Kurios

Der nachfolgend dokumentierte Behandlungsfall bildet den ganz normalen Alltag ab.

Bei der Initialbehandlung dieses 34 ging es laut Patient ab der Mitte der Wurzel irgendwie nicht weiter und es kam auch zu einer bei einer Pulpanekrose eher untypischen Blutung.

Erfährt man solche Details während der Erstberatung, liegt der Verdacht auf einen Prämolaren mit mehr als einem Kanalsystem nahe und auch eine Perforation sollte in Betracht gezogen werden.

Kurios an diesem Fall ist das Persistieren der zur Darstellung der ursprünglich vom später entfernten Zahn 35 ausgehenden Fistelung eingebrachten Guttaperchaspitze.

Meiner Empfehlung, diese doch im Rahmen der in Regio 35 geplanten implantologischen Versorgung zu entfernen, wurde ganz offensichtlich nicht gefolgt.

Jameda – wie damit umgehen?

Bisher waren unsere sehr wenigen Bewertungen durch die Bank weg positiv. Sehr kürzlich kam es, wie es kommen musste…

eine schlechte Bewertung.

Allerdings nicht für die Behandlung, sondern für den „Erstkontakt“…

wie würdert ihr damit umgehen?

Hinsichtlich Patient und natürlich auch der Empfangsdame?

Gibt es bei Euch „Soforttermine“ ohne eigene Befundung und Diagnosestellung? Wie geht ihr damit um, wenn Patienten dies „fordern“?

Reserviert ihr 60 oder 90 Minuten Termine ohne eigene Erstuntersuchung und sind eure Patienten bereit diese Zeit zu bezahlen, falls ihr nach 5 Minuten sagt, dass der Zahn nicht erhaltbar ist?

Viele viele Fragen…

ich bin gespannt

Telematikinfrastruktur

Im änd – Ärztenachritenportal wird eine Bilanz zur TI gezogen.
Eine verheerende Zwischenbilanz zur Telematikinfrastruktur hat KBV-Vorstand Thomas Kriedel am Montag gezogen. In seiner Rede vor der VV war viel von „Wut“, „Ärger“ und „Enttäuschung“ die Rede. Es brauche jetzt so schnell wie möglich „tiefgreifende Kurskorrekturen“ und einen Neustart bei der Gematik.

Unglaublich was abläuft.
Für mich unverständlich, wo da Kurskorrekturen herkommen sollen. Vor allem durch wen?

Inkompetenz und Ignoranz wird systemrelevant.
Wird es Änderungen geben – wohl kaum.
Es gibt genug Geld dabei zu verdienen.

Und es gibt größere Probleme.

Die Zukunft macht Angst.

Zitat des Tages 21.05.2022 – Süddeutsche Zeitung vom Wochenende

Es stand in der Süddeutsche Zeitung vom Samstag.

Unter der Überschrift „Voll bedient“ beschäftigt sich der Autor Werner Bartens mit der übertrieben gewordenen Komplexität des Alltags. Warum ist Alles nur so kompliziert geworden ? Hat zunächst nix mit Zahnmedizin zu tun, doch dann kommt inmitten des eine ganze Zeitungsseite umfassenden Artikels folgender Absatz:

Fand ich erstaunlich.

„Hört, Hört!“ möge man rufen.
Eventuell ist der Autor mit einer Medizinerin liiert, aber schön, das auf diesem Wege die Info zumindest mal schwarz auf weiss in der Öffentlichkeit zur Sprache kommt.

Zugang, Zugang, Zugang!

Der größte Teil meiner täglichen Arbeit ist Wiederholungszahnheilkunde. Neudeutsch: „Redentistry“.

Hört sich zwar irgendwie schöner an, beschreibt aber dasselbe Dilemma. Die Erstbehandlung war nicht erfolgreich. Gründe dafür gibt es viele. Eines fällt aber auf: Die bei der Erstbehandlung angelegte Zugangskavität macht das Visualisieren der Orifizien schwer und gar unmöglich.

