Schaltgerät, das ich sicherheitshalber mit der Saugmaschine hatte einbauen lassen, war weggeschmort. Eine Erklärung von Seiten des Depots oder des Herstellers ? Schulterzucken. Man kann es sich nicht erklären. Die Kosten wurden übernommen auf Garantie. Der Totalausfall in der Praxis und die Unannehmlichkeiten mit Patienten, die von weiter her angereist waren, bereits auf dem Stuhl saßen und unverrichteter Dinge wieder wegeschickt werden mussten, blieb an uns hängen.

Hoffentlich war es das.
Nächster Stichtag wäre morgen….

Schöner Dreier


von Jörg Schröder

Warum diese Behandlung mir als „schön“ in Erinnerung bleiben wird? Weil sie von A-Z exakt so verlief, wie ich es anhand des präoperativen DVT geplant hatte. In jedem Detail.

Die Abfolge der Massnahmen, welche Instrumente wann und wie eingesetzt wurden.

Wenngleich auch ein wenig Glück dabei war, dass die von mir bei der Guttaperchaentfernung eingesetzte ProFile 20/06 nach der Entfernung aus P nur deutliche Ermüdungszeichen zeigte.

Warum die 20/06? Weil sie gutmütig und steif ist. Und keine schneidende Spitze aufweist. Der Trick dabei? 450 bis 500 U/min und ein niedriges Drehmoment. Was allerdings wichtig ist: die taktile Rückmeldung der Feile zu erfassen. Sonst  kann es nicht nur zum Aufdrehen kommen, sondern auch zur Fraktur.


Die apikale Aufhellung war nach der alio loco durchgeführten Erstbehandlung – DB wurde erst in der Röntgenkontrolle als nicht behandelt erkannt – zwar rückläufig, jedoch nicht vollständig ausgeheilt.

Interessant dabei, dass auch 4 Monate nach Abschluss der Behandlung die apikale Aufhellung nicht an DB, sondern apikal des P imponierte.

Was war mein Plan?

Zunächst die Aufgabelung zwischen P und den beiden bukkalen Kanalsystemen darzustellen. Als nächstes die Konsistenz der Guttapercha zu erfassen. P als der weiteste Kanal ist dabei die erste Wahl gewesen: Mehr Guttapercha im koronalen Drittel vereinfacht das Tunnelieren derselben mit rotierenden NiTi-Instrumenten. Das DVT zeigt eine deutliche Krümmung nach bukkal im palatinalen Kanal. Daher wurde als nächstes die Zugangskavität nach palatinal erweitert um im nächsten Zug mittels der bekannten Kombination ProFile 15/04, 20/04 und 15/06 Patency zu erzielen.

Nach dem Proof-of-Concept folgte die Entfernung der Guttapercha im MB und die Erschliessung der apikalen Krümmung. Danach hatte das NaOCl  bereits soviel Gewebe aus dem Orifizium des DB entfernt, dass dieser trotz großer Enge nach rotierend erstelltem Gleitpfad mit der bekannten ProFile-Kombi auch bis zum apikalen Foramen aufbereitet werden konnte.

Als wir am 1.3.2011 das erste DVT in der Praxis erstellt hatten, habe ich die Möglichkeiten, die mir dieses Tool einmal in der Behandlungsplanung eröffnen wird, noch nicht einmal ansatzweise erahnen können. Umso schöner die späte Erkenntnis.

Wie sag‘ ich’s nur dem Kinde?

von Jörg Schröder

Mehr als 90 % meiner endodontischen Tätigkeit besteht aus „Redentistry“ der neudeutsche Begriff von „Wiederholungszahnheilkunde“.

Die wenigen Erstbehandlungen kann ich im Monat an den Fingern einer Hand abzählen.

Insofern bin ich hinsichtlich von im Verlauf der Vorverhandlung eingetretenen Komplikationen einiges gewohnt.

Der nachfolgende Fall hat aber auch bei mir ein heftiges Fremdschämen ausgelöst.

