Vertucci Typ 3 / Typ 7

von Ronald Wecker

Klassifikationen sind hilfreich. Sie erleichtern die Kommunikation.

Hier ein oberer Prämolar, der sowohl etwas vom Typ 3 nach Vertucci (ein Kanal verlässt die Pulpakammer, teilt sich innerhalb der Wurzel in zwei Kanäle, welche vor dem Austritt aus dem Zahn wieder fusionieren (1-2-1)) als auch etwas vom Typ 7 (ein Kanal verlässt die Pulpakammer, teilt sich und fusioniert innerhalb der Wurzel und verlässt den Zahn mit zwei getrennten Kanälen (1-2-1-2)) hatte.

r1

Nach einem schlitzförmigen Pulpakavum zweigte sich der Pulpahohlraum in zwei getrennte Kanalsystem auf, die sich unter einer Dentinbrücke wieder vereinten um in ca. 17 mm Tiefe erneut aufzugabeln, um sich ca. 3 mm vor dem gemeinsamen Foramen wieder zu vereinigen. (1-2-1-2-1).

Neben stark obliterierten Kanalabschnitten lag die Schwierigkeit in einem bereits im präoperativ angefertigten DVT zuerkennenden, schräg nach apikal und distal verlaufenden Seitenkanal, der vom palatinalen Kanalsystem abzweigte.

Durch den schrägen Verlauf des Seitenkanals, war dieser für rotierende Instrumente „attraktiver“ als das stark eingeengte palatinale Kanalsystem.

Die Endometrie zeigte in P erwartungsgemäss zunächst sprunghaft und eine zu kurze Arbeitslänge an, da es durch den Kontakt mit dem im Seitenkanal befindlichen Flüssigkeiten zu einer Verfälschung des Messergebnisses kommen kann. Durch die präoperative Auswertung der 3D-Diagnostik war mit diesem Sachverhalt bereits zu rechnen, sodass die Beurteilung ob sich das Instrument im Seitenkanal oder im palatianlen Kann befand, taktil erfolgen musste.  Mittel vorgebogener Handinstrumente konnte der Gleitpfad schließlich so angelegt werden, dass ein vollrotierende Aufbereitung möglich war.

Die letzte apikale Krümmung konnte nicht erhalten werden, der kleine Sealerpuff an dieser Stelle, macht jedoch Hoffnung, dass auch dieser Bereich ausreichend gereinigt werden konnte.

Nunmehr gilt es auf das erste Recall nach 6 Monaten zu warten.

P.S. Zahn 25 reagierte reproduzierbar positiv auf elektrischen Reiz.

 

4 auf einen Streich

von Ostidald Wucker

Die Patientin wurde uns überwiesen mit der Bitte um endodontische Revision 36, 37, 38 vor prothetischer Rehabilitation. Die Patientin hatte keine Beschwerden an den Zähnen.
Röntgenbefunde, klinische Befunde:
36 Z.n. Wurzelkanalbehandlung, unvollständige Wurzelfüllung, Sekundärkaries, VD Instrumentenfraktur mesial / keine erhöhten Sondierungstiefen, Lockerungsgrad 0, insuff. Kronenversorgung
37 Z.n. Wurzelkanalbehandlung, unvollständige Wurzelfüllung, Sekundärkaries,  Instrumentenfraktur mesial / keine erhöhten Sondierungstiefen, Lockerungsgrad 0,
38 Z.n. Wurzelkanalbehandlung, unvollständige Wurzelfüllung, Sekundärkaries, VD Instrumentenfraktur mesial / keine erhöhten Sondierungstiefen, Lockerungsgrad 0,
insuff. Inlay

Zur Lagebestimmung der Fragmente wurde ein DVT angefertigt.

38 habe ich zur Extraktion empfohlen. 36 und 37 als endodontisch lösbar aber nicht einfach eingestuft. Die Patientin wurde entsprechend beraten und wünschte die Erhaltungsversuche der Zähne 36,37.
36 hatte gleich eine Überraschung parat.
Im Zahn 36 habe ich ein Fragment vermutet, jedoch nicht mit 4 Teilen gerechnet.
Die ersten zwei Fragmente, alles Stahlinstrumente hatten sich inniglich umschlungen und vereint. Diese zu trennen kostete etwas Geduld und damit auch etwas Zeit.
Zur Instrumentendarstellung wurde im Bereich des Isthmusses präpariert um die approximalen Wurzelwände weitestgehend zu schonen.

