D-Radio Podcast zum Konnektortausch.
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Heute mal wieder ein Fall aus der ´Rubrik – Kein Kanal –
Diesmal handelt es sich allerdings nicht um eine Molaren-Behandlung, sondern um stark obliterierte Unterkiefer-Frontzähne.
Genauer gesagt von zwei dieser Zähne, bei zwei unterschiedlichen Patientinnen mit einer Frontzahntrauma-Historie…
Hier die bestehenden Röntgenbilder…




In diesem Beitrag möchte im mich zunächst dem Fall II widmen…



Zur Entfernung der Obliteration kamen überlange Rosenbohrer zum Einsatz.


Bis es gelungen war eine vollständige Gängigkeit (ISO 006-012) an Zahn 41 herzustellen vergingen circa 25-30 Minuten. Neben C-Pilot Instrumenten (zum Teil in Anwendung mittels M4 Winkelstück) halfen uns ferner 15.04 – Profile und R-Pilot-Instrumente.
So stellte sich die Situation nach der Präparation beider Zähne dar. Nach insgesamt 75 Minuten konnten wir dieses Ergebnis erzielen…
Ich werde weiter berichten.

PS: Zahn 32 reagiert sensibel auf Kälte und Elektrizität
Eine Petition möchte ich gerne etwas ins Blickfeld rücken, da es uns, bzw. den Einen oder den Anderen mehr oder weniger betrifft.
Knut Karst hat diese Petition gestartet
Die aktuell in Arzt-, Zahnarztpraxen, Apotheken & Kliniken genutzten Konnektoren zur Anbindung an die Telematikinfrastruktur sollen nach dem Willen der gematik ab Ende des Jahres ausgetauscht werden. Bisher wurde dieser Tausch als technisch alternativlose „sicherste“ Lösung dargestellt.
Recherchen des c`t Magazin haben nunmehr das Gegenteil herausgefunden. Für alle eingesetzten Geräte bestünden wesentlich günstigere Alternativen zum kostspieligen Gerätewechsel. Nebenbei ließen sich Unmengen an Elektroschrott vermeiden.
Wir fordern den Gesetzgeber auf, umgehend den Konnektortausch zu stoppen & die Alternativen umzusetzen. Es ist schlicht absurd die Finanzierung der Krankenkassen stabilisieren zu müssen und gleichzeitig Millionen für unnötige Konnektoren auszugeben.
Das so gesparte Geld ließe sich wesentlich besser für die Patientenversorgung nutzen!
Mehr Infos finden Sie hier.
Vor einiger Zeit hatte ich hier über das dentale Trauma der 15-jährigen Mia berichtet.
Aufgrund der sehr komplizierten Kronen-Wurzelfrakturen haben wir uns gegen eine kieferorthopädische Extrusion entschieden. Stattdessen hat mein geschätzter Kollege Dr. Lars Helfrich (Oralchirurg) dies chirurgisch durchgeführt.
Nach vorsichtiger Entfernung der beiden Zähne aus der Alveole folgte die Drehung der Inzisivi um 180 Grad. Nachfolgend würden die Zähne in der neuen Position geschient und provisorisch mit Kunststoff aufgebaut, um so für Mia eine gewisse Ästhetik wiederherzustellen.
Hier ein paar Impressionen der Behandlung.



Ich bitte die suboptimale Qualität zu entschuldigen. Unser Hauptaugenmerk lag in der möglichst zügigen Behandlung der Patienten und so habe ich diese Aufnahmen quasi aus der „Hüfte geschossen“…
ich werde weiter berichten…
Die junge Patientin (11) stellte sich bei uns mehrere Wochen (6) nach einem Unfall vor.
Sie war beim Spielen von einem Holzbrett gestürzt.
Die Erstversorgung erfolgte in der Universität. Es wurde eine Schemlz/Dentinwunde abgedeckt laut der Aussage der Eltern.
Auf Grund bestehender Aufbissbeschwerden wurde die Patientin uns überwiesen.
Der Zahn 21 zeigte eine unbehandelte Kronenfraktur mit Dentinverletzung. Wir vermuteten zu dem einen Zustand nach Dislokation, oder Intrusion.
Wir fertigten neben Röntgenaufnahmen noch ein DVT an.




