Vertucci Typ 3 / Typ 7

von Ronald Wecker

Klassifikationen sind hilfreich. Sie erleichtern die Kommunikation.

Hier ein oberer Prämolar, der sowohl etwas vom Typ 3 nach Vertucci (ein Kanal verlässt die Pulpakammer, teilt sich innerhalb der Wurzel in zwei Kanäle, welche vor dem Austritt aus dem Zahn wieder fusionieren (1-2-1)) als auch etwas vom Typ 7 (ein Kanal verlässt die Pulpakammer, teilt sich und fusioniert innerhalb der Wurzel und verlässt den Zahn mit zwei getrennten Kanälen (1-2-1-2)) hatte.

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Nach einem schlitzförmigen Pulpakavum zweigte sich der Pulpahohlraum in zwei getrennte Kanalsystem auf, die sich unter einer Dentinbrücke wieder vereinten um in ca. 17 mm Tiefe erneut aufzugabeln, um sich ca. 3 mm vor dem gemeinsamen Foramen wieder zu vereinigen. (1-2-1-2-1).

Neben stark obliterierten Kanalabschnitten lag die Schwierigkeit in einem bereits im präoperativ angefertigten DVT zuerkennenden, schräg nach apikal und distal verlaufenden Seitenkanal, der vom palatinalen Kanalsystem abzweigte.

Durch den schrägen Verlauf des Seitenkanals, war dieser für rotierende Instrumente „attraktiver“ als das stark eingeengte palatinale Kanalsystem.

Die Endometrie zeigte in P erwartungsgemäss zunächst sprunghaft und eine zu kurze Arbeitslänge an, da es durch den Kontakt mit dem im Seitenkanal befindlichen Flüssigkeiten zu einer Verfälschung des Messergebnisses kommen kann. Durch die präoperative Auswertung der 3D-Diagnostik war mit diesem Sachverhalt bereits zu rechnen, sodass die Beurteilung ob sich das Instrument im Seitenkanal oder im palatianlen Kann befand, taktil erfolgen musste.  Mittel vorgebogener Handinstrumente konnte der Gleitpfad schließlich so angelegt werden, dass ein vollrotierende Aufbereitung möglich war.

Die letzte apikale Krümmung konnte nicht erhalten werden, der kleine Sealerpuff an dieser Stelle, macht jedoch Hoffnung, dass auch dieser Bereich ausreichend gereinigt werden konnte.

Nunmehr gilt es auf das erste Recall nach 6 Monaten zu warten.

P.S. Zahn 25 reagierte reproduzierbar positiv auf elektrischen Reiz.

 

Vertucci Typ VII

von Ronald Wecker

Das Kanalsystem oberer Prämolaren wird gelegentlich in ihrer Komplexität unterschätzt.

Dieser 25 wies eine Anatomie entsprechend des Typ VII der VERTUCCI-Klassifikation auf.

Ein schlitzförmiges Kanalorificium teilte sich im mittleren Drittel in zwei eigenständige Kanäle auf um sich 3 mm tiefer wieder zu vereinen, um sich auf den apikalen 2,5 mm wieder zu teilen und in 2 getrennten Foramina zu enden.

Das präoperative DVT lässt die apikale Aufgabelung und die bereits nach periapikal verbrachte Guttapercha erkennen. Ein Umstand, der angesichts der Nähe des Sinus maxillaris, welcher die Behandlungsstrategie und Technik sowohl hinsichtlich der Aufbereitung- als auch der Spültechnik entscheidend bestimmte.

Nach Darstellung der ersten Aufgabelung konnte ein Microopener gezielt so vorgebogen werden, dass er, wenn er im bislang nicht aufbereiteten palatinalen Kanal eingebracht wurde, im bukkalen Kanalsystem eine Bewegung des dort verbliebenen Obturationsmaterials hervorrief.

Daraufhin wurde mittels Endosonorefeile die zwischen P und B gelegene Dentinbrücke entfernt, um die apikale Region einsehen zu können. Überraschenderweise konnte ein bis dahin unentdecktes Instrumentenfragment aus dem Bereich unterhalb der ehemaligen Dentinbrücke herausgespült werden

Nach Darstellung der apikalen Aufgabelung wurde mit Hilfe von im Durchmesser allmählich zunehmenden Hedströmfeilen das letzte und zum Teil periapikal gelegene Guttaperchastück nach koronal entfernt. Dabei erscheint es wichtig, die Guttapercha zunächst unter endometrischer Kontrolle zu passieren, sie dann mit den größeren Hedströmfeilen zu erfassen und nach oben hin zu entfernen.

Die Obturation erfolgte in modifizierter Schilder-Technik. Das gesamte Kanalsystem ergab nach Abschluss der mechanischen Aufbereitung einen langen schmaler Schlitz mit apikaler Aufgabelung.