Nach der Entfernung der 3 Instrumentenfragmente schaute mich noch ein 4. Fragment an. Alle Fragmente wurden mittels Ultraschall und Endochuck NSK Stahlfeile #25 und #20 entfernt. Die Auflösung der Blockierung gelang mittels Profile 15.04.
Danach erfolgte in diesem Fall die Entfernung der Krone, da ein Zahnerhalt nach der Lösung der endodontischen Probleme wahrscheinlicher ist.
Die Wurzelfüllung erfolgte in thermischer Obturationtechnik.
Am Zahn 37 haben wir mesial das Fragment entfernt. Die Behandlung wird noch fortgesetzt.

 

 

Wurzelperforation

Von Bonald Decker

Der gestrige Beitrag widmete sich bereits dem Thema Perforation. Auch ich möchte diese Thematik heute aufgreifen und Ihnen einen weiteren Fall dieser häufigen Komplikation vorstellen. Unsere Kasuistik ist allerdings komplett anders gelagert, da es sich um eine seit vielen Jahren bestehende Wurzelperforation handelt.  Laut Kvinnsland et al. entstehen 53 Prozent aller iatrogenen Zahnverletzungen bei der Aufbereitung des Wurzelkanals für einen Wurzelstift.

Kurz zu den Hintergründen:

Im Zuge einer alio loco geplanten Parodontitis-Therapie  war bei der 74-jährigen Patientin die Problematik an Zahn 35  aufgefallen. Laut Patientin war die Krone samt Stift seit mehr als 10 Jahren in situ. Klinisch zeigten sich bei bestehender Beschwerdefreiheit keine Besonderheiten.

Nach eingehender Aufklärung über die verschiedenen Therapieoptionen entschied sich die Patientin für einen Revisionsversuch. Die Stiftentfernung gelang mittels verschiedener  Ultraschallansätze problemlos.

Da prä- und intraoperativ kein parodontaler Defekt bis zur Perforationsstelle evident war entschieden wir uns für eine „klassische“ MTA-Deckung der lateral gelegenen Perforation nach erfolgtem Downpack von Guttapercha und Sealer.

 

Das weitere Kanallumen wurde im Anschluss an die MTA-Applikation (bei Verzicht auf resorbierbares Widerlager) für die Befestigung eines adhäsiven Glasfaserstiftes genutzt.

 

 

Kürzlich war die Patientin zur Nachkontrolle sechs Monate nach Behandlungsabschluss bei uns. Es scheint, als wäre die gewählte Therapie bisher erfolgsversprechend…

 

 

Unauffälliges Röntgenbild (Teil 2)

von Donald Becker

Letzte Woche fragte ich an dieser Stelle nach der Mutter aller ????

Wer, den Satz zu Ende führend, mit „die Mutter aller Perforationen“ geantwortet hat, der lag richtig.
Betrachtet man hierzu die nachfolgenden Videos, wird man allerdings zugeben müssen, daß das Ausmaß der Hartsubstanzdestruktion am Zahnfilm-Röntgenbild nicht einmal annähernd abgeschätzt werden kann.

Die 45 jährige Patientin stellte sich auf Überweisung des Hauszahnarztes am 28.01.2015 zur Weiterbehandlung des im Notdienst an Heiligabend 2014 alio loco initial wurzelkanalbehandelten Zahnes 16 vor.

Der Zahn 16 war vor der endodontischen Initialbehandlung stark symptomatisch (Schmerzskala 8), nach der Behandlung liessen die Schmerzen für mehrere Tage nach (Schmerzskala 3), um dann wieder zuzunehmen. Bei Vorstellung in unserer Praxis war der Zahn schmerzfrei, die Patientin vermied es allerdings, auf dem Zahn zu beissen. Die PA-Messung an 6 Messpunkten ergab Taschentiefen von 2mm, der Zahn 16 war klopfempfindlich.

Erst nach Entfernung des provisorischen Füllungsmaterials offenbarte sich das ganze Ausmaß der Zerstörung, wenngleich das prätherapeutisch angefertigte DVT schon die Aussage zuliess, das die Prognose des Zahnes eher pessimistisch eingeschätzt werden muss. Vor Einführung der Tri-Silicate in die Zahnmedizin wäre sogar von vornherein ein solcher Zahn als zweifelos nicht erhaltungsfähig eingestuft worden.

Heute besteht zwar grundsätzlich eine nicht vorhersagbare Chance der  Erhaltungsfähigkeit des Zahnes, dennoch ist angesichts der für die Wiederherstellung des Zahnes aufzuwendenden Kosten und des nicht vorhersagbaren Risikos des Zahnverlustes der Extraktion mit nachfolgender Implantation oder Brückenversorgung der Vorzug gegenüber heldenhaftem Bemühen zum Zahnerhalt zu geben.

Die Patientin fragte allerdings nach dieser Empfehlung zur Extraktion, ob es denn gar keine Möglichkeit des Zahnerhaltes gäbe. Sie wolle sich den Zahn nur ziehen lassen, wenn alle Möglichkeiten des Zahnerhaltes ausgeschöpft seien.