21 zeigte ein noch nicht abgeschlossenes Wurzelwachstum und deutliche Resorptionslakunen radikaler approximal und palatinal. Der Klopfschall war normal. Klinisch zeigte sich Lockerungsgrad 0 und es konnte keine positive Sensibilität mit Kälte und elektronisch gemessen werde.
Im Gespräch mit Eltern und Patientin mussten wir auf die ungünstige Prognose am Zahn 21 hinweisen. Der Erhaltungsversuch wurde unbedingt favorisiert.
Wir planten in Ansprache mit Eltern und Kind den Versuch einer pulpalen Reparatur – Revascularisierung. 2019 bestand unser Protokoll neben der chemischen Desinfektion mit NaOCl und Spülung mit EDTA in der Applikation eines AB Gemischs ( Metronidazol-Ciprofloxacin ) in der ersten Behandlungssitzung.
Im zweiten Behandlungstermin haben wir nach EDTA Spülung eine apikale Blutung erzeugt. Diese gelang nach mehrfachen Versuchen. Nach Applikation von Parasorb wurde Med-Cem MTA ( angeblich keine Verfärbung des Zahnes) appliziert.
In den folgenden Recalls konnte eine arretierte Resorption und apikale Heilung erkannt werden.
Die koronale Verfärbung des Zahnes konnte auch nicht mit dem MedCem MTA verhindert werden.








Weil in einem solchen Fall ein Video mehr sagt als viele Fotos hier in bewegten Bildern das DVT und die klinische Situation, wie Sie sich uns zu Behandlungsbeginn darstellte:
Meine Vorgehensweise in solchen Fällen ist es, in der ersten Behandlungssitzung die Perforation zu decken und die Wurzelkanäle darzustellen und bis zum Apex zu erschliessen.
Dies war uns leider nicht möglich, weil allein die Suche und Darstellung des palatinalen Wurzelkanals eine Stunde in Anspruch nahm.
Der Kanal war unter der Keramikrestauration mit extrem harter Keramikmasse verdeckt. Ein Abnehmen des Restauration war de facto nicht möglich, weil damit der Zahnerhalt hinfällig geworden wäre. Es macht sicherlich keinen Sinn, einen Zahn mit einer solchen infausten Prognose zeitnah mit einem neuen Zahnersatz zu versorgen. Vielmehr muss der mittelfristige Zahnerhalt erst sicher bewiesen sein, bevor man daran gehen kann, über eine neue ZE-Restauration nachzudenken. Für diesen Zeitraum, der mit 2 Jahren nicht zu gering angesetzt ist, soll und muss die vorhandene Krone noch ihren Dienst tun.
Es blieb mir also nur der steinige und langwierige Weg, halbmillimeterweise mich mehr als einen Zentimeter tief nach unten vorzutasten…
Letzte Woche war nicht nur Jakob zur Nachuntersuchung bei uns, sondern auch die mittlerweile neunjährige Karla.
So stellt sich die Situation bei ihr zwölf Monate nach Therapieabschluss dar…


Anfang der Woche war der mittlerweile neunjährige Jakob zur Nachkontrolle bei uns.
Zweieinhalb Jahre nach Abschluss der Therapie freuen wir uns alle über die weiterhin erfreuliche Entwicklung…


Hier berichteten Wir erstmals über diesen Fall.
Mit dem jungen Patienten und seinen Eltern hatten wir den Therapieplan abgestimmt.
Die Eltern setzten alle Hoffnung in uns. Der junge Patient war therapiemüde und wenig optimistisch. Er versprach sich von einem Implantat endlich Ruhe vor den endlosen Behandlungsversuchen.
Deshalb hatten wir den Plan so vorgestellt:
Die Behandlung führten wir nach Plan durch. Die Entfernung des periapikalen WF Materials gelang nicht von Orthograd. Wir konnten es bewegen, aber nicht entfernen. Keines der applizierten Kalziumhydroxide konnte die bestehende Fistel beeinflussen. Selbst unsere sonst fast immer helfende Therapieoption der Überpressung des CaOHJ führte zu keiner Veränderung.
Letztendlich haben wir uns auf die mikrochirurgische Lösung verständigt.
In diesen Fällen wir der Zahn apikal ca. 4-5mm mit ProRoot MTA gefüllt und anschließend mit Guttapercha thermoplastisch gefüllt. Koronal haben wir den Zahn adhäsiv aufgebaut.
Der mikrochirurgischen Eingriff, welche in unserer Praxis immer durch meine Kollegin Doreen Schubert durchgeführt wird, bestätigte unseren Verdacht auf eine zystische Veränderung, da operativ gelbliche, kristallartige Partikel auffielen.