Und falls es gelungen sein sollte den Kanal initial zu instrumentieren, führt die nicht ideale Zugangskavität zu einem Scheitern beim Versuch einen deutlich gekrümmten Kanalverlauf bis zum Foramen hin zu erschliessen.

Jetzt mag der geneigte Leser entgegnen: Gedanken eines ewig Gestrigen. Nicht am Puls der Zeit. Ninja-Access ist das einzig Wahre.

Neben meinen anekdotischen Beobachtungen haben jedoch auch andere Kollegen diese Beobachtung gemacht und ihre Erkenntnisse im International Journal auf Endodontics (IEJ) veröffentlicht.

Der gute alte Straight-Line-Access, er hat sich in meinen Händen sehr bewährt. Auch, oder gerade bei der Erstbehandlung, denn hier gibt es für mich keine Ausreden, warum es schwierig oder gar unmöglich war, die apikale Anatomie zu bearbeiten.

Die nachfolgende Dokumantation zweier Behandlungsfälle lasse ich bewusst unkommentiert, um die lesereigenen Überlegungen nicht zu stören.

Im zweiten Fall habe ich am Ende die ursprüngliche Zugangskavität in ein Bild meiner abschliessenden Kavität hinein projiziert. Angesichts der Ausdehnung der Trepanationsöffnung ist die bem Versuch der Erstbehandlung stattgefundene Perforation ein schon fast logische Konsequenz.

Wurzelfrakturen im Recall 12 Monate nach Behandlungsende

An dieser Stelle hatte ich über diesen Fall berichtet.

Röntgenlogisch sind die Zähne unauffällig und trotz ungünstiger Frakturverläufe im Wurzelbereich zeigt sich die klinische Situation stabil.

Zahn 48 -zehn Jahre später

Erinnern Sie sich noch an diesen Fall und das Recall?

Zehn Jahre später haben wir gestern den Patienten wieder behandeln „dürfen“

Diesmal Zahn 48.

Die Ehefrau hatte wieder aufgrund der akuten Schmerzproblematik mit der Behandlung begonnen.

So stellte sich die Ausgangssituation danach für uns dar…

Nach unserer ersten Behandlung konnten wir bisher dieses Ergebnis erzielen…

Finde den Fehler…

i

ich werde weiter berichten..

P.S.: Wie es aus prothetischer Sicht mit 47 und 48 weitergehen soll überlasse ich der Behandlerin…

;-)

Zahnerhalt oder Implantat (4)

Berichtet hatten wir über diesen Fall hier, hier und hier.

Nun stand die Frage, nochmal revidieren, teilrevidieren, apikale Kürettage oder doch extrahieren?

Was wäre Ihre/Eure Entscheidung?

In der letzten Endodontieausgabe (Endodontie 2022;31 Seite 23-29 ist ein sehr schöner Artikel zu dieser Frage erhalten.
Herrmann, Hans-Willi
Die Teilrevision einer vorhandenen Wurzelkanalfüllung
Unter welchen Voraussetzungen ist einer solchen Vorgehensweise zuzustimmen?

Unsere Entscheidung mit dem Patienten bestand in einer Teilrevision der distalen Wurzel.

Warum?
1. Die apikale Läsion schien im Lauf der letzten 4 Jahre größer, statt kleiner zu werden.
2. Die apikale chirurgische Lösung wollte der Patient nicht.
3. Die Extraktion und Implantation wollte der Patient noch immer vermeiden.

Was spricht für die Teilrevision:
Die Restauration war vollständig intakt und bakteriendicht.
Die mesiale Wurzelfüllung war homogen und die P. apicalis ausgeheilt. Der Perforationsverschluß klinisch und röntgenlogisch o.p.B..