Ehrlicherweise muss man an dieser Stelle, angesichts der Möglichkeiten, die uns Materialien wie MTA und Biodentine an die Hand geben, die Frage in den Raum stellen, was man verlieren könne in einer solchen, scheinbar hoffnungslosen Situation, wenn man einen ultimativen Erhaltungsversuch unternähme, sofern wie in diesem Falle die Patientin dies unbedingt wünscht und bereit ist, das Risiko des Zahnverlustes  aller Rettungsbemühungen zum Trotz einzugehen.

Am 05. 02.2015 erfolgt die Versorgung des Zahnes 16 mit einer dentinadhäsiven Composite- Restauration. Am Tag darauf die Trepanation, die klinisch dann das ganze Ausmaß der Perforation offenbart.

Es erfolgt die Deckung des rund 22 Quadratmillimeter großen Perforationsdefektes mittels Biodentine. Die Möglichkeit, einzeitig nach Wartezeit von ca. 15 Minuten post Applikation mit der Behandlung weitermachen zu  können, ist insbesondere bei wie im vorliegenden Fall nicht ortsansässigen Patienten ein großer Vorteil. Die Perforation ragte in den Bereich des mesiobukkopalatinalen Kanals hinein. Die Notwendigkeit, den Defekt decken zu müssen, gleichzeitig jedoch die Penetration und Erweiterung des Kanals sicherzustellen, ohne die Perforationsdeckung wieder zu kompromittieren oder gar zunichte zu machen, stellte eine weitere große Herausforderung dar.

WF-Kontrolle 05.05.2015

Letztendlich gelang die Wurzelkanalbehandlung in weiteren Sitzungen am 16.02.2015, 24.04.2015 und 05.05.32015 unter Berücksichtigung der vorliegenden extrem schwierigen Ausnahmesituation reibungslos. Die bis nach apikal getrennt voneinander verlaufenden sehr engen Wurzelkanäle in der mesiobukkalen Wurzel sowie der distobukkale Kanal werden bis zu 35.06 aufbereitet, der palatinale Kanal bis 60.04.

WF-Kontrolle 20.11.2015

WF-Kontrolle 19.05.2016

Es erfolgten Nachkontrollen am 20.11.2015 und 19. Mai 2016. Der Zahn 16 war in all der Zeit vollkommen unauffällig bei im Röntgenbild stabiler Knochensituation und Taschentiefen von circulär weniger als 3 mm, weshalb 12 Monate post WF eine Empfehlung zur Kronenversorgung des Zahnes durch den Hauszahnarzt gegeben und das Recallintervall auf 12 Monate hochgesetzt wird.

Am 20.10. 2016 sucht die Patientin wegen einer unklaren Schmerzproblematik im rechten Oberkiefer überraschend zur ausserplanmäßige Kontrolle unsere Praxis auf. Die vorhandene klinische Symptomatik (starke Heiß Kalt-Empfindlichkeit vor einigen Tagen, jetzt nachlassend) deutet eher nicht auf den Zahn 16 als Schmerzauslöser hin.

WF-Kontrolle 20.10..2016

 

 

Klinische Kontrolle, Röntgenbefund und PA – Befund des Zahnes 16 sind weiterhin unauffällig.

 

 

Doppelt hält besser.

von Ronald Wecker

Aber offensichtlich nicht immer.

In vorliegendem Fall wurde an Zahn 16 zweimal eine Resektion der bukkalen Wurzeln vorgenommen. Eine Revision der inhomogenen  Wurzelfüllung  – ich persönlich finde damit das Erscheinungsbild der mesialen Wurzelfüllung mehr als wohlwollend beschrieben – war zu keiner Zeit in Betracht gezogen worden. Erst der patientenseitig angestrengte Behandlerwechsel brachte diese Option ins Spiel.

Klinisch imponierte eine auf Höhe der Furkation befindlich aktive Fistelung, die seit mehr als einem Jahr persistierte. Das präoperativ angefertigte DVT zeigte, dass mesial nur ein Kanalsystem aufbereitet worden war. Die Wurzelfüllung zeigte sich nicht mittenzentriert, sodass ein unaufbereitetes  MB2-System zu vermuten war. Auch die palatinale Wurzel weist eine apikale Aufhellung auf.

Das die chirurgische Intervention mesial nicht erfolgreich war, verwundert angesichts der Lage der retrograden Füllung distal der Foramina nicht. In der mesiobukkalen Wurzel  zeigt sich zusätzlich distopalatinal eine intraradikulär gelegene, rundliche, scharf abgegrenzte, homogene Aufhellung im Apikalbereich.