Vor kurzem erreichte mich eine Mail einer Patientin, die wir Anfangs 2015 mit der „Mutter alle Perforationen“, ihren Zahn 16 betreffend, behandelt hatten. Die Patientin, gebürtige Amerikanerin, lebt mittlerweile wieder in den USA und ihr Zahn, den wir zuletzt 2020 im Recall betrachten konnten, ist immer noch vollkommen problemlos in situ.
Das freut uns.
Hier ein ähnlicher Fall von diesem Monat.
Was im Foto wie ein gut abgehangenes blutiges Steak erscheint, ist in Wirklichkeit eine riesige Pulpakammerbodenperforation. So gross, dass diese sich nicht einmal vollständig im Foto einfangen lässt.
Extraktionswürdig ?
Definitiv.
Erhaltungsfähig?
Weiss keiner.
Sollte man es wagen?
Wie ist die Alternative für die 82 jährige Patientin? Der Zahn hat Lockerungsgrad Null. Die Patientin wünscht den unbedingten Zahnerhalt. Und unter diesen Voraussetzungen, was gibt es zu verlieren ? Kann man durch den endodontischen Versuch des Zahnerhaltes der Patientin überhaupt noch mehr schaden, als ihr bereits widerfahren ist ?
Ich hab´s gewagt…


Auf dem alio loco erstellten Einzelbild erkennt man den durch eine arretierte interne Resorption entstandenen Substanzdefekt eigentlich erst, wenn man das DVT der Region 11 betrachtet hat.





Da die Situation seit Jahren bestanden hatte, entschied ich mich für ein zweizeitiges Vorgehen.
Nach dem Entfernen der deutlich kontaminierten Obturationsmaterialien wurde sehr ausgiebig schallunterstützt mit NaOCl gespült. Um ein verbessertes mechanisches Bearbeiten des in der Resorptionslakune befindlichen Granulationsgewebes zu erreichen, wurde der XP-Finisher so abgelängt, dass er durch geringe Auf-/Abbewegungen nur im Bereich der seitlichen Lakune arbeiten würde.
Die Kontrolle der medikamentösen Einlage zeigt, dass die Lakune nicht vollständig mit CaOH2 gefüllt ist, aber es zu keiner Extrusion desselben gekommen ist.
Die Idee dabei ist, dass der Kontakt des Gewebes mit dem CaOH2 zu einer weiteren Auflösung der in der Laune befindlichen Weichgewebe führt und beim zweiten Termin die Laune vollständig gefüllt werden kann. Bedauerlicherweise zeigt das Kontrollbild nach Med aber auch, dass CaOH2 nach periapikal verbracht wurde.
Im zweiten Termin konnte bereits nach initialer Spülung die Lakune deutlich eingesehen werden.
Nun galt es dafür zu sorgen, dass die apikalen Kanalanteile im 11 obturiert werden konnten, ohne dass es zu einem Eintragen von Sealer in die Resorptionslakune kommen würde. Zu diesem Zweck habe ich zunächst – Zahn 12 war inzwischen auch chemo-mechanisch aufbereitet worden – den Masterpoint in 11 in voller Länge eingebracht.

Im DVT hatte ich den Abstand zwischen apikalem Endpunkt des Masterpoints und dem apikalen Rand der Lakune mit 4,3 mm ausgemessen. Daraufhin wurden die apikalen 4 mm des Masterpoints mit einem Skalpell abgetrennt, auf einen Microopener aufgesteckt (kniffelig!!) und dann, leicht mit Sealer bestrichen, in den apikalen Kanalanteil eingebracht. Mit einem auf AL minus 4 mm eingestellten Plugger ISO 50 wurde dann der perfekt Sitz kontrolliert. Nunmehr erfolgte die Erwärmung der Guttapercha und die Kompaktion.

Nun konnte das MTA in mehreren kleinen Portionen in die Lagune eingebracht und mittels Pluggern und Papierspitzen verteilt werden.