Die Zugangskavität haben wir möglichst minimal gestaltet und zu keiner Zeit die mesiale WF dargestellt. Im Rahmen der Revision erschienen im Spanraum der Mtwo Instrumente apikal ein Dentin-Blutgemisch. Die Aufbereitungsgröße bis zum klinisch sauberen Dentinspan im Spanraum betrug #60. Deshalb haben wir uns für einen apikalen Verschluss mit ProRoot MTA entschieden. Zur Spülung und Desinfektion verwendeten wir Zitronensäure 10% und NaOCl in 3%iger Lösung.

Aus dem Reich der Mitte…

…zu uns kommen die Geräte von Eighteeth.

Und ich habe mich durchgerungen, diese einmal einem näheren Augenschein zu unterziehen. Angesprochen hat mich vor kurzem Stefan Ernst, mit dem ich vor einigen Jahren mal Kontakt hatte, als es darum ging, in der Praxis hygienefähige und schreibfähige Computer-Tastaturen zu etablieren. Die mit Abstand besten getesteten waren die Purekeys-Tastaturen, welche wir nachwievor nutzen, sie verrichten zuverlässig ihren Dienst.

Sollte ich also den Eighteeth-Geräten, welche Stefan Ernst als Geschäftsführer von Abavital in Deutschland vertreibt, eine Chance geben ?

Eigentlich nicht meine Welt.
War meine erste Reaktion.

Aber warum eigentlich nicht ?
Entweder es verfestigt sich die Erkenntnis, dass die „Made in China“ – Produkte den 1. Welt – Platzhirschen der etablierten Dentalindustrie nicht das Wasser reichen können

oder

es zeigt sich, dass hier ein zuverlässiger aber kostengünstiger Mitbewerber sich anschickt, den Markt aufzumischen. Was nicht das Schlechteste wäre – Konkurrenz in der Dentalindustrie belebt sicherlich das Geschäft.

Ich werde berichten.

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen. Die Eighteeth-Geräte wurden von der Firma Abavital für einen Produkttest kostenlos zur Verfügung gestellt.

Extrusionstherapie im Frontzahngebiet.

In der vergangenen Woche habe ich hier einen Extrusionsfall von Paul Marek aus Berlin vorgestellt, bei dem im ästhetisch nicht ganz so heiklen Bereich eines 35 gehandelt werden musste.

Für den Bereich der Oberkieferfront, wo es links und rechts des frakturierten Zahnes bereits mit Kronen versorgten Zähne gibt, hat Paul eine, wie ich finde, sehr elegante Lösung eingesetzt.

Ein laborgefertigtes Provisorium, welches mittels RelyXUniCem an den vorhandenen Kronen befestigt wird und das zwar nach labial etwas aufträgt, jedoch palatinal Aussparungen/Fenestrierungen für eine störungsfreie Okklusion aufweist.

Die Gestaltung ermöglicht bei zurückhaltendem Lächeln eine zumindest halbwegs akzeptabele temporäre Versorgung.

Nach 12 Tagen Extrusion mit Strong-Pull-Gummis (8N) wurde der Klebesteg am Zahn 21 entfernt und das Fenster des Provisoriums chair-side nach Konditionierung der Zahnhartsubstanz mit einem Flow-Komposit verschlossen, sodass die Fixierung beginnen konnte.

Aufgrund einer Corona-Infektion der Patientin verzögerte sich das weitere Vorgehen, sodass der adhäsive Aufbau und eine stuhlgefertigte temporäre Krone erst 6 Monate nach Beginn der Fixierung erstellt werden konnte.

Jetzt fehlt nur noch der Abschluss der endodontischen Behandlung um den Zahn prothetisch definitiv versorgen zu können.

Horizontale Wurzelfraktur bei Loreen (III)

Vor einiger Zeit habe ich hier über Loreen berichtet.

Drei Monate nach der letzten Therapie war die Fistel dauerhaft abgeheilt und die junge Patientin beschwerdefrei. ´Radiologisch zeigte sich folgendes Bild:

Deutliche Resorption der medikamentösen Einlage

Aufgrund dieser Situation haben wir uns dazu entschlossen eine Wurzelkanalfüllung durchzuführen.