Der Patient zeigte bereits nach den ersten Erläuterungen (Zahn 15, nicht aufbereitetes Kanalsystem, 23 WSR ohne WF, via falsa, dislozierte retrograde „Füllung“) bereits deutliche Zeichen von Verunsicherung. Sein von ihm so hoch eingeschätzter Hauszahnarzt hatte die Behandlungen durchgeführt und das, was ich wertungsfrei vortrug, passte so gar nicht ins bestehende Bild.

Und da war der Befund an Zahn 16 noch nicht erläutert!

Wird uns Zahnärzten diese „Ich-kann-alles“-Mentalität im Studium vermittelt? Wo wurde verpasst zu erklären, dass Kooperation mit spezialisiert arbeitenden Praxen kein ehrenrühriges Eingeständnis von Unvermögen ist. Und wenn das Nicht-Überweisen ein Zeichen von Unvermögen wäre, was ist dann das, was hier als Zwischenergebnis herausgekommen ist?

Dass ein 15, der im Einzelbild zwar zwei Wurzelkonturen zeigt, auch schon einmal ein zweites Kanalsystem aufweisen kann, sollte heutzutage allgemein verfügbares Zahnarztwissen sein. Den palatinalen Kanal nicht gefunden? Geschenkt. Hier wurde der Zahn nicht kompromittiert und eine Revisionsbehandlung ist problemlos möglich.

Ein stark obliteriertes Pulpakavum in einem oberen Eckzahn? Kann schon vorkommen. Nach dem halben Verschluss der mit Sicherheit als solche erkannten Via falsa den Zahn noch selbst zu resizieren, ohne dass es eine Wurzelfüllung  gibt, zeugt schon von besonderem Selbstbewusstsein. Lässt aber auch jedes endodontologisches Basiswissen vermissen. Die schwebende retrograde „Füllung“ setzt dem Ganzen noch die Krone auf. Aber: auch hier ist eine erfolgreiche endodontische Behandlung noch möglich.

Dass das Drauflosbehandeln ohne großen Plan jedoch Methode zu haben scheint, lässt der 16 erkennen. Eine perfekt in den Pulpakammerboden angelegte Perforation und dabei keinen der stark obliterierten Kanäle auch nur angekratzt zu haben spricht Bände.

Wo bleibt hier das Patientenwohl?

Glücklicherweise ist der Vorbehandler keiner unserer Überweiser. Der Patient wurde von einem selbst spezialisiert arbeitenden Kollegen zur dreidimensionalen Diagnostik an uns überwiesen.

So bleibt mir wenigstens ein sehr diplomatisch gehaltener Befundbericht erspart.

 

 

 

Total Fill BC Sealer high flow (II)

Von Christoph Kaaden

Anfang der Woche hatte ich einige radiologische Beispiele unserer High flow-Anwendung gezeigt.

Heute möchte ich ein paar bewegte Bilder hinzufügen.

Neu für uns sind bei dieser Anwendung massgeblich folgende drei Punkte:

-geringere Trocknung der Kanalsysteme mit reduzierter Anzahl an Papierspitzen

-Einbringen des Sealers mit Kanüle (statt vormals Beschicken des Masterpoints mit Sealer)

-deutlich grössere Menge an Sealer

Das Video verdeutlicht das komplett andere Wärmeverhalten von High flow im Vergleich zum „klassischen“ BC Sealer (ohne „Ausflocken“ des Materials)…

ich bin auf Ihre Meinungen gespannt…

fire on

Elements Obturation Unit

Uns verbindet eine Haßliebe. Die Obturation Unit von Sybron Endo. Wir haben 3 Geräte in der Praxis und wenn Sie immer funktionieren würde, wäre es mein Lieblingsgerät zur Wurzelfüllung.