Erfreulich, dass meine „Berechnungen“ und Überlegungen aufgegangen sind. Um eine späteres Aufhellen durch die überweisende Kollegin zu ermöglichen, wurde das MTA in 11 adhäsiv bedeckt und der Raum für das Aufhellungsmaterial mit CaOH2 als Platzhalter gefüllt.

So kann der für das Aufhellen benötigte Raum auch ohne Mikroskop und recht hartsubstanzschonend freigelegt werden.

Bleibt, wie immer, das Recall abzuwarten.
12 Jahre Madrid
von Alexander Knobel
Wie die Zeit vergeht. Am 01.03.2010, also vor etwas mehr als 12 Jahren, habe ich meine „Clinica Dental“ in Madrid eröffnet.
Heute kann ich über meine Naivität nur noch den Kopf schütteln.
Mein Name ist Dr. Alexander Knobel und ich habe mein Examen 2000 an der Uniklinik in Heidelberg abgeschlossen.
Anschließend habe ich 10 Jahre als Assistenzarzt, angestellter Zahnarzt und final als Partner in einer Gemeinschaftspraxis im Rhein-Neckar Kreis gearbeitet.
Dazu und wie ich überhaupt auf die damals verrückte Idee kam, nach Spanien auszuwandern und in Madrid eine Praxis zu gründen, hatte ich bereits in mehreren Beiträgen (hier und hier und hier und hier) auf WURZELSPITZE veröffentlicht.
Kurz zusammengefasst: Meine Frau ist gebürtige Madrilenin und wollte aus familiären Gründen wieder zurück und ich sah hier meine Chance für angestrebte 2 Jahre etwas Auslandserfahrung zu sammeln.
12 Jahre später muss ich gestehen, dass mein Masterplan nicht ganz aufgegangen ist.
Dabei kann und werde ich mich nicht beschweren, will aber auch ehrlich sein.
Neben einer geschätzten Wochen-Arbeitszeit von 60-80h in den ersten 5 Jahren (auch am Wochenende war ich in der Praxis präsent), die alles andere als fürstlich bezahlt wurden, hatte ich auch enorm viel Glück und eine große spanische Familie, die es mir erlaubte das Experiment finanziell unabhängig anzugehen.
Inzwischen bin ich hier gut bekannt und meine Praxis knobel.dental läuft.
Ich bin als Referent für das CEREC System und als KOL für Sprintray unterwegs und habe zusätzlich das Vergnügen, neben in Madrid gestrandeten Soldaten, Expats aus der ganzen Welt, Politikern und Journalisten auch den ein oder anderen Superstar zu betreuen. Auch die Wertschätzung im spanischen Kollegenkreis hilft sehr über hin und wieder vorhandenes Heimweh hinweg.
Dennoch ist auch nach 12 Jahren jeder Monat ein kleiner Drahtseilakt.
Zahnmedizin wird hier zu 100% aus eigener Tasche bezahlt und ist kein Bestandteil des sozialen Gesundheitssystems. Umso schwerer ist es daher die Patienten zur Prophylaxe und notwendigen zahnmedizinischen Behandlungen zu bewegen.
Daneben gibt es an jeder Ecke Zahnarztketten nach dem McDonald Prinzip und die großen privaten Zusatzversicherung haben ihre eigenen Praxen.
Es werden in Madrid jedes Jahr ca. 500 junge arbeitswillige Zahnmediziner auf den Markt gespült und hierbei habe ich noch nicht einmal die Masse an südamerikanischen Zahnärzten erwähnt, die im gelobten Land Spanien ihr Glück versuchen.
Preisdumping („what you pay is what you get“) und dentaler FastFood bestimmen die zahnärztliche Landschaft.
Eine sehr gute Zusammenfassung wurde vom Kollegen hier bereits veröffentlicht:
https://ocndo.home.blog/2021/02/19/69-prozent-teil-2-forca-barca/
Dennoch sollte man die spanische Zahnmedizin nicht unterschätzen. Wer gerne Zeit auf internationalen Kongressen verbringt, wird feststellen, dass namenhafte Top Referenten aus Spanien kommen. Was hier abgeliefert wird hat Champions League Niveau. Da muss man sich schon anstrengen, um mitspielen zu dürfen. 5% top und der Rest maximal ausreichend (laut Aussage spanischer Referenten).
Spannend ist, dass die Zahnmedizin hier rasend schnell in das digitale Zeitalter eilt.
Lag der Anteil intraoraler Scanner 2019 noch bei 3-4%, liegen wir 2022 bei über 20%. Erstaunlich, gerade weil die Umsätze einer Zahnarztpraxis kaum vergleichbar mit einer deutschen Praxis sind und hier die Kosten solcher Systeme schmerzhaft weh tun.
Und je verrückter die bürokratischen Hürden und Zwänge in Deutschland werden, umso mehr erreichen mich in jüngster Zeit immer wieder Anfragen von Kollegen, die unbedingt in Spanien ihre Praxis eröffnen möchten, da hier alles so viel besser ist.
Und da muss ich leider enttäuschen. Hier ist relativ wenig besser, wenn es um den Beruf des Zahnarztes geht.
Korrekt ist sicherlich, dass man es sich schön einrichten kann und der bürokratische Aufwand überschaubar ist.
Nur sollte man sich nicht der Illusion hingeben, dass hier irgend jemand auf einen wartet.
Der Markt ist mehr als gesättigt. Wer nicht bei McDonald, Vitaldent, Unidental etc. enden möchte, sollte sich diesen Schritt genau überlegen. Ohne spanisch Kenntnisse und einer großen spanischen Familie im Rücken wird die Luft dünn.
Ganz interessant ist auch hier eine neue Studie spanischer Wissenschaftler aus dem Jahr 2019 zum Burn-out-Syndrom. Dabei leiden 9,8% der spanischen Zahnärzte unter starkem Burn-out.
(https://doi.org/10.1016/j.jdent.2022.104143)
Wichtig zu wissen ist dabei, dass diese Studie vor der Covid Pandemie und dem rigorosem Lockdown in Spanien erstellt wurde, welche mit Sicherheit zu einem weiteren Anstieg geführt hat.
War bis vor der Krise das so hoch gepriesene QM Management in Deutschland hier noch ein komplettes Fremdwort, so werden auch wir hier nun komplett zugbombardiert. Alles noch überschaubar … aber dafür ungebremst.
Genau wie die Zahnarztketten und die fehlende Wertschätzung unseres Berufes in Deutschland ankommen, so werden wir nicht von der Bürokratie verschont. Das mag an der Küste noch entspannter zugehen. In Madrid sind Kontrolle, ob auch wirklich jeder Spiegel eingeschweisst und validiert ist, nun der Alltag.
Am Schluss die immer wieder gestellte Frage, ob ich den Schritt bereue und es wieder machen würde.
Die Antwort darauf fällt mir extrem leicht.
Ich bereue nichts und bin mehr als dankbar wie alles gelaufen ist.
Durch harte Arbeit und auch viel Glück konnte ich hier meinen Platz finden. Aber ich würde es nicht wieder tun. Mit der gleichen Energie und dem Aufwand wäre sicherlich noch viel größeres in Deutschland möglich gewesen.
Einzig auf die Anzahl der Sonnenstunde könnte ich definitiv nicht mehr verzichten.
Sonne ist zum Lebenselixier geworden und läßt einen dann doch über vieles hinwegsehen.
Guten Morgen!
Ich würde gerne zu nachfolgendem Fall Meinungen hören…
15jähriges Mädchen
Trauma letzten Samstag 2.7.2022 (Sturz mit E Roller)
„Erstversorgung“ MKG Notdienst.