Die Behandlung erfolgte zweizeitig. Nach Entfernung der Krone und präendodontischem Aufbau konnten in der ersten Sitzung zwar die orthograden Obturationsmassen vollständig, die retrograden Materialien hingegen nur teilweise entfernt werden. Nach ausgiebiger ultraschallunterstützter Irrigation wurde CaOH2 eingelegt und der Zahn adhäsiv verschlossen.

Zum zweiten Behandlungstermin war die Fistelung zwar nicht mehr aktiv, zeigte aber noch eine halbkugelige Vorwölbung.

Um das retrograde Material vollständig entfernen zu können, wurde die Dentinbrücke über dem schmalen apikalen Isthmus zwischen MB1 und MB2 mittels U-File aufgezogen. Das Foramen an DB wurde dazu tropfenförmig erweitert.

Nach Anlegen eines kollagenen Widerlagers erfolgte die Obturation in DB und MB mittels MTA. Bei der ultraschallgestützten Kompaktion des MTA in MB wurde leider MTA nach periapikal extrudiert. P wurde in warmer vertikaler Kompaktion obturiert. Das in 6 Monaten geplante Recall wird zeigen, ob die Behandlung zumindest initial erfolgreich gewesen war.

Zementoblastom

von Ostidald Wucker

Im heutigen Fall haben wir ein DVT, welches ein Zementoblastom im Unterkiefer am Zahn 37 darstellt. Auf dem DVT erkennt man einen schmalen, radiotransluzenten Saum um das Zementoblastom, ebenso den Zusammenhang mit einer externer Resorption am Zahn 37. Der Zahn 37 ist sensi positiv.

Das Zementoblastom gilt als gutartiger, odontogener Tumor, der selten vor dem 10. und nach de, 70. Lebensjahr auftritt. Die Ätiologie ist unklar. Differenzialdiagnostisch ist an ein Osteoblastom zu denken. Dieser Tumor zeigt jedoch keine Fusion mit einer Zahnwurzel, so daß dieser radiologische und morphologische Befund die Unterscheidung ermöglicht.

Das Zementoblastom ist gutartig, größere Läsionen zeigen jedoch eine hohe Rezidivneigung (etwa in 20% der Fälle), wobei es zu lokalen Destruktionen kommen kann. Fast alle Rezidive treten innerhalb von 2 Jahren auf. Therapeutisch wird in der Literatur empfohlen, Zementoblastome zusammen mit dem betroffenen Zahn und dem unmittelbar angrenzenden Knochen zu entfernen.

Literaturtip:

Benign odontogenic ectomesenchymal tumors.
Jundt G, Reichart PA.
Pathologe. 2008 May;29(3):199-204. doi: 10.1007/s00292-008-0997-z. Epub 2008 Apr 9. German.
PMID: 18392828

Tag des Frontzahnes-Recall -Fall I und weiteres Update

Von Bonald Decker

Ein Jahr ist der Abschluss der Behandlung dieses Falles nun her. Vor ein paar Tagen erfolgte eine Nachkontrolle der Therapie. Klinisch waren keine Besonderheiten augenscheinlich. Auch radiologisch scheint die Behandlung bisher erfolgreich zu sein.

Interessant wird zukünftig zu sehen sein, wie sich der Bereich um die mit einer adhäsiv befestigten Kompositfüllung verschlossene Resorption verhält und entwickelt. Aktuell fällt insbesondere an dieser Stelle ein verbreiteter Parodontalspalt auf, wobei die Taschensondierung (bei ausbleibender Blutung) keinen Anlass zur Sorge gibt

In einem Jahr ist der nächste Kontrolltermin vorgesehen… ich werde weiter berichten.

 

Ferner möchte ich Ihnen die weitere traurige Entwicklung des zweiten hier gezeigten Falles nicht vorenthalten.

Leider stellt sich die Situation vier Monate nach Avulsion mit initial unterlassener Wurzelkanalbehandlung sehr unerfreulich dar. Acht Wochen nach Behandlungsbeginn zeigte sich bei der gestrigen Nachkontrolle ein rapides Fortschreiten des externen Resorptionsprozesses und es besteht radiologisch ferner der Verdacht einer horizontalen Wurzelfraktur. Intraoral imponierte ein vestibulär gelegenes Fistelmaul.Der Erhalt des Zahnes erscheint mehr als fraglich.

Daher erfolgt nun eine Abstimmung der beteiligten Fachdisziplinen (Kieferorthopädie, Oralchirurgie etc)  hinsichtlich des weiteren Vorgehens.

Unauffälliges Röntgenbild

von Donald Becker

Die 44 jährige Patientin wurde vom Hauszahnarzt überwiesen, nachdem vor wenigen Wochen im Notdienst alio loco die Trepanation des Zahnes 16 durchgeführt worden war. Der Zahn 16, damals ganz offensichtlich stark pulpitisch, so dass auf Grund der vorhandenen starken Blutung die Behandlung nicht weitergeführt werden konnte, ist nun weitestgehend schmerzfrei, allerdings kann die Patientin noch nicht auf dem Zahn kauen.