Dabei erfolgte eine erneute Applikation der medikamentösen Einlage in das apikale Fragment. Der koronale Anteil würde mit Biodentine versorgt.

Ich bin gespannt, wie sich der Fall weiter entwickeln wird.

Es bleibt ein heldenhafter Versuch Loreen diesen Zahn möglichst lange zu erhalten…

ich werde weiter berichten.

Zahnerhalt oder Implantat (3)

Im weiteren Recall zeigte sich röntgenlogisch im 2D Bild mesial eine vollständige ossäre Regeneration. Hier und hier hatten wir bereits über diesen Fall berichtet.
Die schwierig zu therapierende Perforation wurde zeitnah mit Pro Root MTA verschlossen, was laut Studienlage ja alt bekannt ist. Damit hatten wir trotzdem nicht unbedingt gerechnet, da mesial auch eine Infraktur zu erkennen war.
Wider unseres Erwartens sahen wir distal apikal keine Regeneration. Der Zahn war zwar symptomfrei und der Patient glücklich. Auch nach einiger Beobachtungszeit zeigte sich keine Heilungstendenz. Nun stand die Frage, nochmal revidieren, teilrevidieren, apikale Kürettage oder doch extrahieren?

Was wäre Ihre/Eure Entscheidung?

Sonnenblumenöl ? Endo- Instrumente ! II

Passt wie die Faust aufs Auge zum Beitrag von heute.

Schock heute morgen.

Eine Mahnung im Email-Postfach.

Materiallieferung über 6000 Euro.
Von einem Händler, bei dem wir eigentlich nie bestellen ???

Ich rufe in der Buchhaltung des besagten Dentaldepots an.
Sage: „Wir haben weder eine Rechnung, noch eine Lieferung bekommen.“

Den Vormittag sind wir zwischen den Behandlungen damit beschäftigt, den Sachverhalt zu klären.

Es stellt sich raus, die krakelige Unterschrift auf dem am Nachmittag eintreffenden Auslieferungsschein des Spediteurunternehmens (Frau Waldmann???, Frau Weidmann ???) hat keiner von uns geleistet, sie hat weder vom Namen noch von der Signatur her auch nur annähernd Ähnlichkeit mit irgendjemandem vom Team.

Ausserdem stellt sich heraus, wir waren wir zum Zeitpunkt der Lieferung in Osterurlaub.

Um 14 Uhr 30 werden wir fündig.
Das kleine Päckchen wurde in einem Geschäft in der Nachbarschaft abgegeben und war dort untergegangen.

6000 Euro weg ?
Da hätte ich mich doch nicht unwesentlich geärgert…

Sonnenblumenöl ? Endo- Instrumente !!!

Was schon mit COVID begann, findet nun in Zeiten des Ukraine-Kriegs noch seine Steigerung. Waren es zunächst nur Toilettenpapier und Nudeln, auf die es zu verzichten galt, so sind mittlerweile fast alle Bereiche des Lebens von Materialknappheit betroffen und die Endodontie bildet hier keine Ausnahme.

Wir sind schon vor geraumer Zeit dazu übergegangen, von den essentiellen Materialien für unsere Behandlung in großen Mengen (Stückzahl 10+) einzukaufen, aber mittlerweile reicht selbst das nicht mehr. Letztes Beispiel. Unsere geliebten VDW C-Pilot- Feilen. Welche über Wochen hinweg nicht beikamen. Vergangene Woche war in Größe ISO 10 die letzte Packung aufgebraucht.

In der Not und in Verzweiflung tat ich etwas, woran VOR CORONA ich nicht mal im Schlaf gedacht hätte. Mich nach Alternativen umzuschauen. Retter in der Not – die sogenannten Patency-Feilen der Firma Komet. Grenzwertiger Name (sind normale K-Feilen keine Patency- Feilen?), aber gutes Produkt. Die klassische K- Feile, jedoch wie bei den VDW C- Pilot-Feilen mit einer wärmebehandelten und damit steiferen Stahl-Legierung.