Aktuell 11 und 21 devital
DVT zeigt sehr ausgeprägte Frakturen an 21.
Die Situation an Zahn 11 ist „besser“, aber auch mit nicht so günstigem Verlauf.
Welche Therapie würdet ihr wählen und in welcher zeitlichen Abfolge?
Dieser Fall wurde uns von einem selbst auf Endodontie spezialisierten Kollegen überwiesen.
Er sah keine Möglichkeiten mehr den Zahn weiter zu behandeln.
Bei dem jungen Patient (13) entstand im Laufe einer KFO Therapie am Zahn 22 ein Fistel. Daraufhin wurde der Zahn mehrfach endodontisch behandelt ohne, daß es zu einer positiven Veränderung kam.
Im letzten Revisionsversuch wurde Wurzelfüllmaterial extrahiert.
Nun sollten wir den Zahn retten. Patient und Eltern wollten unbedingt den Zahn erhalten, was ein nachvollziehbarer Wunsch war.
Wir konnten anamnestisch keine Ursache erkennen, welche zu der endodontischen Behandlung führte. Kein Trauma, keine Füllung, keine Furche oder Invagination.
Der massive intraradikuläre Substanzverlust durch die Revisionen sehen wir als größtes Problem für die langfristige Erhaltung des Zahnes 22.
Klinische Befunde:
keine erhöhten Sondierungstiefen, Zahnbeweglichkeit Grad 2, buccal Fistelgang mit Exsudatentleerung
Unser Therapieansatz war folgendermaßen:
Was wäre Ihr Therapievorschlag?