Wieviele Kanäle?

von Bodald Necker

Der Patient wurde von einem neuen Überweiser geschickt. Zwei untere Prämolaren sollten endodontisch versorgt werden, 34 und 44. Die Aufhellung persistieren schon seit gut einem Jahr, der Patient wurde des öfteren auf den Behandlungsbedarf hingewiesen, ignorierte es wegen fehlender Schmerzen. Jetzt sollte ein Zahnersatz angefertigt werden und der Behandler verweigerte dies natürlich bei dem aktuellen Befund. Der Patient stimmte der Wurzelkanalbehandlung zu.

Es war nicht klar, welche Kanalkonfiguration vorlag (bei beiden Zähnen).
Waren es zwei Kanäle mit tiefer Teilung (Vertucci Typ V), oder war es einer, der sich teilte und sich wieder vereinigte (Vertucci Typ III) und sich evtl. nochmals teilt (Vertucci Typ VII)?
Dem HZA war das ganze zu kompliziert, er wusste nicht, was ihn erwartet und überwies den Fall in unsere Praxis.

Der Patient wurde umfassend aufgeklärt. Bei der Erstuntersuchung fiel beim 34 mb eine singuläre Sodierungstiefe von 8 mm – bei sonst max 3mm – auf.
Der Verdacht auf Längsfraktur erhärtete sich nach der Extraktion beim HZA.

So verblieb Zahn 44 zur Wurzelbehandlung.

Welche Kanalkonfiguration letztlich vorlag, konnte ohne DVT oder extrem exzentrischen Röntgenbildern nicht geklärt werden, es hat aber auch keine Auswirkungen auf Therapie und Prognose. Der/die Kanäle konnten aufbereitet, desinfiziert (ob gut genug wird sich zeigen) und gefüllt werden.

Vertucci Typ VII

von Ronald Wecker

Obere zweite Prämolaren gelten landläufig als „einfache Zähne“. Insbesondere im Fall einer Vitalexstirpation. Der Zahn kann sich im Grunde genommen bereits kurz nach Anlegen der Zugangskavität als obturiert betrachten.

Mental derart „vorbereitet“ ist dann das Erstaunen des Behandlers umso größer wenn kurz darauf die Feile hakelt, Patency weit entfernt ist und es so gar keine Vorstellung von der tatsächlich vorhandenen Kanalanatomie gibt.

Wie gut, dass die heute zur Verfügung stehende Röntgendiagnostik bereits präoperativ mögliche Schwierigkeiten erkennen lässt.

In vorliegendem Fall kann der Zahn anhand des Ausgangsröntgenbildes mit großer Sicherheit einem Typ VII nach VERTUCCI zugeordnet werden. Ein Wurzelkanal der sich aufteilt, konfluiert und erneut aufteilt (1-2-1-2).

In der aktuellen Ausgabe der „Endodontie“ gibt es einen sehr guten Überblick über die verschiedenen Klassifikationen der Wurzelkanalanatomie (Endodontie 2010;19(4), 369 -392).

Nach der ersten Aufteilung gab es zunächst eine weit hinabreichende Dentinbrücke zwischen dem palatinalen und dem bukkalen Kanal. Die anfangs vorhandene Idee diese zu entfernen um einen besseren Einblick in den apikalen Kanalanteil zu erlangen, habe ich aufgrund des damit verbundenen großen Substanzverlustes verworfen. Nach ausgiebiger ultraschallunterstützter Spülung mit NaOCl konnte die Konfluationsstelle visualisiert werden. Das Entfernen des in diesem Bereich befindlichen Gewebes gelang mit Hilfe eines fast 90 Grad vorgebogenen Microopeners. Der bukkal gelegene Kanalanteil konnte anschliessend unter direkter Sicht instrumentiert werden. Die zweite Aufgabelung wurde mit einer leicht vorgebogenen C-Pilot Feile der Stärke ISO 008 aufgesucht und unter endometrischer Kontrolle initial erschlossen. Um ein versehentliches Abgleiten in den bereits aufbereiteten bukkalen Kanal zu verhindern wurde in diesen ein Masterpoint (35/06) eingebracht.

Nach jedem in den palatinalen Kanal eingebrachtem Instrument wurde die Guttaperchastange aus dem bukkalen Kanal entfernt und auf Einkerbungen kontrolliert. So wurde sicher gestellt, dass der „richtige“, nämlich palatinale Kanal instrumentiert worden war.

Die Obturation erfolgte in warmer vertikaler Kompaktion beginnend mit dem palatinalen Kanal. Ein Foto zeigt eine kleine Menge Sealer in  der breiten apikalen Konfluationszone.

Mein Fazit: Die am besten investierte Behandlungszeit ist das ausführliche Betrachten des präoperativen Röntgenbildes.

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