Im angefertigten Röntgenbild zeigt sich der Zahn 16  unauffällig, zumindest gibt es keinen Hinweis auf die vorliegende anatomische Besonderheit.

Frage an die Leser: Um welche Besonderheit, die so ausgeprägt ist,  dass ich den Ausdruck „Die Mutter aller …..“ zur Beschreibung des Sachverhaltes heranziehe, handelt es sich in diesem Falle ?

Bitte benutzen Sie eifrig die Kommentar- Funktion.

Was liegt vor ?
Wie solte mit dem Zahn verfahren werden ?
Welche diagnostischen Maßnahmen sind sinnvoll ?
Prognose des Zahnes ?

Die Auflösung kommt hier an dieser Stelle am kommenden Dienstag.

Saving Hopeless Teeth – Zustand nach WSR

von Ronald Wecker

Der Ausgangszustand schien nicht sehr viel versprechend.

Die Zähne 21 und 11 zeigten einen Zustand nach WSR. Der 21 schien nur unvollständig resiziert zu sein und wies, wie 11, eine deutliche apikale Aufhellung auf.

Die Behandlungen erfolgten jeweils einzeitig. Immer wieder ist es für mich interessant zu sehen, wie stark die Kontaminationsspuren an den entfernten Obturationsmaterialien sind.

2 Jahre postoperativ zeigen sich die periapkalen Gewebe in deutlicher Regeneration begriffen.

 

Handinstrumentierung

von Ostidald Wucker

Normalerweise schlage ich mich in Revisionen mit abgebrochenen Instrumenten, Guttaperchaträgern, Stiften etc. herum. Das sind in der Regel schwierige Fälle aber zumeist anders gelagert als dieser Fall.

Der Patient, Arzt mit eigener Praxis und stark beruflich eingebunden stellte sich mit akuten Beschwerden bei uns vor. Der Hauszahnarzt hatte versucht den pulpitischen Zahn 47 endodontisch zu therapieren. Schmerzfreiheit stellte sich danach nicht ein. Der Patient hoffte, daß es noch besser wird. Wurde es aber nicht. Der Hauszahnarzt war inzwischen im Urlaub und der Patient fuhr dann in die Kreisstadt zum Notdienst. Dieser winkte nur ab und meinte, daß ist was für einen Spezialisten. Da der Patient sehr starke Schmerzen hatte, wurde der Zahn kurzer Hand „aufgemacht“ und mit einer Wattekugel verschlossen. Schmerzfreiheit konnte nicht erreicht werden. Das Wochenende konnte der Patient mit Schmerzmitteln irgendwie hinter sich bringen.

Am Montag rief er bei uns an und bat um einen sofortigen Behandlungstermin. Nach der „Telefonanamnese“ baten wir ihn um etwas Geduld und „schaufelten“ kurzfristig 90 Minuten Behandlungszeit frei.
Die Diagnostik und das Anfertigen eines aktuellen Röntgenbildes waren Teil der Vorbereitung des Beratungsgespräches. Die im Röntgenbild zu vermutende Wurzelkanalanatomie erschien sehr komplex und wir haben uns entschlossen, eine 3D-Aufnahme anzufertigen.

Nach der lokalen Munddesinfektion mit CHX, Leitungsanästhesie und Kofferdamaplikation zeigten sich die ersten Probleme. Die Mundöffnung war extrem gering. Einen Aufbissblock tolerierte der Patient gar nicht. Damit war die Mundöffnung nicht einmal konstant gering.
Die Kanaleingangsdarstellung stellte sich sehr schwierig da. Die vorhandene Restauration war suboptimal, aber frei von Sekundärkaries. Deshalb wollte ich diese erst mal erhalten.
Die initiale Kanaldarstellung und Zugangspräparation habe ich hier erstmals mit Schallinstrumenten durchgeführt und anschließend mit Handinstrumenten und Pathfeilen in 21er Länge instrumentiert. Distal konnte ich mit 25mm langen Instrumenten arbeiten. Mesial, insbesondere mesiobukkal hatte ich keine Chance diese unter Sicht einzuführen. Deshalb habe ich zunächst mit Handinstrumenten bis #15 instrumentiert und danach Ledermix mit einem eingekürzten „Eddy“ verteilt.

Am nächsten Tag war der Patient schmerzfrei, wie er uns telefonisch mitteilte.