Vorgestern nachmittag bestellt.
Heute, demnach 2 Tage später, in der Post.

Einen spürbarer Unterschied zu den bisher von uns genutzten Instrumenten?
Nicht wirklich.
Also nicht besser, aber auch nicht schlechter. Sprich genauso gut.

Bei Komet gibt es im Übrigen ein Angebot, 10 Packungen bestellen, 10 Packungen frei Haus dazu. Macht unterm Strich gegenüber dem günstigsten C-Pilot-Feilen-Lieferanten in der WAWIBOX 2 Packungen günstiger. Für mich keine kaufentscheidendes Argument, aber in Zeiten wie diesen ein angenehmer positiver Nebeneffekt. Auf dieses Angebot hatte ich hier schon mal hingewiesen. Es gilt – weil offensichtlich für beide Seiten lohnend – weiterhin, wie mir der Aussendienstmitarbeiter (m) erzählte.

Noch eine Anmerkung in merkwürdigen Zeiten: Da bereits die bloße Nennung eines Produktes auf einer Homepage als Werbung interpretiert werden kann, benennen wir diesen Blogbeitrag (wie auch jeden bereits geschriebenen sowie alle zukünftigen Beiträge, in denen Produkte benannt werden) als unbezahlte Werbung. Sollten wir (jemals) finanzielle Zuwendungen von Firmen erhalten, die Erwähnung bestimmter Produkte betreffend, werden wir die entsprechenden Blogbeiträge als „bezahlte Werbung“ ausweisen.

Extrusionstherapie

Im nachfolgenden Behandlungsfall hat meine endodontische Therapie eine sehr untergeordnete Rolle gespielt.

Dass dieser 35 erhalten werden konnte, ist zum allergrößten Teil der sehr guten Planung und perfekten Ausführung der vorangegangenen Extrusionstherapie durch meinen Kollegen Paul Marek in Berlin zu verdanken.

Vom Beginn der Extrusionstherapie des 35 bis zur Versorgung mit einem ersten chairside-gefertigten Provisorium vergingen 12,5 Wochen.

Paul hat die Apparatur am 17.5.2020 eingesetzt und in dieser Sitzung auch die endodontische Therapie eingeleitet.

Der Patient wurde instruiert das Gummi der Stärke Medium Pull (3N) einmal pro Tag zu wechseln. Aufgrund der im DVT erkennbaren deutlichen Wurzelkrümmung nach lingual hatte Paul sich entschlossen, zunächst mit den etwas schwächeren Medium-Pull-Gummis zu arbeiten.

Am 03.06. erfolgte der Wechsel auf Strong-Pull-Gummis (8N) und am 24.06. 2020 wurde die erreichte Position mit einer Drahtligatur fixiert.

Im September 2020 erfolgte dann die endodontische Behandlung durch die adhäsiv befestigte temporäre Krone hindurch.

10 Monate nach Beginn der Therapie wurde eine Lithiumdisilikat-Krone adhäsiv eingesetzt.

So macht interdisziplinäres Zusammenarbeiten Spaß!

Grenzwertig

So habe ich den Eltern der zum Unfallzeitpunkt knapp 7-jährigen Patientin die Prognose für den Zahn 21 geschildert.

Nach einer beinahe vollständigen Avulsion im April 2019 erfolgte ausser einer Schienung des Zahnes 21 nur abwartendes Beobachten.

Zum Zeitpunkt der Erstvorstellung in unserer Praxis Ende August 2019 bestand eine deutliche Beweglichkeit des Zahnes 21. Zudem war dieser stark nach labial protrudiert.

Nachdem es zu einer deutlichen Schwellung der Oberlippe im Bereich des 21 gekommen war, wurde durch die überweisende Kollegin trepaniert und CaOH2 eingelegt.

Die Therapie erfolgte zweizeitig. In der zweiten Sitzung wurde eine Blutung aus der periapikalen Papille induziert und das Koagulum mit MedCem abgedeckt.