Wir vereinbaren den nächsten Termin. Ich stehe bei der Terminvergabe neben der Patientin.
„Vielleicht wäre es möglich, beim nächsten Termin nach hinten hin ein wenig Luft in ihrem Terminkalender zu lassen. Eine Behandlung am lebendigen Objekt lässt sich nämlich nur sehr schwierig bis unmöglich auf einen auf die Minute festgelegten Zeitrahmen eingrenzen.“ Sage ich.
„ICH HABE DEN TERMIN HEUTE JA NUR GENOMMEN, WEIL SIE MIR KEINEN ANDEREN TERMIN ANBIETEN KONNTEN!“ Sagt die Patientin. Energisch sagt sie das. Laut.
„Wir hätten Ihnen schon einen anderen Termin anbieten können, aber dann hätten sie bis nach unserem Urlaub bis Mitte August, also 7 Wochen warten müssen!“ Sage ich. Nicht. Ich schweige und behalte meine Meinung für mich.
Christoph Kaaden hatte gefragt: Habt ihr etwas mitgenommen für Euch bei der letzten DGET am Feierabend – Fortbildung? Definitiv.
Als Bijan Vahedi zu Beginn der Veranstaltung deren voraussichtliches Ende für um 22:30 Uhr ankündigte, musste ich am Ende eines harten und sehr heissen Arbeitstages doch kurz innerlich aufstöhnen. Die Zeit verging jedoch wie im Flug und es hat sich für mich gelohnt! Vielen Dank an alle Beteiligten vor und hinter den Kulissen !
Hier sind meine Dinge, die ich mir gemerkt habe und zukünftig bei mir in der Praxis umsetzen möchte.
Vortrag 1: Gabriel Krastl
Zunächst, es ist immer ein Genuss, einem Vortrag von Gabriel Krastl beizuwohnen, die Qualität seiner Arbeiten ist konstant herausragend. Es konnte keinen besseren Nachfolger für Prof. Klaiber in Würzburg geben, sowohl vom Fachlichen wie auch vom Menschlichen her. Akute Traumafälle sind immer eine Ausnahmesituation in der Praxis, aus den verschiedensten Gründen. Ich werde dank Gabriels Ausführungen von nun an stärker unterscheiden zwischen Arbeiten, die unaufschiebbar sofort gemacht werden müssen und Arbeiten, die man auch noch wenige Tage nach dem Unfall durchführen kann. Ich bin zuversichtlich, auf diese Art und Weise manch schwierige Ausnahmesituation etwas entspannen zu können.
Vortrag 2: Holger Rapsch
Hier habe ich 2 Dinge mitgenommen. Zum einen, das wir uns bei einem Unfall sofort Smartphone-Fotos zuschicken lassen, um schon frühzeitiger einen ersten Einblick zu haben, das Traumageschehen betreffend. Banal ? Mag sein. Aber – einfach, wirkungsvoll, wertvoll !!! Zum anderen, in die Knie gehen, um Auge in Auge mit dem kleinen Traumapatienten die nachfolgenden Schritte zu besprechen. Auch den (von mir leicht modifizierten) Satz: „Ich weiss, das Du noch klein bist, aber ich muss Dich jetzt ausnahmsweise wie einen Erwachsenen, wie einen Großen behandeln, um deinen Zahn retten zu können. Hilfst Du mir dabei ?“ werde ich von nun an sicherlich bei Gelegenheit einsetzen.
Vortrag 3: Matthias Widbiller
Der Traumabefundbogen.
Gefällt mir sehr gut.
Strukturen sind immer gut, und in Unfall-Ausnahmesituationen extrem wertvoll. Der Bogen ist Dokumentation, Gedankenstütze und Checkliste gleichermaßen. Wir haben bei uns bislang in der Praxis den Traumabefundbogen von Yango Pohl eingesetzt. Und der direkte Vergleich zeigt, das Yango Pohl schon vor Jahren sehr viel sehr gut gemacht hat! Wie traurig, dass dieser sicherlich eigene, aber sehr engagierte Kollege, der für die Traumatologie gebrannt hat, so früh sich von dieser Welt verabschiedet hat.
Vortrag 4: Christoph Kaaden
Was ich von Dir mitgenommen habe, Christoph ? Die sequentielle Anästhasie von vestibulär nach palatinal voranschreitend (Vestibulum, Papillen, Gaumen) Toller Tip. Ich hatte vorletzte Woche einen Traumafall, wo vielleicht dieses Vorgehen den Unterschied zum Positiven ausgemacht hätte. Die palatinale Anästhesie war notwendig, schmerzhaft und jetzt möchte der 8 jährige Junge natürlich nicht mehr, das palatinal injiziert wird. Schwierig nun für alle Beteiligten, denn die palatinale Anästhesie ist beim subgingival frakturierten Zahn 11 unabdingbar.
Vortrag 5: Claudia Schaller.
Das Mentimeter! Als wir vor etlichen Jahren zum ersten Mal bei WURZELSPITZE damit arbeiteten, gab es noch Bugs im Ablauf. Jetzt scheint das alles ausgeräumt, die Abstimmungen funktionierten schnell. Ein tolles Werkzeug in der Kommunikation mit dem Auditorium. Die Option: „Ich überweise an ein Traumapraxis“ würde ich im Übrigen auch manchmal gerne in Anspruch nehmen.
Im November 2021 hatte ich hier über die Behandlung dieses 46 berichtet.