In der nachfolgenden Behandlungssitzung versuchte ich über die mesiolingualen Kanäle, welche mit dem mesiobukkalen Kanal konfluieren, die apikale Bereiche zu erschließen.
Ich hatte keine Chance den apikalen rechtwinkligen Knick mit der maschinellen Aufbereitung zu erschließen. Bis #20 konnte ich mit Handinstrumenten von mesiobukkal in einer Balance Forced-Technik instrumentieren. Die ISO25 gelangte nicht mehr um den Knick. Nach physiktherapeutischen Übungen war die Mundöffnung etwas größer geworden. Deshalb konnten wir den Eddy auf Arbeitslänge minus 1mm bringen. Den Schalleinsatz habe ich auf 2 mal 2 Minuten in den mesialen Kanälen ausgedehnt und jeweils einen neuen Eddy verwendet.
Die SAF konnte mesial nicht die Arbeitslänge erreichen. Distal war dies möglich.
In der Masterpointaufnahme erschien die röntgenlogische Darstellung nicht kongruent mit der klinischen Situation.
Die abschließenden WF Bilder stellten jedoch den vermuteten klinischen Zustand da.
Ob die apikale Ausbreitungsgröße von ISO 20 zu gering ist wird die Zukunft zeigen.

Kein vorgebogenes NiTI Instrument konnte um den mesioapikalen Knick gebracht werden.

Harte Nuss – Recall 18 Monate

Von Bonald Decker

 

Erinnern Sie sich noch an diese Prämolaren-Revision, bei der wir uns beinahe die Zähne ausgebissen hätten?

18 Monate nach Abschluss der Behandlung stellte sich die Patientin nun mit dem Wunsch der Revisionstherapie von 27 wieder bei uns vor. Im Zuge der Untersuchung und Behandlung konnte auch Zahn 25 nachkontrolliert werden. So „spektakulär“ die Abschluss-Röntgenaufnahme seiner Zeit war, so wenig „aufregend“ stellt sich der Zahn aktuell radiologisch dar…

P.S.: Ich hoffe, dass nach Abschluss der Molaren-Behandlung eine prothetische Rehabilitation dieser Region erfolgt.

 

 

Komet EndoExplorer EX1, EX2, EX3

von Hans – Willi Herrmann

Vor ein paar Monaten fragte der Kollege András Csögör auf Grund dieses WURZELSPITZE – Blogbeitrags in einem Emailforum, um welche Bohrer es sich bei den überlangen Instrumenten in der zweiten Reihe des besagten Bohrerständers handeln könne.

Respekt von meiner Seite für das genaue und interessierte Hinschauen.
Allerdings – eine Antwort konnte damals nicht gegeben werden.

Die Instrumente waren Prototypen, de facto unbekannt und die wenigen Leute, die hätten antworten können, hatten vermutlich eine Verschwiegenheitserklärung abgegeben.

Seit ein paar Tagen nun sind die Instrumente offiziell auf dem Markt und daher kann nun auch an dieser Stelle bekanntgegeben werden, dass es sich bei den angesprochenen Instrumenten, die in erster Linie zur Gestaltung der primären und sekundären Zugangskavität im Rahmen endodontischer Maßnahmen eingesetzt werden, um die EndoExplorer – Instrumente EX1, EX2  und EX3 der Firma Komet handelt.

Nähere Informationen zu diesen Instrumenten finden sich hier.

Was (noch) nicht in der Informationsbroschüre steht. Das EX -Instrumenten – Set enthält, wenngleich noch nicht offiziell gelistet,  wie im Bohrerständer schon zu sehen, eine weiteres EX 3 genanntes Instrument. Wenn alles klappt, so wird es mit den anderen EX – Instrumenten und den H1SML – Rosenbohreren im Rahmen eines Workshops auf der DGET – Jahrestagung im November in Frankfurt offiziell vorgestellt werden.

Eine erstes Preview  gab es im Rahmen des 3 tägigen Weck, Worscht, Woi-Seminars Anfang September in Bad Kreuznach, wo unter anderem das Arbeiten mit diesen Instrumenten im Rahmen der Gestaltung endodontischer Zugangskavitäten ausführlich erörtert wurden.

Das Schlagwort „Minimalinvasive Endodontie“ ist seit einiger Zeit schon gross in Mode.
Häufig wird allerdings übersehen, dass es sich dabei nicht um eine revolutionär neue Forderung handelt, vielmehr der Wunsch nach maximalem Zahnsubstanzerhalt seit jeher schon dem Grundkanon engagierter Zahnmedizin zuzuordnen war. Es fehlten bislang lediglich die Möglichkeiten, dieses Ziel in der Praxis konsequent umzusetzen. In der Kombination von H1SML–Rosenbohrern und EndoExplorer–Instrumenten unter Verwendung adäquater optischer Vergrößerungshilfen finden sich nun die Voraussetzungen, den benötigten endodontischen Zugang im Sinne eines „so klein wie möglich, so groß wie nötig“ substanzschonend zu gestalten, ohne damit den Einsatz nachfolgend notwendiger Wurzelkanalinstrumente zu limitieren oder gar zu kompromittieren.