Während das klinische Bild im Recall nach einem Jahr sehr zufriedenstellend war, (nur eine geringe Beweglichkeit, keine palpatorische Druckdolenz) konnte ich dem Röntgenbild zunächst nicht so viel Positives abgewinnen. Ich hatte mehr erwartet. Allerdings wies der ehemalige Kanalhohlraum bereits Zeichen osteoider Strukturen auf.

Diese Woche dann das zweite Recall fast 3 Jahre nach der Behandlung. Interessant die Degradation von Teilen des MedCem. Und kranial der durchgehenden Wurzelstruktur zeigt sich eine zahndichte Formation, die man, nun da der Blick geschärft war, auch in den vorangegangenen Röntgenaufnahmen erkenn kann. Hier müssen Teile der apikalen Papille offensichtlich das apikale Wurzelstück fertiggestellt haben.

Nun muss der Zahn „nur“ noch die nächsten 20 Jahre durchhalten.

Zahn 16 mit drei Kanalsystemen

Die Prävalenz von zweiten mesio-bukkalen Kanalsystemen bei oberen ersten Molaren wird in der Literatur mit 87% bis 92% angegeben.

Gestern war es seit laaaaaaaaaanger Zeit mal wieder soweit, dass wir es mit einem 1. OK-Molaren mit „nur“ drei Kanalsystemen zu tun hatten…

Ausgangsröntgenbild alio loco – Zahn 16 mit ausgeprägter apikaler Osteolyse bei ungünstiger prothetischer Brücken-Versorgung

die „ungünstige“ mesio-bukkale Kanalmorphologie verlangte uns trotzdem einiges ab…

Masterpoint-Röntgenaufnahme

Abschluss-Röntgenaufnahme
Prä-op vs. post-op

Zahnerhalt oder Implantat? (2)

Wir haben uns mit dem Patienten für die Behandlung des Zahnes mit dem Ziel des Erhaltes entschieden.
Der Patient ist ca. 35 Jahre jung. Die koronale Zahnsubstanz ist gut erhalten. Die Überbelastung auf Grund funktioneller Probleme kann durch eine entsprechende Therapie mit Schiene reduziert werden. Es gibt keine Hinweise auf eine Infraktur.
Für mich gab es keine Indikation für eine Implantation. Der Patient wollte nach implantologischer Beratung einen unbedingten Erhaltungsversuch.

Die Behandlung erwies sich als lehrreich und leider nicht komplikationsfrei, wie wir in den weiteren Beiträgen erfahren werden.

Nach Füllungsentfernung zeigte sich mesial eine Infraktur. Für uns das KO Kriterium. Es ist keine vorhersagbare langfristige halbwegs sichere Prognose darstellbar.

Nach entsprechender Beratung wollte der Patient trotz der infausten Prognose, den Erhalt des Zahnes mit allen Mitteln. Wir haben die Infraktur mit Ribbond/Beautifil adhäsiv intrakoronal geschient und die endodontische Behandlung zu beginnen.

Die weitere Aufbereitung erfolgte mit Profile und Mtwo Instrumenten. Dies erwies sich als suboptimal im Bereich der mesialen apikalen internen Resorption. Warum?
Die Gleitpfaderstellung gelang mit vorgebogenen Handinstrumenten. Danach haben wir die NiTi Instrumente eingesetzt und ohne Druck eine Perforation an der mesialen Wand der Resorptionslakune geschaffen.
Was wäre die Lösung?
Vorgebogene Handinstrumente zur Aufbereitung des apikalen Bereiches nutzen, oder vorgebogene NiTI Instrumente in Handaufbreitung verwenden. Feilen mit einem reduziertem Formgedächtnis ( Wave One Golf, Pro Taler Universal, etc..) sind dafür nichtgeeignet, da sie sich im Kanal wieder an die Kanalstruktur anpassen und in den Resorptionslakunen Stufen oder Perforationen erzeugen können.