Aber es spinnt immer mehr herum. Womit fing das an?
Wir haben immer bei einem großen Dentaldepot in Deutschland die Guttapercha-Kartuschen bestellt. Vor mehren Jahren kamen plötzlich neue Kartuschen. Diese waren sogar etwas besser, weil man eine längere Kanüle hatte. Das war der Nachteil des Gutteperchaextruders gegenüber der Pistolenartigen Geräte. Dafür hatte man aber eine gleichmäßige motorische Auspressung der Guttapercha.

Diese neuen Kartuschen sollen die vorherigen Kartuschen ablösen. Die gibt es nicht mehr.

Nach einiger Zeit tauchten doch wieder die Originalkartuschen beim Händler auf.
Wir nahmen es, wie es kam.

Es dauerte ein Weile und dann fingen unsere Guttaperchaextruder an zu spinnen. Mal heizten diese ohne Aktivierung hoch. Mal heizten Sie gar nicht, obwohl eine Kartusche eingelegt war.

Auf AERA bemerkten wir erstmals – es werden 2 Kartuschensysteme von Sybron Endo angeboten.

Die Namen der Kartuschen sind bei AERA, sorry man erlaube mir diesen Ausdruck bescheuert gelistet, weil sie genau das falsche Gerät implizieren.

Einmal:
Elements Obturation-Kartuschen 23G Medium
-> Beschreibung: Für Elements Free.
Auf der Rechnung erscheint dann:
Elements Guttapercha 23GA medium 1 €38,67 €38,67 RS 0 Kartusche Pa 10

und dann:
Elements Guttapercha-Kartuschen 23GA Medium
-> Beschreibung: Guttapercha-Kartusche zur Anwendung mit Elementsfree oder Elements Obturation Unit.
Auf der Rechnung erscheint dann:
Gutta Percha Cartridge 23GA 1 €38,11 €38,11 RS 0 medium body Pa 10

Fazit: Wer lesen kann ist klar im Vorteil, aber nicht immer.

Aber auch die Händler liefern mal das und dann mal das. Offensichtlich ist dieses System auch für sie zu erlesen.

Und die Bilder stimmen in AERA auch nicht über ein.

Was noch schlimmer wiegt. Wir als Zahnärzte haben nicht die Zeit das auseinander dröseln zu müssen.

Geschichten aus dem Endozän (2021 3) Im Notdienst I

Eine dreiviertel Stunde hat es gedauert, bis der Milchzahn letztendlich draussen war.
Der nachfolgende OK Prämolar durchbohrt nach vestibulär hin die Gingiva.
Die Eltern, beide Akademiker (m/w/d) sind besorgt, natürlich kann das Kind NICHT MEHR kauen und hat SCHMERZEN daher kann auch nicht bis Montag gewartet werden, weshalb der Vater mit dem 14 Jährigen die sonntägliche Notdienstsprechstunde aufsucht. Der Zahn im Mund präsentiert sich unauffällig, die Gingiva ist blass rosa und nicht geschwollen, da blutet auch nichts und ist nichts gereizt. Eine schmerzauslösende Ursache ist auch bei viel viel gutem Willen nicht auszumachen. Aber will man diskutieren mit Leuten, die es besser wissen müssten ?

Die Anästhesie gelingt ohne Probleme, auch palatinal wo die sich einer Ersatzresorption heftig widersetzende Wurzel residiert.
Kein Mucks, kein Zucken.

Die eigentliche Zahnentfernung kann jedoch nur nach zeitintensivem Zureden in mehreren Anläufen durchgeführt werden. Hängt es damit zusammen, das der Vater bei der Autofahrt zur Praxis dem Jungen von seinen unangenehmen Zahnarzt-Kindheitserinnerungen aus den 70ern erzählt hat? Dem er auf den Finger biss, das es blutete, eine reflektorische Ohrfeige dafür erhielt, daraufhin mehrere Jahre den Zahnarzt nicht wieder aufsuchte, was letztendlich mit dem Verlust eines Zahnes endete. Und das damals die Zahnärzte auf die Befindlichkeiten des Kindes keines Rücksicht genommen haben, heute das Gott sei Dank aber anders sei. Das Alles erfahren wir aus dem Hintergrund vorgetragen, während wir versuchen, den Jungen dazu bewegen, die Behandlung durchführen zu lassen.