Erste Feedbacks aus den Reihen der Teilnehmer waren – und das freut mich – sehr positiv.

Disclaimer
Die benannten Instrumente wurden von der Firma Komet in federführender Zusammenarbeit mit dem Autor entwickelt.

Vitales Gewebe – apikale Aufhellung

von Ronald Wecker

In der Theorie ist es klar: bakterielle Toxine diffundieren im vitalen Gewebe nach apikal und lösen im Periapikalraum eine entsprechende immunologische Reaktion aus.

Praktisch war ich jedoch verwundert, wie weit „oben“ im palatinalen Kanal vaskularisiertes Gewebe zu erkennen und wie ausgeprägt die zum palatinalen Kanal zugehörige Aufhellung war.

Vaskularisiertes Gewebe im koronalen Drittel des palatinalen Kanalsystems.

Beeindruckend auch der Dentikel, der das gesamte Pulpakavum ausfüllte und in zwei Teile zerlegt werden musste, um entfernt werden zu können.

Der „Look“ im mesiobukkalen Kanal wird ein wenig durch die von mir beim Bearbeiten des Kanaleingangsbereichs mit Ultraschall verursachte Stufe beeinträchtigt.

Erfreulich jedoch, dass bereits 6 Monate nach Obturation die apikale Ausheilung sehr weit fortgeschritten ist.

 

 

Zufallsrecall nach mehr als 10 Jahren

von Ostidald Wucker

Im Zahn 44 steckte ein Instrumentenfragment und es bestanden akute Beschwerden.
Das Röntgenbild zeigte eine P. apicalis und ein Instrumentenfragment am Zahn 44.

Der Patient hatte sich an uns gewandt mit der Bitte um Hilfe. Wir waren gerade in unsere mikroendodontische Kinderschuhe geschlüpft. Derartige Fälle lagen zu diesem Zeitpunkt außerhalb unserer Kompetenz.

Wir hatten auf Fortbildungen gehört, daß man so etwas lösen kann, aber selbst hatten wir so ein Fragment bisher nicht erfolgreich bei einem Patienten entfernt.
In einer von uns genannten Praxis, die diese Fälle lösen konnte wollte der Patient, auf Grund der Entfernung nicht fahren. Er bestand auf der Behandlung bei uns.
Deshalb haben wir nach langem ausführlichen Aufklärungsgespräch einen Termin für die Behandlung mit dem Entfernungsversuch vereinbart.

Die Beschwerden des Patienten kamen jedoch vom Zahn 45.
Dessen Behandlung hat Vorrang. Die Brücke 45-47 konnte entfernt werden und der Zahn 45 endodontisch therapiert werden. Schon in der Zugangskavität kam es dabei fast zu einer Perforation, weil Stumpfpräparation und Zahnstellung abwichen und das von mir nicht erkannt wurde.
Danach haben wir uns an den Zahn 44 gewagt.
Die Entfernung des Fragmentes gelang mittels Ultraschall. Nach Stunden. Auf Grund der schwer einsehbaren Lage und der Unerfahrenheit des Behandlers wurde viel Substanz geopfert. Eine zweite unbehandelte Kanalstruktur konnte ebenfalls aufbereitet und gefüllt werden.
Wir waren zurückhaltend in der Prognoseneinschätzung für den Zahn 44.
Nach 6 Monaten  konnte eine deutliche Heilungstendenz erkannt werden. Wir waren damals trotzdem skeptisch eine zeitnahe Kronenversorgung zu empfehlen und wollten abwarten und kontrollieren…
Erst 12 Jahre später kam es erst wieder zu einem Recall. Anbei die Bilder.

Kieferorthopädischer Extrusionsversuch bei Ankylose

Von Bonald Decker

Letzte Woche habe ich Ihnen hier den Fall der zehnjährigen Charly vorgestellt.

Heute möchte ich Ihnen die Aufnahmen des kieferorthopädischen Extrusionsversuchs nachreichen. Diese verdeutlichen leider sehr eindrucksvoll was passieren kann wenn versucht wird einen ankylosierten Zahn zu extrudieren. Statt der gewünschten Bewegung von Zahn 21 kam es zur Intrusion der Nachbarzähne (insbesondere von 11 und 22) mit einem daraus resultierenden frontal offenen Biss.

 

Aktuell angestrengte kieferorthopädische Bemühungen haben zum Ziel diesen wieder positiv zu regulieren…

 

Linsengericht (I) – Das Flexion Dentalmikroskop von CJ-Optics

von Hans – Willi Herrmann

Früher war alles besser ?

Mitnichten.

Gehen wir zurück in die Jahre 1995 – 1997.