Außer zwei Beinaheperforationen wies dieser 46 noch eine tatsächliche, zum Glück in einem ausgedehnten bukkal gelegenen keilförmigem Defekt endende, Perforation auf. Der Verschluss derselben erfolgte zunächst von vestibulär durch eine adhäsive Füllung.
Als Zugabe wartete dann in der distalen Wurzel ein im DVT klar zu erkennender Seitenkanal auf seine Reinigung.

Die im DVT als Zufallsbefund erkennbare apikale Aufhellung war der Pulpanekrose des 45 zuzuschreiben.

Selbst wenn die technische Ausführung der Behandlung als gelungen beschrieben werden kann, so stellt sich bei mir die Zufriedenheit erst ein, wenn das Recall die Ausheilung zder apikalen Pathologie zeigt.

Das präoperative Einzelbild der überweisenden Kollegin lässt zwar eine apikale Pathologie erkennen, die wahre Ausdehnung wird noch nicht einmal ansatzweise klar.

Beeindruckend fand ich den riesigen, alle Kanalorifizien abdeckenden Dentikel, der nach betrachten des DVT in die Kategorie „Gefahr erkannt, Gefahr gebannt“ einzuordnen war.




Kopfzerbrechen bereitete mir die tiefe Aufgabelung von MB1 und MB2 deutlich apikal der Krümmung.


Zumal die Überprüfung der Kommunikation nach der Methode von Prof. Castelucci (eine Guttapercha bis apikal, dann aus dem kommunizierenden Kanal ein NiTi-Instrument bis zum fühlbaren Kontakt mit der Guttapercha einbringen) keine Kommunikation, sondern eine Kreuzung anzeigte.

Nun gut, ein wenig Glück war dabei. Nach initialem Erweitern des deutlich gekrümmten MB2 (normalerweise starte ich mit dem größeren Kanal, zumeist also MB1) konnte ich auch den MB1 instrumentieren. Da MB1 bis 30/06 aufbereitet war, musste sich die händisch eingebrachte 15/04 im MB1 befinden, denn sie klemmte apikal ein wenig.



Nun bin ich gespannt, ob nicht nur die apikale Aufhellung, sondern auch die Verschattung des Sinus maxillaris abheilen wird.