Nach 45 Minuten ist es geschafft.
Und es steht ein Betrag von 53 Euro auf dem virtuellen Dental-Taxometer.

Geschichten aus dem Endozän (2021 2 ) Beim Tierarzt II

Vier Zähne wurden dem Hund gezogen.
Die ganze Aktion hat eine Dreiviertelstunde gedauert.

960 Euro zahlt der Hundehalter.

Geschichten aus dem Endozän (2021 1) Beim Tierarzt I

Neulich beim Tierarzt.
Eine nicht untypische Landtierarztpraxis.
Die Einrichtung noch vom Vater übernommen. Der praktizierte schon in den Sechzigern des letzten Jahrhunderts. Seit meiner Kindheit hat sich augenscheinlich nicht viel verändert. Noch immer der gleiche Schreibtisch, noch immer die gleiche Baisch-Glasvitrine. Nur noch gelblicher – seien wir nett und nennen es elfenbeinfarben – ist dieser ehemals weisse Schrank geworden. Im Wartebereich ist auch der Schreibtisch der Praxismitarbeiterin, welche die Kunden „betreut“ und für den Liquditätsfluss zuständig ist. Bezahlt wird nämlich sogleich und auf die Hand. Nix mit Rechnung erst nach 14 Tagen stellen und der Patient wartet den Zahlungseingang der Beihilfe ab, bevor er überweist, natürlich nicht ohne den Betrag zurückzuhalten, den die Beihilfe nicht übernommen hat. Nix mit am 1. 1. des Jahres behandeln und am 20. Juni das Geld dafür erhalten. Und auch nix mit, ich brauche eine Abrechnungsgesellschaft, die mich 3 Prozent meines Nettohonorars kostet, nur damit ich zeitnah an mein Geld komme. Rund eine Stunde geht ins Land und, es lässt sich nicht vermeiden, das man es mitbekommt, circa 1500 Euro wechseln den Besitzer. Ohne das beim Zahnarztbesuch scheinbar pandemisch vorhandene, unvermeidbar immer und immer wieder vorgetragenen Murren, wie teuer das doch sei, wohlgemerkt.

Total Fill BC Sealer high flow (I)

Von Christoph Kaaden

Vor Kurzem haben wir im WURZELSPITZE LIVE Talk über den klinischen Einsatz von Total Fill BC Sealer (high flow) gesprochen.

Wir haben seit einiger Zeit auf dieses „neue“ Material (= BC high flow) )umgestellt und ich möchte diese Beitragsreihe nutzen, um über unsere Erfahrungen zu berichten.

Gestartet haben wir vor einer Reihe von Jahren mit Total Fill BC Sealer.

Die Anwendung bedeutete eine Abkehr des bisherigen Vorgehens hin zu einem vermehrten Einsatz von Sealer (statt Guttaperacha)

Für ich stark gewöhnungsbedürftig…

u.a., weil der Sealer beim Kontakt mit dem Wärmeträger sofort „ausflockte“…

Trotzdem sehe und sah ich eine Reihe von Vorteilen (keine Schrumpfung, Hydrophilie …)

Einige Zeit später wurde ich auf die „high flow“ Variante von Total Fill aufmerksam.

Unser erster Eindruck…

sehr gut.

Was sich dadurch erklärt, dass sich das Material wie vormals verwendete Sealer verhält (bei hoffentlich „besseren“ labortechnisch-klinischen Ergebnissen)…

Hier als erstes Mal ein paar klinisch-radiologische Beispiele, die einen ersten Eidruck zur Opazität und Fließfähigkeit des Materials geben…

Das Handling entsprach dem, was ich von bisherigen Sealern gewohnt war…

wäre da nicht der Preis…

aber mehr zu diesen Punkten und mehr später…

Hier noch ein interessanter Link mit einigen Beschreibungen zu den Materialeigenschaften.