IDS war Pflichtveranstaltung für mich, den frischgebackenen Praxisgründer.
Der Wunsch und einer der Augenmerke des Messerundgangs?
Die Kaufentscheidung für ein Operationsmikroskop zu treffen.

Was gab es zur Auswahl ?

Zwei Zeissmikroskope. Eins für einen Praxisneuling unbezahlbar, eins für immer noch viel Geld, aber funktional unbrauchbar.

Alternativ dazu ?
Ein Leica – Mikroskop.
Noch teurer als das teure Zeiss.

Letztendlich wurde es das hochpreisige Zeiss Pro Magis, die Entscheidung war richtig, nie gereut in all den Jahren, nicht eine Sekunde, aber natürlich hätte ich als junger Praxisgründer gerne ein deutlich günstigeres OPM erwählt.

Gab´s aber nicht.

Und heute ?
Steht eine Vielzahl von – wie man in der Automobilindustrie sagen würde – guten „Mittelklasse – Mikroskopen zur Verfügung. Zeiss Pico, Leica M 320. Global mit seiner neuen A – Serie.

Und – als neuester Vertreter seiner Art – das Flexion Dentalmikroskop von Carsten Jung, der mit seiner Firma CJ-Optics das abdeckt, womit vor 15 Jahren einmal Kaps positiv assoziiert war: Ein kleiner Hersteller, kundenorientiert. Immer bereit, auf individuelle Wünsche der Mikroskopnutzer einzugehen. Angesiedelt räumlich und von seiner Vernetzung her im Dunstkreis von Wetzlar, dem Heimathafen der Firma Leitz, die mit ihren Kleinbildkameras und Objektiven Weltruhm erlangte und bis heute,  als LEICA gebrandet, was die Qualität ihrer optischen Produkte angeht, die Weltspitze definiert.

Und besagtes Flexion- Mikroskop steht nun seit ein paar Tagen bei uns in der Praxis. Endlich. War es doch schon lange angekündigt, aber der Chef der Firma hatte dann doch immer noch eine Neuerung, eine Verbesserung, ein zusätzliches „Feature“, welches er unbedingt anbringen wollte, bevor er uns das Mikroskop zum Testen zur Verfügung stellen würde, damit es auch wirklich einen möglichst guten, nein, den bestmöglichen Eindruck hinterliesse.

So ging das seit der IDS 2014.

„Jetzt ist gut“, sagte dann irgendwann Herr Ermerling von der Firma Hanchadent, dem Flexion- Vertriebspartner, „das Flexion ist so gut, dass es auch unter den kritischsten Blicken bestehen kann“ und so gab Carsten Jung seine Zustimmung, das OPM zur Rezension freizugeben.

So kam es vorletzte Woche zu uns.
„Das ist aber schön“, sagte einer meiner Mirtabeiterin, als das Mikroskop geliefert wurde. Was ich schon mal bemerkenswert fand, denn ich erinnere mich noch gut, was vor ein paar Jahren das Mikroskop eines Mitbewerbers (preislich oberhalb des Flexion angesiedelt) als ersten Eindruck hinterließ. „Das bitte nicht“ sagte meine Erstassistenz damals.

Und damit war das Thema eigentlich schon durch, denn wenn ein Mikroskop, die Stabilität und Grundkonstruktion betreffend, nicht mal den ersten Sichttest besteht, dann erscheint es in der Tat besser, sofort über alternative Kaufentscheidungen nachzudenken.

Ein erstes, wenn auch zunächst oberflächliches Lob.
Wenn man jetzt allerdings noch weiss, dass die aufgestellte Konstruktion mit Variofocus-Linse, Fotoadapter und Sony APS C Kamera Alpha 6000 für rund 20.000 Euro zu erwerben ist, dann ist das Flexion in der Tat, ein „new kid in town“, dass einen zweiten Blick und eine gründliche Testung verdient.

Denn – die Funktion im Alltag entscheidet letztendlich über „Daumen hoch“ oder „Daumen runter“. Und besagtes ZEISS von 1995-1997 konnte es trotz eines „schlagenden“ Argumentes von „rund 30.000 DM billiger gegenüber dem Pro Magis“ ja nicht schaffen, einen Platz in unserer Praxis erlangen.

Worauf werde ich besonders achten ?
Mein Augenmerk liegt vor allem auf dem umgekehrten Kugelkopf, der die Beweglichkeit sicherstellen soll. Aus der Fotografie aus dem Stativbereich seit längerem schon als Novoflex MagicBall bekannt, muss diese Konstruktion hier beweisen, ob sie gegen Mora – Interface oder sogar Magnetkupplung des Pro Ergo  bestehen kann.

Und dann das LED – Licht.
Wie gross wird die Differenz zum State of the Art – Xenon- Standard ausfallen ?

Darüber mehr demnächst hier.