Nach einer abschließenden Desinfektion erfolgte der Verschluss der Perforation mit ProRoot MTA und die Wurzelfüllung in thermisch vertikaler Obtruationstechnik mit Guttapercha und AH+.
Die Applikation des MTA mesial erfolgte mit einem individualisierten Guttaperchacone ohne Widerlager, da die Perforation nicht einsehbar war. Zuvor erfolgte im lingualen Kanal das Downpack.
Das Recall sah nach „läuft“ aus. Schon wir mal weiter…

Datum vormerken I 07.09.2022 oder 09.09.2022

Budapest Juni 2011

Dieses Jahr ist ESE-Meeting-Jahr.

Und wenn alles klappt, trifft sich die Endodontic Community in Budapest bei der ESE 2 Jahres-Tagung.

Wir von WURZELSPITZE möchten uns dort mit Euch treffen.

Mittwoch abend 07.09. 2022. 20 Uhr.


In einer noch festzulegenden Location.
So wie wir es in der Vergangenheit getan haben.
Und immer viel Spass an solchen Abenden mit Euch hatten.

Sollte es – wider Erwarten – aber was heisst das schon in Zeiten wie diesen – nicht zum ESE Treffen kommen, dann möchten wir – sofern Covid und die Weltlage dies zulassen – uns eine Alternative mit heimischen Örtlichkeiten einfallen lassen. Bitte daher sicherheitshalber auch den Termin 09.09.2022 gleich mit reservieren !

Datum vormerken II – WURZELSPITZE Plus Live Talk 2/2022

Und noch ein Datum zum Vormerken:

Mittwoch 22.Juni 2022

WURZELSPITZE Plus Live Talk

20:00 Uhr

Mit Beiträgen von Antonio Renatus, Sebastian Stein und Ha-Wi Herrmann.

Revision nach Resektion mit einigen Extras

Revisionen nach Resektion sind häufige Realität und nichts Ungewöhnliches mehr.

Der nachfolgende Behandlungsfall enthielt jedoch ein paar Besonderheiten.

Da wäre zunächst das verwendete Füllmaterial zu nennen. Es handelt sich in den Zähnen 12 und 11um apikale Verschlusskegel aus Titan die von Materiaux Precieux Mitte der 1990’er angeboten wurden.

Nach der Resektion erfolgte die orthograde „Aufbereitung“ mittels genormtem konischen Vorbohrers so, dass anschliessend ein exakt passender Titankegel in das apikale Wurzeldrittel eingebracht wurde. Das herausragen aus dem apikalen Wurzelende wurde billigend in Kauf genommen.

Als Zufallsbefund zeigte sich im DVD ein Mesiodens palatinal des Zahnes 21.

Beim Entfernen dieser Stift-Rarität wird der kleine Schacht im koronalen Teil des Kegels genutzt, der ursprünglich für die Aufnahme des Kegels mit einer Einbringhilfe vorgesehen war. Hier habe ich mir bei meinem ersten derartigen Fall ein ausgemustertes, ursprünglich diamantiertes Ultraschallinstrument so zugeschliffen, dass dieses exakt in die vorhandene Vertiefung des Kegels passt.

Nach Aktivieren des Ultraschallinstrumentes beginnt der Kegel in der Regel recht rasch zu rotieren, verbleibt aber nur selten am Instrument verklemmt (hier im Falle des 11 so geschehen) sondern verbleibt gelöst im Zahn. Die Entfernung ist dennoch unkompliziert, da ein Capillary-Tip von Ultradent Products im Durchmesser perfekt in die Kegelvertiefung passt. So kann der Kegel angesaugt und nachfolgend entfernt werden.

Der Rest ist wieder Routine. Kollagenes Widerlager, Obturation mit MTA und adhäsiver Verschluss.

Und der Mesiodens? Wird zunächst belassen und erst dann entfernt, wenn das Recall nach 6 und 12 Monaten keine Resolution der apikalen Pathologie zeigen würde. Erst danach wird die bis dahin eingeliederte langzeitprovisorische in eine definitive Versorgung überführt.